Wahr/sprechen leicht gemacht
oder: Michel Foucault und die Wahrheit
19.11.2025 100 min
Zusammenfassung & Show Notes
Was ist Wahrheit – und was hat Michel Foucault damit zu tun? In dieser Folge reden wir über seine drei Phasen (Wissen, Macht, Ethik), über „Regime der Wahrheit“ und parrhesia und fragen, was das für heutige Kämpfe um Gender, Politik und Realität bedeutet.
Letzte Woche ging es um „Genderideologie“ – diesmal fragen wir: Wie entsteht Wahrheit historisch überhaupt? Wir knüpfen an Laclaus Ideologiebegriff an und holen Foucault ins Boot, um zu verstehen, wie Wissen, Macht und Wahrheit zusammenhängen.
Letzte Woche ging es um „Genderideologie“ – diesmal fragen wir: Wie entsteht Wahrheit historisch überhaupt? Wir knüpfen an Laclaus Ideologiebegriff an und holen Foucault ins Boot, um zu verstehen, wie Wissen, Macht und Wahrheit zusammenhängen.
Wir sprechen über Foucaults Dreisprung Wissen – Macht – Ethik: von Epistemen und Diskursordnungen über Disziplin, Überwachung und Biopolitik bis hin zu Praktiken des Selbst und parrhesia, dem mutigen Wahrsprechen. Dabei geht es immer um Körper: Wer darf sprechen, wer gilt als glaubwürdig, wessen Erfahrungen verschwinden?
Zum Schluss räumen wir mit zwei Mythen auf: Foucault heißt weder „alles ist relativ“ noch „alles ist nur Sprache“. Wahrheit ist bei ihm wirksam, institutionell organisiert und körperlich eingeschrieben – und genau deshalb politisch brisant, wenn wir über Genderdebatten, Fake News oder Trump reden.
------
Folge uns gern im Netz!
Jessica:
Verena:
Transkript
Und wollte dann quasi immer an die, boah, wie spricht man jetzt nochmal aus, musst du auch sprechen, an die École Normale Supérieure.
Habe ich das richtig aus? Wow! Das habe ich noch nie geschafft.
Also in gewisser Weise ist ja Wahrheit bei Foucault nicht etwas, was man hat oder findet oder keine Ahnung, sondern etwas, was produziert wird.
Das heißt eine Funktion von Macht. Und Funktion heißt hier eben, etwas wird durch etwas anderes hervorgebracht oder gestützt.
Also Wahrheit ist nicht die Ursache, sondern das Ergebnis eigentlich von bestimmten Praktiken.
Das heißt, Wahrheit funktioniert nur innerhalb von einem System aus Regeln, Institutionen, Sprecher, Sprecherinnenrollen, Verfahren.
Also innerhalb eines bestimmten Machtgefüges, das schon da ist.
Und zwar sind das diejenigen Personen, die etwas sagen, einem bestimmten Gegenüber.
Also man braucht, um wahr zu sprechen, auch immer andere Menschen.
Und man sagt es gegenüber anderen Menschen, und zwar auf die Gefahr hin, dass diese Wahrheit, die man dabei ausspricht, bei den anderen Menschen problematisch ankommt.
Und sei es, weil sie darauf mit Abwehrhaltung reagieren, weil sie darauf gegebenenfalls mit Gewalt reagieren, weil sie das nicht als Wahrheit erkennen.
Also man begibt sich in Gefahr, indem man diese Wahrheit ausspricht.
Und ich sage ja oft, ich lese Foucault nicht nur, ich lebe Foucault.
Und genau deshalb erzähle ich das heute hier vielleicht auch so im Detail, weil es eben nicht reicht, über Diskurse zu sprechen.
Ja, manchmal müssen wir einfach auch hören, wie sie sich anfühlen.
Jetzt ist Lucy aufgewacht.
Na toll.
Ah, es hat sich wieder hingelegt.
Ich habe mich einmal angeguckt, so, warum war es jetzt kurz so laut?
Dann hat sie sich wieder hingelegt.
Da geht was los.
Da hat sie sich gedacht wahrscheinlich.
Ja, genau.
Jetzt ist es losgehört.
Geht es jetzt raus?
Geht es Kassi?
Ah, ein Hundeleben.
So, das wäre schön.
So, Verena, eine neue Folge.
Eine neue Folge.
Wir sind wieder da.
Mit ganz schön viel im Gepäck sind wir gerade drauf gekommen, oder?
Ja, mal schauen, wie lange sie dauert.
Wir können es noch nicht abschätzen.
Wir können es noch nicht abschätzen.
Wir planen eine Folge, die wir nicht schneiden müssen.
Nicht cutten in der Mitte.
Genau, nicht cutten.
Wir sind immer noch ein bisschen unorganisiert, kommt mir vor, jetzt im Herbst, oder?
Naja, ich glaube, es liegt eher am Thema.
Wir können ja auch nichts dafür, dass wir uns ein Thema ausgesucht haben.
Dafür können wir schon was.
Aber wir können nicht dafür, dass das Thema, das wir ausgesucht haben, dann irgendwie doch
wieder komplexer ist, als wir es dachten, als wir es ausgesucht haben.
Erstens ist es immer so, und zweitens sind es wir.
Also wir hätten es wissen können.
Aber wir wollten es nicht wissen.
Warte, das bringt uns schon auf die richtige Fährte der Folge.
Jessica.
Was war das für eine perfekte Einführung heute in diese Folge?
Fantastisch.
Wirklich fantastisch.
Okay, bevor wir, weil du jetzt schon fast drinnen bist im Thema, bevor wir anfangen,
vielleicht kurze Recap von dem, wo wir herkommen eigentlich vom letzten Mal.
Weißt du noch, was wir letztes Mal gesprochen haben?
Ja, wir haben letzte Woche ein Thema gehabt, das dich immer sehr aufregt.
Und wir haben am Ende aber ein schönes Fazit gefunden.
Es ging um die Genderideologie.
Ich habe mich doch überhaupt nicht aufgeregt.
Ich hätte mich mehr aufregen können.
Aber ja, das stimmt.
Also wir haben ja in der letzten Woche, es ging um das Gendern, es ging um Ideologie
und es ging um Genderideologie, oder?
Aber weniger um das Gendern.
Gendern als Begriff, der was bezeichnen soll.
Genau, ja, also es ging eigentlich darum, wir haben darüber gesprochen, wie Sprache zur Bedrohung erklärt wird, manchmal,
sobald sie sich traut, sichtbar zu machen, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt.
Und dann haben wir, ja, sehr detailreich und manchmal auch ein bisschen wütend, ich gebe es zu, gezeigt, dass halt nicht nur das Gendern ideologisch ist,
sondern eben auch die Vorstellung, dass Sprache nicht ideologisch ist.
Und ich glaube, heute wollen wir einfach diesen Gedanken so ein bisschen weiterdenken, weiterspinnen.
Weil wenn Sprache umkämpft ist, was bedeutet das dann für Wahrheit?
Also was heißt eigentlich Wahrheit vielleicht?
Wo entsteht die?
Und wer darf sie sagen?
Und was heißt umkämpft sein?
Und was hat das mit Macht zu tun?
Das können wir in jeder Folge jetzt wiederholen.
Ja, aber um es mit anderen Worten zu sagen, wir kommen endlich zum Mittelteil unseres Podcast-Namens.
Und zu einem Namen, wirklich zu einem Namen einer Person, die jetzt in den letzten Folgen ein bisschen weniger vorhergekommen ist.
Also der Geist hatte immer so bei uns im Hinterkopf herum, aber er war nicht, für alle anderen nicht wirklich präsent vielleicht.
Sagen wir so, genau.
Genau.
Es geht, wie der Folgentitel wahrscheinlich schon sagen wird.
Vermutlich.
Um den französischen Philosophen und Historiker, würde ich jetzt mal kurz erstmal abkürzen, Michel Foucault.
Genau.
So, und an dieser Stelle bringen wir, also wir kommen jetzt zur Einführung von Michel Foucault, bevor wir über die Theorien sprechen, geht es um biografische Elemente und nicht nur seine biografischen Elemente.
Und deswegen würden wir jetzt hier gerne einen kurzen Stopp machen für die Mitteilung.
Ja, für eine wichtige Mitteilung.
Ich finde, ich glaube, ja.
Genau.
Ich finde den Begriff Triggerwarnung schlecht.
Den finde ich auch schlecht.
Ich habe auch gerade überlegt, ob ich es sagen soll.
Aber ich glaube, es ist ein Hinweis, sagen wir so, es ist ein Hinweis, den wir bis jetzt im Podcast einfach noch nicht geben mussten, glaube ich.
Aber diesmal wichtig ist, weil wir jetzt in diesem ersten Abschnitt quasi über persönliche Erfahrungen sprechen werden.
Also über persönliche Erfahrungen von Michel Foucault, aber auch unsere persönlichen Erfahrungen, also eigentlich meine.
Und es wird, um was wird es gehen, Jessica?
Um was sollen wir hinweisen?
Es gibt, glaube ich, drei Aspekte.
Würde ich mal unterteilen.
Erstmal grundsätzlich psychische Erkrankung.
Ja.
Dann spezifisch Essstörung.
Ja.
Und dann nochmal sexueller Missbrauch.
Das trifft es ganz gut.
Ich würde vielleicht noch einen Punkt ergänzen, weil er verbunden ist mit dem, was du vorher schon gesagt hast.
Aber ich glaube, nochmal konkret dazu gesagt werden muss.
Nämlich es geht auch dann um pathologisierende Diskurse im medizinisch-therapeutischen Kontexten.
Vor allem, was nicht nur Essstörungen, sondern auch Queerness und Neurodivergenz angeht.
Also vielleicht einfach nur so als Hinweis für alle, die sich gerade jetzt nicht in der Lage fühlen, diese Abschnitte zu hören.
Es geht nicht die ganze Zeit um diese Dinge.
Das heißt, wir werden einfach versuchen oder wir haben gesagt, wir versuchen da so Timestamps dann in die Show Notes zu geben, damit einfach dann klar ist, welche Teile vielleicht übersprungen werden sollten oder können.
Genau, weil wir haben jetzt auch gedacht, wir machen nochmal wirklich ausführlich auch so eine Hinführung zu Gesamt-Foucault und dazu gehört eben halt auch diese ganzen schwierigen Themen, mit denen wir uns beschäftigen werden.
Einfach deswegen, damit wir es halt auch einmal einfach gesagt haben und dann gegebenenfalls, wenn wir nochmal über ihn sprechen und so, diesen Blog einfach haben, auf den wir verweisen können.
Genau.
Ja.
Richtig.
Gut, dann spreche ich erstmal kurz über Foucault, wenn wir schauen, wie kurz das geht.
Ich wollte gerade sagen, der Name ist wahrscheinlich gar nicht so unbekannt, denke ich.
Und einige Begriffe wahrscheinlich auch gar nicht, die mit ihm da in Verbindung stehen, aber so biografisch wäre jetzt schon mal, glaube ich, interessant, so ein bisschen zu schauen, wie er war denn diese Person.
Genau, ich glaube, er ist auch deswegen so bekannt, weil er halt sowohl von Leuten, die ihn lesen, bekannt ist, ja, also hat er wirklich sehr starken Einfluss sowohl auf den akademischen Diskurs gehabt, als auch auf den außerakademischen Diskurs und da sowohl eben auf verschiedene linke Bewegungen, ja, verschiedene queere Bewegungen, verschiedene feministische Bewegungen, dazu kommen wir dann im Detail später noch.
Ja.
Aber eben auch als Negativfolie im konservativen und rechten Diskurs wird er sehr gerne hergenommen.
Ja.
Aus Gründen, die wir später, also die am Ende von dieser Einleitung vielleicht nochmal angesprochen werden, aber vor allem eben, weil er viele elementare Dinge, die wir so für Wahrheit, um das Begriff jetzt schon mal einzustreuen, halten,
wirklich, ja, auf den Kopf gestellt und zur Frage gestellt hat, ist er einfach gefährlich geworden, ne? Also gefährlich geworden für die, deren Macht auf dieser Wahrheit beruht.
Wie so im ganz kurzen jetzt mal zusammengefasst.
Genau.
Ja.
Also Michel Foucault hat sich, also wir haben vielleicht gerade über die Wahl gesprochen und man kennt ihn vielleicht auch vor allem deswegen, weil er sich wirklich zentral als erste Person, die so weit oben im wissenschaftlichen Diskurs stand,
wirklich zentral mit der Frage nach der Sexualität und vor allem auch der Homosexualität beschäftigt hat, was eben daran liegt, dass er selbst eben homosexuell war.
Und das ist so das, was, woran, also ich finde, an Foucault sieht man eben auch, deswegen machen wir ja diesen biografischen Überblick, dass eben die eigenen Erfahrungen, die eigene Biografie unglaublich stark das prägt, was wir auch in der Wissenschaft machen, welche Fragen wir stellen und was wir uns bestätig noch anschauen.
Genau, also Michel Foucault ist, wie der Name schon sagt, wie wir schon gesagt haben, Franzose.
Diesmal wirklich, nicht nur von mir her, wenn wir falsch aussprechen.
Nee, er wird wirklich Michel Foucault ausgebrochen.
Er ist 1926 geboren und 84 gestorben.
Das heißt, er war noch relativ jung, also er war 57 Jahre alt und der Grund, weshalb er gestorben ist, ist eben auch so ein ganz trauriger, klassischer Grund in dieser Zeit, homosexuelle Männer, nämlich er ist an Aids verstorben.
Genau, das bringt eben auch nochmal so ein, naja, so eine besondere Gewichtigkeit zu dem, was wir dann jetzt im Verlauf der Folge eigentlich auch noch besprechen werden.
Also so diese, zwar das Infragestellen von bestimmten Sachen, aber doch halt einfach diese Machthaftigkeit, mit denen halt dann eben bestimmte Ausgrenzungen von bestimmten Körpern eben verbunden sind.
Ja, also er ist 84 gestorben, da waren wir noch weit davon weg, über Heilungsverfahren von Aids nachzudenken und das lag ja daran, aufgrund der Stigmatisierung von Aids und der Körper, die es hauptsächlich betroffen hat.
Ja.
Okay, das war ja gerade am Ende, genau, ich komme nochmal zum Anfang seines Lebens.
Ja, wir haben vorgegangen, dass es vielleicht ein bisschen chaotisch wird.
Genau, aber so ist es, das echte Leben ist chaotisch.
Bestimmt.
Bestimmt.
Genau, also er hat, genau, dadurch, dass er 26 geboren ist, hat er in den 40er Jahren studiert, so, da springen wir mal hin.
Er war von Anfang an nämlich eigentlich an der Philosophie interessiert und hat dann eben, wollte dann quasi immer an die, boah, wie spricht man jetzt nochmal aus?
Das musst du auch sprechen, an die École Normale Superieure?
Mhm, ja.
Habe ich das richtig aus? Wow, das habe ich noch nie geschafft.
Genau, also da wollte er halt hin, das war ja, das war ja die Schule, um Philosophie zu machen.
Ja.
Zu der Zeit, der war ja auch, vorher waren da ja auch schon hier Satre und so.
Genau, da wollte er unbedingt hin.
Hat es öfter mal gescheitert, in Mitte der 40er Jahre, obwohl er eigentlich damals auch schon Kontakt zu so bekannten Philosophen der Zeit hatte,
also zu Althusserl zum Beispiel und Melo Ponti, mit denen er beide auch eine Freundschaft pflegte.
Ja, also hat er dann später eben auch die Stelle von Melo Ponti übernommen.
Genau, dann ist er quasi erstmal über den Melo Ponti auch in die Linguistik gekommen und dann aber ist er, hat er gemerkt, okay, es gibt jetzt so persönliche Dinge, die betreffen mein Leben stärker.
Nämlich hat er im Jahr 48 seinen ersten Suizidversuch begangen und vor allem in dem Jahr danach oder in den zwei Jahren danach ist er immer wieder dadurch aufgefallen,
auch seinen, ja, Kommilitonen und Kollegen, ja, und nicht nur sich selbst gegenüber, sondern er hat auch gewaltvolle Ausübungen gehabt gegenüber anderen Menschen, ja,
was dazu führte, dass er sowohl selbst anfing, Psychologie zu studieren im Jahr 49, in der Sobonne, als auch, jetzt muss ich nur kurz gucken, wann das war,
Genau, genau, genau auch zu der Zeit, also 48, 49, kurz, genau, hat er danach eben Psychologie angefangen, selbst in eine psychologische Klinik eingewiesen wurde, aufgrund dieser Selbstmordversuche, genau.
Und das ist eben das Spannende, er hat dann nämlich, also er hat diesen eigenen persönlichen Aufenthalt gehabt, der ihn stark geprägt hat und dann hat er eben selbst erstmal Psychologie studiert,
später dann sich auch mit der Psychoanalyse nach Lacan beschäftigt, ja, doch, Lacan, also die haben ja alle so selben Zeitgeboten gelebt, ne, also das ist sowieso so eine Zeit, wo man sich denkt,
so, das sind einfach nur zehn Menschen und die kannten sich alle.
Und dann, ja, total, und dann hat er sogar noch eine psychiatrische Zusatzausbildung gemacht, also er weiß, von was er spricht, ja, das muss man vielleicht dazu sagen,
Also er weiß, dass, ähm, bei den ganzen Themen, die später noch aufhauen, er weiß, wovon er spricht.
Ja.
Ähm, und dann irgendwann hat er es eben geschafft, äh, jetzt zwar nicht, ähm, Professor für Philosophie zu werden, sondern für, ähm, die Geschichte der Denksysteme,
also in Deutschland wäre das quasi eigentlich Ideengeschichte, würde ich mal sagen, ähm, und das ist eigentlich das, was er die ganze Zeit macht.
Also er beschäftigt sich mit Ideen, also mit Philosophiegeschichte in seinem Fall, also im zweiten Teil vor allem seines, äh, Werkes, ähm, aber aus einer historischen und historisch-kritischen Perspektive.
Genau.
Und, genau, auf die, quasi, auf sein Werk gehe ich später ja nochmal genauer ein, ähm, ähm, ich würde jetzt nochmal springen zum Ende der 60er-Jahre, also er war ja in den, Anfang der 60er-Jahre,
hat er sich dann schon, hat er schon einen Namen aus sich gemacht. 66 kam sein eigentlich bekanntestes Buch der Ordnung der Dinge heraus, wo er so Wellen geschlagen hat, dazu komme ich später noch.
Und daraufhin ist er dann eben, ähm, für zwei Jahre, also von 66 bis 68, ähm, nach Algier gegangen, äh, beziehungsweise nach, nach Tunis, also jetzt Tunesien, damals noch, ähm, französisches Kolonialgebiet.
Mhm.
Das ist wichtig, also, woran man wieder sieht, die Kolonialzeit ist echt noch nicht so lange her in frühen Gebieten der Welt.
Mhm.
Genau, und meinte nämlich auch später, dass, ähm, nicht die 68er-Bewegung in Europa, sondern die 68er-Revolution in Nordafrikanien am meisten beeinflusst habe.
Mhm.
Mhm.
Genau.
Aber an dieser Stelle würde ich jetzt eben auch nochmal über eine Sache sprechen, die wir vielleicht ansprechen müssen, die aber auch ein sehr komplexes Thema ist.
Nämlich wurden schon öfter, aber vor allem ganz stark im Jahr 2021, wurden nochmal kritische Stimmen, vor allem gegenüber diesem, ähm, Tunis-Aufenthalt, laut.
Ähm, die, anstieg die Grünen, ja, also, ähm, ähm, und zwar sind diese Stimmen, ähm, vor allem gebündelt durch einen britischen Journalisten, nämlich Guy Soman, der einen längeren Text geschrieben hat, der sich um verschiedene Anstaltungen dreht,
ähm, dass Michel Foucault in dieser Zeit eben, ähm, ähm, sexuellen Verkehr mit Minderjährigen hatte.
Mhm.
Mhm.
Also, ähm, diese Anschuldigungen sind nicht belegt, ähm, weshalb es halt schwierig ist, darüber zu sprechen, denn was auf der anderen Seite, also deswegen ging das quasi so hin und her, weil Guy Soman eben jetzt auch nicht eine neutrale Person ist, sondern eine Person, die grundsätzlich, ähm, sich auch gegen das Leben und das Werk von Michel Foucault auch da schon geäußert hat, ähm,
ähm, das hat dann quasi auf der anderen politischen Seite gesagt wird, das ist nur, das sind nur, ähm, Anschuldigungen, die quasi den Ruf schädigen wollen, ähm, und gleichzeitig finde ich, wie, wie einige Leute sich dann geäußert haben, halt auch, dass, ähm, egal ob wir es jetzt, ähm, beweisen können oder nicht,
Die Tatsache, dass diese Anschuldigungen jetzt auch spezifisch was mit nicht-weißen und auch kolonisierten Körpern zu tun haben, ist in jedem Fall relevant auch für die Art und Weise, wie wir mit Foucaults Werk umgehen, weil wir werden zwar später nochmal, wenn es ums Werk geht, viel über Sexualität reden und um Wahrheit und so weiter, ähm, aber das Spannende ist ja doch, dass Michel Foucault einfach sich mit dieser Kolonialität von Sexualität, die wir ja auch in früheren Folgen schon bearbeitet
haben, mit der beschäftigt er sich einfach überhaupt nicht. Er hat später, ähm, äh, also in diesem Buch der Wille zum Wissen 1, und was ich später nochmal sage, spricht er halt über die, die, ähm, ähm, die Wissenschaft über Sexualität, die er im Westen anlegt, und dann hat er irgendwie, ähm, die Aas Erotika, also die, die erotischen Künste, die er im Osten anlegt, so, das ist so eine komplette Orientalisierung vom, vom Orient, ja, und alle anderen Menschen gibt's
einfach nicht. Ja. Ja, genau. Also das vielleicht, äh, das ist so meine Anscheinung, wenn du dazu noch was sagen willst. Ja, nein, ich glaube, du hast das schon sehr gut, ähm, zusammengefasst und das zeigt halt vor allem auch, ähm, dass, obwohl Foucault viel, viel geschrieben hat, viel produziert hat und auch, äh, über viele unterschiedliche, äh, äh, Dinge, ähm,
Das natürlich auch sein Werk Lücken hat. Ich meine, also, ich meine, das ist jetzt nicht etwas, was, äh, speziell, äh, bei Foucault nur gilt, ja, dass er aus seiner Perspektive, äh, bestimmte Dinge übersehen hat, ja, ähm, ähm, und da ist es, und ich, ich, ich, ich glaube, da ist es auch ganz, äh, ganz wichtig, auch immer so, dass man diesen biografischen und vor allem historischen Kontext auch immer im Blick hat, quasi, aus welcher Perspektive
heraus konnte er schreiben, hat er geschrieben, genau, also das sagen wir eigentlich eh immer, immer auch dazu, ja, natürlich, aber das, das, das sollte man halt im, im Blick haben, als erstens das, dass, auch wenn wir sehr viel von Foucault quasi, äh, äh, äh, mitnehmen, manche Dinge können wir nicht mitnehmen, weil sie einfach auch gar nicht im Werk, ähm, ähm, ähm, behandelt wurden, beachtet wurden, ja, das ist Nummer eins.
Und Nummer zwei, äh, äh, du hast das vorhin schon gesagt, ja, Biografien sind chaotisch, ja, also es ist nicht nur unser, unser Podcast heute, nicht nur unsere Folge wird chaotisch, äh, sein, sondern es sind chaotisch und sie ist nicht, sie sind weder geradlinig, noch, äh, sind, äh, Menschen Heilige oder Teufel, ja, also das ist immer, dieses Spannungsfeld sollten wir sowieso immer im, im, im, im Blick haben, und was die Anschulgänge ange
geht, wie gesagt, ja, die sind, die sind weder bewiesen, noch widerlegt, wir, wir können im Podcast jetzt sowieso nichts dazu sagen, weil niemand dazu, ähm, was, äh, was, was sagen kann. Ja. Genau. Genau, wir wollten es nur aufgegriffen haben. Richtig. Um eben diese Dinge auch jetzt nicht von unserer Seite her zu verdecken. Genau. Also einfach grundsätzlich offen darüber sprechen, als auch zeigen, okay, was, wie gehen wir damit um, jetzt mit ihm halt als Autor. Ja. Genau. Ja. Ja. Ja.
So, dann bin ich mit meiner biografischen Einführung, ähm, Ende angelangt, erst mal, und würde jetzt den Ball zu dir spielen und dich fragen, was sind denn so deine Anknüpfungspunkte mit, mich helfen.
Meine Anknüpfungspunkte sind mehrere, und eigentlich auch schon aus dem Grund, den du vorhin schon erwähnt hast, für Foucault selber, nämlich das, äh, weil du gesagt hast, dass, äh, wissenschaftliche Arbeit oder wissenschaftliches Schaffen halt nie,
egal ob man das jetzt möchte oder so darstellen möchte, äh, oder, oder nicht, nie losgelöst sind von der Biografie der Wissensschaffenden, ja.
Mhm. Ähm, ähm, und mein Zugang zu Foucault, mein persönlicher, der war eben auch nie nur unter Anführungszeichen theoretisch, ja, ich, ich, ich, ich, ich,
habe nämlich, ähm, damals in einer, in einer Lebenssituation gelesen, in der, äh, vieles einfach nicht mehr funktioniert hat, sagen wir mal so, am Anfang, ja, also weder die Sprache, die ich für mich selbst
gehabt habe, noch die Erklärungen, die mir von außen, äh, gegeben wurden, ähm, und die Geschichte beginnt eigentlich noch recht lustig, also das einzige lustige an, an der ganzen Geschichte, ähm, weil es ist eigentlich, äh, es ist eigentlich purer Zufall, ja, also Zufall nicht, vielleicht, ja, aber, aber, äh, zumindest einzig und allein die Schuld des Patriarchats,
sagen wir so, ja, ja, dass ich heute hier sitzen kann, ja, ja, und mit dir gemeinsam diesen Podcast aufnehmen kann, äh, weil, äh, es ist so, ich, ich, ich hätte Foucault fast nie gelesen, ähm, weil mein, mein ursprüngliches, äh,
äh, dieser Dissertationsprojekt war nämlich, äh, systemtheoretisch angelegt, ja, ja, ich wäre fast Systemtheoretikerin geworden, äh, äh, so viel, äh, so viel, äh, so viel kritische Denkenergie, die verloren gegangen wäre.
Ja, aber wirklich, das hätten wir letztendlich zu reden gehabt, dann wären wir niemals zum Reden gekommen.
Na, es war so, ich wollte nach Großbritannien, also ich war schon in Großbritannien damals, ja, ich habe schon ein Exposé gehabt, ich habe, äh, Kontakte gehabt, eine Betreuerin, äh, alles, alles, alles bereit zum Start quasi,
für die Dissertation, aber dann ist halt, ähm, wie man so schön sagt, äh, es kam, wie es kommen musste, also es kam alles anders als geplant, äh, und zwar bin ich dann eben krank geworden
und musste nach Österreich, äh, zurückkommen, bevor ich überhaupt, äh, dort dann anfangen, äh, konnte mit, mit dem Doktorat, ja, aber, es war halt dann so, dass die, die, die, die Klinik, in der ich damals war,
in Österreich dann, die hat mir sowas von gar nicht, äh, geholfen, ja, und dann habe ich halt irgendwann beschlossen, ja, mich, äh, selbst zu therapieren,
ich komme später darauf zurück, äh, und zwar mit einer Dissertation, äh, because why not, ähm, also bin ich dann am, am ersten Tag sozusagen in
Freiheit, unter Anführungszeichen, ja, ähm, zu meinem ehemaligen Professor, äh, in Wien gegangen, der auch schon meine Diplomarbeit, äh, damals in der
Sprachwissenschaft, äh, betreut hat, dann habe ich dem ein altes Exposé vorgelegt, habe gesagt, ja, okay, ich kann, ähm, ähm, da das Ganze einfach noch auf die
österreichische Minderheitenpolitik, ähm, quasi umändern, es war alles kein, äh, Problem damals, aber was ich eben auch machen
habe müssen, also müssen nicht, aber, äh, wollte ich dann halt, äh, machen, war, dass ich diesen theoretischen Fokus von der
Systemtheorie auf die kritische Diskursanalyse, äh, äh, geändert habe, weil wir eben Wien damals eben hauptsächlich mit der
Wiener kritischen Diskursanalyse gearbeitet haben und die stützt sich halt auch primär auf den Diskursbegriff, äh, von Foucault und
damit war ich dann halt auch mittendrin schon in, in, in Foucault, ähm, das heißt aber auch für mich, ich habe
angefangen, Foucault zu lesen, als die Dinge, über die Foucault schreibt, in meinem Leben quasi Realität, äh, geworden sind.
Also Foucault soll heißen, ja, war für mich nie nur ein akademisches, äh, Projekt, ja, sondern immer auch schon, schon ein
existenzielles, äh, also ein Versuch, mich selbst widersprechfähig zu machen, ähm, aber gut, vielleicht der Reihe nach,
weil ich glaube, äh, dazu muss man jetzt vielleicht ein paar Sachen, ähm, wissen, wir sind hier ja kein True-Crime-Podcast,
ich muss ja nicht die Wahrheit bis zum Schluss für mich behalten, ähm, äh, genau, also ich werde jetzt vielleicht, ich werde
nicht, also, ich werde nicht in die Details gehen, ja, das wird erstens mal, das würde den Rahmen der, der Folge
sprengen und wahrscheinlich auch der, äh, des Hinweises, den wir vorher gegeben haben, aber ich sag vielleicht doch ein paar
Dinge einfach zu den Eckpunkten, damit meine Geschichte so ein bisschen eingeordnet werden kann in, in, in, in, in das, was, was,
was Foucault ähm, später dann Wahrheit nennt oder Warsprechen nennt, und ich werde, äh, zumindest auf das eingehen ein bisschen,
was für die heutige Folge, äh, einfach relevant ist, quasi so als ganz praktische, praktische Einführung in
das, was wir dann später theoretisch
noch einmal am Werk
von Foucault Schritt für Schritt
so durchgehen
werden, denke ich.
Alles vermutlich ein bisschen unstrukturiert.
Ich muss es noch einmal dazusagen,
weil eben die Jessica und ich eigentlich,
um ehrlich zu sein, erst gestern Abend,
nein, um noch ehrlicher zu sein,
erst heute früh,
heute früh, kurz vor der Aufnahme,
haben wir beschlossen, dass das Ganze hier Teil
des Podcasts werden soll.
Also, seid vorgewarnt.
Okay.
Also, wenn ich
sage, ich bin damals
vor dem Doktorat krank
geworden, dann meine ich,
ich hatte eine Essstörung,
ich hatte Anorexie und bin
zwei Monate lang in
einer psychiatrischen Klinik, damals eben
in Wien in Behandlung gewesen.
Foucault, wie aus dem
Textbuch quasi, oder?
Also medizinisch
und
medizinisch und gesellschaftlich
gibt es heute, bis heute
eigentlich leider, ein sehr festes Bild
davon, was Anorexie ist
und wer sie hat.
Also, klinisch gesehen gilt Anorexie
vor allem als Mädchenkrankheit
unter Anführungszeichen.
Das heißt, sie wird fast ausschließlich
verbunden
und auch diagnostiziert
bei jungen, weißen,
heterosexuellen Cis-Frauen,
die Angst davor haben,
sagt man ja, erwachsen zu werden,
die ihren Körper kontrollieren wollen,
die zu ehrgeizig sind,
zu perfektionistisch zu verkopft.
So, das versagt meine Stimme.
Und in
dieser Interpretation
steckt
aber auch eine klare
Botschaft,
obwohl man heute zugegebenermaßen
schon ein bisschen drüber hinaus
ist und
realisiert hat,
dass das eben nicht nur Cis-Frauen,
junge Frauen und Mädchen
betrifft,
aber
die
Botschaft ist
immer noch,
eigentlich steckt
hinter der Anorexie
ein Problem mit
Weiblichkeit.
Das heißt,
du willst nicht Frau werden.
Das ist sowohl körperlich
als auch sozial.
Oder du kannst
deine Gefühle
nicht zulassen.
Oder du wehrst dich ja
nur gegen Sexualität
und Reproduktion.
Und was da
immer mitschwingt,
also sowohl klinisch
als auch gesellschaftlich,
ist ein moralisches
Urteil.
Anorexie gilt
als selbstverschuldet,
als Symptom
einer
unter Anführungszeichen
zu klugen,
einer zu kontrollierten
Frau,
die sich quasi
eigentlich nur
ihrer
eigentlichen
Bestimmung
verweigert.
Und genau
dieses Bild,
wo ich davon ausgehe,
dass das
auf sehr
wenige
PatientInnen
wirklich
zutrifft,
aber dieses Bild
hat einfach mit
meiner persönlichen
Realität
nichts
zu tun
gehabt,
weil
was damals
niemand erkannt hat,
nicht mal ich selbst,
ich war,
nicht ich war,
ich bin,
ich bin queer
und ich bin
neurodivergent.
Und anstatt
nachzufragen,
statt der Sache
auf den Grund zu gehen,
um Anpassungen
zu machen,
um vielleicht
eine andere
Perspektive
zu bekommen
auf mein
Verhältnis
zu meinem
Körper,
zu meiner
Fähigkeit
oder in dem Fall
vielleicht Unfähigkeit,
mich selbst
zu ernähren,
musste ich
das exakt
gleiche
Therapieprotokoll
durchlaufen,
das eigentlich
auch schon
bei neurotypischen
heterosexuellen
Cis-Frauen
eigentlich nur
in den
seltensten
Fällen
wirklich
funktioniert.
Und dazu
gehören
Dinge wie
zum Beispiel,
ich hätte
mehr spüren
sollen.
Also Körper
und Geist
wieder integrieren,
wie man so schön
sagt.
Mein Körper,
just FYI,
mein Körper
spürt
schon
alles.
There is like
no filter.
Also zu wenig
spüren
war nicht
das Problem.
Was gehört
noch dazu?
Ich sollte
weiblicher
werden,
mich auf
meine
Gefühle
konzentrieren,
nicht immer
so viel
denken.
Weil dieses
viele
Denken,
das würde
mich ja
nicht
glücklich
machen.
Nummer
eins.
Und Nummer
zwei,
es würde
nur
meiner
Genesung
im
Weg
stehen.
Sorgen
sollen.
So nach
dem Motto,
wie willst
denn du
Kinder
kriegen,
wenn du
keine
Regel
hast.
Und
nicht nur
dass dieser
Zugriff
auf
meinen
Körper,
also
dieses
Regieren,
würde
hier
Foucault
vielleicht schon
sagen,
dass dieser
Zugriff
meine
Erfahrungen
einfach
total
verfehlt
hat,
er hat
sie
gleichzeitig
überschrieben.
Jetzt
habe ich
endlich
den
Absprung
geschafft
gehabt,
quasi
raus
aus
dem
heteronormativen
neurotypischen
Narrativ,
nach dem
Motto,
ja,
nicht mehr
mit mir,
Ausschluss,
und jetzt
hätte ich
erst
wieder
dorthin
zurück
sollen.
Ich
wurde
gelesen
als
eine,
die sich
nicht
in die
verfügbare
Narrative
gepasst
hat,
bin ich
nicht
nur
überhört
worden,
übersehen
worden,
sondern
mir
ist die
Schuld
quasi
für mein
Nicht-Passen
gleich auch
noch
mitgegeben
worden.
Arbeiter
halt ein
bisschen
an dir,
hat es
immer
geheißen.
Wir
können
dir
nicht
helfen.
You
have
to
help
yourself.
Was
ich
dann
auch
gemacht
habe,
vielleicht
nicht
so,
wie es
vorgesehen
war,
statt
nach
einer
zweiten
Therapierunde
zu
machen,
das
hätte
ich
eigentlich
machen
sollen,
weil die
erste
nicht
funktioniert
hat,
eigentlich
im
Gegenteil.
Stattdessen
habe ich
meinen
Doktor
dann
doch
gemacht,
weil
halt
denken
schon
hilft,
meiner
Meinung
nach,
und
manchmal
sogar
glücklich
macht,
vielleicht
sogar.
Ich
habe
allerdings
sehr,
sehr,
sehr,
sehr
langsam
erst
Gewicht
zugenommen,
Spoiler,
no
Spoiler,
this
has
never
been
the
problem.
Und
ich
habe
mich
dann
einfach
von
Jahr
zu
Jahr
so
ein
bisschen,
ein
bisschen
klingt
ein
bisschen
falsch,
aber ich
habe
mich
durchgekämpft,
quasi
durch jede
Depression,
durch
jedes
erdenkliche
Tief,
bis ich
dann Kinder
bekommen
habe,
die
genauso
sind
wie
du,
würde
jetzt
meine
Mama
sagen.
Und
erst
dann
habe
ich
die
Vermutung,
also
diese
Vermutung,
dass
ich
vielleicht
Neurodivergent
sein
könnte,
die
ich
dann
natürlich
und
das
ist
jetzt
auch
noch
gar
nicht
so
lange
her,
eigentlich
ein paar
Monate
vielleicht.
Und
das
Paradoxe
daran
war
aber,
ich
habe
Foucault
gelesen,
um
Subjektpositionen
zu
analysieren
und
ich
habe
dabei
nicht
gemerkt,
dass
ich
meine
Macht,
Wissen,
Ordnungen
wahr,
die
ich
versucht
habe,
in
meiner
Arbeit
anderswo
zu
dekonstruieren,
zu
kritisieren.
Ergo,
also das ist,
warum ich das
heute erzähle,
also worauf ich
hinaus möchte,
Diskurse sind
mehr als
nur
unter
Anführungszeichen
Sprache.
Sie produzieren
Wissen,
sie produzieren
Wahrheiten,
die dann
direkt auf
Körper
wirken,
die Körper
verformen,
die Körper
stören
oder
zerstören.
Und
ich sage
oft,
ich lese
Foucault
nicht nur,
ich lebe
Foucault
und genau
deshalb erzähle
ich das
heute hier
vielleicht auch
so im Detail,
Diskurse
zu sprechen.
Manchmal
müssen wir
einfach auch
hören,
wie sie sich
anfühlen.
Und genau
da wollen
wir heute
auch irgendwie
so hin,
nämlich zum
Wahrsprechen,
zu
sogenannten
Parisia,
weil es
oft eben
nicht reicht,
Wissen
zu haben.
Man muss
eben manchmal
einfach auch
riskieren,
die Wahrheit
zu sagen.
zu dir,
Jessica,
weil ich glaube,
du kannst uns
jetzt ein bisschen
mehr etwas erzählen
über
Foucault als Theoretiker,
seine Theorien,
seine Konzepte
und nicht nur
so wie ich
als unverhoffter
Life-Coach
sozusagen.
Naja,
du kannst ja
genauso viel
erzählen,
nur eben
genau habe ich
jetzt halt die Rolle
zugewiesen bekommen
für diesen Podcast.
Das wollte ich
damit zeigen.
genau.
Genau,
also erstmal
vielen Dank
für deine Offenheit
und dein Teilen
und so ab jetzt
nur für uns
und für alle anderen
ist quasi
geht es weiter
mit der Theorie
und ist die
Content-Warning
vorbei.
Wir wollten
heute hauptsächlich
nicht,
also wir wollten
ja eben kein
wir machen
jetzt alles
weil wir ja
die letzten Folgen
über Ideologie
gesprochen haben,
da hatten wir,
wir können
einen Fokus
auf Foucault machen,
der sich auf
Wahrheit
konzentriert.
Ja.
Aber um das
zu machen,
brauchen wir
natürlich trotzdem
eine kurze
Hinführung
in das Werk
von Foucault.
Das Werk.
Ja, genau.
Wir lassen
so ein paar
Sachen aus,
vielleicht sage ich
das vorher,
was wir auslassen,
wir reden heute
nicht über alles,
was irgendwas
mit Räumen
zu tun hat,
also mit Räumlichkeiten.
Ja, genau.
Also wir reden
jetzt nicht
explizit
über die
Heterotopien
oder über
das Gefängnis
oder über
die Klinik
oder über
das Panoptikum.
Das sind alles
super spannende
Themen,
die wir
vielleicht
auch in dieser
Kombination
gerne mal
in einer anderen
Folge machen können.
Genau.
Und zwar
deswegen,
weil wir
jetzt nicht
im Detail
darüber reden
wollen,
was quasi
diese räumlichen
Anordnungen
wirklich mit
Wahrheit
und Wissen
zu tun haben.
Genau,
weil das
wirklich
ein bisschen
zu weit geht
vielleicht.
17 Stunden
Podcast.
Jedes
einzelne Werk.
Ich sehe das schon.
Ich sehe gerade
unsere Zukunft.
Jessica,
ich finde es
eine schöne Zukunft.
Ich weiß nicht,
wie alle anderen
das finden.
Ich finde es
toll.
Ich habe es
auch wieder,
ich habe jetzt
auch,
also im zweiten
Teil vor allem
werde ich
nochmal ein paar
Sachen von
Foucault
vorlesen,
weil
erstens,
weil ich finde,
dass es einer der
wenigen Menschen ist,
die man richtig
gut zitieren kann,
weil er wirklich
immer mal wieder
Sätze drin hat,
die einfach alles
drin haben,
was man auch
sagen will,
nur einfach
wirklich schön
und klar.
Im Vergleich
ist es zum Beispiel
zu Leuten wie
Derrida.
Schön und klar
ist jetzt nicht,
was,
womit ich Derrida
beschreiben würde.
Ich glaube,
das war auch
nicht das Ziel,
um ehrlich zu sein.
Nee,
aber das ist
ja das Schöne,
weil dann kann man
für so Podcasts
Foucaults eigene
Worte auch
richtig gut benutzen
und sie sind
trotzdem verständlich.
Genau,
weil,
und der andere
Grund ist eben,
ich habe
Foucaults Bücher
schon seit
mehreren Jahren
auch nicht mehr
in der Hand gehabt.
Das waren so
die ersten Sachen,
die ich eigentlich
gelesen hatte,
jetzt auf so einer
theoretischen Ebene
und ich,
als ich es jetzt
wieder in die Hand
genommen habe,
war ich direkt
so voll tief drin,
es hat richtig
Spaß gemacht
und ich so,
ah,
ich muss wieder
mehr Foucault lesen
und deswegen
lese ich jetzt
mit euch Foucault.
Bist du einmal
dein Bücherregal
rauf und runter.
Ja,
genau dazu
vielleicht kurz,
mein Bücherregal
hat ja,
ich habe,
ich habe ein
sortiertes Bücherregal,
ja,
wie man das halt macht,
ja,
also ich finde da
gar keine andere
Möglichkeit,
als würde ich
so sortiert.
Müsst du mal
meins sehen?
Meinst du es auch?
Sortiert
oder hat mir
gesagt?
Naja,
also ich habe halt,
ich habe ja schon
einmal gesagt,
dass ich so ein
Butler und Stuart Hall
und Derrida
Fach habe
und dann habe ich
quasi nochmal
ein extra
nur Foucault-Bücher
Regal
und dann habe ich
nochmal
und da sind halt
so Leute drin
wie
wie
Barth,
Deleuze,
boah,
I don't know,
halt alles,
was ich in
Suchkamp-Büchern habe,
auch mal so
Einführungen sind
oder so
und dann habe ich
ein Regal,
das nur Foucault-Bücher
sind
und das ist so
drei Viertel
Suchkamp-Bücher,
weil da halt einfach
alles erschienen ist
und dann nochmal
fünf oder drei
bis fünf Bücher,
wo einfach ein cooles
Bild von Foucault
vorne auf dem Cover ist.
Foucault,
die Pop-Ikone.
Ja,
voll,
aber das ist halt auch
echt so,
der war ja gerade
in den 70ern,
nach den 68ern,
als halt dann auch
seine Theorien
so für
so politische
so auf dem Sofa sitzt,
so,
so richtig,
so,
so,
die Arme ausgebreitet,
Checker-mäßig,
ist einfach fantastisch
und es gibt ja auch,
es gibt ja tausend Bilder
von ihm
in diesem berüchtigten,
berühmt bekannten
Rollkragen-Pulli
und es gab,
es gibt wirklich
anscheinend
gab es auch Werbungen,
die diese,
die,
also nicht.
Also,
du nehmen
diese Folge mit.
Ja.
Die werden nicht berühmt.
Sonst gibt es
Bilder von euch
in anderen
in Kleidung
überall.
Ja.
So,
zurück.
Foucaults Berg
wird normalerweise
in drei Teile
aufgeteilt
und ich finde
die drei Aufsteigungen
eigentlich auch sehr sinnvoll.
Die sind
natürlich nicht
komplett getrennt,
aber es sind schon
so Schwerpunkte,
würde ich mal sagen.
Genau,
der frühe Foucault,
das ist in den,
so wird so
in den 60er Jahren
angesiedelt,
also vor allem
so ab 61,
da hat er
Wahnsinn und Gesellschaft
eben geschrieben,
was ja
eine veränderte
Form seiner Dissertation
hat,
wenn ich es richtig
im Kopf habe
und danach
63 eben
und dann eben
66 der große
Durchbruch
mit die Ordnung
der Dinge
und dann 69
die Archäologie
des Wissens
und diese Archäologie
des Wissens
schließt das
quasi so ein bisschen
ab,
also in Ordnung
der Dinge
beschreibt er noch
um was es,
also da macht er
das,
was er in Archäologie
des Wissens
dann als Methode
beschreibt,
nämlich
Wissensordnungen
kritisch zu hinterfragen,
also wie wird
Wissen geformt,
wie ordnet
der Diskurs
unser Wissen
und das nennt
er eben
ein Epistem,
also die Art
und Weise,
wie Wissen geordnet
ist zu einer
bestimmten Zeit
in einer bestimmten
Gesellschaft,
das ist das,
was Foucault
Epistem nennt
und mit der
Methode der Archäologie
versucht er eben
diese Episteme
zu erforschen.
Genau.
Das ist auch
so ein bisschen
diese Geburtsstunde
des Diskurses,
oder?
Genau.
Diskursverständnis
entwickelt er eben
in diesem Zusammenhang,
wo er sich
wirklich noch
auf Sprache
Vorrange
konzentriert,
so wie du gesagt hast,
indem er eben
herausfinden will,
welches Wissen
in welcher
Zeit
als Wissen
gegolten hat,
sagen wir so.
Genau.
Das war eine gute
Überleitung,
weil dieser
mittlere Foucault,
der fängt dann
quasi 69 an,
da ändert sich
auch das,
also der Begriff,
mit dem er das
bezeichnet,
also er sagt dann eben
nicht mehr Epistem,
was ja eine
Wissensordnung ist,
sondern er redet
von einem
Dispositiv.
Und der Unterschied
ist, dass Episteme
halt auf Diskursordnungen
zurückzuführen sind
und Dispositive
auf alle möglichen
Formen der Ordnungen.
Also eben nicht
nur auf
diskursive Ordnungen,
sondern eben auch
auf Institutionen
etc.
Also
die ersten
Werke,
wo Dispositiv
wirklich stark
benutzt wird,
ist eben
in Geschichte
der Sexualität
eins.
Also
der Wille zum Wissen
heißt das auch.
Da geht ein ganzes,
es ist ja das dünnste
Buch,
das er je geschrieben hat.
Und da geht's
wirklich in einem
der drei großen
Kapitel.
Ja,
eben.
Ja,
auf jeden Fall
da ist eins
der drei großen
Kapitel eben,
das ist positiv.
Also dieser
mittlere Foucault,
also in den 70er Jahren,
da ist die Methode
eben nicht mehr
nur die Archäologie,
die ist aber
der erste Schritt,
den es immer braucht.
Also das ist spannend,
also er denkt wirklich,
das nochmal zu sagen,
es ist nicht so,
dass er diese Phasen hat
und dann das andere
weggibt,
sondern er sagt,
nee, diese erste Phase,
ist die genealogisch-kritische
Methode.
Den Begriff der Genealogie
hat er von Nietzsche
aus die Genealogie
der Moral
und den Hauptgedanken,
den er eben von Nietzsche
übernimmt,
ist, dass das,
was wir als allgemein
wahr und gültig betrachten,
zum Beispiel die Moral,
ist nicht einfach da,
sondern ist historisch
gewachsen.
Ja.
Genau.
Und das quasi zu untersuchen,
wie sind das,
was wir für wirklich
für Wahrheiten halten,
wie ist das entstanden,
das ist die Genealogie.
Genau.
Und die Genealogie,
das ist eben das,
wie sie auch dann heute
in anderen Wissenschaften
und zum Beispiel auch bei mir
und meinen Kolleginnen
benutzt wird,
ist eben zu sagen,
das Wichtige in der Genealogie ist,
wir können nicht als Historiker
eben nicht einfach
überall zu allem
ist im Hier und Jetzt
und das ist im Hier und Jetzt
quasi im Forschungsdiskurs,
im Hier und Jetzt,
in der Politik,
in der wir gerade leben,
in der Gesellschaft,
in der wir leben,
aber eben auch,
und das haben wir ja gerade
im ersten Teil besprochen,
in dem Körper
und in der Person,
die wir halt einfach sind.
Also wir können nicht einfach,
also ich kann nicht
die gleiche Forschung machen
wie mein Kollege
im Zimmer nebenan.
Das geht einfach nicht.
Genau, das gehört eben
zu dieser Gegenwärtigkeit
auch einfach mit dazu.
Genau, und das ist halt
auch das Wichtige,
weil, also mit dieser Hinterfragung
von Wahrheit,
weil wir als Subjekte
auch quasi Teil,
also der Ansatzpunkt
ist quasi auch genau das,
was wir eigentlich
nicht hinterfragen würden.
Wir als Subjekt,
was für uns quasi
allgegenwärtig ist.
Genau.
Und der zweite große Text
aus den 70er Jahren,
den wir heute
nicht so besprechen werden,
aber der einfach,
also es war ja auch
mein Einstieg zu Foucault,
war Überwachen und Strafen.
Der deutsche Titel
wesentlich besser
als die englische Übersetzung,
den nur Discipline and Punish heißt,
weil da fehlt halt
bei Disziplinieren
und Bestrafen
sozusagen fehlt ja
das Überwachen
und das Überwachen
ist ja das
das Wichtigste eigentlich
an dem Buch.
Genau, aber Disziplinieren
sagt eigentlich schon,
um was es eigentlich geht.
Es geht nämlich um die,
wie ist unsere
Disziplinargesellschaft entstanden
durch Überwachung.
Deswegen müsste eigentlich
beides mit dabei sein.
Also eigentlich müsste
das Strafen gar nicht,
weil das ist ja schon
die Strafe,
das Überwachen
und das Disziplinieren.
Genau.
Spoiler.
Wir sehen schon,
wir brauchen mehrere Folgen.
Ja, aber eigentlich,
also da geht es vor allem
eben um die Entstehung
des Gefängnisses,
aber diese Idee,
also wie wirkt Disziplin,
was das nicht Disziplinar macht,
hat eben nicht nur was
mit Gefängnis
und Strafe zu tun,
sondern eben auch
mit dem,
um was es in den
seinen Sexualitätsbüchern geht,
nämlich mit Sexualität.
Ja.
So.
Du, ich brauche
eine ganz kurze
Toilettenpause.
Machen wir die.
Ja, machen wir die hier.
Ich weiß, wo ich wieder
danach weitermachen muss.
Ich mute mich einfach mal kurz
und bin dann gleich wieder da.
So, das kommt davon,
wenn man krank ist
und zu viel Tee dreht.
Muss man ständig aufs Klo.
Ja, also,
wie soll man denn sonst
gesund werden?
Du, du brauchst
wahrscheinlich die Blase
meiner, meiner,
meiner Tochter,
weil die kann,
die kann auch zwei Tage
nicht aufs Klo gehen,
weil sie muss nicht.
Ja.
Okay, zwei Tage
ist vielleicht übertrieben,
aber irgendwie zu lang.
Ja, viel zu lang.
Gut, also,
Thema Sexualität.
An dieser Stelle
würde ich gerne
das erste Mal
aus Foucault zitieren,
nämlich aus dem eben
benannten Buch
Der Wille zum Wissen,
Sexualität und Wahrheit 1.
Also dazu,
der hat ja vier Bücher,
äh, drei Bücher geschrieben
und vier sind rausgekommen
zu Sexualität und Wahrheit.
Eins, zwei, drei, vier.
Das vierte ist Postum
vor vier oder fünf Jahren erschienen.
Und die haben aber alle eben
einen eigenen,
einen eigenen Titel,
weil sie sich sowohl
mit einer eigenen
Zeitperiode beschäftigen,
als auch mit einem
theoretischen Ansatz,
der sich eben auch verändert.
Und der Wille zum Wissen
ist quasi im historischen Teil,
hauptsächlich geht es da
um den 19. Jahrhundert
und um die Viktorianer.
Genau, und eben
den Willen zum Wissen.
Und mit Wille zum Wissen
geht es vor allem darum,
also der Name kommt auch aus,
ist auch angelehnt
an Nietzsches Werk,
nämlich der Wille zur Macht.
Ja, also das ist ja
eine Theorie von Nietzsche,
dass quasi der Wille zur Macht
dem Menschen
inhärent sei.
Und ich denke,
Foucault würde da auch
erstmal zustimmen,
würde sagen,
okay, wie äußert sich
dieser Wille zur Macht
zu einer bestimmten Zeit?
Und im 19. Jahrhundert
und gerade mit Bezug auf Sexualität
ist es halt durch
den Willen zum Wissen.
Also dadurch,
dass wir Wissen generieren
über bestimmte Körper,
bekommen wir Macht.
So, das ist vielleicht
das Erste Wichtige.
Also Wissen und Macht
hängen stark miteinander
in Beziehung
und stützen sich gegenseitig.
Also die Person,
die Macht hat,
die kann Wissen generieren,
weil die entscheidet,
was ist Wissen.
Zum Beispiel durch die Universitäten
oder durch die Klinik
oder durch das Gefängnis,
wo wir Wissen
über einzelne Personen generieren,
dass das bestimmtes Wissen ist,
das in dem Fall zählt.
Also alles,
was quasi nicht relevant ist
für den Sträfling
in dieser bestimmten Position
ist unwichtiges Wissen
und damit kein Wissen.
Und alles,
was wichtig ist
für den Staat zu wissen,
ist anerkanntes Wissen.
Und eben aber auch andersrum.
Also die Leute,
wiederum Macht.
Genau, das wollte ich sagen.
Ja, das ist der springende Punkt.
Also jetzt schließt sich wieder der Kreis,
weil du es gesagt hast,
wir produzieren Wissen,
um Macht zu bekommen.
Aber ich brauche Macht,
um Wissen zu produzieren.
Also das ist diese Reproduktionsschleife,
die wir da haben.
Also in gewisser Weise
ist ja Wahrheit bei Wissen
und Wahrheit bei Foucault
ja nicht etwas,
was man hat
oder findet
oder keine Ahnung,
sondern etwas,
was produziert wird.
Das heißt eine Funktion von Macht.
Und Funktion heißt hier eben,
etwas wird durch etwas anderes
hervorgebracht oder gestützt.
Also Wahrheit ist nicht die Ursache,
sondern das Ergebnis eigentlich
von bestimmten Praktiken.
Das heißt,
Wahrheit funktioniert nur innerhalb
von einem System aus Regeln,
Institutionen,
Sprecher,
Sprecherinnenrollen,
Verfahren,
also innerhalb eines bestimmten
Machtgefüges,
das schon da ist.
Ja, genau.
Genau.
Genau.
Noch mal kurz vielleicht erzählen,
also deswegen auch die Viktorianer sozusagen,
weil quasi der Standard,
also wenn wir davon ausgehen,
auch wenn wir teilweise
so einen populären Diskurs
über das 19. Jahrhundert
reden über Sexualität.
Niemand sprach über Sexualität,
Sexualität gibt es nicht.
Und Foucault sagt,
nee, das stimmt,
genau das Gegenteil.
Wir haben die ganze Zeit
über Sexualität gesprochen,
aber nur über bestimmte,
akzeptierte Formen der Sexualität
im öffentlichen Raum
und in den von der Gesellschaft
ausgegrenzten Räumen,
wie der Klinik zum Beispiel,
haben wir über
Deviante Formen von Sexualität gesprochen
und damit bestimmte
andere Identitäten erschaffen,
zum Beispiel
den Homosexuellen.
Und das heißt eigentlich,
und durch dieses
viele Sprechen
über,
also diese Wissensgenerierung
über Sexualität,
naja,
wird eine bestimmte Wahrheit,
wie du schon gesagt hast,
in dem Fall über Sexualität,
erschaffen,
die dadurch,
also die dadurch halt auch
nichts anderes zulässt.
Also man muss,
man ist entweder richtig,
ja,
also heterosexuell verheiratet
und kriegt Kinder
oder man ist irgendwie falsch.
Ja, genau.
Genau.
Und jetzt,
ähm,
lese ich dazu kurz mal was vor.
Ich zitiere,
ich bin auf
Wille zum Wissen
auf Seite 57.
Wer mitlesen will,
Spaß.
Wer nachlesen will.
Wer nachlesen will.
Weil es gibt jetzt,
das ist nämlich auch wichtig,
immer,
dass natürlich die,
die Wissenschaft,
also ich finde es ein bisschen
spannend,
da redet er immer
bei der Wissenschaft
über,
eigentlich eher so
naturwissenschaftlich-medizinische Sachen,
technische Sachen,
aber natürlich muss man auch
das,
was er über die Wissenschaft schreibt,
selbstkritisch auch auf seine Sachen
und auf Philosophie
und Geisteswissenschaften anwenden.
So,
nur als,
äh,
neben Note,
Zeitnot.
Also,
es geht darüber,
wie die Wissenschaft,
also den Diskurs
über den Sex,
ja,
Zitat,
es handelt sich um eine Wissenschaft,
die in ihrem Wesen
den Imperativen
einer Moral
verpflichtet war.
Unter dem Vorwand
der Wahrheit
erweckte sie
allerorten Ängste
und sprach
den geringfügigen
Schwankungen der Sexualität
einen imaginären
Stammbaum der Krankheiten zu,
der sich über Generationen
hinweg auswirken sollte.
Sie erklärte
die heimlichen Gewohnheiten
der Schüchternen
und die kleinen,
einsamen Manien
zu Gefahren
für die gesamte Gesellschaft
und stellte sie
ans Ende
der ungewöhnlichen Lüste
nichts Geringeres
als den Tod.
Den Tod der Individuen,
den der Generationen,
den der Spezies.
Ich finde das so krass,
weil das ja immer noch
bis heute nachwirkt.
Also,
diese,
diese,
diese Vorstellung,
ähm,
zum Beispiel Homosexualität
ist deswegen
etwas Unnatürliches,
weil dann gäbe es uns ja
halt spät,
wenn es ja natürlich wäre,
dann würden wir ja
aussterben,
ist so ein Standardargument,
dass immer noch
vorgebracht wird.
Ja.
Ja.
Ja.
Also überhaupt,
dass man,
das ist ja das Spannende,
dass man sagt,
das,
was Person X
nebenan macht,
ist irgendwie relevant
für andere Menschen.
Ja.
Die,
die,
ja,
genau.
So,
das war der,
der Exkurs
zum mittleren Foucault.
Jetzt kommen wir noch
kurz zum,
zum späteren.
Ähm,
der fängt dann,
also man,
wenn wir sitzen so
in die 80er,
die 80er sind halt,
wie schon gesagt,
leider etwas verkürzt,
weil er ja
84 verstorben ist,
ähm,
während er eigentlich
noch dabei war,
wirklich,
zu diesem späten Foucault
zu werden,
das ist,
finde ich,
eigentlich eine gute
Formulierung,
weil,
dieser späte Foucault
eher,
also weniger
eine Analyse
Foucault ist,
der andere Sachen
analysiert,
als ein ethischer Foucault.
Und mit ethisch meine ich,
in der Philosophie
gibt es ja verschiedene Stränge.
Und es gibt die Ethik
und die beschäftigt sich halt
mit dem Anführungszeichen
richtigen Verhalten,
ja.
Und das ist das,
womit sich auch
das späte Foucault beschäftigt.
Und das ist das,
wo wir später noch
über das Wahrsprechen reden.
Und das im Werden
ist deswegen wichtig,
weil Foucault eben
mit Bezug auf die Sachen,
die er vorher geschrieben hat,
eben nicht davon ausgeht,
dass es für immer
eine abschließbare
richtige Art und Weise
gibt zu leben,
sondern genau das Gegenteil,
dass die richtige Art
und Weise zu leben
immer im Wandel sein muss,
weil die Gesellschaft
sich ändert
und das richtige Leben
immer eine Beziehung setzt,
wovon sich selbst
zu dieser Welt ist.
Und wenn die Welt
sich verändert,
muss sich auch
selbst verändern.
Genau, das ist eigentlich
hier schon perfekt
zusammengefasst.
Ja, danke.
Wir haben so ein bisschen
die Kouvernmentalität
und das Regieren ausgelassen,
also diese ganzen
staatlichen Sachen sozusagen,
aber die müssen wir
einfach auch
irgendwann anders machen.
Genau.
Genau.
Ich habe gesagt,
wir brauchen mehrere Folgen,
um alles abzuklappern,
da was wir als Lücke
stehen lassen für heute.
Also ich fasse nochmal
kurz zusammen
und dann sprechen wir
über Wahrheit.
Der frühe Foucault
beschäftigt sich vor allem
mit der Frage nach Wissen
und wie entsteht Wissen,
also durch die Archäologie.
Der mittlere Foucault
schaut sich an,
was hat Macht damit zu tun
im Sinne von,
wie funktioniert zum Beispiel
ein Dispositiv,
das halt eine bestimmte
Form der Macht ist,
die bestimmtes Wissen
generiert.
Und der späte Foucault
schaut sich dann
nicht aus dieser allgemeinen,
eher wissenschaftshistorischen
Perspektive an,
sondern aus der Perspektive
des einzelnen Subjektes
und was das eben
für die Ethik
des einzelnen Subjektes ist.
Willst du dazu
was ergänzen,
sagen,
vielleicht kann ich da
dann nochmal ein bisschen
konkreter einsteigen.
Ich habe hier auch mir
etwas markiert,
was ich lesen wollte.
Ah ja, genau.
Also,
ich habe mir jetzt gedacht,
bei der Wahrheit
bleiben wir quasi
bei dieser Aufteilung,
die ich hatte
in den frühen,
mittleren und späten
und gucken uns das
so ein bisschen an,
wie er da auch
Wahrheit unterschiedlich denkt.
Und das Schöne ist,
dass Foucault
in seinen Vorlesungen
immer wieder
sich selbst zusammenfasst.
Und dann alles aufschreibt,
damit wir es lesen können.
Es wurden ja anscheinend
ganz,
ebenso Korsettenrekorder
sind ja mitgelaufen.
Und es gibt ja,
also im Französisch
gibt es ja nicht
alle Aufzeichnungen
und in Deutsch
kommen die immer mal wieder,
kamen jetzt auch eben
posthum ganz viele
Sokömpflücher eben raus,
wo Vorlesungen
aufgezeichnet wurden
oder andere Vorträge.
Und das Spannende ist,
dass manchmal so
vorher, nachher
auch noch so ganz komische Sachen
wie, ach reichen die Sitzplätze
gerade nicht aus
oder so,
die im Transcript drin sind.
Sehr authentisch.
Ja, total.
Was auch wieder uns zurückführt
zu unserer Beobachtung,
dass Wissenschaft ja nicht nur,
weißt du,
so Thesen und Sätze,
die zitierbar sind,
in Büchern sind,
sondern ja immer auch
in der Realität quasi
gemacht werden,
quasi in Hörseelen,
wo halt manchmal
die Sitzplätze nicht ausreichen.
Ja.
Genau.
Sehr schön.
Genau.
Und er hat,
genau,
ich habe da jetzt vor mir
eine Vorlesung
aus dem,
ja,
78.
Da kam er gerade
aus Japan wieder.
Auch spannend.
Japan ist deswegen spannend,
es gibt ein ganzes Buch,
das sich mit Foucault
und Religion beschäftigt
und da geht es darum,
wie er dann in Japan
vom Zen-Budismus beeinflusst haben,
wie das eben auch
seine späte Ethik trägt.
Aber das ist ein ganz anderes Thema.
Das ist jetzt schon
die dritte Folge,
die du anteasst.
Ah, nein!
Sorry.
Der Titel dieses Vortrages
lautet,
was ist Kritik?
Und eigentlich ist das
der Vortrag,
auf den dann später
der Artikel,
also der Aufsatz,
was ist Aufklärung,
basiert.
Genau,
also,
vielleicht,
um das mal vorwegzunehmen,
Foucault sieht Kritik
als den Ethos der Aufklärung.
Das ist was,
was er eben
in seinen spätten Jahren
vor allem entwickelt,
weil er sagt,
der Ethos der Aufklärung,
also das,
was quasi wichtig ist,
was wir von Kant
auch immer noch mitnehmen können,
ist die Einstellung
der Kritik.
So ein bisschen das,
was ich vorhin meinte
mit
die Wahrheit
des Subjektes,
die Ethik des Subjektes
ist immer was,
was sich auf die Welt bezieht
und genau das ist,
und das kommt eben daraus,
weil die Kritik
sich immer auf
das zu kritisierende
eben bezieht.
Das heißt,
die Kritik
ist die Art und Weise,
wie wir
Wahrheit schaffen sollen,
um das vielleicht
Thema abzukürzen
an der Stelle,
und zwar nicht,
indem wir selbst
eine eigene Wahrheit
postulieren
und sagen,
das ist jetzt wahr,
weil das wäre Essentialismus
und da wehrt sich
der Po eben dagegen,
sondern zu sagen,
das ist die Art und Weise,
wie hier Wissen und Macht
konvergieren
und dann Wahrheit geschaffen wird
und
indem ich das kritisiere,
schaffe ich eine eigene
neue Wahrheit,
die aber in sich
immer Kritik
auf mich sagen muss.
Das war schon wieder
viel zu viel.
Genau,
jetzt gehen wir nochmal
einen Schritt zurück.
Nochmal quasi zur Archäologie,
also dem frühen Foucault
mit seinen eigenen Worten,
Zitat,
das Wort Wissen
wird gebraucht,
um alle Erkenntnisverfahren
und Wirkungen
zu bezeichnen,
die in einem bestimmten Moment
in einem bestimmten Gebiet
akzeptabel sind.
Das hätte ich hier vorhin
schon mal gesagt.
Und dann zweitens,
der Begriff der Macht
wird gebraucht,
der viele einzelne
definierbare
und definierte Mechanismen
abdeckt,
die in der Lage scheinen,
Verhalten oder Diskurse
zu induzieren.
Also Macht
ist das,
was die Möglichkeit gibt,
dass überhaupt Wissen
produziert werden kann.
Und dieser Nexus
von Macht-Wissen
führt dann zu dem,
was als akzeptabel erscheint
und das ist dann
eine Wahrheit
zu einer bestimmten Zeit
und einer bestimmten Moment.
Genau.
Und dieses Spiel
von Macht-Wissen
zu analysieren,
das ist eben die Archäologie.
Das wäre quasi
der frühe Foucault
und was da
Wissen,
Macht und Wahrheit
miteinander zu tun hat.
Genau.
Im mittleren Foucault
geht es dann
von dieser Allgemeinheit
eher darum,
okay,
wir werden jetzt
in diesem
Macht-Wissen-Gefüge
bestimmte Subjekte
erschaffen.
Also sowohl Subjekte,
die Macht-Wissen
aussagen dürfen,
als auch die das
nicht dürfen.
Also wer ist
über wen wird
Wissen produziert
und wer darf
Wissen produzieren.
Genau,
weil das ist vielleicht
etwas,
was mir auch noch
aufgefallen ist,
also eigentlich schon
vorher,
als du diese
kurze Zusammenfassung
gemacht hast,
das ist von dem Werk
ganz allgemein,
vom Wissen
über die Macht
zum Subjekt.
Das ist ja so
ein bisschen
sein Dreisschritt,
aber so wie du es
halt jetzt
dargestellt hast,
da sieht man eben
auch noch so schön,
dass sich das eben
nicht, also dass er
jetzt nicht in einem
Jahr quasi eher
über Wissen
geschrieben hat
und dann im nächsten
Jahr sich gedacht hat,
oh, ja,
1. Jänner,
jetzt schreibe ich
über Macht,
sondern das fließt
natürlich ineinander,
das heißt,
wir haben natürlich auch,
wenn er über das Wissen
schreibt und über die
Archäologie ist schon
Macht irgendwie im Spiel,
hat er das schon im
Kopf, beziehungsweise
dann auch, wenn er
wirklich sich in der
Mittelfase, ja, in dieser
mittleren Phase mit
konkret Macht
beschäftigt, ist auch
schon das Subjekt
da, das ja dann in
der letzten Phase
zentral wirkt, ja,
und ich glaube,
das heißt, und da sieht
man eben auch noch sehr
schön, vielleicht kann ich
das jetzt noch kurz
dazu sagen, bevor wir
dann zur späten Phase
kommen, also wenn man
Foucault in seiner
mittleren Phase, also wenn
man seine mittleren
Werke liest, dann merkt
man einfach schnell, dass
Wahrheit, ja, das greife
ich schon einen Begriff
auf, der eben später
noch kommen wird, ja,
nicht im luftleeren Raum
entsteht, ja, die ist
immer gebunden quasi an
Verfahren, an
Institutionen, an das,
was er eben Machtwissen,
ja, also dieses Macht
slash Wissen nennt, ja,
also daran, wie diverse
Disziplinen, ja, die
Medizin, die Psychiatrie,
die Pädagogik, whatever,
ja, Subjekte formen,
normieren und
klassifizieren, ja, und da
vielleicht nur auch so eine
Side Note, ja, weil auch
das, glaube ich, ist meine
neue Folge, das Wort
Subjekt ist ja bei Foucault und
anschließend, ja, jetzt vor
allem wahrscheinlich auch
daher, als es Französisch
geschrieben hat, ja, aber auf
Englisch merkt man, hört man
das auch raus, ja, Subjekt hat
ja eine doppelte Bedeutung,
das Subjekt ist ja nicht nur
quasi so, wie wir es uns auf
deutsch vorstellen, grammatisch
quasi das Subjekt eines Satzes
zum Beispiel, also der Akteur
im Satz, die Instanz, die
handeln kann, die Handlungsmacht
hat, ja, weiß nicht, Susi ist
ein Eis, ja, also die Susi ist
diejenige, die da essen kann,
die etwas tut, ja, sondern
Subjekt heißt ja auch, also
Subjekt oder Susi auf Französisch
heißt ja auch Unterwerfung, das
heißt, das spielt bei Foucault auch
schon und dann anschließend zum
Beispiel bei Butler oder so
weiter, dann eine ganz zentrale
Rolle, das Subjekt wird erst zum
Subjekt, wenn es sich bestimmten
Ordnungen, beispielsweise Diskursen
oder Dispositiven oder wie man das
auch immer nennt, ja, unterwirft,
das heißt, wenn es erkannt wird, wenn
es, als dieses Subjekt erkannt wird
und angesprochen wird und quasi
dann diesen Pakt eingeht, ah, ich
reagiere jetzt auf diese Anrufung
und jetzt mache ich einen
Ja, genau, also dazu wollte ich
gut, da hört sich da kurz ein,
daran sieht man halt, wie stark
Foucault von Althusser beeinflusst
war, ne, also in den frühen Jahren
schon dieses ganze, die Idee, was
überhaupt ein Subjekt ist, kommt
dir von Althusser, also deswegen haben
wir gerade auch Anrufung, Aufrufung
gesagt, weil bei Althusser ist ja
diese Idee, okay, der Polizist
spricht dich von hinten an, ja, und
sagst du das und wenn du dich
umdrehst, dann nimmst du quasi
diese Ansprache an, also du musst
darauf reagieren, ja, um, um dich dann
quasi der Polizeigewalt zu
unterwerfen, sozusagen, ja, das ist so
um quasi zum Subjekt zu werden und
eben nicht mehr Objekt zu sein, über
den Wissen produziert wird, musst du
dich, musst du dich, musst du das
akzeptieren, dass das, was gerade,
also was gerade für Wissen über dich
produziert wird, ähm, und quasi, also
es ist quasi eine Schablone, die
erstellt wird, ja, und um sichtbar zu
werden, musst du dich in dieser
Schablone wiederfinden, ja, genau.
Um was sagen zu können und das ist
halt das Problem so ein bisschen, wo
dann, wo der Butler, ja, sorry?
Nein, nein, ja, mach das.
Genau, wo Butler versucht, das so ein
bisschen aufzuwerfen, weil das Problem
bei Foucault, aufzuweichen, weil das
Problem bei Foucault ist ja, dass er
dann sagt, ähm, jede Form von
Widerstand kann nur aus dieser
Schablone sozusagen herausfunktionen.
Jede Form von Widerstand ist quasi ein
Gegendiskurs und kann nur reagieren und
kann nicht agieren, ja.
Ähm, und dann geht's eben, also spätere
Leute, irgendwie Butler und aber auch
andere versuchen dann zu sagen, okay,
aber es muss ja noch andere Formen geben,
oder es ist ein bisschen nicht ganz so
binär, wie Foucault das darstellt, so wie kann man das
Denken, ähm, genau, aber bei ihm ist es eben
genau quasi dieses, also schon ein sehr
binäres Denken, so du hast nur einen Diskurs,
der machtvoll, ähm, Wahrheiten schafft, ja,
ähm, und es gibt dann quasi nur eine Form
des Widerstandes, die direkt darauf
antwortet, weil ansonsten, also natürlich
würde Foucault nicht sagen, es gibt nicht
andere Formen zu leben, ja, klar, natürlich
gibt es die, aber dann bist du halt nicht
ein Subjekt sichtbar, dann bist du halt
nicht Subjekt des Sprechfähiges, dann bist
du zum Beispiel nicht Staatsbürgerin, ja,
wenn du dich nicht, wenn du nicht sagst,
äh, ich akzeptiere, dass es einen
Personalausweis gibt, ich akzeptiere, dass
da meine drei Namen stehen, ja, ich
akzeptiere, dass, äh, ich dadurch
ja, das ist die eine Sache, und die
andere Sache, die auch immer ganz
wichtig ist, äh, da da zu zu sagen, weil
ich merke schon, wenn wir darüber
reden, es könnte wieder dieser Eindruck
entstehen, ui, das ist alles so
abstrakt, was jetzt bitte, Subjekt, äh,
Positionen, äh, Anrufung, oder was soll
das alles bedeuten, ähm, sprechen
können, bla bla bla, ähm, Subjekte, also
wenn wir über Subjekte sprechen, das
klingt immer so abstrakt, ja, ah, da sind
so Positionen irgendwie im Diskurs, ja,
ein bisschen so wie, weiß nicht, so wie
Sitzplätze im Theater, weiß nicht, von
denen halt die einen ein bisschen mehr
kosten als die anderen, je nachdem, wie
die, wie die, wie die, wie die Experience
quasi, äh, von dort aus ist, ähm, aber so
werden mit, wie soll ich sagen, mit echten
menschlichen Körpern gefüllt, ja, und
vielleicht ist da auch wieder jetzt ein
bisschen, um das nochmal aufzugreifen,
was ich am Anfang der Folge erzählt
habe, ja, in der Klinik damals war
völlig klar, wie mein Körper gelesen
werden hätte sollen, ja, als Frau, die
nicht essen will, weil sie Schwierigkeiten
damit hat, Frau zu sein, ja, das war das
Wahrheitsregime, alles andere war, ich, ich
nehme die Sache nicht ernst genug, weil,
weil, weil davon kann man sterben, ja,
thank you very much, I'm very well aware
of my dying body, ja, aber mein, mein
Körper war damals quasi, äh, und das ist
der springende Punkt, ja, er war quasi das
Beweisstück, dass in diese Wahrheit
hineingepresst worden ist, wenn ich
gesund werden will, unter Anführungszeichen,
ja, dann habe ich das zu akzeptieren,
genau, so wie du vorher gesagt hast, ich
habe zu akzeptieren, wie ich gelesen
werden will, weil ich sonst keine Hilfe
bekomme und vermutlich sterbe, also es
gab damals, also das ist kein, oh, was
darf ich denn noch sagen, wie soll ich
mich ansprechen, das sind nur Wörter,
das ist ja eigentlich egal, wie wir
Tod eines menschlichen Körpers entscheiden
können, ja, und genau, und das beschreibt
auch Foucault, Entschuldigung, ja,
ja, weil ich wollte jetzt nur noch, weil
du gesagt hast, wir haben jetzt einige
Sachen ausgelassen bei Foucault, aber
genau das beschreibt Foucault ja dann
eigentlich auch in dieser mittleren
Phase dann mit Normierung, mit
Biopolitik, ja, das einfach Leben, das
Gesundheit, das Geschlecht, ja, auch in
unserem Fall jetzt, ja, zu Objekten von
Regulierung werden und dass Objekte nur
anerkannt werden, wenn sie in diese
Ordnung passen, ja, und für mich hat das
eben damals eben bedeutet, ja, meine
Queere, meine neurodivergente Erfahrung
war schlicht und einfach nicht
vorgesehen, ja, es gibt sowas nicht wie
eine, wie eine neurodivergente Frau,
High Masking, ja, noch dazu, ja, ich
hatte zwar eine Stimme, es war ja nicht
so, ja, ich hatte eine Stimme als Frau,
als anorektische Patientin, das war
meine Stimme, aber ich hatte keine
Sprache, in der ich war, über mich
hätte sprechen können, ja, da fallen mir
jetzt auch schon viele Dinge ein, viele
Namen, unter anderem Miranda Fricker, die
da auch einmal über epistemische
Ungerechtigkeit gesprochen hat, das
würde hier auch vielleicht noch so
diesen ethischen, diesen ethischen
Schritt reinbringen, das machen wir
aber auch einmal in einer anderen Folge,
ja, aber ich denke, genau das ist jetzt
so ein bisschen das, was wir noch im
Spätwerk von Foucault nochmal kurz
aufgreifen. Genau, also ich will vielleicht
noch selbst nochmal zwei Beispiele
machen, die, glaube ich, aber auch
wichtig sind, um diesen Schritt dann eben
zu verstehen. Also erst mal, erst mal
vielleicht der Schritt, dann nochmal
jetzt ein Beispiel und dann der
Schritt selbst. Also der Schritt im
Allgemeinen ist jetzt quasi zu sagen,
also genau das, was du gerade gesagt hast,
so du hast, also auch im Foucault
Früh und Mittel analysiert er, wie
Subjekte entstehen, so ganz zusammengefasst.
Und im dritten Teil geht es dann darum,
zu sagen, so was wollen denn jetzt oder
wie kann, also wie kann man denn jetzt
Subjekt sein, was wollen denn die
Subjekte? Ja. Und deswegen ist es dann
eben nicht mehr der Wille zum Wissen,
weil das ist ja von der Machtposition
aus, sondern der Wille zur Wahrheit.
Und zwar eben nicht im Sinne von, wie
machen wir Wahrheit, wie kommen wir, also
wie kriegen wir die Erkenntnis der
Wahrheit, sondern wie praktizieren wir
Wahrheit? Genau so. Wie ist es möglich,
Wahrheit zu praktizieren? So das erstmal
als Einführung, jetzt nochmal kurz
zwei andere Beispiele. Weil du das ja
gerade meintest, also von dem, was du
gerade gesagt hast, musste ich total
daran denken, an wie jetzt heutzutage
immer gesprochen wird, so ah, das sind
auf einmal so viele Mädchen, die jetzt
irgendwie trans sind und Männer sein
wollen, ja? Das ist so dieser ganz, dieser
typische Anti-Trans-Diskurs, der gerade
auch in Großbritannien, der so hochkallt,
wo ich mir sage, so ja, aber maybe, der
wasn't the language before, ja? Also
vielleicht, vielleicht ist eben, sind
Dinge nicht neu und mehr, sondern es gibt
jetzt halt neue Möglichkeiten, sich zu
artikulieren, die es halt vor 20 Jahren
nicht gab, ja? Vielleicht, who knows, sind
80 Prozent der Mädchen, die früher in
diesen Kliniken waren, halt genau das nicht
gewesen, ähm, wie du es jetzt eben gerade
beschrieben hast, was sind die, das Teil
dieses Diskurses, was, was, was in diese
Schablone, die sie haben, passen müssen,
um eben, wie du gesagt hast, zu überleben,
ja? Weil jede andere Form des Lebens
einfach nicht möglich gewesen wäre, so.
Und jetzt gibt es Möglichkeiten, jede
andere Form des Lebens zu leben.
Und bald nicht mehr, ach, nun aus. Aber, ähm,
aber zumindest sind Dinge sichtbar, weil
sagbar geworden, ja? Genau. Und da ist
dieser, diese, diese Verbindung zwischen
sagbar und, und, und Körper, oder? Also
zwischen Sprache und Körper. Ja. Genau. Ja. Und
das andere, was mir noch eingefallen ist, ist
ja, ähm, so ein bisschen, also was auf die
Sexualität bezogen, das haben wir ja auch
heute noch, dass, ähm, also vielleicht nur kurz
eine Geschichte der Sexualität, die ja eben
ähm, der Homosexuelle, ja? Also erst mal, also
ich sage auch der Homosexuelle, weil es
ging immer nur um den Mann. Ja. Ja, genau. Ja,
genau. Genau, genau. Also als, als, das ist
eine Identität. Also es gibt quasi etwas und
das ist der Homosexuelle und der
Kennzeichnis sich dadurch, dass es eine
Person mit Penis ist, die eine Person mit
Penisen schläft. So. Genau. Frauen sind
nur, sind nur gute Freundinnen. Ja, genau, die
haben, die haben halt, ja, genau. Die wollten
abseits des Patriarchats leben, ja. Ja, genau. Also
die Sexualität haben die sowieso gar nicht. Oh
mein Gott, wo kommst du denn, wo kommst du denn
hin? Ja, welche Frau hat schon Sexualität? Ne, aber
was, also das und was ich dann quasi noch
rausweilt? Also erstens entstand quasi, das ist
halt auch das, was Foucault eben zeigt, durch
das Erschaffen des Homosexuellen ist erst im
Umkehrschluss der Heterosexuelle entstanden. Also
quasi erst mit dieser Bezeichnung von, das von
dem Anderen, von dieser Devianz, ist überhaupt
erst die Norm entstanden. Und zwar nicht, indem wir
über die Norm sprechen, weil das ist ja so der Punkt,
dieses was, was ich am Anfang meinte, wie
Viktorianer, wo Foucault sagt, ja, das, was nicht
gesprochen wird, ist ja das, ist ja quasi der
gute Sex, ja, also der, der gute im Sinne von der
akzeptierte, gesellschaftlich akzeptierte Sex,
sondern über was gesprochen wird, sind alle anderen
Formen und indem wir alle anderen Formen
ausgrenzen, müssen, also wird eben, ist das, was
über nicht gesprochen wird, das ist dann das
akzeptiert. Genau. Und jetzt kommen wir zu dem Punkt,
den ich gerade eigentlich machen wollte, dass das ja
dazu geführt hat, dass alles, was dazwischen und
außerhalb liegt, nicht existiert. Ja, und das ist ja
bis heute so, dass zum Beispiel ganz einfach
Bisexualität immer noch nicht existiert. Ja? Ja. Ja. Ja.
Ja. So. Und jetzt kommen wir jetzt zum
Schwedwerk. Zur Ethik. Finally. Krass, wir haben die Kurve.
Genau. Und zwar habe ich jetzt nochmal ein wunderbares
Zitat, ähm, weil, also wie ich schon gesagt habe, es
geht jetzt darum, den Willen zur Wahrheit, den ja, den
Foucault sagt, okay, den haben wir eigentlich alle. Wir
wollen alle irgendwie wir selbst sein, ja. Aber wir
können da, wir können nie wir selbst sein, weil das wäre
ja ein Essentialismus, ja. Aber wir merken da, wo, wo, wo wir
nicht wir selbst sein können, so wie du es in deiner Erfahrung
geschildert hast, ja. Ähm, darauf können wir, können wir
reagieren, ja. Ähm, sieht man auch wieder, dass das, dass
seine, ähm, dass seine Gedanken halt auf allem aufbauen, was
er bisher gesagt hat. Denn man muss quasi erst mal diese
Schritte gehen, die wir jetzt dargelegt haben, so, das war
halt nicht einfach was Fixes ist, das irgendwie existiert. Das
Wissen nicht einfach neutral ist, ja. Ähm, das Macht einfach
nur irgendwie über Gewalt oder so weiter hergestellt wird und
nichts mit, ähm, mit so Institutionen und Diskursen zu
tun hat. Man muss das alles erst mal akzeptieren, bevor man zu
diesem Schritt hingehen kann. Mhm. Weil dann ist man an dem
Punkt, ähm, dass man sich ja eben fragt, okay, dann gibt's ja
eigentlich keine Wahrheit in dem Sinne, wie man normalerweise
Wahrheit versteht. Mhm. Und dann setzt eben jetzt der Wille zur
Wahrheit ein und eben die Praxis des Wahrsprechens. Und jetzt
zitiere ich, wo die Sorge um die Wahrheit diese ständig infrage
stellt, also was wir gerade gesagt haben, was ist da diejenige
Existenzform, die dieses Infragestellen ermöglicht? Welche
Art von Leben wird notwendig, sobald die Wahrheit nicht mehr
notwendig ist? Mhm. Und dann, weil er sich hier aufs 19.
Jahrhundert und philosophische Strömungen bezieht, das
Problem des Nihilismus ist nicht, wenn Gott nicht existiert,
ist alles erlaubt. Seine Formel besteht vielmehr in der
Frage, wenn ich der Möglichkeit, nichts ist wahr, ins Auge
sehen muss, wie soll ich dann leben? Mhm. Zitat Ende. Also ich
finde, das sagt eigentlich schon eigentlich alles aus. Also im
Sinne von, ähm, wo, an welchem Punkt steht Foucault am Ende
von seinem Werk und warum stellt er sich diese Fragen, die er sich
fragt, weil genau da kommt man eigentlich hin, wenn man konsequent
sein Denken verfolgt, kommt man genau zu dieser Frage. Mhm. Mhm. Wie lebt man dann, wenn es
halt eigentlich keine, keine wirklich fixe Wahrheit gibt, so. Mhm. Und dann kommt er
eben zur, zur, zum Wahrsprechen, also zur Praxis des Wahrsprechens, der
Paisier, ähm, das ist so eine bestimmte Form des, also es gibt
verschiedene, also er, das kommt vor allem aus seiner Beschäftigung mit der
Antike, wo er sagt, es gibt drei verschiedene Formen des
Wahrsprechens, ähm, und die Paisier ist eben eine davon, der andere, die
dritte habe ich leider vergessen, die andere ist, äh, zum Beispiel das
Orakel, das spricht ja auch Wahrheiten, ja, also das ist was, wo es in der Antike
immer drum geht, aber hier geht's eben um eine bestimmte Form des
Wahrsprechens, die bei, ähm, Philosophen wie zum Beispiel Sokrates, ähm, da war, ähm, und es
war eher so, dass, äh, bestimmte Philosophen damit bezeichnet wurden, also als, ähm, boah, ich
diejenigen Personen, ähm, die etwas sagen, einem bestimmten Gegenüber zu, ja, also man
braucht, um wahr zu sprechen, auch immer andere Menschen, ähm, man sagt es gegenüber
anderen Menschen und zwar auf die Gefahr hin, dass sie, dass diese, dass diese Wahrheit, die
man dabei ausspricht, ähm, bei den anderen Menschen problematisch ankommt. Und sei es, weil sie
darauf mit Abwehrhaltung reagieren, weil sie darauf gegebenenfalls mit Gewalt
reagieren, weil sie das nicht als Wahrheit erkennen, ja, also man begibt sich in
Gefahr, indem man diese Wahrheit ausspricht, ja. Das wär's jetzt eigentlich auch schon, so
in kurz. Ja, ja, aber das ist auch so ein bisschen der, genauso irgendwie der Punkt, jetzt
komme ich vielleicht schon ein bisschen so ins, in mein allgemeines Fazit. Ja, weil, ähm,
äh, ich hab's schon am Anfang erwähnt, ja, irgendwie, ich hab immer das Gefühl
gehabt, ich, ich, ich, ich lebe mit Foucault, also ich lebe ihn so ein bisschen nach, so zuerst
ein bisschen theoretisch verstehen überhaupt, was läuft denn falsch, ja, ähm, die, die
theoretischen Begriffe und die theoretischen Konzepte mir quasi anzueignen und dann schrittweise
zu sehen, okay, welche Form von Macht, konkreter Macht, ähm, Disziplinierungsformeln, Biopolitik
etc. wirkt denn eigentlich tatsächlich auf meinen Körper, ja, und dann erst, ja, dann erst,
genauso wie er sagt, genauso wie er sagt, theoretisch quasi darlegt, genau dann erst folgt dieser
Schritt des Wahrsprechens. Erst dann erst, ja, äh, können wir quasi, ähm, äh, sagen, so wie er dann
nämlich sagt, ja, er sagt, dieses Wahrsprechen, Wahrheit über sich selbst zu sagen und quasi
nicht als essentialistische, quasi Essenz, nicht als das letztgültige, sondern immer als Praxis,
deswegen spricht er ja dann auch von diesen Techniken des Selbst. Jetzt kommen wir wieder
zurück, was er dann eben in seinem, ähm, in seinem Aufsatz zur Kritik, äh, ausgeführt
hat, ja, Foucault sagt ja, Kritik ist die Kunst nicht so, auf diese Weise regiert zu werden.
Genau. Ja, und für mich war das dann irgendwann, ja, so wie, also, als wäre ich dann in mein
Spätwerk eingetreten, quasi, für mich war das dann irgendwann nicht mehr nur Theorie, sondern
eine Entscheidung, ja, ich will nicht mehr so gelesen werden, nicht mehr so behandelt
werden, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht so leben. Und das bedeutet nicht, dass ich jetzt
die Weisheit mit Löffeln, äh, gefressen hätte und dass ich jetzt wüsste, wie ich, äh, jetzt, äh,
den Rest meines Lebens leben werde oder sollte, vielleicht, um es jetzt mal ethisch auszudrücken,
ja, aber genau das ist der springende Punkt bei, bei, bei, bei, bei, bei Foucault, ja, weil
bei ihm bedeutet, nicht so regiert zu werden, sich dessen bewusst zu sein, dass man so regiert
wird und dann den Mut zu haben, ähm, wahrzusprechen im Sinne von seine eigene persönliche Wahrheit
ähm, zu sagen, auch wenn sie, wenn es gefährlich sein kann, wie sie, wie sie ankommt, äh, wenn
man dadurch vielleicht noch mehr ausgegrenzt wird, das heißt, man muss immer, äh, dieses
Risiko eingehen beim Wahrsprechen, das ist, das ist, glaube ich, ganz wichtig bei ihm und
durch dieses Wahrsprechen in dieser Praxis, weil man das ja immer wieder wiederholen
muss, du kannst es nicht einmal sagen, du musst es ja immer wieder wiederholen, ja, stellst
du quasi die Ordnungen, die Wahrheitsregime, in dem du versuchst, deine eigene Wahrheit
zu sagen, ja, in Frage, kontinuierlich und das ist für ihn Existenz, das ist für ihn, das
ist für ihn der treibende Motor, nie aufhören, Dinge in Frage zu stellen, anzuhören,
zu erkennen, dass sie so sind, wie sie sind, sich quasi selbst treu zu bleiben, unter
Anführungszeichen, ich mag das jetzt nicht so gerne, diesen, diesen, diesen Ausdruck,
genau, aber quasi selbst an sich weiterzuarbeiten, aber im Bewusstsein, im Wissen, Jessica, du
musst Camus lesen, irgendwann, irgendwann, Jessica, aber in dem, weil ich jetzt Bewusstsein
gesagt habe, das ist mir so wie der Lucidität angefangen, genau, aber in dieser Klarheit,
in diesem Bewusstsein, dass, ich meine, Camus würde jetzt sagen, dass es keinen Sinn gibt,
aber bei Foucault heißt es halt einfach, dass es keine Wahrheit gibt und es bedeutet eben
nicht, dass er Relativist wäre und sagt, ja, alle Wahrheiten sind wahr, alles, was ich
sagen kann, das meint er eben nicht, sondern er meint eben, es gibt bestimmte Mechanismen,
Macht, Strukturen, Ordnungen, die bestimmte Wahrheit eben, und jetzt sprechen wir wieder
vielleicht mit La Clau, wenn wir jetzt da Hegemonie reinbringen, die halt quasi hegemonial sich
durchgesetzt haben in einem Diskurs und die anerkannt werden als quasi Wahrheit, die man
nicht hinterfragen muss, genau, aber es gibt auch eine Sichtweise auf Wahrheit, so wie er sie
jetzt halt im Spätwerk definiert, wo er sagt, Wahrheit ist eigentlich keine Aussage, wo ich sagen
kann, ist wahr oder unwahr, was ist das Gegenteil von wahr, unwahr, ja, sondern das ist eine Art
ethische Haltung, eine Art der Kritik, wo eben diese Wahrheit sich verbindet mit Macht und
Bewusstsein von Macht, aber eben auch Selbstführung. Genau. Und das Wichtige, was ich noch ergänzen
will hierzu, ist, dass es halt nicht nur, also es kann eine individuelle Praxis sein, muss aber
nicht, ja, also es gibt auch, also Praktik im Selbst geht auch um Kollektive Selbst, ja, also Foucault macht
es ja zum Beispiel eben auch mit dem, okay, was heißt es denn jetzt homosexuell zu sein, ja, also was, was, also
erstmal, wie du schon gesagt hast, dieser Schritt, ich erkenne, was, was die Welt über mich sagt, ja,
was ich sein soll, und erkenne mich dann deswegen vielleicht auch als Teil einer Gruppe wieder, ja, und dann
heißt es aber auch in dieser Gruppe und als Einzelperson innerhalb dieser Gruppe rauszufinden,
wie kann man denn jetzt homosexuell sein, was nicht das ist, was die anderen über mich sagen.
Mhm. Genau. Also er redet dann wirklich von so homosexuell zu werden, im Sinne von wirklich aktiv,
und das ist ja genau das, was wir ganz am Anfang, also in dieser Folge mit queer auch beschrieben haben, ja,
ist ja auch genau diese Idee, so wie man erkennt, man ist etwas, weil die Gesellschaft einem zu etwas macht,
und das dann aber zu drehen und zu wenden und zu etwas zu machen, was sich gut anfühlt, was sich nach dem
richtigeren Leben anfühlt. Mhm. Und das ist, und das ist jetzt der springende Punkt, also ich finde das super,
gut, dass du das jetzt nochmal zum Schluss nochmal erwähnt hast, weil es geht nicht um Individuen,
es geht quasi nicht nur um meine eigene persönliche Existenz, ja, aller Existenzialismus,
sondern weil Wahrheitsregime so machtvoll sind, ja, weil sie uns zwingen, uns nach fremden Regeln zu positionieren, ja,
nur um überhaupt irgendwie sichtbar, hörbar, lesbar, whatever zu werden, reicht es oft nicht aus,
erstens mal theoretisch zu wissen, was falsch läuft, ja, manchmal erkennt man sich selbst einfach nicht,
obwohl man längst das Vokabular dazu hätte, ja, manchmal braucht es, manchmal braucht es die Erfahrung von anderen,
um die eigene überhaupt einordnen zu können, und hier kommt dann wieder das Wahrsprechen ins Spiel,
und das heißt, es braucht auch so ein Kollektiv quasi, um wieder zu sich selbst zurückzufinden,
also wir müssen das nicht in unserem Kämmerlein heimlich, still und leise machen zu Hause,
weil das vermutlich ja auch gar nicht geht, weil man ja gar nicht aus diesem Wahrheitsregime rauskommen würde,
genau, sondern es braucht einfach Stimmen, es braucht einfach diese ehrlichen, wahren,
unter Anführungszeichen jetzt im Foucauschen Sinn, ja, und auch risikobehafteten Stimmen,
denen man dann zuhören kann, damit man selbst quasi da über sich selbst sprechen kann.
Ich finde, also dazu noch, das hast du ja auch gemacht, indem du Foucault gelesen hast, ja,
also das will ich vielleicht nochmal auch ergänzen, also diese Gruppe ist jetzt,
also kann auf so viele Art, aber auch dadurch sein, dass wir Bücher lesen, ja.
Ja, wenn man mit physischen Körpern nicht so gut kann.
Ja, genau, also entweder das, oder weil sie einfach nicht erreichbar sind, ne,
also ich habe letztens ein sehr, sehr gutes Buch gelesen,
von einem transmaskulinen Autor Cameron Awkward-Ridge,
The Terrible We, also es geht grundsätzlich darum,
wie kann man auch das negatische, also das sich schlecht anfühlende Sein von Transsein,
wie kann man darüber nachdenken, ohne direkt in so einen pathologisierenden Diskurs zu fallen.
Genau, auf jeden Fall ist ein Teil davon, wo er sich halt eben damit auseinandersetzt,
wie ist es denn mit dieser Aufrufung, ne,
wir hatten das jetzt gerade mit dem Homosexuellen, den gibt's, ja,
es gibt so dieses, also, weil du halt erkannt wirst,
du wirst als etwas bezeichnet, in diesem alter-serschen Sinne, ja,
und du reagierst da drauf, dann, das, das lässt dich auch, keine Ahnung,
zum Beispiel bei einer Frau im Patriarchat, ja,
oder eben auch bei einer schwarzen Person in einem rassistischen Diskurs, ja,
aber das Spannende am Transsein ist ja, dass man gerade nicht als das erkannt wird, was man ist,
ja, also bevor man jetzt quasi, also, ne, also quasi,
es geht um den Selbstwertungsprozess, ja, also du, den er da beschreibt,
also, dass man genau, dass man ja misserkannt wird,
und wie kann man sich dann jetzt aber selbst erkennen,
und seine Antwort ist halt zum Beispiel durch Lesen, ja,
also, indem man sich in Geschichten identifiziert,
die, ähm, die genau das beschreiben, sozusagen, ja,
ja, und, also, das, finde ich, ist eigentlich eine ganz gute,
also, nochmal so eine andere Sache, die genau das aber erklärt,
was wir gerade meinen, also, ja, deswegen finde ich es auch so spannend,
dass das Foucault, auch wenn man ihn da quasi nicht direkt zitiert,
also die Art und Weise, über bestimmte Dinge nachzudenken,
hat einfach, ähm, verschiedene Formen von, von wissenschaftlichen Perspektiven
auch die Welt so stark geprägt in den letzten Flugzeugen.
Ja, ja, ja, ja, ja, und deswegen machen wir jetzt nach dem,
ich habe jetzt nicht mitgezählt, aber ich glaube,
mindestens sieben Anschlussfolgen an Foucault, oder?
Mit allen Stichpunkten, die wir jetzt ausgelassen haben.
Genau, dann kommen wir mal kurz zum Fazit,
also, eine Sache hatten wir jetzt schon die ganze Zeit eigentlich immer wieder,
nämlich das, wir reden zwar über Diskurse,
wir reden, haha, über Diskurse,
aber das heißt halt eben gerade nicht,
und genau bei Foucault sieht man das so deutlich,
dass es sich in Sprache auflöst, ja,
sondern Diskurse wären nicht Diskurse,
wenn sie nicht sowohl Macht über Körper hätten,
als auch durch machtvolle Körper produziert werden würden.
Ja.
Und durch Überwissen, das Überkörper,
also Körper sind nicht wegzudenken aus Diskursen bei Foucault.
Mhm, mhm.
Und das Gleiche halt, oder so ähnlich halt eben auch mit der Kritik,
dass das Foucault ja so der Beginn der postmoderne Sein,
der einfach nichts mehr gibt, keine Wahrheit mehr.
Ja, auf eine gewisse Art und Weise schon,
aber genau damit beschäftigt sich ja dann dieser Fete Foucault,
so was heißt das jetzt im Angesicht dessen,
dass es nicht die Wahrheit gibt,
trotzdem ein wahrhaftes Leben sozusagen zu führen.
Und ich finde,
dass es das,
darüber kann man so auch persönlich,
darüber findet ihr,
die uns das hier zuhören,
einfach weiter nachdenken,
so gerade in diesen Zeiten,
in denen wir gerade leben,
in denen es einfach Fakten und Wissen und Wahrheiten
also wirklich nicht mehr zu geben scheint.
Was heißt dieser Umgang damit?
Und auch das,
was heißt das,
wenn wir dann miteinander umgehen müssen in dieser Welt,
die keine Wahrheit mehr bringt?
Das ist eine Denkhausübung,
oder wie heißt das das für uns?
Gibt Hausübungen und Denkhausübungen.
Ja, so ist das,
dass wenn der Herbst wieder losgeht,
dann fängt die Schule wieder an.
Ja.
Also ihr bekommt heute von uns Denkhausübungen.
Aber ich glaube,
es muss auch so bleiben.
Ich glaube,
wir müssen diese Folge genauso offen enden,
wie Foucault es eigentlich intendiert hat.
Was dann in weiterer Folge eigentlich auch nicht heißt,
nicht auch nicht heißt,
was?
Auch heißt,
dass wir eigentlich keine Ahnung haben,
wie wir anschließen werden an diese Folge,
oder?
Nein?
Haben wir schon darüber nachgedacht,
was die nächste Folge sein wird?
Nein?
Dieses Mal überhaupt noch nicht.
Okay,
wir lassen das noch offen.
Aber wir haben ja eh eine kurze Aufnahmpause,
so für alle Hintergrundinformationen.
Ich glaube nicht,
dass wir Schwierigkeiten haben,
uns was einfallen zu lassen.
Nee.
Notfalls machen wir bei Foucault weiter.
Genau.
Genau.
Damit wären wir eigentlich schon beim Outro,
oder?
Mhm.
Ja.
Das ist natürlich meine Aufgabe.
Natürlich.
Du hast dich einmal in Folge 2 ansprechen lassen von mir.
Und dann bin ich Subjekt des Outros geworden.
Und jetzt bist du leider Subjekt.
Genau.
Also,
vielen Dank,
dass ihr bis hierhin zugehört habt.
An dieser Stelle gibt es die Infos dazu,
wie ihr uns kontaktieren könnt,
wie ihr uns Feedback geben könnt
und wie ihr uns unterstützen könnt.
Ihr könnt uns kontaktieren,
wie immer,
über unsere individuellen
Social Media Kanäle.
Ihr könnt uns da nicht nur kontaktieren,
sondern auch folgen und unterstützen.
Und vor allem auch,
indem ihr uns da verlinkt
und zum Beitrag geteilt
auch diesem Podcast
mehr Sichtbarkeit geben.
Ihr könnt natürlich den Podcast,
wo immer ihr ihn hört,
auch teilen.
Und auf verschiedenen Plattformen
könnt ihr ihn auch bewerten,
auf Spotify und Apple Podcast zum Beispiel.
Auf Spotify könnt ihr auch kommentieren
und auf Apple Podcast
könnt ihr eine längere Bewertung schreiben,
wenn ihr uns helfen wollt.
Und kontaktieren heißt
nicht nur Fragen stellen,
sondern eben vielleicht auch
Vorschläge für neue Episoden
und Folgen machen,
damit wir wissen,
über was wir in den nächsten Folgen
weiterreden können.
Oder eben halt auch
Rückfragen stellen.
Also wenn es wirklich irgendwas gibt,
wo einfach irgendwie doch
der Sprung zu schnell war
oder ein Beispiel gefehlt hat
oder wir doch zu sehr
im Fokussprech gesprochen haben
jetzt bei dieser Folge,
genau, dann frag einfach
immer gerne nach.
Genau.
Supi.
Damit hätten wir es.
Dann sehen wir uns bald wieder.
Genau.
Bis nicht ganz so bald diesmal,
aber trotzdem bald.
Bis zum nächsten Mal,
Schädigke.
Tschüss.
Baba.
Ciao.