#52 Sodbrennen, Hernie, Barrett
Prof. Magnus Schneider erklärt Zwerchfellbruch und Reflux
07.03.2026 57 min
Zusammenfassung & Show Notes
Sodbrennen kennen viele – doch wann steckt wirklich eine Refluxkrankheit oder ein Zwerchfellbruch dahinter? Und was dann?
In dieser Folge des Thorax Schweiz Podcasts sprechen Dr. med. Roland Kuster und Tariq Abu-Naaj mit Prof. Dr. med. Paul Magnus Schneider, Viszeral- und Thoraxchirurg an der Klinik Hirslanden Zürich und ausgewiesener Experte für Speiseröhren- und Magenchirurgie. Er erklärt verständlich und direkt: Welche Beschwerden wirklich auf Reflux hinweisen, wie eine Hiatushernie entsteht, was das Barrett-Syndrom bedeutet – und wann eine Operation sinnvoll ist. Eine Folge für alle, die endlich verstehen wollen, was hinter diesem häufigen und oft unterschätzten Beschwerdebild steckt.
Reflux, Zwerchfellbruch & Speiseröhre – ein echtes Gespräch mit einem der erfahrensten Chirurgen der Schweiz
Fast ein Drittel aller Menschen kennt das Gefühl: ein Brennen hinter dem Brustbein, ein saures Aufstoßen, ein Druck, der einfach nicht weggeht. Doch viele leben jahrelang mit diesen Beschwerden, ohne zu wissen, was wirklich dahintersteckt – und ohne zu fragen, was man dagegen tun kann. Diese Folge ändert das.
Dr. med. Roland Kuster und Tariq Abu-Naaj sprechen in Zürich mit Prof. Dr. med. Paul Magnus Schneider, Viszeral- und Thoraxchirurg an der Klinik Hirslanden Zürich. Prof. Schneider hat das dortige Speiseröhren- und Magenzentrum aufgebaut und blickt auf Jahrzehnte Erfahrung zurück – von der Münchner Schule über das damals grösste Speiseröhrenzentrum Europas in Köln bis heute in die Schweiz. Er ist einer der wenigen, die sowohl Viszeral- als auch Thoraxchirurgie aus dem Effeff beherrschen – und er erklärt das komplexe Thema so, dass es wirklich ankommt.
🎙️ Gast & Hosts
Gast: Prof. Dr. med. Paul Magnus Schneider,, Viszeral- und Thoraxchirurg, Klinik Hirslanden Zürich Spezialist für Speiseröhren-, Magen- und Pankreaschirurgie sowie minimal-invasive und roboterassistierte Eingriffe
Hosts: Dr. med. Roland Kuster & Tariq Abu-Naaj Ort der Aufnahme: Klinik Hirslanden Zürich
📖 Was steckt hinter Hiatushernie und Refluxkrankheit? Eine kurze Einführung
Die Hiatushernie, auch Zwerchfellbruch genannt, entsteht, wenn sich die Lücke im Zwerchfell – durch die die Speiseröhre verläuft – aufweitet und der Magen ganz oder teilweise nach oben in den Brustraum rutscht. Das kann wenige Zentimeter betreffen oder im Extremfall den gesamten Magen. Je nach Ausmass unterscheiden sich die Beschwerden erheblich.
Die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) hingegen bezeichnet den krankhaften Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre. Beide Erkrankungen können zusammen auftreten – müssen es aber nicht. Und genau diese Unterscheidung, betont Prof. Schneider, ist entscheidend für die richtige Behandlung.
⏱️ Kapitelübersicht
00:00 – Begrüssung & Vorstellung Prof. Schneider stellt sich vor: sein Weg von München über Köln in die Schweiz – und warum er diese Entscheidung nie bereut hat.
02:03 – Was ist eine Hiatushernie? Und welche Formen gibt es? Das Zwerchfell ist nicht «gebrochen» – aber die Lücke, durch die die Speiseröhre in den Bauch tritt, kann sich aufweiten. Der Magen kann dann ein kleines Stück, zur Hälfte oder vollständig nach oben wandern. Alle diese Varianten sind Zwerchfellbrüche – aber sie sind sehr verschieden.
03:24 – Ursachen und Risikofaktoren Der mit Abstand grösste Risikofaktor ist Übergewicht. Hinzu kommen Alter, Rauchen, Alkohol und – seltener als oft angenommen – eine genetische Bindegewebsschwäche.
04:14 – Typische Beschwerden und die wichtige Unterscheidung Prof. Schneider ist klar: Es gibt nur zwei wirklich typische Reflux-Symptome – Sodbrennen und Regurgitation (das Hochlaufen von Flüssigkeit). Alles andere – Husten, Räuspern, Heiserkeit – kann ein Hinweis sein, ist aber kein verlässliches Primärsymptom. Diese Unterscheidung ist für die Therapie entscheidend.
07:18 – Diagnose: Was braucht man wirklich? Für die Diagnose einer Refluxerkrankung ist die Endoskopie das wichtigste erste Instrument. Sie zeigt Entzündungen, Hernien und Schleimhautveränderungen. Für eine chirurgische Entscheidung braucht es mehr: eine 24-Stunden-pH-Metrie und heute zusätzlich eine Impedanzmessung, die auch säurefreien Rückfluss erfasst.
11:17 – Barrett-Ösophagus: Wann wird Reflux gefährlich? Nur etwa jede:r Zehnte mit einer regelmässigen Refluxerkrankung entwickelt einen Barrett-Ösophagus – also eine Veränderung der Schleimhaut. Und von diesen entwickelt wiederum nur jede:r Zehnte im Laufe der Zeit einen Tumor. «Das ist ein Prozent – das ist keine übertriebene Sorge», sagt Prof. Schneider – aber es ist ein Grund, bei anhaltenden Beschwerden hinzuschauen. Wer einen Barrett-Ösophagus hat, sollte regelmässige Kontrollspiegelungen einplanen. Die Intervalle richten sich nach dem Schweregrad der Veränderungen.
20:00 – Wann reichen Tabletten – und wann ist eine Operation sinnvoll? Klare Ansage von Prof. Schneider: Eine Refluxerkrankung, die noch nie adäquat mit einem Säureblocker behandelt wurde, kommt für eine Operation schlicht nicht in Frage. Erst nach mindestens einem Jahr konsequenter Therapie und vollständiger Diagnostik kann eine chirurgische Option diskutiert werden. Die drei Kriterien, die für eine Operation sprechen, sind bekannt als DeMeester-Kriterien: primäre Refluxsymptome, bewiesene Refluxkrankheit in der Messung – und Ansprechen auf Säureblocker.
28:53 – Welche Operationsmethoden gibt es? Nicht alle Fundoplikationen sind gleich. Heute hat sich international die Toupet-Fundoplikation (270 Grad, nicht vollständig geschlossen) durchgesetzt – weil sie das lästige «Gas-Bloating» (Blähbeschwerden) nach der Operation deutlich reduziert. Laparoskopisch oder roboterassistiert: Beides ist heute Standard. Was zählt, ist Erfahrung.
36:10 – Sicherheit und Erholung nach der Operation Bei erfahrenen Chirurg:innen ist das Risiko klein – aber nicht null. Deshalb gehört eine vollständige Vorabklärung inklusive Lungen- und Herzfunktion dazu. Nach dem Eingriff beginnt ein behutsamer Kostaufbau: Suppe, Joghurt, pürierte Kost – über etwa vier Wochen, bis zur normalen Ernährung. Kein Leistungssport, keine schweren Lasten für sechs Wochen.
39:56 – Grosse Hernien: eine andere Erkrankung, eine andere Operation Wenn mehr als die Hälfte des Magens oder gar der gesamte Magen im Brustraum liegt, ist das eine komplexe Situation. Diese Operationen, so Prof. Schneider, werden von Unerfahrenen regelmässig unterschätzt – und gehören in die Hände von Zentren mit entsprechender Erfahrung.
41:07 – Ernährung und Lifestyle Wer an Reflux leidet, kennt seine persönlichen Auslöser meist selbst. Rotwein, Kohlensäure, blähende Lebensmittel – das lässt sich eigenverantwortlich regulieren. Das Wichtigste bleibt: Gewicht reduzieren, nicht rauchen, Alkohol in Massen. Keine komplizierte Ernährungsberatung, sondern etwas gesunder Menschenverstand.
42:47 – Die Stärke der Doppelausbildung Was bringt es, wenn ein Chirurg sowohl Viszeral- als auch Thoraxchirurgie beherrscht? Besonders bei grossen Hernien und komplexen Tumorfällen enorm viel, erklärt Prof. Schneider. Wer beide «Welten» kennt, denkt den Menschen als Ganzes.
45:03 – Missverständnisse und Angst vor dem Eingriff Der häufigste Fehler: Betroffene kommen mit einer Diagnose und wollen einfach «gelöst» werden. Prof. Schneiders Gegenmittel: zuhören, genau nachfragen, herausfinden, was den Menschen wirklich belastet. Und dann ehrlich sagen, was eine Operation leisten kann – und was nicht.
49:13 – Neue Methode: ARMS Eine Innovation aus Japan: Das endoskopische Antireflux-Verfahren ARMS (Anti-Reflux Mucosectomy) nutzt die eigene Schleimhaut des Mageneingangs, um von innen einen höheren Verschlussdruck zu erzeugen – ganz ohne Fremdmaterial. Prof. Schneider setzt es bereits ein, besonders bei mildem Reflux und bei Menschen mit starken Blähbeschwerden, wo eine Fundoplikation schwierig wäre. Ein Verfahren, das er mit echter Neugier begleitet.
54:35 – Abschluss: Empfehlungen für erste Beschwerden Gelegentliches Sodbrennen nach einem Glas Rotwein? Kein Grund zur Panik. Wenn die Beschwerden aber regelmässig auftreten: erst einen Säureblocker-Test (PPI-Test). Wenn der wirkt und die Beschwerden bei Absetzen wiederkehren – dann ist es Zeit für die Endoskopie. Und dann den richtigen Spezialisten aufsuchen.
✨ Die wichtigsten Erkenntnisse dieser Folge
✅ Nur zwei Symptome gelten als echte Primärzeichen einer Refluxkrankheit: Sodbrennen und Regurgitation ✅ Übergewicht ist der grösste vermeidbare Risikofaktor ✅ Ein Barrett-Ösophagus ist überwachungspflichtig – aber kein Grund zur Panik ✅ Vor jeder Operation braucht es eine vollständige Diagnostik – mindestens vier Untersuchungen ✅ Die Toupet-Fundoplikation (270°) ist heute internationaler Standard ✅ ARMS ist eine vielversprechende neue endoskopische Methode – besonders für bestimmte Patient:innengruppen ✅ Grosse Zwerchfellbrüche gehören in spezialisierte Zentren mit hoher Fallzahl
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