Ulrich Kohler: Unbewusste Schuld – Der innere Saboteur
Wie können wir die Unbewusste Schuld erkennen und sich von ihr befreien
29.01.2026
151 min
Zusammenfassung & Show Notes
Wie können wir die Unbewusste Schuld erkennen und sich von ihr befreien. Ich spreche mit Ulrich Kohler darüber, wie sich diese Form von Schuld im Leben zeigt, warum viele Menschen darunter leiden, ohne es zu wissen, und wie Ulrich zur Entwicklung der LösUS®-Methode gekommen ist. Ein persönliches Gespräch über innere Blockaden, Verantwortung und Wege zu mehr innerer Freiheit.
Herzlich willkommen, lieber Uli. Ich freue mich, dass du dabei bist.Du beschäftigst dich seit langem mit einer ganz besonderen oder vielleicht sogarheimtückischen Quelle des menschlichen Leids, und zwar mit der unbewussten Schuld.Und du hast ein Buch darüber geschrieben, diese Schuld ist nicht meine.Du bist als Haltpräktiker in diesem Bereich auch lange tätig.Und es würde mich interessieren, wie macht sich eigentlich die unbewusste Schuld bemerkbar?Woher soll ich wissen, dass ich betroffen bin?
Ulrich
00:00:36
Hallo Robert, guten Abend. Schön bei dir zu sein. Schön mit dir darüber sprechen zu können.Ja, ich bin Heilpraktiker 30 Jahre lang in Deutschland gewesen,bin inzwischen ausgewandert und habe 2006, also jetzt werden es dann 20 Jahre,2006 diese unbewusste Schuld entdeckt.Also genauer genommen bin ich drüber gestolpert. Ich habe nicht danach gesucht.Und ja, ab 2006 begann dann mit einer Verzögerung am Start, weil ich erst dasThema nicht erkannt habe, weil ich erst mehrmals in meiner Praxis drauf gestoßenwerden musste, dass das überhaupt ein Thema ist.So habe ich mit einer Startverzögerung begonnen, dann habe ich angefangen michdamit zu beschäftigen, zu forschen,zu experimentieren, zu beobachten, wozu ich natürlich in der Praxis dauerndGelegenheit hatte, weil ich ja jeden Tag mit Menschen zu tun hatte,insbesondere mit Menschen,die mit ihrer Gemütsverfassung Herausforderungen hatten,die unter Ängsten gelitten haben oder unter irgendwelchen anderen belastenden Emotionen.Und um auf deine Frage zurückzukommen, ja, woran erkennt man unbewusste Schuld?Das ist so ein bisschen, als würde man versuchen, etwas Unsichtbares zu beschreiben.Und von daher erkennt man, wenn man in seinem Leben einfach so wahrnimmt,was passiert, unbewusste Schuld hauptsächlich daran,dass sich einfach Muster, die nicht positiv sind, wiederholen.Auf nahezu gespenstische Weise erlebt man in einem Lebensbereich immer wieder gleiche Abläufe,gleiche Mechanismen oder man erlebt den gleichen oder ähnlichen Mechanismusin allen Lebensbereichen.Das ist wahrscheinlich die Variante, wie man es rückblickend auf sein Lebenam besten erfassen kann.
Robert
00:02:51
Das sind negative Muster, die du bei deinen Klienten beobachtet hast.Was war jetzt genau der Zeitpunkt, wo du sagtest, okay, die herkömmlichen Erklärungsmodellefür Schuld reichen nicht aus, du musst weiter forschen, da gibt es noch mehr?
Ulrich
00:03:14
Also ich habe ja 1995, als ich 25 Jahre alt war, angefangen mit meiner Praxisund habe dann sechs Jahre als klassischer Homöopath gearbeitet.Und hier in diesem homöopathischen Feld war besonders das Gemüt,die seelische Verfassung des Menschen für mich im Vordergrund,schon immer davon ausgehend, dass dieser Bereich der Bereich in unserem Lebenist, der am meisten Folgebeschwerden hat.Also Folgebeschwerden im Sinne, wie das Leben verläuft, aber auch Folgebeschwerdenim Sinne von Belastungen, die dann auf den Körper wirken.Und dann hatte ich mit 31 ein Burnout, wollte eigentlich meine Praxis schließen.Nein, ich habe sie geschlossen und habe dann zehn Monate lang einen neuen Beruf gesucht.Und nach zehn Minuten, zehn Monaten, zehn Minuten waren es leider nicht,das waren zehn richtig schwierige Monate mit drei.Also Verzweiflung, Scheitern, vielen Überlegungen.Naja, und nach zehn Monaten wusste ich, Heilpraktiker ist schon ganz genau dasRichtige für mich, aber ich musste einen anderen Modus finden,ein anderes, wie ich damit umgehe.Ja, und dann habe ich wieder von Null angefangen und dann habe ich mich geöffnet.Die klassischen Homöopathen neigen ja gerne mal dazu, sehr entschlossen an ihremeigenen homöopathischen Strang festzuhalten.Das traue ich mich zu sagen, weil ich genauso war.Und durch den Burnout habe ich mich dann geöffnet. Dann ging es Richtung psychologische Astrologie.Da habe ich mich intensivst mit beschäftigt. Das hat sich dann überschnittenmit systemischer Arbeit.Ich habe an vielen Aufstellungen teilgenommen, so über drei Jahre schätze ich mal.Und habe einige Aufstellungen geleitet.Und ja, so hat sich mein Feld erweitert. Ernährung kam dazu als ganz wichtigeKomponente. Später kamen noch andere Sachen dazu.Und so war das Interesse für die seelische Verfassung für uns Menschen schon immer ab Beginn da.Ja, und dann gab es eben dieses eine Ereignis Jahre später.Da war ich schon, das war 2006, also war ich schon elf Jahre in der Praxis tätigund dieses eine Ereignis hat mich dann über die unbewusste Schuld stolpern lassen.Da war ich nicht auf der Suche, sondern in meiner Verzweiflung vielleicht offengenug, um was wahrzunehmen, was nicht im Bereich meines Wissens schon zu Hause war.
Robert
00:05:53
Und was war der Moment genau jetzt in dem eigenen Leid?
Ulrich
00:05:57
Ich kann es dir gut beschreiben. Ich habe es in Bildern noch sehr genau vor mir.Das war an einem Freitag, an einem Freitag im Mai 2006.Ich war in der Praxis. Es war Mittag und auf einen Schlag war all meine Energieweg und ich habe mich furchtbar leer, würde ich sagen, gefühlt.Und ja, völlig resigniert wäre wahrscheinlich auch noch eine Beschreibung.Und ich hatte an dem Tag eh keinen persönlichen Termin mehr in der Praxis,noch ein paar Telefonate und ich habe gleich den Anrufbeantworter eingeschaltetund meine Telefonate abgesagt,saß dann da eine halbe Stunde in der Praxis, habe in die Wand gestarrt,bis ich es dann geschafft habe, meine damalige Lebensgefährtin anzurufen.Die kam vorbei, ich konnte ihr gar nicht erklären, was mit mir los ist,und dann hatte sie die Idee, komm, lass uns in die Natur gehen da geht es dirimmer am besten und das haben wir dann gemacht, sind an einem nahegelegenenkleinen Badesee gefahren, der im Wald liegt,und da lag ich dann auf einer Picknickdecke.Und war in dieser Schwere, in dieser Resignation gefangen.Und es hat eine Zeit gedauert, bisirgendetwas in mir wieder eine Art von Konstruktivität ergreifen konnte.Und ich mich angefangen habe zu fragen, was ist denn in meinem Leben eigentlichgerade los? Was geschieht denn da?Was diesen massiven Zustand herbeiführen kann? weil von nichts kommt ja nichts,es muss ja irgendeinen Ursprung geben.In der Praxis war ich schon die Telefonate und Termine des Vormittags durchgegangen,ob mich irgendwas sehr berührt hätte, irgendwas so ausgelöst hat,da habe ich nichts gefunden.Also ging es jetzt nicht mehr um nur den heutigen Tag, sondern es ging um,was passiert eigentlich in meinem Leben gerade.Und da, ja, da gab es schon ein paar Sachen. Also ich war gerade in einer Scheidungmit meinen zwei kleinen Kindern und das lief nicht optimal, ich will es malso formulieren, es war sehr belastend für mich.Dann war es so, dass ich einen Prozess am Hals hatte mit einer großen Bank undder war wirklich existenziell.Fünf Jahre vorher war mein jüngerer Bruder gestorben, der war damals 28 undim gleichen Jahr, ein paar Monate sogar noch zuvor, starb von meinem anderenBruder die dreijährige Tochter.Und so hätte es schon ein paar Themen gegeben, aber die haben sich alle anders angefühlt.Also wenn ich an die gedacht habe, dann war das nicht das gleiche Gefühl wiedas, was ich jetzt hatte.Und dann ist mir noch eingefallen, dass als ich 13 war, mein Vater gestorbenwar und da habe ich gemerkt, jetzt passt es zusammen,diese tiefe Schwingung, die von dem Ereignis damals ins Heute wirkte war sehrähnlich mit dem, was ich an diesem Tag, in diesem Moment auf der Picknickdecke empfunden habe,gut, das war ja jetzt auch schon einige Jahre her Also ich war damals auf derPicknick-Decke 36, mein Vater starb, als ich 13 war,also waren es ja dann doch schon 23 Jahre und ich dachte, es ginge mir damiteigentlich schon ganz gut.Und dann lag ich da, wusste, darum geht es jetzt irgendwie, aber mehr wusste ich auch nicht.Und weil ich gerade am Ende einer großen Hypnoseausbildung war und ich da einenSatz aufgeschnappt habe, den ich dann immer wieder angewendet habe,ist mir dieser Satz, diese Idee, diese Vorgehensweise in dem Moment wieder eingefallen.Und diese Vorgehensweise war die, dass ich einfach in mich hineinfrage,wenn ich wüsste, was jetzt zu tun wäre, was jetzt zu sagen wäre,was jetzt zu denken wäre, was wüsste ich denn dann?Und in diese Stille habe ich genauso reingelauscht. Ich habe einfach nur gehört in mich.Und dann ist ein Satz aufgestiegen aus dem Nichts und ich habe ihn während derAufstieg mitgesprochen.Und der Satz war, ich nehme die Schuld von mir, dass mein Vater gestorben ist.Und in dem Moment habe ich tatsächlich eine Erleichterung gespürt.Es war so, als würde ein Atemzug sich frei erholen.
Robert
00:10:53
Eine Spannung hat nachgelassen quasi in diesem Moment.
Ulrich
00:10:56
Ja, es war wirklich eine Lösung im Körper. Nicht dramatisch,es war einfach nur eine Erleichterung.
Robert
00:11:02
Aber körperlich wirklich, alsojetzt nicht nur mental, sondern du hast es wirklich im Körper gespürt.
Ulrich
00:11:07
Ja, es ist wirklich durch meine Muskulatur in den Schultern durchgegangen undes war einfach wie ein Loslassen.Und während ich mir selber zugehört habe,während ich diesen Satz gesprochen habe, hat mein Verstand sofort gesagt,hey, Moment, dein Vater war selber Arzt, deine Mutter ist Ärztin,die hatten laute Ärzte im Umfeld,dein Vater hatte Krebs und ist über eineinhalb Jahre gestorben,was um alles in der Welt sollst du dafür eine Schuld haben?Und der Gedanke war noch nicht fertig dann trat eine Stille ein und wieder kamein Satz aus der Tiefe ich nehme die Schuld von mir dass ich meinen Vater nicht retten konnte.Dann war das Gleiche. Erleichterung und mein Verstand hat wieder Widerspruch geübt.Und ein paar Momente später sind ganz viele schöne Bilder aufgetaucht aus meiner Kindheit,aus meiner frühen Jugendzeit, die ich mit meinem Vater, aber auch mit meinerFamilie, mit meinem Vater zusammen erlebt habe.Also mein Vater und ich waren aktiv zusammen. Wir sind Pilze suchen gegangenund Segeln gegangen und auch mal nachts mit der Taschenlampe in den Wald undwaren im Urlaub zusammen. Und lauter solche schönen Bilder kamen hoch.Dann ist dieser Strom von schönen Bildern versiegt und dann ist ein Bild aufgetaucht.Das hätte ich niemals mich erinnert, dass ich das erlebt habe,diesen Moment. Aber jetzt stand er glasklar vor mir und es war die Situationam Tag der Beerdigung meines Vaters.Der Leichnam meines Vaters war in einem offenen Sarg aufgebahrt.Wir, meine Mutter, meine zwei Brüder, ein älterer und ein jüngerer und ich standenan diesem offenen Sarg und ich war mir sicher, dass er noch atmet.Ich war mir sicher, ich habe ganz genau auf seine Brust geschaut und ich warmir sicher, der atmet noch.Und dann habe ich, so dass es keiner bemerkt, ganz vorsichtig versucht,seine Hand zu nehmen, um ihn so wach zu rütteln.Und in dem Moment, wo ich seine Hand berührt habe und diese Eiseskälte gespürthabe, die ein aufgebrater Leichnam eben hat, In dem Moment wusste ich,ich bin jetzt für immer allein ohne meinen Vater.Und als dieses Bild da auf der Picknickdecke in mir aufgestiegen war.Da kamen schreckliche Gefühle von Traurigkeit, Einsamkeit, Verlassenheit.Es war wie ein Dröhnen in mir.Und ich kann dir nicht sagen, ob das eine Minute oder zehn Minuten lang war,aber dann ist es abgeebbt, wieder vorn geflossen.Und dann war es ganz still in mir.Und dann habe ich die Augen aufgemacht und ich habe den blauen Himmel wieder gesehen.Also ich habe ihn gesehen. Und in dem Moment habe ich auch die Vögel wirklich wieder gehört.Das waren jetzt nicht mehr nur Geräusche, sondern es waren wieder Vögel.Und ich habe den Wald gerochen. Ich war wieder ganz da in diesem Moment.
Robert
00:14:35
Du hast dich mit den Sinnen geöffnet wieder.
Ulrich
00:14:39
Ja, es war vorher so, als wäre ich wie in einem Nebel, ohne es zu merken,dass ich in einem Nebel bin.Und dann war es so, als würde dieser Nebel schwinden und ich bin wieder wirklichmit dem Moment und mit diesen Dingen und überhaupt mit den Dingen in Verbindung.Ja, den restlichen Tag war ich ziemlicherschöpft, habe mich gewundert und gefragt, was das denn jetzt war.Abends habe ich Gliederschmerzen bekommen, mein Körper war ziemlich ausgelaugt,aber mental, seelisch ging es mir echt gut.Und am nächsten Tag hat sich auch der Körper ganz erholt und zwei,drei, vier Tage ist dieses Ereignis noch in mir nachgehalten.Natürlich diese seltsamen, unsinnigen Sätze, die aber was bewegt haben.Und dann ist das Ganze in einer Vergessenheit verschwunden.Dann war es einfach, naja, ich habe mich daran erinnern können,aber es hat in meinem Tag keine Rolle mehr gespielt. Das Leben ging einfach weiter.
Robert
00:15:46
Also du hast die Schuld in dir entdeckt, dass du nicht helfen konntest.Ist das eine Art einer indirekten Schuld? Weil direkt war sie ja nicht, rational gesehen.Eine indirekte, unterbewusste, versteckte, die man gar nicht,also durch Zufall, durch diese Ereignisse, diese Schicksalsschläge,die Belastung, die du hattest und die Erinnerung an den Tod deines Vaters unddie Hypnose-Weiterbildung und die Momente in der Natur.Das alles hat sich jetzt zu einem Punkt verdichtet, dass du die Erkenntnis hattestund entdeckt hast, dass die Schuld in dir ist, aber du wusstest es gar nicht.
Ulrich
00:16:34
Ja, und der Schlüsselmoment war eigentlich dieses Lauschen, wo dann aus demNichts diese Sätze aufgestiegen sind.Und ja, wie gerade beschrieben, die Sätze sind dann in mir wieder verschwunden,das Leben ging weiter und in der Praxis war ich damals recht aktiv mit EFT,das kennst du vielleicht, das ist so eine Klopftechnik, das kommt aus den USAund da klopft man Meridianpunkte und man klopft Muster ab und das hilft sehr gut,um emotionale Belastungen in Lösung zu bringen.Mit EMDR hatte ich mich da auch schon ein bisschen beschäftigt.Und das sind eigentlich Wege, wie man Menschen mit starken emotionalen Belastungengut durch einen Prozess führen kann und nachher ist die Belastung weg.Aber hin und wieder funktioniert es einfach nicht.Und ja, ein paar Wochen nach diesem Picknick-Decken-Ereignis saß ich in derPraxis, hatte mit einem Menschen einen Prozess eben mit EFT.Und es war eben eine solche Situation, wo die Emotionen einfach nicht in Lösungübergehen wollten. Die blieben hartnäckig da.Und dann fiel mir dieser erste Satzteil, dann fiel mir das Ereignis wieder einund der erste Satzteil, ich nehme die Schuld von mir.Und dann habe ich mein Gegenüber gebeten, ich sprich dir jetzt einen Satz vor,bitte sprich ihn doch einfach nach.Und dann habe ich den vorderen Satz teilgenommen und habe dahinter sein Leid formuliert.Und dann hat der das nachgesprochen und dann sind bei ihm alle Dämme gebrochendann kamen die Emotionen erstmal so richtig hoch,ließen sich aber dann mit EFT verarbeiten und nach 10 Minuten war der Spuk vorbei ihm ging es gut.Da habe ich auch wieder ein paar Tage drüber nachgedacht,Und dann ist es wieder verschwunden. Und wieder ein paar Wochen später hatteich eine sehr ähnliche Situation.Wieder saß ich mit einem lieben Mitmenschen in der Praxis. Wieder war es so,dass wir feststeckten in einem emotionalen Lösungsprozess.Diesmal sind mir die Sätze schneller eingefallen. Diesmal war mir schnellerklar, es gilt, das Leid des Bestehenden in die zweite Satzhälfte zu packen.Und dann habe ich das gemacht, es wurde nachgesprochen, es sind wieder alleDämme gebrochen und danach war Befreiung da. Und das war eigentlich der Moment.Der war also eigentlich, also gefühlt zweieinhalb, drei Monate vielleicht nachdiesem Picknick-Decken-Ereignis, dass in mir etwas angefangen hat,sich zu fragen, was passiert hier eigentlich?Ich habe jetzt dreimal erlebt, dass es irgendeiner Systematik folgt,irgendeiner Logik, die für mich völlig unlogisch ist, weil es war auch bei diesen beiden Menschen so,dass das Leid, das wir in die zweite Satzhälfte formuliert haben,definitiv keine Schuld war.Die haben da definitiv nichts falsch gemacht.Und so habe ich dann angefangen zu verstehen, hier passiert was anderes.Und dann begann der aktive Part, dass ich Zettel in meinen Schreibtisch gelegthabe, gezielt mit Patienten in diese Richtung gesprochen habe,mir alles, was mir irgendwie sinnvoll dazu schien, aufgeschrieben habe.Und was ich ja immer schon gemacht habe, ich bin mit solchen Fragen in die Berge gegangen,so längere Touren, sechs, acht Stunden und habe das einfach in mir reflektiertund dann wieder nicht reflektiert und oft hat es mir geholfen,einfach mehr Klarheit zu kriegen.Und so hat sich dann mit vielen Bergtouren und vielen Ereignissen etwas rausstrukturiert,was ich dann unbewusste Schuld genannt habe. Und du hast es ja schon angeschnitten,es geht nicht darum, dass wir was falsch gemacht haben.Das ist ja eigentlich das Wesen unseres Schuldbegriffes.Also Schuld hat man ja, wenn man irgendetwas, was in einer anderen Weise geregelt ist,nicht so wie geregelt abhandelt, sondern diese Regel bricht oder dieses Gesetz bricht.Aber bei unbewusster Schuld, da geht es nicht um den Bruch von Gesetzen.
Robert
00:21:19
Gesetze oder gesellschaftliche Normen, die normal da sind und die man auch brechen kann.Da macht man sich schuldig, zumBeispiel man verursacht irgendeinen Fahrradunfall oder sowas ähnliches.Man tut einem weh und das ist eine explizite Schuld, richtig?
Ulrich
00:21:43
Ja, ganz genau. Und für mich hat sich so abgedeckt oder rausgeklärt mit meinemDrüber-Nachdenken, dass wir eigentlichdrei Bereiche haben, in denen wir klassischerweise Schuld erleben.Der eine Bereich ist der religiös-spirituelle Bereich. Also ich formuliere esmal so, Schuld gegenüber Gott.Und dieses G von Gott, das tausche ich lieber aus, den Begriff Gott, und sage, mein Großes.Und ob mein Großes ein Gott ist, oder zum Beispiel der Buddhismus,der ja göttliche Regeln hat, aber keinen Gott.Oder andere große Regeln, kosmische Regeln, karmische Regeln, ethische Regeln,das spielt dann für mich gar keine Rolle mehr, sondern es geht darum,dass es mich gibt und da gibt es mein Großes und zwischen mir und meinem Großengibt es je nach Mensch eben ganz klar definierte Regeln vielleicht,vielleicht so wie die 10 Gebote oder es gibt ganz ganz.Oder Haltelinien oder sowas. Das zweite Bereich,den ich als allgemeine Schuld, so nenne ich das ganz gerne, für mich verstandenhabe, war eine Schuld gegenüber dem juristischen Bereich, so habe es ich für mich getauft.Und damit meine ich alle Gesetze, die es in der Gesellschaft gibt, also Schulden.Das, was im bürgerlichen Gesetzbuch steht und das, was im Strafgesetzbuch stehtund das, was in der Straßenverkehrsordnung steht und das, was uns das Finanzamtvorgibt, da gibt es ja genug Gesetze.Und ja, da ist klar definiert, in diesen weltlichen Gesetzen könnte man sieauch nennen, was denn hier jetzt richtiges Handeln ist oder falsches Handeln ist.Der dritte Bereich, den ich für mich definiert habe oder so verstanden habe,ist weder ein Bereich mit göttlichen Regeln noch ein Bereich mit juristischenRegeln, sondern ich habe für mich da den Begriff des emotionalen,sozialen Umfeldes gefunden.Und damit meine ich alle Menschen, zu denen ich eine fühlende soziale Beziehung habe.Und das sind natürlich die Familie, die Verwandten, die Nachbarn,vielleicht auch die Schulfreunde, vielleicht die Arbeitskollegen oder die aus dem Sportverein.Und zu jedem dieser Menschen habe ich eine gewisse Verbindung,die auch davon lebt, dass es Normen,Verhaltensweisen, Gebräuche, Gepflogenheiten gibt.Und so ist für mich dieser dritte Bereich, das emotionale, soziale Umfeld, ein Bereich,in dem die Verletzung dieser Gesetze in Anführungszeichen stattfindet,indem ich mich in diesem Kontext, in dem ich gerade bin,daneben bis sehr daneben benehme.
Robert
00:24:52
Durch meine Taten. Also der gemeinsame Nenas ist eine explizite Tat in diesendrei Bereichen, sowohl religiös, sozial als auch juristisch.
Ulrich
00:25:02
Ja, genau. Oder durch Unterlassen einer Tat. Also wenn ich jemanden am Straßenrandliegen sehe und ihm steht der Arm in einem komischen Winkel weg,dann ist ja die Unterlassung der Tat, der Hilfe auch schon nicht richtig.Wahrscheinlich religiös wie auch juristisch, wie auch von den Umgangsformen wahrscheinlich.Also es geht auf jeden Fall darum, es ist etwas definiert und das verletze ich.Also zum Beispiel läster ich einem Gott oder ich, da gibt es ja verschiedeneMöglichkeiten, also je nach Religion, der eine sollte besser keine Kuh essen,der nächste kein Schwein und, und, und, und. Das hört ja nicht mehr auf.Und im juristischen Bereich, da gibt es halt so Sachen, wie dass ich schon korrektSteuern zahlen sollte und am besten auch niemand verletzen oder gar töten.Öl wechseln im Wald ist auch nicht so willkommen.Und im emotional-sozialen Umfeldbereich, da ist das alles nicht so ganz klar geregelt.Aber du kannst dir vielleicht vorstellen, dass wenn du deinen besten Freundtriffst oder deine Partnerin, dass du die völlig anders begrüßt wie den Pfarrer, den Chef, den Polizist.Und wenn hier die Dinge vertauscht werden,wenn du den Kontext hier sehr verletzt, also wenn du eine hohe Würdenpersonso begrüßt wie deinen besten Freund, dann ist es im Sinne der Gepflogenheiten,Gebräuche und so weiter eine Verletzung, eine Schuld.Diese drei Bereiche bezeichne ich als allgemeine Schuld oder auch kausale Schuldoder auch lineare Schuld.Man kann immer sagen, wenn das so ist und ich mache es so, dann ist es entweder richtig oder falsch.Und die unbewusste Schuld, die spielt nicht auf dieser Ebene,die hat eine andere Mechanik.Wollen wir uns ein Beispiel suchen?
Robert
00:27:09
Ja, auf jeden Fall, weil ich überlege jetzt, dass die allgemeine oder kausaleSchuld, die durch Taten oder das Unterlassen auf mich bringen kann,ist auch einfacher zu erkennen.Und auch, man kann hier Buße tun, man kann hier jemandem Geld irgendwie bezahlenoder was auch immer, um diese Schuld von sich zu nehmen, weil sie ist ja explizit sichtbar.Ich habe jetzt einen Unfall verursacht, sage ich, tut mir leid,hier sind genau 1000 Euro, ein neues Fahrrad, ist geklärt.
Ulrich
00:27:46
Ja, ganz genau. Hier gibt es eine spezifische Zuordnung, die sich eben beurteilenlässt von so habe ich es gemacht, so hätte ich es machen sollen,da habe ich es falsch gemacht.Und dann ist es genau so, wie du es formulierst, die Wiedergutmachung wird immerin dieser Sphäre ausgeübt.Also wenn du irgendwie dich religiös daneben verhalten haben solltest,ja, dann ist es eben im religiösen Kontext wieder zu klären.Dann braucht es vielleicht Gebet oder Buße oder Opfer tun, je nachdem,in welchem kulturell-religiösen Kontext man sich befindet.Und wenn es eine juristische Schuld ist, dann wird dir ja auch gesagt,was zu tun ist, vom Richter vielleicht,der daneben sagt, du musst jetzt mal da Tagessätze zahlen oder Schadensersatzoder wir hätten da ein warmes Zimmerchen für dich für acht Wochen hinter Gittern zum Beispiel.Und im emotionalen Kontext, im sozialemotionalen Kontext, da geht es halt darum,dass wir Einsicht haben, dass wir erkennen, wow, das war jetzt nicht richtig,dass wir es bereuen, dass wir uns entschuldigen und dass wir Buße tun.Das Wort hast du ja auch schon benutzt und Buße tun heißt nichts anderes,wie sein Verhalten zu verändern.
Robert
00:29:03
Und auch der Gesellschaft zeigen, dass man die Schuld akzeptiert hat und dassman das wiedergutmachen will und gleichzeitig durch die Wiedergutmachung einevielleicht implizite Form des Versprechen,in der Zukunft werde ich das unterlassen.So kann man das glaube ich sehen, oder?
Ulrich
00:29:24
Also ich glaube, für mich ist es so, dass Reue, eine tatsächliche Reue,das tiefste Schuld ein Bekenntnis ist.Also wenn ein Jugendlicher auf dem Volksfest ein paar Maskrüge mitnimmt,weil es alle tun und er sagt, hey, ich habe doch fürs Bier gezahlt und die stehenja da alle rum und jetzt stehen sie immer daheim im Regal, ist doch in Ordnung.Und wenn dem dann der Richter sagt, hey, du mein Lieber, das gehört vielleichtschon jemand anders und er erkennt es, er sagt, um Gottes Willen,das habe ich ja so gar nicht in dem Moment verstanden, aber jetzt,wo ich es mir noch mal genauer anschaue,ich würde niemals einem Freund von mir drei Mastkrüge mit nach Hause nehmen,ohne ihn zu fragen ohne Erlaubnis.Es ist Einsicht geschehen, es ist Reue geschehen und Reue ist das stärkste Indizdafür, dass die Tat nicht wiederholt wird.
Robert
00:30:28
Ja, und in diesem Fall der allgemeinen Schuld ist es nicht dann auch noch einfacher,weil man hat ja so ein Framework um sich.Man hat die Polizei, man hat das soziale Umfeld und religiöse,geistige und so weiter, die einen da anleiten, die einem vielleicht auch helfen,das wieder gut zu machen.Und wenn es einmal wieder gut gemacht ist, dann ist das Thema durch und manmuss jetzt nicht 10, 20 Jahre grübeln, weil es ist ja anders,es ist einfacher in diesem Sinne. Habe ich das richtig verstanden?
Ulrich
00:31:14
Ich würde es auch sagen. Da gibt es klare Erwartungen, da gibt es klare Formen, da gibt es klare Wege.Und wenn die eben entsprechend abgearbeitet, durchgeführt, geschehen sind,dann ist meine Schuld abgetragen und dann ist das Geschichte.
Robert
00:31:33
Es gibt dann aber noch die heimtückische Form der Schuld, die unbewusste Schuld.Wieso ist die so viel schwieriger zu erkennen und auch wieder gut zu machen?Und wieso ist sie überhaupt so stark, dass sie uns jahrzehntelang belasten kann?
Ulrich
00:31:51
Lass uns mal beschreiben, wie sie zustande kommt. Und da frage ich jetzt dichpersönlich und wenn du nicht möchtest, dann sagst, dann erfinde ich ein Beispieloder erinnere mich an eins.Fällt dir gerade jemand ein aus deinem Umfeld, der dir wichtiger,nahe Mensch ist, dem es mit irgendetwas gerade wirklich schlecht geht.Und du musst jetzt erfinden, Vornamen, du musst ja nicht den Namen nennen,der es wirklich ist. Gibt es jemand?
Robert
00:32:19
Ja, würde ich sagen.
Ulrich
00:32:22
Okay, dann erfinden wir einen Vornamen. Ist es ein Mann oder Frau?
Robert
00:32:25
Ja, Klaus, sagen wir.
Ulrich
00:32:27
Sagen wir Klaus. Was ist das Leid von Klaus?
Robert
00:32:34
Klaus hat Schwierigkeiten, Arbeit zu finden. Es geht ihm schlecht.Allgemein auch dadurch, dass er keine Arbeit findet. Das belastet ihn sehr.Er war früher erfolgreich.Jetzt neigt er sich auch teilweise dem Alkoholismus und ich weiß nicht, wie ich helfen kann.Okay, er lässt sich auch gar nicht helfen.
Ulrich
00:33:03
Also Klaus steckt in einer beruflichen Krise, die sich zur Lebenskrise ausgeweitet hat?
Robert
00:33:08
Ja, genau. Und Identitätskrise sogar auch, weil das geht ja noch weiter.Man fragt sich, wer bin ich denn jetzt überhaupt, wenn ich nicht mehr in derLage bin, selbst Geld zu verdienen und mich weiterzuentwickeln?Was ist mit mir denn passiert?
Ulrich
00:33:25
Okay. Robert, würdest du sagen, dass in deinem Glauben, Und da frage ich jetztnicht, welche Religion du angehörig bist. Ich frage einfach nur in deinem Glauben.Würdest du sagen, dass es in deinem Glauben eine hohe ethische Regel oder einkosmisches, karmisches Gesetz oder ein Gottesurteil gäbe über dich, dass du, Robert,dem Klaus nicht aus dieser Not helfen kannst?Gibt es da einen Gott, der sagt, mein lieber Robert, du hast zwar nichts zutun, Und du hast ihm nicht die Arbeit gekündigt, aber du bist trotzdem schuld. Was meinst du?
Robert
00:34:01
Nee, das glaube ich nicht. Also ich bin katholisch und allgemein heißt es ja,helfe deinen Nächsten und so weiter.Aber seine komplexe Situation ist dadurch entstanden, dass er in der Vergangenheitvielleicht einige Entscheidungen getroffen hat, wo ich ihn noch gar nicht kannte zu dieser Zeit. auch.Aber trotzdem sehe ich dann leid.Obwohl ich schon einigen Menschen, glaube ich, schon ein bisschen geholfen habeund manchmal mich so fühle, als würde ich über ein Labyrinth stehen,wo er noch den Weg sucht. Weißt du, was ich meine?Ich sehe ihn von oben und sage, geh doch rechts, da ist doch der Ausgang.Und er sagt, nee, nee, das ist kein Ausgang.Ich gehe jetzt, zack, geradeaus. Das ist richtig. Und da entsteht ein Gefühl der Ohnmacht.Also ich weiß nicht, wie ich ihm helfen soll und in mir auch vielleicht eine Spannung dadurch.
Ulrich
00:35:03
Also, du beschreibst, wir kommen nachher und schließen diesen Bogen,weil du es genau beschreibst schon.Lass uns der Reihenfolge unserer allgemeinen Schuld folgen.Also wir können sagen mit Bestimmtheit, es gibt keinen Gott,keinen katholischen, der sagt, mein lieber Robert,dein lieber Klaus Freund hat Entscheidungen getroffen, bevor du ihn überhauptschon kanntest, aber trotzdem bist du schuld. Also so einen Gott gibt es nicht.Von der Ebene der göttlichen Schuld, der spirituellen Schuld,kann man nur sagen, Robert, er kann nichts dafür, freigesprochen.
Robert
00:35:37
Richtig.
Ulrich
00:35:38
Okay. Würde sich denn ein Staatsanwalt finden oder ein Richter,der für diesen Vorgang, den du beschrieben hast mit Klaus und dir,irgendein Gesetz finden würde, mit dem man dich anklagen oder verurteilen könnte?Hast du juristisch was falsch gemacht?
Robert
00:35:56
Nein, auf gar keinen Fall. Also ich habe ihn auf gar keine Art und Weise geschadet, explizit.
Ulrich
00:36:05
Also vollkommener Freispruch.
Robert
00:36:08
Absolut.
Ulrich
00:36:09
Absolut. Und lass uns den dritten Bereich der allgemeinen Schuld betrachten.Hast du dich vielleicht mal so ihm gegenüber daneben benommen,so die Umgangsformen verletzt, so die Gebräuche und Gepflogenheiten,dass ihn das, sogar vielleicht schon bevor du ihn kanntest,in eine solche Krise gestürzt hat, dass er jetzt da ist, wo er ist?
Robert
00:36:31
Nein, auf gar keinen Fall. Auf gar keinen Fall. Auch wenn ich ihn früher gekannt hätte,bin ich nicht der Typ von Mensch, der massiv soziale Regeln bricht und sichsehr auffällig negativ gegenüber anderen und vor allem hilfsbedürftigen Personenäußert deswegen auf gar keinen Fall.
Ulrich
00:36:52
Also können wir sagen, dreimal unschuldig.Göttlich, unschuldig, juristisch, unschuldig und auch im emotional-sozialenUmfeldbereich unschuldig.Okay, eindeutige Sache.Du hast Mitgefühl. Du fühlst mit ihm. Du bist in fühlender Verbindung zu ihm und seinem Leid.Und was wollen wir Menschen immer, wenn wir mit jemandem fühlen,besonders wenn er uns nahe steht, dem es schlecht geht? Was wollen wir?
Robert
00:37:26
Ja, wir wollen auf jeden Fall, dass es ihnen gut geht, dass es ihnen bessergeht. und man will auch helfen, weil ich habe ein Gefühl, dass es einfach wäre, das Problem zu lösen.Aber wenn es einfach wäre, dann wäre es schon längst gelöst. Das ist das Problem.Aber ich fühle mich trotzdem in der Situation, dass ich anleiten könnte.Du dies, du jenes und dann wirst du nach ein paar Monaten wieder weitermachen wie vorher.Aber das funktioniert halt nicht und trotzdem dadurch entsteht die innere Entspannung.
Ulrich
00:38:00
Also, und du hast vorhin so ein Stichwort genannt, du willst ihm helfen.Und das ist das, was passiert, wenn wir Leid wahrnehmen, dann ist unser menschlicher,natürlicher Instinkt, zu helfen, zu heilen, zu retten, zu lindern, zu trösten.Wir wollen, dass dieses Leid verschwindet.Und wenn wir das nicht schaffen, wenn uns das nicht gelingt,so wie es dir mit Klaus gerade nicht gelingt, dann können wir uns dafür ganzsubtil schuldig fühlen.Nicht im Sinne von, ich habe was falsch gemacht, sondern die unbewusste Schuldist eher wie ein nicht eingelöstes Mitgefühl.Und dadurch, dass dein Verstand dir zu Recht gleich sagt, und du hast es jaschön argumentiert, hey, ich habe aber nichts falsch gemacht,weder hier, da noch dort,bleibt der Wunsch deines Mitgefühls, ich sag es mal, deines Herzens bestehen,dass es Klaus doch wieder gut gehen soll.Und da es nicht gelingt, da das Leid, ungeheiltes Leid ist die Grundlage fürdie Entstehung von unbewusster Schuld.Ja, und jetzt schlummert in uns etwas, das sagt, ich hätte doch sollen,ich hätte doch wollen, aber ich habe nicht können.Richtig. Und sobald wir in diesen Bereich gehen, kommt sofort der Verstand undsagt, ja, aber du hast nichts falsch gemacht, was hättest du denn tun sollen?Und dann, das macht die unbewusste Schuld noch unbewusster.
Robert
00:39:41
Weil ich es verdrehe oder versuche, das intellektuell zu erklären?
Ulrich
00:39:50
Heißt das dann, das ist ja das, was dauernd geschieht.Also das ist ja, wie soll ich sagen, in verschiedenen Rangehensweisen und inunserer ganzen Gesellschaft ist das ja der Mechanismus, es uns weg erklären.Aber, das hast du bestimmt auch schon versucht, oder?Hast du dir nicht auch schon mal gesagt, hey, seine Fehler waren vorher under könnte jetzt, er hört ja nicht.Was soll ich machen? Also du hast es dir sicher schon wegerklärt. Hat es geholfen?
Robert
00:40:22
Nein. Also die Emotionen sind stärker.Also das Unterbewusste, ich habe ein Gefühl, als würde das Unterbewusste eineigenes Programm am Laufen haben, wo ich mit dem Bewussten gar nicht rankomme an die Ausführungen.
Ulrich
00:40:37
So ist es. Das hat zwei Gründe.Zum einen, weil das Unterbewusste einfach viel größer und mächtiger ist.Also unser Verstand ist wirklich nur eine Nussschale auf dem Ozean verglichenmit unserem Unbewussten.Und zum anderen ist es so, dass die Regeln des Verstandes andere Regeln sind,wie die, ich weiß gar nicht, ob es eine Regel gibt im Unbewussten,wie die Millionen Regeln wahrscheinlich im Unbewussten.Und weißt du, ich hatte ja mit einer Praxis mit Leuten zu tun,die haben fünf Jahre Psychoanalyse gemacht und die kamen zu mir und haben gesagtHerr Kohler, ich bin top aufgestellt ich weiß alles, alles gut es gibt nur noch ein Thema,Und dann haben wir an diesem einen Thema gearbeitet und es hat keine 30 Minutengedauert. Dann saß ein Mensch in Tränen vor mir.Und dann hat er verstanden, ich habe alles.Und dann dauert es noch zwei Sitzungen. Und er sagt, wow, jetzt passiert hier ja richtig was.Ich wusste nicht, dass das alles noch da ist. Ich dachte, es wäre gelöst.Aber jetzt ist es gelöst.
Robert
00:41:45
Ja, also das wurde quasi unter den Teppich gefegt.
Ulrich
00:41:50
Ja, das ist so ein Bild. und das will ich jetzt nicht despektierlich verwenden,aber ja, so kommt es mir auch vor. Es wurde halt irgendwie weg erklärt.So auf andere Erklärungen geschoben, weil die Mutter und weil bla bla bla.Ja, Kern ist, da ist ein Leid, wir fühlen mit, wir wollen helfen.Ich habe da ein ganz drastisches Beispiel. Stell dir mal vor,du stehst auf der einen Seite von einem Fluss und der Fluss ist breit,tief und reißend es gibt weit und breit keine Brücke,und da drin sind auch noch Krokodile und Pyranjas und auf der anderen Seitedes Flusses geschieht irgendwas Schlimmes,nehmen wir doch gleich mal was, was uns Menschen immer sehr bewegt stell dirvor, auf der anderen Seite des Flusses wäre ein Kind des Schutzloses dem was angetan wird.Die gesamte Faktenlage sagt, du kannst nichts machen.Du könntest dich in den Fluss schmeißen, in guter Absicht, und spätestens abder Mitte wärst du Krokodilfutter.Kein Gott würde sagen, Robert, ich erwarte von dir, dass du dich in den Fluss schmeißt.Kein Richter würde sagen, das hättest du tun müssen. Und deine Freunde,deine Eltern, deine Geschwister würden auch nicht sagen, du,Robert, also ich hätte jetzt schon erwartet, dass du... Es ist eindeutig.Aber hilft dir diese Eindeutigkeit, dass dir das Kind und sein Leid auf deranderen Seite gleichgültig wird?
Robert
00:43:21
Nee, gar nicht. Ich habe das Gefühl, dass man mit dem Unterbewussten eine andere Sprache sprechen muss.
Ulrich
00:43:27
Ja, ja, so ist es. So ist es. Und durch sowas entsteht unbewusste Schuld.Und ja, da war eine unbewusste Schuld, dass mein Vater gestorben ist.Meinem Vater ging es so schlecht, dass er gestorben ist und ich als 13-Jährigerkonnte ihn nicht retten. Das war der zweite Satz.Und nach allen Betrachtungen hatte ich nichts falsch gemacht,aber hätte ich ihn nicht trotzdem retten wollen?Doch. Und das konnte ich nicht. Und dafür habe ich mir eine unbewusste Schuldselbst auf mich geladen, ohne es zu merken.Okay, jetzt haben wir diese unbewusste Schuld. Aber wie wirkt sie sich eigentlich aus?Ich meine, ich kann ja was haben, was einfach da ist und nichts macht.
Robert
00:44:17
Körperlich und psychisch meinst du jetzt, welche Folgen sie hat,die wir beobachten können.
Ulrich
00:44:22
Und da möchte ich dir mein Verständnis davon näher bringen, warum die unbewussteSchuld so eine unglaubliche Durchschlagskraft hat und wirklich jeden Lebensbereichvon uns massiv beeinflussen kann.Also, schauen wir mal ein Stück in unsere Entwicklungsgeschichte zurück.Ich nenne jetzt einfach mal eine Hausnummer, zwei Millionen Jahre.Vor zwei Millionen Jahren haben deine Vorfahren und meine Vorfahren in kleinen Stämmen gelebt.Also in so Gruppen nimmt man an, die waren so 80 bis 120 Personen stark.Das waren einfach ein paar Familien oder Großfamilien oder Sippen.Und egal wo dieser Stamm auf diesem Planeten zu Hause war, es war um ihn rumimmer irgendeine Art von Wildnis.Ob das jetzt Savanne war oder Steppe oder Wüste oder mitteleuropäischer Urwaldoder äquatorialer Urwald, es war immer irgendeine Art von Wildnis.Und die hat sich dadurch ausgezeichnet, dass es für gewöhnlich einen Nahrungsmangelgab und echte Bedrohungen.Also vielleicht andere Stämme, große Tiere, irgendwelche Großkatzen,Schlangen und was es alles da so gibt.
Robert
00:45:42
Man konnte nur in der Gruppe überleben.
Ulrich
00:45:45
Der Stamm ist meine absolute Überlebensgemeinschaft. Da habe ich zwar auch keineGarantie, dass ich überlebe, aber wenn ich nicht mehr im Stamm bin,dann habe ich eine ziemliche Garantie, dass ich es nur noch ganz kurz schaffe.Und jetzt stell dir mal vor, du lebst da in diesem Stamm und jetzt hättest dumassivst eine Götterregel gebrochen.Also damals gab es ja noch keinen Monotheismus, da gab es, wenn dann noch viele Götter.Stell dir vor, du hättest die Regeln der Götter gebrochen in schwieriger Weise,in massiver Weise. Was hätte da passieren können?
Robert
00:46:20
Ja, ja.
Ulrich
00:46:22
Dass der Stamm sagt, mein lieber Robert, mit dir ist es schön,noch viel schöner ist es ohne dich. So ein Bidicht brauchen wir ja nicht.Und das gleiche wäre natürlich gewesen, wenn du massiv die Stammesgesetze gebrochenhättest oder dich sozial unglaublich daneben benommen hättest.Das heißt, eine intensiv genüge Schuld hat als schlimme Konsequenz,dass du die Zugehörigkeit zu dem Stamm verlierst,allein in der Wildnis bist und da dem rechtssicheren Tod entgegenschaust.Aber es hat sich auch ein Mechanismus entwickelt, der mir helfen kann,dass ich vielleicht doch nicht rausfliege oder wenn ich schon rausgeflogen bin,dass ich wieder zurückkehren kann.Und dieser Mechanismus, den hast du vorhin schon angesprochen,der heißt Wiedergutmachung.
Robert
00:47:23
Also die Individuen, die dieses Mechanismus nicht ausgebildet haben,die sind einfach nicht weiter in den Genpool gekommen, weil die einfach dannausgestoßen wurden und einfach gestorben sind.Und wir sind die Nachfahren von wahrscheinlich diesen, die eine Prädisposition dafür hatten, oder?
Ulrich
00:47:44
Also wir sind auf jeden Fall die Nachkommen von sehr guten Wiedergutmachern.
Robert
00:47:48
Ja, deswegen ist das wahrscheinlich so tief in uns verwurzelt und so stark.
Ulrich
00:47:53
Also du kannst doch kurz mal rechnen, wenn eine Generation, sagen wir 20 Jahredamals war, dann sind 100 Jahre 5, dann sind 1000 Jahre 50,dann sind 10.000 Jahre 500, dann sind 100.000 Jahre 5000,dann sind eine Million Jahre 50.000.Oder verrechne ich mich irgendwo?Also viele, viele, viele Generationen. Und das ja auch nicht.Also vor 12.000 Jahren haben wir mit dem Ackerbau angefangen.Vorher sind wir auch noch in Nomadenverbindungen rumgezogen.Und in so einem Nomadenstamm, da waren wir jetzt auch nicht 5.000 Leute,sondern da waren wir auch eine kleine Gruppe.Also die längste Zeit unserer Entwicklungsgeschichte, wirklich die allerlängste,waren wir Teil eines Stammes als Überlebensgemeinschaft und da draußen war die Wildnis.Und für mich ist das eine ganz tiefe systemische Programmierung.Das ist eine völlige Überlebensebene.
Robert
00:48:57
Ja, deswegen ist es halt so stark.Deswegen können wir uns das, glaube ich, gar nicht wegrationalisieren,weil der Geist, der Körper setzt da eine absolute Priorität. Kann man das so sehen?
Ulrich
00:49:11
Und die setzt er auch, auch wenn ich überhaupt nicht das Geringste davon mitkriege.Das interessiert das Unterbewusste nicht.Das Unterbewusste hat ja ganz viele Überlebensfunktionen.Also einen Teil des Unterbewussten könnte man als das autonome Nervensystem,das ist sozusagen ein körperlicher Arm des Unterbewussten, der ständig dafürsorgt, dass dein Blutdrück in Ordnung ist, deine Körpertemperatur,der Blutzucker, deine Atmung und so weiter, Das sind völlig unbewusst autonom laufende Dinge.Und alle Dinge, die für das Überleben relevant sind, hat das Unterbewusstseinauf seinem Scanner und schaut, hey, ist hier eine Gefährdung, muss ich was tun?Und auch so wie du es vorher schon eingebracht hast, die Individuen,die ein Unterbewusstsein hatten, das nicht darauf geschaut hat,die sind inzwischen Katzenfutter geworden oder Kompost also wir sind die Nachkommenvon denen, die ein hochentwickeltes Unterbewusstsein mit Überlebensfunktion haben.Und wenn Schuld zum Ausschluss führen kann und zu meinem Tod,dann ist das natürlich ein Thema das kann das Unterbewusstsein nicht ignorieren,Ich bin der tiefen Überzeugung, dass sich die Mechanik der Schuld,des Ausschlusses und der Wiedergutmachung als Zugehörigkeitsmöglichkeit sichtief eingegraben hat in unser Unbewusstes.Und letztendlich ist es ja auch heute noch so, also wenn ich mich im Freundeskreisnur genug daneben benehme, was passiert?Die schließen mich aus. Was passiert, wenn ich mich in meinem Arbeitsumfeld genug daneben benehme?Die schließen mich auch aus. Was passiert, wenn ich mich juristisch genug daneben benehme?Da werde ich eingeschlossen, was einem Ausschluss gleicht.Da sind zwar keine wilden Tiere, aber ich bin trotzdem nicht mehr in Verbindungmit den anderen. Ich bin getrennt von meinem Stamm.
Robert
00:51:23
Heute haben sich die Bedingungen geändert. Heute ist es nicht mehr lebensbedrohlich.Es ist vielleicht nicht angenehm, aus einer Gruppe von Freunden ausgeschlossenzu werden. Aber das ist nicht existenziell bedrohlich. Also ich lebe weiter.Aber trotzdem sind die uralten Mechanismen ja in uns, weil wir in der Zivilisation,in der wir heute leben, ja perspektivisch gesehen, in einem Zeitraum von zwei Millionen Jahren,eine relativ kurze Zeit leben.Und das hat sich ja gar nicht mitentwickelt, weil es ja so tief verankert ist.
Ulrich
00:52:02
Obwohl wir heute nicht verhungern, sondern zum Edeka oder sonst wohin gehen.Und wenn ich aus dem Edeka rauskomme, sind da auch keine Löwen.Und da erfriere ich auch nicht unbedingt, weil zu Hause habe ich wahrscheinlicheinen Heizkörper oder eine Fußbodenheizung.Ist es dennoch so, dass unsere Software unbedingt die Zugehörigkeit brauchtund will? Man weiß es ja auch, dass Menschen in Depressionen ganz häufig ineinem Zustand der Isolation oder der Teilisolation sind.Also unser Wohlbefinden hängt wahnsinnig stark davon ab, wie gut wir in eineGemeinschaft integriert sind.Und Wohlbefinden nimmt drastisch ab, wenn wir aus Schluss nicht Zugehörigkeit,nicht Teilnahme erfahren.Also ich möchte das, was du sagst, völlig unterstreichen, obwohl wir heute nichtmehr in der Wildnis umkommen, ist diese lange eingeprägte Erfahrung dahingehendwirkend gewesen, dass es in uns halt,ich sag's mal, diese Software, diese Mechanik gibt.Und jetzt lass mich dir noch näher bringen, was der nächste Schritt ist,um zu verstehen, wie verheerend unbewusste Schuld wirkt.
Robert
00:53:14
Ja, bitte.
Ulrich
00:53:16
Jetzt stell dir mal vor, ich kenne jemanden, der heißt Robert und der hat einenFreund, der Klaus, und der Robert kann diesem Freund nicht helfen.Und jetzt ist es wahrscheinlich geschehen, dass der Robert sich eine unbewussteSchuld dafür selber gegeben hat.Und jetzt erlebt das Unbewusste sich als schuldig.Und Schuld hieß über viele, viele Generationen hinweg die Gefahr des Ausschlusses.Also ist es durchaus anzunehmen, dass dieser Robert in seinem Unbewussten,das kriegt er gar nicht mit, in einem Zustand der Gefährdung des Ausschlusses lebt.Hätte der Robert diese Schuld bewusst, dann wüsste er, er muss Wiedergutmachungleisten, um diese Schuld zu überwinden, um dazuzugehören.Da er das aber nicht mitbekommt, weil diese unbewusste Schuld eben unbewusstist, übernimmt diese Aufgabe das Unbewusste vom Robert.Das Unbewusste vom Robert kopiert den Überlebensmechanismus der Wiedergutmachungund führt jetzt unbewusste Wiedergutmachungsprozesse aus.Von denen der Robert höchstens die Auswirkungen mitbekommt, aber nicht das Geschehen an sich.Und als ich diesen Mechanismus verstanden habe,da habe ich viele Monate darauf verwendet, mit jedem meinem Gegenüber,weil ich der Auffassung war, wenn es sozusagen allgemein gültige Vorgehensweisen,Mechaniken, Gesetze sind, dann muss man die eigentlich auch bei jedem finden.Und ich habe mir Zettel in meinen damaligen Schreibtisch gelegt.Das war so einer, der hatte eine Schublade da unmittelbar vor der Brust odervor dem Bauch und rechts und links so einen Turm runter.Und dann habe ich mir da in die verschiedenen Schubladen Zettel gelegt mit verschiedenenÜberschriften und habe dann immer die Dinge, die dazugehören, notiert.Und es hat ein paar Monate gedauert, bis ich erkannt habe, dass es vier Mechanismender unbewussten Wiedergutmachung gibt.Und letztendlich habe ichin den vielen Jahren keinen fünften gefunden wasich aber schon am Anfang gesehen habe und was ich auch weiter bestätigt hatist dass nicht ein einzelner Mechanismus isoliert vorliegt sondern dass es meistensirgendwelche Mischformen sind der erste ja und die auch fließend ineinander übergehen,Der erste Mechanismus, den ich gefunden habe, der war, wenn ich es mal so formulieren darf,wenn ich darin schuld bin, dass mein Mitmensch leidet, dass er leidet unterTraurigkeit, Verlassenheit, Kummer, Einsamkeit, Resignation,dann ist es doch nur okay, dass ich auch Traurigkeit erlebe,auch Resignation, auch Verlassenheit.Wie kann es mir denn gut gehen, wenn es meinem Mitmenschen in der Hinsicht schlechtgeht und ich ihm nicht helfen kann?Und dann wird das Unbewusste festhalten an belastenden Emotionen zu einer Überlebensstrategie.Das heißt, das Unbewusste lässt es uns gar nicht so gut gehen, wie es uns gehen könnte,weil es der Überzeugung ist, dass sich selber in Leid erleben ist eine Formder Wiedergutmachung, dem anderen in seinem Leid nicht geholfen haben zu können.
Robert
00:56:54
Weil es wieder dasselbe Bereich ist, wie du früher meintest.Religiöse Schuld muss man im religiösen Bereich wiedergutmachen.Und hier Traurigkeit, deswegen halte ich an der Traurigkeit fest und erlaubemir selbst gar nicht, glücklich zu sein.
Ulrich
00:57:09
Ja, da gibt es sozusagen wieder diese gewisse spezifische Zuordnung der Wiedergutmachung.Der zweite Mechanismus, den ich erkannt habe, wenn ich daran schuld bin,dass es meinem Mitmenschen nichtgut geht, Dann ist es doch vollkommen in Ordnung, dass ich mich bemühe,dass ich leiste, dass ich pflichtbewusst bin, dass ich verantwortlich mich fühle,mich um ihn oder es oder das oder etwas wie eine große Aufgabe zu kümmern.Und meine eigenen Wünsche, Hoffnungen, Bedürfnisse und Ziele nach und nach ausdem Fokus meiner Aufmerksamkeit verliere.Und dann ist das übermäßige Pflichtbewusstsein und das Hinternlassen der eigenenBedürfnisse, Wünsche und Hoffnungen eine Überlebensstrategie geworden.In diesem Sinne fragt das Unbewusste nicht, hey, mein lieber Robert,geht es dir auch gut? sondern das Unbewusste sagt, Robert, mach das,es hilft uns zu überleben.Was du gerade möchtest, ist nicht so wichtig, überleben ist wichtiger.Der dritte Mechanismus, wenn es jemandem etwas mangelt, wenn es ihm fehlt,an Zugehörigkeit vielleicht,an sozialer Anbindung, an Wärme, an Nahrung, an Gesundheit, an Geborgenheit,dann ist es doch nur okay, dass ich mir das, was ich nicht geben konnte,selbst unbewusst vorenthalte.Und so suche ich mir Lebenssituationen, völlig unbewusst, die mich erleben lassen,dass ich in einem Mangel bin.Weil wie kann ich in Fülle sein, wenn mein Mitmensch Mangel hatte und ich ihmnicht aus diesem Mangel helfen konnte?Und jetzt ist die unbewusste Ablehnung von Dingen, die mir wichtig sind,dieser unbewusste Sabotageakt eine Überlebensstrategie für das Unbewusste geworden.Und der vierte Mechanismus, der sich dann gezeigt hat, der hat eine gewisse allgemeine Tendenz.Wenn ich nicht dafür sorgen konnte, dass es dem anderen gut geht,dann ist es doch völlig in Ordnung, dass ich mich bestrafe.Dann habe ich halt Migräne, dann habe ich halt depressive Phasen.Dann habe ich halt eine Situation in mir, dass ich im richtigen Moment die falschenEntscheidungen treffe.Dann habe ich halt, und alle Beispiele, die ich jetzt aufzähle, waren einzelne Fälle.Ich möchte das betonen, weil es geht nicht um Heilversprechen,die kann ich nicht abgeben.Es waren einzelne Fälle in der Praxis, wo ich all das gesehen habe.Dann habe ich halt Asthma. Dann habe ich halt Gelenkentzündungen.Dann habe ich halt Tinnitus.Dann habe ich halt eine Glutenunverträglichkeit mit einer Darmentzündung.Dann habe ich halt massive Hautausschläge.All diese Dinge habe ich gesehen, dass sie bei einzelnen Menschen durch Arbeitmit Lösos verschwunden sind.Die haben einfach als eine Art von Selbstbestrafung funktioniert.Weil die Selbstbestrafung, dafür zu sorgen, dass es mir nicht gut geht,dass ich auch leide, ist zu einer Überlebensstrategie aus Sicht des Unbewussten geworden.Und so erhält mein Unbewusstes diese Dinge, um mich zu retten, wunderbar aufrecht.Danke Unbewusstes, dass ich an schlechten Gefühlen festhalte.Danke Unbewusstes, dass ich übermäßig pflichtbewusst bin und meine Wünsche,Ziele und Hoffnungen gar nicht mehr wahrnehme.Danke Unbewusstes, dass ich mich sabotiere.Danke Unbewusstes, dass ich mich bestrafe, weil so kann ich überleben,weil durch diese Wiedergutmachung bleibe ich Teil meines Stammes.
Robert
01:01:31
Ja, das ist tatsächlich so ein Sabotage-Agent, den wir dann so im Unterbewusstsein haben.Ein Programm, der läuft, der sehr streng mit uns ist und nur ein Ziel hat, dass wir überleben.
Ulrich
01:01:47
Ja, genau. Und für dieses Überleben wird dein Wellness geopfert.
Robert
01:01:53
Genau. Und ist das nicht eine ultimative Quelle von Stress,der sich sehr unterschiedlich äußern kann, wie du schon meintest,in Migräne, in Depressionen, in vielleicht Schlafstörungen?
Ulrich
01:02:10
Man muss es mal so sehen, ich frage dich mal eine Frage dagegen, wenn ich darf.Robert, könnte es ein Stress sein, wenn mein unbewusstes Lebensmodus läuft?
Robert
01:02:22
Ja, absolut, weil Stress motiviert einen durchzuhalten, aktiv zu werden.
Ulrich
01:02:29
Ja, alle sind mir schaltet auf Aktivität. Ich muss jetzt machen.
Robert
01:02:33
Aber ein Tunnelmodus, also eine sehr fokussierte Aktivität, So wie Fight or Flight,wo man jetzt nicht das Leben vollständig annehmen kann, sich entwickeln kann,sondern immer in so einem Tunnelmodus ist und einfach nur überleben will,kostet was es wolle, oder?
Ulrich
01:02:56
Ja, ganz genau. Ich sage es mal so, wenn wir beide vom Säbelzahntiger davonrennenund wir rennen an einer wunderschönen Espressobar vorbei,dann ist nicht der Moment, die Genüsse des Lebens zu genießen.Das ist nicht im Fokus. Und dieser ganze Prozess der Wiedergutmachung,diese vier Mechanismen, die laufen in uns völlig unbemerkt ab.Und jetzt kann ich meine Aussage von vorher vielleicht nochmal greifbarer machen.Jetzt kann es sein, dass ich in meinem Leben Muster erlebe.Ich frage dich jetzt mal was ganz Persönliches. Du hast jetzt ja das von dem Klaus erzählt.Und da könnte man jetzt mal ganz oberflächlich, aber vielleicht auch gar nichtso schwierig, sagen, hey, es ist ein Muster von Unmacht gegenüber jemandem,dem es nicht gut geht. Kann man das so sagen?Und jetzt frage ich dich, hast du das schon mal im Leben erlebt?
Robert
01:03:56
Gegenüber anderen Personen und anderen Situationen oder im selben Muster?
Ulrich
01:04:03
Also austauschbar, kein Klaus, sondern jemand anders.
Robert
01:04:07
Ähnliche Situation vielleicht, würde ich sagen. Auch Arbeitslosigkeit, ja, ähnlich doch.
Ulrich
01:04:14
Muss gar nicht sein, dass es auch gleich Arbeitslosigkeit ist,was übereinstimmt, sondern dass du sagst, ja, das erlebe ich immer wieder.Jemand um mich rum geht schlecht, ich will helfen, ich habe keinen Zugriff,der macht nicht oder ich kann gar nicht und damit falle ich in Ohnmacht.
Robert
01:04:29
Ja, also wenn ich das noch weiter abstrahiere, dann ja, dann entsteht dadurchtatsächlich ein generisches Muster, wo das sehr oft im Leben vorkommt.
Ulrich
01:04:40
Dann bin ich jetzt mal ein bisschen zynisch und sage, Klaus,mach das gut, er löst dich aus und Robert, also dein Unbewusstes fährt echteine Top-Überlebensstrategie.Es sorgt dafür, dass du ein um anderes Mal deine unbewussten Mechaniken desÜberlebens ausergehen kannst. Toll, wie dein Leben das macht.Und jetzt sind wir am tiefsten Punkt eigentlich angekommen.Wenn sich so eine Mechanik gebildet hat, dann gibt es ja irgendeine erlebteSituation, die die initiale Situation für die Bildung dieser unbewussten Schuld war.
Robert
01:05:24
Eine sehr belastende, traumatische Situation in der Kindheit oder so.
Ulrich
01:05:30
Ja genau, also um das jetzt nochmal prägnanter zu formulieren,ich bleibe jetzt einfach mal bei dir, entschuldige bitte, dein Beispiel istgerade so nah, wenn du dich jetzt wieder in der Situation findest,dass du Ohnmacht erlebst, weil es jemand um dich herum schlecht geht,dem du nicht helfen kannst und das eine Wiedergutmachung ist,dann ist es naheliegend, dass es in deinem System eine ursprüngliche Situationgibt, wo die Erfahrung drin steckt, es geht jemandem schlecht und ich kann ihm nicht helfen.Das wurde zur unbewussten Schuld und jetzt wird dieses Programm ausagiert inWiederholung und Serie.
Robert
01:06:10
Verstehe, dass es quasi dieses Muster einmal einbrennt, so richtig.Und dann erkenne ich das im späten Leben und es triggert dieselben Mechanismendann immer und immer wieder, wenn ich das nicht irgendwie weglösen kann.
Ulrich
01:06:28
Ich kann dir da ein Beispiel nennen, das mir gerade einfällt. Ja.Ich war immer der, der jedem beim Umzug geholfen hat.Also ist jemand umgezogen, hat er mich angerufen und sagt, du kannst dir helfen.Und dann bin ich gekommen mit meinem Werkzeugkoffer und ich war der Erste,der pünktlich da war, mit Anhänger und Packdecken und Spanggurten und Akkuschrauber und allem.Und dann habe ich Umzug gemacht, Schränke auseinandergebaut,Löcher verspachtelt, Zeug aufs Auto oder auf dem Hänger, festgezurrt,abgedeckt, hingefahren, aufgebaut.Und es musste auch immer das Gleiche. Ich war der Erste, der gekommen ist undich war der Letzte, der gegangen ist, auch wenn es ein Uhr nachts war.Und ganz häufig war es so, dass die Leute, denen ich geholfen habe,die waren wesentlich bequemer.Die haben schon um 8 Uhr eine Pizza bestellt und die Füße hochgelegt,während ich noch bis 1 Uhr pflichtbewusstden Schrank zusammengeschraubt habe. Das war immer wieder so.Und es ist dann gegipfelt in einer Situation, da war ich vielleicht 25,da war ich, ich komme ja aus einer Kleinstadt, und da gab es damals eigentlichnur eine so eine Wirtschaft oder so eine Bistro, da haben sich immer alle getroffenund da saß ich an dem Tisch mit ein paar Bekannten und Freunden, vielleicht acht Leute.Und so schräg gegenüber war ein Paar, die kannte ich überhaupt nicht.Also die kannte ich vom Sehen, aber die hatte ich noch kein Wort gewechselt.Da waren sie auch gar nicht befreundet. Aber ich habe mit einem halben Ohr gehört,dass die morgen umziehen.Und ich habe in der Zeit neben meiner Heilpraktika-Ausbildung immer im Theater gearbeitet.Und dieser Sonntag, also es war Samstagabend und der Umzugstag war der nächsteTag der Sonntag, da hatte ich Theaterarbeit.Da war ich in diesem Kleinstadttheater, die technische Leitung, und da gab es viel zu tun.Es war klar, der Tag fängt um 8 Uhr an.Und hört irgendwann in der Nacht auf. Und dann höre ich da drüben das Wort Umzugund ich kann mir zuschauen, wie ich meine Hilfe für morgen anbiete,gleichzeitig in dem vollen Bewusstsein, ich habe keine Zeit.Und dann haben die das angenommen und dann habe ich den Spagat hingelegt.Dann habe ich am Theater rumorganisiert, bin dahin gefahren,ein bisschen umgezogen, zum Theater zurück.Es war ein ganz massiver Zwang. Und als ich mich später mal damit befasst habe,sind Bilder gekommen meiner Kindheit.Ich bin groß geworden in einem Dorf. und in diesem Dorf.Ja, das war damals halt noch so, da sind die Kinder auf die Straße,haben gespielt, weißt du nach den Hausaufgaben raus und dann bis die Sonne unterging,nicht mehr gesehen und dann verdreckt nach Hause gekommen, auf sämtliche Bäumegestiegen und auf Kühen geritten.Das war halt, ja, als ich zehn war, war 1980, das war gemessen an heute wilderWesten im positiven Sinn.Und ja, als wir, als ich zehn Jahre alt war, in den Sommerferien,Anfang August, damals in Bayern,sind wir umgezogen nur zwölf Kilometer weiter in eine kleine Stadt.Das war auch der Tag des Umzugs, war der letzte Tag, in dem ich eine Lederhoseanhatte. Und die hatte ich bis dahin immer an und dann nie wieder.Und dann war ich in dieser Stadt, kannte niemand. Die ganzen Kinder waren nicht draußen.Also schon, aber viel weniger. Da war keine Clique, keine Peergroup.Und das war in meinem Leben ein ganz schlimmer Bruch.Das war für mich, obwohl ich ja mit Mama, Papa und Geschwistern umgezogen bin,war das eigentlich eine Entheimatung und,So war der Umzug für mich eine solche Not, dass meine Wiedergutmachung war,dass ich eben beim Umzug helfe, ob ich Zeit habe oder nicht,ob er es will oder nicht, ob er mich fragt oder nicht.
Robert
01:10:30
Ach so, verstehe.
Ulrich
01:10:32
Und als ich das dann irgendwann mal gelöst habe, jetzt kann ich Leuten beimUmziehen völlig entspannt zuschauen, schon lange.Also wenn die mich direkt fragen, dann sage ich, gut, ich leite meinen Anhängerund ja, da kannst du einen Akkuschrauber auch mitnehmen.Ach ja, den einen Schrank, komm, den helfe ich dir tragen. Aber ich bin aufkeinen Fall mehr der, der zuerst da ist und zuletzt geht.Und ich bin auch gar nicht der, der die Pizza stehen lässt und sagt,nee, ich mache jetzt hier mal weiter.Wenn ich überhaupt noch dabei bin, dann entspannt.Und damals war das für mich ein richtiger Zwang.
Robert
01:11:08
Ein Zwang, das ist ein Mechanismus, der innerlich als Zwang wirkt,aber außen wie eine Form von Nettigkeit auch wahrgenommen werden kann.
Ulrich
01:11:27
Also, ich formuliere es mal so, wenn du eine Hilfsbereitschaft an den Tag legst,die dir zur Belastung wird, dann kann man sich ernsthaft fragen,ob dahinter nicht unbewusste Schuld steckt.
Robert
01:11:40
Ja.Dass man auf eigenen Kosten jemandem hilft, aber eigentlich nicht umsonst.Also ich will damit was erreichen und das, was ich erreichen will,ist in diesem Fall die Wiedergutmachung.
Ulrich
01:11:57
Überleben.
Robert
01:11:57
Ja, überleben, ultimativ gesehen, ja, als Zensziel.
Ulrich
01:12:00
Ja, genau. Da gibt es ein anderes Beispiel, das war auch zwei Jahre vorher,da habe ich auch im Theater gearbeitet, das war auch im Sommer.Und das war eine intensive Phase, wo ein neues Stück geprobt wird und wir alsTechniker dann nachts immer aufgebauthaben und umgebaut haben und Licht aufgehängt haben und so weiter.Und da hat sich ein Freund von mir, der hatte, da war ich vielleicht 23 oderirgend sowas, der hatte ein kleines Kind mit seiner Frau zusammen und der hatsich das Bein gebrochen.Und der war aber Apothekenausfahrer in der Zeit.Und dann habe ich gesagt, okay, ich kann das irgendwie verändern,dass ich tagsüber arbeite und dann komme ich zu dir und dann fahre ich deineTour und dann stelle ich das Auto wieder hin und gehe wieder arbeiten.Das habe ich dann sechs Wochen gemacht und war völlig über meiner Kraft.Ich bin nur noch zusammengebrochen. Aber ich konnte nie Nein sagen.Also der hat mich ja nicht mal gefragt.Ich habe es einfach gemacht.Und ja, woran erkennt man, dass man unbewusste Schuld hat?Man erkennt es besonders daran,dass sich Muster im Leben wiederholend die Belastung mit sich tragen.
Robert
01:13:17
Ja, die auch von außen gesehen vielleicht auch nicht jeden Verständliche sind.Wieso will er jetzt so aktiv helfen?
Ulrich
01:13:28
Warum hilft er sich so, dass er sich selber dabei schadet oder krank macht oder überanstrengt?Warum sitzt er nicht zu Hause vor dem Fernseher? Das ist doch mein Umzug.
Robert
01:13:41
Ist Mitgefühl ein Faktor? Empathie?Sind Menschen, die von Natur aus empathischer sind, empfänglicher für dieseformte Wiedergutmachung?Oder kann man sogar sagen, dass Mitgefühl ein Risikofaktor für die psychische Gesundheit ist?
Ulrich
01:14:03
Ja, die Risikogruppe der Mitfühlenden. Ja, also ich glaube ja,dass Mitgefühl evolutionär gesehen eine ganz hohe Funktion hat.Weil stell dir mal vor, wir zwei mit unserem Nomaden-Kombo da,Familien, Kinder, Alte, was auch immer, ziehen durch die Landschaft.Und stell dir mal vor, einem von uns geht es schlecht und dem geht es immer schlechter.Und dann stehen wir eigentlich vor der Option zu sagen, wir als Nomadengruppe bleiben stehen,suchen nicht neue Weidegründe für unser Vieh, nicht neue Unterschlupfe,nicht neue Pilzbestände, nicht neue Bärenbestände und bewegen uns von Bedrohlichkeitenweg, sondern wir müssen stehen bleiben, weil es einem von uns so schlecht geht.Oder wir lassen ihn einfach zurück und schwächen unsere Gemeinschaft.Und so glaube ich, dass Mitgefühl ein zentraler Antrieb für hochentwickelte,höchstentwickelte Säugetiere ist, der ein echtes Überlebensplus darstellt.Aber andererseits sage ich dir, Mitgefühl ist die Hölle.Weil würde ich in bestimmten Situationen nicht mitfühlen und mir keine unbewussteSchuld aufladen, die mich dann unbemerkt in Wiederholungs-, Wiedergutmachungsmechanismenzwingt, ja dann ging es mir viel besser.Also Mitgefühl ist so viel und so Gegensätzliches.
Robert
01:15:33
Vielleicht muss es einfach in gesundem Maße sein.Also wenn man nicht so viel Schuld auf sich geladen hat, unbewusste Schuld,mit der man zu kämpfen hat,vielleicht ist dann das Mitgefühl einfach in gesundem Maße einfach vorteilhaftfür die Gesellschaft, für die Umgebung, in der man lebt und in einer, nenne ich mal,ausgearteten Intensität.Dann wieder für einen destruktiv.
Ulrich
01:16:05
Und diesen ausgewogenen Zustand, das Mitgefühl einen gesunden Platz hat in meinemWesen und in meinem Leben,den kann ich versuchen, kognitiv zu erzeugen, indem ich mir Sachen erzähle wieSchicksal und sein Schicksal und seine Prüfung oder solche Sachen.Ich kann das sozusagen versuchen...Bewusst zu steuern, nichtsdestotrotz übergehe ich damit mein tatsächliches Mitgefühl.Das heißt, es ist eine Möglichkeit, es zu kaschieren, aber es wirkt dennoch.Ich kann nicht, wenn ich mitfühle, bewusst entscheiden, dass ich nicht mitfühle.Ich kann mir einreden, dass ich nicht mitfühle, aber die Mechanik,die in mir passiert, ist die gleiche.Der bessere Weg ist, diese tiefen in uns liegenden unbewussten Schuld-Elementeeins nach dem anderen zu lösen.Dann erleben wir nämlich tatsächliche Freiheit und dann bin ich sozusagen wiederder, der Mitgefühl hat und nicht das Mitgefühl hat mich.Es dreht sich um.
Robert
01:17:24
Du bist die Instanz, die das gefüllt hat und nicht umgekehrt,dass das Gefühl dich vollständig beherrscht.
Ulrich
01:17:32
Ja, genau. Ich bin der Reiter und nicht das Pferd.
Robert
01:17:37
Richtig. Paradoxerweise hat dieser Sabotageagent, nenne ich den mal,dann sehr wenig Gefühl mit uns selbst.
Ulrich
01:17:46
Du entschuldigung, stell dir mal vor, wir zwei müssen da hinten den Horizonterreichen, und zwar bevor die Sonne untergeht, weil da hinten frisst sich einFeuer durch die Steppe, das näher kommt.Und wenn wir den Horizont erreichen, dann erreichen wir eine Seenplatte undin die können wir reingehen und dann würde uns der Steppenbrand nicht erreichen.Und jetzt gammert du schon seit einer Stunde, dass dir der Fuß wehtut.Seit einer halben Stunde jammerst du, dass dir der andere Fuß wehtut Und seit10 Minuten jammerst du, dass dir der Rücken wehtut Was wäre besser, was ich tue?Soll ich Mitgefühl haben mit dir und sagen, komm lieber Robert, wir machen eine Pause?Oder ist mein Überlebensinstinkt für dich und für mich, für mich und für dichbesser, wenn ich nicht gnädig mit dir bin, sondern dir abverlange und sage,Robert, ich trage dich ein Stück, aber dann musst du wieder selber gehen.Also es ist nicht gnädig. Der Überlebensmechanismus ist nicht gnädig.Der will, dass du überlebst. Ich formuliere es mal andersrum.Alle die, deren Überlebensmechanismen über zwei Millionen Jahre gnädig warenund gesagt haben, du komm, wir laufen jetzt doch nicht von dem Säbelzahntigerdavon, sondern wir trinken jetzt ein Espresso.Ja, die sind nicht mehr unter uns.
Robert
01:19:07
Die sind nicht mehr, genau. Die hatten keine Nachfahren mehr.
Ulrich
01:19:11
Ja genau, da hat der Genpool eine Vollbremsung hingelegt. Die sind nicht mehr da.Und so frägt das Unterbewusste auch nicht dich oder mich, du Uli,wäre es jetzt recht, Sonntag noch ein Umzug, was meinst du, kriegst du das noch rein?Nee, wenn meine Software heißt, ich habe ein Leid erfahren und meine Wiedergutmachungbringt mir Überlebenschance, dann schickt es mich los.Und dann kann es sein, dass ich mit meinem Verstand zuschaue und sage,was mache ich da eigentlich?Macht überhaupt keinen Sinn. Kann ich gar nicht, schaffe ich nicht,aber ich stehe trotzdem um halb acht in der Früh auf der Matte.Diese Überlebensmechanik die kann man sich ganz einfach verdeutlichen stelldir mal vor, wir zwei sind an einem großen See und da draußen schwimmt jemand,und dann bitten wir ihn, dass er seine Schwimmbewegung bitte einstellen soll,der hört natürlich nicht und dann werden wir schon ein bisschen intensiver inunserer Bitte dann werden wir fordernd dann werden wir laut,schimpfend, beleidigend,der denkt sich, was ist denn mit den beiden los aber was wird er nicht tun.
Robert
01:20:26
Aufhören zu schwimmen wird er natürlich nicht.
Ulrich
01:20:28
Und warum nicht?
Robert
01:20:29
Sonst würde er sofort untergehen.
Ulrich
01:20:31
Weil es seinem Überleben dient. Ja, und so hört unser Unterbewusstes nicht auf,seine Überlebensprogramme zu fahren, in der tiefen Überzeugung,dass ich so wieder in den Schutz des Stammes komme,bloß weil sie jetzt für dich oder für mich oder für jemand anderes gerade mal unbequem ist.
Robert
01:20:49
Ich glaube, das, was es so destruktiv macht, ist die Zeit.Weil wenn ich jetzt Schuld auf mich geladen habe,sagen wir mal religiöse Schuld oder soziale Schuld in der Vergangenheit,in einem Stamm von vor zwei Millionen Jahren und ich habe Stress verspürt,ich war kurz davor ausgeschlossen zu werden,dann habe ich Buße getan und bin jetzt nach einer oder zwei Wochen wieder imReinen. Da war der Stress weg.Und wenn wir aber uns in die Situation bringen, wo wir über Jahre oder sogarJahrzehnte diesen Stress ausgesetzt sind, dann kann es, glaube ich,gesundheitliche, physische und psychische verherrende Folgen haben, oder?
Ulrich
01:21:37
Mein System kommt nicht mehr zur Ruhe.
Robert
01:21:39
Genau, man hat es immer in Allert-Modus.
Ulrich
01:21:42
Ja, ja, und ich entferne mich von mir, weil ich belaste mich unbewusst mit belastendenGefühlen, die hätten schon längst gehen können.Und ich übe Pflichten aus in einem Übermaß, vernachlässige dabei meine eigenenWünsche, Bedürfnisse und Hoffnungen und,Und verliere mich auf diese Weise. Ich lehne Dinge ab unbemerkt,die für mich gut und richtig und wichtig wären. Und ich bestrafe mich.Also es ist auch ein gigantischer Selbstverletzungsprozess.
Robert
01:22:14
Ja, Selbstverletzung ist, glaube ich, das Schlüsselwort tatsächlich,was dann letztendlich passiert.Aber nochmal bei dem Bild des Schwimmers zu bleiben.Ich glaube, das stellte es wirklich sehr bildlich dar, Spannung zwischen Überlebensinstinktund dem Versuch, auf das Unterbewusste einzuwirken.Hast du Fälle gehabt, wo das Unbewusste so starr an eine Wiedergutmachung gehaltenhat, dass auch deine Ansätze nicht durchdrehen konnten?
Ulrich
01:22:55
Also, ich kann mich an keinen Fall erinnern, wo wir nicht Umbrüche geschafft haben.Ich will nicht sagen, dass jede Situation, jeder Fall eine vollständige Lösungwurde, aber jedes Mal sind wir weit gekommen.Und da gab es verschiedene Hürden, also innerhalb des Prozesses von Lösungsgibt es verschiedene Instrumente, sage ich mal, je nach Situation.Und ein Instrument oder etwas, was in uns passieren kann, ist,dass wir fehlerhafte Wahrheiten bilden.Mir fällt da gerade ein Beispiel ein. Das ist viele Jahre her, vielleicht 15.Die Frau hieß Petra, so nenne ich sie jetzt einfach mal. Sie hieß nicht Petra.Und der ging es gesundheitlich nicht gut und es wäre für sie ganz,ganz wichtig gewesen, dass sie aufhört zu rauchen.Und sie wollte auch aufhören zu rauchen und sie hat gesagt, so geht es mir gut,ich fühle mich ziemlich wohl und ich kann auch gut atmen aber immer wenn ichaufhören will zu rauchen oder wenn ich aufgehört habe zu rauchen,verschlechtert sich meine Atmung binnen weniger Tage so massiv dass ich wiederrauchen muss, damit ich atmen kann.Und das ist ja jetzt schon erstmal paradox.Und dann haben wir da tiefer nachgeforscht. Und dann sind wir dort hingekommen,dass ihre Mutter, die hatte irgendein Anfallsleiden.Und in diesem Anfallsleiden hat die Mutter sowas wie Krämpfe gehabt.Und die Krämpfe haben auch die Atmung beeinflusst.Und wenn die Mutter durch so einen Krampf durchgekommen ist,wenn der vorbei war, Ja, dann hat die Mutter als erstes, also so im Sinne von,puh, jetzt ist es hinter mir,ihrer Tochter gesagt, und das ging über Jahre weg, sie erinnert sich,sie war vielleicht vier, als das das erste Mal war, und sie sagt,mit 16 war das bestimmt auch noch vorgekommen.Das Erste, was die Mutter gesagt hat, war, hol mir mal eine Zigarette.Und jetzt hat sich in dem Kind eingebrannt. Aha, Zigarette heißt wieder gut gehen.Vorher heißt Krampf, Anspannung und Atmung und Zigarette heißt Lösung.Und jetzt soll diese Frau das Rauchen aufhören, wo Zigarette Entspannung und Lösung heißt.Und das bezeichne ich als fehlerhafte Wahrheit.Das heißt, es bilden sich in uns Überzeugungen, die wir auch nicht mitkriegen.Und diese Überzeugungen stehen dann dem dagegen, dass ich das,was für mich gut wäre, unbewusste Schuld, von mir nehmen, überhaupt tun darf.Und da hat sich im Lösungskontext eine feste Arbeitsweise entwickeln können,die mit diesen fehlerhaften Wahrheiten entdecken kann und die damit umgehen kann.Aber das ist auch ein echter, naja, wenn man so will, das ist echt ein Stolpersteinund das ist echt ein Sabotage-Phänomen.Und wenn solche Fälle oder solche Sitzungen gar nicht gut weitergehen,dann gibt es eines der Dinge ist, schau nach, ob es nicht eine fehlerhafte Wahrheit gibt.
Robert
01:26:25
Wenn man das einmal erkannt hat, kann man dann daran arbeiten?
Ulrich
01:26:30
Ja, man kann dann, da gibt es verschiedene Strategien.Ich weiß jetzt, lass mal kurz überlegen, ob es Sinn macht, mich hier so reinzu vertiefen. Der Kern der Strategie ist,Also jemand, der eine fehlerhafte Wahrheit hat, den brauchst du nicht überreden.Also den brauchst du nicht erklären, du liebe Petra, das war ja anders.Deine Mutter hat ja nur deshalb nach einer Zigarette geraucht,weil es ihr eben gerade wieder besser ging.Gegen solche Erklärungen ist jemand in der fehlerhaften Wahrheit völlig resistent.Also sein Verstand versteht es schon.Aber das hilft nichts, wenn esder Verstand versteht, wenn das Unbewusste weiter in diesem Glauben lebt.
Robert
01:27:15
Und sogar so eine paradoxe, umgekehrte Kausalität als Wahrheit annimmt.
Ulrich
01:27:20
Ja, und eine grundlegende Strategie ist, den Bogen völlig zu überspannen.Dass man zum Beispiel, ich weiß nicht mehr, welche Sätze wir damals gesprochenhaben, aber jetzt, um auf das Rauchen zu kommen, hätte man vielleicht die Strategiefahren können, dass man hätte sagen können,du weißt ja was, deiner Mutter wäre es noch viel besser gegangen,wenn sie die ganze Schachtel auf einmal geraucht hätte. Also alle Zigaretten gleichzeitig im Mund.
Robert
01:27:44
Also ins Paradoxe zu ziehen.
Ulrich
01:27:47
Dass man es so überzieht, dass das System selber erkennt, nee,Moment, stopp, stopp, genau.
Robert
01:27:55
Also die Selbsterkenntnis muss von innen kommen. Man muss es selbst durch Erkenntnis,also dadurch, dass man es steigert, ad absurdum, kommt die Selbsterkenntnisdann von innen und dann wirkt es.Wenn die Wahrheit von außen eingeflossen wird, dann funktioniert das nicht. Ist so?
Ulrich
01:28:14
Ja, genau. Es ist ein Reitsetzen, der der Fehlwahrnehmung nicht entgegenwirkt,sondern die Fehlwahrnehmung vertieft, vergrößert, verallgemeinert.So dass das System dann selber sagt, ja Moment, stopp, so ist es ja auch nicht.Und indem das System dann meine völlige Übertreibung korrigiert aus sich selber heraus,korrigiert es auch die vorher fehlerhaft gewesene Wahrheit, weil die ihrem Wesen nachher gleich sind.Also die fehlerhafte Wahrheit heißt, Mama, rauchen ist gut, weil Mama ging soimmer gut, wenn sie geraucht hat.Die Übertreibung ist, also deiner Mutter wäre es noch viel besser gegangen,wenn sie sich gleich eine ganze Schachtel Zigarren nach allen Möglichkeitenin den Mund gesteckt hätte und alle Zigarren angezündet hätte.Und dann gibt es eine Gegenreaktion, die sagt, also hör mal zu,also mit 15 Zigarren, das kann überhaupt nicht sein, dass das Rauchen da gut tut.Und mit diesem selbst ausgelösten Erkenntnisprozess aufgrund des überzogenenReizes, im Moment Rauchen und Gutgehen hängen jetzt nicht wirklich zusammen,trifft diese Aussage, die jetzt die ganze Kiste Zigarre betrifft,auch zu auf die einzelne Zigarette.
Robert
01:29:35
Ja, genau, weil die falsche Wahrheit wurde dann ad absurdum geführt und danngilt sie als neue Wahrheit.Also die wurde dann quasi weggedacht und so sokratisch, sage ich mal,durch Übertreibung, durch Perspektiven.
Ulrich
01:29:52
Durch Paradoxie.
Robert
01:29:54
Paradoxie. Durch Humor. Durch Humor, genau, durch diese Mittel,dass die Veränderung drinnen passiert. und dann auf dieses ursprüngliche Beispiel angewandt wird.Und dann merkt man, okay, wenn es mit 15 Zigarren nicht wirkt,dann ist es wahrscheinlich mit einer Zigarette auch nicht der Fall.
Ulrich
01:30:12
Ja, genau.
Robert
01:30:12
Aber es ist halt weniger.
Ulrich
01:30:14
Und dann korrigiert sich das System selbst. Und da muss man nicht mit dem Verstandreden, sondern da muss man nur so eine Überzogenheit liefern.Letztendlich ist es dann im Wesen ja das Prinzip der Homöopathie.Ich habe sozusagen eine natürliche Krankheit und jetzt setze ich auf die natürlicheKrankheit noch eine künstliche Krankheit drauf, nämlich die Krankheit,die das ganz ähnlich wirkende Globuli auslösen kann.Das heißt, ich übertreibe die natürliche Krankheit, indem ich dazu nochmal diekünstliche Krankheit, die ganz ähnliches Ähnlichkeitsprinzip draufsetze unddann wacht der Organismus auf,wehrt sich gegen diese künstliche Krankheit.Und weil die natürliche Krankheit und die künstliche Krankheit ihrem Wesen nach ähnlich sind,ist diese Korrekturbewegung des Organismus gegen die künstliche Krankheit gleichzeitigeine Korrekturbewegung gegenüber der natürlichen Krankheit.
Robert
01:31:16
Die nehmen dann quasi mit demselben Mechanismus.
Ulrich
01:31:20
Ganz genau. Also eigentlich, und ich bin ja vom Ursprungswesen her ein klassischerHomöopath, ich habe aber auch lang gebraucht, also ich habe mit den fehlerhaftenWahrheiten schon lang gearbeitet,bis ich dann irgendwann mal verstanden habe, ja Moment, das Prinzip kommt mir doch bekannt vor.Und ja, es ist Homöopathie, wenn man so ein bisschen sagen will mit Worten.Und nicht mit Kügelchen.
Robert
01:31:42
Auf einer anderen Ebene, auf einer eher psychischen Ebene als einer biologischen.Du hast früher gesagt, dass du, als du auf die Idee der unbewussten Schuld gekommen bist,auf der Wiese lagst und ein Satz hat dein Unterbewusstsein dir quasi hervorgebracht,ich nehme die Schuld von mir.Wenn du jetzt mit Klienten arbeitest, woher weißt du, welche Sätze dieser Artdie Klienten aussprechen müssen?Formulierst du die selbst oder lässt du den Klienten die Sätze formulieren?Und woher weißt du, dass die zum Unterbewusstsein durchdringen?Wie erkennst du das auf einer emotionalen oder körperlichen Ebene? Wie funktioniert das?
Ulrich
01:32:34
Also da waren jetzt viele Fragen drin, aber oft ist es so, dass man gar nichteine stellen kann, weil die Dinge so verwoben sind.Also mein Verstand kann inzwischen, du kannst es ja auch erkennen,du hast ja auch erkannt, dass wenn da auf der anderen Seite des Flusses jemandmisshandelt wird und du kannst nicht rüber, dann kann das eine unbewusste Schuldwerden. Das hat jetzt seinen Verstand ja verstanden.
Robert
01:32:56
Ja.
Ulrich
01:32:57
Und wenn man jetzt hier einen Schuldennahmesatz bilden wollte,Und der zweite Teil des Schuldentnahmesatzes enthält immer das Leid.Dann würde hier ein Satz gut passen. Ich nehme die Schuld von mir,dass ich dem Kind auf der anderen Seite des Flusses nicht helfen konnte.
Robert
01:33:17
Okay, also im zweiten Teil des Satzes, wie du vorher gesagt hast,steht, worum es eigentlich geht.Und am Anfang, ich nehme die Schuld von mir.Und das ist ein Muster, dem man die Sätze bilden kann.
Ulrich
01:33:32
Ja, der erste Teil ist sehr statisch. Da gibt es eigentlich nur die Variante,ich nehme die Schuld von mir oder ich nehme die Schuld dafür von mir.Das hat auch keine andere Wirkung. Manchmal passt das besser, manchmal das andere.Manche meiner ausgebildeten Practitioner benutzen eher immer die Mit-Damit-Form, die anderen ohne.Das spielt keine Rolle. Also man kann sagen, es ist eine feste Phrase erst mal.Und wofür nehme ich mir die Schuld? na für das Leid das Geschehen ist auch wennich für das Leid nichts dafür kann aber ich konnte es ja nicht retten,und so war mein erster Schuld in einem Ersatz ich nehme die Schuld von mir dassich meinen Vater nicht retten konnte,Das war mein Leid.Und dann, das ist mal die, wie wird der Satz gebildet?Was ist die einfache, grundlegende Systematik? Und dann hast du mich gefragt,was passiert denn dann? Wie merkt man das dann?Und ja, da bin ich, wie soll ich sagen, unserem Wesen unendlich dankbar,weil wir eine Sofortreaktion kriegen.Also mit sofort meine ich sofort. Also das wirkt nicht in 30 Sekunden und eswirkt auch nicht in 20 Sekunden und auch nicht in 5 Sekunden, sondern in dem Moment.Und wie funktioniert es? Mein Verstand hat inzwischen längst verstanden,wonach er suchen muss, wie er es betrachten muss, um dann die Sätze bilden zu können.Und deswegen bilde ich die Sätze, spreche sie vor und mein Gegenüber spricht sie nach.Diese Sätze sind natürlich immer, wie soll ich sagen,die können oft nicht 100% präzise sein. Also zum Beispiel, wenn ich den Satzformuliere, das habe ich so verstanden bei einem Mann, das ist auch schon viele Jahre her.Ich habe gesagt, ich nehme die Schuld von mir, mein Satz für ihn,dass mein Papa mich immer geschlagen hat.Und dann hat er gesagt, ich nehme die Schuld von mir, dass mein Vater mich sodermaßen gewaltvoll verdroschen hat.Und es ist die gleiche Aussage, aber für ihn war sein Vater nicht der Papa, sondern der Vater.Und für ihn war das Richtige, das Verdroschenwerden, nicht das Geschlagenwerdenoder Verschlagenwerden.Und so ist mein Vorschlag, naja, immer so ein bisschen was wie ein Serviervorschlag.Und ich bitte meinem Gegenüber immer, sprich den mal nach und pass ihn an,so wie er für dich passt, so wie er sich selber entwickelt.Ja, und dann sehe ich eine Sofortreaktion.Also so wie es mir damals auf meinem Picknickdickchen ging, ich habe soforteine Erleichterung gespürt.
Robert
01:36:30
Also man spürt quasi, während du sprichst, ist es so, dass man das so vielleichtinnerlich wahrnimmt, als würde eine Seite auf einem Instrument geschlagen werden,dass da was drin resoniert?Ist das so ein Gefühl?
Ulrich
01:36:45
Also ich kann es dir so sagen, wenn man so einen Schuldennahmesatz spricht,dann gibt es nur drei mögliche Reaktionen.Die eine Reaktion, die erste Reaktion ist, dass gar nichts passiert,dass es völlig neutral bleibt.Deine Gefühle ändern sich nicht, dein Körper reagiert nicht,also keine erleichterte Atmung, nichts. Es bleibt neutral.Dann ist entweder der Satz gar nicht passend formuliert oder es gibt zum Inhaltdieses Satzes keine unbewusste Schuld.Die zweite Möglichkeit, das war ja die, die ich als erstes erfahren habe,es gibt eine spontane Erleichterungsreaktion.
Robert
01:37:27
Körperlich auch. Ein Schlaufer.
Ulrich
01:37:29
Ja, körperlich, emotional. Manche sagen, wow, jetzt fühle ich plötzlich den Raum um mich rum.Die stärkste Erleichterungsreaktion, die ich jemals erlebt habe,da habe ich mit einem Mann einen Satz gesprochen und der ist aufgesprungen undhat mich in den Arm genommen.Und er hat gesagt, ich bin wieder da, ich bin wieder da.Und ich kann dir auch die kurze Geschichte dazu erzählen, wie dieser Satz zustande kam. Magst du hören?
Robert
01:37:58
Ja, gerne, gerne.
Ulrich
01:38:00
Ich weiß nicht, ob es dir zu sehr ausufert.
Robert
01:38:02
Nein, absolut. Wir machen Open End. Okay.
Ulrich
01:38:07
Also die Situation war die, er hatte eine Beschwerde im Leben,wir haben dafür den Ursprung gesucht und wir sind zurückgekommen,da war er ein bisschen über 20.Und da ist er mit dem Motorrad gefahren, hat einen Sturz gehabt,lag er auf der Straße und dann ist so ein SUV über ihn drüber gefahren.Also nicht mit den Reifen über ihn drüber, sondern so zwischen Reifenabraum. Raum.Und es war so, dieser SUV, der, also er lag auf der Straße auf dem Rücken unddann steht ja vom Motorradhelm am Kinn, dieser, weiß nicht, wie man es nennt, Kinnprotektor,höher wie der Rest vom Körper, wenn es jetzt ein schlanker Mensch ist.Und jetzt kam dieser SUV, ist über ihn drüber gefahren und seine Stoßstangeist an dieser Helmkante hängen geblieben und hat ihn dann noch ein bisschen mitgeschleift.Und dann hat es der SUV-Fahrer gemerkt und dann war natürlich...Also große Gefahr, dass er ein schweres Trauma in der Wirbelsäule hat oder im Schädel.Er hat dann seinen Körper verlassen, hat die Situation von oben erlebt und hatgesehen, wie der Hubschrauber landet.Er hat gesehen, wie vorher der Sanker kam.Er hat gesehen, wie das alles passiert ist.
Robert
01:39:23
Also eine außerkörperliche Erfahrung.
Ulrich
01:39:25
Ganz genau. Und der Satz, der ihn dieser Erleichterungssituation,dieser Art, wie ich sie nie vorher und nachher erlebt habe, der war,ich nehme die Schuld von mir, dass ich mich damals selbst alleingelassen habe.Weil er out of body ist und seinen Körper zurückgelassen hat.
Robert
01:39:49
Ach, sogar gegenüber sich selbst. Dass man sich selbst nicht helfen konnte, es geht auch so.
Ulrich
01:39:54
Das hast du wunderbar verstanden. Wunderbar, Robert, weil ich habe es ja amAnfang so an dir und dem Klaus festgemacht, aber lass uns das mal verallgemeinern.Da gibt es immer ein fühlendes, das bist jetzt du.Und dann gibt es den Klaus, wo das Leid ist. also bei unbewusster Schuld gibtes immer ein fühlendes und ein leidendes und das fühlende kann das Leid nicht lösen.Und ob dieses Leid jetzt beim Klaus ist oder bei jemand anders,mit dem du fühlst, vielleicht bei deinem Hund oder bei deiner Katze, spielt keine Rolle.Es reicht, wenn das fühlende das Leid nicht heilen kann.Und wenn du selber ein Leid hast,und dein Fühlen mit deinem Leid ist und du kannst dein Leid nicht heilen,dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass du dir eine unbewusste Schuldselber auferlegst für ein Leid, das du an dir selber nicht heilen konntest.Und genau das ist passiert bei diesem Motorradfahrer damals.Und was für mich so frappierend war, also das war sowieso alles frappierend,aber der ist aufgesprungen, hat mich in den Arm genommen, hat mich gedrückt,dann hat er mich wieder losgelassen und dann hat er sich umgeschaut und gesagt, ich kann wieder sehen.Ich sehe den Raum, ich sehe die Tiefe. Ich sehe wieder aus meinen Augen in die Welt.Die Energie wurde freigesetzt.Ja, er war wieder in sich. Wenn ich daran schuld bin, dass ich mich selbst verlassenhabe, wie gut darf ich denn dann bei mir sein, den Rest meines Lebens?Wie gut darf ich mich denn bei mir erleben?Und so ist ein Wiedergutmachungsmechanismus hier wahrscheinlich gewesen,dass er zwar gelebt hat, aber immer in einer Distanz von sich,weil er sich ja damals verlassen hat.Jetzt hat er diese Schuld von sich genommen.Im gleichen Moment springt er auf und erlebt, so schaut der Raum aus,ich sehe den Raum wieder, ich bin wieder bei mir.So schaut der Raum aus, wenn ich durch meine Augen schaue.Und also so frappierend, wie gesagt, ich habe das nicht ansatzweise so heftigwiedererlebt und mir hat es so geholfen zu verstehen, was da passiert. Also A, eigenes Leid.Und B, er ist sozusagen, um das jetzt mal pathetisch zu sagen,damals bei diesem Unfall ist er aus sich rausgeschlüpft.Und durch den Satz ist er wieder in sich reingeschlüpft.
Robert
01:42:39
Ja, wieder zu sich gefunden.
Ulrich
01:42:42
Ja.
Robert
01:42:43
Sich wieder akzeptiert, sich vergeben, ja.
Ulrich
01:42:46
Ja, er hat die Schuld von sich genommen. Ja.
Robert
01:42:50
Ich glaube, das kann wirklich Energie wieder freilassen, weil solche Blockaden,die durch diese unbewusste Schuld verursacht werden,stelle ich mir vor, dass es ein Energieblocker sein könnte. Ist das so?Man hat die Energie, aber man hat keinen Zugang dazu.
Ulrich
01:43:13
Und sie wird dauernd woanders verbraucht.
Robert
01:43:15
Oder verbraucht noch.
Ulrich
01:43:16
Wie wir schon festgestellt haben, wenn ich im Überlebensmodus bin,dann bin ich nicht im Regenerationsmodus.Und wenn ich im Überlebensmodus bin, dann bin ich im Stressmodus.Und unser Organismus, auch unser psychischer Organismus, kann ja Stress extrem gut ab.So wie du es vorhin gesagt hast, wenn er kurze Zeit dauert.
Robert
01:43:35
Ja, wenn er nicht so lange. Weil das beeinflusst alles durch Blutung, Atmung.Ja. Wenn mich der Säbelzahntiger nur fünf Minuten hinter mir her war,dann bin ich vielleicht auf 120. Dann ist es aber wieder gut.Ich habe irgendwie geschafft zu überleben. Aber wenn die Stresssituation 24-7über Jahre besteht, dann hat das natürlich eine noch ganz andere Wirkung.
Ulrich
01:44:04
Ja, wenn der Säbelzahntiegel dir seit dem vierten Lebensjahr nachläuft bis jetztund um jede Ecke lauern kann, dann ist es vorbei mit Entspannung.Und also zum einen fängt das System an, wenn die wesentlichen unbewussten Schuldelementegelöst sind, wieder überhaupt in den Regenerationsmodus umschalten zu können.Zum anderen wird die Energie nicht mehr verbraucht, um dauernd im Wiedergutmachungsmoduszu bleiben. und zum dritten hört es auf, dass ich gegen mich handele.Dann muss ich mich nicht mehr dadurch, dass ich dem Traurigen nicht helfen konnte,selber mit Traurigkeit bestrafen.Und ich muss auch nicht mehr Pflichten annehmen, die gar nicht meine sind.Und deswegen muss ich auch nicht mehr meine eigenen Wünsche,Ziele und Hoffnungen hinten anstellen, sondern die kommen wieder in den Raum meiner Wahrnehmung.Und ich muss auch nicht mehr die guten Dinge des Lebens und die Dinge,die ich möchte, von mir abwehren. und bestrafen durch körperliche Krankheiten,Depression, Schlaflosigkeit muss ich mich auch nicht mehr.Der Kampf mit mir selber hört auf.
Robert
01:45:15
Wenn dieser Zustand aber lange dauert und ich immer in so einer Retterrollemich irgendwann wiederfinde,ich bin verantwortlich, dass es anderen gut geht,ich bin der Retter, ich sabotiere mich selbst, ich muss anderen helfen.
Ulrich
01:45:37
Ich helfe umziehen.
Robert
01:45:39
Ich helfe bei jeder Gelegenheit, auch wenn ich mir selbst schade.Und wenn es lange genug dauert, könnte es doch sein, dass ich eine Retter-Identität entwickle.Wenn ich dann die Schuld von mir genommen habe,wenn ich dann wieder nach den Schuldentnahmesätzen irgendwann wieder in Reinemit mir selbst bin, dann verschwindet die Identität des Retters.Bin ich dann weniger hilfsbereit gegenüber anderen oder sogar egoistisch?Wie wirkt sich das dann aus als Folge der Heilung?
Ulrich
01:46:26
Also aus meiner Beobachtung so ganz grundsätzlich gesagt, stellt sich eine neue Balance ein.Also wenn vor deiner Haustür jemand angefahren wird,dann wirst du immer noch zur Hilfe eilen und du wirst immer noch den Krankenwagenrufen und du wirst auch noch die 15 Minuten da bleiben, seinen Kopf halten unddie blutende Wunde am Arm abdrücken, bis der Sanker da ist.Aber dann übernimmst du Sanker und du bist wieder frei.Aber du wirst nicht, wie ich, aufspringen, wenn du irgendwo im Raum das Wort Umzug hörst.Es gibt eine neue Balance. Es ist kein Schwarz-Weiß.Also vorher war ich übermäßig hilfsbereit, jetzt habe ich die Schuld weg undjetzt ist es mir vollkommen egal.So ist es nicht. Es kriegt eine neue Balance.Eine Balance, wo du auch noch vorkommst, wo du auch noch eine Rolle spielst,wo du dich nicht verheizen und opfern musst.Aber durchaus mal dich bemühst, aber nicht in den Bereich hinein,dass du dich verlierst, sondern so, dass du wieder zurückkehrst zu dir,dich erholst und dann geht das Leben gut weiter.
Robert
01:47:42
Vielleicht bin ich dann sogar produktiv noch hilfsbereiter,weil ich in einer Balance mit mir selbst bin und meine Energie dann wieder herstellenkann und mir Energie habe,dann anderen zu helfen, paradoxerweise. Kann das sein?
Ulrich
01:48:03
Du bist nicht mehr der erschöpfte Retter, ja?
Robert
01:48:06
Ich bin nicht mehr der Schöpfer, ich bin aber der Ausgeruhte,der Aktive, der Konzentrierte, der Fokussierte.
Ulrich
01:48:12
Der Präsente.
Robert
01:48:13
Der Präsente.
Ulrich
01:48:15
Ja, so ist es. So ist es.
Robert
01:48:19
Also profitiere nicht nur ich, sondern auch meine Umgebung, wenn ich geheilt bin.
Ulrich
01:48:24
Also ja, ich höre daraus, dass es da so ein Spiel gibt, damit darf es mir überhauptgut gehen, darf ich überhaupt nicht mehr übermäßig mitfühlen sein,bin ich dann nicht egoistisch? Ja,das erzählt dir der Teil, der als tiefe Software hat.Es geht nicht darum, wie gut es dir geht, mein lieber Robert.Es geht darum, dass du überlebst. Und aus dieser Perspektive ist es eine Richtigkeit.Wenn der Überlebensmodus abgeebbt ist und du, also im gewissen Sinne ist jaÜberleben das Gegenteil von Leben,Und wenn dieses Überleben, wenn dieser Antrieb abgeebbt ist,weil ihm die unbewusste Schuld gelöst ist,dann ist es tatsächlich so, dass du dich anders empfindest und dass du auchbesser sagen und gut sagen kannst, du weißt was, du schaffst deinen Umzug schon.Und wenn du es nicht schaffst, dann machst du halt am Montag weiter oder nächsteWoche. Das kriegst du schon hin.Ja, und wenn ich dir doch mal helfen kann, weil der Schrank ist wirklich zuschwer, komm, die 20 Minuten komme ich vorbei, ich leide auch mit einem Akkuschrauber.Aber ganz ehrlich, ich wollte eigentlich in die Berge gehen oder ich arbeite im Theater.
Robert
01:49:45
Das schaffst du schon. Ja, verstehe. Du hast gesagt, dass die Schuld gegenüberuns selbst, gegenüber Haustieren, gegenüber anderen gerichtet sein kann.Wenn man das noch weiter verallgemeinert und sich jetzt zum Beispiel die Medienlandschaft anschaut,das ganze Leid, komprimierte Leid quasi der Welt in einem Newsfeed,in einer Zeitung, in einer Kurzreportage.Kann es sein, dass der Konsum von Medien und Auseinandersetzung mit sehr vielfremdem Leid dann auch die unbewusste Schuld nochmal erzeugen kann oder verstärken kann?
Ulrich
01:50:31
Also ich bin aufgrund von vielen Erfahrungen mir sehr sicher,dass wir nicht wirklich eine Abstumpfung erleben.Also was wir erleben, ist ein Nicht-mehr-Wahrnehmen, dass es uns Leid bereitet.Aber tief im Inneren bereitet es trotzdem Leid und Not und Sorge und unbewusste Schuld.Und ja, es ist für uns überhaupt nicht gesund, wenn ich, es ist auch für meinLeben nicht relevant, wenn ich erfahre, dass in Australien dies und jenes passiert ist.Dass der von der Klippe gefallen ist, vom Basejumpen oder der andere beim Selfiemachenvom Eiffelturm gekippt ist, das hat einen Impact auf mich, aber es hat keine Relevanz.Und da haben wir einen kognitiven Filter, der uns dann erklärt,ach ja, das hat ja nichts mit dir zu tun und so weiter.Und das stimmt, das hat nichts mit mir zu tun. Aber wenn ich in den Moment desMitgefühls komme und diese Momente des Mitgefühls, die sind oft in Aspekte verteilt, Zum Beispiel,Hast du Geschwister?
Robert
01:51:41
Eine Schwester, ja.
Ulrich
01:51:43
Bist du jünger oder älter wie du?
Robert
01:51:45
Jünger.
Ulrich
01:51:46
Wie alt ist sie denn ungefähr?
Robert
01:51:48
35.
Ulrich
01:51:50
Okay. Stell dir mal vor, du hörst, ein Influencer ist bei dem Versuch,ein Foto zu machen, rückwärts vom Eiffelturm gefallen.Jetzt hörst du die Botschaft. Eine polnische Influencerin, 35,ist beim Selfie machen rückwärts vom Eiffelturm gefallen.Es kann eine sehr andere Wirkung auf dich haben, weil irgendwo ein gewissesAnklingen vielleicht ist das, was du vorhin mit Seite gemeint hast, passieren kann.Und wenn jemand in Australien von der Klippe fiel, aber es war auch noch derBräutigam auf Hochzeitsreise am ersten Tag,dann hat es das Potenzial tiefer zu berühren, weil sich die Hälfte der Menschheitgleich an die Hochzeitsreise und Hochzeit und oh wie Glück und Unglück liegenso nah beisammen berührt letztendlich ist es völlig abstrakt,aber so funktioniert es.
Robert
01:52:49
Dass man stärker emotional durch diese Geschichte getriggert wird und sich damitstärker identifizieren kann.
Ulrich
01:52:58
Weil durch irgendwelche Nebenaspekte Resonanzen entstehen,es ist ja völlig nebensächlich ob das ein Mann war oder eine Frau oder der garnicht verheiratet ist oder vor 20 Jahren geheiratet hat das ist ja für den,Vorgang des Leides an sich unerheblich,aber dieses Attribut bringt uns gerne noch in größere Nähe und das ist ja auchwas dauernd in den Medien passiert also wenn,irgendwo Leute verunglücken, dann ist das das eine. Wenn es aber eine christlicheMinderheit ist, die im Bus verbrannt ist in irgendeinem anderen Land,dann ist das nochmal was anderes.Und wenn es noch welche waren auf einer katholischen Wahlfahrt,sage ich dir als Katholik, dann kann es dich nochmal anders berühren.
Robert
01:53:47
Weil ich mit der Gruppe stärker identifizieren kann.
Ulrich
01:53:51
Ja, weil es Christen waren, weil es Katholiken waren, weil sie vielleicht auchnoch was Gutes getan haben aus so religiösen Aspekten. Sie waren auf einer Wahlfahrt.Also diese Überschwemmung mit all diesem ist definitiv zu viel für uns und ist ein Dauerstress.Andererseits ist es logisch, dass das Spiel genauso funktioniert.Also ich möchte es aus meiner Sicht mal so sagen.Stell dir mal vor, wir zwei sind in der Savanne und wir haben kaum Bäume,das heißt wir haben einen tiefen, weiten Horizont.Und wir sammeln da irgendwas oder ziehen da durch und unser Unbewusstes überwachtdie komplette Landschaft.Das macht das ja viel intensiver wie wir. Das ist so eine gewisse Arbeitsteilung.Das Unbewusste schaut, ist irgendeine Gefahr, sodass unser Verstand sich mitdieser Pflanze beschäftigen kann und mit diesem Stein und mit diesem Vogel.Und wenn wir mal diesen breiten Horizont, der komplett um uns herum geht,in Gerade aufteilen, 360 Grad und da hinten weiter weg,da sieht man ein Unbewusstes, irgendein Merkmal, das einem Raubtier Ankündigung sein könnte.Also entweder wackelt da ein Grasbüschel verdächtig oder ich sehe sogar einAugenpaar oder ich sehe so eine Leopardentigerung oder Färbung oder Leopardung.Was meinst du?Welchen Ausschnitt der 360 Grad soll das Unbewusste denn jetzt wählen, um dein Leben zu retten?Den da hinten, wo gerade wunderbar die Sonne untergeht? Den da drüben,wo, ich glaube, da ist eine Oase? Oder doch lieber den, wo die Raubkatze ist?
Robert
01:55:40
Natürlich die Raubkatze, auch wenn ich nicht sicher bin, ob das wirklich eineRaubkatze ist. Weil ich kann das Risiko nicht eingehen. Ich muss jetzt wegrennen.Dass sich diese Lost Aversion entwickelt.
Ulrich
01:55:52
Ja, und so sind wir programmiert, dass wir dahin schauen, wo Gefährdung istund nicht dahin, wo es gut ist.Und dieser gute Rat, beschäftige dich noch nur mit guten Dingen,gibt dem Belastenden doch keine Aufmerksamkeit, der ist sicher gut gemeint.Aber unsere Software ist, ich muss das erfassen, was die Bedrohung ist.Alles andere ist in dem Moment nicht wichtig. Und wenn man diesen Mechanismusnutzen will für seine Aufmerksamkeit, ja, dann muss ich einfach den ganzen Tagnur bedrohliche Sachen erzählen und dann kriege ich Aufmerksamkeit.Deswegen ist dieser Versuch, Radiosender zu machen, Zeitungen,die nur gute Nachrichten beinhalten, ja, kannst du mal durchlesen,legst du wieder weg und es interessiert dein Unbewusstes nicht.Und mal noch ein Stück weiter früher war es ja immer so dass glaube ich dieBMW Werbung die letzte Werbung war vor der Tagesschau,Weil man schon wusste, aha, 19.59 Uhr und 53 Sekunden, die innere Aufmerksamkeitsteigt, weil jetzt gleich zu Beginn der Tagesschau, hier ist die Tagesschau,das und das ist kaputt gegangen, explodiert oder gestorben.Wenn ich dieses Tor der Aufmerksamkeit nutzen will für meine Werbung,dann sind natürlich die paar Sekunden vor diesem täglich wiederkehrenden Moment die teuersten.
Robert
01:57:15
Die ist besonders wertvoll, weil die meisten Menschen dann schauen.
Ulrich
01:57:19
Ja, und naja, so funktioniert halt unser Unbewusstes und weil wir halt auchin so einer Marktwirtschaft leben und da immer die Aufmerksamkeit gesucht wird,werden wir halt tropidiert mit lauter Belastungsmeldungen.Weil was hilft mir ein Radiosender, wenn ihn keiner hört? Es geht um die Zuwendung,die Aufmerksamkeit des Publikums.Und dann brauche ich halt die Nachrichten, die mein Urmenschenhirn auch interessieren.Nämlich da bei 185 Grad die zwei Tigeraugen, die da durchs Gebüsch schraben.
Robert
01:57:52
Ja, die Aufmerksamkeit ist die Währung der Werbebranche natürlich, nicht ohne Grund.Soziale Netzwerke, News, die wissen genau, dass Aufmerksamkeit die Gelegenheitist, um Werbung zu verkaufen, um Einfluss zu gewinnen.
Ulrich
01:58:09
Um das mal bildlich zu sagen, wenn wir zwei dann als Werbemanager in der Steppeein Werbeschild für eine Automarke aufstellen wollten, dann hinterm Tiger.
Robert
01:58:20
Hinterm Tiger, richtig.
Ulrich
01:58:26
Und damit haben wir eine Tendenz, uns aufs Leid zu fokussieren.
Robert
01:58:30
Auf jeden Fall. Sehr gut. Erzähl doch mal bitte noch von deinem Buch und vondeiner Dienstleistung, von Lösos und wie kann man dich auf Internet finden?
Ulrich
01:58:44
Also 2014 habe ich ein Buch geschrieben, das hieß...Ich glaube, es hieß die unbewusste Schulduntertitel und wie man sich von ihr befreit.Das habe ich im eigenen Verlag rausgebracht, habe das auch ganz selber gemacht,ohne Lektor und so weiter. Das war schon ganz gut.Und dann ist 2022 ein Verlag auf mich zugekommen,der deshalb auf mich zukam, weil ich mit einer Dame Lösos gemacht habe und dieist eine relativ bekannte Buchautorin, was mir allerdings nicht bewusst war.Sie hat dann nach der Sitzung ihren Namen gesagt, nochmal, ich bin die Frau so und so.Dann sagt er, aha, sollte ich sie kennen?Ja, ich habe schon ein paar Bücher geschrieben, die gar nicht so ohne Erfolgsind und ob ich ihr ein Exemplar meines Buches mitgeben würde.Sie würde das gerne ihrem Verleger geben, weil sie das für eine sehr gute Arbeit hält.Und dann hat sie das gemacht, habe ich Monate nichts gehört.Und dann hat der Verleger sich gemeldet, er hat das Buch gelesen und ob ichmir vorstellen kann, es zu überarbeiten und mit ihm rauszubringen.Und der kam auf mich zu, 2022 und vom 26.Dezember bis 26. Februar habe ich dann das zweite Buch geschrieben,in einem Rausch von acht Wochen oder sowas.Und das heißt, diese Schuld ist nicht meine.Gibt es als Papierbuch zu kaufen, gibt es auch als Hörbuch, hat der MatthiasLühn, das ist ein ganz bekannter, ich kannte ihn vorher nicht,weil ich keine Hörbücher höre, ganz bekannter deutscher Hörbuchsprecher aus Köln.Der hat es wunderbar vertont, das klingt genau so, wie ich es fühle.Und das gibt es auch bei Spotify, weiß ich, ich bin da überall nicht so drin,aber ich weiß, dass es es bei Spotify gibt und man das da hören kann.Und ja, jetzt ist es so, dass ich die Nachfrage nicht alleine decken kann und konnte.Ich habe vor Jahren angefangen, Leute auszubilden darin.Das weiß ich noch genau, der letzte, von dem letzten Kurs, das war der vierte,war der letzte Tag der Sonntag von Corona, wo nach Österreich die Grenzen geschlossenwurden, weil wir eine Ärztin aus Wien dabei hatten,wo wir dann mittags uns noch überlegt haben, ob die überhaupt noch über dieGrenze kommt. Deswegen weiß ich das zufällig so genau.Dann war eine Zeit lang Corona und Pause mit der Ausbildung.Inzwischen bin ich ja ausgewandert und habe das Online-Format für mich entdeckt,was hervorragend funktioniert.Also wir sind, glaube ich, seit Juli dabei.Online auszubilden mit einem großen Theorie-Videokurs, der erstmal die ganzenGrundlagen liefert, das ganze Verständnis ordentlich, sauber, mit Bildern erklärt.Aber das reicht natürlich nicht, sondern wir haben zweimal die Woche Live-Calls.Das heißt, wir treffen uns online, machen Sitzungen zusammen,dann gibt es noch die Erklärung, dann besprechen wir Sitzungen, die waren.Und einmal Donnerstagabend ab 19 Uhr,da gibt es den sogenannten Lösus Live Session Call das ist auch wieder ein ZoomEreignis und da kann jeder mal dabei sein, der einfach will,einfach uns eine E-Mail schreiben an presse at luesus, also anstatt ö, oe..de presse at luesus.de und einfach sagen, dass man da dabei sein will,dann kriegt man einen Link zugeschickt Und ja, jetzt haben wir viel über Lösosgeredet und reden kann man ja über alles.Deswegen haben wir uns gedacht, an dem Abend nicht drüber reden, sondern machen.Und das heißt, dass es immer irgendjemand in der Gruppe gibt,der mich vorher angesprochen hat oder der auch gar nicht aus der Gruppe kommt und dann dabei ist.Du, ich hätte da ein Thema, können wir zusammen Lösos machen?Und ich will vorher gar nicht wissen, worum es geht ich will,so wie im realen Leben, da einfach naja, wie sagt man denn da,Wie sagt man denn da? Ganz realistisch, ich will keine Show abgeben,sondern ich will den Prozess zeigen.Und dann frage ich vorher erst, hey, gibt es ein paar Fragen zu lösen?Dann gibt es vielleicht zur letzten Sitzung noch die eine Frage,der andere bringt eine Erfahrung, wo er gesagt hat, hey, ich habe Sätze fürmich gesprochen und es war so und so und so und so.Und wenn das rum ist, manchmal dauert es fünf Minuten, manchmal 40,Dann bitte ich alle anderen, ihre Kameras abzuschalten, ihre Mikrofone abzuschalten.Und dann beginne ich mit meinem lieben Mitmensch, der mir so vertraut,ihn zu fragen, worum geht es, was ist die Situation und dann führen wir einekomplette Lösussitzung durch.Das alles ist ein hochvertraulicher Prozess.Ich bin auch stolz auf mich, dass ich den Mut habe und ich bin viel stolzerauf die Menschen, die hier ihr Inneres offenbaren, weil wir leben ja auch inso einer sich-nicht-mehr-Zeigen-Gesellschaft.Also es ist ja schon fast schwierig, dass der eigene Name auf dem Klingelschild steht.Und ja, hier zeigen Menschen wirklich ihre Verletzlichkeit.Und ich bin da auch voller Vertrauen und guter Dinge und habe gar keine schlechte Erfahrung gemacht.Alle, die dabei sind, die sozusagenhinter abgeschalteten Bildschirm und Mikrofon mithören, mitsehen.Die können so erkennen, dass dieser liebe Mitmensch da in einer Not ist undin einer Lage ist, die irgendwie auch in irgendeiner Weise mehr oder wenigeroder ganz viel sie selber berührt.Und diese Empathie, die schafft eine Verbindung und die schafft auch wiederdas, was bei uns so fehlt. Jeder will gesehen werden, keiner will sich zeigen.Wie soll denn das funktionieren?Und hier in diesem Raum gibt es die Mutigen, die sich zeigen und dann gibt esdie Vertrauensvollen, die sich bedanken, es anerkennen und würdigen.Und so kann Lösos live gezeigt werden und gesehen werden und es ist immer einwirkliches Geschehen und keine einstudierte Show.Das ist sozusagen die Einladung an jeden, der einfach mal wissen will,wie schaut denn das aus, wie ist denn das?
Robert
02:05:23
So eine Live-Sitzung, wo man die Methodik kennenlernen kann,wo man Fragen stellen kann.
Ulrich
02:05:31
Wo man sieht, wie es arbeitet an Menschen, wo vielleicht jemand das erste Malsieht, der spricht jetzt diesen Schulternahmesatz und wow, beim anderen passiert was.Und das ist ein sehr systematischer Prozess.Also systematisch heißt nicht, dass ich eine Checkliste durchgehe,weil so, das ist jedes Mal anders.Aber für die Dinge, die auftreten, gibt es sich rauskristallisierte Arbeitsweisen,die man dann angepasst für die Situation fließend verwendet.Also es ist kein Blindflug.Es ist jedes Mal eine Safari, ein unbekanntes Gelände. Ich nenne das gern densynaptischen Dschungel.Und da drin gibt es aber schon Gesetzmäßigkeiten, die wirken und funktionieren.Also das ist so unser offenstes Format. Und ja, dann gibt es eben die Lösungs-Practitioner-Ausbildung,wie ich erzählt habe, mit dem Videokurs und den Calls.Und dann gibt es noch den Online-Kurs, der heißt Lösungs-Selbstanwendung,weil ganz viel Lösungs kann man mit sich selber machen.Und das ganze Buch, das ich da geschrieben habe, ist letztendlich ein gigantischesSelbstanwendungsbuch.Hinten gibt es auch einen Übungsteil, einen Aufgabenteil drin und ich habe beidem Buch nichts zurückgehalten, was man selber für sich tun kann.Also es ist kein Teaser, dass ich hier ein bisschen erzählen könnte,aber ich tue nicht, sondern ich habe alles auf den Tisch gelegt,was auf den Tisch zu legen ist.Und in diesem Selbstanwenderkurs, der besteht glaube ich aus 18 Videos oderso, ist 4 Stunden lang oder 3 Stunden 53, wenn ich mich recht erinnere,da kann man sich hinsetzen, sich das erklären lassen, den Film anhalten,die Übungen machen und selber für sich Prozesse machen.Weil letztendlich bin ich der tiefen Überzeugung, es ist wahnsinnig sinnvoll,dass es eine wachsende Anzahl von Menschen gibt, die in der Lage sind,ihren Mitmenschen ganz gezielt mit Lösungs aus belastenden Situationen rauszuhelfen.Und genauso, wenn nicht wichtiger, ist es, dass der einzelne Mensch in der Lageist zu erkennen, wow, hier könnte ich eine unbewusste Schuld auf mich genommenhaben, da spreche ich doch gleich mal ein paar Sätze.Stell dir mal vor, das kleine Kind kommt aus der Schule und die Kameradin istumgekippt mit dem Stuhl, hat ein Loch im Kopf und dann hat es geblutet und dannkam der Schulsanitäter und dann der Sanker.Und so kommt der Kleine oder die Kleine nach Hause, vielleicht sieben,acht, neun, zehn Jahre alt.Gefühlt mit diesem erschreckenden Ereignis und dem Mitgefühl mit dem Mitschüler, Schülerin.Stell dir vor, der erzählt es der Mama und die Mama würde den auf den Schoßnehmen und sagen, komm, jetzt sprechen wir mal ein paar Sätze.Du hast ja nichts falsch gemacht, du sitzt ja eh drei Bänke weiter.Aber lass uns doch trotzdem mal den Satz sprechen, ich nehme die Schuld vonmir, dass die Gabi ein Loch im Kopf hatte und so geweint hat.
Robert
02:08:37
Dass man anderen helfen kann, wenn man das System jetzt mal verinnerlicht hat und verstanden hat.
Ulrich
02:08:43
Und stell dir vor, dieser kleine Knirps nimmt unter Anleitung und Hilfe derMutter eine Schuld von sich, die wenn sie nicht von sich genommen würde,als 35-, 40-Jähriger mit einem Burnout wohl in der Praxis sitzt,weil er jetzt Sankerfahrer ist und sich da verheizt.Und wenn man da in die Tiefe geht, kommt man dahin, dass sein erstes Erlebniswar, dass eine Mitschülerin sich am Kopf verletzt hat und er nicht helfen konnteund jetzt in einem ständigen Wiedergutmachungsmechanismus ist.Stell dir mal vor, man könnte diese Erstleiterfahrungen sofort abfangen.
Robert
02:09:23
Ja, da kann man tatsächlich unfassbar viele Leid lösen, aber auch überhauptgar nicht so weit kommen zu lassen, weil man löst es gleich und nicht nach 20 Jahren.
Ulrich
02:09:36
Ja, dann kommt der Knirps nach Hause, das Ereignis ist vielleicht zwei Stundenher, sein Unterbewusstes, weil es nicht helfen konnte, denkt schon darüber nach,wie kann ich denn wieder Gutmachung starten?Und dann kommt die Mutter, spricht Sätze und das Unbewusste sagt,Ich muss überhaupt keine Wiedergutmachung starten.Ich habe gar keine Schuld mehr. Es wurde von mir genommen.Oder eben nicht. Und es läuft los.
Robert
02:10:04
Aber wenn man es weiß, dann kann man es zumindest versuchen.
Ulrich
02:10:09
Du musst es nicht versuchen. Es ist ein ganz einfacher Aufbau.Und ich habe dir erzählt von dem Mann, der aufgesprungen ist und mich in denArm genommen hat. Und auch du, wenn du das mit dir selber machst,erlebst eine Sofortreaktion. Du musst nicht mit der Stange im Nebel rumstochen.Du musst dich ein bisschen beobachten.
Robert
02:10:31
Diesen Punkt wollte ich jetzt noch mal ganz kurz ansprechen,weil du meintest, man kann sich selbst damit helfen.Es ist dann tatsächlich fundamental anders als jetzt zum Beispiel systemisches Coaching.Ich habe auch eine Ausbildung zum systemischen Business Coach gemacht.Und da ist es so, dass man sich selbst eigentlich gar nicht coachen kann,obwohl man die Methoden kennt.Das funktioniert einfach nicht. Oder auch Psychotherapie. Ich bin jetzt keinSpezialist, ich will jetzt keine Aussagen hier machen, aber stelle mir vor,dass man sich auch nicht selbst therapieren kann. Der Vorteil dieser Lösungist, dass man es machen kann.
Ulrich
02:11:11
Wie verhält sich.
Robert
02:11:11
Lösungs zu jetzt zum Beispiel Psychotherapie? Kann man das als Ergänzung sehen?Also wenn jemand jetzt mit wirklich echten klinischen Beschwerden kommt,der erstmal wirklich Hilfe vom Therapeuten braucht,kann man Lösungsbegleitend machen oder davor oder danach? Wie verhält sich das?
Ulrich
02:11:36
Also, mal ganz prinzipiell lässt sich sagen, unbewusste Schuld kann immer dorthelfen, wo Beschwerden auf unbewusster Schuld beruhen.Das ist mal die Grundaussage. Und jetzt verändere ich die mal ein bisschen.Unbewusste Schuld kann überall dort helfen, wo im Zusammenhang mit der Beschwerdeirgendwann in der Zeit vorher mal ein Leid erlebt wurde, das nicht geheilt werden konnte.Und ja, also...Lösungs lässt sich ganz hervorragend sozusagen als Modul einbauen in systemischeArbeit. Kennst du dich mit systemischer Arbeit ein bisschen aus?
Robert
02:12:16
Ja, ich habe eine Ausbildung zum systemischen Job gemacht.
Ulrich
02:12:19
Ah, das war der richtig Schwerpunkt.
Robert
02:12:21
Ja, genau, das war der Schwerpunkt, systemische, tatsächlich.
Ulrich
02:12:23
Und dann kennst du ja auch, dass so Situationen sind, da werden Dinge aufgestelltmit anderen Menschen oder mit Kissen oder irgend sowas.Und dann kommt man wohin, wo zum Beispiel der Großvater im Krieg war und nichtzurückkam und die Frau vom Großvater, die Oma, blieb alleine mit den Kindern oder sowas?
Robert
02:12:43
In dem Coaching, was ich gelernt habe, hat man tatsächlich nicht in die Vergangenheitgeschaut, sondern tatsächlich nur hier und jetzt und in die Zukunft.Also man hat jetzt die Vergangenheit nicht verarbeitet, sondern in der systemischenAufstellung einfach die Ist-Situation aufgeregt.
Ulrich
02:12:57
Ah, okay.
Robert
02:12:57
Mit Stahlkarten auf dem Boden. hier ist mein Arbeitskollege,der nervt mich und in der Familie ist die Tante, der nervt mich auch und das geht nicht.Und so bildet man dann quasi so eine Karte des Problems und auf dieser Basisbaut man dann Lösungen auf.
Ulrich
02:13:16
Okay, den Ansatz, den ich kenne, ich komme ja aus dem Gesundheitsbereich undnicht aus dem Businessbereich.Genau, aber du kannst dir ja vorstellen, da kommt man dann zurück und jetztformuliere ich es mal anders.Kannst du dir vorstellen, dass man zu irgendeiner für eine Beschwerde ursächlicheSituation zurückkommt und diese Situation drückt nicht irgendeine Art von Leid aus.
Robert
02:13:44
Da bin ich nicht sicher. Also Leid ist immer die Wurzel, wo man anfängt, richtig?
Ulrich
02:13:54
Ja, du musst es mal so sehen. Da kommt ein Klient und sagt, hey,ich habe dieses und jenes Problem.Und jetzt gräbt man nach, kommt an den Ursprung und dann ist es sehr wahrscheinlichoder fast schon zwingend, dass dieser Ursprung kein wunderschöner Tag,Sonntag mit Tretbootfahren und Sonne war.
Robert
02:14:11
Klar, Pain-Porn.
Ulrich
02:14:13
Und Painpoint, da wird sich irgendwas finden, was halt nicht so gut war.Also war es ein Leid. Und ganz offensichtlich ist dieses Leid in diesem System,in diesem Mensch ja noch nicht geheilt. Weil wenn es geheilt wäre,dann wäre das kein Painpoint mehr für ihn.Also letztendlich findet man immer, ob Hypnose, Therapie, germanische Reisenzurück, ob systemische Arbeit, was auch immer, man findet immer ungeheiltes Leid.Und für ungeheiltes Leid ist Lösos halt sozusagen der Universalschlüssel.Und so lässt sich Lösos in ganz viele andere Therapieformen implementieren.Und auch in Psychotherapie und auch da, wo es Menschen so richtig schlecht geht.Und ich habe auch schon mit vielen Menschen zusammengearbeitet,wenn es richtig schlecht ging, ob das Tsunami-Opfer, Angehörige waren oder Tsunami-Erlebende,ob das Lawinenflugzeugabsturz-Miterlebende waren.Also einer der wirklich für mich auch prägendsten Momente war,da habe ich mal mit einem Mann gearbeitet und der hat als Teil der GSG 9 damals 1979,in Mogadischu die Landshut mit erstürmt.Der war also Teil von diesem Team, das ganze Flugzeug, die ganzen Passagiereund die Crew von diesen drei Terroristen befreit hat.Und der hatte dann natürlich massive Angst, dass er erschossen wird,dass seine Kameraden erschossen werden, dass die Passagiere erschossen werdenund diese Angst, die so angehalten hat, hat sich halt in ihm als Leid eingebrannt.Und so habe ich viele grenzwertige Erfahrungen erlebt.Ich habe auch Vorträge gehalten vor Hospizvereinen, wo ja ganz viele Menschensind, die anderen Menschen auf dem letzten, schwersten Weg helfen.Ich habe vor freiwilligen Feuerwehren gesprochen und solche freiwillige Feuerwehr,die Sankerfahrer, diese ganzen Ehrenamtlichen.Also für die gehört das ja dann auch irgendwie schon zum Alltag,dass eine Leitplanke durch den Motorradfahrer durchsteckt.Aber das ist trotzdem ein Leid. Nur weil es häufig vorkommt,ist es jedes Mal ein Leid.Und man kann das immer schön sehen, die graduelle Überforderung zeigt sich inder Zunahme des Galgenhumors.Das heißt so nach dem Motto, Herr Doktor, der Hypochonder von Zimmer 5 ist gestorben,jetzt übertreibt er aber.Also Galbenhumor, Galbenhumor tritt dort auf als Notfallventil,wenn das Leid zu groß wird und man es nur noch ins Lustige ziehen kann,weil es uns erdrücken wird.Und so gäbe es auch ganze Berufsgruppen, diese ganzen, einfach die,die professionell mit Leid zu tun haben, die Bergwachtmenschen,die Wasserwachtmenschen, die ganzen Kriseninterventionsteams,diese tausende freiwilligen Feuerwehrmenschen und diese Rettungssankerfahrer,also die, die halt genau dorthin gerufen, wo ein Leid werden,wo es ist und bloß weil die eine Uniform haben,haben sie immer noch ein Herz.
Robert
02:17:37
Natürlich.
Ulrich
02:17:40
Und für die, gerade für die, da kannst du ja nicht für jeden einen Therapeutenausbilden, also ich meine einen Lösungspractitioner, das braucht man auch nicht.Weil die müssen eigentlich nur die Systematik verstehen, die sie im Buch genau erklärt.Und dann können sie sich mal hinsetzen, das tun, was im Buch steht,sich vorher kalibrieren und dann Sätze sprechen zu den Ereignissen des Tages zum Beispiel,die sie heute belastet haben, Zu den Ereignissen der Woche, die sie belastethaben und zu den Ereignissen,die ihnen gut im Gedächtnis geblieben sind.Zum Beispiel der Skifahrer vor drei Jahren oder das und jenes.Ich habe mit vielen solchen Menschen gearbeitet und da hat jeder seine...Jetzt hätte ich fast Highlights gesagt, seine Lowlights, also Ereignisse,Erinnerungen an besonders für ihn als helfenden schwere Situationen.Das kann der Mensch mit sich selber machen dafür und genau so ist das Buch geschrieben.Schau, ich habe da so ein schönes Beispiel. Da gab es ja mal diesen Arzt,der von seinen Kollegen verlacht wurde.Der wurde als inkompetent und lächerlich dargestellt.Und es war so ein Arzt, der hat die Forderung gestellt, hört mal zu,liebe Kollegen, wenn wir vormittags eine Leiche seziert haben und dann gleichvor oder nach der Mittagspause rübergehen zur Entbindung,dann wäre es doch gar nicht so schlecht, wenn wir uns zwischendrin mal die Hände waschen.Und er wurde dafür verlacht, er wurde angefeindet. Er hat den Verdacht gehabt,dass die Sterblichkeit der Kinder und der Mütter damit zusammenhängt.Die anderen haben es noch nicht gewusst, gesehen.Und dann hat man es da tatsächlich mal gemacht und siehe da,diese einfache Handhygiene nennt man das heute, hat die Sterblichkeit der Kinder drastisch reduziert.Und stell dir vor, man könnte dieses einfache Setting, das man wirklich in kürzesterZeit versteht, als Händewaschen für die Seele sehen, jetzt ist es sehr platt,als einfachen seelischen Hygieneprozess,du kannst es ja mal machen.Mach das doch mal, dass du dich abends, wenn du im Bett liegst,fragst, was habe ich denn heute irgendwas Schwieriges an mir oder jemand anderemerlebt? Und dann formulieren wir das.
Robert
02:19:58
Als Habit vor dem Schlafhigiene.
Ulrich
02:20:00
Ja, genau.
Robert
02:20:01
Und sich dann daran hält, so eine Gedankenhygiene betreiben, vor allem im Schlaf.
Ulrich
02:20:08
Seelenhygiene, nennen wir es Herzenshygiene.
Robert
02:20:12
Ja, genau. Nur vor dem Schlafen entlastet, schlafen zu gehen.Sonst, wenn man es nicht tut, dann verarbeitet man im Schlaf ja es umso stärker.
Ulrich
02:20:24
Und wenn irgendwas akut auftritt tagsüber, also du fährst einmal einen Unfallvorbei und dann siehst du, wie es jemandem schlecht geht.Dann kannst du sofort sprechen. Hey, obwohl ich weiß, dass ich nichts dafür kann,ich nichts falsch gemacht habe, Ich hätte nichts besser machen können und mirniemand einen Vorwurf machen kann, nehme ich trotzdem die Schuld dafür von mir,dass dieser Motorradfahrer so schwer verletzt ist.Und dann musst du nicht raten, ob was passiert, du wirst es augenblicklich spüren.
Robert
02:20:55
Als Entlastung körperlich.
Ulrich
02:20:58
Ja, genau.Und ja, das ist eigentlich die große Mission, bilde Leute aus,die es richtig gut können und biete an, dass jeder es für sich lernen kann miteinem niedrigen Einstieg.Also zum Beispiel das Buch oder der Videokurs. Der Videokurs erklärt sehr gutund da geht es bei dem Übungsteil schon so richtig in die Tiefe hinten,abgestuft, Schritt für Schritt.Aber da passiert richtig viel und das weiß ich, weil ich diesen Videokurs entwickelthabe aufgrund von ein paar Jahren Erfahrung mit Kursen für Selbstanwender.
Robert
02:21:37
Man kann schnell einsteigen und wenn man mehr will, dann kann man ja weitere Kurse belegen.Ja, so ist es. Das ist eine große Mission, wirklich.Dass man so viel Leid tatsächlich lindert.
Ulrich
02:21:54
Und ich möchte jetzt einen Punkt noch ansprechen, den ich überhaupt noch nicht angesprochen habe.Stell dir mal vor, hast du schon mal den Begriff Epigenetik gehört?
Robert
02:22:06
Ich bin mir nicht sicher.
Ulrich
02:22:08
Also, man weiß inzwischen,dass Traumata dafür sorgen, dass unser System sich anpasst in der Hinsicht,dass sich um den DNA-Faden rum eine Informationsgruppe bildet,die dafür sorgt, dass die DNA anders abgelesen wird.Da werden bestimmte Enzyme dann verstärkt abgelesen, andere werden unterdrückt.Gerückt oder gehemmt, in dem Ziel, sich an die traumatische Situation anzupassen.Und so können auf epigenetischem Weg die Spuren der Traumata in unseren Nachfahren vererbt werden.Oder umgekehrt, du trägst Traumata in dir, die du gar nicht erlebt hast.
Robert
02:22:55
Sind das konkrete Traumata oder ist es eine Sensibilisierung?
Ulrich
02:23:01
Ganz konkret, dein Großvater hat das und das erlebt Deine Großmutter, deine Mutter,deine Ururgroßleute haben das erlebt Das hat in ihnen einen epigenetischen Antwortabdruckgebildet Und wenn der nicht gelöst wurde, dann wird er über einige Generationenbis zu dir vererbt Das heißt,du hast jetzt eine Trauma-Information im System Für ein Trauma,das du nicht erlebt hast Und da wird Lösungsrichtig spannend,weil an diese Traumata kommen wir auch ran Und wenn wir das ungeheilte Leidunserer Vorfahren lösen und es nicht mehr auf uns wirkt,dann erleben wir viel Befreiung.
Robert
02:23:40
Ja, das ist ein Riesenthema. Ein Riesenthema, also ein generisches Leid vonNachkriegsgenerationen, die sehr viel Leid und Trauma erlebt haben.
Ulrich
02:23:53
Ich hätte es jetzt nicht angesprochen, aber jetzt, wo du es sagst, spreche ich es doch an.In den vielen Jahren, in denen ich Praxis gemacht habe, gab es drei Wochen,verteilt nicht drei Wochen nacheinander, wo ich nicht mit Krieg zu tun hatte.Sonst hatte ich jede Woche einmal, ich glaube, die Rekordwoche war neunmal mit Krieg zu tun.Und da habe ich nicht mit Senioren über 70 gearbeitet, sondern mit allen Altersstufen.Einer der jüngsten war acht und ich erinnere mich gerade an den 14-Jährigen,da ging es um einen Urgroßvater, der in Russland in Gefangenschaft verhungert und erfroren ist. Und,Dem ging es nachher völlig anders. Die Mutter hat mich angerufen und gesagt,was haben Sie mit meinem Jungen gemacht? Der lässt sich nicht mehr mobben, der wehrt sich.Und dann habe ich sie gefragt, gab es einen Urgroßvater, der in Russland erfrorensein könnte? Da sagt sie, ja, ja, den gibt es, also den gab es.Das hat sich bei uns hier in der Arbeit gezeigt, der Junge wusste das nicht.Und der Schluss war für sein Unbewusstes, wenn ich meinem Großvater nicht helfenkonnte, dass er in dieser Ohnmacht war, von anderen Menschen ausgehungert zu werden,kalt gelassen zu werden, wenn er erlebt haben musste, dass er so ohnmächtiggegenüber den anderen Menschen war.Wie darf ich mich denn dann wehren?Und so hatte der sozusagen aufgrund einer Vorlebenerfahrung,mit Vorleben meine ich jetzt alle leben vor uns, also auch unsere Ahnen,eine Wiedergutmachungsmechanik drin, die sozusagen ungefähr so zu beschreibenist, wenn ich daran schuld bin, dass ich dem Wehrlosen nicht helfen konnte,dann ist es völlig okay, dass ich selbst wehrlos bin.Und dann war er wehrlos. Und dann hat er diese Schuld von sich genommen.Das wollte ich noch ganz wichtig ergänzen.Letztendlich bin ich in so einer Sitzung nur die Reiseleitung.Weil der Mensch gegenüber spricht für sich die Schuldannahmesätze,ja er spricht sie mir nach, aber er nimmt die Schuld von sich,das kann ich nicht tun, weil ich habe sie ihm nicht gegeben und so hat dieser14-Jährige die Schuld von sich genommen für einen Urgroßvater,der eben dieses Leid erlebt hat und dann war er nicht mehr mobbar dann hat ergleich mal einen Verweis bekommen weil er sich gewehrt hat,und naja.So könnte ich hunderte Beispiele erzählen, die mit wenig Ereignis viel Veränderung gebracht haben.Aber kommen wir nochmal auf die einfache Sache zurück.Stell dir vor, du könntest die Wiedergutmachungsmechanismen,die in dir unbemerkt wirken und dein Leben ganz massiv mitgestalten,entweder selber finden oder mit Hilfe finden und sie durch die,Entnahme von unbewusster Schuld deaktivieren, sodass du aus dem Überlebensmodus,dem Unbewussten rauskommst.Und das könnten wir nach und nach flächendeckend immer mehr machen.Wie würde sich unser Leben verändern? Wie würde sich unsere Gesellschaft verändern?
Robert
02:27:16
Ja, richtig. Wenn man so viel Leid lindern kann mit einfachen Methoden.Ich finde, das ist wirklich ein Augenöffner, weil von dieser Methode hört manja nicht. Es gibt ja Standardverfahren.Ich kenne mich da jetzt nicht in Psychotherapie aus.Natürlich ist Psychotherapie auf klinische Beschwerden fokussiert,aber ich kann über Coaching sprechen.Es gibt ja verschiedene Ansätze, aber jetzt hinzugehen und sagen,okay, die Wurzel ist aber irgendwo anders und zwar in unbewusster Schuld kenneich nicht, habe ich noch nie gehört.Und ich glaube, dass die Möglichkeit, die wir jetzt hatten, darüber zu sprechen,auch unseren Zuhörern und Zuhörern, glaube ich, zu denken geben wird und auchmir zu denken gegeben hat, dass es noch diese Möglichkeit gibt.
Ulrich
02:28:18
Und tatsächlich, also ja, das hat irgendwie ist da noch keiner drüber gestolpertund ich bin ja auch nur drüber gestolpert, weil die Praxis mich dann da wiederhingeführt hat, sonst wäre das bei mir auch im Rauschen wieder untergegangen.Und es gab Phasen, wo ich mir gedacht habe, entweder bin ich hier brutal aufdem Holzweg und bilde mir alles nur ein, oder es hat wirklich eine solche Tragweite.Und es hat tatsächlich Jahre gebraucht, bis ich verstanden, gesehen und erkannt,bis es bei mir angekommen ist, dass Lösos,die unbewusste Schuld eine völlig ungesehene Dimension ist, für die aber auchschon jetzt das Verfahren da ist, um es wegzunehmen.Also die Tragweite hat für mich lange, lange gebraucht.Aber dann kam sie doch an.
Robert
02:29:03
Ja, hat sich gelohnt. Sehr schön, Uli. Das ist wirklich ein tolles Gespräch.Ich habe sehr viel gelernt. Und ich wünsche dir alles Gute,weiterhin viel Erfolg mit Lösus und dass du auch vielen Menschen in der Zukunft auch helfen kannst.
Ulrich
02:29:26
Robert, ich danke dir für dein offenes Ohr, für deine warme,menschliche Person, für deine... Okay, du hast ein bisschen leiden müssen untermeinem Beispiel vielleicht.Nein, gar nicht. Nein, ich entschuldige mich nicht, weil ich weiß, es ist okay.
Robert
02:29:40
Nein, das ist gut.
Ulrich
02:29:40
Danke dir. Und ja, es war mir eine Ehre, hiervon berichten zu dürfen,von etwas, wo jeder Mensch sich mithelfen kann.Und ja, es ist mein Vergnügen. Danke dir für die Möglichkeit.Danke für dieses ruhige Gespräch in freundschaftlicher Stimmung.
Robert
02:30:00
Ich habe zu danken. Und die Adresse deiner Webseite ist loesus.de und den Linkwerde ich in den Shownotes verlinken.Da können die Zuhörer das einfach finden und zu deiner Seite kommen und sich das Angebot anschauen.
Ulrich
02:30:19
Vielen Dank. Danke dir, Robert. Und ich lade jeden ein, der dabei sein will,am Donnerstag Abend um 19 Uhr an presse.lösus.de eine E-Mail mit der kurzenBitte, bitte, ich möchte am Donnerstag dabei sein,schicken, dann kriegt er einen Link zugeschickt und schon geht's los.
Robert
02:30:38
Das klingt doch super. Vielen Dank.
Ulrich
02:30:41
Bitte gerne. Ich wünsche dir einen schönen Abend.
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