Klartext Strafrecht Fälle: Retterproblematik
13.02.2026 17 min Verlag Österreich
Zusammenfassung & Show Notes
In dieser Folge von AT.reloaded – Klartext Strafrecht Fälle analysieren Professorin Ingeborg Zerbes und Sarah Obino die sogenannte Retterproblematik – ein klassisches Problem des Risikozusammenhangs.
Ausgangspunkt ist ein fahrlässiges Verhalten: Zander vergisst, den Wasserhahn abzudrehen, sein Haus wird überflutet. Der Nachbar Norbert will die Schildkröte Susi retten und bricht sich den Arm. Die Feuerwehrfrau Felicia verletzt sich im Einsatz. Der neugierige Passant Schubert begibt sich ohne Rettungsabsicht ins Haus und bricht sich dabei das Bein.
Zu prüfen ist eine fahrlässige Körperverletzung nach § 88 StGB – doch entscheidend ist die normative Zurechnung: Unterbricht das Eingreifen eines Retters den Risikozusammenhang?
Die Folge arbeitet drei unterschiedliche Ansichten heraus:
Zu prüfen ist eine fahrlässige Körperverletzung nach § 88 StGB – doch entscheidend ist die normative Zurechnung: Unterbricht das Eingreifen eines Retters den Risikozusammenhang?
Die Folge arbeitet drei unterschiedliche Ansichten heraus:
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Rechtsprechung: Verletzungen von Rettern bleiben zurechenbar; nur bei bloß Schaulustigen wird der Risikozusammenhang durchbrochen.
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Differenzierende Lehrmeinung: Zurechnung nur bei berufsmäßigen Rettern (zB Feuerwehr), nicht jedoch bei freiwilligen Helfern oder Schaulustigen.
- Liberale Ansicht: Auch berufsmäßige Retter handeln selbstverantwortlich; der Risikozusammenhang ist daher generell unterbrochen – mit der Konsequenz der Straflosigkeit des Erstverursachers.
In dieser Podcastfolge erfährst du, welche Rolle der Schutzzweck der Norm, die Figur der freiwilligen Selbstgefährdung und die Unterscheidung zwischen beruflicher Pflicht und privatem Helfen spielen – und warum dieselbe Fallkonstellation je nach Ansatz zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen führen kann.