Abenteuer Reportagefotografie – Podcast über visuelles Storytelling

Kai Behrmann: Visueller Storyteller und Fotograf

Andreas Jorns: Neuer Bildband “UNSEEN” – und warum Fotografie manchmal wie Pizza ist

Andreas Jorns spricht über seinen neuen Bildband "Unseen", die Arbeit im eigenen Archiv, die Zukunft der Porträtfotografie – und warum Fotografie mehr mit Geduld und Autorschaft zu tun hat als mit Technik.

07.03.2026 123 min

Zusammenfassung & Show Notes

Andreas Jorns gehört zu den prägenden Stimmen der Porträtfotografie in Deutschland. In seinem neuen Bildband "Unseen" blickt er auf fünfzehn Jahre fotografische Arbeit zurück – allerdings nicht mit einem klassischen „Best-of“, sondern mit bislang unveröffentlichten Bildern aus seinem Archiv.

Im Gespräch erzählt Andreas, warum ihn die Arbeit im Archiv überraschend stark zu seinen fotografischen Ursprüngen zurückgeführt hat. Es geht um kreative Prozesse, um die Rolle von Zeit in der Kunst, um neue Projekte – und um die Frage, wie sich Fotografie in einer Zeit verändert, in der künstliche Intelligenz immer stärker in kreative Prozesse eingreift.

Weitere Informationen und Links findest du in den Shownotes unter: https://www.abenteuer-reportagefotografie.de/podcast/andreas-jorns-unseen

Andreas Jorns im Internet: 



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Transkript

Das hat ja so etwas eingeläutet bei mir, so ein bisschen weg von den klassischen Porträts, womit ich mich eigentlich in den letzten 15 Jahren überwiegend befasst habe. Im Jahr des Drachen ist da ja schon etwas, was da so ein bisschen anders ist, weil es eben auch mit anderen Genres gemischt ist, Street-Fotografie zum Beispiel. Aber es war auch klar, im Jahr des Drachen ist der neunte Bildband, der zehnte Bildband. Und kann man ja mal drüber nachdenken, ob man da etwas Besonderes macht.
Kai Behrmann
00:00:32
Vor ein paar Tagen warst du bei einem Fotowalk auch im Ohr bei mir. Da habe ich die neue Folge, die Podcast-Folge gehört.
Andreas Jorns
00:00:39
Ich bin ja froh, dass ich es jetzt so einigermaßen schaffe, eine Folge pro Monat zu machen. Wenn ich so bedenke, ganz am Anfang war das ja eine irrsinnige Frequenz, aber da war ja auch Lockdown und Corona. War viel Zeit. Und wenn man bedenkt, dass das ja eh eigentlich nur eine Schnapsidee war, um Corona zu überstehen, bin ich ja mehr als verblüfft und erstaunt, dass das Radio Jons immer noch gibt, dass wir uns jetzt dem großen Jubiläum nähern. Folge 99 war es jetzt, das ist klar, jetzt warten alle auf die 100 und denken auch, dass ich mir da mit Sicherheit was ganz Tolles für ausgedacht habe und auch schon genau weiß, wann ich das zitieren will, aber ich weiß es auch mir macht das auch so ein bisschen Sorge gerade in den letzten Tagen verdichtet sich zumindest schon mal eine Idee dafür, was ich an Musik spielen will also damit steht und fällt ja auch vieles, aber ja, aber ich lasse mich jetzt selber überraschen aber so wie es eigentlich immer ist also da ist nichts so, dass das jetzt monatelang geplant ist immer, wenn ich irgendwo was lese oder irgendwas einfällt oder irgendwas denke ach das könntest du mal bei Radio Jorns dann mache ich mir eine kurze Notiz, Ab und zu gucke ich mal in meine Notizen und denke, reicht das für eine Folge oder nicht? Ja, und so läuft das halt mittlerweile.
Kai Behrmann
00:02:06
Ja, aber ist ja auch ein schöner Ansatz. Also das ist ja auch gerade dieser kreative Prozess. Manchmal entstehen die besten Ideen aus so Fragmenten, die man gesammelt hat. Das muss ein bisschen köcheln, braucht ein bisschen Zeit und irgendwann macht es Klick und dann ist es.
Andreas Jorns
00:02:25
Ja, da sprichst du einen Punkt an, der mich gerade seit einem halben Jahr massiv umtreibt. Es ist so witzig, sechs Tage oder fünf Tage vor dem Release meines Jubiläumsbildbands jetzt schon über das neue Projekt zu reden, aber das ist ja immer zeitversetzt logischerweise. Also diese ganze Vorbereitung für ein Bildband, das ist das eine, die hat diesmal auch ein halbes Jahr gedauert, aber natürlich in dem Moment, wo du es dann abgibst zur Druckerei und sagst, und jetzt Druck, sitzt du da ja jetzt nicht monatelang und machst nichts, sondern da geht es dann ganz, und in diesem Fall halt mit diesem großen Projekt für den Kirchentag im nächsten Jahr. Und ich habe so viele Notenzen schon gemacht, also weil du gerade Fragmente sagst. Sobald man sich, Mit einem Thema beschäftigt und sagt, okay, das will ich jetzt auch machen. Also in diesem Fall geht es ja um das Thema sexualisierte Gewalt. Und die evangelische Kirche, Diakonie hatte mich angesprochen, in Person eines Menschen, der mich halt schon länger kennt und länger verfolgt und auch schon Bildbände von mir hat und mein Bildbad im Jahr des Drachen auch schon mal ein bisschen verteilt hat. Ob ich mir zutrauen würde, das künstlerisch umzusetzen weil die das beim Kirchentag im Mai nächsten Jahres auf die Agenda heben wollen und dann habe ich erstmal ein halbes Jahr darüber nachgedacht ob ich das überhaupt machen will, das ausgerechnet die Kirche, die da ja durchaus auch nicht ganz unbefleckt ist. Was das Thema angeht aber das ist ja auch der Grund, warum die sich darum kümmern und warum es auch Abteilungen da gibt die sich um diese Missbrauchsopfer kümmern und um diese ganzen Fälle, die es da gibt. Und ohne jetzt so selbst in den Detail zu gehen und dann fängst du an zu überlegen, wie kann man das machen, werde ich dem Thema gerecht und wie müsste ich das angehen? Und interessanterweise, wenn man einmal so ein Thema, es ist auch völlig egal, ob es das ist oder ein anderes Thema, du gehst rum und siehst auf einmal überall Sachen, die dazu passen die die die förmlich anschreien und sagen hier guck mal da ist es eigentlich ein thema und das hat eigentlich auch ganz viel mit diesem thema zu tun und ja und dann haust du das. Ich hatte mir es leider über die letzten jahre angewöhnt in mein smartphone zu hauen also ins notizbuch und gehe jetzt gerade wieder dazu über hier kladde papier das ist dann nicht immer so schön, aber irgendwie bin ich da ein bisschen, geht das ein bisschen besser mich da zu organisieren, Und irgendwann, also es ist nicht das Problem, dass ich keine Ideen habe. Es ist mehr so, dass ich so viel habe, dass ich mich gerade dem Punkt nähere, jetzt muss ich mal sortieren. Jetzt muss ich mal, also aus diesen ganzen Fragmenten irgendwo und ich mache diesmal etwas Kai, das habe ich noch nie gemacht, ich habe ja überlegt, wie setze ich das um, auch zeitlich es ist noch ein Zeitthema, und durch viele Podcasts die ich gehört habe, auch von Wim Wenders und in seiner Ausstellung war ich in Bonn, und bin ich auf die Idee gekommen, ich mache das wie Wim Wenders. Ich bin quasi halbfertig mit meinem Grundgerüst und schreibe das alles auf. Ich mache jetzt quasi ein Drehbuch. Ich werde jetzt mit dem Protagonisten sprechen, die ich dafür einbauen will. Und dann werde ich das Ganze in zwei Monaten des Jahres, also nicht mal hier, mal da, mal dann, sondern zwei Monate, Juli, August, ist bei mir im Kalender komplett, da ist nichts. Auch keine Zeit für Arztbesuch, für irgendwas. Zwei Monate ist quasi Dreh. Habe ich noch nie gemacht. Aber ich glaube dass das das das super funktioniert ja.
Kai Behrmann
00:06:42
Klingt klingt gut wie weit bist du da in der der kommunikation nach außen ist das was worüber du schon ein bisschen was erzählen kannst oder ist das stand bei dem was du in dem podcast genannt hast so ja an deutung aber noch keine Details?
Andreas Jorns
00:07:02
Nein, Details nicht. Also die Tatsache aber, dass ich es auch hier jetzt anspreche, zeigt dir ganz entgegen meiner Gewohnheiten in den letzten Jahren spreche ich jetzt schon drüber. Wenn man so will, ohne ein einziges Bild gemacht zu haben. Klammer auf, stimmt nicht ganz, aber trotzdem ist es ja ein bisschen so. Eigentlich habe ich es mir über die letzten Jahre angewöhnt zu machen und irgendwann zu sagen, so, da ist es. Oder eben ein paar Wochen vorher, jetzt kann vorbestellt werden. In Absprache mit der Diakonie, mache ich es anders diesmal weil die sagen, naja je früher wir nach draußen gehen je früher wir das platzieren also was wir nicht machen wollen ist, dass wir beim Kirchentag ich glaube 5. Mai nächsten Jahres, dich aus dem Hut zaubern und sagen, dass du da was gemacht hast und dass du ein Bildband hast und dass wir eine Ausstellung machen, sondern da wird es vorher schon, das beginnt im Januar, wird es schon sowas wie. Podiumsdiskussionen, es wird Vorträge geben, es wird vielleicht sogar vorher schon eine Ausstellung geben, das weiß ich nicht. Es muss man sehen, wie sich das entwickelt, um einfach nur in die Öffentlichkeit zu gehen, also das Ganze auf die Tagesordnung zu gehen. Darum geht es eigentlich. Und das ist auch der Grund eigentlich, warum ich das mache, weil ich irgendwann gesagt habe, das ist ein Riesenthema. Die Zahlen natürlich seit einem halben Jahr, lese ich auch alle möglichen Statistiken zu dem Thema. Und je mehr du liest und je aktueller die Statistiken sind, desto mehr schlägt man die Hände über den Kopf zusammen, wie viele Menschen das betrifft oder betraf. Und ja, dann macht es irgendwie keinen Sinn. Jetzt haben wir, das ist ja ein kompletter Zufall, Also eine Koinzidenz, wie man so schön sagt oder wie schrecklich in diesem Fall mit den Appstein-Files. Also das ist ja jetzt ein Riesenthema geworden, Gott sei Dank, obwohl das ja auch erst unter den Teppich alles gekehrt werden sollte. Aber nun kann man nur hoffen, dass da auch die richtigen Konsequenzen rausgezogen werden. Das droht ja stellenweise auch schon wieder in die falsche Richtung zu laufen und es wird der Sache auch überhaupt nicht gerecht. Meines Erachtens so wenig Sympathie ich für den für den derzeitigen Herrscher der USA hege, nämlich gar keine. Aber jetzt einfach nur Epstein-Files gleich Donald Trump, das ist ja viel zu kurz gesprochen. Das ist ja völliger Quatsch. Also da das geht ja durchaus sehr viel mehr in die Breite. Mal schauen, was da passiert. Wenn ich nur so eine klitzekleine Geschichte dazu beitragen kann, und hey, Dann ist das doch auch gut.
Kai Behrmann
00:10:02
Sehr relevantes Thema und ja, finde ich, was du jetzt schon verraten hast, ist das so der Stand, den du schon erzählen kannst?
Andreas Jorns
00:10:14
Ja, also ich kann erzählen, dass das keine, oder sagen wir es so, das, was ich noch nicht gesagt habe, oder doch, ich habe es glaube ich irgendwo anklingen lassen, ich weiß gar nicht mehr wo. Es wird keine Porträts geben von Betroffenen. Also nicht wissentlich. Wie gesagt, die Zahl ist so hoch, dass du gar nicht weißt, wenn ich jetzt mit Menschen arbeite und in den nächsten Monaten also auch noch intensiver zusammenarbeite. Das sind alles Menschen, die ich schon länger kenne, aber die kenne ich jetzt auch nicht so im Detail und so genau, dass sie mir schon ihre komplette Lebensgeschichte erzählt haben. Also das schicke ich jetzt mal voraus. Aber der ganze Ansatz ist keine Dokumentation mit betroffenen Interviews oder so etwas in der Art. Das hätte ich auch abgelehnt. Das ist auch nicht das, was man mir angetragen hat. Das ist etwas, was die Kirche zusätzlich macht. Also ich bin auch nicht der Einzige, der an dem Thema arbeitet. Das werden zwei oder drei Künstler, Querstrich Künstlerinnen aufarbeiten, eben in unterschiedlicher Form. Sondern es wird eine künstlerische Umsetzung wie so ein bisschen im Jahr des Drachen, da haben sie immer wieder von gesprochen, es könnte so die Blaupause sein. Durchaus mit plakativen Themen, also mit plakativen Motiven, die auch für eine Ausstellung taugen, weil das soll dann ja auch draußen in der Öffentlichkeit sollen Plakate dann hängen, um auf dieses Thema aufmerksam zu machen und was das bedeutet. Und das geht ja von Prävention bis Intervention logischerweise. Und da gibt es, wie gesagt, einige Ideen, das eben zu machen. Aber mehr kann ich nicht sagen, weil mehr kann ich nicht sagen.
Kai Behrmann
00:12:01
Ja, weil das ist doch schon ein bisschen mehr. Wie wollen wir es machen? Soll ich dich gleich im Interview nochmal danach fragen und du formulierst das nochmal anders oder kann ich das jetzt auch schon so mit in den Podcast nehmen?
Andreas Jorns
00:12:18
Du kannst das alles machen. Es tut mir leid, dass wir alles, du kannst das auch alles so ungeschnitten nehmen. Das habe ich immer so am liebsten gemacht. Es tut mir leid, dass ich jetzt auch den fünften Schritt vom ersten gemacht habe, aber leidlich sind wir jetzt schon in Zukunft gesprungen. Mach was draus. Also meines Erachtens kannst du das aber trotzdem so nehmen. Jetzt, weißt du, was mir schwerfallen würde, wenn du jetzt wieder anfängst mit dem Thema mit Fragen und ich überlege, okay, was habe ich vorhin gesagt? Kriege ich das doch mal genau so hin? Nee, also nimm's. Nimm's so.
Kai Behrmann
00:12:51
Weißt du, Andreas, das ist der Vorteil, wenn man die Aufnahme schon laufen lässt, obwohl wir eigentlich noch im Vorgespräch sind. Genau.
Andreas Jorns
00:12:58
Ist es nicht so, dass im Vorgespräch häufig die interessatesten Sachen passieren? Also sende gerne das Vorgespräch.
Kai Behrmann
00:13:06
So werde ich das machen und ja, ist ein schöner Beweis dafür eben, dass die spannendsten Themen häufig dann schon vorab besprochen werden und umso schöner, dass wir jetzt ein bisschen ungewöhnlich einsteigen in diesen Podcast. An dieser Stelle dann nochmal die offizielle Begrüßung, Andreas. Freut mich, dass du zurück bist hier im Abenteuer Reportage Fotografie Podcast. Nach dem ersten Gespräch, was mir unheimlich viel Spaß gemacht hat, da haben wir eine breite Palette an Themen besprochen, über Kreativität, Neuerfindung als Fotograf. Da war schon eine ganze Menge drin. Wir haben über dein Buch im Jahr des Drachen gesprochen. Und ja, ich freue mich, dass du dir heute Zeit genommen hast. Du stehst nämlich jetzt kurz vor der Veröffentlichung deines neuen Buches, Unseen. Du hast eben schon beschrieben, wie es gerade bei dir zu Hause aussieht. Also da türmen sich die Bücher, sie sind schon da, sie sind gedruckt, gehen jetzt raus an die Vorbesteller. Ja, das ist ja eine heiße Phase für dich aktuell. Ja, beschreib mal ein bisschen, wie fühlst du dich gerade?
Andreas Jorns
00:14:13
Ja, also erstmal vielen Dank Kai, dass du mich nochmal eingeladen hast für den Podcast. Ich habe ja auch spontan zugesagt, weil ich hatte das in sehr guter Hintern vom letzten Jahr. So viele mache ich ja auch nicht, so viele Podcasts und Interviewanfragen, aber das war toll. Ich bin auch immer mal wieder über das ganze Jahr hinweg angesprochen worden und habe Feedback darauf bekommen. Also den Leuten hat es offensichtlich auch gefallen. Ja, heiße Phase. Jetzt, wo du das sagst, damals müssen wir ja auch um den Release herum im Jahr des Drachen dann miteinander gesprochen haben oder kurz vorher. Und das hat ja eigentlich so eine, so etwas eingeläutet bei mir, so ein bisschen weg von den klassischen Porträts, womit ich mich eigentlich in den letzten 15 Jahren überwiegend befasst habe. Im Jahr des Drachen ist da ja schon etwas, was da so ein bisschen anders ist, weil es eben auch mit anderen Genres gemischt ist, Street-Fotografie zum Beispiel. Aber es war auch klar, im Jahr des Drachen ist der neunte Bildband, der zehnte Bildband kann man ja mal drüber nachdenken ob man da was besonderes macht natürlich wurde schon seit Jahren angesprochen auf einen auf eine Art Best-of, Bildband, macht doch mal so ein Greatest Hits und, ich glaube ich glaube, Ich ziehe ja gerne die Parallelen zur Musik. Ich glaube, auch Musiker finden nichts langweiliger, als ein Greatest Hits Album zu machen. Was machst du da? Eigentlich brauchst du ja, wenn du die Songs nicht neu abmischt, oder brauchst du noch nicht mal ein Studio. Ja, mach halt. Es sind ja alte Kamellen, denkt ihr jetzt hier, Anführungsstriche. Und deswegen wollte ich das auch nicht. Also jahrelang. Ich habe immer gesagt, nee, mache ich nicht, mache ich nicht, mache ich nicht. Und irgendwie kam ich das, es gibt so zwei Dinge, die da eine Rolle gespielt haben einmal damals mein Bildband What If der ja mit Bildern gemacht ist, die, ich eigentlich erstmal vergessen hatte auf der Festplatte, wenn man so will, und dann ein Album von Tom Waits, Orphans heißt es, das ist ein Dreifachalbum, was auch schon leider viel zu lange wieder her erschienen ist und damals beworben wurde von der Plattenfirma mit Best of B-Sides, was überhaupt nicht stimmt. Also Tom Waits hat selber zwar auch immer erzählt, ja, das sind die Songs, die irgendwie hinten rüber gefallen sind. Was hat er erzählt, wenn er sein Abendessen zubereitet ist, sind das die Sachen, die hinter den Ofen gefallen sind. Und die hat er dann quasi zusammengekehrt für dieses Album. Es ist völliger Quatsch. Es hört sich teilweise zwar an wie Demos und so etwas, Aber das sind alles Songs, wo du sagst, wenn du nur ein Album brauchst, um Tom Waits in so seiner ganzen Komplexität zu verstehen und der klingt ja manchmal wie ein ganz normaler Musiker, wie ein Singer-Songwriter und manchmal, wo du das Gefühl hast, alter Schwede, das ist ja, da müssen jetzt aber gleich die weißen Männer kommen und. Dann brauchst du eigentlich nur dieses Album hören. Dann hast du den ganzen Kosmos von Tom Waits. Alle Songs, die man nicht kannte vorher. Und dachte, boah, das ist doch eine coole Idee. Also wenn du dann doch so was... Ich gehe mal in mein Archiv. Und im letzten Jahr durch verschiedene Vorfälle, die so auch nicht geplant waren, eigentlich hat man einen etwas ausgedehnteren Urlaub im Sommer geplant, das klappte dann nicht, weil Schwingermama schwer gestürzt war, ins Krankenhaus musste, dann haben wir das gecancelt, die Fähre gecancelt, sind nach Hause gefahren und dann hatte ich viel Zeit zu Hause. Und die habe ich genutzt um eben in mein archiv rein zu steigen sehr tief hinab zu steigen also so tief dass ich tatsächlich weil ich irgendwann während dieser arbeiten sind mir dann so ein paar bilder eingefallen die ich nicht gefunden habe also die wirklich sehr sehr alt waren nach dem cast du hast doch auch mal dass du das fotografiert oder die und die oder an der und der location wo sind denn diese Bilder? Ich mache normalerweise logischerweise Backups und auch gerne mal Backup vom Backup, aber da war nichts dabei. Also ich habe dann immer wieder die gleichen Bilder gefunden und diese ganz alten Sachen, die habe ich nicht gefunden. Und dann ja, gut, wenn du lange genug suchst, also irgendwo in der Ecke, im Schrank, ganz hinten, Festplatte gefunden, die auch tatsächlich beschriftet war. Aber die dann wusste ich, okay, da sind sie. Ich wusste sofort, da sind sie drauf. Dann gucke ich Firewire-Anschluss. Ich habe überhaupt nichts. Also uralt Platte. Erstmal einen Adapter besorgen. Firewire gibt es ja Gott sei Dank alles auf USB-C. Und dann habe ich die hier angeschlossen und dann sah ich das ganze Grauen in seiner Pracht von damals. Also das habe ich sehr lange gemacht und dabei ist mir dann aufgefallen, es gibt eine ganze Menge, was ich nie, publiziert habe, also was nie in einem, und ich habe ja sehr viele, ich habe neun Bildblende gemacht, ich habe sehr viele Softcover-Veröffentlichungen gemacht, Magazine gemacht, Bilder, die nie in einer dieser Printpublikationen gelandet sind, ja, neu angefangen zu sammeln. Und dabei ist mir dann aufgefallen, dass es schon etliche Protagonisten gibt, die ich häufiger fotografiert habe. Also nicht nur zweimal, sondern fünfmal, achtmal, zehnmal, fünfzehnmal, über einen längeren Zeitraum, über viele Jahre. Und insgesamt habe ich dann 192 Bilder, glaube ich, zusammengenommen. Es sind so, ich sage jetzt mal, ich habe es nicht gezählt, zehn, zwölf Protagonisten, die sich herausgebildet haben, die eine größere Rolle spielen, weil ich sie immer wieder fotografiert habe. Denen habe ich dann auch einen Text gewidmet. Ich habe sehr viel Text geschrieben. Also es ist auch viel mehr geworden, als es die Ursprung nicht vorhatte. Das Vorwort ist schon sehr, sehr lang. Und was man dann noch so als Epilog plant. Aber die Texte. Wie viele Texte das wurden habe ich erst gemerkt, als ich sie auf Wunsch eines amerikanischen Kunden, übersetzt habe und dann habe ich das hier ausgedruckt damit er das dabei legen kann ich habe die englische Übersetzung schön auf A4 Blättern und es waren 25 A4 Blätter eng bedruckt an Text so eine ganze Menge und die machen den Bildband halt zu etwas sehr Persönlichem, auch weil es ja auch etwas sehr, sehr Persönliches ist also A, es ist meine sehr streng subjektive Auswahl ich musste alles weglassen, was schon mal veröffentlicht war. Ich musste alles oder habe alles weggelassen von Menschen, denen ich quasi, also mal als Beispiel, ich habe mit Bernadette Kasper meinen zweiten Bildband gemacht, Unmasked, eine Monografie, damals für mich sehr, sehr wichtig. Und jetzt ist in Amtsien kein einziges Bild von Bernadette drin. Warum? Weil alles in dieses Buch damals reingeflossen ist. Wir haben das auch als großes Projekt begriffen und ich weiß nicht, ich habe lange überlegt, ich glaube, wir haben uns hinterher zwar immer mal wieder gesehen, aber nie mehr Fotos gemacht. Und jetzt einfach hinzugehen und zu sagen, ja damals ist bestimmt irgendwas unter den Tisch gefallen, was ich jetzt heute da rausholen kann, das wollte ich auch nicht. Also es sollte jetzt nicht so ein Rudis-Reste-Rampe werden. Und so ist es mit Bernadette gegangen und mit ein paar anderen Protagonisten auch, die jetzt nicht drin sind. Das heißt aber nicht, dass die nicht ganz wichtig sind, aber die haben, Saskia zum Beispiel fällt mir gerade noch rein, ich habe eine kleine Monografie in Softcover mit Saskia gemacht. Deswegen ist die jetzt auch nicht in Anziehen drin. Also man sieht schon, das waren auch Schmerzen, Sachen weglassen zu müssen. Aber wenn jetzt jemand mich überhaupt nicht kennt und meine Arbeiten nicht kennt und er Anziehen in die Hände bekommt, wird er trotzdem einen sehr, sehr guten Eindruck von dem bekommen, was ich in den letzten 15 Jahren gemacht habe. Es ist wirklich sehr, sehr repräsentativ.
Kai Behrmann
00:23:11
Mhm. Ein schöner Überblick über die Entstehungsgeschichte dieses Projekts anziehen und da steckt eine ganze Menge drin, wo ich nochmal gerne mit dir ein bisschen tiefer drauf schauen möchte. Einmal das Thema Archivarbeit. Das ist bei mir auch gerade sehr, sehr laut. Ich stehe da vor einem großen Problem, all die Bilder, die über die Jahre sich so angesammelt haben, mal wieder zu ordnen. Also die Datensicherung, die ist soweit, glaube ich, ganz gut auf dem neuesten Stand. Aber so Struktur reinzubringen, sich da zurechtzufinden, auch dann die entsprechenden Bilder, die man ja selber noch so im Kopf hat. Du hast auch gesagt, du hast da so vor dem inneren Auge welche gehabt und wusstest aber gar nicht so genau, auf welcher Festplatte sind die jetzt eigentlich. Das ist, glaube ich, auch ein Problem, vor dem viele stehen und ich finde auch eine Thematik, die häufig zu stiefmütterlich behandelt wird. Also wir haben Spaß als Fotografen daran, kreativ zu sein, Fotos zu machen, aber dieser Schritt, sich dann auch mit den Bildern auseinanderzusetzen, der fehlt oder der kommt häufig ein bisschen zu kurz. Da nehme ich mich gar nicht mit aus. Also da bin ich genauso schuldig und finde das immer wieder faszinierend, wie strukturiert und mit welcher Regelmäßigkeit du dann deine Projekte auch zu Ende führst in Form von Büchern. Erst mal angefangen, eine ganz, ganz profane Frage. Dein Archiv, wie viele Bilder umfasst das? Du fotografierst ja schon eine ganze Weile. Hast du da eine Zahl im Kopf?
Andreas Jorns
00:24:54
Da hätte ich mich ja jetzt mal drauf vorbereiten können. Komischerweise, das habe ich jetzt aber auch bei der ganzen Arbeit gar nicht versucht nachzuvollziehen, wäre eigentlich gar nicht so aufwendig, weil ich viele Jahre das noch aus heutiger Sicht falsch gemacht habe, indem ich die Leitungkatalogen viel zu groß gemacht habe. Also manchmal umfassen die am Anfang ein ganzes Jahr, also ein Katalog für ein ganzes Jahr, was das Ganze auch langsam macht und mühsam. Insofern könnte man das da ablesen. Aber was wird das sein? Also ich glaube 500.000 Bilder wären da schon... Ich schicke dir irgendwann mal ein Update. Jetzt hast du mich nicht mehr. Habe ich nie geguckt. Weiß ich nicht. Es ist definitiv mehr, als wenn ich jetzt über all die Jahre nur analog fotografiert hätte. Na klar, nicht in der Natur der Sache. Aber ja, die Anzahl der Bilder... Ich hake da mal kurz ein, was du gesagt hast. Das ist ja massiv wichtig. Die Anzahl der Bilder ist jetzt nicht so entscheidend. Selbst wenn es 5 Millionen wäre, wenn man sich regelmäßig mit den Bildern befasst, im Sinne von, ich nehme mir wirklich Zeit, die Bilder zu sichten und so eine Vorauswahl wenigstens zu machen, also das berühmte Sternesystem. Also auch das, ohne das hätte das jetzt nicht funktioniert, dieses Anziehen-Projekt. Also ich bin in alte Bilder gegangen und habe mir jetzt natürlich keine Null-Sterne-Bilder angeguckt, sondern schon das, was ich damals mit ein paar Sternen versehen habe, was es dann aber trotzdem nicht zu einer Publikation geschafft hat. Ich kann jetzt, also nehmen wir mal an, es sind 500.000, weiß ich gar nicht, vielleicht liege ich auch massiv daneben, ich werde es mir anschauen. Du kannst ja nicht so viele Bilder angucken, aber du gehst in Ordner für Ordner, also innerhalb eines Lightroom-Katalogs sind halt für jedes Shooting ein Ordner und da gehst du rein, guckst du, weißt relativ schnell, oh nee, passt nicht. Bei mir kam noch hinzu, ich hatte eine, das wusste ich gar nicht mehr, eine relativ ausgeprägte Phase noch, wo ich immer mal wieder auch Farbe rumexperimentiert habe. Also ich wusste, dass ich das ganz am Anfang gemacht habe, aber ich hatte zwischendrin dann auch noch mal was und. Und das hat mich massiv gestört. Ich habe ein paar richtig coole Bilder. Ich wollte diesen Anziehen-Bildband aber wirklich schwarz-weiß haben, weil das ist das Statement, was ich über anderthalb Jahrzehnte jetzt gesetzt habe und wollte jetzt nicht irgendwo Farbbilder noch einstreuen. Und dann habe ich so ein paar Lieblingsbilder gefunden in Farbe. Das hat mich massiv geärgert, weil ich mir auch geschworen habe, ich werde niemals ein Bild, was ich irgendwann mal in Farbe gemacht habe, hinterher nochmal in Schwarz-Weiß umwandeln, um es veröffentlichen zu können. Und da habe ich mich selber so ein bisschen kasteit. Das sind so diese kleinen Problemchen für mich gewesen tatsächlich.
Kai Behrmann
00:28:06
Ein Problem ist ja, wenn man zwischen verschiedenen Systemen immer hin und her springt. Dann überlegt man sich einmal eine Struktur, wie man sein Archiv organisiert und dann wirft man es über den Haufen und dann entsteht irgendwann Chaos und wenn es dann irgendwann diese Dimensionen erreicht an Bildern, dann ist es natürlich so fast unmöglich, da dann im Nachhinein Rückblick eine Struktur reinzubringen. Und wie hast du das für dich organisiert und wie sieht dein System aus und wie lange arbeitest du schon mit diesem System? Ich glaube, das könnte für viele auch ganz hilfreich sein, da mal was von dir zu erfahren.
Andreas Jorns
00:28:44
Also mein System ist absolut verbesserungswürdig. Das muss ich auch sagen. Zum Beispiel habe ich nie mit Stichworten gearbeitet. Auch das würde mir wahrscheinlich das Leben deutlich erleichtern. Aber mein System lautet Lightroom. Und auch da gilt, was du gerade gesagt hast, Never Change a Running System. Ich habe es doch mal gemacht, zwischendurch mal ein Jahr oder anderthalb mit Catcher One gearbeitet. Das hat mich wahnsinnig gemacht, jetzt an der Arbeit mit Unseen. Grausam. Aber Lightroom und anfangs noch mit einem Katalog pro Jahr, dann habe ich für ein Halbjahr und dann bin ich jetzt seit ein paar Jahren, arbeite ich so, dass eigentlich jedes Shooting oder sagen wir mal jedes Projekt hat einen eigenen Lightroom-Katalog. Und das führt allerdings dazu, dass du dann, wenn du ein Printprojekt dann planst oder Ausstellungen oder was auch immer, dann funktioniert das ja über Sammlungen. Also so mache ich es. Ich lege eine Sammlung an, weil ich darin dann auch Reihenfolge verschieben kann, also schon Sequenzierung in Lightroom so ein bisschen rumpuzzeln. Und weil das so ist und ich jetzt keinen globalen Katalog habe, wo ich eine Sammlung anlegen kann, habe ich jetzt zum Beispiel für Unseen auch einen eigenen Katalog angelegt. Bin dann vorher in meine ganzen Kataloge und habe immer, wenn ich ein Bild identifiziert habe, habe ich das exportiert als TIFF, mir also einen separaten Anziehen-Ordner angelegt und habe quasi mit diesem Bilderordner einen eigenen Katalog gemacht. Also ich habe meine Auswahl da reingeschmissen. Geht wahrscheinlich auch intelligenter, aber das war so für mich der Weg, dass ich die Vorauswahl, da waren dann so 500, 600 Bilder drin. Und daraus sind dann ungefähr 170 Porträts habe ich genommen und ich habe noch, um das Ganze ein bisschen aufzulockern, habe ich auch porträtfremde Bilder mit dazu getan. Und da hatte ich die Idee, ich habe vor Jahren mal ein bisschen intensiver mit der Hasselblad X-Pan fotografiert, weil ich dieses Panorama-Format so schön finde. Und davon hatte ich noch ein paar Bilder, die ich unbedingt auch mal zeigen wollte. Und die habe ich jetzt quasi als Trenner so ein bisschen dazwischen gepackt, um das Ganze aufzulockern und auch für das Auge interessant zu machen. Damit du nicht Porträt, Porträt, Porträt aneinander rein musst. Und sollte ja auch... Auch wenn es keine Geschichte erzählt, so wie im Jahr des Drachen. Ist trotzdem, finde ich, die Sequenzierung der Bilder ja nicht ganz unwichtig. Also ich habe jetzt nicht irgendwie die 170 Bilder genommen, fallen gelassen und in der Reihenfolge, wie sie gelegen haben, habe ich sie dann in den Druck gegeben. Sondern da macht man sich auch einen Kopf darüber, in welcher Reihenfolge will man das haben. Und während ich das mache, das können jetzt die Hörer nicht sehen, mache ich so eine Bewegung, wie so etwas fließt. Das soll ja so ein bisschen fließen. Es soll fürs Auge immer wieder interessant sein, es soll immer mal wieder ein A und ein O geben und das versucht man dann für sich selber so zu vollziehen. Mir gefiel die Aussage von Bim Wenders in einem Podcast, als er sagte, naja, der eigentliche Film entsteht ja im Schnittraum und nicht beim Dreh. Und das muss man einfach begreifen, dass das für uns Fotografen auch gilt. Der Bildband, klar brauchst du das Material, du brauchst die Bilder, aber ob das Ding jetzt gut wird oder nicht, entscheidet sich am Schreibtisch. Wenn du die Sequenzierung machst und wenn du dir überlegst, wie möchtest du das Ganze präsentieren? Du kannst noch so tolle Bilder haben, wenn du sie lieblos aneinanderreißt, ohne Sinn und Verstand, sind es immer noch tolle Bilder, aber der Effekt verpufft leider. Das habe ich halt über die Jahre auch lernen müssen, schwärzhaft lernen müssen zum Teil. Das habe ich natürlich am Anfang auch nicht gewusst. Ich habe sehr viel gelernt durch die ersten Ausstellungen, die ich dann machen durfte, durch Kuratoren und Kuratorinnen, mit denen ich zusammenarbeiten durfte, die mir Dinge veranschaulicht haben, da wäre ich im Leben nicht drauf gekommen. Und das ist halt, das macht aber auch dieses Thema, ich mache einen eigenen Bildband so wahnsinnig spannend und es wird einfach auch nicht langweilig. Und deswegen sage ich ja auch jedem Amateurfotografen, mach das. Und wenn du es nur für dich machst, Auflage zwei Stück, eins ins Regal und eins zum täglich angucken, das macht was mit deinen Bildern, das hebt das nochmal auf ein ganz anderes Niveau. Ja, absolut.
Kai Behrmann
00:34:03
Und die Sequenzierung, wie wichtig das ist. Das stärkste Einzelbild kann für sich alleine stehen, aber je nachdem, in welche Beziehung du das mit anderen Bildern setzt, verändert das auch, wie es zu dir spricht und zum Betrachtern.
Andreas Jorns
00:34:19
Das ist und ich lese auch viel momentan, schaue ich mir auch viele Dokumentationen zum Thema Vinyl-Revival an, wo ich ja so froh bin, dass das jetzt auch wieder vorwärts geht da und bin ja ein großer Vinyl-Junkie und, was nämlich verloren gegangen ist, also jeder kann ja hören, wie er will, aber viele, die mit mit Streaming zum Beispiel groß geworden sind. Und das ist ja eine ganze Generation, das ist ja so. Davor war CD und davor war Platte. Und wer jetzt aber nur Streaming kennt und die Konzeptionierung von Streaming, wir reden jetzt nicht über die Ethik des Geschäftsmodells, sondern wie konsumiere ich Musik? Und diese Generation, die Musik zu 99% streamt, kennt das Konzept Album nicht. Sie kann dieses Konzept Album nicht verstehen, dass es eine totale Rolle spielt, in welcher Reihenfolge ich ein Album höre. Und im Free Account habe ich gelernt, bei Spotify und Co., also bei diesen Gratis-Accounts, wird ein Album im Shuffle-Modus gespielt. Das war auch, glaube ich, der Grund, warum Adele mal Spotify verklagt hat. Ich weiß gar nicht, was dabei rausgekommen ist. Und dieses dann habe ich so darüber nachgedacht und habe mir mal so meine Platten vorgenommen und jetzt gibt es meine. Also ich glaube die meisten Platten abgesehen von Depeche Mode, das war damals eine riesige Phase, wo ich auch alle, Bootlegs und Maxi-Singles, egal ob die in England oder USA oder Deutschland gepresst wurden habe ich alles, aber die meisten Alben besitze ich ansonsten von Pink Floyd, und inklusive der Remastered-Geschichten, die ganz großartig sind, weil da nochmal richtig was passiert ist, Und entgegen des allgemeinen Trends zählt zum Beispiel The Wall nicht zu meinem Favoriten. Also bin jetzt nicht der größte Fan. Ja, tolles Album, keine Frage. Vielfach tot gehört. Also jeder, wenn du auf Pink Floyd ansprichst, sagt dann ja hier, wie heißt denn der Song von The Wall, meine Güte. Ich kann den Text mitsingen, aber hey teacher, leave them kids alone so, another break in the wall so, jeder kennt das und es wird ja im Radio immer noch gespielt und es wurde rauf und runter gespielt toller Song so, Punkt aber, wenn du dir das Ding auf Platte auf dem Album anhörst. Ist der Song eine Million Mal genialer aufgrund der Tatsache, was davor passiert und danach. Das gibt einen viel größeren Sinn. Es ist eingebettet. Das ist ja ein Konzeptalbum. Und du kriegst richtig, ich habe jetzt seit langer, langer, langer Zeit mal wieder das Album gehört und kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt Gänsehaut hatte bei Another Break in the World, als es anfing. Ich dachte, das ist ja cool. jetzt in dem Moment, bam. Nicht einfach rausgelöst daraus. Also warum erzähle ich das? Das ist eine totale Parallele zur Fotografie. Wie bettest du deine Lieblinge ein? Wie präsentierst du sie? Der größte Fehler, das wissen wir eigentlich alle, das ist das, was ich auch versuche bei den Workshops, wenn es darum geht, Magazin zu machen, zu sagen, nicht zu viel. Also wie sehr ich dann darum kämpfen muss, auch mal Weißraum zu lassen. Und dann lass nur das eine Bild, lass die andere Seite frei. Ja, aber dafür druck ich doch nicht, dass ich so viele weiße Blätter ankomme. Das kommt dann häufig. Ja, aber die Wirkung, die Wirkung ist eine ganz, ganz andere, als wenn du jetzt ein anderes geniales Bild daneben packst. Dann weiß der Betrachter gar nicht mehr, wo hinkucken soll. Links oder rechts und schon.
Kai Behrmann
00:38:36
Puff.
Andreas Jorns
00:38:37
Löst sich das wohl im Fallen auch. Ja, genau.
Kai Behrmann
00:38:41
Diese Analogie zu Platten oder wie damals solche LPs konzipiert wurden, glaubst du, oder da geht ja eine Menge verloren, wenn wir so drauf schauen, also im Vergleich zu früher und zu heute. Ohne das jetzt, früher war alles besser, danach klingen zu lassen, aber ich glaube, da hast du schon einen Punkt, diese immer geringer werdende Aufmerksamkeit, die wir den Dingen heute widmen. Also wenn man sich mal so die Logik hinter sozialen Medien, Internet anschaut, es ist ja so viel Lärm da draußen, dass wir eigentlich nur noch in der Lage sind, so kleine Häppchen zu konsumieren, weil wir nicht die Zeit haben, uns länger auf irgendetwas einzulassen und diese Häppchen müssen dann auch noch so einen richtigen Bang haben, damit sie rausstechen. Und ja, ich sehe da auch schon wirklich eine Entwicklung oder diesen Wert, sich immer wieder mal zurückzunehmen und zu dem, was früher tatsächlich auch in meinen Augen besser war, eben dadurch mehr Tiefe wieder reinzubringen in die eigenen Arbeiten und zu schauen, welche Geschichte möchte ich überhaupt erzählen und diese dann auch so zu strukturieren, dass es ein bisschen Aufmerksamkeit auch vom Betrachter erfordert.
Andreas Jorns
00:39:58
Ja, ich sage immer Zeit. Also Zeit ist für mich so der maßgebliche Faktor. Und ich vergleiche das persönlich mit einem anderen schönen Vergleich, den ich habe, ist Pizza. Pizza backen. Jeder kennt eigentlich, also die Rezeptur vom Pizzateig ist allgemein bekannt. Kannst auch Brot backen, es würde 1 zu 1 genauso passen. Warum ist das Brot vom Bäcker, also vom richtigen traditionellen, ich spreche jetzt nicht von diesen Bäckerketten, sondern so ein richtig alteingesessener Bäcker, warum ist das bekömmlicher als ein Brot vom Lidl oder vom Aldi? Was auf den ersten Blick auch genauso gut schmecken kann. Alles auch schon probiert. Die Zutaten können exakt die gleichen sein. Das wird ja auch häufig dann hergenommen als Argument, ja, dann kann ich auch das billige kaufen. Nee. Der Faktor, der das Ganze mehr Geld kosten lässt oder teurer werden lässt, ist Zeit. Es braucht mehr Zeit. Teig zum Ruhen, zum Gehen, diese Dinge. Das ist bei der Pizza ja ganz, ganz entscheidend. Du kannst, jeder weiß, an einen Pizzateig gehört Mehl, Wasser, Salz, Hefe. Hefe möglichst wenig übrigens. Warum? Weil Zeit gibt dem, wir machen, wenn Annette Pizza macht, das ist wahnsinnig gut in dem, überhaupt backen, aber Pizza ist so, beste Pizza außerhalb Neapel zeige ich immer 72 Stunden geht der Teig klar, sie kann auch sagen, ich mache jetzt den Teig und in drei Stunden gibt sie Pizza, dann braucht sie mehr Hefe sonst geht der Teig nicht so schnell und. Es schmeckt anders, du schmeckst übrigens auch die Hefe dann raus und es ist nicht so bekömmlich. Der Teig sieht auch anders aus. Also der einzige Unterschied ist nur die Zeit und auch wie man Teig faltet oder so etwas in der Art. Und ich finde auch immer, so ist es in der Fotografie auch. Dieses ganze Brimborium drumherum, das lenkt eigentlich nur ab. Was wir ja für die Fotografie brauchen, ist Blendeverschluss seit ISO und ein gutes Auge. Und Zeit. Ja, kann ich relativ schnell ein gutes Foto machen heutzutage. Also gutes Foto im Sinne von technisch korrektes Foto. Und ich kann auch jegliche Imperfektion mit KI anschließend rausbügeln und habe ein perfektes Bild, Perfektion. Aber Perfektion ist ja eigentlich auch nicht das, was wir vielleicht sehen wollen, sondern wir wollen ja viel mehr Herzblut sehen und Imperfektion und all das, was das ausmacht. sich Zeit zu nehmen. Ich habe das beim Drachen schon gehabt, ich habe das jetzt bei Anzine gehabt, die Sequenzierung, wie häufig die sich noch verändert hat während des ganzen Prozesses. Einfach nur, weil ich mir die Zeit genommen habe und nicht gesagt habe, ich muss jetzt aber übermorgen abgeben. Liegen lassen und immer wieder drauf gucken. Und in der Musik ist das genauso. Also Musik ist da, wo ich ein bisschen mitreden kann, weil ich da so ein bisschen nerdig unterwegs bin. Es gilt mit Sicherheit für jede Kunstform. Für jede.
Kai Behrmann
00:43:51
Du hast gesagt, dass du für Unseen jetzt keine Zusammenstellung von Best-of-Bildern machen wolltest. Bei diesem Auswahlprozess oder bei der Suche nach den Bildern, die in diesen Bildband rein sollen, die du vorher noch nicht gezeigt hast, was war es damals, was diese Bilder hat hinten überfallen lassen ein Stück weit, wo du gesagt hast, in diesem Kontext passen sie nicht, aber jetzt plötzlich passen sie?
Andreas Jorns
00:44:22
Gute Frage. Also A, gibt es natürlich einen langen Bereich, eine große Phase, in der Bilder entstanden sind, als ich noch nicht publiziert habe. Dann war das der Grund. Also das war, bevor ich angefangen habe mit Bildbänden. Das ist der einfachere Part. Der schwierigere Part ist zu sagen okay oder gar nicht so schwer, ich habe dann ja angefangen mit drei Monografien uninvited, unmasked und kann man dann, Mal abgesehen davon, dass ich dann auch so nebenbei nochmal ein Magazin gemacht habe, sind das aber viele Jahre, in denen ich natürlich auch andere Sachen fotografiert habe, als nur diese drei Protagonisten, Carolina Bernadette und Katharina. Also auch da gilt, ich habe damals nicht in der breiten Form publiziert, als dass ich sie hätte verwenden können. Und dann kam eine Phase, wo ich wahnsinnig produktiv war, sehr, sehr viel Porträts gemacht habe, die konnte ich halt nicht alle veröffentlichen, das ging nicht. Also so viel konnte ich also auch nicht publizieren. Und der letzte Aspekt ist das, was du eigentlich meinst wahrscheinlich, warum ist es hinten rüber gefallen, weil war doch auch gut. Naja, das sind so, dafür kann es zwei Gründe geben. A, ich gucke heute anders drauf, durch die Erfahrung. So ist es mir ja damals mit What If auch gegangen. Bilder, die ich damals nicht so, also ich fand sie ja gut genug, dass sie ein paar Sterne bekommen haben, aber für eine Publikation, nee. Anderer Blick heute mit einem anderen Erfahrungsschatz und dann gibt es zusätzlich aber auch noch welche, ich habe etwas publiziert und hatte aber so viel Material, dass ich mich damals festlegen musste, nehme ich A, nehme ich B, damals habe ich A genommen, dann kann ich B heute nehmen. Ich habe immer versucht, nicht zu viel davon zu haben, schon gar nicht, wenn es so quasi so ähnlich ist, so nach dem Motto, Habe ich jetzt so ähnlich, aber schon im Bildband X, Y und Z. Das wollte ich natürlich nicht. Es gibt auch so Projekte, mein Lieblingsbeispiel ist Nackte Aktfotografen. Das war ein Projekt, das hatte ich... Gar nicht so lange, ein, zwei Jahre habe ich das gemacht. Das habe ich damals analog gemacht auf Mittelformatfilmen, ich glaube 6x7, habe ich gedacht, Mensch, wir müssen den Spieß mal umdrehen. Es gibt so viel Aktfotografie und auch so viel, wo ich sage, Mensch, behandelt doch mal die Models ein bisschen besser. Und habt ihr eigentlich jemals mal selber vor der Kamera gestanden? Wisst ihr eigentlich, wie das ist? Ah, da machen wir jetzt mal ein Projekt draus. Hab also gefragt, der fotografiert gern Akt und hat Lust bei mir nackt vor die Kamera zu gehen. Das war nicht immer leicht, aber da haben sich dann doch einige Probanden gefunden und das habe ich gemacht. Dann ist mir die Kamera kaputt gegangen und dann dachte ich, ach, doof irgendwie. Und ja, mach sie demnächst mal weiter, mach sie demnächst mal weiter. Das ist in der Schublade liegen geblieben und liegen geblieben. Und ich habe immer wieder überlegt, wo packe ich es mal rein? Also angefangen Black is the Color, später Finally. Ich weiß auch, dass ein Protagonist hat sich sogar bei mir beschwert und gesagt, also jetzt bin ich da schon damals über meinen Schatten gesprungen und bis jetzt, jetzt passiert da überhaupt nichts. Und wir hatten schon ein richtig schlechtes Gewissen. Und das passt jetzt natürlich bei Anziehen super. Da konnte ich da jetzt ein paar Bilder von nehmen und sagen, hier, guck mal. Oder mein Projekt Kaffee, Kuchen, Kamera, was ich nach Corona gemacht habe. Also davon habe ich mal Bilder gezeigt in einem Blogbeitrag oder einem Newsletter, das weiß ich gar nicht mehr, aber eben nur online, noch nie in einem Bildband. Und daraus, du siehst schon, es ist da ein bisschen, da ein bisschen, da ist mal was liegen geblieben, da über 15 Jahre kriegst du dann doch auf einmal Material zusammen.
Kai Behrmann
00:48:51
Ja, Material aus.
Andreas Jorns
00:48:53
Ja, die Kunst ist dann, das Ganze so homogen zu gestalten, dass es so ein bisschen wie aus einem Guss wirkt, ne?
Kai Behrmann
00:49:01
Wo wir wieder beim Thema Sequenzierung dann auch sind, wie bringst du es in Form in die richtige Reihenfolge und wenn man jetzt mal jedes Projekt für sich auch betrachtet, es gibt ja ganz unterschiedliche Art und Weisen, wie man ein Projekt erzählen kann oder aus dem Material, was man daraus machen kann. Also man entscheidet sich für eine Sequenzierung, die stimmig ist, so für sich, aber wenn ich sie anders arrangiere, könnte ich vielleicht aus dem gleichen Anlass auch eine andere Geschichte erzählen. Hat das auch bei dir jetzt mit eine Rolle gespielt, dass du dir überlegt hast, wie kann ich von der ursprünglichen Idee oder mit der ich rangegangen bin in so ein Shooting mit einem Modell, jetzt mal bei der Porträtfotografie. Wie kann ich da noch andere Nuancen sichtbar machen aus diesem Anlass, ohne jetzt die gleiche Geschichte, die du schon mal veröffentlicht hast, nur mit einem ganz leichten anderen Anstrich zu präsentieren?
Andreas Jorns
00:50:10
Es war eher so dass ich die Porträts die ich damals gemacht habe waren in der Regel ja anlasslos, sie waren gar nicht geplant für irgendwas also ich hatte immer zwar oder ab einem gewissen Zeitpunkt die Idee sie irgendwann mal zu veröffentlichen als Buch oder so aber nicht so dass da jetzt ein großes Konzept dahinter steht, und. Jetzt ist es so, als ich mir das alles nochmal angeschaut habe, auch gerade die älteren Sachen, spricht das noch zu mir? Macht das jetzt noch irgendwas mit mir? Oder fühlt sich das mehr an wie so eine technische Fingerübung? Weil da kommt ja auch schnell so eine Routine rein. Ich habe ja damals sehr viel fotografiert, teilweise alle zwei Tage ein Porträtshooting in meinem Atelier und dann bilde ich mir ein, hier und da auch gesehen zu haben, dass das so ein bisschen routiniert war. Und jetzt kommt der Punkt, der Anzine ja eigentlich so besonders macht, es geht ja im Prinzip um die Geschichten, die ich erlebt habe, also um die Begegnungen und um die Geschichten. Fällt mir, wenn ich das Bild sehe, noch etwas dazu ein? Habe ich noch diese Begegnung vor Augen? Wie war das? Macht das heute, das ist natürlich wahnsinnig, das kann ja ein Betrachter nicht haben, aber da bin ich jetzt mal ganz. Eigennützig, darum geht es mir ja nicht, es ging mir jetzt erstmal darum, ist es das, wo ich sage, wenn ich das jetzt veröffentlichen würde, ja, das bin ich, das ist das, was ich heute, noch toll finde mit all den vielleicht auch technischen Einschränkungen und wo man hier und da sagt, ja das würde ich heute auch ein bisschen anders machen, aber trotzdem dazu, stehen tue ich zu allem aber gibt es, welche Bilder sind es, die heute noch irgendwas in mir auslösen und vielleicht fällt mir sogar noch so eine Geschichte dazu ein und hier und da ist es ja so gewesen und habe ich dann ja auch geschrieben, darum ging es eigentlich gar nicht um so Ich will jetzt die Geschichte neu erzählen oder Bilder jetzt irgendwie konzeptionellen Stempel drücken. Das war es nicht, sondern wirklich so wahnsinnig persönlich. Macht es was? Das ist aber auch erst im Laufe dieser Arbeit in dem Archiv entstanden. Ich darf sogar sagen, ich habe jetzt kürzlich noch im Dialog mit einem Kollegen das gesagt, ich hatte so ein bisschen in den letzten Jahren so ein bisschen die Urfreude verloren an Porträts. Das macht mir immer noch Spaß, aber so dieses fast kindlich naive Neugier, Freude, Leidenschaft, also ich kann das ganz schlecht beschreiben, das war so ein bisschen verloren gegangen. Und das ist jetzt massiv zurückgekommen, nur durch die Beschäftigung mit den Bildern, weil mir wieder eingefallen ist, warum ich das gemacht habe. Also die Menschen, die ich so toll fand und ich interessant fand und, ich bin vor vielen Jahren schon gefragt worden, Andreas, warum machst du immer nur Porträts und damals weiß ich noch, habe ich geantwortet, ja, aber verstehe ich nicht, es sind ja immer andere Menschen Und die machen das ja so abwechslungsreich. Und das ist etwas, was jetzt ganz stark wieder hochgekommen ist, dieses Gefühl. Und allein dafür bin ich unglaublich dankbar, dass das passiert.
Kai Behrmann
00:54:06
Einmal eine persönliche Reise, um die eigenen Beweggründe ein Stück weit auch besser verstehen zu können. Das ist ja das, was bei so einer Archivarbeit dann auch an positiven Seiten herausfällt. jetzt nach außen gerichtet, auf der Seite des Betrachters. Es gibt ja sehr viele Menschen, die dich schon über einen längeren Zeitraum verfolgen, mit deiner Fotografie vertraut sind. Was beabsichtigst du, bei diesen Menschen auszulösen? Ist dieses Buch so ein Stück weit auch dazu geeignet, bisher noch weiße Flecken zu füllen, um auch deinen Prozess ein bisschen besser zu verstehen? Du hast am Anfang den Vergleich zur Musik gezogen, zum Beispiel Tom Waits mit so einem Album oder so einem Werk von bisher nicht veröffentlichten Songs zu veröffentlichen. Bruce Springsteen hat im vergangenen Jahr auch wieder, glaube ich, sechs Alben auf einmal rausgehauen. Und so geht es mir, also als Fan von diesen Künstlern, wenn ich sowas höre, es hilft mir zu verstehen, wie sie zu den Songs gekommen sind, die ja bekannter sind. Was ist passiert? Was mussten sie für Schritte gehen in ihrem Schaffensprozess, um zu dem zu gelangen, für was sie eigentlich so stehen, also diese Greatest Hits?
Andreas Jorns
00:55:34
Kai, ich bin gerade völlig geflasht, weil du sprichst da etwas aus, was sich gar nicht auf dem Schirm hat, also nicht im Sinne von, das ist jetzt mein Ziel, aber so wie, wenn ich mich als Konsumenten betrachte, du hast das jetzt mit Plusprings hingewiesen angesprochen und es gibt ja manchmal, wenn man jetzt besonderer Fan von einem Interpreten ist, dass man sich dann auch mal so ein Album mit, wo Demos drauf sind, also es gibt ja die neuen Special Editions und dann hast du ein Demos. Dann hörst du eine andere Version von dem Song, so eine ganz rohe, ursprüngliche. Das trifft es total. Das trifft es total. Es ist genau das, was jemand selbst, der es gibt, Menschen, bin ich sehr dankbar, die so fast alles von mir, von dem, was ich veröffentlicht habe, im Regal stehen haben. Und ich glaube, dass auch diese Menschen sich anziehen mit sehr viel Genuss anschauen können, weil es genau das, ich hätte es gar nicht besser formulieren können, als wie du es gerade gemacht hast. Ich glaube, es geht so ein bisschen stellenweise auch zurück zu den Ursprüngen, zu meinem ursprünglichen Antrieb, zu dem, was mir wichtig ist, was ich damals gar nicht wusste. Manchmal wusste ich gar nicht, warum ich Dinge so gemacht habe, wie ich sie gemacht habe und kann das heute viel besser formulieren im Prinzip. Also es ist Teil meines Vortrags und deswegen passt das so gut, was du gerade gesagt hast. Mein Vortrag ist gerade fertiggestellt. Das, was dein Stichwort, das kommt da mit rein. Dankbar dafür. Irgendwann habe ich, also ich mache 20 Jahre Porträtfotografie. Anziehen reflektiert 15 Jahre davon. Die ersten 5 Jahre habe ich ausgelassen. aus Gründen. Kann man nicht zeigen. Ein bisschen was zeige ich aber beim Vortrag. Und dann zeige ich auch, was der Grund war, warum sich dann auch meine Fotografie verändert hat. Und einer der vielen Aspekte ist, am Anfang war es zu viel von allem. Und dieses Reduzieren und worum geht es eigentlich und was ist eigentlich wichtig in der Porträtfotografie, das irgendwann für mich erkannt zu haben und reflektiert zu haben und dann auch einfließen zu können in die Fotografie, da begann es dann für mich dann auch ernst zu werden ja das ist das was ich auch, sein will und was ich darstellen will und was ich zeigen will ja ich glaube dass diese Bilder dabei helfen Ja.
Kai Behrmann
00:58:24
Neben den Bildern spielt Text ja sehr gerne. Andreas, neben den Bildern spielt auch Text eine große Rolle. Da erzählst du Geschichten. Magst du mal ein bisschen darüber erzählen, wie wichtig war dir das, eben auch diese Texte zu den Bildern zu stellen und was erzählst du in diesen Texten?
Andreas Jorns
00:58:44
Ja, ich bin, also ich schreibe ja sehr gern, insofern lag es nahe, oder viele haben mich schon gefragt, warum gibt es nicht eigentlich mehr Texte in deinen Bildbänden, das war immer in der Vergangenheit meine Scheu, davor deskriptiv zu werden, weil ich wollte natürlich um Gottes Willen meine Bilder nicht erklären. Jetzt besteht die Gefahr bei Porträts nicht so sehr, weil ein Porträt zu erklären, macht ja jetzt nicht so viel Sinn. Sondern ich habe gedacht, wenn ich schon eine Rückschau mache und so eine Werkschau, so ein, ja, dann nennen wir es ruhig mal Best-of, dann sollte ich auch hier und da mal eine Hintergrundgeschichte erzählen. Weil das ist auch etwas, was ich begriffen habe. Ich habe gerade heute erst mit einem Käufer einer meiner Bildbände geschrieben, der mir zum Beispiel sagte, Lucid Dreams hatte er gekauft, den Bildband, und hat keinen Bezug gefunden, er hat nicht richtig reingefunden. Dann fiel ihm Einblick, also meine Zeitung, Ausgabe 2 in die Hände, und dort habe ich. Einen großen Text, den ich damals auf der, auf dem Artist Talk zu der Ausstellung Lucid Dreams erzählt habe und ich wurde von einem der Besucher gebeten, das Ganze mal runterzuschreiben, weil man dadurch doch viel mehr kapiert, worum es eigentlich geht in Lucid Dreams und nicht im Sinne von, ich erkläre meine Bilder, sondern ich liefere einen Kontext, Und dann habe ich begriffen, wie ja, nicht Bilder erklären, aber Kontext liefern ist schon irgendwie nützlich. Das geht mir ja auch so. Also das geht mir seit meiner ersten Berührung mit Kunst. Das war Marc Chagall Ausstellung besucht, fand die Bilder toll, aber habe sie nicht kapiert. Und dann habe ich eine Biografie von Chagall gelesen und habe die Bilder mit ganz anderen Augen sehen können. Und das ist bis heute so, wenn ich irgendwas interessant finde, will ich mehr über den Künstler oder die Künstlerin wissen. Oder eben zumindest eine Entstehungsgeschichte, was ist die Geschichte dahinter. Und das habe ich gedacht, vielleicht fällt mir da ja was ein. Am einfachsten war es dann eben mit den Protagonisten, die ich über viele Jahre begleitet habe oder sie mich, die immer mal wieder in meinem Atelier waren, wo wir uns immer mal wieder getroffen haben. Und wo man dann natürlich vertrauter wird und vielleicht auch mal das eine oder andere Persönliche erfährt. Und das habe ich immer verstreut, Man darf ja auch nicht so viel davon haben, aber immer mal verstreut einfließen lassen. Zum Beispiel eine Carolina, Protagonistin meines ersten Bildbands, anhin weitet. Wie kam das eigentlich damals? Warum sie? Und wie waren da die Anfänge? Und welche Schwierigkeiten gab es da manchmal auch in der Zusammenarbeit? Und ja, eine Lani. Aber auch jemand das sage ich jetzt nicht den gar keiner auf dem Schirm hat weil es kein einziges gedrucktes Bild bisher von ihr gab weil ich sie sehr sehr früh in meinen Anfangszeiten kennengelernt habe, sie war meine erste Muse, hätte ich sie viele Jahre später kennengelernt, hätte ich mit ihr mit Sicherheit ein Bildband gemacht und es war so toll im Übrigen auch jetzt, mit diesen Menschen nochmal zu schreiben Hm? Weil den einen oder anderen habe ich dann auch noch mal angeschrieben, Oder aber es ist jetzt im Zuge der angekündigten Release-Party dazu gekommen, dass die gesagt haben, hey, ich habe gehört, du veröffentlichst dein zehnten Bildband. Ich hätte auch Lust zu kommen, Menschen, die ich teilweise jahrelang nicht gesehen habe. Und da schließe ich genau der Kreis, was ich gerade gesagt habe, wie besonders eigentlich dieses Genre Porträtfotografie ist, wenn du nach all den Jahren die Menschen immer noch in deinem Leben hast und mittlerweile sind sie halt 10, 12, 15 Jahre älter.
Kai Behrmann
01:02:58
Ja, wichtig dabei, was du gesagt hast, wenn ich Text hinzufüge, dass die Texte nicht deskriptiv sind und dem Betrachter zu viel wegnehmen von der Fantasie, die er selber auch in die Bilder reinlegen kann.
Andreas Jorns
01:03:13
Genau. Da werde ich auch nicht müde, das zu erzählen. Ich halte das für einen ganz großen Fehler im Amateur. Was heißt Fehler? Ich würde es halt einfach nicht machen. Lass das weg und lass die Bilder für sich sprechen und ihr gewinnt in jedem Fall. Das ist übrigens auch der Grund, warum es bei mir keine Bildtitel gibt. Das wäre ja schon, also dann denkst du dir was aus und schon, zack, legst du eine Spur. Ich habe das ja gemerkt bei Im Jahr des Drachen. Also auch ein Buchtitel, immer ganz gefährlich. Und Im Jahr des Drachen hat es schon dazu geführt, dass einige auf einer völlig falschen Fährte unterwegs waren. Weil dann gibt es einen Film, der so heißt und der spielt dann aber in einem Milieu, das hat überhaupt nichts mit dem zu tun, was ich da erzähle und so weiter und so fort. Also man muss wirklich aufpassen, am besten lässt man das weg. Hintergrundgeschichten gehen immer, Kontext liefern, wunderbar, aber ansonsten viel Raum für Interpretationen durch den Betrachter lassen, weil das ist eigentlich das Kernelement von Kunst im Allgemeinen. Also wenn das gar nicht da ist, wenn alles so auserzählt ist, dass du als Betrachter nur noch guckst und weitergehst, das haben wir ja manchmal, wo du sagst, okay, keine Fragen offen. Wenn aber so etwas ist, wo du einfach ein bisschen länger vorstehst und sagst, okay, ich begreife es nicht sofort, aber ich versuche mich da mal reinzudenken, was löst es gerade in mir aus? Es gibt Menschen, die lehnen das ab. Völlig okay. Ich persönlich habe daran viel mehr Spaß als etwas, was so komplett klar ist von Anfang an.
Kai Behrmann
01:04:55
Ja, bin ich absolut bei dir. Bei mir geht es auch so. Mich faszinieren die Bilder, um bei der Fotografie zu bleiben, am meisten, wo ich zwar irgendwo einen Zugang zu finde, es muss irgendwas da sein, was meine Aufmerksamkeit weckt, aber wenn sich alle Fragen sofort beantworten, dann bin ich auch schnell wieder weg. Aber wenn ich die Möglichkeit habe, da selber reinzutauchen und auch ganz andere Wege zu gehen, als die wahrscheinlich der Fotograf im Kopf hatte, dann ist es faszinierend und dann kann ich auch, ja, oder beschäftige ich mich gerne mit den Bildern.
Andreas Jorns
01:05:31
Ja.
Kai Behrmann
01:05:34
Andreas, du bist dann auch wieder auf Tour mit dem Buch. Das ist ja etwas, was du schon jetzt eine ganze Weile machst. Du reist durchs Land, triffst dich mit den Käufern deiner Bücher, bei Interessierten. Es ist immer eine schöne Gelegenheit, um auch in Kontakt zu kommen, Bilder zu teilen oder auch die Sicht darauf, in Kontakt zu kommen, ins Gespräch. Du wirst wahrscheinlich genauso viel lernen über dich und deine Fotografie wie die dort Anwesenden. Das ist ja so etwas, was in beide Richtungen funktioniert.
Andreas Jorns
01:06:13
Ja, immer.
Kai Behrmann
01:06:16
Du sendest was raus und freust dich dann auch zu hören, welche Resonanz das dann beim Publikum hat. Wie ist dieser Vortrag angelegt, den du jetzt halten wirst auf dieser Tour?
Andreas Jorns
01:06:29
Also, das Auffälligste erstmal, die Vortragstour heißt Anziehen, also wie der Bildband. Allerdings ist das An in Klammern gesetzt. Warum? Weil ich dort auch Bilder zeige, die man eben schon gesehen hat. Anders als jetzt in dem Bildband, wo nur die bisher nicht veröffentlichten Bilder abgedruckt sind. Es geht darum, so ein bisschen die Geschichte aus 20 Jahren Porträtfotografie, also die Menschen ein bisschen mitzunehmen, diese Geschichten, die ich teilweise in dem Bildband erzähle, aber auch noch ein paar mehr den Menschen zu erzählen. Es ist, der Vortrag ist immer so angelegt, dass das kein Verkaufsvortrag ist. Das ist mir sehr wichtig. Ich freue mich immer, wenn ich auf diesen Veranstaltungen auch Bücher verkaufe. Ich habe sie auch dabei. Diesmal im Übrigen auch so viele wie sonst nie, nämlich alle, die ich bisher gemacht habe, also die noch verfügbar sind, weil es geht ja um die Werkschau, um einen Rückblick. Und das ist das eine klar davon lebe ich von dem verkauf meiner bücher aber ich habe einen unheimlich großen spaß daran auch über fotografie zu sprechen ja ich vorgabe ich spreche über meine aber ich versuche das auch hier und da so zu gestalten also woran ich am meisten spaß habe ist dass die menschen inspiriere da sitzen ja sehr viele, Menschen, die mehr oder weniger mit der Fotografie auch zu tun haben. Das ist ja nun mal die breite Mehrheit. Es ist längst nicht mehr so, dass da nur Amateurfotografen sitzen. Es sind viele, die auch allgemein an Kunst interessiert sind und sich das gerne mal anhören, was ich da erzähle. Und es geht, ich möchte Menschen inspirieren, motivieren. Es geht überhaupt nicht um Technik, wie immer bei meinen Vorträgen, sondern klar zu machen, was ist mir eigentlich wichtig, wie kommt es dazu, wie entstehen solche Bilder. Eigentlich ist es viel weniger als viele denken. Uns wird ja im Internet, in Tutorials, auf YouTube suggeriert, was man alles braucht, was man alles haben muss, was man alles tun muss, um tolle Bilder zu machen. Und am Ende des Tages sind aber vielleicht ganz andere Faktoren relevant. Also das ist so ein bisschen die Quintessenz dessen, was ich erzähle. Und das mache ich diesmal mit relativ wenigen Slides, wo Text draufsteht, sondern Bilder, Bilder, Bilder, Bilder, Bilder. Und dann immer mal hier und da eine Anekdote dazu. und ja, dann ist für mich immer ein ganz wichtiger Part, deswegen sage ich das auch immer vor jedem Vortrag, wer eine Frage hat, einfach dazwischengrätschen. Also Interaktion mit den Menschen. Also man kann mich da gar nicht aus dem Konzept bringen, weil es wurscht. Ich erzähle auch gerne, so wie heute, das Letzte zuerst und das Letzte zuerst ist völlig egal. Deswegen ist es auch so, ich werde viele Stationen haben, also bestimmt locker 30 Stationen in diesem Jahr. Ich bin auch in Österreich und in der Schweiz. Ich glaube nicht, dass ein Vortrag dem anderen sehr, sehr ähnelt. Das ist immer sehr, sehr unterschiedlich. Und er wird diesmal wahrscheinlich sehr, sehr lang. Also Leute brauchen echt Sitzfleisch. Ich werde zum ersten Mal eine Pause tatsächlich einbauen, weil Annette schon gesagt hat, das kannst jetzt keinem zumuten, dass die so lange ruhig sind zu bleiben. Ja, es gibt viel zu erzählen nach so langer Zeit.
Kai Behrmann
01:10:30
Definitiv. Ich habe das einmal ja in Forchheim erlebt, so einen Vortrag von dir und kann wirklich nur sagen, dass du das auf eine ganz charmante Art und Weise machst. Du beziehst das Publikum mit ein und das macht es eben auch so lebendig. Das ist jetzt nicht frontal, ich erzähle über meine Fotografie, sondern du lässt die Menschen teilhaben und ja, dadurch bekommt so ein Vortrag dann ja auch immer eine neue Dynamik, je nachdem, was für Fragen aus dem Publikum kommen.
Andreas Jorns
01:11:00
Ja, ich bin da immer dankbar für, weil manchmal vergesse ich da auch Sachen, die ich wirklich erzählen wollte und dann kommt aber eine Rückfrage und dann, ach ja, klar, zack, kann ich wieder drauf eingehen, ist toll. Und du hast eben gar nicht immer, also ich habe ja so meine persönliche Sicht, aber manchmal kommen auch Fragen, wo ich ganz verdutzt bin und denke, krass, das hätte ich jetzt überhaupt nicht gedacht, dass das jetzt jemanden interessiert das ist ganz hilfreich, nur wenn es technisch wird mit welcher Blende hast du das Bild gemacht das versuche ich immer zu vermeiden.
Kai Behrmann
01:11:40
Finde ich sympathisch. Andreas, wie viele Stationen gibt es denn bisher? Wie sieht der generelle Rahmen aus? Und ja, alle Termine kann man dann nochmal im Detail auf deiner Webseite einsehen.
Andreas Jorns
01:11:53
Ja, das lebt auch noch. Also da kommt immer mal noch das eine oder andere dazu. Aber es werden so am Ende des Jahres 30 Stationen sein. Das ist diesmal ganz krass aufgeteilt. Das hat mit meinem nächsten Projekt zu tun, wo ich mir den ganzen Sommer für frei schaufle. Ich werde jetzt angefangen, Ende des Monats, ist schon der erste Termin am 27. Februar, glaube ich, ist der erste Vortrag in Köln. Und dann habe ich im Februar zwei, im März zwei, drei, im April, ich bin dann auch bei Leica in Wetzlar. Und dann habe ich im Juni ganz geballt, im Juni bin ich, ich bin im kompletten Juni fast unterwegs und habe da 15 oder 17 Stationen, Süddeutschland, Österreich, Schweiz, also kannst du sagen, stellenweise an fünf Abenden hintereinander, ein anderer Ort oder jeder Zweite, zwischendurch mal drei Tage frei, aber da bin ich ganz geballt unterwegs. Man muss sich das so vorstellen, es gibt so ein paar Stationen, Laika Düsseldorf, Wetzlar, Berlin Hamburg die, haben Spaß daran, dass ich das bei denen auch mal mache aber ich bin auch in Fotostudios ich bin in irgendwelchen Kulturzentren Gaststätten auch mal, Kino ist dabei. Eine Strandbar sehr sehr gemischt und da freue ich mich.
Kai Behrmann
01:13:27
Vielfältig und ja, einfach, um da auf dem Laufenden zu bleiben, auf deiner Webseite vorbeischauen, aions.com, da findet man dann alle Termine und ich hoffe, dass ich das dieses Jahr auch schaffe. Ich schaue mal rein, wenn du sagst, im Juni bist du in Süddeutschland unterwegs, vielleicht gibt es da ja einen Ort, der bei mir in der Nähe ist, der gut erreichbar ist, dann höre ich mir das auch sehr, sehr gerne mal an.
Andreas Jorns
01:13:52
Ich bin tatsächlich auch in Forchheim. Der Kai, der Organisator des Fotoparks, der hat mich eingeladen. Ist jetzt nicht Fotopark, aber in Forchheim. Also ich bin da in der Region, bin ich sogar, ich bin in Forchheim, Hof und Nürnberg. Also für alle, die da in diesem Großraum unterwegs sind, die können mich im Prinzip an drei Abenden hintereinander.
Kai Behrmann
01:14:19
Ja, und das ist wahrscheinlich an jedem Abend dann doch ein Stück weit anders auf jeden Fall.
Andreas Jorns
01:14:24
Ja, ja, kann ich versprechen.
Kai Behrmann
01:14:27
Sehr gut, Andreas. Das Ganze fühlt sich so ein bisschen an nach einem, ja, nicht Schlussstrich, aber du machst hinter dem, was du bisher gemacht hast, mal, ja, hast Bilanz gezogen, dein Archiv leergeräumt und ja, Ja, eigentlich die logische Frage, die sich daraus ergibt, was kommt jetzt? Du hast ein bisschen schon über das aktuell laufende Projekt erzählt, an dem du da gerade arbeitest, aber vielleicht noch ein bisschen darüber hinausgedacht. Wie siehst du dich fotografisch in den kommenden zwei, drei, vier, fünf Jahren?
Andreas Jorns
01:15:05
Also ich glaube dass ich schluss sprich ich gehe auch im nachwort zu anziehen darauf ein aber definitiv mal so ein kapitel jetzt mal zu, Aber natürlich geht das irgendwann irgendwo irgendwie weiter. Also Porträts ist so ein bisschen meine DNA. Aber ich habe irgendwo mal gesagt, ob das jetzt so weiterhin auch anlasslose Porträts sind, das stelle ich jetzt gerade so ein bisschen in Zweifel. Alles das, was so ein bisschen mit Reportage und Dokumentation zu tun hat gerne auch etwas, wo ich genau diese beiden oder diese drei Genres miteinander mischen kann im Drachen habe ich es ja schon angedeutet, da sehe ich mich in den nächsten Jahren wenn man so will hat dieses Kirchenprojekt geht das auch in eine ähnliche Richtung da werden Porträts drin sein, die man nicht aber als klassisch Portrait, verorten wird, also jeder wird sofort Ich würde sagen, okay, das ist jetzt nicht so ein Porträt, wie du das vor zehn Jahren gemacht hast. Also eigentlich spreche ich selber gar nicht von einer Revolution, sondern von einer Evolution. So ist es nun mal. Ich kann mir sehr gut vorstellen, in dem Porträtbereich irgendwann weiterzumachen, wenn es darum geht, zum Beispiel Künstler zu porträtieren. Also es müssen jetzt gar nicht Celebrities sein. Das war auch eine Frage, die mir gestellt wurde. Willst du nicht mal Celebrities porträtieren? Wenn es sich ergibt, klar. Aber für mich ist immer interessant, wenn der oder diejenige, die ich porträtiere, eine interessante Geschichte haben. Und das ist natürlich bei Künstlern, Musiker, Maler, Fotografen zwangsläufig der Fall, weil da hast du schon mal einen Aufhänger, wo du quatschen kannst, was mich interessiert, was ich interessant finde. Also wenn Porträts, dann gerne in dem Bereich. Aber. Es ist vielfältig. Ich habe tatsächlich ein relativ volles Notizbuch mit Ideen und es gab eine Phase, da war das nicht so, es gab eine Phase, wo ich wirklich gar nicht wusste so richtig, was ich machen sollte, wo ich auch Angst hatte, dass es überhaupt irgendwie weitergeht und da bin ich meilenweit von entfernt. Also ich bin auch sehr, sehr glücklich und zufrieden, gerade mit diesem Zustand, auch wenn jetzt manche sagen, oh nee, jetzt hört er mit Porträts auf, nee, nee, es tut er nicht, aber es wird ein bisschen anders. Ich finde, es wird ein bisschen interessanter dann auch zu konsumieren und vielleicht auch das eine oder andere dann zu interpretieren. Ich bin in Hamburg gefragt worden, deswegen kann ich das hier auch sagen, weil es war eine Frage nach dem Talk mit Leica und, kam eine Frage aus dem Publikum, was denn so mein, ob ich noch so ein Herzensprojekt hätte, was ich unbedingt noch machen will, bevor ich in die Kiste springe, was hoffentlich noch ein paar Jahre dauert. Und da hatte ich tatsächlich eine Antwort drauf, weil ich kurz vorher darüber nachgedacht habe, ich habe ja 2019 die Inseljugend fotografiert auf Föhr. Das war ja eine Riesenausstellung ein Jahr im Museum Kunst der Westküste und das hatte ja auch großen Nachhall in den Medien und ich hätte unglaublichen Spaß die Jugendlichen, die ich damals fotografiert habe so quasi 10 Jahre später, 10, vielleicht 15 Jahre später also A, werden die nicht mehr alle auf der Insel sein B, was ist eigentlich aus denen geworden? Was haben die gemacht? Das nochmal quasi zu machen. Und dann siehst du schon, es passt genau da rein, was ich gerade gesagt habe. Das ist ein Mix aus Portrait und Dokumentation. Wo ich dann auch meine textlichen Fähigkeiten vielleicht ein bisschen gefordert werden. Auch das ist ja ein Projekt, was so ein bisschen Text vertragen könnte. Also da sehe ich so. Und es wird so sein, dass ich, inwieweit das mal zu einer Veröffentlichung kommt, weiß ich nicht, dass ich weiter fleißig sehr viel Street-Fotografie betreibe. Da habe ich unglaublichen Spaß dran und, Mal schauen. Vielleicht wird da irgendwann auch nochmal ein Bild. Das ist ja nochmal ein Nebenprojekt oder so. Keine Ahnung.
Kai Behrmann
01:19:45
Ja, aber die Street Photography, das ist so etwas, was du ja bisher noch nicht so stark in den Vordergrund gestellt hast, aber was du schon ja immer so nebenbei machst.
Andreas Jorns
01:19:57
Ja, immer für mich. Dann ist es eine Zeit lang auch reingeschlafen. Gerade als ich mein Atelier hatte und sehr viel, habe ich ja gesagt, es gab eine Zeit, es gab Jahre, das habe ich auch gesehen in meinem Lightroom-Katalog. Mann, was hast du da alles so unglaublich und da ist das dann hinten drüber gefallen eine Zeit lang dann kamen immer wieder so Episoden als ich in New York war mit zwei Kumpels, wo das wieder hochkam, aber ich habe das immer mehr so für mich gemacht und, dann kam auch noch so diese rechtliche Problematik, meine Güte, kannst du das jetzt überhaupt machen, aber da habe ich mich so ein bisschen, emanzipiert, ich habe mich da ein bisschen freigeschwommen habe jetzt auch einiges zuletzt mal gezeigt, gerade in meinem Newsletter. Den fülle ich jetzt immer mit so ein paar Bildern und da habe ich viel Freude.
Kai Behrmann
01:20:53
Gab es so diesen Punkt, wo du gemerkt hast für dich, jetzt ist die Zeit, diesen Cut an dieser Stelle zu machen und die Evolution anzustoßen, vielleicht die Gewichtung ein bisschen anders zu setzen. Wie hat das ausgesehen?
Andreas Jorns
01:21:13
Ist alles zurückzuführen auf meine Auszeit 2023. Also man sieht, das hat jetzt, bis man es dann so richtig merkt, nach außen vielleicht zweieinhalb, drei Jahren. Aber, und deswegen, mir ist nichts Wichtigeres passiert in den letzten Jahren als diese Auszeit. So ein bisschen hat es in Corona angefangen. Was hat die Corona-Zeit mit der Auszeit gemeinsam? Das waren Zeiten, wo wir alle innegehalten haben. wo man innehält, wo man Zeit hat, zu reflektieren, nachzudenken. Das erste war erzwungen, das zweite war freiwillig gewählt, weil das war nämlich auch genau die Phase, also A, das traf bei uns zusammen Annette, die ihren Job quittiert hat, ich in einem kreativen Tief. Und dann haben wir uns sechs Monate rausgezogen und wir haben gerade interessanterweise gestern nochmal drüber gesprochen, dass wir hatten sechs Monate Aussage, die ersten drei Monate fühlten sich wie Urlaub an. Ein schöner, langer, großer Urlaub. Wir sind unheimlich viel rumgefahren. Wir waren acht Wochen in Italien und, hatten eine wahnsinnig tolle Zeit und dann waren wir kurz zu Hause, haben umgepackt und sind nach Norwegen für acht Wochen, nur mit einem Zelt. Haben also nichts gebucht wie in Italien, sondern nur mit einem Zelt und. Da war es dann schlagartig auf einmal so auszeit, auch im Sinne von, wir haben das Handy nicht angehabt. Also Handy war wirklich aus, alles war offline, kein Social Media, kein gar nichts. und aufs Wasser gucken, im Campingstuhl sitzen, Dosenbier in der Hand und nichts denken. Und da kam halt ganz viel, auch nicht sofort, aber das entwickelt sich dann, Ideen zum Beispiel, ich will nichts mehr in den Social Media posten, die Idee zu Einblick der Gratis-Zeitung, die Idee, alle angefangenen Projekte dann zu beenden, Finally ist daraus entstanden, der Bildband, das war alles quasi im Campingstuhl, alles wurde reingehauen, vorbereitet und damit dann auch mit Finally eingeläutet. Also der Bildband, jetzt ist es klar, aber der Bildband heißt ja nicht umsonst so. Und daraus dann ist dieses Auf zu neuen Ufern im Jahr des Drachen entstanden. Das war für mich eine wahnsinnig aufregende Zeit, auch nachdem das alles im Kasten war und im Druck war, wie reagieren die Menschen darauf. Und das war ja auch so. Ich glaube schon, dass ich einige Follower verloren habe, aber vielleicht auch andere dazugewonnen habe. die Zuschriften wurden, weniger, aber viel intensiver, also viel detaillierter. Ich habe, was ich sonst nie hatte, auch Briefe bekommen, mehrseitige. Die mir Feedback gegeben haben, die eigene Interpretationen dazu gegeben haben. Also da habe ich auch etwas angestellt. Das war das, was ich wollte. Also das ist genau passiert, das was ich wollte und ich war so happy, dass das passiert ist, dass ich auch da mit Menschen erreiche und und das war und die große frage von vornherein war für mich wie mache ich eigentlich nach dem drachen weiter mache ich dann so weiter oder mache ich wieder porträts es war so eine und dann ist aber ich habe tatsächlich ein paar testballons gemacht ein paar ganz wenige 234 Portrait-Shootings oder auch eine, kurze Reise mit einem ganz tollen Model, ganz tolle Frau nach Paris und habe aber quasi am ersten Abend in Paris schon gemerkt, also nach dem ersten Tag, Katastrophe. Nicht sie, sondern ich. Nee, nee. Also du kannst jetzt nicht wieder zurück, also es fühlte sich so an, als wenn ich jetzt wieder das gleiche mache wie früher. Es ist Quatsch, ich habe es anders gemacht, ich habe davon Bilder in Einblick, gezeigt, aber es musste ein Prozess sein, der sich entwickelt. Ich wollte jetzt aber auch nicht im Jahr des Drachen Teil 2 machen, das, Er strebt auch meiner Natur, also nicht immer das Gleiche. Und deswegen kam das Wie gerufen, dass ich für den zehnten Bildband dann doch mich diesem Thema Werkschau nähre, ohne einen Best of, Greatest Hits zu machen. Das passte so gut rein, weil es war nochmal wieder, ja der Schritt zurück, aber aus Gründen eben dieses Buch machen zu können, und um auch meinen Frieden damit zu machen dass das gut war, so wie ich es gemacht habe und dann eben in Ruhe auch parallel über diese nächste Geschichte und dass das jetzt mit dem Kirchenprojekt, das war natürlich Zufall das hätte jetzt irgendwas, sein können, aber es passte die Faust auf Auge und deswegen, war ich auch sehr, sehr happy und habe dann auch zugesagt und gesagt, okay, ich mache das, ich kann mir zwar furchtbar die Finger dran verbrennen, aber ich will das jetzt und hätte man mich. Nur zwei Jahre früher gefragt, hätte ich nicht ein halbes Jahr drüber nachgedacht, ich hätte sofort abgelehnt. Also das alles kommt zu seiner Zeit und manche Dinge passieren einfach auch aus den Gründen, die man vorher gar nicht weiß.
Kai Behrmann
01:27:04
Ja, zieht sich so ein bisschen durch dieses Thema Zeit, sich die Zeit auch zu geben, um auf Dinge zu reflektieren, auch mal alles ausblenden, um wirklich zu hören, weil es ist ja gerade, viel steckt ja schon in uns drin oder wir haben eine leise Ahnung von dem, was wir eigentlich wollen, aber wir sind so abgelenkt, dass wir gar nicht empfänglich dafür sind, zu hören, was das ist.
Andreas Jorns
01:27:31
Ich glaube, dass das allen Menschen so geht, das was du gerade sagst, dass man manchmal drüber nachdenkt und manchmal das relativ schnell wieder wegwischt oder so dieses berühmte, man könnte, man sollte, man hätte. Und das liegt in der Natur der Sache, weil man so in seinem Daily-Business ist, dass man dann drüber hinwegkommt. Und der große Luxus, den ich hier erarbeitet habe, ist eben zu sagen, nee, ich hätte, könnte, würde, mach das jetzt. Es fühlt sich jetzt richtig an und du sagst schon in den nächsten zwei, drei, fünf Jahren so weit plane ich nicht nicht mehr und das hat nichts mit meinem Alter zu tun, gar nicht sondern es passieren so viele Dinge und es kann theoretisch so viel passieren und sich da einen Kopf drüber zu machen und ich habe jetzt so viel auch mit Sicherheit, konzeptionell um die Ohren mit dem nächsten Projekt und wer weiß, was dann passiert, wenn das jetzt, kann ein Riesenrohrkrepierer werden, muss man ja so sagen, oder es schlägt große Wellen und daraus ergibt sich dann wieder etwas und dann kommt jemand und sagt, hättest du Interesse an sowas oder an sowas, oder ich stolpere im Zuge der Arbeiten über etwas, das weiß ich alles gar nicht, verstehst du? Und diese Offenheit zu haben, zu sagen, den Luxus, den gönne ich mir einfach, auf das zu reagieren, was möglicherweise kommt.
Kai Behrmann
01:29:20
Wir haben im Vorgespräch, ich weiß gar nicht, ob das denn jetzt schon noch mit drauf ist, aber darüber auch gesprochen, wie manchmal so Projekte oder Ideen entstehen. Und da hast du gesagt, dass du jemand bist, der sich ständig Notizen macht. Einfach, ja, Dinge, die gar keine offensichtliche Verbindung haben, aber aus diesen Notizen irgendwann ergibt sich da draus etwas. Es köchelt in dir, du legst da so einen kleinen Setzling, steckst du in den Boden und dann sprießt irgendwas. Das finde ich einen schönen Vergleich oder einen schönen Ansatz, Dinge einfach auch erstmal laufen zu lassen, ohne sie zu stark zu verkopfen und ihnen so eine gewisse Eigendynamik zu geben und dann zu schauen, entwickelt sich dieser Schwung, der mich letztendlich dazu bringt, ein Projekt anzugehen oder wo ich sage, ja, war ein ganz netter. Gedanke, aber der führt eben zu nichts.
Andreas Jorns
01:30:16
Genau das und das habe ich mit dem Jahr des Drachen für mich selber unter Beweis gestellt. Den hätte ich unmöglich fünf Jahre früher machen können, weil ich diese Ruhe nicht gehabt hätte und dieses Gottvertrauen, es wird irgendwann der Punkt kommen, wo du eine Idee hast, wo das zu einem ... Zu einem Thema wird. Ich habe ja einfach angefangen und mal hier und mal da und es hat sich dann entwickelt und auf einmal kam dann diese Kurve. Wim Wenders, der im heutigen Drehbuch anfängt, einen Film zu drehen und dieses. Notizenmachen oder ich lese irgendwie eine Songzeile oder ich höre einen Song oder ich sehe ein Zitat Oder ich sehe eine Werbung. Mittlerweile, ich habe das eine Zeit lang, habe ich vorhin erzählt, ich weiß nicht, ob es noch drin ist, sonst sage ich es nochmal, dass ich das jetzt jahrelang viel in mein Smartphone gehackt habe, in dieses Notizen, dieses virtuelle Notizbuch. Und dass ich jetzt wieder angefangen habe, wie früher, ich habe immer ein schönes Notizbuch gehabt, wo ich dann, was so eine Kladde war, wo ich dann auch Sachen, irgendwas ausgedruckt habe, das klebe ich da rein. Oder, was ich gerade gesagt habe, irgendwas, was mir begegnet oder aus einem Film, irgendeine coole Szene, schreibe ich das ein, könnte man was draus machen, keine Ahnung. Und irgendwann nimmst du dir das vor und guckst da rein und denkst, was für ein wilder Mix. Oder aber es entsteht eine Idee. Also ich habe tatsächlich fragmentarische Ideen bestimmt für fünf Bildbände, aber frage mich nicht, ob überhaupt einer davon jemals entstehen wird, aber theoretisch könnte er es sein. Und das ist manchmal, ist es sogar nur kürzlich war es. Ein isländisches Wort, was ich so cool fand in der Übersetzung, das habe ich mir aufgeschrieben und hatte sofort weil das so eine irre Bedeutung hatte eine Idee, dass das ja eigentlich auch ein Thema für ein Bildband sein könnte und sowas, weißt du, das liegt da und vielleicht liegt es da auch in 20 Jahren noch aber vielleicht mache ich auch irgendwas draus, mal gucken ja. Und jetzt ist es natürlich jetzt mit dem Missbrauchsthema sexualisierte Gewalt, das vorhin schon erzählt, jetzt begegnen mir natürlich überall Dinge, ob das jetzt natürlich die Berichterstattung über die App Steinfelds sind, aber was weiß ich, das Gerichtsurteil in Frankreich. Also all so Sachen was die Franzosen im Übrigen veranlasst hat als, meines Wissens das erste Land in Europa oder zweites, ein skandinavisches Land hat das auch noch, die sind umkehrschlos die haben nicht mehr nur Nein heißt Nein, sondern nur Ja heißt Ja, gemacht, was ja einen wesentlichen Unterschied in der Rechtsprechung macht und dann, ich bin dann jemand, wenn ich auf sowas stoße dann recherchiere ich ein bisschen und stelle dann fest, dass der Antrag dieses nur ja heißt ja als Grundlage der Rechtsprechung für sexualisierte Gewalt zu nehmen seit Jahren schon im Bundesjustizministerium umherrsch wird, die das nicht angehen wollen und jetzt darüber überlegen. So das vielleicht bei Kindern und Jugendlichen zu machen, was ich an völlig Rissen finde und die haben wir gesagt, das geht ja so nicht weiter. Und bei denen ist das jetzt gültige Rechtsprechung. Ich glaube, Dänemark ist noch so ein zweites Land. Also das ist ja auch ein Riesenthema. Und das begegnet einem. Und du guckst teilweise Werbung. Und dann guckst du manchmal, oder alte Filme, ältere Filme, die manchmal ja, wo du die Hände über den Kopf zusammenschließt und sagst, alter Schwede, das war ja auch Sexismus im Quadrat damals. Also da, man muss das alles im Kontext sehen. ich bin der allerletzte, der sagt das sind Filme, die nicht mehr gezeigt werden dürfen oder die man zensiert, müssen auf gar keinen Fall, Ich würde immer ganz cool finden, wenn man im Abspann oder im Vorspann sagt, hier pass auf, das war halt 1983, würde man so vielleicht heute nicht mehr machen und nicht, weil das alles irgendwie woke ist, sondern weil viele Entwicklungen halt dann doch in die richtige Richtung gehen. Weil, eins muss ja auch klar sein, dass wir überhaupt in diesem Ausmaß über sexualisierte Gewalt sprechen, passiert ja auf Grundlage eines Grundverständnisses, was wirklich wahnsinnig antiquiert ist. Ja, da muss halt was passieren. Mhm.
Kai Behrmann
01:35:28
Finde ich stark, dass du da... Nein. Das finde ich gerade, das macht den Charme dieser Gespräche mit dir aus, dass wir wirklich da jetzt ohne hier Fragen abzuhaken von einem zum anderen kommen und dann immer wieder solche Gedanken entstehen, wo wir dann abbiegen und was ich sagen wollte, also gerade dieses Projekt, dieses Kirchenprojekt, wo du all deine deine Wissen als Fotograf mit einbringen kannst. Also einmal die Porträtseite, die sicherlich auch zum gewissen Maße da mit reinspielt, aber eben auch dieses Neue, was ich bei dir raushöre, wo dein Herz jetzt für schlägt, dieses eher dokumentarisch-reportagige anzugehen und da Geschichten auf eine andere Art und Weise mit der Kamera zu erzählen. Ist das richtig interpretiert oder? Total.
Andreas Jorns
01:36:25
Also ich bin nicht nur von der Gesprächsführung sehr begeistert, weil ich überhaupt nicht das Gefühl habe, dass du irgendeinen Fragenkatalog abklappern hast.
Kai Behrmann
01:36:35
Das ist mir gar nicht.
Andreas Jorns
01:36:37
Als auch von den Schlussfolgerungen und ich habe auch das Gefühl, dass du hier und da vielleicht auch mal einen Podcast von mir gehört hast, genau richtig interpretiert. Das ist das. Das waren... Ein schleichender Prozess. Ich habe mich viel auch unterhalten mit Kollegen und Kolleginnen, weil ich sage, was ist das eigentlich, was ich schätze an anderen Menschen? Also Authentizität ist immer so ein Thema, aber auch Haltung. Also es gibt so diese Grundwerte im Leben, wo ich das Gefühl habe manchmal, dass sie auch so ein bisschen aus der Mode gekommen sind und Haltung zu zeigen. Oder wir haben jetzt auch wieder bei Olympia dieses Thema, wo gesagt wird, die Sportler sollen gefälligst unpolitisch sein. Ja, verstehe ich zum gewissen Teil. Jetzt ist ein Ukrainer disqualifiziert worden, weil auf seinem Helm Bilder von gefallenen Kameraden zu sehen waren, wo man schon wieder völlig übers Ziel hinausschießt. Also ich habe auch immer so das Gefühl, dass es dann viele im voraus heilenden Gehorsam sagen, bloß nicht Stellung beziehen. Und ich finde das aber wichtig heutzutage, gerade bei der großpolitischen Lage, ohne Andersdenkende jetzt per se abzuqualifizieren. Das finde ich nämlich auch extrem wichtig. Ich gehöre ja einer Generation an, die es noch gewohnt ist, Diskussionen zu führen, sogar ergebnisoffen zu führen. Das ist ja völlig außer Mode gekommen. Und sich auch die Befindlichkeiten anderer Andersdenkender anzuhören. Aber wenn, und gerade in der Kunst, das haben wir ja schon ein paar Mal erlebt, wo dann den Künstlern gesagt wird, jetzt mach deine Kunst und hör auf hier rum zu politisieren, finde ich ja unmöglich, finde ich ja völlig Quatsch. Man kann ja eine Haltung haben, man sollte vielleicht eine haben zu unterschiedlichen Themen und dann kann man vielleicht auch die Reichweite, die man hat, mal nutzen, um dafür einzustehen. Also das ist es und irgendwann habe ich begriffen, dass Fotografie... Ähnlich wie andere Kunstformen, ein tolles Vehikel ist und ein gutes Werkzeug sein kann, um das tun zu können. Und es wäre doch schade, wenn man das einfach dann nicht macht, nur weil man vielleicht Angst vor Gegenwind hat oder so. Also das, ja.
Kai Behrmann
01:39:16
Ja, dieses Konkurrieren von Ideen finde ich auch wichtig und das macht ja unsere Demokratie auch aus, was dazu eben gehört, dass es unterschiedliche Standpunkte gibt und die ausgetauscht werden, um sich dann am Ende eine Meinung zu bilden und sich auch positionieren zu können. Und ich glaube, da krankt aktuell sehr, sehr viel daran, dass diese Debattenkultur ein Stück weit ist. Verrückt ist und da wieder anzusetzen, vernünftig seine Argumente vortragen zu können und dann aber auch in der Hoffnung, dass eben eine Meinung nicht abqualifiziert wird von vornherein, sondern dass sich da eben dann auch auseinandergesetzt wird damit, wenn es im Rahmen des Akzeptablen ist, aber eben auch, wie du sagst, Gegenwind aushalten können. Ich muss nicht mit jedem einer Meinung sein, aber wenn es eben schlüssig ist und es Argumente dafür gibt, etwas anders zu sehen, dann gehört es eben auch dazu, in seinem Diskurs zu sagen, da hast du einen Punkt, ich teile das nicht, aber jedem das Seine.
Andreas Jorns
01:40:28
Das ist das, was ich sage. Ich finde, man kann eine Meinung kacke finden, muss aber nicht zwangsläufig die Person, die diese Meinung vertritt, doof finden. Und in den letzten Jahren ist etwas entstanden, was ich so eine Schubladenkultur nenne. die Menschen werden unglaublich schnell in eine Schublade gesteckt und verurteilt und man. Fängt an, Menschen nach ihren schwächsten Momenten zu beurteilen und verurteilen und wir haben alle unsere schwachen Momente und wir haben alle in unserem Leben auch schon mal irgendwie Bullshit erzählt oder eine bescheuerte Meinung vertreten, vielleicht sogar eine, die man heute selber, völlig gaga findet. Aber Aber ich bin dann manchmal froh, dass ich so die ersten 40 Jahre meines Lebens ohne Social Media auskommen musste, weil ansonsten wäre ich vielleicht auch schon längst virtuell geteert und gefedert. Das ist ja das, was heute so wahnsinnig schnell passiert. Und ich persönlich maße mir überhaupt nicht an, einen Menschen, den ich nur aus dem Internet kenne, in Anführungsstrichen, zu beurteilen oder gar zu verurteilen. Häufig ist es dann nämlich auch so... Das ist auch so ein bisschen der Grund, warum ich mich da Zug um Zug zurückziehe, weil ich manchmal das Gefühl habe, diese sozialen Medien, die kehren also eher unsere negative Seite in uns heraus. Und wenn ich so manche Menschen, die ich persönlich kenne, im Internet erlebe, also in den sozialen Medien, dann möchte ich die manchmal an der Wand klatschen und sagen, Gott sei Dank kenne ich die persönlich und weiß, dass du eigentlich ein Töpfterkerl bist. Alter, was schreibst du hier für eine Scheiße? Und das sagt mir aber, wir sind mehr als dieses eine Posting oder wir sind mehr als diese eine Meinung, die wir vertreten. Also der Mensch ist ein viel komplexeres Gebilde als das und keine Ahnung, warum ich jetzt darüber spreche, aber all diese Dinge versuche ich eben auch mit der Fotografie irgendwie anzugehen und dann Bundesblut.
Kai Behrmann
01:42:49
Von zu machen. Dieser Punkt, den du ansprichst, dass wir zu stark auf die virtuelle Welt schauen oder was dort gepostet wird. Ich beobachte jetzt hier auch, ich bin aktuell in Buenos Aires und in meiner Street Photography, ich gehe fast täglich raus, beobachte die Menschen und da ist es wie an allen Orten weltweit aktuell. Die Menschen sind ständig mit ihrem Kopf auf der Straße in ihrem Handy. 90 Prozent, ja, es findet keine Interaktion mehr statt. Du schaust in Cafés rein, die Menschen sitzen an Tischen. Wenn sie alleine sind, blicken sie in ihr Handy, statt auch mal zu beobachten, was passiert dort in dem Café, die Umgebung wahrzunehmen. Selbst Paare, beide am Handy unterhalten sich nicht. Also ich finde, das ist so der Punkt, wo so ein bisschen direkte Kommunikation verloren geht, was du eben auch gesagt hast. Häufig ist es ja so, es ist einfach eine Meinung rauszuschießen, anonym im Internet einen Post zu machen, schnell mal auf irgendwas reagieren. Aber wenn man sich dann persönlich gegenübersteht, ist das eine ganz andere Diskussion. Und auch der Mensch, der vermeintlich irgendetwas gesagt hat, woran man sich tierisch aufregen kann, wenn man da mal ins Gespräch, in die Diskussion kommt, dann ist es ein ganz anderer Ton. Und ich glaube, das fehlt so ein bisschen, dass wir zu wenig Räume haben, wo wir noch direkt miteinander kommunizieren, so wie es früher die Kneipe war oder irgendwas.
Andreas Jorns
01:44:22
Die Kneipe ist ein wunderbares Beispiel, was du ansprichst. Also wir haben früher, es gab immer einen in der Kneipe oder irgendwo in einer Gesellschaft, der dumme Seuche erzählt hat. Dann hat man dem verbal einen auf den Hinterkopf gegeben und hat trotzdem weiter ein Bier zusammen getrunken. Und heute werden diese Kämpfe virtuell ausgefochten. Mir geht es so, dass ich ... Man könnte sich jetzt, ich bin ein großer Tatort-Fan zum Beispiel, noch während der Tatort läuft, guckst in die Kommentarspalten auf Facebook und siehst, wie die Leute das zerreißen. Die Dschungelcamp-Berichterstattung. Und ich denke mir dann immer, wenn das tatsächlich ein Spiegel der Gesellschaft wäre, wären wir dem Untergang geweiht. Eigentlich wäre es fünf nach zwölf. Ich persönlich glaube, das ist auch sehr naiv möglicherweise, aber ich bin hingegangen und habe gesagt, ich glaube, du sollst es gar nicht. Ich glaube einfach, dass 50 Prozent von denen, die da schreiben, gar keine Menschen sind, sondern irgendwelche bekloppten Bots, die auf nichts anderes gepolt sind, als unsere Demokratie und unsere Gesellschaft zu zersetzen. Weil so können die Menschen eigentlich gar nicht sein. Und dann gehe ich raus und ich bin ja wieder viel unter Menschen. Das ist auch der Grund, warum ich auf Tour bin. und treffe Menschen. Ja, jetzt kannst du sagen, es ist auch eine gewisse Bubble, die Fotografie-Bubble, aber sie wird größer, also zumindest war in meinen Veranstaltungen. Und dann denke ich, ja, aber sie sind doch ganz anders. Und dann fällt mir ein, nee, sie sind nicht anders. Die schweigende Mehrheit ist so. Und die Vollpfosten, die versammeln sich dann da in den Kommentarspalten und das muss man, dem sollte man einfach auch nicht so viel Beachtung schenken und deswegen sollte man auch nicht und das, was du sagst, nicht so viel Zeit am Smartphone und an den sonstigen Geräten verschwinden und in dieser virtuellen Welt unterwegs sein. Das ist eine furchtbare Welt, das ist mittlerweile eine furchtbare Welt.
Kai Behrmann
01:46:50
Das ist doch dann eine ganz andere Welt, die da draußen stattfindet und sich dem dann häufiger auch aussetzen und diese Erfahrung zu machen. Andreas, ich bin gespannt, für was du deine fotografische Stimme in Zukunft einsetzen wirst in diesem Kontext, für was für Themen, welche Standpunkte du da einnimmst. Und ja, machen wir auf jeden Fall dann zu gegebener Zeit auch ein drittes Interview, wenn du Lust hast. Sehr gerne, mit dir immer wieder. Ja, ein Gespräch. Abschließend, Andreas, ich habe schon sehr viel Zeit heute von dir in Anspruch genommen, aber ja, es hat einfach so viel Spaß gemacht. Zu guter Letzt, du bist ja in deinem Podcast, den ich sehr, sehr gerne höre, sehr, sehr breit unterwegs. Also einmal diese Musik, die du immer wieder in Kontext mit deinen Gedanken zur Fotografie bringst. Aber es sind auch immer wieder einfach Themen, die so aus dir heraus entstehen. Manchmal weißt du selber noch nicht ganz genau für eine Folge, wo es dahin geht. Du steuerst jetzt übrigens auf dein Jubiläum zu. Die hundertste Folge wird die nächste sein. Wann sie kommt, hast du gesagt, weißt du noch nicht und was Inhalt ist. Aber dieser schöne Themenmix, der auch häufig Bezüge aus anderen Kunstformen mit einbezieht. Gibt es aktuell irgendetwas, was dich beschäftigt? Irgendwelche Fragen? Das muss jetzt gar nicht so zwingend nur sich auf die Fotografie beziehen, aber du bist ja ein, ja, hast sehr breite Interessen. Du liest sehr gerne, schaust gerne Filme, gehst in Ausstellungen. Ja, was treibt dich aktuell kreativ um?
Andreas Jorns
01:48:46
Also ein Thema, was mich natürlich momentan sehr beschäftigt und auch beschäftigen wird, einfach weil man da immer am Ball bleiben muss, ist das Thema KI. Kommst ja nicht dran vorbei und tatsächlich ist es so, dass ich, je mehr ich mich damit beschäftige, ich lese auch sehr viel, habe jetzt auch im Januar ein Buch zum Thema KI in der Kunst gelesen. Und je mehr ich mich damit beschäftige, desto mehr lehne ich tatsächlich die künstliche Intelligenz in der Kunst ab. Ich vertrete diese Position, werde sie auch künftig weiter vertreten, bin ein Anhänger davon, sich informiert zu halten und glaube auch, dass es sehr, sehr sinnvolle Einsatzgebiete gibt für die KI. Mein Lieblingsbeispiel ist tatsächlich Medizin. Gerade in der Realistik kann das Ding jetzt schon mit wahnsinnig vielen Vorteilen eingesetzt werden in Automatisierung. Es ist auch völlig klar, dass im Bereich der Automatisierung wir erst am Anfang sind. Also es gibt jetzt eine Aussage vom KI-Chef von Microsoft, war das glaube ich, der sagte, dass der hat also ganz düsteres Szenario aufgezeichnet, dass innerhalb der nächsten 18 Monate ein Großteil der Bürokräfte verschwinden wird. Also all diejenigen, die sich mit so systematischen Abläufen auseinandersetzen. Also ganz so pessimistisch bin ich nicht. 18 Monate halte ich das schon für sehr gewagt. Aber eigentlich reden wir nur noch darum, wann das passiert, nicht mehr ob. Und ich glaube, dass die Gesellschaft jetzt tatsächlich an dem Punkt ist, wo man ernsthaft dieses Thema bedingungsloses Grundeinkommen sprechen muss, weil anders wird man das nicht aufdröseln. Und zwar bedingungsloses Grundeinkommen für alle, finanziert durch Abgaben auf die KI-Firmen. Also anders wird es ja nicht gehen. In der Kunst bin ich da mit, möchte ich manchmal viel harscher das ausdrücken, als ich es dann doch tue. Da muss ich immer aufpassen, dass ich mir dann doch auf die Zunge beiße. Es gibt einen Clip, den habe ich auch erwähnt, bei Radio Janssen. Ich habe ihn in meinem Newsletter verlinkt im Internet. Da steht eigentlich alles drin, was man wissen muss. Ich begreife nicht so, also einerseits verstehe ich die Faszination für diese ganze generative KI und was man da alles mitmachen kann, also im Sinne, also so quasi als Spieltrieb, aber ich begreife keinen einzigen Kollegen, der jetzt sagt, ich mache neben meiner Fotografie oder neben meiner Malerei oder neben meinem kreativen Schreiben, lasse ich jetzt auch die KI ein bisschen Text formulieren oder meine Bilder malen oder, meine Fotografie in Anführungsstrichen KI-Fotografie gibt es ja nicht aber KI-Bilder machen das ist, aber so ein persönliches Ding es mag Argumente dafür geben, natürlich es ist faszinierend es ist simpel, es ist einfach es geht schnell, Aber alles das ist Kunst nicht. Und das ganz Wesentliche in der Kunst fehlt da. Und deswegen lehne ich das auch für mich ab. Ich versuche sogar, mittlerweile musst du ja aufpassen, du nutzt ja schneller KI, generative KI, als du gucken kannst. So in Photoshop, Lightroom und Co. Man kann aber auch ohne das auskommen. Irgendwie versuche ich das. Mit meiner Kamera, ich habe ja eine M11 von Leica, da ist so ein Content-Credential-Dingenship da drin. Also jederzeit kannst du dann bei mir tatsächlich gucken, wie hätte das Bild gemacht. Ich finde es gerade im dokumentarischen Bereich Reportage essentiell, dass man nachweisen kann, es ist tatsächlich so fotografiert und nicht hinterher gefuscht. Denn ansonsten, Ich glaube, dass wir an einen Punkt kommen und ich bin schon fast so weit, dass ich eigentlich fast kein Bild mehr glaube, was ich sehe im Internet. Und das ist fatal. Wir müssen unbedingt wieder an einen Punkt kommen, wo man mit einem gewissen Sachverstand noch zumindest ansatzweise glauben darf, dass das echt ist, was man da sieht. Und neueste Zahlen sagen, 50 Prozent des Contents auf Instagram ist KI generiert. 50 Prozent, Dunkelziffer, weißt du auch nicht.
Kai Behrmann
01:53:48
Irre. Ja, enorme Herausforderung, vor der wir da stehen und gerade in Bezug auf Medienkompetenz, was du ansprichst, dass wir heutzutage eben mit so viel Text, so viel Bildern, so viel visuellen Inhalten konfrontiert werden, wo einfach die Frage dahinter steht, ist das jetzt echt oder nicht? Also echt oder nicht, kann man immer diskutieren, wie objektiv sind Bilder. Aber früher war dieses Vertrauen, das wir Medien gegenüber entgegengebracht haben, einfach größer. Und ich glaube, das ist ganz, ganz fatal, wenn irgendwo dieses Vertrauen immer weiter bröckelt in seriöse Berichterstattung.
Andreas Jorns
01:54:36
Ja, gut. Ob das aufzuhalten ist, ich weiß es nicht. Das Einzige, warum ich es immer mal erwähne, ist so ein bisschen, manche Sachen nimmst du ja hin oder denkst gar nicht drüber nach. Also einfach das Bewusstsein zu schärfen, dass das schon eine gewisse Gefahr auch ist für uns alles. Oder jetzt ein Artikel gelesen, dass die nachkommende Generation, ich weiß gar nicht, der Stand war überschrieben mit Generation Z, das kann er aber eigentlich nicht schreiben, wahrscheinlich ist Generation Alpha gemeint, das ist ja die, die nach Z kommt, zum ersten Mal dümmer sein wird als die Eltern, also im Sinne von IQ, IQ gemessen. Und das ist zurückzuführen auf KI. Weil, also A, weil möglicherweise zu viel KI-Inhalten geglaubt wird, aber auch, weil zu viel KI genutzt wird und man seinen eigenen Kopf nicht mehr anstrengt. Also wenn du deine Texte noch gar nicht mehr selber formulierst und das geht ja bis hin in die Medienwelt. Also ich möchte nicht wissen, wie hoch der Anteil mittlerweile der Zeitungstexte von der KI geschrieben sind. Das ist fatal. Und wenn das eben im persönlich privaten Bereich passiert, es ist verlockend, es ist toll, was das Ding halt kann. Mach mal eben Text zu Tralala. Aber wenn du das jetzt nur noch machst, ich glaube, dass dann einfach auch deine eigenen Gehirnzellen verhüden. Und das kann ja nicht Sinn und Zweck der ganzen Geschichte sein.
Kai Behrmann
01:56:28
Ja, dieses Verführerische, was da drin steckt. Das ist so ein bisschen wie Naschen. Ich denke mal, ein Stück Schokolade ist schnell in den Mund gesteckt und dann will man aber immer mehr und immer mehr und überlegt jetzt nicht, was das jetzt für langfristige Folgen hat, wenn ich immer nur diesen Impuls da nachgebe. Und dieses Verkümmern der eigenen Fähigkeiten, ob das Texteschreiben angeht oder Dinge ja selber zu schaffen. Also das ist ein sehr, sehr schmaler Grad, wo eben KI hilfreich sein kann, wo es unterstützend wirken kann. Aber ich glaube, die Waagschale wird sich dann immer, wir Menschen sind ja so angelegt, dass wir dann auch gerne den bequemsten Weg gehen. Ja, klar.
Andreas Jorns
01:57:20
Deswegen, dass, Zu sagen, wir brauchen irgendwelche Gesetze, die das verhindern, das kannst du vergessen. Es wird so weitergehen, aber das Bewusstsein bei den Menschen, es wird passieren. Ich bin ja nicht der Einzige, der da Gefahren sieht. Ich glaube schon, dass es auch eine Entwicklung ist, wie bei allen Entwicklungen, der Kug geht immer so lange zum Boden, bis er bricht, ne, uraltes deutsches Sprichwort und auch da ist so eine Geschichte, dass die, CD, Vinyl ist abgelöst worden von CD, CD ist abgelöst worden vom Streaming und was machen jetzt viele junge Menschen, sie gehen wieder zurück zum Vinyl, das ist genauso in der analogen Fotografie Die Fotografie ist so leicht geworden. Sie wurde erst digital, dann wurde mit immer mehr Features vollgestopft. Ein iPhone kann heute mehr fotografisch als viele Fotoapparate aussehen. Wenn die fünf, sechs Jahre alt sind. Deswegen sind ja auch die ganzen Kompaktkameras ausgestorben. Was machen die Menschen wieder? Auch und gerade die jüngeren Menschen, sie fotografieren wieder analog. Also das ist immer so eine Bewegung, so diese Sehnsucht nach dem... Ja, was man vielleicht dann doch anfasst, also nicht nur an einem Bildschirm, also weg vom Bildschirm hin zu einem haptischen Erlebnis hier und jetzt. Das ist überall zu merken, das ist so eine Minderheit, aber es ist eine Nische, die wächst und ich finde das eigentlich, insofern ist noch nicht Hopfen und Malz verloren. Schauen wir mal.
Kai Behrmann
01:59:08
Ja, genau. Ich beobachte das auch. Ja, habe mich da, teile deine Ansicht, deine, ja, auch die Gefahren, die du da drin siehst. Da denke ich ähnlich. Und ja, für meine Fotografie, ja, habe ich mich auch klar dafür entschieden, dass es da keine Rolle spielen wird, gerade in den Bereichen, wo ich auch unterwegs bin, in der Street, in der Reportage, in der Dokumentarfotografie. Wenn er da hat, KI jetzt nichts zu suchen. Klar, Bildbearbeitung, selbst wenn ich Bilder in Lightroom dann bearbeite, ein bisschen KI steckt immer mit drin, aber das ist dann nicht in dem Maße, dass ich da in das Motiv selbst eingreife und Dinge entferne oder so. Also ja, das...
Andreas Jorns
01:59:57
Da gilt für mich das Prinzip, alles, was wir damals in der Dunkelkammer machen konnten, war man natürlich heute auch in der digitalen Dunkelkammer, aber alles andere ist dann schon, kannst du machen, aber bei Reportage und Dokumentation verbietet sich das einfach. Ich halte das für echt wichtig, dass da kein Schindloder getrieben wird. Weil ansonsten sind wir nicht tatsächlich dabei, die Menschen zu manipulieren. Und es passiert ja jeden Tag eh schon.
Kai Behrmann
02:00:29
Ja, da sehe ich auch wirklich die ganz klare Linie, die verteidigt werden muss in dem Bereich, also gerade was das Journalistische angeht. Andreas, vielen, vielen Dank für dieses abwechslungsreiche Gespräch.
Andreas Jorns
02:00:46
Ich danke dir. Es war mir ein Vergnügen.
Kai Behrmann
02:00:49
Mir auch. Ich wünsche dir alles, alles Gute für deine Tour und für den neuen Bildband. Der kommt am 21. Februar raus. Vorverkauf läuft jetzt schon, wo wir das Gespräch aufnehmen. Diese Podcast-Folge wird wahrscheinlich erst eine Woche später erscheinen. Also dann schaut auf jeden Fall auf die Seite von dir, Andreas, ob es dann noch Exemplare gibt. Ich weiß nicht, in welcher Auflage erscheint es diesmal?
Andreas Jorns
02:01:17
Ich habe 300 Stück, 300 Exemplare als limitierte Erstauflage gemacht in so einem richtig großen Format. Das war das Größte, dass man in der Druckerei drucken konnte. 31x33 cm. Ist auch ein Print dabei, ein Feinart-Print und die sind fast weg. Ich habe noch zehn Exemplare. Das ist nicht so schlecht, fünf Tage vor dem Release. Und es wird eine zweite Auflage geben, die ist auf genauso tollem Papier und so weiter, aber sie ist etwas kleiner, 24 mal 30 und ja, die ist dann ab 1. März verfügbar.
Kai Behrmann
02:02:04
Super, das freut mich, die Nachfrage, mal schauen, ob es dann noch ein paar Exemplare gibt. Ja, ich bin sehr happy.
Andreas Jorns
02:02:10
Bin sehr happy.
Kai Behrmann
02:02:11
Sehr schön. Andreas, vielen, vielen Dank und ich sag mal, bis zum nächsten Mal.
Andreas Jorns
02:02:17
Vielen Dank Kai, bis zum nächsten Mal Tschüss.