Allein aus Gnade - Bibeltreue Predigt-Podcast der EBC Waiblingen

EBC Waiblingen - Bibeltreue evangelische Baptisten Gemeinde für Jesus Christus

Vorherbestimmt zur Sohnschaft (Epheser 1,5-6) - Richard Friesen

16.08.2026 53 min

Video zur Episode

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Zusammenfassung & Show Notes

## Zusammenfassung


Gott hat Gläubige aus Liebe und nach seinem Wohlgefallen durch Jesus Christus zur Sohnschaft vorherbestimmt, sie in seine Familie adoptiert und ihnen alle Rechte gegeben – zum Preis seiner Gnade.


## Details


### Der Begriff der Vorherbestimmung
Der Text behandelt Epheser 1,5–6 als Fortsetzung des Lobpreises auf Gottes geistliche Segnungen. Nach der Erwählung (Vers 4) folgt nun die Vorherbestimmung zur Sohnschaft. Das griechische Wort setzt sich aus "vorher" und "bestimmen" zusammen und stammt von einem Begriff für einen Grenzmarker – also etwas im Vorhinein markieren, festlegen, beschließen. Belegstellen wie Apostelgeschichte 4,27–28 (Kreuzigung Jesu), Römer 8,29 (Gleichgestaltung mit dem Bild des Sohnes), 1. Korinther 2,7 (Anteil an Gottes Herrlichkeit) und Jesaja 46,10 zeigen: Nichts geschieht zufällig, Gottes Ratschluss kommt zustande. Definition: Gottes ewiges, von niemandem beeinflusstes Bestimmen aller Dinge samt der Macht, alles so auszuführen – Ausdruck seiner Souveränität, Allmacht und Heiligkeit.


### Erster Aspekt – Gottes Ziel
"Sohnschaft" meint wörtlich die Annahme an Kindes statt, also Adoption. Im römischen Recht erhielt ein adoptiertes Kind sämtliche Rechte eines leiblichen Kindes: den Familiennamen und das volle Erbe; der Annehmende erhielt alle Vaterrechte. Paulus verwendet diesen juristischen Begriff bewusst. Vorher waren die Menschen laut Epheser 2,2–3 "Söhne des Ungehorsams" und "Kinder des Zorns", ohne Bürgerrecht Israels, entfremdet von Gott, mit dem Teufel als Vater (Johannes 8,44). Nun sind sie rechtmäßige Kinder und Erben des Reiches (Galater 4,7).


### Zweiter Aspekt – Gottes Motivation
Die Worte "in Liebe" am Ende von Vers 4 können bereits zu Vers 5 gehören: Gott hat in Liebe vorherbestimmt. Seine ewige, vollkommene Liebe war der Antrieb – wie schon bei Israels Erwählung in 5. Mose 7,7–8, die nicht auf Größe, sondern auf Gottes Liebe gründete. Offenbart wurde diese Liebe in der Sendung des eingeborenen Sohnes.


### Dritter Aspekt – Der Mittler
Bemerkenswert ist der Wechsel von "in Christus" zu "durch Jesus Christus": Nicht die Einheit im Glauben steht hier im Vordergrund, sondern Person und Werk Jesu als Grundlage. Er ist der ewige, rechtmäßige Sohn – nicht adoptiert – und damit rechtmäßiger Erbe. Hebräer 2,10–14 zeigt: Weil er Fleisch und Blut annahm, schämt er sich nicht, Gläubige Brüder und Schwestern zu nennen. Galater 4,4–5 nennt das Ziel der Menschwerdung: dass wir die Sohnschaft empfingen. Nach der Auferstehung sagt Jesus zu Maria (Johannes 20,17): "mein Vater und euer Vater".


### Vierter Aspekt – Der Beziehungsaspekt
"Für sich selbst" betont, dass Gott uns zu seinem Eigentum machen wollte. Schon im Alten Testament nannte er sich Israels Vater (Jeremia 31,9) und die Israeliten seine Söhne und Töchter (Jesaja 43,6). Durch den Geist der Sohnschaft rufen Gläubige "Abba, Vater" (Römer 8,15) – der intimste Ausdruck eines Kindes gegenüber seinem Vater. Für rechtlose Sklaven und lieblos aufgewachsene Kinder in Ephesus muss diese Botschaft überwältigend gewesen sein.


### Fünfter Aspekt – Gottes Souveränität
"Nach dem Wohlgefallen seines Willens" bedeutet: Gott handelte aus freiem, unabhängigem Entschluss, nicht weil er etwas Gutes im Menschen sah (vgl. Vers 11). Zugleich war dies nicht kalt oder willkürlich – "Wohlgefallen" beschreibt echte Freude. Wie adoptierende Eltern sich über ein aus erbärmlichen Verhältnissen gerettetes Kind freuen, so jubelte Gott bei dem Gedanken, Sünder in seine Familie aufzunehmen.


### Sechster Aspekt – Das Ergebnis
Endziel ist nicht das Wohl des Menschen, sondern "der Preis der Herrlichkeit seiner Gnade". Hesekiel 36,22 belegt: Gott rettet um seines heiligen Namens willen. Gnade heißt, Wohlwollen zu empfangen, wo Zorn verdient wäre. Der Ausdruck "in dem Geliebten" ersetzt bewusst "in Christus": Der ewig geliebte Sohn gab seine Stellung auf, wurde zur Sünde gemacht, damit Sünder in die Stellung von Gerechten und geliebten Kindern versetzt werden.


### Vier Anwendungen
**Beziehung zu Gott:** Der Christ muss sich nicht sorgen, denn der himmlische Vater kennt alle Bedürfnisse; Jesus ist der Erstgeborene unter vielen Brüdern (Römer 8,29) und damit gleichsam der ältere Bruder.


**Beziehung zu sich selbst:** Stand und Position haben sich vollständig geändert. Gott liebt die Seinen mit derselben Liebe wie seinen Sohn – eine Wahrheit, die man sich gerade angesichts eigener Versagen oder lieblos erlebter Kindheit immer neu predigen muss.


**Beziehung zur Welt:** Gläubige gehören schon jetzt zur himmlischen Welt und sollen als unbescholtene Kinder Gottes inmitten eines verkehrten Geschlechts leuchten wie Lichter (Philipper 2,15).


**Beziehung zur Gemeinde:** Die Gemeinde ist kein Verein, sondern Familie mit einem Vater und einem älteren Bruder. Streit gehört dazu, aber ebenso Versöhnung, Liebe, Ehre und praktische Hilfe – besonders gegenüber den Hausgenossen des Glaubens (Galater 6,10).

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