Thorax-Schweiz

Tariq Abu-Naaj & Dr. med. Roland Kuster

#62 Unsichtbar, aber unverzichtbar – Die Kunst der OP-Lagerung

Besir Beluli gibt Einblicke in die Arbeit der OP-Lagerung an der Klinik Hirslanden Zürich

18.06.2026 27 min

Zusammenfassung & Show Notes

Was passiert eigentlich zwischen Narkose und dem ersten Schnitt? In dieser Folge des Thorax Schweiz Podcasts sprechen Dr. med. Roland Kuster und Tariq Abu-Naaj mit Besir Beluli, Leiter der OP-Lagerung an der Klinik Hirslanden Zürich. Er erklärt, warum die richtige Lagerung von Patientinnen und Patienten entscheidend für Sicherheit, Behandlungserfolg und die Vermeidung von Komplikationen ist.

OP-Lagerung: Der oft unterschätzte Faktor für eine sichere Operation

Wenn wir an eine Operation denken, stehen meist die Chirurginnen und Chirurgen, die Anästhesie oder modernste Medizintechnik im Mittelpunkt. Kaum jemand macht sich Gedanken darüber, wie wichtig die richtige Lagerung einer Patientin oder eines Patienten während einer Operation ist.

Dabei kann genau diese Lagerung entscheidend dafür sein, ob ein Eingriff sicher durchgeführt werden kann und ob Lagerungsschäden vermieden werden.
In dieser Episode des Thorax Schweiz Podcasts sprechen Dr. med. Roland Kuster und Tariq Abu-Naaj mit Besir Beluli, Leiter der OP-Lagerung an der Klinik Hirslanden Zürich. Gemeinsam werfen sie einen Blick auf einen Bereich des Operationssaals, den die meisten Patientinnen und Patienten nie zu Gesicht bekommen. 

Wer ist Besir Beluli?

Besir Beluli ist diplomierter Pflegefachmann und seit vielen Jahren im Operationsbereich tätig. Nach Stationen in verschiedenen Schweizer Kliniken leitet er heute die Abteilung OP-Lagerung der Klinik Hirslanden Zürich.
Gemeinsam mit seinem 22-köpfigen Team sorgt er dafür, dass Patientinnen und Patienten während oft stundenlanger Eingriffe optimal positioniert und geschützt werden. 
Warum ist die OP-Lagerung so wichtig?
Während einer Operation schläft die Patientin oder der Patient in der Regel unter Narkose. Dadurch kann nicht mehr wahrgenommen oder mitgeteilt werden, wenn Druckstellen entstehen, Gelenke überdehnt werden oder Nerven belastet werden.

Die Aufgabe des Lagerungsteams besteht deshalb darin:
  • die bestmögliche Position für den chirurgischen Eingriff zu schaffen
  • den Körper vor Druck- und Nervenschäden zu schützen
  • die Anforderungen von Chirurgie und Anästhesie zu berücksichtigen
  • eine sichere und stabile Position während der gesamten Operation zu gewährleisten
Besir Beluli erklärt eindrucksvoll, wie viele Faktoren dabei berücksichtigt werden müssen. 
Rückenlage, Seitenlage oder Bauchlage?
Nicht jede Operation wird in derselben Position durchgeführt.
In dieser Folge erfahren Sie:
  • Wann eine Rückenlage gewählt wird
  • Warum manche Eingriffe eine Seitenlagerung erfordern
  • Weshalb bei Wirbelsäulenoperationen häufig die Bauchlage notwendig ist
  • Welche Besonderheiten bei thoraxchirurgischen Eingriffen berücksichtigt werden müssen
  • Warum die Lagerung immer individuell auf die Operation abgestimmt wird
Selbst kleine Veränderungen der Körperposition können den Operateurinnen und Operateuren helfen, einen Eingriff sicherer und präziser durchzuführen. 
Welche Risiken können durch eine falsche Lagerung entstehen?
Ein zentraler Teil des Gesprächs widmet sich den möglichen Komplikationen.
Dazu gehören:
  • Druckstellen (Dekubitus)
  • Hautverletzungen
  • Nervenschäden
  • Durchblutungsstörungen
  • Scherkräfte auf Haut und Gewebe
  • Beschwerden durch lange Operationszeiten
Besonders gefährdet sind Körperstellen mit wenig natürlicher Polsterung, etwa:
  • Schulterblätter
  • Hinterkopf
  • Kreuzbein
  • Fersen
Gerade bei langen Eingriffen ist deshalb höchste Aufmerksamkeit gefragt. 
Die besondere Herausforderung: Der narkotisierte Patient
Ein gesunder Mensch würde sich automatisch bewegen, wenn eine Position unangenehm wird.
Unter Narkose ist das nicht möglich.
Deshalb muss das Lagerungsteam gewissermaßen für die Patientin oder den Patienten „mitdenken“ und potenzielle Belastungen frühzeitig erkennen.
Besir Beluli beschreibt dies als eine Kombination aus Fachwissen, Erfahrung und Fingerspitzengefühl. 
Teamarbeit im Operationssaal
Die Lagerung erfolgt niemals isoliert.
Vielmehr arbeiten verschiedene Berufsgruppen eng zusammen:
  • Chirurginnen und Chirurgen
  • Anästhesistinnen und Anästhesisten
  • OP-Pflege
  • Lagerungsteam
  • Medizintechnik
Jede Berufsgruppe bringt eigene Anforderungen mit. Ziel ist es, die Bedürfnisse aller Beteiligten zu koordinieren und gleichzeitig die Sicherheit der Patientinnen und Patienten an erste Stelle zu setzen. 
Moderne Operationstechniken verändern auch die Lagerung
Ein spannender Teil der Episode beschäftigt sich mit den Entwicklungen der modernen Chirurgie.
Insbesondere die Robotik stellt neue Anforderungen an die Lagerung.
Besir Beluli erklärt:
  • Wie Operationen mit dem Da-Vinci-Roboter vorbereitet werden
  • Warum die Bewegungsfreiheit der Roboterarme berücksichtigt werden muss
  • Weshalb neue Technologien auch neue Lagerungskonzepte erfordern
Ein faszinierender Einblick in die Zukunft des Operationssaals. 
Hygiene und Infektionsschutz
Neben der eigentlichen Lagerung spielt auch die Infektionsprävention eine wichtige Rolle.
Die Folge erklärt unter anderem:
  • Warum Patientinnen und Patienten vor der Operation umgelagert und neu eingekleidet werden
  • Welche Hygienemaßnahmen vor dem ersten Schnitt erfolgen
  • Wie Operationsgebiete vorbereitet werden
  • Warum Informationen über Infektionskrankheiten für das OP-Team wichtig sind
  • Welche Schutzmaßnahmen routinemäßig eingesetzt werden
Dabei wird deutlich: Sicherheit beginnt lange vor dem eigentlichen Eingriff. 
Ausbildung und Fachwissen
Viele Menschen wissen nicht, dass die OP-Lagerung ein hoch spezialisiertess Tätigkeitsfeld ist.
Besir Beluli erläutert:
  • Welche Qualifikationen Mitarbeitende mitbringen sollten
  • Warum Kenntnisse der Anatomie und Physiologie so wichtig sind
  • Weshalb die Klinik Hirslanden Zürich bevorzugt Fachangestellte Gesundheit (FaGe) und andere medizinische Fachpersonen einsetzt
  • Wie neue Mitarbeitende für die speziellen Anforderungen geschult werden
Denn nur wer die Anatomie des menschlichen Körpers versteht, kann Lagerungsschäden wirksam verhindern.

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