Sprache. Macht. Geschlecht.

Verena Hofstätter & Jessica Albrecht

Who's Afraid of Gender?

oder: Judith Butler über Angst, Kritik und Gegenwartspolitik

18.03.2026 65 min

Zusammenfassung & Show Notes

Warum ist „Gender“ plötzlich überall als Bedrohung dargestellt? In dieser ersten Folge zu Judith Butlers Who’s Afraid of Gender? sprechen wir über Butler als politische Angriffsfläche, über Anti-Gender als transnationales Muster der Angstpolitik und darüber, warum hier nicht einfach ein Begriff bekämpft wird, sondern eine ganze kritische Tradition. Es geht um moralische Panik, um Demokratie unter Druck — und um die Frage, was politisch mit „Gender“ gemacht wird.

Warum wird „Gender“ plötzlich überall als Bedrohung dargestellt? In dieser zu Judith Butlers Who’s Afraid of Gender? sprechen wir über Butler als politische Angriffsfläche, über Anti-Gender als transnationales Muster der Angstpolitik und darüber, warum hier nicht einfach ein Begriff bekämpft wird, sondern eine ganze kritische Tradition. Es geht um moralische Panik, um Demokratie unter Druck — und um die Frage, was politisch mit „Gender“ gemacht wird.

In dieser ersten Folge unserer vierteiligen Reihe zu Judith Butler lesen wir Who’s Afraid of Gender? als Buch über Gegenwartspolitik. Ausgangspunkt ist die Frage, was passiert, wenn Kritik nicht mehr argumentativ beantwortet, sondern affektiv blockiert wird. Butler zeigt: Das, was heute unter dem Schlagwort „Gender“ bekämpft wird, ist nicht einfach ein einzelner Begriff, sondern eine ganze kritische Tradition — das Infragestellen von Natürlichkeit, Selbstverständlichkeit und Ordnung.
Wir sprechen zuerst über Judith Butler selbst: über deren philosophischen Hintergrund, die Rolle von Gender Trouble für die Queer Theory, Butlers jüdische Prägung, die spezifische Personalisierung der Angriffe auf Butler und über die Frage, warum Butler bis heute als Symbolfigur für „postmoderne Theorie“ gelesen wird.

Im zweiten Teil der Folge fragen wir, warum Who’s Afraid of Gender? gerade jetzt der richtige Text ist. Butler beginnt nämlich nicht mit einer Definition von Gender, sondern mit einer Diagnose: In sehr unterschiedlichen Ländern und politischen Kontexten wird „Gender“ als existenzielle Bedrohung inszeniert — für Kinder, Familien, Religion, Nation und gesellschaftliche Ordnung. Entscheidend ist, dass diese Angst überall ähnlich aussieht. Butler sieht darin ein transnationales politisches Muster.
Zum Schluss arbeiten wir drei zentrale politische Funktionen von Angst heraus:
  • Erstens delegitimiert sie feministische, queere und antirassistische Forderungen, indem sie sie als ideologische Angriffe framet.
  • Zweitens verhindert sie demokratische Aushandlung, weil unter Bedingungen von Angst nicht mehr gestritten, sondern abgeschottet wird.
  • Drittens stabilisiert sie autoritäre Machtverhältnisse, weil Kontrolle, Verbote und Repression dann als notwendige Verteidigung erscheinen.
Die Folge endet mit einer Hausaufgabe: Achtet bis zur nächsten Episode darauf, welche Schreckgespenster sich in Medien und Alltagsdebatten mit „Gender“ verknüpfen.

Zum Mitlesen:
  • Butler, Judith (2024) Who's Afraid of Gender. Dublin: Penguin Books/Allen Lane.
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Verena:

Transkript

Weil das, was ja heute unter diesem Schlagwort Gender bekämpft wird, ist ja nicht jetzt ein einzelner Begriff oder ein Konzept. Bekämpft wird ja eigentlich eine ganze kritische Tradition, ja, nämlich dieses Infragestellen von Natürlichkeit, von Selbstverständlichkeiten, von Ordnung. Und das Spannende ist, dass Jack das aber auch auf Judith Butler rüberbringt, indem er Butler auf der Bühne fragt, Ja, denkst du, wenn es damals, als du jugendlich warst, schon möglich gewesen wäre, irgendwie eine Operation zu haben, dann wärst du da doch auch hingegangen. Also so eine richtig Suggestivfrage, die halt eigentlich schon impliziert, dass Butlers Non-Binarität sich darin äußert, keinen weiblichen Körper zu wollen, also keinen weiblich gelesenen Körper zu wollen. Und das finde ich total problematisch. All das, was schon Nietzsche, ja, Horkheimer, Adorno, alle unsere lieben Männer, ja, Foucault kritisiert haben, ja, also Gender wird zur Stellvertreterin für alles, was Kritik an Herrschaftsverhältnissen sichtbar macht. Ich meine, das war ja auch nichts Neues. Gerade in der Philosophie-Geschichte ist es überhaupt nicht neu. Aber als es dann auf einmal um Geschlecht ging, das war dann ein Ticken zu viel, weil am absurdesten, in jeder Form der Kritik, also sowohl in verschiedenen aktivistischen als auch eben in diesen klassischen Wissenschaftstraditionen, wurde gesagt, nee, also bei Geschlecht, das schien total absurd, dass Geschlecht sozial konstruiert sein könnte. Läuft und hustet. Ja, wundervoll. Wir nehmen uns im Krankenlager auf heute, oder? Genau. Überall. In Deutschland und in Österreich. Alles krank. Transnationales Krankenlager. Ja, genau. Passt auch ganz gut zu unserer Folge, oder? Ein bisschen Transnationalität. National auf jeden Fall. Genau. Vielleicht schauen wir uns an, woher wir vom letzten Mal kommen, damit klar ist, worum es in der heutigen Folge tatsächlich geht. Magst du mal kurz zusammenfassen, was wir letztes Mal gemacht haben? Wir haben letztes Mal über Kritik gesprochen. Und zwar natürlich nicht Kritik im Sinne von etwas kritisieren, sondern wie wir Wissenschaft als Kritik verstehen. Und spannenderweise, das wird gleich nochmal wichtig, haben wir in der Vergangenheit angefangen bei Nietzsche und sind dann über Nietzsche, zu Foucault, zur Frankfurter Schule, zu Judith Butler und dann nochmal kurz ein Ausblick über Joan Scott gemacht, den Historikerinnen. Und warum ich sage, wir haben in der Geschichte angefangen, wo das auch spannend ist, weil wir bei Nietzsche schon und dann vor allem bei der Anwendung durch Butler und Foucault gelernt haben, was Genealogie ist. Also, dass wir halt Kritik machen, um nicht mehr den Ursprung von etwas, den vermeintlichen Ursprung von etwas als die Identität Festsetzendes anzusehen, sondern dass Genealogie quasi die Methode der Kritik ist, etwas zu untersuchen danach, was quasi die Bedingung ihrer Möglichkeiten ist. Also weg von einem vermeintlichen Ursprung hin zu einer, ja, zu einer gegenwärtigen, zu einer Anerkennung, dass wir immer nur gegenwärtig auf Dinge gucken können. Und dass wir immer nur von unserer heutigen Positionierung, von wie wir eingebettet sind, was wir gelernt haben, wo wir stehen, welche Möglichkeiten wir haben, Dinge wahrnehmen können. Und dass wir dann halt nicht mehr so tun, als könnte man von einem vermeintlichen Anfangspunkt bis heute so eine teleologische Geschichtsschreibung machen. Genau, sondern das Ganze einfach umdrehen. Genau. Das ist auf jeden Fall der allerwichtigste Punkt vom letzten Mal, der für heute wichtig sein wird. Und das ging auch letztes Mal so ein bisschen auch um die Grundfrage zum Wissen, ganz allgemein. Also was eben passiert, so wie du es jetzt auch gesagt hast, ja, was passiert, wenn Wissen nicht einfach neutral produziert werden kann. Quasi soll das ja bedeuten, ja. Also es gibt keinen Nullpunkt, an den wir uns stellen können und dann quasi Wissen als Wahrheit verkaufen können. Und vor allem war auch wichtig uns zu zeigen mit der letzten Folge, glaube ich, dass Wissen immer, also die Produktion von Wissen immer in Machtverhältnisse, gesellschaftliche, politische Machtverhältnisse eingebunden ist. Das heißt, es ging dann auch immer ein bisschen um die Frage, ja, was passiert denn, wenn dieses Wissen slash Wahrheit und die Grenze dazwischen umkämpft ist, quasi. Also wenn Kritik nicht nur dazu da ist, zu beschreiben, ja, sondern wirklich auch stört. Und jetzt ist die Frage, wer kennt sich denn mit dem Stören ganz besonders gut aus? Also außer Sarah Ahmed. Richtig, richtig. Sarah Ahmed kennt sich besonders gut aus und wer kennt sich natürlich noch gut aus? Judith Butler. Natürlich, Butler hat jetzt 2024, ich sag's immer falsch, aber ich glaube 2024 war das, oder? Also circa 30 Jahre nach deren ersten bahnbrechenden Büchern über Gender und auch ausgiebig kritisierten Büchern über Gender ein ganz neues Buch geschrieben. Das nennt sich Who's Afraid of Gender? Und das Buch ist ein bisschen anders als die früheren Werke, aber für uns hier und heute, also sowohl im Podcast als auch schon mit Blick auf die Weltpolitik eigentlich, ja, der logische nächste Schritt, würde ich sagen. Weil das Buch einfach zeigt, was passiert, wenn Kritik selbst zu einem politischen Problem wird, ja, deswegen Anschluss an die letzte Folge. Soll einfach heißen, Who's Afraid of Gender? Mit dem Buch befinden wir uns nicht mehr auf der Ebene der Theoriegeschichte, sozusagen, ja, sondern mitten in der Gegenwart. Genauso wie du gesagt hast, ja, also wir fangen in der Gegenwart an, weil wir einfach auch nur aus der Gegenwart heraus auf Theorie und auf Geschichte und auf Theoriegeschichte blicken können. Also Butler fragt im Buch, was passiert, wenn Machtkritik quasi öffentlich wirksam wird. Also wenn sie nicht mehr nur in Texten auftaucht, theoretischen Texten auftaucht, sondern auch in Lehrplänen, ja, in Gesetzen, im Aktivismus, im Alltag quasi. Also wenn Kritik beginnt materielle Effekte quasi zu haben, ja, kurz, wenn sie beginnt zu wirken. Ja, weil das, was ja heute unter diesem Schlagwort Gender bekämpft wird, ja, ist ja nicht jetzt ein einzelner Begriff oder ein Konzept oder das, was wir häufig darunter verstehen oder was häufig darunter verstanden wird. Und ich sage es jetzt ganz absichtlich mal unter Anführungszeichen, ja, Gender als soziales Geschlecht, ja, bekämpft wird ja eigentlich, also laut Butler, eine ganze kritische Tradition. Ja, nämlich dieses Infragestellen von Natürlichkeit, von Selbstverständlichkeiten, von Ordnung. Also all das, was, jetzt kommen wir wieder zurück zur letzten Folge, alles, all das, was schon Nietzsche, ja, Horkheimer, Adorno, alle unsere lieben Männer, ja. Foucault kritisiert haben, ja, also Gender wird zur Stellvertreterin für alles, was Kritik an Herrschaftsverhältnissen sichtbar macht und damit halt auch angreifbar. In dem Sinn ist halt Who's Afraid of Gender auch kein Buch über Gender jetzt im engeren Sinn, ja, es ist ein Buch über die gesellschaftliche Reaktion auf Kritik, würde ich jetzt mal sagen, ja. Also über diesen Moment, in dem wissenschaftliche Analyse, in dem feministische Theorie, emanzipatorische politische Praxis nicht mehr öffentlich herausgefordert wird, quasi ausgehandelt wird, sondern pauschal einfach als Gefahr abgestempelt, als Gefahr markiert wird. Das ist also ein Buch über so eine Verschiebung von demokratischer Debatte hin zu moralischer Panik, eine Verschiebung von Auseinandersetzung, notwendiger Auseinandersetzung in einer Demokratie hin zu einer Angstpolitik. Also wenn wir Kritik, könnten wir jetzt sagen, wenn wir Kritik jetzt nicht mehr begreifen als nur Erkenntnismethode quasi, sondern als gesellschaftliche Praxis, wenn wir es als gesellschaftliche Praxis ernst nehmen, dann müssten wir ja auch fragen, ja, was passiert denn, wenn Kritik delegitimiert wird, wenn Wissenschaft als Ideologie abgestempelt wird, wenn demokratische Aushandlung durch Affekte, wie zum Beispiel Angst, ersetzt wird. Und für alle, die sich jetzt fragen, wie wir das alles in einer Folge schaffen wollen, die Antwort ist kurz und lautet gar nicht. Willkommen in unserer mittlerweile schon dritten Doppelfolge, stimmt das? Ja, diesmal zu Judith Butler und all dem, was einfach an Geschlecht und Gender so viel Unbehagen bereitet, gebt zu. Ihr habt alle schon sehr sehnsüchtig auf diese Folge gewartet. Wir auch, wir auch. Wir geben es auch zu. Endlich. Endlich, endlich. Deswegen habe ich mir gedacht, ein kurzer Ausblick, weil es doch zwei Folgen sein werden jetzt, also in dieser ersten Folge. Ja, nicht nur. Eigentlich nicht nur, aber zwei Folgen zum ersten Buch, also zum ersten, letzten Buch. Ja, okay. Also in der ersten Folge zu Who's Afraid of Gender, so, das wollte ich damit sagen, ja, werden wir uns erst einmal beschäftigen mit Judith Butler selbst. Also jetzt erstens sowohl als queer-feministischer Theoretikerin und auch als politischer Angriffsfläche. Dann werden wir uns anschauen, warum Who's Afraid of Gender heute gerade so wichtig ist. Ja, und was das eigentlich genau ist, wovor so viele Angst haben. Ja, also dieses Schreckgespenst-Gender, wie das Butler nennt. Und dann in der zweiten Folge schauen wir uns an, wie dieses Schreckgespenst genau funktioniert. Das heißt, mit welchen konkreten Mechanismen und Diskursstrategien da diverse politische und gesellschaftliche AkteurInnen versuchen, uns Angst einzujagen und welche AkteurInnen vor allem das auch genau sind. Ja, und vor allem auch, wie die vernetzt sind, was sie untereinander verbindet. Und dann am Ende, da habe ich mir gedacht, damit wir nicht selber mit ganz viel Angst aus diesen Folgen rausgehen, habe ich noch so eine kleine Liste vorbereitet mit Dingen, jetzt nicht unbedingt konkreten Handlungsoptionen, weil so ein Podcast sind wir nicht, aber mit Dingen, die Butler im Buch halt einfach manchmal direkt, aber meistens einfach indirekt vorschlägt, um Anti-Gender etwas entgegenzuwirken. Genau, weil eines ist klar, der Kampf um Gender, okay, jetzt muss ich es ein bisschen zuspitzen, ist vermutlich verloren. So ehrlich müssen wir vielleicht mit uns selber sein, aber den Kampf um eine gerechtere Welt geben wir deswegen noch lange nicht auf. Ja, und deswegen drehen wir dann auch in einer anschließenden dritten Folge, aber wir können es nicht lassen, die wurde noch einmal ganz, ganz weit zurück in die 1990er und schauen uns dann an, wie es heute überhaupt so weit hat kommen können. Ich sage nur, Judith, Judith, aber nein, im Ernst, wir schauen uns dann nach, Who's Afraid of Gender, wollen wir dann das Buch lesen, das Judith Butler und Gender berühmt gemacht hat, und gefährlich gemacht hat, ja, nämlich Gender, Gender Trouble. Tja, wenn man das Buch auch schon so nennt, ne? Also ich meine... Selber schuld. Ja, eben, eben. Nein, okay. Aber im Ernst und der Reihe nach, ja, bevor wir eben Gender Trouble lesen können und eigentlich auch Who's Afraid of Gender lesen können, müssen wir uns zuerst einmal anschauen, Who is Judith Butler? Und Jessica vor allem, ja, Who is Afraid of Judith Butler? Magst du uns ein bisschen was erzählen? Ich muss noch fünfmal zurückgehen, glaube ich, hier sind so viele Dinge eingefallen. Nämlich das Erste war, dass wir hier ja auch heute den Link haben zu einigen Punkten, die wir in bisherigen Folgen angesprochen haben, und das nicht nur, weil wir jetzt endlich über Judith Butler sprechen, sondern wir hatten ja die Folge über Ideologie und Genderideologie, und das ist ja das, über was Butler auch spricht. Also das wollte ich nur mal sagen, dass wir jetzt ein bisschen unsere Wortwahl natürlich auch an dem Buch angekoppelt ist. Das heißt, es gibt quasi die Leute, die etwas als Gender Ideology bezeichnen, und die nennt Butler Anti-Gender-Movement. So, genau. Also nur, dass das in der Wortwahl deutlich wird. Genau. Und das andere ist, dass wir ja auch schon mal die Frage gestellt haben, gibt es so etwas wie einen antifeministischen Backlash? Und ja, gesagt haben, ja, eigentlich nicht, eigentlich regt sich nur was. Und das ist ja genau das, was Butler hier auch beschreibt. So, das, was du vorhin gesagt hast, was passiert, wenn Kritik sich materialisiert? Dann muss sich ja was regen, weil dann verschiebt sich was. Und das ist genau das, was wir uns jetzt anschauen. Und also genau um zu sagen, okay, das ist kein antifeministischer Backlash in dem Sinne, wie es ganz häufig populär oder sonst wo benannt wird, sondern das ist eigentlich sozusagen die Verschiebung durch Kritik. Genau. Und genau das wollen wir ja vielleicht auch manchmal kritisieren. Und das können wir ja zum Beispiel machen, indem wir mit heute anfangen. Und auch deswegen, weil wenn man heute Gender Trouble liest oder irgendein Frühstück von Butler, kann man das nicht ohne dieses Bild von Butler, das wir gleich beschreiben werden, einfach schon im Kopf zu haben, weil es so omnipräsent überall ist. Und genau deswegen müssen wir auch damit anfangen, mit diesem Bild heute. Genau. Na, wir überlegen uns schon, wie wir unsere Folgen... Folgen strukturieren. Ich versage, dass die Menschen uns das noch nicht glauben wollen. Deswegen wollte ich es jetzt nochmal dazu sagen, damit das klar ist. Wir haben Gedanken. Genau. Aber es ist ja auch gut, die mitzudenken. Ja. Genau. Na gut, also Judith Butler. Genau, who's afraid of Judith Butler? Genau, also ich hatte die Aufgabe, uns etwas über Judith Butler zu erzählen. In zehn Minuten, bitte. Genau. Ich habe das in drei Teile geteilt. Das eine sind zwei Origin-Stories, die man so erzählen kann über Judith Butler. Und in der zweiten stecken vielleicht noch fünf andere drin, aber dazu komme ich da. Und ein drittes wäre dann quasi das, woher diese Gefahr kommt. Also schon an der Person, wie Judith Butler zu der Person geworden ist, vor der man Angst hat. Das, was den meisten Menschen vor allem in einem nicht philosophisch-akademischen Diskurs, sag ich mal so, als erstes einfällt, wenn wir an Judith Butler denken, ist, dass Butler als, ich sag das mal in Anführungszeichen, als Godmother of Queer Theory gesehen wird. Und auch doppelt, in Anführungszeichen, dazu kommen wir da noch, aber quasi als Beginn von dem, was heute als Queer Theory in der Wissenschaft gesehen wird. Wir hatten ja schon mal die Folge zu Queer, also zu Queer, wo wir auch kurz über Queer Theory gesprochen hatten. Und dann haben wir da auch schon gesagt, dass Queer Theory, also Queer als nicht nur im Sinne von, wir schauen uns jetzt fuhle und lesbische Identitäten an, sondern wirklich als Analysewerkzeug, dass das so in den 1990er-Jahren besonders in Fahrt aufgenommen hat. Und das wird meistens unter anderem auf Judith Butler zurückgeführt. Und zwar nicht deswegen, weil Butler jetzt unbedingt die erste Person war, die es akademisch genutzt hat, sondern weil eben genau das Buch Gender Trouble, das gemacht hat, was es benennt, es hat etwas getroubled, etwas ins Rollen gebracht, das vorher so nicht denkbar war. Und zwar war das eine Kritik innerhalb der feministischen und gendertheoretischen Arbeiten, sowohl innerhalb der Universitäten und aber auch innerhalb von, naja, von Aktivismus, von anderen Formen, von Wissensproduktion etc. Vor allem, das ist mir jetzt aber wichtig zu sagen, weil das ist, ich habe ja vorhin gesagt, mit so einer Origin-Story, mit so einer Ursprungsgeschichte werden immer Ausschlüsse gemacht. Wir haben uns jetzt zum Beispiel auch schon Gloria Anseldua angeschaut und die hat ja in den 80ern geschrieben und die hat sehr ähnliche Sachen gesagt, aber weil sie halt nicht weiß ist und nicht global in Orden, wird das meistens gar nicht in diese Origin-Story mit reingenommen, wenn bei Judith Butler der Anfang gemacht wird. Und genau deswegen finde ich es problematisch, solche Ursprungsgeschichten zu schreiben, das als wichtige Randnotif. Und das richtig Spannende ist, dass wenn man sich Butler genau anschaut und die Texte genau anschaut, dann bezieht sich Butler manchmal sogar, anders als andere weiße Akademik, sehr häufig auf ganz viele diverse Einflüsse. Und das wird aber leider immer in dem Schreiben über Butler, in der Rückschau, eben in der Erschaffung von so einem Ursprungsnarrativ immer wieder ausgeblendet, in dem Butler eben zum Beginn der Queer Studies stilisiert wird. Das war der erste Strang. Und das Spannende ist ja bei Butler, dass Butler ja eigentlich, zumindest akademisch, gar nicht aus einer unbedingt feministischen Tradition kommt, sondern, wie zum Beispiel Sarah Ahmed auch, diese ganzen feministischen Impulse von außen in eine Standard-Philosophie-Ausbildung mit reingetragen hat. Und jetzt kommen wir zu Teil 2. Butler und die Philosophie oder Butlers Leben. Vielleicht erst nochmal ganz kurz. Butler ist 1956 in Cleveland, Ohio geboren. Und zwar in eine jüdische Familie, ungarisch-jüdischer und russisch-jüdischer Herkunft. Die Eltern waren zumindest dann zum Ende hin beide reformierte, praktizierende Jüdinnen. Das heißt, es gab bei Butler eine starke jüdische Prägung schon in der Kindheit, also auch durch irgendwelche Seminare in den Sommerferien am Wochenende etc. Und das zeigt eigentlich schon, es gibt diesen einen Strang bei Butler, der ganz häufig ausgeblendet wird. Nämlich nicht nur diese eigene persönliche Prägung durchs Jüdentum und auch die jüdische Identität, sondern auch, dass Butlers Werke eigentlich, finde ich, immer als Teil von jüdischer Philosophie und Theologie gelesen werden müssten. Wie zum Beispiel auch die Werke von Jacques Derrida. Das ist aber wichtig im Hinterkopf zu behalten, weil diese jüdische Identität und dieses Zusammenkommen, nenne ich es mal, zwischen jüdischen DenkerInnen und deren Einfluss im 20. Jahrhundert auf die Philosophiegeschichte, ich sage auch nur Frankfurter Schule, ja, ist besonders wichtig, wenn es darum geht, auch den krassen Hass gegenüber Butler zu verstehen. Ja. Weil Butler als, zumindest als Frau gelesene Person, so, es ermöglicht den Antisemitismus und den Anti-Intellektualismus, der sich da gegen bestimmte Philosophie-Traditionen Bahn bricht, so richtig auf einen Körper zusammenzubringen, ja, eben weil es kein männlicher Körper ist. Das finde ich immer besonders wichtig und das wird ganz häufig ausgelassen. So, das war Teil, die erste Hälfte von Teil 2. Jetzt kommen wir zum Philosophie-Studium. Genau, weil Butler hat ihn, also erst mal, Butler war erst mal, ja, damals noch sie, auf einer normalen, nicht bekannten Universität und ist dann aber nach Yale gewechselt und hat da den Bachelor gemacht und auch promoviert. Und promoviert hat sie 1984 zu einem Thema, das ganz klassisch in die Philosophiegeschichte kommt, nämlich Hegel und dessen Rezeption in der französischen Philosophie des 20. Jahrhunderts. Also vor allem, also angefangen mit Heidegger, dann aber über Sartre und die ganzen anderen Franzosen. Und das kam dann alles raus in dem Buch 87 Subjects of Desire. Und ich würde euch nicht raten, das auf Amazon zu suchen. Mein Partner hat das gemacht, weil er es für seine Doktorarbeit braucht, weil die auch zu Hegel und um sehr ähnliche Themen geht. Und die Suchergebnisse mussten wirklich sehr stark eingeschränkt werden, damit Butlers Buch trotz Autorname am Anfang kommt. Bei Subjects of Desire. Und es hat auch die Amazon-Suche nachhaltig beeinflusst. Es hat ein bisschen gedauert, bis es wieder rausgegangen ist. Und den Ankerettungsmittel, um zu trainieren. Ja. Ja. Genau. Ein Teil der Ausbildung in der Promotion hat Butler auch in Heidelberg gemacht. Das fand ich immer ganz schön, weil ich ja da auch studiert habe und promoviert habe. Nämlich war Butler 1979 ein Jahr als Fulbright-Scholler da. Und wurde betreut von, jetzt kommt wieder so ein großer Name, Hans-Georg Gadamer. Genau, Gadamer war damals eigentlich der bekannteste deutsche Philosoph zu der Zeit. Und war vor allem ein Hegel- und Heidegger-Experte. Und hat sich aber auch mit der Frankfurter Schule, bis zu der kritischen Theorie, auseinandergesetzt. Fand die nicht immer so gut, aber kannte sich zumindest sehr gut damit aus. Und dadurch hat Butler auch viel darüber gelernt. Nachdem dann Butler eben promoviert war, gab es mehrere Stellen an verschiedenen Elite-Unis, sowohl in den USA als auch in Europa. Und ab 1993 war Butler dann hauptsächlich an der University of California in Berkeley tätig. Und war spannenderweise ja nicht in der Philosophie als Philosophie-Department, weil es in Berkeley nicht ganz so üblich ist, sondern in Critical Literature. Und jetzt komme ich ganz kurz zum theoretischen Background, weil ich ja meinte, dass Butler ja diese Queer-Theorie so eingetragen hat, oder diese feministische Theorie. Weil wie man sieht, gibt es eigentlich, da gibt es, also erstmal gab es da gar keine Frauen. Und ja, auch nichts, was man irgendwie mit Feminismus identifizieren würde. Es gibt ganz viel Hegel, ein bisschen Marx und ein bisschen französische Philosophie und vor allem Phänomenologie. Es gibt viel Derrida, viel Foucault. Also alles, was als kontinentale Philosophie bezeichnet wird. Und alles, was wir uns schon ein bisschen im Podcast angewört haben. Und deswegen gibt mir auch zum Beispiel das zweite große Buch, nenne ich es mal, also Körper vom Gewicht, weil ist das matter? Gibt mir immer persönlich so einen Simone de Beauvoir-Vibe. Nämlich, Simone de Beauvoir hat ja vor allem, das waren jetzt zwei Bände eines großen Buches. Und in dem ersten Teil geht sie ja wirklich ganz dezidiert darauf aus, so dass die Frau als das andere in der philosophischen Tradition auszuarbeiten. Und so ähnlich macht das Battle auch, aber halt eben nicht auf so eine binäre Art und Weise, wie Beauvoir das macht, sondern halt auf eine queere Art und Weise. Und dann ist mir eingefallen, dass ich jetzt auch geschrieben habe, dass wir ja auch mal eine Folge zu Simone de Beauvoir machen konnten. Ja, ich schreibe gerade auf. Sehr gut. So, wie ist jetzt das passiert, also außer natürlich das, was ich schon angemerkt habe, mit dem Anti-Intellektualismus, mit dem Antisemitismus und dem nicht-weitmännlichen Körper, auf dem Dinge projiziert werden. Aber wieso ist Butler so eine politische Angriffsfläche geworden? Und als ich das so ein bisschen recherchiert habe, ist mir ein Artikel untergekommen, schon in Mitte der 1990er Jahre, der den Titel hatte Who's Afraid of Judith Butler? Cool, ne? Ich habe nicht plagiert. Ich habe mir die Frage ganz selber ausgedacht in der Einleitung. Ja, ich fand es so spannend, weil das wirklich, ich glaube, der Artikel ist vom 97 oder 98, aber da, also natürlich mit Bibelverfahren und so weiter, wurde der wahrscheinlich halt wirklich Mitte der 90er geschrieben. Und das ist ja wirklich sehr kurz. Das ist gerade mal ein halbes Jahrzehnt, nachdem alles angefangen hat. Und da schon so einen Artikel zu schreiben, finde ich beachtlich. Also ich kann mich, ich meine, ich war damals ein Baby. Ich kann mir das nicht vorstellen. Jetzt kennt man das halt alle so 20, 30 Jahre später. Und das ist so, ja, natürlich, Judith Butler wird berühmt, ja. Aber dass es echt so schnell, so versandt ging, ja, finde ich echt spannend. Und den Artikel, den kann ich nur empfehlen, den würden wir auch in die Show Notes packen. Der zeigt so ein bisschen, dass es natürlich mehrere Konfliktfelder gibt, aber dass es vor allem ein Konfliktfeld zwischen sowohl dem Aktivismus auf der einen Seite als auch der klassischen Wissenschaft auf der anderen gibt, die aber beide gegen das, was damals so ganz böse als die postmoderne Theorie gelabelt wurde vorgeben. Und mit die postmoderne Theorie meinten diese ganzen Leute sowohl alles, was wir unter Dekonstruktivismus als auch Sozialkonstruktivismus fassen. Also, dass die Welt nicht einfach so ist, wie sie ist und natürlicherweise so ist, wie sie ist, sondern dass sie durch das Kurs und durch Macht, durch die Sozialität, in die wir eingebrettet sind, geschaffen ist. Und damals war es schon so, ich meine, das war ja auch nichts Neues, also es war ja schon ein paar Jahre länger so, dass es diese Theorien gab und auch gerade in der Philosophie-Geschichte ist das überhaupt nicht neu. Also, da bist du Kant zurück. Aber als es dann auf einmal um Geschlecht ging, das war dann ein Ticken zu viel, weil am absurdesten in jeder Form der Kritik, also sowohl in verschiedenen aktivistischen, als auch eben in diesen klassischen Wissenschaftstraditionen, wurde gesagt, ne, also bei Geschlecht, das schien total absurd, dass Geschlecht sozial konstruiert sein könnte. Und das ist genau das Spannende, was ich vorhin schon beschrieben habe und das ist auch immer wieder in dem Buch von Butler vorkommt, dass es sowohl ein Angriff gegen eine bestimmte Form der Wissenschaft und der Theorie ist, so im Allgemeinen, aber im Spezifischen eben immer um Butler und zwar deswegen, weil es bei Butler immer um Geschlecht und um Sexualität ging. Und das sieht man auch damals, weil damals waren dann immer so Nebensätze, die sich dann irgendwie auf Drag, auf Performance, auf Queerness bezogen haben und das eben auch abgewettet haben. Das heißt, gerade nicht nur, das heißt, damals sieht man auch schon, was wir jetzt auch wieder sehen werden, dass mit Gender eben nicht nur unbedingt Mann und Frau als Geschlecht gemeint sind, sondern dass Gender auch sehr, sehr viel und finde ich sogar zum größten Teil um Sexualität geht. Und der andere Punkt, den ich vorhin schon genannt habe, der Anti-Intellektualismus, der zeigt sich auch damals schon, weil Butler immer schon vorgeworfen wurde, nicht verständlich zu schreiben, dass man deren Texte nicht verstehen könnte. Das fand ich schon immer ein blödes Argument. Also natürlich kann man Texte kritisieren, weil sie wirklich schlecht geschrieben sind, aber Butlers Texte, vor allem der erste, waren nie für ein populäres Publikum geschrieben. Und wenn man das in der philosophischen Tradition liest, dann ist der Text nicht kompliziert geschrieben. Natürlich ist der nicht einfach geschrieben, aber der ist einfacher geschrieben als Hegel, einfacher geschrieben als Heidegger. Warum wirft man damals noch Frau vor, kompliziert zu schreiben, aber dem schlauen Husserl nicht? Also genau das ist das, was mich so ausregt daran. Weil eine Frau, die muss ja wohl gefälligst einfach für alle Menschen schreiben. Und dieses Buch war nie dafür gedacht, ein aktivistisches, populäres Buch zu sein. Und deswegen finde ich den Angriff einfach fehl am Platz. Das könnte man bei Who's Afraid of Gender sagen. Und da finde ich, ist es aber nicht mehr kompliziert geschrieben. Also man sieht ja auch, dass Butler genau weiß, welche Audiences, welche Wesenenschaften angesprochen werden. Genau, zielgruppenorientiert schreibt. Aber genau aus dem Grund gab es, ich habe ja vorhin gesagt, es gab diese klassischen Wissenschaften, die da ein Problem mit hatte und aber auch der Aktivismus. Und ich habe jetzt noch ein Zitat aus diesem Text, Husserl vielleicht Judith Butler rausgesucht, das ist auf Englisch, Achtung. Und zwar fasst es die Kritik innerhalb progressiver Strömungen zusammen. Zitat. But they aim their attacks at the very amorphous target called postmodernism, deconstruction or cultural studies, all very different intellectual practices and not all guilty as charged or just designated a theory or personified as Judith Butler, who many see as having an almost magical power to destroy progressive activism. From another point of view, Butler's work has enabled forms of activism perhaps it is this queer activism and not theory alone that is the underlying target of some of the attacks. Und das zeigt eigentlich auch schon, dass natürlich Butler ganz viel von Feminismus und von Aktivismus mit reingebracht hat, aber dass das Buch ja auch, also gerade Gender Trouble, dezidiert dafür gedacht war, diesen Diskurs auch zu kritisieren. Und dass genau diese Kritik, dieses Queering eben, was du am Anfang gesagt hast, dass diese Kritik fast ins Rollen gebracht hat, dass die eben nicht nur positiv aufgenommen wurde, eben weil es Kritik war. Und dass sich das aber immer schon sowohl, also dass immer schon dieses Queering, dieses Auflockern, dieses Infragestellen mit der Person von Judith Butler zusammengenommen wurde und Judith Butler eben so eine übernatürliche Person hineingelesen wurde. Und ich fand das mit dem Magical so ein passendes Wort. Weil ich sehe das ja total, ich könnte das ja total positiv sehen. Natürlich, ja, Judith Butler hat die Magical, ja, finde ich super. Aber das behalten wir mal im Hinterkopf für die zweiten Teil der Doppelfolge, wenn es dann um negative Magiezuschreibungen geht. Und, ja. Und jetzt, bevor wir gleich ins Buch kommen, wolltest du noch, das hattest du mich hier in die Show notes geschrieben, über das Buchcover sprechen. Sag mal was zum Buchcover, Jessica. Ja, das ist total witzig, weil mir, ich hatte das Buch schon ein Jahr, bevor wir bei dir den Podcast angefangen haben. Und ich habe die Hardcover-Version, das ist die mit ganz viel schwarz. Und dann gibt es noch die Softcover-Version, die hat ganz viel weiß. Aber das finde ich das Spannende. Sondern ich habe das Buch irgendwie immer nur, also so wie Bücher halt ganz häufig sind, ich sehe das Cover nicht, ne. Also manchmal die liegen, die sind im Schrank oder die liegen in dem Buchstapel. Und ich habe es einfach nicht gecheckt, bis wir irgendwann mal drüber gesprochen haben. Und so, warte mal, das ist ja lila und weiß und gelb. Also die Stift. Why? Why? Gibt es eine Pride-Flag, die wir mit lila, weiß und gelb, gelb, weiß, lila verbinden? Ja, natürlich die Non-Binary-Flag, oder? Also mir ist das, ich fand das nämlich total lustig, ja, weil du gesagt hast, dir ist es so spät aufgefallen und mir ist es sofort aufgefallen, oder? Ich bin halt auch ein visueller Mensch, muss man halt dazu sagen. Mir fallen halt solche Dinge, fallen mir sofort, also auch wenn ich es oft dann nicht jetzt total durchdenke und theoretisch quasi eingeordnet habe im Kopf, aber es ist halt einfach da, also es ist irritiert halt irgendwie im Kopf, dieses Visuelle. Und ich finde, das ist im Buch halt, das kommt halt vor allem, so wie du sagst, also in der Hardcover-Version, die ich halt habe, ja, wo halt der schwarze Hintergrund ist. Genau, ich finde es auch richtig krass, also ich finde, als ich das dann gesehen habe, fand ich es einfach auch richtig schön, weil wie ihr seht, und da ist deutsche Sprache immer wieder, immer wieder, ja, immer wieder Hindernis, aber regt uns auch zum Lernen an, so das wollte ich sagen, weil Butler ja eben mittlerweile im State of California als Non-Binary eingetragen ist in der Geschlechtsidentität. Und das habe ich das erste Mal gehört, als ich Butler 2020, im Januar 2020, kurz bevor die Pandemie so richtig losging, in Berlin gehört habe, da hat Butler das ganz stolz auf der Bühne das erste Mal so richtig gesagt, das war glaube ich dann im Jahr 2019, als das passiert ist, das ist wirklich in Bezug auf diese 35 Jahre noch gar nicht lange. Und genau aus dem Grund, muss man aufpassen, im Internet finden, also die Personalpronomen, die genutzt werden, sind natürlich je nachdem, wann bestimmte Texte publiziert wurden, anders. Und daran sieht man wieder, dass KI kacke ist, weil KI natürlich immer nur ein ziemlich guter Autofill ist und KI immer Judith Butler, she schreibt, also mit sie, Janat, weil natürlich die meisten Texte im Internet sie sind. Aber dazu wollte ich auch noch was sagen, ja, weil natürlich KI spuckt Dinge aus, die man auch selber reinfüttert. Also das muss man dazu sagen. Ja, ja, ja, ja, genau. Also wenn ich jetzt KI verwende, kommen wahrscheinlich andere Sachen raus, als wenn eine andere Person dieselbe Frage stellen würde, mit einer anderen KI-Geschichte. Also ich meine jetzt History. Aber das Problem ist unglaublich viel deutlicher, also dieses Pronomenproblem, auf Deutsch als auf Englisch. Also ich habe kaum Probleme, englische Texte mit Date zu finden, also zu bekommen, aber Deutsch ist es, also ich weiß nicht, 99,9 Prozent sie. Das ist jetzt vielleicht eine Vermutung, also das ist eine Vermutung, aber ich denke, dass einfach dadurch, dass Butler im angloamerikanischen Raum tätig ist und auch selbst englisch quasi kommuniziert und über sich selbst eben auch auf Englisch kommunizieren kann und auch mit Leuten in Kontakt tritt, die dann mit Butler quasi, weißt du, wo Pronomen vielleicht auch auftauchen, dass das sehr viel präsenter ist als im deutschsprachigen Raum, dass da dieser Shift einfach nicht passiert ist. Genau, also Butler hat einfach noch nie in Deutsch gesagt, das sind meine Pronomen. Und mir fällt das auch vor allem eben auf, was du gesagt hast, im deutschsprachigen Zeitungsartikel. Wenn über Butler berichtet wird, steht da immer sie und dann ist, warte mal, der dritte Kommentar in der Kommentarspalte ist dann immer Butler is not binary und dann regt sich immer alles über Gender auf, dann sind wir genau wieder bei meinem Thema. Deswegen weiß ich immer nicht, wie produktiv dann auch eine Kritik an dieser Stelle ist, weil Kommentarspalten im Internet dann immer nach hinten los schießen, aber das ist eine andere Geschichte. Ich wollte da noch einen anderen Punkt sagen, was ich nämlich eben auch in die andere Richtung ganz spannend fand. Es gibt zu dem Buch, das werden wir auch in die Show noch packen, ein Interview zwischen Judith Butler und Jack Halberstam. Ich weiß nicht, ob du den Namen kennst. Das haben wir, glaube ich, hieß ja früher Judith Halberstam und sie machen natürlich den Witz drüber, dass Judith und Judith immer verwechselt wurden. Jack Halberstam ist jetzt eben ein Transmann, hat aber auch erst seit 2017, glaube ich, ungefähr, da werde ich jetzt die Hand nicht für ins Feuer legen und vorher auch selbstidentifizierende Butch-Lesbien gewesen. Und was ich aber richtig krass in diesem Video fand, ist, dass auch Jack Halberstam die non-binäre Identität von Butler nicht wirklich akzeptieren will. Und das kam in einem Punkt vor, der mich richtig, also das ist mich so ein bisschen schockiert, weil daran sieht man einfach auch wieder, dass Non-Binarität so, also doch irgendwie nochmal was anderes mit reinbringt, ja. Weil Jack eben diese Geschichte hinter sich hat, zuerst sogar, ich habe einen Artikel sogar von 2012 noch gefunden, und Jack Halberstam sagt, es problematisch ist, als Kind immer als Jung identifiziert zu werden und ihr eigenidentiert ist Butch. Und dann hat sich das aber so verändert und in der jetzigen Biograf-Selbstbeschreibung von Jack Halberstam sagt er immer, dass es natürlich jetzt Unterschiede gibt von Möglichkeiten, dass man kann jetzt einfach sich die Brüste aboperieren lassen, es gibt geschlechtsangleichende Maßnahmen, das gab es früher nicht, etc. Es gibt andere Möglichkeiten, darüber zu sprechen, andere Gruppen, etc. Und deswegen gibt es jetzt auch eine andere Form der Identifikation. Und das Spannende ist, dass Jack das aber auch auf Judith Butler rüberbringt, indem er Butler auf der Bühne fragt, ja denkst du, wenn es damals, als du jugendlich warst, schon möglich gewesen wäre, irgendwie eine Operation zu haben, dann wärst du da doch auch hingegangen. Das ist so eine richtig Suggestivfrage, die halt eigentlich schon impliziert, dass Butlers Non-Binarität sich darin äußert, keinen weiblichen Körper zu wollen, also keinen weiblich gelesenen Körper zu wollen. Und das finde ich total problematisch. Weil es gibt ja Gründe, dass Butler trotz allem den Körper hat, den Butler hat. Und das ist also ein richtig schwieriges Thema. Aber das meine ich damit, dass es halt nicht nur von diesem bösen Außen, außerhalb der Wissenschaft, nicht Queer- und Trans-Theory-Verstehenden-Menschen passiert, dass Butler misgendert und Non-Binarität nicht wirklich erkannt wird, sondern auch innerhalb der ganzen Thematik. Es kommt auf unsere Folgenliste. Ich glaube, da haben wir, glaube ich, noch viel zu besprechen, zu dem Thema. Ja, genau. Also ich sehe das schon kommen. Also in dieser Folge werden wir ganz viele, ganz viele Boxen aufmachen, aus der ganz viele Folgen rausspringen werden. Für die Zukunft. Genau. Ja. Also auf jeden Fall sehen wir es schon. Also allein jetzt einfach dieser Abschnitt über Judith Butler selbst ist einfach schon so komplex, oder? Also so viele Dinge spielen da mit rein. Und das dann eben verbunden jetzt mit dem Thema, ja, um das heute gehen soll. Ja, also es spiegelt schon sehr gut wider, warum, oder ist schon ein bisschen so eine Vorausschau darauf, was eigentlich dann das Fazit in der Folge sein wird. Ja, also warum eigentlich Judith Butler als Person, aber auch das Thema, ich sage jetzt Geschlecht, ja, aber bei Butler geht es ja um Gender in der Terminologie. so viel Angst, so viel Angst macht, ja, so viel Angst einflößen kann. Gibt es noch etwas, was du abschließend noch sagen wolltest zu Butler jetzt selbst, bevor wir zum Buch direkt weitergehen? Nö, ich bin jetzt bereit. Ich werde vielleicht in der Folge immer Gender sagen. Ja, also ich habe es jetzt extra so ausgedrückt, ja, weil wir ja bisher, in den bisherigen Folgen immer Geschlecht gesagt haben und eigentlich auch mit gutem Grund und immer auch begründet haben, warum wir das so machen. Aber ich glaube, für heute ist es einfach wichtig, dass wir die Terminologie übernehmen aus dem Buch und deswegen einfach bei Gender bleiben. Ja, und selbst für den deutschsprachigen Raum ist ja Gender passender, jetzt in dem Fall, mit der Genderideologie. Wollte ich auch gerade sagen, genau, und vor allem, weil es ja eben auch um diesen Antigenderdiskurs geht, in dem es um Genderideologie gehen soll. Genau. Und vielleicht ist jetzt auch ganz wichtig, am Anfang jetzt nochmal dazu zu sagen, bevor wir in die Thematik einsteigen, also ganz generell zum Buch. Ja, ich habe es am Anfang schon einmal ein bisschen erwähnt, diese Frage, warum denn jetzt genau dieses Buch? Also sowohl bei uns jetzt im Podcast, warum kommt das jetzt als erstes? Und warum auch für Butler in deren Schreiben oder in der allgemeinen politischen Situation, warum gerade jetzt dieses Buch? Weil Who's Afraid of Gender, habe ich auch schon gesagt, heute ist kein weiteres Grundlagenwerk quasi zur Gendertheorie. Butler schreibt das Buch nicht, das muss einfach glaube ich von Anfang an klar sein. Butler schreibt aus einer Gegenwart heraus oder vielleicht in eine Gegenwart hinein, je nachdem wie man das jetzt sieht, in der sich die politische Situation rund um Gender im Vergleich jetzt zu den 1990ern grundlegend verändert hat. Ja, also Gender ist jetzt nicht mehr nur ein akademischer Begriff, ja, irgendwie so ein Hirngespinst aus dem Elfenbeinturm sozusagen, das man lächerlich machen kann, wenn es einem quasi jetzt gerade nicht passt, sondern es ist praktisch die Inkarnation des Bösen schlechthin geworden. Und wir werden im Laufe der Folge sehen, warum diese Wortwahl jetzt nicht überspitzt ist oder nicht übertrieben ist. Ich liebe Übertreibungen, aber diesmal ist es nicht übertrieben. Das Buch setzt aber auch deswegen nicht bei einer Erklärung von Gender an, sondern bei der Feindseligkeit gegenüber Gender. Und die leitende Frage lautet also bei Butler nicht, was ist Gender, sondern warum wird Gender gerade jetzt als Bedrohung konstruiert. Und da macht Butler in der Einleitung eben auch gleich zu Beginn eine ganz wichtige Beobachtung. In ganz unterschiedlichen Ländern, unterschiedlichen politischen Systemen und unterschiedlichen kulturellen Kontexten auch, ist Gender mittlerweile zu einem Objekt massiver Angst geworden. Quasi zu einer praktisch existenziellen Bedrohung. Also Bedrohung für Kinder, für Familien, den Glauben, Religion, für Nationen, teilweise sogar für die Gesellschaft ganz allgemein. Also einfach alles. Alles macht Gender kaputt. Und das Entscheidende ist jetzt aber, diese Angst sieht überall erstaunlich ähnlich aus. Also die Spanien schauen, nach Ungarn, Brasilien, die USA, Österreich, Deutschland. Also für Butler ist das der Ausgangspunkt. Wenn Angst so gleichförmig zirkuliert quasi, dann handelt es sich nicht mehr um lokale Probleme oder irgendwelche Missverständnisse rund um das Konzept Gender. Dann haben wir es laut Butler mit einem transnationalen politischen Muster zu tun, mit einer politischen Strategie zu tun. Und da sagt Butler sehr deutlich, Anti-Gender-Politik ist eben kein Erkenntnisproblem. Das heißt, sie funktioniert nicht deshalb, weil Menschen Gender falsch verstanden hätten, unter Anführungszeichen. Sie funktioniert über Affekte, über Angst, über moralische Panik. Und mehr Erklärungen allein lösen dieses Problem nicht, weil Angst ja kein Nebenprodukt ist, eines realen Problems, die weggehen würde, wenn das Problem gelöst wäre, sondern Angst ist das politische Instrument selbst. Also Gender wird im Anti-Gender-Diskurs als etwas Diffuses, als etwas Allgegenwärtiges, als etwas Invasives. Gender soll ja angeblich in Schulen eindringen, in Familien unterwandern, Sprache vergiften, Körper kontrollieren, Nationen zersetzen. Und genau diese einerseits jetzt Omnipräsenz und andererseits diese entscheidend, gerade weil Gender nicht klar definiert wird, kann es alles Mögliche bündeln. Angst vor sozialem Wandel, vor Autoritätsverlust, vor sexueller oder geschlechtlicher Vielfalt, vor dem Zusammenbruch vermeintlich natürlicher Ordnungen. Wir werden auf alles noch im Detail eingehen in den Folgen. Aber hier wird jetzt eben auch der Anschluss an unsere letzte Folge klar, glaube ich. Also in der Folge zur Kritik ging es ja darum, wie Kritik Machtverhältnisse sichtbar macht, wie sie Normalität in Frage stellt und warum genau das immer Widerstand erzeugt. politische Praxis. Also Kritik ist für Butler eine Form politischer Verantwortung, weil sie über das reine Verstehen hinausgeht. Weil ja, natürlich, ich möchte wissen, wie Gesellschaft funktioniert, ich möchte wissen, wie dieser oder jener Diskurs funktioniert. Aber Butler sagt, diese Art von nicht verantwortungslos, wenn Angst systematisch eingesetzt wird, um Körper und Leben von bestimmten Menschen abzuwerten und zu gefährden. Und genau deshalb ist auch dieses Buch der richtige nächste Schritt für uns im Podcast in dieser Reihe auch. Also warum wir jetzt auch mit dem Buch anfangen, obwohl es das letzte ist. Also Who's Afraid of Gender zeigt, was passiert, wenn Kritik nicht mehr argumentativ beantwortet wird, sondern affektiv blockiert wird. Also wenn nicht mehr diskutiert wird, sondern Angst die Debatte ersetzt. Also Antigender ist in diesem Sinn auch nicht einfach Antigender, also schätzen oder neu zu definieren. Im Gegenteil, es soll ja nicht gestritten werden. Es geht nicht um die Sache, es geht um die Angst. Weil wer Angst hat, streitet nicht. Wer Angst hat, blockiert, wer Angst hat, bekämpft, schottet sich ab und schließt andere aus. Und damit ist Who's Afraid of Jenner eigentlich auch ein Buch über, muss man sagen, Gegenwartspolitik, darüber, wie Angst dazu eingesetzt wird, Kritik stillzulegen und Demokratie Schritt für Schritt abzuschaffen. Ich habe ein Zitat rausgesucht aus dem selber übersetzt, Entschuldigung, ich habe die englische Version übersetzt, es ist wahrscheinlich nicht im Wortlaut gleich oder identisch mit der deutschen Ausgabe, aber das ist aus der Einleitung und ich habe es auch ein bisschen umstrukturiert, ich habe die Absätze ein bisschen vertauscht, damit sie jetzt bei uns reinpasst, also nicht wundern, aber da geht eben genau darum, worum es Butler in dem Buch geht. Also Zitat anfangen, es gibt nach wie vor viel zu verstehen über Gender, als strukturelles gesellschaftliches Problem, als Identität, als Forschungsfeld, als rätselhaften und hochgradig investierten Begriff, einige inspiriert und andere in Angst versetzt. So notwendig es auch ist, jene Forschungsfelder zu verteidigen, die Gender als Begriff verwenden, um Identität sowie soziale Machtverhältnisse und differenzielle Gewaltformen zu beschreiben, so notwendig ist es zugleich weiter darüber nachzudenken, was wir selbst mit Gender meinen und was andere meinen, wenn sie sich dem Begriff gegenüber in Frontstellung begeben. Unter dem Bann eines Phantasmas ist es aber schwer zu denken. Wie hoffentlich deutlich wird, lautet meine eigentliche Frage, zu welcher Art von Phantasma ist Gender geworden und welche Ängste, Befürchtungen und Hassformen sammelt und mobilisiert es. Diejenigen, ohne diese nicht überleben können. Ich hoffe daher zu verstehen, welche phantasmatischen Dimensionen Gender für jene annimmt, die die Abschaffung von Gender Unterricht fordern, die Zensur von Texten, die sich mit Gender befassen, sowie die Entrechtung und Kriminalisierung von trans und gender nonkonformen Menschen. Also ich glaube, oder ich hoffe, ich hoffe, das Zitat zeigt nochmal klar, warum Butler selbst das Buch geschrieben hat und Gender, wir haben es jetzt auch in dem Zitat nochmal gehört, er sagt, Butler ist heute das politische Schreckgespenst schlechthin, weil damit lässt dich ganz, ganz, ganz, ganz toll Angst machen. Frage ist jetzt, bevor wir uns anschauen können, wie Gender zum Schreckgespenst gemacht wird, ganz konkret, Frage ist, wozu eigentlich, wozu eigentlich diese Angst? Also wie funktioniert Angst quasi als politische Strategie und welche Ziele werden damit verfolgt? Das wäre jetzt so mein letzter Punkt für heute, für diese Folge, ja, nämlich clevere Taktik. Also mit Angst lassen sich ganz, äh, mehrere eigentlich, ja, mehrere ganz konkrete politische Ziele erreichen, das gilt natürlich nicht nur für Gender, sondern für alle Ängste, ja, aber wir bleiben natürlich heute einmal bei Gender konkret, also die drei wichtigsten Funktionen, auf die ich heute eingehen möchte, ja, von Angst als politischer Strategie sind Nummer eins die Delegitimation emanzipatorischer Bewegungen, Nummer zwei die Verhinderung demokratischer Aushandlung und Nummer drei die Stabilisierung autoritärer Machtverhältnisse. Vielleicht nur ganz kurz ein paar Worte zu dieser ruminösen Liste hier. Was war nochmal Nummer eins? Delegitimation emanzipatorischer Bewegungen, genau. Wenn Gender all das macht, was ich vorhin angesprochen habe, also Kinder gefährden, Ordnungen zerstören, Kultur unterwandern, Gesellschaft destabilisieren, dann erscheinen feministische Forderungen, Queere Forderungen, auch antirassistische Forderungen, nicht mehr als legitime politische Anliegen, sondern als ideologische Angriffe. Gender Ideologie. Weil wer dann nämlich, also in diesem Klima der Angst Gleichstellung fordert oder Sichtbarkeit fordert oder Rechte fordert für marginalisierte Gruppen, wird moralisch diskreditiert und dadurch aus dem Debattenraum ausgeschlossen. Weil wenn ich für etwas bin, das Angst erzeugt und das mir alles kaputt macht, was ich bisher kenne, dann bin ich ja automatisch quasi gegen unsere Kultur, in Anführungszeichen, gegen unsere Gesellschaft. und zweitens, ja, hängt natürlich alles zusammen hier, wo Angst regiert, also ich habe gesagt, zweitens war diese Verhinderung demokratischer Aushandlung, wo Angst regiert, wird nicht mehr gestritten, habe ich vorhin auch schon gesagt, sondern abgeschottet. Da wird Komplexität lächerlich gemacht gestellt. Demokratie wird dabei nicht offen abgeschafft, sondern schrittweise durch diese affektive Mobilisierung, durch dieses Angstmachen ausgehöhlt. Also ich muss eigentlich nicht offen sagen, ich kann, also wir kennen amerikanische Präsidenten, die das können, aber theoretisch müsste ich ja gar sagen, wir wollen keine Demokratie mehr, sondern eine Diktatur. Dem würden wahrscheinlich die meisten einfach nicht mehr ganz so blind folgen. Aber ich kann, werden wir sehen in der Zukunft, aber ich kann durch das Schüren von Angst autoritäre Machtausübung rechtfertigen und normalisieren. Ich kann so die Stabilisierung autoritärer Machtverhältnisse, weil in dem Gender als existenzielle Gefahr markiert wird, können sich ganz unterschiedliche AkteurInnen, politische Bewegungen, Parteien zum Beispiel, kirchliche Bündnisse, ganze Staaten, wir werden darauf in der nächsten Folge eingehen, können sich diese AkteurInnen der Verdrängung, Unterdrückung, die schauen dann nicht mehr aus wie Machtmissbrauch, sondern wie Verteidigung, eine notwendige Verteidigung von Familie, von Nation, von Ordnung. Und dadurch wird dann Angst auch produktiv, also wirklich produktiv im Sinne von Foucault jetzt soll heißen, ich kann die Angst der BürgerInnen Macht, theoretisch nicht in einem demokratischen Staat, habe ich nicht die Macht, alles zu kontrollieren, Verbote überall drüber zu legen, Gewalt einzusetzen, wenn es mir dann auch ist. Aber ich kann mir diese Macht geben lassen, also ich habe diese Macht erst, weil ich gesagt habe, Butler versteht den Anti-Gender-Diskurs als politisch organisierten Diskurs, dessen Ziel nicht Erkenntnis ist, sondern Begrenzung. Also Anti-Gender will Analyse verhindern, will Kritik zum Schweigen bringen und Veränderung stilllegen. Oder anders, es geht gar nicht und deshalb verschiebt auch Butler die entscheidende Frage, ja nicht was ist Gender, sondern was wird mit Gender politisch gemacht und wie. Dieses was haben wir jetzt gerade schon ein bisschen gehört, also Angst einflüssen um Demokratie auszuhöhlen und wie das gemacht wird, das schauen war schon immer so und dann wollte ich noch da was sagen, verdammt das kommt in der nächsten Folge, ich bin nicht da haben wir auch nächste Folge. Wir müssen uns leider heute auch zurückhalten heute, dass wir nicht alles vorweg nehmen, aber das war eigentlich auch da lassen möchtest. Ich habe gerade überlegt, ob es sich lohnen würde, mal was ganz anderes zu machen, nämlich unsere Hörenden zu bitten, bis in zwei Wochen, bis sie die zweite Folge hören, vielleicht selber mal darüber nachzudenken, was für Schreckgespenster sich mit Gender irgendwie verknüpfen. Und dann mal gucken, ob es zu dem passt, was wir in zwei Wochen sagen. Und vielleicht einfach mal ein bisschen aufzupassen in den Medien, was auch immer, wie das einfach so passiert und dann mit den Sachen, die man so gefunden hat, die man vielleicht so gesehen hat, dann in die zweite Folge zu kommen. Ich glaube, wir haben es auch schon ein bisschen in der Folge zu den Gender Verboten angedeutet zumindest. Also in welchen Kontexten Gendern das Gendern in welchen Kontexten das auftaucht. Also mit welchen, weil das ist auch ein guter Hinweis darauf, also in welchen Situationen wird angefangen über das Gendern zu debattieren oder über Gender zu sprechen. Das ist die Hausübung bis nächstes Mal. Sich da mal ein bisschen Gedanken drüber zu machen. Und dann steigen wir weiter ein und schauen uns das Buch ein bisschen weiter an. Genau. Sehr gut. Passt. Dann hätten wir es für heute zumindest. Dann wollen wir trotzdem noch ein Outro. Wir brauchen trotzdem ein Outro, Jessica. Es gibt auch immer noch die klassischen Hausaufgaben, die es nach jeder Folge gibt, nämlich uns helfen, den Podcast noch bekannter und verbreiteter zu machen, indem ihr ihn weiterempfehlt, folgt, abonniert, kommentiert, wenn ihr irgendwelche Rückfragen habt, sei es eben auf Spotify zum Beispiel oder bei uns auf Social Media oder irgendwie sonst dazu beitragt, dass der Podcast bekannter wird. Am besten einfach jedes Mal, wenn ihr eine Folge gehört habt, ihnen eine neue Person schicken, die ihn das war's. Du bist mittlerweile so gut im Outro sagen, dass es so schnell geht. Ich bin immer ganz verletzt. Es war irgendwie schnell, aber wenn man es als Hausaufgabe formuliert, dann geht es viel schneller. Stimmt. Okay, das war's jetzt für heute. Wir hören uns mit dem zweiten Teil. Bis dann. Tschüss.