Who's Afraid of Gender?
oder: Judith Butler über Angst, Kritik und Gegenwartspolitik
18.03.2026 65 min
Zusammenfassung & Show Notes
Warum ist „Gender“ plötzlich überall als Bedrohung dargestellt? In dieser ersten Folge zu Judith Butlers Who’s Afraid of Gender? sprechen wir über Butler als politische Angriffsfläche, über Anti-Gender als transnationales Muster der Angstpolitik und darüber, warum hier nicht einfach ein Begriff bekämpft wird, sondern eine ganze kritische Tradition. Es geht um moralische Panik, um Demokratie unter Druck — und um die Frage, was politisch mit „Gender“ gemacht wird.
Warum wird „Gender“ plötzlich überall als Bedrohung dargestellt? In dieser zu Judith Butlers Who’s Afraid of Gender? sprechen wir über Butler als politische Angriffsfläche, über Anti-Gender als transnationales Muster der Angstpolitik und darüber, warum hier nicht einfach ein Begriff bekämpft wird, sondern eine ganze kritische Tradition. Es geht um moralische Panik, um Demokratie unter Druck — und um die Frage, was politisch mit „Gender“ gemacht wird.
In dieser ersten Folge unserer vierteiligen Reihe zu Judith Butler lesen wir Who’s Afraid of Gender? als Buch über Gegenwartspolitik. Ausgangspunkt ist die Frage, was passiert, wenn Kritik nicht mehr argumentativ beantwortet, sondern affektiv blockiert wird. Butler zeigt: Das, was heute unter dem Schlagwort „Gender“ bekämpft wird, ist nicht einfach ein einzelner Begriff, sondern eine ganze kritische Tradition — das Infragestellen von Natürlichkeit, Selbstverständlichkeit und Ordnung.
Wir sprechen zuerst über Judith Butler selbst: über deren philosophischen Hintergrund, die Rolle von Gender Trouble für die Queer Theory, Butlers jüdische Prägung, die spezifische Personalisierung der Angriffe auf Butler und über die Frage, warum Butler bis heute als Symbolfigur für „postmoderne Theorie“ gelesen wird.
Im zweiten Teil der Folge fragen wir, warum Who’s Afraid of Gender? gerade jetzt der richtige Text ist. Butler beginnt nämlich nicht mit einer Definition von Gender, sondern mit einer Diagnose: In sehr unterschiedlichen Ländern und politischen Kontexten wird „Gender“ als existenzielle Bedrohung inszeniert — für Kinder, Familien, Religion, Nation und gesellschaftliche Ordnung. Entscheidend ist, dass diese Angst überall ähnlich aussieht. Butler sieht darin ein transnationales politisches Muster.
Zum Schluss arbeiten wir drei zentrale politische Funktionen von Angst heraus:
- Erstens delegitimiert sie feministische, queere und antirassistische Forderungen, indem sie sie als ideologische Angriffe framet.
- Zweitens verhindert sie demokratische Aushandlung, weil unter Bedingungen von Angst nicht mehr gestritten, sondern abgeschottet wird.
- Drittens stabilisiert sie autoritäre Machtverhältnisse, weil Kontrolle, Verbote und Repression dann als notwendige Verteidigung erscheinen.
Die Folge endet mit einer Hausaufgabe: Achtet bis zur nächsten Episode darauf, welche Schreckgespenster sich in Medien und Alltagsdebatten mit „Gender“ verknüpfen.
Zum Mitlesen:
Zum Mitlesen:
- Butler, Judith (2024) Who's Afraid of Gender. Dublin: Penguin Books/Allen Lane.
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Jessica:
Verena:
Transkript
Weil das, was ja heute unter diesem Schlagwort Gender bekämpft wird, ist ja nicht jetzt ein einzelner Begriff oder ein Konzept.
Bekämpft wird ja eigentlich eine ganze kritische Tradition, ja, nämlich dieses Infragestellen von Natürlichkeit, von Selbstverständlichkeiten, von Ordnung.
Und das Spannende ist, dass Jack das aber auch auf Judith Butler rüberbringt, indem er Butler auf der Bühne fragt,
Ja, denkst du, wenn es damals, als du jugendlich warst, schon möglich gewesen wäre, irgendwie eine Operation zu haben, dann wärst du da doch auch hingegangen.
Also so eine richtig Suggestivfrage, die halt eigentlich schon impliziert, dass Butlers Non-Binarität sich darin äußert, keinen weiblichen Körper zu wollen, also keinen weiblich gelesenen Körper zu wollen.
Und das finde ich total problematisch.
All das, was schon Nietzsche, ja, Horkheimer, Adorno, alle unsere lieben Männer, ja, Foucault kritisiert haben, ja, also Gender wird zur Stellvertreterin für alles, was Kritik an Herrschaftsverhältnissen sichtbar macht.
Ich meine, das war ja auch nichts Neues. Gerade in der Philosophie-Geschichte ist es überhaupt nicht neu.
Aber als es dann auf einmal um Geschlecht ging, das war dann ein Ticken zu viel, weil am absurdesten, in jeder Form der Kritik, also sowohl in verschiedenen aktivistischen als auch eben in diesen klassischen Wissenschaftstraditionen,
wurde gesagt, nee, also bei Geschlecht, das schien total absurd, dass Geschlecht sozial konstruiert sein könnte.
Läuft und hustet.
Ja, wundervoll.
Wir nehmen uns im Krankenlager auf heute, oder?
Genau.
Überall.
In Deutschland und in Österreich.
Alles krank.
Transnationales Krankenlager.
Ja, genau.
Passt auch ganz gut zu unserer Folge, oder?
Ein bisschen Transnationalität.
National auf jeden Fall.
Genau.
Vielleicht schauen wir uns an, woher wir vom letzten Mal kommen, damit klar ist, worum es in der heutigen Folge tatsächlich geht.
Magst du mal kurz zusammenfassen, was wir letztes Mal gemacht haben?
Wir haben letztes Mal über Kritik gesprochen.
Und zwar natürlich nicht Kritik im Sinne von etwas kritisieren, sondern wie wir Wissenschaft als Kritik verstehen.
Und spannenderweise, das wird gleich nochmal wichtig, haben wir in der Vergangenheit angefangen bei Nietzsche
und sind dann über Nietzsche, zu Foucault, zur Frankfurter Schule, zu Judith Butler und dann nochmal kurz ein Ausblick über Joan Scott gemacht, den Historikerinnen.
Und warum ich sage, wir haben in der Geschichte angefangen, wo das auch spannend ist, weil wir bei Nietzsche schon und dann vor allem bei der Anwendung durch Butler und Foucault gelernt haben, was Genealogie ist.
Also, dass wir halt Kritik machen, um nicht mehr den Ursprung von etwas, den vermeintlichen Ursprung von etwas als die Identität Festsetzendes anzusehen, sondern dass Genealogie quasi die Methode der Kritik ist, etwas zu untersuchen danach, was quasi die Bedingung ihrer Möglichkeiten ist.
Also weg von einem vermeintlichen Ursprung hin zu einer, ja, zu einer gegenwärtigen, zu einer Anerkennung, dass wir immer nur gegenwärtig auf Dinge gucken können.
Und dass wir immer nur von unserer heutigen Positionierung, von wie wir eingebettet sind, was wir gelernt haben, wo wir stehen, welche Möglichkeiten wir haben, Dinge wahrnehmen können.
Und dass wir dann halt nicht mehr so tun, als könnte man von einem vermeintlichen Anfangspunkt bis heute so eine teleologische Geschichtsschreibung machen.
Genau, sondern das Ganze einfach umdrehen.
Genau.
Das ist auf jeden Fall der allerwichtigste Punkt vom letzten Mal, der für heute wichtig sein wird.
Und das ging auch letztes Mal so ein bisschen auch um die Grundfrage zum Wissen, ganz allgemein.
Also was eben passiert, so wie du es jetzt auch gesagt hast, ja, was passiert, wenn Wissen nicht einfach neutral produziert werden kann.
Quasi soll das ja bedeuten, ja.
Also es gibt keinen Nullpunkt, an den wir uns stellen können und dann quasi Wissen als Wahrheit verkaufen können.
Und vor allem war auch wichtig uns zu zeigen mit der letzten Folge, glaube ich, dass Wissen immer, also die Produktion von Wissen immer in Machtverhältnisse, gesellschaftliche, politische Machtverhältnisse eingebunden ist.
Das heißt, es ging dann auch immer ein bisschen um die Frage, ja, was passiert denn, wenn dieses Wissen slash Wahrheit und die Grenze dazwischen umkämpft ist, quasi.
Also wenn Kritik nicht nur dazu da ist, zu beschreiben, ja, sondern wirklich auch stört.
Und jetzt ist die Frage, wer kennt sich denn mit dem Stören ganz besonders gut aus?
Also außer Sarah Ahmed.
Richtig, richtig.
Sarah Ahmed kennt sich besonders gut aus und wer kennt sich natürlich noch gut aus? Judith Butler.
Natürlich, Butler hat jetzt 2024, ich sag's immer falsch, aber ich glaube 2024 war das, oder?
Also circa 30 Jahre nach deren ersten bahnbrechenden Büchern über Gender und auch ausgiebig kritisierten Büchern über Gender ein ganz neues Buch geschrieben.
Das nennt sich Who's Afraid of Gender?
Und das Buch ist ein bisschen anders als die früheren Werke, aber für uns hier und heute, also sowohl im Podcast als auch schon mit Blick auf die Weltpolitik eigentlich, ja, der logische nächste Schritt, würde ich sagen.
Weil das Buch einfach zeigt, was passiert, wenn Kritik selbst zu einem politischen Problem wird, ja, deswegen Anschluss an die letzte Folge.
Soll einfach heißen, Who's Afraid of Gender? Mit dem Buch befinden wir uns nicht mehr auf der Ebene der Theoriegeschichte, sozusagen, ja, sondern mitten in der Gegenwart.
Genauso wie du gesagt hast, ja, also wir fangen in der Gegenwart an, weil wir einfach auch nur aus der Gegenwart heraus auf Theorie und auf Geschichte und auf Theoriegeschichte blicken können.
Also Butler fragt im Buch, was passiert, wenn Machtkritik quasi öffentlich wirksam wird.
Also wenn sie nicht mehr nur in Texten auftaucht, theoretischen Texten auftaucht, sondern auch in Lehrplänen, ja, in Gesetzen, im Aktivismus, im Alltag quasi.
Also wenn Kritik beginnt materielle Effekte quasi zu haben, ja, kurz, wenn sie beginnt zu wirken.
Ja, weil das, was ja heute unter diesem Schlagwort Gender bekämpft wird, ja, ist ja nicht jetzt ein einzelner Begriff oder ein Konzept oder das, was wir häufig darunter verstehen oder was häufig darunter verstanden wird.
Und ich sage es jetzt ganz absichtlich mal unter Anführungszeichen, ja, Gender als soziales Geschlecht, ja, bekämpft wird ja eigentlich, also laut Butler, eine ganze kritische Tradition.
Ja, nämlich dieses Infragestellen von Natürlichkeit, von Selbstverständlichkeiten, von Ordnung.
Also all das, was, jetzt kommen wir wieder zurück zur letzten Folge, alles, all das, was schon Nietzsche, ja, Horkheimer, Adorno, alle unsere lieben Männer, ja.
Foucault kritisiert haben, ja, also Gender wird zur Stellvertreterin für alles, was Kritik an Herrschaftsverhältnissen sichtbar macht und damit halt auch angreifbar.
In dem Sinn ist halt Who's Afraid of Gender auch kein Buch über Gender jetzt im engeren Sinn, ja, es ist ein Buch über die gesellschaftliche Reaktion auf Kritik, würde ich jetzt mal sagen, ja.
Also über diesen Moment, in dem wissenschaftliche Analyse, in dem feministische Theorie, emanzipatorische politische Praxis nicht mehr öffentlich herausgefordert wird, quasi ausgehandelt wird, sondern pauschal einfach als Gefahr abgestempelt, als Gefahr markiert wird.
Das ist also ein Buch über so eine Verschiebung von demokratischer Debatte hin zu moralischer Panik, eine Verschiebung von Auseinandersetzung, notwendiger Auseinandersetzung in einer Demokratie hin zu einer Angstpolitik.
Also wenn wir Kritik, könnten wir jetzt sagen, wenn wir Kritik jetzt nicht mehr begreifen als nur Erkenntnismethode quasi, sondern als gesellschaftliche Praxis, wenn wir es als gesellschaftliche Praxis ernst nehmen, dann müssten wir ja auch fragen, ja, was passiert denn, wenn Kritik delegitimiert wird,
wenn Wissenschaft als Ideologie abgestempelt wird, wenn demokratische Aushandlung durch Affekte, wie zum Beispiel Angst, ersetzt wird.
Und für alle, die sich jetzt fragen, wie wir das alles in einer Folge schaffen wollen, die Antwort ist kurz und lautet gar nicht.
Willkommen in unserer mittlerweile schon dritten Doppelfolge, stimmt das?
Ja, diesmal zu Judith Butler und all dem, was einfach an Geschlecht und Gender so viel Unbehagen bereitet, gebt zu.
Ihr habt alle schon sehr sehnsüchtig auf diese Folge gewartet.
Wir auch, wir auch.
Wir geben es auch zu.
Endlich.
Endlich, endlich.
Deswegen habe ich mir gedacht, ein kurzer Ausblick, weil es doch zwei Folgen sein werden jetzt, also in dieser ersten Folge.
Ja, nicht nur.
Eigentlich nicht nur, aber zwei Folgen zum ersten Buch, also zum ersten, letzten Buch.
Ja, okay.
Also in der ersten Folge zu Who's Afraid of Gender, so, das wollte ich damit sagen, ja,
werden wir uns erst einmal beschäftigen mit Judith Butler selbst.
Also jetzt erstens sowohl als queer-feministischer Theoretikerin und auch als politischer Angriffsfläche.
Dann werden wir uns anschauen, warum Who's Afraid of Gender heute gerade so wichtig ist.
Ja, und was das eigentlich genau ist, wovor so viele Angst haben.
Ja, also dieses Schreckgespenst-Gender, wie das Butler nennt.
Und dann in der zweiten Folge schauen wir uns an, wie dieses Schreckgespenst genau funktioniert.
Das heißt, mit welchen konkreten Mechanismen und Diskursstrategien da diverse politische und gesellschaftliche AkteurInnen versuchen,
uns Angst einzujagen und welche AkteurInnen vor allem das auch genau sind.
Ja, und vor allem auch, wie die vernetzt sind, was sie untereinander verbindet.
Und dann am Ende, da habe ich mir gedacht, damit wir nicht selber mit ganz viel Angst aus diesen Folgen rausgehen,
habe ich noch so eine kleine Liste vorbereitet mit Dingen, jetzt nicht unbedingt konkreten Handlungsoptionen,
weil so ein Podcast sind wir nicht, aber mit Dingen, die Butler im Buch halt einfach manchmal direkt,
aber meistens einfach indirekt vorschlägt, um Anti-Gender etwas entgegenzuwirken.
Genau, weil eines ist klar, der Kampf um Gender, okay, jetzt muss ich es ein bisschen zuspitzen,
ist vermutlich verloren.
So ehrlich müssen wir vielleicht mit uns selber sein, aber den Kampf um eine gerechtere Welt geben wir deswegen noch lange nicht auf.
Ja, und deswegen drehen wir dann auch in einer anschließenden dritten Folge,
aber wir können es nicht lassen, die wurde noch einmal ganz, ganz weit zurück in die 1990er
und schauen uns dann an, wie es heute überhaupt so weit hat kommen können.
Ich sage nur, Judith, Judith, aber nein, im Ernst, wir schauen uns dann nach,
Who's Afraid of Gender, wollen wir dann das Buch lesen, das Judith Butler und Gender berühmt gemacht hat,
und gefährlich gemacht hat, ja, nämlich Gender, Gender Trouble.
Tja, wenn man das Buch auch schon so nennt, ne?
Also ich meine...
Selber schuld.
Ja, eben, eben.
Nein, okay.
Aber im Ernst und der Reihe nach, ja, bevor wir eben Gender Trouble lesen können
und eigentlich auch Who's Afraid of Gender lesen können, müssen wir uns zuerst einmal anschauen,
Who is Judith Butler?
Und Jessica vor allem, ja, Who is Afraid of Judith Butler?
Magst du uns ein bisschen was erzählen?
Ich muss noch fünfmal zurückgehen, glaube ich, hier sind so viele Dinge eingefallen.
Nämlich das Erste war, dass wir hier ja auch heute den Link haben zu einigen Punkten,
die wir in bisherigen Folgen angesprochen haben,
und das nicht nur, weil wir jetzt endlich über Judith Butler sprechen,
sondern wir hatten ja die Folge über Ideologie und Genderideologie,
und das ist ja das, über was Butler auch spricht.
Also das wollte ich nur mal sagen, dass wir jetzt ein bisschen unsere Wortwahl
natürlich auch an dem Buch angekoppelt ist.
Das heißt, es gibt quasi die Leute, die etwas als Gender Ideology bezeichnen,
und die nennt Butler Anti-Gender-Movement.
So, genau.
Also nur, dass das in der Wortwahl deutlich wird.
Genau.
Und das andere ist, dass wir ja auch schon mal die Frage gestellt haben,
gibt es so etwas wie einen antifeministischen Backlash?
Und ja, gesagt haben, ja, eigentlich nicht, eigentlich regt sich nur was.
Und das ist ja genau das, was Butler hier auch beschreibt.
So, das, was du vorhin gesagt hast, was passiert, wenn Kritik sich materialisiert?
Dann muss sich ja was regen, weil dann verschiebt sich was.
Und das ist genau das, was wir uns jetzt anschauen.
Und also genau um zu sagen, okay, das ist kein antifeministischer Backlash in dem Sinne,
wie es ganz häufig populär oder sonst wo benannt wird, sondern das ist eigentlich sozusagen
die Verschiebung durch Kritik.
Genau.
Und genau das wollen wir ja vielleicht auch manchmal kritisieren.
Und das können wir ja zum Beispiel machen, indem wir mit heute anfangen.
Und auch deswegen, weil wenn man heute Gender Trouble liest oder irgendein Frühstück von Butler,
kann man das nicht ohne dieses Bild von Butler, das wir gleich beschreiben werden,
einfach schon im Kopf zu haben, weil es so omnipräsent überall ist.
Und genau deswegen müssen wir auch damit anfangen, mit diesem Bild heute.
Genau.
Na, wir überlegen uns schon, wie wir unsere Folgen...
Folgen strukturieren.
Ich versage, dass die Menschen uns das noch nicht glauben wollen.
Deswegen wollte ich es jetzt nochmal dazu sagen, damit das klar ist.
Wir haben Gedanken.
Genau.
Aber es ist ja auch gut, die mitzudenken.
Ja.
Genau.
Na gut, also Judith Butler.
Genau, who's afraid of Judith Butler?
Genau, also ich hatte die Aufgabe, uns etwas über Judith Butler zu erzählen.
In zehn Minuten, bitte.
Genau.
Ich habe das in drei Teile geteilt.
Das eine sind zwei Origin-Stories, die man so erzählen kann über Judith Butler.
Und in der zweiten stecken vielleicht noch fünf andere drin, aber dazu komme ich da.
Und ein drittes wäre dann quasi das, woher diese Gefahr kommt.
Also schon an der Person, wie Judith Butler zu der Person geworden ist, vor der man Angst hat.
Das, was den meisten Menschen vor allem in einem nicht philosophisch-akademischen Diskurs, sag ich mal so, als erstes einfällt, wenn wir an Judith Butler denken, ist, dass Butler als, ich sag das mal in Anführungszeichen, als Godmother of Queer Theory gesehen wird.
Und auch doppelt, in Anführungszeichen, dazu kommen wir da noch, aber quasi als Beginn von dem, was heute als Queer Theory in der Wissenschaft gesehen wird.
Wir hatten ja schon mal die Folge zu Queer, also zu Queer, wo wir auch kurz über Queer Theory gesprochen hatten.
Und dann haben wir da auch schon gesagt, dass Queer Theory, also Queer als nicht nur im Sinne von, wir schauen uns jetzt fuhle und lesbische Identitäten an,
sondern wirklich als Analysewerkzeug, dass das so in den 1990er-Jahren besonders in Fahrt aufgenommen hat.
Und das wird meistens unter anderem auf Judith Butler zurückgeführt.
Und zwar nicht deswegen, weil Butler jetzt unbedingt die erste Person war, die es akademisch genutzt hat,
sondern weil eben genau das Buch Gender Trouble, das gemacht hat, was es benennt, es hat etwas getroubled, etwas ins Rollen gebracht,
das vorher so nicht denkbar war.
Und zwar war das eine Kritik innerhalb der feministischen und gendertheoretischen Arbeiten,
sowohl innerhalb der Universitäten und aber auch innerhalb von, naja, von Aktivismus, von anderen Formen, von Wissensproduktion etc.
Vor allem, das ist mir jetzt aber wichtig zu sagen, weil das ist, ich habe ja vorhin gesagt,
mit so einer Origin-Story, mit so einer Ursprungsgeschichte werden immer Ausschlüsse gemacht.
Wir haben uns jetzt zum Beispiel auch schon Gloria Anseldua angeschaut und die hat ja in den 80ern geschrieben
und die hat sehr ähnliche Sachen gesagt, aber weil sie halt nicht weiß ist und nicht global in Orden,
wird das meistens gar nicht in diese Origin-Story mit reingenommen, wenn bei Judith Butler der Anfang gemacht wird.
Und genau deswegen finde ich es problematisch, solche Ursprungsgeschichten zu schreiben, das als wichtige Randnotif.
Und das richtig Spannende ist, dass wenn man sich Butler genau anschaut und die Texte genau anschaut,
dann bezieht sich Butler manchmal sogar, anders als andere weiße Akademik, sehr häufig auf ganz viele diverse Einflüsse.
Und das wird aber leider immer in dem Schreiben über Butler, in der Rückschau,
eben in der Erschaffung von so einem Ursprungsnarrativ immer wieder ausgeblendet,
in dem Butler eben zum Beginn der Queer Studies stilisiert wird.
Das war der erste Strang.
Und das Spannende ist ja bei Butler, dass Butler ja eigentlich, zumindest akademisch,
gar nicht aus einer unbedingt feministischen Tradition kommt, sondern, wie zum Beispiel Sarah Ahmed auch,
diese ganzen feministischen Impulse von außen in eine Standard-Philosophie-Ausbildung mit reingetragen hat.
Und jetzt kommen wir zu Teil 2.
Butler und die Philosophie oder Butlers Leben.
Vielleicht erst nochmal ganz kurz.
Butler ist 1956 in Cleveland, Ohio geboren.
Und zwar in eine jüdische Familie, ungarisch-jüdischer und russisch-jüdischer Herkunft.
Die Eltern waren zumindest dann zum Ende hin beide reformierte, praktizierende Jüdinnen.
Das heißt, es gab bei Butler eine starke jüdische Prägung schon in der Kindheit,
also auch durch irgendwelche Seminare in den Sommerferien am Wochenende etc.
Und das zeigt eigentlich schon, es gibt diesen einen Strang bei Butler, der ganz häufig ausgeblendet wird.
Nämlich nicht nur diese eigene persönliche Prägung durchs Jüdentum und auch die jüdische Identität,
sondern auch, dass Butlers Werke eigentlich, finde ich, immer als Teil von jüdischer Philosophie und Theologie gelesen werden müssten.
Wie zum Beispiel auch die Werke von Jacques Derrida.
Das ist aber wichtig im Hinterkopf zu behalten, weil diese jüdische Identität und dieses Zusammenkommen,
nenne ich es mal, zwischen jüdischen DenkerInnen und deren Einfluss im 20. Jahrhundert auf die Philosophiegeschichte,
ich sage auch nur Frankfurter Schule, ja, ist besonders wichtig, wenn es darum geht,
auch den krassen Hass gegenüber Butler zu verstehen.
Ja.
Weil Butler als, zumindest als Frau gelesene Person,
so, es ermöglicht den Antisemitismus und den Anti-Intellektualismus,
der sich da gegen bestimmte Philosophie-Traditionen Bahn bricht,
so richtig auf einen Körper zusammenzubringen, ja, eben weil es kein männlicher Körper ist.
Das finde ich immer besonders wichtig und das wird ganz häufig ausgelassen.
So, das war Teil, die erste Hälfte von Teil 2.
Jetzt kommen wir zum Philosophie-Studium.
Genau, weil Butler hat ihn, also erst mal, Butler war erst mal, ja, damals noch sie,
auf einer normalen, nicht bekannten Universität und ist dann aber nach Yale gewechselt
und hat da den Bachelor gemacht und auch promoviert.
Und promoviert hat sie 1984 zu einem Thema, das ganz klassisch in die Philosophiegeschichte kommt,
nämlich Hegel und dessen Rezeption in der französischen Philosophie des 20. Jahrhunderts.
Also vor allem, also angefangen mit Heidegger, dann aber über Sartre und die ganzen anderen Franzosen.
Und das kam dann alles raus in dem Buch 87 Subjects of Desire.
Und ich würde euch nicht raten, das auf Amazon zu suchen.
Mein Partner hat das gemacht, weil er es für seine Doktorarbeit braucht, weil die auch zu Hegel
und um sehr ähnliche Themen geht.
Und die Suchergebnisse mussten wirklich sehr stark eingeschränkt werden,
damit Butlers Buch trotz Autorname am Anfang kommt.
Bei Subjects of Desire.
Und es hat auch die Amazon-Suche nachhaltig beeinflusst.
Es hat ein bisschen gedauert, bis es wieder rausgegangen ist.
Und den Ankerettungsmittel, um zu trainieren.
Ja.
Ja.
Genau.
Ein Teil der Ausbildung in der Promotion hat Butler auch in Heidelberg gemacht.
Das fand ich immer ganz schön, weil ich ja da auch studiert habe und promoviert habe.
Nämlich war Butler 1979 ein Jahr als Fulbright-Scholler da.
Und wurde betreut von, jetzt kommt wieder so ein großer Name, Hans-Georg Gadamer.
Genau, Gadamer war damals eigentlich der bekannteste deutsche Philosoph zu der Zeit.
Und war vor allem ein Hegel- und Heidegger-Experte.
Und hat sich aber auch mit der Frankfurter Schule, bis zu der kritischen Theorie, auseinandergesetzt.
Fand die nicht immer so gut, aber kannte sich zumindest sehr gut damit aus.
Und dadurch hat Butler auch viel darüber gelernt.
Nachdem dann Butler eben promoviert war, gab es mehrere Stellen an verschiedenen Elite-Unis,
sowohl in den USA als auch in Europa.
Und ab 1993 war Butler dann hauptsächlich an der University of California in Berkeley tätig.
Und war spannenderweise ja nicht in der Philosophie als Philosophie-Department,
weil es in Berkeley nicht ganz so üblich ist, sondern in Critical Literature.
Und jetzt komme ich ganz kurz zum theoretischen Background,
weil ich ja meinte, dass Butler ja diese Queer-Theorie so eingetragen hat,
oder diese feministische Theorie.
Weil wie man sieht, gibt es eigentlich, da gibt es, also erstmal gab es da gar keine Frauen.
Und ja, auch nichts, was man irgendwie mit Feminismus identifizieren würde.
Es gibt ganz viel Hegel, ein bisschen Marx und ein bisschen französische Philosophie
und vor allem Phänomenologie.
Es gibt viel Derrida, viel Foucault.
Also alles, was als kontinentale Philosophie bezeichnet wird.
Und alles, was wir uns schon ein bisschen im Podcast angewört haben.
Und deswegen gibt mir auch zum Beispiel das zweite große Buch, nenne ich es mal,
also Körper vom Gewicht, weil ist das matter?
Gibt mir immer persönlich so einen Simone de Beauvoir-Vibe.
Nämlich, Simone de Beauvoir hat ja vor allem,
das waren jetzt zwei Bände eines großen Buches.
Und in dem ersten Teil geht sie ja wirklich ganz dezidiert darauf aus,
so dass die Frau als das andere in der philosophischen Tradition auszuarbeiten.
Und so ähnlich macht das Battle auch,
aber halt eben nicht auf so eine binäre Art und Weise,
wie Beauvoir das macht, sondern halt auf eine queere Art und Weise.
Und dann ist mir eingefallen, dass ich jetzt auch geschrieben habe,
dass wir ja auch mal eine Folge zu Simone de Beauvoir machen konnten.
Ja, ich schreibe gerade auf.
Sehr gut.
So, wie ist jetzt das passiert,
also außer natürlich das, was ich schon angemerkt habe,
mit dem Anti-Intellektualismus, mit dem Antisemitismus
und dem nicht-weitmännlichen Körper, auf dem Dinge projiziert werden.
Aber wieso ist Butler so eine politische Angriffsfläche geworden?
Und als ich das so ein bisschen recherchiert habe,
ist mir ein Artikel untergekommen,
schon in Mitte der 1990er Jahre,
der den Titel hatte
Who's Afraid of Judith Butler?
Cool, ne?
Ich habe nicht plagiert.
Ich habe mir die Frage ganz selber ausgedacht in der Einleitung.
Ja, ich fand es so spannend, weil das wirklich,
ich glaube, der Artikel ist vom 97 oder 98,
aber da, also natürlich mit Bibelverfahren und so weiter,
wurde der wahrscheinlich halt wirklich Mitte der 90er geschrieben.
Und das ist ja wirklich sehr kurz.
Das ist gerade mal ein halbes Jahrzehnt,
nachdem alles angefangen hat.
Und da schon so einen Artikel zu schreiben,
finde ich beachtlich.
Also ich kann mich,
ich meine, ich war damals ein Baby.
Ich kann mir das nicht vorstellen.
Jetzt kennt man das halt alle so 20, 30 Jahre später.
Und das ist so, ja, natürlich, Judith Butler wird berühmt, ja.
Aber dass es echt so schnell, so versandt ging,
ja, finde ich echt spannend.
Und den Artikel, den kann ich nur empfehlen,
den würden wir auch in die Show Notes packen.
Der zeigt so ein bisschen,
dass es natürlich mehrere Konfliktfelder gibt,
aber dass es vor allem ein Konfliktfeld
zwischen sowohl dem Aktivismus auf der einen Seite
als auch der klassischen Wissenschaft auf der anderen gibt,
die aber beide gegen das,
was damals so ganz böse als die postmoderne Theorie gelabelt wurde vorgeben.
Und mit die postmoderne Theorie
meinten diese ganzen Leute sowohl alles,
was wir unter Dekonstruktivismus
als auch Sozialkonstruktivismus fassen.
Also, dass die Welt nicht einfach so ist, wie sie ist
und natürlicherweise so ist, wie sie ist,
sondern dass sie durch das Kurs und durch Macht,
durch die Sozialität, in die wir eingebrettet sind,
geschaffen ist.
Und damals war es schon so,
ich meine, das war ja auch nichts Neues,
also es war ja schon ein paar Jahre länger so,
dass es diese Theorien gab
und auch gerade in der Philosophie-Geschichte
ist das überhaupt nicht neu.
Also, da bist du Kant zurück.
Aber als es dann auf einmal um Geschlecht ging,
das war dann ein Ticken zu viel,
weil am absurdesten in jeder Form der Kritik,
also sowohl in verschiedenen aktivistischen,
als auch eben in diesen klassischen Wissenschaftstraditionen,
wurde gesagt, ne, also bei Geschlecht,
das schien total absurd,
dass Geschlecht sozial konstruiert sein könnte.
Und das ist genau das Spannende,
was ich vorhin schon beschrieben habe
und das ist auch immer wieder in dem Buch von Butler vorkommt,
dass es sowohl ein Angriff
gegen eine bestimmte Form der Wissenschaft
und der Theorie ist,
so im Allgemeinen,
aber im Spezifischen eben immer um Butler
und zwar deswegen,
weil es bei Butler immer um Geschlecht
und um Sexualität ging.
Und das sieht man auch damals,
weil damals waren dann immer so Nebensätze,
die sich dann irgendwie auf Drag,
auf Performance,
auf Queerness bezogen haben
und das eben auch abgewettet haben.
Das heißt, gerade nicht nur,
das heißt, damals sieht man auch schon,
was wir jetzt auch wieder sehen werden,
dass mit Gender eben nicht nur unbedingt
Mann und Frau als Geschlecht gemeint sind,
sondern dass Gender auch sehr, sehr viel
und finde ich sogar zum größten Teil
um Sexualität geht.
Und der andere Punkt,
den ich vorhin schon genannt habe,
der Anti-Intellektualismus,
der zeigt sich auch damals schon,
weil Butler immer schon vorgeworfen wurde,
nicht verständlich zu schreiben,
dass man deren Texte nicht verstehen könnte.
Das fand ich schon immer ein blödes Argument.
Also natürlich kann man Texte kritisieren,
weil sie wirklich schlecht geschrieben sind,
aber Butlers Texte, vor allem der erste,
waren nie für ein populäres Publikum geschrieben.
Und wenn man das in der philosophischen Tradition liest,
dann ist der Text nicht kompliziert geschrieben.
Natürlich ist der nicht einfach geschrieben,
aber der ist einfacher geschrieben als Hegel,
einfacher geschrieben als Heidegger.
Warum wirft man damals noch Frau vor,
kompliziert zu schreiben,
aber dem schlauen Husserl nicht?
Also genau das ist das,
was mich so ausregt daran.
Weil eine Frau,
die muss ja wohl gefälligst
einfach für alle Menschen schreiben.
Und dieses Buch war nie dafür gedacht,
ein aktivistisches, populäres Buch zu sein.
Und deswegen finde ich den Angriff einfach fehl am Platz.
Das könnte man bei Who's Afraid of Gender sagen.
Und da finde ich,
ist es aber nicht mehr kompliziert geschrieben.
Also man sieht ja auch,
dass Butler genau weiß,
welche Audiences,
welche Wesenenschaften angesprochen werden.
Genau, zielgruppenorientiert schreibt.
Aber genau aus dem Grund gab es,
ich habe ja vorhin gesagt,
es gab diese klassischen Wissenschaften,
die da ein Problem mit hatte
und aber auch der Aktivismus.
Und ich habe jetzt noch ein Zitat aus diesem Text,
Husserl vielleicht Judith Butler rausgesucht,
das ist auf Englisch, Achtung.
Und zwar fasst es die Kritik
innerhalb progressiver Strömungen zusammen.
Zitat.
But they aim their attacks
at the very amorphous target
called postmodernism,
deconstruction or cultural studies,
all very different intellectual practices
and not all guilty as charged
or just designated a theory
or personified as Judith Butler,
who many see as having
an almost magical power
to destroy progressive activism.
From another point of view,
Butler's work has enabled forms of activism
perhaps it is this queer activism
and not theory alone
that is the underlying target
of some of the attacks.
Und das zeigt eigentlich auch schon,
dass natürlich Butler ganz viel
von Feminismus und von Aktivismus
mit reingebracht hat,
aber dass das Buch ja auch,
also gerade Gender Trouble,
dezidiert dafür gedacht war,
diesen Diskurs auch zu kritisieren.
Und dass genau diese Kritik,
dieses Queering eben,
was du am Anfang gesagt hast,
dass diese Kritik fast ins Rollen gebracht hat,
dass die eben nicht nur positiv
aufgenommen wurde,
eben weil es Kritik war.
Und dass sich das aber
immer schon sowohl,
also dass immer schon dieses Queering,
dieses Auflockern,
dieses Infragestellen
mit der Person von Judith Butler
zusammengenommen wurde
und Judith Butler eben so
eine übernatürliche Person
hineingelesen wurde.
Und ich fand das mit dem Magical
so ein passendes Wort.
Weil ich sehe das ja total,
ich könnte das ja total positiv sehen.
Natürlich, ja,
Judith Butler hat die Magical,
ja, finde ich super.
Aber das behalten wir mal im Hinterkopf
für die zweiten Teil der Doppelfolge,
wenn es dann um negative Magiezuschreibungen geht.
Und, ja.
Und jetzt,
bevor wir gleich ins Buch kommen,
wolltest du noch,
das hattest du mich hier in die Show notes geschrieben,
über das Buchcover sprechen.
Sag mal was zum Buchcover, Jessica.
Ja, das ist total witzig,
weil mir,
ich hatte das Buch schon ein Jahr,
bevor wir bei dir den Podcast angefangen haben.
Und ich habe die Hardcover-Version,
das ist die mit ganz viel schwarz.
Und dann gibt es noch die Softcover-Version,
die hat ganz viel weiß.
Aber das finde ich das Spannende.
Sondern ich habe das Buch irgendwie immer nur,
also so wie Bücher halt ganz häufig sind,
ich sehe das Cover nicht, ne.
Also manchmal die liegen,
die sind im Schrank
oder die liegen in dem Buchstapel.
Und ich habe es einfach nicht gecheckt,
bis wir irgendwann mal drüber gesprochen haben.
Und so, warte mal,
das ist ja lila und weiß und gelb.
Also die Stift.
Why?
Why?
Gibt es eine Pride-Flag,
die wir mit lila, weiß und gelb,
gelb, weiß, lila verbinden?
Ja, natürlich die Non-Binary-Flag, oder?
Also mir ist das,
ich fand das nämlich total lustig, ja,
weil du gesagt hast,
dir ist es so spät aufgefallen
und mir ist es sofort aufgefallen, oder?
Ich bin halt auch ein visueller Mensch,
muss man halt dazu sagen.
Mir fallen halt solche Dinge,
fallen mir sofort,
also auch wenn ich es oft
dann nicht jetzt total durchdenke
und theoretisch quasi eingeordnet habe im Kopf,
aber es ist halt einfach da,
also es ist irritiert halt irgendwie im Kopf,
dieses Visuelle.
Und ich finde,
das ist im Buch halt,
das kommt halt vor allem,
so wie du sagst,
also in der Hardcover-Version,
die ich halt habe,
ja, wo halt der schwarze Hintergrund ist.
Genau, ich finde es auch richtig krass,
also ich finde,
als ich das dann gesehen habe,
fand ich es einfach auch richtig schön,
weil wie ihr seht,
und da ist deutsche Sprache immer wieder,
immer wieder,
ja, immer wieder Hindernis,
aber regt uns auch zum Lernen an,
so das wollte ich sagen,
weil Butler ja eben mittlerweile
im State of California
als Non-Binary eingetragen ist
in der Geschlechtsidentität.
Und das habe ich das erste Mal gehört,
als ich Butler 2020,
im Januar 2020,
kurz bevor die Pandemie so richtig losging,
in Berlin gehört habe,
da hat Butler das ganz stolz auf der Bühne
das erste Mal so richtig gesagt,
das war glaube ich dann im Jahr 2019,
als das passiert ist,
das ist wirklich in Bezug auf diese 35 Jahre
noch gar nicht lange.
Und genau aus dem Grund,
muss man aufpassen,
im Internet finden,
also die Personalpronomen,
die genutzt werden,
sind natürlich je nachdem,
wann bestimmte Texte publiziert wurden,
anders.
Und daran sieht man wieder,
dass KI kacke ist,
weil KI natürlich immer nur
ein ziemlich guter Autofill ist
und KI immer Judith Butler,
she schreibt,
also mit sie, Janat,
weil natürlich die meisten Texte
im Internet sie sind.
Aber dazu wollte ich auch noch was sagen,
ja, weil natürlich
KI spuckt Dinge aus,
die man auch selber reinfüttert.
Also das muss man dazu sagen.
Ja, ja, ja, ja, genau.
Also wenn ich jetzt KI verwende,
kommen wahrscheinlich andere Sachen raus,
als wenn eine andere Person
dieselbe Frage stellen würde,
mit einer anderen KI-Geschichte.
Also ich meine jetzt History.
Aber das Problem ist
unglaublich viel deutlicher,
also dieses Pronomenproblem,
auf Deutsch als auf Englisch.
Also ich habe kaum Probleme,
englische Texte mit Date zu finden,
also zu bekommen,
aber Deutsch ist es,
also ich weiß nicht,
99,9 Prozent sie.
Das ist jetzt vielleicht eine Vermutung,
also das ist eine Vermutung,
aber ich denke,
dass einfach dadurch,
dass Butler im angloamerikanischen Raum
tätig ist
und auch selbst englisch quasi kommuniziert
und über sich selbst eben auch
auf Englisch kommunizieren kann
und auch mit Leuten in Kontakt tritt,
die dann mit Butler quasi,
weißt du,
wo Pronomen vielleicht auch auftauchen,
dass das sehr viel präsenter ist
als im deutschsprachigen Raum,
dass da dieser Shift
einfach nicht passiert ist.
Genau, also Butler hat einfach
noch nie in Deutsch gesagt,
das sind meine Pronomen.
Und mir fällt das auch vor allem eben auf,
was du gesagt hast,
im deutschsprachigen Zeitungsartikel.
Wenn über Butler berichtet wird,
steht da immer sie
und dann ist,
warte mal,
der dritte Kommentar in der Kommentarspalte
ist dann immer Butler is not binary
und dann regt sich immer alles über Gender auf,
dann sind wir genau wieder bei meinem Thema.
Deswegen weiß ich immer nicht,
wie produktiv dann auch
eine Kritik an dieser Stelle ist,
weil Kommentarspalten im Internet
dann immer nach hinten los schießen,
aber das ist eine andere Geschichte.
Ich wollte da noch einen anderen Punkt sagen,
was ich nämlich eben auch
in die andere Richtung ganz spannend fand.
Es gibt zu dem Buch,
das werden wir auch in die Show
noch packen,
ein Interview zwischen Judith Butler
und Jack Halberstam.
Ich weiß nicht,
ob du den Namen kennst.
Das haben wir, glaube ich,
hieß ja früher Judith Halberstam
und sie machen natürlich den Witz drüber,
dass Judith und Judith
immer verwechselt wurden.
Jack Halberstam ist jetzt eben ein Transmann,
hat aber auch erst seit 2017, glaube ich,
ungefähr,
da werde ich jetzt die Hand
nicht für ins Feuer legen
und vorher auch
selbstidentifizierende Butch-Lesbien gewesen.
Und was ich aber richtig krass
in diesem Video fand,
ist,
dass auch Jack Halberstam
die non-binäre Identität von Butler
nicht wirklich akzeptieren will.
Und das kam in einem Punkt vor,
der mich richtig,
also das ist mich so ein bisschen schockiert,
weil daran sieht man einfach auch wieder,
dass Non-Binarität so,
also doch irgendwie
nochmal was anderes mit reinbringt, ja.
Weil Jack eben diese Geschichte hinter sich hat,
zuerst sogar,
ich habe einen Artikel sogar von 2012 noch gefunden,
und Jack Halberstam sagt,
es problematisch ist,
als Kind immer als Jung identifiziert zu werden
und ihr eigenidentiert ist Butch.
Und dann hat sich das aber so verändert
und in der jetzigen Biograf-Selbstbeschreibung
von Jack Halberstam sagt er immer,
dass es natürlich jetzt Unterschiede gibt
von Möglichkeiten,
dass man kann jetzt einfach
sich die Brüste aboperieren lassen,
es gibt geschlechtsangleichende Maßnahmen,
das gab es früher nicht, etc.
Es gibt andere Möglichkeiten,
darüber zu sprechen,
andere Gruppen, etc.
Und deswegen gibt es jetzt auch
eine andere Form der Identifikation.
Und das Spannende ist,
dass Jack das aber auch auf Judith Butler rüberbringt,
indem er Butler auf der Bühne fragt,
ja denkst du,
wenn es damals,
als du jugendlich warst,
schon möglich gewesen wäre,
irgendwie eine Operation zu haben,
dann wärst du da doch auch hingegangen.
Das ist so eine richtig Suggestivfrage,
die halt eigentlich schon impliziert,
dass Butlers Non-Binarität sich darin äußert,
keinen weiblichen Körper zu wollen,
also keinen weiblich gelesenen Körper zu wollen.
Und das finde ich total problematisch.
Weil es gibt ja Gründe,
dass Butler trotz allem den Körper hat,
den Butler hat.
Und das ist also ein richtig schwieriges Thema.
Aber das meine ich damit,
dass es halt nicht nur von diesem bösen Außen,
außerhalb der Wissenschaft,
nicht Queer- und Trans-Theory-Verstehenden-Menschen passiert,
dass Butler misgendert
und Non-Binarität nicht wirklich erkannt wird,
sondern auch innerhalb der ganzen Thematik.
Es kommt auf unsere Folgenliste.
Ich glaube,
da haben wir, glaube ich, noch viel zu besprechen,
zu dem Thema.
Ja, genau.
Also ich sehe das schon kommen.
Also in dieser Folge werden wir ganz viele,
ganz viele Boxen aufmachen,
aus der ganz viele Folgen rausspringen werden.
Für die Zukunft.
Genau.
Ja.
Also auf jeden Fall sehen wir es schon.
Also allein jetzt einfach dieser Abschnitt
über Judith Butler selbst
ist einfach schon so komplex, oder?
Also so viele Dinge spielen da mit rein.
Und das dann eben verbunden jetzt mit dem Thema,
ja, um das heute gehen soll.
Ja, also es spiegelt schon sehr gut wider,
warum,
oder ist schon ein bisschen so eine Vorausschau darauf,
was eigentlich dann das Fazit in der Folge sein wird.
Ja, also warum eigentlich Judith Butler als Person,
aber auch das Thema,
ich sage jetzt Geschlecht,
ja, aber bei Butler geht es ja um Gender in der Terminologie.
so viel Angst,
so viel Angst macht,
ja,
so viel Angst einflößen kann.
Gibt es noch etwas,
was du
abschließend noch
sagen wolltest
zu Butler jetzt selbst,
bevor wir zum Buch
direkt weitergehen?
Nö,
ich bin jetzt bereit.
Ich werde vielleicht in der Folge immer Gender sagen.
Ja, also ich habe es jetzt extra so ausgedrückt,
ja,
weil wir ja bisher,
in den bisherigen Folgen
immer Geschlecht gesagt haben
und eigentlich auch mit gutem Grund
und immer auch begründet haben,
warum wir das
so machen.
Aber ich glaube,
für heute
ist es einfach wichtig,
dass wir
die Terminologie übernehmen
aus dem Buch
und deswegen einfach bei Gender bleiben.
Ja,
und selbst für den deutschsprachigen Raum
ist ja Gender passender,
jetzt in dem Fall,
mit der Genderideologie.
Wollte ich auch gerade sagen,
genau,
und vor allem,
weil es ja eben auch um
diesen Antigenderdiskurs geht,
in dem es um
Genderideologie gehen soll.
Genau.
Und
vielleicht ist jetzt auch
ganz wichtig,
am Anfang jetzt nochmal dazu zu sagen,
bevor wir
in die Thematik einsteigen,
also ganz generell zum Buch.
Ja,
ich habe es am Anfang
schon einmal
ein bisschen erwähnt,
diese Frage,
warum denn jetzt
genau dieses Buch?
Also sowohl bei uns
jetzt im Podcast,
warum kommt das jetzt als erstes?
Und warum auch
für Butler
in deren Schreiben
oder in der allgemeinen
politischen Situation,
warum gerade jetzt
dieses Buch?
Weil Who's Afraid of Gender,
habe ich auch schon gesagt,
heute ist kein weiteres
Grundlagenwerk
quasi zur
Gendertheorie.
Butler schreibt das Buch
nicht,
das muss einfach glaube ich
von Anfang an
klar sein.
Butler schreibt aus
einer Gegenwart heraus
oder vielleicht
in eine Gegenwart hinein,
je nachdem wie man das
jetzt sieht,
in der sich
die politische Situation
rund um
Gender
im Vergleich
jetzt zu den
1990ern
grundlegend
verändert hat.
Ja,
also Gender ist jetzt
nicht mehr
nur ein
akademischer
Begriff,
ja,
irgendwie so
ein Hirngespinst
aus dem
Elfenbeinturm
sozusagen,
das man lächerlich
machen kann,
wenn es einem
quasi jetzt gerade
nicht passt,
sondern es ist
praktisch
die
Inkarnation
des Bösen
schlechthin
geworden.
Und wir werden
im Laufe der Folge
sehen, warum
diese Wortwahl
jetzt nicht
überspitzt ist
oder nicht
übertrieben
ist.
Ich liebe
Übertreibungen,
aber diesmal
ist es
nicht übertrieben.
Das Buch
setzt aber
auch
deswegen
nicht bei
einer Erklärung
von Gender
an,
sondern bei
der Feindseligkeit
gegenüber Gender.
Und die
leitende Frage
lautet also
bei Butler
nicht,
was ist
Gender,
sondern
warum wird
Gender gerade
jetzt als
Bedrohung
konstruiert.
Und da
macht Butler
in der
Einleitung
eben auch
gleich zu
Beginn eine
ganz wichtige
Beobachtung.
In ganz
unterschiedlichen
Ländern,
unterschiedlichen
politischen
Systemen und
unterschiedlichen
kulturellen
Kontexten
auch,
ist Gender
mittlerweile zu
einem Objekt
massiver
Angst
geworden.
Quasi
zu einer
praktisch
existenziellen
Bedrohung.
Also
Bedrohung
für Kinder,
für Familien,
den Glauben,
Religion,
für Nationen,
teilweise sogar
für die
Gesellschaft ganz
allgemein.
Also einfach
alles.
Alles macht
Gender kaputt.
Und das
Entscheidende
ist jetzt aber,
diese Angst
sieht überall
erstaunlich
ähnlich aus.
Also die
Spanien schauen,
nach Ungarn,
Brasilien,
die USA,
Österreich,
Deutschland.
Also für
Butler ist das
der Ausgangspunkt.
Wenn Angst
so gleichförmig
zirkuliert
quasi,
dann handelt
es sich nicht
mehr um
lokale
Probleme
oder
irgendwelche
Missverständnisse
rund um
das Konzept
Gender.
Dann haben
wir es
laut Butler
mit einem
transnationalen
politischen
Muster zu tun,
mit einer
politischen
Strategie zu tun.
Und da sagt
Butler sehr
deutlich,
Anti-Gender-Politik
ist eben
kein Erkenntnisproblem.
Das heißt,
sie funktioniert
nicht deshalb,
weil Menschen
Gender
falsch verstanden
hätten,
unter
Anführungszeichen.
Sie funktioniert
über Affekte,
über Angst,
über moralische
Panik.
Und mehr
Erklärungen
allein
lösen
dieses
Problem
nicht,
weil Angst
ja kein
Nebenprodukt
ist,
eines realen
Problems,
die weggehen
würde,
wenn das
Problem
gelöst
wäre,
sondern
Angst
ist das
politische
Instrument
selbst.
Also
Gender
wird im
Anti-Gender-Diskurs
als etwas
Diffuses,
als etwas
Allgegenwärtiges,
als etwas
Invasives.
Gender
soll ja
angeblich
in Schulen
eindringen,
in Familien
unterwandern,
Sprache
vergiften,
Körper
kontrollieren,
Nationen
zersetzen.
Und genau
diese
einerseits
jetzt
Omnipräsenz
und andererseits
diese
entscheidend,
gerade weil
Gender
nicht
klar
definiert
wird,
kann es
alles
Mögliche
bündeln.
Angst
vor
sozialem
Wandel,
vor
Autoritätsverlust,
vor sexueller
oder geschlechtlicher
Vielfalt,
vor dem
Zusammenbruch
vermeintlich
natürlicher
Ordnungen.
Wir werden
auf alles
noch im
Detail
eingehen
in den
Folgen.
Aber hier
wird jetzt
eben auch
der Anschluss
an unsere
letzte Folge
klar,
glaube ich.
Also in der
Folge zur
Kritik ging es
ja darum,
wie Kritik
Machtverhältnisse
sichtbar
macht,
wie sie
Normalität
in Frage
stellt
und warum
genau das
immer
Widerstand
erzeugt.
politische
Praxis.
Also Kritik
ist für
Butler
eine
Form
politischer
Verantwortung,
weil sie
über
das
reine
Verstehen
hinausgeht.
Weil ja,
natürlich,
ich möchte
wissen,
wie
Gesellschaft
funktioniert,
ich möchte
wissen,
wie dieser
oder jener
Diskurs
funktioniert.
Aber Butler
sagt,
diese Art
von
nicht
verantwortungslos,
wenn Angst
systematisch
eingesetzt wird,
um Körper
und Leben
von bestimmten
Menschen
abzuwerten
und zu
gefährden.
Und genau
deshalb ist
auch dieses
Buch
der richtige
nächste
Schritt
für uns
im Podcast
in dieser
Reihe
auch.
Also warum
wir jetzt
auch mit
dem Buch
anfangen,
obwohl es
das letzte
ist.
Also
Who's Afraid
of Gender
zeigt,
was passiert,
wenn Kritik
nicht mehr
argumentativ
beantwortet
wird,
sondern
affektiv
blockiert
wird.
Also wenn
nicht mehr
diskutiert
wird,
sondern Angst
die Debatte
ersetzt.
Also
Antigender
ist
in diesem
Sinn
auch
nicht
einfach
Antigender,
also
schätzen
oder
neu
zu
definieren.
Im
Gegenteil,
es soll
ja nicht
gestritten
werden.
Es geht
nicht um
die Sache,
es geht
um die
Angst.
Weil
wer Angst
hat,
streitet
nicht.
Wer Angst
hat,
blockiert,
wer Angst
hat,
bekämpft,
schottet
sich ab
und schließt
andere
aus.
Und damit
ist
Who's Afraid
of Jenner
eigentlich auch
ein Buch
über,
muss man
sagen,
Gegenwartspolitik,
darüber,
wie Angst
dazu
eingesetzt
wird,
Kritik
stillzulegen
und Demokratie
Schritt für
Schritt
abzuschaffen.
Ich
habe
ein
Zitat
rausgesucht
aus dem
selber
übersetzt,
Entschuldigung,
ich habe die
englische Version
übersetzt,
es ist wahrscheinlich
nicht im Wortlaut
gleich oder
identisch mit
der deutschen
Ausgabe,
aber das ist
aus der
Einleitung
und ich
habe es auch
ein bisschen
umstrukturiert,
ich habe die
Absätze ein bisschen
vertauscht,
damit sie jetzt
bei uns reinpasst,
also nicht wundern,
aber da geht
eben genau
darum,
worum es
Butler
in dem
Buch geht.
Also
Zitat
anfangen,
es gibt nach wie vor
viel zu verstehen
über Gender,
als strukturelles
gesellschaftliches
Problem,
als Identität,
als Forschungsfeld,
als rätselhaften
und hochgradig
investierten
Begriff,
einige inspiriert
und andere
in Angst versetzt.
So notwendig
es auch ist,
jene Forschungsfelder
zu verteidigen,
die Gender
als Begriff
verwenden,
um Identität
sowie soziale
Machtverhältnisse
und differenzielle
Gewaltformen
zu beschreiben,
so notwendig
ist es zugleich
weiter darüber
nachzudenken,
was wir
selbst mit
Gender
meinen
und was andere
meinen,
wenn sie sich
dem Begriff
gegenüber
in Frontstellung
begeben.
Unter dem
Bann
eines Phantasmas
ist es aber
schwer zu denken.
Wie hoffentlich
deutlich wird,
lautet meine
eigentliche Frage,
zu welcher Art
von Phantasma
ist Gender
geworden
und welche
Ängste,
Befürchtungen
und Hassformen
sammelt
und mobilisiert
es.
Diejenigen,
ohne diese
nicht überleben
können.
Ich hoffe daher
zu verstehen,
welche phantasmatischen
Dimensionen
Gender
für jene
annimmt,
die die
Abschaffung
von Gender
Unterricht
fordern,
die Zensur
von Texten,
die sich
mit Gender
befassen,
sowie die
Entrechtung
und Kriminalisierung
von trans
und gender
nonkonformen
Menschen.
Also ich glaube,
oder ich hoffe,
ich hoffe,
das Zitat
zeigt nochmal
klar,
warum Butler
selbst
das Buch
geschrieben hat
und Gender,
wir haben es jetzt
auch in dem Zitat
nochmal gehört,
er sagt,
Butler ist heute
das politische
Schreckgespenst
schlechthin,
weil damit lässt
dich ganz,
ganz,
ganz,
ganz toll
Angst
machen.
Frage ist jetzt,
bevor wir uns
anschauen können,
wie Gender
zum Schreckgespenst
gemacht wird,
ganz konkret,
Frage ist,
wozu eigentlich,
wozu eigentlich
diese Angst?
Also wie
funktioniert Angst
quasi als
politische
Strategie
und welche Ziele
werden damit
verfolgt?
Das wäre jetzt
so mein letzter
Punkt
für heute,
für diese Folge,
ja,
nämlich clevere
Taktik.
Also mit Angst
lassen sich
ganz,
äh,
mehrere
eigentlich,
ja,
mehrere ganz
konkrete
politische
Ziele
erreichen,
das gilt
natürlich
nicht nur
für Gender,
sondern für
alle Ängste,
ja,
aber wir
bleiben
natürlich
heute einmal
bei Gender
konkret,
also die drei
wichtigsten
Funktionen,
auf die ich
heute eingehen
möchte,
ja,
von Angst
als politischer
Strategie
sind
Nummer eins
die
Delegitimation
emanzipatorischer
Bewegungen,
Nummer zwei
die Verhinderung
demokratischer
Aushandlung
und Nummer drei
die
Stabilisierung
autoritärer
Machtverhältnisse.
Vielleicht
nur ganz kurz
ein paar
Worte zu
dieser
ruminösen
Liste
hier.
Was war
nochmal Nummer eins?
Delegitimation
emanzipatorischer
Bewegungen,
genau.
Wenn Gender
all das
macht,
was ich
vorhin
angesprochen
habe,
also
Kinder gefährden,
Ordnungen
zerstören,
Kultur unterwandern,
Gesellschaft
destabilisieren,
dann erscheinen
feministische
Forderungen,
Queere
Forderungen,
auch
antirassistische
Forderungen,
nicht mehr als
legitime
politische
Anliegen,
sondern als
ideologische
Angriffe.
Gender
Ideologie.
Weil
wer dann
nämlich,
also in diesem
Klima
der Angst
Gleichstellung
fordert oder
Sichtbarkeit
fordert oder
Rechte fordert
für marginalisierte
Gruppen,
wird moralisch
diskreditiert
und dadurch
aus dem
Debattenraum
ausgeschlossen.
Weil
wenn ich
für
etwas bin,
das
Angst
erzeugt
und das
mir alles
kaputt macht,
was ich bisher
kenne,
dann bin ich
ja automatisch
quasi gegen
unsere
Kultur,
in Anführungszeichen,
gegen unsere
Gesellschaft.
und
zweitens,
ja,
hängt natürlich
alles zusammen
hier,
wo Angst
regiert,
also ich habe
gesagt,
zweitens war
diese Verhinderung
demokratischer
Aushandlung,
wo Angst
regiert,
wird nicht mehr
gestritten,
habe ich vorhin
auch schon
gesagt,
sondern
abgeschottet.
Da wird
Komplexität
lächerlich
gemacht
gestellt.
Demokratie
wird
dabei
nicht
offen
abgeschafft,
sondern
schrittweise
durch
diese
affektive
Mobilisierung,
durch
dieses
Angstmachen
ausgehöhlt.
Also ich muss
eigentlich
nicht
offen
sagen,
ich kann,
also wir
kennen
amerikanische
Präsidenten,
die das
können,
aber theoretisch
müsste ich
ja gar
sagen,
wir wollen
keine
Demokratie
mehr,
sondern
eine
Diktatur.
Dem würden
wahrscheinlich
die meisten
einfach nicht
mehr ganz
so blind
folgen.
Aber ich
kann,
werden wir
sehen in der
Zukunft,
aber ich
kann durch
das Schüren
von Angst
autoritäre
Machtausübung
rechtfertigen
und normalisieren.
Ich kann so
die Stabilisierung
autoritärer
Machtverhältnisse,
weil in dem
Gender als
existenzielle
Gefahr
markiert
wird,
können sich
ganz
unterschiedliche
AkteurInnen,
politische
Bewegungen,
Parteien zum
Beispiel,
kirchliche
Bündnisse,
ganze Staaten,
wir werden
darauf in der
nächsten Folge
eingehen,
können sich
diese AkteurInnen
der Verdrängung,
Unterdrückung,
die schauen
dann nicht mehr
aus wie
Machtmissbrauch,
sondern wie
Verteidigung,
eine notwendige
Verteidigung
von Familie,
von Nation,
von Ordnung.
Und dadurch
wird dann
Angst auch
produktiv,
also wirklich
produktiv im Sinne
von Foucault
jetzt soll heißen,
ich kann
die Angst
der BürgerInnen
Macht,
theoretisch nicht
in einem
demokratischen
Staat,
habe ich
nicht die
Macht,
alles zu
kontrollieren,
Verbote
überall
drüber zu
legen,
Gewalt
einzusetzen,
wenn es
mir
dann auch
ist.
Aber
ich kann
mir
diese
Macht
geben
lassen,
also ich
habe
diese
Macht
erst,
weil ich
gesagt habe,
Butler
versteht
den
Anti-Gender-Diskurs
als politisch
organisierten
Diskurs,
dessen Ziel
nicht Erkenntnis
ist,
sondern
Begrenzung.
Also
Anti-Gender
will
Analyse
verhindern,
will
Kritik
zum Schweigen
bringen
und
Veränderung
stilllegen.
Oder
anders,
es geht
gar nicht
und deshalb
verschiebt
auch Butler
die entscheidende
Frage,
ja nicht
was ist
Gender,
sondern
was wird
mit
Gender
politisch
gemacht
und
wie.
Dieses
was
haben wir
jetzt
gerade schon
ein bisschen
gehört,
also
Angst
einflüssen
um
Demokratie
auszuhöhlen
und wie
das gemacht
wird,
das schauen
war schon
immer so
und dann
wollte ich
noch da
was
sagen,
verdammt
das kommt
in der
nächsten
Folge,
ich bin
nicht
da
haben wir
auch
nächste
Folge.
Wir
müssen
uns
leider
heute
auch
zurückhalten
heute,
dass wir
nicht
alles
vorweg
nehmen,
aber
das war
eigentlich
auch
da
lassen
möchtest.
Ich
habe
gerade
überlegt,
ob
es
sich
lohnen
würde,
mal
was
ganz
anderes
zu
machen,
nämlich
unsere
Hörenden
zu
bitten,
bis in
zwei
Wochen,
bis sie
die
zweite
Folge
hören,
vielleicht
selber
mal
darüber
nachzudenken,
was
für
Schreckgespenster
sich mit
Gender
irgendwie
verknüpfen.
Und
dann mal
gucken,
ob es
zu dem
passt,
was wir
in
zwei
Wochen
sagen.
Und
vielleicht
einfach
mal
ein bisschen
aufzupassen
in den
Medien,
was
auch
immer,
wie
das
einfach
so
passiert
und
dann
mit
den
Sachen,
die man
so
gefunden
hat,
die man
vielleicht
so
gesehen
hat,
dann
in
die
zweite
Folge
zu
kommen.
Ich glaube,
wir haben es auch
schon ein
bisschen
in der
Folge
zu
den
Gender
Verboten
angedeutet
zumindest.
Also
in welchen
Kontexten
Gendern
das
Gendern
in welchen
Kontexten
das
auftaucht.
Also
mit welchen,
weil das
ist auch
ein guter
Hinweis
darauf,
also
in welchen
Situationen
wird
angefangen
über das
Gendern
zu
debattieren
oder
über
Gender
zu
sprechen.
Das ist
die
Hausübung
bis
nächstes
Mal.
Sich
da mal
ein bisschen
Gedanken
drüber
zu
machen.
Und
dann
steigen
wir
weiter
ein
und
schauen
uns
das
Buch
ein bisschen
weiter
an.
Genau.
Sehr gut.
Passt.
Dann hätten
wir es
für heute
zumindest.
Dann
wollen wir
trotzdem
noch
ein
Outro.
Wir
brauchen
trotzdem
ein
Outro,
Jessica.
Es gibt
auch
immer noch
die
klassischen
Hausaufgaben,
die es nach
jeder Folge
gibt,
nämlich
uns
helfen,
den Podcast
noch
bekannter
und
verbreiteter
zu machen,
indem ihr
ihn
weiterempfehlt,
folgt,
abonniert,
kommentiert,
wenn ihr
irgendwelche
Rückfragen habt,
sei es
eben auf
Spotify
zum Beispiel
oder bei
uns auf
Social Media
oder irgendwie
sonst dazu
beitragt,
dass der
Podcast
bekannter
wird.
Am besten
einfach
jedes Mal,
wenn ihr eine
Folge gehört habt,
ihnen eine
neue Person
schicken,
die ihn
das war's.
Du bist
mittlerweile
so gut
im Outro
sagen,
dass es so
schnell geht.
Ich bin immer
ganz verletzt.
Es war irgendwie
schnell,
aber wenn man es
als Hausaufgabe
formuliert,
dann geht es
viel schneller.
Stimmt.
Okay,
das war's
jetzt für heute.
Wir hören
uns
mit dem
zweiten Teil.
Bis dann.
Tschüss.