BauertothePeople (B2P)

Wilhelm Geiger

Ahaa! - Was ist Ethik, was ist Moral?

... erklärt von Christian Dürnberger, Schriftsteller und Experte für Ethik und Philosophie

30.10.2022 12 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Folge der BauertothePeople Ahaa!-Momente zeigt uns der Schriftsteller und Experte für Ethik und Philosophie, Christian Dürnberger, auf, wie wir uns den Begriffen Ethik und Moral nähern können.

Christian war auch schon in der Folge 32 zu Gast in unserem Podcast.

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Musik:
„Leit hoits zamm“ – Haindling
thx an Jürgen Buchner

„Power to the People“ – Junior Kelly
thx and Michael Lechleitner @ Irievibrations Records
 
… und ein bisserl selbst gesungen 😊
thx to me, my voice und eure Schmerzschwelle 

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Viel Spaß beim Reinhören und Entdecken!

Transkript

Alter, ich hab grad was gecheckt. Das ist der AHA-Effekt. Das ist der Bauer to the People AHA-Effekt. Grüße. In dieser Ausgabe der AHA-Momente beschreibt uns der Schriftsteller und Universitätsdozent Moral und Ethik und was genau der Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen ist. Diese Begriffe sind insofern wichtig, als uns diese bei der Beschäftigung mit der Lebensmittelwertschöpfungskette doch an der einen oder anderen Stelle immer wieder unterkommen. Und auch dieses Mal möge der Aha-Moment mit euch sein.
Hauptteil
00:00:55
Was ist Ethik und welche Fragen stellt sich diese in der Landwirtschaft? Kurz gesagt und um gewissermaßen zu spoilern, Ethik ist das vernunftgeleitete, strukturierte Nachdenken über die eigene Moral. Also Ethik ist das Nachdenken über Moral. Und jetzt leuchten wir diese Antwort etwas näher aus. Wir alle haben ein alltagssprachliches Verständnis von Ethik und dabei ist Ethik so etwas, das Nachdenken über das Richtige und Gute. Und dabei wissen wir, das betrifft unseren Freundeskreis, unsere Familie, unser Zusammenleben in der Gesellschaft. Darf ich zum Beispiel meinen besten Freund in bestimmten Situationen anlügen? Aber dabei geht es natürlich auch um so etwas wie unseren Umgang mit Natur, Tieren, Klimaschutz etc. Was wir in den letzten Jahren und Jahrzehnten erleben, ist ein Boom der Ethik. Fast jeder Lebensbereich hat eine sogenannte angewandte Ethik, eine Bereichsethik hervorgebracht. Also es gibt die Medienethik, die Medizinethik, die ökologische Ethik etc. Und wir erleben Ethik auch zunehmend in politischen Sphären. Also wir kennen alle, dass die Politik eine sogenannte Ethikkommission einsetzt. Und schließlich... Taucht Ethik auch in der Marketing, in der PR auf, mit allen Problemen, die dabei behaftet sind, also dass es auch teilweise als Bullshit-Bingo genannt wird, also Ethik wird immer als Begriff verwendet, ohne dass man überhaupt weiß, was er bedeutet oder Greenwashing etc.? ? Je mehr Ethik auftaucht in öffentlichen medialen Diskursen, desto sinnvoller kann es sein, über diesen Begriff kurz nachzudenken. Ethik ist in meinem Verständnis und allgemein eine philosophische Disziplin, also eine Subdisziplin der Philosophie. Und damit macht es auch Sinn, dass wir ein bisschen in die Geschichte zurückgehen, zum Beispiel in die Antike, zu Menschen wie Sokrates, Platon oder Aristoteles. In dieser antiken Tradition wird nämlich eines klar. Der Mensch wird als vernunftbegabtes Lebewesen begriffen und er soll diese Vernunft einsetzen, um die Welt um ihn herum zu verstehen. Und das betrifft natürlich die Funktionsweise der Natur zum Beispiel. Also warum bewegen sich die Gestirne am Himmel so, wie sie sich bewegen? Was muss passieren, dass sich Tiere fortpflanzen? Wie wächst eine Pflanze? Etc. Also wir versuchen mit dieser Vernunft... Die Welt um uns herum zu verstehen. Aber diese Funktionsweise der Natur, der Welt, ist ja nur ein Teil unseres Lebens. Auf der anderen Seite gibt es auch die menschliche Praxis, das menschliche Handeln. Was bedeutet es, ein tugendhaftes Leben zu führen? Kann ein Tyrannenmord, eine höchst aktuelle Frage wahrscheinlich, kann ein Tyrannenmord in manchen Situationen moralisch geboten sein? Wie wollen wir unser Zusammenleben regeln? Also auf der einen Seite das Verstehen von Natur, auf der anderen Seite das Verstehen unseres menschlichen Handelns. Und auf beiden Seiten ist nicht dasselbe Präzisionsgrad möglich. Das ist auch schon den antiken Denkern klar. Also die eine Seite, da ist sehr präzises Wissen möglich. Wenn ich versuche vorherzusagen, an welchem Ort wird sich ein Planet zu welchem Zeitpunkt befinden, dann kann ich das eigentlich ausrechnen. Bei der Frage, gibt es Situationen, in denen ich lügen darf, dann ist das eine andere Art von Wissen. Aber nichtsdestotrotz, so antike Denker und Denkerinnen, und da würde ich mitgehen, müssen wir dieselbe Vernunft einsetzen, um nicht nur über die Funktionsweise der Natur nachzudenken, sondern auch über unser menschliches Handeln. Ziel der Ethik ist es dabei, in die Praxis zu wirken. Das sehen wir schön bei Aristoteles, der ein Buch schreibt, das nennt er Nikomachische Ethik. Nikomachische Ethik, das klingt nach einem unglaublichen Fremdwort, aber der Hintergrund ist eigentlich auch schön illustrativ für die Ethik allgemein. Der Vater von Aristoteles heißt Nikomachos und der Sohn von Aristoteles heißt Nikomachos. Und da sehen wir schön, was hier passiert, nämlich, dass ein Mensch darüber nachdenkt, was bedeutet es eigentlich, ein gutes Leben zu führen? Was bedeutet es, ein guter Mensch zu sein? Welche Werte möchte ich meinem Sohn mitgeben? Auch ein bisschen in... Rückgriff auf das, was mir mein Vater mitgegeben hat und man verzeiht, dass das immer Männer sind, aber in diesem Fall ist es halt antik geprägt. Gut, also wir sehen, Ethik möchte in die Praxis gehen. Also da geht es nicht nur um Wissen um seiner selbst willen, das ist nicht Grundlagenforschung par excellence, sondern man möchte praktisch werden. Dabei unterscheidet sich Ethik auch im klassischen, ganz banalen Verständnis von den Naturwissenschaften. Die Naturwissenschaften beschreiben die Welt, wie sie ist, deskriptiv. Und Ethik möchte nicht zuletzt Antwort darauf geben, wie soll die Welt sein. Also wir sprechen hier von Normativität. Also Ethik ist oft ein normatives Unterfangen. Mit der Fußnote, es gibt auch eine deskriptive Ethik, die versucht moralische Kontroversen zu beschreiben. Gut, jetzt habe ich zuvor zum Beispiel das Beispiel gebracht mit der Fragestellung, darf ich meinen besten Freund eigentlich in bestimmten Situationen anlügen? Das wäre eine moralisch relevante Fragestellung. Und wir alle haben bestimmte Ressourcen in uns, die uns dabei helfen, diese Fragestellung zu beantworten. Also wir kommen ständig in moralisch relevante Fragestellungen. Aber da gibt es Ressourcen, die uns dabei helfen, eine Antwort auf die Frage zu geben, was soll ich in dieser Situation tun? Wir könnten zum Beispiel die Religion nennen. Also es gibt keine Religion, die ich kenne, die der Community nicht irgendwie Lebensregeln mit auf den Weg gibt. So führst du ein Leben, so regeln wir unser Zusammenleben. Wir könnten auch auf das Gesetz blicken. Also wir könnten sagen, ja, was soll ich tun? Da schaue ich in das Gesetzesbuch meines Staates, was ist eigentlich erlaubt und was wird sanktioniert. Die wichtigste Ressource, die uns Antwort auf die Frage gibt, was soll ich tun in moralisch relevanten Situationen, ist allerdings etwas, was wir in der Philosophie oft Moral nennen. Wir alle haben moralische Grundüberzeugungen, wir haben ein Bauchgefühl, wir haben bestimmte kulturelle Regeln mit auf den Weg bekommen von unseren Eltern, von unseren Großeltern, von unserer Sozialisation. Das alles nennen wir in der Philosophie Moral. Also das sind Grundüberzeugungen, Spielregeln, die sich eingespielt haben und in den allermeisten Fällen und Situationen genügen uns diese Ressourcen, die ich gerade genannt habe, um die Frage zu beantworten, was wäre jetzt eigentlich moralisch richtig. Also zum Beispiel, darf ich einen Freund anlügen oder soll ich überhaupt? Darf ich lügen oder soll ich jemanden töten? Darf ich etwas stehlen? Wenn ich ein gläubiger Mensch bin, könnte ich meine Religion befragen. Ich kann aufs Gesetz schauen und vor allem, ich habe eine moralische Grundüberzeugung in mir, die ich spüre, die Moral. Aber, und das ist jetzt das Spannende, wir kommen in Situationen, da kommt unsere Alltagsmoral in Stolpern. Plötzlich weiß ich nicht, mir ist das eigentlich wirklich moralisch richtig. Und alle drei genannten Ressourcen sind dabei auch hochproblematisch. Die Religion. kann mir als Einzelner vielleicht Orientierung geben. Aber für gesellschaftliche Spielregeln taugt sie nicht, weil wir Gott sei Dank in einer säkularisierten Gesellschaft leben. Also wir können nicht einfach auf irgendwelche Offenbarungsbücher zurückgreifen bei der Frage, sollen wir Sterbehilfe erlauben etc. Das funktioniert nicht. Jetzt könnte man sagen, ja, aber dann schaue ich ins Gesetz. Nur. Gesetze sind nicht gleichbedeutend mit Moralität. Also Gesetze können unmoralisch sein. Wir müssen immer wieder kritisch über Gesetze, über unsere Gesetzestexte nachdenken. Das wissen wir als Österreicher ganz besonders. Aber es gilt auch übrigens, also Nürnberger Rassengesetze ist das, worauf ich jetzt anspiele, aber es gilt auch, wenn wir eine neue Technik, neue Technologien ins Leben rufen, dann gibt es Fragestellungen, die neu sind, die sind noch nicht im Gesetzestext behandelt. Und schließlich die wichtigste Ressource, unsere Moral. Moralische Überzeugungen aber sind vielfältig. Sie widersprechen sich, manchmal fehlen sie. Und auch unsere Moral kann unmoralisch sein. Sie ist stark von Traditionen geprägt. Wir machen etwas so, weil wir es früher so gemacht haben. Aber das bedeutet ja nicht, dass es richtig ist. Und hier sehen wir, wenn wir über diese drei Instanzen kritisch reden, vernunftgeleitet nachdenken, dann betreiben wir so etwas wie Ethik. Also Ethik ist nicht das gleiche wie Moral, sondern Ethik ist das strukturierte, vernünftige Nachdenken über Moral und moralische Probleme. In kritischer Distanz zu Religion, Recht und Moral. So wird Ethik gemeinhin verstanden. Also Ethik ist gewissermaßen auf der Meta-Ebene. Wir klettern rauf und schauen nochmal runter. Wir alle haben moralische Grundüberzeugungen. Aber sind die denn wirklich richtig? Darüber vernünftig nachzudenken, das bedeutet Ethik zu betreiben. Und das bedeutet auch, wenn ich das anmerken darf, dass wir meiner Meinung nach in einer Welt leben, in der es wirklich nicht an Moral mangelt. Da draußen, vor den Fenstern und Türen, da ist viel Moral. Moral bedeutet, man hat die moralische Gewissheit, das ist richtig, das sollten wir tun. Moral ist immer laut in diesem Verständnis. Ethik hingegen ist leise, tritt einen Schritt zurück und schaut sich das Ganze nochmal von außen an und überlegt, ja, aber ist es wirklich richtig, was wir tun? Also wenn Moral so etwas ist wie das, ich spitze es jetzt zu, das Predigen moralischer Gewissheiten, dann ist Ethik das Reflektieren moralischer Ungewissheiten.
Einleitung
00:10:15
Jo, das war's für heute. Wir hoffen, ihr hattet euren Aha-Moment. Wenn ihr Bauer to the People unterstützen wollt, dann schaut gerne mal vorbei auf unserer Website www. bauer-to-the-people. de Dort findet ihr die Möglichkeit, uns mit kleineren und größeren Beträgen auch finanziell unter die Arme zu greifen. Wenn ihr Bauer to the People anderwertig unterstützen wollt, dann liken und teilen auf unseren Social-Media-Kanälen auf Facebook und Instagram. Wir freuen uns, wenn wir möglichst viele Menschen erreichen. Je mehr wir erreichen, desto größer unser Impact. Danke und Pfiat euch!

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