Abenteuer Reportagefotografie – Podcast über visuelles Storytelling

Kai Behrmann: Visueller Storyteller und Fotograf

Arndt Haddenbrock: Wie Sprache den Weg nach Argentinien öffnete

Über ein Leben in den USA, Spanischlernen mit über 50, Reisen ohne festen Plan und den Podcast „Jamás tan argentino“

26.07.2026 40 min

Zusammenfassung & Show Notes

Arndt Haddenbrock ist Deutscher, lebt in den USA und begann während der Pandemie mit 52 Jahren, intensiv Spanisch zu lernen. Was zunächst vor allem eine Ablenkung von den Sorgen dieser Zeit war, entwickelte sich zu einer immer engeren Verbindung zu Argentinien. Durch seine argentinischen Sprachlehrer lernte er nicht nur die Sprache, sondern auch die Menschen, die Kultur und den Alltag des Landes kennen.

Aus diesem Interesse entstand später sogar ein eigener Podcast auf argentinischem Spanisch: „Jamás tan argentino“. Darin erzählt Arndt von seiner persönlichen Beziehung zu Argentinien und spricht mit Menschen über ihre Arbeit, ihre Talente und ihre Begeisterung für Themen aus Gesellschaft, Sport und Kultur.

Im Gespräch berichtet er, warum Sprache für ihn weniger ein akademisches Projekt als ein Weg zu echten Beziehungen wurde. Es geht um seine erste Reise nach Buenos Aires, Rosario und Córdoba, um das bewusste Reisen ohne straffen Plan und um die Frage, weshalb Fußball in Argentinien weit über das Geschehen auf dem Spielfeld hinausweist.

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Transkript

Arnt Haddenbrock
00:00:01
Ich glaube, der Fußball hat in Argentinien eine ganz besondere Bedeutung. Argentinien ist einfach so ein Land, das noch immer Probleme hat, soziale Probleme mit der Wirtschaft. Und ein Fußballstadion ist dann ein Platz, wo du dich mit Freunden triffst, wo du die ganzen Frustrationen, die du so im Leben hast, auslassen kannst. Ein sehr emotionaler Platz. Argentinier sind sehr emotional. Aber die Argentinier sind sehr lebensfroh und lassen auch gerne die Sau raus. Und was unglaublich ist, ist einfach diese Stimmung im Stadion.
Kai Behrmann
00:00:34
Herzlich willkommen zu einer weiteren Podcast-Episode. Ich habe in letzter Zeit ja sehr viel über Fußball gesprochen im Zusammenhang mit meinem Fotobuchprojekt und heute tue ich das gemeinsam mit Arndt. Arndt ist Deutscher, lebt und arbeitet in den USA und ist glühender Argentinien-Fan. Wie es dazu gekommen ist, das verrät er in diesem Gespräch. Er hat auch einen eigenen Podcast, wo ich zuletzt zu Gast war. Dort habe ich mein erstes Interview auf Spanisch gegeben. Der Podcast heißt Jamastan Argentino, niemals so ganz Argentinier. Auf Deutsch übersetzt der Titel und ja, wenn du aktuell auch dabei bist Spanisch zu lernen, dann empfehle ich dir den Podcast auf jeden Fall. Ist eine super Lernhilfe und auch ein Teil von Arndts persönlicher Geschichte, denn ihm ist es innerhalb kürzester Zeit gelungen, Spanisch auf einem Top-Niveau zu sprechen. Das zur Einordnung und als Rahmen für dieses Gespräch. Ich habe mich sehr gefreut, Arndt kennengelernt zu haben und mit ihm über seine Erfahrungen mit dem argentinischen Fußball zu sprechen und zu sehen, dass es dort durchaus Parallelen zu meinen Erfahrungen gibt. Also, sei gespannt. Vorab noch ein ganz kurzer Hinweis zur Audioqualität. Es gibt hier und da ein paar Sprünge und es fehlen Wörter. Ich hoffe, das ist nicht zu störend. Ich denke, der Inhalt kommt trotzdem gut rüber und ich wollte dieses Interview auf jeden Fall veröffentlichen. Ja und an dieser Stelle auch noch ein ganz kurzes Update zur gerade zu Ende gegangenen Kickstarter-Kampagne. Die Kampagne war am Ende erfolgreich. Ich danke allen Unterstützerinnen und Unterstützern, die die Finanzierung der ersten Auflage meines Fotobuchs Amor Eterno über die Fußballkultur in Argentinien ermöglicht haben. Das ist super, ich freue mich sehr. Für den Druck peile ich wie angekündigt Ende September diesen Jahres an. Ich hoffe, dass ich den Zeitplan einhalten kann. Sollte es da eine Verzögerung geben, dann lasse ich dich das natürlich sofort wissen. Ich werde den weiteren Prozess auch wie gehabt über den Newsletter und hier im Podcast weiterhin abbilden. Insofern halte ich dich da immer auf dem Laufenden. Alle Unterstützer erhalten zudem in Kürze eine Mail, wo ich auch nochmal drauf eingehe. Mit Thomas B. Jones habe ich zuletzt auch im Podcast drüber gesprochen. In der vorherigen Folge geh einfach dazu nochmal in deiner Podcast-App eine Woche oder eine Folge zurück. Dann kannst du dort auch nochmal nachhören, was ich während dieser Kickstarter-Kampagne alles gelernt habe, wie sich das Projekt im Laufe der Zeit nochmal verändert hat und natürlich auch, wie es nun weitergeht. Ganz wichtig, noch ein kurzer Nachtrag. Ich habe zuletzt immer wieder gehört, dass Kickstarter nicht die optimalste Plattform gewesen ist für dieses Crowdfunding und dass der Bestellprozess manchmal nicht Durchlaufen werden konnte, weil zum Beispiel eine Kreditkarte gerade nicht zur Hand war. Also falls du das Buch gerne haben möchtest, bisher aber nicht bei Kickstarter dabei gewesen bist, dann kannst du dir natürlich auch dein Exemplar direkt bei mir bestellen. Kickstarter war dazu wichtig, um überhaupt die Finanzierung zu gewährleisten, auf die Beine zu stellen, aber die Auflage, die kann sich natürlich jetzt auch, je nachdem wie viele Bestellungen noch zusammenkommen, weiter erhöhen. Also, wenn du interessiert bist, dann schreib mir einfach eine Mail und dann bekommst du natürlich auch noch dein Exemplar. Die Mail ist kaibeermann at web.de. Kai Beermann, alles klein und zusammen und Beermann mit B-E-H. Oder wähle die Möglichkeit, mir über das Kontaktformular auf der Webseite von Abenteuer Reportage Fotografie eine Nachricht zu schicken. Vielen Dank. Last but not least habe ich zuletzt nicht nur intensiv am Fotobuch gearbeitet, sondern auch an kommenden Workshops. In diesem Jahr gibt es noch den Reportage- und Portfolio-Workshop hier bei mir im Rheingau in schönster Atmosphäre und bei leckerem Wein beschäftigen wir uns intensiv mit deiner Fotografie, mit deiner Bildsprache und arbeiten heraus, wo du fotografisch hin möchtest. Außerdem gibt es noch zwei Workshops in Kooperation mit Sebastian H. Schröder. Zum einen ist da der bereits mehrfach erfolgreich durchgeführte Workshop zum Thema Fotobuch und dann kommt in diesem Jahr auch neu hinzu ein Workshop zum Thema Wir machen ein Magazin. Alle Informationen findest du in den Shownotes, auch den Link zur Buchung. Schau dir das mal an, wenn du vielleicht gerade selber an einem Fotoprojekt arbeitest, das du in gedruckter Form präsentieren möchtest, dann ist das vielleicht genau das Richtige für dich. Auch geht mein Blick schon in das nächste Jahr hinein. Auch dort werde ich wieder Workshops anbieten. Zusammen mit Pia Paulin wird es da eine Neuauflage des Street Photography Workshops in Cannes geben. Ja und dann gibt es in diesem Jahr noch, das habe ich eben vergessen, zwei Online-Workshops zu den Themen Street und Reportagefotografie für alle die, die nicht verreisen möchten. Das sind intensive Workshops mit vier Webinaren, wo du das geballte Wissen komprimiert bekommst und anschließend gibt es die Möglichkeit, das Wissen gleich in die Praxis umzusetzen mit einer Aufgabe, zu der es dann natürlich auch ausführliches Feedback gibt. Wenn dich unsere Workshops interessieren, dann schau am besten auch mal auf der Webseite vorbei unter www.abenteuer-reportagefotografie.de und dann im Menü den Punkt Workshops auswählen. Dort findest du alle ausführlichen Informationen und kannst mir natürlich auch jederzeit eine Nachricht schreiben, wenn du weitere Fragen dazu hast. Ich würde mich sehr freuen, wenn du bei einem der kommenden Workshops mit dabei bist. So und nun direkt hinein in das Gespräch mit Arndt. Viel Spaß! Super, Arndt. Dann lass uns gleich rüberrutschen in eine weitere Podcast-Aufnahme. Wir haben jetzt eben in knapp eine Dreiviertelstunde auf Spanisch gesprochen. Das war mein erstes Podcast-Interview auf Spanisch. Die meisten meiner Hörer werden damit nicht so viel anfangen können. Ich hoffe, es gibt einige, die Spanisch sprechen. Also da dann auch der Link zu unserem Gespräch. Hört einfach mal rein. Aber Arndt, ich würde gerne mit dir jetzt auch noch ein bisschen auf Deutsch mich weiter unterhalten, weil deine Geschichte faszinierend ist. Du bist Deutscher, lebst in den USA, sitzt mir jetzt hier gegenüber in einem Trikot der argentinischen Nationalmannschaft und hast eine ganz besondere Beziehung zu Argentinien, die sich unter anderem damit ausdrückt, dass du einen Podcast auf Spanisch machst. Wie kommt all das zusammen?
Arnt Haddenbrock
00:07:26
Ja, das ist eigentlich ja ganz verrückt, Kai, denn ich will auch sagen, als Person bin ich eher introvertiert und nur ein Podcast ist ja eigentlich eine Sache, die vielleicht Extrovertierte mehr genießen, aber ich habe eine besondere Beziehung zu Argentinien, während der Pandemie, die wir ja alle irgendwie, So gut, wie wir es konnten, durch dann für drei Monate nicht entlassen, aber ich wurde da freigestellt. War ja eine ganz, ganz furchtbare, besondere Zeit. Naja, ist ganz, ganz komisch, wenn du auf einmal drei Monate, wie oft habe ich gesagt, ach, wie schön wäre es mal, ein Monat gar nichts. Und dann hast du die Möglichkeit und merkst, das ist ganz schön Mist, das ist nichts, was mich begeistert. Ja gut, während der Pandemie in den USA, Kai, du wirst dich erinnern, mit unserem Präsidenten Trump, der uns ja dann den Vorschlag machte, wir sollten einfach hier so Bleach trinken, weißt du, Und, um den Virus intern zu machen, habe ich mich als Deutscher fast durchgedreht. Da habe ich gedacht, geht denn hier ab? Und da war ich schon, ja, das hat mich schon angefangen. Dann habe ich mit meinem Doc gesprochen, der sagte, ja, du hast jetzt ab und zu mal so Panikattacken. Das haben jetzt viele Menschen, sich nicht deshalb schlecht fühlen, muss nur was machen. Dann habe ich überlegt, was kann ich machen? Wenn ich fotografiere, dann hätte ich das gemacht. Aber dann habe ich mir entschlossen, Spanisch zu. Also ich habe angefangen während der Pandemie, glaube ich, fünf Stunden am Tag. Ja, da bist du glatt, wenn du anfängst bei Null, da bist du nach zwei Klassen. Und das wollte ich, glaube ich, erleben. Ich wollte nicht mehr nachdenken. Ich wollte einfach losgelöst von der Erde, nichts mehr wissen von dem ganzen Quatsch und einfach nur mein Gehirn zum Stillstand, um einfach zu sagen, okay, jetzt kannst du relaxen und ich hatte überhaupt keinen Plan. Einfach nur nicht über die Pandemie. Einfach ein paar Stunden haben, wo das ganz fern war. Aber dann war es ganz komisch. Da hatte ich dann wirklich Bock drauf, die Sprache. Ich habe gemerkt, ich hatte Spaß. Ja nicht nur zuzuhören, sondern ich wollte mich auch ausdrücken und ich wollte das lernen. Und so habe ich mich dann einfach weiterentwickelt und dieses Spanischlernen und dann auch die Beziehung zu den verschiedenen Tutoren hat mich so ein bisschen gerettet während der Pandemie. Denn ich war ja auch abgeschlossen, weil ich hatte keine richtige Beziehung mehr mit einigen Leuten von der Arbeit. Das geht sehr schnell zu Ende auf einmal, wenn du nicht mehr im Büro bist und dann Leute dann auch entlassen werden oder nicht mehr zurückkommen, dann fehlen dir Menschen. Und irgendwie im Unterbewusstsein, glaube ich, habe ich diese fehlenden Menschen, ersetzt in meinen Spanischklassen. Wie du ja selber weißt, die Argentinier, und ich hatte eigentlich fast nur argentinische, Tutoren, sind ja ganz warme, aufgeschlossene Leute. Gerade so für einen Norddeutschen wie mich erleben, wie warm die Leute sind, wie sie dich fast in den Armen lässt und sagen, jetzt machen wir mal weiter. Habe angefangen, da war ich schon 52 Jahre alt und hatte so die Idee, dass Sprache lernen ist was für junge Leute. Ich hatte überhaupt keine Erwartung, dass ich da mal, einigermaßen glatt sprechen kann und, mir vorzustellen, ich würde mal einen Podcast machen, in dem ich Spanisch, das war ja schon mal überhaupt, kann ich auch ein Zettel.
Kai Behrmann
00:10:48
Also in dem Moment hätte es auch für dich Stricken oder Schachspielen lernen sein können, also irgendetwas, es war die Motivation initial, deinen Geist von den Sorgen rund um Corona zu befreien.
Arnt Haddenbrock
00:11:02
Ja, ich denke nur, dass ich auch im Unterbewusstsein schon wusste, dass das, dieses Sprachelernen das Richtige war. Ich habe ja auch angefangen, erst mal so vor mich hin zu studieren mit so einem Buch und da habe ich schnell gemerkt, ja, das kannst du, da musst du was anderes machen. Und in dem Moment, wo ich Beziehungen aufbauen konnte zu meinen Spanisch-Tutoren, das hat mir sehr gut, denn ich konnte erst mal mir beweisen, ja, du kannst mit über 50 und musst gar nicht dir Sachen vorplappern, die gar nicht stimmen. Und dann auch einfach, wenn du Klassen machst mit einem Tutor und du bist one-on-one, wenn nur zwei Personen da, Beziehungen. Und diese Beziehungen sind dann nicht nur am Reden über die Grammatik. Dann redest du über das Leben auch ab und zu mal. Und das hat mir sehr gut getan. Auch zuzuhören zum Beispiel, was da abgeht in Argentinien während der ganzen Pandemie. Auch nicht ganz ohne, war sogar schlimmer, glaube ich, als das, was ich hier erleben durfte. Und ja, es war einfach schön, jeden Tag eine Beziehung aufbauen zu können. Das mag zwar sehr komisch klingen, denn das war alles über den Bildschirm. Ich war ja nicht in Argentinien, um diese Klassen zu absolvieren, aber auch über den Bildschirm kann man Beziehungen aufbauen, wenn da Interesse besteht. Und bei mir war das etwas, aber ich merkte, das hat mir unheimlich gut getan. Und dann habe ich auch einfach immer weiter Klassen gebucht, weil das für das Überleben, glaube ich, für mich in der Pandemie sehr wichtig war, diese Kontakte zu haben und nicht nur hier zu leben in der Pandemie mit Trump und den ganzen Dingen, die dann abgingen. Es war ja ein schlimmer Sommer auch hier in den USA mit Ausschreitungen. Da war ich das erste Mal in meinem Leben mit meiner Tochter auf einer Demo, als die Sache mit George Floyd abging damals auch. War ja eine ganz schlimme Zeit generell in diesem Moment.
Kai Behrmann
00:12:44
Ja, und was ich großartig an deiner Geschichte finde, ist, dass eine Sprache, Die jetzt nicht nur oder dir die Möglichkeit gibt, dich mit anderen Menschen zu unterhalten, sondern sie hat dir auch eine ganz neue Welt eröffnet. Und nach Argentinien hinein, du hast dich jetzt nicht nur mit der Sprache beschäftigt, sondern auch mit der Kultur dieses Landes und ja, identifizierst dich jetzt auch sehr stark mit Argentinien, wir haben eben auch schon drüber gesprochen, als deutscher Fußballfan muss man ja im Moment sehr, sehr leidensfähig sein. Aber das Gute ist, wenn man dann noch so einen Joker im Ärmel hat und seine Sympathien sich auf zwei Mannschaften verteilen, dann ist die Weltmeisterschaft für uns jetzt nicht mit dem Paraguay-Spiel beendet gewesen, sondern wir können noch ein bisschen hoffen mit Argentinien, obwohl zuletzt unsere Nerven da strapaziert wurden. Aber bevor wir da auch gleich nochmal ein bisschen über den Fußball sprechen, du bist ja in den USA, erlebst das gerade hautnah mit, würde mich nochmal dieser Bezug zu Argentinien interessieren. Du hast gesagt, viele deiner Sprachlehrer kamen aus Argentinien. Das heißt, darüber hast du es schon ein bisschen vermittelt bekommen, auch die Art des argentinischen Spanisch. Spanisch ist ja nicht gleich Spanisch, sondern in Lateinamerika spricht man in jedem Land doch ein bisschen unterschiedlich. Und wie ist das dann noch dazugekommen? Also dass neben der Sprache, die du erlernt hast, dann auch noch dieses enorme Interesse für die Kultur und für dieses Land hinzukam?
Arnt Haddenbrock
00:14:16
Na ja, nachdem die Pandemie dann so am Abflachen war und ich dann die Entscheidung getroffen hatte, nicht zu meiner Arbeit zurückzukehren aus verschiedenen Gründen in der Pandemie. Ich habe mich selber verändert und dann habe ich mir überlegt, weißt du Arndt, jetzt musst du, bevor du irgendwas übers Knie brichst, musst du mal eine Reise. Und dann habe ich mir vorgenommen, ja, ich fahre einen Monat nach Argentinien und habe eine Reise da gemacht, die, glaube ich, ganz untypisch ist für Deutsche, denn wir Deutsche sind doch sehr, wir haben immer einen Plan. Wir wissen ganz genau, was wir an welchem Tag, und wir wissen, wo wir die Fotos, was wir da machen wollen. Und ich habe es mal ein bisschen anders gemacht. Ich wusste zwar, was ich gerne sehen möchte, aber ich hatte keinen Plan. In meinem ersten Tag bin ich losgelaufen und habe mich dann auf eine Bank gesetzt im Plaza Italia und habe einfach mal zugehört und einfach mal zugeguckt. Diese ganzen Autobusse gesehen in ihren Farben, habe einfach nur zugehört, wie sie um mich herum Spanisch waren. Du wirst jetzt sagen, ja, Ante, klar, spreche ich sie spannend. Aber für mich war das einfach so ein Moment, wo ich gedacht habe, du hast es geschafft, du bist jetzt hier. Jetzt hast du eine Chance, einfach mal nachzudenken oder vielleicht erst mal loszulassen, den ganzen Mist beiseite zu tun und dann was zu erleben, um dann mit Freude und Lebensfreude. In der Pandemie, da hatte ich keine große Lebensfreude. Jeden Tag, aber es war schon für mich nicht angenehm. Und dann habe ich diese Reise, war in Buenos Aires, so wie du, habe diese Stadt als schönes, lau, unglaublich verrückt, war auch in Rosario. Und in Cordoba und habe jeden Tag einfach mir Zeit genommen, um so Momente zu sammeln, ohne jetzt wie so ein Tourist versuchen zu wollen, jede Sehenswürdigkeit ahnt mit dem Obelisken. Das habe ich nicht gemacht, aber habe dadurch einfach auch Zeit gehabt, dann zu sehen, wenn sich Momente aufgetan haben. Denn zum Beispiel habe ich ein Fußballspiel in Argentinien gesehen. Es ist ja gar nicht so einfach, Karten zu kommen. Das wusste ich auch nicht alles. Ich habe ja ein Taxi genommen, als ich ankam am Flughafen. Und Alejandro, heute sind wir Freunde, der sprach mich an. Und er sagt, ah, du bist Alemann, du bist Deutscher. Und dann hat er mir natürlich vorgeknatscht, dass wir Deutschen Argentinien mindestens zwei Weltmeisterschaften gestohlen haben. Und dann haben wir uns drüber Fußball, Diego Messi. Und dann sagte er so zu mir, du bist zwar deutsch, scheinst ganz nett, hast du Lust zum Spiel? Und da habe ich ja gedacht, ja logisch, wenn mir da einer sowas anbietet. Wenn das Leben dir das anbietet, dann war ich einfach mit ihm und seinen Kumpanen beim Spielen. Sonst habe ich viele kleine Sachen erlebt, weil ich einfach mir Zeit genommen habe, Momente zu kreieren, um Leute kennenzulernen. Oder habe Mate getrunken mit Leuten in Osario, die ich gar nicht kannte. Das sind einfach so schöne Erinnerungen und diese Reise hat mir unglaublich gut getan und hat, glaube ich, meine Beziehung zum Land, vorher war das mehr so wie eine Obsession, blinde Liebe. Ja, das ist ja so, dann findest du alles gut, was nach Argentinien schmeckt und riecht. Und heute ist es ein bisschen anders, nicht abgekühlt, aber mehr realistisch, aber real. Diese Reise hat mir das gezeigt, das sind ganz tolle Menschen. Ja, ich möchte unbedingt jedes Jahr zurück, wenn es die Zeit erlaubt, wenn es den Job erlaubt, einfach ein besonderes Land, besondere Leute. Und man kann es nicht beschreiben, Kai, deshalb fand ich dein Buch so wunderschön. Manche Sachen kann man nicht sprachlich ausdrücken, die muss man anders in die Seele bekommen. Und dein Fotobuch ist so ein Beispiel und ich kann auch jedem nur raten, wenn jemand Lust hat, so ein bisschen Argentinien kennenzulernen, fahrt hin, nehmt euch die Zeit, lasst euch treiben, es passieren unglaubliche, wunderbare Dinge.
Kai Behrmann
00:18:00
Ich finde, du hast das wunderbar in Worte gefasst, Arndt. Und genau das, was du gesagt hast, fahrt dorthin, erlebt das. Es ist manchmal schwierig, das zu beschreiben, was Argentinien mit einem machen kann. Das versuche ich schon eine ganze Weile, auch hier bei mir im Podcast, immer wieder Menschen dafür zu begeistern, wie besonders dieses Land ist. Und ich glaube, was du damit beschrieben hast, Momente kreieren, also diese Momente sich zu erschaffen, zuzulassen, das gelingt in Argentinien ganz hervorragend. Also ich kann mich da sehr, sehr gut reinversetzen, wie du es beschrieben hast, deine ersten Erfahrungen in Buenos Aires, dieser fantastischen Stadt anzukommen und erst mal das Leben aufzusaugen, diese Energie zu spüren, die da herrscht, einfach berühren. Ohne Plan eine der großen Avenidas runterlaufen, sich irgendwo hinzusetzen, dieses Chaos, um sich zu spüren und dann zu schauen, wo kann ich irgendwo andocken, wo finde ich so einen Spalt, in den ich reinrutschen kann. Und da hilft die Sprache natürlich ungemein, dann das erste Mal live zu hören, das Argentinische, Spanisch und dann Wortfetzen zu verstehen, erste Sätze zu verstehen und dann bekommt man darüber einen immer tieferen Zugang zu diesem wunderbaren Land. Und das passiert einem dann an jeder Ecke, dass man eingeladen wird, zum Fußballspiel mitzugehen. Argentinier sind da ja sehr, sehr offen und wenn man selbst dann sich darauf einlässt, dann können da die wunderbarsten Dinge passieren. Also hast du wunderbar beschrieben. Ich konnte mich sehr gut drin wiederfinden in dieser Erfahrung und kann jedem nur empfehlen, auch mal nach Argentinien zu reisen.
Arnt Haddenbrock
00:19:47
Das ist auch ganz einfach, der Argentinier als Mensch ist sehr aufgeschlossen und du musst nicht perfekt sparen. Gar nicht notwendig, du musst nur zeigen, du hast Interesse. Die Argentinier sind so, wie sie sind. Sie sind so ein bisschen auch von sich eingenommen. Manchmal auf eine interessante Art, manchmal auf eine ganz liebenswerte Art. Aber sie haben großes Interesse daran, wie werden wir von der Welt, und wenn du als Deutscher dort auftauchst und einigermaßen dir Mühe gibst zu sprechen, Die wollen alles von dir wissen und die wollen auch ehrlich mit dir in Kontakt treten. Ich lebe in den USA, hier sind wir auch sehr freundlich. Es ist häufig eher eine oberflächliche Freundlichkeit, die dann nicht immer, sage ich mal, einen richtigen Kontakt mit. Das bleibt dann manchmal in der Oberfläche. Aber in Argentinien kannst du sehr schnell Freundschaften schließen, weil sie ein großes Interesse an dir haben. Warum bist du hier? Oft gefragt, warum versuchst du unseren? Warum bist du doch als Halbamerikaner näher an Mexiko? Die haben großes Interesse und das ist dann das Schöne. Und alle anderen Sachen kommen dann von ganz alleine. Da ist man dann wie so ein Magnet, der dann Sachen anzieht. Es ist eigentlich wirklich nicht beschreibbar. Fahrt hin, Leute, erlebt es selber, lasst euch drauf ein.
Kai Behrmann
00:21:03
Ja, wenn man dann Fußball interessiert ist, dann wird es einem noch leichter gemacht, weil da reichen dann einfach ein paar Spielernamen und schon ist man mittendrin in so einem Gespräch. Du hast auch eine große Leidenschaft für den Fußball, hast Fußball in Argentinien erlebt und da nutze ich mal hier die Gelegenheit. Ich habe jetzt in den vergangenen Wochen hier sehr, sehr viel über Fußball gesprochen mit meinem Projekt und was eben versucht zu vermitteln, wie diese Kultur dort aussieht rund um den Fußball, welche Begeisterung da herrscht. Und ja, Arnd, dann mal die Frage an dich. Wie hast du das aus deiner Sicht erlebt? Was macht den Fußball in Argentinien so besonders und warum sind Argentinien so fußballverrückt?
Arnt Haddenbrock
00:21:51
Ich glaube, der Fußball hat in Argentinien eine ganz besondere Bedeutung. Denn wenn du in das Stadion gehst, und Argentinien ist einfach so ein Land, das noch immer Probleme hat, soziale Probleme mit der Wirtschaft. Und ein Fußballstadion ist dann ein Platz, wo du dich mit Freunden triffst, wo du die ganzen Frustrationen, die du so im Leben hast, rauslassen kannst. Ein sehr emotionaler Platz. Argentinier sind sehr emotional. Schon wenn du nachhörst, warum bist du Fan von Racing und nicht von Boca? Da gibt es immer eine Geschichte, wo man fast weinen muss, weil da wird dir dann erzählt, ja, mein Opa hat mich immer mitgenommen zum Stadion von Racing und da haben wir tolle Momente erlebt. Und als er dann gestorben ist, mein Gott, da habe ich geschworen, ich bin immer für Racing. Aber die Argentinier sind sehr lebensfroh und lassen auch gerne die Sau raus. Und was unglaublich ist, ist einfach diese Stimmung im Stadion. In Deutschland gibt es gute Stadien. Wenn du auf Schalke bist, Dortmund, Bayern München, Hamburg und Werder Bremen auch und viele andere Stadien, da gibt es natürlich auch gute Stimmung. Da ist ein bisschen... Ein bisschen verrückter, weil es gibt, ich habe gesehen, als ich dieses Spiel, da gab es Leute, die haben sich ja gar nicht auf das Spiel konntet, sondern waren mit anderen Geschichten. Da war ein Herr, der hat nur vor sich hin geflucht und zwar 90 Minuten lang, ohne nur Luft zu holen. Hat der geflucht, da habe ich auch sehr viel Spanisch, vielen Dank. Einfach, das ist alles sehr, sehr emotional und da ist eine Gemeinschaft. Zum Beispiel am Weg zum Stadion von Rassing. Bin ich mit meinen Freunden da. Die haben mich, all ihren anderen Freunden von Kier, da ist der verrückte Deutsche, den nehmen wir jetzt mal mit, den werden wir jetzt zeigen, wer der beste Klub der Welt ist. Dann haben sie mir so einen Hotdog, einen Jury-Bun. Dann habe ich mit denen natürlich den obligatorischen Fernecito getrunken zu so einer abgeschnittenen Coca-Cola-Flasche. Einfach so Momente, wo man denkt, das kann doch eigentlich gar nicht wahr sein. Und vor allem auch, wenn die Leute da anreisen mit dem Bus, die Fans, die dann da grölen, die haben einfach Freude, ganz besondere Freude. Jedes Spiel ist sehr emotional. Das kann ich gar nicht anders sagen. Auch kann wie eine Droge sein. Wie gesagt, Buch sehr gut zu schreiben können durch die Fotos, die du da hast, machen können. Da gibt es wirklich ganz tolle Momente, wo ich denke, ja sowas habe ich auch erlebt. Ich kann auch das Buch da einfach nur empfehlen, weil das einfach toll ist, diese Momente zu sehen. Denn die Argentinier sind speziell mit ihrem Fußball und wie sie ihn leben und wie sie ihn auch heute leben. Beispiel, ich lebe jetzt hier in Akron. In Akron selbst gibt es nicht viele Fußballfans, noch viel weniger argentinische Fußballfans. Aber in den großen Städten, Atlanta, New York, Los Angeles, wenn da Argentinier gewonnen hat, da waren hunderte, vielleicht tausende Argentinier, die da richtig abgefeiert haben und den Leuten immer gezeigt haben, was es heißt zu feiern. Stundenlang, ohne zu singen, zu schreien, rumzuspringen, vor Freude. Das ist ja unglaublich. Die Konditionen haben wir ja erinnert.
Kai Behrmann
00:24:59
Ja, absolut. Ich finde es auch immer wieder, ich freue mich jedes Mal, wenn Argentinien spielt, dann mal in die sozialen Medien zu schauen. Normalerweise bin ich jetzt nicht jemand, der sehr viel Zeit auf Instagram verbringt, aber Ist jetzt vielleicht auch ein bisschen dem Algorithmus geschuldet, weil ich eben auch sehr viele Inhalte aus Argentinien konsumiere, dass ich da eben verstärkt auch was reingespült bekomme. Aber was es da für Szenen gibt, wie Menschen zu Hause Fußball gucken, wie emotional sie dabei sind. Neulich war ein Mann, der beim Torjubel so ausgeflippt ist, er hat jedes Bild, was an der Wand hing, zerdeppert genommen, übers Knie kaputtgeschlagen, weil er irgendwie seine Freude rauslassen wollte. Also extrem oder die lustigsten Szenen, gut, da muss man jetzt ein bisschen Spanisch dann verstehen, aber wie dort geflucht wird, wenn der Papa im Sessel vorm Fernseher sitzt und da nur ablässt. Also das, ich weiß es nicht, ob es das in Deutschland nicht gibt, ob ich das nur nicht sehe, wegen dem Algorithmus oder so, aber diese Intensität, die habe ich bisher hier so noch nicht wahrgenommen. Klar, wenn Deutschland gewinnt, wird auch gefeiert, es gibt ein Autokorso, es wird gesungen, aber diese Intensität. Ja, diese unterschiedlichen kreativen Wege, wie sich da der Jubel und die Freude ihre Bahn bricht, das habe ich hier so in der Form bisher nicht beobachten können.
Arnt Haddenbrock
00:26:33
Wir Deutsche sind doch sehr diszipliniert, auch beim Feiern. Da gewinnen wir 2014. Die Mannschaft kommt, ich glaube, in Frankfurt, wenn ich mich richtig erinnere, an und da wurde ein bisschen gefeiert. In Argentinien die fünf oder sechs Tage und eigentlich, wenn wir ehrlich sind, haben die jetzt die letzten dreieinhalb Jahre, da wird immer noch über die WM gesprochen und darüber, dass man Frankreich geschlagen hat. Ja, und jetzt müssen wir halt sehen, dass wir weiterkommen. Aber es ist schon, extrem, die einzige Sache, die mich manchmal ein bisschen traurig stimmt, wenn ich sehe, dass der Fußball eine zu große Rolle hat, weil er dann, weil der Mensch dann im Fußball andere Sachen überwinden muss, die in seinem Leben stattfinden. Aber diese Passion, die du siehst, die ist echt, die ist nicht gespielt. Die Leute sind einfach so gepolt. Die reißen sich dann auch. Ich bin ja so aus der norddeutschen Tiefebene. Da wird man nicht so leicht mitgerissen. Aber wenn man da ist, geht man richtig aus sich selbst heraus und hat einfach nur Freude. Das ist einfach nur pure Freude, die dann überwiegt.
Kai Behrmann
00:27:31
Jetzt ist Argentinien noch dabei bei der WM. Du bist in den USA, verfolgst die Spiele da aus nächster Nähe von zu Hause aus oder reist du auch zu den Spielorten der argentinischen Nationalmannschaft und hast vielleicht sogar die Möglichkeit, dir ein Spiel live im Stadion anzuschauen?
Arnt Haddenbrock
00:27:52
Das hätte ich gern getan, das kann ich wegen der Arbeit, aber auch deshalb, weil ja die Ticketpreise bei dieser WM, ja verrückt daran, diese Verrücktheit, nämlich was die FIFA da macht, ist ja gegenüber den Fans und ich sehe es ja, das siehst du ja auch an Instagram, wenn dann argentinische Familien Kredite aufnehmen über 10.000 Dollar, dass sie an der WM, was ja verrückt ist, verrückt, absolut verrückt, aber nein, ich konnte es nicht, aber, ich sehe schon, dass der Fußball durch diese Begeisterung, die der Amerikaner jetzt mal, vorgespielt bekommt, Was da jetzt auch mehr Begeisterung ist, jetzt so ein bisschen gedämpft durch die Niederlage gegen Belgien und vielleicht auch ein bisschen gedämpft durch den Versuch von Trump, da Einfluss zu nehmen, was ja auch geglaubt ist. Aber ich sehe schon, dass das Fußball oder Soccer, wie es hier heißt, in den letzten Jahren an Popularität gewonnen hat. Aber natürlich mehr so in den Städten, wo auch viele Latinos leben, die ja eine ganz andere Beziehung zum Fußball sind. Wenn du siehst, in der MLS sind die Stadien eigentlich voll. Es sind kleinere Stadien, ja, aber sie sind voll. Und ich habe die Hoffnung, dass durch diese WM, durch diese Begeisterung, die hier stattgefunden hat und noch stattfindet, die Amerikaner ein bisschen aufgeschlossener gegenüber dem Fußball. Im Jugendbereich passiert schon in der Universität. Da sind ja viele Ligen, die schon existieren, wo auch guter Fußball gespielt wird. Und vielleicht mit etwas Glück haben die USA dann in 8, 12, vielleicht erst in 20 Jahren ein Team. Aber da sehe ich schon eine große Zukunft. Mhm.
Kai Behrmann
00:29:15
Ja, wenn man das auch im Vergleich mit der WM 1994 in den USA, was sich seitdem getan hat, damals eine Mannschaft, die ja nicht wirklich wettbewerbsfähig gewesen ist, mit so ein paar Typen, die da gespielt haben, Alexi Lalas, erinnert man sich vielleicht noch mit diesem Ziegenbärtchen und dieses wuschelige rote Haar. Aber heute sind das ja wirklich auch Top-Fußballer, Wir haben durchaus überzeugt, bis auf das Spiel gegen Belgien. Aber da ist schon spielerische Substanz da und die USA durchaus zuzutrauen, dass es ein Land wird, was weiter diesen Weg in die Weltspitze voranschreiten kann, wenn da auch die breite Begeisterung für den Sport um sich greift. Also in der Nationalen Fußballliga gibt es ja auch jetzt allen voran mit Messi immer größere Namen an Spielern, die dorthin kommen, die dann natürlich auch ein bisschen die Attraktivität steigern und jetzt nicht nur Spieler sind, die im absoluten Spätherbst ihrer Karriere dann nochmal ein paar Dollar mitnehmen wollen, sondern das hat schon sportlich auch großen Wert. Allerdings, glaube ich, hat der Fußball den Nachteil, wenn man jetzt über die mediale Aufmerksamkeit spricht, wo dann doch noch Football, Basketball und Baseball viel dominieren in der Berichterstattung. Oder wie siehst du das?
Arnt Haddenbrock
00:30:44
Das sehe ich, das sehe ich auch. Aber es ändert sich einiges. Das hängt zum Beispiel, da gibt es viele Mütter. Die ihren Söhnen sagen, du spielst kein American Football. Ein sehr physischer Sport, der dann auch viele Verletzungen, das weiß man heutzutage, viele Spieler auch in der nationalen Liga, wenn sie dann nicht mehr spielen können, große Wehwehchen und auch einige, die dann Gehirnschäden. Gerade es gibt bestimmte Positionen im American Football, Quarterback oder Running Back, da wird man dann schon ganz physisch angegangen. Viele Mütter sagen dann, nee, ich möchte, dass mein Sohn Lebensfreude hat und nicht irgendwie zwei oder drei Gehirnausschüttungen davonträgt, die dann einen Schaden verursachen, der das ganze Leben hat. Aber ich glaube auch schon, was wir in Deutschland vielleicht nicht so waren, im College-Bereich, bei der Universitätsliga, in den Universitäten, guter Fußball. Das heißt, da ist eine Basis von guten Spielern. Bordwerden, was den Amerikanern noch fehlt, ist das eine große Spiel, das sie mal gewinnen. Das weiß ich. Wenn die das gegen Belgien gewonnen, wäre hier die Hölle losgeweht. Und dann hätten sich die anderen wirklich gut, wenn die Amerikaner so auf einer Welle sind und dann auch. Ihre Fans dann, dann hätten die was reißen können. Aber es fehlt noch so ein bisschen die Kaltenhäusigkeit, ein bisschen auch das Glück. Diesmal hat der Trump auch noch ein bisschen mitgeschafft, dass die Mannschaft sich, glaube ich, nicht richtig konzentrieren konnte auf das, was eigentlich da anstand. Aber ich habe Hoffnung, dass eines Tages die mal im Halbfinale stehen und dann gucken wir mal.
Kai Behrmann
00:32:17
Ja, sicherlich richtig, was du sagst. Gerade so die letzte Episode von Trump, die hat dann nochmal so einen kleinen Fleck auf die eigentlich gute Leistung der Nationalmannschaft gelegt. Sportlich vorher ja durchaus überzeugt und ich glaube auch im Nachhinein hat das vielleicht dann für Wirbel gesorgt, der eigentlich der eigenen Mannschaft mehr geschadet hat, als dann letztendlich dem Gegner.
Arnt Haddenbrock
00:32:43
Die stand ein bisschen neben sich. Vielleicht, obwohl ich muss sagen, ich war so ein bisschen noch eingestellt nach dieser Trump-Geschichte. Jetzt will ich auch das Belgien, denn sowas gehört sich nicht. Die FIFA ist schon grob genug, da muss man nicht drüber reden, das wissen wir alle. Aber so eine Einflussnahme war dann einfach zu viel für mich, aber gut.
Kai Behrmann
00:33:00
Wie glaubst du denn, geht diese WM zu Ende? Ich werde mich beeilen, dass diese Folge noch vor dem Finale erscheint. Insofern können wir jetzt hier ruhig noch einen Tipp mit reinnehmen. Wer wird es am Ende machen?
Arnt Haddenbrock
00:33:13
Mein Herz schlägt für Argentinien. Ich hoffe, dass es Argentinien, wenn wir ehrlich sind, wenn wir Frankreich gesehen haben, sind die Top-Favoriten, weil jeder Spieler da, der da auf dem Platz spielt, einfach eine Sonderklasse. Das muss man neidlos anerkennen. Das ist nicht nur Mbappé, sondern die ganze Mannschaft. Spanien wird auch hoch gehandelt, aber ich glaube, Frankreich sehe ich sehr stark. An England glaube ich nicht so. Ich glaube, die werden wie immer, wenn es dann wirklich ans Eingemachte, will ich sagen, versagen, aber da fehlt denen dann auch das Letzte, denke ich. Die Wildcard ist vielleicht Norwegen, weil der Haaland einfach absolut klasse spielt und seine Mannschaft mitreißt. Und die auch einfach, so wie sie sich da präsentieren bei der WM, einfach mit ihrer Lebensfreude daran. Waren und die stellen sich hin und sagen, ja, spielen gegen Brasilien, haben einfach keine Chance und wir gehen trotzdem hin und gucken. Aber im Endeffekt denke ich, wird es Frankreich werden, aber ich hoffe, dass Argentinien gewinnt. Aber wir müssen es abwarten, wir müssen weiter gucken und, Und mit Hingabe, da war er. Ich hoffe Argentinien, aber wahrscheinlich wird es Frankreich.
Kai Behrmann
00:34:18
Dem kann ich mich so anschließen, wie du es beschrieben hast. Auch in der Analyse der anderen Mannschaften sehe ich genauso. Argentinien als Weltmeister, glaube ich, hat gezeigt, dass da doch einige Schwächen vorhanden sind, die eben dazu geführt haben, dass auch gegen Mannschaften wie Ägypten oder wie in Cap Verde doch mehr gezittert werden musste, als man das vorher erwartet hätte. Ich glaube, das hat dann schon deutlich gemacht, wo die Ansatzpunkte jetzt liegen sollten, um das noch abzustellen. Aber ja, im Grunde ist es eine Mannschaft, die einmal über sehr, sehr viel Mentalität verfügt, auch aus schwierigen Phasen dann rauszukommen, mit Messi immer noch den einen Unterschiedsspieler hat, der selbst mit, glaube ich, jetzt mittlerweile 39 Jahren immer noch Weltklasse ist. Also eine Mannschaft, die schwer zu schlagen sein wird. Aber ich schließe mich deinem Tipp an. Ich sehe auch Frankreich sportlich aktuell an erster Stelle und als Top-Favorit.
Arnt Haddenbrock
00:35:26
Aber gut, der Fußball ist verrückt. Wir gucken mal, wie es wird.
Kai Behrmann
00:35:30
Genau, das ist das Schöne. Und eben auch diese Frage, warum Fußball so fasziniert ist, dass eben in einem Spiel alles möglich ist, Auch wenn es einen haushohen Favoriten gibt, an einem guten Tag kann selbst der vermeintlich kleinste Gegner die Großen ärgern und das macht die Faszination für diesen Sport aus. Arndt, zum Schluss würde ich gerne nochmal auf deinen Podcast zurückkommen. Du hast deinen Weg wunderbar beschrieben, wie du Spanisch gelernt hast und was dann alles gefolgt ist. Sicherlich einmal für alle, die, die auch Spanisch lernen wollen, ist dein Podcast ein absoluter Tipp, da mal reinzuhören und zu schauen, wie viel verstehe ich schon in so einer Konversation. Also da auf jeden Fall mal an alle Spanisch-Lerner reinhören. Was erwartet die Hörer da in deinem Podcast? Was ist dein Konzept? Und erst nochmal, wie heißt der Podcast überhaupt?
Arnt Haddenbrock
00:36:32
Ja, der Podcast heißt Hamastan Argentino. Ist so ein kleines Wortspiel. Never so Argentine auf Englisch. Ich weiß nicht, wie du es auf Deutsch sagst. Aber es ist einfach so eine Anspielung darauf, dass ich kein Argentinier bin. In verschiedenen Momenten so ein bisschen, ja, fühle ich mich so. Wie einer. Zum einen persönliche Eindrücke, die ich da schildere über meine Beziehung zum Land, aber mittlerweile interviewe ich auch verschiedene Leute, Argentinier, die besondere Talente haben. Das mache ich nicht, da habe ich keinen Access und das will ich auch gar nicht. Sondern ich habe tolle Interviews gemacht mit Leuten, die Boleros singen oder Geige spielen und dann so ein bisschen über ihre Passion berichten. Und ich glaube schon, dass das für Spanisch, Leute, die Spanisch lernen, gerade wenn sie so ein bisschen Argentinisches Spanisch sprechen, dass das vielleicht eine ganz gute Sache wäre, wenn man zur Arbeit fährt. Würde mich zumindest freuen, wenn dem so wäre.
Kai Behrmann
00:37:26
Ja, ganz toller inhaltlicher Mix, den du da drin hast. Also man bekommt die argentinische Kultur schön aufgefächert in all ihren Bereichen. Was sind deine Hörer? Sind das in erster Linie Argentinier, die mal der Blick von außen auf ihr Land interessiert? Sind es Expats? Sind es Menschen, die Spanisch lernen? Hast du da einen Überblick?
Arnt Haddenbrock
00:37:52
So ein bisschen Überblick habe ich. Die meisten sind Argentinier, die sich daran erfreuen, was sagt ein Ausländer über mein Land. Die Argentinier sind so bestrickt, die interessiert es ungemein, wie sie gesehen werden von der Außenwelt. Aber ich habe auch viele Hörer außerhalb von Argentinien, USA, Deutschland, in vielen Ländern, wo ich vermute, dass da Leute dabei sind. Die Spanisch lernen und die dann nach Content suchen, wo sie können. Und ich denke schon, dass da einige dabei sind, die einfach da Freude haben, zuzuhören und zu sehen, was verstehe ich denn jetzt hier in diesem Gespräch. Und ja, es werden immer mehr. Und nachdem wir mit unserer neuen Episode, die wir dann aufladen, werden es nochmal mehr. Und ja, ich würde mich freuen, wenn die Leute einfach mal reinhören für die Episode und sich darauf einlassen.
Kai Behrmann
00:38:42
Klasse, den Link auf jeden Fall findet ihr in den Shownotes zu deinem Podcast, Arndt. Lohnt sich da reinzuhören und ja, mal sehen, wie viele jetzt auch anfangen, Spanisch zu lernen und deinem Beispiel so ein bisschen nacheifern. Also ich finde, Sprache ist so ein enorm wichtiger Schlüssel bei allen Möglichkeiten, die wir ja heute haben, zu kommunizieren, auch wenn wir eine Sprache nicht können, über Übersetzungs-Apps, über was weiß ich, was es da für Möglichkeiten gibt, aber es ersetzt es eben nicht dieses direkte Gespräch, diese eigene Persönlichkeit, die ich in den Stimmfall mit reinbringen kann, wenn ich direkt mit einem anderen Menschen sprechen kann. Das ist nochmal was ganz, ganz anderes und etwas, was sich lohnt, da auch sehr viel Zeit und Energie reinzustecken.
Arnt Haddenbrock
00:39:31
Absolut, kann ich nur empfehlen.
Kai Behrmann
00:39:32
Super, vielen, vielen Dank, Arndt. Ich wünsche dir weiterhin alles Gute in den USA. Noch viel Freude mit der Weltmeisterschaft, mit Argentinien und dann schauen wir mal, ob es am Ende reicht. Bis dann, tschüss.