Wenn Geschlecht stört
oder: Judith Butler besser verstehen
15.04.2026 89 min
Zusammenfassung & Show Notes
In dieser Folge sprechen wir über Sprache, Macht und Geschlecht bei Judith Butler und diskutieren zentrale Begriffe wie Diskurs, Iterabilität, Performativität und Handlungsmacht sowie die Frage, wie Subjekte durch normative Ordnungen hervorgebracht werden. Außerdem geht es darum, warum Butlers Texte als schwer verständlich gelten und welche Rolle Materialität in deren Theorie spielt.
In dieser Folge sprechen wir über Sprache, Macht und Geschlecht ;) – und darüber, warum es bei Judith Butler nicht darum geht, was Gender ist, sondern was Gender tut.
In dieser Folge sprechen wir über Sprache, Macht und Geschlecht ;) – und darüber, warum es bei Judith Butler nicht darum geht, was Gender ist, sondern was Gender tut.
Ausgehend von Butlers frühen Texten wie Gender Trouble und Bodies That Matter fragen wir: Wie entstehen Geschlecht, Körper und Identität überhaupt? Welche Rolle spielt dieser ominöse “Diskurs” dabei? Und gibt es dann noch Materie?
Wir diskutieren zentrale Begriffe wie Iterabilität, Performativität, und Handlungsmacht, und zeigen, wie Subjekte durch normative Ordnungen hervorgebracht werden.
Außerdem sprechen wir darüber, warum Butler oft als „schwer verständlich“ gilt – und warum genau das Teil deren Projekts ist.
Du wolltest Judith Butler schon immer besser verstehen? Dann ist diese Folge für dich gemacht!
Zum Mitlesen:
- Butler, Judith (1990) Gender Trouble.
- Butler, Judith (1993) Bodies that Matter.
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Folge uns gern im Netz!
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Jessica:
Verena:
Transkript
Es steht irgendwo in Gender Trouble auch genauso drin.
Also dass es halt wirklich da ist, wir suchen die ganze Zeit nach dem, was Geschlecht eigentlich ist.
Und indem wir die ganze Zeit darüber nachdenken, es performen, es tun, darüber schreiben, darüber streiten,
und es wird schon Teil der Kritik sein.
Und das ist ja so ein bisschen das, was ich auch schon am Anfang meinte, es geht eben bei Butler gerade nie darum zu verstehen,
was Gender wirklich ist, sondern was Gender macht und warum wir überhaupt die Frage stellen, was Gender wirklich ist,
warum wir das Interesse daran haben, warum das wichtig ist und wie das funktioniert, dass wir bestimmte Vorstellungen von Gender haben.
Und ich glaube, genau das ist dieser springende Punkt.
Also ich lese Butler nicht, damit Butler mir was erklärt, sondern ich lese Butler im Sinne der Juissance.
Der Text muss mich vollkommen auseinanderreißen und dann wieder neu zusammensetzen.
Ansonsten habe ich den Text, sonst habe ich ja gar keine, ich habe sonst gar keinen Zugang zu dem, was Butler schreibt, wenn ich das nicht anerkenne.
Und zum anderen, weil eine Wiederholung niemals mit sich selbst identisch sein kann, weil der Kontext sich ja ändert,
wird die Bedeutung auch immer ein kleines bisschen verschoben.
Also jeder Akt hat das Potenzial, sowohl subversiv als auch normenaffirmierend zu sein.
Wie geht es denn nach der Aufnehmpause?
Ähm, ich bin müde und excited. Ich bin ehrlich gesagt total aufgeregt.
Wollen wir mal ein excitable speech machen?
Ja!
Ja, ich bin...
Noch nicht?
Noch nicht, noch nicht.
Oh Mann, ey, es ist trotzdem so schwer.
Ja, ähm, warum bin ich so aufgeregt? Ich weiß gar nicht, vielleicht bist du auch aufgeregt.
Es ist irgendwie die Folge, auf die ich gewartet habe, seitdem wir diesen Podcast angefangen haben.
Und ich will eher gerecht werden.
Deswegen bin ich auch aufgeregt. Und ich bin doppelt aufgeregt, weil für mich ist das...
Habe ich das erzählt? Für mich ist das die Geburtstagsfolge.
Ich habe heute Geburtstag.
Irina!
Warum sagst du sowas nicht, rechtzeitig?
Ich wollte das in Überraschung machen. Ich wollte das excitable machen.
Ich wollte gerade sagen, Geburtstagsüberraschungen sind doch immer andersrum.
Nein, deswegen bin ich wirklich doppelt excited, weil, ja, so wie du sagst, wir wollen natürlich dem Thema heute gerecht werden.
Und das ist halt schon auch, ja, ich glaube für uns beide gerade ziemlich wichtig, dass wir das selber noch einmal aufrollen und aufarbeiten.
Ich glaube, es wird eh in der Folge danach rauskommen, dass wir wahrscheinlich einen, nicht den gleichen Zugang wieder mal haben zu...
Worum geht es eigentlich heute? Haben wir das erwähnt?
Haben wir gesagt, warum wir excited sind?
Ich kann den Dreh nochmal ummachen.
Verena, du hast erst jetzt Geburtstag, weil wir jetzt erst drüber gesprochen haben.
Oh, das stimmt.
Das stimmt.
Ich vergesse, meine Geburtstage vergesse ich sowieso immer, wenn nicht die Leute mich daran erinnern würden.
Aber das liegt glaube ich daran, dass ich ein selbstverständliches Zeitgefühl habe.
Und ich habe mir jetzt auch angewöhnt, nicht mehr zu sagen, wie alt ich werde, sondern wie alt ich mich fühle.
Weil ich bin offenbar in einem Alter, wo ich, wenn ich morgens aufstehe um 6 Uhr, 17 bin und abends, wenn ich schlafe und gehe, 82.
Also wenn sich das averaged, fühle ich mich ungefähr 29.
Nicht die meiste Zeit.
Was ich nicht so schlecht finde.
Wollte ich gerade sagen.
Ja.
Es gibt schlimmere Alter, die man sich fühlen kann.
Genau, aber trotzdem, happy birthday.
Danke.
Ich habe gewartet bis heute, stimmt.
Okay.
Gut.
Worum geht es heute?
Worum geht es heute?
Es geht um, also wir haben es ja eigentlich schon in den letzten beiden Folgen angekündigt.
Stimmt.
Genau.
Weil worum ging es in den letzten beiden Folgen?
Fangen wir mal so rum an.
Wir haben eine lange Anlaufbahn.
Wie heißt denn das?
Es fängt schon gut an heute.
Wir hatten nämlich zwei Folgen schon eigentlich, die diese Folge jetzt vorbereitet hat.
Und zwar haben wir angefangen, über Judith Butler zu reden.
über Judith Butler in der Gegenwart zu reden.
Und zwar haben wir mit deren letztem Buch eigentlich angefangen, das 2024 rausgekommen ist, nämlich
Who is afraid of gender?
Und da haben wir uns gefragt, was passiert, wenn Gender nicht mehr als analytischer Begriff quasi ist oder als analytischer Begriff verwendet wird, sondern als politischer Begriff, als politischer Kampfbegriff.
Und da haben wir Who is afraid of gender quasi so als Intervention gelesen in einen globalen Anti-Gender-Diskurs, also als Analyse von diesem Anti-Gender-Diskurs, der eben sehr stark mit Angst arbeitet.
Und Butler geht in diesem Buch ja darum zu zeigen, es geht eigentlich in diesem Anti-Gender-Diskurs nicht darum, was Gender ist, sondern darum, was Gender eigentlich politisch macht oder wozu Gender quasi politisch in der Lage ist zu tun.
Weil der Begriff wird da, wir haben das dann Schreckgespenst genannt, dass Kritik delegitimiert, demokratische Debatten blockiert, autoritäre Politik stabilisiert.
Das heißt, wir haben gesehen, Anti-Gender richtet sich am Ende gar nicht nur gegen Gender, sondern eigentlich gegen Kritik an sich.
Also gegen diese Möglichkeit, Ordnungen in Frage zu stellen.
Ja, so. Und heute?
Du hast das Stichwort, nicht das, was Gender ist, sondern das, was Gender macht, war eigentlich die perfekte Überwachung.
Ich meine, heute wollen wir uns eigentlich anschauen, oder? Warum Gender das überhaupt kann.
Also warum sollte Gender das können, Ordnungen in Frage zu stellen, oder?
Das ist so ein bisschen.
Das ist das magische Wörtchen.
Das ist das Tollensis. Ja, genau.
Und das ist genau das Tollensis. Das kann man auch vor, den letzten Mal.
Genau, genau, genau.
Genau, ich wollte kurz sagen, falls der Hund ab und zu mal bellt, dann liegt das daran, weil wir Handwerker im Hausflur haben und sie nicht checkt, dass das kein Besuch ist.
Und dann will sie Hallo sagen und dann kommen die aber nicht hoch und dann ist sie sehr verwirrt.
Ist doch süß.
Ja, schon, aber auch laut. Also nicht wundern.
Genau, richtig. Wir springen jetzt heute zurück in die Vergangenheit und schauen uns eben nicht das neueste Buch von Butler an, sondern die beiden bekanntesten ersten Bücher.
Das waren natürlich nicht die ersten Bücher, weil Butler's Doktorarbeit war das erste Buch.
Aber das gucken wir uns nicht an. Das ist zu viel.
Das wäre zu viel, genau.
Ja, genau, sondern die ersten beiden irgendwie auch zusammenhängenden Bücher, wo wir, glaube ich, ein bisschen größeren, naja, was heißt ein bisschen größeren Schwerpunkt aufs erste Buch haben, die kann man ja nicht trennen.
Die Sprache ist von Gender Trouble von 1990 und Body Start Matter von 1993.
Auf Deutsch jeweils das Unbehagen der Geschlechter oder Körper von Gewicht.
Ich habe ja schon mal gesagt, dass ich die Übersetzung nicht besonders gut finde.
Also ich finde halt einfach Body Start Matter so eine schöne Formulierung im Englischen, weil diese Doppeldeutigkeit drin ist von Matter im Sinne von Bedeutung haben und aber auch Gewicht haben, also Gewicht haben, gewichtig sein und daher Bedeutung haben und gleichzeitig aber auch Materie sein.
Materie sein, ja.
Genau, darum geht es, ja. Das ist die Verbindung zwischen Bedeutung und Materie.
Und Gender Trouble ist natürlich irgendwie auch was anderes als das Unbehagen der Geschlechter, aber so.
Ja, kommen wir auch noch.
Die Störung des Geschlechterseins.
Das liegt ja natürlich auch ein bisschen blöd.
Das wäre nicht so ein catchy Titel gewesen.
Nee.
Vor allem auf Deutsch, wenn wir Freud gewohnt sind.
Eben, genau. Also ich weiß nicht, ob diese Zitation von Freud, die da drin ist, so gut ist, aber sie hat zumindest was gemacht in der Redaktion.
Ja, ja, ja, ja.
Genau, also es geht um die ersten beiden Bücher oder wie ich die Überschrift genannt habe vor diesem Teil, Feminismus kompliziert gemacht.
Ja, genau.
Ja, genau.
Das finde ich aber eine super Überschrift.
Aber du sagst, weil du sagst, erste beiden Bücher.
Ich meine, erste beiden bekannten Bücher, skandalösen Bücher, sozusagen so.
Aber, und ich fand das schon lustig, damals, wie du das auf Insta geschrieben hast, ja, weil es bei mir ja genau gleich war.
Ja, ja, aber du hast dir gesagt, du hast Gender Trouble eigentlich, bevor wir jetzt diese Folge vorbereitet haben, noch gar nicht gelesen gehabt.
Warum nicht?
Warum nicht?
Warum hast du dieses Buch nicht gelesen?
Warum tue ich immer so? Sonst hätte ich alle Watt, habe ich ja gelesen.
Ja, kannst du nicht mal Gender Trouble gelesen?
Ja, genau. Ich habe das Buch vor drei Wochen bestellt und vor zwei Wochen das erste Mal aufgemacht.
Genau, der Februar 2026 war der Moment, in dem ich Gender Trouble zum ersten Mal las.
Genau, also der Grund ist, ehrlich gesagt, relativ einfacher.
Ich habe ja schon mal in dem Podcast hier erzählt, dass ich früher in so einem Lesekreis war.
Wo wir einige Texte gelesen haben, was ich gesagt habe, dass mir das ja viel geholfen hat, wirklich, wie ich an Texte rangehe.
Und auch etwas auf eine ganz andere Basis geschaffen hat, auch neben dem Studium.
Und ich bin in den Lesekreis dazugekommen und da gab es immer Montagabend einen, was ist der feministische Lesekreis?
Also da haben wir feministische Texte gelesen.
Und ich bin in dem Semester dazugekommen, als die Leute Gender Trouble schon im Semester davor gelesen hatten und dann Body Start Matter gelesen haben.
Und das wäre natürlich die einfache Antwort, dass ich deswegen einfach mit Body Start Matter angefangen habe.
Der Grund, warum ich aber Gender Trouble nie aufgeschlagen habe, war, dass aus zwei Gründen.
In dem Lesekreis waren die Leute, oh, letztes Semester war so kompliziert, niemand hat was verstanden.
Wir versuchen es jetzt nochmal mit Body Start Matter, vielleicht erklärt das ja mal.
Und dann dachte ich mir, ja gut, warum muss ich mir dann das kompliziertere Buch antun, wenn ich Body Start Matter gelesen habe.
Ja.
Du bist in die Falle getappt.
Ja, voll.
Richtig, richtig.
Genau, deswegen dachte ich, diese Geschichte.
Und weil Butler ja schon sagt, dass Body Start Matter eigentlich auch deswegen geschrieben wurde, um bestimmte Fragezeichen oder nicht eindrückliche Formulierungen anders zu schreiben.
Und nochmal vor allem sich über Materie Gedanken zu machen.
Und damit so ein paar Missverständnisse in Anführungszeichen.
Also immer, wenn ich heute über Verstehen oder Missverstehen oder Richtig oder Falsch spreche, müsst ihr euch das in Anführungszeichen vorstellen.
Weil es gibt natürlich kein richtiges Verstehen.
Aber der Einfachheit halber sage ich nicht nur in Anführungszeichen dazu.
Genau, also so ein Missverstehen, das entstanden ist, das so ein bisschen aufzunehmen, produktiv weiterzudenken und ein paar Missverständnisse zu klären.
Und dann dachte ich mir, gut, wenn da Missverständnisse drin sind in Gender Trouble, muss ich das auch nicht lesen.
Genau.
Genau.
Und dann hast du ein paar Jahre gewartet.
Ich bin voll in die Falle getappt.
Ein paar Jahre gewartet.
Ja, genau.
Nee, länger.
Ich war, das war 2017, also so neun Jahre.
Also vor neun Jahren habe ich vor dem Alter zum ersten Mal in der Hand gehabt.
Ja.
Genau, vor neun Jahren, ja.
Und jetzt Gender Trouble.
Genau, und das Spannende ist, dass sich das ja, du sagst, das ist ja in die Falle getappt, weil es ist ja eine Erfahrung, die sich bei ganz vielen Leuten irgendwie deckt.
Und die auch irgendwie immer so weitererzählt wird.
Also ich habe auch, als wir jetzt auf Instagram in unseren Storys darüber berichtet hatten, habe ich eine Nachricht bekommen von einer Person, die wirklich sehr viele feministische Theorie und Bücher liest.
Und wirklich sehr, sehr belesen ist.
Und die Person hat trotzdem gesagt, boah, also Gender Trouble fand ich einfach wirklich schwierig geschrieben.
Aha.
Hm, genau.
Aber wir haben eh auch schon mal darüber gesprochen.
Wir haben es kurz, glaube ich, erwähnt.
Oder es hängt, glaube ich, auch davon ab, in welcher Sprache man liest.
Ein bisschen.
Oder vielleicht sogar sehr.
Also das weiß ich jetzt nicht, welche Sprache die kommentierende Person da gewählt hat.
Also das könnte natürlich auch zusätzlich da rein liegen.
Genau, aber würdest du sagen, ich finde ja, dass Butlers deutsche Übersetzungen richtig schlecht sind.
Ja.
Nicht bei der Titel.
Also wenn man versucht, es sich einfach zu machen und auf Deutsch liest, glaube ich, macht man es sich bei Butlers schwieriger als umgekehrt.
Also zumindest bei den alten Büchern, alles bis zur 1000.
Ja.
Ja.
Also alles inklusive Undoing Gender, beziehungsweise die Macht der Geschlechternorm, was um 2000 herum rausgekommen ist.
Und danach wird es einfacher.
Auch die deutschen Übersetzungen sind danach wesentlich besser.
Ja, weil wir da zugelernt haben.
Ja, genau.
Leute haben so ein bisschen, okay, warte, machen wir das jetzt besser.
Genau, aber es ist halt wirklich, manchmal sind, also wenn auf Englisch da kurze Sätze stehen, die eine Zeile lang sind, machen die in der deutschen Übersetzung teilweise wirklich so sechs, sieben Zeilen draus.
Und dadurch wird es einfach unnötig kompliziert.
Und, unnötig kompliziert, gutes Stichwort.
Gehen wir zum komplizierten Feminismus?
Ja, genau.
Aber ich habe noch ein schönes Zitat aus der Einführung von Body Stub Matter, wo ich nämlich gesagt habe, dass es ja darum geht mit dem, also dass Butler das sehr quasi neu schreiben wollte.
Ich zitiere, dieser Text, also Body Stub Matter, dient in Teilen einem Neudenken von einigen Teilen aus Gender-Trobe, die für Verwirrung gesorgt haben.
Aber auch als Versuch, weiter über die Wirkungsweisen der heterosexuellen Hegemonie in der Erschaffung von sexuellen und politischen Materien nachzudenken.
Genau.
Und das ist was, was wir so ein bisschen im Kopf haben sollen, weil wir springen ja beide so ein bisschen zwischen Gender Trouble und Body Stub Matter heute.
Und für Leute, die es nachlesen wollen, wenn man mehr was zu Performativität lernen will, ist Gender Trouble das richtige Buch?
Und wenn man mehr was zu Materialität lernen will, ist Body Stub Matter das richtige Buch?
Das ist die Zauberformel.
Genau.
Es ist natürlich beides in beidem drin, aber es sind halt auch wirklich, genau, sehr anspruchsvolle 180-Seiten-Bufe.
Und da sind 180 Seiten, also ich lese kein Buch so langsam wie Butler, also aus einer feministischen Art heraus jetzt.
Genau, natürlich lese ich Lacour jetzt langsamer als Butler.
Ja, oh Gott, ja.
Aber jetzt quasi im feministischen Diskurs gesehen, ja.
Aber Body Stub Matter, nur kurz als Einführung, weil wir noch im Einführungsteil sind, ist nicht das einzige Buch oder nicht der einzige Text, den Butler in den 90ern geschrieben hat, um Gender Trouble zu erweitern.
Es gibt noch ganz viele Texte zu den, also vor allem The Psychic Life of Power wäre ein Buch, das sich nach den psychischen inneren Auswirkungen und deren Relation zu Performativitätstheorie Fragen stellt.
Und es gibt mehrere so quasi, also Gender Trouble sozusagen als Ausgangstext und dann in verschiedene Richtungen gedacht, so muss man die Texte auch einordnen in den 90er Jahren.
Ja.
Genau, bevor dann eben Undoing Gender kam, was irgendwie nochmal alles zusammengebracht hat und seitdem geht es weniger deutlich dezidiert nur um Gender by Butler.
Ja.
Aber was heißt denn jetzt eigentlich dieses Falschverstehen und ist dieses Falsch nicht vielleicht eigentlich nur eine Reaktion auf die Art und Weise, wie geschrieben wurde?
Genau, und ich hatte ja schon einen Teil dazu auf Instagram auch gepostet, weil das bei mir auch einige, naja, interessante Gedanken geöffnet hat zu, wie wir überhaupt Wissenschaft verstehen.
Ja.
Und klar, wir haben jetzt in den letzten Folgen auch ganz viel über Kritik und über Verfestigung von Bedeutung als ein ideologisches Projekt gesprochen und Kritik ist, dass das irgendwie auflockert.
Und in die Richtung geht auch das, was Butler hier zu sagen hat.
Und deswegen habe ich jetzt ein längeres Zitat.
Das ist aus dem, was heißt nochmal Preface auf Deutsch?
Den einführenden Worten?
Vorwort.
Ja, genau.
Aus dem Vorwort von Gender Trouble, aber aus einer späteren Edition, das ist in der 1999er Version, gibt es zwei Vorwörter.
Eben das Originale und das von 1999 und das ist aus 1999, jetzt von neun Jahren, nachdem das Buch zum ersten Mal erschienen ist.
Ich zitiere.
Sowohl Kritikerinnen und Kritiker als auch Freundinnen und Freunde von Gender Trouble haben auf die Schwierigkeit seines Zils hingewiesen.
Es ist zweifellos seltsam und für manche frustrierend, ein Buch zu finden, das sich nicht leicht konsumieren lässt und dennoch nach akademischen Maßstäben als populär gilt.
Die Überraschung darüber ist vielleicht darauf zurückzuführen, dass wir das Lesepublikum unterschätzen.
Seine Fähigkeiten sind verlangen, komplexe und herausfordernde Texte zu lesen, wenn die Komplexität nicht selbstzweckhaft ist.
Wenn die Herausforderung im Dienst dessen steht, als selbstverständlich angenommene Wahrheiten in Frage zu stellen, wenn eben diese Selbstverständlichkeiten tatsächlich unterdrückend sind.
Ich habe einen kurzen Einschub, es geht noch weiter, aber da sieht man schon, dass Butler ja wirklich das Publikum ernst nimmt und sagt, wenn ihr wirklich nachdenken wollt, dann gebe ich euch auch einen Text, um mit dem Text einfach wirklich nachzudenken.
Und mache es nicht extra einfach nur, um es euch einfach und mir einfach zu machen.
Und es deutet auch schon mal an, dass es ja wirklich darum geht, Wahrheiten in Frage zu stellen.
Und wenn es einfach mehr, dann würde man Wahrheiten nicht in Frage stellen.
Weiter.
Zitat, ich denke, dass Stil ein kompliziertes Terrain ist und keines, das wir einseitig wählen oder kontrollieren.
Entsprechend den Zwecken, die wir bewusst verfolgen.
Gewiss kann man Stile einüben, aber die Stile, die einem zur Verfügung stehen, sind nicht vollständig eine Frage der Wahl.
Zudem sind weder Grammatik noch Stil politisch neutral.
Die Regeln zu lernen, die verständliche Rede bestimmen, bedeutet eine Einübung in normalisierte Sprache,
wobei der Preis der Nichtanpassung der Verlust von Verständlichkeit selbst ist.
Wie Drusilla Cornell in der Tradition Adornos erinnert, ist an gesunden Menschenverstand nichts radikal.
Es wäre ein Fehler zu glauben, dass die überlieferte Grammatik das beste Vehikel sei, um radikale Ansichten auszudrücken.
Angesichts der Beschränkungen, die Grammatik dem Denken auferlegt, ja dem Denkbaren selbst.
Doch Formulierungen, die die Grammatik verdrehen oder implizit die Subjektprädikatstruktur propositionaler Bedeutung in Frage stellen,
sind für manche eindeutig irritierend.
Sie erzeugen mehr Arbeit für ihre Leserinnen und Leser und manchmal fühlen sich diese durch solche Anforderungen angegriffen.
Ist die Beschwerde derjenigen, die sich daran stoßen, eine legitime Forderung nach klarer Rede?
Oder entspringt sie einer Konsumerwartung an das intellektuelle Leben?
Lässt sich vielleicht ein Wert aus solchen Erfahrungen in sprachlicher Schwierigkeit gewinnen?
Wenn das, was wir für selbstverständlich halten, durch grammatische Normen naturalisiert wird,
dann wird eine Veränderung auf der grundlegendsten epistemischen Ebene teilweise dadurch vollzogen,
dass eben jene Grammatik gestritten wird, in der diese Selbstverständlichkeiten gegeben sind.
Was sind deine Gedanken dazu?
Ja, ich musste beim Lesen, ich muss an zwei Sachen denken, zweieinhalb.
Das Erste, was mir eingefallen ist, ist dieses Regeln lernen, von dem da die Rede ist.
Das erinnert mich so an dieses Zitat, das ich lange hängen gehabt habe bei mir im Büro damals noch,
als ich halt, du weißt, vor Corona hatte, wo ich noch ein Büro hatte und da eben quasi für meine SchülerInnen,
die da reinkommen, gleich das Erste, was sie gesehen haben, wenn sie zu mir zum Deutschkurs kommen,
ist das Zitat von Picasso, kennst du das?
Picasso ist jetzt nicht unser super tolles feministisches Vorbild, aber das Zitat finde ich gut.
Wo er sagt, also auf Englisch heißt dann,
Learn the rules like a pro, so that you can break them like an artist.
Und ich finde, das passt einfach so als Denkanstoß jetzt zu dem, was Butler da schreibt, so gut.
Und das hat mich dann wieder denken lassen an das, was wir,
boah, wir haben schon so viele Folgen, ich weiß nicht mehr, in welcher Folge das war,
aber in irgendeiner Folge haben wir über Deleuze und Garderie gesprochen,
die von dieser minoritären Literatur sprechen.
Bei Anseldur, glaube ich.
Bei Anseldur, genau, weil da haben wir doch auch gesprochen,
weil, genau, ja, das macht Sinn,
weil da haben wir doch auch dann drüber gesprochen,
also sie machen das ja bei Kafka und in seiner Literatur quasi,
ich weiß jetzt, hier geht es um akademische Literatur und nicht um Literatur,
aber ich finde, es ist schon eine Parallele da,
weil wenn man sich überlegt, ja, was ist denn, was ist denn ihrer Meinung nach minoritäre Literatur,
also sie meinen quasi Literatur, ein Schreiben,
das eine Sprache von innen heraus irritiert,
also jetzt nicht einfach nur neue Inhalte in diese Sprache bringt,
sondern wirklich die bestehende Grammatik quasi irritiert und stört,
diese Grammatik brüchig macht.
Und das ist, glaube ich, dann das, was Butler hier beschreibt als das,
was die LeserInnen, warte, da kommt jetzt kein deutscher Schatz raus,
also das, was, wodurch sich, sorry, jetzt kommt es,
so, wodurch sich die LeserInnen dann angegriffen fühlen.
Also nicht durch die, primär durch die Inhalte,
sondern zuerst mal schon durch die Grammatik,
zuerst schon mal durch die Sprache an sich.
Und ich glaube, das ist das, worauf da in dieser Preface,
oder in dem Vorwort Bezug genommen wird.
Das heißt, und ich finde das halt jetzt in dem Lichte quasi,
auch dann jetzt nicht wirklich,
es wäre unfair zu sagen, das ist quasi akademische Arroganz
oder sonst irgendwas, oder zu versuchen, quasi eine hochphilosophische Sprache
da zu entwickeln, sondern das ist, genauso wie ich jetzt schon vorher gesagt habe,
bei Who's Afraid of Gender,
das ist nicht nur pure, reine, wie soll ich sagen,
Analyse quasi,
die Dinge, sondern das ist wirklich eine Art von Intervention.
Und zwar schon auf der Ebene der Sprache quasi diese eine,
und ja, natürlich, und ich glaube, da wäre Butler ja die erste Person,
die da zustimmen würde,
nicht jede Irritation ist auch wirklich produktiv.
Manchmal ist es halt einfach blöd formuliert,
oder manchmal ist es zu kompliziert, das kann schon sein.
Aber, so wie Butler sagt, wenn das Denkbare,
wir werden heute darauf rückkommen, nehme ich an,
wenn das Denkbare durch sprachliche Normen begrenzt ist,
dann kann halt eine Verschiebung dieser Normen auf sprachlicher Ebene
selbst schon Teil der Kritik sein.
Also, so interpretiere ich quasi diese,
also das, was jetzt hier als Stil beschrieben wird.
Ich glaube nicht, dass es eben,
ich glaube, dass das Wort Stil hier vielleicht ein bisschen misleading ist.
Weil es ist nicht Stil, es ist nicht, weil ich es so haben will,
weil es so schön klingt oder akademisch klingt
oder glaubwürdig eher, sondern eine Intervention, Punkt aus.
Genau, also der Verweis auf Stil,
also ich habe diesen einen Satz, fand ich auch so schön,
gewiss kann man Stile einüben,
aber die Stile, die einem zur Verfügung stehen,
sind nicht vollständig eine Frage der Wahl.
Und das zeigt ja auch das.
Also natürlich ist auch so ein Eingeständnis mit,
hey, ich habe 20 Jahre in der Philosophie-Departement
auf der Welt überall,
ich kann mich nicht entscheiden,
auf einmal anders zu schreiben.
Und es hätte lange gedauert, anders zu schreiben.
Und das Buch war ein wissenschaftliches Buch,
das für ein bestimmtes Publikum in genau dieser Sphäre geschrieben wurde.
Warum sollte ich lernen, anders zu schreiben?
Das ist die eine Sache.
Und deswegen vermischt sich genau Stil halt wirklich mit diesem,
wie wird geschrieben,
im Sinne von,
also welche Worte werden benutzt
und wird damit vielleicht einmal eine Kontinuität
zu einer bestimmten Philosophie-Tradition hergestellt,
um auch darin und in anderen Diskursen
wirklich verschiedene Dinge aufzuzeigen,
indem man Sprache und wie sie sonst funktioniert durchbricht.
Also mir ging es nur darum,
einfach zu sagen, glaube ich,
dass das Wort Stil oft im Alltagsgebrauch
so sehr auf individuelle Freiheit quasi,
oder was ich meine,
dass man sagt, okay,
diese Person hat einen bestimmten Stil,
einen bestimmten Sprechstil,
einen bestimmten Schreibstil,
aber genauso wie du es jetzt gesagt hast,
ich glaube, das war der springende Punkt,
Stil ist ja eigentlich in dem Sinn,
wie es jetzt hier gebraucht wird
und eigentlich sollten wir es auch sonst immer so verstehen,
eine Norm, das ist es.
Also es ist ja nicht,
man ist nicht frei darin,
Stile zu wählen.
Ja, genau.
Genau, zwei Gedanken, die ich noch hatte,
ist ein kurzer dazu,
ist, dass ich jetzt endlich das perfekte Zitat gefunden habe,
um es Leuten zu zeigen,
die mir immer sagen,
Butler schreibt zu kompliziert
und deswegen kann man sich nicht
mit deren Argument auseinandersetzen.
Maybe you didn't get the argument at all.
Nee, aber auch, also allgemein,
ich meine, ich sage das immer zum Spaß,
aber so ein bisschen ernst ist schon gemeint,
dass mir halt noch nicht wirklich
eine richtig gute Kritik von Butler untergekommen ist,
weil ich das Gefühl habe,
wenn Butler kritisiert wird,
dann ist das auf einer ganz anderen Ebene.
Und klar gibt es Kritik
und die ist dann, keine Ahnung,
zum Beispiel in dem einen Buch,
das Butler zusammen mit Slavoj Žižek
und Ernesto Laklau schreibt,
ja, zu Universalismus und Partikularität,
da sind die auch nicht einer Meinung,
aber die sind zu,
also im Vergleich sind sie zu 99 Prozent
einer Meinung
und denken dann über das letzte Fitzgerald hier nach
und es ist wirklich keine Kritik
an deren Denken im Grundsätzlichen,
sondern wirklich,
da geht es um feinste,
minimale,
philosophische Abzweigungen
ganz am Ende.
Und, genau,
ich sage immer zum Spaß,
also man muss mir,
also mir ist einfach noch
keine Kritik untergelaufen,
die Butler wirklich verstanden hätte.
Ja, auch weil ich natürlich
nicht alles kenne,
was da draußen ist,
aber weil ich wirklich das Gefühl habe,
dass teilweise nach so 40 Prozent
des Versuches zu verstehen
abgebrochen wurde
und dann eine Kritik formuliert wurde
und 40 Prozent ist schon gut bemessen,
manchmal schon viel früher.
Ja, das erinnert mich so dran,
okay, zwar erinnert mich noch an was,
aber es erinnert mich so an,
also vielleicht liegt es daran,
dass auch der Text an sich,
ja, dieser, also der,
ja, die Intention des Textes,
nein, das,
so weit will ich nicht gehen,
aber die Unterscheidung von,
bei Barth oder bei Roland Barth
zwischen einem Plaisir du Text
und Juissance du Text
und ich glaube,
genau das ist dieser springende Punkt,
also ich lese Butler nicht,
damit Butler mir was erklärt,
sondern ich lese Butler
im Sinne der Juissance,
der Text muss mich vollkommen auseinanderreißen
und dann wieder neu zusammensetzen,
ansonsten habe ich den Text,
sonst habe ich ja gar keine,
ich habe sonst gar keinen Zugang
zu dem, was Butler schreibt,
wenn ich das nicht anerkenne.
Du lest ja auch Texte nicht,
weil es dir Spaß macht.
Nein, das lese ich nicht gerne.
Das sage ich immer.
Das kann ich jetzt jedes Mal sagen,
Ja, also ich lese Texte
eher, weil es mir dann Spaß macht,
so ja, genau, ja, genau
und dann unterstreiche ich,
unterstreiche ich,
mache Haken hin und was auch immer
und am Ende schaue ich mir die Seite an
und denke mir so,
zieht sich genauso aus wie vorher,
weil überall Dinge markiert.
Aber ich finde es danach leichter wieder.
Du, deswegen,
deswegen habe ich meine 100.000 Farben,
wo die Leute immer da sagen,
okay, was brauchst du?
70.000 Textmarker,
na, deswegen,
damit der Text nicht dann
nachher gleich auch schaut wie vorher.
Nee, mit mehr als Bleistift
traue ich mich nicht.
Da reinzumalen.
Ja, genau.
Einen, bevor wir zu weit abdriften.
Okay, gut.
Dein Stichwort bei Deleuze
und Guattari zu Kafka war wichtig.
Ich habe Kafka natürlich
jetzt aus der Butler-Folge
vollkommen rausgehalten,
aber zumindest ein kurzer Verweis
finde ich wichtig,
weil wir ja in der ersten Folge,
in der letzten Doppelfolge
kurz über Anti-Judaismus gesprochen haben
in der Kritik der Philosophie-Tradition,
Antisemitismus.
Und sowohl bei Deleuze und Guattari
als auch allgemeinem Post-Strukturalismus
als auch insbesondere bei Butler
ist eine Rezeption von Kafka zentral.
Und dann sage ich mir,
ja gut, sag mal nochmal,
Butler hat kompliziert geschrieben
und hat dann Kafka verlegt.
Ich lese gerade alle Briefe von Kafka.
Oh Gott.
Ein paar Gruppen.
Weißt du, ich habe mich gestapelt,
bist du so groß wie ich.
So hoch wie ich.
Wir waren auch letztes Jahr
im Kafka-Museum in Prag
und das war auch sehr spannend.
Ich habe ja drei oder zwei,
ich weiß schon gar nicht mehr,
ich glaube drei Seminare,
Online-Seminare bei Butler gehabt
über die European Graduate School.
Und eins war auch dezidiert zu Kafka
und da ist mir das erst so richtig klar geworden.
Und jetzt habe ich,
als ich Gender Trouble aufgeschlagen habe,
es überall gelesen.
Und eben das, was,
also ganz minimal kurz,
um es richtig kompliziert zu machen
und danach wird die Folge einfacher,
also Before the Law.
Und das ist auch das,
was Derrida sich immer anschaut bei Kafka.
Und deswegen,
also Butler steht da
in der Derrida-Tradition
und dann aber nochmal zurück
zu Benjamin,
zu Skulem
und dann zu Kafka.
Also jüdische Kabbalah
und jüdischer Mystizismus
und wie dieser eben
eine bestimmte Philosophie-Tradition
beeinflusst hat.
Und bei Vor dem Gesetz
geht es halt darum,
so ganz grob gesagt,
es gibt eine Person,
die steht so vor den Toren
des Gesetzes
und will halt irgendwie wissen,
was der Urteilspruch dahinter ist.
Und weil sie diese Türen
aber nicht öffnen,
die Person aber
in ständiger Erwartung ist,
schafft sie sich quasi
in Bezug zu diesem
imaginierten,
was danach kommt,
schon selbst ein Urteil
und selbst die Regeln.
die Zeit nach dem,
was Geschlecht eigentlich ist
und indem wir die ganze Zeit
darüber nachdenken,
es performen,
es tun,
darüber schreiben,
darüber streiten,
schaffen wir Geschlecht eigentlich.
So.
Sehr gut.
Ich habe gerade gesagt,
jetzt sind wir eigentlich schon
bei den Begrifflichkeiten.
Ich meinte gerade auch,
dass die Folge jetzt leichter wird
und zwar nicht,
weil wir jetzt keine schwierigen Begriffe
mehr benutzen,
sondern weil wir sie versuchen
zu erklären.
Richtig.
Aber wir dachten uns,
bevor wir,
ja, also die Frage ist halt,
wie teilt man zwei Bücher
in ein oder zwei Podcast-Folgen auf?
Und wir dachten uns eher,
wir nehmen wichtige Aspekte
und Begriffe davon raus.
Und daran sieht man auch
eigentlich gleich wieder,
dass Butler nicht einfach nur,
und das hatte ich ja schon
ganz am Anfang
in der ersten Doppelfolge gesagt,
dass Butler aus vielen verschiedenen
Traditionen schöpft
und sie kreativ neu zusammenbringt.
Und das ist zum einen
natürlich die Psychoanalyse,
die wir auch hier wieder
ausklammern werden,
auch wenn wir immer wieder
darauf verweisen werden
in der heutigen Folge.
Dann die sogenannte
französische Philosophie,
also der Post-Strukturalismus,
also Foucault, Derrida,
Altissère,
aber auch feministische Theorie,
in dem Fall auch wirklich
französische feministische Theorie,
also Monique Wittig,
Julia Christopher,
Louis-Erikarey und andere.
Und das Spannende ist eben,
dass Butler's Buch das erste ist,
das wirklich diese französisch-feministische
Theorie mit der französisch-
Produktion und da nennt Butler
dezidiert auch Stuart Hall.
Und hier verweise ich nochmal
auf unsere Toll-Folge zu Stuart Hall.
Das ist, ja,
ich finde es einfach auch schön,
wenn man sieht,
dass die Leute,
die man toll findet,
sich gegenseitig toll finden.
Ja, wie wäre das nochmal?
Man erkennt die Personen,
mit denen man kann.
Ja.
Ich habe auch nur mal,
also ich finde es immer,
ich liebe es ja wirklich,
also ich habe mir angewöhnt,
bei allen Büchern,
ich lese wirklich die Danksagung
und das Vorwort zu lesen,
weil man das so viel mehr fast lernt,
als was in den Texten steht.
Und zwar wirklich um dieses,
was es um diesen Text herum passiert.
Und ich habe ja zum Beispiel
letzte Woche,
nee, nicht mehr,
boah,
als wir über Kritik gesprochen haben,
ging es ganz am Ende um Joe und Scott,
um diese Genderhistorikerin.
Und ich habe jetzt wieder gelesen
und ich weiß ja,
dass Butler und Scott
sich jetzt auch in den späten Werken
immer zitieren.
Und die haben aber in den 80er Jahren
zusammen in einem Zentrum gearbeitet.
Und auch in den 90er Jahren,
in den 90er Jahren
dann Bucher zusammen rausgegeben.
Was ich gar nicht wusste,
was jetzt auch wieder
durch Gender Trouble
mir erst sozusagen gezeigt wurde.
Aber ja,
also genau,
also es ist jetzt nicht verwunderlich,
dass wir sie in einer Folge gehabt haben.
So,
wir kommen zum ersten Wort.
Das kennen wir eigentlich schon.
Und zwar?
Nämlich Genealogie.
Ja,
das kennen wir.
Das kennen wir.
Dann können wir das zweite Mal.
Nee,
also genau.
Du hast gesagt,
du wolltest es einfacher machen.
Also du musst es jetzt schon erklären.
Genau.
Wir machen es nochmal einfacher
und basst uns bei Genealogie.
Nee,
ich habe auch hier ein Zitat
von Butler herausgesucht,
nämlich aus dem Vorwort,
dem Originalvorwort
von Gender Trouble
von 1990,
wo es nämlich
auch grundsätzlich darum,
also um den Blickwinkel
einfach des Buches geht.
Ich zitiere,
die grundlegenden Kategorien
Sex,
Gender und Begehren,
also Sex,
habe ich jetzt so gelassen
auf Englisch,
da muss ich jetzt quasi
Sexualität und
biologisches Geschlecht
dabei denken.
Also Sex,
Gender und Begehren
als Effekte
einer bestimmten
Formation von Macht
aufzudecken,
bedarf einer bestimmten
Form der kritischen
Untersuchung,
die Foucault,
Nietzsche reformulierend,
als Genealogie bezeichnet.
Eine genealogische Kritik
weigert sich nach
den Ursprüngen von Gender,
einer inneren Wahrheit
des weiblichen Begehrens
oder einer eigenen
oder authentischen
sexuellen Identität
zu suchen.
Stattdessen untersucht
die Genealogie
die politischen Interessen
etwas als Ursprung
oder als Grund
zu bezeichnen,
was eigentlich der Effekt
von Institutionen,
Praktiken und Diskursen ist.
Und das ist ja so ein bisschen
das, was ich auch
schon am Anfang meinte,
es geht eben bei Butler
gerade nie darum,
zu verstehen,
was Gender möglich ist,
sondern was Gender macht
und warum wir
überhaupt die Frage stellen,
was Gender wirklich ist,
warum wir das Interesse
daran haben,
warum das wichtig ist
und wie das funktioniert,
dass wir bestimmte
Vorstellungen von Gender haben.
Ja.
Ja.
Dann kommen wir genau
zu diesen Wörtern,
die ich gerade genannt habe.
Sex, Gender und Sexualität.
Wir hatten da mal
so eine Folge,
ich glaube,
das war die zweite.
Ja.
Da haben wir auch schon
über diese Worte gesprochen.
Kannst du da
nochmal eine Mini-Feedback,
nicht Feedback,
Recap geben.
Mini-Recap.
Ein Recap.
Ein Feedback hast du auch.
Ein Mini-Recap
zu, na, herzlich,
Gayle Rubin,
nehme ich an, oder?
Genau.
Also da haben wir,
das hatten wir
in der zweiten Folge,
weil das war
Mitte der 70er,
ne,
also das,
in dem,
the traffic
in women,
da fragt
ja Rubin
eigentlich die Frage,
die da
zentral ist,
ist,
warum die Unterordnung
von Frauen
quasi so stabil ist,
auch in Gesellschaften,
die ja eigentlich
sich sonst radikal
voneinander unterscheiden.
Also warum das quasi
global so ein Phänomen
ist,
also Unterordnung
von Frauen.
Und da lautet eben
die zentrale These,
also Rubin spricht dann eben
oder entwickelt da
diese Idee
dieses Sex-Gender-Systems
und da ist eben
ihre These,
dass Frauenunterdrückung
nicht biologisch
organisiert ist,
sondern kulturell.
Also,
es gibt
gesellschaftliche Strukturen
wie zum Beispiel
Verwandtschaft
oder Verwandtschaftsordnungen,
Sexualnormen,
Heiratsregeln
etc.,
die,
die,
okay,
und jetzt kommt's,
die biologischen Unterschiede
in soziale
Geschlechterrollen
übersetzen.
Quasi.
Das heißt,
bei Rubin
ist halt
Sex
und jetzt
wieder so,
wie du gesagt hast,
in der doppelten
Bedeutung
zu lesen,
noch relativ stabil
gedacht.
Und
Gender
ist quasi
die
kulturelle
Überbau
oder diese Bearbeitung
dieses biologischen
Materials.
Und dieses System,
das ganze System
ist
heterosexuell
organisiert.
und ich glaube
für Butler
das
vielleicht jetzt
so als
Überleitung
jetzt
zu Butler,
weil Butler
übernimmt
ja
diese,
weil was da
passiert ist,
Rubin
entnaturalisiert
quasi
dann die
Unterdrückung.
also das
übernimmt Butler,
diese Idee
übernimmt Butler,
aber
der geht
natürlich
da noch
einen
Schritt
weiter,
weil wenn
Gender
kulturell
gemacht ist,
sozusagen,
ja,
woher wissen wir
dann eigentlich
was Sex
ist.
Also die Frage
ist dann,
die Frage
geht nicht,
da geht es
nicht um
Gender
bei Butler
mehr
in der
Rezeption,
sondern eigentlich
dann die Frage
überträgt sich
dann auf
Sex.
Also ist
diese Zweiteilung
quasi dann
in biologische
Geschlechter
unter Anführungszeichen.
Entschuldigung,
meine Oma ruft
an,
weil ich Geburtstag
habe.
Sie checkt
nicht,
dass ich ablege.
Die ist wirklich
schon 82.
Nein,
die ist schon älter.
Okay,
wo war ich?
Also ja,
genau,
aber diese Zweiteilung
dieses biologischen
Geschlechts,
ja,
das ist dann,
das ist die
Problematisierung
dann.
Also können wir
das dann nicht
eigentlich auch
diskursiv
rahmen,
quasi dann
diesen
Begriff.
Genau,
und das Spannende
ist ja,
also genau das,
dass die Idee
ja deswegen,
also natürlich
kann man immer
behaupten,
ja,
wir gucken,
also wir kritisieren
jetzt halt auch
das biologische
Geschlecht,
aber Butler
zeigt ja ganz klar,
dass ein
ein vorsteller
Gedanke
bei Gail Rubin
drin ist
und das ist
die Annahme,
dass Heterosexualität
die Norm ist.
Weil es macht ja nur,
also bei Gail Rubin
ist ja wirklich so,
dass Gail Rubin
sagt,
es gibt
geschlechtliche
Unterschiede,
deshalb haben wir
Sex miteinander
und weil wir
auf bestimmte Art und Weise
Sex miteinander haben,
entsteht daraus
Geschlecht,
wie wir das
in der Gesellschaft
vorfinden.
Ganz, ganz simpel.
Das ist ein 30 Seiten Text
und das war jetzt
sehr, sehr simpel,
aber die Grundannahme
ist ja,
aus
vergeschlechtlichen
Körpern
kommt
Heterosexualität
und das
stimmt ja nicht
und das war ja
also
Butler's erster Gedanke,
also sowohl
aus ihrer
Erfahrungen
in bestimmten
Queeren
und LGBTQ
Underground
Szenen,
dass halt
Heterosexualität
nicht einfach so
die Norm ist
und dann wirklich
zu überlegen,
was heißt es,
wenn wir jetzt aber
trotzdem nicht
Homosexualität,
Bisexualität
etc.
als Abweichung
von einer Norm
sehen,
sondern als
Potenzial,
das uns wirklich
hilft,
neu über
die Idee
dieser Norm
nachzudenken,
woher diese Norm
kommt.
Also gerade nicht
zu sagen,
wie, keine Ahnung,
jetzt Klaschusfreud
und schlechte
frühe Psychoanalyse
zu sagen,
das ist einfach
nicht vollentwickelte
Heterosexualität
und Heterosexualität
ist trotzdem
das, was
der Standard ist
und wie denken wir
darüber nach,
dass es etwas gibt,
das nicht der Standard
ist,
sondern eben auch
durch den Impetus
von Foucault
zu sagen,
meine Oma
möchte jetzt mal
anrufen,
ich muss
ausschalten.
Oh nein.
Oder willst du
kurz rangehen?
Ja.
Sie sagt
immer nur,
ja,
ja,
hallo,
als gut singen
du willst,
ja,
piti baba.
Okay,
genau,
sondern eben
darüber nachzudenken,
was heißt es überhaupt,
wie diese,
wie unsere Vorstellung
davon,
dass etwas Natürliches
entsteht.
Und das Spannende
ist eben,
wenn man halt dann
nicht davon ausgeht,
dass Heterosexualität
die Norm ist,
dann kommt man
mit diesem
damaligen
radikalen
Feminismus
nicht mehr mit,
ja,
wo Gay Rubin
in der Tradition
steht.
Also zu sagen,
wir sind heterosexuell,
dadurch entsteht
ein Machtgefälle
und dieses Machtgefälle
wird auf Gesellschaft
übertragen.
Denn
dann wären ja
alle
nicht heterosexuellen
Männer und Frauen
keine Männer
und Frauen
in diesem System.
Wenn Geschlecht
daraus entsteht,
dass wir in eine
heterosexuelle Matrix
eingebettet sind,
was ist dann
mit den Menschen,
die außerhalb dieser
heterosexuellen Matrix
stehen,
sind das dann
keine Frauen
und keine Männer
zum Beispiel.
Und das ist so
der Beginn
von Butlers
Hinterfragung.
Was passiert ist,
wenn wir gerade auch
feministisch Theorie
machen wollen
und feministisch
denken wollen
und über das Subjekt
des Feminismus
nachdenken wollen,
wenn es
sozusagen
offensichtlich
irgendwie Frauen
gibt,
die aber nicht
in das passen,
wie wir Frauen
definieren.
Ja, ja, ja.
Und dann geht es
eben weiter so eben,
wie gesagt,
wie verhält sich
die lesbische Frau
dazu,
ist das keine Frau
oder eben auch dann,
wie verhält sich
Transgeschlechtlichkeit
dazu
und vor allem
Transgeschlechtlichkeit
ist nochmal so ein Sprung,
weil da zeigt sich eben
auch, dass es
Geschlechtlichkeit gibt,
die deswegen auffällt,
weil sie nicht passt,
in Anführungszeichen,
ohne dass sie aber
irgendwie in Sexualität
eingebettet ist.
Und natürlich gehört da
auch eine bestimmte
Rezeption dazu,
dass zum Beispiel
Transfrauen ganz häufig
nur als schwule Männer
gesehen werden
und dass das dann
in der Geschlechtskategorie
nachdenken aus der
Perspektive von Geschlecht
als auch aus der
Perspektive von Sexualität.
Ja, ja.
Genau, und da kommen wir
eben zu, wie ich gerade
schon gesagt habe,
zu dem Trouble,
den es bei Geschlecht gibt.
Also Trouble im Sinne von
nicht Unbehagen,
sondern Trouble im Sinne
von Störungssturung.
Also so ein bisschen
ist, was Sarah Ahmed
ja dann auch unter
Trouble weiterdenkt.
Genau, es gibt diesen
Trouble, den es irgendwie
immer schon gibt
und der eine stabile,
vorgestellte Identität
unterläuft.
Das ist das, was
Subversiv bezeichnet.
Und dann kommt eben die
Frage, wie verhält sich
diese Identität dann
zu politischer Repräsentation
und Möglichkeiten dieser.
Also wie können wir
Feminismus weiterdenken,
wenn wir gar nicht von
der Frau sprechen können.
In der Art und Weise,
wie wir bisher von der
Frau sprechen.
Und das Spannende ist,
also wir sprechen jetzt
ja heute gleich auch
nochmal darüber,
dass Butler eigentlich
weg will von der
Vorstellung, dass es
sowas wie Identität gibt.
Aber gleichzeitig sagt
Butler im 1999er
Vorwort nochmal kurz,
dass es schon wichtig ist,
repräsentationale Politik
zu machen.
Also Anerkennung von
bestimmten Identitäten,
weil das Überleben sich hat.
Also nur, wenn wir zum Beispiel
einen Schutz, also nur,
wenn wir zum Beispiel wissen,
dass es Homosexualität gibt
und das auch als Identität
definieren können,
wir im Gesetz festschreiben,
dass eine bestimmte Form
der Marginalisierung
häufig deswegen eintrifft
und sie deswegen schützen.
Und das ist aber
Ideale, die innerhalb
von der Bewegung
den Feminismus
ablaufen sollten.
Das sind sozusagen
zwei Stränge.
Genau.
Das war Sex,
Gender, Sexualität.
Jetzt kommen wir
zum einem der beiden
schlimmsten Fremdwörter
in Butler's Text.
Das andere kommt bei dir vor.
Das haben wir irgendwie
ein bisschen ausgeblendet
und so tun,
als wäre es das schwierig.
Das stimmt.
Bei mir jetzt noch
ist es die Iterabilität
und das bringt mich
wieder zu der Frage,
Verena,
wann sprechen wir
über Derrida?
Wenn wir unsere
nächste sieben Folge
Reihe machen,
da brauchen wir auch viele.
Stimmt.
Natürlich,
also Iterabilität
kann man nicht ohne Derrida,
also da kommt ja
der Gedanke quasi
quasi her.
Also auch von,
also zuerst,
okay,
im Französischen
gibt es schon
das Wort Iteril.
Genau.
Also im Sinne von
wiederholen heißt das.
Natürlich kommt das
dann wieder vom
Lateinischen,
also Iterum
noch einmal,
also noch einmal
wiederholen.
Aber
also der springende Punkt
bei Derrida ist ja,
es geht um eine
strukturelle Wiederholbarkeit
eines Zeichens
beziehungsweise
einer Äußerung.
Also nicht nur,
dass ich Sachen,
also worauf ich hinaus will,
dass ich,
ich kann nicht nur
Sachen wiederholen,
sondern Zeichen
bei Derrida sind,
also erweist darauf hin,
dass man Zeichen
immer von einem
Kontext ablösen kann
und dann in einem
neuen Kontext
verwenden kann,
wo sie unter
Umständen anders
funktionieren.
Und das ist glaube ich
dann das,
was Butler braucht.
Genau.
Also das ist auch
die Idee bei
Derrida,
also jedes Zeichen
genau funktioniert
auch nur als Zeichen,
weil es wiederholbar ist
und damit auch
zitierbar.
Also indem ich halt
Worte neu
aneinandersetze,
benutze ich ja Worte,
die es schon gab
und setze hier aber
in einen neuen Satz
und der Satz
funktioniert nur,
weil ich zum Beispiel,
weil ich das Wort Satz
immer wieder wiederhole,
wenn ich etwas bezeichnen will,
weil sowas ist wie ein Satz.
Und Butler
weiter das eben aus
von einfach nur
einem sprachlichen Zeichen
hin zu jedem Akt,
also jede Art von Äußerung.
Und das ist ganz wichtig,
weil Butler ja auch immer
vorgeworfen wird,
das kommen wir ganz am Ende,
dass es hier nur um
Diskurse und Sprache gehen würde
und dass der Körper nicht da wäre,
bla bla bla.
Aber Butler schreibt
die ganze Zeit
wirklich immer von Akten
und mit Akten
meint Butler wirklich
jede Art
der Äußerung,
die kann sprachlich sein,
die kann
körperlich sein,
die kann
unabhängig von
sprachlichen Systemen
sein, etc.
Aber es geht darum,
dass mit einem
bestimmten Akt
und der Akt
ist immer verkörpert,
etwas ausgedrückt wird.
Also nochmal zurück
zur Iterabilität.
Damit wir
eine bestimmte Bedeutung
von irgendwas haben,
braucht es damit bereits
bestehende Konventionen
und Normen.
Denn nur dann
gibt es die Möglichkeit,
etwas zu zitieren.
Also nur indem es
einen Satz spricht.
Ein blöde Beispiel
wieder zu nehmen.
Aber das ist dann
wichtig,
wenn es halt um
Geschlecht geht.
Also wir können,
Geschlecht bekommt
nur dann eine Bedeutung,
wenn wir es
immer wieder
zitieren,
also zum Beispiel
indem wir
Frauen Kleider tragen,
weil das eingebettet ist
in die Konvention,
dass Frauen Kleider tragen.
Und dann erkennen wir
eine bestimmte Person
als Frau.
Oder gucken dreimal hin,
wenn das,
was wir als Mann lesen,
auf einmal einen Rock trägt.
Das ist genau das.
Und das Spannende ist,
und das kommt bei dir später,
wenn du über Handlungsmacht
sprichst,
nochmal vor,
jede Wiederholung
macht immer
zwei Sachen gleichzeitig.
Und das ist auch
vom Spektrum
dieser zwei Sachen.
Zum einen
verstärkt es
die Bedeutung,
verfestigt sie.
Und zum anderen,
weil eine Wiederholung
niemals mit sich
selbst identisch sein kann,
weil der Kontext
sich ja ändert,
wird die Bedeutung
auch immer
ein kleines bisschen
verschoben.
Also jeder Akt
hat das Potenzial,
sowohl subversiv
als auch
normen
affirmierend zu sein.
So gut,
dann kommen wir
zum nächsten
großen Wort,
das wir schon mal
genannt haben,
heute,
nämlich Performativität.
Und das Wichtige ist,
dass es damit
nicht Performance gemeint ist.
Es geht nicht darum,
etwas zu performieren,
in der Hinsicht.
Also es geht
auf Englisch,
es geht um
Performativity
und nicht Performance.
Und
das Problem ist,
dass Butler selbst
vor Gender Trouble
einen Text geschrieben hat,
also 1988,
wo es zwar wirklich
um Performativität geht,
wo aber das Beispiel
ein Theaterstück ist.
Und ich glaube,
das hat die Leute verwirrt.
Verwirrt, ja.
Weil jetzt denken wir,
dass Gender ein Theaterstück ist
und das ist es halt
gerade nicht.
Es geht nur mit der Analogie
darum zu sagen,
okay, in einem Theaterstück,
da gibt es ein Skript,
Es gibt aber auch
die Schauspielenden
und es gibt das Publikum.
Und deswegen ist
jedes Theaterstück
an jedem Tag,
an dem es aufgeführt wird,
von jeder Gruppe,
die es aufführt,
irgendwie immer anders.
Und es liegt nicht nur
an den Schauspielenden,
sondern auch am Publikum.
Es liegt an der Bühne,
etc.
Das ist dieser Kontext.
Und trotzdem wird
ein bestimmtes Skript,
nämlich das Drehbuch,
also der Drehbuch auf Theater,
immer wieder performiert.
Und damit quasi aktualisiert
und in die Realität gesetzt.
Real gemacht,
also zumindest real erfahrbar gemacht.
Performativität bedeutet,
dass diese Akte,
also das Handlungen,
Sprechen, Gesten,
genau das hervorbringen
oder das hervorbringen,
was sie ausdrücken
oder was sie ergeblich
nur ausdrücken.
Und da bezieht sich Butler
auf JL Austin,
den wir auch schon mal
angesprochen haben
und performative Sprechakte.
Und das beste Beispiel dafür
ist natürlich,
ich erkläre euch zu Mann und Frau
und dann ist man verheiratet.
Weil, genau,
das ist eben ein Sprechakt,
der das vollzieht,
was er beschreibt.
Durch den Sprechakt
sind die Personen
dann verheiratet.
Und
Austin sagt auch schon,
dass diese Teilung
so überhaupt nicht funktioniert,
dass es performative
und nicht performative
Sprechakte geben würde,
sondern dass Sprache
grundsätzlich so funktioniert
und Akte grundsätzlich
so funktionieren.
Und Butler nutzt das eben,
um über Geschlecht
nachzudenken.
Und vor allem auch
um so diese körperliche
oder um diese
wie Sprache
Aktualität schafft
und damit auch
körperliche Aktualität
und Realität schaffen
in
die poststrukturalistische
Debatte einzubringen.
Und das Spannende ist,
dass durch diese
Performativität,
also durch das Tun
von Geschlecht
es immer so erscheint,
als gäbe es Geschlecht.
Also als sei
Geschlecht in sich
kohärent.
Und zwar deswegen,
weil er so getan wird,
als ob.
Also wenn ich als Frau
immer wieder einen Rock trage,
tue ich,
als sei das vollkommen
natürlich,
dass ich Frauen
immer wieder einen Rock trage.
Und als sei
das quasi Teil
von einer
Geschlechtidentität
und damit ist es quasi,
entsteht Geschlecht
erst.
Das heißt,
es geht um
eine Fiktion,
die durch
die Performativität
immer wieder
real gemacht wird
und die
reguliert,
was wir als real
erkennen
und was nicht.
Und alles,
was nicht so richtig passt,
wird dadurch verdeckt.
Also
zum Beispiel,
wenn ich jetzt,
warte,
kreativ nachdenken,
wenn ich als Frau,
also wenn ich jetzt,
keine Ahnung,
als Frau gelesen werde
und einen Rock trage,
dann verdeckt das
vielleicht,
dass,
weiß ich nicht,
bestimmte andere Dinge,
die mich halt gerade
nicht mit dem Geschlecht
identifizieren lassen.
Oder wenn man mich
auf der Straße sieht,
verdeckt das,
dass ich zu Hause
nur in einem Jogginghaus
rumlaufe.
Ja.
Genau.
Das heißt,
und das ist der
spannende Punkt
Nehmen wir eine andere
Perspektive ein.
Es geht nicht darum,
den geschlechtlichen Körper
zu verstehen,
sondern es geht darum,
zu sagen,
es gibt
den geschlechtlichen Körper
in unserer Wahrnehmung,
in der Art,
wie wir ihn verstehen können,
überhaupt nicht
außerhalb
von den Akten,
die ihn konstituieren.
Also
wie wir
gelernt haben,
ihn zu lesen,
dadurch,
wie wir ihn benutzen.
Genau.
Also das heißt gerade
nicht,
dass es keinen Körper
außerhalb von Diskurs
und Sprache gibt,
sondern es heißt,
dass es ihn für uns
als Menschen
und wie wir Menschen sind
mit Sprache,
mit in Macht eingebettet,
durch Institutionen,
durchgebretscht,
dass es den Körper
gibt es für uns
als Menschen
nicht als Körper
außerhalb von
Performativität.
und das heißt,
wenn wir denken,
dass es so etwas wie
Geschlecht
wirklich gibt,
also eine Essenz
von Geschlecht,
dann ist es eine
retrospektive,
nachträgliche
Einschreibung
und aber eigentlich
nur das Produkt
von diesen
performativen
Wiederholungen.
Das ist de facto
das,
was wir auch schon
bei Genealogie
gelernt haben,
nur wirklich
nochmal auf den
bis jetzt
war es kompliziert,
jetzt wird es
komplizierter.
Die Begriffe
werden einfacher,
aber die Theorie
dahinter wird
komplizierter.
Ja, stimmt.
Weil alles das,
was du jetzt
genannt hast,
also Sex,
Gender,
Unterschied,
nicht Unterschied,
whatever,
Interiabilität,
Performativität,
das sind so schwierige,
das sind durch Begriffe
allein schon so schwierig,
aber darum geht es halt.
Nur die Sache ist die,
all das setzt ja noch
was Tieferes
eigentlich voraus,
nämlich eine bestimmte
Vorstellung davon,
was überhaupt
ein Subjekt ist.
Also was wir jetzt
noch besprechen müssen,
ist,
was ist denn eigentlich
Butler's
Subjekttheorie?
Na,
Anführungszeichen.
Weil
mit all dem,
was wir jetzt auch
schon gehört haben,
wird wahrscheinlich
auch schon klar sein,
Butler hat die
Subjektfrage,
also was ist ein
Subjekt quasi,
verschoben.
Punkt aus.
Ja,
also jetzt nicht,
es geht nicht darum,
mehr zu fragen,
wer bin ich,
sondern darum zu fragen,
unter welchen Bedingungen
kann ich überhaupt
jemand sein?
Also
weg quasi vom
inneren Kern
hin zum Kontext,
ein bisschen
so jetzt
einfach,
zu einfach
wahrscheinlich ausgedrückt.
Ja,
damit
ist auch
mit dieser Verschiebung
ist auch
dieses vertraute
Bild
weg,
dass es
zuerst
sowas wie
ein autonomes
Ich gibt,
dass dieses
Ich da ist,
dass dann erst
quasi in eine
Gesellschaft eintritt,
mit der es dann
interagiert.
Also bei Butler
ist es nämlich
genau umgekehrt.
Also das Subjekt
ist nicht der Ursprung,
sondern der Effekt.
Also ein Effekt
von
Zuschreibungen
und Erwartungen
ganz beschlimmter
historischer
Machtwissenssysteme
an
menschliche
Körper.
Also Butler
verschiebt,
die Subjektfrage
und diese Verschiebung
verändert aber alles,
weil sie jetzt
nicht
nur
Identität
neu raumt,
sondern
auch
Politik,
Körper
und wir werden
darauf zurückkommen,
später Handlungsmacht.
Und
ich würde auch
gern jetzt tun,
wie wir das
auch schon die restliche
Folge lang
gemacht haben,
jetzt
diese
Subjektfrage
selbst
noch einmal
anhand
oder vielleicht
entlang
mehrerer
Miteinander
verschränkter
natürlich
Achsen
mir gerne
anschauen.
Also vier
davon,
es gibt mehr,
aber vier
davon halte ich
für zentral,
nämlich
Konstitution,
Norm,
Körper
und
Agency,
also Handlungsmacht
oder vielleicht
aus Fragen
formuliert.
Nummer eins,
wie wird
ein Subjekt
hervorgebracht?
Zwei,
unter welchen
Normen
wird es dann
lesbar?
drei,
wie schreiben
sich diese
Normen
in Körper
ein?
Da kommt
dann der
Körper
wieder
zurück
und
Nummer
vier,
wo
entsteht
dann
innerhalb
all dessen,
wo entsteht
dann
überhaupt
Handlungsmacht?
Gut,
wir fangen
an mit
Konstitution.
Was bedeutet
das?
Was meine ich
damit?
Butler,
vielleicht
vorneweg,
Butler
streicht
das Subjekt
nicht.
Das Subjekt
ist immer noch
da.
Der entzieht
aber dem
Subjekt,
habe ich
gesagt,
diesen
Status
des
Anfangs.
Das heißt,
das Subjekt
ist kein
souveräner
Kern mehr,
sondern etwas,
dass das
hervorgebracht
wird.
Und zwar
durch
Normen,
durch
Sprache,
durch
soziale
Ordnungen,
die festlegen,
wer überhaupt
als Subjekt
zählen kann,
sage ich jetzt mal
auf Deutsch.
Weil ich glaube,
das ist auch
eine Übersetzung
von Matter,
die wir im
Kopf haben
sollten.
Also nicht nur
Bedeutung
haben,
sondern wirklich
auch,
und ich meine
jetzt,
wirklich zählen,
eins,
zwei,
drei,
in einer
Gesellschaft.
Und
Bata nennt das
dann das
Ganze
Subjektivierung,
also diesen
Prozess.
Und dieser
Begriff
Subjektivierung
hat eine
doppelte
Bedeutung,
absichtlich.
Also nicht
der Begriff
Bedeutungen
sind nicht
absichtlich,
also der Begriff
wird nicht
absichtlich
diese Bedeutung,
sondern er wird
verwendet,
absichtlich,
weil er
zwei Bedeutungen
hat.
Nämlich
Subjektivierung
heißt immer
gleichzeitig
Unterwerfung
und
Hervorbringung.
Das heißt,
wir werden
Subjekte,
indem wir uns
Normen
unterwerfen
und genau
dadurch
werden wir
handlungsfähig
als Subjekt
dann,
weil es
erst innerhalb
dieser Normen
sowas gibt
wie Positionen
oder Rollen
oder überhaupt
Möglichkeiten
zu handeln.
Und diese
Spannung
frustriert
viele,
ich verstehe
das,
aber diese
Spannung
löst Butler
nicht auf.
Im Gegenteil,
aber es ist
es so,
nicht
jede
Form von
Körperlichkeit,
nicht jeder
Körper wird
gleichermaßen
in diesen
Prozess
der Subjektivierung
aufgenommen
quasi.
Und
da beginnt
jetzt auch
schon
diese
Frage
nach dem
Außen,
die
bei Butler
eine große
Rolle spielt
und wir sind
auch bei
der zweiten
Achse,
nämlich der
Achse der
Norm.
Weil
Subjekt
sein
ist,
wie gesagt,
ich habe es auch
schon vorhin
erwähnt,
bei Butler
kein bloßes
Dasein.
Also es geht
ums Zählen.
Bodhisatt
Mathe halt.
Also Butler
spricht da
von
Intelligibilität,
oh mein Gott,
das Wort,
soll heißen,
ein
Subjekt
ist
nur
Subjekt,
wenn es
innerhalb
normativer
Raster
als
kohärent
lesbar
wird.
Und
kohärent
bedeutet hier,
Geschlecht
und
Begehren
in einer
ganz
bestimmten
Kombination
gemeinsam
auftreten
müssen.
Das ist das,
was Butler
eben diese
heterosexuelle
Matrix
nennt.
Vielleicht ein
bisschen
überspitzt
dargestellt,
aber
zuerst
muss mal
Geschlechter
Binarität
angenommen
werden,
dann muss
man einen
Cis-Körper
haben,
dann muss
man einen
entgegengesetz
geschlechtlichen
Cis-Körper
finden,
den man
so richtig
richtig
super toll
findet,
und dann
muss man
mit diesem
anderen
Körper
gemeinsam
Babys
machen.
Fertig.
Das ist
die einzig
richtige
Kombination
in dieser
Matrix.
Das heißt,
diese
Raster
verbinden
Sex,
Gender
oder
Geschlecht
und
begehren
in einer
scheinbar
natürlichen
Ordnung.
Sie funktionieren
nicht,
und das ist
nicht nur
durch
Einschluss,
also das,
was als
Kohärenz gilt,
sondern eben
vor allem
auch durch
Ausschluss.
Und da
kommt jetzt
dieser
zentrale
Begriff,
den wir
leider heute
nicht im
Detail
durchdeklinieren
können,
aber
Wattler
bringt
da den
Begriff
der
Abjektion
ins
Spiel.
Ich möchte
nicht gerne
übersetzen,
er wird auch
eigentlich nicht
übersetzt
in der
deutschen
Ausgabe
mit gutem
Recht.
Man könnte
sagen,
Abjektion
heißt so
viel wie
Verwerfung
oder
Ausstoßung,
manchmal auch
Ausschluss,
aber Ausschluss ist
der
allerschlechteste
Begriff,
glaube ich,
den man
da verwenden
könnte.
Vielleicht,
wenn ich es
erkläre,
wird es
klarer.
Also
Abjektion
meint
nicht einfach
Marginalisierung,
also nicht
einfach nur
Ausschluss,
sondern
bezeichnet
wirklich das
konstitutive
Außen
einer Norm.
Das
heißt,
Normen
stabilisieren
sich,
indem sie
festlegen,
was
nicht
denkbar
ist.
Das
heißt,
nicht einfach
nur
verboten,
so wie,
das gibt es,
aber das ist
halt nicht
normal,
das steht da
irgendwo
draußen
marginalisiert,
sondern
das,
was so
richtig,
wirklich
richtig
abartig
absurd ist,
also so,
dass es
überhaupt nicht
denkbar ist
in meinem
Denksystem
und damit
dann
nicht
real
sein soll,
nicht
lebbar
sein soll.
Vielleicht
ein paar
Beispiele,
um das
ein bisschen
konkreter
zu machen.
Intergeschlechtliche
Körper
zum Beispiel
erscheinen
nicht einfach
als Variante
von
Geschlechtlichkeit,
sondern
werden
historisch
als
Abartig
nicht
normal,
muss
korrigiert
werden.
Transkörper
müssen
sich
bis
heute
ihre
Realität
beweisen,
immer unter
Beweis
stellen.
Oder
ein drittes
Beispiel,
nicht
reproduktive
oder
queerer
Lebensformen
werden
nicht bloß
einfach
anders
bewertet,
sondern
häufig
wirklich
als
unverständlich
gerahmt.
Im Sinne
von
was?
Du findest
jetzt nicht
Sex das
Geilste
auf der
Welt?
Was
bist
du
von
Weirdo?
Also
es
gibt
einfach
bestimmte
Lebensformen,
die so
sehr
nicht
heißt,
nochmal
zurück
zur
Theorie,
das
Normale
existiert,
nur weil
ein Außen
produziert
wird,
das
absolut
nicht
zählen
darf,
aber
eben
Teil
der
Norm
ist.
Also
es ist
nicht,
weil es
nicht Teil
der Norm
ist und
deswegen
ausgeschlossen
ist,
sondern
konstitutiv
bedeutet,
ohne
dieses
Außen
gäbe
es
die
ganze
Norm
nicht.
Butler
will
damit
nicht
einfach
nur
mehr
Identitäten
legitimieren,
sondern
Identität
selbst
als
Effekt
normativer
Ordnungen
und
Ausschlüsse,
Objektionen
lesen.
Das heißt,
Queer
an sich
ist dann
weniger
ein
neues
Wir
und
alle
Deklinationen
von
Queer,
sondern
eben,
du hast es
schon erwähnt,
wirklich
eine
Störung
derjenigen
Bedingungen,
unter denen
ein
Wir
überhaupt
gebildet
werden kann.
Und das
heißt nicht,
dass
Sichtbarkeit
und
Anerkennung
sie
bleiben
unzureichend,
solange
eben
diese
Normen,
die Subjekte
hervorbringen,
unangetastet
bleiben quasi.
Und
jetzt
machen wir
das alles
ein bisschen
materieller,
weil das
bleibt
jetzt
natürlich
sehr
abstrakt,
wenn wir
das so
sagen,
solange
wir
nicht
fragen,
wo
sich diese
Normen
denn
tatsächlich
einschreiben.
Und damit
sind wir
bei der
dritten
Achse,
nämlich beim
Körper.
Auch
ganz wichtig,
ich glaube,
man kann es
nicht oft
genug
wiederholen,
Butler
behauptet
nicht,
Körper
sei
nur
Diskurs.
Aber
bestreitet,
dass
Materialität
vorpolitisch
ist,
also
unhinterfragt
bleiben kann.
Und der
zentrale
Begriff
dafür
ist eben
Materialisierung.
Also
der
Begriff,
wegen
dem man
Körper
von
Gewicht
lesen
sollte.
Also
Körper
sind
nicht
einfach
da
und
werden
dann
beschrieben,
oh hallo
ein Mädchen,
sondern
durch
etc.
Und
das lässt
sich wieder
ganz besonders
an den
Beispielen,
die ich
vorher schon
aufgemacht
habe,
darstellen.
Intergeschlechtliche
Kinder,
Operationen
an diesen
Kindern
werden teilweise
immer noch
als notwendig
unter Anführungszeichen
gerahmt,
nicht
wegen
akuter
Lebensgefahr
oder weil
ein
bestimmtes
Leid
vorliegt
in diesem
Moment,
sondern weil
Uneindeutigkeit
die
binäre
Norm
irritiert.
Das heißt,
hier wird
diese
Abjektion,
von der
ich vorher
gesprochen habe,
körperlich
sedimentiert.
Also
da
ist
jetzt
der
Link
zwischen
Norm
und
Körperlichkeit,
Materialität.
Also
wirklich
physisch
angepasst.
Hier wird
in den
Körper
eingegriffen,
hier wird
Gewalt
an Körpern
ausgeübt.
Und
ähnlich
ist es
bei
Transkörpern.
Die
Frage,
ob
jemand
wirklich
Mann
oder
Frau
ist,
ist
keine
biologische
Frage
eigentlich
an sich,
sondern
eine
normative
Frage
und
eben
vor allem
auch
eine
Frage
der
Sicherheit.
Weil
wer
nicht
in
dieses
erwartete
Bild
passt,
irritiert
nicht
einfach,
sondern
wird
potenziell
gefährdet,
weil
Uneindeutigkeit
in einer
binären
Ordnung
eben
nicht
einfach
als
Variation
gelesen
wird,
die
irritieren
kann,
sondern
eine
Störung
wahrgenommen
wird.
ähnliches
passiert
bei
der
Reproduktion.
Also
diese
Gleichung,
die wir
haben,
Frau
ist
gleich
Gebärfähigkeit,
die
stabilisiert
quasi
Weiblichkeit.
Und
wenn
jetzt
Transmänner
schwanger
sind
oder
nicht
binäre
gebärende
Personen
da sind,
dann
destabilisieren
sie eben
diese
Matrix,
in der
heterosexuellen
Matrix.
Nicht
biologisch,
weil
auch
diese
Körper
sind
gebärfähig.
Das ist
ja das.
Die sind
gebärfähig,
aber
normativ.
Also
es geht
nicht um
gleichermaßen
als
real
anerkannt
werden.
Das heißt
Materialität
in diesem
Sinne
ist
hierarchisiert.
Und
Abjektion
ist in
diesem
Zusammenhang,
das heißt
hier,
ein
Körper
darf
nicht
einfach
sein,
sondern
Abjekte,
Körper
müssen
sich
immer
rechtfertigen.
Und
genau
hier
wird es
dann
politisch
und
wir
gehen
über
zur
letzten
Achse,
weil
wenn
jetzt
manche
Körper
nur
unter
Vorbehalt
anerkannt
werden,
dann stellt
sich
natürlich
die
Frage,
haben
sie
unter
diesen
Bedingungen
überhaupt
Handlungsmacht?
Mein
Cutter
möchte
auch
Handlungsmacht,
er ist ganz
aufgeregt,
weil ich
ganz
aufgeregt
bin.
Ja,
man hört es,
oder?
Mein Hund
auch,
die muss
langsam
Pipi.
Ja,
die Katze
möchte meine
Hände
fangen,
weil ich
rede immer
so viel
mit den
Händen.
Warte,
ich muss
ihn kurz
hören.
ist real,
aber
und jetzt
der springende
Punkt,
ja,
nicht
souverän.
Ja,
das heißt,
wir handeln
nicht
von
außerhalb
irgendwelcher
Normen,
sondern
immer
durch
diese
Normen,
indem,
jetzt kommt
der Begriff
zurück von
vorher,
indem wir
sie
wiederholen.
Ja,
also
in dem sie
zitiert
werden,
immer wieder
aufs Neue
aktualisiert
werden,
sozusagen.
Aber,
und das ist
jetzt der Clou,
keine Wiederholung,
hast du auch
schon gesagt,
ist je
vollkommen
identisch mit dem,
was sie zu
wiederholen
versucht.
Ja,
und genau
darin
liegt jetzt
für Butler
die Möglichkeit
der Verschiebung,
also die
Möglichkeit,
Normen zu
verschieben,
Normen zu
verändern,
nur ist diese
Möglichkeit,
und das
erkennt Butler
an,
immer prekär,
sehr ungleich
verteilt.
Und da
kommen jetzt
wieder meine
Objektenkörper
quasi
ins Spiel.
Ein
hegemonial
gelesener
Körper
kann Normen
variieren,
ohne dadurch
gleichzeitig
seine
Verstehbarkeit,
also seine
Intelligibilität
zu verlieren.
Aber ein
objekt
positionierter
Körper
riskiert
dabei
immer
Anerkennungsverlust,
Pathologisierung
oder Gewalt
oder
alles drei.
Also ein
intergeschlechtlicher
Erwachsener
jetzt zum Beispiel,
um das
Beispiel von
vorher noch
ein bisschen
auszuweiten.
Ein
intergeschlechtlicher
Erwachsene,
der sich
öffentlich
gegen
Operationen
an
intergeschlechtlichen
Kindern
positioniert,
resignifiziert
quasi seinen
eigenen Körper
politisch.
Aber
diese
Intervention
wird nicht
automatisch
als
Expertise
anerkannt.
Wir erinnern uns
zurück
an
Miranda
Fricker.
Diese
Aussage
und diese
Intervention
kann
gewertet
werden.
Zum Beispiel
als
Betroffenheits
Argument
oder
medizinisch
delegitimiert
werden.
Also hier
passiert dann
eine
epistemische
Entwertung,
weil
diese
Expertise
aus einem
Nicht
Intelligibilen
Körper
kommt.
Auch das
ist auf
Englisch
oder
Deutsch.
Ich sage es
immer wieder.
Deutsch ist
eine zu
schwierige
Sprache.
Nein,
vor allem
Englisch
sprechen.
Nein,
sollten wir
nicht.
Das
zweite
Beispiel,
das
ich hatte,
war
eine
Transperson.
die
sich
bewusst
entscheidet
gegen
eine
medizinische
Transition
zum Beispiel,
aber
trotzdem
rechtliche
Anerkennung
möchte,
verschiebt
ja dadurch
diese
Kopplung,
diese automatische
Kopplung von
Geschlecht und
medizinischer
Bestätigung
Beglaubigung
quasi.
Aber
diese
Forderung
wird
oft
einfach
zurückgewiesen
als
nicht
ernsthaft
oder
inkonsequent
oder was auch
immer.
Also
da sehen wir
das Gleiche
nochmal anders
ausdekliniert
oder
bei der
Gebärfähigkeit,
Stichwort
Geburt,
eine Person,
die
sagt,
keine Kinder
zu wollen
oder
auch
eine
transmaskuline
schwangere
Person,
die die
Schwangerschaft
quasi
sichtbar
trägt,
austrägt
das Kind,
verschiebt
diese
Gleichung,
die ich
vorher genannt
habe.
Also
diese
normative
Gleichung
von
Weiblichkeit
oder
umgekehrt
Gebärfähigkeit
ist gleich
Weiblichkeit.
Aber
diese
Sichtbarkeit
wird
nicht
selbst
verständlich
als
legitime
Lebensform
anerkannt,
sondern
kann auch
gelesen
werden
oder
wird häufig
gelesen
als Provokation,
als
Egoismus
oder
als
Verwirrung
im
Fall
transmaskuliner
Personen
zum Beispiel.
Also
Agency,
um das nochmal
zusammenzufassen,
Agency für
Objekte
Körper
bedeutet
jetzt nicht
einfach,
ja,
auch die
können
natürlich
handeln,
sondern
es bedeutet,
sie intervenieren
in eine
Ordnung,
die ihre
eigene
Existenz
immer nur
unter
Vorbehalt
anerkennt
und die
riskieren
dabei
immer
wieder
erneut
als
nicht
legitim,
als
nicht
rational,
als
nicht
real
markiert
zu werden.
Das heißt,
Agency
hat hier
nichts mit
Souveränität
zu tun
und auch
keine
souveräne
Selbstsetzung
quasi,
sondern
bleibt
immer
ein
riskantes
Handeln
unter
einfach
unsicheren
Bedingungen
und
unsicheren
Kontexten
und das
bedeutet,
dass auch
nicht jede
Wiederholung
normativer
Zeichen
automatisch
als Widerstand
erkennbar
erkannt
wird.
Ja,
das ist
vielleicht
um das
noch
ein
bisschen
zu
erweitern.
Also
wenn zum Beispiel
eine
Transfrau
besonders
feminin
auftritt,
dann kann
das als
Anpassung
gelesen
werden
durchaus
und
nicht
eben
als
resignifizierende
Praxis
oder
wenn
queere
Paare
zum Beispiel
monogam
leben
verheiratet
sind
oder
heteronormative
Familienformen
imitieren
sozusagen,
dann können
die integriert
werden,
weil
sie damit
die
Matrix
an sich
also
grundsätzlich
nicht
irritieren
oder
nicht
identitäre
Identitäten
die
quasi
als
zeitlicher
Trend
abgetan
werden können
oder als
Phase
zum Beispiel
ja
das heißt
manche
Verschiebungen
werden
ignoriert
manche
werden
pathologisiert
manche
werden
überhaupt
einfach
absorbiert
und in
diese
bestehenden
Normen
eingepasst
sozusagen
das heißt
Abjekte
Körper
Handeln
nicht
auf
sicherem
Boden
sozusagen
sondern
immer
in einem
Feld
in dem
Anerkennung
jederzeit
auch
entzogen
werden
kann
und
deswegen
ist
Agency
bei
Butler
keine
heroische
Selbstermächtigung
quasi
sondern
immer eine
prekäre
Praxis
und
Abjektion
verschärft
einfach nur
diese
Prekarität
also
Agency
ist hier
nicht nur
Wiederholung
mit
Differenz
also
immer ein
bisschen
anders
sondern
eine Praxis
in der
sich
entscheidet
ob
diese
Differenz
überhaupt
als
legitime
Handlung
anerkannt
wird
und
nicht
als
irrtümlich
gerahmt
wird
oder als
pathologisch
oder
irrelevant
also
ich weiß
nicht
vielleicht
nochmal
ganz kurz
zusammengefasst
was heißt
das
jetzt
alles
was
bedeutet
Butler
Subjekt
Theorie
jetzt
für
uns
bedeutet
nicht
Befreiung
that's it
also
diese
Theorie
oder Butler
zeigt
dass
Subjekte
nur
innerhalb
normativer
Bedingungen
existieren
können
und
dass
diese
Bedingungen
immer
auch
ein
Außen
Produzieren
und
Agency
in diesem
Kontext
bedeutet
unter
diesen
Bedingungen
nicht
Freiheit
von
Normen
sondern
die
riskante
Möglichkeit
sie zu
verschieben
und
vor allem
gerade aus
diesen
Positionen
heraus
die
am
Rand
der
Verstehbarkeit
stehen
also
Butler
Subjekt
Theorie
in a nutshell
ist
der lässt
uns
weder
das
autonome
Subjekt
noch
die
Illusion
dass
wir
nichts
tun
könnten
objekt
oder
nicht
so
ein
bisschen
fuck
aber
ich glaube
das ist
einfach
auch
deswegen
bleibt
diese
Theorie
politisch
wirksam
aber
unbequem
wir sind
jetzt
halb
durch
mit
dem
Skrift
deswegen
machen wir
jetzt
nochmal
eine
kurze
Pause
also
wir
machen
eine
kurze
Pause
ihr
macht
zwei
Wochen
Pause
haha
es wird
doch
sie mit
meinem
Geburtstag
wir
haben
Überraschung
ich muss
jetzt
auch mal
ganz dringend
mit dem
Munde
Baby
raus
deswegen
mache
ich
jetzt
ein
schnelles
Outro
und
dann
merkt
euch
einfach
alles
was ihr
heute
gelernt
habt
wir
wiederholen
es
am
Anfang
dann
genau
weg
von
diesen
abstrakten
Überlegungen
die wir
natürlich
auch
in
Beispielen
schon erklärt
haben
aber
was
heißt
das
in
bestimmten
konkreten
genau
wenn ihr
wollt
dass
mehr
Leute
wissen
wie man
Butler
richtig
versteht
super
Einleitung
wenn ihr
auch
denkt
dass
Butler
immer
missverstanden
wurde
und
endlich
wollt
dass
alle
Menschen
eine
wunderbare
Podcast
Folgen
dazu
hören
dann
teilt
diese
und
die
nächste
und
die
vorherigen
Folgen
doch
unbedingt
mit
allen
Menschen
die
das
gehört
haben
müssen
helft
uns
zu
mehr
sichtbarkeit
und
sowohl
das
sowohl
eben
auf
Social
Media
in dem
ihr
den
Beitrag
kommentiert
und
teilt
als auch
auf den
Podcast
Plattformen
auf denen
ihr den Podcast
hört
indem ihr
den Podcast
bewertet
oder
kommentiert
auf Spotify
zum Beispiel
und
wenn ihr
Rückfragen
habt
gerade jetzt
wo es so
richtig
kompliziert
wird
dann könnt
ihr uns
die
immer
stellen
und wir
versuchen
sie
entweder
dann
so
direkt
zu
beantworten
oder
wenn
sie
ein bisschen
größere
Fragen
dann
vielleicht
dann
auch
mal
in
zukünftige
Folgen
mit
aufzunehmen
Genau
Zubi Zubi
Dann
sehen wir uns
Bis bald
Wir sehen uns
bald
Oder wie meine Oma
sagen will
Pitti Baba
Pitti Baba
Ciao