Abenteuer Reportagefotografie – Podcast über visuelles Storytelling

Kai Behrmann: Visueller Storyteller und Fotograf

Weg vom Einzelbild: Wie Jochen Müller mit Serien und Routine seine Street Photography vertieft

Im Gespräch mit dem Düsseldorfer Streetfotografen Jochen Müller geht es um Serien statt Zufallstreffer, den Wert von Wiederholung, Training des Sehens – und warum Technik am Ende oft Nebensache ist.

15.02.2026 77 min

Zusammenfassung & Show Notes

Jochen Müller (aka "Jayshooter") fotografiert seit rund 13 Jahren auf der Straße – anfangs ohne zu wissen, was „Street Photography“ überhaupt ist. Heute interessiert ihn weniger der einzelne Lucky Shot, sondern der Aufbau von Serien, das bewusste Sehen und das langsame Eintauchen in Orte wie Düsseldorfs „Little Tokyo“. In diesem Interview spricht er darüber, wie er Inspiration findet, warum Großstadt-Kulissen seinen Blick schärfen, wie man auch ohne Kamera besser wird – und weshalb das eigene Archiv unterschätzter Trainingsplatz ist.

Jochen Müller im Internet:


Weitere Informationen, Links und Bilder in den Shownotes unter: https://www.abenteuer-reportagefotografie.de/podcast/jochen-mueller-jayshooter


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Transkript

Jochen Müller
00:00:01
Ich mache das immer mehr. Also ich gehe immer mehr weg vom Einzelbild. Aber Serie ist natürlich auch ein sehr dehnbarer Begriff. Serie kann eine Location sein. Also Little Tokyo hat es mir angetan. Hier in Düsseldorf habe ich vor einiger Zeit, vor ein paar Wochen mal ein extra Video veröffentlicht. Ein richtiger Stadtteil ist es ja nicht, aber halt eben so ein Gebiet mal vorgestellt habe und wie ich das sehe, das ist ja alleine schon auch eine Serie wert.
Kai Behrmann
00:00:33
Ja Jochen, dann können wir, glaube ich, starten. Wir sind bereit. Schön, dass du da bist. Herzlich willkommen im Abenteuer Reportage Fotografie Podcast.
Jochen Müller
00:00:41
Hallo und herzlichen Dank für die Einladung. Freut mich.
Kai Behrmann
00:00:46
Ja Jochen, wir haben es eben im Vorgespräch schon gesagt. Wir haben schon lange dran gebastelt. Du warst schon lange als Gast vorgesehen hier und standst auf der Liste. Jetzt hat es endlich geklappt. Freut mich. Ich weiß gar nicht, inwieweit man dich jetzt hier noch vorstellen muss, zumindest in der deutschen Street-Photography-Szene. Bist du ein bekannter Name, hast einen YouTube-Kanal, hast ein Buch geschrieben im Bildner Verlag. Also ja, da kennt man dich bei den Treffen, bei den Street Photography relevanten Ereignissen bist du mit dabei. Aber ja, vielleicht trotzdem vorab nochmal ein bisschen. Du bist seit 13 Jahren ungefähr in der Street Photography. Wie hat das Ganze angefangen bei dir? Was hat dich ursprünglich dazu gebracht, dir die Kamera zu schnappen und auf der Straße Fotos zu machen?
Jochen Müller
00:01:36
Vor allen Dingen hat mich dazu gebracht die Geburt meines Sohnes, der jetzt, deswegen kann ich das auch immer ziemlich genau sagen, wann das angefangen hat, der ist nämlich jetzt 13 und als er noch sehr klein war. Da hat es mich mit der Kamera nach draußen getrieben. Also Kamera war da gerade frisch gekauft, wie man das halt macht mit so einem Zwerg und da fotografiert man ja ohnehin ziemlich viel und genau da hatte ich mir halt mal meine erste echte spiegellose Systemkamera gekauft und bin dann damit halt nicht nur auf Babyfotosuche gegangen in der Bude, sondern bin damit halt einfach raus. Ohne großes Ziel, ohne Plan und vor allen Dingen auch damals noch ohne zu wissen, was Streetfotografie überhaupt ist. Und dann hat sich das eigentlich ergeben aus so einer Entdeckung in der Stadt. In Düsseldorf hingen an merkwürdigen Orten so bunte Aufkleber von so Peckmain-Gespenstern. Und die habe ich fotografiert und hatte dann die fantastische, wahnwitzig, innovative und neue Idee, alles in der Bildbearbeitung schwarz-weiß zu machen, bis auf eben diese Peckmain-Gespenster. Und davon habe ich halt eine ganze Menge gemacht. Das hat sich auch so über mehrere Jahre eigentlich immer wieder hingezogen. Das war so mein Auftrag, wenn ich rausgegangen bin und nichts anderes zu tun hatte. Und dann bin ich dann eigentlich darüber so ein bisschen in dieses Rabbit Hole Street-Fotografie gekommen. Also eigentlich wirklich über diesen Umweg. Und das hat sich dann irgendwann ziemlich festgebissen in meinem Leben und hält bis heute an.
Kai Behrmann
00:03:29
Ja, irgend so einen initialen Grund gibt es ja häufig, warum man damit beginnt und das zieht sich so ein bisschen als Faden auch durch, dass viele sagen, am Anfang wussten sie gar nicht so genau, was ist Street Photography eigentlich, damit beschäftigt man sich dann häufig erst im Nachhinein oder erst im weiteren Verlauf. Also erstmal steht einfach der Wunsch im Vordergrund, Fotos zu machen. Man nimmt die Kamera mit, bei dir natürlich auf den Runden mit dem Kinderwagen, mit deinem neuen Geborenen eine gute Gelegenheit, das dann auch zu machen. Du hast dann so einen Einstieg gefunden, so ein Motiv, was für dich dann am Anfang prägend war. Neben diesen Stickern, gab es da weitere Motive, wenn du jetzt mal zurückgehst und dir die Bilder von damals anschaust, was da so vorgekommen ist oder war das wirklich der Fokus auf diese Sticker?
Jochen Müller
00:04:21
Also damals war es der Fokus auf die Sticker. Ich muss jetzt allerdings gerade fairerweise dazu sagen, ich hatte selten Kinderwagen dabei. Also das habe ich wirklich tatsächlich eher so als Ausgleich genutzt, um mal ganz für mich alleine zu sein. Die Sticker waren so mein Anlass rauszugehen und ich habe mich auch immer gefreut und bin auch gezielt in andere Stadtteile gefahren, wo ich jetzt noch nicht alle Schilderwände abgegrast hatte, wo die waren. Aber dadurch bin ich dann natürlich auch auf den Wegen über andere interessante Motive gestolpert und ich habe jetzt gerade tatsächlich, weil ich meinen Workflow so ein bisschen umgestellt habe, aus nackter Angst, dass mir irgendwann mal mein Speicherplatz nicht mehr reicht. Deswegen habe ich jetzt gerade tatsächlich ganz viel so alte Sachen exportiert und auf eine andere Platte migriert und so weiter. Und da bin ich relativ viel über Fotos aus der Zeit noch gestolpert. Und das waren, naja, wenn man das in Jaws innerhalb der Street-Fotografie einteilen will, dann waren das schon viel so urbane Landschaften, sage ich mal, Cityscape, wie man es denn auch immer nennen mag. Und dann irgendwann doch relativ deutliches Leitmotiv, harte Kontraste, Schatten, Lichttaschen, solche Sachen. Menschen, die dann auch mehr in den Fokus gerückt sind, die durch solche Szenerien durchlaufen. Also immer sehr grafisch. Und ja, und das hat sich dann eigentlich so Stück für Stück in verschiedene Richtungen dann noch ausgeweitet. Also ich habe dann auch immer gerne Porträts gemacht, nebenher eher so TFP-Porträts. Die hatten jetzt nichts mit der Street-Fotografie zu tun und habe dann aber dadurch auch über die Zeit, das ist ja jetzt dann auch eine ziemlich lange Zeit, immer häufiger dann auch Menschen fotografiert, die man auch erkennen kann. Und halt eben diese grafischen Geschichten ausführen. Das war so der Einstieg. Und klar, über das Schreiben des Buches dann irgendwann auch ein Schnuppern und Reinschauen in andere Genres. Ich glaube, das ist eigentlich so ein bisschen mein Ding. Also ich kann ganz gut, glaube ich zumindest, irgendwie Stile imitieren. Den eigenen Stil zu finden, ist natürlich das Ziel von jedem Fotografen. Und das dauert auch nach wie vor natürlich an.
Kai Behrmann
00:07:03
Ja, das Finden des eigenen Stils oder die Entwicklung des eigenen Stils passiert ja dann oft auch damit, dass man zu Anfang andere kopiert oder dass man Stil sieht bei anderen Fotografen, der einem gefällt und dann beschäftigt man sich ein bisschen damit, setzt sich damit auseinander, versucht zu ergründen, wie dieser Fotograf oder die Fotografin dann dazu gekommen ist, wie sie vorgeht. Diese Dinge, das ist, glaube ich, ein sehr, sehr logischer Schritt, den man da macht und irgendwann kommt dann der Punkt, wo man das mit eigenen Vorstellungen mischt, mit eigenen Erfahrungen. Das ist ein Bereich, den finde ich sehr, sehr interessant und gehe ich gerne darauf ein. Lass uns damit mal oder lass uns da mal dran bleiben einen Moment. Diese Wahrnehmung am Anfang, was man so fotografiert und diese stückweise Veränderung, wie nimmst du das wahr? Was löst dann den Impuls bei dir aus, dich von Bekannten zu lösen und dich dann auch, was die Ästhetik und was Motive angeht, anderen Dingen zuzuwenden?
Jochen Müller
00:08:18
Es ist häufig tatsächlich auch ein grafischer Ansatz oder auch ein lichtbildender Ansatz. Also Licht ist wahnsinnig wichtig, damit ich eine Fotografie spannend finde. Das kann was ganz Abstraktes sein. Für mich ist ein geometrischer Aufbau irgendwie wichtig, ein Bild darf. Also ich muss jetzt nicht so super clean und minimalistisch unterwegs sein. Das bin ich auch nicht. Das finde ich toll. Das mag ich gerne anschauen. Aber das ist nicht meine Art der Fotografie. Ich versuche, eine Mischung aus, Authentizität, einem grafischen Aufbau und Licht hinzubekommen. Und das ist was, wenn diese drei Dinge aufeinandertreffen, dann finde ich sowas schon mal grundsätzlich spannend. Das ist dann auch relativ egal, ob das was Abstraktes ist, so Sawleiter mäßig abstrakt, wo man aber immer noch erahnen kann, dass da eine Stadt im Hintergrund pulsiert, oder ob das halt auch was sehr Dokumentarisches ist. Das kann ich gar nicht so richtig einschränken. Da ist meine Bandbreite von Dingen, die mir gut gefallen, sehr, sehr groß. Das ist für mich nach wie vor schwer in Worte zu fassen, was mich dann triggert. Aber dieses Imitieren ging eigentlich los, ohne dass ich so die ganz alten Meister kannte. Also Saul Leiter sagte mir damals noch nichts. Ich bin eigentlich dann viel über YouTube, Überraschung, dann in das Rabbit Hole so eingetaucht. Da waren dann so Leute wie Sean Tucker zu der Zeit schon, sein Kumpel Joshua K. Jackson, also so Londoner Fotografen, die halt so einen Stil hatten, den ich ziemlich cool fand. Und dann fängt man halt an, sich mit deren Inspirationen zu beschäftigen und dann da mal so dahinter zu schauen, was es da noch alles so gibt. Und mittlerweile ist mein Bücherregal relativ voll mit Dingen, die ich fotografisch interessant finde, wo ich immer mal so Häppchen von versucht habe zu imitieren, zu übernehmen, aber das geht auch über die Straßenfotografie hinaus. Total mega kreativen Porträts von Anton Corbyn sein. Das können auch Fashion-Porträts von Lindbergh sein, Peter Lindbergh. Also das ist wirklich mein fotografisches Interesse ist da sehr breit gestreut und ich habe auch nicht den Anspruch, da jedes Mal in der Imitation irgendwie in Treffer zu landen. Aber es ist halt so ein großer Topf, in dem man das alles reinwirft und rührt und Inspiration findet man überall und daraus hofft man dann irgendwann was zu kreieren, was sein eigenes Ding ist.
Kai Behrmann
00:11:31
Mhm. Würdest du sagen, dass du da eher über die Ästhetik und über ein Bildlook gehst und dass dann im Anschluss daran das Motiv an sich oder der Inhalt der Bilder folgt? Wie siehst du dieses Verhältnis? Was spricht dich da eher an?
Jochen Müller
00:11:52
Ja, das ist, glaube ich, sehr unterschiedlich, was wirklich im Vordergrund des Bildes steht. Ich finde auch rein, in Anführungszeichen, dokumentarische Fotografie wahnsinnig faszinierend. Und auch da, glaube ich, ist viel... Kompositions-Talent oder vielleicht sogar besonders viel Kompositions-Talent gefragt, als wenn man natürlich die Zeit hat, was zu komponieren, was jetzt in der Street eher selten der Fall ist. Aber dennoch, da kann man sich ja so Phishing-methoden-mäßig vor so eine, ich nenne das immer Leinwand stellen und dann läuft da jemand rein oder in meine Bühne. Also das Gestalterische spricht mich schon sehr an, wenn es etwas ist, was vom Inhalt jetzt eher geliebig ist, also eine Alltagsszene ist, dann finde ich, dann gehört die schon schön komponiert. Mich fasziniert aber auch dokumentarische Fotografie, Kriegsfotografie, finde ich unglaublich wichtig. Das sind also das ist ja für mich ästhetisch jetzt nichts, was ich irgendwie bewundere, aber ich finde es halt einfach wahnsinnig wichtig, den Leuten, die Gräuel auch tatsächlich mal zu zeigen, das ist jetzt auch nicht im Sinne einer Sensationsgeilheit sondern es schockt natürlich auf eine Art, aber so ist halt die Realität, ich glaube diese, dokumentarische Fotografie, die Die schließt halt so oder übertritt halt die Grenze zwischen diesem abstrakten Hören von Nachrichten, die man aber nie so fassen kann, bis man mal gesehen hat, was wirklich da los ist. Also das finde ich auch wahnsinnig wichtig und auch ergreifend berührt mich auch. In solchen Fällen tritt die Gestaltung natürlich in den Hintergrund.
Kai Behrmann
00:13:56
Ja, Gestaltung ist ja manchmal auch so die Tür für den Betrachter in das Bild hinein, dass man also damit einen ansprechenden Zugang schafft, was visuell Ansprechendes uns dann eben dazu bewegt, uns intensiver auch mit dem zu beschäftigen, was wir auf dem Bild sehen. Wenn ich jetzt so an Fotografen denke wie Matt Stewart, die wunderbare Einzelbilder machen, wo sehr viel Humor im Vordergrund steht und so diese Zufälle, die man im Täglichen beobachten kann. Und dann auf der anderen Seite so Fotografen wie Martin Parr, die diese Szenen zwar auch haben, aber wo doch so ein bisschen mehr Konzept über dem Ganzen schwebt. Also dieser satirische, ironische Blick auf unsere Gesellschaft und er uns da den Spiegel vorhält, wie bizarr wir uns manchmal verhalten, gerade so in unserer Freizeit. Wie stehst du dazu oder wie ordnest du dich da mit deiner Fotografie ein? Ist dir eher so das Einzelbild wichtig oder sagst du auch, ja, ich arbeite so jetzt mit der Zeit auch darauf hin, vielleicht für mich so ein übergeordnetes Thema meiner Street Photography zu finden?
Jochen Müller
00:15:12
Also das ja für die ganze für meine ganze street photography für dich das glaube ich nicht sagen aber ich arbeite schon in serien auch martin parr ist jetzt natürlich wirklich, also humor ist für mich auch ein super zugang dass das das finde ich unheimlich wichtig bin wirklich auch ein riesen fan von ihm sehr schade dass er nicht mehr da ist und, Das ist was, was ich absolut spannend fände, aber gerade beim Humor finde ich es wahnsinnig schwierig, da einen Zugang zu finden, ohne dass das albern oder verletzend ist. Das ist wirklich meisterlich, wie er das macht, also der Gesellschaft da den Spiegel vorzuhalten. Ganz großartig, aber trotzdem immer respektvoll, das finde ich ganz wichtig. Also bei seiner Retrospektive in Düsseldorf, ich glaube 2018, 2017, 2018 war hier eine große Retrospektive, ich glaube im NRW-Forum oder im Kunstpalast, ich weiß es nicht mehr, das war alles derselbe Innenhof. Da hatte er so ein Buch vorgestellt über Kleingärtner. Das war eine Auftragsarbeit, die er dann hier, glaube ich, in einem Kleingartenverein in Krefeld, also nicht weit von hier, aufgenommen hat. Und das war schreiend komisch, aber es war immer mit totalem Respekt vor den Leuten. Also man kann davor stehen und denken, wow, alles klar. Das ist echt ein schräges Hobby, wenn man das so lebt wie die Menschen auf den Bildern, aber das war trotzdem total süß und total respektvoll. Was das Fotografieren in Serien angeht, also ich mache das immer mehr, also ich gehe immer mehr weg vom Einzelbild, aber Serie ist natürlich auch ein sehr dehnbarer Begriff. Serie kann eine Location sein. Also Little Tokyo hat es mir angetan. Hier in Düsseldorf habe ich vor einiger Zeit, vor ein paar Wochen mal ein extra Video veröffentlicht, wo ich mal ein bisschen anderes Video gemacht habe. Einfach ein richtiger Stadtteil ist es ja nicht, aber halt eben so ein Gebiet mal vorgestellt habe und wie ich das sehe. Das ist ja alleine schon auch eine Serie wert. Ich habe aber auch, wo wir bei Martin Parr sind, Man versucht immer so in Holland am Strand so eine Beach-Serie zu machen, die halt auch mal so ein bisschen skurriler ist, also wo Leute, weiß ich nicht, merkwürdige Sachen tun. Am Strand ist ja da auch so ein bisschen Schaulaufen manchmal oder die Menschen versuchen... Weiß ich nicht, um jeden Preis da aufzufallen oder haben verrückte Neonschirme und die matchen dann mit dem Badeanzug oder so. Also einfach solche Dinge, die man bei Paar auch manchmal sieht, einfach mal so zu machen. Das ist auch so eine Serie, die ich eigentlich immer so über die Jahre, wir fahren mit unseren Kindern da mehr oder weniger jedes Jahr hin und immer wenn ich da bin, stelle ich meine Kamera auf Velvia und knipps da irgendwie am Strand. Und das macht mir schon Spaß und es ist vor allen Dingen auch eine andere Form des Zugangs zu Motiven, wenn man da Wiederholungen, Repetitionen, ja, darüber halt irgendwie eine Story entwickelt. Das ist schon was, was ich auch jedem raten würde, mal zu machen. Erstens, weil es einem immer was zu tun gibt. Wenn man mal unterwegs ist und man findet keine Motive auf der Straße, dann hat man immer eine Serie in der Tasche, an der man weiterarbeiten kann. Mein Lieblingsbeispiel sind halt Regenschirme. Das mache ich heute noch. Also ich habe mittlerweile wirklich eine ziemlich große Sammlung an Menschen mit Regenschirmen. Aber wirklich, wenn ich nichts anderes sehe, nichts anderes finde, dann sind es halt Regenschirme. Das kann man bei schlechtem Wetter machen oder manchmal braucht man das schlechte Wetter dafür ja sogar. Und das macht immer noch Spaß und ist immer noch lustig und ja, hält einen so bei Laune.
Kai Behrmann
00:19:27
Ja, kann ich gut nachvollziehen. Ich bin auch so in die Street Photography reingekommen, dass ich einfach losgelaufen bin und sehr aus dem Bauch heraus fotografiert habe. Alles, was mir irgendwo gefallen hat, was meine Aufmerksamkeit geweckt hat, das habe ich fotografiert, aber bin da sehr, sehr unbewusst und unreflektiert vorgegangen, einfach sehr, sehr reaktiv. Aber irgendwann habe ich dann auch gemerkt, dass mir das nicht mehr reicht. Also das sind dann ja so, oder habe ich auch das Gefühl, dass das vielen so geht. In den Workshops kommen immer wieder Fragen oder in den Coachings dahingehend, okay, ich habe das jetzt eine Weile gemacht, aber ich möchte ein bisschen mehr Struktur in meine Street Photography reinbringen, ein bisschen bewusster vorgehen. Und da eben genau das, was du auch gesagt hast, das kann man eben sehr, sehr schön mit solchen Serien machen, Dass man sich bestimmte Themen überlegt, Begriffe, nach denen man fotografiert und dann peu a peu über die Wochen und Monate sich so ein kleines Archiv aufbaut, das immer weiter füllt und irgendwann hat man dann so ein Bildpool zusammen und sieht, das ist jetzt nicht nur das eine Bild von einem Regenschirm, sondern im Kontext ist das ein spannendes Thema und kann man auf unterschiedliche Art und Weise dann ja auch interpretieren, je nachdem, wie man das komponiert, immer so aus der gleichen Perspektive oder aus dem gleichen Bildschnitt oder ein bisschen mal näher ran, mal ein bisschen weiter weg, mal mit Umgebung, mal ohne. Also da gibt es ja viele Spielarten und das bringt einen dann auch so ein bisschen dazu, die eigene Street-Photography kreativer zu gestalten und mit diesem Ansatz, mit diesem bewussteren Herangehen dann neue Möglichkeiten für sich erschließt. Du hast da neulich ein schönes Video auch dazu gemacht, wie man eben gerade mit Fotoserien seine Fotografie so ein bisschen hochlevelt, hast du das genannt?
Jochen Müller
00:21:25
Ja, stimmt, genau, richtig. Reißerische YouTube-Titel.
Kai Behrmann
00:21:29
Jaja, genau, das muss man natürlich auch immer mit beachten, wenn man sich den Titel überlegt, dass das irgendwo auch ansprechend sein muss und einen reinzieht. Aber es steckt ja auch sehr viel Substanz dann dahinter und du gibst da schöne Tipps. Lass uns da nochmal ein bisschen bei bleiben. Was würdest du noch raten in diesem Zusammenhang? Jemandem, der sagt, ja, ich bin da so ein bisschen festgefahren in dem, was ich mache und brauche da mal wieder neue Impulse.
Jochen Müller
00:21:55
Also Inspiration holen kann man sich überall. Ich bin tatsächlich wirklich Fan von Fotobänden. Also alles sicher angucken. Also ich meine im Internet geht es genauso, aber ich habe auch ganz gerne einfach mal ein Bub in der Hand und blättere dadurch. Also wenn man sich festgefahren fühlt, ist das auf jeden Fall immer eine gute Sache. Ansonsten glaube ich, dass es wahnsinnig wichtig ist, dazu hatte ich auch mal ein Video gemacht, sein Sehen auch zu schulen oder zu trainieren, wenn man keine Kamera in der Hand hat. Das ist auch auf jeden Fall ein Tipp, der einen dann auf den nächsten Gang mit Kamera vorbereitet. Jetzt ist das Problem, ich habe meine Kamera wirklich tatsächlich eigentlich immer dabei, um wirklich nichts zu verpassen, aber es ist dann manchmal auch so eine bewusste Entscheidung. Die Kamera in der Tasche zu lassen und auf dem Weg zur Arbeit, also klar, wenn mir jetzt das Bombenmotiv vor die Flinte rennt, dann kann ich auch nicht anders, aber sich damit auseinanderzusetzen, was sehe ich denn jetzt hier gerade, wie fällt jetzt gerade das Licht, habe ich jetzt gerade Sonne, habe ich gerade keine Sonne, was könnte ich jetzt gerade machen, wenn ich die Kamera in der Hand hätte? Und das ist etwas, was, glaube ich, eine unglaubliche Stütze ist. Diese Schule des Sehens, der fotografische Blick, wie man es auch immer nennen mag, um dann einfach mit Kamera nochmal ganz anders durch den Sucher zu gucken. Ich glaube, das ist eine ganz wichtige Erfahrung, die man so als Fotograf machen kann und sich natürlich anderen Orten auszusetzen, als man das üblicherweise tut. Also ich habe tatsächlich in den letzten Jahren so ein bisschen das Gefühl bekommen, dass ich meine eigene Stadt so ein bisschen, dass ich mich so ein bisschen satt gesehen habe. Ich stürze mich jetzt immer noch gerne auf Little Tokyo, das habe ich jetzt dann auch nochmal wieder intensiviert und auch bin da häufiger auch nochmal nach Einbruch der Dunkelheit hingegangen, was ich dann nochmal spannend fand. Und habe dann variiert, ob ich schwarz-weiß oder in Farbe fotografiere. Das sind halt natürlich so Kleinigkeiten, die man tun kann. Aber so der Invest mit der Kamera mal woanders hinzufahren, den halte ich für wahnsinnig wichtig. Sich einfach nochmal so neue Eindrücke abzuholen aus einer Umgebung, die man überhaupt nicht kennt. Also neben der Routine, die ich auch immer noch in der eigenen Stadt empfehle, dieselben Strecken laufen, dieselben Spots immer mal wieder besuchen, das ist auch super wichtig, aber irgendwann reicht das dann vielleicht doch auch nicht mehr und dann ist es auf jeden Fall mal so eine Reise, es muss ja auch keine Weltreise sein, sondern einfach mal in die Nachbarstadt fahren. Das finde ich ganz wichtig.
Kai Behrmann
00:25:04
Ja, es ist selten ein Entweder-oder, sondern häufig Sowohl-als-auch. Also beides ist irgendwo richtig. Also ich finde, Routinen haben auch ihren Wert und geben auch Halt, Stütze und können uns Orientierung geben. Aber immer mal wieder sowas Neues einzustreuen, kann einen dann auch aus dem Trott holen und tut dann sehr, sehr gut, das Sehen mal wieder durchzuschütteln und an fremden Orten da neue Dinge entdecken. Deswegen dieser Punkt, den du sagst, das Sehen ohne Kamera trainieren, den finde ich auch sehr, sehr wichtig. Wir haben ja das Glück in der Street Photography, dass es keine Momente oder es häufig Momente sind, die sich so nicht wiederholen. Aber das Gute ist eben auch, diese Momente, die kommen immer wieder. Also es ist nie so, dass sich das irgendwo erschöpft. Und da dieses Gefühl, ich verpasse irgendwas, wenn man da einmal drüber ist und sich dann auch mal einfach daran erfreut, nur eine Szene gesehen zu haben, ohne sie zu fotografieren, ist, glaube ich, was unheimlich Entspannendes. Und wenn man das kann, dann hilft einem das unheimlich weiter, wenn man dann die Kamera tatsächlich mal in die Hand nimmt. Also einfach mal in diese Ruhe zu kommen, finde ich auch unheimlich wichtig und versuche ich auch immer wieder zu machen.
Jochen Müller
00:26:26
Ja, genau. Also und das ist halt vor allen Dingen auch, also die Street-Fotografie. Ja, also ich meine, das liegt jetzt vielleicht auch so ein bisschen an meinem Setup mit YouTube und es ist ja nicht mehr nur die Fotografie alleine, aber sich davon auch nicht treiben zu lassen, dass man jetzt irgendwie ein neues Bild machen muss, das finde ich wahnsinnig wichtig. ich. Das ist manchmal gar nicht so einfach, wenn man da jetzt auch irgendwie nicht ganz am Anfang steht, sondern halt auch schon mal ein paar Bilder gemacht hat und natürlich auch getrieben durch Social Media. Das habe ich für mich aber auch komplett mittlerweile zu den Akten gelegt. Also ich mache es noch, aber ich mache es auch wirklich nur, wenn mir wirklich danach ist. Und ich renne da auch nicht den nächsten 100 Followern hinterher bei Instagram oder wo auch immer. Da sollte man sich halt einfach entspannen und genau in dem Kontext ist es dann halt auch einfach gut, sich mal ausruhen zu können und vielleicht die Kamera auch mal zu Hause zu lassen, ganz bewusst und einfach mal nur zu gucken. Mache ich jetzt auch wieder hin und wieder öfter. Mhm.
Kai Behrmann
00:27:44
Und Stichwort andere Orte. Du warst zuletzt auch unterwegs in London. Hast du gerade oder darüber über diesen Trip ein Video gemacht bei YouTube. Camptown hast du da erkundet. Läuft das so unter diese Rubrik, mal das Sehen ein bisschen aufzufrischen, neue Orte zu besuchen, um da sich neue Impulse zu holen? Erzähl mal ein bisschen, was steckte hinter dieser Reise?
Jochen Müller
00:28:12
Oh, hinter der Reise steckte ein total privater Grund eigentlich. Das hat mir meine Frau tatsächlich geschenkt, diese Reise. Also diese Reise zu zweit war unsere erste Reise zu zweit. Also die jetzt länger als eine Nacht gedauert hat, als seitdem unsere Kinder auf der Welt sind. Und das war also quasi, es war jetzt keine nachgeholte Hochzeitsreise oder sowas, aber es war schon einfach so unsere Fahrt. Aber Gott sei Dank. Ist Alex, meine Frau, auch irgendwie interessiert daran, Städte zu erkunden und sie respektiert das absolut und findet das auch schön, dass ich dabei dann fotografiere. Da schlägt man ja auch zwei Fliegen mit einer Klappe, man hat tolle Urlaubserinnerungen und eventuell auch irgendwann mal ein neues Bild im Flur. Ich habe ihr tatsächlich auch ein Bild von dieser Reise geschenkt, gerahmt, was sie schön fand. Und das war halt so eine Ergänzung. Aber eigentlich war der Anlass der Reise gar nicht so sehr die Street-Fotografie. Ich muss allerdings sagen, ich habe die letzten Jahre schon ganz schön gejammert, dass ich mal wieder nach London will. Das hat sie auf jeden Fall dann wahrgenommen und zum Anlass genommen, mir das zu schenken zu meinem 50. Geburtstag war es. Das war der Anlass. Aber die Fahrt selber war halt genau das, was du sagst und genau darauf habe ich mich auch mental vorbereitet und auch tierisch darauf gefreut, mal wieder eine Stadt, wo ich früher öfter war, zuletzt aber auch tatsächlich vor 20 Jahren mal wieder zu besuchen und durch, Ja, mittlerweile ja ganz anderen Blick oder durch eine ganz andere Linse zu sehen, nämlich durch die Linse der Fotografie. Das war schon toll. Wir waren direkt an King's Cross. Wir waren mega zentral in einem ganz einfachen, guten, schnuckeligen Hotel und sind dann wirklich jeden Morgen nach dem Frühstück los und abends dann irgendwann tot ins Bett gefallen. Also wir haben wirklich gelaufen, gelaufen, gelaufen und ich habe wahnsinnig viel fotografiert und das hat genau wieder diesen Nerv gekitzelt, den man halt absolut ab und zu mal braucht. Das habe ich Gott sei Dank in den letzten drei Jahren häufiger geschafft. Ich war auch in den USA mal, war zwar nur eine Woche, aber ich war in Boston. Meine Schwägerin lebte da bis vor kurzem noch. Die sind jetzt mittlerweile zurückgewandert, aber die waren für acht Jahre in Boston. Und wegen Corona und aus unterschiedlichen Gründen hat das irgendwie nie geklappt, da hinzufahren. Wir waren in Paris mit der ganzen Familie, also auch meine Kinder sind jetzt alt genug, mal mitzukommen auf so einen Städtetrip, da kann man das dann auch ganz wunderbar verbinden. Ich habe ganz viel Streetfotografie gemacht und ich war, glaube ich, in dem ganzen Trip nur mal eine Stunde alleine unterwegs, ansonsten war immer jemand dabei und es ging trotzdem wunderbar. Also auch das funktioniert, ich bin mal einen Tag alleine nach Amsterdam gefahren was von Düsseldorf aus mit dem ICE ja ich glaube 4 Stunden, dann ist man da morgens hin, abends zurück das kostet auch nicht viel, auch nach Paris sind wir mit dem Eurostar gefahren für echt ein Appel und ein Ei wir haben sehr früh gebucht, ein halbes Dreivierteljahr vorher, das hat wirklich nicht viel gekostet, also die reine Anfahrt war echt Pille Palle, Ja, und so Sachen möchte ich jetzt gerne öfter machen und London war absolut ein Highlight von diesen Reisen. Das war wirklich fantastisch und hat für mein fotografisches Gemüt sehr gut getan.
Kai Behrmann
00:32:08
Kannst du das benennen, was es konkret war, was dich jetzt zum Beispiel an der Reise nach London da, ja, was du da mitgebracht hast an Erkenntnissen und was dir jetzt in deiner Fotografie auch zu Hause in Düsseldorf weiterhilft?
Jochen Müller
00:32:26
Ja, was mir da weiterhilft, ist eine gute Frage. Mir hilft weiter, dass ich mich, und da gibt es ja in meiner Stadt auch durchaus noch Möglichkeiten, ist ja nicht so, als würde ich alles kennen, dass ich mich einfach mehr ins Unbekannte stürzen muss. Da kann man auch ganz schrecklich mit auf die Nase fallen, ich habe auch vor einiger Zeit mal das war wirklich der Anlass war so ein Fotowalk, wo ich mir so einen mir unbekannten Stadtteil erschließen wollte in Düsseldorf, und es war so schrecklich es war grauslich, es war langweilig es gab wirklich nichts zu gucken, ja und da habe ich da habe ich dann auch wirklich so ein Video zum zum Scheitern, gemacht, was ja auch wichtig ist. Gott sei Dank ist mir das bisher noch nicht bei so einer Reise passiert, aber innerstädtisch kann das halt passieren. Aber London hat mir trotzdem noch mal so den Blick fürs, ja, oder hat vielleicht auch so ein bisschen meine ja so einen Nerv gekitzelt, dass ich wirklich großurban leider richtig geil finde und ich, da glaube ich auch noch mehr sehen will und. Ja, das, was ich in London gesehen habe, jetzt eins zu eins hier zu übersetzen, fällt mir jetzt gerade schwer, was ich da mitgenommen habe. Aber was ich mitgenommen habe, ist vielleicht, dass so ein Tag sich auf das Fotografieren, Konzentrieren einen wahnsinnig nach vorne bringt und die Alltagsroutinen halt dann wichtig und gut und auch lehrreich sind. Aber dass so dieses mal mit vollem Fokus für acht Stunden am Tag sich darauf zu konzentrieren einen sehr erschöpft, aber doch auch sehr glücklich macht.
Kai Behrmann
00:34:26
Und gehst du dann da auch relativ frei ran an so einen Tag in London, sagst du so, okay, jetzt habe ich den Tag zum Fotografieren und ich gehe einfach drauf los oder hast du dir vorher schon überlegt, an welche Orte du gehst und so ein bisschen die Fantasie angeschmissen, was dich möglicherweise da für Motive erwarten könnten?
Jochen Müller
00:34:49
Ja, ich habe mich schon vorbereitet. Ich bereite mich auch vor, aber wirklich grob. Also eher so, ich denke dann eher so in Stadtteilen, damit halt genau das nicht passiert, was mir dann jetzt halt in Düsseldorf passiert ist. Also ich will schon gerne wissen, in welchen Stadtteilen pulsiert die Stadt, was kann ich da sehen. Das mache ich immer, bevor ich losfahre. Mittlerweile, wenn ich ganz alleine unterwegs bin, also klar, London war jetzt natürlich auch so eine Mischung aus Sightseeing, mal wieder am Buckingham Palace hat sich gar nicht gelohnt. Wir waren da einmal am Gitter, haben den Haken gemacht und sind wieder weitergelaufen. Also so ein bisschen Touri-Abfahrt war das dann halt auch, das musste man dann halt so miteinander verbinden, aber wenn ich ganz alleine bin, beispielsweise in Amsterdam, Und dann lasse ich mir tatsächlich über die KI einen Fußweg generieren. Also ich sage so, okay, da gehe ich los, da will ich überall hin. Generiere mir mal eine schöne Strecke mit den heißen Spots, von denen ich so weiß. Das ist dann so eine Mischung aus eigener Recherche und das, was mir die KI dann zusätzlich noch vorschlägt, ist in den allermeisten Fällen bisher ziemlich gut gewesen. Ganz wenige Spots, wo ich dann so stand und dachte so, okay, Moment, das soll jetzt hier irgendwie der heiße Street-Scheiß sein. Dass ich da enttäuscht war das passiert schon mal aber wirklich äußerst selten dafür finde ich die KI tatsächlich äußerst sinnvoll also das macht dann irgendwie Bock, genau und dann laufe ich also wenn es geht laufe ich alles wenn die Stadtteile dann zu weit auseinander liegen dann baue ich da auch mal eine Bahnverbindung ein, ich finde es mega spannend in U-Bahnen unterwegs zu sein das gucke ich mir auf jeden Fall immer an insofern die Stadt eine U-Bahn hat, und ansonsten lasse ich mich wirklich treiben.
Kai Behrmann
00:37:02
Du hast gesagt, dass du gemerkt hast, dass dir so großurbane Umgebungen gefallen. Was ist es da genau, was du reizvoll für die Street Photography empfindest, wenn da unheimlich viel los ist?
Jochen Müller
00:37:18
Ja, es geht gar nicht so sehr darum, dass es wahnsinnig voll ist, sondern es geht um die Landschaft, in der man sich bewegt. Und da finde ich es einfach für jemanden, der natürlich auch den harten Kontrast zwischen Licht und Schatten sucht, einigermaßen vernünftiges Licht vorausgesetzt. Das darf bei mir auch hart sein. Also hier, wie heißt es, von 12 bis 3 hat der Fotograf frei. Nee, auf gar keinen Fall. Trifft auf dich nicht zu. Trifft auf mich nicht zu. Harte Schatten und so weiter. Das geht halt natürlich mit hohen Gebäuden. Ich bin gerade gestern nochmal durch meine Boston-Fotos gegangen. Da hatte ich auch ein saumäßiges Glück im Oktober 2024. sich, da war wirklich jeden Tag super geiles Wetter. Und die Spiegelungen, die man dann da vor die Linse kriegt, die Schatten, die Lichtstimmung auf so großen Gebäuden, das finde ich halt einfach schon richtig cool. Und ich bin so nicht groß geworden und deswegen ist das für mich auch so ein bisschen der Reiz des Unbekannten vielleicht oder wirklich so dieses Gefühl im urbanen Dschungel zu sein. Es hat natürlich auch was damit zu tun auf was für Charaktere man trifft auf was für Leute man da treffen kann da war London jetzt auch wieder, da laufen ja auch die verrücktesten, Freaks irgendwie rum, das finde ich mega toll Berlin finde ich auch immer mega toll, da bin ich auch wahnsinnig gerne, war ich neulich zum Glück auch, ja das ist so das, was es ausmacht so dieses, pulsierende Leben in so einer Großstadt. Und ja, New York ist da auch tatsächlich ein Traum. Tokio ist ein Traum. Ich werde mir das irgendwann erfüllen, da hinfahren und ja, bin mal sehr gespannt, was dann da so irgendwie auf mich zukommt.
Kai Behrmann
00:39:19
Ja, diese Mischung aus Kulisse, die so eine Großstadt eben bietet an Rahmenbedingungen, eben was das macht, wenn die Architektur eben groß in die Höhe geht, wenn da eben das entsprechende Licht dazu kommt, dass sich da Situationen ergeben, wie du sie beschrieben hast. Jemand, der gerne diese Lichtschatten, Kontraste, Lichttaschen sucht, für den ist das natürlich da dann essentiell und das ist schwieriger umzusetzen, als wenn man durch einen Stadtteil von Düsseldorf läuft, wo es Einfamilienhäuser Genau,
Jochen Müller
00:39:52
Genau so war es da in Gerresheim, ich sage es jetzt einfach Es ist bestimmt total schön da zu wohnen Es gibt auch einen wunderschönen Wildpark, aber ganz ehrlich, für die Street-Photografie ist das einfach ja nicht Ja.
Kai Behrmann
00:40:09
Da müsstest du dann eher mit dem Martin-Paar-Ansatz rangehen und dir Kleingärten suchen.
Jochen Müller
00:40:13
Genau, sowas, genau, richtig.
Kai Behrmann
00:40:17
Ja, aber finde ich, kann ich mich sehr gut reinversetzen in das, was du gesagt hast, eben was das so macht, wenn man mal in solche Städte reist, einfach ausbricht aus der normalen Routine, sich da mal ein neues Umfeld sucht, das kann einen unheimlich voranbringen und wieder auf neue Ideen bringen, ein bisschen Schwung reinbringen. Jetzt ist es gerade so, in Deutschland ist es sehr, sehr kalt und es ist Winter. Es gab sehr, sehr viel Schnee. Wie sieht das mit Wetter aus, mit solchen Bedingungen? Bist du da jemand, der sagt, oh ja, super, das integriere ich in meine Street Photography und auch das kann eine Rolle spielen? Oder bist du eher jemand, der sagt, okay, ich bin am liebsten im Sommer oder in bestimmten Jahreszeiten unterwegs?
Jochen Müller
00:41:13
Also ja, ich bin schon ein Schönwetterfotograf, aber halt doch auch nicht nur. Ich habe jetzt das Glück gehabt, dass diesen Winter tatsächlich auch mal Schnee in Düsseldorf lag. Das habe ich total genossen, also fotografisch. Ich bin ziemlich viel mit der Kamera draußen gewesen. Gut in der richtigen, so in der Innenstadt ist das sehr schnell einfach nur Matsche natürlich, aber so ich wohne ja so ein bisschen am Stadtrand. Da hat es mir schon echt großen Spaß gemacht, das zu fotografieren, auch nachts. Nachts ist ja im Winter hier schon um 16.30 Uhr. Also mit Lampenschein und diesem trotzdem hellen Untergrund. Das blieb ja wirklich richtig zwei Wochen, eine Woche, zehn Tage blieb das ja liegen. Da habe ich schon wirklich coole Bilder gemacht, die für mich jetzt auch nochmal ganz außergewöhnlich waren. Der Winter hat natürlich eben auch den Vorteil, dass die Sonne früh untergeht. Und ich war ja diesen Winter viel in Tokio unterwegs. Grundsätzlich finde ich Regen auch wahnsinnig interessant für bestimmte Szenen, für bestimmte Situationen. Deswegen, ich glaube, in Japan, das würde mich gar nicht schocken, da jetzt irgendwie in der Regenzeit oder wenn es da regnet, ist ja relativ viel in Tokio, habe ich mir sagen lassen, da unterwegs zu sein, das fände ich glaube ich ganz cool. Ich bin auch so ein kleiner Cyberpunk-Fan. Ich mag diese Neon-Lichter, das im Zusammenhang mit Regen finde ich wahnsinnig beeindruckend und cool. Ich bin aber so ehrlich zu sagen, dass ich bisher so in meiner eigenen Stadt das schlechte Wetter jetzt nicht immer zum Anlass nehme, um rauszugehen. Also ich finde die Jahreszeiten wichtig. Ich finde auch wichtig, dass wir die merken und dass es im Herbst dann auch mal regnet und stürmt. Kann alles spannende Motive geben. Die Farben sind im Herbst toll. Die Sonne ist im Herbst toll. Das Licht ist wichtig. Also mich schreckt das gar nicht. Ich baue das auch ein. Stichwort Regenschirme, aber am liebsten habe ich es dann doch, wenn die Sonne scheint, bin ich ganz ehrlich.
Kai Behrmann
00:43:39
Ja, muss ich auch zugeben, ich würde mich auch eher unter die Indie-Kategorie Schönwetterfotograf einsortieren, weil ich eben auch gerne mit diesem Licht da arbeite, mit Sonne oder wo wir eben schon mal dabei waren, neue Impulse mit einfließen zu lassen, was ich auch vorhabe, mal häufiger auch bei Nacht rauszugehen, ein bisschen damit zu spielen. Du hast am Anfang des Gesprächs mal den Namen Joshua K. Jackson genannt, ein guter Freund von Sean Tucker, der das meisterhaft macht in London. In Soho. Wenn ich an ihn denke, genau, in Soho, auch immer in einem ganz begrenzten Radius unterwegs in diesem Stadtteil und auch häufig dann zu Nachtzeiten, wenn diese Neonlichter dann an sind, sehr, sehr stimmungsvolle Bilder, die er da macht. Also das ist auch ein wunderbares Beispiel einmal für Nachtfotografie, aber auch dann, wie das einem helfen kann, so eine klare Fokussierung zu haben, diese Klarheit und dann was sehr, sehr Konsistentes zu schaffen in seiner Street Photography, so ein wunderbarer Fotograf.
Jochen Müller
00:44:49
Ja, absolut. Und an den habe ich auch wirklich gedacht, als ich in London war. Und das war auch einer der Fixpunkte, den ich meiner Frau von Anfang an gesagt habe. Wir gehen auf jeden Fall mal bitte. Einen Abend im Dunkeln durch Soho. Es war wahnsinnig voll an dem Abend. Es war dann auch nicht so einfach, da in Ruhe mit den Neonlichtern zu fotografieren. Und ein Abend ist natürlich jetzt auch ein Witz gegen diese Beständigkeit, von der du da gerade sprichst, aber das habe ich dann tatsächlich auch zum Anlass genommen und das ist wirklich was, was ich aus London mitgebracht habe, diesen Winter ganz regelmäßig ein bis zweimal die Woche hier in Düsseldorf abends durch Little Tokyo zu laufen. Das ist neonlichttechnisch nicht vergleichbar mit Soho natürlich, wobei Chinatown und Soho da in London ja auch ganz, ganz dicht nebeneinander ist. Aber das hat für mich jetzt da auch nochmal so eine Konsistenz in ein Thema und in einen Stadtteil gebracht und das werde ich auch sicherlich weiterverfolgen. Und da finde ich es fast schade, dass demnächst das erst um 22 Uhr wieder dunkel ist.
Kai Behrmann
00:46:02
Muss ich spät raus.
Jochen Müller
00:46:03
Muss ich spät raus, genau. Ja.
Kai Behrmann
00:46:07
Aber ja, du hast mit Little Tokyo oder mit dem japanischen Viertel in Düsseldorf eben auch so einen Ort, den du jetzt schon seit geraumer Zeit fotografisch begleitest. Neben diesem Impuls, jetzt auch bei Nacht das ein bisschen stärker noch zu erkunden, was haben sich da über die Monate und Jahre, in denen du da jetzt fotografierst, sonst so für Linien heraus kristallisiert, was dieses, ich nenne es mal Street Photography Projekt angeht?
Jochen Müller
00:46:37
Also es ist halt wirklich ein krasser Kulturcut, wenn man da hinkommt. Also es ist halt schon beeindruckend, wie dieses Viertel oder diese Gegend halt so funktioniert. Bis vor ein paar Jahren sprach da kein Mensch Deutsch und nur wenige Englisch. Also es hat sich jetzt natürlich über die Jahre auch so ein bisschen dem Tourismus geöffnet und Japan hat ja wirklich auch in der Jugendkultur eine immense Bedeutung. Ich sehe es auch bei meinen Kindern, die beide viel japanische Comics lesen, Mangas lesen, Filme gucken. Das ist ja wirklich ein riesen Jugendkulturthema und dieses Viertel hat sich dem auch geöffnet und mittlerweile kriegt man auch eine deutsche Speisekarte oder eine englische dazu. Aber als ich den Stadtteil so richtig kennengelernt habe, ich wohne jetzt schon ziemlich lange in Düsseldorf, seit 27 Jahren, dieses Jahr werden es 28, das hat sich schon wirklich immens weiterentwickelt. Meine Faszination kommt aber eben daher, dass man da wirklich ein paar Meter vom Hauptbahnhof auf einmal in einer völlig anderen Welt ist. Also bitte nicht enttäuscht sein, wenn man da jetzt tagsüber, wenn man das noch nicht kennt, wenn man da tagsüber einmal durchläuft, dann kann man auch sagen, hey, das ist ja nur die eine Straße mit ein paar Läden. Ja, den Eindruck kann man haben. Man muss dann auch das in Gänze erfassen und auch in den Seitenstraßen so ein bisschen wissen, wo da noch was ist und wo da noch spezielle Läden sind und spezielle Restaurants sind und so weiter, um das zu tun. Ja, so ein bisschen zu erfassen. Und über die Jahre bin ich da immer tiefer eingetaucht und habe da immer mehr kennengelernt. Und es ist halt, ja, wirklich wie ein Kurztrip ganz woanders hin, wenn man da unterwegs ist, insbesondere abends. Und da interessieren mich natürlich schon auch diese kulturellen Eigenarten, die es da gibt. Man sieht auf einmal Menschen, die nicht am Tisch auf dem Stuhl hocken, sondern um einen Tisch herum knien, sitzen und ihren Rahmen zu sich nehmen. Oder alleine wie da miteinander umgegangen wird. Diese Höflichkeit, dieser Respekt, das Verneigen, diese ganzen Dinge, die man in einer westeuropäischen Großstadt normalerweise nicht zu sehen bekommt. Das ist schon sehr faszinierend, plus natürlich Dinge, die man sonst auch in keinem Schaufenster sieht, eine Beleuchtung, die sehr speziell ist, eine Ausstattung, die sehr speziell ist, Essen, von dem man noch nie gehört hat. Wie gesagt, mittlerweile kann man es sich drauf schaffen über die Speisekarten. Ja, es ist halt einfach sehr faszinierend, was da so vor der eigenen Haustür auf einmal noch an anderen kulturellen Dingen passiert. Und da gibt es bestimmt noch mehr zu entdecken. Da ist Little Tokyo bestimmt nicht das einzige, was da in so Städten schlummert. Und da kann ich nur raten, sich das mal anzuschauen. Es ist natürlich selten so geballt und mittlerweile auch auf so einer Fläche und in so einer Anzahl. Da ist Little Tokyo, glaube ich, schon speziell. Aber das gibt es bestimmt auch in anderen Großstädten, solche Spots.
Kai Behrmann
00:50:25
Was ich an diesem Ansatz mag, ist, dass sich da Street-Photography mit Dokumentarfotografie vermischt, was für mich auch zwei Genres sind, die ohnehin sehr, sehr eng beieinander liegen, also fließende Linien. Also gerade wir als Street-Fotografen, wir gehen ja durch die Welt und beobachten, wie zeigt sich die Gesellschaft, wie interagieren wir miteinander und das ist alles irgendwo dokumentarische Arbeit, die wir da auch mit jedem Bild machen. Und wie du sagst, solche Orte finden sich in den meisten Städten. Ob das jetzt eine asiatische, eine japanische Community ist, die sich an einem Ort besonders zeigt, mit ihrer Kultur, mit ihrer Küche, Gastronomie oder andere Kulturen. Also da mal einen Blick drauf zu wenden. Ich weiß noch, vor einiger Zeit hatte mir aus Berlin der Klaus Heimach so ein kleines Büchlein geschickt, Sonnenallee, wo er in Neukölln unterwegs war.
Jochen Müller
00:51:31
Das kenne ich, das Buch. Ja, wunderbar.
Kai Behrmann
00:51:33
Ich auch, ja. Ganz tolles Buch. Und ja, also das sind alles so Ansätze, wo man mal ein bisschen reingehen kann. Und wenn du jetzt sagst, Eintauchen in dieses japanische Viertel, bedeutet das für dich auch, dass du mit Menschen in Kontakt kommst? Oder bist du dann eher der Street-Fotograf, der sagt, ich möchte mich selber als Fotograf da gar nicht so stark einbringen, sondern ich bin eher in der beobachtenden Rolle?
Jochen Müller
00:51:59
Also ich bin in der beobachtenden Rolle, aber es gibt Begegnungen, es gibt auch natürlich kurze Gespräche. Jetzt ist das glaube ich auch so ein bisschen Teil der japanischen Kultur, dass man auch eher fast ein bisschen scheu ist und, bestimmte Dinge auch ja gar nicht so nach außen trägt, man interessiert sich für etwas oder man spricht jemand Fremdes einfach an, das ist glaube ich gar nicht so ein. Das ist so mein Eindruck. Das liegt nicht im Naturell. Und deswegen ist es auch tatsächlich so, dass ich immer das Gefühl hatte, das respektieren zu wollen. Was ich schon mache ist, oder häufig gemacht habe, nicht immer gebe ich zu, ich fotografiere auch viel in Läden hinein, wenn da Leute gerade bei der Arbeit sind und kochen. Und ich habe mir jetzt schon öfter so eine stillschweigende Zustimmung abgeholt, also dass ich so auf meine Kamera zeige und so erwartungsvoll gucke und dann meistens auch einen Nicken bekomme oder auch mal nicht und dann lasse ich es auch bleiben. Das mache ich, aber ich bin tatsächlich schon länger in Überlegungen drin, auch mal wirklich eher noch dokumentarisch und nicht so versteckt dokumentarisch um das Viertel ranzugehen. Und mir mal, ich glaube, es ist eine Werbegemeinschaft, die da existiert, die tatsächlich dieses Thema Little Tokyo auch so ein bisschen nach außen stellt, ins Schaufenster stellt, darüber mal zu versuchen, Kontakte zu knüpfen und vielleicht auch mal wirklich Porträts von einzelnen Läden und Menschen zu machen. Und das auch mit einer Geschichte zu verbinden. Ähm, Ich habe da schon einen Versuch gestartet. Bisher nichts gehört, aber da werde ich auf jeden Fall nochmal nachfassen. Aber in der Street-Fotografie, so wie ich sie jetzt im Moment mache, bin ich schon eher der Beobachter.
Kai Behrmann
00:54:12
Ja, so ein Mischweg wäre ja auch, dass man sagt, wenn man, wenn das jetzt ein überschaubarer Radius ist, den man da immer wieder abläuft, so eine Straße, dass man sich immer mal wieder in verschiedene Läden reinsetzt, versucht mit den Inhabern, mit den Menschen in Kontakt zu kommen, die da arbeiten. Einfach, dass die einen so ein bisschen auch kennenlernen. Und dann kann man es ja irgendwie einfließen lassen, sagen, ich bin Fotograf, bin hier häufiger unterwegs. Und ja, irgendwann zählt man so ein bisschen mit dazu. Und wenn du dann mit deiner Kamera da am Schaufenster vorbeiläufst, dann grüßen die vielleicht, da machst du nicht das Bild. Aber du weißt, die kannst du dann auch fotografieren, wenn sie sich wieder ihrer Arbeit widmen. Also das könnte ich mir schon vorstellen, dass man da so auch rangeht.
Jochen Müller
00:54:58
Das gibt es auch tatsächlich schon. Also es gibt zwei Mitarbeiter in Läden, für die gehöre ich glaube ich schon so zum Inventar und da sieht man dann auch manchmal so einen Anstupser des Kollegen, hier guck mal, da ist er wieder und so und dann kriegt man auch mal einen Gruß aus dem Nebel der Küche irgendwie raus. Das habe ich tatsächlich jetzt schon ein paar Mal erlebt. Das finde ich auch total cool. Der nächste Schritt ist dann halt ins Gespräch zu kommen. Ja, aber da bin ich glaube ich noch ein bisschen, da muss ich noch ein bisschen baggern in Anführungszeichen.
Kai Behrmann
00:55:37
Aber es ist ja bei dir vor der Haustür. Insofern ist das ja etwas, was du dann auch langsam angehen kannst.
Jochen Müller
00:55:43
Genau.
Kai Behrmann
00:55:45
Jochen, du hast eine Rubrik bei dir auf deinem YouTube-Kanal mit den Street Photography News, wo du immer mal wieder drauf schaust, was so passiert in der deutschen Street Photography Szene, Ausstellung, Fotografen, die dir über den Weg laufen, die dich faszinieren. Also da bist du schon jemand, der da die Hand am Puls hat. Hast du vielleicht mal so zwei, drei Dinge, Tipps, die dir kürzlich untergekommen sind, die du hier an dieser Stelle mal exemplarisch teilen kannst?
Jochen Müller
00:56:17
Boah, das ist immer so viel. Also erstmal, ich muss so ein bisschen, ich bereue fast, dass ich es Street-Fotografie-News genannt habe, weil mir ist wirklich nichts Besseres eingefallen, weil das sind ja doch häufig auch Dinge, wo ich mir dann immer meine Zuschauer vorstelle und sagen, ich kann ja doch nicht ernsthaft unter News verkaufen, weil ich dann für mich einen neuen YouTube-Kanal entdeckt habe, den vielleicht alle anderen schon ewig lange kennen. Das kann durchaus passieren. Also die News sind immer so ein bisschen, ja, unter Vorbehalt. Ja, was habe ich da für Tipps? Also es sind halt natürlich immer die aktuellen Ausstellungen, von denen es immer mehr gibt, habe ich so den Eindruck. Also das ist schon relativ beeindruckend, wie viele Ausstellungen im Kontext Street-Fotografie mittlerweile in der BRD oder in den umliegenden europäischen Ländern so geboten werden. Also ich habe jetzt mittlerweile auch wirklich mir einige angeschaut. Ich war in Amsterdam, habe ich meinen Trip auch verbunden mit einer Ausstellung. Das war eine Saul-Leiter-Ausstellung auch noch ausgerechnet, den ich halt wirklich richtig toll finde, schon immer. Aber da gibt es halt wahnsinnig viel, da kann ich nur raten, haltet die Augen auf. Es gibt auch viel Lokales mittlerweile durch die ganze Community, die sich bundesweit gebildet hat. Und die Menschen sind sehr engagiert und versuchen häufig Ausstellungen auf die Beine zu stellen. Das ist auf jeden Fall was, was man im Blick behalten kann. Da kann ich auch gar nicht mehr alle nennen. Also das habe ich irgendwann sogar gelassen. Also ich mache jetzt so von den Communities, wo ich einen persönlichen Draht so hin habe, da gebe ich dann Tipps, wenn da eine Ausstellung ist. Aber das sind mittlerweile so viele Kollektive und so viele Leute, da komme ich gar nicht hinterher. Und ich bin da in so einer WhatsApp-Gruppe, wo diese ganzen Ausstellungen und so weiter drin stehen. Also sorry an alle, die das hören und vielleicht irgendwie das doof finden, dass sie nicht in den Street News gelandet sind, aber das geht einfach gar nicht mehr. Ich mache das ja auch nur noch zweimonatlich. Der Monatstonus war mir zu viel. Das habe ich relativ schnell gemerkt nach einem Jahr, dass mich das dann auch stresst, Inhalte zusammenzukriegen und die dann aufzubereiten. Aber es ist ja schön, dass eigentlich die Anlässe so zahlreich sind, dass man sie gar nicht mehr unterbringen kann. Also das ist auf jeden Fall, was ich jedem nur raten kann. Und ansonsten, ich versuche ja auch immer... Ja, Buchtipps zu geben. Da gibt es auch immer Spannendes zu entdecken. Immer wieder was, was ich noch nicht kannte, was eine totale Inspiration ist. Ich habe mir jetzt zu Weihnachten, das kannte ich auch vorher gar nicht. Magnum oder Magnum Streetwise gewünscht. Habe ich dann auch bekommen vom Christkind wirklich auch ein toller Bildband von gesammelter Magnum Street-Fotografie den ich unheimlich inspirierend finde, das ist halt, das habe ich ja am Anfang schon mal gesagt, da gibt es halt einfach da gibt es halt einfach ohne Ende Dinge, die man sich angucken kann und immer wieder Fotografen, von denen man noch nie gehört hat vielleicht über die man dann stolpert. Und Magazine auch, es gibt ja auch kleine Magazine, auch aus Deutschland mittlerweile. Aus Nürnberg habe ich neulich eins vorgestellt, die Metropolenz-Reihe oder von Philipp Meiners. Leider gibt es ja die Soul of Street nicht mehr. Das war immer ein Segen und eine große Inspiration. aber das ist ja leider vorbei also die die street fotografie szene die street fotografie landschaft ist in deutschland sehr sehr bunt und sehr sehr groß es wäre jetzt vermessen zu sagen mir fast ein bisschen zu groß aber ich meine das gar nicht irgendwie negativ irgendjemandem persönlich gegenüber aber, Ja, ich sag mal so, das Meet & Street, wo du ja auch gerne bist, wird schon sehr unübersichtlich mittlerweile. Und das ist natürlich auf der einen Seite schön, weil das Thema die Beachtung findet, dies ja auch verdient hat. Und auf der anderen Seite, als jemand, der jetzt dann doch auch schon relativ lange dabei ist, manchmal so ein bisschen befremdlich.
Kai Behrmann
01:01:15
Ja, es ist viel in Bewegung und da den Überblick zu behalten, das ist nicht ganz einfach. Das kann ich auch bestätigen. Ich bin da in einigen WhatsApp-Gruppen mit drin, was so die Kollektive angeht und auch aus dem Hamburger Raum, die da sehr, sehr aktiv sind. Und es ist wirklich schon beachtenswert, was da an Projekten auf die Beine gestellt wird, wie viele Ideen da zu Ende geführt werden, auch häufig in Form von Ausstellungen, in Form von kleinen Zines. Also es ist wirklich schon toll zu sehen, wie viel Dynamik da jetzt drin steckt. Aber ja, da den Überblick zu behalten, da stimme ich dir zu, gerade auch wenn man so ein Format hat, dann ist das eine Herausforderung und da rutscht einem dann auch viel von der Platte. Man kann da nicht auf alles eingehen. Deswegen so ging es mir mit dem Magazin Metropolenz von Samuel Ioannidis vom Nürnberger Kollektiv, was ich auch eben über dich dann entdeckt habe, als du es vorgestellt hast. Magst du da mal zwei, drei Worte zu sagen, worum es da inhaltlich geht? Was ist das Konzept dahinter und wo kann man das beziehen?
Jochen Müller
01:02:24
Genau, also das Konzept ist eine Gruppenarbeit in Form eines Magazins mit dem Schwerpunkt Streetphotografie mit unterschiedlichen Produkten. Ja, ich glaube auch inhaltlichen Schwerpunkten, aber es wird halt zusammengestellt, vor allem, soweit mir bekannt ist, eben vom Samu aus dem Kollektiv in Nürnberg. Ist ein handliches Magazinformat, ich glaube, das ist A5 so ungefähr, aber ja, wirklich sehr schön kurviertiert und zusammengestellt, auch hochwertig gedruckt und ist jetzt auch kein, ja, ist jetzt wirklich schon etwas, was man sich auch gerne ins Regal stellt und irgendwann auch mal gerne wieder rausnimmt und durchblättert zu beziehen, ist das. Neben direkt Versand über Samu vielleicht, das weiß ich gar nicht so ganz genau, aber die Quelle, die mir auf jeden Fall bekannt ist, die offiziell ist halt der Fuji Store in Nürnberg. Ich glaube, da lassen die das auch drucken, wenn nämlich nicht alles wird, aber da bin ich jetzt gerade nicht ganz sprechsicher. Habe ich mir ehrlich gesagt gar nicht angeguckt, wo das gedruckt wird, aber könnte ich mir vorstellen, dass die da auch ihre Finger im Spiel haben, aber da kriegt man es auf jeden Fall. Ich weiß nicht, wie viele sie jetzt noch haben. Glaube ich, die Auflage ist immer so 200 Stücke. Die sind dann auch schon mal ganz gerne flott weg. Als ich das Video gemacht habe, ich war spät dran, aus verschiedenen Gründen, habe ich meine News dieses Jahr im Januar relativ spät gemacht. Da hatte ich aber vorher geschaut, da waren noch ein paar Exemplare da, aber ob jetzt zum Zeitpunkt der Ausstrahlung des Podcasts noch welche da sind, das weiß ich nicht zu sagen, aber dann muss man einfach auf die Ausgabe Nummer 3 warten.
Kai Behrmann
01:04:15
Ja, die dann hoffentlich kommt und dann gibt es wieder Exemplare. Ja, werde ich mir auch mal anschauen. Vielleicht habe ich ja Glück und bekomme noch eins und sonst heißt es ein bisschen warten.
Jochen Müller
01:04:27
Genau.
Kai Behrmann
01:04:29
Joachim, wir haben viel über Inspiration, über Kreativität gesprochen, über Dinge, mit denen du dich gerade auseinandersetzt. Gibt es abschließend gefragt noch etwas, eine Frage im Zusammenhang mit deiner Street Photography, etwas, was dich gerade umtreibt, worüber du nachdenkst? Das kann irgendwie konkret sein, aber es kann auch ein bisschen allgemeiner gefasst sein, wenn es bezüglich deiner Herangehensweise, deiner Philosophie in der Street Photography geht oder etwas, was du auch in der Szene an sich so beobachtet hast, irgendwelche Tendenzen.
Jochen Müller
01:05:10
Ja, da gibt es ganz viel, immer mal wieder zu grübeln. Also für mich persönlich als nächstes Projekt steht jetzt auf jeden Fall nochmal an, was Gedrucktes zu veröffentlichen. Also das habe ich mir fest vorgenommen und das kann in verschiedene Richtungen gehen. Das kann nochmal in Richtung eines Sachbuches gehen, weil das angesprochene Buch im Bildner Verlag ist jetzt fünf Jahre alt oder wird im November fünf Jahre alt. Und wie das halt so ist bei solchen Büchern, nach einer gewissen Zeit hat man sich ja auch selber weiterentwickelt und, ich hätte jetzt so langsam, also ohne, dass ich irgendwie sagen könnte, dass das passiert, aber ich hätte so langsam Lust, da nochmal was hinterher zu schicken, etwas, was ergänzt. Also ich würde, glaube ich, nicht dieselbe, Geschichte nochmal versuchen zu machen oder nur ein bisschen anders zu machen, sondern wenn, dann müsste das irgendwie anschließen und nicht ersetzen. Das ist sowas, was mich gerade so ein bisschen umtreibt. Mein eigenes Chaos Dateichaos zu organisieren ist gerade was, was mich sehr umtreibt was aber gleichzeitig ein ganz schönes Projekt ist, also dieses, das habe ich ja ganz am Anfang gesagt dass ich meine Streetfotografie gerade neu organisiere und anders organisiere katalogisiere. Bewerte, wegschmeiße und auch nochmal sichte dadurch, das finde ich wahnsinnig spannend, da habe ich jetzt am Wochenende sehr viel Zeit mit verbracht, wirklich Dinge von vor drei, vier Jahren mir anzuschauen, das ist auch wirklich was, was ich jedem nur raten kann. Ich habe das schon eigentlich immer regelmäßig gemacht, aber ich bin jetzt halt so zurückgegangen, dass ich wirklich nur die RAWs nochmal exportiert habe und jetzt quasi die nackte Aufnahme sehe, und nicht das, was ich dazu schon bearbeitet im Kopf habe, weil ich das vor vier Jahren mal bearbeitet habe. Ich bearbeite ja relativ wenig, ich croppe nur, aber das ist tatsächlich was, was mich gerade umtreibt, da nochmal so ein Street Photography Revisited der eigenen Bilder, das finde ich gerade sehr spannend und das bringt mich auch im Kopf weiter. Weil man einfach auch so einen Weg sieht und einen Prozess sieht und aber auch manchmal überrascht ist so, wow, wieso ist denn das so wie auf Halde geblieben damals? Wieso habe ich das nicht ausgewählt? Da sind jetzt auch so Sachen bei, so unentdeckte Schätzchen. Das ist auch sehr spannend. Das ist was, was mich umtreibt. Und ja, ich muss für dieses Jahr auch nochmal wegfahren, also irgendwo hinfahren, wo ich auch ein paar Tage. Schonungslos der Fotografie füllen kann das steht auch auf dem Programm, Ja, ansonsten ist, glaube ich, eine allgemeine Entwicklung, die ich auch positiv finde, auch wenn natürlich mein Kanal ein Stück weit davon lebt, dass viele Dinge sich auch technisch tun, aber ich glaube, das Thema ist langsam durch. Also ich glaube, das Thema Technik in der Fotografie ist etwas, das hat jetzt seine Halbwertszeit überschritten. Und da glaube ich nicht an die nächste ganz große Revolution. Alle Kameras und Objektive, die man in den letzten drei Jahren kaufen konnte oder die da erschienen sind oder auch in den letzten fünf Jahren, die sind einfach gut genug. Und ich glaube, dass da so eine gewisse Abkehr des Technik-Hypes mit einhergehen wird. Das finde ich eigentlich auch sehr positiv. Also auch nicht nur in Richtung analog, das ist ja schon jetzt ein bisschen länger und flaut jetzt gerade vielleicht in meiner Wahrnehmung, aber vielleicht auch insgesamt wieder so ein bisschen ab. Wird sich aber halten, glaube ich, aber so dieses, es muss jetzt die allerneueste Kamera sein, weil die dann nochmal drei Nanosekunden schneller im Autofokus ist. Ich glaube, das Thema ist einfach gegessen. Ich finde es mega spannend, ich oute mich ja auch immer als Techie, ich habe schon Spaß dran, neue Dinge. Zu entdecken, aber das hat für mich jetzt gerade keine so große Relevanz mehr.
Kai Behrmann
01:09:51
Ja, also da sprichst du was an. Ich bin ja jetzt wenig technikaffin. Für mich ist die Kamera ein Werkzeug und da mache ich mir gar nicht viele Gedanken drum. Also ich habe eine, mit der komme ich klar und das war es dann auch. Ich kann aber nachvollziehen, auch wenn es Menschen gibt wie du, die sagen, mich interessiert die Technik einfach und ich beschäftige mich da gerne. Ich finde aber, man muss dann immer auch wissen, mit welchem Ziel oder in welchem Kontext man sowas dann diskutiert. Wenn ich einfach Freude daran habe, mich darüber auszutauschen, ist es gut, aber wenn es jetzt eben in dem Glauben ist, dass mich das Equipment dann zwangsläufig auch zu besseren Bildern bringt, dann ist es, glaube ich, Ein Weg, der nicht zum Erfolg führen wird, jedenfalls nicht auf geraden Wege. Also wenn mich die Kamera inspiriert, eben häufiger rauszugehen, dann vielleicht über diesen Umweg dann schon. Aber ansonsten freue ich mich auch über jeden Inhalt, der da draußen ist, wenn es um Fotografie geht, wo die Kamera eine Nebenrolle oder gar keine Rolle spielt. Also ich glaube, wir haben jetzt hier in unserem Gespräch auch noch gar nicht über Kameramodelle und Objektive gesprochen. Ich glaube, ja, das ist natürlich immer individuell unterschiedlich, aber ich glaube, es tut generell gut, wenn man sich da auch ein bisschen von frei macht und weniger ist mehr. Also je mehr Entscheidungen ich auf der Straße treffen muss, welches Objektiv ich jetzt raufschraube, welche Kamera, das sind alles Entscheidungen, die mir Zeit wegnehmen und in der Zeit ist das Motiv dann eben auch vorbei.
Jochen Müller
01:11:28
Also wirklich da auch sich ein bisschen mehr Klarheit verschaffen kann.
Kai Behrmann
01:11:33
Glaube ich, helfen, in der Fotografie voranzukommen. Die anderen beiden Themen oder die Reise hoffe ich, dass du da ein schönes Ziel findest, auch dann zu sehen, was du da fotografierst und die anderen beiden Punkte wären, glaube ich, nochmal ein extra Podcast-Thema oder auf jeden Fall das Buch. Auch wenn es dann kommen sollte, lade ich dich jetzt hier schon mal dazu ein. Sprechen wir auf jeden Fall dann auch zeitnah drüber, wenn es soweit ist. Und Thema Archiv hast du bei mir viel Resonanz ausgelöst. Genau das ist auch so das Thema, an dem ich gerade dran hänge. Und ich finde, das ist so unheimlich wichtig, nicht nur Bilder zu machen, sondern sich mit den eigenen Bildern auch intensiv auseinanderzusetzen. Einmal eine vernünftige Struktur zu finden, wie man seine Bilder organisiert, um Datenverlust zu vermeiden, aber eben auch zu wissen, was habe ich schon fotografiert und auf Basis von dem was abzuleiten und dem eigenen Warum auf die Spur zu kommen. Was sind die Motive, die immer wieder vorkommen? Und da kann man so viel daraus lernen aus den eigenen Bildern. Das ist so ein Schatz. Und glaube ich, da auch so ein, ja, manchmal denken wir, wir müssen einfach rausgehen und fotografieren, um weiterzukommen. Aber manchmal ist es genau das Gegenteil der Fall. Einfach sich auch mal einen schönen Nachmittag nehmen, sich hinzusetzen und durch das eigene Archiv zu gehen, kann einen genauso weit da bringen mit der eigenen Fotografie, als jetzt viele Meter zu machen.
Jochen Müller
01:13:09
Absolut. Und ich habe da einen gewissen Rückstand. Also ich habe eigentlich früher immer so Jahresbücher gemacht für mich. Das habe ich jetzt schon ein paar Jahre nicht mehr geschafft aus unterschiedlichen Gründen. Und deswegen ist einfach so für mich gerade dieser Aha-Effekt unglaublich groß geworden. Genau, also was da noch so schlummert, genau wie du es sagst, auch so eine Selbstreflexion über den eigenen Ansatz, der ist auch bei mir nochmal ganz anders, habe ich gemerkt, auf den Reisen als in der Routine. Also da bin ich auch, ohne das wirklich zu merken, ganz anderen Dingen auf der Spur gewesen offensichtlich. Und ich überrasche mich da tatsächlich selber. Ich habe jetzt gerade gestern halt die Bilder aus Boston. Ich habe damals relativ schnell so eine Vorselektion gemacht von meiner Best 100, sage ich mal. Man kommt ja mit tausenden Bildern zurück. Und die anderen habe ich mehr oder weniger wirklich stiefmütterlich behandelt und die lagen halt dann da so auf der Platte rum. Und da bin ich wirklich überrascht von, wie ich da fotografiert habe, was ich da fotografiert habe und vielleicht weiß ich ja irgendwann sogar noch, warum ich es fotografierte. Aber es ist schon spannend, ja.
Kai Behrmann
01:14:31
Ja, und auch wie sich der Blick verändert auf die Bilder von damals. Also mit der ganzen Entwicklung, die wir dann in der Zwischenzeit durchmachen, wie wir uns auch verändern mit unserer Fotografie. Und dann ist ein Bild, was ich vor vier Jahren gemacht habe und mir damals angeschaut habe, heute nicht das Gleiche. Also ich schaue immer mit anderen Augen drauf und daher auch immer mein Tipp, nicht zu viel zu löschen. Also na klar, den Ausschuss irgendwie, wo ich meine Füße fotografiert habe oder irgendwie was, ja, das kann natürlich, muss nicht weiter Speicherplatz einnehmen. Aber ansonsten, wo wir uns ein bisschen unsicher sind und vielleicht überlegen, ja ist es was, ist es nichts, lieber nicht löschen und vielleicht in zwei, drei Jahren nochmal mit anderen Augen draufschauen. Man weiß nie, wann solche Bilder nochmal wichtig werden können für einen.
Jochen Müller
01:15:25
Absolut, genau. Das ist genau das Ding, was mir gerade nochmal so klar wird während des Archivdurchstöberns.
Kai Behrmann
01:15:35
Ja, dann bin ich gespannt, Jochen, was da für Erkenntnisse noch bei rauskommen bei deiner Archivarbeit und das ist sicherlich ein Thema, was sich dann auch ganz gut ergänzt mit dem Buch, weil wenn du ein neues Buch veröffentlichen solltest, wird das auch bedeuten, dass du nochmal tief in dein Archiv gehen musst, um die entsprechenden Bilder rauszusuchen. Also die perfekte Kombination, neues Buch und wie arbeite ich mit meinem eigenen Archiv. Machen wir dann im Teil 2 unseres Gesprächs. Hat mir viel Spaß gemacht heute. Jochen war, glaube ich, eine ganze Menge drin. Und ja, alles Gute dir weiterhin und auf bald.
Jochen Müller
01:16:18
Mach's gut. Ich danke dir sehr, Kai. Hat mir auch großen Spaß gemacht. Tschüss.
Kai Behrmann
01:16:23
Bis dann. Tschüss.