Werte & Wandel Podcast

WERTE.IT

#14 - Inklusion in der IT-Beschaffung: Standards & Praxis

Steffi Hammerich vom NDR zu 4 Must-Haves für Ausschreibungen

03.06.2026 19 min

Zusammenfassung & Show Notes

In diesem Podcast spricht Steffi Hammerich vom NDR über die Bedeutung barrierefreier IT in der Beschaffung. Sie erklärt, warum Inklusion in der IT heute essenziell ist, welche Standards gelten und wie man Anforderungen konkret formuliert. Das Gespräch bietet praktische Tipps für Auftraggeber und IT-Dienstleister, um Barrierefreiheit von Anfang an richtig zu berücksichtigen.

Kontaktdaten Steffi Hammerich
Norddeutscher Rundfunk
Abteilung Projekte und Technologie für IT & Medien
Telefon:  +49 40 4156 6076
mailto: s.hammerich@ndr.de
LinkedIn - https://linkedin.com/in/steffi-hammerich

Weitere Informationen zu dieser Episode
BTV2.0-Standard - https://www.btv2-0.de
Barrierefreie IT bei NDR - https://www.ndr.de
Inklusion in der IT (Projektwerte IT) - https://www.wertet.it

Transkript

Detlef Girke
00:00:00
IT bietet einfach für Menschen mit Behinderung unglaubliche Chancen. Ich bin einerseits selbstständiger Berater...
Wolfgang Haase
00:00:07
Ich bin Unternehmensberater für Mitarbeiter- und Kundenbindung.
Detlef Girke
00:00:10
Barrierefreie IT und ein inklusiver Ansatz im Unternehmen kann dazu führen, dass man wirklich gewinnbringend Menschen mit Behinderung auch im eigenen Unternehmen beschäftigen kann.
Moderation
00:00:21
Werte & Wandel, der Podcast zum Thema inklusives Management in Unternehmen.
Detlef Girke
00:00:26
Willkommen zu einer neuen Podcast-Folge von Werte & Wandel. Dieses Mal ist das Thema Beschaffung und Vergabe bei barrierefreien IT-Dienstleistungen. Und meine Interviewpartnerin ist Steffi Hammerich vom Norddeutschen Rundfunk. Und gleich mal die erste Frage, Steffi, sag doch mal ein bisschen was zu dir. Was ist so dein Aufgabenbereich beim NDR? Warum sind wir ausgerechnet auf dich zugekommen?
Steffi Hammerich
00:00:51
Ja, hallo Detlef. Ja, genau. Ich bin Steffi Hammerich, 45 Jahre alt, bin beim Norddeutschen Rundfunk, hast du gerade schon gesagt. Bin dort seit 2019 und bin IT-Projektleiterin und manage und kontrolliere dort so den kompletten Lebenszyklus von Softwareprojekten, also von Planung, Business Cases, dann eben der Teil Beschaffung, über den wir gleich ein bisschen mehr sprechen. Dann Konzeptionierung, bis man es dann umsetzt und dann, wenn man es halt in den Betrieb übernehmen kann, davor die ganzen Veränderungsprozesse noch umsetzen, Mitbestimmung und so weiter. Also da hat man so einen ganzen Blumenstrauß an betroffenen und beteiligten Personen so zu koordinieren, fachliche und technische Anforderungen abzugleichen. Ja, und das Ganze halt mit bestimmten Geldern, personeller Ressourcen und dann ja auch in der bestimmten Zeit das alles umzusetzen. Und dann hat man immer noch die reale Welt mit Tagesgeschäft oder anderen Projekten, die man achten muss. Genau. Und da dieser Part der Beschaffung und der Mitbestimmung auch bei mir angesiedelt ist, hatten wir dann eine ganz gute Überschneidungsmenge.
Detlef Girke
00:01:58
Super. Also unabhängig jetzt von den ganzen gesetzlichen Vorgaben, über die wir auch in diesem Podcast schon öfter berichtet haben, warum ist aus deiner Perspektive jetzt Barrierefreiheit heute ein so zentrales Thema in der IT-Beschaffung und eben nicht mehr nur ein Spezialthema für Expertinnen oder Experten?
Steffi Hammerich
00:02:16
Ja, ich würde es ganz platt sagen, weil wir leben ja in einer IT-Welt oder in einer digitalisierten Welt und arbeiten in diesem Umfeld. Und ja, auch wenn manche Länder da vielleicht noch mal ein anderes Level als wir in Deutschland teilweise haben, was Digitalisierung angeht. Also weniger IT, weniger Digitalisierung wird es wohl eher nicht. Und dann finde ich, ist man als Unternehmen einfach ein bisschen unklug, wenn man Menschen, Mitarbeitenden oder auch Kunden oder Geschäftspartnern einfach den Zugang zur Nutzung von IT-Systemen nicht erleichtert. Und dann schließt sich wieder der Kreis ein bisschen zu meinem Job, also als jemand, der halt so im IT-Projekt diese ganzen Bälle in der Luft halten muss und eben kein Experte ist in dem Thema barrierefreier IT, dass man trotzdem halt dann sehr gut beraten ist, sich mit dem Thema möglichst gut auseinanderzusetzen, einfach auch früh in einem Projekt in Beschaffungsverfahren sich einfach ein paar Steine im Weg zu ersparen.
Detlef Girke
00:03:19
Sehr schön gesagt, sich ein paar Steine im Weg ersparen, weil die kämen nämlich tatsächlich ganz am Ende. Wo erlebst du aktuell die größten Missverständnisse zwischen Auftraggebern und IT-Dienstleistern beim Thema barrierefreie IT?
Steffi Hammerich
00:03:35
Ja, bei den Auftraggebern, da ist halt eine bestimmte Erwartung doch oft zu vernehmen: "Ja, da muss es doch irgendwie Standards in der IT geben, die halt auch auf das Thema Barrierefreiheit einzahlen" oder, es wird gesagt: "Kann man das nicht einfach anschalten?", das ist ein bisschen die Erwartungshaltung gerne bei Auftraggebern in den Projekten und auf der Seite der Dienstleister. Da ist es dann auch so, also die haben ja oft Features zur Barrierefreiheit, besonders bei Standardsoftware. Aber ja, dann funktionieren die vielleicht doch nicht so durchgängig, oder als Kunde will man dann vielleicht doch noch eine Anpassung an der Anwendung haben. Und dann passt es auch nicht mehr mit der Barrierefreiheit. Oder ja, wenn man eine Individualsoftware erstellen lässt, dann muss man ja irgendwie alles selbst koordinieren. Ja, dann kommt es halt dazu, dass das Thema barrierefreie IT nach meiner persönlichen Erfahrung nach bei vielen Dienstleistern am Markt auch jetzt noch nicht so hoch angesiedelt ist. Und dann ist man mit seinem Projekt dann auch gerne mal so ein bisschen der Vorreiter oder Testobjekt. Und das schlägt sich dann wieder in längeren Laufzeiten für die Projekte nieder. Und darüber ist dann wieder der Auftraggeber für das Projekt ja nicht so glücklich. Das sind so die Hauptmissverständnisse oder Knackpunkte, die ich so sehe.
Detlef Girke
00:05:00
Ja super, kann ich ebenso ein Lied von singen. Ok, kommen wir mal zum ersten Schwerpunkt. Da geht es jetzt um Standards, Leistungsbeschreibungen und Bewertungskriterien. Welche gesetzlichen Vorgaben oder auch Standards sind bei der Beschaffung barrierefreier IT aus deiner Sicht wirklich unverzichtbar? Und was sollten Auftraggeber mindestens verlangen?
Steffi Hammerich
00:05:23
Also aus meinen Projekten, da spreche ich am ehesten für webbasierte Software. Ich weiß nicht, ob das bei anderen Systemen auch noch irgendwie anders wäre, aber das sind so die Projektthemen, die ich habe, oder wo es am ehesten realisiert wird mit webbasierter Software. Und da wird dann als Standard meistens der BITV 2.0-Test herangezogen, so als heiliger Gral. Aber ja, also was ich jetzt schon mache, ist, gucke ich zum Beispiel auch immer noch mal, ist das wirklich die zuletzt gültige Version? Dass man da nicht irgendwie eine veraltete Norm oder so referenziert in einem Beschaffungsprozess nachher. Die erste Messlatte ist der BITV-Test. Ja, doch schon. Also grundsätzlich ist das so mit dem BITV 2.0-Test in meinen Projekten. Ja, also wir gucken natürlich schon, also ist das jetzt eine Software, die für eine kleine Handvoll Kolleg*innen vielleicht gemacht wird, dann machen wir da schon eine Abstufung. Aber meistens ist es so, wenn es zehn oder mehr Personen sind, die das nachher anwenden werden, dann ist eigentlich immer der BITV 2.0-Test, der angestrebt wird und der auch absolviert werden muss.
Detlef Girke
00:06:29
Du hast die ganzen Standards jetzt alle schon genannt, aber welche Teile davon sind jetzt die besonders wichtigen? Worauf liegt euer besonderes Augenmerk?
Steffi Hammerich
00:06:38
Bei den webbasierten Anwendungen sind das in meinen Projekten vier Must-haves gewesen, die immer wieder auftauchen. Das ist immer der erste Punkt, dass eine Tastaturbedienbarkeit vorwärts, rückwärts in einer sinnvollen Reihenfolge möglich sein muss. Das ist immer der erste Schritt, der gewährleistet sein muss. Dann der zweite ist meistens der Bereich Farben und Kontraste, also dass man das halt einstellen kann oder halt auch beim Kontrast, dass man 4,5 zu 1 Kontrast hat. Dann der dritte Punkt wäre halt, dass man die Schriftgröße auf dem Bildschirm vergrößern, verkleinern oder reinzoomen kann. Und der vierte Punkt ist dann, dass man die gängigen Screenreader in einer sinnvollen Reihenfolge in der Anwendung nutzen kann.
Detlef Girke
00:07:29
Damit deckt man ja schon unglaublich viel ab. Ich bin ja selbst betroffen, ich bin ja sehbehindert und ich freue mich immer, wenn solche Kriterien schon mal zu solchen Must-haves werden. In Leistungsbeschreibungen wird ja Barrierefreiheit auch heutzutage leider oft noch sehr allgemein formuliert. Und wie stellst du sicher, dass eure Anforderungen wirklich konkret und verständlich in Ausschreibungen formuliert sind?
Steffi Hammerich
00:07:52
Ich stimme dir auf jeden Fall schon mal zu, dass es nicht zu allgemein sein sollte. Als Beispiel vielleicht, wenn ich weiß, es wird jetzt auf eine webbasierte Applikation mit 50 Anwender*innen hinauslaufen, dann würde ich im Leistungsverzeichnis wirklich reinschreiben, die Applikation muss gemäß BITV 2.0 getestet werden. Und dann entweder hat die Anwendung das vielleicht schon, bei Standardsoftware kann das ja mal vorkommen. Oder wenn es noch kein Zertifikat oder noch keinen Nachweis darüber gibt, dann kann man wirklich reinschreiben: "Zur Abnahme muss die Software die relevanten Prüfschritte vom BITV 2.0 erfolgreich absolviert haben" oder so was. Also so würde ich es dann reinschreiben. Ja, ich weiß gar nicht, das wäre noch mal eine Frage an dich. Wenn ich jetzt ein langes Projekt habe, können sich auch Prüfschritte dann nochmal über die Zeit verändern? Macht das vielleicht auch Sinn? Den Stand der Prüfschritte zu einem bestimmten Zeitpunkt festzulegen.
Detlef Girke
00:08:56
Definitiv. Würde ich dir immer empfehlen, weil ansonsten, das ist ja gemein, die Prüfschritte können sich tatsächlich ändern, da passiert ja immer wieder mal was.
Steffi Hammerich
00:09:05
Ja.
Detlef Girke
00:09:05
Dann kommen neue Kriterien hinzu, wie zum Beispiel, wenn ich das Format verändere, wenn ich zum Beispiel jetzt in der Anwendung die Möglichkeit habe, eine Seite auszudrucken. Da muss dann ein PDF bei rauskommen und das PDF muss dann auch barrierefrei sein. Das ist mir mal passiert mit einem Kunden, dass das auf einmal zu einer neuen Anforderung wurde.
Steffi Hammerich
00:09:26
Und das war ausgerechnet so eine Geoinformatik-Anwendung, wo es wirklich viele Dinge gab, die man ausdrucken musste. Und die mussten dann auch noch barrierefrei sein, mit Kartenausschnitten drauf und so weiter. Das war eine echt komplexe Aufgabe, das dann wirklich barrierefrei zu gestalten.
Detlef Girke
00:09:45
Ja, total. Ja, das glaube ich. Aber das ist mal gut, weil dann ist es halt auch für beide Seiten, also für uns als Auftraggeber und auch für die Firma, die den Auftrag annimmt, einfach, dass man sich auf eine konkrete Variante des Tests vereinbart, schon im Leistungsverzeichnis, auf die man dann Bezug nimmt. Ob es dann, wenn man eine lange Projektlaufzeit hat, dass man sich dann vielleicht eher auf den Abnahmezeitpunkt bezieht, also dann soll natürlich gerne der gültige Katalog verwendet werden.
Steffi Hammerich
00:10:13
Das wäre also schon mal in die Richtung Formulierung und ja, ist mal abgesehen von BITV 2.0. Wenn wir jetzt wirklich eine Lösung für 3, 4 Menschen bei uns im Unternehmen haben oder einsetzen wollen und der BITV jetzt nicht gemacht würde, dann würde ich immer diese vier Schritte, worüber wir jetzt gerade vorhin schon gesprochen hatten, die auf jeden Fall als Muss-Kriterien im Leistungsverzeichnis angeben. Ja, dann gibt es natürlich noch an sich auch vielleicht Formulierungsfehler. Das hattest du schon gesagt, Stichwort zu allgemein. Also man nur sagt: "Die Anwendung muss barrierefrei sein." "Die Anwendung muss von behinderten Menschen bedient werden können." Das ist nichts, wogegen man abnehmen kann, finde ich. Das ist auch meine Aufgabe als Projektmanager, dass ich etwas habe, wogegen ich auch nachher das Produkt abnehmen kann.
Detlef Girke
00:11:07
Klar, du brauchst eine Messlatte. Okay, und wie machst du das mit der Nachhaltigkeit? Ich meine, es gibt ja Weiterentwicklungen, Updates und so weiter, nach Projektabschluss. Du hast gerade schon gesagt, dass dann vielleicht auch eine neuere Version der BITV zum Beispiel dann zum Tragen kommt oder eine neuere Version des BITV-Tests. Aber inwieweit achtet ihr darauf, wenn es Weiterentwicklungen, Updates, richtige Major-Updates gibt? Die gibt es ja auch in Web-Anwendungen.
Steffi Hammerich
00:11:31
Da ist auch so ein bisschen die Frage: Was ist gerade die Realität und was kriegen wir schon so hin? Also ich würde es halt, wenn es möglich ist und die Dienstleister das mitgehen, dass man den Aspekt in einem Wartungsvertrag aufnimmt. Also das ist eine grundsätzliche Verpflichtung, auf die man sich dann auch berufen kann, dass das Thema weiterhin berücksichtigt ist, auch bei Updates oder großen Releasewechseln. Wenn man irgendwie Weiterentwicklungen anstehen hat, jetzt besonders bei Individualsoftware, ist natürlich irgendwann auch mal ein Nachtest am sichersten, ist natürlich auch aufwendig. Bei einem kleineren Update oder normaler Weiterentwicklung, die jetzt nicht so umfangreich ist, finde ich es im Prozedere einfach gut, dass man vielleicht, man hat ja immer gewisse Testroutinen oder Abnahmeroutinen, wenn man Softwareupdates macht. Und wenn man dann einfach so einen Checkpunkt mit in seiner Liste hat: "Okay, lass uns einmal kurz überlegen, ist jetzt irgendwas verändert worden, das Richtung Barrierefreiheit nochmal speziell geprüft werden sollte", dass es einfach zur Routine gehört beim Testen von Updates. Ja, so kann man das schon mal, sag ich mal, vom Prozedere seitens IT ganz gut berücksichtigen. Ja, grundsätzlich ist es ja auch so, dass nicht nur in den Projekten, sondern auch wenn halt Systeme größere Releasewechsel oder so bei uns machen. Wir haben halt immer unsere Schwerbehindertenvertretung auch im Informationsaustausch. Das finde ich auch wichtig, dass man da auch mit denen spricht und eine Verbindung aufbaut, damit einfach die IT und die SBV sich gegenseitig besser verstehen.
Detlef Girke
00:13:06
Das freut mich sehr, weil diese Nachhaltigkeit ist häufig ein Problem. Und was ich gerade bei dir so schön rausgehört habe, du hast direkt auch schon einen Weg gefunden, den Aufwand der Nachprüfung dann auch zu minimieren. Weil das, was sich geändert hat, mal eben zu prüfen, ist ja weitaus weniger, als nochmal die gesamte Anwendung testen zu müssen. Und so hält sich der Aufwand für Nachchecks wirklich in Grenzen. Und man kann trotzdem auf die Art und Weise die Barrierefreiheit sicherstellen.
Steffi Hammerich
00:13:32
Genau, das ist halt so der Punkt. Ich habe ja auch in den letzten Jahren so meine Erfahrungen gemacht und versuche jetzt in den Projekten, die ich jetzt mache oder jetzt kurz angefangen habe und die jetzt mehr in der Umsetzung sind, dass ich das halt auch gleich, wenn ich jetzt Richtung Service schon denke, dass man das gleich irgendwie mitberücksichtigen kann.
Detlef Girke
00:13:51
Also jetzt kommen wir mal zu der Bewertung von Angeboten. Das, was ich gerade schon mal kurz angesprochen hatte. Also wie sollten A- und B-Kriterien, also wirklich Ausschlusskriterien, ohne die es eben nicht geht, und B-Kriterien, Bewertungskriterien, gestaltet sein, damit Barrierefreiheit wirklich Einfluss auf die Vergabeentscheidung hat?
Steffi Hammerich
00:14:12
Man sollte sich halt Gedanken machen, dass man bei der Auswahl und bei der Formulierung die Kriterien nimmt, die für die Anwendung wirklich wichtig sind. Also, dass man die Must-haves drin hat, aber jetzt auch nicht die größtmögliche Keule da rausholt, damit kein Wettbewerber sich mehr bewerben möchte auf die Ausschreibung und denkt: "So ... Genau." Und man dann nachher keine Angebote bekommt. Da lerne ich immer noch sehr viel. Aber bei der Formulierung, wenn man da sagt, die und die Schritte müssen wir berücksichtigen. Und was ich halt gerne mache: Ich lasse mich da auch mal inspirieren von den Prüfschritten, wie sie im BITV-Test auch formuliert sind. Also die kann man ja im Internet nachschauen, und dann kann ich mir da immer ein bisschen die Formulierung rausgreifen, und dann kann ich daraus dann auch im Leistungsverzeichnis das adäquat ausdrücken.
Detlef Girke
00:15:01
Genau, im Zweifel sogar Copy and Paste. Das sind ja einige Sachen wirklich richtig gut formuliert, finde ich.
Steffi Hammerich
00:15:06
Genau.
Detlef Girke
00:15:07
Okay, was gehört denn aus deiner Sicht wirklich zwingend alles, hatten wir gerade eigentlich schon, in die Mindestkriterien? Und wo lohnt sich eine qualitative Bewertung?
Steffi Hammerich
00:15:16
Genau, also die vier, die ich vorhin schon genannt hatte, sind so wirklich zwingend die Kriterien, die in meinem Projekt, die da immer wieder Relevanz haben. Aber ich würde mich auch inzwischen immer für einen Mix entscheiden, was so bei A und B dann stattfindet. Wenn ich jetzt irgendwie eine neue Anwendung für 20 Anwender*innen hätte, also dann würde ich als Ausschlusskriterium wirklich diese vier nehmen: Tastatur, Farbe, Kontrast, Schriftgröße, Zoom und Screenreader. Und dann würde ich beim BITV-Test so eine Abstufung mit A und B vielleicht berücksichtigen. Das wäre dann zum Beispiel, man könnte ein B-Kriterium machen: Wenn jemand schon einen BITV-Test nachweisen kann von den Bietern, dann kann man dem einfach eine höhere Bewertung dafür geben. Als A-Kriterium würde man aber dann, wenn es das auch noch nicht gibt, drin haben: "Bei Abnahme der Software muss der BITV-Test bestanden sein."
Detlef Girke
00:16:12
Genau. Aber das ist tatsächlich für jede Software anders, ne? Und du machst dir jedes Mal neue Gedanken dazu.
Steffi Hammerich
00:16:19
Ja schon, also man muss halt gucken, was ist relevant. Also ich hab jetzt in den Projekten, die ich so mache, sind es oft die gleichen Sachen, aber ich überlege halt trotzdem jedes Mal.
Detlef Girke
00:16:30
Super. Aber zum Abschluss, was ist für dich eine wichtige Empfehlung an andere Auftraggeber und was an IT-Dienstleister, damit Barrierefreiheit wirklich von Anfang an richtig mitgedacht wird?
Steffi Hammerich
00:16:42
Ja, also bei der Auftraggeberseite finde ich es halt wichtig, sich auch klar zu machen, dass Barrierefreiheit einfach kein Randthema ist. Und dass man zwar Zeit und Aufwand reinsteckt, aber man dadurch Menschen, in meinem Fall meistens dann die Mitarbeitenden oder potenzielle Bewerber, dass man denen halt einfach den Zugang ermöglicht und die könnten so ihre Fähigkeiten, die sie haben, sonst gar nicht richtig oder halt auch nur unter erschwerten Bedingungen bei uns im Unternehmen einbringen. Daran sollte man halt als Projektauftraggeber ein Interesse haben. Ja, seitens der Dienstleister. Da sehe ich immer das Thema Kapazität ist immer ein Problem, finde ich. Das ist echt schwierig, dass da genug vom Umfang, aber auch von der Qualität, dass da genug da ist einfach für das Thema. Das geht halt ja einfach schon um das Know-how, wenn man eine Software designt. Das wäre irgendwie so meine Empfehlung, dass man halt auch schon beim Design von den Systemen wirklich gut drauf achtet auf barrierefreie IT. Von meiner Seite aus wäre es auch schön, wenn uns die Firmen als Kunden auch ein bisschen mehr beraten könnten schon gleich. Also im Moment ist es halt oft so, dass wir noch eine dritte Partei brauchen. Ob das du bist, wir haben ja auch schon in Projekten zusammengearbeitet, oder wir haben auch bei unserer IT eine zentrale Stelle, wo sich um Barrierefreiheit gekümmert wird. Mehrere sogar, immer mit Teilaufgaben. Das ist halt einfach nötig, weil man kann halt nicht einfach erwarten heute, dass der Dienstleister einem das alles so liefern kann.
Detlef Girke
00:18:14
Ja, genau. Die Verpflichtungen werden zwar immer größer, aber trotzdem kann man es noch nicht erwarten.
Steffi Hammerich
00:18:20
Genau. Ja.
Detlef Girke
00:18:21
Okay. Dann ganz, ganz herzlichen Dank, Steffi, für das echt super interessante und nette Interview.
Steffi Hammerich
00:18:27
Ja, also ich bedanke mich ganz herzlich, dass ich hier dabei sein konnte und wir werden uns bestimmt noch mal wiederhören. Auf jeden Fall wir beide und in der Runde hier. Schauen.
Detlef Girke
00:18:37
Okay, super, vielen Dank!
Moderation
00:18:39
Werte & Wandel, der Podcast, der Inklusion in der Informationstechnologie in den Mittelpunkt stellt. Gemeinsam beleuchten wir, wie Unternehmen durch Inklusion nicht nur soziale Verantwortung übernehmen, sondern auch zukunftssicher und erfolgreich agieren können. Lassen Sie sich inspirieren von entspannten Gesprächen, Experteninterviews und praxisnahen Einblicken. Ein Podcast des Projekts WERTE.IT, gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter der Federführung des Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V., wissenschaftlich begleitet von der Universität Siegen.