"Frankfurt ungeschminkt": Denis Unger über das Bahnhofsviertel, Respekt in der dokumentarischen Fotografie und wie aus dem Langzeitprojekt ein Buch wurde
In dieser Folge spricht Fotograf und Autor Denis Unger über sein Buch „Frankfurt ungeschminkt“ – ein dokumentarisches Langzeitprojekt, das ihn zurück an die Orte seiner Jugend im Frankfurter Bahnhofsviertel und Gallus geführt hat und dabei persönliche Biografie, soziale Realität und fotografisches Erzählen miteinander verbindet.
24.05.2026 150 min
Zusammenfassung & Show Notes
In dieser Folge spricht Fotograf und Autor Denis Unger über sein Buch „Frankfurt ungeschminkt“* – ein dokumentarisches Langzeitprojekt, das ihn zurück an die Orte seiner Jugend im Frankfurter Bahnhofsviertel und Gallus geführt hat und dabei persönliche Biografie, soziale Realität und fotografisches Erzählen miteinander verbindet.
Das Frankfurter Bahnhofsviertel gilt vielen als Problemzone. Drogen, Prostitution, Gewalt – oft reduziert sich der Blick auf Schlagzeilen und Sensationsbilder. Mit seinem Buch „Frankfurt ungeschminkt“ versucht Denis Unger genau diesen Blick aufzubrechen.
Diese Folge ist eine Premiere, weil ich zum ersten Mal einen Podcast nicht im Studio oder im Café, sondern direkt unterwegs auf den Straßen des Frankfurter Bahnhofsviertels sowie im Gallus aufgenommen habe – genau an den Orten, an denen auch viele Bilder und Geschichten aus „Frankfurt ungeschminkt“ entstanden sind.
Weitere Informationen, Links und Bilder findest du in den Shownotes auf der ARF-Webseite:
https://www.abenteuer-reportagefotografie.de/podcast/denis-unger-frankfurt-ungeschminkt
Das Frankfurter Bahnhofsviertel gilt vielen als Problemzone. Drogen, Prostitution, Gewalt – oft reduziert sich der Blick auf Schlagzeilen und Sensationsbilder. Mit seinem Buch „Frankfurt ungeschminkt“ versucht Denis Unger genau diesen Blick aufzubrechen.
Diese Folge ist eine Premiere, weil ich zum ersten Mal einen Podcast nicht im Studio oder im Café, sondern direkt unterwegs auf den Straßen des Frankfurter Bahnhofsviertels sowie im Gallus aufgenommen habe – genau an den Orten, an denen auch viele Bilder und Geschichten aus „Frankfurt ungeschminkt“ entstanden sind.
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Transkript
Das war dann danach, als ich mit meinem Buch fertig war, sind hier welche aus
Australien mit einem Selfie-Stick durchgelaufen.
Da sind natürlich dann auch Flaschen geflogen. Macht euch auch mal Gedanken,
für was wollt ihr das fotografieren? Habt ihr ein Projekt?
Nicht mehr raus.
Genau, da ist es glaube ich optimal. Genau, perfekt. Da muss ich nur einmal
noch drauf schauen, ob das noch an ist. Genau, das muss nämlich rot leuchten.
So, und dann noch einmal...
Die Synchronisation und dann kann es losgehen.
Prima. Jetzt Herr Unger aufpassen, was Sie sagen.
Ja, jetzt läuft die Aufnahme. Dennis, heute Premiere.
Das erste Mal ein Podcast im Gehen, den wir hier aufnehmen wollen.
Ich bin gespannt, wie es läuft. Wir haben uns die Mikros jetzt angesteckt.
Wir stehen vor dem Frankfurter Hauptbahnhof. Und Dennis,
ja, wir wollen heute über dein Projekt, dein Buchprojekt Frankfurt Ungeschminkt
sprechen und zwar an den Orten, wo das Ganze entstanden ist.
Genau. Und da würde ich sagen, gehen wir gleich los.
Wir fangen hier im Prinzip, das ist immer noch das Gallusviertel.
Also wir sind noch nicht im Bahnhofsviertel.
Das Bahnhofsviertel ist im Prinzip erst, wenn wir wirklich ganz über die Straße
gegangen sind und im Kaisersack landen, Dann sind wir im Bahnhofsviertel und
von dort aus würde ich sagen, gehen wir jetzt Richtung Münchner Straße.
Sehr gut. Ich bin froh, dass ich so einen ortskundigen Fotografen hier neben mir habe.
Ich wohne zwar schon eine ganze Weile hier in der Nähe von Frankfurt,
aber ich muss ehrlich gestehen, so gut kenne ich mich hier in der Stadt noch nicht aus.
Beziehungsweise die gängigsten Orte hier vom Hauptbahnhof in die Innenstadt komme ich zum Römer.
Aber ansonsten bin ich froh, dass ich dich hier dabei habe.
Vielleicht, ja, magst du mal ein bisschen erzählen, wo du herkommst?
Wie ist deine Verbindung zu Frankfurt?
Also ich bin in Frankfurt geboren. Ich komme selber aus dem Gallus-Viertel.
Jetzt warten wir mal ganz kurz. Herzlich willkommen in Frankfurt.
Nein, also ich bin hier in Gallus groß geworden. und somit war halt für mich
die Nähe zum Bahnhofsviertel einfach da und gegeben.
Und hier habe ich halt auch einen Großteil meiner Kindheit verbracht.
Dadurch, dass wir Jungs immer mit unseren BMX-Rädern hier eigentlich durch sind.
Dann noch hier, wir sind jetzt gerade an der Kaiserstraße, dann von der Kaiserstraße
runter Richtung Hauptwache, um dort dann sich zu treffen mit anderen Kumpels.
Da waren dann auch so die ganzen Skater.
Und da haben wir dann unsere Kunststückchen geprobt. Dann gehen wir mal jetzt hier nach rechts.
Gallusviertel, vielleicht nochmal zum Verständnis, was ist das?
Wo kommt auch der Name her, Gallus, was bedeutet das?
Also eigentlich ist das Gallusviertel...
Früher war das ein Arbeiterviertel.
Sehr sozial schwach, viel Arbeitslosigkeit, viele soziale Missstrukturen.
Und das Ganze kommt eigentlich durch die Galluswarte, was früher die Galgenwarte war.
Also da hat man angeblich Menschen aufgehängt.
Nicht aufgehängt, sondern die wurden dort hingehängt, weil wir haben hier vorne,
das ist auf der linken Seite von uns jetzt, da war früher die Hinrichtungsstätte,
wo also geköpft wurde, gehängt wurde.
Man hat die quasi dann an die Galgenwarte gehängt, damit die Mainzer wussten,
okay, wenn sie hier Scheiße bauen, nicht, dass sie dann da enden.
So ganz primitiv, einfach erklärt. und das war aber auch Top-Übungsplatz, angeblich damals von,
Kameruner, beziehungsweise von damals aus der Kononialzeit und daher hat das
Ganze auch einen Spitznamen Kamerun.
Und deswegen sagt man, einmal spricht man vom Gallus, die anderen sprechen vom
Kamerun, ist aber gemeint das Gleiche.
Warum ich jetzt hier stehen geblieben bin, das habe ich auch fotografiert,
da wo die zwei Jungs stehen, das ist das Jok Jok, das ist eine ist ein Kiosk,
wo es angeblich alle Biere der Welt gibt.
Also das ist jetzt gerade vor kurzem umgezogen, das war vorher noch auf der
Münchner Straße hier und die mussten aber schließen.
Da habe ich auch Bilder im Buch auch noch drin, das war so auch so ein Szenentreff, also das war auch,
gestoppte Voll, das Ganze.
Dann fangen wir jetzt hier mal in der Münchner Straße an.
Das ist so ein Viertel, beziehungsweise so eine Straße, die ist einfach multikulturell.
Also hier trifft sich jede Religion, eigentlich jede Nationalität.
Alles ist friedlich, alles ist super.
Und das macht diesen Ort so besonders, weil du hast hier unterschiedlichste
Räume, Hier zum Beispiel gegenüber,
wo jetzt noch das, beziehungsweise fast zu erkennen, das Latin Place ist,
Django, das ist jetzt raus.
Da kommt jetzt ein arabischer Shopping Mall rein.
Wie die genau aussehen wird, weiß, glaube ich, noch keiner so richtig.
Aber das soll passieren. Und das war früher auch, das nannte sich Meiergustel.
Da standen dann Telefone auf den Tisch und dann konnte man sich,
im Prinzip war das so ein Offline-Chatroom.
Also wenn man da jemanden gesehen hat auf Platz 13, dann habe ich den angerufen
oder die angerufen und so konnte man sich dann quasi verabreden.
Bisschen wie das Kaffee Käse in Hamburg.
Genau, genau, genau. Aber das hat jetzt auch schon, ich weiß,
es ist jetzt auch schon sehr lange her. Ich will mich da jetzt zeitlich auch
nicht festlegen, weil alles, was ich da jetzt sage, ist falsch.
Aber dieses Maijagustel spielt auch halt hier eine kleine Rolle in meinem Buch.
Das ist eine Geschichte über meinen Onkel, was hier passiert ist.
Und deswegen wollte ich jetzt einfach noch mal kurz hier stehen bleiben,
um dir das hier zu zeigen.
Ja, schon mal die ersten Orte. Vielleicht, Dennis, für das Verständnis,
auch für die Hörerinnen und Hörer.
Wir haben den Titel schon mal genannt, auch von dem Projekt Frankfurt ungeschminkt.
Bevor wir zu tief schon in die einzelnen Orte und in die Geschichten eintauchen,
vielleicht nochmal ein bisschen Kontext.
Wie ist es zu diesem Buch, zu diesem Projekt gekommen und was genau steckt dahinter?
Also ich hatte 2000, ich meine, das war auch 2024, ja, hatte ich mit einem Achillessehnenriss
im Krankenhaus gelegen.
Ich hatte mehrere OPs, weil es gab ein paar Komplikationen und ich wollte einfach
anfangs, wollte ich ein Buch über Straßenfotografie in Deutschland schreiben,
hatte also auch dazu schon konkrete Ideen.
Ich hatte auch schon mit einem Verlag, hatte ich auch schon,
war ich im nahen Austausch.
Nur der ist dann mit einem anderen Verlag fusioniert. Es kamen dann halt viele
Straßenfotografie-Titel zusammen, dass es dann im Prinzip gestorben war.
Als ich dann wieder gehen konnte und ich hier eigentlich...
Auch meine Straßenfotografie-Workshops gebe. Speziell auch, weil viele sagen,
sie haben Angst, hier im Viertel zu fotografieren, was eigentlich völliger Quatsch
ist. Man muss einfach nur Regeln beachten.
Oder auch für sich einfach bestimmte sich zurücknehmen.
Jetzt nicht überall immer die Kamera draufhalten, sondern vielleicht einfach
mal die Kamera wegnehmen und mit den Augen fotografieren.
Da kam mir dann, ich so, hier ist eigentlich meine Geschichte,
die ich erzählen will und muss.
Und so kam es dann zu Frankfurt ungeschminkt, dass ich einerseits hier das Bahnhofsviertel
mit all seinem, also nicht um das zu romantisieren,
aber aus einem anderen Blickwinkel, also nicht immer nur mit dem Finger drauf
zeigen und guck mal wie da und wie schlimm und überhaupt und raus damit.
Auch hier gerade dieses Viertel hier, was ja ein sehr tolles Viertel ist,
wenn man sich überlegt, was jetzt hier diese Straße, die Münchner Straße mit
all ihren kulturellen Hintergründen, wie das auch entstanden ist.
Und so war es dann für mich eigentlich ganz klar.
Ich muss auch mal aus einem anderen Blickwinkel heraus diesen Stadtteil näher beleuchten.
Und damit ich aber auch dieses Authentische rüberbringe, habe ich dann im Prinzip
auch über Skalos und sehr viel Persönliches, Privates von mir einfließen lassen.
Ich musste das natürlich dann auch in Absprache mit meiner Familie,
vor allem mit meiner Tante, die da auch sehr oft vorkommt, dann auch besprechen.
Aber es war letztendlich auch gar kein Problem. Und somit ist dann dieses Projekt
dann komplett gewachsen, wurde dann zu eins dieses Frankfurten Geschwind.
Finde ich unheimlich spannend, also wie aus so einer ursprünglichen Idee dann
aufgrund von äußeren Umständen vielleicht dann nochmal was ganz anderes entsteht,
beziehungsweise eben so zugespitzt auch auf deine persönliche Biografie.
Das sind ja häufig die besten Geschichten oder die stärksten Geschichten,
auch wenn man es wirklich ganz stark an sich, an seiner eigenen Person festmachen
kann und ja, da sehr, sehr spitz reingeht in sowas.
Ja, also wie gesagt, ich wollte nicht diesen Blick, weil das gibt es ja auch.
Es gibt so viele Bücher über das Bahnhofsviertel oder überhaupt halt,
egal welche Stadt auch immer, urbaner Raum, aber da wird immer von außen erzählt, nie von innen heraus.
Und das war mir auch wichtig, dass ich von innen heraus diese Geschichte erzähle
und nicht irgendein Blablabla von außen.
Das mag zwar auch richtig sein, aber ich wollte dieses, ich würde mir nie anmaßen,
ich bin unglaublich gerne in Dublin beispielsweise, habe da auch eine Zeit lang
gelebt, aber ich könnte da nicht diese Geschichte erzählen.
Ich kann meine Erfahrung, klar, in der Zeit, aber ich würde mir es nicht anmaßen,
da drüber so detailliert, wie ich das jetzt hier zum Beispiel in Frankfurt umgeschwinkt
habe. Das geht einfach nicht.
Warum ich jetzt hier gerade stehen geblieben bin? Da drüben ist das St. Tropez.
Wir stehen hier an der Ecke Münchner Straße,
Moselstraße.
Also hier direkt am Mosel-Eck. Das ist auch eins der ältesten Kneipen hier.
Ich glaube, die hatten jetzt ihr, ich glaube, 120. Irgendwann ist das,
Das Mosel-Eck, bin mir aber nicht ganz sicher. Auf jeden Fall da oben,
das ist noch das Saint-Tropez und das ist auch so eine Kneipe,
da muss man wirklich klopfen, damit man hochkommt.
Da hat man früher gesagt, da gehen die Hools hin, die im Waldstadion Hausverbot
hatten, weil sie irgendwelche Krawalle gemacht haben und dann sind die hierher
und haben halt dort Fußball geguckt.
Und ich war vor, noch gar nicht so lange her, das war eigentlich auch zu meinem
Projekt, weil ich habe von dort oben aus, habe ich so ein paar Sachen,
auch Straßenszenen hier von dort oben aus fotografiert und das Interessante
war, ich war glaube ich davor,
das letzte Mal vor 20 oder 30 Jahren
da und du kommst da rein und du bist plötzlich in einer Zeitmaschine.
Ja, selbst das Konfetti da oben, was da hing, das hing wahrscheinlich noch von vor 30 Jahren dort.
Aus den Tagen von Jeroa und Murebein.
Noch weiter, noch weiter. Da war noch Grabowski. Genau, genau.
Also das war echt für mich nur so eine innere Zeitreise.
Das gibt es gar nicht. Aber das ist schön, dass es dann einfach so Orte gibt,
die einfach nicht verschwinden. Weil ja doch alles sehr schnelllebig eigentlich ist.
Und da ist halt gerade hier das Moseleck oder auch jetzt hier wieder St. Tropez.
Da gibt es noch andere Clubs wie die Pik Dame.
Das sind alles so etablierte Dinge, die kann man sich einfach nicht wegdenken.
Ja, wo wir von Zeitreise sprechen, wie hat sich das Viertel dann sonst so gewandelt,
wenn du es jetzt vergleichst mit dem, was du aus deiner Jugend kennst und heute?
Einige Dinge sind gleich geblieben, haben sich nicht geändert,
wie die Beispiele, die du eben genannt hast, aber wie hat sich das Viertel sonst so gewandelt?
Wie gesagt, das war schon immer multikulturell, also das ganze Bahnhofsviertel.
Auch hier diese Münchner Straße, natürlich sind halt,
Der Dönerladen oder der Barbershop, die gab es so in der Form früher nicht,
zumindest nicht in dieser Fülle.
Aber im Großen und Ganzen ist alles eigentlich geblieben.
Und was jetzt halt noch dazugekommen ist, das sind so vielleicht auch gerade
da, wo ich jetzt gesagt habe, bei dem Saint-Tropez, unten drunter ist eine Weinbar,
die aber sehr luxurös ist.
Also dass man dort auch hochwertige Weine kaufen kann, was natürlich im vollen
Kontrast zu dem steht, was der Rest, was man hier sieht.
Aber das sind so Kleinigkeiten, die jetzt nicht wirklich auffallen.
Wie würdest du Frankfurt so als Stadt generell bezeichnen? Gilt das für die
gesamte Stadt, dass es so eine Stadt der Gegensätze ist?
Nimmt man das auch an anderen Orten wahr oder beschreibt mal ein bisschen so dein Frankfurt?
Also ich denke schon, dass du natürlich, wenn du Orte wie das Hamburg nimmst
oder Berlin, das hat alles so seine Viertel, ob das jetzt in Hamburg Schanzenviertel ist etc.
Und so hast du hier in Frankfurt auch diese Vielfalt. das Einzige,
was Frankfurt vielleicht besonders macht, zumindest für mich, Frankfurt ist ein Dorf.
Und hier kennt wirklich jeder jeden. Also mindestens über zwei Ecken ist also
nicht unbedingt verwandt, aber man kennt sich.
Und so ging es mir also auch bei Situationen, zum Beispiel im Laufhaus.
Ich bin da hochgekommen, sah den Robbo da sitzen vom Security und denke so,
das gibt es doch gar nicht. Woher kenne ich dich?
Und er auch. Ja, woher kenne ich dich? Und nur mal ganz kurz mal weitergehen. Ja. Hier ist laut.
Und wir haben dann festgestellt, dass wir wirklich auch, zumindest so von früher
her, dieselben Kontakte haben oder auch zum Teil dieselben Kontakte pflegen.
Und das macht es dann wieder besonders.
Ja.
Ich fand nichts.
Jetzt gehen wir eigentlich von der Münchner Straße über in die Weserstraße.
Hier sind ja einige von diesen Wasserstraßen. Da haben wir einmal die Weser,
vorher waren wir in der Moselstraße, dann haben wir die Taunustraße,
dann haben wir die Nitterstraße.
Und so haben wir da die unterschiedlichsten, also hier nennen wir sie die Wasserstraßen
und auch so als Orientierung.
Hier sind wir jetzt im Prinzip, ist so eine Grenze, wir sind jetzt hier auf
der Kaiserstraße, also für die,
die jetzt zuhören, wir sind jetzt Kaiserstraße, Ecke Weserstraße und die Kaiserstraße
ist so schon immer so ein bisschen eleganter, nobler gewesen.
Das ist aber auch so von dem Klientel her, wenn du die Münchner Straße nimmst,
die ja doch sehr orientalisch ist,
zum einen hast du hier auch noch, aber hier sind dann mehr so die Asiaten in
der Chinesen, drüben hast du mehr das Arabische.
Und auch hier sind auch noch immer noch arabische oder auch türkische Geschäfte.
Aber hier hast du dann doch, ich sage mal, so ein bisschen gehobener vom Klientel her.
Natürlich vermischt sich das irgendwo, aber das ist dann schon nochmal so ein
bisschen ein Kontrast zu dem, was du jetzt dann in der Münchner Straße gesehen hast.
Und diese ganzen Weser, Mosel, Elbe Straße.
Ich hatte vorhin gesagt Taunusstraße, ich meine natürlich die Elbestraße als Wasserstraße.
Das sind natürlich so die, die das Ganze auch dann verbinden und die ab einem
bestimmten Punkt dann plötzlich dann auch umschwenken.
Du wirst es dann auch gleich merken, wenn wir hier weitergehen.
Und hier im Prinzip auf der rechten Seite, da ist jetzt das DB Sistelhochhaus
mit dem Brunnen, der Weserbrunnen.
Das ist auch aus einer Geschichte heraus, was ich hier tatsächlich erlebt habe,
wo ich also auch über zwei junge Menschen spreche, die ich also beim Kreckrauchen angesprochen habe.
Ob sie denn Kreckrauchen? Und habe dort versucht, eine Nähe aufzubauen,
was mir auch gelungen ist.
Und ich dann auch die befragen konnte, warum, wieso, weshalb sie diese Droge
konsumieren, was sie dazu gebracht hat. Und ich glaube, das war auch...
Mit die heftigste Geschichte von allen.
Wenn du das so dann nochmal direkt von zwei Menschen, die an sich eigentlich ziemlich klar sind.
Und man erstmal denkt, die sind jetzt gar nicht so weit vom Abrutschen.
Aber trotzdem sind die eigentlich hier an einem Punkt angekommen,
wo sie schon nicht mehr rauskommen.
Und das fand ich halt extrem erschütternd.
Und das war jetzt hier, wie gesagt, direkt da an diesem Brunnen.
Ja, das sind dann ja so Momente, wo es von Themen, die normalerweise in der
Street-Photography vorkommen, weggeht und sehr, sehr stark ins dokumentarische
Reportage, Fotografie dann geht.
Ist ja auch ein bisschen bezeichnet dafür, wie sich dieses Konzept dann vom
Street-Buch hin zu dem, was es heute ist, entwickelt hat. An diesem Beispiel,
wie gehst du da vor, wenn du diese beiden Jungs da siehst?
Viele würden das wahrscheinlich auch registrieren, wahrnehmen,
aber dann fehlt eben dieser Impuls zu sagen, okay, ich gehe jetzt darauf zu
und mache ein Foto davon.
Wie kommt man in solchen Situationen mit Menschen in dieser Lebenslage ins Gespräch
und kann sie dann auch fotografieren?
Also ich hatte ja anfangs schon erwähnt, ich war eine lange Zeit in Irland gewesen
und ich glaube, da habe ich...
Gelernt, mit Berührungsängsten, nenne ich sie mal, umzugehen,
weil ich dort frontal wirklich damit konfrontiert wurde, indem ich mich immer
wieder gefragt habe oder gesagt habe, Mensch, bist du deutsch?
Also ein einfaches Beispiel, ich saß im Bus und habe Crisps gegessen,
also Chips, die ich in der Werbung gesehen habe, die wollte ich unbedingt probieren
und dass eine ältere Frau neben mir saß.
Und sie mich gefragt hat,
ob sie die, sie hätte die auch gesehen, ob sie die mal probieren dürfte und
sie hat die Frage noch nicht gestellt, hat sie schon ihre Hand in der Tüte gehabt
und hat dann die Chips gegessen.
Oder du sitzt im Bus und es legt jemand deinen Kopf auf die Schulter und hebt
ihn dann wieder und sagt, darf ich meinen Kopf nicht so hermachen.
Und das sind so Punkte, wo ich irgendwann mal,
Und ich fand das einfach sensationell, dieses Unbeschwerde, dieses Einfache,
ohne groß ein Tamtam da drum zu machen.
Und das war damals für meine Ex-Frau, damals noch Frau, war das die Hölle.
Die hat dann irgendwann mal gesagt, Dennis, jetzt gib mal Ruhe,
weil ich das so für mich einfach übernommen habe.
Und ich glaube, wenn ich das nicht gehabt hätte, hätte ich hier jetzt auch nicht
die Möglichkeit für mich, da hätte ich wahrscheinlich auch diese Distanz gehabt
und wäre dann niemals auf die zugegangen.
Aber so habe ich dann für mich einfach diese, weil was sollen sie denn machen?
Sie können nicht mehr sagen wie nein, das ist wie wenn ich ein Streetportrait
mache, also dass ich jetzt nicht heimlich aufnehme, sondern wo ich dann gezielt,
weil ich einfach sage, hey, ich finde dich einfach sensationell,
darf ich ein Foto von dir machen?
Und was sollen sie denn sagen? Also entweder sagen sie ja oder sie sagen nein.
Und hier ist es genauso und hier ist es nochmal vor allem, wenn da jemand ist
und ich glaube, das war so meine Brücke, weil ich habe ja das nicht Oberfläche,
sondern ich habe ja wirklich ein Interesse an die gehabt, auch an andere.
Wobei es gab dann auch Momente, wo ich dann auch selber für mich sage,
okay, Dennis, da hast du jetzt keine Chance, weil die sind so drauf,
da bekommst du keine vernünftige Information raus.
Und das war halt bei den beiden, wie gesagt, die wollen auch,
dass ihnen jemand zuhört. Es geht nicht darum, darf ich dir helfen.
Dann wird jeder sagen, spinnst du, hast du sie noch alle? Sondern einfach nur
dieses Gefühl oder überhaupt, das war ja auch echt oder ist ja auch echt,
einfach zu wissen, warum, wieso, weshalb.
Und ich sage mal, das ist dann relativ einfach. Ich hoffe, dann kann ich deine
Frage damit beantworten.
Absolut. Ich finde, das ist ein spannender Punkt, weil ich glaube,
dass da viele in solchen Situationen manchmal sind und den Impuls haben oder
den Wunsch, näher ranzugehen, auch ein Foto zu machen.
Aber da fehlt dann vielleicht auch für sich selber die Frage oder die Klarheit.
Zu sagen, warum möchte ich dieses Foto eigentlich machen?
Und in deinem Fall war es eben, du hast dieses Projekt und konntest das dann
ja auch irgendwo denen so vermitteln, warum du jetzt von ihnen ein Foto machen möchtest,
Oder? Ja, also das ist auf jeden Fall ein ganz wichtiger Aspekt.
Also ob das jetzt ein Buch ist, das könnte ja auch für eine Ausstellung sein.
Auch selbst wenn es was für mich Privates gewesen wäre, dass ich sage,
ich will damit nicht an die Öffentlichkeit gehen,
dann ist das immer noch, das ist mein, mein, mein, mein Prinzip,
mein Wunschgedanke und das, was ich vorhabe, also dieses Projekt,
wirklich dann auch dieses Projekt und mit diesem Projekt, nur dadurch bekommst
du dann auch wahrscheinlich diesen Respekt und beziehungsweise auch das Zulassen von dem Anderen. Ja.
Du gibst auch Workshops in der Street Photography, ich auch und in diesen Workshops
ist eigentlich immer eine der ersten Fragen nach den rechtlichen Seiten, nach den Aspekten.
Darf ich das überhaupt? Und jetzt auch in diesem Fall, vielleicht an diesem
Beispiel auch, wie bist du da vorgegangen?
Hast du dann auch, weil du ja schon wusstest, dass daraus eine Publikation werden
soll, ein Buch, denjenigen gesagt, wo das Bild möglicherweise mal veröffentlicht
wird und hast du dir dann deren Einverständniserklärung gleich mit eingeholt?
Ja, aber da ist nichts mit einem Model-Release.
Das kannst du vergessen. Also egal, wo ich fotografiert habe.
Sei es im Laufhaus, sei es, als ich hier mit der Polizei auf Streife war,
da bekommst du keinen Model-Release unterschreiben. Das macht keiner.
Da zählt der Handschlag, da zählt das Wort und darauf muss man sich verlassen.
Fertig. Also da gibt es nicht, also diese Eierei, das kannst du vergessen.
Und da muss man sich eigentlich dann drauf verlassen.
Und das ist aber auch ein Punkt in meiner Vorgehensweise,
auch was die Publikation angeht, dass ich gesagt habe, ich möchte keinen Verlag,
der quasi eine Vorproduktion von 500.000 Exemplaren macht, sondern ich will, dass es,
On Demand ist, dass ich wirklich eingreifen kann, wenn irgendwas mal sein sollte,
dass ich dann die Möglichkeit habe, einmal zu sagen, okay, es wurden davon tatsächlich
nur so und so viel verkauft,
also auch dieser rechtliche Hintergrund und zum anderen, ich kann direkt reagieren,
dass ich sage, okay, dann wird jetzt hier dieses Bild ausgetauscht.
Was ich aber gemacht habe, weil ich jetzt gerade hier diese zwei jungen Menschen,
im Buch heißen sie Antonio und Maria.
Und dass ich schon im Vorfeld für mich, das war auch schon eine Diskussion,
dass dann viele gesagt haben, hast du keine Eier in der Hose,
Kunstrecht etc., weil ich die im Buch verpixelt habe.
Und weil ich mir gesagt habe, ich möchte nicht, dass die, die waren jung oder
sind jung und ich möchte denen nicht, dass da irgendwas verbaut wird,
weil ich die jetzt in meinem Buch drin habe.
Wenn wirklich einer Interesse daran hat und will die sehen, weil meine Lesungen,
und ich mache viele Lesungen im Jahr, und dann ist das immer verbunden mit einer Ausstellung.
Und innerhalb der Ausstellung, da kannst du sie dir anschauen.
Wenn du wirklich, weil normalerweise läuft jeder dran vorbei.
Plötzlich erzähle ich eine Geschichte und jeder will denen ins Gesicht schauen.
Das ist auch so etwas ganz Seltsames, was da im Kopf wahrscheinlich passiert.
Und das war für mich dann auch der Grund, dass ich gesagt habe,
nein, das mache ich nicht. Ich verpixel die.
Das ist mein Respekt. Das heißt zwar ungeschminkt, aber es heißt nicht respektlos.
Und deswegen bin ich da bei einigen, also auch andere, die ich hier angetroffen
habe, die ich bewusst im Bild verpixelt habe, auch wenn die im öffentlichen Raum irgendwo stehen.
Wenn er wirklich ein Interesse hat, dann kann er nach der Person googeln,
aber in meinem Buch will ich sie unverpixelt haben.
Ja, kann ich gut nachvollziehen. Also da gibt es ja dann Möglichkeiten,
da eben auf die Art und Weise, wie du es beschrieben hast, umzugehen,
um da eine gewisse Anonymität zu schaffen und die Geschichte im Kern aber zu erhalten.
Aber darum geht es ja eigentlich auch, dass diese Personen ja stellvertretend
auch für etwas stehen, was hier im größeren Stil eben dieses Viertel auch prägt.
Ja, genau, genau. Ich hole gerade mal mein Telefon raus, weil wir sind jetzt hier Weserstraße,
Ecke Taunostraße und hier ist so im Prinzip das Rotlichtviertel.
Also hier ist so im Prinzip das, wo so alles anfängt von der Stelle an.
Wenn wir jetzt einfach mal hier so einen Schritt hoch gehen,
gehen wir einfach mal ein bisschen weiter auf die Straße. Das ist natürlich
in der Nacht nochmal spezieller.
Da haben wir hier dann das My Way, da ist dann auch ein Laufhaus drin.
Da vorne haben wir das Aero Center, dann ist das Rote Haus, dann haben wir hier das Sex Inn.
Und in diesem Sex-In, da war ich dann auch gewesen und habe dort quasi dann
einmal eine Sexarbeiterin auch interviewt, habe sie fotografieren dürfen,
habe aber auch dann den Robbo auch fotografieren und auch ein Interview führen
können und die da auch recht offen damit umgegangen sind.
Und ich versuche jetzt mal gerade, den Robbo zu erreichen. Vielleicht können
wir nämlich dann mal zusammen ins Laufhaus.
Hi Robbo, hast du kurz Zeit?
Ich bin hier gerade mit dem Kai, das ist ein Freund und wir nehmen gerade einen
Podcast auf. Das ist jetzt mehr so eine spontane Sache.
Wenn du aus dem Fenster guckst, wirst du uns vielleicht auch noch gleich sehen. Nur falls du da bist.
Ja genau, also hier ist dann das Aero-Center und es funktioniert im Prinzip wirklich auch,
das ist dann auch wiederum hier in diesem Mikrokosmos vom Bahnhofsviertel ist
das auch nochmal auch quasi wie so ein Mikrokosmos,
weil du hast halt nicht nur diese sechs Arbeiterinnen, du hast in dem Fall bei
hier, was interessant ist, weil es ist eine Betreiberin, kein Mann.
Und also das ist schon mal ein Unterschied,
und du hast halt Putzpersonal, du hast Leute, die wie jetzt den Robert,
der dort dann auch für die Sicherheit da ist, also natürlich dann in,
in hier wollen wir hier kurz mal stehen, der dann auch dafür dann aufpasst,
falls irgendwas, wenn irgendwas los sein sollte da drin.
Und wo kennt ihr euch her von früher? Wie ist da die Verbindung?
Der Robo war oder ist,
schon immer im Security-Bereich als Türsteher in vielen Clubs und Diskotheken
und wo er halt gearbeitet hat und jetzt, ich weiß nicht, wie lange jetzt schon hier ist,
da spricht man im Prinzip auch nicht drüber und man kennt sich genau.
Ja und ich habe hier zum Beispiel da drüben in dem Eros Center,
das schreibe ich also, da wird auch kurz drüber geschrieben, da war ich ungefähr 14.
Habe ich dort gearbeitet. Hier war früher eine Piepshow an der Ecke und ich
hatte die Ausbildung als Schilder- und Nichtreklamehersteller.
Und wir hatten so Stufen, die nach oben führten und die waren dann immer mit
irgendwelchen Plexiglarscheiben und da waren dann irgendwelche Herzchen oder
stand auch Eros drauf mit Pfeilen nach oben.
Und wenn da irgendwie, oder auch hier so eine Scheibe, wenn die kaputt gegangen
ist, so wie mit den Mädels, die da an der Stange stehen.
Wenn das kaputt gegangen ist, dann habe ich hier, da war ich noch nicht in der Ausbildung,
sondern immer noch als Schulpraktikant und habe dann quasi mein Chef,
also war ja dann später mein Chef, habe ich dann hier im Prinzip dann mitgeholfen
und habe dann mitgearbeitet.
Und dann hast du dann von den Zuhältern, das war nochmal auch anders von der
Struktur, wirklich wie heute, die haben dir dann mal 100 Mark oder 50 Mark und
du warst da einfach der Held.
Meine Mutter, die ist bald wahnsinnig geworden, ja mit 14, dass da jetzt ihr
Bub hier arbeitet und ich hatte auch bei einem der Workshops,
bei einer der Lesungen, da hatte ich hier auch so einen kleinen Rundgang gemacht.
Da war auch einer dabei, ein Freund von mir, den seine Eltern hatten früher
einen Blumenladen auch in Gallus und er sagte, das war geil,
ich bin hier immer die Blumen ausgefahren.
Er war auch so 12, 13 mit dem Fahrrad vorne in das Körbchen und sagte,
hier gab es nie Stress und im Gegenteil, du hast richtig dann nochmal Kohle
bekommen von denen und es war halt, also hat jeder auf den anderen aufgepasst.
Und das war schon nochmal eine andere Hausnummer, wie es heute ist.
Also das musste ich schon sagen, also das hat sich schon einen Großteil verändert.
Jetzt gucken wir mal, hat es noch nicht gemeldet, dann gehen wir einfach mal weiter.
Ja, gehen wir nochmal ein Stückchen
Aber was du so erzählst, auch wie sich dann manchmal in der Rückschau so einzelne
Stationen in der eigenen Biografie fügen, wenn dann plötzlich irgendwann die Kamera hinzukommt.
Damals war die Kamera noch kein Thema oder die Fotografie, sondern das sind dann alles Dinge,
die jetzt dann, wenn man mal so ein Projekt angeht oder irgendwo den Impuls
bekommt, plötzlich fügt sich das und man bekommt Zugang,
Zutritt durch einen Kontakt, den man dann zufällig wieder trifft und geht dann
so Schritt für Schritt weiter.
Also deswegen finde ich so die eigene Biografie immer sehr spannend und zu schauen,
was kann sich daraus auch möglicherweise für die Fotografie ergeben.
Ja, auf jeden Fall. Das ist halt auch hier so ein Problem mit diesen ganzen
Kiosken, weil die halt oftmals dann auch genutzt werden für Deals etc.
Wenn du sagst, das ist zwar ein Viertel, in dem es viele Probleme gibt, viel Drogenkonsum,
Prostitution, all diese Dinge, also jetzt nicht so das typische Viertel,
wo man sagt, als Street-Fotograf, da gehe ich rein, aber trotzdem hat es natürlich seinen Reiz.
Was sind das für Codes, auf die ich achten muss, wenn ich mich in so einem Umfeld als Fotograf bewege?
Also auf gar keinen Fall. Jetzt gehen wir gerade mal in so einen Problemteil mal hin.
Aber das hätten wir jetzt hier auch schon ein paar Mal gehabt.
Also wenn du da mit einer Kamera rumläufst, egal welcher Größe auch immer,
in dem Moment, wenn die eine Kamera sehen, dann sehen die dich als Gefahr.
Und da werden dann also der Einzelne, du brauchst vor denen keine Angst haben
das ist eher Respekt oder halt dann einfach so die Etikette dass man dann sagt,
okay ich muss jetzt nicht da unbedingt an denen so direkt dicht an die vorbei
ich gehe jetzt einfach mal auf die Straße und die Autos, die da kommen, die fahren dich nicht um,
und dass man sowas dann einhält für sich und weil der Junkie,
also der Süchtige als solches,
der ist auch nicht das Problem.
Das Problem sind eher die Dealer, die dann das Problem sind.
Und wo du dann auch wirklich vorsichtig sein musst,
Und hier hatten sie jetzt gerade vor kurzem, das nennt es sich der Pflasterlaster.
Und der im Prinzip dann Ersthelfer.
Es muss nicht jedes Mal einen Krankenwagen ausdrücken, wenn jetzt irgendeiner
ein Problem hat, sondern dann haben die hier eine direkte Station, wo geholfen wird.
Wobei da ist nämlich direkt an der 47, das ist so eine Drückerstube, so ein Konsumraum.
Und wenn du hier halt mit dem Fotoapparat, es gab auch, das war dann danach,
als ich mit meinem Buch fertig war, sind hier welche aus, ich glaube Australien,
mit einem Selfie-Stick durchgelaufen.
Da sind natürlich dann auch Flaschen geflogen.
Ja, selbstverständlich, weil das geht nicht. Und das ist dann halt,
die haben das so dargestellt, wie kann das denn sein und überhaupt.
Aber ja, das macht man auch nicht.
Das ist auch, wo ich hier sage, Leute, weil die denken immer,
ich muss das hier fotografieren.
Macht euch auch mal Gedanken, für was wollt ihr das fotografieren? Was bringt euch das?
Was bringt euch das selbst auch im Privaten? Was bringt euch das?
Habt ihr ein Projekt und ihr wollt wirklich das zeigen? in der Ausstellung oder
jetzt auch in einem Buch, dann ja, aber macht es mit Bedacht.
Deswegen sage ich, hier gehe ich immer eigentlich her und sage,
ihr könnt fotografieren, aber wenn ihr fotografiert, dann fotografiert mir den
Auge und dann fragt euch, will ich so selbst fotografiert werden?
Weil die finden das alle nicht geil. Die finden das alles ziemlich scheiße.
Die sind halt da reingerutscht und die kommen nicht mehr raus.
Da gibt es keinen mehr, der rauskommt.
Und das ist halt so für mich ein Ding, wo ich sage, ich muss das nicht fotografieren.
Wie gesagt, wenn ich ein Projekt habe, ich war ja auch, wo ich mit der Polizei
auf Streifen war, da hatten wir hier einige Einsätze gehabt, hier, hier.
Ich hatte ja auch hier so eine Szene fotografiert gehabt.
Das gehörte dann zu diesem Projekt. Aber es wäre nichts gewesen,
wo ich jetzt sage, ich gehe jetzt hier ins Bahnhofsviertel, um Süchtige,
Drogenabhängige zu fotografieren. Das mache ich nicht.
Ich hatte da drüben einen, da sitzt jetzt gerade einer, das ist der nicht.
Mit dem hatte ich, den habe ich glaube ich vier oder fünf Mal war ich bei dem
und habe den immer wieder befragt, was er so macht.
Und weil er war einerseits sehr zugänglich, aber er war so weit weg von Gut
und Böse, dass ich damit nichts anfangen konnte.
Also ich habe da nichts irgendwie, keinen Dialog irgendwie zusammenführen können.
Bis ich dann irgendwann gesagt habe, okay, dann lass mich wenigstens ein Toto
von dir machen, wenn das für dich in Ordnung ist. Ich sage, ja,
kein Problem, ich kenne dich doch, du bist doch Freund.
Und das aber auch, allein nur dieser Satz, der war geteilt zwischen Spanisch,
Französisch, Englisch und Latein.
Ich kam mir vor wie der Name der Rose, wenn dann plötzlich da einer irgendwie
in sieben Sprachen in einem Satz mit dir spricht.
Und den habe ich dann, also ich habe dann da auch meine Kamera rausgeholt und
plötzlich hatte ich von der anderen Straßenseite von, sind bestimmt fünf oder sechs Stück auf mich zu,
die können sich hier anschreien und können machen und tun, aber die hatten die
Kamera gesehen, was machst du, was machst du?
Er hat die dann irgendwann mal beruhigen können und gesagt, hier,
aber trotzdem haben die mich immer noch so nach dem Motto, ich sehe dich,
wir haben dich im Auge, ich sehe dich und Und da passt dann plötzlich jeder
auf den anderen auf, weil das will keiner, weil die alle genau wissen,
in was für einer Situation die eigentlich hier sind und wir kommen einfach nicht mehr raus.
Ich hatte eine Szene, das hatte ich allerdings nur von einem Streetworker,
mit dem ich hier unterwegs war.
Das war auch eine junge Frau.
Also was heißt junge Frau, die war auch, glaube ich, so Anfang 40.
Heroinabhängig, wurde dann in das Methadonprogramm mit aufgenommen und war quasi
in ihrem Heroin noch voll im Nebel mit dem, was da war.
Und durch dieses Methadon hat sich dieser Nebel gelichtet.
Also einmal nicht nur die Sichtweise, aber auch die Gedanken und alles,
was davor war, Da sie plötzlich wieder sie sich gesehen hat,
was aus ihrer Tochter geworden ist,
was aus der ganzen Familie geworden ist, dass das für sie so unerträglich war,
dass sie daraufhin wieder Heroin genommen hat.
Eigentlich völlig tragisch, aber das ist halt, wo du immer wieder aufs Neue
dann auch rückfällig werden kannst.
Also wenn du da labil bist und du keinen Halt hast, dann ist das eigentlich,
ja, hast du keine Chance.
Und das ist schrecklich. Und wie gesagt, es gibt ja auch so eine Sache,
die ich auch von mir erzähle, die ich hier erlebt habe und wo ich bewusst mit
reingenommen habe, weil ich möchte so authentisch wie möglich gestalten.
Oder hatte ich so, war ja mein Plan, dass ich das auch erzählt habe.
Weil ich aber auch nur damit signalisieren will, ich habe eine leise Ahnung
davon, was da passiert mit denen im Kopf.
Nur wirklich eine leise Ahnung. Ich kann nicht sagen, ich weiß das, um Gottes Willen.
Aber ich konnte mit dieser Situation, die ich damals hatte, konnte ich sagen,
ich habe nur eine leise Ahnung von dem, was die hier tagtäglich durchleben.
Und zum anderen dann aber auch, die haben hier keinen Rückhalt.
Ich hatte den. Man hat mich aufgefangen.
Und das steht in einem ganz anderen, also deswegen bin ich da eigentlich raus.
Und deswegen sage ich eine leise Ahnung, ganz vorsichtig.
Und das ist halt schlimm. Und das Schlimme ist, dass alles, was hier gemacht
wird von der Stadt Frankfurt, ähm,
dass nichts gefühlt unternommen wird. Es wird versucht, was zu machen.
Da geht es jetzt da drüben, da können wir auch gleich hin und da kommen wir auch gleich vorbei.
Da wird ein Drogensuchtsender eingewiesen. Ich habe leider nicht,
auch nicht. Tut mir leid.
Und ja, das ist halt einfach eine echt tragische Kiste.
Was wäre denn aus deiner Seite nötig von Seiten der Politik, von Seiten der Polizei?
Man hat damals mit dem Frankfurter Weg,
Oder anders, vielleicht einfacher gesprochen, damals mit Heroin,
was so das Hauptproblem war, man hat die Droge verstanden und hat so auch gehandelt,
dass man gesagt hat, okay,
wir wollen zumindest die Gesundheit und alles, Krankheiten eindämmen,
das haben sie geschafft, indem sie gesagt hat, okay, wir haben hier Konsumräume,
du bekommst frische Spritzen, die gab es halt damals.
Und dadurch wurde zumindest schon mal, was das angeht, Krankheiten,
Todesfälle, die wurden extrem, sind die gefallen.
Die werden heute immer noch, die holen sich ihre Spritzen und drücken sich das irgendwo.
Aber die Wahrscheinlichkeit, dass das alle machen, die ist sehr gering.
Also die dann auch dort ihre Drogen zu sich nehmen.
Und Crack. Und dann ist es so bei Heroin, ich setze mir einen Schuss und dann
bin ich erst mal zwei, drei Stunden weg.
Dann taumel ich wieder ein bisschen rum, gucke, dass ich irgendwo wieder was
herbekomme, setze mir am Abend wieder einen Schuss und bin weg.
Ein Crack-Abhängiger, der kauft sich einen Stein, der kleinste,
der kostet, also der günstigste, also liegt irgendwo zwischen 5 und 20 Euro,
kaufe ich mir so einen Stein.
Vielleicht habe ich dann auch 3, 4 Stück schon im Vorfeld gekauft.
Und wenn ich den hier bei dir kaufe, gehe ich über die Straße und da will ich den rauchen.
Und ich habe nur meine Pfeife und ich habe meinen Bunsenbrenner,
wo ich das Ding anzünde und dann rauche ich den Stein.
Das Ding hält zehn Minuten maximal, vielleicht eine Viertelstunde,
dann will ich den nächsten Stein. Dann nehme ich den, den ich habe und gehe wieder.
Und deswegen sind die auch, wo die einfach immer dieses Wandeln.
Und da macht die Schweiz es im Prinzip, die vorher oder früher auf uns geschaut
hat, die macht es vor, dass sie sagt, okay, wir haben hier Konsumräume,
wir haben hier eine entsprechende Versorgung.
Was das Ganze angeht, auch gesundheitlich. Und Deals werden nicht erlaubt,
geduldet, dass sie auch die Polizei im Prinzip einfach das auch im Überblick
hat. Weil das haben die hier nicht.
Diesen Überblick haben die schon lange nicht mehr. Die machen zwar ihre Razzien und ihre Kontrollen.
Ja, siehst du ja, die stehen da mit zwei Mannschaftsbussen, beziehungsweise
ein Mannschaftsbus und ein größerer Van.
Wo du denkst, das gibt es doch gar nicht. Aber das ist, weil jeder auf den anderen
dann auch noch aufpassen muss. Das ist einfach verrückt.
Und da ist halt meiner Meinung nach die Stadt, die ganzen Farben der Parteien,
sollen sie doch mal wirklich als Regenbogenfarbe funktionieren,
als Einheit und nicht jede Farbe für sich alleine, ganz egal was das ist,
ob es grün, gelb, rot, blau von mir aus, scheißegal,
alle mal zusammen sich hinsetzen und sagen, wir machen hier was gemeinsam.
Aber nicht, dass die Grünen sagen das, die Gelben sagen das, die Roten sagen das.
Und die Schwarzen sagen was. Und das ist aber momentan die Situation.
Und das ist eigentlich das Schlimme. Und weil es geht nicht nur um den Drogenabhängigen
hier, sondern wir haben hier Familien.
Da vorne haben wir eine Grundschule.
Wir haben Menschen, die hier arbeiten gehen. Wir haben Unternehmer. Also hier ist ja alles.
Und dieser Punkt hier, das habe ich auch in meinem Buch detailliert beschrieben,
Das ist wirklich, das ist eigentlich, dieses Drogenproblem ist ein Furz.
Allein nur gegen Alkohol.
Was du an Alkoholtrote in Deutschland im Jahr hast, zu dem, was bei Drogenabhängigen
und die bekommen es einfach nicht hin.
Und da denke ich, die sollen mehr einfach mal verstehen, die Droge an sich verstehen
und nicht einfach ein Hilfszentrum bauen, sondern einfach mal auch mit einem
wirklichen Angebot dahinter.
Du hast mit vielen Menschen gesprochen, die hier auf der Straße Drogen konsumieren,
in Situationen geraten sind, in der es jetzt sehr, sehr schwer ist,
da wieder rauszukommen, wenn überhaupt.
Das ist ja sicherlich ein langer Weg, bis jemand an diesem Ort hier landet.
Kannst du mal so aus deinen Gesprächen
erzählen, was mit diesen Menschen passiert ist auf dem Weg dahin?
Da muss es gar kein langer Weg sein. Also ich hatte zum Beispiel,
hatte ich bei dem Buch, die habe ich auch erwähnt, das sind drei Jugendliche gewesen oder vier.
Der Jüngste war 14.
Der Älteste von denen war 16. Der Jüngste, der hatte solche Riesenaugen,
dass ich nur gedacht habe, scheiße, was hat der sich eingeschmissen?
Die haben dann auch einen Alkoholtest gemacht. Der war ein...
Nicht erwähnenswert, 0,2 oder sowas, aber allein nur diese Augen haben verraten,
der Junge, der hat sich gerade weiß was eingeschmissen.
Dann haben die, wollten die Personalien, hatte er nicht.
Dann haben die über, konnte auch schlecht Deutsch, schlecht Englisch und haben
dann über Umwege, konnten die dann über das Telefon die Mutter erreichen.
Die Mutter hat denen dann auch gezeigt, wer das ist. Und somit war dann für
die Polizei, okay, er konnte sich zumindest ausweisen.
In dem Moment hätte ich mir gewünscht, dass er sich nicht ausweisen kann,
damit die Polizei den aufs Revier nimmt und dass der da bleibt,
bis einer kommt und den abholt.
Weil dadurch mussten sie den wieder freilassen.
Wie gesagt, da fehlt gar nicht viel dazu. Sondern du kannst hier ganz schnell
von diesem Viertel verschluckt werden.
Schneller, als es einem lieb ist. Was wir hier auch haben, es gibt ja auch so
einen recht hohen Drogentourismus, die aus Süddeutschland oder auch Norddeutschland kommen,
die im Prinzip quasi das als Zwischenstopp nutzen, weil wir haben keinen Durchgangs,
wir haben einen Kopfbahnhof.
Und da ist es dann auch viel, selbst die vielleicht clean sind,
die dann sagen, ja gut, jetzt bin ich hier und kann ich ja mal rüber gehen.
Und das ist auch halt oft von vielen, die mir das auch so mitgegeben und auch bestätigt haben.
Dieses Beispiel von dem Jungen, den du da eben beschrieben hast,
wo die Polizei letztendlich da nicht die Handhabe gehabt hat,
ihn mit aufs Revier zu nehmen und dann vielleicht Maßnahmen einzuleiten,
die ihm geholfen hätten in dem Moment.
Was sind es sonst noch so für Geschichten, die du gehört hast?
Wie vielleicht noch ein bisschen auch weiter zurückliegend die Menschen so langsam
abrutschen lässt aus einer gesicherten Existenz hin in eine Drogenproblematik.
Das sind zum Beispiel die zwei auf der Mauer. Die eine, die hat so einen Druck,
psychischen Druck, einmal von ihren Eltern gehabt.
Die war schwanger, hat einen Säugling, ein Baby und die war so einem enormen Druck aussetzt.
Der Vater hat sie verlassen, die Mutter bzw.
Die Eltern, die waren alles andere als erfreut überhaupt über diese ganze Situation.
Und daraufhin hat sie halt ihrem Baby-Säugling damals so etwas Schwerwiegendes
angetan, dass sofort das Kind weggenommen wurde. Also muss wirklich viel passieren.
Sie hat es auch mir im Detail erzählt, was da auch passiert war.
Und das sind dann, wo sie dann quasi darin eigentlich sich in diesen Kokain
dann auch Crack, Also Kokain ist ja Crack.
Es ist ja nur durch Backpulver ein Gemisch, was dann im Prinzip erhärtet wird
und dann halt dieser Stein daraus wird, den man dann rauchen kann.
Und das waren so auch Eindrücke. Auch genauso von dem Antonio, der...
Immer so ein bisschen abwegig war, kleine Delikte, dann hat er dann irgendwann
mal auch zwei kleine Kinder, bis dann irgendwann mal die Frau gesagt hat,
da habe ich keinen Bock mehr auf dich mit so einem Scheiß.
Und dann stand er dann trotz allem, weil dann wurde erst mal klar,
was das für einen Wert hatte.
Aber er kam einfach durch diese kleinen Delikte, durch die kleinen Straftaten, die er gemacht hat.
Es haben sich dann Geldsorgen angebahnt.
Also auch wieder eine ganz andere Geschichte. Und dann halt von Kokain dann
auf Crack in die Abhängigkeit oder in die Extremabhängigkeit.
Ist das denn in der Regel so, dass diese Menschen auch keine Wohnung mehr haben
und komplett auf der Straße leben oder?
Teils, teils. Es sind natürlich viele dabei, die irgendwo ihre Lager aufgebaut haben.
Also hier vorne gibt es zum Beispiel auch so ein Lager, da liegen die auch,
beziehungsweise haben die dann in so einer Insel von so einer Baustelle,
wo die quasi ihr Quartier eingerichtet haben.
Und das ist auch so ein Bereich hier da vorne.
Sind wir hier am Seiteneingang vom Frankfurter Hauptbahnhof?
Genau, genau. Und zwar haben die hier zum Beispiel hier bei den,
es sind jetzt auch noch welche sogar da, die dort ihre Quartiere haben.
So notdürftig dann mit Plane, mit Zelt oder. Genau.
Dann würde ich mal sagen, gehen wir runter. Das war früher in den 80ern,
wenn ich hier entlang gefahren bin, ich bin immer hier mit dem BMX runter.
Und die Lagen hier auf den Treppen haben sich gespritzt. Das war hier eine Katastrophe.
Hier musstest du wirklich aufpassen. Also hier bist du auch nicht freiwillig durchgelaufen.
Das war echt ziemlich übel, was hier abging.
Und jetzt kommen wir zu dem, was ich anfangs schon gesagt habe.
Die hier fängt jetzt diese...
Diese Open-Air, nenne ich es mal, Ausstellung an. Genau, da ist der Manu,
der Stefan, die also im Prinzip dann wie so eine kleine Galerie haben, wo sie also auch...
Genau hier der Bereich, wo, sind das alles Mitglieder von Collateral Eyes?
Nein, nein, nein. Also ich kenne nicht hundertprozentig die Geschichte.
Wer da jetzt der Hauptinitiator war, auf jeden Fall kam das durch eine Agentur
in Berlin und die haben dann im Prinzip verschiedene Straßenfotografen angeschrieben wohl und gefragt,
ob die daran teilhaben möchten.
Und wie gesagt, wieder Stefan.
Stefan Lautauer, ja.
Und das war schon auch hier der Max, auch stationell. Mag ich auch die Fotos von ihm.
Ja, Max Kling.
Ja.
Hier ist schon eine ganze Weile hier, seit 2024.
Genau, also die wollten das auch, war glaube ich auch nur für eins oder sogar
zwei Jahre maximal geplant, dass das jetzt 2026 immer noch hängt.
Ja, manchmal dauert das ein bisschen länger, aber umso besser für die, umso schöner für die.
Wir müssen vielleicht jetzt auch ganz kurz mal erklären, was wir hier sehen.
Wir sind jetzt gerade in der B-Ebene vom Hauptbahnhof und in dieser B-Ebene
wurden halt von verschiedenen,
ich glaube vier unterschiedliche Straßenfotografen aus Frankfurt und Umgebung,
wurden deren Bilder großflächig an die Wände projiziert durch eine Folie.
Und es ist, denke ich, für jeden von denen eine unfassbar große Ehre,
dass die hier in so einem Rahmen auch ausstellen können. Hier schon wieder der Herr Lauterbach.
Sehr gut repräsentiert hier in der Ausstellung. Genau, hier gleich zweimal, dreimal.
Ja, also eine tolle Gelegenheit, wer hier Umsteigzeit in Frankfurt hat,
einfach mal in diese Ebene, das ist die B-Ebene, sagst du?
Genau. Die B-Ebene zu gehen. Und zwar dann auch der Bereich,
also nicht vom vom vom süden sondern im norden der b-ebene.
Street photography aus frankfurt vielleicht ein
ganz guter ort hier dieser kleine abstecher den wir
jetzt hier machen um über deine dein weg in die street photography ein bisschen
zu sprechen wie bist du da hingekommen aber ich habe mal auch schon mal gehört
dass du dieses label wenn man so nennen
wollen street photography für der Street-Fotografie nicht so gerne hörst?
Nein, also ich sage halt für mich immer, es ist für mich Alltagsfotografie.
Ich meine, wir sind in der Street-Geschichte, also wir gehen jetzt mal hier
noch mal lang, wir gehen aber gleich wieder zurück, weil wir müssen nämlich
nach da dann zum Auto, weil wir haben noch eine weitere Station.
Und ja, für mich sind es Alltagsfotos. Ich finde diese Street,
finde ich so, weil es sind so, das ist so mittlerweile wie, wie wenn man sagt, Heavy Metal.
Heavy Metal ist nicht Heavy Metal. Es gibt die, die, die, die, die.
Ich weiß nicht, also das ist so für mich, da haben sich so viele mittlerweile
in den letzten Jahren so viele unterschiedliche ...
Interzenten rausgebildet. Ja, und ...
Ich finde das halt schwierig. Ich finde es halt wirklich schwierig.
Und ... Ich finde auch die Bilder, die finde ich auch alle super.
Aber auch hier ist es dann oftmals so, ohne jetzt, das ist meine,
ganz meine, ich finde es immer schade, warum das nicht auch in so eine Geschichte
vielleicht verpackt ist.
Ja, weil wir haben jetzt zum Beispiel, achso, das ist sogar dasselbe Bild hier vorne.
Ich habe nämlich gerade gedacht, das habe ich doch gerade schon mal gesehen,
weil man alles irgendwie dann schon mal gesehen hat.
Also ich sehe dann plötzlich keinen großen Unterschied mehr bei so manchen Fotografien.
Vielleicht aber auch, weil ich da zu nah dran bin, also jetzt auch gerade,
weil ich dieses Hochhaus hier selber schon 50 Mal fotografiert habe.
Ja, dann hat das für mich nicht mehr diesen Alleinstellungsmerkmal.
Ist ganz schwierig. Ja, wie ich dazu gekommen bin, Ich hatte gerade hier als
Jugendlicher, jetzt sind wir, glaube ich, eins hoch.
Jetzt habe ich hier selber gerade die Orientierung verloren.
Kein Problem. Wir lassen mal diese Musik ein bisschen hinter uns hier, die sehr dominant wird.
Allerdings. Ja, ich hatte damals so mit, ich habe viel gemalt. Und ich habe...
Ich habe viel, also auch meine Gedankengänge habe ich immer eigentlich mit Malerei aufgebaut.
Oder auch gerade als ich dann das erste Mal Wildstyle, das war 82,
ich dachte, das wäre so ein Film über Breakdance, aber tatsächlich war es ein Film über Graffiti.
Und das hat mich so angefixt,
dass ich auch dann von meiner Mutter immer die Kamera genommen habe und habe
im Prinzip Straßenszenen fotografiert, die ich dafür genutzt habe, um sie nachzuzeichnen.
Am Anfang hatte ich immer irgendwelche Comics nachgezeichnet,
also vor allem Matt und Don Martin und wie sie alle heißen, die da drinnen waren,
und habe das quasi immer so für mich als Vorlage benutzt.
Ich mache hier runter.
Und dann hatte ich, als ich in Irland war, hatte ich mir so eine kleine Lumix,
Panasonic war das, so eine Taschenkamera.
Und da habe ich so, das war so für mich so ein, wo ich sagte, ich möchte ganz gerne,
mal jeden Tag dokumentieren, also wie ich in dem Bus, wie ich morgens aufstehe.
Also wirklich habe ich dann für mich so ein inoffizielles Tagebuch mit meiner Kamera gehabt.
Und irgendwann hatte ich mal, weil mich jemand gefragt hat im Pub,
hier, du hast immer deine Kamera dabei.
Und dann habe ich ihm das dann gezeigt, mal so einen Ausschnitt von dem,
was ich gerade an dem Tag auch fotografiert habe. Und dann sagte er so zu mir,
du bist ja Straßenfotograf.
Und da war das so für mich 2006, das erste Mal, als ich diesen Begriff gehört habe.
Aber nichts mit ihm anzufangen wusstest?
Nö. Und ich hatte dann, 2010 darum, hatte ich über einen Horrorfilm,
den ich mir angeschaut habe,
da war ein Straßenfotograf, der im Prinzip eine Szene fotografiert hat im Subway.
Und da ist es das zweite Mal so für mich aufgeploppt.
Und da hatte ich mich dann schon eher damit beschäftigt, habe mir auch mal ein
Buch gestellt über Straßenfotografie,
aber das war dann wieder weg, weil ich auch gerade halt durch meine Fotografie
und Beruf immer sehr eingebunden war, dass ich eigentlich für das,
was ich am liebsten eigentlich im Privaten gemacht hätte, keine Zeit hatte.
Und dann war das weg. Und ich hatte dann irgendwann 2014, 2015 hatte ich dann
einen Bruch für mich, wo ich gesagt habe, ich möchte ganz gerne wieder für mich
fotografieren als meine Kunst.
Und habe dann von heute auf morgen, habe ich dann im Prinzip all das,
habe meine ganzen Kunden, ich habe es im Prinzip, habe alles storniert.
Also alles auch, habe keine Aufträge mehr angenommen und habe aber auch selber
in dieser Zeit fast zwei oder sogar drei Jahre nicht fotografiert.
Ich warte jetzt gerade auf mein Ticket, deswegen habe ich das gerade in Pause
gemacht. Und habe ich also gar nicht fotografiert.
Und habe dann so 2018, dann kam so nochmal dieses Tweet wieder neu auf, so für mich.
Und dann habe ich so auch das erste Mal bei Instagram tatsächlich dann auch
wahrgenommen, da gibt es ja noch mehr Bekloppte wie ich, die das selber machen.
Und so habe ich dann auch zum Beispiel den Stefan Lauterbach kennengelernt.
Oder auch den Achim Katzberg. Und,
Und wir hatten dann zufälligerweise, das war 20, hatten wir eine Ausstellung,
wo ich daran teilgenommen habe, wo ich einfach so, ich will jetzt einfach mal
Bilder von mir zeigen und mal gucken, was die anderen machen.
Und da haben wir uns das erste Mal persönlich getroffen.
Und seitdem ist das im Prinzip dann wirklich gewachsen.
Also durch diese Begegnung dann auch mit den beiden. Und da kamen noch andere dazu.
Und das war einfach dann echt eine sehr, sehr schöne Erfahrung.
Warum ich jetzt hier stehen bleibe?
Im Parkhaus unter dem Frankfurter Hauptbahnhof sind wir jetzt.
Genau. Weil hier geht es nämlich runter. Und das hier ist der Atomschutzbunker von Frankfurt.
Deswegen auch hier dieses Runde. Wenn du vielleicht so Filme kennst wie Wargames,
wo dann also wirklich so diese Runden, also das ist jetzt nicht mehr,
der ist nicht mehr intakt. Aber das wäre im Prinzip der Atombunga von Frankfurt.
Ja, dann gehen wir jetzt mal zum Auto.
Ja, und seitdem bist du hier in der Frankfurter Street-Fotografen-Szene auch aktiv.
Ich erinnere mich, wir hatten uns mal hier bei einem Streetwalk auch schon mal gesehen.
Da passiert ja auch sehr, sehr viel hier rund um das Kollektiv Collateral Eyes.
Dann gibt es noch ein anderes Kollektiv hier, die, glaube ich, eher analog.
Ja, da gibt es noch, also ich bin aber nicht so in diesem Thema drin,
aber ja, halt Correter Eyes, also das ist so, wo man sich dann auch,
also ich versuche es zumindest, dass ich dann, wenn ich es dann einmal im Jahr
schaffe, dann sage ich, hey, super und ja, man muss ja auch halt immer gucken,
aber das ist dann immer ganz schön, wenn man sich dann immer mal wieder sieht.
Und nicht alles nur über Instagram. Und ich glaube, das war auch 2020,
2021, ich glaube, das war auch so der Punkt, wo jeder raus wollte,
weil das war ja gerade direkt nach Corona.
Und ich glaube, auch in dem Jahr hatte damals der Stefan,
Ach, wie heißt der nochmal? Aus Nürnberg haben die ja, glaube ich,
damals dieses... Samuel. Ich meine, Samuel war es.
Dass die zwei, glaube ich, hier dann dieses Meet & Street dann auch ins Leben
gerufen hatten, was ja dann im Folgejahr dann im Hannover war.
Ja, und in diesem Jahr in Freiburg.
Genau. Und das ist eigentlich, finde ich, auch eine ziemlich coole Sache,
dass aus so einer Idee, was da draus geworden ist, einfach sensationell.
So, jetzt sind wir am Auto.
Und jetzt fahren wir nochmal zu einer anderen Station.
Ja.
Kommt mal auf. Ich habe leider noch von meiner Lesung gestern alles hinten drinnen liegen.
Gestern, das war ganz spannend, das war im Fotoclub Karben, wo ich eine Lesung hatte.
Und das ist natürlich immer eine besondere Herausforderung, wenn du gerade halt
mit so einer Präsentation, also in dem Fall war es eine Präsentation,
ich habe das ja an sich, eigentlich am liebsten immer mit einer Ausstellung.
Das ist auch jetzt bis jetzt auch nur, ich glaube das war jetzt die dritte,
wo ich das Ganze auf einem Screen habe präsentieren müssen das war einmal in
Heidelberg beim Leica Store,
dann nochmal bei einem Buchhändler weil da einfach nicht der Platz war und jetzt
halt da in diesem Fotoclub kamen weil es ist schöner, wenn du dann einfach auch
mal vor den Bildern verweilen kannst weil ich dort nochmal 45,
weitere Fotos zeige, die ich ich muss gerade nochmal aussteigen,
ich habe nämlich mein Parkticket Okay, hinten in der Hinten.
Aber wo waren wir jetzt gerade stehen?
Bei der Ausstellung.
Achso, genau. Ja, weil einfach halt die Leute dann nochmal die Zeit haben,
einfach sich auch das Ganze anzuschauen.
Und wenn ich das halt bei so einer Lesung, dann läuft es zwar im Hintergrund,
aber dann ist halt auch die Konzentration ist dann einerseits zuhören,
aber dann auch immer wieder mit Ablenkung auf die Bilder.
Und das finde ich dann immer so ein bisschen schade.
Und wie gesagt, das war gestern durch den.
Fotogluck haben, was an sich sehr gut gelaufen ist, war das trotzdem eine Herausforderung.
Also ich stehe da eh extrem innerlich unter Druck bei sowas.
Also ich bin da, wie bei der ersten Lesung, immer ziemlich aufgeregt.
Also das ist, also ich weiß nicht, ich habe das ja bei dem, habe ich das erwähnt
gehabt, weil ich auch halt schon seit Kind immer mit Lekasthenie zu tun habe.
Jetzt haben natürlich viele schon gefragt, wie kannst du denn schreiben und so weiter.
Es ist halt eine enorme Anstrengung. Also es ist halt eine extreme Anstrengung,
gerade in der Konzentration.
Nur so funktioniert es dann auch. Aber ich könnte jetzt nicht einfach so nebenbei.
Man hast ja selber gemerkt, ja, plötzlich, weißt du, Gedanken ganz woanders
und dann, äh, wo habe ich das mal getrickert?
Und das ist dann halt schwierig. Und so habe ich dann auch für mich früher dann immer diese Sachen.
Und da ist es halt bei so einer Lesung, es ist immer wie die erste Lesung.
Also ich, auch wenn ich weiß jetzt, ich habe jetzt gestern manchmal meine,
meine, ich glaube, das war jetzt die 17.
Lesung, die ich gehabt habe, von November letzten Jahres bis jetzt.
Und es ist aber immer die erste. Also es ist für mich immer die erste Lesung, die ich mache.
Ja, ich glaube so der Moment davor, den erlebt fast jeder so,
der sich vor ein Publikum stellt.
Da gehört eine gewisse Nervosität dazu.
Aber ja, das gibt sich dann meistens, wenn so die ersten Minuten vergangen sind
und man im Thema drin ist. Das ist ja auch bei solchen Themen,
mit denen man sich sehr, sehr intensiv auseinandergesetzt hat,
dass man da häufig denn gar nicht diese intensive Vorbereitung auch braucht
und häufig dann auch von dem abweicht, was man sich vielleicht vorgenommen hat
im Rahmen so eines Vortrags.
Gehst du dann selber auf so Fotoclubs zu und fragst, ob da Interesse besteht,
diesen Vortrag zu halten oder kommt man da auf dich auch häufig zu?
Weil du hast das ja jetzt schon öfter gemacht.
Also unterschiedlich. Also ich hatte ganz klar am Anfang hatte ich schon hier und da gefragt.
Ich frage auch immer noch, also es ist jetzt nicht so, dass ich das eingestellt habe,
aber es kommen halt durch diese Lesung natürlich dann auch neue oder andere
Kontakte zustande, wo die mich dann darauf ansprechen, die oftmals gar nicht
vermuten, was dahinter steckt,
was da eine Intensität auch da ist.
Gerade auch durch meinen persönlichen Blick, den ich da mit einbringe.
Also nicht wirklich das von außen, sondern von innen heraus.
Und dann auch noch meine eigene Geschichte dort mit reinbringe,
wo viele auch als sehr mutig empfinden.
Und es war bis jetzt auch immer so, dass erst mal Stille war.
Die mussten das erst mal alle dann sacken lassen.
Und das war auch gestern der Fall, wo auch wieder interessant war.
Wie gesagt, das waren alles Fotografen.
Und wo ich eigentlich, wenn ich jetzt mal von Heidelberg, Leica Store,
da ging es wirklich dann auch um die Fotos.
Also um die Fotografie als solches.
Und das hatte ich eigentlich gedacht, dass der Schwerpunkt in einem Fotoclub,
dass wir jetzt auch über die Fotografie sprechen.
Aber das war nicht der Fall. Also wir hatten wirklich nur kurz über Fotografie
gesprochen und der andere, das ging um allgemeine Themen, dann halt um das,
was ich halt gelesen habe.
So wie wir das jetzt auch gemacht haben. Wir haben bisher auch noch wenig über
Fotografie gesprochen.
Das würde ich gerne auch nochmal mit dir natürlich jetzt machen,
wie du da fotografisch auch rangegangen bist.
Also natürlich mit diesem Thema und diesem Umfeld, in dem du dich da bewegt hast,
dann kommt die Kamera nicht als erstes mit ins Spiel, sondern es geht eben auch
darum, in der Situation erstmal anzukommen, auch dem Gegenüber dann ein gutes Gefühl zu vermitteln.
Ab wann hast du dann auch mal die Kamera mit hinzugenommen und wie schwer ist
es dir dann auch gefallen,
nachdem du diese bedrückenden Lebensgeschichten gehört hast,
dann dort in den Modus des Fotografen zu wechseln?
Also ganz unterschiedlich. Also bei der Polizei beispielsweise hatte ich vom
ersten Moment an die Kamera.
Die hatte ich sogar schon quasi wie so ein Warmmachen, hatte ich die schon davor
umhängen und habe auch schon Fotos gemacht.
Wie war da vorher die Absprache? Also du bist mit einer Streife mitgelaufen?
Genau, also ich hatte über einen Freund, den hatte ich gefragt,
unverbindlich, ob er ist bei der Polizei, meinst du, da gibt es so eine Möglichkeit,
dass ich da mal im Bahnhofsfeld, habe ich ihm kurz von meinem Projekt erzählen, so, da findet er cool.
So, da fragt er, er fragt mal. Ich hatte zwei, drei Tage später,
hatte ich schon eine Nachricht von ihm, sagte, hier, ich gebe dir eine Telefonnummer, ruf die mal an.
Dann habe ich dort angerufen und dann hat dann der, der angerufen hat,
ja, schick mir mal eine E-Mail mit deinen Kontaktdaten.
Und dann kam dann auch, das ging alles innerhalb von einer Woche,
dass ich dann einen Termin hatte, wann ich vorbeikommen möchte.
Und da habe ich gesagt, am liebsten an einem Freitag. Und er sagte,
ja, dann kommst du wann, was für eine Streife willst du nehmen?
Und das ging komplett unkompliziert.
Und dann war ich an einem Freitag ab 17 Uhr, glaube ich, bis abends 21 Uhr,
war ich dann mit auf der Streife.
Also quasi dann in dieser letzten Schicht von denen oder in der Schicht von
denen und dann durfte ich mitgehen.
Und es war dann auch so, dass die alle, also die wussten alle Bescheid und dann
habe ich, wie gesagt, aber wirklich dann vom ersten Moment an fotografiert.
Also das war dann auch, wo ich gesagt habe, also da nehme ich jetzt auch keine
Rücksicht, weil dann verliere ich mich vielleicht.
Und es gab aber dann Situationen, wo ich mich zurücknehmen musste,
dass ich da nicht fotografiere. war.
Also da hat es, ja, das waren Festnahmen, das waren Situationen,
wo jemand zum Boden gedrückt wurde, wo.
Unterschiedlichste Art und Weise, wo jemand wirklich gekotzt hat bei so einer
Festnahme, die aber jetzt nicht auf der,
das muss man halt dann wirklich auch unterscheiden, also die nicht jetzt von
einer Polizeigewalt ausgeht, sondern die einfach der Situation, wenn da einer,
der rotzevoll ist und der macht nur einen falschen Schritt, dann kotzt er.
Also so ganz primitiv sich das auch anhört, aber so war es.
Und das sind dann einfach Dinge, wo ich dann zurückgenommen habe.
Oder halt, wo ich wusste, ich das einfach schon im Vorfeld, du hast schon Antennen,
wo du gemerkt hast, okay, hier jetzt zu fotografieren, Herr Unger, ist nicht ratsam.
Weil du bist, auch wenn du mit der Polizei hier in so einem Schutzgürtel bist,
bist du aber auch irgendwann anfällig.
Weil spätestens dann, wenn du aus der Polizei dunst rausgehst und willst wieder zu deinem Auto.
Und das waren dann schon so Momente, wo ich gesagt habe, nee,
also hier lasse ich jetzt immer mal die Kamera weg.
Aber das waren dann Linien, die du für dich selber gezogen hast und keine Vorgaben der Polizei.
Das hätte ich alles mitnehmen können. Ich habe auch alles, was ich auch an Polizei
fotografiert habe, die auch speziell gesagt haben, also du kannst uns zeigen,
also wir müssen die Bilder auch gar nicht sehen.
Ich habe die trotzdem dann für mich verpixelt im Buch, weil ich mir einfach
gesagt habe, okay, ich weiß nicht, was die vielleicht wirklich dann,
wo deren Karriere hingeht.
Und wo ich dann gesagt habe, es macht auch für mich keinen Unterschied,
geht, weil die Gesamtszene als solches, die ist klar und bei so einem kleinen Bild,
wo der Kopf noch nicht mal groß ist wie ein Cent, was will ich da an Gesicht erkennen?
Deswegen habe ich gesagt, dann machst du den wenigstens so ein bisschen,
dass da so, siehst du nicht.
Wenn ich den aber dann auf die volle Größe ausgeprintet habe in der Ausstellung,
da zeige ich diese Person dann auch.
Aus der Begleitung der Polizeistreife, was für Motive, was Bilder sind dann ins Publikum gekommen?
Wie viel oder?
Nee, nee, was für Motive?
Es waren, einmal war es ein Porträt von einer Polizistin, aus dem Grund, weil ich die,
also alle Polizistinnen, die ist für mich nur symbolisch, die machen da einen
Job, der ist, das ist unfassbar mutig und gut und richtig.
In einem Milieu, wo wir jetzt gerade waren, wo nicht unbedingt immer eine Frau,
als die Respektperson schlechthin dargestellt wird, sondern die eigentlich immer
eine niedere Funktion hat.
Und ich auch vieles erlebt habe, wo ich nur gedacht habe, Mensch, wie hältst du das aus?
Ich will nicht sagen, wie hältst du Mädchen das aus? Also Frau,
wie packst du das? Und das finde ich einfach extrem stark.
Also das war mir wichtig.
Ich habe dann aber auch Festnahmen, die ich aufgenommen habe,
aber auch Situationen, wo sie in der Hilfe mit Krankenwagen,
weil da war gerade jemand,
ich glaube, es war sogar eine Sie, die hat sich, da standen wir auch,
an so einer öffentlichen Toilette, die sich da aus Versehen eingesperrt hatte.
Und mal gucken und die sich dort eingesperrt hatte und ja.
Und ja, also wo dann auch die Polizei mit Krankenwagen beziehungsweise mit den
Ersthelfern, wo wirklich dann auch jede Hand in Hand geht.
Und das war mir auch wichtig. Also das waren so diese Momente,
die ich dort mit reingenommen habe.
Mit diesem Projekt bist du dann praktisch dann angefangen, als du die ursprüngliche
Idee für das Street-Buch Ad Acta gelegt hattest und hast dann versucht,
die einzelnen Facetten abzubilden, die eben dieses Milieu auch ausmachen und
die Protagonisten zu zeigen.
Bist du da bewusst vorgenommen?
Hast du dir einen Plan vorher gemacht? Hast du dir überlegt,
mit wem, wer muss da drin alles vorkommen?
Oder ist das alles sehr, sehr organisch entstanden, dieser Prozess?
Es ist vieles sehr, sehr, sehr organisch entstanden.
Also ich bin auch niemand, der jetzt da großartig Pläne macht, weil das wird nichts.
Und ich will jetzt gerade mal hier versuchen, ob ich jetzt hier rüberkomme.
Ja, sieht gut aus. Passt. Ja, also ich bin da, wie gesagt, also ich bin da,
ich habe das auch, ich habe auch die, ich hatte so eine grobe Kapitelstruktur,
nenne ich es mal, weil ich wusste, okay, da muss ich ungefähr hin.
Aber ich glaube, diese Kapitelstruktur habe ich innerhalb des Prozesses bestimmt zehnmal umgeworfen.
Auch Bilder, die ich drinne hatte, wieder rausgenommen habe.
Und das war ein Prozess.
Das sieht man dann aber auch erst, wenn man es mal ausliegen hat.
Und also das muss man machen.
Also da kann auch, wie gesagt, da kannst du ein Storyboard haben,
da kannst du sonst irgendwas haben.
Wenn du das vor dir liegen hast, dann siehst du erstmal, was funktioniert und
was nicht funktioniert.
Und selbst das, wo ich mir dann gedacht habe, okay, mit dem funktioniert es
und auch da habe ich dann plötzlich Lücken entdeckt, wo ich gesagt habe, okay,
Das brauche ich jetzt noch. Zum Beispiel Security. Das war noch nicht von Anfang
an klar, dass ich zum Beispiel den Robbe, wo wir jetzt drauf gewartet haben,
der leider nicht da war, dass ich den auf jeden Fall, ich brauche den,
den habe ich völlig vergessen. Und der kam dann noch dazu.
Dann auch diese, ich dachte zum Beispiel jetzt bei der Weserstraße,
das war das letzte Kapitel,
was ich im Prinzip, also nicht im Buch, sondern das war, was eigentlich entstanden
ist, weil ich bin dort hingegangen, um das Debitel-Hochhaus zu fotografieren.
Das war der eigentliche Grund, weil mir hatte ein Bildgeld mit Hochhaus,
auch mit, weil ich hatte eins mit meinem Smartphone gemacht,
wo ich sagte, nee, das geht auf gar keinen Fall.
Das muss schon alles aus einem Guss sein, habe mir dann noch extra ein Objektiv
dafür bestellt, damit ich nur dieses eine Bild habe.
Und da habe ich die gesehen. Und durch dieses Foto, wenn ich da nicht hingegangen
wäre, hätte ich die gar nicht erlebt.
Und das war natürlich ein Geschenk, wo ich sage, das gibt nochmal eine ganz
andere Ebene, die ich die ganze Zeit gesucht habe und die ich gebraucht habe.
Und das ist dann auch hier wieder der Zufall. Und das ist ja wie so schön in
dieser Straßenfotografie, wo ich immer sage, du kannst da kompositieren.
Komponieren, komponieren, ja, wenn du dein Foto da zusammenstellst.
Gestalten, dein Foto gestalten.
Ja, danke.
Und und,
Es ist letztlich ja der Zufall, der ja dieses Bild dann doch irgendwo bestimmt.
Und plötzlich hast du etwas, was du in deinem Kopf hattest und dann siehst du
das Bild und da ist aber eine ganz andere Szene in diesem Foto,
was noch viel stärker ist, wie das, was du eigentlich wolltest.
Und so ist es da genauso gewesen, dass plötzlich Dinge, die erst mal,
die ich total gehypt habe, man sagt, nee, eigentlich weg.
Oder wirklich halt reduzieren.
Das war so dieser ganze Prozess. Und das hat halt insgesamt mit allem Drum und
Dran, war ich ja auch Fotos, die ich schon hatte,
die ich also auch neu gemacht habe, bewusst, weil ich ja auch alles aus einem
Kamerasystem haben wollte,
wo ich dann komplett auch viele Dinge dann auch altes, neu fotografiert habe.
Und ja, das hat als Instrument circa zwei Jahre, anderthalb Jahre ungefähr.
Ja, und die Geschichten, hast
du dir immer dann kurz danach Notizen gemacht, um das frisch zu halten?
Oder hast du, während du in den Situationen warst, ein Diktiergerät mitlaufen
lassen, damit du da nichts vergisst und das nachher alles wieder hervorholen kannst?
Also ich habe teils, teils, also manchmal habe ich direkt mit aufgenommen.
Also wenn wir jetzt hier uns unterhalten, damit ich das nicht vergesse,
würde ich dich fragen, kann ich das mit aufnehmen?
Dann habe ich das einfach mit aufgenommen und habe mir dann im Prinzip das Ganze
nochmal angehört, habe das auch dann mal transdisziubiert.
Genau, und das war dann einfach so meine Hilfestellung.
Ich habe aber auch, dass ich nach Hause gefahren bin und habe dann hier mein
Telefon draufgelegt und habe von hier bis ich zu Hause war, habe ich diese ganze,
alles, was ich jetzt gerade erlebt habe, aus der Erinnerung dann nochmal ausgesprochen,
weil das kann man gar nicht alles sich behalten.
Ich rufe jetzt mal den Nulv an.
Hi, bist du schon in der Kirche oder bist du zu Hause? Würdest du kommen oder
sollen wir zu dir kommen?
Prima. Ja, ja, ja, alles gut, kein Problem. Bis dann, ciao.
Der ist selber noch im Zoom-Call drin und kommt dann aber gleich. Ah ja, okay. Ups.
Wen treffen wir jetzt?
So, das ist der 0A James, schade James. So, 0A, schade James.
Das ist hier der Facher der Gemeinde im Gallus, der evangelischen Gemeinde, Kirchengemeinde.
Ulf ist seit 89 hier und er lebt offen homosexuell, ist verheiratet mit einem
Mann, hat einen Ziehsohn.
Sein Ziehsohn ist jetzt vor kurzem erst Vater geworden.
Was ihn Augenzwinkern, das habe ich auch so im Buch geschrieben,
zur Nonne macht, wie er selber sagt.
Weil er kam und sagte, ja Dennis, da kommt er zu mir und sagte,
du bist Opa geworden. Ich bin doch kein Opa.
Wie halten Sie sich das an? Ich bin doch kein Opa. Aber dann habe ich nachgelesen
und ich darf mich Nonne nennen. Ist das doch schön, ich bin eine Nonne.
Und er ist aber auch unter anderem Trackqueen. und hat sogar jetzt nächsten Freitag hier eine,
also als Track Queen ist er unter dem Namen Kreta Gallus, auch wohl eine echte Größe.
Und also in diesem Bereich auf jeden Fall.
Und die haben nächste Woche, Freitag, haben die hier auch eine Travestie-Gala
in der Kirche. In der Kirche. In der Kirche, ja.
Und das ist auch sensationell. Und das ist dann auch wieder Frankfurt ist klein.
Ich kenne jetzt den Nulv persönlich eigentlich erst seit diesem Projekt.
Aber man hat das Gefühl, dass man sich schon ewig kennt.
Ich habe das natürlich 1989, als er hierher kam. Es war natürlich ein Lauffeuer, ein schwuler Pfarrer.
Was dann auch selbst meine Oma zu mir gesagt hat, Dennis, wenn du nichts wirst, wirst du Pfarrer.
Oder dann halt, was weiß ich, hier haben die kein Geld mehr,
dass die uns hier da so Schwuchschule einstellen.
Also es war halt schon sehr hart und sehr diskriminierend, ihm gegenüber,
zumal auch wir früher in der Taunusanlage in Frankfurt, wird,
wo jetzt das Euro-Zeichen ist, das war so dieser große Treff,
damals, auch so in den 80ern, für.
Drogenabhängige, die dort also auch gespritzt haben.
Aber es war auch ein Treffpunkt von vielen Schwulen, die dort gecruised haben,
die also sich im Prinzip dort in diesen Park verabredet haben.
Oder einfach mal geguckt haben, wer ist denn da?
Und da, also jetzt nicht nur hier aus dem Gallus oder Kamerun,
wir sind jetzt hier in Kamerun, sondern so umliegend hat man sich dort zum schwulen Klatschen verabredet.
Also ziemlich wirklich übel. Ach, Gude!
Und das war halt schon heftig. Das war echt heftig.
Und kann man sich gar nicht mehr so vorstellen. Aber er hat diese Zeit wirklich
mit seinem Charme und auch mit seinem, wie er ist.
Er ist ungeschminkt. Das ist ja auch so dieses Thema.
Und selbst wenn er als Greta Gallus geschminkt im Palettenkleid,
er ist ungeschminkt. Er ist so, wie er ist.
Und das finde ich einfach sensationell. und dass dieser Mann diese Kraft hatte,
und es hat auch bewiesen, dass es diese Kraft braucht, um auch beständig zu bleiben.
Weil die, die damals so laut geschimpft haben, fressen dem heute regelrecht aus den Händen.
Die sind so froh, dass dieser Mensch da ist. Das finde ich einfach sensationell.
Das finde ich so, so, so, so, so geil.
Ich hatte damals, als wir, wie gesagt, ich kenne ihn schon länger persönlich
kennengelernt, habe ich ihn erst jetzt.
Wobei auch meine Tante, die ja auch im Buch vorkommt, quasi meine Cousinen oder
Cousins, die wurden auch von ihm getauft, die wurden hier konfirmiert.
Aber den persönlichen Kontakt erst, wie gesagt, jetzt bei dem Projekt.
Und ich hatte mal bei einem damals von einem Nachbarsjungen von uns,
wir wussten schon immer, der ist auf die Welt gekommen.
Der Junge ist schwul, was nicht schlimm ist, aber wir wussten, der ist schwul.
Aber er ist in so einem heterogenen Umfeld groß geworden, dass das für den so,
so brutal schwierig war, um immer so zu funktionieren als der Junge.
So nach dem Motto, hier geh mal runter und sortier mal die Schrauben,
damit du normal wirst, nach dem Motto.
Und als der Junge damals hier in die Kirche gekommen ist als Konfirmand,
hat das der Nulf sofort realisiert, was da nicht nur bei ihm im Kopf,
sondern was auch in seinem nahen Umfeld.
Und das war das Beste, was diesem Jungen passieren konnte, dass er da jemanden
hatte, wo er aufgefangen ist.
Und das ist was, wo ich einfach sage, also dieser Mensch, der ist einfach sensationell.
Ich habe schon so viel über den erzählt und auch geschwärmt zu Hause,
dass sogar meine Frau irgendwann mal gesagt hat, ja dann heiraten doch.
Und mit dieser Geschichte ist er dann auch in dem Buch? oder welche.
Ja, genau, genau.
Ja.
Ja, und ich habe ihn dann halt auch in unterschiedlichen, also ich durfte ihn
zu Hause fotografieren mit seinem Partner, mit seinem Mann.
Ich durfte ihn, hier habe ich ihn fotografiert. Ich habe ihn dann auch auf der,
na, wie heißt es hier, die Parade. Christopher Street Day.
Dankeschön, Christopher Street Day, wo ich ihn fotografieren durfte und ist einfach sensationell.
Er hat auch der einzigste glaube ich, wo ich mehr Bilder habe als Text.
Meistens habe ich dann eher viel Text, aber gleich nur ein, zwei Bilder.
Aber in ihnen habe ich im Prinzip das gerade, weil ich mir gesagt habe,
da muss es nicht viel Erklärung.
Da sagt schon das Bild mehr als tausend Worte.
Spielt die Kirche auch in irgendeiner Weise eine Rolle, was Sozialarbeit angeht,
jetzt in diesem Viertel, wo wir unterwegs waren, rund um den Bahnhof? oder ist das...
Also nicht, dass ich, also zumindest nicht, dass ich jetzt, was ich jetzt mitgenommen
habe. Also das auf keinen Fall.
Also es sind zwar natürlich auch gerade halt durch die Aids-Hilfe etc.,
die da auch bestimmt auch mit Caritas etc., aber das war jetzt nicht der,
also da wüsste ich jetzt gar nichts drüber.
Da habe ich auch gar nichts mitgenommen. Aber komischerweise,
also ich hatte ja meine ersten Lesungen, die hatte ich zum Beispiel in,
also meine ersten Testlesungen hatte ich in einer evangelischen Kirche.
Und durch diese evangelische Kirche wurde ich dann nach anderen Kirchen getragen,
wo ich dann auch viel in Gemeinden gelesen habe und ich jetzt auch gerade wieder Angebote habe,
auch mal nicht in der evangelischen, sondern in der katholischen Kirche zu lesen.
Da bin ich auch mal gespannt, weil es ist einfach so dieses Unterschied.
Also nicht nur in dem, da kommt er.
Und das war auch schön, da sagt er zu mir, weil ich habe in meinem Buch,
schreibe ich Track Performer. Ja.
Und ich sage, Dennis, wie kannst du denn sowas schreiben? Ich bin doch eine Track Queen.
Einfach schön.
Moin.
Moin.
Hast du gesehen? Schön.
Den hat mein Mann genäht.
Sehr gut. Der hat den Talakobier, das ist der Hammer. Geil. Wisst ihr,
wie schwer das ist? Das Hammer.
Nein, nicht das Material, das zu nähen. Ach so, ich habe mir das nicht mehr.
Nein, wie schwer das ist, um das zu nähen. Ich muss euch mal kurz vorstellen,
das ist der Kai Bärmann. Ja, hi Kai. Hallo.
Wir kennen uns jetzt auch schon ein bisschen länger, ich glaube seit Nürnberg,
vor zwei oder zwei Jahren.
Ja, zwei Jahre muss der Bär sein.
Und wir machen einen Podcast. Du hast es seit, oder erzähl am besten mal von dir selbst.
Genau, ich nehme das mal hier ab, das Mikrofon, damit wir dich dann auch hören, Nulf.
Wir sind auf den Spuren des Buches praktisch. Wir sind am Hauptbahnhof,
haben uns getroffen und haben mal so ein paar Stationen abgelaufen,
wo die Bilder entstanden sind, wo die Geschichten entstanden sind.
Und ja, jetzt dürfen wir bei dir sein. Du bist ja auch Teil des Buches Frankfurt
ungeschminkt. Und ja, erstmal, was hast du gedacht, als hier der Dennis auf
dich zugekommen ist mit dieser Idee?
Konnte dir das gut vermitteln, was er überhaupt vorhat?
Also, ich finde es immer cool, wenn ein Mensch kommt und sagt,
ich möchte gerne Bilder von dir machen.
Ja, also da bin ich gerne bereit zu. Und die Idee, auf diesen Stadtteil zu gucken,
mit einer Kamera, auf Menschen zu gucken, die hier leben, die hier arbeiten, fand ich großartig.
Und deswegen habe ich auch sofort gesagt, bin ich bereit, mache ich mit.
Ja. Hast du vorher schon in irgendeiner Weise eine Verbindung zur Fotografie gehabt?
Also es gibt ein Porträt von David und mir, das hängt im Historischen Museum.
Da gab es eine Fotografin, die ist durch Frankfurt gezogen und hat Frankfurter Menschen aufgenommen.
Und dazu gehören auch David und ich.
Im Augenblick hängt das Bild, glaube ich, im Sozialrathaus. Aber es hängt zwischendrin
auch immer wieder im Hysterischen Museum.
Sehr schön. David ist dein Mann?
Ja, David ist mein Mann und wir haben am Montag 30.
Hochzeitstag und werden das groß feiern. Sind also jetzt 34 Jahre zusammen und
das ist derjenige, der diesen wunderbaren Talar genäht hat, weil am Sonntag
in der Woche haben wir einen Drag-Gottesdienst.
Und da muss ich glitzern. Das geht ja nicht anders.
Jetzt wünsche ich mir, dass wir hier auch eine Kamera dabei hätten und einen
Videopodcast machen. Das machen ja einige auch schon.
Wir haben aber leider nur Audio und können diesen wunderbaren Talar nicht sehen.
Magst du ihn mal beschreiben?
Naja, er ist also von oben. Er ist eine richtige Kopie eines Talares,
was eine unglaubliche Arbeit ist, weil da ja Falten genäht werden müssen.
Es ist ein Paillettenstoff, aber die Pailletten sind nicht drauf, sondern im Stoff drin.
Und wenn die Sonne drauf scheint, dann sehe ich aus wie eine Diskokugel.
Und das Bäffchen ist auch nicht einfach nur so, sondern es hat eben auch kleine
Strasssteine und es sieht einfach cool aus.
Also ich glaube, dass ich am Sonntag dann wirklich strahlen werde,
weil wir werden natürlich auch Scheinwerfer auf den Altar werfen.
Und das wird ein besonderer Gottesdienst, kann ich schon mal sagen.
Ich werde ihn gemeinsam mit drei Transvestiten machen, die also im Gottesdienst mitwirken.
Eine herrliche Geschichte. Und als wir hier eben auf dich gewartet haben,
hat Dennis schon ein bisschen was erzählt, wie du auch hier in diese Gemeinde gekommen bist.
Dass das am Anfang nicht ganz leicht war, dass du da auch mit Vorbehalten kämpfen musstest.
Und beschreib mal selber diese Phase hier, in diese Gemeinde zu kommen und wie
das damals war. Das waren ja ganz andere Zeiten damals noch.
Also man muss sich das vorstellen, das war 1989. Und da sah Deutschland und
die Welt noch ganz anders aus.
Dass da waren homosexuelle Menschen wirklich noch Abschaum oder wurden verächtlich
betrachtet und vor allen Dingen, weil die Menschen auch nicht wussten,
was machen die eigentlich ja und was leben die und es gab diese Subkultur,
die gab es gerade hier in Frankfurt an allen Ecken und Enden,
die öffentlichen Toiletten und die Parks und so.
Aber davon hat die bürgerliche Gesellschaft wenig mitbekommen.
Und dann kommt eben ein schwuler Pfarrer ins Gallus.
Das war eigentlich eine sehr konservative Gemeinde. Und jetzt komme ich.
Und am Anfang war ich sehr zurückhaltend. Ich wollte auch nicht gleich mit der
Tür ins Haus fallen, rosa Winkel an die Brust heften und sagen,
hallo, hier bin ich, sondern ich kam mit einer Kollegin.
Und dann dachten natürlich alle erstmal, aha, der kommt mit einer Kollegin,
das ist seine Freundin, das wird seine Frau werden.
Das haben wir zwar immer verneint und haben gesagt, nee, das machen wir, so ist es nicht.
Naja, und dann kam 92 die Begegnung mit meinem jetzigen Mann und so eine Begegnung
verleiht einem Flügel und dann habe ich mich beim Kirchenvorstand geoutet.
Vorher hatte ich mich schon bei ein paar vertraulichen Personen geoutet und,
Ja, als wir dann 96 kirchlich geheiratet hatten, illegal damals noch in der
Jakobskirche, das ging wie ein Lauffeuer durchs Stadtteil und die Leute gratulierten uns.
Und ich glaube, sie hatten kapiert, dass da ist nichts komisch,
sondern das sind zwei Menschen, die treten gemeinsam vor Gott und führen eine
Ehe, so wie auch die Heterosexuellen ihre Ehe führen.
Gott sei Dank hat das Kirche auch mittlerweile kapiert und es gibt jetzt keinen
Unterschied mehr vorne am Altar, ob zwei Frauen oder ein Mann und eine Frau stehen.
Hauptsache sie sagen ja zu ihrer Liebe.
Ja, mit so einer Offenheit kann man ja auch Vorbild dann sein.
Und wenn man so offen dazu eben auch steht, du hast gesagt, am Anfang,
so Ende der 80er Jahre, da war ja Homosexualität noch nicht so sichtbar,
noch nicht so präsent und vielleicht ja dann auch eben gar nicht böswillig,
dass da Vorbehalte entstanden sind, einfach viel auch aus Unwissenheit sicherlich
bei Menschen, die damit nicht in Berührung gekommen sind.
Das machst du jetzt hier anders und verstehst du dich auch da in der Rolle,
in gewisser Weise auch ein Vorbild zu sein,
eine Ermutigung für andere auch, ob das die Sexualität betrifft oder andere
Bereiche des Lebens, einfach offen zu stehen, so wie man ist als Person, als Mensch?
Ich bin Pfarrer und als Pfarrer habe ich eine gewisse Vorbildfunktion.
Das heißt, ich werde hier nicht mit 50 durch die Frankenallee fahren,
sondern ich fahre mit 30, weil ich Respekt habe für den Stadtteil und für die Menschen.
Und im Grunde genommen war mein Leben immer ein politisches Leben,
weil ich natürlich nicht mich damit zufrieden gegeben habe, dass die Gemeinde
das akzeptiert hat, dass sie einen schwulen Pfarrer hat.
Ich wollte die Akzeptanz in Deutschland, ich wollte die Akzeptanz in meiner
Kirche Und dafür habe ich gekämpft und dafür bin ich auf die Straße gegangen.
Und als wir dann 2003 zum ersten Mal als Gemeinde zum CSD, Christopher Street
Day, gegangen sind, da haben wir natürlich das Schild rausgehängt,
wir sind eine Kirchengemeinde.
Weil das war ja auch nochmal die Schwierigkeit, dass die Schwulen uns Christen.
Uns homosexuellen Christen natürlich auch verächtlich betrachtet haben.
Ihr seid die Bettschwestern und ihr seid dran schuld, dass es uns schlecht geht.
Und jetzt kommen wir, also ich in dem Falle, und sage, Kirche ist anders und Kirche ist toll.
Und letzten Endes war es dann auch so. Also die Kirche hat sich geendet,
es dürfen Lesben und Schwule heiraten und es kam 2022 zum großen Schuldbekenntnis.
Also unsere Landeskirche hat sich bei Homosexuellen, bei queeren Menschen entschuldigt
für das, was man ihnen angetan hat. und das ist eigentlich das Größte, was passiert ist.
Also da war dann wirklich, es war damals schon 2002 so, als sie abgestimmt hatten,
dass sie heiraten dürfen und ich hatte die Rede in der Synode zu halten und
es gab hinterher einen großen Applaus, sagte ich zu meiner Kollegin,
wenn ich jetzt sterbe, weiß ich, warum ich gelebt habe.
Bin ich gestorben, weil es brauchte noch das Schuldbekenntnis.
Und da war es wieder dieses Gefühl, wenn ich jetzt sterbe, dann weiß ich, warum ich gelebt habe.
Ich bin immer noch nicht tot, aber ich bin jetzt so, dass ich,
ich habe gerade gestern zu jemandem gesagt, ich bin so glücklich,
dass ich diese Jahre noch drangehängt habe und jetzt im Grunde genommen eine Kür mache.
Also Anfang Mai hatten wir einen Abba-Gottesdienst, da war die Kirche brechenvoll,
deine Nichte, Cousine, Tante, Tante war da.
Und jetzt kommt dieser Drag-Gottesdienst. Erstmal als eine Idee in meinem Kopf
und jetzt bin ich dann zu den Frauen, Hilfsschwestern, die Alten und habe gesagt,
über was soll ich predigen?
Soll ich über, sie nennen mich Tunte, predigen, ein Lied von Klaus Hoffmann?
Soll ich über Rosen im Schnee predigen? Das kennen Sie, auch ein Lied von Klaus?
Oder soll ich über Shirley Bessies Lied, This is my life?
Das war mein Coming-out-Lied. Und dann haben sie gesagt, this is my life.
Und wir werden jetzt, ich werde dieses Lied als Grundlage meiner Predigt nehmen
und das mit Gott verbinden.
Und dann bin ich sehr gespannt, was dabei rauskommt. Und ich bin vor allen Dingen
gespannt, ob einige aus der Szene auch kommen, die dann sagen,
ey, wagen wir uns mal wieder zur Kirche, denn ich glaube, Kirche hat sich verändert.
Kirche hat sich sehr verändert und ich kann mir vorstellen, dass da auch ein
gewisser Stolz bei dir da mit dabei ist. deinen Teil dazu beigetragen zu haben.
Wie war das denn am Anfang, als du Pfarrer geworden bist in der Ausbildung?
Also ich stelle mir das vor, wenn ich weiß, dass da eine Institution,
Kirche ist, die meinem eigenen Lebensentwurf oder so wie ich bin,
mir eigentlich erst mal ihr Ablehn gegenübersteht.
Was hat dich dazu bewogen, dann trotzdem diesen Weg zu gehen in die Kirche?
Ich habe mit 13 Jahren entschieden, dass ich Pfarrer werde. Da wusste ich noch
nicht, dass es Schwule gibt.
Da wusste ich nur, ich möchte Pfarrer werden und ich fand das Gewand total cool.
Also es war letzten Endes erstmal der Talar, der mich begeistert hat.
Gar nicht, also ich müsste lügen, wenn ich sage, ja, ich war von Gott berauscht
oder Jesus hat mich berührt. Nein, es war die Gemeinschaft, die ich erlebt habe,
als etwas sehr Wohltuendes.
Ich war im Kinderchor, bin im Knabensopran ausgebildet worden und habe mit 13
gesagt, ich werde Pfarrer.
So, und dann bin ich durch die Schule gegangen und wie ich zu Ende war,
ich kam überhaupt nicht auf die Idee, dass meine Kirche sagen könnte,
wenn du homosexuell bist, dann kannst du nicht Pfarrer sein.
Das wurde mir aber gleich gesagt.
78 habe ich angefangen hier in Frankfurt und dann sagte der Studienleiter,
Das sollte hier jemand homosexuell sein, kann ja gleich mit dem Studium wieder aufhören.
Mein Glück war, dass ich damals noch nicht homosexuell war, jedenfalls nicht
in meinem Kopf, in meinem Körper schon.
Ich habe nichts anderes gehabt als Sexualität mit Männern, seitdem ich 15 war.
Aber im Kopf war immer noch, ich könnte ja doch auch hetero sein.
Und ich liebe ja auch Frauen und ich habe auch Frauen geküsst.
Ich habe nur nicht mit Frauen geschlafen oder beziehungsweise ich habe einmal
versucht, mit einer Frau zu schlafen.
Und das war ziemlich desertiös. Also es hat ihr komische Gefühle gegeben und
es hat mir komische Gefühle gegeben, weil wir beide dachten,
ist sie schuld, bin ich schuld?
Letzten Endes war der Befreiungsschlag dann 80, als ich dann sagte,
ich bin es und ich bin es gerne und es ist jetzt anders, als ich mir mein Leben vorgestellt habe.
Ich wollte Familienvater werden, fünf Kinder haben.
Es ist alles anders gekommen. Ich habe keine fünf Kinder. Ich habe einen Ziehsohn,
ich habe zwei Enkelkinder und bin eigentlich der glücklichste Mensch der Welt.
Und wenn du mich heute fragst, wenn du nochmal auf die Welt kommst und du hast
die Wahl zwischen Hetero und Homo, was wählst du?
Ich würde immer wieder Homosexualität wählen, weil es mir damit so gut gegangen ist.
Bei allem Schmerz und bei allem Kampf, den ich erlebt habe, ging es mir super gut.
Weil ich glaube, dass wir Schwulen irgendwann merken, wir gucken anders aufs Leben.
Und als David und ich kapiert haben, also nach elf Jahren waren wir so an einem
Punkt, wo wir sagten, Sexualität wurde immer weniger, was können wir,
wir müssen irgendwas verändern in unserer Beziehung.
Und dass wir da so offen drüber geredet haben, das hat uns beiden so gut getan.
Und deswegen feilen wir jetzt den 30.
Hochzeitstag und sind 34 Jahre zusammen.
Ja, sehr schön. Sehr schön. Das ist super.
Ich dachte, wir gehen hier die Kirche an, dann halte ich die ganzen Talat. Soll ich nicht?
Nö, ich muss hier nochmal so angucken. Ich habe hier noch nie mein Tageslicht gesehen.
Ich hätte aber nochmal eine Frage zu Frankfurt ungeschminkt.
Jetzt warst du ja auch quasi Gastgeber hier in der Kirche.
Und wie war das für dich, als du meine Lesung gehört hattest?
Erstmal toll, natürlich. Oder ich weiß nicht, worauf du hinaus möchtest.
Ja, einfach so allgemein, wie so der Eindruck auch von denen,
die dort waren, was so dein Eindruck war, wie sind die damit umgegangen, wie ist es angekommen.
Also es ist natürlich so, wir waren hier nicht in einer Frankfurter Innenstadtkirche,
nicht in der Katharinenkirche und auch nicht.
Wir waren in der Friedenskirche und in der Friedenskirche, die Menschen,
die da hinkommen und dein Buch hören, die sind diese Geschichten gewöhnt, die kennen die.
Ich glaube, sehr berührend waren wirklich die Bilder, die dann nochmal hingen,
die nicht im Buch drin sind.
Das fand ich nochmal großartig, dass man nochmal mit Menschen konfrontiert wurde,
von denen du einfach erzählt hast. Ja, schaut da mal hin und schaut da mal hin.
Als meine eigene Geschichte drankam, natürlich berührt mich das.
Aber irgendwo ist es auch so, dass ich mittlerweile schon, ja, wie soll ich das sagen?
Ich bin es schon so gewohnt. Das ist wirklich so. Und ich finde es gut, ich finde es wichtig.
Ich finde auch wichtig, dass andere die Geschichte erzählen, nicht nur ich.
Das finde ich eigentlich das Großartige auch an dem Buch. Dass du eine Geschichte
über mich erzählst, die ich sonst immer nur erzähle.
Ja, also...
Und nochmal für mich auch das Thema Drogen und Menschen, die hier am Rand sind,
La Strada und ich feiere seit 30 Jahren den Gottesdienst am 21.
Juli im Kaisersack mit völlig anderen Menschen, die sonst hier in den Gottesdienst
kommen. Also wirklich Straßenmenschen, Drogenabhängige.
Und ich spüre, wie wichtig das ist, dass wir als Kirche da sind.
Und du gehst hin und fotografierst sie. Das heißt, du gibst den Menschen,
du sagst ihnen, ich sehe dich.
Und das glaube ich, das wollen wir alle. Wir wollen gesehen werden.
Und durch deine Bilder werden Menschen gesehen. Und das finde ich ganz wichtig.
Ja, aber nicht nur durch die Bilder, sondern auch mit den Geschichten.
Ja, mit den Geschichten. Ja, klar.
Ja, ja. waren.
Also das Erste, was mir wirklich aufgefallen ist, war, dass du aus Nonno,
Nonna gemacht hast oder Nonne gemacht hast, wo ich so denke,
äh, entweder ist es ein Druckfehler. Nee, du hast mir das gesagt.
Ja, Nonno, aber es steht Nonne. Ach, Nonno, dann habe ich das falsch verstanden.
Nonno. Also es gibt noch einen Punkt, es ist der Drag-Performer und Nonno.
Drag-Performer und Nonno, also auch Drag-Performer, das ist so ein Kunstwort.
Eigentlich wäre am liebsten der Transvestit. Aber das sagt man heute nicht mehr.
Glaube ich genauso, keiner sagt das mehr. Nonno.
Nonno ist die italienische Form für Opa. Ach, ich habe Nonne verstanden.
Ja, Nonne, genau. Du hast Nonne geschrieben.
Was sollen die Leute denken? Ich erzähle das jedem, dass er sagt Nonne zu mir.
Ja, schön, dass wir das jetzt hier klarstellen konnten.
Beim nächsten, wenn es überarbeitet wird. Das hätte ich dir nochmal gesagt.
Also es ist so, dass Ninos Vater war Italiener und Kathrins Vater ist der Opa,
David ist Grandpa, weil der aus Amerika kommt.
Und dann haben wir einen Titel für mich gesucht und dann lag eigentlich Nonno ganz nah.
Also weil Ninos Vater ist gestorben und dann habe ich halt diesen Titel übernommen.
Das ist euer Ziehsohn, der dann Vater geworden ist.
Unser Ziehsohn, der zwei wunderbare Kinder hat, einen Jungen,
ein Mädchen Und diese Kinder nennen mich Nonno.
Und mittlerweile übernehmen das auch Leute hier schon, Kinder aus der Gemeinde,
weil wir ja auf Gemeindefreizeit sind, dann rufen die Nonno.
Ja, so ist das. Nein, ich habe jetzt nicht unbedingt etwas entdeckt,
was ich vorher nicht wusste.
Sondern ich gucke natürlich auch drauf, ist das richtig wiedergegeben?
Oder ist das auch ein Stück Fantasie des Fotografen?
Und das habe ich in meinem Fall überhaupt nicht gehabt.
Ich kann mich nur an eins erinnern, wo du gesagt hast, das Bild,
wo du so im Palettenkleid quasi, das war auf dem CSD, wo du so dastehst,
wo du gesagt hast, das ist mega.
Ja, also dieses Bild, das ist in schwarz-weiß, ich kenne es aber auch in Farbe.
Taucht auch in dem Film auf.
Es ist ja auch nochmal interessant, zu der Zeit, als diese Bilder entstanden
sind, war ich gerade mit einer Crew beschäftigt aus Wiesbaden,
die ein Porträt über mich gemacht haben. Es war eine unglaublich spannende Zeit.
Also auf der einen Seite hier der Dennis mit der Kamera, auf der anderen Seite
die Studierenden mit ihren Kameras und immer ging es um das gleiche Thema.
Und es gibt in diesem Film am Ende genau dieses Bild,
wo ich da stehe in diesem grünen Kleid, die Hände auseinanderbreite und mich
einfach bewege zu der Musik und jubel über das, was möglich ist und was geschehen ist.
Und ich habe dann noch die Aussage gemacht, wenn ich mal sterbe,
dann möchte ich, dass dieses Bild gezeigt wird.
Also nicht nur das, ich möchte auch, dass noch andere gezeigt werden.
Das ist so meine Fantasie.
Am Ende sollen noch Leute nochmal durch Bilder auf mein Leben blicken. Ja, sehr schön.
Wie blickst du auf die anderen Kapitel über dieses Viertel hier,
das Gallus Viertel, Bahnhofs Viertel? Du kennst es sehr, sehr gut.
Was hat das gemacht mit dir?
Also ich liebe diesen Stadtteil und ich finde,
es ist dem Dennis gelungen, diesen Stadtteil nicht so darzustellen,
wie er gerne von den Medien dargestellt wird, nämlich als der kriminelle Stadtteil,
als der Stadt, in dem es gefährlich ist.
Sondern es wurden Menschen gezeigt, alte Menschen, hier auf der Bank der Antonio.
Und von daher war das so ein, das ist eigentlich fast so ein wohliges Gefühl.
Ich finde, es könnte noch mehr Gallus drin sein. Also es war jetzt,
ich habe noch so zwischendrin gedacht,
ach Mensch, unser Stadtteil, der hat doch noch viel mehr solche schönen Plätze,
ja, wo Kinder spielen und ich weiß, dass mit Kindern ist immer schwierig, die zu fotografieren,
aber nein, ich habe das, ja. Wie war die Frage?
Wie du, ja, du hast sie auf jeden Fall beantwortet, genau, wie dein Blick auf
die weiteren Aspekte in dem Buch waren, jetzt mit Bezug auf das.
Ich muss nämlich um vier Uhr im Altenheim sein, in Bockenheim.
Alles klar, dann wollen wir dich auch nicht länger aufhalten.
Null, vielen, vielen Dank für die Einblicke, war sehr spannend und unterhaltsam mit dir zu sprechen.
Ja, und ihr seid übrigens die Ersten, die diesen Talar sehen.
Den hat noch niemand gesehen. Mega, gell?
Vielen, vielen Dank. Tschüss. Ciao.
Ja, ich denke, das hat jetzt auch nochmal einen besonderen Einblick gegeben,
der dem Ganzen auch nochmal gut tut, oder?
Absolut, ja. Wir haben nochmal eine andere Stimme mit reingeholt hier,
eine wunderbare Geschichte gehört.
Ich denke mal, das stützt auch das, was ich am Anfang gesagt habe,
also dass das wirklich ein unglaublicher Mensch ist, dieser Null.
Und was das Viertel angeht, hast du ja auch wahrscheinlich, also hat man ja
auch rausgehört, es war das Beste, was das Viertel eigentlich bekommen konnte, dass er da ist.
Was er sagt von wegen, er hat das am Anfang geheim gehalten,
aber die Antennen hier, die sind so sensibel, die wussten das vom ersten Moment an.
Ja, ich glaube, nicht nur in diesem Fall waren die Antennen sehr, sehr fein.
Das ist, glaube ich, auch wenn man jetzt hier in diesem Viertel wohnt,
man sieht dieses Viertel dann noch viel differenzierter als jemand,
der eben mit diesem Blick von außen drauf schaut, was du ja auch erwähnt hast,
in den Medien, wie das dargestellt wird.
Ich erinnere mich auch noch im Zusammenhang mit der EM damals,
war, glaube ich, auch ein Bericht in englischen Medien, glaube ich.
Das war ja im Prinzip auch mein Trigger gewesen. Also das war ja so,
wo ich mich damals schon echt drüber aufgeregt habe, wie kann denn,
egal ob die jetzt aus England,
Italien oder sonst wo herkommen, darüber so berichten.
Die kennen doch gar nicht den Ursprung überhaupt.
Und das war für mich eigentlich dann, als ich angefangen habe,
hatte ich das eigentlich auch für mich gewohnt.
Bewusst, unbewusst auch immer im Hinterkopf, weil das hat mich wirklich damals ziemlich geärgert,
dass jemand daherkommt und über ein, man muss es nicht romantisieren,
es ist schlimm, was da abgeht, aber nur mit dem Finger pauschal drauf zu halten,
ist das Falscheste, was es gibt.
Und ich glaube, das ist dann auch der Unterschied zwischen jemandem,
der dann mit dem Handys oder mit dem Selfie-Stick durch das Bahnhofsviertel
läuft und es einfach nur abfilmt und sagt, wie schreck ist.
Und dir mit jemandem, der eben genau hinschaut, sich dann auch auseinandersetzt
mit den Menschen, deren Geschichten aufschreibt,
ihnen vermittelt, dass du sie siehst, dass du sie wahrnimmst,
dass sie nicht anonym da auf der Straße sind.
Und natürlich, wie du sagst, also romantisieren sollte man es nicht und sicherlich
auch begrenzt das, was man an Hilfe anbieten kann.
Dafür sind die Probleme zu komplex. Aber ich finde es ein tolles Projekt,
was ein sehr, sehr differenziertes Bild auf diesen Stadtteil oder diese Region,
dieses Gebiet hier wirft.
Ja, also mir geht es ja auch, ich meine, im Nachhinein habe ich mich geärgert,
dass ich mich für diesen Titel Frankfurt ungeschminkt.
Es ist Frankfurt ungeschminkt, aber ich finde, es ist eigentlich ein Titel.
Den ich eigentlich, weil jeder, also ich habe das erlebt in verschiedenen Lesungen,
die dann auch gesagt hatten, hey, das könnte bei uns genauso sein,
ob das Mannheim ist, ob das Augsburg ist.
Also jeder, der gesagt hat, jeder von uns hat in irgendeiner Form ein Viertel
oder auch zwei, drei, die genau so...
Eine Problematik und du schaust da drauf. Und das war so für mich ein Punkt,
wo ich gesagt habe, vielleicht hätte ich den doch, weil so wirkt es halt sehr
lokal, dieses Thema und immer auch Frankfurt.
Ich glaube, wenn ich dem Ganzen einen anderen Titel gegeben hätte,
wäre es nach außen hin offener gewesen, weil es ist im Prinzip jeder urbane
Raum hat diese Problematik.
Und ich bin froh, ich habe eine Einladung nach Dublin, bekommen.
Ob ich das dieses Jahr noch schaffe, weiß ich nicht. Aber ich kann dort lesen
und dass die genau das auch so für sich gesehen haben.
Wir sehen da gar nicht mal nur Frankfurt, sondern wir haben hier genau dieselben Probleme.
Mittlerweile auch in einem Ausmaß, der nicht mehr zu ertragen ist.
Von daher ist es eigentlich umso wichtiger, dass wir da jemanden haben,
der auch mal bei uns so einen Vortrag oder auch so eine Lesung hält.
Ja, dann auch gute Geschichten, die leben eben davon, dass die Wirkung eben
darüber hinaus, über das Konkrete dann hinausgeht und dass auch Menschen an
anderen Orten sich darin wiederfinden können.
Ja, ja.
Also im ersten Schritt habe ich das alleine gemacht, dass ich erstmal quasi
meine Vorauswahl hatte.
Dann kam mein kritischster Gegner, meine Frau.
Hat sie auch mit der Fotografie im weitesten Sinne was zu tun oder gar nicht?
Gar nicht. Und meine Tochter oder meine Stieftochter besser gesagt.
Weil die schaut noch mal aus einem ganz anderen Blickwinkel drauf und die sagt
dann, gut, gut, schlecht, schlecht und schmeiß das auf jeden Fall raus, gut, gut.
Also die ist da wirklich sehr direkt. Wie gesagt, die gucken da noch mal ganz
anders, vielleicht auch durch TikTok und Instagram auch noch mal eine ganz andere
Vorstellung von Fotografie.
Und wie gesagt, meine Frau war da auch eigentlich so mein härtester Gegner.
Und sie hat es sogar, als ich meine erste Lesung gehalten habe,
weil sie hat es ja nie in diesem Zusammenhang, in diesem Ganzen.
Sie kannte ja nur die einzelnen Kapitel, aber nie in einem.
Und als ich dann, ich meine, auch wenn ich das gelesen habe,
es sind ja auch nur einzelne Kapitel daraus.
Ich lese es ja nicht im Ganzen, aber ich versuche das dann schon in irgendeiner
chronologischen Reihenfolge zu bringen, dass sie geweint hat,
dass sie gesagt hat, das hat sie extrem berührt.
Und damit habe ich gesagt, okay, Bingo.
Das war so dieses Vorgehen und du brauchst immer diese Meinung von außen,
du kannst das gar nicht alleine entscheiden.
Das geht nicht, weil das ist dann zum Scheitern verurteilt, weil du hast automatisch
bestimmte Lieblinge, das ist ja auch so dieses Kill Your Darlings und dann ist
auch ein Bild, wo du sensationell findest,
kann dann auch mit eins der Schlimmsten oder einfach etwas komplett aus dem Zusammenhang reisen.
Ich hatte ja auch danach nochmal circa, also weil das war auf jeden Fall,
wenn ich meine Ausstellung mache, will ich die Ausstellung nicht mit den Bildern,
die ich dort zeige im Buch, sondern ich möchte zusätzlich Bilder.
Und jetzt hatte ich ja auch viele Bilder, die auch nicht ins Buch gekommen sind,
nicht weil sie schlecht waren, sondern weil sie einfach thematisch nicht gepasst haben.
Oder wie ich gesagt habe, also dass ich auch einige Bilder verpitzelt habe.
Es sind nicht viele, es sind vielleicht vier Stück oder sowas oder fünf.
Vier. Und zumindestens, wo ich wirklich, also wo das Gesicht an sich eine Rolle
spielt, sind es zwei Bilder sogar nur. Und...
Das war klar, dass ich die unverpixelt zeige.
Aber dann waren dort Bilder auch außerhalb von Frankfurt oder Frankfurter Bahnhofsviertel,
die aber trotzdem zum Frankfurt gehören.
Und die sind dann halt mit 45 Bildern dann in dieser Ausstellung zu sehen.
Wie gesagt, bis halt auch so ein paar wenige, die ich auch im Buch habe,
aber die sind dann losgelöst.
Und da auch war meine Frau, die reg groß, wirklich schmeißt das raus.
Was willst du denn damit?
Das ist Kacke, weg damit, also die da auch nochmal durchgegangen ist.
Also ich habe da, glaube ich, auch an dieser Serie länger gebraucht, wie bei allem anderen.
Also da würde ich gnadenlos, also nicht zur Scheidung, aber das ist dann schon,
also das berührt einen dann.
Also das muss man schon sagen, aber es ist gut. Im Nachgang,
wenn man sich das dann anzieht, nein, es war genau richtig. Ich würde heute
sogar noch, wo ich drauf auf bestimmte Bilder beharrt habe, das bleibt auf jeden
Fall, die ich heute aus der Sicht sogar wieder rausnehmen würde.
Dann nennen es halt statt 45 sind es dann vielleicht nur noch 35 Bilder,
würden aber der Sache nicht wehtun.
Ja, kann ich absolut nachvollziehen. Wir selber als Fotografen sind da häufig
in der Zwickmühle und nicht die besten Kuratoren unserer eigenen Bilder.
Ich bin ja auch gerade an einem Bildband dran, endlich ein Projekt mal zu Ende
zu führen und habe da die gleichen Erfahrungen gemacht. Das kenne ich sehr, sehr gut.
Wie ist es dir denn gegangen bei so einem Projekt, was ja dich eine ganze Weile
beschäftigt hat, über zwei Jahre?
Wann war für dich der Punkt gekommen, wo du gesagt hast, jetzt habe ich das
Material zusammen jetzt zusammen?
Geht es Richtung Druck?
Das war mit der letzten Geschichte, mit dem, was ich gesagt habe,
also die quasi am Weserbrunnen, wo ich da in dem DB Sistelhochhaus war,
da habe ich dann gesagt, so und jetzt cut.
Und das war auch gut so. Ich hatte ja dann noch eine Einladung,
die kam dann danach, wo ich dann diesen Pflasterlaster, den hätte ich auch noch mit reinnehmen können.
Es gab dann noch eine andere Situation, auch mit einem Transsexuellen,
den ich auch noch mit reinnehmen hätte können.
Es gab noch sogar einen von der Polizei, aber ich habe dann gesagt,
nein, jetzt ist einfach hier Schluss. Plus ich hatte noch sogar,
weil er gesagt hätte, er hätte mehr Gallus gehabt.
Es gab tatsächlich auch noch jemand hier aus dem Gallus.
Die Person wollte ich schon mit hinzufügen. Aber ich habe dann gesagt,
nee, weil du wirst sonst nie fertig.
Von daher jetzt einfach cut. Und wer weiß, in zwei Jahren, jetzt lass einfach
mal das jetzt erst mal fertig sein.
Und das war ja auch halt, was ich am Anfang gesagt habe, es ist demand.
Ich kann jederzeit eingreifen, kann daraus eine zweite Version machen oder eine Zweitauflage machen.
Und dann warte ich jetzt erstmal, das was jetzt, es gibt ein paar Dinge,
das war jetzt auch mit diesem Nonno, das ist das erste Mal, dass ich das höre, faszinierend.
Wobei er es eigentlich auch gelesen hat, ich wundere mich, aber egal.
Dann, ja, das sind so, wo ich dann auf jeden Fall berücksichtigen werde.
Vielleicht kommt auch das ein oder andere dann auch tatsächlich noch dazu.
Ich hatte zum Beispiel auch eine Situation, die kam sogar erst in einer der
Lesungen, weil ich habe nicht einmal, ich benenne es, ich habe dieses Kapitel
überhaupt nicht, das habe ich vergessen. Das muss man ganz klar sagen, das habe ich vergessen.
Ich rede von Laufhaut aus und Sexarbeit, aber ich spreche nicht einmal über
Zwangsprostitutionen.
Und weil das in einem Laufhaus nicht vorkommt, deswegen war das für mich gar
kein Thema, aber es gibt dieses Thema Zwangsprostitution.
Und das ist auch schon in der aktualisierten Version tatsächlich auch schon
im Buch drin, wenn es mal zu einer zweiten Version kommt. Aber ich habe mir
gesagt, da lasse ich mir jetzt erstmal Zeit.
Das Buch ist jetzt gerade mal im 1. November, also 31.
Oktober, es ist jetzt sechs Monate, ist es auf dem Markt.
Ich muss jetzt nicht in sechs Monaten schon eine Zweitauflage machen.
Da warte ich jetzt einfach mal ab ein Jahr und dann kann ich immer noch für
das neue Jahr, kann ich immer noch sagen, jetzt gibt es eine neue Version.
Aber das ist auch noch nicht sicher ob das wirklich kommt ich habe jetzt erstmal
nochmal drei andere Projekte ich habe jetzt gerade zwei Romane abgeschlossen
der eine Roman, der dockt hier direkt an,
diesem Frankfurt umgeschminkt der beleuchtet nochmal
aber im Bereich der Literatur nochmal Jugendliche aus der Zeit der 80er Jahre
das sind fiktive Personen Aber es ist mit realen Beobachten oder authentischen Beobachten heraus,
ist dieser Roman entstanden und ein anderer Roman,
der schon sehr alt ist.
Ich den aber jetzt quasi, wo ich mir gesagt habe, jetzt hat er eine Reife,
jetzt würde er sogar in dieses Gallus auch hineinpassen.
Und da bringe ich sogar, wenn ich dich jetzt zum Bahnhof fahre,
bringe ich dann auch das Manuskript zum Verlag und bin mal gespannt, was dabei rumkommt.
Nach dem Buch ist vor dem Buch.
Genau, und jetzt kommt das Nächste, ist jetzt im Prinzip was Bildband,
weil das sind ja beides keine Bildbände. Das Dritte ist dann,
das wäre dann der nächste Bildband.
Und der ist auch dokumentarisch aufgebaut. Und da geht es dann um...
Lebensräume ungeschminkt, wo ich also in Frauenhäuser gehe, auch in Obdachlosenunterkünfte,
um einfach deren Situation aus einer anderen Sicht, auch im Prinzip nicht dieses,
weil man weiß es ja nie und auch gerade halt Flüchtlingsunterkünfte,
da habe ich auch schon Familie, die sind jetzt nicht mehr in einer Unterkunft,
Aber die waren in einer Flüchtlingsunterkunft und quasi deren Lebensräume in
ihrem ehemaligen Zuhause,
in der Flüchtlingsunterkunft und dann aber auch in dem Jetzt,
wo sie hier sind. Wie sehen diese drei Lebensräume aus?
Und da bin ich gerade dran. Das ist dann aber auch wieder mit viel Fotografie
und da gibt es dann auch wahrscheinlich aus der Street heraus.
Wir haben ja da so viele unterschiedliche Stilrichtungen, wo ich also auch eher
dann im Künstlerischen und Reduzierten arbeiten kann.
Was würdest du sagen, ist dein Antrieb hinter all dem, was du machst als Fotograf
und eben auch eine Menge Text mit dabei?
Der Antrieb ist, das hatte ich mir irgendwann mal gestellt bei meinen ganzen Fotos.
Ich hatte ja dann irgendwann so um die 2020, was ich vorher gar nicht gehört
habe, ich habe meinen Instagram-Account, der wurde auch dann irgendwie 2020 mal gehackt.
Und ich hatte dann auch so, bis eigentlich ich dann damit angefangen habe,
wofür, wen fotografiere ich hier eigentlich?
Das Ganze verschwindet in irgendeinem Daten-Nirvana. Aber ich will ja was von mir erzählen.
Geben, was vielleicht dann auch mal Bestand hat, was man vielleicht irgendwo
mal auch rausholen kann.
Und dann wollte ich aber nicht einfach nur ein Fotobuch machen,
wie nach einem Urlaub, sondern ich wollte was machen, was eine ISBN-Nummer hat,
was man kaufen kann, was also auch eine Wertigkeit hat,
was auch wirklich dann auch irgendwann mal, also was heißt irgendwann,
sondern in dem Moment, wo ich es gemacht habe, Es hat eine ISBN,
geht es einmal in die Staatsbibliothek nach Frankfurt und nach Leipzig.
Und da liegen meine Bücher.
Und das finde ich einfach sensationell. Also wenn mal irgendwas sein sollte,
und vielleicht findet ja einer dieses Buch.
Und das ist so mein Anstreben, dass ich gesagt habe, ich will nicht nur für
eine Ausstellung, ich will nicht nur für Instagram oder auch nicht,
ich hätte ja auch einen Blog machen können.
Oder sagen können, okay, ich mache daraus auch einen YouTube-Kanal oder irgendwas.
Das ist mir in dieser digitalen Welt, da wollte ich eigentlich komplett weg.
Ich wollte wieder zurück zum Analogen, dass du was in die Hand nimmst,
was du liest, was du beiseite legen kannst, was du wieder nimmst,
was du dir angucken kannst.
Und das war für mich so dieser Antrieb. Und das finde ich eigentlich gerade
in der heutigen Zeit, wo alles mit dem Smartphone, alles ganz schnell und überhaupt
und diese Kurzledigkeit TikTok, wo du zugelullt wirst mit allem möglichen Müll.
Dem wollte ich eigentlich damit entfliehen und wirklich etwas fürs Regal schaffen,
fürs Archiv, auch für mich quasi, wo ich sagen kann, hey, das habe ich mal gemacht.
Ich habe heute, ich habe genau vor 20 Jahren einen Roman rausgebracht,
der heißt Freitagnacht und den kann man immer noch bei Amazon kaufen.
Und das ist jetzt keine Werbung, aber das macht mich irgendwo...
Ich will nicht sagen stolz, aber wo ich sage, das finde ich gut.
Das ist zwar nicht das Beste, das ist glaube ich das F-Movie unter den Büchern,
also nicht mal ein B-Movie.
Aber ist egal, das habe ich irgendwann mal, habe ich das geschaffen und das
finde ich einfach sensationell.
Ja, das war das Beste, was du in dem Moment schaffen konntest.
Und viele scheitern schon daran, überhaupt sich hinzusetzen und ein Buch zu schreiben.
Ja, es gibt ja auch immer diesen Spruch, machen ist wie wollen,
nur stärker oder schöner oder geiler oder irgendwas.
Und wie gesagt, das war mir, und ich hatte ja auch einige Ausstellungen schon
davor und es war immer die Frage,
also einmal, ich habe nicht, weil die Bilder schlecht sind, also es gibt so
ein paar Bilder, die laufen automatisch, ob ich will oder nicht.
Die ich auch heute noch verkaufe, gut verkaufe, aber es war immer die Frage nach einem Buch.
Und ich hatte ja dann mal so eine kleine Broschüre, das war so eine A4 Broschüre,
da waren dann quasi zu dieser Ausstellung, das war damals in Groningen,
hatte ich dann dieses Scene gemacht,
das ist ein A4, ich weiß jetzt nicht wie viel Seiten es hat,
40 oder 60, keine Ahnung.
Das wurde verkauft, aber nicht die Bilder, weil es halt was ist,
was du dir irgendwo mal hinlegen kannst, so ein Bild, da brauchst du Platz,
um das wirklich hängen zu können.
Und das war dann auch nochmal so ein Punkt, wo ich so, eigentlich müsstest du
vielleicht dann wirklich mal über ein Bildband nachdenken und das war ja auch
so dieser Anfang mit dem Bildband.
Und nur ich musste dann irgendwann, wenn ich da meine Drogenabhängigen oder
auch gerade bei der Polizeigeschichte, hatte ich ja immer auch schon meine Sachen notiert gehabt.
Also einfach immer das, was ich da so erlebt habe. Und da war klar,
ich muss auch Texte dazu schreiben, nicht um die Bilder zu erklären,
aber den Bildern Raum zu geben zu dem, was da passiert, weil sonst passiert
nämlich das, was wieder heißt, das mit dem Finger drauf und das ist ja genau
das, was ich nicht wollte.
Und so kam dann auch das eine zum anderen dann letztendlich.
Und wie gesagt, für mich ist es wichtig, dass ich was habe, was nicht nur als
Fotobuch nach einem Urlaub bei mir im Regal steht, sondern das macht mich.
Letztens hat mich Marco, auch ein Freund hier aus der Straßenfotografie-Szene,
der mir ein Foto geschickt hat, gesagt, hier, guck mal dein Buch im Städelmuseum,
im Galerieshop oder im Museumsshop. Finde ich total geil.
Das ist wie ein Ritterschlag. Ja, und das finde ich einfach sensationell.
Ja, Fotografie ist Kommunikation, Text auch und dann was Bleibendes zu schaffen,
finde ich, ist ein sehr, sehr schöner Antrag.
Ich meine, du hast ja auch die Erfahrung gemacht mit Thomas Jones. Genau.
Ihr habt ja auch Bücher schon geschrieben und das ist doch einfach ein gutes
Gefühl, wenn man weiß, ich habe hier was, wo ich einfach darauf zurückgreifen kann.
Und du auch selbst wenn dich das interessiert, dann liest doch mal das.
Ja, ich finde es wunderbar und ich finde jeder, der sich die Mühe macht,
sich die Zeit nimmt, was aus seinen Bildern zu machen, sie in den Kontext zu setzen, zu kuratieren,
das ist was wirklich, gerade in
der heutigen Zeit, wo sehr, sehr viel Schnelllebigkeit da ist, sehr viel
vergeht in kurzer Zeit, hat das schon einen Wert,
allen voran natürlich auch für sich selber, weil Wir machen diese Bilder,
wir beschäftigen uns mit dem Thema und sich dann nochmal die Zeit zu nehmen
und das wirklich so zusammenzufassen, dass es auch für andere verständlich ist,
die nicht dabei sind, das ist eine wunderbare Sache.
Ja, Dennis, wo wir beim Feedback sind zu dem Ganzen, du hast es jetzt in Lesungen
vorgestellt, dieses Projekt,
du hast es jetzt ein halbes Jahr auf dem Markt, es steht hier in Frankfurt in
unterschiedlichen Buchläden, es ist in Museen da.
Aber was nimmst du so mit aus den Rückmeldungen, die bisher gekommen sind?
Wie ist dieses Buch entgegengenommen worden vom Publikum?
Ganz unterschiedlich. Also deswegen, ich rufe jetzt gerade mal meine Webseite
auf, weil ich habe jetzt gerade mal so ein paar Rückmeldungen,
die mich eigentlich dann auch immer wieder einerseits per E-Mail,
aber auch dann per WhatsApp dann erreicht haben.
Und das ist wirklich wunderbar. Ich glaube, jetzt das erste Zitat,
das war von Bernhard zum Beispiel.
Keine gewöhnliche Street Photography. Die Bilder haben Tiefe,
erzählen Geschichten und gehen direkt ins Herz.
Dann das nächste war sehr emotional. Wir haben gelacht, hatten Tränen in den
Augen und waren tief berührt.
Die Texte haben mich vollkommen überrascht. Sanft, respektvoll und zugleich voller Tiefe.
Das nächste, ein Werk, das nicht an der Oberfläche bleibt, die Fotografien zeigen
Menschen mit Geschichten, Würde und Nähe.
Ein weiteres, Frankfurt ungeschminkt zeigt eine Stadt jenseits der bekannten
Bilder, stark, mutig und sehr menschlich.
So eine ganze Bandbreite, die da, oder für Punkte, die da genannt werden,
einige beziehen sich eher auf die Fotografie, einige auf den Text.
Jeder so nimmt da sein eigenes mit und gerade das zweite, wir haben emotional,
wir haben gelacht, hatten Tränen in den Augen und waren tief berührt.
Das war zum Beispiel auch von einem Freund hier in der, nee,
es war nicht hier, das war in der Christuskirche in Bornheim.
Da war auch der Bernhard.
Und der sich erst mal darüber aufgeregt hat, wie kannst du über uns und Gallus und überhaupt.
Der dann aber im Nachgang mir dann noch mal geschrieben hat,
gesagt, hier, es tut mir echt leid, weil ich war so innerlich schon betroffen.
Ich habe so vieles verdrängt. Das ist dann erst im Nachgang.
Der ist dann mit einem Freund, den er auch da war. Also die waren beide mit ihren Partnerinnen da.
Die sind dann nochmal was essen gegangen. Auch bei einem Freund,
auch hier aus dem Gallus, der mittlerweile eine Pizzeria hat.
Und dann haben die sich da unterhalten. Da war dann auch eine da gewesen von
früher, die dann gesagt hat, ja, der Dennis hat mich eingeladen.
Ich habe es aber leider nicht, weil ich hier arbeite.
Und dann sind die erstmal, die mussten das erstmal komplett verarbeiten.
Und dass die gesagt haben, nee, also es ist...
Und dass sich die Menschen damit beschäftigen, Die finde ich auch,
Und sensationell. Und also wirklich dieses nicht einfach nur, ja, okay,
sondern auch danach, ich habe teilweise DIN A4-Sätze,
dass ich die wieder aus einer Zeit zurückgeholt habe, wo sie eigentlich schon
lange nicht mehr dran gedacht haben oder eigentlich verdrängt hatten irgendwo,
aber das war plötzlich wieder da.
So hatte ich zum Beispiel von einer, die in ihrer Zeit war, sie sagte auch gerade
halt, was ich am Anfang über die Drogenszene im Bankenviertel,
sie sagt, auch wenn ich das nur andeute, sie sagt, sie weiß noch ganz genau,
wie das war, wie die ganzen Banker im Omen saßen, haben da sich ihre Linie gezogen.
Das ist genau das, was ich dort im Prinzip, klar, literarisch anders da verdichte,
weil das kann ich ja nicht alles ausschreiben, weil das war jetzt auch nicht
mein Thema. Aber ich habe sie da hingebracht wieder.
Auch wie sie über einen Freund gestolpert ist, wie sie mitbekommen hat,
dass der heroinabhängig ist.
Und also Sachen, wo ich im Prinzip Dinge wieder geöffnet habe,
die eigentlich verschlossen waren. und wo sie gemerkt haben,
ich habe mich noch nie wirklich damit auseinandergesetzt mit diesem Thema.
Und das finde ich krass. Ich hatte in einer Lesung zwei Menschen dabei gehabt.
Da war eine, die ist immer wieder aufgestanden und weggegangen.
Und ich habe dann irgendwann mal, als sie dann, ich habe gedacht,
du wärst schon weg, weil ich habe dich ja noch nicht mehr gesehen.
Sie sagt, ja, ich konnte auch nicht mehr zurück. Sie war dann wohl im Hintergrund.
Sie sagt, sie hat trotzdem Wasser geholt. Das war ein Ex-Chunkie.
Sie hat gesagt, sie hätte sich gewünscht,
eine Person wie mich auch mal erlebt zu haben.
Ich finde das einfach großartig. Also nicht dieses immer draufhalten,
sondern wirklich den Menschen zuhören.
Wirklich das Gefühl geben, wir sind wer und nicht einfach ein Objekt, was da liegt.
Die sind selber dran draufgespuckt. Das sind wir nicht. Wir finden es alle scheiße.
Hatte ich ja auch schon mal erwähnt gehabt. Aber das sind einfach so Feedbacks,
wo ich dann, die bringen mir so viel.
Ja, solche Rückmeldungen zu bekommen auf das, was man da geschaffen hat,
das lässt einen dann wirklich den Wert der eigenen Arbeit auch nochmal verstehen.
Was sind es für Fragen, die aufkommen, wenn du in Lesungen bist oder in Ausstellungen?
Was interessiert da die meisten Leute? Wir können es ja mal trennen,
einmal die thematischen Fragen, die sich eher an dem Thema orientieren und dann
die fotografischen auch.
Es ist ganz unterschiedlich. Eigentlich ist es so, dass die zweite oder die dritte Frage...
Nach so einer Lesung die Frage sein wird, die alles entscheidet,
in welche Richtung es geht. Mal ist es die Fotografie.
Wie habe ich das fotografiert? Warum in schwarz-weiß? Wenige sind in meinem Buch in Farbe?
Warum nicht mehr Farbe?
Und das sind so diese Themen, wo ich immer sage, ich möchte ganz gerne diesen Reportagecharakter.
Und ich habe eigentlich für mich versucht, das ist mir nicht immer gelungen,
Aber ich habe immer versucht, die einzelnen Kapiteln mit Farbbildern im Prinzip
einzusteigen, aber dann alles in Schwarz-Weiß zu setzen.
Einfach, weil ich es vom Charakter her schöner und interessanter finde,
ich überhaupt Schwarz-Weiß-Fotografie in der Reportage als viel mächtiger finde,
weil es wirklich die Szene reduziert.
Und du wirst nicht durch irgendwelche Farbklecksen abgelenkt,
sondern du kannst dich wirklich auf das Gesamte konzentrieren.
Und das war für mich entscheidend, dass der Punkt, das ist einmal eine Fragestellung,
dann ist natürlich auch, mit was ich fotografiert habe, ist dann immer mal Thema,
wo ich dann aber auch immer sage, eigentlich ist es egal, mit was du fotografierst.
Mir ist es nur wichtig gewesen, dass ich nicht mit dem Smartphone fotografiere,
sondern ich brauche eine Kamera. Aber das ist eine Grundeinstellung bei mir selbst.
Wenn ich im Urlaub bin und mache irgendwo einen Schnappschuss mit einem Smartphone,
dann ist das so. Aber selbst das wird eigentlich nicht passieren.
Also meine Frau hasst mich dafür, dass ich immer und überall meine Kamera mitschleppe.
Und sie sagt, ich bin nie mit dir allein, ich bin immer nur mit dir und deiner Kamera.
Also es ist immer Thema und wird auch immer Thema bleiben. Das ist so eine Sache.
Es sind natürlich dann auch ...
Themen, vor allem dann, wie war die Zusammenarbeit mit der Polizei,
wie war das noch nicht mal Laufhaus, sondern eher dann halt das mit dieser Zwangsprostitution,
was ich angesprochen habe, wo ich mir sage.
Also wenn ich auf diesen Bereich komme, dann sage ich, also Zwangsprostitution
ist in dem Buch nicht berücksichtigt, weil ich war in einem Laufhaus und da
gibt es in der Hinsicht keine Zwangsprostitution,
weil die viel mehr regeln müssen, bürokratisch.
Du brauchst deinen Gewerbeausweis, also deinen Gewerbeschein, den brauchst du.
Du brauchst deinen Gesundheitspass, also diesen Hurenpass, damit du auch die
ärztlichen Kontrollen und diese ganzen Sachen belegen kannst.
Erst dann darfst du überhaupt ein Zimmer beziehen.
Und das sind Voraussetzungen, die du in der Zwangsprostitution,
die sind dann im Privaten oder halt in einem Hotel, wo im Prinzip dann Frauen hingebracht werden.
Aber die brauchen auch nicht dieses organisatorische im Hintergrund, dieses bürokratische.
Deswegen ist das eigentlich im Laufhaus,
Ich sage mal zu 80 Prozent oder zu 90 Prozent nicht der Fall.
Natürlich, es gibt hier und da
auch nochmal Einzelne, die vielleicht dann irgendwie hinten dran stehen.
Aber das ist dann nicht in der Hinsicht diese klassische Zwangsprostitution,
wie man sie sich vorstellt aus irgendwelchen Filmen, dass da irgendwelche mit
einem Transporter angekracht werden und dahin.
Das ist in so einem Laufhaus auf gar keinen Fall.
Also wie gesagt, das sind dann eher Themen, die ein Hotel oder halt irgendwelche
privaten Etablissements, was weiß ich, hier in der Hausnummer ist dann das Klingelschild
und da oben sitzen dann irgendwie drei Stück, was keiner kontrollieren kann.
Weil wenn dann irgendwann mal eine Kontrolle ist, dann sind die schon längst
wieder draußen, sind irgendwo anders.
Und das ist mal so ein Thema. Dann natürlich überwiegend, das nimmt eigentlich
den meisten Teil immer ein, das sind die Drogen.
Was immer Thema sein wird und auch Thema ist. Finde ich persönlich auch immer
schade eigentlich, weil ich denke, da gibt es ganz andere Sachen,
die man ansprechen könnte, weil ja auch viele Familien dort sind, auch Kinder.
Wie gesagt, wir haben dort eine Schule im Bahnhofsviertel.
Ich glaube, ob es Elbe oder Moselstraße ist, ist es auf jeden Fall auch mit
Stacheldraht, also wirklich heftig.
Wenn man das so von außen sieht, wenn man es nicht gewohnt ist,
Und hat aber ja auch alles seine Berechtigung. Warum?
Das sind so Themen, die eigentlich eher selten vorkommen, wo ich mir manchmal
wünschen würde, das wäre mal so ein, auch ein netter Diskussionsstoff, mal ab von Drogen.
Oder auch Gewalt ist dann immer mal so ein Thema.
Ich traue mich da nicht rein, weil ich habe Angst.
Eigentlich muss man keine Angst haben, man muss Respekt haben, ja, aber keine Angst.
Ich habe zum Beispiel in meinem Buch, habe ich eine, das ist die Eiche.
Die ist geboren in Deutschland.
Die Mutter ist auch eine Deutsche, obwohl sie der Vater und die Mutter,
Mutter ist, glaube ich, Türkin oder ist deutsch. Irgendwie so, weiß ich nicht mehr.
Aber selbst die Mutter ist, nee, die Mutter ist, aber hier in Deutschland geboren,
mit türkischen Eltern, die quasi als Gastarbeiter hierher kamen,
hat einen deutschen Mann, hat eine Tochter bekommen. Also sie ist deutsch.
Und sie trägt aber hin und wieder auch mal ein Kopftuch.
Und da ist es dann so, dass sie sagt, wenn ich ohne Kopftuch rausgehe.
Egal wie viel Uhrzeit es ist, dann kann sie da ganz normal, geht sie da durch
die Straßen, geht sie einkaufen.
Hat sie aber ab einer bestimmten Uhrzeit, wenn sie dann mal sagt,
ich will jetzt mal ein Kopftuch tragen, was machst du hier? Gehe zu Mann.
Also dann gibt es plötzlich dann so Regeln, die dann verlangt werden bei einer Frau.
Also das ist dann so nochmal so ein, ich weiß nicht, ob das dann schon Rassismus
ist, aber das ist dann so innerhalb dieser Kultur, obwohl sie ja eigentlich gar nicht dazu gehört.
Also rein vom kulturellen Aspekt, weil die Großeltern in der Türkei geboren
sind, Dann hat sie ja eigentlich nicht diesen wirklichen Bezug dazu.
Aber dann ist das vermehrt und dann wird sowas dann in den eigenen Reihen,
nenne ich sie dann mal, wo sie unkenntlich wird, als ist sie jetzt Deutsch oder
ist sie Muslimin oder Araberin, wie auch immer,
dann wird sie plötzlich zum Angriffspunkt.
Und das ist dann auch interessant.
Das sind immer mal so Themen zu Angst und auch Gewalt, wo ich sage,
ich habe noch nie in der Schlagzeile irgendwie,
dass ein Junkie, es gibt mal einen Bericht, da hat einer irgendwie mit einem
Beil, aber das ist schon so lange her, ansonsten ist da eigentlich nie irgendwie was vorgekommen.
Ja, war toll, wie viel Anlass zu Gesprächen du dann eben auch lieferst mit den
vielen Geschichten, die du gesammelt hast und da eben sehr, sehr breit drauf schaust.
Anders als jetzt ein Zeitungsartikel, der nur mal ein Schlaglicht drauf wirft
und dann ist die Aufmerksamkeit am nächsten Tag auf irgendetwas anderen gelegt.
Also insofern ja wirklich ein ganz, ganz tolles Projekt und ein Projekt sicherlich,
bei dem du sehr viel auch über dich selber, über deine Art der Fotografie gelernt
hast, auch Dinge, von denen andere profitieren könnten.
Was würdest du sagen im Laufe des Projektes, was sind so die Punkte mit Blick
auf eine eigene Fotografie und wie man so ein doch sehr anspruchsvolles Projekt
über einen langen Zeitraum realisieren kann?
Also was ich in dem Moment, wenn man...
Wie soll ich das ausdrücken?
Was ich gemerkt habe, ist, weil es ja doch in der Form neu war mit diesem,
dass ich plötzlich wieder, ich war wieder, ich war wieder, ich will jetzt mal
sagen, ich war wieder ein Teenager, der im Prinzip auf der Suche war nach etwas und hat ausprobiert.
Ich war also wieder in so einem Probiermodus. Und dieser Probiermodus,
ich habe also nicht funktioniert nach Schema F, sondern ich habe einfach,
ich habe dahin gehalten, habe dorthin gehalten und habe fotografiert.
Und es war, habe mir keine mehr Gedanken darüber gemacht, ist diese Komposition,
Komposition, ist diese Komposition richtig oder falsch, sondern ich habe es einfach gemacht.
Und das fand ich halt wieder dieses Schöne, nicht so, ja, da musst du es jetzt
da den Winkel und da vielleicht, weil wenn du bis dahin gedacht hast,
war das Motiv schon weg, schon fünfmal weg.
Und deswegen einfach dieses wieder einfach machen, einfach wirklich machen und
einfach wieder jugendlich zu sein, zu erforschen.
Und das kann ich auch an jedem nicht sich versteifen in irgendwelchen Dogmas,
weil man muss nur mit dem und dem und kann nur mit dem und dem und das ist völliger Bullshit.
Mach einfach, mach einfach. Wenn ich jetzt gesagt hätte, ich will jetzt mit
meiner, was weiß ich, und habe jetzt meinen 70-200 da drauf,
was eigentlich, wo du sagst, aber wenn du dich damit wohlfühlst und damit auch
wirklich geile Bilder machst, auch in der Reportage,
Mach es, ist doch scheißegal. Das muss nicht das 28er, 35er Festbrennweide sein,
weil mal irgendwann jemand das so und so gemacht hat. Das ist völliger Blödsinn.
Und deswegen, also sei einfach wieder, du selbst sei jung, sei jugendlich und probiere.
Ich habe mir damals, wenn ich ein Radio auseinandergeschraubt habe,
habe ich mir auch keine Gedanken gemacht.
Da war dann eine Schraube übrig, aber das Ding hat trotzdem funktioniert.
Weil ich sie da zusammengebaut habe. Und so muss man eigentlich reingehen.
Natürlich gibt es dann, da hast du ja dann auch später wieder das Kuratieren,
wo du sagst, okay, da habe ich meine Auswahl.
Und da sind dann auch plötzlich Bilder dabei, die du im Normalfall eher nach
hinten runterfallen lässt, weil sie vielleicht da keine optimale Schärfe haben.
Aber genau das macht dieses Bild eigentlich erst so attraktiv,
weil es nicht perfekt ist.
Aber in dem Ganzen ist es perfekt.
Und das ist einfach, da sage ich, machen, einfach machen.
Und wie gesagt, alle Dogmas, die man da kennt, das habe ich auch schon in verschiedenen
Podcasts, wo ich das gesagt habe, wirklich rausnehmen, einfach wieder machen.
Das ist so, was ich so für mich auch mitgenommen habe, auch für alles andere,
sich da gar nicht so sehr zu verkrampfen.
Wenn ich ein Produkt habe, wenn ich so an meine Zeit von der Werbefotografie,
dann muss das alles stimmen, dann muss das alles perfekt sein.
Aber hey, es ist Street, es ist Reportage, da darf es auch mal rotzig sein.
Es muss auch mal rotzig sein.
Sehr schönes Schlusswort, Dennis. Ich glaube, das ist eine der längsten Podcast-Folgen geworden.
Wir sind viel gelaufen, haben uns jetzt zum Abschluss hier nochmal auf eine
Parkbank gesetzt. und ja, an all diejenigen, die bis zum Schluss durchgehalten
haben, mein Respekt, wirklich toll.
Aber da war so viel drin in diesem Gespräch und ich hoffe, dass das auch so
ein bisschen rübergekommen ist, dass wir es auf die Straße gebracht haben,
das erste Mal hier die Premiere Podcast aufnehmen im Laufen.
Es gibt ja diese Walkie-Talkie-YouTube-Formate.
Die Kamera haben wir jetzt weggelassen, aber ja, Audio.
Auf dem Kopf.
Genau, schauen wir mal. Nochmal, ja, wirklich ganz, ganz vielen Dank.
Er hat mich auch sehr gefreut, da so viele Details zu erfahren zu diesem Projekt,
was ich großartig finde.
Wo man das Buch bekommt, haben wir gesagt, überall, wo es Bücher gibt,
Amazon, Online, alle Händler oder in Frankfurt auch in Buchläden oder der Buchhandel kann es bestellen.
Genau, also überall kann man es eigentlich bestellen und,
Ja, also da gibt es keine Einschränkungen.
Und mein Aufruf an dieser Stelle, ich kenne das selber, ich habe ja auch ein
Buch geschrieben und ja, als Podcaster.
Häufig werden die Inhalte gehört, aber ja, die Rückmeldungen sind dann doch
eher spärlich. Du hast gesagt, wie sehr du dich freust über jede Rückmeldung zu dem Buch.
Also falls du das Buch hast, es dir besorgst, schick Dennis auf jeden Fall ein Feedback dazu.
Und ich glaube, da freust du dich dann.
Auf jeden Fall, ja.
Super. Vielen, vielen Dank und weiterhin alles Gute für die Projekte.
Kai, vielen lieben Dank dafür. Es hat mich sehr, sehr gefreut.
Und ich fand es auch großartig, dass der Nulv sich die Zeit genommen hat,
weil ich denke, das ist auch nochmal sehr wertvoll gewesen für den ganzen Podcast hier. Dankeschön.
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