Abenteuer Reportagefotografie – Podcast über visuelles Storytelling

Kai Behrmann: Visueller Storyteller und Fotograf

Zwischen Intuition und Struktur: Wie der Flow deine Fotografie verändern und verbessern kann

Mit Pia Parolin spreche ich über die Bedeutung von Routinen, Vertrautheit mit Orten – und wie man dem fotografischen Flow auf die Sprünge helfen kann.

29.03.2026 76 min

Zusammenfassung & Show Notes

Was passiert im Kopf eines Fotografen, wenn plötzlich alles zusammenpasst? In dieser Folge spreche ich mit Pia Parolin über Flow, Emotionen und kreative Prozesse – und darüber, warum gute Bilder oft lange vor dem Auslösen entstehen.

Diese Folge ist ursprünglich im exklusiven ARF-Podcast erschienen – also in dem Bereich, der unseren Unterstützern vorbehalten ist.

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Transkript

Ich glaube, ich bin ganz gut darin zu fotografieren und entsprechende Bilder dann auch zu machen, die das Potenzial haben, auch gezeigt zu werden in Büchern, in Ausstellungen. Aber mir fehlt dieser Schritt, diesen Schritt zu gehen, mich hinzusetzen und dann sowas auch auszuarbeiten und in Form zu bringen. Ich bin ein sehr, sehr schlechter Kurator meiner eigenen Bilder. Bevor es gleich losgeht, ein kurzer Hinweis in eigener Sache. Die Folge, die du jetzt hörst, ist ursprünglich im exklusiven Abenteuer-Reportage-Fotografie-Podcast erschienen, also in dem Bereich, der unseren Unterstützern vorbehalten ist. Warum wir das machen? Weil genau diese Unterstützung es uns überhaupt erst ermöglicht, diesen Podcast in dieser Form zu produzieren. Ohne sie gäbe es ARF so nicht. Im exklusiven Podcast-Feed warten inzwischen über 80 zusätzliche Folgen auf dich, mit mehr Tiefe, Einblicke hinter die Kulissen und Formaten aus der Community. Außerdem gibt es dort unsere Reihe Lernen von den Meistern. Darin sprechen wir alle zwei Monate über einen bekannten Fotografen, beleuchten sein oder ihr Leben, ihr Werk und arbeiten heraus, was du für deine Fotografie von ihnen lernen kannst. In der Vergangenheit haben wir so zum Beispiel bereits über Annie Leibovitz, Dorothea Lange, Henri-Cardier-Bresson, Robert Kappa oder Joan Meyerwitz gesprochen. Schon ab 5 Euro pro Monat bei jährlicher Zahlung kannst du dabei sein und bekommst sofort Zugriff auf alle exklusiven Inhalte. Du kannst das Ganze auch eine Woche lang vollkommen unverbindlich und kostenfrei testen. Diese Folge hier ist ein kleiner Einblick, ein Vorgeschmack auf das, was sich dort erwartet. Wenn du tiefer einsteigen und ARF unterstützen möchtest, findest du alle Infos in den Shownotes. Herzlichen Dank, wenn du dort vorbeischaust und natürlich auch ganz herzlichen Dank an alle, die uns bereits unterstützen. So, und jetzt viel Spaß mit dieser Episode. Guten Morgen nach Cannes, grüß dich, hallo Pia.
Pia Parolin
00:02:12
Hallo Kai, grüß dich in Buenos Aires.
Kai Behrmann
00:02:16
Ja, wir haben ein paar Kilometer zwischen uns heute. Du bist vier Stunden voraus, ich bin heute für meine Verhältnisse hier früh aufgestanden. Ich habe hier so einen Rhythmus, ich gehe eher am späten Nachmittag raus zum Fotografieren, Kommt dementsprechend dann auch am frühen Abend erst zurück in die Wohnung, esse dann was, mach Bildbearbeitung und dann kann es schon mal spät werden. Und da klingelt der Wecker morgens nicht ganz so früh. Aber ja, für heute habe ich mir den Wecker mal auf sieben Uhr gestellt, um mit dir hier dieses Podcast-Gespräch zu führen.
Pia Parolin
00:02:55
Ja, klasse. Danke dafür. Das ist ja toll. Und du bist da jetzt schön im Sommer. Ich sehe dich im T-Shirt sitzen. Das ist ja ein bisschen anders als bei uns in Europa gerade, wo wir eine richtige Kältewelle eigentlich seit Dezember gar nicht mehr abreißen. So viel schnell hat man, glaube ich, ewig in Linie mehr.
Kai Behrmann
00:03:09
Ja, ich kriege das auch mit über Freunde und auch über Alex, der mir viel erzählt, wie der Winter diesmal in Deutschland angekommen ist, dass das ja mal wieder den Begriff Winter auch verdient mit viel Schnee, mit Temperaturen im Minusbereich. Das ist ja so mag ich es eigentlich auch, aber ich, wenn ich es mir aussuchen kann, dann bevorzuge ich doch eher wärmere Temperaturen und T-Shirt.
Pia Parolin
00:03:37
Ja, wie warm ist es bei euch jetzt im Augenblick so, wenn du tagsüber rausgehst?
Kai Behrmann
00:03:42
Ah ja, das ist schon so ein Faktor. Also ich habe am Anfang gemerkt, also die Temperaturen gehen schon so gut über 30 Grad, immer so um die 30, 32 Grad rum, meistens pralle Sonne. Und wenn ich dann zu früh rausgehe, schon morgens oder über die Mittagszeit, dann ist der Akku schon leer, wenn es eigentlich richtig spannend wird, was das Licht auch angeht, Richtung Spätnachmittag. Und da kann man schon viel Energie verbrauchen und da versuche ich das jetzt ein bisschen zu steuern und nicht zu früh loszugehen. So gegen drei mache ich mich dann meistens auf, drei, vier und bis acht Uhr kann man gut fotografieren. Insofern ist das dann schon noch eine Zeit, die man nutzen kann und die dann auch ausreicht. Du kennst das ja auch, also intensiv fokussiert fotografieren über den ganzen Tag, über fünf, sechs, sieben Stunden, das ist schon etwas, was an die Substanz geht und irgendwann ermüdet der Blick auch.
Pia Parolin
00:04:51
Ja, ja, ja, total. Und es geht ja bei dir auch immer um Projekte. Du hast ja da immer irgendwelche Themen und Serien, an denen du arbeitest und Menschen, die du immer wieder aufsuchst. Ist das so diesmal?
Kai Behrmann
00:05:04
Ja und nein. Ich fühle mich gerade so ein Stück weit in so einer Übergangsphase, wo Projekte, die ich vorher hatte, wo ich fühle, dass die so an ein Ende kommen oder vielleicht auch in eine Sackgasse geraten sind, wo sie neue Impulse brauchen, neuen Anschub, noch eine neue Auseinandersetzung. Auch um dann zu schauen, wie kann ich da wieder in Tritt kommen mit diesen Dingen. Und das ist, ja, im Vergleich zu den vergangenen Jahren, wo es sehr, sehr viel einfach fotografieren, fotografieren war, rausgehen, Bilder machen, ohne konzeptionell sich da jetzt so große Gedanken zu machen. Verschiebt sich der Fokus da jetzt so ein bisschen. Also dieses aus dem Bauch heraus fotografieren, reagieren auf Dinge, die ich sehe auf der Straße, die meine Aufmerksamkeit wecken. Das war lange Zeit so mein Ansatz, wo ich mich habe treiben lassen und dieses Gefühl auch sehr genossen habe, einfach rauszugehen, ohne Dinge zu stark zu verkopfen. Und bin dann auch immer mit sehr viel Material zurückgekommen. Aber vielleicht dann auch zu viel, wenn die anschließende Beschäftigung damit fehlt. Das ist so ein bisschen wie, wenn ich ständig nur am Buffet esse. Dort ist alles aufgetischt und alles ist irgendwie lecker. Und die Tendenz oder das, was Buffets ja mit uns machen, ist, wir essen dann meistens viel zu viel, weit über das Hungergefühl raus und so diese Verdauung, die fehlt dann ein bisschen oder man fühlt sich dann übersättigt, erschlagen von all dem, vielleicht auch ja, Ich habe in der letzten Zeit häufiger drüber nachgedacht und das ist, glaube ich, eine Analogie, die da ganz gut zupasst zu meiner Fotografie oder wie ich da in den vergangenen Jahren vorgegangen bin. Also zu viel Input und zu wenig Verdauung.
Pia Parolin
00:07:16
Ja, finde ich ein toller Vergleich. Kann ich gut nachvollziehen. Ich kenne das auch, diese Buffets, wo man sich den Teller immer zu voll haut und dann nachher Schwierigkeiten hat, ihn aufzuessen, also leer zu essen. Aber das ist interessant. Früher hattest du mehr den Fokus, dich treiben zu lassen und jetzt gehst du fokussierter raus oder gezielter für einzelne Themen oder was heißt das genau?
Kai Behrmann
00:07:42
Ja, also wo ich angefangen bin mit der Fotografie oder die Fotografie ein bisschen bewusster zu machen, das hat ja hier auch in Argentinien angefangen damals, ein bisschen über die Reisefotografie, die mich dazu gebracht hat, hier eine Zeit lang auch zu studieren, zwei Jahre Fotografie und innerhalb dieses Studiums dann in der Anfangszeit, wo wir uns mit unterschiedlichen Fotografen beschäftigt haben. Und ich so kennengelernt habe, was Fotografie alles sein kann. Vom Fotojournalismus über die Dokumentarfotografie, Portraitfotografie hin. Und da war William Eggleston der Fotograf, der mich am meisten gepackt hat in dieser Phase, wo ich bei ihm etwas gesehen habe, was für mich vorher keine Fotografie war. Fotografie war eher, ja, eben auf Reisen, schöne Momente, schöne Landschaften fotografieren, Ein schönes Licht, also ästhetisch angenehme Dinge abzubilden. Und er ist einfach rausgegangen und hat auch Müll fotografiert oder banale Objekte. Und das war ein ganz anderer Blick, der sich da plötzlich für mich aufgetan hat. Und da bin ich dann auch einfach mit der Brille losgegangen auf die Straße, habe einfach sehr, sehr impulsiv, intuitiv fotografiert, was ich dort gesehen habe. Objekte, die hinterlassen wurden, irgendwelche Gegenstände, alte Autos, Menschen auch. Aber ja, es war halt sehr, sehr, ähm, ähm, muss man sagen, ähm. Nicht besonders zielgerichtet, sondern eher reaktiv.
Pia Parolin
00:09:29
Das ist ja eigentlich auch was Schönes. Ich denke da auch viel drüber nach und das ist eigentlich auch das Thema, über das ich gerne mit dir mich unterhalten würde. Das ist dieses Fotografieren für meinen Kopf, für meinen Seelenzustand. Also Fotografieren als Ressource zu nutzen, das mache ich häufig. Also ich mag gerne Zeit mit meiner Kamera verbringen, weil ich alleine dadurch, dass ich mit meiner Kamera bin und durch diesen Sucher sehe, wobei ich sehe gar nicht durch den Sucher, aber ich bin fokussiert auf meine Kamera, dadurch bin ich so hier im Hier und Jetzt. Und sonst bin ich immer mit meinen Gedanken überall. Und da wollte ich gerne von dir wissen, ist das bei dir auch so, fotografierst du viel für deinen eigenen Kopf, für deine Ruhe, für deine mentale Erholung, für sowas wie vielleicht auch Erdung, was weiß ich, keine Ahnung, so als Ankerfotografie, als irgendwas Stabilisierendes? Oder geht es bei dir schon mehr so fotografische Journalismus und praktische Ergebnisse, womit du ja dann auch Geld verdienen musst? Oder ist beides da? Wie ist das bei dir?
Kai Behrmann
00:10:36
Ja, das ist eine gute Frage. Ich glaube, bei mir ist es nicht... So stark oder steht nicht so stark im Vordergrund, dass ich rausgehe, um zu fotografieren, um mich mental zu stabilisieren. Ich höre das auch immer wieder von anderen Fotografen, dass ihnen das hilft, mit der Kamera rauszugehen, um vielleicht aus dem Zustand der inneren Unruhe in eine größere Stabilität wieder reinzukommen und sich darin zu vertiefen. Und mit der Kamera wieder eine klarere Ausrichtung zu finden. Das empfinde ich so bei mir nicht. Es ist eher andersrum. Also ich brauche diese innere Klarheit, bevor ich rausgehe. Wenn ich aufgewühlt bin und viele Dinge mir durch den Kopf schwirren, finde ich selten den Impuls mit der Kamera rauszugehen. Das lenkt mich dann davon ab und mir hilft das Fotografieren dann auch nicht, diese inneren Dialoge aufzulösen, die ich da gerade mit mir habe. Also ich brauche dann eher so die Zeit ohne die Kamera, dass ich erst mal wieder in die Balance komme und wenn ich die Dinge dann für mich geordnet habe, dann kann ich rausgehen und mich auf die Fotografie konzentrieren. Also bei mir funktioniert es eigentlich eher in diese Richtung.
Pia Parolin
00:12:02
Ja, da fällt mir so das Beispiel der Kreativität, die an Schmerz gebunden ist, ein. Also es gibt ja viele Künstler, von denen man sagt, die wären, also Van Gogh zum Beispiel, ich gehe jetzt mal in die Malerei, der so weit geht, sich ein Ohr abzuschneiden, aber die genialsten Bilder gemacht hat. Und wo manche darüber philosophieren, ob solche große Kunst möglich gewesen wäre, wenn er nicht so gelitten hätte. Das ist jetzt vielleicht ein bisschen großer Sprung zu dem, was ich dich gerade vorher gefragt habe, aber manchmal frage ich mich das. Muss man leiden, um richtig gute Bilder zu machen?
Kai Behrmann
00:12:45
Ich denke schon, also jedenfalls bis zu einem gewissen Grad. Also es ist auch mal die Frage, wie man jetzt Leid definieren möchte, aber ich glaube schon, dass auch so der künstlerische Prozess durchaus beinhaltet, dass es Phasen gibt, wo man sich quälen muss und wo es Täler gibt, wo man Selbstzweifel hat, wo die eigene Windschutzscheibe verschmutzt ist und man da nicht so richtig durchblicken kann. Was liegt jetzt über die nächsten drei, vier Meter vor einem? Wo will man hin? Also ich glaube schon, dass jeder, der sich mit der Fotografie in unserem Fall beschäftigt, sowas schon mal erlebt hat für sich. Und um vielleicht noch das zu ergänzen, was ich eben gesagt habe oder was ich damit meinte, diese mentale Klarheit zu bekommen, bevor ich rausgehe mit der Kamera, also das ist dann eben auch Teil des Prozesses. Also für mich ist Fotografie nicht nur der Moment, in dem ich mit der Kamera unterwegs bin und auf den Auslöser drücke und Motive suche. Sondern auch die Beschäftigung mit den eigenen Bildern, zu schauen, was habe ich schon fotografiert, wo sind die roten Linien, was sind die sich wiederholenden Themen in meiner Fotografie oder auch Lesen kann das beinhalten oder die Auseinandersetzung mit anderer Kunst, um sich wieder zu sehen. Um auszurichten, neue Ideen zu bekommen für das, was man mit seiner eigenen Fotografie ausdrücken möchte. Also da schöpfen wir ja aus vielen Bereichen und es ist nicht nur eben dieser eine Moment, wenn wir mit der Kamera unterwegs sind.
Pia Parolin
00:14:33
Ja und du deutest ja auch so eine gewisse Entwicklung bei dir an und Entwicklungen sind ja selten linear. Hast du bei dir das mal so reflektiert, wie deine Entwicklung so gelaufen ist?
Kai Behrmann
00:14:46
Ja, also ich, da muss ich ganz selbstkritisch sagen, ich bin in der, oder das ist auch etwas, was ich an dir immer so bewundernswert finde, ist, dass du es schaffst, deine Projekte auch zu einem Abschluss zu führen. Sei es jetzt in Form von einer Ausstellung, von einer Präsentation, von einem Buch, du machst sehr, sehr viel mit deinen Bildern. Also du gehst diesen Prozess wirklich vom Moment der Ideenentwicklung, was du vorhast, was du ausdrücken möchtest mit deinen Bildern, über das Fotografieren und dann eben auch in die entsprechende Form der Präsentation. Und das ist etwas, was ich bisher viel zu selten hinbekommen habe. Ich glaube, ich bin ganz gut darin zu fotografieren und entsprechende Bilder dann auch zu machen, die das Potenzial haben, auch gezeigt zu werden in Büchern, in Ausstellungen. Aber mir fehlt dieser Schritt, diesen Schritt zu gehen, mich hinzusetzen und dann sowas auch auszuarbeiten und in Form zu bringen. Ich bin ein sehr, sehr schlechter Kurator meiner eigenen Bilder.
Pia Parolin
00:16:05
Von außen betrachtet würde ich dir da widersprechen, weil ich denke, du bist genauso effizient und erfolgreich damit, Sachen zu Ende zu bringen. Ich meine, du hast immerhin einen Podcast, den du seit wie vielen Jahren machst und dieses Abenteuer-Reportage-Fotografie-Projekt und auch ein Buch. Okay, du machst vielleicht dann weniger Ausstellungen und zeigst vielleicht deine Bilder weniger als Kunst oder als ja, wo es um das Bild geht, sondern bei dir geht es mehr um das Gesamte drumherum, um die Reportage, um Inhalte, mit denen du dich ja in deinem Podcast auch jetzt schon seit ewigen Zeiten mit Menschen unterhältst, also das danke für dein Lob, aber das gebe ich dir genauso zurück Kai, also das Das finde ich schon sehr, sehr toll, was du alles auf die Beine stellst. Jeder hat halt so seine Prioritäten. Bei dir war bisher die Priorität, vielleicht weniger deine eigenen Bilder zu zeigen, als deine Bilder zu nutzen, um didaktisch etwas aufzuarbeiten, was du weitergibst. Du bist ja ein sehr guter Lehrer, ein sehr guter Dozent in deinen Kursen und in allem, was du uns weitergibst.
Kai Behrmann
00:17:21
Ja, vielen Dank. Das freut mich, Pia, für das Lob und für die Worte. Ja, das ist vielleicht dann schon der Bereich, wo ich am meisten auch zeige in dieser Vermittlung von Fotografie, in den Präsentationen, in den Workshops, die wir machen. Aber irgendwann stellt sich, glaube ich, für einen selber auch die Frage, ist es das, wo ich mit meiner fotografieren möchte oder fotografiere ich für diesen Zweck? Oder ist es was anderes? Möchte ich vielleicht meine Fotografie in einem anderen Kontext auch zeigen und da meine Geschichten erzählen? Und das ist eine Stimme, die bei mir jetzt immer lauter wird, dass ich da andere Kanäle finden möchte, was Print angeht, Bücher, Zines, auch wieder mich stärker verbinden mit meiner journalistischen, mit dem journalistischen Background, den ich habe, auch mehr zu schreiben. Ja, das sind so Themen, die mir gerade so durch den Kopf schwirren, wo ich mir aber leider viel zu häufig selber im Weg stehe, weil ich, ja, denke mal auch zu viel auf einmal häufig möchte.
Pia Parolin
00:18:39
Also in deiner Arbeitsweise, egal jetzt eigentlich zu welchem Ziel, wenn ich meine Bücher schreibe oder du deine Podcasts planst oder deinen Kurs, da sind wir schon, glaube ich, beide ziemlich fokussiert. Und ich will natürlich auf das Thema des Flows auch wieder zu sprechen kommen, weil ich ja nach wie vor eine unglaubliche Ressource finde. Und da würde ich gerne von dir ein bisschen mehr darüber wissen, wie du das nutzt oder ob dir, also ich weiß ja, dass dir das bewusst ist, dass es diese mentale Ressource gibt, dieser Flow, dieser Zustand, wo man so total fokussiert ist und konzentriert ist. Und ich würde gerne von dir ein bisschen wissen, wie du das erlebst in deiner Fotografie, in deiner Arbeitsweise, ob es Phasen gibt, wo du da besser den Flow wahrnimmst, nutzen kannst. Wie empfindest du diesen Zustand? Kennst du den und wie äußert er sich?
Kai Behrmann
00:19:40
Ja, den kenne ich schon und eben auch durch dein Buch, was du dazu geschrieben hast. Das hat mir sehr, sehr geholfen, um Dinge, die ich eher unterbewusst bisher wahrgenommen habe, vom Kopf her auch besser zu verstehen. Wie entsteht Flow? Ich glaube, da hast du wirklich eine schöne Einordnung mit deinem Buch zu geliefert, die einem da hilft zu verstehen, einmal was ist dieser Zustand Flow und wie kommt man in diesen Zustand, dass man ihn eben auch jedenfalls, ja nicht komplett, aber doch mit einigen Hilfsmitgliedern, Bewusst herbeiführen kann. Und ja, Flow ist dieser Zustand für mich, in dem ich, Indem der Kopf in den Hintergrund rutscht und ich, wie ich es eben schon sage, fließe und mich dem Moment auch hingeben kann, ohne Dinge zu überdenken und wo vieles automatisch passiert. Und ich glaube, wenn man das jetzt auf die technische Seite der Fotografie bezieht, ist da eben dann auch wichtig, dass man die Kamera beherrscht und soweit es geht Ablenkungen vermeidet oder Störfaktoren eliminiert. Wenn ich jetzt bei der Kamera bleibe, ist es eben die Handhabung, dass ich eben vertraut sein muss mit meinem Gerät. Und je besser mir das gelingt, je weniger ich überlegen muss, an welchem Rädchen ich drehen muss und wo ich im Menü irgendwo was finde, umso besser ist es auch. Umso mehr habe ich den Kopf auch frei, in dem Moment auf das Geschehen zu reagieren, was ich gerade fotografiere. Also das ist schon mal formal, glaube ich, ein ganz wichtiger Faktor, so vertraut wie möglich mit der Kamera selber zu sein. Und dann, ich hatte es ja schon erwähnt, ist eben für mich auch diese innere Klarheit ganz, ganz entscheidend dafür, in diesen Zustand reinzukommen, dass ich für mich auch weiß, was möchte ich eigentlich erreichen. Also es gibt sicherlich auch Fotografen und da ist jeder auch anders, die einfach mit dem Ziel rausgehen, eine schöne Zeit zu haben, das Wetter zu genießen, an der frischen Luft zu sein und hier und da ein Foto zu machen. Das ist absolut okay. Das ist auch etwas, an dem man viel Spaß haben kann. In meinem Fall ist es aber so, dass ich jetzt schon mir überlege, was möchte ich eigentlich für Geschichten erzählen mit meinen Bildern und denke da in Serien, in Dinge, die mich umtreiben, die ich visualisieren möchte. Und da brauche ich schon dann auch diese klare Idee, was ist es eigentlich, was ich jetzt auch suche, um die Motive dann eben auch zu finden. Sonst laufe ich halt ziellos, orientierungslos durch die Gegend und habe das Gefühl, ich trete auf der Stelle oder ich finde nichts, was für mich jedenfalls Substanz hat.
Pia Parolin
00:23:00
Mich würde mal ganz konkret, wirklich ganz persönlich interessieren, woran du erkennst, dass du überhaupt in den Flow kommst und also was merkst du das irgendwie körperlich, mental und auch vielleicht, wann du das jetzt zum letzten Mal bemerkt hast, also beim Fotografieren oder beim Recherchieren, wie baut sich das auf, wie kriegst du das mit, wie läuft das bei dir ab, bei dir ganz persönlich, kannst du dir mal beschreiben vielleicht.
Kai Behrmann
00:23:29
Okay, ja, das ist eine schwierige Frage, weil das so ein Gefühlszustand ist, der sich mit der Zeit aufbaut, glaube ich, indem man so reinrutscht wie auf so eine Rutschbahn. Man robbt sich da so langsam vor und dann irgendwann ist man so auf der Schussfahrt und ist in Bewegung. Wie fühlt sich das konkret an?
Pia Parolin
00:24:02
Das ist ein bisschen eine Fangfrage, weil ich glaube, in der Wissenschaft ist man sich ziemlich einig, dass du das eigentlich erst nachher merkst. Also du merkst, wenn du im Flow bist, bist du so konzentriert mit deinem Thema, da merkst du gar nichts und danach, der Flow ist ja dann irgendwann vorbei nach einer Viertelstunde, 20 Minuten, schaltet das Gehirn wieder runter auf normal und wenn du dann reflektierst und zurückblickst, denkst du dir, ah, das war jetzt wahrscheinlich so ein Flow-Zustand. Und ich habe das mal so ein bisschen bewusst auch beobachtet und das ist, glaube ich, wirklich so. Wie du sagst, man rutscht so langsam und plötzlich ist man auf der Rutschbahn und hat keine Kontrolle mehr. Dann übernimmt irgendwie so alles andere die Kontrolle. Und ich weiß nicht, ob du das mal so im Nachhinein betrachtet hast oder auch vielleicht, ob es auch unterschiedliche Arten von Flow gibt. Je nachdem, ob du fotografierst, was ja etwas ist, was auch so eine Leichtigkeit vielleicht sowieso hat. Oder ob du da sitzt und einen bescheuerten Text schreiben musst, auf den du gar keinen Bock hast und dann trotzdem irgendwann deinen Text hast, merkst du da Unterschiede oder ist das irgendwie schwer zu beschreiben?
Kai Behrmann
00:25:10
Ich bin da sehr, sehr unbewusst, glaube ich, in dem, wie ich da vorgehe. Häufig sind es so, ist es nicht dieses bewusste, okay, ich setze mich jetzt an den Schreibtisch, um einen Text X zu schreiben und dann läuft es oder ich gehe raus, um Thema Y zu fotografieren und gehe raus. Sondern das sind so kleine Fragmente, die ich irgendwie sammle, so Impulse, so Funken und irgendwann ist der Moment gekommen, wo aus diesen Funken dann das Feuer wird und wo die Zündung funktioniert hat und dann läuft eben dieser Prozess auch ab. Das sind manchmal sehr, sehr Dinge, die gar nicht so im Nachhinein schwer sind zu rationalisieren oder den Finger draufzulegen, was es da genau war. Ich glaube, es ist halt dieses ständige Sammeln von Ideen, von Sätzen von Ideen im Kopf ins Unterbewusstsein und irgendwann fördert man diese Impulse hervor und kommt dann in diesen Zustand, dass es aus einem rausfließt und dass alles irgendwo auf ein Ziel ist. Viel zusteuert und man dasteht und denkt, ja Mensch, das ist die Lösung für das kreative Problem, was ich gerade mit mir, was ich gerade gewälzt habe.
Pia Parolin
00:26:35
Naja, du hast ja mehrmals gesagt, dass du, wenn du rausgehst, auch vorher so klar haben willst, was du machen willst. Und ich denke, das spielt schon auch eine Rolle. Also was muss denn für dich mental geklärt sein, bevor du überhaupt gute Bilder oder Geschichten machen kannst? Was musst du da klar haben in deinem Kopf?
Kai Behrmann
00:26:53
Ja, ein konkretes Beispiel. Also ich habe lange auch, auf ja so formal ästhetisch schöne Situationen reagieren, wie das häufig bei Street-Fotografen ist. Eine Lichttasche, ein schöner Kontrast, Lichtschatten und dann eben warten, bis eine Person durchläuft und eine Silhouette da fotografieren. Also so ein Motiv, was mit zu den Standardmotiven gehört in der Street-Fotografie, ist etwas, was ich lange Zeit sehr, sehr gerne fotografiert habe, auch an den Orten, ob das jetzt Buenos Aires ist, ob es Savannah ist, wo man solche Situationen natürlich sehr, sehr häufig antrifft. Du lebst in Südeuropa, in Südfrankreich, da ist auch immer tolles Licht und die perfekten Voraussetzungen, sowas zu machen und das sind schöne Bilder, sind ästhetisch schöne Bilder, aber ich merke, dass ich zwar immer noch den Impuls verspüre, stehen zu bleiben und davon ein Bild zu machen, Aber dass es auf einer anderen Ebene dann doch Bilder sind, die für mich nicht mehr den Stellenwert haben, wie sie mal früher das gehabt haben.
Pia Parolin
00:28:08
Weil sie keinen Tiefgang haben, weil sie mehr Spielerei sind, weil sie keine Geschichten erzählen oder was ist das?
Kai Behrmann
00:28:15
Ja, die Bilder können durchaus ja Geschichten erzählen. Ich kann Dinge andeuten, ich kann mit Spannung spielen. Also das sind ja nicht per se inhaltslose Bilder und auch eine visuell ansprechende Szene kann mir Freude bereiten, wenn ich mir sie anschaue. Also es ist mehr so die Verbindung. Also ich kann es ja auch kombinieren. Also zum Beispiel, ich habe eine Serie, bei mir sind es so, was sind andere Trigger? Menschen, die im öffentlichen Raum rauchen. Ich habe einen Blick für Tattoos, auffällige Tattoos für Menschen am Handy und das kann man ja kombinieren mit diesen Lichttaschen, dass ich halt eben mein Thema im Kopf habe und dann eben bewusst schaue, vielleicht eine Person mit einem sehr, sehr aufwendigen Arm-Tattoo, Oberarm-Tattoo, der durch eine Lichttasche geht, wo eben dieses Licht dann auf dieses Tattoo-Feld und ich beides kombiniere und aber ein bisschen mehr Inhalt, ein bisschen mehr Geschichte in diese Szene, die ich ja so per se, wenn es nur eine Silhouette ist, nicht mehr so spannend für mich persönlich finde. Also das heißt, so ein bisschen auf so ein anderes Level zu kommen, wie ich meine Bilder und wie ich die Motive darstelle und komponiere. Also das ist so das, was ich dann suche.
Pia Parolin
00:29:43
Ja, und wenn du dann anfängst zu suchen und deinen Fokus hast und weißt, was du suchst, ähm, Bist du dann wirklich nur bei der einen Sache oder bist du jemand, der zum Beispiel einen Kopfhörer auf hat und dabei noch einen Podcast hört oder so? Das höre ich immer wieder und dann denke ich immer, das könnte ich nicht. Also ich kann vielleicht noch Musik hören, aber das ist auch schon so ein Limit, weil bei Musik höre ich auch zu. Also so dieses Multitasking, gelingt dir das? Kannst du das? Weil eigentlich ist in der Stadt sowieso schon Multitasking man muss aufpassen, dass man nicht überfahren wird man muss aufpassen, dass man den Lichtstand hat man muss schauen, hier und da in der Kamera, dass einem nichts geklaut wird weiß der Geier, es ist ja schon sowieso Multitasking aber es gibt viele Leute, die ich beobachte die dann noch so zusätzlich vielleicht auch noch Handy in der Hand und mit den Kindern kurz telefonieren oder so, weißt du und bei mir ist das alles total der Flowkiller also dieses Multitasking kann ich dann gar nicht obwohl ich eine Frau bin und vom Stereotyp her das können müsste, aber das geht bei mir gar nicht.
Kai Behrmann
00:30:48
Ja, sowohl als auch. Also ich kann schon mit Kopfhörer im Ohr unterwegs sein und fotografieren. Das gelingt mir schon. Musik hilft, in eine andere Welt zu gleiten und nicht ein bisschen zu distanzieren von dem, was ich so wahrnehme. Das kann ja auch durchaus positiv sein. Also Nachteil ist natürlich, dass ich auf Geräusche nicht reagieren kann und manchmal kündigen sich ja Motive auch durch ein Geräusch an. Das fehlt mir dann in dem Moment natürlich, aber dafür bereichert mich das auf eine andere Art und Weise, dass mich eine Musik in eine Stimmung bringt, die für mich Lockerheit in mir auslöst oder die Gedanken ein bisschen treiben lässt, andere Assoziationen hervorrufen, die ich dann wieder verknüpfe mit dem, was ich sehe und auf was ich reagiere. Ich finde das schon hilfreich. Also da kann Musik durchaus die Sinne öffnen und die Wahrnehmung auch öffnen. Podcast ist auch so eine Sache, wenn, dann sind das Gespräche mit anderen Fotografen, die mich dann schon inspirieren. Also wenn ich auch mit fotografischen Themen so beschäftigt bin im Kopf, gelingt es mir auch damit zu fotografieren. Also das ist so eine... Bisschen stimmungsabhängig, was ich dann mache, aber alles hilft.
Pia Parolin
00:32:16
Ja, und wie machst du das, deinen Fokus zu behalten? Weil manchmal geht man ja so völlig euphorisch los und ist total motiviert. Und dann passiert vielleicht innerhalb von kurzer Zeit ein paar Sachen, es ist zu heiß oder es ist irgendwie doch nicht so, wie man es erwartet hat. Wie schaffst du es dann, deinen Fokus zu behalten, wenn du unterwegs bist oder auch wenn du recherchierst? Man hat ja auch immer so ein Grundrauschen im Kopf. Also meine To-Do-Liste ist bei mir immer präsent. Ich weiß nicht, wie es bei dir ist, aber da muss ich sehr gut drauf achten, dass meine To-Do-Sachen von Banalitäten, wie ich muss noch einkaufen gehen oder so, dass die in den Hintergrund rutscht oder auch Sachen, wo ich Verantwortung habe und wo ich sage, okay, jetzt ist hier so ein Zeitfenster, jetzt will ich mal wirklich mal fotografieren. Wie kriegst du das hin und hast du da irgendwelche Strategien, die du vielleicht auch mit anderen teilen kannst?
Kai Behrmann
00:33:09
Bei mir funktioniert das immer am besten, wenn ich weiß, ich habe jetzt drei, vier Stunden ungestörte Zeit. Wenn ich weiß, ich habe in einer Stunde einen Termin oder muss noch was Wichtiges machen, dann hemmt mich das. Dann... So ein richtiges Zeitfenster. Genau, also ich brauche ein schön.
Pia Parolin
00:33:28
Wie machst du das konkret? Was heißt bei dir so ein Zeitfenster? Wie gehst du das an? Also teilst du das auch anderen Leuten mit, die vielleicht in deiner Nähe sind oder so?
Kai Behrmann
00:33:36
Ja, das sind ja dann so eben Tage, an denen ich zum Beispiel dann nachmittags weiß, da steht dann nichts mehr an und ich kann bis in den Abend so reinlaufen und dann mich einfach dem hingeben und auch dann nicht gezwungen sein abzubrechen, wenn ich merke, okay, jetzt ist noch gerade ein Moment, wo ich nochmal so die zweite Luft bekomme, wo ich dann vielleicht auch an Orte komme, wo es spannend wird. Das ist ja etwas, wenn wir jetzt von der Street Photography sprechen, etwas, was man nicht planen kann, auf was man da jetzt trifft und eben dann die Möglichkeit zu haben, auch sich dem auszusetzen und dran zu bleiben. Das ist schon etwas, was ich sehr genieße und nicht in dem Wissen zu sein, okay, jetzt muss ich aber in einer halben Stunde wieder zu Hause sein, um dann noch ein wichtiges Telefonat zu führen oder andere Dinge erledigen muss.
Pia Parolin
00:34:37
Und welche Rolle spielt in dem Zusammenhang dann auch so eine Routine, auch Vertrautheit, also ich denke so an Siegfried Hansen, der immer wieder die gleiche Runde geht in Hamburg seit weiß ich nicht wie vielen Jahren und der es schafft immer wieder da noch bessere Bilder zu machen an den Stellen, weil er genau weiß, wo er sucht, machst du sowas auch, hast du auch solche Routinen, gehst du dieselben Routen ab?
Kai Behrmann
00:34:59
Oder meine Fotografie beschränkt sich ja jetzt seit einiger Zeit auch auf ganz konkrete Orte. Also ich bin jetzt nicht so ein Fotograf, der den Wunsch hat, immer neue Orte zu entdecken, neue Städte und ja, da so diesen Reiz des Neuen braucht, um zu fotografieren. Also ich mag eben diese Vertrautheit an Orten wie Havanna, wie Buenos Aires, um da eben, ja, so genau wie Siegfried das macht, eben so seine Runden zu haben, seine Routen, die ich dann immer wieder ablaufe. Ich weiß, zu welcher Tageszeit, an welcher Straßenecke was los ist, wie das Licht fällt, aus welcher Richtung, von vorne, von hinten. Das sind alles so Faktoren, die ich eben auch bewusst einsetze. Um dann wirklich in die Tiefe zu gehen und bewusster auch an Serien zu arbeiten. Das ist schon etwas, was ich sehr, sehr genieße. Also ich gehe zwar auch immer nochmal gerne hier an diesen Orten, in Stadtteile, die ich noch nicht kenne, entdecke da nochmal was Neues, aber primär kann ich sehr viel mit dem Gedanken anfangen, sich nicht zu weit auszuschweifen, sondern eben auch diesen Wert zu sehen, den es hat, sich intensiv mit einer Umgebung auseinanderzusetzen. Es ist ein bisschen schwierig, glaube ich, oder wo die Schwierigkeit am Anfang bei sowas liegt, ist, dass, ich glaube, schon eine Phase kommt, wo man das Gefühl hat, alles gesehen zu haben und durch diese Phase... Gilt es dann erst mal durchzukommen. Und ich glaube, wenn man das einmal geschafft hat, dann ist der Blick auch wieder frisch und ich kann diesen inneren Switch schaffen, dann das Vertraute immer wieder neu zu interpretieren. Bis ich dann, ja, immer so Loops, so Zyklen, die da einsetzen. Und ich glaube, das ist dann schon sehr, sehr bereichernd, wenn man das einmal geschafft hat.
Pia Parolin
00:37:21
Ja, ich glaube, wenn ich so zurückblicke, zwei wichtige Faktoren sind auf jeden Fall einmal, dass ich mich wirklich gut auskenne und immer besser auskenne mit dem Thema und nicht nur an der Oberfläche bleibe. Selbst wenn ich recherchiert habe, aber jetzt irgendwo hinreise und so ein Grundwissen habe, jedes Mal, wenn ich da hinkomme, lerne ich noch mehr, vielleicht über den Ort oder über die Kultur oder über die Art, wie die Menschen sich bewegen oder wie eine Stadt funktioniert oder was auch immer, wenn man jetzt viel reist. Und ich glaube, das ist das eine, dass ich über die Zeit doch immer mehr Tiefgang habe, mehr Wissen akumuliere. Und der zweite wichtige Faktor ist aus meiner Sicht auch Selbstsicherheit. Also das spielt schon beim Fotografieren eine große Rolle, finde ich. Wie sicher bin ich mit meiner Kamera? Nicht jetzt technisch, sondern auf Menschen zuzugehen, mich auf Situationen einzulassen. Gerade in der journalistischen Arbeit, da musst du ja auch viel mit Menschen interagieren. Das ist auch nicht jeder Tag, wo ich so drauf bin, dass ich einfach in so einen Barbershop gehe und mit den Leuten anfangen zu quatschen und die motiviere, dass ich sie da toll fotografiere. Und ich glaube, dieser Faktor Selbstsicherheit oder auch anders formuliert Selbstkritik und Erwartungsdruck, wie gehst du damit um? Weil das ist ja auch so, das sind ja bekannte Flow-Killer. Spielen die für dich eine Rolle?
Kai Behrmann
00:38:46
Definitiv. Ein ganz wichtiger Punkt, den du da ansprichst mit der Selbstsicherheit oder der eigene Gemütszustand. In was für einer Verfasstheit bin ich in dem Moment, wo ich irgendwie losgehe? Fühle ich mich selbstsicher? Bin ich gut drauf? Das sind natürlich Dinge, die auch helfen, sich mit anderen zu verbinden oder diese Verbindungen aufzubauen, auf andere zugehen zu können, weil es dann im journalistischen eher Sinn ist. Ist das ja auch viel Interaktion. Also ich muss dann mit Menschen kommunizieren, was in der Street Photography, in der klassischen Street Photography dann eher weniger der Fall ist, wenn es um diese Candid Moments geht. Da ist das dann sicherlich ein bisschen anders zu betrachten. Aber auch da kann es einem ja passieren, dass man angesprochen wird, dass man gefragt wird, was macht man dann? Und eben dann auch eine Kommunikation da ist. Und wenn ich mich da unsicher fühle, kann mich das auch in meinem Flow hemmen und in meinem, ja, wie ich mich eben fühle. Deswegen ist das ein ganz, ganz wichtiger Faktor. Also wie eingangs gesagt, also Fotografie ist halt so viel mehr, als nur auf den Ausschläser zu drücken. Ich muss mich selber immer wieder auch in diesen Zustand bringen, fotografieren gehen zu können oder die Voraussetzungen zu schaffen. Ein Sportler ist ja eben auch so. Es ist ja nicht nur der Moment, wo er aufs Spielfeld geht und dann ist der Anpfiff und es geht los, sondern es gehört auch ganz viel Vorbereitung mit dazu, Training, Regeneration. Und das ist in der Fotografie nicht anders. Also wenn ich mir nicht die Zeit nehme, ich kann nicht sieben, acht Tage am Stück, acht Stunden fotografieren, sondern ich brauche auch diese Momente, wo ich mich mal wieder ausruhe, wo ich mir die Bilder anschaue. Und auch einfach den Blick mal wieder ausruhen lasse und mich mit anderen Dingen beschäftige. Ja, das ist, glaube ich, auch wichtig in dem Zusammenhang.
Pia Parolin
00:40:59
Ich habe da gleich mal aufgeheucht, als du vom Sport redest, weil du warst ja Sportreporter und da stehst du ja unter einem enormen Druck, weil da geht ja alles sehr schnell, gerade im Fußball, wenn du nicht in der richtigen Ecke stehst oder die richtige Perspektive hast oder sowas. Wie gehst du denn dann da um? Wie passt Flow zu solchen journalistischen Arbeiten, wo du unter Zeitdruck stehst, wo Reportage empfinde ich eigentlich meistens als hektisch. Das sind Sekunden, die du wirklich erwischen musst, weil du sie ja dann auch publizieren musst. Das ist ja jetzt nicht nur für ein Buch, was irgendwann mal erscheint. Ist das nicht ein totaler Widerspruch? Funktioniert das trotzdem?
Kai Behrmann
00:41:39
Ja, funktioniert auf jeden Fall. Und ich habe ja... Oder ich habe im Sport nicht fotografiert, sondern damals als Sportreporter habe ich noch geschrieben für eine Zeitung, aber es ist durchaus vergleichbar auch. Also wenn du jetzt auf der Tribüne, auf der Pressetribüne sitzt, das Spiel beobachtest und während du spielst schon deinen Text schreibst, häufig waren es dann eben auch sehr, sehr tagesaktuelle Geschichten. Das heißt, der Text musste im Idealfall mit Abpfiff fertig sein, sodass ich ihn der Redaktion schicken konnte. Und der Horror. Ja. Manchmal hatte ich dann noch die Zeit, die Pressekonferenz abzuwarten, um noch ein paar O-Töne, ein paar Zitate von den Trainern, von den Spielern mit einzuarbeiten. Aber das war natürlich dann auch zusätzlicher Stress, weil ich ja noch nicht wusste, was diese Zitate oder wie sie ausfallen würden und diese dann eben noch so mit in den Text einzuarbeiten, dass es stimmig ist. Das war schon Arbeiten unter Druck mit Adrenalin im Körper, aber eben auch Flow. Also das waren schon Momente, wo ich auch den Flow gespürt habe, wo ich mir bewusst war, ja, ich bin der Aufgabe gewachsen, ich kann es schaffen. Aber dafür war eben auch die Voraussetzung, und das ist, glaube ich, generell für Flo eine wichtige Voraussetzung, dass du dir eine Struktur schaffst, dass du mit gewissen Bausteinen schon arbeitest. Also wenn ich so einen Text von einem Spiel schreibe, ich überlege mir schon im Vorfeld, wie ist die Konstellation zwischen diesen beiden Vereinen, wo stehen die in der Tabelle, was ist in den Spielen davor passiert, mit welcher Geschichte gehen diese Mannschaften in dieses Spiel. Das gibt ja so den Rahmen und dann baut man das so Stück für Stück auf in Abschnitte. Die dann je nach Spielverlauf auch schnell modifizierbar sind. Das ist immer wichtig, dass ich schnell reagieren kann, dass der Text so geschrieben ist, dass egal was passiert, ob jetzt in der letzten Minute noch das überraschende Siegtor fällt, das ich überhaupt nicht angedeutet habe, dass ich nicht den ganzen Text nochmal neu schreiben muss, sondern dass ich nur vielleicht durch den Einstieg und am Ende eben diesen Spielverlauf mit aufgreifen kann. Und das sind so Techniken, die muss ich mir aneignen und die geben mir dann eben auch diese Sicherheit, nicht in Panik zu verfallen, wenn dann doch unvorhergesehen noch was passiert. Und das lässt sich, glaube ich, auch auf die Fotografie übertragen, dass ich diese Leitplanken schon brauche. Also ich meinte eben mit dieser Klarheit über Konzepte, über Ideen, was möchte ich mit meiner Fotografie aussagen, wofür benutze ich diese visuelle Sprache, dass das schon Dinge sind, wo es gut ist, wenn ich die für mich einmal klargezogen habe oder mich immer wieder auch damit beschäftige mit diesen Fragen. Das sind dann keine Limitierungen. Ich kann ja immer wieder davon abweichen, aber ich glaube, was häufig als Widerspruch irgendwie gesehen wird für Kreativität, wenn ich da auch Regeln mit reinbringe, Strukturen, ist es dann doch unabhängig. Am Ende hilfreich, wenn ich diese Leitplanken habe.
Pia Parolin
00:45:14
Ja, diese Leitplanken, das sehe ich auch so. Aber es gibt ja auch noch die Idee, dass man immer so Anforderungen und Fähigkeiten in so einem Gleichgewicht haben will oder muss, um überhaupt diesen total fokussierten Zustand zu erreichen, was ja auch in die gleiche Richtung geht. Und da wollte ich von dir vielleicht mal wissen, suchst du bewusst Situationen, die auch so leicht außerhalb deiner Komfortzone liegen? Weil das ist ja auch so ein Trigger für Flow, dass du zwar einerseits die Anforderungen, die an dich gestellt werden und deine Fähigkeiten, dass die im Gleichgewicht sind, aber du musst immer so ein bisschen noch gefordert sein. Also die Anforderungen müssen so ein klein bisschen höher sein als das, was du eigentlich jetzt so mal eben auf den Ärmel schütteln würdest. Machst du das? Gehst du da mit Leichtigkeit an die Grenze deiner Komfortzone ran oder musst du dich da überwinden? Kommt das eher selten vor, eher häufig? Wie ist das mit deiner Komfortzone?
Kai Behrmann
00:46:17
Die Frage gebe ich gerne erstmal zurück an dich mit Komfortzone. Was genau meinst du damit? Sind das eher die Situationen, in die ich mich begebe? Also ob ich meine Distanz zu Menschen, wo ich nicht weiß, wie da eine Reaktion ausfallen kann, also auf diese Ebene bezogen oder Komfortzone in dem, was ich fotografisch kann, in der Lage bin oder eben was, was fotografische Fähigkeiten angeht.
Pia Parolin
00:46:57
Ja, vielleicht überall, wo ich an Grenzen stoße. Das kann ja sein, weil ich eine neue Kamera habe, okay, damit muss ich jetzt erstmal fit werden, dann ist das eine kleine Komfortzone, in der ich bin, weil ich habe so ein Halbwissen und muss jetzt erstmal gucken, dass ich da mit dieser neuen Kamera mich beschäftige. Und ein größeres Hindernis wäre, dass ich mir ein neues Projekt vornehme, wo ich weiß, ich muss jetzt zum Beispiel mit irgendeiner Berufsgruppe anfangen, Kontakt aufzunehmen. Und ich hatte ja mal hier eine Zeit lang über Wasser gearbeitet und hatte die Idee, diese ganzen Fischer aus der Region zu kontaktieren. Es gibt Fischer, die am Meer fischen, es gibt Fischer, die an den Flüssen fischen. Und ich habe auch eine erste Kontaktperson gefunden, die mir zwei Handynummern von Fischern gegeben hat. Die hätte ich nur anrufen müssen, dann hätte ich die ersten Personen gehabt und über die hätte ich ganz viele weitere Menschen hier aus der Region gefunden, die mir etwas über ihre Praxis in der Fischerei und über was sie wissen über die Flüsse und über ihre Beziehung zu ihren Flüssen, zum Wasser, zu den Fischen, zum Ökosystem und so dieses Thema, über das ich ja so ein bisschen gearbeitet habe und auch fotografisch arbeiten wollte. Thornton. Jetzt rate mal, wie lange das her ist, dass ich diese Nummern hier liegen habe und ich habe nie angerufen. Und das ist für mich so ein großes Limit in der Komfortzone. Also es gibt ja von bis. Und da habe ich dann wirklich so gedacht, will ich wirklich dieses Projekt in diese Richtung leiten, dass ich jetzt diese Fischer anrufe und hoffe, dass da gute Gespräche daraus sich entwickeln und ich weitergeleitet werde und so. Und ja, da war die Hemmschwelle doch zu groß. Da habe ich gedacht, nee, ich mache mal lieber was, wo ich den Ball ein bisschen flacher halte. Das meine ich so. Also schon diese größeren Schritte. Bei manchen Sachen motiviere ich mich dann selbst, weil ich weiß, das ist schon das, was ich eigentlich will, auch wenn jetzt da so eine Hemmschwelle ist. Okay, ich mache das jetzt. Aber ja, ich glaube, diese Schritte dürfen nicht zu groß sein. Und wie ist das bei dir? Mhm.
Kai Behrmann
00:49:05
Ja, aktuell hier in Buenos Aires habe ich ja ein Projekt, was sich mit der Fußballkultur auseinandersetzt. Fußball spielt ja hier eine große Rolle in Argentinien und auch in Buenos Aires, wo mehr als die Hälfte aller Vereine, die in der ersten Liga spielen, hier aus der Stadt kommen oder aus dem Umland. Also da passiert sehr, sehr viel und etwas, was ja mit meinem Hintergrund als Sportreporter mich immer noch fasziniert. Jetzt nicht mehr so einfach der Blick auf das Ergebnis oder ergebnisorientierten Journalismus, das nicht. Aber ja, wie wird Fußball gelebt? Was macht diese Faszination aus? Wie drückt sich die Begeisterung der Fans aus im Stadtbild, vor den Spielen? Was für Rituale gibt es da? Also das ist etwas, mit dem ich mich in den vergangenen Jahren hier intensiv beschäftigt habe, aus unterschiedlichen Perspektiven. Mal bin ich vor den Spielen einfach nur vor das Stadion gefahren, habe mir das da angeschaut, wie kommen die Fans, wie reisen sie an in den Bussen, wie sind die Gesänge schon davor, was passiert. Was gibt es hier für Snacks statt Bratwurst wie in Deutschland? Was wird hier alles auf den Grill geschmissen? Also da, das ist, ja, solche kleinen Details, die dann diese, die Unterschiedlichkeit eben auch ausmachen und das Spannende, das zu beobachten. Ich war dann in den vergangenen beiden Jahren auch häufiger mal im Stadion, habe die Perspektive vom Rasen aus zur Tribüne fotografiert und das ist sowas, was schon eine Komfortzone ist. Also ich fühle mich in dem Umfeld schon wohl. Ich kenne mich da aus. Das ist halt diese Sicherheit, die mir meinen Sporthintergrund gibt. Ich finde da glaube ich auch eine gute Ansprache mit den Fans, kommen da in Kontakt und spreche da deren Sprache. Was mir eben dann auch hilft, dort zu fotografieren. Aber es ist eine große mentale Arbeit auch dabei. Es ist sehr, sehr anstrengend, diese Gespräche zu führen, auch die Fans, die sehr euphorisch sind und wenn ich sie fotografiere, die dann auch alle immer nach der Adresse fragen, Instagram und möchten dann die Bilder auch gerne haben. Ein Aspekt, den ich ja auch nachvollziehen kann und das auch gerne mache. Aber alles zahlt eben darauf ein, dass es sehr viel Kommunikation ist. Und ich fühle mich nach so einem Tag so leer und ausgepresst, dass ich dann das zwar schon genieße und immer froh bin, wenn ich es gemacht habe. Aber ich jetzt speziell in dieser Zeit, wo ich jetzt in Argentinien bin, bisher das noch nicht gemacht habe. Also ich habe jetzt noch knapp einen Monat, in dem ich hier bin und habe gestern erst die Mail wieder an den Fotografenverband hier geschickt, um mich wieder akkreditieren zu lassen, was mir dann eben die Möglichkeit gibt, auch wieder in die Stadien reinzukommen. Das habe ich so ein bisschen vor mir hergeschoben und ich glaube, das war ja so dieser Respekt, aus der Komfortzone rauszugehen und mich wieder diesem Stress, obwohl es positiver Stress ist, dem auszusetzen oder eben auch einfach nur vor so einem Stadion mal wieder zu fahren am Spieltag und da zu fotografieren. Ja, also manchmal muss man sich so ein Stück weit pushen, um dann wieder reinzukommen.
Pia Parolin
00:52:45
Ja, ich glaube, es ist auch wichtig, dass man auch so ein bisschen in sich reinhört. Ist das jetzt nur eine Frage von Komfortzone oder ist das etwas, womit ich mich auch wirklich überfordere einfach? Also das ist ja so eine ganz dünne Grenze, finde ich. Und manche Themen, da kommst du halt nur hin, wenn du über deinen Schatten springst und sagst, okay, diese Hürde muss ich jetzt einfach mal nehmen, weil mein Langzeitziel ist dies und jenes. Und das macht schon Sinn, dass ich jetzt diesen Weg gehe, auch wenn er anstrengend ist, auch wenn er mir schwer fällt. Und an manchen Stellen will ich etwas unbedingt, unbedingt, unbedingt, aber scheitere dann an Stellen, wo ich weiß, das hat jetzt keinen Sinn, dass ich mich zwinge, da weiterzugehen. Und ja, ich denke, also für mich ist Fotografieren schon sehr stark einfach an Emotionen gebunden. Und diese Emotionen, die spielen eben rein, ob ich mich selbst sicher genug fühle, ob ich mir das zutraue, eben aus meiner Komfortzone rauszugehen und insgesamt Emotionen auch versuche zuzulassen in meinen Fotos. Weil ich finde, wenn ich selber keine Emotionen empfinde in dem Moment, dann werden meine Fotos ja auch leer, dann werden die sehr sachlich, dann ist das so eine wissenschaftliche Dokumentation, aber nichts Persönliches, was ja dem Foto vielleicht auch so ein bisschen den Pfeffer verleiht. Und ich weiß, wie wichtig sind bei dir Emotionen und auch so dieses, oder hast du diesen Moment, wo du dir denkst, okay, bei allem Flow und allem, jetzt reicht es mit Denken, jetzt wird gesehen, gefühlt, der Intuition gefolgt, jetzt will ich mal meinen Kopf ausschalten?
Kai Behrmann
00:54:33
Ja. Du hast eben angesprochen, diese Emotionen, die wichtig sind für die Fotografie und das ist was, worüber ich auch zuletzt viel nachgedacht habe, weil Gefühle entstehen ja aus einer Verbindung, die ich mit der Welt finde oder Gefühle springen aus Dingen, die irgendwo eine Resonanz in mir hervorrufen und ich habe da, Ein Interview, ein Podcast neulich gehört mit Hartmut Rosa, ein Soziologe, den ich sehr, sehr faszinierend finde, der sehr unwissenschaftlich sprechen kann, also komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge auf den Punkt bringen kann. Und er hat ein Buch geschrieben, Resonanz. Und darin beschreibt er so ein bisschen, dass uns in der modernen Welt manchmal die Verbindung zu unserer Umwelt, zu den Mitmenschen, zur Gesellschaft verloren geht. Und das hat bei mir viel Resonanz hervorgerufen, weil das ein Gefühl ist, was bei mir auch immer mitschwingt, wenn ich mit der Kamera durch die Straßen gehe, Street Photography mache, was ich aber so bisher nicht in Worte fassen konnte. Und in diesem Podcast, ja, das hat so ein bisschen, das war so ein. Da ist mir ein Licht aufgegangen und die Glühbirne angesprungen und das hat mir geholfen, jetzt meine Street-Photography ein bisschen, ja, in einem Rahmen, in einem thematischen Rahmen zu sehen. Also diese Resonanz. Ich habe, wie schon erwähnt, fotografiere sehr viele Menschen, die mit ihrem Handy unterwegs sind. Und das ist ja dann auch irgendwo so ein Ausdruck, ich nehme nicht mehr meine Umwelt wahr, sondern ich koppel mich davon ab und gehe in eine andere Welt, in eine digitale Welt rein. Und das gibt so ein bisschen mehr Schärfe jetzt mit diesen Bildern und mit diesem Thema weiter zu arbeiten. Also das bedeutet jetzt, dass ich mal mir die Bilder angeschaut habe von Handys oder Handynutzung im öffentlichen Raum, aber überlege, wie kann ich das jetzt noch ein bisschen ausweiten? Also nicht nur Menschen, die ins Handy starren, sondern wie finde ich vielleicht auch Situationen, die das noch ein bisschen stärker auf den Punkt bringt, diese isoliertheit, also eine Person. Die konzentriert am Chatten ist, am Telefonieren ist und um die herum irgendetwas Spannendes im realen Leben passiert, aber diese Person es nicht wahrnimmt, weil sie eben mit anderen Dingen beschäftigt ist. Also da dann auch motivmäßig auf andere Ideen zu kommen. Und ja, ich weiß gar nicht, was die Ausgangsfrage jetzt war. Ich habe mich da ein bisschen vergaloppiert, aber ja, über Gefühle sind wir klar.
Pia Parolin
00:57:20
Ja, es reift mit Denken. Sondern, dass du das Denken beiseite lässt und mehr einfach intuitiv dich laufen lässt. Oder vielleicht als Gegenfrage, dass du auch nicht immer sofort reagierst, sondern auch Zeit lässt, dass eine Situation sich entwickelt und du einfach dabei bist, während diese Situation reift und du den Moment abwartest, statt sofort irgendwie zu reagieren.
Kai Behrmann
00:57:45
Ja. Ja, das ist ja so eine Balance aus beiden, aus Achtsamkeit und aus Bauchgefühl und Intuition in der Fotografie. Und es wird ja viel über Achtsamkeit gesprochen oder dass die Fotografie ein schönes Werkzeug ist, die Welt bewusster wahrzunehmen, genauer hinzuschauen. Das ist sicherlich die eine Seite. Also ich brauche ja diese Aufmerksamkeit, um überhaupt Dinge erkennen zu können. Aber auf der anderen Seite finde ich es genauso wichtig, auch einfach mal dem Bauch oder der Intuition die Zügel in die Hand zu geben und sich da einfach leiten zu lassen von nicht verkopften Gedanken in Gängen. Das passiert mir immer wieder, dass ich mir dann am Ende Bilder anschaue, die ich gemacht habe, wo ich eigentlich gar nicht so genau weiß oder mich nicht mehr an den Moment erinnern kann, wo ich sie gemacht habe. Das sind so flüchtige Momente, wo ich einfach gespürt habe, jetzt muss ich auf den Auslöser drücken, bin aber dann weitergegangen. Und das sind häufig auch die stärksten Bilder, die dabei rauskommen, weil ... Weil da plötzlich irgendwie so, ja, aus dem Chaos, was ja manchmal schwer zu ordnen ist und auch wenn ich mit Achtsamkeit rangehe, eben es schwer ist, diesen Moment dann abzupassen, wenn viel passiert. Also in einer ruhigen Szene, wenn ich mir eine Bühne gesucht habe, eine schöne Lichtstimmung und wo Dinge kontrollierbarer sind, als wenn es jetzt wirklich wuselig auf einer belebten Straße zugeht, wo sich Menschen kreuzen, wo Gesten, wo Hände durch die Luft fliegen und so. Also das sind ja dann häufig Dinge, wenn du da mit Achtsamkeit fotografierst und nur diesen einen Auslöser, diese eine Auslösung machst, da den Moment abzupassen ist ja sehr, sehr schwer oder die Wahrscheinlichkeit sehr, sehr gering. Aber wenn du auf das Bauchgefühl hörst, dann, kommen manchmal, fördern das Emotive und Bilder heraus, die mich am Ende überraschen und wo ich mich dann auch mal frage oder fast ein bisschen schlecht fühle, weil ich mich gar nicht mehr so dran erinnern kann. Ist es jetzt dann trotzdem ein gutes Bild oder ist es schlecht, weil ich einfach weil es vielleicht Glück war? Was ist es?
Pia Parolin
01:00:19
Ja, ja, cool. Ja, ich hätte vielleicht noch so als abschließende Frage von meiner Seite, würde ich gerne von dir wissen, jetzt auch für die Zuhörenden, was würdest du Fotografierenden mitgeben, die lernen wollen, vielleicht freier, präsenter, einfach besser zu fotografieren? Und du hattest ja am Anfang erwähnt, aus Funken wird Feuer. Wie werden aus Funken Feuer?
Kai Behrmann
01:00:45
Wie werden aus Funken Feuer? Ja. Ja, ich würde einmal dazu raten, auf jeden Fall sich von zu viel Druck oder Erwartungen zu befreien. Es gibt ja dieses wunderbare Zitat von Cartier Bresson, wo er sagt, dass die ersten 10.000 Bilder die schlechtesten sind. Also Fotografie ist immer ein Prozess und auch die besten Fotografen produzieren nicht nur Meisterwerke. Und das ist glaube ich was, was man sich immer wieder vor Augen führen muss, oder nicht so vom Ergebnis her denken, dass ich jetzt mich unter Druck setze und sage, wenn ich jetzt rausgehe, dann muss Anzahl X an guten Bildern dabei rauskommen, sondern den Prozess in den Vordergrund zu stellen, zu sagen, ich habe Spaß dran zu fotografieren, gebe mich dem Moment hin, gebe mich dem, Draußensein hin, dem Erleben der Welt mit der Kamera, Und dann sind gute Bilder irgendwann zwangsläufig das Ergebnis davon. Und ich glaube, das ist schon mal so ein bisschen die eigene Erwartungshaltung, da ein zu Norden und realistisch so eine Frustrationstoleranz aufzubauen. Und wie gesagt, eben auch Fotografie ganzheitlicher zu betrachten. Also nicht nur den Moment des Fotografierens selber, sondern auch die ganze Beschäftigung mit Kunst, mit der Schulung des Sehens, des Blickes ist ganz, ganz wichtig. Mir hilft Lesen unheimlich viel. Also jetzt, ich fotografiere ja oder eins meiner Langzeitprojekte ist Kuba, bin regelmäßig längere Zeit in Havanna und da gehört es für mich auch dazu, dass ich mir immer so zwei, drei Bücher mitnehme dorthin von kubanischen Autoren und darin lese, weil eben Menschen vor Ort ihr eigenes Land aus einer ganz anderen, Perspektive beschreiben, viel, Ja, die mit unserem Blick von außen sich vielleicht nicht unbedingt decken oder sich schön ergänzen mit meinen Eindrücken, aber dann eben auch zu hören, wie erlebt jemand, der dort aufgewachsen ist, das Land? Welche Sichtweisen hat er? Und da entstehen dann eben in meinem Kopf auch Bilder von Situationen, die dann irgendwann sich überlappen mit dem, was ich auf der Straße sehe. Also zum Beispiel ein Autor, den ich sehr schätze, Leonardo Padura. Der immer wieder Geschichte, kubanische Geschichte mit eigenen biografischen Ansätzen vermischt, Beobachtung und ja auch ganz, ganz toll das Leben in Havanna beschreibt. Zum Beispiel auch an Orten, die sehr, sehr bekannt sind, wie der Malecon zum Beispiel, wo er eben beschreibt, welche Bedeutung der Malecon für Kubaner hat. Einmal dieser Blick raus aufs Meer, verbunden mit Sehnsucht, Florida in, ja, nicht unmittelbarer Nähe, aber schon in der Nähe, aber eben unerreichbar. Diese Sehnsüchte, die von vielen Menschen damit verbunden ist, mit diesem Gang an den Malecon. Auch das Baden dort im Wasser, wenn die Wellen da hochklatschen an den Mauern. Die Kinder, die da Spaß haben. Es ist dann auch die Freizeit, ein bisschen Spaß dort zu erleben. All diese Dinge, wie er es eben beschreibt. Und wenn man dann selber an so einen Ort kommt, hat man da was im Hinterkopf und sieht dann, glaube ich, auch ganz andere Motive, die man sonst nicht gesehen hätte, wenn man seinen Geist nicht so gefüttert hätte und so eine innere Bilderwelt aufgebaut hat. Also mir hilft das auf jeden Fall, dann auch so Literatur mit Fotografie zu verbinden. Und dann entstehen eben auch diese Vormälder. Das sind eben diese kleinen Funken, die man sich da setzt über solche Impressionen, die dann irgendwann dazu führen, dass sie auf den Zündstoff treffen und sich in Bildern manifestieren.
Pia Parolin
01:04:57
Ja, klasse. Also ich habe eigentlich jetzt so meine Fragen, die ich mir überlegt hatte, für dich abgearbeitet. Ich hoffe, da ist auch was dabei, was den anderen helfen kann. Ich setze mich halt gerne damit auseinander, wie ich Fotografie als Ressource für mich selbst auch nutzen kann. Nicht nur als Ressource, um eben Artikel zu schreiben, Bücher zu schreiben, Fotoserien zu präsentieren auf irgendwelchen Vorträgen, sondern wie ich einfach ein gutes Gefühl habe. Und der Flow ist ja auch bekannt dafür, da gehen ja irgendwie Glückshormone, die da mit im Spiel sind, Dopamin und wie sie alle heißen. Und ja, ich finde das ganz schön, das zu ergründen, weil ich denke, wenn man ein bisschen mehr Bescheid weiß, wie das alles zusammenhängt und wie das alles funktioniert, dann habe ich erstens ein besseres Gefühl insgesamt, wenn ich mit meiner Kamera losgehe und bin zufriedener, wenn ich zurückkomme und habe vielleicht auch ein bisschen bessere Bilder am Ende des Tages, einfach weil der ganze Prozess, dadurch, dass er vielleicht bewusster wird oder ein bisschen zielgerichteter ist oder dass ich es schaffe, mir Emotionen zuzulassen, dass dadurch auch dann die Fotos letztendlich ein bisschen besser werden können.
Kai Behrmann
01:06:14
Pia, du hast dich ja jetzt schon seit mehreren Jahren mit diesem Thema Flow beschäftigt, Seit deinem ersten Buch auch, was davon gehandelt hat. Inwieweit hat sich denn dein Blick auf den Flow mit der Zeit und mit der intensiven Beschäftigung vielleicht auch ein Stück weit verändert oder entwickelt?
Pia Parolin
01:06:37
Also verändert eigentlich gar nicht, weil es wird immer nur bestätigt, was ich mir so angelesen habe, was ich von anderen höre, mit denen ich mich unterhalte oder auch Fachmenschen wie die Psychologinnen, mit denen ich im Ausstausch stand, als ich dieses Buch geschrieben habe, ist ja jetzt auch schon fünf, sechs Jahre her. Das ist schon alles fundiertes Wissen aus den 70er Jahren entstanden und über inzwischen ja dann auch 50 Jahre gereift. Und von daher haben sich viele Sachen bestätigt. Ich schaffe es immer besser, mich selbst zu reflektieren, mich selbst zu beobachten und dadurch dann auch vielleicht bewusster in den Flow zu kommen. Und auch meine Umwelt damit zu verschonen, weil ich bin dann auch sehr grantig, wenn jemand meinen Floh stört. Störe meine Reise nicht. Also wenn ich jetzt zu Hause bin und mich in meinem Arbeitszimmer einsperre und dann geht die Tür auf mit irgendeiner Banalität, da bin ich dann erstmal nicht so gut gelaunt, das kontrolliere ich dann. Aber ja, das habe ich alles gelernt, dass das zusammenhängt und dass man die Leute warnen kann und sagen kann, hier Kinder, jetzt ist bitte mal eine Stunde Ruhe oder so. Aber nee, also es gibt, soweit ich weiß, gibt es natürlich auch noch neuere Erkenntnisse. Es ist in der Flow-Forschung noch sehr, sehr vieles unklar, weil diese neurophysiologischen Mechanismen sehr schwer zu erforschen sind. Also es läuft sehr viel über Versuche und Irrtum, Beobachtungen, Experimente mit Menschen und so, wie sie sich verhalten, wie sie reagieren in gewissen Situationen, aber das alles dann bioschemisch irgendwie im Gehirn nachzuweisen, das ist ja nochmal eine ganz andere Kistole. Ich glaube, da stehen wir immer noch ganz am Anfang, oder wir nicht, aber die anderen machen das ja nicht. Und ja, da bin ich schon sehr gespannt, was da noch so kommt. Aber nö, also aus meiner Perspektive, um auf deine Frage zurückzukommen, ich beobachte mich weiter, ich bin fasziniert, wie unser Körper funktioniert, immer wieder, wie das Gehirn funktioniert, wie das alles klappt. Und merke auch, dass meine speziellen Flow-Hemmer, also die großen negativen Seiten von Handy oder von irgendwelchen Ablenkungen oder sowas, die kann ich inzwischen gut kontrollieren, was sehr gut ist, weil dadurch vermeide ich einfach viele Frustsituationen. Und ja.
Kai Behrmann
01:09:05
Ist ja nicht nur das Thema Flow, was dich umtreibt sondern aktuell arbeitest du an einem Buch, was ja, dieses Konzept auch mit aufgreift aber noch in einen etwas breiteren Zusammenhang stellt, was Psychologie mit Fotografie zu tun haben kann, magst du mal, ja, beschreiben worum es in diesem Buch geht, was jetzt im Sommer wahrscheinlich, in der zweiten Jahreshälfte im D-Punkt-Verlag erscheinen wird.
Pia Parolin
01:09:40
Ja, das kann ich, weil wir unsere Manuskripte inzwischen so gut wie fertig haben. Deswegen bin ich froh und mutig, dass wir das auch durchkriegen. Also das Buch ist natürlich genehmigt und alles, aber bevor man nicht alles geschrieben hat, ist es immer so eine Sache. Deswegen hätte ich das vor ein paar Wochen noch nicht gesagt, aber jetzt sind wir soweit, dass die Kapitel abgeschlossen sind und das Buch dann gedruckt werden wird. Und wenn ich wir sage, dann sind das Joachim Feigl und ich. Joachim ist Psychologe und leitet ja auch einen Podcast, Fotopsychologisch. Ich habe ihn über den Podcast kennengelernt und dann haben wir uns auch in Arl getroffen und in Deutschland ich weiß jetzt gar nicht mehr in einem Festival und haben uns gut verstanden und unterhalten und irgendwann hatte ich eben diese Idee, weil ich viele Workshops mache, weil ich viele Coachings mache und merke Wie letztendlich die Leute zu mir kommen, weil sie denken, sie hätten ein technisches Problem oder dass sie ihre Bilder nicht richtig aufbauen oder dass sie langweilig sind oder sowas. Und am Ende des Tages ist bei diesen ganzen Coachings, die ich hauptsächlich mit Frauen, vielleicht auch so aus meiner Altersgruppe, also so sagen wir mal die dritte Lebensdritte mache, da komme ich immer wieder auf den Nenner, dass wir irgendwelche psychologischen Hemmschwellen haben. Es geht gar nicht um die Kamera, es geht gar nicht um Komposition, sondern es geht darum, ich habe kein Selbstvertrauen, ich habe keinen Mut, meine Bilder zu zeigen, ich habe keinen Mut, mich gegen eine sehr häufig auch technikdominierte, männerdominierte Umgebung durchzusetzen, zum Beispiel in Fotoclubs, wo mir gesagt wird, dass ich zu wenig von der Technik verstehen würde, aber meine Bilder gefallen mir doch. so diese Themen. Und da ist mir aufgefallen, dass es am Ende wirklich immer dieser eine Nenner ist. Es sind psychologische Themen, die die Menschen hemmen, die zu mir kommen und nicht Technik oder Wissen in der Bildkomposition. Und dann hatte ich eben die Idee, daraus ein Buch zu machen. Ich muss ja irgendwie meine latente Hyperaktivität irgendwie im Griff behalten, also schreibe ich Bücher. Und dann habe ich Joachim gefragt, ob er Interesse hätte an diesem Buch. Und er hatte sofort totales Interesse und hat Er hat sofort auch eine super Gliederung hingelegt, so spontan, zack, zack, zack, hatte er irgendwie so seine Ideen und das fand ich ganz toll. Und unser Lektor Rudolf Kram, mein langjähriger Lektor auch. Ja, und dann ging das Buch ruckzuck durch und da schreiben wir jetzt seit, ich glaube seit Oktober, November sowas, schreiben wir da dran rum und haben tatsächlich jetzt so die ganzen Kapitel im Kasten. Das Buch wird heißen, denke ich mal, also falls es jetzt nicht noch verändert wird, aber es wird heißen Denken, Fühlen, Fotografieren. Ein Wegweiser zu mehr Ausdruckwahrnehmung und fotografischer Selbstsicherheit. So, und unter anderem gibt es ein Kapitel, das ich geschrieben habe, zu diesen mentalen Zuständen wie der Flow. Und deswegen freue ich mich, Kai, dass du dich darauf eingelassen hast, dass ich dich hier nochmal mit meinem uralten Flow-Geschichten ein bisschen löchern konnte und nochmal so ein bisschen von dir auch erfahren habe, wie du das in der Praxis lebst und was dir der Flow bringt. Und Auszüge aus unserem Gespräch von heute werde ich dann auch in diesem Buch dann am Ende eines Kapitels zusammenfassen, also in ein paar Sätzen. Vielen Dank dafür.
Kai Behrmann
01:12:59
Ja, sehr gerne. Es war eine Herausforderung, darüber zu sprechen über Flo. Also ich finde es ein faszinierendes Thema und ich mag ja auch so diese Verbindung zur Psychologie, die Fotografie da auch mit anderen Bereichen, Wissenschaften in Kontext zu setzen. Aber ich habe eben gemerkt, auch Flow ist etwas, was viel auch im Unterbewusstsein stattfindet und das dann in Worte zu fassen, ist manchmal gar nicht so einfach. Insofern größten Respekt dafür, dass du das so gut geschafft hast, auch in deinem Buch und wahrscheinlich jetzt auch dann ohne das bisher gelesen zu haben. Aber ich bin mir sicher, dass es wird auch in dem neuen Buch so gelingen, da eine anregende Lektüre zu schaffen und zu bieten. Vielen Dank, Pia, dass du da auch immer den Blick weitest und Bücher schreibst, die nicht so erwartbar in diesem Fotografie-Lehrbuch-Raum entstehen. Das finde ich immer sehr, sehr bereichernd.
Pia Parolin
01:14:02
Ja, ich mache das in erster Linie aus eigener Motivation heraus, weil ich selber versuche zu verstehen, wie diese Mechanismen sind und dann fange ich an zu recherchieren und dann habe ich so viele Sachen angehäupft und dann denke ich mir, dann kann ich das ja auch teilen und du teilst es in deinen Podcasts und ich mache es in Büchern und dann erreichen wir da auch vielleicht einige Leute, mit denen das vielleicht auch ein bisschen helfen kann auf ihrem eigenen Weg. Das würde mich freuen.
Kai Behrmann
01:14:26
Ja, der eigenen Neugier und dem eigenen Interesse nachzugehen ist immer ein guter Ausgangspunkt. Ja, sehr gut. Ja, vielen Dank, Pia. Hat mich gefreut oder war spannend, heute mal auf der anderen Seite ein bisschen, ein Stück weit mehr zu stehen und von dir Fragen gestellt zu bekommen. Hat mir viel Spaß gemacht. Und ja, ich würde sagen, wir sprechen dann spätestens, wenn das Buch erschienen ist, gemeinsam mit deinem Co-Autor, machen wir dann eine Folge. Und bis dahin, alles Gute, Pia. Mach's gut.
Pia Parolin
01:15:05
Freue ich mich drauf. Danke, Kai. Alles Gute dir.
Kai Behrmann
01:15:08
Ciao.