Der Podcast hinter den Kulissen von deinem Essen
Wissen, Perspektiven & Hintergründe rund um unsere Lebensmittel & die Menschen dahinter.
Ehrlich und offene Gespräche direkt auf den Höfen, in den Unternehmen und bei den Menschen zu Hause.
Wissen aus erster Hand, ungecoacht und authentisch, von denen, die es wissen müssen.
Und ja, ein bisserl Humor darf auch nicht fehlen. Reicht doch, wenn der Rotwein trocken ist.
KI am Schlachtband - Was Schweinewohl wirklich kostet
Ein Tierarzt erklärt, warum 90 % der Mastschweine kupiert sind – und was Kameras daran ändern könnten.
22.03.2026 89 min
KI am Schlachtband, Kameras, die Schweineschwänze vermessen — und ein Tierarzt, der seit über 35 Jahren versteht, was Schweine brauchen und was wir ihnen verweigern.
Johannes Baumgartner von der Vetmeduni Wien forscht im EU-Projekt aWISH daran, das Tierwohl von Millionen Mastschweinen mit digitalen Mitteln sichtbar zu machen. Der Schweineschwanz spielt dabei die Hauptrolle. Nicht weil er spektakulär ist, sondern weil er als sogenannter Eisbergindikator das gesamte Leben eines Tieres in einem einzigen Merkmal zusammenfasst: Ist er intakt, ist vieles gut. Ist er es nicht, steckt ein Problem dahinter — auch wenn man von außen nicht sieht, welches.
Ich wollte verstehen, wie man Tierwohl mit einer Kamera misst. Was ich bekommen habe, ist mehr: ein nüchternes Bild davon, wie weit Wissenschaft, Technologie und Praxis noch voneinander entfernt sind. Beim Schweineschwanz funktioniert die Messung schon erstaunlich gut — 99 Prozent Übereinstimmung mit den manuellen Referenzwerten. Bei Hautläsionen oder Lungengesundheit ist man noch weit davon entfernt, weil selbst Experten dieselben Bilder unterschiedlich beurteilen. Was als Ground Truth gilt, ist oft nur ein gut begründeter Schätzwert.
Was mich an dem Gespräch beschäftigt hat: Johannes hat nach 35 Jahren eine klare Haltung, aber keine Vereinfachungen. Er sagt, ein gutes Schweineleben ist im Rahmen eines Haltungssystems möglich — aber dann erklärt er auch, dass ein Mastschwein mit 110 Kilogramm im gesetzlichen Mindeststandard 0,75 Quadratmeter Fläche hat. Und dass mehr als 90 Prozent aller österreichischen Mastschweine schwanzkupiert sind, obwohl das seit 1991 EU-weit routinemäßig verboten ist. Das sind keine Anklagen, das sind Fakten — und sie machen den Abstand zwischen Anspruch und Realität sehr greifbar.
Am Ende bleibt die Frage, wer eigentlich zahlt. Nicht nur im wörtlichen Sinn.
Viel Freude beim Reinhören!
00:00:00 Los gehts
Intro und Vorstellung: KI, Kameras und der Schweineschwanz als Tierwohl-Messer.
00:03:34 Warum Tierarzt?
Von der TV-Serie Daktari zur Empathie für Nutztiere — Johannes' Weg.
00:08:27 35 Jahre Schwein
Was ihn antreibt: die Lücke zwischen Wissenschaft und Haltungsrealität.
00:11:25 Das EU-Projekt aWISH
28 Partner, 11 Länder, 6 Pilotschlachthöfe — was das Projekt will und kann.
00:17:54 Der Eisbergindikator
Warum der Schweineschwanz so viel über das gesamte Tierleben verrät.
00:25:10 Schwanzbeißen & Intensivierung
Wie die Industrialisierung der Tierhaltung zu Verhaltensstörungen führt.
00:36:43 Was ist Tierwohl?
Ein Kontinuum aus Gesundheit, Emotion und Natürlichkeit — keine Ja/Nein-Frage.
00:46:54 Wie funktioniert die Messung?
Kameras, 3D-Bildgebung und Ground Truth: das technische System im Detail.
00:58:10 Grenzen des Systems
Hautläsionen, variable Schlachthöfe, fehlende Referenzwerte — wo KI scheitert.
01:06:08 Wer profitiert — und wer zahlt?
Geschäftsmodelle, Förderlogik und die Frage, was Schweinefleisch kosten darf.
01:20:11 Datenschutz & Kontrolle
Risikobasierte Betriebskontrollen und die Datenfrage in der Praxis.
01:26:04 Das blinde Fleck: Falltiere
Tiere, die nie in die Lebensmittelkette gelangen — ein übersehenes Tierschutzthema.
Kurz-Bio Gast:
Johannes Baumgartner ist Assistenzprofessor an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, wo er das Fachgebiet Schwein und Precision Livestock Farming leitet. Er ist Diplomate des European College of Animal Welfare and Behavioural Medicine und forscht seit über 35 Jahren zu Verhalten, Haltung und Tierschutz beim Schwein sowie zur Digitalisierung in der Nutztierhaltung. Im EU-Horizon-Projekt aWISH arbeitet er mit internationalen Partnern daran, Tierwohl-Indikatoren am Schlachtband automatisiert und KI-gestützt zu erfassen.
INFOS ZUR FOLGE
Johannes Baumgartner — Vetmeduni Wien (Profil)
www.vetmeduni.ac.at/tierschutzwissenschaften/ueber-uns/mitarbeiterinnen/baumgartner-johannes
Vetmeduni Wien — Fachbereich Tierschutzwissenschaften und Tierhaltung
www.vetmeduni.ac.at/tierschutzwissenschaften
EU-Projekt aWISH (Animal Welfare Indicators at the Slaughterhouse)
www.awish-project.eu
aWISH auf CORDIS (EU-Projektdatenbank)
www.cordis.europa.eu/project/id/101060818/reporting
CLK GmbH — PigInspector (Kamerasystem für Schlachtschweine)
www.clkgmbh.de/en/food/piginspector
Precision Livestock Farming — Wikipedia (deutsch)
https://de.wikipedia.org/wiki/Precision_Livestock_Farming
AMA-Marketing — Masterplan Schwein / Tierwohl-Schweinehaltung
www.ama.at
VIER PFOTEN — FAQ Schweinehaltung Österreich
www.vier-pfoten.at/ueber-uns/faq/faq-schweinehaltung
Johannes Baumgartner von der Vetmeduni Wien forscht im EU-Projekt aWISH daran, das Tierwohl von Millionen Mastschweinen mit digitalen Mitteln sichtbar zu machen. Der Schweineschwanz spielt dabei die Hauptrolle. Nicht weil er spektakulär ist, sondern weil er als sogenannter Eisbergindikator das gesamte Leben eines Tieres in einem einzigen Merkmal zusammenfasst: Ist er intakt, ist vieles gut. Ist er es nicht, steckt ein Problem dahinter — auch wenn man von außen nicht sieht, welches.
Ich wollte verstehen, wie man Tierwohl mit einer Kamera misst. Was ich bekommen habe, ist mehr: ein nüchternes Bild davon, wie weit Wissenschaft, Technologie und Praxis noch voneinander entfernt sind. Beim Schweineschwanz funktioniert die Messung schon erstaunlich gut — 99 Prozent Übereinstimmung mit den manuellen Referenzwerten. Bei Hautläsionen oder Lungengesundheit ist man noch weit davon entfernt, weil selbst Experten dieselben Bilder unterschiedlich beurteilen. Was als Ground Truth gilt, ist oft nur ein gut begründeter Schätzwert.
Was mich an dem Gespräch beschäftigt hat: Johannes hat nach 35 Jahren eine klare Haltung, aber keine Vereinfachungen. Er sagt, ein gutes Schweineleben ist im Rahmen eines Haltungssystems möglich — aber dann erklärt er auch, dass ein Mastschwein mit 110 Kilogramm im gesetzlichen Mindeststandard 0,75 Quadratmeter Fläche hat. Und dass mehr als 90 Prozent aller österreichischen Mastschweine schwanzkupiert sind, obwohl das seit 1991 EU-weit routinemäßig verboten ist. Das sind keine Anklagen, das sind Fakten — und sie machen den Abstand zwischen Anspruch und Realität sehr greifbar.
Am Ende bleibt die Frage, wer eigentlich zahlt. Nicht nur im wörtlichen Sinn.
Viel Freude beim Reinhören!
00:00:00 Los gehts
Intro und Vorstellung: KI, Kameras und der Schweineschwanz als Tierwohl-Messer.
00:03:34 Warum Tierarzt?
Von der TV-Serie Daktari zur Empathie für Nutztiere — Johannes' Weg.
00:08:27 35 Jahre Schwein
Was ihn antreibt: die Lücke zwischen Wissenschaft und Haltungsrealität.
00:11:25 Das EU-Projekt aWISH
28 Partner, 11 Länder, 6 Pilotschlachthöfe — was das Projekt will und kann.
00:17:54 Der Eisbergindikator
Warum der Schweineschwanz so viel über das gesamte Tierleben verrät.
00:25:10 Schwanzbeißen & Intensivierung
Wie die Industrialisierung der Tierhaltung zu Verhaltensstörungen führt.
00:36:43 Was ist Tierwohl?
Ein Kontinuum aus Gesundheit, Emotion und Natürlichkeit — keine Ja/Nein-Frage.
00:46:54 Wie funktioniert die Messung?
Kameras, 3D-Bildgebung und Ground Truth: das technische System im Detail.
00:58:10 Grenzen des Systems
Hautläsionen, variable Schlachthöfe, fehlende Referenzwerte — wo KI scheitert.
01:06:08 Wer profitiert — und wer zahlt?
Geschäftsmodelle, Förderlogik und die Frage, was Schweinefleisch kosten darf.
01:20:11 Datenschutz & Kontrolle
Risikobasierte Betriebskontrollen und die Datenfrage in der Praxis.
01:26:04 Das blinde Fleck: Falltiere
Tiere, die nie in die Lebensmittelkette gelangen — ein übersehenes Tierschutzthema.
Kurz-Bio Gast:
Johannes Baumgartner ist Assistenzprofessor an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, wo er das Fachgebiet Schwein und Precision Livestock Farming leitet. Er ist Diplomate des European College of Animal Welfare and Behavioural Medicine und forscht seit über 35 Jahren zu Verhalten, Haltung und Tierschutz beim Schwein sowie zur Digitalisierung in der Nutztierhaltung. Im EU-Horizon-Projekt aWISH arbeitet er mit internationalen Partnern daran, Tierwohl-Indikatoren am Schlachtband automatisiert und KI-gestützt zu erfassen.
INFOS ZUR FOLGE
Johannes Baumgartner — Vetmeduni Wien (Profil)
www.vetmeduni.ac.at/tierschutzwissenschaften/ueber-uns/mitarbeiterinnen/baumgartner-johannes
Vetmeduni Wien — Fachbereich Tierschutzwissenschaften und Tierhaltung
www.vetmeduni.ac.at/tierschutzwissenschaften
EU-Projekt aWISH (Animal Welfare Indicators at the Slaughterhouse)
www.awish-project.eu
aWISH auf CORDIS (EU-Projektdatenbank)
www.cordis.europa.eu/project/id/101060818/reporting
CLK GmbH — PigInspector (Kamerasystem für Schlachtschweine)
www.clkgmbh.de/en/food/piginspector
Precision Livestock Farming — Wikipedia (deutsch)
https://de.wikipedia.org/wiki/Precision_Livestock_Farming
AMA-Marketing — Masterplan Schwein / Tierwohl-Schweinehaltung
www.ama.at
VIER PFOTEN — FAQ Schweinehaltung Österreich
www.vier-pfoten.at/ueber-uns/faq/faq-schweinehaltung
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