Werte & Wandel Podcast

WERTE.IT

#04 - Inklusion am IT-Arbeitsplatz: Herausforderungen und Lösungen

Dennis Bruder und Detlef Girke diskutieren die Notwendigkeit von Inklusion in Unternehmen

14.01.2026 19 min

Zusammenfassung & Show Notes

Studierter Kommunikationswissenschaftler und Barrierefreiheitsexperte Dennis Bruder und Detlef Girke aus dem Team von WERTE.IT diskutieren die Herausforderungen und Lösungen für Menschen mit Behinderungen in der digitalen Arbeitswelt. Die beiden Experten teilen ihre Erfahrungen und betonen die Notwendigkeit von Inklusion in Unternehmen sowie die Rolle von Technologie und Hilfsmitteln.

Transkript

Detlef Girke
00:00:00
Die IT bietet einfach für Menschen mit Behinderungen unglaubliche Chancen.
Wolfgang Haase
00:00:07
Ich bin... ...Unternehmensberater für Mitarbeiter- und Kundenbindung...
Detlef Girke
00:00:11
Eine barrierefreie IT und ein inklusiver Ansatz im Unternehmen kann dazu führen, dass man wirklich gewinnbringend Menschen mit Behinderungen auch im eigenen Unternehmen beschäftigen kann.
Moderator
00:00:21
Werte und Wandel. Der Podcast für inklusives Management in Unternehmen.
Detlef Girke
00:00:31
Detlef Girke hier.
Wolfgang Haase
00:00:32
Hallo Herr Girke,
Detlef Girke
00:00:34
Ah, Herr Haase, hallo. Natürlich.
Wolfgang Haase
00:00:39
Sehr gut. Also, es könnte nicht besser sein. Wunderbar, viel zu tun, schätze ich, wie immer. Ich will Sie auch gar nicht lange aufhalten. Ich habe mir neulich den Podcast angehört, den Sie mir empfohlen hatten zu dem Thema Inklusion. Das ist super interessant. Das ist wirklich sehr lustig, dass es gerade jetzt passiert. Bei mir hat sich jemand beworben, eine Dame, die ist mobilitätseingeschränkt und kann nur mit der Tastatur arbeiten, also keine Maus bedienen. Das ist eine sehr interessante Bewerberin und ich würde das gerne ermöglichen, also dass sie bei mir arbeitet und haben Sie da eine Idee, worauf ich achten muss.
Detlef Girke
00:01:19
Ja, da könnte ich Ihnen natürlich direkt einiges erzählen dazu zu dem Thema. Auch da habe ich wieder was ganz Tolles für Sie. Ich habe gerade letztens ein Interview geführt mit Dennis Bruder von der Pfennigparade, wie es der Zufall so will. Und das können Sie sich gerne anhören. Ich schicke Ihnen die Aufnahme zu.
Wolfgang Haase
00:01:37
Okay, super, prima. Ich danke Ihnen vielmals. Das ist ja großartig. Ich sehe schon, wir bleiben in Kontakt. Dann warte ich auf Ihre Mail und höre mir das an.
Detlef Girke
00:01:46
Dann ganz sicher, bis ganz bald wieder.
Wolfgang Haase
00:01:49
Vielen Dank. Einen schönen Tag.
Detlef Girke
00:01:55
Herzlich willkommen zu unserem Podcast. Heute soll es um das Thema Menschen mit Behinderung am PC, typische Probleme und Lösungsansätze gehen. Und als Experten haben wir heute im Studio Dennis Bruder von der Pfennigparade. Dennis, magst du dich kurz einmal vorstellen?
Dennis Bruder
00:02:11
Ja, genau. Hast es gerade schon richtig gesagt. Mein Name ist Dennis Bruder. Ich arbeite und wohne in der Stiftung Pfennigparade, bin Barrierefreiheitsexperte und habe ja mal Kommunikationswissenschaft studiert, mich dann mehr und mehr ins Online-Marketing spezialisiert und habe dann so ein bisschen auch innerhalb der Pfennigparade die Kurve Richtung digitaler Barrierefreiheit bekommen. Und ich selbst habe auch eine Körperbehinderung. Also ich habe eine hohe Querschnittlähmung. Ich also selber auch den Computer nicht auf die herkömmliche Weise bedienen, sondern brauche auch Spezialhilfsmittel wie eine Sprachsteuerung und eine Spezial-Maus. Also habe auch selber relativ viele Erfahrungen neben dem, was ich sonst noch mache, und zwar zur digitalen Barrierefreiheit beraten.
Detlef Girke
00:02:55
Wie unterstützt eigentlich die Pfennigparade Unternehmen, die sagen wir mal ein wenig signalisieren, dass sie Menschen mit Behinderungen gerne beschäftigen würden, aber gar nicht wissen wie?
Dennis Bruder
00:03:06
Die Pfennigparade unterstützt Unternehmen eigentlich ganz vielfältig. Also erstmal haben wir ein Angebot in der digitalen Barrierefreiheit, das sich an Unternehmen richtet, das erstmal Unternehmen von Grund auf, also IT-seitig zur Barrierefreiheit begleiten kann. Da können wir Webseiten testen, da können wir IT testen, gibt es ganz verschiedene Möglichkeiten. Wir haben da auch eine eigene Werkstattgruppe, das ist das Testlabor. dass eben einerseits diese Tests für Unternehmen anbietet und dann haben wir auch noch ein inklusives Unternehmen, das auch der Pfennigparade angehört, das auch ganz viel in die Richtung berät. Was die Pfennigparade natürlich auch macht und gerade im Werkstattbereich ist, Menschen aus dem zweiten Arbeitsmarkt, aus dem Werkstattbereich über Praktika, über Vermittlungen dann auch in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. Also da gibt es ganz viele vielfältige Möglichkeiten und wenn man sich da interessiert, auf der Pfennig- Paraden Webseite findet man da auch die entsprechenden Informationen zu.
Detlef Girke
00:04:14
Vielen Dank. Und mein Punkt ist ja auch, ich bin ja auch sehbehindert und bin über meine Sehbehinderung letztlich auch zum Thema Barrierefreiheit gekommen. Ich habe ursprünglich einmal Elektrotechnik studiert und ich glaube, wir sind schon beide sehr lange in diesem Bereich tätig und haben schon jede Menge Erfahrung gesammelt. Deswegen freue ich mich besonders, dass du uns heute sozusagen als Gast hier Rede und Antwort stehen kannst. Also erste Frage. Die WCAG unterscheiden zwischen den Kategorien Sehen, Hören, Lernfähigkeit und Bewegung. Um je nach Ausprägung Anforderungen zu beschreiben für den Fall, dass eine der Kategorien eingeschränkt ist oder nicht vorhanden ist. Gibt es aus deiner Sicht eine Kategorie, die dabei fehlt? Also sollte man zum Beispiel genauer differenzieren zwischen den Bereichen Dyslexie, Dyskalkulie oder psychischen Behinderungen. wenn man sich Arbeitsplätze anschaut. und den Schwerpunkt setzt in Behinderung und Arbeit. Welche Arten von Behinderungen oder Einschränkungen fallen deiner Meinung nach dabei viel zu häufig unter den Tisch?
Dennis Bruder
00:05:23
Das waren jetzt gleich mal mehrere Fragen. Ich versuche es mal so nach und nach zu beantworten. Beginnend damit, ob irgendwas fehlt innerhalb der Web Content Accessibility Guidelines. Ich würde sagen, was mir jetzt so ganz spontan schon mal fehlt, ist eine sprachliche Einschränkung. Es gibt natürlich in verschiedenen Behinderungsbildern auch die Möglichkeit, dass man zusätzlich auch noch sprachlich eingeschränkt ist. Und da geht es jetzt nicht so die kognitiven Fähigkeiten zu sprechen, sondern mehr um die Aussprache. Und das meint man jetzt vielleicht im ersten Schritt, hat jetzt gar nicht so viel Auswirkungen auf digitale Barrierefreiheit, weil man da eher auf der Konsumentenseite ist. Aber es kann natürlich Auswirkungen haben. Und wenn man sich jetzt ChatGPT heutzutage anschaut, die haben die Möglichkeit, per Sprache zu kommunizieren. Oder wenn ich auch Spracheingaben hab. ja teilweise, am Telefon kennt man das von so Telefon-Hotlines, dann fehlt da ja, fehlt da die Möglichkeit für Menschen, die sich jetzt nur sehr undeutlich ausdrücken können, dort eine Spracheingabe zu machen. Das ist das, was mir schon mal fehlt. Wenn man dann bei den kognitiven Einschränkungen, also den Verständniseinschränkungen überlegt, gibt es dann natürlich verschiedenste Möglichkeiten, also Dyskalkulie, Dyslexie. sind ja Sachen, die durchaus auf die Inhalte dann auch Auswirkungen haben. Wenn ich jetzt speziellere Inhalte, die mathematischer sind, habe oder Inhalte, die jetzt längere Texte beinhalten, dann ist es natürlich eine Ausdifferenzierung nochmal. Und dann noch die psychischen Einschränkungen, das ist natürlich nochmal ein ganz eigenes Feld, das man in der Breite aufmachen kann, gerade wenn man in Richtung Arbeitsleben denkt. Da ist es natürlich schwierig, für Menschen, jetzt vielleicht psychische Probleme haben, sich vielleicht länger zu konzentrieren. Oder es gibt verschiedene Trigger, die ausgelöst werden können, die dort problematisch sein können. Also da bedarf es wahrscheinlich gerade im Bereich der kognitiven und psychischen Einschränkungen eigentlich noch mal deutlichen Ausdifferenzierungen.
Detlef Girke
00:07:38
Was fällt deiner Meinung nach denn ganz aktuell am Arbeitsplatz, im Arbeitsleben viel zu häufig unter den Tisch?
Dennis Bruder
00:07:47
Also Arbeitsplätze behindertengerecht und gerade Computerarbeitsplätze behindertengerecht auszugestalten, das hat natürlich sehr viele Ebenen. Man braucht eigentlich natürlich, heutzutage ist es bisschen einfacher geworden, weil man ja natürlich viel von remote arbeiten kann. Aber es gibt natürlich Arbeitgeber, die müssten dann erst mal die Grundlagen schaffen. Das heißt einen zugänglichen Arbeitsplatz haben, man jetzt zum Beispiel in der Firma ist, dann Computer, Tische. die vielleicht höhenverstellbar sind, damit man im Rollstuhl auch gut ranfahren kann. Da gibt es natürlich damit so bisschen begleiten diese ganze Ausstattung, ein Arbeitgeber bräuchte. Und dann geht es ja dahin über, dass man einen Computerarbeitsplatz hat mit vielleicht Spezialhilfsmitteln, die erst mal kompatibel sein müssten. Dann muss vielleicht eine Spezialsoftware durch die IT erst mal durch und genehmigt werden. Und ja, da braucht es häufig einen langen Weg. Dann sind Spezialhilfsmittel Gerade im Bereich, wenn die teuer sind, also das ist ja häufig so, dass Hilfsmittel einfach teure Gerätschaften oder eine teure Software ist, die man privat schon genehmigt kriegt, vielleicht von der Krankenkasse, aber man bräuchte die vielleicht doppelt und dann müsste man eben am Arbeitsplatz vielleicht noch mal eine eigene Spezialmaus haben oder den Screenreader, der dort noch mal installiert werden muss, ja auch Geld kostet oder Geld kosten kann. Und da braucht man dann nochmal gesonderte Bewilligungen einfach. Das muss man natürlich alles wissen und das müssten die Firmen auch wissen, wenn sie Menschen mit Behinderungen einstellen, dass es da vielleicht auch einen gewissen Vorlauf braucht und dass man vielleicht auch sich erstmal mit dem Thema genauer auseinandersetzen muss.
Detlef Girke
00:09:21
Ja genau, solche Begleitumstände und solche Zusatzmaßnahmen. Vielen Dank, das ist ein ganz ganz wichtiger und wesentlicher Aspekt. Kommen wir nochmal zu den Eingabegeräten. Viele Eingabegeräte ersetzen ja die herkömmliche Maus oder Tastatur oder machen sie zugänglicher. Gab es für dich in den letzten zehn oder zwanzig Jahren größere Veränderungen oder auch Fortschritte, die das nochmal, ja, ich will nicht gleich sagen revolutioniert haben, aber die da vielleicht nochmal für eine ganz entscheidende Veränderung und auch eine echte Verbesserung gesorgt haben.
Dennis Bruder
00:09:53
Bei mir ganz persönlich, wenn ich zurückdenke, ich hatte 2003 mal einen Unfall, bin halt seither querschnittgelähmt und habe schon damals mit Sprachsteuerungen gearbeitet. Die Sprachsteuerungen haben sich aber auch schon gewaltig entwickelt. Die Erkennungsgenauigkeit ist deutlich besser geworden, die Geschwindigkeiten der Computer sind natürlich besser geworden. Also man kann heutzutage viel flüssiger und viel genauer diktieren. Dann benutze ich auch so eine Kopfmaus. Früher habe ich das Ganze über so Joystick, über so ein Kinn-Joystick bedient. Jetzt kann ich das über die Kopfmaus bedienen, die einfach die Bewegung meines Kopfes in eine Mausbewegung überführt und in der Kombination. Es ist bei mir persönlich so, dass ich viel viel schneller arbeiten kann. Jetzt, wenn man das Ganze mal so bisschen abstrahiert von mir und vielleicht ein bisschen breiter denkt, sind sowas wie Smartphones heutzutage auch ein Riesen-Gamechanger, weil dort Bedienungshilfen einerseits integriert sind. Und über diese Bedienungshilfen kann man ja ganz viele Sachen machen. Ich kann jetzt darüber telefonieren. Ich habe quasi eine Möglichkeit, einfach nur per Sprache mit Menschen zu kommunizieren, kann Nachrichten schreiben und habe auch zum Beispiel im Bereich Smart Home, dass ich auch einfach per Sprache bedienen kann, auch ganz andere Möglichkeiten als früher. Früher war das alles eher so Spezialhilfsmittel, die man über so Umfeldkontrollgeräte sich mühsam erarbeiten musste. Das war alles unheimlich langwierig, teuer. musste man erst mal bewilligt kriegen und hat auch viel schlechter funktioniert. Und heutzutage ist das alles möglich und gerade auch Handys sind jetzt nicht nur für bewegungseingeschränkte Menschen ein tolles Hilfsmittel, sondern auch für seh- eingeschränkte Menschen zum Beispiel. Oder wenn ich jetzt an höreingeschränkte Menschen denke, da gibt es jetzt sogar schon die Möglichkeit, die AirPods, also bei Apple speziell, so eine Art Hörgerät zu ersetzen. Das ist jetzt vielleicht nichts für Leute, so eine die vielleicht schon ihr Spezialhilfsmittel haben. Aber man sieht, wie weit das schon mitgedacht wird, das Thema auch von größeren Konzernen.
Detlef Girke
00:11:52
Das tatsächlich war und genau solche AirPods habe ich mir vor einiger Zeit tatsächlich aus dem gleichen Grund besorgt, einfach weil ich mal die Möglichkeit haben wollte oder immer wieder auch mal die Möglichkeit haben wollte für mich, privat einen Hörtest zu machen.
Dennis Bruder
00:12:08
Also ich finde, es hat sich eine Menge getan schon von Grund auf und das ist natürlich aus den USA auch ein bisschen getrieben, die dort auch gesetzliche Vorgaben hatten für größere Unternehmen, dass die Barrierefreiheit mitdenken müssen und es ist natürlich auch ein gesellschaftlicher Wandel, der stattgefunden hat.
Detlef Girke
00:12:23
Auch hier die Frage, wie hat sich das auf die Arbeitsplätze ausgewirkt? Diese Verbesserung. Gab es zum Beispiel, weiß nicht ob du das beobachtest, aber kam es zu Mehreinstellungen von Menschen mit Behinderungen im ersten Arbeitsmarkt zum Beispiel dadurch?
Dennis Bruder
00:12:39
Also ich habe da jetzt keine Zahlen dazu. Ich kann mir schon vorstellen, also es gibt ja eine Quote, die erfüllt werden muss, dass es vielleicht eine gewisse Steigerung gegeben hat. Aber es ist doch sehr individuell und sehr unterschiedlich. Also manche Firmen treiben das Thema einfach stärker voran. Ich glaube jetzt, dass die IT-Ausstattung an sich jetzt nicht unbedingt dazu beiträgt oder die bessere Möglichkeit. dass Firmen das mehr einstellen, also mehr Menschen mit Behinderung einstellen. Aber ich kann mich da auch täuschen. Also es ist schon einfacher, vielleicht ist der Weg auch einfacher zu gehen zwischen, wenn ich jetzt im Betriebssystem schon integriert bestimmte Bedienungshilfen habe, dann ist das natürlich für Menschen, die jetzt auf Spezialhilfsmittel und auf eine Spezialsoftware vielleicht angewiesen sind, jetzt nicht so relevant. Aber vielleicht gibt es ja auch Einschränkungen. die über diese Bedienhilfen abzudecken sind, die ein bisschen niederschwelliger sind, wie zum Beispiel Rot-Grün-Schwäche oder so was. Dann hat man natürlich bessere Möglichkeiten auch durch die Bordmittel, die jetzt so ein Betriebssystem hat. bei solchen Einschränkungen. Natürlich haben sich die Bordmittel der Betriebssysteme durch die Bank verbessert. Das ist tatsächlich wahr. Genau, und ganz repräsentativ kann ich da natürlich nicht reden. Wir in der Pfennigparade haben ja sehr viel Erfahrung im Bereich der Werkstätten für Menschen mit Behinderung und können da auch viele Aufträge auch für Firmen abdecken. Aber das ist natürlich noch mal ganz anderer Bereich. Also Werkstatt für Menschen mit Behinderung ist ja nicht der erste Arbeitsmarkt, sondern der zweite Arbeitsmarkt. Und ja, das ist ja noch mal ein bisschen eine Sonderform.
Detlef Girke
00:14:20
Ja, aber wir haben bei WERTE.IT tatsächlich das Ziel, wirklich zu schauen, wie kann es gelingen, dass Menschen mit Behinderungen auch im ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen können? Wir finden und ich glaube, da stimmen wir auch einigermaßen überein, die technischen Möglichkeiten und Gegebenheiten sind eigentlich alle, das ist alles gegeben. Man kann das alles theoretisch einrichten. Und der Sinn dieses Podcasts heute ist ja auch herauszufinden, wo hakt es, wo hakt es und wo können wir noch einen Hürden sozusagen abbauen. Da appelliere ich auch an die Firmen, da vielleicht nicht mehr so die Berührungsängste zu haben, weil es die Möglichkeiten gibt, auch für sehr viele verschiedene Behinderungsbilder, die Möglichkeiten gibt, die Behinderungen gewisserweise auszugleichen. Und gerade Computer bieten da eine gute Möglichkeit. wenn man, also kommt natürlich auf die Firmenkultur an, aber dieses Ganze von zu Hause aus arbeiten ist für Menschen mit Behinderung natürlich auch eine tolle Möglichkeit, weil man auch diese physischen Schranken nicht hat. dass ich vielleicht nicht ins Gebäude rein kann oder dass ich eine Dienstreise nicht antreten kann. Also darüber hatten wir ja schon von Grund auf Möglichkeiten und eben die Hilfsmittel und die einfacheren Möglichkeiten, die eben auch verschiedene Behinderungen kompensieren. Wo siehst du die Schwelle, wenn es schon so viele Möglichkeiten innerhalb der Betriebssysteme - wann macht es eigentlich Sinn, einen Screenreader oder Vergrößerungssoftware zu kaufen? Oder Funktionen wie die klebenden Tasten in Windows. Die kennen ja viele gar nicht, aber die werden ja auch von manchen Menschen sehr gerne genutzt. Kennst du vielleicht auch, fünfmal die Shift-Taste drücken und dann kann man Steuerung-Alt-Entfernen hintereinander drücken. zum Beispiel und solche Dinge. Was meinst du, brauchen wir überhaupt noch zusätzliche Hilfsmittel-Software oder reichen in den meisten Fällen sogar die in den Betriebssystemen vorhandenen Funktionen?
Dennis Bruder
00:16:19
Also auch da würde ich sagen, es ist sehr individuell. Es mag Leute geben, die jetzt vielleicht einen Sehverlust haben, also blind sind und die sich mit diesen Bordmitteln bei Windows oder bei Mac schon super zurechtfinden. Meiner Erfahrung nach ist es trotzdem so, dass die meisten Menschen mit Behinderungen, die jetzt eine schwerere Einschränkung haben, schon noch ihre Spezialhilfsmittel haben und mit denen auch viel schneller und besser arbeiten können. Also ich könnte ja Bei einem Mac zum Beispiel ist es mein Computer, den ich daheim habe, da auch komplett mit den Bordmitteln per Sprache bedienen. Aber das funktioniert leider noch nicht so gut, wie es jetzt mit der Spezialsoftware, da habe ich jetzt nochmal Dragon, Naturally Speaking, das ist eben ein Spezialprogramm, das einfach noch mal besser und genauer ist. Und genauso die Maus, also ich könnte jetzt theoretisch die Maus auch mit den Bordmitteln bei einem Computer bedienen per Sprache. Aber das ersetzt jetzt nicht meine Kopfmaus, also diese Bewegung, die ich dann wirklich auch physisch durch die Kopfbewegung vornehmen kann. Deswegen ist es, denke ich, stand heute auf jeden Fall noch ein Zusammenspiel. Und man müsste schon versuchen, die Menschen mit Behinderung da auch zu unterstützen, ihre private Software mitzubringen.
Detlef Girke
00:17:32
Wunderbar, das ist eine klare Aussage, die ich ehrlich gesagt nur unterstützen kann. Ich habe auch immer das Gefühl, die Bordmittel sind zwar für den Anfang ganz gut, aber wenn man wirklich produktiv arbeiten möchte, da braucht man schon wirklich Hard- und Software, die speziell auch wirklich von Profis für genau diesen Zweck gebaut wurde. Gut, das war jetzt sozusagen der erste Teil dieses Podcasts zum Thema eben typische Probleme und Lösungsansätze für Menschen mit Behinderungen am PC. Gibt es aus deiner Sicht noch etwas zu ergänzen an dieser Stelle?
Dennis Bruder
00:18:04
Vielleicht nochmal den Appell an die Unternehmen, die Berührungsängste einfach zu verlieren und sich auch zu trauen, Menschen mit Einschränkungen einzustellen. Das ist ja auch für die Firmenkultur immer was durchaus Bereicherndes, wenn man merkt, okay, da ist ein Mensch, hat eine ganz, ganz schwere körperliche Einschränkung beispielsweise, aber er ist trotzdem oder sie ist trotzdem total gut in der Lage, am Computer zu arbeiten. Oder auch Menschen mit psychischen Einschränkungen kann man natürlich mit reinzählen. die natürlich Probleme haben, aber die vielleicht auch durch einen gewissen Support, eine gewisse Unterstützung trotzdem produktiv sein können.
Detlef Girke
00:18:39
Ganz ganz vielen Dank für das Gespräch.
Moderator
00:18:41
Werte und Wandel. Werte und Wandel, der Podcast der Inklusion in der Informationstechnologie in den Mittelpunkt. Gemeinsam beleuchten wir, wie Unternehmen durch Inklusion nicht nur soziale Verantwortung übernehmen, sondern auch zukunftssicher und erfolgreich agieren können. Lassen Sie sich inspirieren von entspannten Gesprächen, Experteninterviews und praxisnahen Einblicken. Ein Podcast des Projekts WERTE.IT, gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, unter der Federführung des Blinden- und Sehbehinderten Vereins Hamburg e.V., wissenschaftlich begleitet von der Universität Siegen.