Abenteuer Reportagefotografie – Podcast über visuelles Storytelling

Kai Behrmann: Visueller Storyteller und Fotograf

Street Photography in Frankfurt: Stefan Lauterbach über fotografische Entwicklung, Serien und die Arbeit am eigenen Blick

Street Photography in Frankfurt: öffentliche Fotoprojekte, fotografische Arbeitsweise, der Wechsel von Schwarzweiß zu Farbe sowie Community, Ausstellungen und Projekte.

05.07.2026 127 min

Zusammenfassung & Show Notes

Street Photography lebt vom Zufall. Aber gute Bilder entstehen selten zufällig. Im Gespräch mit Stefan Lauterbach geht es um Frankfurt als fotografischen Raum, um Geduld, Farbe, Frustrationstoleranz, Serien, Community und die Arbeit am eigenen Blick.

Stefan spricht über seine Bilder in der B-Ebene am Frankfurter Hauptbahnhof, über den Wechsel von Schwarzweiß zu Farbe und darüber, wie ein ungewohntes Weitwinkelobjektiv seine Art zu fotografieren verändert hat. Außerdem geht es um Collateral Eyes, Meet & Street, die wachsende Street-Fotografie-Szene und seine Workshops in Frankfurt.

Dabei greifen wir auch eine Debatte auf, die in der deutschen Street-Fotografie zuletzt häufiger geführt wurde: Wiederholen sich bestimmte Bildideen? Verstärken soziale Medien immer gleiche Motive und schnelle visuelle Effekte? Und wird Street Photography dadurch vorhersehbarer oder langweiliger? Wir schauen darauf, woher diese Wahrnehmung kommen kann – und wie man aus bekannten Mustern ausbricht. Denn Street Photography ist mehr als der schnelle Moment auf der Straße. Sie ist ein Prozess aus Beobachten, Ausprobieren, Scheitern, Wiederkommen und dem langsamen Erkennen der Themen, die einen wirklich interessieren.

Links:



⚽ "Amor Eterno" geht an den Start!

Nach vier Jahren Arbeit an meinem fotografischen Langzeitprojekt über die Fußballkultur in Argentinien startet jetzt die Kickstarter-Kampagne für das gleichnamige Fotobuch. Gemeinsam mit Thomas B. Jones spreche ich im YouTube-Live am Mittwoch, 10. Juni 2026, ab 20 Uhr über die Geschichten hinter den Bildern, die Entstehung des Projekts und den Weg vom ersten Foto bis zum Buch.

📺 Zum YouTube-Live: https://www.youtube.com/watch?v=I1JItmKN7gM

📖 Mehr Informationen zu "Amor Eterno": https://www.abenteuer-reportagefotografie.de/amor-eterno

🚀 Direkt zur Kickstarter-Kampagne: https://www.kickstarter.com/projects/kai-behrmann/amor-eterno

🥁 Der Video-Trailer zum Projekt: https://vimeo.com/manage/videos/1198140137/06178b7212

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Transkript

Ich habe jetzt vor kurzem sogar erst seit Anfang dieses Jahres dieses Weitwinkel hier drauf, dieses 15 Millimeter. Eigentlich was total ungewöhnliches für mich. Das ist jetzt ein Objektiv, was ich von Sigma bekommen habe zum Ausprobieren und ich hätte am Anfang nicht gedacht, dass es etwas ist, womit ich wirklich arbeiten kann, weil ich dachte es wäre zu weit. Aber es hat mich wirklich herausgefordert, damit etwas hinzukriegen und es hat mir dann so Spaß gemacht Und dadurch habe ich tatsächlich etwas neue Sichtweise auch entwickelt.
Kai Behrmann
00:00:33
Ja, herzlich willkommen zu einer weiteren Episode des Abenteuer Reportage Fotografie Podcast. Heute setze ich meine Serie der Live-Aufnahmen fort in Frankfurt. Zuletzt war ich ja mit Dennis Unger unterwegs und diesmal habe ich Stefan Lauterbach getroffen. Stefan kenne ich schon länger. Er ist Mitglied im Street Collective Collateral Eyes. Und ja, mit ihm spreche ich über Frankfurt als Stadt für Street Photography. Wir sprechen über seine Herangehensweise an die Street Photography, über seine Workshops und über viele weitere Themen. Es ist ein wirklich sehr abwechslungsreiches Gespräch geworden, auch ein sehr langes. Es gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil, den haben wir unterwegs aufgenommen. Wir haben uns am Frankfurter Hauptbahnhof getroffen, sind dann in die B-Ebene runtergegangen. Dort sind seit einigen Jahren Street-Bilder ausgestellt, unter anderem auch von Stefan. Dort ist es etwas laut geworden. Auf der einen Seite die klassische Musik aus den Lautsprechern und dann wurde dort auch intensiv gearbeitet. Wir sind dann vom Bahnhof über die Kaiserstraße in Richtung Innenstadt gelaufen, haben uns unterwegs weiter unterhalten und haben uns dann zum Abschluss noch in ein Café gesetzt, wo der zweite Teil dieses Interviews aufgenommen wurde. Ja, ich hoffe, du hast Spaß dran an diesem bunten Themenmix. Wir sprechen unter anderem auch über das diesjährige Meet & Street Festival, das am 11. Juli in Freiburg stattfindet. Ich kann in diesem Jahr leider nicht mit dabei sein, weil ich am 12. Juli, also am Sonntag, eine Ausstellung habe im argentinischen Konsulat in Bonn. Dort zeige ich zwölf Bilder aus meinem Langzeitprojekt Amor Eterno über die Fußballkultur in Argentinien. Und zuletzt lief dazu ja auch eine Kickstarter-Kampagne, um aus diesem Projekt ein Fotobuch zu machen. Es gibt gute Nachrichten. Nachdem es lange ein bisschen zäh gelaufen ist, Ist es jetzt gelungen, bereits vor dem Ende der Kampagne am 10. Juli das Ziel zu erreichen. Das heißt, die Finanzierung ist gesichert. Ja, und deswegen möchte ich mich an dieser Stelle ganz, ganz herzlich bei allen bedanken, die das möglich gemacht haben mit ihrem Beitrag, mit ihrer Unterstützung. Ich weiß das sehr zu schätzen und freue mich sehr, dass ich jetzt in die nächste Phase gehen kann, das Buch dann zum Herbst hin veröffentlichen zu können. Du hast natürlich auch weiterhin die Möglichkeit, dir dein Exemplar zu sichern, entweder über Kickstarter, geh dazu einfach auf die Seite von Kickstarter, den Link findest du in den Shownotes oder schreib mir eine Mail an kaibeermann.web.de. Ich würde mich natürlich freuen, wenn wir die Erstauflage noch ein bisschen erhöhen können. Die Links zu allem, worüber Stefan und ich sprechen, findest du natürlich auch in den Shownotes und schau gerne mal auf der Webseite unter www.abenteuer-reportagefotografie.de vorbei. So, und jetzt hinein in das Interview mit Stefan Lauterbach. Viel Spaß! Okay, Stefan, dann würde ich sagen, wir starten in unseren Walk heute. Es kommt mir so vor, als wäre es gestern gewesen, als ich hier gestanden habe. Das war mit Dennis. Da haben wir uns an ähnlicher Stelle am Eingang oder am Ausgang des Frankfurter Hauptbahnhofs getroffen. Heute geht meine Reise durch die Frankfurter Street-Fotografie weiter. Ich freue mich, dass du da bist. Stefan Lauterbach. Und ja, wir gehen gleich runter in die B-Ebene des Bahnhofs, wo deine Bilder schon seit längerem hängen.
Stefan Lauterbach
00:04:20
Genau. Ja, Gude von mir. Danke für die Einladung, Kai. Und ja, lass mal gucken, oder? Ja. Was sich da getan hat.
Kai Behrmann
00:04:26
Lass uns mal nachschauen. Und Gude, ja, da habe ich mich immer noch nicht so dran gewöhnt. Ich sage immer noch Moin. Aber...
Stefan Lauterbach
00:04:34
Ja gut, in Österreich-Winkel sagt man da... Was sagt man da?
Kai Behrmann
00:04:38
Da sagt man auch Gude. Auch Gude? Genau. Ja, aber ich weiß nicht, ob es noch einen Rheingauer-Slam gibt. Wahrscheinlich gibt es da auch noch irgendwas Spezielles.
Stefan Lauterbach
00:04:47
Ich bin ja auch nur, wie nennt man es, eingeplagter, zugezogener. Ja?
Kai Behrmann
00:04:52
Wo kommst du ursprünglich her?
Stefan Lauterbach
00:04:53
Ähm, Bad Hersfeld, kleiner Ort dort Kirchheim, das ist so Richtung Fulda, also so Nord-Ost-Hessen. Ja. Mehr-Ost-Hessen. Ich bin seit 2009, lebe ich jetzt hier, arbeitstechnisch damals hergekommen.
Kai Behrmann
00:05:11
Auf jeden Fall bist du jetzt schon eine ganze Weile hier und da sprechen wir gleich auch nochmal drüber, wie du Frankfurt erlebst und natürlich auch aus fotografischer Sicht. Diese Musik, die hier immer aus den Lautsprechern säuselt, die ist immer sehr präsent. Merkt man nicht, wenn man hier durchgeht, aber wenn die Mikros laufen und man so ein bisschen drauf achtet, dann wird einem das plötzlich bewusst. Aber ja, wir schauen mal, wie die Aufnahme letztendlich wird, ob man da was verstehen kann. Und jetzt gerade nicht. Genau, hier wird gearbeitet, denn hier entsteht etwas auf der B-Ebene. Vielleicht fangen wir damit mal an.
Stefan Lauterbach
00:05:52
Also hier soll, im Prinzip ist es ja hier erstmal Durchgangsebene. Das gibt es ja schon ewig, das ist ja nichts Neues an sich, diese B-Ebene. Das war einfach ein sehr schlöder, trauriger Gang und auch viel runtergekommen und irgendwann, 2024 war es, glaube ich, wo die EM war, kam eine Werbeagentur auf mich zu und noch zwei andere Street-Fotografen aus Frankfurt, Max Kling und der Manuel Dickhaut. Hatte, glaube ich, der Dennis, der mit dir neulich auch schon mal kurz drüber gesprochen. Und die meinten halt, ja, hier gibt es eine Verschönerung der B-Ebene zur EM. Das war ja schon eine Weile her. Es sollte dann, wie lange geht das immer? Ein paar Wochen? Gut einen Monat meistens, so vier Wochen. Ja, das war dann so, okay, so lange bleiben die Bilder da hängen. Soll halt hier ein bisschen schöner sein, wenn dann internationale Gäste kommen. Aber wir wissen ja alle, was die Presse gesagt hat am Ende. Zombieland und so weiter. Naja, das ist natürlich sehr schade. Aber wir haben trotzdem quasi die Rechte über mehrere Jahre direkt mitgegeben. Und das verändert sich hier ständig. Und jetzt ist hier ein Teil dieser B-Ebene quasi neu gestaltet. Hier ist jetzt, wo wir gerade stehen, nur geschlossene Ladenfronten, wo unsere Bilder noch hängen. Das wird irgendwann verschwinden. Wir wissen aber alle nicht, wann. Und auch wenn noch irgendein Rest vielleicht auf Dauer bleibt, wissen wir auch nicht. Das Ganze ist halt ein Mix aus. Grafik von einer Designerin gemacht worden, von diesem Studio eben. Und also ein Gesamtprojekt. So sollte man das eigentlich sehen. Mit Texten, die ja auch eigentlich ganz witzig sind, weil das alles so Frankfurter Mundart ist. Wenn man sich mal Zeit nimmt, sich das mal anschaut, kann man da auch eine kleine Story erkennen. Es ist natürlich ein bisschen auseinandergerupft, muss man ehrlicherweise sagen, weil natürlich an verschiedenen Stellen wieder was weggenommen wurde, wieder woanders aufgetaucht. Manis wiederholt sich auch, weil es halt riesengroß hier ist. Genau.
Kai Behrmann
00:07:50
So eine dynamische Ausstellung.
Stefan Lauterbach
00:07:53
Ja, ich weiß gar nicht, ob Ausstellung das richtige Wort dafür ist, aber irgendwie ja so Projektausstellung, Designprojekt. Konzeptausstellung. Ja, genau. Und alles ist schwarz-weiß an den Fotos. Mittlerweile, also schwarz-weiß findest du bei mir eigentlich nicht mehr wirklich aktuell. Sag niemals nie natürlich. Also wenn würde ich das eher dann in Projekten wiederverwenden, wenn überhaupt. Momentan bin ich aber total auf Farbe fixiert. Ist nicht unbedingt auch alles in Schwarz-Weiß entstanden. Einiges musste ich auch dann konvertieren, was mir manchmal auch wehgetan hat. Aber natürlich dann in dieser Größe hier zu sehen, ist schon beeindruckend. Das ist auch immer wieder toll. Gerade wenn wir jetzt hier vorne, wo wir jetzt hier stehen, das ist quasi der Ausgang zur Kaiserstraße. Das ist jetzt ganz, ganz neu in diese Drucke hier. Das ist wirklich toll. Also die sind Hochglanz und sieht gut aus. Nochmal anders als diese Tapetenartigen auf den Rehgipswänden, die hier teilweise durchgezogen sind. Es ist okay. Also es war jetzt lange hier und wie gesagt, jetzt sieht es schon teilweise eher so ein bisschen auseinandergerupft aus. Aber hat auch was.
Kai Behrmann
00:08:58
Ja, es lebt mit der Zeit. Die Spuren zeichnen sich hier ab, so wie das eben ist. Wenn etwas im öffentlichen Raum hängt, da gibt es dann eine gewisse Interaktion mit den Bildern.
Stefan Lauterbach
00:09:12
Das ist eigentlich ganz spannend. Ich weiß nicht, kennst du Jesse Marlow?
Kai Behrmann
00:09:16
Ja, ein australischer Fotograf.
Stefan Lauterbach
00:09:20
Den habe ich in Brüssel beim dortigen Festival einen Vortrag von ihm angeschaut. Und er hat ein Projekt gehabt, wo er auch sie selber genommen hat, auf so eine Art wie hier, wie so eine Art Tapete oder sowas gedruckt hat. Oder Plakate und die dann in der Stadt auf so Plakatwände drübergeklebt hat, wo halt nichts mehr hing. Das gibt es ja immer mal. Also so eigene Verschönerungen der Stadt sozusagen. Aber das Interessante, was er dabei eigentlich wollte, das zu beobachten, wie das alles sich verändert und auch so abblättert und dann wieder mit vielleicht was Anderem drüber gepinselt wird. Und zwei, drei Wochen später ist er halt hin und hat diesen Prozess dokumentiert und daraus hat er ein Buch gemacht. Und das finde ich eigentlich total spannend. Wenn ich jetzt hier über den Fotos so ein paar Gritzeleien sehe, finde ich es eigentlich ganz gut.
Kai Behrmann
00:10:09
Ja, es ist keine Feinart-Ausstellung irgendwo in einer Galerie, wo man mit Schalen und Häppchen und so dann davor steht. Das ist hier was anderes, aber ein klasse Projekt. Weil Fotografie ja letztendlich auch einer der Reize an Fotografie eben ist, dass ein Foto von dem Moment an, wo du es gemacht hast, weiterlebt und sich auch entwickelt. Jetzt ohne Spuren direkt auf dem Bild zu sehen, aber emotional sieht man seine Fotos ja mit anderen Augen über die Jahre. Und das dann eben so plastisch zu sehen, wie es jetzt Jesse Marlow gemacht hat, ist natürlich dann nochmal, ja, auch was dieser Gedanke, wie er ihn weiterträgt.
Stefan Lauterbach
00:11:00
Unser Achim Katzberg hat auch so eine kleine Serie, wo er dann halt, ich weiß gar nicht, wie das genau heißt, die hat er aber auch in der Ausstellung hingehabt, wo es einfach Und dann auch so Gesichter, die unter Plakaten, über Plakaten, über Plakaten, die dann rauskamen, also der Verfall dieser Plakate. Das ist eine schöne Idee eigentlich, das mal so beobachten kann.
Kai Behrmann
00:11:22
Wollen wir mal auf ein Bild hier raufschauen, wo wir gerade hier eins haben. Genau, hier ist ein Bild, was dieser, ja genau, ein Klassiker, würde ich sagen. Von dir ein Bild, was man vielleicht schon mal gesehen hat. Das ist diese Treppe mit dem Mann, der da runter läuft und durch so ein kleines Löchlein In der einen Treppenstufe sieht man einen weiteren Mann, der auf der hinteren Ebene etwas unterhalb davon am Main entlang läuft.
Stefan Lauterbach
00:11:55
Ja, es ist sogar ein Älteresbild. Das ist so 2017 entstanden. Da habe ich auch, oder 18, ich bin mir ganz sicher. Auf jeden Fall eines der Anfänge noch. Eines der ersten, die ich so bewusst mit Street-Fotografie gemacht habe. Damals habe ich nicht so wirklich darüber nachgedacht, was ich da tue, also ich war schon so ein bisschen dieses typische Work the Scene, ich habe halt das gesehen, da war eine Treppe, das war irgendwie interessant, da war so eine grafische Struktur, und dann habe ich beobachtet, was passiert oben, unten und links und rechts und dahinter, also schon Layering auch, aber nicht den Begriff Layering, da konnte ich damals, also das wusste ich aber noch nicht, was es genau ist von dem Begriff hier, also es erzählen ja auch immer wieder viele, die schon lange in der Street machen, dass sie damals auch nicht wirklich wussten, was sie da, also das war nicht verbegrifflich, das ist ja auch gar nicht so wichtig eigentlich, aber ja, so war das halt, war da auch wirklich da, war eine halbe Stunde gestanden, heute würde ich das nicht mehr so lang machen, glaube ich, das war dieses typische, ich werfe mal die Angel aus und gucke, was passiert, mache ich natürlich auch noch, aber in irgendeinem Podcast hat es auch gesprochen, dass es eher so eine Mischung ist, das war glaube ich bei den Achtsamkeits, dass es jetzt nicht nur eine Sache gibt, dass es sich so ineinander. Dass es sich ergänzt, also dass eigentlich das andere ausschließt. Das Angeln und das Jagen, sag ich jetzt mal, dass es halt nicht nur das eine und das andere gibt. Und für mich ist es eine Dynamik. Vielleicht gibt es das am Anfang mehr, dass man vielleicht, so habe ich zumindest angefangen, mehr irgendwo steht, sich diese Bühne aufbaut, ist vielleicht auch ein bisschen angenehmer, weil man dann nicht so ganz konfrontativ auf irgendwas zugehen muss und halt auch entspannter vielleicht fotografieren kann. Aber ich glaube, dann vielleicht jetzt hier weiter zu gehen und zu gucken, was gibt es da noch. Also das ist dann der nächste Schritt sozusagen. Gut, bei dem Bild, das zum Beispiel, das habe ich jetzt so auch nie wieder rekonstruieren können. Manchmal gehe ich da auch mit Workshop-Teilnehmern durch und sage so, ja, versuch doch mal, ob er Sinn kriegt. Das war so, klappt kaum. War Zufall natürlich auch. Muss ich ganz ehrlich sagen, war auch Zufall. Ich habe es ehrlich gesagt erst am Ende richtig realisiert, wo ich zu Hause am PC war, dass da unten noch einer ist.
Kai Behrmann
00:14:10
Man fokussiert sich dann auf einen Bereich, den man irgendwie dann mit Leben füllen möchte oder irgendetwas Bestimmtes da reinhaben möchte, eine Person, die durchkommt oder dass irgendetwas passiert, aber dass dann auch noch in einem anderen Bereich so etwas Entscheidendes passiert. Weil das ist ja, wenn man es jetzt so sieht, dieses Bild, eigentlich das i-Tüpfelchen auf dem Bild. Also wenn diese Person da in diesem Kreis da nicht wäre, wäre es immer noch ein Bild, was sich einem erschließt, aber es hätte nicht dieses Besondere, was es jetzt hat. Diese Wiederholung, bei dem einen Mann sehe ich die Schuhe, die Schrittbewegung und durch das Loch sehe ich diesen Mann, den oberen Körperteil und gerade den Teil der Füße, der ist da abgeschnitten. Also ja, es ergänzt sich. Ehrlicherweise ist es total gut. Das ist aber, ich meine, du gibst ja jetzt auch Workshops und wenn man dann mit Teilnehmern auch, die noch am Anfang ihrer Street-Fotografie stehen, die sehen dann sowas und denken, Mensch, du gehst raus und drückst einmal auf den Auslöser und dann hast du solche Bilder. Nee, nee, das ist auch nicht genau. Ganz im Gegenteil.
Stefan Lauterbach
00:15:23
Ja, das habe ich auch immer gedacht früher. Ja. Das ist halt schon Arbeit.
Kai Behrmann
00:15:27
Es ist Arbeit, es ist auch Glück dann, ne? Glück und Arbeit. Dieses, aber dieses Dranbleiben. Also Arbeit im Sinne von... Erarbeitetes Glück.
Stefan Lauterbach
00:15:34
Genau. Ja. Ja, so kann man es nennen. Also es ist ja dieses, wie gesagt, immer wieder einer meiner Lieblingsphrasen schon fast, works the scene, also dass man sich halt die Szene im wahrsten Sinne des Wortes erarbeitet. Und das kann im Stehenbleiben passieren, das kann aber auch im Laufen passieren. Also auch da kann man ja in Millisekunden, da geht es halt natürlich schneller. Das ist vielleicht irgendwas, was man erst lernen muss, natürlich auch so ein Auge zu bekommen oder so ein Gefühl für diesen Moment. Das kann natürlich am Anfang auch gelingen, aber auch das ist mittlerweile eher sowas, was bewusster passiert. Also man weiß schon eher, wo man vielleicht hingehen kann, wo was passiert, ob man vielleicht da jetzt was erwischt hat, ob das interessant ist oder nicht. Also das so im Verlauf der Zeit ist dann, ja wie soll ich sagen, man kriegt einfach mehr ein Gefühl dafür. Ja, es ist auch viel über Bauchgefühl, muss ich eigentlich so zugeben. Ja, ganz viel. Aber auch Training, es ist ganz viel Training, immer wieder rausgehen, immer wieder machen. Egal, wie man gerade drauf ist, vielleicht auch, natürlich, ich habe aber keine Lust, das ist völlig normal. Es gibt Phasen, wo man sich nicht wirklich aufraffen kann. Und ich glaube, auch das muss man lernen, zumindest ging es auch mir da so, dass ich in Phasen, wo ich wirklich gemerkt habe, es geht einfach nichts. Ich gehe zwei, drei Mal raus, ich kriege nichts hin und sich davon halt nicht so deprimieren zu lassen, sondern das eher mal so als fast kreative Pause vielleicht zu nutzen. Aber das muss man erst mal für sich, glaube ich, gerade am Anfang, wenn man so richtig Bock hat und im Flow ist und alles ist neu und alles super, das ist ja irgendwann nur mal weg, wenn man das schon so lange macht. Und da halt dann dran zu bleiben. Ich glaube, das ist so, was vielen schwerfällt, tatsächlich sich da eben nicht so frustrieren zu lassen von dem ganzen Ausschuss oder den Phasen, wo es halt nicht funktioniert. Wir sind Menschen, wir können nicht dauerhaft kreativ sein. Das geht einfach nicht. Und das habe ich für mich halt dann immer wieder realisiert. Okay, das ist jetzt auch einfach mal in Ordnung. Jetzt klappt es halt nicht. Ist auch nicht schlimm. Und dann gucke ich mir irgendeinen Film an, den ich total super finde. Und dann habe ich da wieder tolle Bilder, die mich inspirieren, die ins Museum oder ein Fotobuch. Oder ein Video von dir, nein, ein Podcast von dir, ein Video von Thomas, nein, wem auch immer, aber es gibt so viel Inspiration da draußen.
Kai Behrmann
00:17:55
Ja, Fotografie ist nicht nur das, was ich mit der Kamera mache, sondern alles drumherum, wie du sagst, auch wenn ich mir einen Film anschaue, kann ich den durch die fotografische Brille betrachten oder auch einfach mal abschalten und andere Eindrücke aufnehmen, die mir dann aber auch wieder helfen, wenn ich die Kamera zur Hand nehme. Ich sehe es genauso wie du. Es gibt immer wieder diese Phasen, wo man vielleicht mehr Drive hat. Und dann gibt es wieder diese Phasen, wo man das Gefühl hat, irgendwie geht gerade gar nichts, man sieht nichts. Man kommt nur noch mit Bildern nach Hause, die es dann nicht ins Archiv schaffen, sondern gleich gelöscht werden. Diese Frustrationstoleranz, die auszubilden, ist extrem wichtig.
Stefan Lauterbach
00:18:43
Gutes Wort. Frustrationstoleranz. Das ist sowas, was mir in meinem Job auch immer wieder begegnet. Ich bin ja Ergotherapeut in einer psychiatrischen Klinik und da geht es oft auch darum, daran zu arbeiten bei unserem Klientel. Das ist dann manchmal in ganz anderen Bereichen nicht vorhanden. Wenn es bei uns nur in der Fotografie ist, ist das ja okay. Aber ja klar, wir kennen es nicht. Jeder hat mit so Sachen zu tun im Leben. Das ist völlig normal.
Kai Behrmann
00:19:11
Ja, macht den Reiz ja auch aus, dass es diese Entwicklung gibt, diese Phasen, die man durchlebt und dann mal einen Schritt zurück macht, dann wieder zwei Vorwärts. Also diese Fotografie als Reise zu betrachten hilft einem, glaube ich, auch dadurch, durch eher schwierige Phasen zu navigieren. Kommen wir vielleicht später gleich nochmal dazu, zu dem Thema. Ich sehe, du hast deine Kamera auch hier umhängen. Die ist immer mit dabei.
Stefan Lauterbach
00:19:42
Also das ist natürlich auch so ein Ding, dass wenn sie nicht da ist, kannst du auch kein Bild machen. Und wenn die in der Tasche ist, ist die Hürde nochmal größer, die rauszuholen und Fotos zu machen. Das ist auch so ein Ding, was ich oft merke, gerade bei Leuten, die anfangen. Die haben dann manchmal ihre Kamera noch nicht mehr rausgeholt. Und auch sogar manchmal bei Workshops, wo dann, wir gehen los, wollen in den Fotowalk gehen und die Kamera ist noch in der Tasche und dann denkt man, okay, warum? Ja, sie sind halt noch leichter verhalten oder fühlen sich noch nicht sicher damit. Aber das ist ja genau der Punkt. Wenn sie erst mal draußen ist und du hast sie vielleicht umhängen, dann hast du sie da und dann ist die Hürde schon mal geringer. Und für mich ist es einfach so, dass sie immer da, eigentlich immer, immer, immer dabei ist. Es gibt wirklich wenige Ausnahmen, wo ich sie nicht mitnehme. Also, ja, klar, das ist vielleicht auch so ein bisschen die Angst, was zu verpassen, das FOMO. Andererseits, jetzt hier mit dem kleinen Objektiv, ist jetzt nicht schwer, kann die mit. Gehst du dann auch, wenn ich jetzt nachher zum Beispiel nach einer Fotorunde im Rewe einkaufen gehe oder so, dann ist die auch noch da drum. Sie hängt ja halt hier um mich rum. Gut, im Rewe werde ich jetzt nicht fotografieren. Vielleicht doch, weiß nicht, nein. Aber ja, sie ist halt immer da und so habe ich sie griffbereit.
Kai Behrmann
00:20:59
Finde ich sehr, sehr gut. Ich meine, es liegt nah. Wenn die Kamera nicht da ist, kann ich keine Bilder machen. Dieses Fear of Missing Out ist sicherlich ein Aspekt, aber was ich noch viel wichtiger finde, ist, dass es mir selber ja auch signalisiert, ich bin Fotograf, ich habe sie immer dabei. Und ich glaube, da nimmt man dann auch Stück für Stück immer weiter diese Mentalität an und verliert auch so dieses, ah, jetzt habe ich die Kamera um, was mögen vielleicht andere davon denken oder wie werde ich wahrgenommen. Und je mehr ich das trainiere und je selbstverständlicher das für mich ist, desto mehr Selbstbewusstsein entwickelt ich, glaube ich, auch in dem Moment, wo ich Street Photography mache.
Stefan Lauterbach
00:21:38
Ich glaube, das ist gut, dass du das sagst, weil ich glaube, so geht es dann viel, dass sie sich vielleicht einfach unwohl fühlen, weil man kriegt ja dann, Leute schauen auf einen, mit einer Kamera fällt man auf, je nachdem, was man vielleicht für einen hat. Aber das ist wirklich so. Auch wenn man irgendwo stehen bleibt zum Fotografieren, die Leute gucken einen an, fragen sich, was macht der Typ da, wenn der jetzt irgendwo an der Rolltreppe hängt oder sonst wie. Aber das Schöne ist, meistens ist es nur das, was die Menschen sich denken, was tut der da eigentlich? Was ist das für ein komischer, was macht der? Nicht, was ist das für ein Freak oder so. Gut, weiß ich nicht, aber, es ist natürlich, wie du schon sagst, damit halt in der Kamera so zusammenzuwachsen und diese Sicherheit zu bekommen. Funktioniert genau so, dass man sie halt auch einfach immer mitnimmt.
Kai Behrmann
00:22:31
Stefan, dann würde ich sagen, gehen wir mal weiter aus dem Bahnhof raus und suchen uns ein etwas ruhigeres Plätzchen und einen Kaffee. Da bin ich immer für zu haben. Wo sind denn deine bevorzugten Bezirke und Gegenden, wo du gerne fotografierst?
Stefan Lauterbach
00:22:55
Ja, gute Frage. Das ist eigentlich die ganze Stadt. Meistens ist der Willy-Brandt-Platz so ein Startpunkt, der einfach abbietet. Aber mittlerweile habe ich den auch gut abgegrast. Ich kann dir überhaupt nicht so sagen, wo ich jetzt so einen absoluten Lieblingsspot hätte. Das hätte ich dir vielleicht früher sagen können, wo ich dann wirklich irgendwo länger rumgehangen bin und gewartet habe. Aber mittlerweile bewege ich mich dann auch lieber mehr und gehe von da nach da und schaue mal, was da los ist. Ich gucke wieder mal an der nächsten Ecke. Was ich super finde, ist halt schon auch die Hochweiser, so mitten drin in dem, Manhattan zu sein, weil es mich einfach optisch anspricht. Die ganzen Spiegelungen, Reflexionen in den Drehtüren dort, das mache ich ziemlich gern. Also ja, so ein bisschen abstraktere Sachen, wenn es um sowas geht oder auch, die Business People oder was da so los ist, aber auch in Kontrasten, da sind auch andere Menschen. Das kann man da sehr gut einfangen, auch nachts ist das besonders interessant, weil da natürlich die Lichter besonders aussehen wie New York oder so. Na gut, vielleicht jetzt ein bisschen betrieben. Das heißt schon Manhattan, sagt man so lustigerweise. Aber ich denke, davon ist es doch noch weit entfernt.
Kai Behrmann
00:24:18
Ja, weil im Vergleich mit anderen deutschen Städten ist es schon so, dass es auffällig ist, diese Skyline, die sonst so in der Form jetzt keine andere Stadt hat. Auch alleine, wenn man auf Frankfurt zufährt, sieht man es ja schon von Weitem, diese Skyline.
Stefan Lauterbach
00:24:35
Das ist beeindruckend, keine Frage. Das ist immer noch beeindruckend. Ich weiß noch damals, wo ich hier das erste Mal hergekommen bin und dann hier durchgelaufen bin, das ist unglaublich. Und mittlerweile ist es für mich halt Standard, in Anführungszeichen. Das liegt jetzt vielleicht schon ein bisschen abgehoben, aber es ist halt Alltag, man lebt hier. Trotzdem faszinieren mich diese Hochhäuser schon. Und die geben halt fotografisch ziemlich viel her auf einer gewissen Ebene. Dann hast du hier immer diese grünen Anlagen dazwischen, die kann man auch gut kombinieren. Also es gibt halt diese tollen Kontraste, inzwischen wieder ältere Häuser, aber auch nicht nur in den architektonischen Dingen, sondern auch in den Menschen. Da ist wirklich ein super bunter Mix, der hier unterwegs ist. Das haben wir ja eben auch schon gesehen zum Teil und gut, jetzt am Freitag um 12.00 Uhr das luncht wahrscheinlich. Jetzt werden wir wahrscheinlich eher Leute sehen, die aus den Hochhäusern kommen, Banker und so weiter. Aber jetzt hier auch schon dazwischen derjenige, der seinen Einkaufswagen vor sich schiebt. Dann vielleicht den einen oder anderen Tipstar. Also schon sehr, sehr bunt. Was mich noch interessiert sind aber mittlerweile, also ich suche ja immer nach neuen Plätzen auch hier in der Stadt. Natürlich sind die altbekannten, man hat so seine Sporzungen immer wieder hin, geht das schon. Das ist ja, wie gesagt, dieser Wiedbrandplatz, sind die Hochhäuser, das ist vielleicht noch der Römer, dass mehr so touristische Sachen sind, so einzelne Kleinigkeiten, die immer so in meinem Kopf mitlaufen, wo ich da immer wieder gucke, was gibt es denn jetzt hier Neues, wie die Brücke da, wo das Bild vorhin entstanden ist, dass wir uns angeschaut hatten. Also klar gehe ich da immer wieder hin. Es gibt ja immer neue Situationen. Aber was ich jetzt demnächst mal deutlich auch mal mehr machen muss, ist einfach mal ein anderer Stadtteil hinzugehen, was ich viel zu selten mache. Nordend, Bornheim, Pockenheim, da gibt es genug Dinge, die man auch vielleicht fotografieren könnte. Ja, Zeil gibt es noch. Das ist für mich total Reisüberflutung. Ist natürlich spannend in Richtung Layering, weil wenn du viele Menschen hast, gibt das natürlich gut. Aber ich mag den Ort nicht so.
Kai Behrmann
00:26:47
Ja, Frankfurt kann schon sehr überlaufen wirken. Es gibt ja ab und zu hier auch Workshops, die sind dann meistens am Samstag. Wenn man dann hier auf die Zeil geht, also die Haupteinkaufsmeile und Richtung Römer und so, das ist ein Gewusel, was viele erstmal überfordert. Da einen Blick zu entwickeln, in diesem sich Dinge, Szenen rauszusitzen, die man fotografieren möchte. Das ist eine Herausforderung. Es kann spannend sein, aber auch schnell zu Frustrationen führen, wenn man mal so einen Tag hat, wo die Energie vielleicht nicht so hoch ist und man nicht diese Anstrengung wagt, sich da in dieses Gewusel reinzusehen.
Stefan Lauterbach
00:27:32
Absolut. Und das Gewusel wiederum, das finde ich schon auch ansprechend, also grundsätzlich. Das kann man nur nicht immer machen. Und nicht so lange. Also jetzt, sagen wir mal, ich gehe mal gerade noch mal nach Brüssel zurück. Das ist ja auch eine sehr wuselige Stadt. Und da war da so ein Fest. Das ist ein Syndicair oder sowas. Das geht um Kulturen. In Brüssel leben ja sehr, sehr viele Kulturen auf einem kleinen Fleck. Noch mehr als hier. Auf jeden Fall, da habe ich auch einen Workshop gemacht. Der hat uns dann rausgeschickt, eineinhalb Stunden, wir sollten ein Bild machen, hoffentlich spreche ich das jetzt richtig aus. Ambitious pictures, also Bilder, die halt nicht so auf den ersten Moment alles preisgeben, Zweideutigkeit, genau. Und dann bin ich da in diese Massenreihen und ich hatte halt diese Aufgabe, was irgendwie gut war, so eine Aufgabe mal zu haben, Ich geh mal weg von den Bohren. Ja, was soll ich sagen? So eine Art Bilder mache ich sowieso ganz gern, wo zweideutige Sachen passieren, wo halt nicht alles auf den ersten Blick sofort erschließlich ist, was da eigentlich los ist. Und ja, ich hatte aber dann, wie soll ich sagen, nicht Scheuklappen, sondern ich war einfach total fixiert auf diese Aufgabe und bin dann diese Massen, die haben mich so dermaßen überfordert, dass ich das Gefühl hatte, dass ich gar nichts hingekriegt habe. Und am Ende, wo ich dann zu Hause drauf geschaut habe, waren dann doch ein, zwei Bilder dabei, die ganz okay waren. Aber trotzdem finde ich das halt spannend, sich das vielleicht mitzunehmen. Auch dieses Thema, das ist jetzt bei mir noch mal präsenter geworden dadurch. Also nicht, dass ich das nicht wüsste, dass ich so Bilder machen kann und möchte, sondern einfach das noch mal präsent zu haben, weil mir halt das immer mitgegeben hat, so mehr oder weniger. Das kann man aus so einem Workshop dann ja auch mitnehmen. Genau. Und deswegen, ich stürze mich schon gerne auch in diese Massen und versuche dann, das Chaos da drin zu orten. Das ist, finde ich, eine sehr, sehr große Herausforderung. Wo es gut geht und wo ich es gerne mache, ist eigentlich sowas wie Kermes, Dippemes heißt es bei uns. Oder welches Tag, so verschiedene. Oder halt irgendwelche Volksfeste. Das ist auch super wuselig, aber es ist vielleicht ein bisschen geordneter wieder im Sinne von, weil es ist ein Thema. Klar dann da diese layering ist diese verschiedenen ebenen wo da was passiert vorne was passiert hinten was passiert ja nicht ob das sind so die bilder die halt wirklich dann sehr sehr spannend sind, wo man auch wirklich zwei dreimal gucken muss ja die hat man vielleicht immer glück hat ein paar mal ja ja ist mich noch mal die jungen zu metz du hat ja auch sein buch damals, all set Life Can Afford heißt es, glaube ich, mehr als zehn Jahre in London fotografiert und hat da 50 Bilder drin oder weniger und hat super streng sequenziert, ausgeschlossen. Ja, also das ist immer, wie viel Jahre es dauert, bis man so ein Buch dann gemacht hat.
Kai Behrmann
00:30:52
Ja, bringt uns dann zum Anfang unseres Gesprächs oder unseres Spaziergangs hier zurück, wie viel Geduld man haben muss, bis dann mit der Zeit diese Bilder irgendwann dabei herauskommen. Aber es ist natürlich auch Matt Stewart, der sehr, sehr lange dafür braucht, um diese wirklich herausragenden Bilder zu machen. Dieser Workshop, war das jetzt kürzlich erst oder ist das schon eine Weile her?
Stefan Lauterbach
00:31:21
Das war jetzt vor kurzem, im Mai in Brüssel beim Brüssel Street Photography Festival. Das ging hier rüber. Das war gut. Im Nachhinein, wie gesagt, das war einfach zu viel für mich an dem Tag. Der Workshop war auch ein bisschen voll. Das waren 15 Leute. Das wäre jetzt nichts, was ich normalerweise machen würde. Aber ich wollte halt gerne mal mit Matt, irgendwie sie, mit der so arbeitet.
Kai Behrmann
00:31:48
Definitiv. Das stelle ich mir sehr, sehr spannend vor. Gerade Matt Stewart ist ein Fotograf, den ich sehr schätze. Was hast du von ihm sonst so mitgenommen aus diesem Workshop?
Stefan Lauterbach
00:32:00
Ja, nicht mit Sonnenbrille fotografieren.
Kai Behrmann
00:32:06
Ich habe meine Kamera nicht dabei. Nein, das ist wirklich.
Stefan Lauterbach
00:32:09
Das hat er sogar vorher in den Text geschrieben. No Sunclasses. Warum? Ja, warum? Weil du mit Sonnenbrille direkt irgendwie, wie soll ich sagen, du wirkst halt versteckter. Man weiß, die Leute wissen nicht genau, wo du gerade hinschaust, was du für ein Typ bist. Und wenn sie dann Augen sehen, bist du nicht gleich der unscheinbare, wie soll ich sagen, Augenkontakt ist tatsächlich schon wichtig. Natürlich möchte man es nicht immer, aber wenn es dann doch mal dazu kommt, ist es vielleicht besser, wenn du eben keine Sonnenbrille anhast und einfach ein freundliches Gesicht machen kannst. Das kommt ja nicht nur durch den Mundwinkel, sondern auch durch die Augen. Und ich glaube, das wollte er damit sagen. Das fand ich wirklich sogar, am Anfang dachte ich so, wieso, was soll das? Ich brauche meine Sonnenbrille, es ist total heiß. Ich war da auch so um 30 Grad plus an dem Tag. Und dann habe ich es aber verstanden und seitdem mache ich es tatsächlich weniger, was dann natürlich auch ein bisschen nervt, weil es anstrengend ist. Aber ich habe schon den Eindruck, dass es so etwas bringt, also so eine Kleinigkeit, in bestimmten Situationen. Ich hänge sie mir dann jetzt hier so hin, hier einfach so hin. Wenn ich sie brauche, habe ich sie halt parat und wenn nicht, ziehe sie wieder ab.
Kai Behrmann
00:33:26
So, Prost kann man ja nicht sagen. Wir trinken jetzt Kaffee, aber wir haben uns jetzt mal gemütlich gemacht, kommen aus dem Laufen raus und haben uns jetzt hier in ein kleines Café zurückgezogen. Stefan, wenn du in Frankfurt unterwegs bist, gibt es da einige Orte, die du bevorzugst? Hast du so ein paar Café-Tipps vielleicht auch? Weil das ist ja auch wichtig für Street-Fotografen, zwischendurch immer mal wieder eine Pause zu machen.
Stefan Lauterbach
00:33:53
Das ist jetzt nicht das, wo ich am nächsten fotografiere, das hat man eben schon. Kaffeetipps, ja. Ja, ich bin offizieller anerkannter Kaffee-Junkie. Wer mit mir unterwegs ist, weiß das auch. Und ich bin auch jemand, der sich langsam bewegt tatsächlich. Das kann manchmal herausfordernd sein mit Menschen, mit denen ich zusammen rumlaufe. Aber ich bin, jetzt bleibe ich da etwas ab, aber ich bin unheimlich gern mit anderen Leuten zusammen. Ich mache gerne zusammen Fotos mit Freunden und so weiter. Aber auch gerne allein. Also das brauche ich einfach auch, dass ich in meinem Rhythmus arbeiten kann. Und da weiß ich ziemlich genau, welche Kaffee sich ansteuern kann. Da gibt es zum Beispiel hier vorne, das heißt BUNCA. Da wollte ich eigentlich eben mit dahin. Das ist da, wo die Hochhäuser sind und es so gehämmert hat. Da war es ein bisschen laut. Jetzt sind wir hier in der Nähe des Rossmarkt. Bei Kaffee Opitz heißt dieses hier. Karin, da gibt es ganz viel, Dann kann man in der Altstadt, gibt es das Espresso Espresso, das ist super. Ja, es gibt noch ein paar mehr, es gibt auch viele Röstereien, Hoppenwort im Loch oder so. Ja, es gibt schon ein paar, die sind überall verteilt. Meinst du, war das...
Kai Behrmann
00:35:14
Wie wichtig, oder du hast es eben gesagt, wenn du alleine unterwegs bist, du bist eigentlich eher jemand, der langsamer läuft. Aber wie wichtig sind dir auch bei so einem Walk dann die Pausen? Bist du eher so der Typ, der da durchrauscht und sich weniger Pausen nimmt? Oder brauchst du diese Pausen zwischendurch auch immer mal wieder, um den Blick ausruhen zu lassen?
Stefan Lauterbach
00:35:40
Gute Frage, ja. Also ich brauche die, ganz klar. Das ist so. Und das brauchen vielleicht manche andere nicht. Aber natürlich, wenn ich in so einem Flow bin, dann lasse ich es natürlich auch sein. Und dann unterbreche ich es nicht. Aber ich sage mal, wenn ich so eine Stunde unterwegs war, dann brauche ich auf jeden Fall erstmal eine kleine Minipause. Und ich mag das halt auch so ein bisschen, so ein Mix aus, ich flanier durch die Stadt und dabei zu fotografieren. Und wenn ich jetzt hier in Frankfurt bin, ist es jetzt eigentlich eher selten, dass ich jetzt acht Stunden am Tag unterwegs bin. Gibt es ja auch Menschen, die das tun. Das mache ich dann halt auf Reisen eher. Und da aber da auch, da möchte ich ja auch gerne die Kulinarik miterleben, auch Teil des Ganzen irgendwie werden. Für mich gehört es dann auch dazu, sich irgendwann mal hinzusetzen, einfach mal zu beobachten, Kaffee zu trinken, was Schönes zu essen. Finde ich irgendwie wichtig.
Kai Behrmann
00:36:34
Dieser Mix aus alleine fotografieren, dann mit Freunden, Bekannten, Kollegen unterwegs zu sein, den Austausch, das lebst du ja auch. Also du machst deine eigene Fotografie, dann bist du Teil eines Kollektivs hier in Frankfurt, Collateral Eyes. Ja, genau, hast du das passende Käppi dazu. Ist das Merch oder nur für euch?
Stefan Lauterbach
00:36:56
Ja, Merch. Nur für uns.
Kai Behrmann
00:36:59
Okay. Du bist so einzig. Ja, oder vielleicht der ein oder andere Hörer irgendwann. Du engagierst dich auch in der deutschen Street-Fotografie-Szene, bist international unterwegs, hast eben gerade gesagt, warst in Brüssel. Also ja, da gibt es schon eine Menge Abwechslung. Bleiben wir mal bei dem Kollektiv hier in Frankfurt auch und bei der Szene, die sich jetzt hier drumherum entwickelt hat. Und wie hat das Ganze damals mit euch angefangen und was war dein Gedanke, in so ein Kollektiv zu gehen?
Stefan Lauterbach
00:37:34
Also mit euch, also an dem Punkt, wo ich eingestiegen bin, kann ich erzählen. Davor, das muss vielleicht jemand anders erzählen. Aber gut, man kann darauf kurz eingehen. Wir hatten ja eben schon mal kurz darüber gesprochen. Also es war, glaube ich, so, dass es auch einfach durch Fotowalks entstanden ist, die damals der Frank Meffert, falls den noch irgendwer kennt, organisiert hat und meines Wissens sogar ging das alles aus einem Workshop mit Thomas Leutharde vor. Ich glaube der Achim hat das mal erzählt in seinem ersten Gespräch bei dir, ich weiß es nicht mehr genau. Auf jeden Fall, das war glaube ich so der Ursprung dieser Workshop, wo dann Achim, Ivan, Lukas glaube ich waren, und Tobi noch. Ich glaube, die waren das. So genau kriege ich es jetzt nicht mehr zusammen. Und da hat sich das dann so entwickelt, dass sie immer wieder Fotoworks gemacht haben und irgendwann das Ganze mal halt dem Ganze mal einen Namen gegeben haben. Und dann ging das immer so weiter. Und warum ich dazu gekommen bin, die Frage war, was mich da gereizt hat oder wie. Ja, genau. Also ich war zuerst in einem anderen Kollektiv, das muss man ja auch noch dazu sagen, weil es gibt es leider jetzt auch nicht mehr Off-Perspective, das war in NRW, das liegt daran, dass ich damals, 2017, wo das ungefähr angefangen hat, intensiv zu werden, für mich immer wieder in Köln war. Da gab es noch Soul of Street, vielleicht auch noch bekannt, von Rainer Giersch, der hat das meistens organisiert und noch zwei, drei andere. Und die haben ja fast jeden Monat dort einen Walk gemacht. Und für mich war das so, ich habe halt geguckt, wo gibt es Menschen in Deutschland und in der Nähe, die vielleicht auch Street-Fotografie machen können, das wollen oder tun. Heute ist es ja anders. Jetzt findet man an jeder Ecke, es ist enorm gewachsen. Das ist Wahnsinn, wie viele Menschen das jetzt mittlerweile machen. Ich kann manchmal gar nicht hier durch die Stadt laufen, ohne jemanden zu treffen. Das ist wirklich so. Ja, und damals gab es aber nicht so viele Anlaufstellen. Und Köln war halt eine. Und dann bin ich immer wieder dahin, ist ja nicht so weit, die Leute sind halt einfach Freundinnen geworden, kann man so sagen. Und dann war ich halt Teil dieses Kollektivs, weil Collateral Eyes gab es dann natürlich auch. Auch bei denen war ich zu den Walks natürlich, die gab es nicht so häufig wie jetzt Köln. Achim kannte ich schon dann auch ganz gut. Ich bin auch manchmal mit denen nach Köln gefahren, aber dass ich da jetzt irgendwie mal gefragt wurde, das kam erst später. Also ich wurde tatsächlich gefragt von Collateral Ice, als ich kurz davor bei, Off-Perspective teilwurde. Teils Colleties wurde. Ja, dann war halt erstmal das. War dann so ein bisschen doof. Aber nach einer Zeit habe ich dann gemerkt, dass ich dann schon gerne, wirklich gerne bei Collateral Ice im Teil sein möchte, weil ich gerne lokal auch Leute haben wollte und hier ein bisschen die Szene mit vorantreiben will, die Community erweitern möchte, zusammen mit dem Kollektiv. Und das ist auch so ein bisschen das, was wir ja gerne machen, ist halt durch diese Walks die Community zusammenzubringen. Das ist einer der Aspekte. Also lokal natürlich, ja. Meet in the Street ist immer eine andere Geschichte. Und so ist es dann entstanden, dass ich dann irgendwann, Also ich habe tatsächlich erst mal abgelehnt bei der ersten Frage. Dann kam ich dann irgendwann an, wäre es dann für euch doch okay, wenn ich erst mal in zwei Kollektiven bin. Und dann war das okay für beide und dann war ich halt in zwei. Und so hat es sich einfach entwickelt, dass ich dann hier mehr Bezug hatte, weil viel näher und viel öfters. Und die anderen, mit denen habe ich mich ja ab und zu auch getroffen. Wir haben auch mal Reisen gemacht und es waren Freunde und sind Freunde. Aber als Kreativ ist es dann auseinandergegangen. Weil das zu viel war, das konnte ich dann auch nicht mehr handeln, einfach zeittechnisch, konnte ich nicht beiden gerecht werden. Weil es war in Corona-Zeiten tatsächlich, wo ich dazugekommen bin, da war erstmal nicht viel. Und wo das dann vorbei war, war dann wirklich viel, beides war einfach nicht möglich. Und so habe ich dann für die Frankfurter entschieden. Ja, einfach aus den Gründen, dass ich halt hier lebe und genau.
Kai Behrmann
00:41:49
Wie ist euer Selbstverständnis als Kollektiv? Du hast eben schon gesagt, ein Teil ist hier auch die Community zusammenzubringen, auch anderen zu zeigen, hier gibt es uns, was ist Street Photography? Ihr macht hier regelmäßige Streetwalks. Kannst du das nochmal ein bisschen genauer skizzieren, was so euer Anliegen ist? Was wollt ihr mit eurem Kollektiv erreichen? Wie ist da die Gewichtung? Eher für euch als Netzwerk untereinander, um euch in der Fotografie weiterzuentwickeln oder auch ganz bewusst zu sagen, wir möchten auch nach außen wirken?
Stefan Lauterbach
00:42:26
Ich glaube, beides natürlich ein Stück weit. Lokal wollen wir natürlich nach außen wirken, was ich gerade schon gesagt habe mit den Barocks, was dann der Bezug ist. Wir sind jetzt aber auch nicht so, dass wir das so, so oft machen. Das würde dann, glaube ich, auch irgendwann einfach nicht mehr so viel Spaß machen, weil es auch einfach organisatorischer Aufwand ist. Ich denke, wir lernen viel voneinander, miteinander und unsere Ausstellung letztes Jahr, da warst du ja auch. Das ist so, würde ich sagen, ein kleiner Game Changer gewesen, wo wir zum ersten Mal wirklich intensiv miteinander kuvertiert haben, welche Bilder funktionieren. Es gab stundenlange Sessions, sowohl bei Andrea im Wohnzimmer, auf dem Tisch, als auch online dann auf dem Miro-Board. Und da habe ich viel gelernt. Also gerade auch, was funktioniert an Bildern zusammen, was nicht. Wie kann man was hängen? Das war für mich, ist es eher noch neu gewesen. Ich hatte vorher noch nie eine Ausstellung. Das war gegen einigen bei uns so. Und das war so, das hat immer zusammengeschweißt. Und ich glaube, wir haben gegen uns gegenseitig Halt. Man kann immer fragen, wenn man vielleicht Kritik möchte für ein Bild oder zusammen rausgehen. In Grüssel war ich jetzt mit Andrea. Ja, wir waren jahrelang immer in Luxemburg auf dem Festival mit mehreren Leuten unterschiedlicher Konstellation. Also auch was zusammen zu unternehmen und sich auszutauschen, das ist schon einfach, finde ich, schon einer der wichtigsten Aspekte. Ja, und dass wir einfach Menschen sind, mit denen man zurecht, zurechtkommt, das klingt jetzt blöd, nein, die man mag und mit denen man sich gut versteht und die einfach auch Freunde werden und geworden sind.
Kai Behrmann
00:44:06
Letztes Jahr hattet ihr diese Ausstellung in, ich glaube, es war ein kleines Architektenbüro, ne? Wo ihr die Räumlichkeiten da nutzen konntet. Jetzt steht eine weitere Ausstellung vor der Tür in Hattersheim seid ihr. Was steckt da dahinter?
Stefan Lauterbach
00:44:25
Hattersheim ist ein Obdachlosenwohnheim und Anlaufstelle für obdachlose Menschen generell. Das ist wohl so, dass, leider weiß ich den Namen jetzt gerade nicht mehr, aber die Person, die das da macht, ist schon seit Jahren da aktiv und hat selber Kunst interessiert und hat schon unendlich viele Ausstellungen dort organisiert. Es ist ein kleiner Raum, es ist wie so eine Tagesstätte und dort werden wir ein paar Bilder aufhängen. Und wir wollten, wir haben uns gedacht, wenn das jetzt, das ist nicht so, dass da man mal einfach so rein spazieren kann. Es gibt eine Vernissage, das wird Freitagnachmittag sein. Also es ist nicht so groß wie das letzte und auch nicht so ganz zugänglich, weil natürlich da Menschen sind, die da leben und ein bisschen geschützt werden müssen auch. Es gibt dann sicherlich Öffnungszeiten, da kann ich aber noch nichts zu sagen. Das kommt dann weiter. Und wir haben uns halt gedacht, vorher ist ja dann noch der Dennis drin, der dann das Thema quasi ja direkt auch reinbringt vom Bahnungsviertel. Und wir wollten dann so ein bisschen Kontrast und wir werden wahrscheinlich, eine bunte Tüte machen mit eher Motiven, die so ein bisschen aufheitern. Das war so die Idee bis jetzt. Das reift gerade. Wir müssen mal schauen, wie wir das zusammen ja hinkriegen. In einem kleinen Raum, das ist wieder eine Herausforderung gerade, finde ich, das zu planen tatsächlich. Obwohl es jetzt nicht viele Bilder sind, es ist trotzdem schwierig, mit so vielen Menschen dann was zu finden, was zusammenpasst.
Kai Behrmann
00:45:50
Ja, das ist die Herausforderung. Die Räumlichkeit, die will mit bedacht werden. Also das hat natürlich dann auch Auswirkungen, welche Bilder man auswählt, je nachdem wie der Raum ist und wie man sie dort präsentieren kann. Auch wie die Führung ist oder wie die Menschen durch so eine Ausstellung gehen, dass das einen gewissen Rhythmus dann hat und die Bilder dazu passen. Du hast gesagt, es wird eine eher kleine Ausstellung sein. Wie viele Kollektivmitglieder seid ihr aktuell und wie viele Bilder stellt da jeder von euch aus?
Stefan Lauterbach
00:46:24
Auf die Bilderzahl, ich kann es nicht genau sagen, wahrscheinlich werden es sowas wie vier, je nach Format. Aktuell sind wir, okay, jetzt muss ich kurz raten, warte. Das ist die Fahine, der Achim, Lukas, Andrea, Stefan. Genau, also sind es in der IVAN natürlich, also sechs Aktive. Wobei IVAN aktuell auch, glaube ich, eher ein bisschen zurückgetreten ist. Ich weiß gar nicht, wer jetzt dabei ist, ein bisschen Pause macht. Und Tobias Löhr, der jetzt eigentlich auch Mitglied ist, aber aktuell aus diversen, auch familiären Gründen, aktuell nicht so viel macht. Also werden wir wahrscheinlich zu fünf dort ausstellen. Okay, Bilder, das ist am, ich kann es ja gerade nochmal sagen, am 18. September. Das steht auch schon fest, dass da um 14 Uhr die Benissage ist. Das ist ein Freitag, das ist immer so dort. Und am 19. danach gibt es einen Walk, wo der genau sein wird. Weiß ich noch nicht, ob er dort startet oder dahin geht. Das wird noch bekannt gegeben.
Kai Behrmann
00:47:28
Ja, verlinke ich dann auch nochmal die genauen Daten. Daten und die Ausstellung, wird die länger noch zu sehen sein dort oder nur am Tag der Venice?
Stefan Lauterbach
00:47:38
Schon länger, aber ich glaube, es hat auch einen festen Rahmen, weiß es gerade nicht, also im Monat schon, glaube ich. Aber das werde ich dann, ich kann jetzt nicht so viel Genaues dazu sagen.
Kai Behrmann
00:47:50
Hat das Heim in der Nähe von Frankfurt, wie kann man das beschreiben?
Stefan Lauterbach
00:47:56
Da musst du Andrea fragen, die kennt sich da besser aus. Und da vertraue ich auch auf sie dann, wenn wir dann den Walk dort machen wollen, denn sollten, es ist ein kleiner Ort, ganz kleine Stadt, dörfliche Umgebung.
Kai Behrmann
00:48:12
Aber mit der S-Bahn von Frankfurt?
Stefan Lauterbach
00:48:14
Ja, voll. So gut zu erreichen. Ja.
Kai Behrmann
00:48:19
Du hast eben schon einige Namen genannt, die bei euch im Kollektiv mit dabei sind. Ich bin auch mal durchgegangen. Es sind schon einige, die auch im Podcast schon waren. Also Ivan Schlunski war ziemlich zu Anfang zu Gast. Dann Frank Meffert war hier schon. Achim Katzberg habe ich schon Interviews aufgenommen. Jetzt du. Also ihr seid schon ganz gut repräsentiert hier im Podcast. Immer wieder spannend, sich auch mit euch auseinanderzusetzen, weil jeder dann doch recht unterschiedlich ist in seiner Art der Fotografie. Wie würdest du persönlich deinen Ansatz beschreiben auf dem Weg hierhin ins Café? Wir haben ja schon ein bisschen gesprochen, auch in der Ausstellung, wo du sagtest, dass schwarz-weiß eigentlich so dein bevorzugtes ästhetisches Merkmal in deinen Bildern war, dass du jetzt mehr auch zu Farbe tendierst. Ja, erzähl mal ein bisschen, wie positionierst du dich aktuell in deiner Street Photography?
Stefan Lauterbach
00:49:21
Ist tatsächlich etwas, was ich gar nicht so ganz einfach erklären oder erzählen kann, aber ich versuche es mal. Schwarz-Weiß, vielleicht auch nochmal angefangen, ist, glaube ich, oft etwas, wo man gut mit einsteigen kann, weil Farbe lenkt halt dann nicht ab und ist nicht auch noch etwas, wo man drauf gucken muss. Man kann sehr cleane Sachen damit machen. Trotzdem würde ich behaupten, dass es gar nicht so eine, in Anführungszeichen, leichte Art der Fotografie ist, weil man muss eigentlich wesentlich mehr auf das Licht achten als bei Farbe, weil sonst hast du halt Grau. So will auch gekonnt sein. Ich habe mich halt früher total angesprochen, wahrscheinlich weil das eine Zeit war, wo das, ich weiß gar nicht, ob man das so sagen kann, es ist glaube ich immer irgendwo präsent, schwarz-weiß, Haben viele gemacht damals, ein Thomas Leuthardt, der mich halt sehr inspiriert hat zum Anfang, wo ich zwar nicht bei dem Workshop dabei war von dem Kollektiv, wo die da dabei waren, sondern ich habe mir das bei ihm online angeschaut. Der hat mich schon sehr inspiriert. Er hatte, glaube ich, auch so Kurse, die er da verkauft hat, so Videokurse. Und da war das halt schwarz-weiß. Dann alte Meister, Presseur natürlich und so Leute wie Elliot Erwitt. Das hat mich halt interessiert.
Kai Behrmann
00:50:42
Warte noch ein bisschen hier, ein Baufahrzeug.
Stefan Lauterbach
00:50:48
Ja, und dann, ich weiß nicht, ich kann gar nicht so richtig sagen, wann das so angefangen hat mit Farbe. Es hat dann irgendwie immer mehr in diese Richtung geswitcht. Auch bei dem Bild mit der Treppe ist vielleicht ein ganz guter Ausgangspunkt. Das war eigentlich Farbe zum Beispiel. Wobei es da gar nicht so entscheidend war. Das war jetzt das Ehe. Was ich halt auch immer sehe bei meinen Bildern ist, dass die Farbbilder, die jetzt intensiv mit Farben arbeiten, dann eher in einem bestimmten Farbschema bleiben. Zum Beispiel Komplementärfarben oder halt nicht zu präsent, nicht zu übertrieben sind, wenn das nicht zu viele Farben drin vorkommen. Also vielleicht ist das so ein Punkt, wo ich sehr darauf achte, dass es nicht zu überladen natürlich ist generell. Aber wir hatten es eben schon mit dem Chaos und dem Chaos die Ordnung finden. Und das ist was, was ich gerade als Herausforderung für mich sehe, eben auch dieses Layering aufzubauen. So, dass sich Dinge halt nicht überschneiden, Richtung, ja, Schrägstrich Wimmelbild. Das ist ein bisschen was anderes nochmal, Layer, also Ebenen, wo halt viel passiert. So, Alex Webb ist da zum Beispiel jemand, das ist jetzt einer der nächsten Vorbilder, die ich auf jeden Fall habe. Alex Webb ist wirklich für mich ein ganz großartiger Fotograf. Das durfte ich letztes Jahr in Lissabon auch sehen. Bei dem Festival hat er einen Vortrag gehalten. Bucket List. Ne, also das finde ich fantastisch. Wer die Arbeit von ihm kennt, weiß, dass der der Meister ist der Ebenen. Und die Farben sind auch fantastisch. Natürlich auch ein Soul Lighter, der mich super inspiriert hat. Der eigentlich ein bisschen was anderes macht. Natürlich auch mit Ebenen, aber natürlich viel mehr verdichtet. Viel mit Tele auch. Ich habe jetzt aktuell ja hier so einen 15mm drauf. Das ist dann 22 über der Fuji oder sowas. Das ist auch eine Herausforderung aktuell, das ist jetzt recht neu sogar. Und da, ja, nah dran zu sein, mehr im Geschehen zu sein, da will ich gerade so hin. Weg aus diesem sehr beobachten Hintergrund oder dem grafischen, das habe ich auch viel gemacht, viele Silhouetten. Natürlich, das kann man machen, das sind schöne Sachen, aber so eine Silhouette allein reicht halt dann auch irgendwann nicht mehr aus. Und eben dem Bild mehr Elemente hinzuzufügen, die eben vielleicht dann eine Story erzählen oder halt auch erst auf einen zweiten Blick was erklären oder überhaupt gar nichts erklären vielleicht. Oder eben durch diese Ebenen und diese... Konstellationen wirken, wo dann Dinge zusammen auf einmal passen, die eigentlich gar nicht zusammen gehören. Also das finde ich halt sehr spannend. Das macht ja auch einen Soullighter letztendlich, aber auf eine andere Art. Und dann kommt natürlich noch die Night-Street-Fotografie dazu, die ich auch wirklich sehr, sehr liebe, aber die ich dann auch wirklich eher so im Herbst wieder anfange. Jetzt bin ich froh um jeden Sonnenschein, den es gibt. Ich mag dann schon immer noch gern harte Kontraste und ich baue gern auf, auch mit so Schatten und Licht. Das ist mir schon sehr wichtig. nach wie vor. Ich mag, dass Bilder auch grafisch wirken und auch so ein bisschen einen finnischen Look vielleicht haben. Ich bin auch super inspiriert von Filmen, hatte ich eben schon mal durchsickern lassen. Also Kino ist ein ganz wichtiger Punkt für mich. Das sind vor allen Dingen so alte Noir-Filme, aber auch moderne Sachen, die so übertrieben moderne Blade Runner, also Dinge, die halt so Neo-Noir-mäßig sind. Aber auch Horrorfilme inspirieren mich total. Auch gerade Dinge aus den 80ern, wo dann halt so ganz grelle Farben oft benutzt wurden, so italienische Sachen. Das ist sehr, sehr speziell. Ich bin auch ein bisschen tief drin in der Materie tatsächlich. Das hat mich schon von Anfang an eigentlich immer inspiriert.
Kai Behrmann
00:54:32
Fotografische Entwicklungen, sind das bei dir eher Dinge, die langsam und graduell passieren? Oder gibt es für diese Wechsel oder für diese Brüche auch in deiner Fotografie konkrete Anlässe, dass irgendetwas passiert ist, dass du dir durch irgendetwas, was du gesehen hast, plötzlich klar geworden bist oder so Aha-Momente gehabt hast, ich muss jetzt hier irgendwas ändern oder ich möchte gerne etwas ändern. Wie sieht das bei dir aus?
Stefan Lauterbach
00:55:05
Gute Frage. Ob es da so konkrete Brüche gibt, kann ich jetzt gar nicht so genau sagen. Das sind Dinge, Man kann es, glaube ich, gar nicht so richtig benennen. Also natürlich, denke ich mal, durch das, was man sich auch anschaut, was einen inspiriert, ich habe es ja gerade schon genannt, das ändert sich ja auch. Aber auch, was Leute um mich herum vielleicht machen, auch in meinem Kollektiv, das sind ja auch einfach total unterschiedliche Stile. Da finde ich zum Beispiel auch spannend, was Andrea macht. Die macht nämlich ganz viel solche Wimmelbilder, Andrea Diener. Ich glaube, wir inspirieren uns da auch gegenseitig ein bisschen. Kurze Anekdote, wir hatten beide bei dem Festival in Brüssel bei Julia Coddington ein Portfolio-Review. Und wir haben das zusammen gemacht. Also sie war bei mir dabei und ich bei ihr. Und dann meinte Julia Coddington am Ende, ja, irgendwie inspiriert ihr euch ja schon gegenseitig. Ja, mhm. Also es gibt durchaus natürlich auch das. Und das ist eigentlich sehr schön, wenn das auch unbewusst passiert. Ich glaube, es passiert viel unbewusst. Und ja, jetzt habe ich gerade gesagt, eben so alte Noir-Filme, die waren früher schwarz-weiß. Aber da mag ich eigentlich auch eher die Farbe. Da interessieren mich eher die Kontraste. Also das kann man ja auch in Farbe genauso hinkriegen. Und die krellen Neonfarben, sowas, das man eher in der Nacht bekommt, das finde ich einfach ansprechend. Ich mag diesen Stil, das ist eher die Atmosphäre, die natürlich da ein Stilmittel ist. Und das sind natürlich am Ende alles irgendwie Stilmittel, die man benutzt, um halt irgendwas zu erzählen. Und das. Hat sich dann im Laufe der Zeit so, ich kann es dir wirklich nicht genau sagen, wo es irgendwann mal Klick gemacht hat. Das ist einfach so eine ongoing Entwicklung und es gibt so Momente, da fühlt es sich irgendwie dann richtig an, was anderes zu machen und man merkt auf einmal, okay, jetzt zum Beispiel hast du ein Bild gemacht, wo dann doch mal mehr Ebenen, wo es mal funktioniert hat endlich. Und dann, aha, dann möchte ich jetzt mehr in diese Richtung gehen. Vielleicht auch manchmal ein technischer Aspekt. Ich habe jetzt vor kurzem sogar erst seit Anfang dieses Jahres dieses Weitwinkel hier drauf, dieses 15 Millimeter. Eigentlich was total Ungewöhnliches für mich, weil ich hatte eher sowas 35, 56. Also jetzt rede ich von Vollformat. Wenn man jetzt hier Vollformat sagen würde, hatte ich glaube ich bei 22 oder sowas, hatte ich eben gesagt. 28 ist glaube ich mehr so das Gängige. Also schon sehr, sehr weit. Gut, ich sage mal so, das ist jetzt ein Objektiv, was ich von Sigma bekommen habe zum Ausprobieren. Und ich hätte am Anfang nicht gedacht, dass es etwas ist, womit ich wirklich arbeiten kann, weil ich dachte, es wäre zu weit. Aber es hat mich wirklich herausgefordert, damit was hinzukriegen. Und es hat mir dann so Spaß gemacht. Und dadurch habe ich tatsächlich etwas neue Sichtweise auch entwickelt. Also ich habe es wirklich nicht, wenn ich jetzt sonst vielleicht nicht gemacht, wäre ich vielleicht eher bei 28, 35 geblieben. Und dadurch muss ich natürlich näher ran. Und ich habe das seit Februar fast immer drauf, hier in Frankfurt zumindest. Und das zwingt mich halt mehr in die Situation zu gehen. Und dadurch kriege ich andere Bilder. Natürlich geht das nicht immer. Ich habe noch ein 35er einstecken und manchmal nehme ich auch einen Zoom. Das ist dann so ein 24-70 klassisches Zoom halt, wenn man mal vielleicht nicht so nah dran will, man hat ja auch unterschiedliche Phasen, also das ist ja ganz klar. Und dann nehme ich lieber das, wenn ich merke, heute ist es nicht so mit Nähe, dann bleibe ich ja wieder aus der Distanz mehr. Aber natürlich kann man das auch hiermit machen, man kann ja auch hiermit beobachten, dann hat man halt auch wieder ein unterschiedliches, ein anderes Bild logischerweise. Aber dieses näher rangehen ist etwas, was sich durch dieses Objektiv deutlich, deutlich, ja es wurde quasi erzwungen und das ist ja natürlich was, was auch viele ja immer wieder auch sagen, dass man am besten ein Objektiv nimmt und sich damit mal ein Jahr beschäftigt oder ein halbes und das ist jetzt hier irgendwie unbewusst passiert. Und es hat total Spaß und Sinn gemacht. Und das habe ich wirklich weitergebracht. Das habe ich so nicht erwartet.
Kai Behrmann
00:59:20
Ja, also sich auf eine Brennweite zu fokussieren, ich mache das selber ja auch. Bei mir ist es das 23er, was eigentlich gar nicht abkommt von meiner Kamera.
Stefan Lauterbach
00:59:29
35 aber dann, oder?
Kai Behrmann
00:59:31
Genau, APS-C. Und das hat eben genau diesen Effekt, den du eben genannt hast, dass sich der Blick darauf so gewöhnt und dass eine Selbstverständlichkeit und wirklich eine Verlängerung des Sehens, des Auges wird diese Brennweite und du dadurch natürlich auch eine enorme Konsistenz in deine Bilder bekommst über einen längeren Zeitraum. Das kann man als limitierend ansehen, vielleicht entgeht mir dadurch auch was, aber ich sehe aktuell für mich da eher die Vorteile. Ich glaube aber, dass man sich bewusst sein sollte, was auch mal eine neue Brennweite bewirken kann, wie in deinem Fall. Dass du dadurch gezwungen bist, näher an deine Motive heranzugehen, dass das die Art und Weise verändert, wie du fotografierst, was du fotografierst. Also das kann schon ein Impuls sein, der dann auch mal wieder für frischen Wind in der eigenen Fotografie sorgen kann.
Stefan Lauterbach
01:00:32
Das stimmt, ja. Das war ja genau der Fall hier tatsächlich. Und das ist, ja.
Kai Behrmann
01:00:37
Stimmt. Ne, die Frage, die kommt jetzt, weil du sagtest, dass du auch noch andere Objektive bei dir in der Tasche hast. Ist es so, dass du dann mit mehreren rausgehst oder ist es, wenn du morgens oder egal wann du rausgehst zum Fotografieren, dann sagst, heute nehme ich die Brennweite mit, alles andere bleibt zu Hause oder wechselst du auch unterwegs?
Stefan Lauterbach
01:01:03
Kommt immer drauf an, wo ich bin. Also in der Stadt versuche ich dann halt nicht so viel mitzusteppen, weil, Das sind ja kleinere Touren und ich weiß ja ungefähr, was mich hier so erwartet. Und da kann ich mich auch viel besser darauf einlassen, dass ich vielleicht jetzt nur das eine dabei habe. Es ist natürlich immer noch, also ich habe noch, wie gesagt, 35 einstecken, mit der Situation dann nochmal erfordert. Und, wie war die Frage?
Kai Behrmann
01:01:30
Ob du immer mit nur einer Brennweite losgehst oder mehrere in deiner Kameratasche hast?
Stefan Lauterbach
01:01:36
Also schon nochmal ein, zwei dabei. Definitiv. Ja, Backup, ein bisschen zur Sicherheit.
Kai Behrmann
01:01:43
Ich habe noch einen 35er, was ich ab und zu mal mitnehme, aber ich wechsle eigentlich gar nicht. Ich weiß gar nicht, was es bei mir ist, warum ich dann nicht mal sage, okay, jetzt nach einer Zeit, ich wechsle mal, probiere mal was Neues aus. Da bin ich so eingefahren, glaube ich, mittlerweile mit meinem Verhalten. Ja, vielleicht sollte ich das auch mal bewusst machen, um vielleicht auch einen neuen Aspekt reinzubekommen.
Stefan Lauterbach
01:02:09
Ich weiß nicht, wenn du halt mit dem 35 ja so verwurzelt bist, dass du es halt in auswendig kennst, ist es ja auch gut, weil du dann eben die Konsistenz bekommst, die du vielleicht auch möchtest. Da bin ich vielleicht noch nicht ganz so konsistent, weil ich dann doch auch mal einen Zoom habe, was auch völlig okay ist, wenn ich jetzt auf Reisen bin, woanders bin, dann kommt das Zoom dann doch mal drauf. Weil ich halt einfach nicht weiß, was mir wartet. Ich könnte natürlich auch mehr darauf vertrauen zu sagen, ich lass jetzt mal dieses Weitwinkel, ja da verpasse ich wahrscheinlich was, da hast du schon recht. Ich glaube, es kommt kontextbedingt, was man machen möchte, ob es jetzt gerade ein Projekt ist. Bei Projekten sowieso sollte man natürlich schauen, dass man nicht so sehr die Brennweiten ständig wechselt, vielleicht auch eher bei einer bleibt, so bestimmten Serien vielleicht. Wobei auch das wahrscheinlich nicht in den Stein gemeißelt ist. Also ich denke, die Konsistenz muss nicht unbedingt durch Brennweite, kann ja auch durch Optik, durch Farben, durch Thema gekommen.
Kai Behrmann
01:03:10
Jetzt waren wir auf der Ebene, die eher so das Technische betrifft und einen gewissen Bildlook und eine Bildwirkung beeinflussen. Lass uns mal auf die inhaltliche Ebene gehen. Du hast gesagt, du bist großer Filmfan, magst Film noir. Das sind ja bestimmte Themen, die da auch vorkommen. So dieses Dunkle, was dann mitschwingt, so ein bisschen dieses Mysteriöse, die Spannung aufbauen. Was ist es bei dir, wenn du jetzt an deine Fotografie denkst? Was sind die Themen, die inhaltlichen Linien, die sich dort deine Bilder ziehen? Was interessiert dich als Geschichtenerzähler mit der Kamera?
Stefan Lauterbach
01:03:48
Also tatsächlich, dieses Düstere ist schon ein Thema, das ist da natürlich auch in der Nacht vorhanden als jetzt am Tag. Kann man natürlich auch, also wenn man halt viel mit Kontrasten arbeitet, kriegt man auch so einen mysteriösen Look am Tag hin, wenn man vielleicht auch abstrakt arbeitet. Vielleicht mal kurz zu diesem düsteren Aspekt. Da habe ich, ich habe viel früher, oder ich mache es immer noch gern, halt in der dunklen Jahreszeit dann doch eher mit so einem Tele, also 85er oder 56 ist das, weil das halt so eine Verdichtung gibt. Und damit kann ich einen anderen Effekt erzielen als natürlich mit so einem Weitwinkel. Und da habe ich eine Serie, die heißt Hidden Souls. Und da geht es schon darum, dass alles versteckt ist, mysteriös ist und irgendwie auch ein bisschen unheimlich vielleicht. Das wird auch weiter ausgebaut und das interessiert mich auch weiterhin. Das ist dieses eine Thema, dieses mysteriöse. Und das andere Thema ist ja jetzt entstanden. Es sind natürlich, also es sind auch Farben. Farben, Linien. Gesten, solche Dinge interessieren mich halt. Und ja, wie soll ich es erklären? Dann das eine, wie gesagt, das Düstere, das andere wäre halt die Menschen, die Menschen an sich, die Interaktion mit den Menschen, beziehungsweise einfach die Momente, die mir halt hier begegnen in der Stadt. Also auch da mehr vielleicht in Richtung Storytelling auf eine andere Ebene. Ein anderes Projekt oder das Jere ist, kann ich vielleicht mal kurz erzählen, in Kroatien entstanden auf so einer Fähre also ganz zufällig, das waren zwei Fahrten einmal hin und zurück von so einer Insel und da habe ich halt diese Mikrokosmos Fähre also wie die Leute wie auf so einer Sardinenbüchse quasi da vor sich hin schmoren auf dem Deck. Dabei passieren die unterschiedlichsten Dinge. Da habe ich einen eingeschränkten Raum gehabt. Begrenzte Zeit gehabt, jeweils 40 Minuten und habe da tatsächlich beim Zoom, aber dann war halt alles farblich gleich. Das war alles so grün, gelb, gelbe Linien überall, gelbe Bänke und dann hat die Menschen, wie die da so, da vor sich hin labern und vegetieren schon fast und zwischen irgendwie Konsum und Alltag für die einen Alltag, die von A nach B kommen wollen und Tourismus, das interessiert mich auch, übrigens Tourismus auch in der Stadt, und wie halt vielleicht weniger postkartenhaft sowas dann darzustellen, sondern vielleicht auch so ein bisschen mehr oder weniger kritisch zu hinterfragen. Wie so ein, ja vielleicht Postkartenurlaub eigentlich aussieht, aber da ist halt die Realität, wie sie alle aufeinander gequetscht sind. Da gibt es so ein Bild, wo dann auch über mehrere Ebenen Leute auf einer Bank liegen, das passiert ganz viel und ja, dann sind es manchmal nur Füße, Beine oder, Leute, die auf der Hitze flüchten und Menschen, die die Vögel beobachten und, dann die Richtung nach oben zeigen. Andere, die da total gechillt sitzen. Und sowas interessiert mich halt. So Mikrokosmen irgendwie. Und das findet man hier auch. Das wäre natürlich einmal sowas wie der Tourismus, der hier in der Stadt im Römer und so weiter passiert. Finde ich schon interessant. Vielleicht aber auch das Bankenviertel, was da so passiert. Also es sind ja alles so kleine, ja so bestimmte Orte. Auf dem man sich so als Mikrokosmos erarbeiten kann. Und dann kann man daraus ja so eine kleine Serie oder Geschichte erzählen. Es muss jetzt nicht die ganze Stadt als solche sein, sondern vielleicht reicht das, wenn man das so verschiedene thematische Orte nimmt.
Kai Behrmann
01:07:35
Ja, finde ich einen tollen Ansatz. So einen Ort jetzt nicht einfach als Ort zu nehmen, an dem ich fotografiere, sondern dorthin zu gehen und schauen, was kann ich an diesem Ort für Geschichten identifizieren, Was fällt mir da auf? Und dann eben unter dem Aspekt Tourismus zu schauen, wie drückt sich das aus an dem jeweiligen Ort? Geht ja schon dahin, dass du jetzt nicht dieses einzelne Street-Bild suchst, sondern durchaus auch in Serien denkst und in so Themenclustern. Wie würdest du das beschreiben bei dir? Ist das jetzt auch etwas, was früher noch nicht ganz so ausgeprägt war und wo du jetzt erst in letzter Zeit hingekommen bist?
Stefan Lauterbach
01:08:20
Nein, also dieses Hidden Souls Ding ist halt entstanden aus jede Menge Einzelbildern, die ich damals nicht bewusst für eine Serie gemacht habe. Das ist eher irgendwie entstanden, ich kann es dir gar nicht mehr genau sagen. Ich habe irgendwann mal gemerkt, dass der Stil ungefähr ähnlich ist und dieses Mysteriöse mich halt interessiert und so weiter. Und dann hat es sich einfach so ergeben im Nachhinein. Also es war eher ein ungeplantes Serienprojekt, das gibt es ja durchaus auch, wo dann im Nachhinein was entsteht. Und das andere ist natürlich, dass man gezielt an was rangeht. Und das entwickelt sich gerade erst noch so ein bisschen, wo ich dann so verschiedene Sachen habe, wo ich dran arbeite. Natürlich werde ich davon auch immer mal ein Einzelbild zeigen und nicht sagen, ich fixiere mich jetzt darauf und darf auf keinen Fall mein Einzelbild machen. Nein, um Gottes Willen. Aber halt schon auf längere Sicht zu arbeiten mit Projekten, finde ich schon sehr wichtig. Das ist, glaube ich, so eine Phase, die irgendwann bei jedem mal eintritt. Aber vielleicht auch, um sich zu motivieren. Dann eben nicht einfach mal raus, was kommt so auf einen zu. Das ist sicherlich immer noch ein Aspekt, der auch Spaß macht. Aber vielleicht dann auch eher frustrieren kann und es ist vielleicht dann schon gut, wenn man Serien oder Ideen im Kopf hat. Ich glaube, Hansen, Siegfried Hansen nennt es immer so Trigger, so kann man es auch nennen. Und irgendwann ergibt sich da was draus oder halt auch nicht, aber vielleicht passt es dann wieder ein anderes Projekt. Also es gibt schon so ein paar Dinge, ich würde jetzt nicht auf jedes einzelne da jetzt eingehen, aber es gibt so ein paar Sachen, die ich immer auch habe, die mitlaufen. Und manchmal. Ergibt sich dann was daraus, später erst. Beziehungsweise, was ich jetzt gerade gesagt habe mit der Fähre, war tatsächlich auch spontanes, aber in dem Moment dachte ich, ja, da versuche ich jetzt was draus zu machen. Und das andere Tourismusthema, Bankenviertel oder was auch immer, also hier in der Stadt, vielleicht auch die Münchner Straße, das ist wieder so ein eigener, Mikrokosmos, da gehe ich wirklich manchmal gern lang und drei, vier Mal hoch runter und sammeln mal ein paar Bilder und gucken, was da so rauskommt. Das sind komplett andere Fotos natürlich, die jetzt am Römer- oder am Bankenviertel entstehen. Vielleicht ist es am Ende auch doch das Großprojekt Frankfurt, wer weiß. Aber ja, halt in diesen kleinen Teilaspekten, Teilserien oder Miniserien, das ist auch manchmal spannend. Aber ich finde wieder, da bin ich jetzt wieder bei dem Aspekt, ich suche mir gerne einen Ort und erkundet ihn halt von vorne bis hinten und dann ist es vielleicht eine Serie um den Ort herum.
Kai Behrmann
01:10:55
Ja, also dieses Denken in so Blöcken, die man miteinander kombinieren kann und die doch alle miteinander irgendwo verbunden sind und man dann erst im Nachhinein häufig erkennt, was sind die Verbindungen genau, wie kann ich was kombinieren oder vielleicht von einer Kombination dann mit ein bisschen Abstand zu einer anderen zu gelangen. Das finde ich auch das Spannende in der Fotografie, weil man sie so begreift als etwas nie Fertiges, was sich immer wieder zusammensetzen kann. Auch aus der Beschäftigung mit den eigenen Bildern, die extrem wichtig ist. Du hast gesagt, dass manchmal auch erst im Nachhinein geschieht, dass du das erkennst. Manchmal ist es der Moment, wie auf so einer Fähre, wo plötzlich irgendwie eine Lampe aufgeht und man sagt, okay, Wahnsinn, Mikrokosmos, das ist jetzt das Thema und ich dann schon in dem Moment gleich an so einer kleinen Serie arbeiten kann. Aber manchmal ist es dann eben auch erst mit ein bisschen Abstand, wenn ich zu Hause bin, auf die Bilder blicke, wo plötzlich diese roten Linien erkennbar werden und ich dann erst dran ansetze. Also ja, finde ich, löst ein großes Echo bei mir aus, was du gerade gesagt hast.
Stefan Lauterbach
01:12:07
Du bist ja auch auf jeden Fall so aufgestellt, kommst ja aus der Reportage. Wahrscheinlich hast du ja durchaus auch schon bewusst an Projekte angegangen und gesagt, okay, das ist jetzt das Thema und das ist ja nochmal eine andere Angehensweise. Wenn du ein Thema hast und dann dazu was machst, wahrscheinlich, da habe ich auch was, das ist ein Strandprojekt, das wird sich auf jeden Fall über mehrere Jahre noch hinwegstrecken. Gut, das klingt jetzt natürlich auch irgendwie, machen vielleicht auch viele. Aber ja, das ist tatsächlich ein größeres Projekt, wo ich dann wirklich überlege, demnächst mal gezielt irgendwo hinzufahren, nur um das zu machen. Aber da bin ich noch dran, weißt du nicht so genau. Ein bisschen was hing da auch in der Ausstellung, wenn dich erinnerst. Martin Paar, natürlich auch bekannt für Strandprojekte und wahnsinnige Wimmel-Wuselbilder. Aber ich glaube, es ist auch immer wichtig, dann da halt seine eigene Bildsprache da auch reinzubringen. Und dann doch was anderes. Es ist sehr, sehr schwierig, glaube ich, was komplett Neues zu generieren. Na klar hat jeder seine eigene Sichtweise auf die Dinge. Das macht es halt super herausfordernd. Aber es kann auch antreibend sein.
Kai Behrmann
01:13:16
Ja, Wir haben ja, muss ich sagen, den Nachteil, dass wir jetzt zu einer Zeit fotografieren, wo es die Fotografie schon eine ganze Weile gibt. Damals, die Fotografie ist jetzt noch ein relativ junges Medium, ich glaube 250 Jahre im kommenden Jahr ist so der runde Geburtstag, der da gefeiert wird. Aber so massentauglich ist Fotografie ja eher so mit Leica geworden, als die Kameras immer kleiner geworden sind und jeder auch die Möglichkeit hatte, ohne da so einen großen Kasten aufstellen zu müssen und sehr, sehr unbeweglich zu sein, in der Stadt zu fotografieren. Aber die großen Namen, die wir jetzt heute kennen, Cartier-Bresson, dann weiter Robert Frank, Joe Mayowitz, die haben wir zu einer Zeit fotografiert, als es einmal noch keine sozialen Medien gab. Das heißt, die haben ein relativ weißer Leinwand noch vorgefunden haben, die sie mit ihrem Stil füllen konnten und jetzt eben als Stil gebend betrachtet werden. Und wir jetzt mit ein paar Jahrzehnten danach werden halt verglichen dann mit so vielen Vorbildern, die vor uns fotografiert haben und schon eben die Fotografie maßgeblich geprägt haben. Ich glaube, das muss man sich immer ein bisschen vor Augen halten, auch wenn du jetzt sagst, Martin Paar steht natürlich wie kein anderer dafür, Urlaubsszenen zu fotografieren, an diesen Orte zu gehen. Dieses Thema hat er besetzt, aber das bedeutet ja nicht, dass du das nicht auch noch machen kannst mit deinem Blick. Ich glaube, da jeder, der irgendwie den Zugang zu einem Thema spürt, sollte sich davon nicht abhalten lassen, nur weil es jemand anders auch schon mal fotografiert hat.
Stefan Lauterbach
01:14:49
Das stimmt. Da ist es gut, dass du es gerade erwähnt hast, weil manchmal erwischt man sich, da erwische ich mich auch dabei, dass sich das dann irgendwie dann manchmal nicht so richtig vielleicht anfühlt, aber ja, natürlich, was ist falsch daran? Ich denke, das ist, was ich gerade schon gesagt habe, da halt dann was Eigens draus zu machen, ist vielleicht eher dann die Herausforderung. Klar, ich würde auch jetzt niemanden, also jeder, der gerade anfängt mit Street, sollte vielleicht auch erstmal kopieren. Fake it till you make it so ungefähr Ich glaube, das ist auch ein völlig normaler Prozess Dass man erstmal seine Vorbilder oder das, was einem Spaß macht, interessiert Auch kopiert, mehr oder weniger Und irgendwann entwickelt sich dann im besten Falle was raus Im eigenen Stil Und das ist, glaube ich, eines jeden Fotografen, Fotografin Größte Herausforderung, den eigenen Stil zu entwickeln und zu finden, Und den dann vielleicht auch noch erfolgreich in irgendwelche Projekte umzusetzen Und der darf sich natürlich auch verändern Das ist ja nie ein Stillstand. Das sollte es auch nicht sein. Also, dass man dann vielleicht auch andere Dinge macht.
Kai Behrmann
01:15:54
Letztendlich, wir lernen ja so, wenn wir geboren werden, Babys lernen durch imitieren. Wir machen erstmal nach, bis wir dann die Grundfertigkeiten beisammen haben, aufrecht gehen können, sprechen können und dann formen wir mit der Zeit unseren eigenen Stil, unsere eigene Art zu sprechen, Wörter zu benutzen, in Verbindung zu bringen. Und genau so ist es auch in der Fotografie. Es ist immer so ein Wechselspiel zwischen Orientierung an anderen Fotografen und dann eben sich selber zu überprüfen, was gefällt mir eigentlich, was ist in mir drin, was sind die Dinge, die ich ausdrücken möchte mit meinen Bildern. Also ja, da finde ich, ist jeder eben gefordert, diese Fragen zu beantworten für sich selber, was die Fotografie sein soll.
Stefan Lauterbach
01:16:39
Ja, das ist wahr und das ist wirklich, ich glaube, das ist so die Lebensaufgabe dann, wenn man wirklich da drin ist in dem Fotografie-Game und es vielleicht auch einfach wiederum etwas ist, was einen auch auf Dauer auf Trab halten kann. Und wenn man es wirklich ernst meint, glaube ich, dann kommt das von ganz allein irgendwann.
Kai Behrmann
01:17:01
Es kann natürlich dann immer wieder Phasen geben, wo man das Gefühl hat, irgendwo in eine kreative Sackgasse zu geraten oder unzufrieden wird mit seinen eigenen Bildern. Ich nehme das noch ein bisschen wahr, aktuell in der Street-Fotografen-Szene ganz speziell hier in Deutschland, wenn man sich da mal so anschaut, gerade in der medienaktiven Szene, YouTube, Podcast, gab es zuletzt immer wieder so Stimmen, die gesagt haben, Street-Fotografie wird langweilig. Exemplarisch ist mir da der Samuel Lintaro-Hopf, der neulichst mal ein Video darüber gemacht hat, so eine knapp 30 Minuten Rant, wo er mal sich Luft macht und Seine Unzufriedenheit äußert und so unterm Strich zu der Erkenntnis kommt, dass er relativ wenig Neues in der Street Photography sieht und dass er mit allem, was auch Social Media betrifft, da gerade so eine Phase durchmacht, in der er die Freude an der Street-Photography verloren hat. Ich verlinke das Video auch nochmal, da kann man nochmal reinschauen, was er da genau gesagt hat. Aber ohne da jetzt in die Details zu gehen, diese Grundstimmung, dass Street-Photography in den vergangenen Jahren enorme Beliebtheit erlangt hat. Es war in aller Munde, alle wollten Street-Photography machen. Das hat man ja auch bei den Meet & Street Festivals gesehen, bei den Kollektiven, die einen enormen Zulauf bekommen haben. Wo jetzt sowas mitschwingt, dass da immer mehr damit hadern mit dieser Art der Fotografie. Wie nimmst du das aktuell wahr? Du bist ja auch in verschiedenen Gruppen aktiv, hast deine Antennen in verschiedene Bereiche ausgerichtet.
Stefan Lauterbach
01:18:44
Also das Video kenne ich jetzt nicht, aber inhaltlich hast du es ja gerade ein bisschen erklärt. Also zum einen denke ich mal, dass es eine absolut individuelle Sache ist. Und auch für ihn. Ich glaube, das war ja dann auch so darüber gekommen, wenn ich es richtig verstehe. Und wie nehme ich das wahr? Ja, ich erlebe oft Menschen, die auch diese Aussage treffen, die dann auch sagen, okay, irgendwie bin ich frustriert, ich komme nicht weiter. Es wird immer mehr Ausschuss und die gehen dann auf. Das ist vielleicht die eine Sache, das ist etwas anderes, als vielleicht jetzt du meintest. Und dann ist es vielleicht auch einfach wieder dieser Überfluss, der mittlerweile entsteht an Bildern. Und wirklich so, so, so viele Menschen, wir hatten es ja eben schon mal, das mittlerweile machen und immer mehr und mehr werden. Es hat einen riesengroßen, Anklang gefunden in Deutschland und das hat sich über Jahre entwickelt. Das war jetzt noch nicht so vor fünf, sechs, sieben Jahren vielleicht. Ich weiß nicht genau, wann das Klick gemacht hat. Beispiel jetzt vielleicht USA, da ist es ja natürlich schon länger so. Ich weiß nicht, wie das da so gemacht wird, aber ich kann das schon irgendwo verstehen. Wenn einem vielleicht, wenn immer dasselbe kommt, immer dieselben Fotos, dieselbe Art. Und das hat man ja gerade gesagt, dass dieser eigene Stil zu entwickeln immer, immer schwieriger wird und eben sich nicht dauernd zu wiederholen, ist ultra schwer. Und das ist wahrscheinlich die Herausforderung, wo man dann dran zu knabbern hat und die einen auch frustrieren kann. Und ich verstehe das dann auch schon, wenn man dann sagt, okay, irgendwie inspiriert mich gar nichts mehr. Dann ist halt die Frage, was inspiriert dich? Muss es denn Street sein? Das ist die nächste Frage. Was ist Street? Und müssen wir das so benennen? Also man kann sich da auch viel breiter aufstellen. Es kann ja auch dann von mir aus in eine künstlerische Richtung gehen. Es kann in dokumentarische Projekte gehen. Vielleicht sollte man sich überlegen, was will man machen? Soweit ich weiß, hat Samuel ein Schwarz-Weiß-Projekt aktuell laufen. Und ich glaube, das macht er auch ganz gern, wenn ich das richtig verstanden habe. Das habe ich so mitgekriegt. Ich weiß nicht, was er da genau macht, aber es ist vielleicht das. Sucht man sich dann vielleicht was anderes. Das ist ja auch, wie gesagt, in Ordnung. Da macht man vielleicht etwas anderes und findet später wieder zurück zur Street. Oder auch nicht. Und wie gesagt, vielleicht sollte man diese ganzen. Begrifflichkeiten auch mal ein bisschen auflockern. Und man muss es ja nicht so benennen. Es ist einfach Fotografie und was man macht, soll einem Spaß machen und wenn das einem keinen Spaß macht, dann fragt man sich vielleicht warum und muss sich was anderes überlegen oder überlegen, wie man sich da wieder neu motivieren kann. Und das ist das, was, glaube ich, vielen schwer fällt.
Kai Behrmann
01:21:31
Ja, ich glaube auch, da stecken viele Aspekte drin in so einer Kritik. Auf der einen Seite müssen wir, und da zähle ich mich dann auch dazu ein, natürlich uns den Schuh auch anziehen. Wir haben die Street Photography natürlich auch über unsere Inhalte, über Podcasts, über Workshops nach außen getragen und dazu auch eben beigetragen. Oder was ja auch unser Anliegen war, Menschen dafür zu begeistern, weil wir es so gerne selber machen. Dass dann die Zahl der Menschen wächst, die Freude an der Street hat, das ist dann eben ja auch so. Das ist ja auch das Gewünschte und ich finde es wunderbar, wenn jeder die Möglichkeit hat und sagt, ich möchte im urbanen Raum fotografieren, weil für mich ist das immer eine Teilhabe, eine Verbindung mit dem Leben selber. Aber ich gehe raus, ich beobachte, was passiert um mich herum und einfach die Freude an der Gemeinschaft irgendwo auch sieht. Weil wenn es mich nicht interessieren würde, was um mich passiert, dann wäre auch kein Grund, da Fotos zu machen. Und insofern finde ich erst mal das was ganz Wunderbares, wenn das sehr, sehr viele Menschen machen. Was die Qualität der Bilder angeht, das ist natürlich immer subjektiv. Und jeder, der mit irgendetwas beginnt, orientiert sich, wie wir es eben gesagt haben, natürlich an einem gewissen Stil. Und wenn ich jetzt mit der Street Photography anfange, sind natürlich bestimmte Motive die naheliegenden, die Silhouette, die ich fotografiere, die Lichttasche. Das sind natürlich Bilder, die einmal einen Einstieg ermöglichen in die Street Photography. Und dann eben auch noch den Vorteil haben, oder in Anführungszeichen den Vorteil haben, dass sie gut auf sozialen Medien funktionieren. Auf Instagram ein Bild von der Silhouette, vom harten Kontrast in der Situation, die sind schnell erfassbar und dementsprechend bekommen sie auch viele Likes. Das potenziert dann wieder, dass welche denken, okay, wenn ich dafür Likes bekomme, dann mache ich das auch und hoffe, dass auch ich diesen Applaus bekomme. Dadurch entsteht vielleicht der Eindruck, dass die Street Photography ein bisschen einförmig geworden ist. Aber ich würde es nicht dem individuellen Fotografen zum Vorwurf machen, weil auch in den Workshops, die ich gebe, jemand, der damit anfängt, das ist einfach ein Einstieg in die Street, diese Motive zu fotografieren. Und von dort aus kann ich dann immer weitergehen, meinen Stil entwickeln und da auch ausbrechen. Wir haben ja eben auch über den eigenen Stil gesprochen, wie sowas funktionieren kann als Prozess.
Stefan Lauterbach
01:24:03
Also Instagram, da bin ich jetzt gerade gar nicht eingegangen, hast du eben schon mal gefragt, ist das vielleicht auch ein Teil, was dann, da kann ich die Frustration wirklich gut nachvollziehen, weil genau das ist der Punkt. Am Ende gibt es vielleicht dann Menschen, die dann nur noch für Instagram fotografieren, die das vielleicht toll finden, aber das hat halt einen riesen Anklang, aber das ist halt nichts in Anführungszeichen. Und das finde ich auch, also man sieht halt, es ist aber auch irgendwie schwierig, weil das so ein kleines Format ist. Wenn wir dort Bilder zeigen wollen, die komplexer sind, funktionieren die halt oft nicht. Aber daran sollte man sich halt auch nicht definieren. Also das ist ganz klar, glaube ich. Und, der andere Aspekt mit dem, dass man halt erstmal kopiert, hat man jetzt auch schon ein paar Mal gesagt. Also soziale Medien können frustrieren.
Kai Behrmann
01:24:52
Genau, und dass es eben schade ist, gerade als Fotograf, der einen YouTube-Kanal oder Inhalte erstellt. Es ist leider so, dass Inhalte, die technikbasiert sind oder eben populärere Themen besprechen, erfolgreicher sind, als wenn man in tiefe inhaltliche Fotografie reingeht, über Projekte, über Konzepte spricht. Das ist dann vielleicht auch etwas, was uns als medienschaffende Fotografen manchmal frustriert. Ich selber rede auch lieber über inhaltliche Fotografie und verfolge das auch relativ konsequent. Also ich glaube, über Technik wird man relativ wenig in meinem Podcast finden. Ja, einige begrüßen das, aber das geht natürlich auch zu Lasten von Downloadzahlen, von Reichweite, von all diesen Dingen. Und wenn man halt dann in andere Regionen lieber schaut und einem das wichtiger ist, dann frustriert das vielleicht auch.
Stefan Lauterbach
01:25:48
Das mag sein, ja. Also ganz kurz zum Aspekt, dass jetzt mehr die Street-Fotografie machen in Deutschland, Das ist auf jeden Fall gut, finde ich auch. Und kann uns ja auch nur zugutekommen, wir, die halt auch Workshops geben und Leute gerne auf eine wirklich konstruktive und tiefere Art und Weise an die Sache heranbringen wollen, als es ein Instagram tun könnte. Und ich glaube halt, die Leute, die sich wirklich für interessieren, die finden uns. Und da gibt es auch genug Raum für so etwas. Es gibt gar nicht so viele Menschen in Deutschland, die workshops machen also gerade street meine ich jetzt ich finde auch trotz dieser steigenden zahlen ist glaube ich immer noch eine relative nische, sieht man teilweise auch bei kamera herstellern natürlich auch natürlich darauf gucken aber für dieses auch immer noch eine nische also da sind ganz andere dinge viel wichtiger, könnte aber sein, Dass es in Zukunft immer mehr, ich glaube schon, dass es immer mehr kommt und mehr und mehr wird. Gerade jetzt auch in KI-Zeiten, weil das halt was Echtes ist. Und das kann man nun mal nicht generieren. Und das interessiert, glaube ich, auch viele. Und viele Menschen gehen auch wieder auf analog zurück. Das ist vielleicht ein anderer Aspekt. Vielleicht ist auch das dann was, was einen wieder daran bringen kann, dass man vielleicht komplett weggeht von den digitalen Krams und analog fotografiert. Nichts für mich. Ich persönlich bin halt lieber digital unterwegs, Ich habe dafür meine Gründe, was da teuer ist zum einen, aber gut. Also von daher, ich glaube halt wie gesagt schon, wer es wirklich will und diese Themen interessant findet, der wird sich auch damit auseinandersetzen, jenseits von Instagram. Das hoffe ich zumindest.
Kai Behrmann
01:27:32
Also ich muss sagen, ich habe sehr positive Erfahrungen auch schon mit Instagram gemacht. Also mein Feed, wenn ich da reinschaue, ich finde immer wieder auch spannende Fotografen, die mich überraschen, die mich begeistern. Ich bin da aber auch, was die Nutzung angeht, sehr, sehr sparsam und habe auch neulich mal konsequent die Liste aufgeräumt an Profilen, denen ich folge. Also ich trenne da so ein bisschen. Die Erfahrung ist ja, wenn man jetzt jedem folgt, obwohl das Profil einen jetzt nicht hundertprozentig überzeugt, dann bekommt man eben dementsprechend im Verhältnis auch mehr Bilder in dem Stil in seinen Feed reingespült. Also an der Stelle habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Algorithmus doch erstaunlich gut funktioniert, wenn man immer wieder so eine Kuration macht. Das heißt jetzt nicht, dass ich der große Instagram-Fan bin, aber ich bin da jetzt nicht ganz so schwarz und weiß, wie jetzt viele da sind. Es ist immer eine Frage, wie nutze ich das Medium und ich habe darüber auch schon sehr, sehr viele Fotografen kennengelernt. Also wenn ich jetzt irgendwo im Urlaub bin, in einer neuen Stadt, ich schaue immer, welche Fotografen gibt es dort, schreibe die Fotografen an und habe tolles Feedback bekommen, habe tolle Menschen kennengelernt. Also das funktioniert doch erstaunlich gut.
Stefan Lauterbach
01:28:43
Ja, stimme ich dir dazu. 100% wird es auch nicht nur so in so Schwarz-Weiß sehen. Das, was du machst, mache ich auch. Ich schreibe auch Leute an und zum Beispiel, neulich, vor zwei Jahren oder so, waren wir auf Corfu und dort in der Hauptstadt. Und da habe ich zufällig über Instagram dann Fotografen gefunden. Am nächsten Tag habe ich mich mit dem getroffen. Dann war der gemeinschaftliche Urlaub mit meiner Frau, aber habe ich mich da mal rausgezogen, ein paar Stunden bin mit dem da durch die Straßen gelaufen. Und das war eine super Erfahrung, wäre ohne Insta nicht möglich gewesen. Aber das Connecten, das Social in Social Media, das ist auf jeden Fall noch vorhanden, würde ich sagen. Vielleicht sollte man es auch mehr so sehen, dass es eben keine oder nicht mehr die Fotoplattform ist, die vielleicht Instagram mal war. Das ist es halt einfach nicht mehr. Aber trotzdem ja auch, also ich habe fast alles darüber gemacht. Die Workshops werbe ich darüber. Ich habe die bisher fast eigentlich nur darüber beworben. Ich habe Kooperationen darüber bekommen, wie zum Beispiel Sigmar Guthi, die haben auch die Website angeschaut. Das, wo wir eben waren, in der B-Ebene, kam über Insta rein, schätze ich. Weiß ich nicht 100 Prozent, aber es ist schon wichtig, vielleicht da irgendwo präsent zu sein, auch sichtbar zu sein. Einen gewissen Druck gibt es, wenn man halt ein bisschen businessmäßig da was machen möchte, hat man natürlich einen gewissen Druck, aber das ist ja jedem selber überlassen, wie sie damit umgeht. Wenn man es jetzt nur privat macht, ich glaube, da muss man sich jetzt auch nicht so einen Druck machen oder nicht stressen, wenn man halt mal nichts postet. Das ist auch gar nicht schlimm, aber ich bin mittlerweile auch sehr, sehr sparsam im Posten. Ich poste nicht mehr sehr regelmäßig. Merke ich dann auch, aber es ist dann halt einfach so. Ich kann irgendwie nicht jeden Tag ein Bild posten oder vielleicht jede Woche versuche ich es. Aber auch da habe ich irgendwie den Anspruch, dann so kleine Karussells zu posten, wo dann inhaltlich die Bilder so ein bisschen zusammenpassen. Und nicht einfach nur irgend so ein random Zeug.
Kai Behrmann
01:30:46
Ja, Instagram, ein Thema, was immer wieder hochkommt, da bin ich aber auch ganz bei dir. Wenn ich jetzt einfach Hobbyfotograf bin, der das ohne den Anspruch oder das Ziel verfolgt, damit Geld zu verdienen, dann würde ich mich da auch komplett von Freimachen, von solchen Zwängen, die da vielleicht irgendwo mit zusammenhängen, natürlich verständlich sind. Wir alle sind soziale Wesen und möchten gerne Anerkennung bekommen, aber wie intensiv da einige Likes hinterherjagen, das fördert die eigene Fotografie an keiner Stelle. Und ich denke auch, wir waren eben beim eigenen Stil schon mal bei der Frage, warum ich eigentlich fotografiere. Ich glaube, da kommt es dann auch darauf zurück. Wenn ich genau weiß, warum ich fotografiere, dann kann mir das auch egal sein, was andere fotografieren. Und ob mich das im Zweifel langweilt oder nicht mehr begeistert. Wenn ich für mich definiert habe, ich habe das Projekt, ich möchte an meiner Fotografie arbeiten, du hast gesagt, auch deine Entwicklung jetzt hin zu komplexeren Bildern. Ich kann mir ja immer eigene Ziele suchen und an denen wachsen. Und von daher, persönlich verstehe ich das dann immer nicht, wie man darüber, was man im Außen sieht, die innere, die intrinsische Motivation verliert an etwas, was einem mal Spaß gemacht hat. Kann natürlich immer mal sein, dass ich sage, okay, jetzt passt die Fotografie vielleicht nicht mehr in mein Leben, weil irgendwas anderes wichtiger geworden ist. Das gibt es ja auch.
Stefan Lauterbach
01:32:12
Ganz normale Entwicklung, würde ich sagen, genau je nachdem, wie, wie tief da jemand drin ist. Dann kommt vielleicht Familie, dann kommt Job, irgendwas anderes im Leben und dann ist man vielleicht wieder mehr raus. Kann ja auch sein. Also ich fühle meinen Teil, diese intrinsische Motivation, die spüre ich immer noch und wenn die weg ist, wird es schwierig, glaube ich. Aber die ist da und ich wüsste momentan auch nicht, warum die weggehen soll, außer halt mal vorübergehend. Das meinte ich doch eben auch mit den Phasen, wo man dann mal Phasen und Situationen hat, wo man selber deprimiert ist oder vielleicht so eine Phase hat, wo nichts funktioniert, eben sich damit dann nicht so frustrieren zu lassen, sondern das zu akzeptieren. Und dann irgendwann kommt es von alleine wieder.
Kai Behrmann
01:33:01
Jetzt steht bald wieder das Treffen, das Meet & Street an. Einmal im Jahr kommt die deutschsprachige Street-Fotografen-Szene zusammen. Diesmal findet das in Freiburg statt. Ich werde leider nicht dabei sein, weil ich am 12. Juli eine Ausstellung habe im argentinischen Konsulat im Zusammenhang mit meinem Fotobuch, was hoffentlich dann im Herbst erscheint. Wir schauen mal, ob es dann am Ende reicht für die Finanzierung über Kickstarter. Noch fehlt da ein bisschen was, aber ein paar Tage sind es noch und ja, ich bin da guter Dinge. Deswegen bin ich nicht dabei in Freiburg, aber du wirst hinfahren. Was ist bekannt, was planen die Kollegen vom Freiburger Street Black Forest Collective? Wie sieht das Programm aus?
Stefan Lauterbach
01:33:51
Also, da muss ich jetzt ein bisschen improvisieren, weil ich ehrlich gesagt es nicht 100% weiß. Also, ich war zwar mit dabei in den Planungsphasen. Wir hatten ja Ende des Jahres ein bisschen überlegt, wer das als nächstes machen kann, weil es nicht so ganz klar war, nach Dresden, wer es wird. Und da gab es so ein bisschen Austausch in einer kleinen internen Gruppe, ein paar Leute, Interessenten aus den verschiedenen Kollektiven. Und da hat sich dann Freiburg hinaus kristallisiert und nächstes Jahr wird es wahrscheinlich. Stuttgart. Ja genau, danke. Und da gibt es schon so ein paar andere, die dann in den nächsten Jahren auch noch Interesse hätten. Unter anderem auch irgendwann wieder Frankfurt, dann vielleicht zum Zehnjährigen. Aber ja, was passiert in Freiburg? Es gibt auf jeden Fall, wie immer, Freitag schon so ein Vortreffen. Da gibt es auch schon einen Biergarten, der da organisiert wurde. Kann man am besten auf der Seite nachlesen, meetinstreet.de. Samstag, wie immer, der Hauptpunkt. Das ist auch der wichtigste Tag. Da werde ich dann auch kommen. Ich bin Freitag leider nicht dabei. Ich glaube, um 10 Uhr ist Treffpunkt, wie immer. An einem zentralen Ort, Nähe des Hauptbahnhofs, soweit ich weiß. Dann gibt es wahrscheinlich wieder verschiedene Fotoworks. Die Open Gallery natürlich, die ist immer ein wichtiger Punkt, wird auch da wieder stattfinden mit dem dortigen Straßenmagazin für Obdachlose, die dann auch wieder Spenden sammeln für verkaufte Bilder, die wir dann dort anbieten können. Also jeder hängt drei, vier Bilder an so eine Wand und man kann die sich mitnehmen. Das kennt man ja schon, bekannte Prinzip, das wird weitergeführt. Aber insgesamt glaube ich, dass es diesmal auf jeden Fall sehr entspannt wird. Das ist ein kleinerer Ort. Vielleicht auch gar nicht so voll, weil es halt ein bisschen kleiner... Ich vermute, es wird kleiner, weil es... Vielleicht auch ein bisschen weit weg ist und so, was ich so herausgehört habe, kommen gar nicht so viele, glaube ich. Also ich kann es schlecht einschätzen. Aber ich finde das jetzt auch nicht tragisch. Also wir hatten ja schon alles dabei. Es hat angefangen mit unter 50 Leuten in Frankfurt, dann waren es 200 oder so, dann auf einmal 300 in Hamburg. Utopische Ausmaße schon fast. In Dresden wollte es dann wieder ein bisschen weniger. Und es ist ja immer noch unser Familientreffen, so wie ich es immer so schön benennen, das ist auch irgendwo ein bisschen mein Baby. Ich war ja dabei bei dem ersten, damals der Gerhard Prechte war ja so der Initiator, der dann auf mich zugekommen ist in Corona-Zeiten noch und gefragt hat, wollen wir nicht mal sowas in Frankfurt machen und das ist mir auch immer super wichtig, dass das funktioniert. Aber was ich gar nicht so schlimm ansiehe, ist, wenn da jetzt nur Hunder kommen, dann ist es so. Dann ist es völlig in Ordnung. Wir haben im engsten Kreise, in Anführungszeichen, das ist immer noch viel, und auch unsere Freude und können uns austauschen. Passt vielleicht auch zum kleineren Ort. Ich glaube, es ist ultra kuschelig, gemütlich da, Freiburg. Es ist eine sehr schöne Stadt auf jeden Fall. Ich freue mich drauf. Bei mir geht es einfach darum, Austausch, zusammenkommen, mit Leuten treffen, Leute treffen, zu reden, ein Bierchen zu trinken, sowas, oder Kaffee.
Kai Behrmann
01:37:00
Ja, Freiburg ist, glaube ich, von der Lage her oder wird es dazu führen, dass vielleicht nicht ganz so viele da sein werden. Ich weiß noch, das war immer die beschwerlichste Auswärtsfahrt, als ich nur als HSV-Reporter gearbeitet habe. Wenn es nach Freiburg ging, das war immer Nachtzug oder da wegzukommen oder hinzukommen. Das war immer ein ziemlicher Ritt. Von daher wird das sicherlich bei vielen dann auch ein Faktor sein. Aber Freiburg auf jeden Fall eine Reise wert, eine ganz, ganz tolle Stadt. Und wie du sagst, also das ist ja nicht das Ziel, das Ding immer größer werden zu lassen oder sich nur an dieser Zahl dann zu orientieren, wie viele dann teilgenommen haben, sondern die Qualität der Verbindung, die darüber entsteht, dieses Familiäre auch irgendwo zu bewahren. Wie nimmst du das wahr über die Jahre? Wächst das immer weiter zusammen? Auch der Kontakt unter euch durch die Kollektive, wie siehst du da aktuell den Stand in der deutschen Street-Fotografen-Szene?
Stefan Lauterbach
01:38:02
Also die Kollektive waren definitiv vorher auch schon vernetzt und das war ja mit ausschlaggebender Punkt, weil Corona kam, wir konnten uns nicht mehr treffen, es gab nirgendwo mehr irgendwelche Fotowalks, um halt innerhalb der Kollektive irgendwie wieder ein Treffen zu haben. Das hat sich aber dann ja entwickelt, dass die komplette Szene-Community aufgemacht wurde, in Anführungszeichen. Ja, wie sehe ich das? Also ich sehe es als eigentlich sehr warmherzige und positive Community. Natürlich gibt es immer mal den einen oder anderen Vapot oder mal Auseinandersetzungen. Das ist völlig normal, wo halt viele Leute zusammenkommen, da kracht es auch mal. und das sieht man manchmal an der WhatsApp-Gruppe, die es da gibt, Das ist halt manchmal ein bisschen anstrengend, aber dann ist es auch wieder okay. Und ja, es ist einfach so. Wen es stört, der muss es nicht mitmachen. Das ist völlig okay. Ich sehe auch immer wieder neue Leute, die dazukommen, was dazu passt, dass wir merken, dass immer mehr das Ganze toll finden. Das ist ein super Anlaufpunkt für Menschen, die vielleicht einfach Lust haben, reinzuschnuppern und Gleichgesinnte zu finden, die noch niemand kennen. Das ist eigentlich der beste Anlaufpunkt. Und natürlich auch andere, die alle möglichen Kollektive, die immer wieder Walks machen, das gibt es ja zum Glück weiterhin. Und dieses Jahr habe ich es nicht zu so vielen geschafft, aber da würde ich auch gerne mal wieder mehr mitmachen, auch in anderen Städten. Das ist einfach dieser Austausch seit jeher, wird dadurch vielleicht nochmal intensiviert und ist noch größer geworden. Ich weiß nicht, ich sehe es einfach als sehr positive Entwicklung. Ich glaube auch, dass wir das noch ein paar Jahre so weitermachen werden. Wie gesagt, ob es um 100 sind, 200, das spielt für mich keine große Rolle, muss ich ehrlich so geben.
Kai Behrmann
01:39:44
Das Black Forest Kollektiv ist noch relativ jung, oder?
Stefan Lauterbach
01:39:48
Ja, ich glaube schon, aber das weiß ich nicht genau, wie lange es die jetzt schon gibt, aber zwei Jahre, keine Ahnung.
Kai Behrmann
01:39:55
Noch nicht ganz so etabliert, wie ihr das seid, aber finde ich auch einen Ausdruck davon, dass sich dann immer weiter noch Kollektive bilden in weiteren Städten in Deutschland und für dieses Kollektiv sicherlich dann auch eine tolle Gelegenheit, so ein Meet & Street auszurichten. Und gerade muss man auch mal bedenken, wie viel Aufwand dahinter steckt für ein Kollektiv, was es noch nicht so lange gibt. Sowas auf die Beine zu stellen, da Gastgeber zu sein in gewisser Weise, ist, finde ich, auch was Anerkennung verdient.
Stefan Lauterbach
01:40:25
Das ist einfach der Dreh- und Angelpunkt für das Ganze. Also da auch großen Aspekt und Hut ab an Antje and the Boys, so wir es immer so schön sagen. Also die Antje ist hier nun wirklich auch schon lange in Street-Fotografie-Business drin sozusagen. Und die Leute, die da sind, sind jetzt teilweise auch schon länger dabei. Die sind zwar neues Kollektiv, aber ich glaube, die wissen schon ganz gut, was sie da tun und haben auch ein Gefühl für die Szene. Das finde ich auch immer wichtig, dass man selber Teil des Ganzen ist und irgendwie weiß, worauf es ankommt. Dass es eben nicht irgendwie kommerzialisiert wird, dass es nicht hunderttausend verschiedene Sachen geben muss, sondern es eigentlich nur reicht, wenn es einen Ort gibt, wo man es treffen kann, diese Open Wall vielleicht hat und vielleicht noch einen schönen Ort, wo man dann zusammensitzen kann am Abend. Das ist eigentlich schon völlig ausreichend. Der Samuel Ironidis aus dem Nürnberger Kollektiv, der hat. Auch viel Arbeit reingesteckt, so eine Art Guide gemacht für neue Kollektive, weil es kann ja auch nicht unbedingt jeder wissen, der nicht von Stunde eins dabei war, worauf es ankommt. Das merkt man dann, wenn man einmal auf so einem Treffen war. Und er hat es mal so zusammengefasst, das fand ich echt ganz schön, gerade für Leute, die das jetzt wie Freiburg oder auch Stuttgart, die ja auch noch recht jung sind, im Kollektiv da sein. Deswegen wollen sie es auch nicht jetzt direkt machen, sondern irgendwann später, genau. Also ich finde immer, wenn sich da ein Team findet, was darauf Lust hat, dann ist es, und die funktionieren und haben irgendwie Möglichkeiten, das zu organisieren und trauen sich das zu, dann ja, machen. Warum denn nicht? Ja, genau.
Kai Behrmann
01:42:06
Dieser Leitfaden, gibt es den auf der Seite von den Nürnbergern oder wer jetzt das hört und denkt, Mensch, in meiner Stadt würde ich auch gerne was gründen, das wäre ein guter Startpunkt?
Stefan Lauterbach
01:42:17
Ich glaube, oh man ey, da bin ich jetzt gerade gefragt. Also wir haben immer mal darüber gesprochen, dass wir mal eine allgemeine Meet & Street Website machen wollen. Also da hatte ich jetzt zuletzt auch mit ihm mal drüber geredet, ob man nicht mal so eine Art Rückblick auch und wo man dann auch sowas findet. Er hatte mal gefragt, ob er es bei uns auf die Seite machen könnte, in Frankfurt oder vielleicht auch auf alle Kollektivseiten. Aber wir haben keine gute Website. Das geht da, finde ich, nicht so gut, also aktuell jedenfalls nicht. Es ist irgendwo, aber ich bin jetzt gerade überfragt, wo es genau ist. Ich mache es einfach in den Show Notes. Ich werde es rausfinden.
Kai Behrmann
01:42:55
Alles klar. Die Information wird auf jeden Fall verfügbar gemacht, wer daran Interesse hat. Ich bin gespannt, was du berichten wirst aus Freiburg, wie es in diesem Jahr war. Richte es auf jeden Fall schöne Grüße aus. Und auch hier drüber viele Grüße an alle, die da sein werden. Und auch an die Ausrichter, die Freiburger. Und euch da eine tolle Zeit.
Stefan Lauterbach
01:43:19
Danke, danke. Auf jeden Fall. Nochmal kurz zurück zu dem, wer Interesse hat. Also wir haben ja diese Meet & Street WhatsApp und Discord-Gruppen. Und ansonsten, da kann man sich auf jeden Fall austauschen. Es gibt so eine interne Orga-Gruppe. Und ich glaube, da sind aber auch mittlerweile alle, es ist von jedem kollektiven Vertreter, Vertreterin drin. Und das wäre eigentlich das Beste, wenn man einen von uns anspricht. Egal welches Kollektiv es ist, die da irgendwie involviert waren, sei es Nürnberg, sei es Hamburg, sei es Dresden, Frankfurt, ganz egal, uns ansprechen, und dann gibt es Zugang zu dieser Gruppe und da ist der Austausch.
Kai Behrmann
01:43:58
Stefan, wir haben es schon mal anklingen lassen, du bist jetzt auch Workshop-Leiter geworden. Also die Fotografie hat sich bei dir auch ein Stück weit vom reinen Hobby hin zu etwas entwickelt, was immer mehr zu einem zweiten Standbein für dich wird. Wie ist das gekommen und welche Rolle oder welchen Platz nehmen die Workshops für dich aktuell ein?
Stefan Lauterbach
01:44:19
Ja, wir fangen mal an mit den jugendlichen, jungen Menschen. Da habe ich, ich weiß nicht mehr genau, wann das war, ich glaube 22 oder so, wo ich eine Anfrage hatte von einer Jugendkulturkirche hier in Frankfurt. Da war jemand, der dort auch Street-Fotografie-Workshops für Jugendliche von 13 bis 21 oder sowas Jahren gegeben hat. Und der hat aufgehört damit und hat Nachfolger gesucht und irgendwie mich über wieder Instagram, Jetzt haben wir es wieder darüber gefunden und angeschrieben, ob ich nicht Lust hätte, das zu übernehmen. Dann dachte ich mir erst mal, ist das was für mich? Ich weiß es nicht. Fand ich schon spannend irgendwie. Es ist schon eine gute Chance gewesen, sich mal anzuschauen. Das war dann natürlich auch alles ehrenamtlich. Und dann habe ich mir das angeguckt, hat mir gefallen und habe dann das wirklich ein paar Jahre auch gemacht. Und dort auch einfach Erfahrungen sammeln können, wie sowas funktionieren kann. Das ist natürlich eine ganz andere Zielgruppe in dem Sinne. Aber das ist natürlich unheimlich wertvoll und auch ganz toll, was man da zurückbekommt von den jungen Menschen, ihnen eben mal sowas an die Hand zu geben. Also ich versuche es immer noch einmal im Jahr jetzt irgendwie mal zu machen dort. Ich habe jetzt tatsächlich auch sowas ähnliches in Hochheim am Weinfest. Die wollten auch so mit Jugendlichen was machen. Da bin ich jetzt nächste Woche sogar. Und ja, dann habe ich Ende 24. Ja, habe ich mit Sigma was gemacht in München. Da war es Sigma Day. Da habe ich auch einen Workshop gegeben. Und dann waren immer mal wieder Anfragen, ob ich nicht sowas auch mit Erwachsenen machen könnte. Dann habe ich es einfach mal angefangen. Und es hat tatsächlich Anfang 25 kam erst der erste, diese Night Shift. Also ich habe angefangen mit Nachtfotografie. Also nochmal super speziell irgendwie auch, habe ich auch scheinbar eine Lücke, irgendwie eine Nische gefunden. Also die Dinger waren, die liefen super. Und so hat sich das dann durchgezogen und habe auch schon 25, fast jeden Monat, einen so einen Workshop gemacht. Und dann dieses Dayshift-Konzept entwickelt, was quasi ineinander übergeht. Das ist eine halt Tageszeit, Nacht, das andere Tag. Ich würde sagen, der am Tag richtet sich vielleicht nochmal eher an einen Einsteiger. Aber ich würde jetzt auch nicht sagen, dass es prinzipiell so ist, dass es nur für Einsteiger ist, sondern auch für Leute, die immer mal neue Inspirationen wollen oder hier auch mal Orte entdecken wollen, die sie vielleicht noch nicht kennen. Und Nightshift ist ein bisschen technischer, weil man halt einfach ein paar andere Aspekte hat, wo man darauf achten muss, technisch. Aber generell sind sie nicht technisch. Also es geht vielmehr um Sehen, Wahrnehmung, Motive finden, Work to Seen, all diese Dinge. Also genau, so bin ich da reingekommen. Im Grunde glaube ich auch, dass es etwas ist, was ich schon auch durch meine Arbeit so ein bisschen verinnerlicht habe, weil ich auch immer mit Menschen, ich arbeite mit Menschen jeden Tag. Wir machen auch kreative Dinge, auch viel geht auf jeden Achtsamkeit. Wir machen Kunstprojekte dort und auch mit denen, mit meinen Klienten dort auf meiner Arbeit bin ich auch schon mal mit der Kamera raus und habe dann sowas gemacht wie Farben suchen, also achtsames Farben suchen. Und wahrscheinlich war das irgendwie schon immer so in mir drin. Irgendwie passt das alles zusammen. Also ich vermittle einfach gern, geb gern Wissen weiter. Und mein Motto ist immer so ein bisschen, die Teilnehmer, Teilnehmerinnen da abzuholen, wo sie gerade stehen. Und das kommt auch von meiner Arbeit, weil das ist einer der grundlegenden Pfeiler der Ergotherapie. Also immer da zu gucken, wo ist jemand, welchen Stand hat ja, ob das so ein, im menschlichen ist, in der Erkrankung oder halt hier in der Fotografie und halt echt versuchen, da auch anzuknüpfen. Es sind kleine Gruppen, es sind maximal fünf Leute. Da geht das dann auch und oft ist dann noch entscheidend die Nachbesprechung, die dann zwei, drei Wochen später ist, wo dann wirklich sehr, sehr genau nochmal geguckt wird, was habt ihr eigentlich gemacht, ein Austausch auch untereinander stattfindet und auch konstruktive Kritik natürlich gegeben wird. Und da, das ist so oft das, wo viele nochmal ein Aha-Erlebnis haben, hinterher tatsächlich. Weil es ist viel. So ein Tag dauert fünf Stunden, es gibt eine Stunde Theorie, vier, manchmal auch fünf Stunden sind wir draußen, so genau gucke ich dann auch nicht auf die Uhr. Und das ist super intensiv. Also das muss dann erstmal sacken und das finde ich halt entscheidend, das dann nicht einfach so stehen zu lassen, sondern weiter zu vertiefen. Viele kommen auch wieder. Also es gibt schon echt wirklich viele, die zweimal dann da waren, Tag und Nacht und jetzt was ganz Neues ist jetzt, das heißt dann Shift Session. Das ist noch nicht bekannt, also das habe ich jetzt morgen, morgen zum ersten Mal, dass ich für ehemalige Teilnehmer nochmal so einen Zusatz oder so einen Vertiefungs-Walk anbiete, wo dann einfach nochmal mehr in die Praxis reingeht. Würde ich behaupten, das ist wahrscheinlich dann schon eher für Leute, die noch nicht so ganz tief drin sind, für mehr Anfänger, die einfach nochmal ein, bisschen mehr Praxis brauchen und mit einer Gruppe loszugehen und natürlich auch Feedback bekommen dann vor Ort eben auf der Straße, aber ohne diesen Theoriepart.
Kai Behrmann
01:49:40
Diesen Theorie-Part, wo machst du den?
Stefan Lauterbach
01:49:43
Das mache ich immer im Café. Ich habe mir jetzt mittlerweile das Filmmuseum rausgesucht oder das Kommunikationsmuseum hier in Frankfurt, eine von den beiden. Da ist es halt ruhig und einfach perfekt dafür. Filmmuseum passt sowieso. Ganz am Anfang war ich hier vorne im Café Karin. Das war eine absolute Katastrophe. Die Teilnehmer, die dabei waren, erinnern sich. Aber trotzdem eine super tolle Runde. Der war auch direkt ausgekauft. Ich war mal zu sechs, saß man in diesem Kaffee-Karren, das war zu laut. Das war einfach so laut, man hat nichts verstanden. Die waren alle froh, dass wir dann endlich in die Praxis gegangen sind. Das war trotzdem ein super Workshop.
Kai Behrmann
01:50:19
Ja, das sind so die kleinen Learnings am Anfang, wenn man sowas neu macht. Oder jetzt auch, als ich mit den Podcast-Aufnahmen hier immer außerhalb meines Schreibtisches angefangen habe, wenn ich irgendwo ins Café gegangen bin, ich dachte, ja, ein bisschen Umgebungsgeräusche sind ja ganz okay. Aber erst wenn man dann wirklich tatsächlich aufnimmt, wird einem bewusst, wie viele Geräusche da überall sind. Also nur die Kaffeemaschine, das ist das eine. Aber dann auch fast überall ist jetzt so Hintergrundmusik durch Lautsprecher. Und das kann dann schon sehr, sehr penetrant sein. Und wenn man dann in einer größeren Gruppe ist und da ein bisschen Wissen vermitteln möchte, dann wird es schwierig. Ich kenne es bei Workshops im europäischen Ausland, bei mir in Lissabon oder in Helsinki, Hier haben wir die Bildbesprechung manchmal auch in Cafés gemacht. Da haben wir dann ähnliche Situationen erlebt. Und ja, von den Teilnehmern, wer das jetzt hört, wird sich erinnern. Aber das sind alles Dinge, die muss man am Anfang mal einmal gemacht haben. Und dann weiß man, wie man künftig darauf reagieren kann.
Stefan Lauterbach
01:51:21
Das stimmt, ja, genau. Genau, auch die Menschen halt. Das ist halt, genau. Was soll ich noch sagen? Also Museum, habe ich gesagt. Aber natürlich im Café des Museums, nicht jetzt irgendwie im Museum. Das wäre natürlich auch witzig, aber ja. Ja, also auf meiner Webseite ist es ziemlich genau beschrieben, was der Inhalt ist. Da kann man ja gerne nochmal nachschauen. Aber ich würde sagen, es ist so aufgebaut, dass definitiv auch Leute, die von Null anfangen, damit was anfangen können. Und ich passe mich halt schon immer an. Ich frage natürlich vorher, frage schon genau, was ich schon gemacht habe. Das will ich auch vorher per Mail einmal haben und auch nochmal in der Runde wird es geklärt. Da sagt wirklich jeder, da stehe ich, das mache ich, das bin ich. Das habe ich schon gemacht. Der eine hat mehr, der andere weniger gemacht. Das wird auch immer so sein. Es gibt Leute, die sind ein bisschen weiter, es gibt Leute, die sind bei Null. Aber das ist eigentlich, ja, das ist eine Herausforderung, diese Spannung zwischen den beiden, da natürlich irgendwie. Den beiden gerecht zu werden, also beiden Herangehensweisen, beiden Stufen sozusagen. Aber das funktioniert oft sehr gut tatsächlich. Also ich versuche das dann schon auch, vielleicht diejenigen, die noch am Anfang stehen, dann denen ein bisschen mehr unterstützer zu geben. Du merkst dann ja schon, der eine rennt jetzt vielleicht schon mal eher los und ist schon ein Stück weiter, der will auch dann fotografieren, dann findet die Motive meistens schon von selbst, während die andere Person ein bisschen mehr Unterstützung braucht oder vielleicht sowas wie, schau mal da, guck mal hier, die Perspektive einnehmen, hier ist das interessant. Das zeige ich dann auch schon beim Work, dass ich auch schon Stellen zeige, die potenziell interessant sind. Und es gibt Gruppen, wo es tatsächlich so ist, dass es sich von richtig verselbstständigt. Und es gibt welche, die dann eher bei mir bleiben. Und ich bin auch am Fotografieren, um natürlich auch zu zeigen. Ich würde auch gerne, dass sie andere sehen können, wie ich das mache. Das interessiert ja auch viele. Aber dann halt diese Waage zu finden, ist wirklich schon eine Herausforderung. Und ich denke jetzt auch durch die Erfahrung, dass ich das eigentlich ganz gut hinbekomme die meiste Zeit. Klar gibt es vielleicht auch mal jemanden, wo es dann schwieriger wird. Aber da würde ich dann auch immer anbieten, hinterher nochmal zu sprechen oder auch die Person gerne mal fünf Minuten zur Seite zu nehmen und auch individuelle Fragen zu beantworten. Und ich bin auch hinterher immer noch da. Also ich bin jetzt nicht einfach weg. Ich bin immer erreichbar. Also jeder darf mich jederzeit immer noch etwas fragen, ja mal ein Bild schicken, wenn man Kritik dazu haben möchte oder Fragen hat. Also da bin ich absolut offen für.
Kai Behrmann
01:53:52
Also endet nicht mit dem Workshop dann am Tag, sondern geht dann auch noch weiter. Das finde ich gut, dass du offen bist, noch Feedback zu geben. Bei so einem Workshop, wenn ich einen sehr, sehr technischen Workshop mache, das ist einfacher zu vermitteln, Einstellungen, sowas, das ist sehr leicht nachvollziehbar. Wenn es jetzt um das Sehen geht, da wird es schon komplizierter. Und das ist ja auch so dein Ansatz, den du eben genannt hast. Wie sieht das konkret aus?
Stefan Lauterbach
01:54:20
Also die Voraussetzung ist schon tatsächlich, dass die Teilnehmer, Teilnehmerinnen die Kamera beherrschen, aber auch das ist nicht immer der Fall, muss man ehrlicherweise sagen. Das ist dann manchmal ein bisschen schade, weil die Zeit ist dann, es ist ja etwas schwierig, das auch noch mitzuerklären. Ich versuche das natürlich dann irgendwie hinzukriegen. Wäre natürlich schön, wenn die Kamera einfach schon mal verstanden ist und man weiß, was macht die Belichtung, was macht die Zeit und so weiter. Also das ist schon Voraussetzung, wie gesagt, kein technischer Workshop und, weil ich mich ja eben genau darauf konzentrieren will. Und du sagst, wie man das vermitteln kann, ja. Das ist ein guter Punkt, denn man kann es natürlich nur bis zu einem gewissen Stück weit vermitteln, bis zu einem gewissen Punkt. Und dann ist natürlich jeder selber noch gefragt, das weiterzuentwickeln. Das ist auch, ich denke, eine ganz klare Sache. So ein Workshop kann immer nur inspirieren, er kann Dinge an die Hand geben, wie man vielleicht etwas machen kann, Ideen, natürlich auch konkrete Beispiele, jede Menge davon, so etwas und individuelle Herangehensweisen, Austausch untereinander. Aber dann ist es an jedem, dass er da oder sie dann selber weitermacht. Und das ist das Allerwichtigste, dass hinterher weitergemacht wird. Wenn man dann einfach nichts weitermacht, dann bleibt wahrscheinlich, ist dann irgendwann alles weg. Man hat es mal gehört, aber wenn man es halt nicht anwendet, dann geht es wahrscheinlich wieder unter. Das ist, glaube ich, schon so. Da ist natürlich auch jeder ein bisschen selber gefragt. Und ich glaube immer, jemand, der Geld investiert in Weiterbildung, möchte das eigentlich auch. Klar gibt es auch mal Leute, die vielleicht einfach nur mal mitlaufen möchten. Das ist auch okay. Und das habe ich dann auch für mich so ein bisschen gelernt, dass es auch Menschen gibt, die einfach nur mal gucken wollen. Und dann ist es für die in Ordnung. Mein Anspruch war dann sogar selber höher. Ich bin dann schon auch hinterher, na, es ist okay für dich und so und kann ich dir doch irgendwie helfen. Aber meistens hat es dann ausgereicht. Und ganz kurz, dieser Vertiefungs-Work, das ist ja genau dann für die Leute, die nochmal mehr wollen. Die vielleicht, es ist vielleicht schwierig für den auch alleine rauszugehen. Die wirklich Interesse haben, nochmal zu gucken, wie das ebenso in der Praxis nochmal anders funktionieren kann. Das ist auch nochmal ein Aspekt. dass es vielen schwer fällt, alleine loszuziehen. Das habe ich oft gemerkt.
Kai Behrmann
01:56:48
Motivation kann sehr unterschiedlich sein. In der Street, was du sagst, viele suchen auch erstmal den Anschluss, die Orientierung in der Gruppe und denen fällt es dann schwer, alleine loszugehen. Aber genau darin liegt dann letztendlich auch der Schlüssel, ob daraus mehr wird, wenn ich eben auch das Wissen alleine anwende später. Aber ja, um sich erst mal zu orientieren, ist sowas schon mal ganz gut. Ist das überhaupt was für mich? Gerade wenn es Anfänger sind, kann man da sicherlich bei so einem Workshop sehr, sehr viel draus mitnehmen. Aber ansonsten ist es das Setzen eines Impulses, Lust machen, weiterzugehen, irgendwie so zwei, drei Aha-Momente zu erzeugen, die bei den Teilnehmern dann dazu führen, dass sie dranbleiben.
Stefan Lauterbach
01:57:38
Ja, genau. Und auch vielleicht direkt auch nicht mit dem Anspruch da reinzugehen, jetzt an diesem Tag super tolle Bilder mitzubringen. Die allermeisten, die wissen das auch. Also es ist schon vielen bewusst, aber vielleicht dann auch direkt die Frustration rauszunehmen, dass man am Ende vielleicht jetzt nicht mit dem Top-Bild da rauskommt. Und wenn es dann doch so ist, umso besser. Und ich glaube aber, also meistens sind zumindest Bilder dabei, die gut sind, in Ordnung sind und gerade für Anfänger total zufriedenstellend. Und das sage ich dann auch ganz klar. Also da wird auch mal gelobt, natürlich, aber natürlich auch konstruktiv kritisiert, ganz klar. Muss ja auch, sonst kann man ja nichts lernen. Ja, ich glaube auch, ich vermittle schon ziemlich, ich habe auch viel Inhalt, manchmal vielleicht auch ein bisschen zu viel, bin ich selber noch dran, dass wir immer wieder so ein bisschen zu verfeinern. Irgendwann ist ja auch einfach mal Schluss. Also man kann gar nicht so viel aufnehmen an so einem Tag.
Kai Behrmann
01:58:37
Ja, so ein Tag ist dann auch kürzer, als man denkt und klar, man kann nicht alles drin unterbringen und daran besteht dann auch die Kunst, das so zu komprimieren, dass es eben auch aufnehmbar ist für die Teilnehmer und nicht zu einer Überforderung führt.
Stefan Lauterbach
01:58:53
Der Vorteil ist da, eine kleine Gruppe zu haben, ganz klar.
Kai Behrmann
01:58:58
Super, Stefan. Dann wünsche ich dir viel Erfolg weiterhin mit dem Workshop, auch mit deiner Fotografie. Der Kaffee wird jetzt langsam kalt bei uns. Wir haben ihn nebenbei immer wieder getrunken. Aber abschließend, wie geht es bei dir weiter? Hast du jetzt noch anschließende Projekte, Ideen für dieses Jahr?
Stefan Lauterbach
01:59:21
Ich hatte eben schon mal erzählt, dass ich in so einer Strandserie arbeite. Die möchte ich auf jeden Fall noch mal ein bisschen vertiefen, wenn wir jetzt demnächst, ich mache das sogar manchmal gerne im Sommerurlaub. Das ist okay, meine Partnerin ist da in Ordnung mit, dass ich da mich auch mal löse für ein paar Stunden. Und sie schildert am Strand, liest was und ich gehe mal los. Gott sei Dank. Also dieses Strandprojekt möchte ich vertiefen. Einmal jetzt wird das sein in Kroatien wieder. Und dann will ich noch nach Lissabon aufs dortige Street-Fotografie-Festival wieder, da war ich letztes Jahr auch, und diesmal bin ich ein paar Tage vorher noch in Porto und habe mir schon ein paar Küsten rausgesucht wo ich mal hingehe, aber natürlich möchte ja auch die Stadt fotografieren, Porto ist jetzt, da war ich einmal, glaube ich auch sehr interessant und, das viele Portugiesen sagen ja immer, das ist das bessere Lissabon weil es halt noch ursprünglicher ist oder authentischer, ja Aber da bin ich mal sehr gespannt. Da war ich noch nie bewusst Street-Fotografie machen. Und da freue ich mich schon drauf. Und danach halt zu dem Festival, wo wieder einige tolle, spannende Gäste sind, Vorträge. Das ist im September, Ende September. Genau. Vielleicht auch einen Workshop wieder mitmachen. Das ist natürlich auch gut, wenn man selber ab und zu mal so ein oder zwei Workshops im Jahr macht. Gerade vor allen Dingen bei Fotografen, Fotografinnen, die einen selber inspirieren. Ich glaube, da komme ich mit weiter. Ich muss jetzt auch nicht so viel in die Richtung machen, aber mal einen im Jahr kann man sich, glaube ich, gönnen und es ist, glaube ich, nicht sehr, sehr förderlich.
Kai Behrmann
02:01:01
Ja, definitiv. Und einfach Fotografen, die man selber, zu denen man aufschaut, die man bewundert, einfach mal live zu erleben, kann man sich auch schon sehr, sehr viel abschauen, einfach wie die Präsenz ist. Street Photography jetzt im Speziellen oder Fotografie überhaupt, glaube ich, Dokumentar-Reportage-Fotografie hängt auch viel mit der Persönlichkeit des Fotografens zusammen. Wie agiert er in einer Situation? Wie kommuniziert er mit Menschen? Was strahlt er aus? Und das sind häufig gar nicht die Dinge, die jetzt verbal vermittelt werden, die hängen bleiben, sondern einfach auch die Präsenz.
Stefan Lauterbach
02:01:40
Total, ja. Das ist richtig. Da reicht manchmal auch schon, sich einen Vortrag anzuschauen. Und letztes Jahr war es halt wirklich Alex Webb, den die dort hinbekommen haben. Also das finde ich immer noch faszinierend. Und ich bin mit Billy Dean, da hatte ich einen Fotowalk. Und das war auch total inspirierend. Fotowalk, klar, das ist kein Workshop, ganz klar. Aber ich fand es einfach nur spannend zu sehen, wie der arbeitet. Und allein das war schon gut. In dem Fall waren die sogar kostenlos, diese Walks und das ist schön am Festival. Man kann halt auch viele, ja recht bekannte Menschen dort mal treffen, die man sonst wahrscheinlich nicht so einfach trifft, weil sie halt irgendwo in den USA oder sonst wo auf der Welt leben. Das ist ein Aspekt, warum ich da hingehe. Und der andere Aspekt ist natürlich auch, dort die Community kennenzulernen. Lissabon hat auch eine ganz große Community-Fotografie, street-fotografiemäßig. Und die sind alle so nett und so tolle Menschen. Und man sitzt abends noch entspannt, in irgendeiner Bar und trinkt was zusammen. Und auf einmal, da sitzen dann auch alle anderen, da saß dann auch, da war auch Matt Stewart, da waren noch ein paar andere Leute. Und alle werden so nahbar auf einmal. Und das ist eigentlich das Schöne.
Kai Behrmann
02:02:54
Ja, wir werden nahbar, gerade in so einem Kontext von so einem Festival, da geben sich dann immer wieder diese Situationen, wo man dann plötzlich neben so jemandem wie Matt Stewart sitzt, einen Kaffee trinkt und sich da auch auf der Ebene austauschen kann. Ich finde das toll, was du gesagt hast, wir haben jetzt schon einige Festivals erwähnt, du warst in Brüssel, Luxemburg warst du auch lange, dann jetzt Lissabon, also das ist auch eine Möglichkeit, sich in der Fotografie weiterzuentwickeln. Wir haben viel Kritik an sozialen Medien immer wieder, aber wenn man einfach mal ins reale Leben rausgeht, schaut, wo kann man Fotografie erleben, wo kann man Fotografie sehen, dann sind solche Festivals immer gute Anlaufstellen. Und in dem Zusammenhang nochmal der Hinweis im Rahmen der Medientage jetzt in Baden, wo ich wieder war, da gab es zwei Vertreter einer Vereinigung. Ich hoffe, ich kriege den Namen mit zusammen. Wir haben International Photography Festivals Association, also ein sehr, sehr schwieriger Name, Den Link dann auch in den Shownotes. Das ist so eine Seite, da sind alle internationalen Fotofestivals zusammengefasst. Also eine hervorragende Ressource, wenn ich jetzt irgendwie sage, ich bin vielleicht in diesem Jahr im Urlaub in einer bestimmten Stadt oder so. Einfach mal reinschauen, kann man das vielleicht kombinieren, was gibt es da oder in der eigenen Umgebung. Da wird man sicherlich viele interessante Anlaufstellen finden, also ein ganz, ganz tolles Verzeichnis ist das.
Stefan Lauterbach
02:04:25
Das ist gut, ja. Das ist übrigens auch nochmal ganz interessant, weil wir hatten es eben davon, dass immer mehr Menschen gerne Streetfotografie machen. Das sieht man aber auch an den Festivals. Es gibt jedes Jahr mehr. Jetzt ist dieses Jahr noch Athen dazu gekommen. Rom ist wieder da, da gibt es sogar zwei. Das ist schon etablierter, aber das war, glaube ich, kurze Zeit auch nicht. London ist wieder da, so viele. Also man könnte eigentlich fast durchweg das Jahr seinen Urlaub und die Festivals drum rumplanen. Ja gut, das ist vielleicht ein bisschen too much, aber man sieht es auch da. Man sieht es auch international, man sieht es nicht nur hier. Und ich finde es gut. Also man kann ja nur gut sein. Absolut.
Kai Behrmann
02:05:05
In dem Sinne, Stefan, vielen, vielen Dank für das Gespräch, für die Tour hier durch Frankfurt. Ich habe auch wieder viel gelernt und ich denke mal, wir bleiben in Kontakt. Österreich-Winkel und Frankfurt ist ja nicht so weit auseinander. Und dann, ja, auf bald und dir alles Gute.
Stefan Lauterbach
02:05:25
Vielen, vielen Dank für die Einladung nochmal. Ja, und ja, Gute.
Kai Behrmann
02:05:29
Gute.
Stefan Lauterbach
02:05:30
Nicht genau, aber Gute.
Kai Behrmann
02:05:31
Was sagt man denn zur Verabschiedung?
Stefan Lauterbach
02:05:33
Tschüss.
Kai Behrmann
02:05:34
Tschüss, okay. Dann Tschüss.
Stefan Lauterbach
02:05:36
Tschüss.