Thorax-Schweiz

Tariq Abu-Naaj & Dr. med. Roland Kuster

#74 Leben mit Sauerstoff – was Betroffene wissen sollten

Frau Dr. med. Tabea Hutter über Langzeitsauerstofftherapie, Mobilität und Lebensqualität.

11.08.2026 29 min

Zusammenfassung & Show Notes

Eine Langzeitsauerstofftherapie kann für Menschen mit chronischem Sauerstoffmangel eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität bedeuten – gleichzeitig wirft sie viele praktische Fragen auf.
In Folge #74 des Thorax Schweiz Podcasts sprechen Dr. med. Roland Kuster und Tariq Abu-Naaj mit Dr. med. Tabea Hutter, Fachärztin für Pneumologie und Innere Medizin in der AEOLUS Lungenpraxis Bern. Sie erklärt, wann eine Sauerstofftherapie medizinisch sinnvoll ist, welche Geräte zur Verfügung stehen und wie Patientinnen und Patienten trotz Therapie möglichst mobil und selbstständig bleiben können.

Wenn Sauerstoff zur Therapie wird
Für viele Menschen ist der Gedanke, dauerhaft Sauerstoff zu benötigen, zunächst mit Unsicherheit verbunden. Häufig entstehen sofort Fragen: Muss ich jetzt ständig ein Gerät mit mir tragen? Kann ich weiterhin reisen? Darf ich mich überhaupt noch körperlich belasten? Und bedeutet Atemnot automatisch, dass ich Sauerstoff brauche?
In dieser Episode des Thorax Schweiz Podcasts sprechen Dr. med. Roland Kuster und Tariq Abu-Naaj
mit Dr. med. Tabea Hutter, Fachärztin für Pneumologie und Innere Medizin in der AEOLUS Lungenpraxis Bern. Gemeinsam erklären sie verständlich, wann eine Langzeitsauerstofftherapie medizinisch sinnvoll ist, wie der Bedarf bestimmt wird und welche Möglichkeiten heute für eine möglichst flexible Versorgung zur Verfügung stehen. 
Ein zentraler Punkt der Folge ist die Unterscheidung zwischen Atemnot und tatsächlichem Sauerstoffmangel. Dr. Hutter macht deutlich, dass nicht jede Kurzatmigkeit automatisch bedeutet, dass eine Sauerstofftherapie notwendig ist. Entscheidend sind objektive Messwerte wie Sauerstoffsättigung, Blutgasanalyse und Belastungstests. 

Dabei kommt auch der 6-Minuten-Gehtest ausführlich zur Sprache. Er hilft dabei zu beurteilen, wie sich die Sauerstoffsättigung unter Belastung verändert und ob eine Patientin oder ein Patient nur beim Gehen oder auch dauerhaft Sauerstoff benötigt. Ebenso können nächtliche Messungen sinnvoll sein, wenn der Verdacht besteht, dass der Sauerstoffgehalt vor allem im Schlaf absinkt. 
Dr. Hutter erklärt außerdem die verschiedenen Versorgungssysteme: stationäre Konzentratoren für zu Hause, mobiler Sauerstoffkonzentrator und Flüssigsauerstoff. 

Welche Lösung sinnvoll ist, hängt davon ab, wie viel Sauerstoff benötigt wird, wie mobil eine Person ist und wie der Alltag organisiert werden soll. 
Ein weiterer wichtiger Teil des Gesprächs widmet sich den ganz praktischen Herausforderungen. Akkulaufzeiten, Gewicht mobiler Geräte, Schläuche in der Wohnung, Lieferungen von Flüssigsauerstoff oder auch die Geräuschentwicklung eines Konzentrators können den Alltag beeinflussen. Genau deshalb ist eine gute Zusammenarbeit zwischen behandelnden Ärztinnen und Ärzten, den Patientinnen und Patienten sowie den Sauerstoff-Providern besonders wichtig. 

Auch die Rolle der Lungenliga und anderer Anbieter wird angesprochen. Sie übernehmen die technische Versorgung, erklären den Umgang mit den Geräten und unterstützen Betroffene unter anderem auch bei Fragen zur Mobilität und zu Reisen. 
Ein Thema, das Dr. Hutter besonders klar hervorhebt, ist der Rauchstopp. Sauerstoff und Rauchen sind eine gefährliche Kombination, da durch die Sauerstoffzufuhr ein erhebliches Risiko für schwere Verbrennungen besteht. 
Die Episode zeigt gleichzeitig, dass Langzeitsauerstofftherapie nicht nur Einschränkungen bedeutet. Richtig eingestellt kann sie helfen, Symptome zu lindern, Belastbarkeit zu verbessern und bei schwerem chronischem Sauerstoffmangel auch die Prognose positiv zu beeinflussen. Ziel ist immer, Patientinnen und Patienten möglichst aktiv, mobil und selbstständig zu halten. 

Darum geht es in dieser Episode

Wann ist Sauerstoff wirklich notwendig? Wie wird der Bedarf gemessen? Welche Geräte gibt es? Und wie kann der Alltag mit einer Langzeitsauerstofftherapie möglichst flexibel gestaltet werden?
Dr. med. Tabea Hutter beantwortet die wichtigsten Fragen und zeigt, dass eine gut eingestellte Sauerstofftherapie für viele Betroffene deutlich mehr Lebensqualität bedeuten kann.

Das erwartet Sie in dieser Folge

  • Bei welchen Lungenerkrankungen eine Langzeitsauerstofftherapie infrage kommt
  • Warum Atemnot nicht automatisch Sauerstoffmangel bedeutet
  • Wie Blutgasanalyse und Sauerstoffsättigung beurteilt werden
  • Welche Bedeutung der 6-Minuten-Gehtest hat
  • Welche stationären und mobilen Sauerstoffsysteme zur Verfügung stehen
  • Wie die Versorgung in der Schweiz organisiert ist
  • Warum Rauchstopp unter Sauerstofftherapie besonders wichtig ist
  • Wie Patientinnen und Patienten trotz Therapie aktiv bleiben können

Die wichtigsten Themen der Episode


Wann ist Langzeitsauerstoff notwendig?
Bei schweren chronischen Lungenerkrankungen kann ein dauerhafter Sauerstoffmangel entstehen. Eine Langzeitsauerstofftherapie wird dann nach klaren medizinischen Kriterien verordnet. Typische Erkrankungen können beispielsweise COPD, fibrotische Lungenerkrankungen oder pulmonale Hypertonie sein. 
Atemnot ist nicht gleich Sauerstoffmangel
Dr. Hutter betont, dass Sauerstoff nur dann sinnvoll ist, wenn tatsächlich ein Mangel nachgewiesen wurde. Besteht Atemnot bei normaler Sauerstoffsättigung, muss nach anderen Ursachen gesucht werden. 
Der 6-Minuten-Gehtest
Der Belastungstest zeigt, ob die Sauerstoffsättigung unter körperlicher Aktivität absinkt. Gleichzeitig liefert er wichtige Informationen über die allgemeine Belastbarkeit im Alltag. 
Stationär oder mobil?
Je nach Bedarf stehen verschiedene Systeme zur Verfügung. Konzentratoren gewinnen Sauerstoff aus der Umgebungsluft, während Flüssigsauerstoff mobil mitgeführt werden kann. Welche Lösung geeignet ist, hängt immer von der individuellen Situation ab. 
Alltag und Mobilität
Eine moderne Sauerstoffversorgung soll Betroffene nicht ans Zuhause binden. Mit der richtigen Planung können viele Patientinnen und Patienten weiterhin spazieren gehen, soziale Kontakte pflegen oder Reisen unternehmen. 
Kosten und Versorgung
Wenn die medizinischen Kriterien erfüllt sind, werden die Kosten der Sauerstofftherapie grundsätzlich von der Schweizer Grundversicherung übernommen. Die Stromkosten eines Konzentrators müssen laut Aussage in der Episode allerdings selbst getragen werden. 
Rauchstopp
Unter Sauerstofftherapie darf nicht geraucht werden. Das erhöhte Brand- und Verbrennungsrisiko macht diesen Punkt zu einer zentralen Sicherheitsregel. 

Die wichtigsten Erkenntnisse


🟦 Nicht jede Atemnot bedeutet automatisch Sauerstoffmangel.
🟦 Die Entscheidung für eine Sauerstofftherapie basiert auf klaren medizinischen Messwerten.
🟦 Eine individuell angepasste Versorgung kann helfen, Mobilität und Selbstständigkeit zu erhalten.
🟦 Bei schwerem chronischem Sauerstoffmangel kann die Langzeitsauerstofftherapie auch 
       die Prognose positiv beeinflussen.
🟦 Rauchen und Sauerstofftherapie dürfen aus Sicherheitsgründen niemals kombiniert werden.

Über unsere Gesprächspartnerin
Dr. med. Tabea Hutter ist Fachärztin für Pneumologie und Innere Medizin.
Sie ist in der Region Thun aufgewachsen und hat an der Universität Bern Medizin studiert. Ihre Weiterbildung zur Internistin führte sie durch verschiedene Spitäler im Kanton Bern und Solothurn. Anschließend absolvierte sie ihre Weiterbildung zur Pneumologin an der Universitätsklinik für Pneumologie des Inselspitals Bern.
Zu ihren beruflichen Stationen zählen unter anderem das Spital Münsingen, das Bürgerspital Solothurn, die interdisziplinären Notfallstationen der Lindenhofgruppe, das Spital Thun und das Inselspital Bern. Dort war sie zuletzt als Oberärztin tätig. Im Frühjahr 2025 engagierte sie sich zudem im Rahmen eines Projekts von German Doctors in der medizinischen Grundversorgung in Flüchtlingscamps in Griechenland.
Seit September 2025 arbeitet sie in der AEOLUS Lungenpraxis Bern. Besonders wichtig ist ihr eine vertrauensvolle und persönliche Betreuung ihrer Patientinnen und Patienten.

Über die AEOLUS Lungenpraxis Bern


Die AEOLUS Lungenpraxis Bern ist eine pneumologische Facharztpraxis im Berner Wankdorf. Sie betreut Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen der Lunge und Atemwege – von vergleichsweise häufigen Erkrankungen bis hin zu komplexeren pneumologischen Fragestellungen.
Zum Spektrum gehören unter anderem die Diagnostik und Behandlung chronischer Lungenerkrankungen sowie schlafmedizinische und weitere pneumologische Abklärungen. Der Name AEOLUS nimmt Bezug auf den griechischen Windgott – passend zu einer Praxis, in der Atmung, Luft und Lungengesundheit im Mittelpunkt stehen.

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