BauertothePeople (B2P)

Wilhelm Geiger

Erwin Wagenhofer - Von We Feed the World bis Atmosphere

Warum er nach Alphabet aufgehört hat, nur noch die Abgründe zu zeigen

04.10.2026 181 min

Video zur Episode

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Zusammenfassung & Show Notes

In eigener Sache: Menschen.at
Ich halte Lebensgeschichten fest, als Audiografie oder Videografie. Für deine Mama, deinen Opa, deinen besten Freund. 
→ menschen.at


Erwin Wagenhofer hat mit We Feed the World 2005 den Blick vieler Menschen auf unser Ernährungssystem verändert. Jetzt saß er bei mir im Wiener Studio, kurz vor dem Kinostart seines neuen Films Atmosphere. Er erzählt vom kleinen Hof seiner Großmutter im Mostviertel, wo noch fast alles selbst gemacht wurde, und von dem Moment Anfang der 70er Jahre, als dort der erste Kunstdüngersack auftauchte. Diese Szene zieht sich durch sein ganzes Werk, bis in den aktuellen Film hinein.

Wir reden über seinen Weg zum Film, über die ersten 39 Jahre ohne Förderung, über Auftragsarbeiten und darüber, wie schmal der Grat zwischen Konsequenz und Sturheit ist. Und wir reden über den Bruch nach Alphabet, als er beschlossen hat, nicht mehr nur Abgründe zu zeigen. Mit But Beautiful und jetzt mit Atmosphere richtet er den Blick auf Menschen, die es anders machen: auf Ernst Götsch und seine syntropische Landwirtschaft, auf Maria Giménez und ihre Gärten in Brandenburg, auf die Lehmbauleute rund um Anna Heringer und Martin Rauch.

Ich habe ihm meine liebste Frage gestellt, die ich mir selbst auch dauernd stelle: Was bringen diese Nischen eigentlich, wenn sich im Großen so wenig bewegt? Seine Antwort hat mich nicht beruhigt, aber sie hat mich zum Nachdenken gebracht. Genauso wie die Stelle, an der ich ihn mit der Verantwortung von uns Konsumentinnen und Konsumenten konfrontiere und er mir ziemlich trocken erklärt, warum sein Film nicht They Feed the World heißt.

Zum Schluss wird es handwerklich: Warum ein guter Film auch ohne Ton funktionieren muss, warum er keine Musik unterlegt, und was passiert ist, nachdem er damals den Nestlé-Chef vor der Kamera hatte. Mit 65 denkt er jedenfalls nicht ans Aufhören. Da kommt noch was.

Viel Freude beim Reinhören!

00:00:00 Los gehts
Willy begrüßt Erwin Wagenhofer im Wiener Podcast-Studio.
00:03:05 Zufrieden mit 65?
Warum Unzufriedenheit Antrieb bleibt und Aufhören kein Thema ist.
00:05:01 Film lebt von Förderung
Was ein Kinofilm kostet und wer in Europa sonst noch gefördert wird.
00:13:12 Kindheit im Mostviertel
Selbstversorgung bei der Oma und der erste Kunstdüngersack am Hof.
00:25:03 Der Film, der alles auslöste
Mit 16 nachts Cul-de-sac gesehen und die Berufung gespürt.
00:35:19 Wie We Feed the World entstand
Loslassen, Wiener Märkte und die Frage, wo die Produkte herkommen.
00:46:12 Von 2008 bis zur Orientierungslosigkeit
Finanzkrise, Griechenland 2015 und der Verlust politischer Orientierung.
00:56:26 Zwei Arten von Atmosphäre
Die dünne Schicht um die Erde und das überhitzte Klima zwischen uns.
01:17:00 Lösungen statt nur Kritik
Warum Kunst angeblich keine Lösungen zeigen darf und er es trotzdem tut.
01:27:11 Was bringen Nischen?
Vorbildwirkung, Startkapital und die Frage nach der Breitenwirkung.
01:55:03 Wie mündig sind Konsumenten?
Verantwortung zwischen Supermarktkasse, Bildung und erschöpftem Alltag.
02:23:07 Warum der Film ins Kino gehört
Konzentration, Rhythmus und das Bild als stärkstes Mittel im Kino.
02:41:00 Verantwortung vor der Kamera
Von Erntearbeitern in Almería bis zum Gespräch mit dem Nestlé-Chef.

Kurz-Bio Gast:
Erwin Wagenhofer, geboren 1961 in Amstetten, ist Filmmacher. Nach einer technischen Ausbildung und mehr als 150 Image-, Industrie- und Werbefilmen drehte er ab 2005 die Kinodokumentarfilme We Feed the World, Let's Make Money und Alphabet sowie den Spielfilm Black Brown White und den Musikfilm But Beautiful. Sein sechster Kinofilm Atmosphere startet am 9. Oktober 2026 in den österreichischen Kinos.

INFOS ZUR FOLGE
Erwin Wagenhofer – offizielle Website
www.filmmacher.at
ATMOSPHERE (AT 2026) – Filmdaten beim Österreichischen Filminstitut
www.filminstitut.at/filme/atmosphere
ATMOSPHERE (AT 2026) – Filmladen Filmverleih
www.filmladen.at/film/atmosphere
Erwin Wagenhofer – Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_Wagenhofer
Erwin Wagenhofer auf Instagram
www.instagram.com/erwinwagenhofer.filmmacher
Erwin Wagenhofer auf Facebook
www.facebook.com/p/Erwin-Wagenhofer-Filmemacher-100063198311780
Erwin Wagenhofer auf LinkedIn
www.linkedin.com/in/erwin-wagenhofer-358b2a428


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Musik:
„Leit hoits zamm“ – Haindling
thx an Jürgen Buchner

„Power to the People“ – Junior Kelly
thx and Michael Lechleitner @ Irievibrations Records
 
… und ein bisserl selbst gesungen 😊
thx to me, my voice und eure Schmerzschwelle 

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Viel Spaß beim Reinhören und Entdecken!

Transkript

Wir gehen in eine Altersarmut, das kannst du dir gar nicht vorstellen. In Deutschland, beim letzten Film, den habe ich in Deutschland geschnitten, ich bin gar nicht mehr rausgegangen und in Berlin, so viele Leute gehen da Flaschen sammeln. Warum machen die das? Ich frage. Ich habe mir dann eine Cutterie geschnitten, der Bruder geht Flaschen sammeln. Was hat der Bruder gemacht? Der war sein Leben lang Betriebselektrik in einem Spital. Ja, der kann von seiner Renten nicht leben. Im reichsten Land der EU. Da stimmt was nicht. Du schaust einen Film an und dann reist ihn dann weg.
Willy
00:00:35
Ganz weg. Ein Dialog ist auch weg.
Erwin
00:00:40
Und du kannst ihm aber immer nur der Handlung folgen. Und bist du immer noch interessiert, was passiert da jetzt durch Bilder und so weiter, dann ist der schon sehr kraftvoll. Und dann kommt das andere nur dazu. Das heißt, im Kino haben wir das stärkste Mittel, was wir haben, ist das Bild. Und das, was uns die meiste Atmosphäre macht, und das ist übrigens eine meiner Lieblingsdefinitionen von Filmen, was uns die meiste Atmosphäre macht, ist ja da. Ein Film, wenn er gut ist, dann geht es ja nicht um den Film, der da abbrennt, sondern geht es um den Film, der Film, der da abbrennt, den Kopf der Betrachterinnen und Betrachter auslöst. Und solange das passiert, dass dort ein Film angestoßen wird, im Kopf, im Kopf, im Kopf, solange das passiert, und wirklich deshalb oft.
Willy
00:01:38
Grüße. In dieser Ausgabe des BauertothePeople-Podcast war der Filmemacher Erwin Wagenhofer zu Gast bei mir im Wiener Podcast-Studio. Mit We Feed the World, seinem kritischen Blick auf das globale Ernährungssystem, ist ihm 2005 der Durchbruch gelungen. Der Film gilt bis heute als der erfolgreichste österreichische Dokumentarfilm. Ich spreche mit dem Erwin über seinen Weg zum Film und darüber, wie er sich seinen Themen nähert. Dabei streifen wir immer wieder unterschiedliche Szenen aus seinen Filmen. Der Erwin erklärt auch, warum er nach We Feed the World, nach Let's Make Money und nach Alphabet keinen Sinn mehr darin sah, nur die Abgründe unserer Welt zu zeigen. Mit But Beautiful und jetzt mit seinem neuen Film Atmosphere, da richtet er den Blick wieder stärker auf Lösungen und Inspirationen, an denen man sich dann auch aufrichten kann. Ich glaube, man bekommt in diesem Gespräch ja einen sehr guten Eindruck vom Erwin selbst, seiner Haltung und seinem Zugang zu seiner Arbeit. Mit 65 Jahren denkt er jedenfalls noch nicht ans Aufhören. Er hat es zwar auch ausdrücklich im Gespräch gesagt, man hätte es aber auch so gespürt. Da kommt noch was. Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Freude beim Reinhören, drüben bei YouTube auch beim Reinschauen. Atmosphere kommt am 9. Oktober 2026 ins Kino und dort solltet ihr ihn euch auch anschauen. Das empfiehlt zumindest der Erwin. Das Kino, das schafft nämlich die richtige Atmosphäre für diesen Film. Gut, dann fangen wir an. Erwin, bist bereit? Ja. Danke für deine Zeit. Ich habe mir natürlich eine tolle Einstiegsfrage vorbereitet. Wenn ich richtig gerechnet habe und du das natürlich, dann bist du heuer 65 Jahre alt geworden. Hätte er 45 sein können, aber 65 Jahre. Du hast die Welt bereist und dokumentiert. Stand heute bist du zufrieden.
Erwin
00:03:28
Zufrieden. Zufriedenheit ist, finde ich, schon etwas Wichtiges. Das ist nicht unbedingt, glaube ich, eine Altersfrage. Aber die Unzufriedenheit ist natürlich auch ein Antrieb. Also ich bin nicht so zufrieden, dass ich sage, ich lehne mich jetzt zurück und das war's, sondern ich habe eigentlich nur große Lust weiterzutun, auch wenn irgendeine Sozialversicherung sagt, es ist ein Rentenalter erreicht oder irgend sowas, das interessiert mich relativ wenig. Ich habe mir ganz bewusst mit 16, war glaube ich die Entscheidung, den Beruf ausgesucht, der eben kein natürliches oder eigentlich unnatürliches Ende hat, sondern der eher ein natürliches hat.
Willy
00:04:16
Wir haben es letztens gesagt, wenn meine Brandscheiben turnen bis zur Urne, du wirst filmen bis zur Urne, oder? Das habe ich jetzt richtig ausgehört. Bis zum natürlichen Ende.
Erwin
00:04:26
Naja, aufs Ende habe ich mich noch nicht so vorbereitet. aber...
Willy
00:04:32
Ja, schau, VirtuTip.
Erwin
00:04:35
VirtuTip... Filmen bis zum Ende, solange es Sinn macht, würde ich sagen. Bis zum Ende nicht.
Willy
00:04:45
Wie erkennt man das, wenn es ganz Sinn macht?
Erwin
00:04:47
Das spür man. Das spür man bei jeder Tätigkeit.
Willy
00:04:50
Ja?
Erwin
00:04:50
Ja, ganz sicher.
Willy
00:04:51
Okay. Also bei mir beim Podcast, man spürt, wenn es vorbei ist, dann lasst es einfach. Du spürst aber noch nichts, dass es dem Ende zugeht, quasi der filmerischen Laufbahn. Das heißt, Atmos 4 wird nicht dein letzter Film sein.
Erwin
00:05:01
Ich habe es nicht so vor, sagen wir so. Schön. Es kann ja sein, dass andere es anders mit mir meinen. Das Filmmachen hat ja einen großen Nachteil, dass man sehr abhängig ist von doch Kapital. Man glaubt gar nicht, was so ein Film kostet, relativ viel. Wenn du den unter Anführungszeichen professionell fertig machen willst, dann brauchst du einfach, obwohl ich so viel selbst mache, brauche ich dann doch am Schluss, eine Mischung, ein Grading, das ist alles Geld, ich brauche Geld für Reisen. Rede ich jetzt noch gar nicht von meiner eigenen Gage. Und das muss man immer aufteilen und genau, davon hängt es ja auch ab.
Willy
00:05:46
Ich habe mir eigentlich für einen Schluss aufgeschrieben, weil du das gerade jetzt ansprichst, bist du zufrieden mit der Filmförderung?
Erwin
00:05:54
Der Filmförderung?
Willy
00:05:55
Ja, weil du sagst, es braucht viel Geld. Film ist ja, was ich so recherchiert habe, bitte widersprich mir bei allem, was ich da behaupte, was ein Blödsinn ist, ist ja sehr, sehr förderabhängig eigentlich. Also würde von sich selbst aus, wäre Fosca Dokumentation ökonomisch traugfähig. Oder es ist ja im Prinzip sehr,
Erwin
00:06:12
Sehr förderabhängig. Also vielmehr sind ganz Europa, Amerika ist ein bisschen anders, ausschließlich von Förderungen, oder ausschließlich durch Förderung möglich. Ja. Aber du wirst es nicht glauben, auch die Landwirtschaft ist nur durch Förderung möglich und am allermeisten gefördert werden die Banken. Also bei Film könnte man ja annehmen, das braucht man halt nicht. Und kann man ohne Film erleben und Film ist ja relativ junge Kunst, 140 Jahre vielleicht.
Willy
00:06:44
Technisch bedingt nicht?
Erwin
00:06:46
Ja, natürlich, weil es eine technische Erfindung gab, eben die Filmkamera oder den Cinematografen. Aber was man eben nicht weiß, und das sagt man immer für Wirtschaftsleute, die dann ätzend sagen, sie leben ja von der Filmförderung und, wer zahlt denn in die Filmförderung ein, wo kommt denn das Geld her von den Steuern und wer bringt denn die Steuern, das bringen die Wirtschaft und so weiter und so fort. Und das Interessante ist, dass die, die das am meisten vor sich hin plappern, dann die größten Förderungen kriegen. Und die aber sehr wohl Produkte herstellen wie die Landwirtschaft, die ja von jedem gebraucht werden im Unterschied zu einem Film. Darum erwähne ich es überhaupt. Aber nichtsdestotrotz lebt der Film von der Filmförderung. Ob ich damit zufrieden bin, kann man wieder sagen, wie mit der Zufriedenheit. Einerseits ja, die österreichische Filmförderung ist nicht schlecht. Ich war drei Perioden lang auch in der Projektkommission, wo die Gelder vergeben werden und weiß wie der Mechanismus in etwa geht. Schott nicht.
Willy
00:07:48
Bitte? Schott nicht.
Erwin
00:07:51
Dadurch kann ich das anders beantworten, wie würde ich nicht drinnen gewesen sein. Weil das sind immer zwei Seiten und ich höre dann oft von Kollegen, am Morgen glaube ich kriege ich wieder die Frage gestellt, ja was ist denn, heute ist wieder irgendwas gestanden. Es sind natürlich immer die unzufrieden, die keine Förderung bekommen und du wirst es nicht glauben, ich habe die ersten 39 Jahre meines Lebens keine bekommen. Null. Genau. Das heißt, ich habe mich ganz anders dem genähert und habe mit 39 Mal die allererste Filmförderung gekriegt und dann mit, da war ich 44, meinen ersten Kinofilm ins Kino gebraucht. Da sind andere Karrieren schon längst zu Ende. Also es gibt verschiedene Lebensmodelle. Man kann einerseits sagen, man ist es ist, Es ist die Filmförderung und das, was sich dort abspielt, nichts anderes als ein Zeichen für die restliche Gesellschaft. Wie ich angefangen habe, Anfang der 80er Jahre, gab es eine einzige Filmausbildung in Österreich, das war die Filmakademie. Und dort kamen im Jahr Regie sicher maximal fünf Leute heraus. Und da sind zwei davon vielleicht, in den Markt gegangen, wie man so schön sagt.
Willy
00:09:17
Vollerwerbs.
Erwin
00:09:20
Das ist nochmal eine ganz andere Diskussion. Das kann man auch reden. Und zwei sind vielleicht zum ORF gegangen und einer oder eine hat aufgehört. In der Zwischenzeit gibt es die Filmmarkademie nach wie vor. Und uns daneben gab es auch noch genug Leute, die autodidaktisch das gemacht haben. Das heißt, die haben angefangen bei einem Kameramann oder bei einem Regisseur, und sind dann so eingetreten. Das heißt, es ist ein sehr überschaubarer Nachwuchs gekommen. In der Zwischenzeit gibt es allein in Wien, glaube ich, zwei Medienfachhochschulen. Es gibt einen in St. Böten, es gibt einen in Graz, es gibt einen in Salzburg, und wer weiß, wo noch. Das sind die, die ich kenne. Und da kommen sehr, sehr viele Leute raus, die alle in diesen Markt drängen, wo einerseits die Töpfe gleich bleiben und andererseits die Filme, die rauskommen sich ja teilweise gegenseitig schon behindern das heißt wir haben eine Überproduktion ähnlich wie bei den Lebensmitteln, Und wie man das wirklich gut reguliert, das weiß ich nicht. Der Markt ist es auf jeden Fall nicht.
Willy
00:10:29
Du hast gesagt, du bist spätberufener quasi, oder?
Erwin
00:10:32
Würde ich nicht sagen. Ich bin sehr früh berufen, weil ich habe mit 16 gewusst, was ich tue und das mache ich.
Willy
00:10:39
Aber du hast ja gesagt, mit 39.
Erwin
00:10:42
Die erste Filmförderung.
Willy
00:10:43
Die erste Filmförderung, aber bist du da quasi querfinanziert?
Erwin
00:10:47
Nein, bis dort habe ich fürs Fernsehen gearbeitet. Seitdem habe ich über 150 Industriefilme gemacht, Imagefilme, Ausbildungsfilme. Ich habe alles durchgegangen, was Gott und die Welt verboten hat, was man gar nicht kennt, wo man teilweise gar nicht so schlecht verdient übrigens.
Willy
00:11:07
Aber die Selbstverwirklichung ist nicht so, die Komponente ist nicht so ausgeprägt wahrscheinlich.
Erwin
00:11:11
Um Selbstverwirklichung geht es glaube ich gar nicht. sondern, es geht um einen Erfahrungsprozess zu machen, was könnte man beitragen. Und das ist aber eine ganz normale Sache. Ich weiß nicht, wie viele Leute Auftragsfilme machen. Wenn du einen da dort magst beim Fernsehen, und das machen sehr viele Leute zwischendurch, um Geld zu verdienen, dann ist das eine Auftragsarbeit. Da kommt das Buch und das kannst du anschauen und kannst vielleicht noch ein bisschen, wahrscheinlich nicht einmal bei der Besetzung mitreden, nur in Randfiguren. Die Hauptfigur ist besetzt, weil der Kommissar oder die Kommissarin sucht die Station aus, die das betreibt. Es gibt einen Auftrag und es gibt den inneren Auftrag.
Willy
00:12:01
Und du bist dann ab 39 oder ab wann bist du mehr deinem inneren Auftrag gefolgt?
Erwin
00:12:07
Ich habe immer dorthin gedrängt und habe mir dann ein Limit gesetzt eben mit 40. Und ich habe mir gedacht, wenn ich das bis dorthin nicht schaffe, dann mache ich etwas anderes.
Willy
00:12:21
Was war das gewesen? Was war der Plan B gewesen?
Erwin
00:12:26
Erstens habe ich einen anderen Beruf erlernt und zweitens habe ich mich zu dem Zeitpunkt sehr lange beschäftigt mit dem schmalen Grat zwischen Konsequenz und Sturheit. Also wie lang verfolgt man konsequent eine innere Stimme und ab wann wird es zur Sturheit?
Willy
00:12:46
Jetzt frage ich mich beim Podcasten jede Woche, die vergeht.
Erwin
00:12:50
Gut, dann bist du noch in dem Prozess drinnen.
Willy
00:12:52
Ich bin noch drinnen, ich habe es noch nicht gekannt.
Erwin
00:12:53
Ich habe ihn hinter mir und im Durchgehen dieses Prozesses war es dann eben so, dass ich, ich habe dann einmal eine Phase gehabt, da habe ich Stopp gesagt, aus und in der Phase ist dann losgegangen. In der Phase habe ich dann was loslassen und mit diesem Loslassen bin ich erst auf die richtige Spur gekommen.
Willy
00:13:12
Jetzt wird es therapeutisch für mich, glaube ich. Über das muss ich nachdenken. Schauen wir mal ein bisschen, wo du herkommst. Ich habe gelesen, du bist in Amstetten im Mostviertel auf die Welt gekommen. In welcher Welt bist du damals quasi hineingeworfen worden?
Erwin
00:13:29
Also aus meiner Sicht, weil meine Schwester sagt, ich bin ein Romantiker in eine sehr tolle. Also ich habe... Ich erkläre diese damalige Zeit, das ist aus heutiger Sicht eine völlig andere Welt. Es hat sehr viel zum Beispiel mit dem zu tun, was im aktuellen Film ist. Mein Vater war ein kleiner Beamter, meine Mutter Hausfrau, wir waren vier Kinder. Ich bin viel bei den Großeltern gewesen, vor allem bei der Mutter meiner Mutter, die hatte eine kleine Landwirtschaft mit zwei Kühen und zwei Ziegen und Schweinen und Hühnern und also eigentlich idyllisch. Idyllisch. Was ich damals nicht wusste, ist, wie nah der Krieg noch war. Das war alles irgendwie noch spürbar. Der Opa ist im Krieg verwundet worden und eigentlich an dem er gestorben. Dieser eine, der andere ist sehr alt geworden.
Willy
00:14:38
Du bist 62 geworden?
Erwin
00:14:39
61. Also für mich war das idyllisch da am Land. Und, das Tolle, was für mich eigentlich, glaube ich, das so vom Gefühl so, wir konnten eigentlich machen, was wir wollten. Das hat sich niemand, die Erwachsenen waren beschäftigt mit ganz anderen Dingen. Es gab überhaupt kein Sicherheitsdenken im heutigen Sinn. Wir sind im Wald gerannt und auf die Barmen kreut und dann runtergefallen und dann haben wir uns in Schell angehaut und alles Mögliche. Das hat aber niemand, man hat eher gesagt, du bist selber schuld, bockert oder irgendwas und heute wird man sagen, Gott, oh Gott und da hast du eh einen Helm aufgehabt und ein anderer wird sagen, bist du eh versichert und keine Ahnung. Also diese Diese Art der Freiheit, die haben wir, glaube ich, bis heute auch erhalten in der Arbeit. Und darum war das für mich so idyllisch. Aber was es zu tun hat mit dem aktuellen Film, ich kann mich noch genau erinnern, weil meine Oma hat am Anfang, da wurde alles selbst gemacht. Also fast alles. Brot, also alles.
Willy
00:15:44
Das war noch so eine Subsistenzlandwirtschaft. Eigentlich, genau.
Erwin
00:15:49
Das kann man sich gar nicht mehr vorstellen. Das ist das Interessante. Es war zum Beispiel, was ich kaufen musste, war der Zucker. Und der ist natürlich nicht in so Backeln, wie man das heute hat, sondern der ist in Säcken gekommen, in 50 Kilo Säcken. Die standen, sind am ersten Stock umgestanden, aber irgendwie wurde das dann doch feucht, sodass der Zucker dann immer ganz hart geworden ist. Und es war so eine Aufgabe von mir mit dem Fleischhammer, dann den Zucker zu zerkleinern und zu holen und so. Und dann kam ein Umschwung. Ich habe schon ein paar Mal nachgedacht, wann das genau war. Wahrscheinlich Anfang der 70er Jahre. Da taucht die Uhr plötzlich auch bei uns, der erste Kunstdinger-Sack auf. Und den kann ich mich nur genau erinnern, wie der, und alle haben den aufgeschaut. Und das war der Beginn der sogenannten grünen Revolution. Die haben das grüne Revolution genannt. Und das ist die Landwirtschaft, die industrielle Landwirtschaft, die auch durch den Marshallplan kam, etc. Das ist ja alles von Amerika hergekommen. Genau, Industrialisierung. Das ist der Beginn des jetzigen Endes, sozusagen.
Willy
00:16:52
Und du hast es quasi damals direkt miterlebt, eigentlich.
Erwin
00:16:55
Ich kann mich genau erinnern. In der prägenden Zeit. Genau. Und es war ja so interessant, es waren ja alles so weiße Kugelchen, nicht? Und wenn die dann rausgepreselt sind und auf die Haut und vielleicht hat man geschwitzt oder das heißt, das ist gleich mit der Feuchtigkeit in Berührung gekommen, hat das sofort zum Ätzen angefangen. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass sowas eigentlich was Gutes ist. Ja, weil jetzt stellt man sich einen Wurm vor, der das draufgeschüttet kriegt in der Wiesn und dann regnt und er freizurecht, genau. Und dann diese Säcke, wenn sie leer waren, wurden dann, die wurden aufgehoben, weil es so richtig massive Kunststoffsäcke waren, Nylon hat man damals gesagt.
Willy
00:17:30
Da hat man nichts weggeschmissen.
Erwin
00:17:30
Das Nix ist wegschmissen worden, aber auch in den selben Säcken, da gibt es viele Bilder davon, sind dann im Herbst, Mostviertel, die Most, Birnen und Äpfel gesammelt worden, die waren in die Säcke drinnen.
Willy
00:17:43
Ich wollte gerade sagen, wahrscheinlich die Lebensmittel dann reingeben.
Erwin
00:17:45
Die Lebensmittel reingeben und die hat man dann da gesammelt und zurück zusammengeführt und auspresst und da ist der Most gewesen.
Willy
00:17:53
Ist dir das damals bewusst gewesen oder hat man darüber schon nachgedacht oder war das so habe mich nicht so hinterfragt.
Erwin
00:18:01
Mein letzter Fernsehfilm, den ich gemacht habe für den Bayerischen Rundfunk, der war 2000 und der war über das Mostviertel. Der heißt Der Most und sein Viertel. Gibt es einen schönen Film?
Willy
00:18:12
Natürlich.
Erwin
00:18:13
Naja, das sind ganz viele. Aber das waren alles Trainingseinheiten. Vorbereitung. Der Michael Hanecker, der erzählt ja auch, er hat das Glück gehabt, dass er so viel fürs Fernsehen machen hat können. Fernsehspiele, das gibt es ja heute gar nicht mehr so. Ich kann mich noch erinnern, wie er so einen Film gemacht hat oder Edgell und, Paulus Manka und so. Das waren ja seine Übungs... Übungs... Wie sagt man denn? Einheiten? Training. Training. Das war reines Training für die Kinofilme, die er dann später gemacht hat und die er mir weltberühmt gemacht hat. Und ich habe das halt so trainiert. Und, aber da, eben da 2000, da haben wir dann schon sehr viel über diese Dinge diskutiert, über diese, über diese, das Verschwinden der Hecken, überhaupt der Mostalleen haben sie auch so viel umgeschnitten, damit sie mit dem Traktor über Reine fahren können und jetzt wird das ganz, mit viel Geld wird das jetzt wieder aufgebaut.
Willy
00:19:05
Also ein bisschen machst du auch eine Aufarbeitung deiner Kindheit, wenn man so will. Du hast ja auch Alphabet gemacht, den Film, wie sage ich mal, Alternativen im Bildungssystem oder auch wie man das Bildungssystem verbildet, würde ich jetzt einmal sagen. Was warst du für ein Schüler? Wir sind auch immer in deiner Biografie. Was hat das Bildungssystem mit dir damals gemacht? Wie stelle ich mir die vor?
Erwin
00:19:28
Ich war ein sehr mittelmäßiger Schüler.
Willy
00:19:31
Ach, das gibt mir Hoffnung.
Erwin
00:19:34
Ich habe aber irgendeine raffinierte Methode gehabt, immer durchzukommen. Das heißt, ich bin irgendwie nie durchgefallen. Ich habe eine Methode gefunden, eben das...
Willy
00:19:51
Das ist schon lange her, jetzt wird es.
Erwin
00:19:54
Ja, ich will ja kein Blödsinn sagen, weil von Alphabet, das muss ich dann korrigieren, aber da habe ich ja noch Zeit, weil es werden viele Dinge missverstanden. Die werden einfach missverstanden und dann komme ich erst viel, viel später darauf, dass das missverstanden wird und wenn ich die Möglichkeit und Gelegenheit habe, zu korrigieren, dann versuche ich das zu korrigieren. Ich habe, wie gesagt, nie wiederholt und habe dann irgendwann angeschlossen und, Und, in dieser letzten Phase, HTL schon gemerkt, dass mich das wenig interessiert. Schon ein bisschen Elektrotechnik. Und ich bin heute gar nicht undankbar. Es hat mir oft auch beim Arbeiten geholfen, weil so viele technische Sachen sind. Und ich habe dadurch ein technisches Grundverständnis gekriegt.
Willy
00:20:45
Du weißt ja dann auch bei Philips.
Erwin
00:20:47
Aber aus einem ganz anderen Grund. Wikipedia steht irgendwas drauf, das piekt irgendwer hin und dann piekt das und geht nicht mehr weg. Ob es stimmt oder nicht, ist eine andere Sache. Darum hat man jetzt Gelegenheit, zumindest...
Willy
00:20:59
Sehr schön, bei der Korrektur, ja, Korrektur, sehr schön.
Erwin
00:21:03
Ist mir auch egal, was dort piekt.
Willy
00:21:06
Das muss dir auch ein bisschen wurscht sein, es steht so viel drinnen, oder? Man hat es ja selber nicht in der Hand, was teilweise überall geschrieben wird und selbstständigt sich einfach dann. Und dann recherchiert es irgendeiner und dann kommt es wieder zurück.
Erwin
00:21:18
Kommt wieder Druck und dann kann man darauf reagieren. Ja, aber dann in der letzten Phase habe ich mir schon entschieden, dass ich da was anderes machen werde und habe das aber noch konsequent fertig gemacht.
Willy
00:21:33
Ich frage jetzt deswegen, ich würde jetzt aus der Ferne, jetzt aus der Nähe natürlich heute als einen Menschen beschreiben, der die Welt mit einer gesunden Portion Skepsis betrachtet. Und du bringst in deine Filme diese Kritik ja auch zum Ausdruck. Woher kommt das? Oder ist das eine Fehlannahme, wenn ich das jetzt einfach so unterstelle? oder woher kommt dieser kritische Blick auf die Welt? Ist der damals schon angelegt gewesen oder ist der später gekommen?
Erwin
00:22:01
Der ist wahrscheinlich schon angelegt. Und ich glaube, dass ja jeder Mensch auf die Welt kommt, weil er irgendeine Aufgabe hat. Und die, die sie nicht normieren lassen, und das geht jetzt nämlich im Alphabet um die Normierung des Denkens, nicht Bildung, Bildung ist super. Das ist wirklich was Tolles. Aber die Normierung des Denkens ist nicht so meins. Das habe ich aus irgendeinem Grund mit mir nicht zulassen. Also ich habe mich nicht aus Protest gegenüber irgendwelchen Regeln gewehrt, ich würde nicht auf die Idee kommen, das Ohmschuhgesetz zu bezweifeln. Aber auch wenn ich weiß, dass nur ein menschliches Gesetz ist, es ist ja nur eine Brücke, nur eine Hilfe, damit man irgendwie was beschreiben kann oder eine Berechnung machen kann überhaupt in der Elektrotechnik, wo es so abstrakt ist, weil man ja nichts sieht, den Strom siehst du ja nicht. Und solche Dinge habe ich nicht hinterfragt, aber andere Dinge habe ich von Anfang auch hinterfragt, also ein gutgläubiger Mensch, den man schnell irgendein Blödsinn einreden kann, bin ich nicht.
Willy
00:23:15
Okay, hast du das von irgendwem oder war das einfach in dir drin oder liegt das ein bisschen an, meistens gibt es irgendwann in der Familie, oft überspringt es auch zwei Generationen, da war es die Uhr oder so, aber kannst du das irgendwo festmachen?
Erwin
00:23:29
Mein Vater war ein Sozialdemokrat, wie er im Buche steht. Den gibt es heute nicht mehr.
Willy
00:23:37
Wie schaut er aus? Also nicht der Papa, sondern der Sozialdemokrat, wie er im Buche steht.
Erwin
00:23:41
Im Buche steht das, die haben das Wort Solidarität ernst genommen. Und das Wort sozial. Das heißt, Solidarität war auch das erste Fremdwort, was ich kennengelernt habe. Nicht, weil ich so wissbegierig war, sondern weil die Gewerkschaftszeitung, wo mein Vater Mitglied war, die einmal im Monat kam, so heißt, immer noch so heißt. Und dann irgendwann habe ich halt gelesen, buchstabiert, und meine Mutter fragte, was heißt denn das überhaupt, Solidarität? Das ist ja irgendwie ein Fremdwort. Und dann sage ich immer, das erste Fremdwort, was ich erinnert habe, das hat wahrscheinlich immer, ich mache jetzt da ja keine Selbstanalyse, aber wahrscheinlich hat es mit dem zu tun. Und mit einem Gerechtigkeitssinn, der von der Vaterseite ganz stark kam.
Willy
00:24:28
Und das sollte einfach bis in die Gegenwart einfach nicht mehr loslassen, dieses nicht hinein normiert werden in irgendeine vorgefertigte Sicht auf die Welt.
Erwin
00:24:37
Genau. Das ist, manche Sachen sind ja alles Geschichten. Das ist ja der... Genau.
Willy
00:24:47
Schauen wir mal ein bisschen, wie bist denn du zum Film gekommen dann? Also wie bist du, du hast ja gesagt, du hast eine Zeit lang beim ORF gearbeitet, du hast Auftragsproduktionen gemacht, aber wie bist du auf die Idee gekommen, das ist jetzt meins, das will ich werden? Du hast gesagt, vor allem mit 16. Mit 16 hast du schon gesagt, du warst...
Erwin
00:25:03
Ich habe einen Film gesehen im Fernsehen. Meine Eltern haben sogar ein Kabelfernsehen gehabt. Das war, da gab es fünf Programme. Ich habe ein Kabelfernsehen schon gehabt. Ja, ja, wir haben sehr spät einen Fernseher gekriegt, erst 1972. Mein Vater hat einen Fernseher gekauft, anlässlich der Olympischen Spiele. Das hat dann gleich ein Vorfernseher sein müssen. Dann haben wir geschaut im Vor, das war unglaublich. Die Oma hat schon ein Schwarz-Weiß-Fernseher gehabt, da war alles anders.
Willy
00:25:30
Ich habe 5 oder 18 in Schwarz-Weiß geschaut.
Erwin
00:25:33
Ja, siehst du, wie wir am Fernweh waren. Und da gab es Kabelfernsehen, da war lustig, da waren 5 Programme drauf. Zwei Österreicher, zwei Deutsche, ARD und ZDF und ein Schweizer. Das waren fünf deutschsprachige Programme. Da habe ich irgendwann einmal mit 16 am Abend, die Eltern haben schon geschlafen, umgedrückt und habe dann einen Schwarz-Weiß-Film gesehen, der mich so fasziniert hat, dass ich gesagt habe, das mache ich.
Willy
00:26:02
Was war das für ein Film?
Erwin
00:26:03
Coul de Sack. Auf dem französischen Begriff für Sackgasse. Danke. Der deutsche Verleihtitel ist »Wenn Kadelbach kommt«, das ist ein Film aus dem Jahr 66 von Roman Bulanski, der mich bis heute fasziniert, den habe ich sicher 60, 70 Mal bis heute gesehen. Und genau, dieser Spur bin ich dann nachgegangen.
Willy
00:26:31
Was hat denn den Film so fasziniert? Im Endeffekt war es das zentrale Ereignis in deinem Leben. Der Vorbfernseher, Kultesack. Von der Frau mei wusste der Junge, ja, das ist mein Richtung.
Erwin
00:26:44
Ja, das ist, da müsste man, ich bin schon gestorben, aber ich war ein Niki Lauder gefragt, was war das zentrale Erlebnis, warum Autorennfahrer geworden ist? Weil er irgendwann einmal wahrscheinlich in der Kokart eingestiegen ist und durch die Gegend gekurvt ist und es war nicht das Kogart oder irgendwas, sondern es war irgendein Moment, der in eine Selbstresonanz führt. Es schwingt was an und dann sagst du, das machst du.
Willy
00:27:05
Das lässt dich nicht mehr los.
Erwin
00:27:06
Das lässt dich nicht mehr los. Man kann sagen Berufung. In dem Wort Beruf steht der Begriff Ruf drinnen. Das ist das, was dich ruft. Und das hat eben mich gerufen. das haben leider sehr wenige Leute sehr wenige Leute trauen sich das auch zu weil die machen dann was obwohl es ruft eigentlich der Gärtnerberuf aus irgendeinem Grund weil sie Pflanzen gern haben, aber der Vater sagt nein, nein, wir haben da eine Rechtsanwaltskanzlei die ist zu übernehmen und dann muss der arme Bursch oder der arme Tochter muss dann Jus studieren und kreilt sich irrsinnig an und ist ihr Leben lang unglücklich unter Umständen, muss nicht sein, kann ja sein, dass genau das Richtige ist und bei mir war es eben so, Und das ist nicht so, dass man jede Stunde in dem Beruf glücklich gemacht hat, aber über die längere Zeit gesehen überwiegt die Zufriedenheit, das war deine Eingangsfrage, doch. Überwiegt sie.
Willy
00:28:08
Ja, ich denke mir so, jedes Mal, du hast ja gesagt, mit 39 hast du dann quasi den ersten Film mit der Förderung gemacht. Ich habe mit 40 begonnen zu podcasten, ich hätte mir das auch nie traut, wenn ich nicht noch einen Schritt kriegt hätte damals von Corona und seitdem mache ich das. und das war eigentlich das, was ich vor Anfang an heute machen soll. Das ist genau meine Berufung. Also man kann sich finden, aber ich bin mir jetzt durchgestessen. Also ich hätte es von selber nicht gemacht, sondern ich habe quasi ein eigenes gebracht, was mich in die Richtung geschoben hat. Von selber hätte es mich nicht traut wahrscheinlich.
Erwin
00:28:37
Das sind eben verschiedene Prozesse, aber die Veränderungen kommen eben sehr oft durch schmerzhafte Dinge. Das ist ja bei vielen anderen Leuten genauso. Eine Trennung oder eine schwere Krankheit oder gar ein Tod von einem nahen Bekannten und dann gibt es eine Veränderung. Und dann geht man einen Weg ein und sagt, Moment einmal, das mache ich jetzt so nicht mehr weiter.
Willy
00:29:00
Beschreibe mal ein bisschen die Jahre. Würdest du dich aus heutiger Sicht aus Dokumentarfilmen beschreiben? Ist es denn dein Genre, wo du sagst, so würde ich mich identifizieren, das ist ein Auserbringungswort?
Erwin
00:29:13
Nein.
Willy
00:29:14
Nein, wie würdest du dich beschreiben?
Erwin
00:29:16
Ich beschreibe mich als Filmmacher. Ich bin ein richtiger Filmmacher. Oder Filmmacher. Naja, ich mache immer noch einen nach dem anderen. Ich mache nicht mehrere gleichzeitig.
Willy
00:29:25
Inzwischen hast du aber Filme gemacht.
Erwin
00:29:27
Ja, okay, das ist ein Wort Begriffsausschlachtung. Aber als das würde ich mal bezeichnen. Und ich habe einen fiktionalen Kinofilm auch gemacht und ich habe einen im Kopf noch oder mehrere sogar. Das hängt dann von anderen Umständen ab. Das ist das, was auch oft die... Wie entsteht das Dokumentarische? Ich nutze es für mich dort, wo es dramaturgisch am interessantesten ist. Ich kann es einem Beispiel erklären, das ganz aktuell ist, nicht von mir ist. Ich habe den Film noch gar nicht gesehen, aber der ist jetzt vor kurzem, vor zwei Wochen in Venedig ausgezeichnet worden. Der Film über diese israelischen Soldaten, die in Tel Aviv angeblich auf Dächern meistens, nächtens aufgenommen wurden und dort erzählen über ihre Erlebnisse in diesem Krieg gegen, in dieser Gaza-Konfrontation. Und also ich habe, ich weiß jetzt nicht einmal den Titel, aber ich weiß, dass es einen Film gibt. Ich fange jetzt in der Filmakademie im Herbstsemester, eine Reihe an mit Studierenden, da werden wir als erstes den Film anschauen. Und also was dort ist, ist, dass junge, wahrscheinlich junge israelische Soldaten erzählen, was sie dort erleben in diesem Krieg. Und das ist etwas, was du nur dokumentarisch machen kannst. Und du das besetzt mit Schauspielern, die Soldaten spielen und mit den Besten, die es gerade gibt. Und dann kannst du das alles viel besser machen, weil du kannst das Skript schreiben, du kannst das wiederholen. Weil das ist ja der große Unterschied zum Beispiel, dass Schauspieler ja trainiert sind, einen dritten, einen fünften, einen zehnten Tag zu machen, sie wirklich in die Rolle hinein zu versetzen und so weiter und so fort. Aber wenn dann dieser Film zum Beispiel fiktional wäre mit wer auch immer jetzt in so ein alter, Decaprio ist es nicht mehr der war es einmal vor 20 Jahren so einen jungen Soldaten darstellen könnte und wir nehmen wirklich die besten der Welt und die machen das perfekt, Am Schluss würde das Publikum rausgehen und sagen, war aber eh nur ein Film.
Willy
00:31:48
Das ist ein bisschen wie der Uncanny Valley-Effekt, dass man versucht, etwas nachzustellen mit Animationen, aber man spielt es immer, dass da fehlt was.
Erwin
00:31:59
Ja, Animationsfilm ist dann nur mehr eine andere Sache.
Willy
00:32:02
Ja, das ist umschrieben mit dem Effekt.
Erwin
00:32:05
Genau. Und dadurch, dass das aber echte Soldaten sind, gibt es diese Ausrede beim Rausgehen nicht. Und das ist ein dramaturgischer Impact. Den die Filmmacher dort damit erzeugen. Das heißt, darum heißt es ja Dokumentar. Das ist ja dokumentiert, das heißt beglaubigt eigentlich. Dokument ist ja etwas Beglaubigtes. Ich wehre mich ja mit diesem Begriff. Der Begriff ist sehr….
Willy
00:32:30
Das ist Dokumentar.
Erwin
00:32:32
Ja, ist wurscht. Aber weil du die Frage so direkt stellst. Das heißt, das ist ein dramaturgischer Zugang für mich. Und nach dem ist zu orientieren. Es gibt ja Leute, die Dokumentarfilme sind in der Regel billiger als ein Spielfilm, eben weil die Kosten für die Schauspieler nicht da sind und die sind sehr hoch. Das sind sicher die Hälfte des Budgets. In Hollywood wahrscheinlich mehr. Und ein Million ist leichter aufzustellen als vier oder 500.000 ist leichter aufzustellen als drei und so weiter. Und jetzt gibt es viele Leute, die eben nicht den Zugang haben zu so hohen Budgets und dann so ein bisschen Fake machen. Es gibt ja auch Mischformen, es gibt ja, Spielfilme, die praktisch mit Laien besetzt werden. Der Übergang ist irgendwie fließend oder weich. Aber ich fühle mich als Filmmacher und würde das so einsetzen, dass ich sage, diese Themen, die jetzt dazu bearbeiten, Also die bearbeitet habe, die sind dokumentarisch besser zu bearbeiten gewesen und darum habe ich es so gemacht.
Willy
00:33:46
Okay, also das Thema hat da quasi den Zugang vorgegeben.
Erwin
00:33:51
Genau.
Willy
00:33:51
Okay, das heißt, du hast ja mal Black, Brown, White einen Spielfilm bis jetzt gemacht, glaube ich, in Eigenregie. Verzeih mir bitte meine begriffliche Unsauerheit.
Erwin
00:34:02
Was meinst du mit Eigenregie?
Willy
00:34:03
Den hast du produziert.
Erwin
00:34:04
Nein, nein, nein, den hat der Allegra Film produziert.
Willy
00:34:06
Okay, das war bis jetzt der einzige Spielfilm von dir, den ich gefunden habe, oder? Ja. Ist aber nicht so, und danach ist da keiner mehr gekommen, bis jetzt. Das hast du eh vorher gesagt, es könnte vielleicht noch einer kommen. Mein Eindruck war jetzt einfach so, dieses Dokumentarische, dieses Festhaltende von etwas Echten, nicht etwas Nachgespielten. We fit the world, let's make money, atmosphere, but beautiful, jetzt Alphabet, what you like, jetzt Atmosphere. Sie sind alle sehr, sehr, also verzeih mir, Sie sind alles sehr, sehr nicht ähnlich, aber sie haben einen ähnlichen Stil, ähnliche Geschwindigkeit. Es hat sich vielleicht ein bisschen was geändert über die Jahrzehnte inzwischen schon fast. Aber es war immer so, ich hätte es als dokumentarisch beschrieben.
Erwin
00:34:51
Ja, das ist ja so.
Willy
00:34:53
Und es waren aber einfach immer deine Themen, die sind zu dir gekommen. Du hast gesagt, das Beste, um dieses Thema jetzt irgendwie auf Leinwand zu bringen, ist es, es zu dokumentieren und nicht es nachzuinszenieren. Oder ist bei dir so dieser Hang etwas zu dokumentieren, schon auch ein bisschen drin. Also die Unterstellung, die ich gemacht habe, ist Dokumentarfilm, was du jetzt natürlich für ein Eins hast oder so. Aber ist das die ehrlichere, authentischere Art und Weise, etwas auf Leinwand zu bringen?
Erwin
00:35:19
Da haben wir offensichtlich da vorher nicht gescheit ausgedrückt.
Willy
00:35:22
Ja, aber ich horche auch oft.
Erwin
00:35:24
Ähm... Also bei Wifid war es ja noch so, der ist ja entstanden aus einem Film, den wir davor gemacht haben. Das war genau diese Zeit um die 40, wo ich gesagt habe, wo ich da loslassen habe, so ein paar Monate und dann, das hat richtig gut getan.
Willy
00:35:51
Entschuldigung, noch einmal, was hast du loslassen damals?
Erwin
00:35:54
Ich habe mir dann gedacht, her auf, ich lasse das los, ich lasse die Filmerei los, habe auch im Sommer was anders gemacht mit einem Freund, Restaurator, mein Viertel, hauptsächlich und auch in Wien. Kirchen und solche Sachen restauriert. Im Freien, Denkmäler.
Willy
00:36:16
Also im Kopf wirklich weg vom Film?
Erwin
00:36:17
Komplett weg. Es war total super. Es war echt super. Ich bin ein sehr handwerklicher Typ.
Willy
00:36:22
Und dann innerlich loslassen ein bisschen.
Erwin
00:36:24
Innerlich, komplett. Es hat mich richtig befreit.
Willy
00:36:28
Dass man es einfach mal wegthaut.
Erwin
00:36:30
Genau. Und dann urplötzlich kriege ich einen Anruf von jemandem, ob ich nicht diesen und jenen Film machen will. Was ich selten kriege. und das war der Christoph Steinbrenner, der kannte meine Arbeit davor und der hat die geschätzt und der hat gesagt, ich habe da ein Kunstprojekt und das spielt auf Wiener Märkten, willst du das nicht mitdokumentieren? Und ich habe gesagt, okay, wie finanzierst du das? Das ist überhaupt kein Problem, 7000 Euro habe ich schon. Ich habe von der Wiener Filmförderung. Ich habe gesagt, ja, interessant. Amt. Und tatsächlich sage ich, okay, das schaue ich mir an, machen wir mal einen Termin mit dem Herrn Zabrell damals, Dr. Zabrell, der der Chef damals war, und wir haben einen Termin mit dem Zabrell gehabt, und er hat wirklich gesagt, da könnt ihr 70.000 Euro, könnt ihr sofort haben. Und der kannte mich ja und hat mir auch geschaut und gesagt, aber eins brauchen wir, eine Produktionsfirma. Das können sie nicht selber machen. Dann hatte ich da davor mit dem Helmut Grasse eben von Allegra Film ein Drehbuch entwickelt, das wurde aber nicht gefördert. Und dann habe ich den angerufen, und habe gesagt, du, das ist so und so, und der hat sich irgendwie auch so gewundert, gesagt, das schaue ich mir auch an, und dann haben wir irgendwie diese 70.000 Euro genommen, und weiß nicht, gab es nur ein bisschen Geld, und haben eben dieses Kunstprojekt dokumentiert. Und. Das haben wir gemacht. Das ist ein lustiger Film geworden. Und im Zuge dessen sind wir auf drei Wiener Märkten da die ganze Zeit herumgestanden. Am Kamiliter-Markt, am Viktor-Adler-Markt und am Meidlinger-Markt. Und ich habe mir in vielen Drehpausen diese Märkte irgendwie angeschaut und gesagt, auf diesen Märkten, das Einzige Interessante auf diesen Märkten sind eigentlich die Produkte. Wo kommen die her? Wir reden von einer Zeit, wo Globalisierung gerade so aufgekommen ist. Und da habe ich mir schon im Kopf ausgemalt, wenn du so einen Tomaten nachgehst oder ganz wurscht, was da liegt. Dann bist du auf der ganzen Welt und wie der Film fertig war habe ich eigentlich gesagt, also am meisten hätte mich eigentlich das interessiert wo es herkommt wo es herkommt und, aus dem ist dann We Feed the World geworden und, das haben wir mit Mini-Budget, das waren damals 220.000 Euro gemacht zu zweit, ich habe da gerade eine junge Frau, die als Volonteurin da bei mir angefangen hat und, Und so haben wir, der Gras hat dann gesagt, ja schreib eine Einreichung und so und dann haben wir eine Einreichung geschrieben und dann haben wir ein bisschen Geld gekriegt und er hat genug Referenzmittel gehabt, müsste man erklären, was das ist, das ist, in Englisch heißt es Success Money, das ist leichter erklärt, das heißt, der hat da vorhin einen Film gehabt mit dem Ulrich Seidel, der war sehr erfolgreich, das heißt, da hat er Geld bekommen als Produzent. Da hat man so Punkte.
Willy
00:39:27
Glaube ich, habe ich gelesen,
Erwin
00:39:28
Oder? Ja, Punkte, genau.
Willy
00:39:28
Punkte und jeden Jahr, Punkte du sammelst jetzt zum Jahr.
Erwin
00:39:31
Punkte ist eins zu eins Geld am Schluss, aber nicht Geld, das du da einsteckst und kaufst ein Auto oder einen Kühlschrank, sondern Geld, wo du, das musst du in den nächsten Film stecken. Und das kann aber der Produzent frei entscheiden, was eine sehr vernünftige Einrichtung ist eigentlich, weil dadurch kann ein Produzent jungen Leuten, ich war zwar nicht mehr so jung, aber auch noch, die sonst die Schwierigkeit haben, eine erste Förderung nicht zu bekommen, weil sie No-Names sind.
Willy
00:39:59
Also Mentor, der ein bisschen unterstützt sich einfach.
Erwin
00:40:02
Er hat gekriegt Geld, um junge Talente zu fördern, wo er meint oder sie meint, das sind junge Talente.
Willy
00:40:08
Also explizit ein Teil der Förderung.
Erwin
00:40:10
Genau.
Willy
00:40:10
Junge Leute mit reinzuholen,
Erwin
00:40:12
Auszubilden. Das ist die Idee gewesen, diese Referenz der Mittelförderung, die es nach wie vor gibt. Die wird teilweise anders verwendet oder missbraucht, kann man eigentlich sagen, aber in dem Fall ist sie nicht missbraucht worden. Und er hat in Wifid eben da ein bisschen Geld reingesteckt. Für ihn waren das Nasenrammeln in Wirklichkeit. 220.000 Euro, das kann man sich gar nicht mehr vorstellen. Der Film hat Millionen eingespielt. Und so ist das Ganze in Gang gekommen. Und das ist aber nur in Gang gekommen, weil wir so klar waren und dadurch hat auch keiner drauf geschaut. Wir sind eigentlich gar nicht beachtet worden, weil die haben einen Riesenfilm produziert, der heißt der Henker. Und der war damals der erste Film in Österreich. Bis dorthin, glaube ich, drei oder fünf Millionen, ich weiß es nicht mehr. Ist auch egal. Relativ viel. Da sind wir wieder genau beim Unterschied. Man kann eben mit einem relativ kleinen Budget, wo man weiß, wie man es einsetzt, was Vernünftiges machen. Und das kann es mit einem fiktionalen Film so nicht. Oder nicht mehr. Das ist früher mal gegangen. Aber jetzt ist das auch mit gewissen Kollektivbedingungen so. Du müsstest, glaube ich, extra unterschreiben, wenn du einen Tonmann oder Tonfrau, engagierst und der nicht den Kollektivvertrag bezahlt kriegt. Dann, glaube ich, ist das gar nicht so einfach arbeitsrechtlich.
Willy
00:41:37
Die Landwirtschaft lernt man dafür, dass seither die Bürokratie furchtbar zugenommen hat und dass die Verwaltungs- und Bürokratiekosten sehr sehr viel von den Mitteln verschlingen. Ist das im Film ähnlich? Das ist fast ein bisschen so rausgehört.
Erwin
00:41:51
Das kann ich nicht sagen, weil ich so große Filme ja nicht mache. Ich weiß, dass die Bürokratie enorm zugenommen hat mit diesem ganzen Green-Filming und mit…, Nachhaltiges Filmen.
Willy
00:42:04
Oder?
Erwin
00:42:05
Nachhaltiges Filmen, genau.
Willy
00:42:06
Jetzt habe ich wieder so ein Reizwort gesagt. Oder was ist Green-Filming? Also ich denke bei Green sofort wieder an Vorgaben, dass du irgendwie CO2-neutral irgendwas produzieren musst. Ist das das?
Erwin
00:42:16
Es sind solche Ideen. Auch da muss ich wieder sagen, es gibt positive Seiten, weil es, ich war ja als Kameraassistent auch schon, habe ich Spielfilme mitgemacht und so Filmteams, das sind die größten Zau-Baddeln, die es gibt. Die kommen an einen Ort und der ist danach verwüstet. Da liegt alles herum, das zeigst und so. Und damit hat das Green-Filming ein bisschen aufgeräumt. Was Sinn macht. Genau, das macht total Sinn. Das ist keine Plastikflaschen mehr und das und das und das und das Essen muss irgendwie, sollte irgendwie also nicht regional und so weiter und so fort. Meinetwegen weniger Fleisch, ich weiß es ja nicht. Da gibt es genau, da gibt es wirklich Dinge, die machen Sinn. Was nicht Sinn macht, sind so Kompensationssachen. Und dadurch entsteht aber ein unglaublicher bürokratischer Aufwand, aber da muss ich jetzt sagen, das macht bei uns die Sabine, das mache nicht ich, die ist mit dem wahnsinnig beschäftigt.
Willy
00:43:24
Sabine Grichbaum?
Erwin
00:43:25
Genau. Die würde dir da mehr dazu sagen können. Ich kenne ein bisschen das Jammern des Aufwands. Der bei uns insofern, und ich habe ja auch mal mit dieser Chefin der Grin-Filming-Abteilung zu tun gehabt, und habe ja auch gesagt, das Einzige, was bei uns wirklich, die Art und Weise, wie wir Filme machen, Herausforderung ist, ist die Fliegerei. Das ist wirklich das Einzige, weil das ist weltweit und ich kann nach Brasilien nicht zu Hause gehen. Und auch nicht beim Rauf fahren. Ich habe dir mal überlegt, sogar mit dem Schiff zu fahren.
Willy
00:44:05
Ein gleicher Doku machen vor der Überfahrt, oder?
Erwin
00:44:07
Natürlich, nicht der Doku, sondern ich hätte es reingenommen, auf der Überfahrt, weil es fahren 50.000 Frachtschiffe auf der Welt herum und was ist da drinnen? Und das hätte ich mir von den Kapitänen sagen lassen.
Willy
00:44:20
Ist da quasi Umwegrentabilität gewesen in dem Fall schon.
Erwin
00:44:24
Ja, ob das so viel umweltfreundlicher ist, weiß ich nicht. Und auch aber die anderen Dinge die brauche ich nicht, ich isse kein Fleisch, ich tue nicht das, es sind Sachen, die sind sehr fragwürdig, du musst nachweisen, wo du deinen Strom beziehst. Es mag schon sein, dass es grünen Strom gibt, aber der ganze Strom ist ein Riesenmix und da wird eingespeist und ob dann da jetzt bei dir der grüne Strom rauskommt oder der Atomstrom, das weißt du gar nicht.
Willy
00:45:01
Das ist eine Leitung,
Erwin
00:45:02
Nicht?
Willy
00:45:04
Das ist eine Mengenbalanzierung, wie es so schön heißt, dass wir Schützelt haben.
Erwin
00:45:09
Und dann musst du aber nachweisen, wo kommt der Strom her und dann, also es gibt schon auch nicht so... Flauschige Dinge.
Willy
00:45:22
Ja, es ist oft so, man fängt mit einer guten Idee an, du hast es ja selber beschrieben, und dann ja, da muss man es halt irgendwie festschreiben in einer Regel, die Regel muss kontrolliert werden. Ich kann mich erinnern, ich habe mal den Urs Nigli im Gespräch gehabt und der hat auch über die Bio-Verordnung, das ist was anderes, aber vielleicht eine nette Parallele gesagt, das Beste, was jemals der Bio-Szene wieder vorne ist, war die Bio-Verordnung und das Schlimmste war die Bio-Verordnung, weil ab dem Zeitpunkt, wo es quasi dann reglementiert worden ist und dann irgendwie kodifiziert worden ist, hat sich nichts mehr bewegt und es war einfach ein starres System mit viel Bürokratie etc., an dem sich nicht mehr viel ändern hat können. Das erinnert mich ein bisschen auch an diese eigentlich guten Ambitionen, die man oft hat und dann geht es darum, wie kontrolliere ich es jetzt und dann fängt es an, dass es irgendwie schwierig wird. Genau.
Erwin
00:46:12
Und dann, werden neue Arbeitsplätze geschaffen, aber das steckt ja immer dahinter. Da ist glaube ich gerade jetzt, wo das System ans Ende gerät oder an die Grenzen, sagen wir so.
Willy
00:46:27
Ja gut, du hast, wie viel der Welt war 2005, du hast ja damals auch schon im Prinzip das System dokumentiert, das an die Grenzen kommt, oder? Also wir kommen dann quasi seit 20 Jahren an die Grenzen. Sind die Grenzen so elastisch?
Erwin
00:46:48
Also ich würde sagen, in diesen 21 Jahren ist eine völlig andere Welt entstanden. Der große Schock kam ja 2008, da habe ich auch einen Film dazu gemacht, mit diesem sogenannten Finanzcrash. Weil es kein Finanzcrash war, auch keine Bankenkrise und Eurokrise, was dem alles erzählt wird, sondern es war eigentlich ein Kapitalverbrechen. Das System hat sich voll bedient. Die Verantwortlichen dahinter haben das mit vollem Bewusstsein gemacht. Ich will Ihnen nicht unterstellen dass Sie die Welt an den Rand der Möglichkeiten bringen wollten aber Sie wollten das System wieder mal ausnehmen, es wurde mit Steuergeld wieder beglichen weil es gar nicht anders geht und von dem haben wir uns nie mehr erholt und das ist ein anderer Schock als der 2005 war ja kein Schock sondern da war halt der Film wie feed. Und in der Zwischenzeit kommen die Leute aber drauf, dass da was nicht stimmt. Und das ist der große Unterschied. Weil das System oder das System, was ist das System? Das System nennen sie Neoliberalismus. Der Neoliberalismus. An dem weder was Neo noch was liberal ist, also die komplette Fiktion, ist ein System, was erstens schon sehr lang gibt, darum ist es nicht Neo. Das gab es auch schon in den 30ern bei der Finanzkrise, das ist immer wieder der gleiche Versuch, das Geld von unten nach oben zu pumpen. Von den weniger Wohlhabenden zu den sehr Wohlhabenden. Und was machen die damit? Die pumpen es wieder in den Kreislauf, um wieder Geld rauszuholen. Und das Spiel wiederholt sich so lange, bis was zusammenbricht. Dann bricht es zusammen oder es kommt zu einem Krieg, dann wird alles nieder, dann verdient die Waffenindustrie und irgendeine gewisse Schicht verdient immer und immer. Das ist so. Und jetzt stehen wir wieder an so einem Punkt. Und nur mit dem Unterschied, dass es soziale Medien gibt, dass es neben den Mainstream-Medien. Solche Sachen gibt, zum Beispiel, was du da magst, wo Menschen sich auch andere Informationen holen können, das hatten sie damals nicht. In den 80er Jahren hat man ein paar Zeitungen gehabt, gar nicht wenig übrigens, da hat man lesen können und dann hat man auch gesagt, der gebildeter Mensch ist, wenn man am Tag drei verschiedene Zeitungen liest. Durchaus auch mit unterschiedlichen Zugängen, weil die Arbeiterzeitung hat natürlich was anderes geschrieben wie die Presse und die Süddeutsche hat was anderes geschrieben wie die Frankfurter Allgemeine und so weiter. Und da konnte man sich, wenn man lesen konnte, auch zwischen den Zeilen lesen und wollte, sehr ein gewisses Bild machen, Bildung, ein Bild bilden oder ein Bild von dem machen, was in etwa auf der Welt ist. Und das hat sich jetzt aber noch mal erweitert. Und diese Medienkompetenz, die ist ja... Die. Wird ja immer mehr von den Mächtigen kontrolliert. Weil die kaufen dann die Medien. Und man weiß, dass zum Beispiel im Deutschen Spiegel, der Spiegel war immer der große Bruder des kleinen Profils zum Beispiel. Ich kann mich erinnern, er hat vielleicht nach Österreich gespiegelt. Nach Österreich gespiegelt hat er das Profilkasse. Genau, ich habe mein Vater nochmal. Das hat ja alles andere Gewichte gehabt. Ein Jahr lang oder mehrere Jahre hintereinander zwei noch nicht mehr ein Profil-Abo geschenkt. Und da kam das wöchentlich und das war Informationsquelle.
Willy
00:50:44
Das hat man auch noch gelesen damals. Das hat man nicht in den Tank genommen und hat das wirklich vorhin bis hin teilweise durchgelesen.
Erwin
00:50:49
Das ist heute eben ganz anders geworden. Das heißt nicht, dass alles besser geworden ist. Überhaupt nicht. Bei den Alternativmedien muss man sehr aufpassen. da ist auch sehr viel Schrott dabei.
Willy
00:51:01
Immer schönes Impressum schauen.
Erwin
00:51:04
Impressum schauen, wie auch immer. Es sind Erzählungen. Es sind Erzählungen, die leider, gerade in der jetzigen Zeit, sehr oft mit Dogmen und Ideologien verbunden sind. Und. Es kippt jetzt gerade ein bisschen. Man glaubt nicht mehr, dass. Darum kippt es ja politisch so. Darum kippt es ja bei den Wahlen so weg. Wir haben beim Reingehen darüber geredet. Rechte Parteien gewinnen einen irrsinnigen Zulauf, aber nicht so, weil die alle jetzt rechts waren über Nacht und auch gar nicht so, weil da so attraktive Figuren drinnen sind. Sondern weil die anderen so ausgelassen haben. Ja, die Sozialdemokraten sind orientierungslos und sie geben uns keine Orientierung mehr. Und eine Arbeiterpartei, die sich nicht mehr um die arbeitende Bevölkerung kümmert, die brauchen wir nicht mehr. Und aus dem Grund gehen sie woanders hin, nicht weil sie diese Leute so gern haben, sondern aus einem, wahrscheinlich sogar aus einer Verzweiflung, ich mache es ja nicht, aber ich habe auch Schwierigkeiten, wenn ich solle wählen heute mit jemandem telefoniert, seit 40 Jahren wähle ich immer den geringsten Schaden und nicht das, was ich eigentlich wirklich gern wählen würde, und das macht die Demokratie sehr, sehr und das muss ich dazu sagen und darum hat das mit 2008 so viel zu tun und das ist der Unterschied, weil da war ja deine Frage, es hat sich nichts geändert seit 2005, damals waren die Grenzen auch schon. Nein, nein, das ist jetzt schon ganz anders. Das ähm. Es gibt, dieses neoliberale System gibt uns keine Orientierung mehr. Und darum sind wir orientierungslos geworden.
Willy
00:53:08
Warum gibt es uns keine Orientierung mehr? Weil zu viel Angebote da ist? Zu viel Freiheit?
Erwin
00:53:14
Oder zu viel… Freiheit weiß ich nicht, was du mit Freiheit meinst.
Willy
00:53:18
Zu viele Wahlmöglichkeiten, das habe ich jetzt hier gemeint. So die Möglichkeit, sich theoretisch in sehr, sehr viele Lebensrealitäten hineinzudenken. Viel Angebote, zumindest was über Social Media vermittelt wird, was alles möglich wäre. Es gibt nicht mehr so diese Beschränkung, wie du es früher gehabt hast. Erst hat man Klassen gehabt, dann war man in der Schicht drinnen und so weiter. Also man hat potenziell sehr viel Freiheit. Ob man es dann wirklich hat, ist eine andere Geschichte. Aber es erschlackt dir schon die Möglichkeit von Freiheit. Das ist so ein bisschen meine Frage.
Erwin
00:53:49
Schon, aber das neoliberale System hat ja mit den Social Media nichts zu tun. Das gibt es ja schon so lange. Was ich sagen wollte, ist, der Neoliberalismus, Der Neoliberalismus, der ein alter Hut ist, der ist a priori demokratiefeindlich. Der ist eigentlich mit einer Demokratie nicht in Verbindung zu bringen. Und auf das kommen die Leute jetzt drauf. Meinetwegen durch Social Media, das weiß ich nicht. Ich habe es ja auch nicht analysiert. Ich analysiere diese Sachen am Rande eher, aber nicht wissenschaftlich oder, nach einer Methode. Das mache ich ja nicht. Es sei denn, ich mache einen Film darüber, dann bin ich schon relativ fit in dem Thema. Und wie ich den Geldfilm gemacht habe, war ich ja auch, ich war ja erstaunt darüber, da haben alle gesagt, das ist ein Hellseher, ich war überhaupt kein Hellseher. Jeden, den du gefragt hast in der Geldwirtschaft, der sich auskennt hat einigermaßen, der hat gesagt, das kommt. Das Einzige war es, der Crash, das Einzige war es nicht klar, wann er kommt. Dass es dann so genau am Punkt war, das war, wenn du willst, Zufall. Und es tun aber eine gewisse Schicht dazu, als hätte es nie was davon gehört. Und die sind nicht ehrlich. Und das ist jetzt genau das Gleiche wieder. Das ist jetzt genau das Gleiche. Die sind nicht ehrlich. Und das ist, wenn wir jetzt zum aktuellen Film kurz springen, die Problematik nach so einem Hitzesommer. Der vielen aufgezeigt hat, irgendwas stimmt da nicht mehr. Oder zumindest das Gefühl gegeben hat, irgendwas stimmt da nicht mehr. Weil von dem bin ich ja auch ausgegangen. Ich gehe von dem aus, das Einzige, was wir alle beobachten können oder was wir wirklich beobachten können, weil man muss ja sinnlich erfahren. Das andere sind ja irgendwelche Informationen. Aber sinnlich erfahrbar für uns ist, dass es wärmer wird. Das ist einfach so. Wenn du eine gewisse Zeit lang da bist, dann weißt du, dass sie die Winter verändert haben, dass sie die Sommer verändert haben.
Willy
00:55:47
Da sind wir ja schon eine Zeit lang da.
Erwin
00:55:51
Da brauchst du kein Wissenschaftler sein, du brauchst nicht einmal ein Thermometer, du brauchst nur vom Praterstern in den Prater reingehen, das sind keine 500 Meter, und du hast einen Temperaturunterschied von 5 bis mehr Grad im Juli an einem heißen Tag. Dann müsste das Motto eigentlich sein, Cooling the World. Wie kriegen wir das? Und das war der Zugang eigentlich zum aktuellen Film. Und parallel dazu sind die Gemüter auch sehr überhitzt durch die Vorgänge der letzten Jahre. Ich würde einmal sagen, der letzten zehn Jahre auf jeden Fall.
Willy
00:56:26
Ist der Titel, also hinten steht aber der Titel Atmosphere, neuer Film ab 9. Oktober jetzt im Kino, also was jetzt vorher, nachher bald ist es soweit. Was machst du mit Atmosphere? Also beschreibst du im Prinzip jetzt in den letzten zehn Minuten, beschreibst du eigentlich so eine atmosphärische Stimmung, die sich verändert hat. Interpretiere ich das richtig?
Erwin
00:56:48
Genau. Also einerseits ist es so, dass wir überhaupt, die Erde ist ja, darum ist ja der Astrophysiker in dem Film auch drinnen, der einzige Planet bis jetzt, vielleicht haben sie schon einen zweiten entdeckt, der eben diese Atmosphäre hat, also diese dünne Schicht zwischen, ich sage jetzt einmal, Erdoberfläche und bevor dann die Stratosphäre beginnt, das ist, weiß ich nicht, 11, 15 Kilometer, dünner Schicht rund um den Erdball, die so geworden ist durch die Evolution, wie sie nun ist und die ermöglicht und wir sind erst relativ spät gekommen, vor 200.000 Jahren der Homo Sapiens und Neandertoller vielleicht schon ein bisschen länger, wahrscheinlich ein bisschen länger. Wir sind das letzte Lebewesen, was so hinzugekommen ist Und das haben wir dieser Schicht zu verdanken. Ohne diese Schicht könnten wir nicht leben. Das ist einmal das eine. Das ist diese klimatische Atmosphäre, die wir... Durch unser Verhalten jetzt irgendwie einmal ins Schwanken bringen. Und das andere, die deutsche Sprache und auch die anderen Sprachen haben ja alles doppeldeutige, oder mehrfach verwendet man gewisse Begriffe, ist die Atmosphäre, die da drinnen ist, die zwischen uns ist und die zwischen die Leid ist. Und man geht in einen Raum und sagt, da ist aber eine tolle Atmosphäre oder da ist ein gutes Klima für. Yoga zu machen oder irgendwas anderes. Das ist diese andere Atmosphäre. Und natürlich spiele ich mit dieser Doppeldeutigkeit. Und beide haben sich irgendwie überhitzt. Und das war so ein Ausgangspunkt.
Willy
00:58:30
Mir fällt Hartmut Roser ein, der deutsche Soziologe, der von Resonanz spricht. Du sagst, die Atmosphäre hat sich überhitzt. die gesellschaftlichen, ich bin jetzt bei der gesellschaftlichen, wo die Resonanzbeziehungen sind ein bisschen erkaltet, also wir haben immer wirklich sowas miteinander zu tun, oder? Woran kannst du das festmachen, oder wie hast du das in dem Film festgemacht? Also du hast, ich glaube, vier Porträts sind es, glaube ich jetzt, oder? Ich habe es, ich habe es vorbereitet, ich habe es da auch stehen, aber ich komme immer ein bisschen durcheinander.
Erwin
00:58:56
Je nachdem, wie man zählt, ich würde sagen, fünf oder sechs.
Willy
00:58:59
Das passt, ja. Dann machen wir deins. Gut. Wie hast du die Porträts ausgesucht, was wolltest du damit zeigen?
Erwin
00:59:07
Ja, ausgehend von dem, dass es, wenn es zu heiß wird und man mag das nicht, es gab ja schon Phasen, aber es war viel heißer, man mag das nicht und das Argument ist ja, noch nie war es so schnell, der Umstieg, also das Klimawandel ist ein komischer Begriff, weil Klima an und für sich schon Wandel bedeutet.
Willy
00:59:27
Ja.
Erwin
00:59:31
Wenn es so ist, dass man diese Erwärmung nicht will und mit all diesen Ausformungen, 3 Grad Ziel, 1,5 Grad Ziel und was da alles gibt.
Willy
00:59:41
Man verliert ein bisschen den Überblick.
Erwin
00:59:42
Man verliert dann den Überblick natürlich. Aber wenn man das ernsthaft nimmt und sagt, man will das nicht, dann müsste das Motto lauten Cooling the World. Also wir müssen kühlen. Und dann haben wir Leute gesucht, die das schon längst machen. Und wenn du jemanden fragst, ein Förster oder ein Bauern, wie kühle ich was runter, dann weiß der das. Und dieses Beispiel Praterstern in Prater Hauptallee, das kann jeder Wiener oder Wienerin, da braucht er nicht viel, da weiß er einfach, da ist aus irgendeinem Grund und zum selben Zeitpunkt innerhalb von 500 Metern, um einiges kühler, was ist denn zu tun? Das kann ja so schwer nicht sein und bei den anderen, überhitzten Gemütern wäre es auch nicht so schwer da müsste man ein bisschen die Angst wegnehmen und weniger Angst schüren vor Ausländern vor dem, vor dem, vor dem wenn aber das Geld immer mehr von oben nach unten gepumpt wird wenn er Teuerung gibt ein, Beispiel, wir haben den allerersten Dreh hatten wir, 23 im März. In Afrika. Und mit der Anna Herringer und die Anna, damit wir alle gemeinsam da von Wien wegfliegen, ist die Anna am Vortag angereist, sie ist ja, lebt in Laufen bei Salzburg. Und wir haben sie untergebracht in einem Hotel in der Praterstraße. Ich zeige euch was Wichtiges.
Willy
01:01:13
Ja, ja, ich schaue gerade. Ich schaue gerade, wenn ich einen Namen, das ist Lehmbau. Genau. Ich sage etwas Banales,
Erwin
01:01:20
Was man so eigentlich gar nicht realisiert. Wir haben ja ganz normal ein Zimmer organisiert und sie hat dort übernacht und das Zimmer, und das will ich jetzt sagen, hat 120 Euro gekostet. Ganz völlig normal. Jetzt haben wir die Premiere des Films. Jetzt wollten wir unsere Mutter dort unterbringen für eine Nacht, weil es auch gleich in der Nähe von uns ist, darum war auch die eine da, damit wir dann gemeinsam wegfahren können, das sind 50 Meter oder 100. Jetzt kostet das selbe Zimmer 300 Euro. Und das ist in drei Jahren passiert. Und das vorhin zu einem ersten Moment, das kommt auch in kein Index ein, das ist auch nirgends in einer sogenannten, wie heißt es, wenn das Geld den Wert verliert, In einer Inflationsrate wird das dann gar nicht richtig einberechnet, weil es sind nur gewisse Faktoren, die man nimmt.
Willy
01:02:14
Im Warenkorb drinnen.
Erwin
01:02:15
Im Warenkorb, richtig. Weil würde man das alles, also man kann sagen, das ist extrem, das hat sich mehr als verdoppelt innerhalb von drei Jahren, aber innerhalb dieses Films ist alles ein Drittel teurer geworden. Die Gehälter sind aber nicht ein Drittel angestiegen. Und das ist das, was sich komplett jetzt atmosphärisch verändert hat und was die Leute unrund macht und was die erhitzt irgendwie, dass sie alle in der Not geraten.
Willy
01:02:43
Jetzt spürt man sich langsam die Not. Wir haben lange, glaube ich, Puffer gehabt oder gewisse Resilienz, weil wir haben was der Sport gehabt. Die Löhne sind dann doch wieder gestiegen. Ich habe den Eindruck, jetzt ist es zumindest vom Gefühl her so, ob es empirisch so ist, weiß ich jetzt nicht, aber dass man hier zwar ein bisschen ans Limit kommt mit den Veränderungen, dass man gar nicht mehr so mitkommt. Dass jetzt zu viel ist. Ich bin mir noch nicht sicher, es hat immer schon Veränderungen gegeben. Es verändert sich ständig was. Seit du WeFit gemacht hast, WeFit the World gemacht hast, hat sich so viel verändert. Die Frage ist, wie lange geht das noch weiter? Wir regen uns immer auf, im Moment regen wir uns immer auf, dass es jetzt gerade so schlimm war wie noch nie. Das sage ich nicht.
Erwin
01:03:25
Aber ich bin der, der das sagt, das ist so schlimm wie nie. Das ist überhaupt nicht meine Haltung. Meine Haltung ist die, dass die zur Entwicklung, also ein Sinn des Lebens ist ganz sicher Entwicklung. Durchaus auch im darwischen Sinne. Es entwickelt sich weiter. Oder Entfaltung kann es auch sagen. Wobei der Darwin sehr missinterpretiert worden ist und ganz bewusst benutzt worden ist. Natürlich, Sozialdarwinismus und so weiter. Das hat er ja gar nie behauptet. Aber, Und zur Entwicklung gehört aber auch Fehlentwicklung. Und jetzt durchlaufen wir eine Fehlentwicklung. Und die wird eines Tages irgendwer wird dann Stopp machen, was immer das ist. Und das wusste ich schon relativ lang. Das wussten wir auch. Da braucht man nicht besonders gescheit sein übrigens. Das war die Idee, um nach Alphabet und mit Alphabet Beginns eigentlich die Filme umzustellen von rein kritischen Dingen hin zu Möglichkeiten, wie könnte man es anders machen. Und erstens einmal habe ich damals schon gewusst, dass ein Film der, Abläufe kritisiert, Vorgänge in der Gesellschaft kritisiert, viel leichter zu machen ist wie ein Film, der was anders zeigt, wie was funktionieren könnte. Viel, viel leichter. Also das ist nicht...
Willy
01:04:55
Welcome to my world. Machen einen lauten Podcast, wo schimpfen, wo dreimal Arschloch kommt oder sowas, ich kriege mehr Reichweite, wenn ich es in die Richtung ziehen würde.
Erwin
01:05:05
Sagen wir aber nicht dreimal. Irgendetwas Grausliches. Damit die Quote stimmt. Also, ich glaube nicht, dass es immer schlimmer wird und dass man sagt, das war damals schon schlimm. Es gibt Kipppunkte, die sind schon passiert. 2015 zum Beispiel war ein Jahr der totalen Kipppunkte. Minimum zwei. Und die waren, das kann man gar nicht hoch genug einschätzen, in der ersten Hälfte des Jahres 2015 war die sogenannte Griechenland-Krise. Und in Wirklichkeit ist an dieser Griechenland-Krise spätestens da, ist das EU-Projekt eigentlich richtig in Straucheln geraten. Weil ein kleines Land mit einer Wirtschaftsleistung von Hessen, das zahlungsunfähig geworden ist, weil man es zahlungsunfähig machen wollte, und zwar zweimal. Einmal, indem man die Bilanzen gefälscht hat, mit Banken die Bilanzen geförscht hat, damit sie überhaupt die EU-Kriterien erfüllen und zur EU kommen. Und das zweite Mal, dass man ja noch die Waren runtergeschickt hat und gleich die Kredite, dass die Waren kaufen, die man woanders nicht braucht. Man nennt das auch Handelsbilanzüberschuss, also die anderen verarmen. Das ist ja eigentlich das, was dahinter steckt, was aber in den Nachrichten nicht gesagt wird, leider. Und das sind so Dinge, wo ich mich dann.
Willy
01:06:32
Da hast du das.
Erwin
01:06:33
Genau, da geh ich hin.
Willy
01:06:34
Da liegt das Objektiv dann drauf.
Erwin
01:06:35
Da liegt das Objektiv drauf, genau. Und dann hat man dieses arme griechische Volk, die haben richtig geblutet, jahrelang. Die haben richtig geblutet, um das dann irgendwie wieder hinzubügeln. Und die sind dann richtig vorgeführt worden, hauptsächlich vom Herrn Schäuble. Ich würde nicht sagen von den Deutschen, das wäre ungerecht, sondern vom damaligen deutschen Finanzminister, der sich noch bei Finanzen überhaupt nicht auskennt hat, weil er Jurist war. Aber so ein neoliberal denkender Kopf, sehr intelligenter Mensch übrigens. Aber, und das war nicht gut. Und ich glaube, das Zweite, was dann passiert ist, in diesem Jahr, nämlich die Syrien-Flüchtlingskrise, die kam dann unmittelbar drauf. Ich glaube, dass die sehr eng mit dem Ersten zusammenhängt, Weil da hat diese deutsche Kanzlerin Frau Merkel diesen Satz gesagt, wir schaffen das. Was eigentlich in Wahrheit einer ihrer humansten Sätze war, die sie wahrscheinlich in ihrer ganzen politischen Karriere gesagt hat. Und ich glaube, sie hat das auch gesagt, weil sie gemerkt hat, dass der Schäuble da, image-mäßig für Deutschland was kaputt gemacht hat, war plötzlich wieder der, böse Deutsche. Das wollte sie nicht. Und hat eigentlich dadurch, ich würde nicht sagen, einen nächsten Fehler gemacht, aber sie hat dadurch etwas angestoßen, was bis heute nicht mehr weggegangen ist. Wir haben zwei Jahre drauf einen Kanzler gehabt, der hat mit einem einzigen Satz die Wahlen gewonnen. Und zwar haushoch. Einen Satz hat er gesagt, ich habe die Balkanroute geschlossen. Ich habe mich immer gefragt, wie hat er das gemacht? Mit einem Strick oder wie? Hat er das da vollbracht und so. Und da sieht man eigentlich, wie leichtgläubig die Leute sind und fallen dann auf solche Dinge rein. Das hat sich dann, in Österreich ist ja so ein bisschen ein Kabarettstaat, wo sich das dann, naja, das löst sich dann immer lustig auf. Bei uns löst sich dann auf.
Willy
01:08:43
Oder Botschat oder irgendwie so.
Erwin
01:08:44
Botschat, ja, oder Strache, der sitzt halt da irgendwo in Ibiza und dann wieder überführt mit einer versteckten Kamera. Und dann kommt so etwas, das ist immer, es hat etwas Groteskes irgendwie.
Willy
01:08:58
Groteskes, glaube ich, ganz gut, ja.
Erwin
01:09:00
Und dadurch, dass man Gott sei Dank nicht mehr so ein wichtiger, wirtschaftlicher oder großer Faktor wie Habsburger Zeit waren, wo das riesig war und mit 35 Millionen und so, dadurch kann man das ein bisschen immer so.
Willy
01:09:19
Kann man so ein bisschen schauen, aber Österreich ist ein Testmarkt, der politische Testmarkt, der wirtschaftliche Testmarkt, kann man schauen, in Österreich passiert nicht viel, wenn was schief geht, aber viele Entwicklungen, die bei uns sind, die werden dann ganz gut exportiert. Also Österreich war ja mit der Rechtenbewegung sehr, sehr weit, sehr, sehr früh und hat das ja auch recht gut nach Deutschland, haben sehr viel abgeschaut von uns. Es passiert dann was, aber wenn Österreich umfällt oder wenn zum Beispiel, du hast gesagt, das Ibiza oder sowas, man schaut auf uns, aber es ist nicht viel passiert. Man wird eher so belächelt, weil es nicht viel passiert. Wenn es umgekehrt, jetzt sagen wir mal in Deutschland passiert, dann hat man ja gewisse, da wird schon mehr passieren dann wieder.
Erwin
01:10:00
Naja, die AfD ist ja gegründet worden, glaube ich. Es ist ja auch lustig, warum die Alternative heißt, weil die deutsche Kanzlerin und davor die...
Willy
01:10:12
Das war EU-Geschichte, oder?
Erwin
01:10:13
Ja, die Euro-Geschichte, genau. Und eben dieser blöde Spruch von der Frau Setscher, der wirklich saublöd ist, ich muss echt sagen. Es gibt keine Alternative. Er ist nämlich insofern saublöd, weil es im Leben immer Alternative gibt. Zum Tod gibt es keine. Also wir kennen noch keine. Vielleicht gibt es mal eine, aber noch gibt es keine. Und auf den alle eine fallen, das hat dann ein österreichischer sozialdemokratischer Kanzler auch gesagt, wir haben keine Alternative, also sowas Blödes. Und dann taucht natürlich eine Alternative auf, die man natürlich nicht will. Und die ist ja durch diese Euro-Krise, glaube ich, entstanden, die AfD. Die hat sich, glaube ich, so gebildet. Und das Rollmodel war nicht die FPÖ.
Willy
01:10:59
Nein, nachher im Handwerklichen. Der Auslöser war anderer, aber ich glaube, nachher haben sie sehr viel, glaube ich, abgeschaut von, jetzt leugnen sie es wieder, dass sie Schwestern, glaube ich, sind oder sowas, aber ich glaube, sie haben schon viel miteinander geredet. Du sagst, es war ein Kipppunkt für dich. Also 2015, du hast gesagt, Griechenland, du hast gesagt, die Flüchtlingskrise, was ist bei dir genau gekippt? Weil du hast vorher gesagt, und man liest es auch noch, du hast es auch in einem Interview mal gesagt, du hast vorher eher das Objektiv auf die Flüchtlingskrise, Auf das Negative gehalten oder auf das dort, wo es nicht passt, oder? Ich hätte es ja schon nachgeschaut. Und dann auf einmal ist was passiert, Kipppunkt, du hast das eh schön gesagt, ein Kipppunkt. Was ist kippt bei dir? Und wieso glaubst du, dass der Fokus auf, nehmen wir es das Konstruktive, oder wie würdest du das beschreiben, mehr Wirkung hat? Oder ist das eher, wolltest du nehmen?
Erwin
01:11:49
Nein, zwei Sachen. Erstens einmal habe ich innerlich gespürt, da stimmt jetzt was nicht. Ich kann mich genau an den Tag erinnern. Ich war da bei einer, Jury, bei der Ars Electronica, da werden so Preise vergeben da in der Jury und bin mit dem Zug nach Inns gefahren und der Zug war bummvoll mit so syrischen Flüchtlingen und die haben überhaupt nicht ausgekennt, weil ich habe da irgendwie das gar nicht so verfolgt in den Nachrichten, was ist da irgendwie los und so. Und auch mit Griechenland, da habe ich mit einem sehr engen Freund einen Riesenstreit gehabt, weil ich anderer Meinung war wie er. Er hat gemahnt, die fallen Griechen und so weiter, was in den Medien auch war. Und ich habe gesagt, nein, das ist ein Finanzproblem, Finanzbetrug, ein einziger Finanzbetrug an den Griechen. Durchaus gibt es wie überall, weiß ich nicht, Renten, die falsch eingehoben werden, weil die Person schon längst verstorben ist und solche Sachen. Das gibt es überall. Und das macht auch irgendwas aus, aber das macht nicht diese fette Summe aus. Und man hat die Griechen richtig auflaufen lassen. Und da habe ich immer gemerkt, da stimmt was nicht. Das ist diese eine Sache und das zweite ist, dass ich draufgekommen bin, jetzt haben wir alle so viele kritische Filme gemacht, ja nicht nur ich, der Hubert Sauper und andere auf der ganzen Welt, und auf die Festwelt trifft man sich und dann kann man sich das anschauen, gegenseitig, was machen die Amerikaner und da und dort überall wird was kritisiert und die Leute schauen das an, aber es ändert sich nichts. Es ändert sich nichts, gerade im Gegenteil. Es ist auch die Klimasache, man weiß das ja schon so lange, man könnte ja, es wird eben falsch bezeichnet. Wir sind eben Ausbeuter. Wir sind Ausbeuter und das ist das Ding. Wir glauben auch zum Beispiel, weil wir eben da falsch geschult werden und die Dinge nicht hinterfragen. Und die, die sich hinterfragen, die sind alle, die werden ausgesperrt, ausgeschlossen. Wir glauben, wenn ein Baum wächst, ein Murzbaum, ein Buch, ich weiß nicht, 30 Meter hoch, das sind Tonnen und Tonnen an Holz. Man glaubt, der Baum hat das aus dem Boden genommen. Nein, er hat überhaupt nichts aus dem Boden genommen. Gerade im Gegenteil, er hat dem Boden was zurückgegeben. Sondern das ist Wasser und Sonnenlicht. Photosynthese. Und so wird Holz umgebildet. Und wenn du das Holz wieder verbrennst, kommt die Wärme raus, die die Sonne in das Holz eingespeichert hat. Und wenn du die Natur so betrachtest, dass das eigentlich ein Kreislauf ist und dass es nicht ein Rausnehmen ist und wir glauben aber, wir müssen da rausnehmen, wir sind Bergwerk und da Erz rauszuholen und so viel und immer mehr und immer mehr und immer mehr, was uns nebstbei gar nicht glücklich macht. Ich finde das super, diese ganze Technik. Ich bin ein totaler Technik-Fan. Ich finde das super. Ich finde auch super, dass das jetzt, dass das industrielle Produktion ist von so einem Mikrofon, weil sonst würde das eine Mikrofon drei Millionen Euro kosten. Und ich würde keinen Podcast machen. Und man könnte gar nicht arbeiten damit und keiner könnte es leisten und so weiter und so fort. Aber man kennt dann die Grenzen nicht. Ich finde das super, dass es Zement gibt. Aber wenn du alles nur mehr mit Zement baust, dann wird es irgendwann, Erstens ist es nicht sehr gesund und so weiter und so fort. Wie toll der Baustoff für Tiefbau, U-Bahn-Bau und so, unersettlich, das hätte man gar nicht machen können ohne dem. Und so weiter. Und der Mensch schießt da immer so drüber. Und die hören dann auch nicht mehr auf. Und das ist dieses lineare Denken. Das ist dieses lineare, industrielle Denken.
Willy
01:15:18
Kausal, immer so in Anfurt.
Erwin
01:15:21
Genau. Und das hinterfrage ich. und nicht ein Bildungssystem, wo die Kinder Rechner schreiben lernen und hoffentlich Sprachen. Und bei den Sprachen ist es wieder so. Das ist toll, wenn einer viel sprechen kann. Die Frage ist aber, was hat er zu sagen in dieser Sprache? Das interessiert mich viel mehr. Und wenn er denselben Blödsinn nachplappert, den eh alle anderen auch nachplappern, dann wird es irgendwann dünn. Dann wird es fad und dann ist es nichts mehr Lebendiges. Dann wiederholt sich irgendwas. Und diese Prozesse, die hinterfrage ich.
Willy
01:15:58
Jetzt war die Frage, warum du quasi das kannst, du hast es gesagt, der Baum speichert Sonnenenergie, der Baum nimmt dem Boden nichts weg und was man verbrennt, ist dann im Prinzip gespeicherte Sonnenenergie, Wasser ist drin. Du könntest es hergehen und Bilder zeigen, hast du ja auch gemacht in We Fit The World von Soja-Plantagen, wo er mal gestanden ist oder Regenwald. Und jetzt zeigst du dir die Lösung, ist es das? Also du zeigst an Erwin Thoma war auch schon da im Podcast, wie er über den Wald redet oder syntropische Landwirtschaft jetzt mit dem Götzsch in Brasilien. Ist es jetzt das Ziel, dass du jetzt, du kannst jetzt im Prinzip die gleiche Gegenseite zeigen, also die Plantage, was beim Götzschl zum Beispiel daneben war, hast du eh Zeit da, wo ich hingeschaut habe und habe gesagt, dort mache ich nichts, dort schaut so und so aus und da mache ich was, da wächst was. Ist das der Grund einfach, dass du zu dieser Atmosphäre, sage ich jetzt einmal, was Positives beitragen willst oder die Lösungen zeigen, damit wir ins Dänger kommen oder worum geht es?
Erwin
01:17:00
Lösungen zeigen ist ja sowieso filmisch komplett verbönt. Das ist ja eine der schlimmsten Sachen, die es gibt und darum… Du.
Willy
01:17:07
Machst das nicht.
Erwin
01:17:09
Mich interessiert nicht diese dogmatische Sache. Was ist dogmatisch, bitte? Dogmatisch ist, wenn akademisch unterrichtet wird, Kunst darf keine Lösungen zeigen.
Willy
01:17:23
Da bist du schon wieder draußen, oder?
Erwin
01:17:25
Dann sage ich, warum nicht. Warum nicht.
Willy
01:17:28
Ja, verstehe.
Erwin
01:17:30
Weil die Kunst ist ja frei. Erklären wir, warum. Erklären wir, warum. Du machst mal eine gute Erklärung, was glaube ich. Ja, oder auch nicht. Abgesehen davon, was mich da stutzig macht, ist, wenn in der Zeitung steht oder in den Medien berichtet wird, heuer im Sommer, die Landwirtschaft leidet so unter dem Klimawandel. Ja, steht. Es steht aber nicht, dass ich verursache die nach. Und dieser zweite Satz fehlt. Und das interessiert mich dann.
Willy
01:17:58
Das ist spannend. Das erinnert mich gerade an einen Satz, den der Götzsch gesagt hat, im Film, den habe ich gut gefunden, sondern wir haben kein Problem mit dem Klimawandel, ohne den Klimawandel jetzt in Frage zu stellen oder so, sondern wir haben für das gewanderte Klima die falschen Anbaumethoden oder eine Krise des Anbaus.
Erwin
01:18:15
Genau, sagt er.
Willy
01:18:16
Und das ist dieser Perspektivenwechsel, oder einfach dieser Flip, oder?
Erwin
01:18:20
Das ist die Flip und diese Alternative wird nicht erzählt. Die wird aus dem Grund nicht erzählt, weil wie der Götsch kurz später oder davor in dem Fall, wenn man den Film jetzt linear hernimmt, sagt, diese Methoden, die er da anwendet, die eigentlich ja die Fruchtbarkeit enorm erhöhen und beim Götsch ist es so, dass der Boden, nachdem er geerntet hat, besser ist als davor. Also das geht auch. Darum habe ich das Beispiel mit der Buche genannt. Das glaubt der Laie nicht, weil der Leib glaubt immer, dass sowas rausgenommen werden. Wenn du es aber richtig machst, dann wird es immer besser. Und dazu sind wir da. Wir sind auf dieser Welt, um beizutragen, damit es besser wird. Das ist ja auch die ganze Erzählung. Wir gehen in die Schule, damit wir eine bessere Welt machen. Und so weiter. In Wirklichkeit machen wir aber ein besseres Geschäft. Und mit dem besseren Geschäft ruinieren wir es. Jetzt sind wir beim Kunstdüngersack und so weiter. Und diese Dinge zu hinterfragen oder aufzudröseln oder dazu überhaupt eine andere Perspektive aufzuzeigen oder das Ganze aus einer anderen Perspektive, das ist, und du so wüsst, das, was mich interessiert. Und ja, an dem ich arbeite.
Willy
01:19:27
Genau, und das ist das, was mich jetzt eigentlich interessiert. Du kannst immer wieder vom aktuellen Film die Beispiele bitte nehmen. Das geht ja auch ein bisschen, dass der jetzt demnächst dann auch in die Kinos kommt, aber ich frage mich immer, ich habe mir das jetzt aufgeschrieben, welche Freiheit und welche Verantwortung hast du dabei, wie du deine Filme und Zusammensetzung, wie die Geschichte erzählst? Also ich habe mir das jetzt so aufgeschrieben, hast du eine Kritik? Du siehst etwas, du hast vorher zum Beispiel gesagt, das ist mit Griechenland oder so, und suchst dir dann die passenden Geschichten dazu, die das Ganze, oder Protagonisten, die das Ganze untermalen? Oder hast du das Ziel, dass du im Laufe des Prozesses deine Sichtweise auch zu hinterfragen und vielleicht auch zu revidieren und das dann zu dokumentieren? Also hat man vorher quasi eine Kritik und macht dann die Doku dazu? Oder ist dieser Prozess im Laufe dessen deine Grundannahme, die du dann vielleicht hast, wieder komplett in die Hosen gehen kann? Und Du hast ja eine Meinung.
Erwin
01:20:25
Versuchen wir das einmal zu ordnen. Ja, bitte. Wenn ich mich entschieden habe, einen Film über etwas zu machen und diese Entscheidung treffe nicht nur ich, sondern die trifft vor allem das Leben. Weil das ist resonanzartig rosa. Das schwingt dann, etwas schwingt an, wie bei einer Gitarrenseite. Das schwingt an, es kommt mir irgendwas unter, Es ist fast etwas Metaphysisches in Wirklichkeit, das dann aber sehr konkret wird. An dem Ernst Götz bin ich im Minimum seit 15 Jahren dran. Seit 15 Jahren beschäftige ich mich mit dem Ernst Götz. Man wird es nicht glauben, aber so funktionieren die Dinge unter anderem auch. Ich bin auf einer Premieren-Tour mit Bad Beautiful in Deutschland. Letzter Abend mit der Kenny Werner war mit, der ist von Wien dann mitgefahren. Der Jazzpianist. Der Jazzpianist aus New York, der war mit mit seiner Frau. Und der letzte Abend hatten wir in Hamburg und da war der Film und nachher hat er auf der Bühne gespielt und so und dann sitzen wir beim Frühstück und ich sage, du weißt was, ich habe jetzt gerade eine E-Mail gekriegt von einer Frau, die ich überhaupt nicht kenne aus Kärnten, die mich fragt, also ich kriege viele solche E-Mails, wo ich nicht einen Film endlich über einen Ernst Gutsch machen will. Und dann diskutiere ich das mit dem Kenny und sage, an dem bin ich aber schon seit lang dran und der interessiert mich wahnsinnig, weil er das und das und der hat den natürlich nicht gekannt und so. Und dann hat er mir angesprochen und gesagt, you have to do it. It's out there. Und das ist es, was um es geht. It's out there. Ein paar Beautiful hat mich unter anderem interessiert, wo kommt die Musik her? Die Musik ist da. Und es gibt Musikerinnen und Musiker, das sind Menschen, die machen es für uns hörbar. Und ein Filmmacher oder eine Filmmacherin ist ein Mensch, der sieht was, was die anderen noch nicht sehen und macht sichtbar. Das ist der Prozess und an dem Prozess bin aber nicht nur ich beteiligt, da ist eben mehr beteiligt. Ich bin eigentlich nur ein Medium durch das so wie jemand, der spielt im Jazz zum Beispiel, wenn jemand improvisiert, der oder die weiß gar nicht genau, was sie da tut.
Willy
01:22:47
Ja, ich hatte gesagt, das Beispiel von Culture, in der, was die Augen vertrat und einfach dann zum Receiver wird und sagt, in dem Fall kriegt er sogar Energie.
Erwin
01:22:55
He doesn't play, he receives. Ich habe es echt alle angeschaut.
Willy
01:22:59
Und das habe ich mir echt speziell gemerkt.
Erwin
01:23:03
Das ist ja etwas, was zum Beispiel früher in der Landwirtschaft war. Die Bauern haben genau gewusst, wo der Regen kommt. Die haben genau gewusst, wann sie sehen müssen. Der eine hat ein bisschen früher gesehen, der andere gesagt, bist du nicht zuvor? Und so weiter, brauchen wir einen Regen drauf. Und die haben im Boden angerufen und genau gespielt, was sie tun. So, und dann ist eben eine industrielle Landwirtschaft gekommen und hat gesagt, ihr mit euch ein bisschen schleicht es euch, das interessiert uns nicht mehr, wir schreiben es euch jetzt vor. Ja, und jetzt ist es so, jetzt werden die Bauern komplett kontrolliert mit Drohnenflüge und alles mögliche, Satellitenbilder, genau, ob sie das alles getan haben. Ich kenne einen Weinbauern, mit dem ich Wein kaufe im Freol. Der muss dieses und jenes Gift kaufen und spritzen. Er muss es. Wenn nicht, muss er so dicke, administrative Dinge durchgehen, um zu argumentieren, warum er das nicht tut. Das hat er längst aufgehört.
Willy
01:23:52
Das ist, wenn der Schwanz mit dem Hund wackelt.
Erwin
01:23:54
Genau, das hat er längst aufgehört. Er kauft das Gift, spritzt es nicht und muss dann irgendwie entzogen.
Willy
01:24:00
Das heißt, wir sind entzogen noch einmal.
Erwin
01:24:04
Und in dem Prozess sind wir drinnen. Und das gibt uns keine Orientierung mehr. Das meine ich.
Willy
01:24:10
Ja, weil du gerade sagst, das Beispiel mit der Landwirtschaft, ist ja auch nichts Romantisches dran im Endeffekt, man hat einfach mit der Natur sich mehr beschäftigen müssen, weil sonst wären wir übergeblieben, also wenn man sich nicht mit dem Prozess, wenn man nicht die Erde verstanden hätte, wenn man mit dem Wetter gearbeitet hätte, wären wir ja auch übergeblieben, also es ist ja nichts Romantisches oder Schönes, also man hat immer so ein verklärtes, schönes Bild, oft von der Landwirtschaft früher, es war ja auch harte Arbeit und so, aber man war halt weniger entkoppelt von den Wertschöpfungsketten, von den einzelnen Prozessen, wie es das jetzt durch Kunstdünger, durch Geräte, durch Wertschöpfungsketten etc. bist, oder?
Erwin
01:24:47
Das ist ein Ding. Das andere ist diese harte Arbeit, das harte tägliche Brot und so, das kommt ja auch aus einer anderen Richtung, aus dem Katholizismus. Das kommt dadurch, dass die Bauern so lange Leibeigene waren, bis 1848, was ich weiß, waren die Leibeigenen, haben immer, produzieren müssen für Fatalherrschaft und nur ganz wenig ist ihnen geblieben. Wenn eine schlechte Ernte war, hätten sie immer noch genug gehabt für sich selbst und auch für andere, aber die Fatalherrschaft hat so viel anzogen, dass ihnen gar nichts mehr geblieben ist. Das war das harte Brot. Aber das, was wir da mit Coltrane draufgeben, das ist nun mal was anderes. Das ist nun mal ganz was anderes. Das hatten ja, das haben ja, wenn ein, Drei-Haben-Koch. Ich weiß nicht, ob das die höchste Zahl von Hauben ist.
Willy
01:25:38
Vier, glaube ich.
Erwin
01:25:39
Ein. Viel-Haben-Koch. Ein Viel-Haben-Koch. Wo alle einrennen und ich weiß nicht, wie viel Geld zahlen für oft sehr simple Speisen, die aber, muss man schon zugeben, oft gut gemacht sind, dann geht der auch ganz anders vor. Erstens macht er wahnsinnig viel beim Einkauf und zweitens macht er dann viel intuitiv. Neben der Routine, die er hat. Die Routine, ein Musiker, der Coltrane zum Beispiel, von dem war bekannt, er hat 16 Stunden am Tag geübt und ist dann so zum Receiver geworden. Und wenn du die letzten Aufnahmen anhörst, hat der das Instrument, der ist ans Limit das Instrument gegangen. Love Supreme war das letzte Album, das er aufgenommen hat. Da hörst du richtig, wie er wie er das Saxophon, das ist ihm nicht mehr genug, der singt dann teilweise schon mit, weil er hat, mehr geht nicht mehr. Und das meine, ich meine jetzt nicht diese extreme Leistung, sondern dieser Zugang, das ist ja fast was Spirituelles, dieser Zugang, der geht über das hinaus, wie dass der Bauer halt auch mit der, so wie es ja Tischler, nicht jeder Tischler beschäftigt sich so intensiv mit Holz, als wie, manche machen halt ihre Arbeit und machen Fenster oder keine Ahnung, Tiersteck oder Bann, Tisch oder Möbel, falls es es überhaupt noch gibt. Ja. Und dann gibt es welche, die gehen ganz weit damit.
Willy
01:27:14
Ich habe mir die Frage aufgeschrieben zum Thema About Beautiful, weil du hast es ja untermalt mit Jazz. Ich glaube später dann war ein Klassik dabei, bin mir jetzt aber nicht sicher.
Erwin
01:27:25
Ein Beethoven-Omel ist drinnen, ja.
Willy
01:27:29
Und Jazz ist ja im Prinzip ja auch etwas, sage ich mal, etwas Elitäres. Die Wurzeln sind nicht elitär von Jazz, aber im Endeffekt, Es ist eher so bürgerliches Genre, eher was für die Intellektuellen und so. Also ein bisschen die Nische, sage ich einmal.
Erwin
01:27:47
Ursprünglich war es das nicht.
Willy
01:27:48
Ursprünglich war es das nicht, natürlich nicht. Es kommen ganz andere Wurzeln, das Scheiß. Und die Beispiele teilweise, die du auch dokumentierst, also von Menschen, die etwas ganz Spezielles machen. Beim Bildungsthema war es einfach, waren nie in einer Schule geigenbar worden. Es sind unglaublich besondere Menschen mit unglaublich besonderen Beispielen, aber es sind halt immer vom Gefühl her so extreme Nischen. Und so wie ein bisschen auch die Musik oder so, wo es dann ins Receiven geht, sage ich einmal. Es ist keine Kritik, sondern eher eine Frage, was helfen uns diese Nischen? Weil ich kenne diese Nischen auch und ich habe auch mit dem Erwin Thoma Podcast und es gibt ganz viele Leute, die so Nischen bedienen. Die Frage, die ich immer stelle in diesem Podcast ist, wie komme ich denn aus, wie kriege ich denn diese Beispiele? Ist dann schön zum Dokumentieren und wunderschön zum Anschauen, aber wenn ich wirklich was ändern will, muss ich ja schauen, dass ich diese Beispiele, die offensichtlicher funktionieren, dass ich die in die Breiten bringe. Wie geht das aus deiner Sicht? Schaffen wir das oder sind es einfach schöne Nischen, die auch schön zum Anschauen sind und schön zum Herzeugen oder sind die irgendwie irgendwann einmal mehrheitsfähig oder bleiben sie für immer Nischen, genauso wie der Jazz nie ein Schlager wird?
Erwin
01:29:03
Ich könnte jetzt gemein sagen und sagen, wir können den Podcast, abbrechen und so fortsetzen, dass wir beide runtergehen, den nächsten Mann oder die nächste Frau aufhalten und da her setzen und du redest mit ihr weiter oder mit ihm. Ja, dann wäre das keine Nische mehr, sondern dann erwischt vielleicht gerade jemand, der bei der Eisenbahnarbeit oder Pensionist ist oder gerade zurückkommt. Wahrscheinlich würde der oder die sagen, wenn es gerade zurückkommt, den ganzen Tag beim Bieler gearbeitet, lass mich doch in Ruhe. Ich bin jetzt müde und will heimgehen und noch was essen und mit meinem Kind vielleicht noch eine halbe Stunde reden und dann schauen wir uns noch was im Fernsehen an. Diese Leute sind ja die sind fertig für den Tag, wenn wir es jetzt am Abend machen würden. Und in der Früh hätten sie auch keine Zeit, weil sie sagen, jetzt muss ich in die Arbeit gehen. Also sitzt dann der Doma da oder ich da oder die Helga da oder deine Gäste. Was geben uns diese Nischen? Diese Nischen haben eine gewisse Vorbildwirkung. Und der Doma hat im Wald und mit dem Holz was gemacht, was andere nicht gemacht haben. Und die Helga Kromkolb hat in der Klimabewegung. Auch als Frau, muss man sagen, auf der Universität, etwas vorgelebt, was andere nicht vorgelebt haben und was sie selbst auch lebt und dadurch auch authentisch ist. Und der Doma geht mit diesem Holz auch so um und ich bin in meiner Arbeit zumindest auch authentisch. Und der Stern, der in keine Schule gegangen ist und so weiter und so fort, Das sind Beispiele, an denen man sich insofern orientieren könnte, weil sie eben aus diesen Massenbewegungen irgendwie rausstechen. Und es waren immer die Veränderungen, die kamen immer von solchen Leuten, die, also selbst Anton Zeilinger, der jetzt vor ein paar Jahren mit einem Nobelpreis gegründet worden ist. Und dann Gott sei Dank auch sagt, ihr müsst euch auf der Universität auch noch diese Nischen erhalten und nicht nur Massenuniversität machen, wo es alle durchjagt und die, da haben wir 2008 so eine schwere Krise, und die Wirtschaftsuniversität hat aber nicht einmal einen Lehrplan geändert. Das heißt, die fahren das volle Programm weiter wissend. Ich war 2008, 9 war es schon, weil 8 sind wir rausgekommen. Ich weiß ganz genau, wann es war. Die WU war noch gar nicht da, wo es jetzt ist, da in der Gegend. Jetzt ist es da, genau, aber die war damals im 9. Bezirk. Da war ich eingeladen.
Willy
01:31:56
Da haben wir es auch daneben gefunden.
Erwin
01:31:59
Nach mitgezogen mit der WU, genau.
Willy
01:32:00
Das liegt mir noch, beides war ich.
Erwin
01:32:03
Und ich war damals eingeladen, da war eine Vorführung von Let's Make Money, da waren 2000 Studierende da, da mussten sie sogar in zwei Sälen machen, weil das eins halt nicht reicht, da haben sie so Beamer aufgestellt und so und ich komme dort hin, das ist organisiert gewesen, ich weiß gar nicht mehr über wen, ich bin dort hin gekommen, völlig unvorbereitet, was mich erwartet, nämlich ich bin ins Rektorensimmer, der Herr Bardell war damals der Rektor und ich habe eine Lederjagd auch gehabt, ich weiß nicht, es war im Frühjahr, also März, April, eher März, Kreuzner, Und da war ich eine und da stehen so zehn Professoren und mein Rektor und alle im schwarzen Anzug. Die haben gewartet auf mich, genau. Die haben gewartet auf mich und dann wird der Rektor vorgestellt und hat er da eine Bibliothek an der Wand und dann sagt er, sehen Sie diese Bibliothek? Ich sage, ja, ist ja nicht so schwer zu sehen. Das ist die ganze geschriebene Wirtschaftsgeschichte. Wir können diese Bibliothek wegwerfen, hat er gesagt. Weil diesen Vorfall, den wir jetzt hatten, 2008, 8, diesen Zusammenbruch, der steht da nirgends drinnen. Und was ist heute mit Herrn Badl? Was macht er heute? Und welche Wirtschaftspläne haben sie geändert? Das heißt, man will gar keine Veränderung. Trotz Doma, trotz Kenny Werner, trotz Helga Kronkolb, man will nicht. Man will es irgendwie anstreichen. Vielleicht tut man ein bisschen was. Man ersetzt den Benzinmotor durch den Elektromotor. Das ist sicher tolle Technologie und sicher auch die bessere. Viele Probleme sind dann überhaupt nicht gelöst und wenn das die einzige Lösung ist, ändert sich überhaupt nichts. Zumindest nicht fürs Klima.
Willy
01:33:46
Was machst du jetzt? Jetzt hast du es eigentlich eh wieder gesagt. Nischen sind schön, aber sie wirken irgendwie nicht ins Massensystem rein. Wie wird man da mit der Zeit Nicht zynisch.
Erwin
01:34:04
Indem man sich einmal, ganz wichtig ist, bewusst ist, dass der Zynismus überhaupt nichts führt. Also das geht gar nicht. Sondern das ist...
Willy
01:34:16
Frustriert es dich nicht irgendwie? Nein.
Erwin
01:34:19
Warum soll es mich frustrieren?
Willy
01:34:20
Weil ich mir dachte, du bist der Erste, den es frustriert. Weil dein Leben dem gewidmet ist, dass du Missstände aufzeugst oder zeigst, nicht aufzeigst. Dann machst du etwas Konstruktives oder wechselst deinen Kipppunkt, zeigst Lösungen auf und trotzdem ändert sich nichts.
Erwin
01:34:38
Das wissen wir noch gar nicht. Das verändert sich jeden Tag.
Willy
01:34:40
Ja, eh. Bist du ungeduldig oder irgendwas?
Erwin
01:34:47
Ungeduldiger Mensch bin ich schon. Das ist meine größte Schwäche, aber das hat mit dem nichts zu tun. Danke dir schon. Erstens einmal bin ich nicht ganz unerfolgreich damit Und das andere ist, ich bin ja, sehr viel unterwegs gewesen mit den letzten Filmen. Schauen wir jetzt mal, was der mal passiert. Das ist ein riesen Kinotor von mir. Und spreche da mit sehr vielen Leuten. Und ich merke ja, was da drinnen ist. Das Einzige, und das kann ich Ihnen auch nicht sagen, und das werden Sie mit der mal wieder fragen, wo ist der Ausweg?
Willy
01:35:26
Du wirst nie beantworten können, die Frage, oder?
Erwin
01:35:28
Ich kann sie nicht beantworten. ich kann schon, ähm, Ich habe einmal im ORF Mittagsjournal gesagt, wir leben in einem Gefängnis, mit offenen Türen und offenen Fenstern. Und wer ist jetzt der Erste, der aussageht? Und der, der aussageht, die Gefahr ist nicht draußen, sondern die Gefahr ist hinter ihm. Nämlich, dass im Niederschlag das aussageht. Und das ist die Situation, die wir haben. Und das habe ich bei Alphabet gesagt, im ORF Mittagsjournal in Ö1. Und jetzt ist es, das sind jetzt 12 Jahre vergangen oder so, ein bisschen schon weiter. Jetzt bei der Maria Gimenez ist es so, dass. Zehn Leute arbeiten, immer mehr. Jetzt hat sie eine Prüfung noch gemacht, jetzt ein paar Jahre schon, glaube ich, hat sie auch Lehrlingsausbildung, die freiwillig zu ihr kommen, die alle akademische Abschlüsse haben, Abschlüsse, und eben dann in einer Gärtnerei arbeiten oder in einer Art Landwirtschaft, weil sie da viel mehr Sinn drin sehen, als wenn sie den ganzen Tag in einen Computer hinschauen und Excel-Tabeln ausfüllen und hier und da eine PowerPoint-Präsentation machen. Es gibt ein Buch, das heißt Bullshit-Jobs. 60% der Leute sind OECD-Umfrage, schwer unzufrieden mit ihrem Job. Umso höher die Ausbildung ist, umso höher ist die Unzufriedenheit. Also Zufriedenheit ist bei Handwerkern zum Beispiel relativ hoch.
Willy
01:37:17
Ja, weil das Sinn noch greifbar ist.
Erwin
01:37:19
Da ist das Sinn greifbar.
Willy
01:37:20
Ja, natürlich.
Erwin
01:37:21
Natürlich. Und da, jetzt sind wir aber schon sehr nah dran bei den Lösungen. Und wenn wir jetzt den Lehmbau hernehmen, oder auch den Holzbau vom Doma, der um 30% teurer ist als der konventionelle Betonbau, und aber die einzige Orientierung ist für den Wiener Bürgermeister oder für den Wiener Gemeinderat, Wohnungen, die müssen so billig wie nur möglich sein, sozial, wo wir genau ausgerechnet, ein Quadratmeter darf nicht mehr kosten wie so und so viel. Warum? Wer stellt diese Regel auf? Geht es darum, Architektur zu schaffen, wo sich jemand drinnen wohlfühlt, mit Baumaterialien, die nachhaltig sind, mit einer Entstehung von einem Bau, wo Menschen beteiligt sind, die eine Freiheit an dem haben? Oder geht es darum, dass es alles nur billig ist? Und warum muss es nur billig sein? Diesen Mechanismus haben wir nicht verstanden und den erzählt niemand.
Willy
01:38:17
Die Umverteilung. Natürlich. In letzter Konsequenz.
Erwin
01:38:21
In letzter Konsequenz. Und der mir sehr sympathische Finanzminister Martha Bauer, den ich auch für einen interessanten und tollen, ausgebildeten Ökonomen halte, und der jetzt da beschäftigt ist, die Schulden abzubauen, und das ist sein Job in dem Ganzen, sagt aber einen Satz nicht dazu. Wenn wir keine Schulden mehr haben wollen, dann dürfen wir auch nicht mehr sparen. Die Schulden sind der Kehrwert vom Sparen. Der Sparer trägt das Geld auf die Bank und sucht einen Schuldner. Da sich niemand mehr verschulden will, weil so viel Angst in der Gesellschaft ist und so viel Angst vor der Zukunft und Schuld sowieso schon sprachlich ein interessantes Wort ist, muss sich der Staat verschulden. Das geht gar nicht anders. Also müsste er viel, viel mehr Schulden machen, aber da hatte man einen Riegel vorgeschoben. Wie heißt dieser Riegel? In der EU. Maastricht-Kriterien.
Willy
01:39:22
Die Maastricht-Kriterien.
Erwin
01:39:24
Ja, mit drei Prozent. Und wer hat diesen Riegel vorgeschoben? Natürlich die Reichen. Weil die dann wissen, wenn die Schulden zu hoch sind, dann müssen sie irgendwann ihre Guthaben hergeben. Und das war Ende der 20er Jahre, das hat Roosevelt gemacht, der hat dann die Mitbürger in Amerika nach dieser extremen Depression besteuert mit teilweise 80 Prozent. Der hat ja gewusst, da muss man das Geld dortholen. und der Flashback, dann ist er eine Zeit lang sehr gut gegangen, am meisten prosperiert hat Amerika in den 60er Jahren, die waren auch im Krieg, aber sie hatten keinen Krieg bei sich, im Unterschied zu uns. Und dann kam Reagan und Thatcher und haben das Ganze wieder in die andere Richtung geleitet. Und jetzt sind wir am Ende dieses Prozesses angelangt und dieses Spiel ist immer das Gleiche. Und entweder, und jetzt, was machen so Leute wie ich, und was machen so Leute wie der Domer, vielleicht weniger, aber andere, die versuchen da irgendwie ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen. Mehr ist es nicht.
Willy
01:40:28
There is a crack in everything.
Erwin
01:40:30
Genau, das ist der schöne, na wie heißt der?
Willy
01:40:33
Nein, Witz.
Erwin
01:40:35
Nein, das ist nicht der Domer Witz.
Willy
01:40:36
Ich verwechsel es zwei immer wieder. Der andere. That's where the light gets in. Genau. Aber weil du jetzt vorher die Maria Jiménez, glaube ich, Wilma aus Gärten oder so, was du gesagt hast, ich habe mir das angeschaut und das ist mega inspirierend und ich hoffe, das ist ja wieder die Grundsache. Aber da ist wieder meine Frage, jetzt sagt sie selber in Interviews, aber auch im Film, sie hat dieses Land, das sie bewirtschaftet, das ist da Brandenburg, Brandenburger Wüste, umsonst zur Verfügung gestellt haben, von ihrem Schwiegervater, glaube ich, war das. Und damit sie das überhaupt ins Rennen bekommen hat, sie hat sich selber nichts ausgezahlt, sie hat geerbtes Vermögen gehabt, damit sie das überhaupt starten kann. Gut und Bösel ist mir auch wieder eingefallen. Ähnliche, ich glaube, die ist gar nicht so weit weg.
Erwin
01:41:26
Das ist gar nicht so weit weg, aber ganz anderer Typ.
Willy
01:41:29
Ganz anderer Typ wieder, aber trotzdem, es ist so, da ist so eine Selbstverwirklichungskomponente drinnen, die aber durch Vermögen selbst erst wieder möglich möglich worden ist. Und ich sehe das auch ganz oft bei so Startups, mit denen ich rede. Also ich habe gar nichts und ich quasi, wenn bei mir das krochen geht, das BauertothePeople-System, dann bin ich morgen, habe ich gar nichts mehr. Da ist teilweise, sage ich mal, so ein bisschen risikoloses Investieren in so gute, sinnvolle, aber auch Selbstverwirklichungsprojekte. Das ist so meine Kritik ein bisschen bei diesem Projekt. Wie schafft zum Beispiel ein verschuldeter Bauer im Mostviertel, der dieses, der Maria sieht, was sie da macht, dass er das, was sie da tut, umsetzt.
Erwin
01:42:10
Na, gar nicht. Na ja, gar nicht. Nein, nein. Da gibt es ja einen interessanten, sogar einen Film drüber, der Bauer und der Bobo.
Willy
01:42:21
Liebe Grüße, Christian.
Erwin
01:42:22
Oder umgekehrt.
Willy
01:42:24
Nein, Bauer und der Bobo.
Erwin
01:42:26
Den Film haben wir angeschaut, vom, Langbein. Langbein, Kurt, genau. Ja, der erste Teil von dem Film ist super und im zweiten haben sie komplett versagt.
Willy
01:42:39
Okay.
Erwin
01:42:40
Im zweiten Teil hätten sie zur Raiffeisenkasse gehen müssen und sagen müssen, warum habt sie den fallen lassen? Ja, weil gerettet worden ist er ja durch Klenk und seine Aktivität mit dem Groundfunding. Das war großartig, auch wie der Klenk das schildert in dem Film. Das ist richtig spannend. Ich dachte, ein Spiel würde ich machen.
Willy
01:43:01
Ja, aber die Geschichte weiter erzählen. Ich glaube, sie kritisieren dabei irgendeine Bank.
Erwin
01:43:06
Das, was es noch gibt, über das kann ich noch nicht reden. Ich kann nicht über das reden, was es gibt. Das habe ich auch mit Let's Make Money und solchen Dingen gemacht. Und dort musst du richtig eingreifen. Dort musst du richtig eingreifen und sagen, warum lässt der Bank den fallen? Und zu Maria nochmal zu kommen, da ist es ja so, dass ihr Schwiegervater, der Michael Werner, der sehr bekannter Galerist ist in Deutschland, in der Zwischenzeit ein älterer Herr, mit seinem Vermögen endlich was Sinnvolles gemacht hat.
Willy
01:43:38
Ja, das ist nicht meine Kritik, dass sie es macht, sondern es ist mir lieber, wenn einer mit Geld was Sinnvolles macht. Die Frage ist immer die gleiche, was ich vorher gestellt habe. Wie bringe ich das in die Masse? Es ist schön, wenn sie es macht und das als Beispiel auch dokumentiert wird. Aber letztlich ist es wurscht. Auf der wirtschaftlichen Ebene, dass sich etwas ändert. Wir haben ein schönes Beispiel, das ist wunderbar.
Erwin
01:44:08
Ob es letztlich wurscht ist, das kann man ja gar nicht wissen.
Willy
01:44:10
Das ist hart formuliert. Das ist nicht hart formuliert,
Erwin
01:44:11
Sondern man kann es ja gar nicht wissen, weil die Dinge verändern sich schon. Nur sehr langsam.
Willy
01:44:17
Ja, aber uns geht die Zeit aus. Was für Zeit? Naja, die Zeit, bis die Atmosphäre, sowohl die ökologische als auch die gesellschaftliche, wieder vor einem Kipppunkt steht, das du ja selber beschrieben hast. Die Zeit geht uns so gesehen nicht aus, weil wenn es kracht, dann geht die Zeit weiter.
Erwin
01:44:34
Was meinst du mit krachen?
Willy
01:44:35
Naja, größerer Konflikt, irgendein Kipppunkt, den viele Menschen, Klimaforscher beschreiben das, die Meereströmungen auf einmal stehenbleiben, was auch immer. Es gibt genug Szenarien, wo ich mir denke, okay, die Leute wissen das, von was sie reden. Wir wissen nicht, wann er kommt. Und dann ist es halt ein bisschen zu spät, zumindest für einen Großteil von uns oder sowas. Ich habe so das Gefühl, zumindest entsteht der Eindruck, uns geht ein bisschen die Zeit aus und auf diese Veränderungen zu warten. Also ich war mit 2001, glaube ich, im Ministerium oder sowas, dort ist Nachhaltigkeit als Begriff gekommen. Dann war es resilient. Dann waren alle Hype mit Nachhaltigkeit. Dann sind auf einmal die CO2-Zertifikate gekommen, viel ist geredet worden, Nachhaltigkeitsberichte in Unternehmen und, und, und, und, und, und. Jetzt weiß ich nicht, ob ich ungerecht bin, aber ich habe das Gefühl, es hat sich Zwar viel da, aber nicht viel geändert. Wir reden nach wie vor von den gleichen Problemen. Und der Götzsch macht immer noch synthropische Landwirtschaft und Maria macht immer noch eine super Landwirtschaft dort. Aber so im Kern, das Ding hat sich eher verschärft und nicht verbessert.
Erwin
01:45:41
So ist mein Eindruck. Das hat sich verschärft, richtig. Götzsch, ich habe gerade heute mit ihm einen Sohn gehabt. Er ist in Mexiko, weil er nächste Woche leider… Aus Brasilien raus. Nein, weil der Götzsch wird in der Zwischenzeit von Regierungen und Ministerien kontaktiert, das wird halt nicht so groß geschrieben, weil die auch nicht mehr weiter wissen.
Willy
01:46:06
Ja, der Dom ist auch einladen, war nach Japan, zum dort was machen. Eingeladen werden sie eh immer als Experten. Das ist so ein bisschen...
Erwin
01:46:14
Die Schwierigkeit ist was anderes. Und darum heißt es auch viel mehr wie Fit the World. Die Schwierigkeit sind, ich will das jetzt nicht zurückschieben, aber die Schwierigkeit ist, das ist eine Veränderung, geht nur von unten nach oben. Die geht nicht von oben nach unten. Und zwar nicht, weil die Politiker...
Willy
01:46:32
Ist das dogmatisch, oder? Ist nicht dogmatisch. Glaubst du nicht das FOMA? Ja, okay.
Erwin
01:46:35
Nicht, weil die... Nein, die Politiker sind... Ich kann es dir erklären. Ja. Ich habe einen Erklärungsversuch und so. Ja. Ich habe es sicher nicht die... Die Wahrheit ist ein ganz schwieriger Begriff. Aber, die Politik... Politiker sind die Wasserträger des Kapitals. Und aus dem Grund geht, und das geht runter, ich würde einmal sagen, jeder über 3.000, 4.000 Euro netto Einkommen ist Wasserträger des Kapitals. Und traut sich aus dem System nicht mehr aussteigen, weil sie denkt, geht mir eh gut. Irgendwie komme ich gut über die Runden, je nachdem. Manche haben dann 5.000, 6.000 Gewerkschafter. Gestern haben wir was angeschaut, da jetzt die Diskussion, Herr Zeiler versus Herr Babler, und dann sagt er, naja, die Gewerkschaft, da verdiene ich auch schon 9000 Euro netter und so weiter und so fort. Ja, der macht ja keine Gewerkschaft mehr, der will ja nur mehr seinen Posten behalten und eine hohe Rente irgendwann haben. Das ist aber keine Bewegung.
Willy
01:47:40
Das System ist satt, meinst du?
Erwin
01:47:43
Nein, natürlich ist das komplett übersättigt. Und die Sattheit macht total träge, das ist doch klar. Und wie können wir eine Veränderung kriegen? Die einzige Frage, die da im Raum steht, ist, wie kriegen wir eine positive Veränderung in Friedenszeiten? Und nicht durch einen Crash wieder.
Willy
01:48:03
Ja, genau. Wie schaffen wir das?
Erwin
01:48:05
Ja, indem wir jetzt da reden, indem wir solche Filme machen, indem wir solche Filme anschauen, indem wir diskutieren und indem junge Leute, und das gibt es in der Zwischenzeit, die sagen, ich tue da nicht mehr mit.
Willy
01:48:22
Ja, die hat es auch schon immer gegeben, oder? Früher haben sie Glockenhosen angehabt, dann haben sie das gehabt.
Erwin
01:48:25
Glockenhosen heißen ja, die tun nicht mehr mit. Ja, das sind polisch.
Willy
01:48:28
Du weißt, was ich meine. Es hat immer so Leute gegeben, die Punks, Punkbewegung, die zumindest gegen was waren, manchmal auch für was, oder auch gesagt haben, da mache ich nicht mit und das Bestehen nicht kritisiert haben. Das gehört zur Gesellschaft dazu, wie die Sonne zum Mond. Und die zwei gibt es noch miteinander. Also so ein bisschen so eine Gegenbewegung hat es immer schon gegeben. Ist die jetzt lauter die heutige, die Greta Thunbergs und, und, und, und, meinst du die?
Erwin
01:48:56
Nein, die meine ich nicht. Wen meinst du? Die Greta Thunberg war eine gewisse, was sagt man denn, Symbolfigur.
Willy
01:49:02
Ja, symbolisch für die Bewegung, für Fridays for Future, für die letzte Generation und so weiter, wie sie auch alle heißen, die jetzt sagen, erst reicht es. Hat es die nicht immer schon gegeben? Oder sind die jetzt einfach mehr? Ja.
Erwin
01:49:17
Also, wenn man sich das jetzt anschaut, die 60er Jahre, wo dann so Stones und so Musikgruppen aufkommen sind, erstens einmal der große Woodstock, genau, 69, die darfst du nicht vergessen, diese Gesellschaft war damals, wenn man Woodstock 69 rechnet, 70 ist ein bisschen einfacher zum Rechnen, diese Gesellschaft war mit 70 25 Jahre alt. Diese Gesellschaft, von der wir heute reden, ist 81 Jahre alt. Und ein 81-jähriger Mensch hat andere Herausforderungen wie ein 25-Jähriger. Und darum war damals Glockenhose und was immer, der Woodstock und Free Love und Flower Power und so weiter, das war eine andere Bewegung. Diese Leute sind ja dann… Aber auch Gegenbewegung. Natürlich war die 68er-Bewegung auch eine Gegenbewegung. Die 68er-Bewegung, aber die hatten, was alles damals kein Thema war, war die Klimasache. Die war kein Thema. Das hat gerade Anfang der 70er-Jahre hat man glaubt, ernsthaft geglaubt, wir gehen auf eine Eiszeit zu.
Willy
01:50:23
Ja, Club of Rome war in der Zeit, das war in den 70er-Jahre, oder? Aber da hat damals keiner gelesen.
Erwin
01:50:28
Nein, aber der Club of Rome war ja, der hat ja witzigerweise gar nicht vom Klima geredet.
Willy
01:50:32
Nein, ich nicht.
Erwin
01:50:33
Der hat ja geredet von Grenzen des Wachstums.
Willy
01:50:35
Von Ressourcen etc. und so indirekt dann quasi ist das Klima dann ein Thema gewesen. So ist es.
Erwin
01:50:40
Aber jetzt glaube ich, was der große Unterschied ist, ist, dass es jetzt, wenn man den heurigen Sommer hernimmt, ja physisch spürbar ist, dass da was anderes ist. Das ist das eine. Und das andere ist, dass dazukommt, und das war damals auch nicht, All diese Leute, die wurden ja viel kritisiert, die 68er und die dann spät, die sind ja alle in Spitzenpositionen gekommen. Die haben ja alle wahnsinnig viel Geld verdient. Denen hat ja das System durch das Geldverdienen auch eine Orientierung gegeben. Und das ist jetzt völlig anders. Wenn ich da eben erzähle, ein Hotelzimmer steigt in drei Jahren um das Doppelte. Und sicher seit Corona ist alles ein Drittel teurer geworden. Alles. Und das spüren die Leute. Und der ökonomische Druck und gleichzeitig, und darum wollen ja gewisse Leute jetzt Wachstum, Wachstum, Wachstum und dieses Wachstum, Wachstum, Wachstum geht aber mit einer sogenannten grünen, Politik oder grünen, ich würde nicht sagen, grünen Politik ist falsch. Wie heißt es? Blue Planet Green World oder so. Also mit Grün meine ich jetzt, wo... Die Naturprozesse wieder in eine Regeneration kommen müssen. Um das geht es ja eigentlich. Das geht mit diesem Wachstum nicht zusammen. Und gleichzeitig ist aber das Ganze am Ende, 81 Jahre, am Ende, das ist ziemlich, da ist ein Mensch bald am Ende, das ist schon im Durchschnitt von einem Mann schon erreicht, ein Durchschnittsalter. Geht es darum, dass plötzlich, obwohl nur Wachstum, Wachstum, Wachstum war, so eine große Verordnung ist. Wir gehen in eine Altersarmut, das kannst du dir gar nicht vorstellen. In Deutschland, beim letzten Film, den habe ich in Deutschland geschnitten, das war 2000, ich bin gar nicht mehr ausgegangen und in Berlin, so viele Leute gehen da Flaschen sammeln. Warum machen die das? Ich frage. Ich habe mit einer Cutterie geschnitten, der Bruder geht Flaschen sammeln. Was hat der Bruder gemacht? Ja, der war sein Leben lang Betriebselektrik in einem Spital. Ja, der kann von seiner Renten nicht leben. Im reichsten Land der EU. Da stimmt was nicht. Das ist das Ding und das geht jetzt zusammen mit dem und das ist anders und Glockenhosen hin und her. Das ist ein ganz anderer Protest. Da geht es um das Eingemachte. Und Herr Piketty hat ja unlängst, im Standard ein Interview gegeben. Thomas Piketty. Thomas Piketty, genau. Star-Ökonom aus Frankreich.
Willy
01:53:23
Kapital im 21. Jahrhundert.
Erwin
01:53:25
Ja, genau. Und Herr Piketty, wie retten wir diesen Welt? Oder wie retten wir die Welt? Weniger arbeiten. Und anders verteilen. Und das haben die ganzen Gewerkschafter und die Sozialdemokraten komplett vergessen. Sie haben viele Positionen besetzt mit ebenso neoliberalen Leuten in allen Ländern. Die Sozialdemokraten nenne ich aus dem Grund, weil die Sozialdemokraten waren, oder Demokratien müsste man eigentlich sagen, waren die erfolgreichste politische Bewegung, die es in der Geschichte der Menschheit gibt. Die haben auch in dieser Stadt und in diesem Land von den Ziegelarbeitern am Wiener Berg, wo das Ganze begonnen hat, wo ein Arzt hingeholt worden ist, Julius Dandler, und die katastrophalen Zustände gesehen und die gesagt haben, so, da grönt man eine Partei, das ist eine Katastrophe, was da geht. Die haben diesen Arbeiter, dieses Sklaventum, das gibt es nicht mehr. Da kam das Rote Wien, da kamen die Gemeindewohnungen, wo jeder Klo, Wasser, Bett drinnen hat, aber das kann keine Luxuswohnungen sein, aber sie sind weltberühmt. Das ist eine der positiven Sachen, dass die Wiener Sozialdemokratie bis heute nicht verkauft hat, was anderswo geschehen ist, in Großbritannien zum Beispiel, und so weiter und so fort. Das waren die großen Errungenschaften und die haben dann irgendwann begonnen, ihr Ziel aus den Augen zu verlieren. Und darum haben wir solche Verwerfungen und du brauchst eine politische Bewegung, sonst kannst du es nicht machen.
Willy
01:55:03
Jetzt, wenn du schon die ganze Zeit von der Sozialdemokratie redest, die sich fragt, was mir die ganze Zeit unter die Nägel brennt oder was braucht die, das ist ja nicht nur österreichisches Problem, das mit der Sozialdemokratie, das ist ja bis auf ein paar Ausnahmen eigentlich europäisch, also vielleicht sogar global würde ich jetzt nicht sagen, was braucht Haben die vergeigt, dass sie so...
Erwin
01:55:24
Sie sind zufriedene, satte, wenn ich gemeint sei darf, feiste, neoliberale Sklaven geworden.
Willy
01:55:36
Wasserträger.
Erwin
01:55:37
Wasserträger.
Willy
01:55:39
Was müsst ihr denn da?
Erwin
01:55:41
Das, was in ihren Wortlaut drinnen steht, nämlich sozial, wieder ernst nehmen. Sonst kommt die Alternative.
Willy
01:55:58
Ich schaue nochmal auf deine Filme. Systemkritik, Kritik an Banken, Konzernen und mir fehlt auch große Gruppen. Zumindest war das so ein bisschen mein Eindruck, nämlich die Konsumentinnen und Konsumenten, nämlich mir selber. Es gibt sowas wie diesen Citizen-Consumer-Gap, wo du sagst, ich frage einmal die Bürgerinnen und den Bürger, was würdet ihr zum Beispiel, wie wichtig ist euch Tierwohl? Super wichtig. 95, 90 Prozent Zustimmungsraten. Dann schaue ich auf die Kasse, was dann quasi der Consumer macht, die Konsumentin und dann kaufen sie irgendwie so 10, 15, 20 Prozent oder sowas. Du hast einen riesigen Gap zwischen dem, was ich quasi moralisch als Bürgerin, Konsumentin, was auch immer, glaube, was richtig ist und dem will ich mich dann verhalten. Jetzt war viel Kritik an Konzernen, an Systemen etc. Was für einen Anteil haben wir als Konsumentinnen, als Bürgerinnen daran, dass die Welt jetzt noch nicht dort ist, wo sie sei, so ist? Ist das so, kommt mir vor bei deiner Kritik, die Konsumenten sind noch nicht richtig darunter gekommen.
Erwin
01:57:17
Ich finde das sehr witzig, was du da sagst, Weil offensichtlich, du nennst zwar die Titel, du nimmst sie aber nicht ernst. Darum heißt er ja We Fit The World and not The. Darum heißt es ja Let's Make Money und nicht Let they Make... Ja, nicht die anderen sind. Ich bin kritisiert worden, der Filmtitel ist falsch. Das heißt ja They Feed The World. Nein, We feed The World. Und diese Macht des Konsumenten lasse ich insofern gelten, wenn er mündig ist. Wenn er aber nicht mündig ist, weil immer mehr Verhältnisse eintreten, und darüber haben wir davor gesprochen, dass Frauen bei irgendeinem Supermarkt, ist ja wurscht bei welchen. Arbeiten unter Verhältnissen, wo sie am Abend nichts anderes mehr tun können, außer ins Bett fallen. Dann kann man die nicht für so mündig erklären. Dann kann man die nicht so zur Verantwortung ziehen. Diese Aufgabe wäre die Aufgabe der Intellektuellen, der gebildeten, der akademisch ausgebildeten Leute. Zu der Zeit, wie ich jung nach Wien gekommen bin und meine Freundin alle, und ich wollte ja auch studieren, zum Studieren angefangen haben und so weiter, war irgendwie noch klar, dass jemand, der ein Studium abschließt, Mehr oder weniger eine Verantwortung übernimmt danach, wo er auch eine Art der Machtkontrolle hat. Ganz speziell die Leute, die dann in die Medien gegangen sind, die vierte Macht und so weiter im Staat. Das ist alles weggefallen. Warum ist das weggefallen? Weil die akademisch gebildeten Leute, oder ich fange anders an, in der Wissenschaft, in der Forschung, die deutsche Zahl weiß ich und Österreich wird nicht weit entfernt davon liegen, ist fünf Sechstel Drittmittel finanziert. Ja, was soll da für Forschung rauskommen?
Willy
01:59:14
Ja. Das ist schon so normal geworden.
Erwin
01:59:18
Das ist ganz normal geworden. Das hat sich eingeschlichen. Und jetzt die allermeisten, die jetzt so Soziologie und solche Sachen, nein, ich will mich nicht lustig machen. Ja, ich habe es gut gemacht. Aber die, nicht nur Soziologie, auch Architektur und so, wenn die wirklich, oder jemand, der Film studiert, wenn jemand Film studiert an der Wiener Filmakademie oder München oder ich weiß nicht wo, und dann wirklich nachher sagt, ich will eigentlich jetzt einen sicheren Job haben, weil sie unsichere Zeiten sind. Dann geht er zum ORF oder zu einem öffentlich-rechtlichen Sender, wo diese Leute, natürlich heißt das Film und Fernsehen, das Studium, wo sie dann dort einen Job kriegen, ein gutes Gehalt kriegen und so weiter und so fort. Und das sind, und jetzt komme ich dazu, das sind immer Jobs, Erstens haben wir sonst Jobs, das ist schon mal schlecht, dann keine Arbeit. Und zweitens, sind es Arbeitsstellen, die irgendwie vom Staat alimentiert werden, in irgendeiner Form. Ja, jetzt beim OF sieht man ja auch, wie das funktioniert mit der Haushaltsabgabe, weil es eben irgendwie eine öffentliche Stelle ist, die bezahlt wird oder man ist in der Forschung dann und das hängt irgendwie an der Akademie der Wissenschaft. Das ist jetzt keine Kritik, sondern. Das ist eine Beschreibung von dem, was passiert. Und diese Leute natürlich dann, die sind nicht, die Hand, die mich füttert, die schlage ich nicht.
Willy
02:00:50
Die sind gekoppelt quasi an dem System.
Erwin
02:00:51
Die sind gekoppelt an dem und die sind nicht besonders, die machen keine besondere Kritik da drinnen. Und Leute, die außerhalb sind, so wie ich, die müssen sehr aufpassen, dass sie nicht in….
Willy
02:01:05
Ein Podcast ist falsch, ist es so.
Erwin
02:01:07
Auch das in der Zwischenzeit. Das ist eigentlich die allerschlimmste Veränderung. Und es gibt Umfragen in Deutschland, wie viele Leute sich noch sagen daran, was sie sich wirklich denken, was sich Leute trifft, die sagen, die habe ich schon lange nicht mehr gesehen, ich gehe nirgends mehr hin.
Willy
02:01:22
Das kannst du machen, was du fuck your money hast.
Erwin
02:01:27
Dann bist du aber auf der anderen Seite und wie gesagt, das beginnt, glaube ich, sehr weit unten. Das beginnt sehr weit unten. Und was ist so ein Staat? So ein Staat ist nicht mehr ein sehr beweglicher, lebendiger, demokratischer Staat, der vorankommt. Und in diese Sättigung, das ist dann satt. Das ist satt und wie auch immer. Der einzige Unterschied, den ich machen will, ist, dass ich nicht sage, die Leute sind alle selber schuld, sondern wir sind in so eine Lage gekommen durch Selbstverschuldung, durch verschiedene Vorgänge, die uns verunsichert haben, durch Verunsicherung, dadurch, dass wir keine Selbstwirksamkeit mehr spüren.
Willy
02:02:10
Selbstverschuldete Unmündigkeit, ist schon länger her, dass das jemand geschrieben hat, aber die Richtung, von dem rätst du, ein bisschen.
Erwin
02:02:16
Genau.
Willy
02:02:18
Müssen wir es auflösen?
Erwin
02:02:20
Indem man jetzt, und darum will ich kein Zyniker sein und glaube, bin ich auch nicht.
Willy
02:02:26
Das war ja noch eine Frage.
Erwin
02:02:27
Nein, indem man jetzt Mut macht. Das ist das Einzige, was mir dazu einfällt, Mut macht und sagt, Moment einmal, wenn wir genau herumschauen, geht es uns ziemlich gut noch und es bricht nichts, aber und vielleicht sollte man Dinge beenden, die man nicht mehr haben will, indem man wieder mal zu einer Vernunft zurückkehrt. Wenn du Frieden willst, musst du mit deinem Feind sprechen und so weiter und so fort. Und das haben gewisse Leute einfach nicht mehr am Schirm. Man darf auch nicht vergessen, wenn man über die Politik rät in dem Fall, weil das muss die Politik machen, weil das war ja die Idee. Die repräsentative Demokratie, die hat ja eine sehr fiktionale Grundidee, nämlich, dass einer oder eine, die da gewählt wird, Dann müsste man sie ausrechnen. In Österreich glaube ich sind 183. 183. Abgeordnete.
Willy
02:03:21
Ich hoffe, es hat gestimmt. Oder 184.
Erwin
02:03:25
Ich glaube, es sind 183. Das geht es jetzt nicht. In Deutschland sind es über 500. Die repräsentieren dann 9 Millionen. Das sollten Experten sein.
Willy
02:03:38
Wenn sie mit ihr helfen. Politische Expertinnen und Experten.
Erwin
02:03:42
Eigentlich nicht. Das war nicht die Idee von der Demokratie, dass das Experten sind, sondern die Idee war, dass weil wir ja nicht alle ins Parlament gehen können und dort abstimmen können über brauchen wir Straßen, was machen wir für Gesetz, über wann wollen wir Jugendschutz, wie ist das und so weiter und so fort. Über so, gesellschaftliche Fragen, das soll kein Experte sein, sondern der repräsentiert unsere Meinung.
Willy
02:04:05
Warum ich das gesagt habe, das möchte ich dir ergänzen, weil ich mir dachte, du brauchst schon eine gewisse politische Politik für sich selber, ist ja eigentlich auch eine Kompetenz und ich kann dich als Bürger nicht haben, weil ich mich mit Podcasts beschäftige von mir aus oder so und du brauchst halt dann Menschen, die halt auch in der Lage sind, politische Prozesse dann auch zu übernehmen, zu entscheiden, dort mitzuarbeiten. Also Politik ist für sich selbst genommen schon wieder eine Kompetenz, die ich nicht habe und die man von dir erwarten würde. So habe ich es gemeint. Aber ich weiß, was du meinst.
Erwin
02:04:39
Ich würde sagen, wenn man oft Bitte widersprich mir. Das Wort Experte, da kriege ich jetzt mehr Angst. Ja, also ich habe vor Experten Angst, weil wir sind nur mehr eine Gesellschaft der Experten und Expertinnen und keine Generalisten mehr. Es muss ja irgendwer etwas überblicken.
Willy
02:04:59
Ja, aber es braucht schon Spezialisten. Ich sehe mich auch immer gerne als Generalist. Es hat so etwas Generöses auch ein bisschen, da steckt schon ein Wort drinnen.
Erwin
02:05:07
Kann ein Fachmodell sein.
Willy
02:05:09
Das ist so Experte. Das ist der Experte,
Erwin
02:05:11
Genau. Aber in der Medizin zum Beispiel, wenn jemand Zahnarzt wird.
Willy
02:05:15
Hast du schon gerne einen Experten?
Erwin
02:05:17
Schon, aber da hätte ich aber gerne einen Experten, der weiß, wenn er da in den Zaun reingebaut, dass er in der kleinen Zechen ein Problem kriegt vielleicht. Und solche Zahnärzte gibt es, ich habe so einen zum Beispiel. Also der sich wirklich gesamtmedizinisch richtig auskennt und nicht ein reiner Tentist ist und ein Experte ist, wie man eine Krone draufschraubt, sondern der medizinisch, Holistisch ist. Holistisch ist ein guter Begriff. Richtig. Und das ist ja dann ein Generalist, der sich spezialisiert hat auf Zähne oder auf Herz oder auf irgendwas anderes. Aber das sind schon Leute, das ist ähnlich wie beim Film machen. Und nicht nur die Regie sehe oder irgendwas, ich muss ja das ganze Ding sehen.
Willy
02:05:59
Ja, aber du kannst nicht überall einbefuschen. Das ist ja inzwischen so komplex, dass man, ich weiß jetzt nicht, beim Film kennst du aus, aber generell die Welt ist schon, es gibt so viel Wissen, dass ich gar nicht alles überall wissen kann. Also jetzt wirklich holistisch zu arbeiten, bei all dem Wissen.
Erwin
02:06:13
Moment einmal, aber Wissen, weil es so viel Wissen gibt, heißt das nicht, dass es viel Weisheit gibt.
Willy
02:06:18
Ich habe jetzt ja Wissen gesagt.
Erwin
02:06:19
Ja, aber... Das Wissen ist sowas von flüchtig, das kann man sich überhaupt nicht vorstellen. Ich habe Nachrichtentechnik gemacht, das war so anstrengend, das war wirklich Analogtechnik, Kreuzmodulation, wie Signale übertragen werden. Unsere Professoren haben gesagt, schaut da unsere Kollegen da drüben, die Maschinenbauer, die haben es so gut, weil die sehen alles. Wir sehen nichts. Das ist rein theoretisch. Darum ist da so viel Mathematik drinnen und so weiter und so fort. Dieses ganze Wissen von dieser Analogtechnik damals, Das kann in Österreich noch einer in einem Museum brauchen vielleicht, wo sowas irgendwie gespeichert wird. Wenn ich heute da zurückgehen würde in diesem Beruf.
Willy
02:07:03
Würde ich nicht einmal in ein Museum vielleicht,
Erwin
02:07:06
Kann ich einen Karsprall spielen, aber in einer Firma, die sich da mit Übertragungstechnik beschäftigt, da kann ich nicht einmal als Lehrling, als Lehrling kann ich anfangen. Also das ist Wissen, das ist sehr, sehr flüchtig. Das Wissen nutzt uns ja nur, wenn es zur Weisheit wird, wenn wir es wirklich anwenden können.
Willy
02:07:25
Ja, schon, aber ich habe jetzt gemeint, du nimmst jetzt das Beispiel vom Dentisten. Jetzt ist das eine schon ein Studium. Wenn du jetzt aber sagst, damit ich weiß, wie das in meinem Zehchen sich auswirkt. Medizin als Ganzes, wer kann denn heute noch Medizin als Ganzes? Ich kann es gespüren, ich kann dafür eine Kompetenz und eine Fähigkeit entwickeln, aber das wirklich holistisch beim aktuellen Wissensstand zu betreiben, wer ist denn da noch in der Lage? Ja. Das ist ja einfach viel geworden, nicht?
Erwin
02:07:50
Das ist viel geworden, aber der Mensch ist immer der gleiche. Und der hat sich jetzt nicht verändert und nicht auf einmal gewachsen und sieben Fingern. Und aus dem Grund musst du ja zwei Finger mehr denken oder so. Sondern wo das Wissen mehr geworden ist, ist einerseits dieses Spezialwissen, was sehr viel zu tun hat mit Technik. Diese Maschinenmedizin, die ist in einem Bereich richtig weltmeisterlich. Das ist der ganze chirurgische Bereich. Da kam es ja so unvorstellbar, unvorstellbar gut. Wenn du Herzrasen hast unter Umständen oder was Banales, irgendwie Neulatermitis und solche Sachen, da ist es aber ganz, kann sein, dass da wenig helfen können.
Willy
02:08:38
Ich weiß ja eh was, es ist so unter dem ganzen Wissen, das haben wir bei Social Media auch schon mal gehabt, unter der ganzen Information ist ein bisschen das Gespürverlangen gegangen. Also so wir haben glaube ich am Anfang auch ein bisschen gehabt diese Orientierungslosigkeit in der heutigen Zeit wem glaube ich noch, wer hat noch Autorität Wissensautorität oder Vermittlungsautorität, da ist ja vielleicht also zu viel Wissen, Wissen ist nicht schlecht, aber zu viel Wissen geht auf die Kosten von einem Gespür wahrscheinlich dann, oder? weil ich mich ich habe auch oft das Gefühl, dass ich mit allem dem, was ich da abdecken so thematisch, dass es mich einfach komplett erschluckt und dass ich dann, wenn ich mir zu viel vorbereitet auf ein Thema, auf einen Gast, dass ich nicht mehr gespür. Und dass ich dann das Gespräch auch gar nicht mehr führen kann, weil ich einfach zu sehr in meinem Wissen und was ich mir angeeignet habe, drinnen bin und dann einfach kein Gespür mehr habe, dass ich mich einfach auf die Situation einlasse. Weißt du, was ich meine?
Erwin
02:09:32
Ja, ungefähr.
Willy
02:09:33
Ich suche da ein bisschen so Analogie herzustellen und man kann es dir sagen, was ein Blödsinn ist. Oder ob man dem jetzt nicht folgen kann, dass du zuerst...
Erwin
02:09:41
Naja, wir waren da beim Spezialistentum und. Diese schnellen Sager, sind natürlich unter Umständen sehr flockig und auch verführerisch, aber sie sind, also ich glaube, was wir verloren haben, ist auch ein wenig dieses, in der Philosophie gibt es ein sehr schwieriges Buch vom Kierkegaard Entweder oder und meine Philosophie wäre sowohl als auch, und weil der Doma bei dir war weiß ich nicht ob er dir erzählt hat von seinen Fingern, Der Thomas hat ja, also ich war witzigerweise gerade zu dem Zeitpunkt bei ihm, den Finger verloren. Jetzt hat er mir einen Finger, ich glaube einen Zeigefinger, weil er beim Radl reinigen, Elektroradl da rein griff und da ist ein Motor den Finger weggeputzt. Und dann ist er sofort den Finger genommen und die Frau war daneben und sofort ins nächste Spital. Das ist alles sehr schnell gegangen und die haben ihm super den Finger wieder angenommen. Und haben das präzis gemacht. Ich weiß nicht, wie viele Nerven. Ich kenne mich als Spezialisten. Dann haben sie es super gemacht. Dann haben sie aber gesagt, jetzt kommt aber die zweite, das erste haben wir jetzt geschafft, jetzt kommt die zweite, jetzt hoffen wir, dass es nicht sepsisch wird. Wir haben zwar alles ausgeputzt, aber gut. Und es ist sepsisch geworden. Jetzt war ich dann wieder zum Hin und dann hat er gesagt, das müssen wir nehmen. Den verlieren sie jetzt den Finger, das geht nicht. Und dann hat der Thomas gesagt, na warten wir noch. Und ist heimgegangen und die Karin Thomas, eine Frau, oder damalige Frau, die eine Drogistin ist und Pechsalbe einkocht, die ich auch immer verwende, wenn ich so äußere Verletzungen habe. Musst du Pech hast, nicht? Musst du Pech hast, aber das kommt eher vom Lerchenpech. Und dann mit der Pechsalbe das behandelt und es ist weggegangen. Und dann ist der Doma wieder ins Spital und hat gesagt, das ist weg. Und alle sind zusammengerannt und haben gesagt, dann hat der Doma gesagt, was machen wir jetzt? Und dann haben die zusammen gehocht, weil sie humorvolle, Mediziner und Medizinerinnen waren offensichtlich und haben gesagt, mit dieser Behandlung weiter. Und wenn man jetzt untersucht, eine Pechsalbe von einer organischen. Wie sagt man denn, natürliche Heilschunde, ja. Naturheilkunde ist so ein komplexes Ding, das kann man synthetisch nicht herstellen. Und dort beginnen jetzt, und wenn es jetzt aber zu einem Spezialisten zum falschen Spezialisten kommt, dann verschreibt es dir aber nur irgendeine Salbe. Und das meine ich sowohl als auch. Genau das meine ich. Dieses Spezialistentum der Chirurgie, die einem den Finger angenaut haben, den er bis heute hat und mit dem er glücklich durch die Welt geht, weil es nicht lustig ist, wenn man den Finger verliert, und eine andere Weisheit, die Jahrhunderte irgendwie überliefert wurde und auch nicht einfach so zum Wegwerfen ist. Und da sind wir jetzt beim Lehmbau, da sind wir beim synthropischen Götzsch, der ja nichts anderes macht, wie die Natur beobachtet und versucht, aus der zu lernen. Während die ganze sogenannte grüne Revolution in der Landwirtschaft ist gleich industrielle Landwirtschaft. Das ist ja sehr oft eine Begriffsverwirrung, weil man falsche Begriffe...
Willy
02:13:25
Ich habe so lange gebraucht,
Erwin
02:13:26
Bis ich das verstanden habe. Der Ernst redet immer von der grünen Landwirtschaft, von der grünen industriellen Revolution. Von seiner. Und ich habe gemeint, der redet von seiner, der redet aber von der anderen, mit dem Kunstdünger, weil die das so genannt haben. Warum lässt man nicht beides gelten? Der Kunstdinger ist sicher in gewissen Situationen verdammt gut. So wie der Beton und der Zement gut sind. Aber wenn ich immer nur monokausal eine Lösung habe.
Willy
02:13:59
Daher sowohl als auch.
Erwin
02:14:01
Daher sowohl als auch. Das ist das, was ich ein bisschen hinterfrage. Und die Lösung ist jetzt Elektroantrieb überall. Erstens einmal der Umbau, bis das alles umgestellt ist und bis ein Düsenjet mit 500 Leuten drinnen elektrisch fliegt, weiß ich nicht, das wird nur eine Zeit lang dauern, warum findet man dann nicht andere Lösungen? Und der Schwierigkeit, ich kann es dir jetzt genau sagen, es ist vor neun Jahren, was die Schwierigkeit bei diesem Umbau ist und was du immer hinterfragst, wann kommt das und warum greift das nicht und wir wissen schon so lange und die haben mit der Glockenhose auch schon protestiert und ich weiß nicht was. Das kann man ja alles einwenden, aber Jonathan Franzen, ein amerikanischer Schriftsteller, hat 2017 ein kleines Büchlein rausgebracht, das ist sehr schmal, ist in einer Stunde zu lesen und es heißt, trägt den Titel zum Thema Klimakomplex, und er ist ganz pessimistisch, und das trägt den Titel Wann, hören wir auf, uns endlich etwas vorzumachen und er arbeitet an der Schwierigkeit dieser ganzen Klimaproblematik warum sie nicht greift. Das ist ja deine Sache, deine Frage, deine Stoßrichtung. Warum greift das nicht? Heraus, warum sie nicht greift. Wenn wir Photovoltaik haben, dann muss die da oben am Tag sein und nicht irgendwo draußen in einem Feld, wo wir Leitungsverluste haben, daher und so weiter und so fort. Dann wird gewaschen in dem Haus oder die großen Verbraucher, wie Waschmaschinen zum Beispiel, sind in einem Haus große Verbraucher, die werden dann eingeschalten, wenn die Sonne scheint. Und das Leben stellt sich um aus dem Grund, wenn es halt eine gewisse Dunkelphase hat, muss man nicht die großen Verbraucher dazunehmen. Und so weiter und so weiter. Da kriegst du dadurch schon eine andere Gesellschaft. Aber warum passiert das nicht? Keine Leitungsverluste, weil es geht nur von da oben da oben. Nur bei der Photovoltaik ist ein Beispiel. Warum passiert das nicht? Dann brauchen wir die großen Elektroversorgungsunternehmen nicht mehr. Und dort sitzen die Aktiengesellschaften drinnen. Und dort ist der Aktionär, der Geld haben will von deinem Strom, den du verbrauchst, und von der Leitung und, und, und. Und dort ist das Problem. Diese Umstellung gelingt nicht. Und nicht, dass ein Einzelner oder eine Einzelne etwas tun will.
Willy
02:16:26
Okay. Kritisierst du da auch die Kleinanleger? Also die Idee, die sich irgendwo ein Portfolio zusammenkaufen, von der sie nicht wissen, was drinnen ist und halt eine Rendite erwarten, die sind ja dann auch wieder wir.
Erwin
02:16:41
Die Börse fünf Jahre abschaffen und es geht uns viel besser. Oder abschalten.
Willy
02:16:47
Ja, okay, das schauen wir nicht. Das wäre ein Experiment. Das wäre ein Experiment,
Erwin
02:16:51
Genau.
Willy
02:16:52
Ich will trotzdem noch einmal ganz kurz, weil ich vorher gesagt habe mit den Konsumenten, dass die da auch einen Beitrag haben, das war ein bisschen abstrakt. Heute ist ja der Welt der Gegenlebensmittelverschwendung. Es ist ja wunderbar, dass wir uns genau an dem Tag zum Podcast treffen. Bei WeFit the World hast du es ja schon drin gehabt, dass Wien so viel Brot wegschmeißt, wie Graz braucht. Ich glaube, die Stadt Wien hat das immer nur auf der Webseite drauf. Ich weiß jetzt nicht, ob es vor den Zahlen stimmt. Aber, was ich sagen wollte, wir hauen jedes Jahr sagen wir 108.000 Tonnen Brot weg, da fahren 13.000 Tonnen im Supermarkt, 52 Tonnen in die Bäckereien und 100.000 Tonnen in den Haushalten. Was du die Lebensmittelverschwendung generell anschaust, ist Landwirtschaft ganz wenig, Produktion ein bisschen mehr, ich habe die Zahlen eh da irgendwo da und das meiste ist wieder im Haushalt drinnen. Also es sind doch Konsumentinnen und Konsumenten, das ist quasi der Konsumentinnenanteil, Da haben wir schon auch Verantwortung, weil die großen Systeme, ich bin jetzt kein Verteidiger von Konzernen oder sonst irgendwas, aber ein Handel ist doch im Prinzip durch eben dieses marktwirtschaftliche Prinzip extrem effizient bei der Vermeidung von Lebensmittelabfällen, auch wenn du das immer siehst, dass quasi die Tonnen beim Supermarkt etc. Aber wenn du es dann in den faktischen Zäunen schaust, die Haushalte schmeißen entlang dieser Lebensmittelwirtschaftungskette, ob es jetzt beim Brot ist oder generell ist, am allermeisten weg. Sind wir da nicht selber auch irgendwo mitverantwortlich? Und bei der Verantwortung, ob ich jetzt was wegschmeiße oder nicht, die kannst du mir jetzt nicht nehmen, oder?
Erwin
02:18:40
Nicht mit erinnert, ich schmeiß ja nichts weg.
Willy
02:18:42
Ja, aber das hilft mir nicht, wenn du nichts wegschmeißt.
Erwin
02:18:43
Das hilft ja nicht, aber noch einmal.
Willy
02:18:46
Wir sind Sau-Battln. Ich nehme mich jetzt selber nicht aus.
Erwin
02:18:55
Nein, nein, nein. Ich würde jetzt nicht zum dritten Mal sagen, dass ich es eh schon in Tiefen geschrieben habe, weil das führt dazu nichts, weil du immer die gleiche Stoßrichtung gehst. Natürlich sind in einer Demokratie, wenn wir das ernst nehmen, alle verantwortlich. Alle.
Willy
02:19:10
Aber sind wir bei den Lebensmitteln auch so unmündig? Ich verstehe es bei anderen, aber sind wir in einer wohlhabenden Gesellschaft wie in Österreich? Beim Thema Lebensmittel, was jetzt nicht die große Kompetenz braucht? Also unmündig? Weil da hält man sich eigentlich in der Hand, ohne große.
Erwin
02:19:29
Ich bin da wirklich ein schlechter Ansprechpartner, weil ich erzogen worden bin. Mit Essen schmeißt man nicht weg. Das ist was Heiliges. Und ich kann auch fast nichts wegschmeißen. Ich bin auch noch so erzogen, dass ich in einem Buch nichts einschreibe. Ich picke in der Zwischenzeit Post-it-Pickel eine wahnsinnig viel und auf das Post-it schreibe ich das drauf, aber ins Buch schreibe ich nichts ein. Ja, kein Eselsohr, oder? Einen mit Bleistift, nein, Eselsohr ist wieder was anderes. Es geht nur. Nein, es geht nur, das mache ich ja nicht. Das macht man nur, wenn man als Kind vielleicht nur bollschert ist und nicht weiß, wie man mit einem Buch... Abgesehen davon greift da, glaube ich, kein Kind mehr ein Buch an. Aber da bin ich wirklich ein schlechter Ansprechpartner. Wenn diese Zahlen so sind, dann wäre es eigentlich Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Medien, das haben sie eh da, weil ich habe das gestern auch gelesen im ORFAT, wofür der Einzelne verantwortlich ist in dieser Miserie, das hängt davon ab, wie er oder sie eigentlich im wahrsten Sinne des Wortes erzogen und gebildet ist.
Willy
02:20:44
Also hast du es im Prinzip eh schon thematisiert ein bisschen? Über das du hast den Bildung gesagt, wie hast du vorher gesagt, nicht Bildung, sondern Lernen.
Erwin
02:20:55
Ich kritisiere nicht Bilden, sondern ich kritisiere, eine Normierung des Denkens.
Willy
02:21:02
Ja, ja, ja.
Erwin
02:21:04
Und, es gibt so viel, was man in meiner Nachbarschaft ein Rätsel ist, was Leute tun, was ich Geräusche höre, was da passiert, es ist mir rätselhaft.
Willy
02:21:19
Ja, das habe ich auch gemeint, so vom Fokuspunkt, wo du dir das Objektiv drauflegst, also das Objektiv hinhalst. War nicht irgendwo so der Konsument oder diese Rolle auch noch irgendwie, ich will keine Frage, wo du da hinhaltest oder sowas.
Erwin
02:21:37
Also ich glaube beim aktuellen Film zum Beispiel, und das ist ja jetzt bei den Filmen, die nicht mehr so große Geldvorgänge, da passiert dann am Börsen so viel Unheil, das kann man sich gar nicht vorstellen. Und die Geldmenge, die dort bearbeitet wird, ist ein Acht- oder Neunfaches der Geldmenge der Realwirtschaft, wo reale Güter sind. Da wird spekuliert und so weiter. Das ist unglaublich.
Willy
02:22:05
Kann aber reale Güter kaufen mit dem Geld.
Erwin
02:22:09
Kann er dann, ja. Aber, ich glaube, das habe ich schon bei den ersten Screenings gemerkt, das Unangenehme, an so einen Film wie Atmosphäre ist, dass du dann schon angestoßen bist, siehst du jetzt Beispiele, die es anders machen, die vorangehen, wenn man so will, und eigentlich dann dich fragen musst, was tue ich.
Willy
02:22:41
Bist du ein schlechtes Gewissen machen, oder was?
Erwin
02:22:43
Nein. Sondern es sind ja so, was mich schon interessiert hat, ist, Filme zu machen. Nicht immer, aber wo nicht wir die Filme anschauen, sondern die Filme uns.
Willy
02:22:59
Also wie der Coldtrain ein bisschen. Du wirst zum Receiver dann. Oder?
Erwin
02:23:07
Natürlich, das hat ja mit dem zu tun. Das ist ja die Aufgabe von solchen. Ein Kinofilm hat ja eine andere Aufgabe, wie ein Fernsehdatat.
Willy
02:23:15
Willst du auch, dass man deinen Film im Kino anschaut?
Erwin
02:23:17
Der funktioniert eigentlich nur richtig gut im Kino.
Willy
02:23:20
Warum?
Erwin
02:23:21
Naja, weil er schon die Fokussierung braucht. Du hast eine andere Fokussierung der Konzentration im Kino, wie im Fernsehen, wo du ein bisschen hinschaust und dann gehst du irgendwie aufs Klo oder, holst dir ein Bier, machst dir ein Bier auf und dann dauert er zwei Stunden und hast eh schon drei Bier gesoffen, dann checkst du gar nicht mehr, was da wirklich ist und so weiter und so fort. Also der braucht diese Konzentration.
Willy
02:23:42
Wie muss ich deinen Film anschauen, damit ich den verstehe?
Erwin
02:23:45
Gar nicht, mit dem Herzen.
Willy
02:23:46
Wie schaut man mit dem Herzen?
Erwin
02:23:48
Man sieht nur mit dem Herzen richtig gut, steht im kleinen Prinz.
Willy
02:23:53
Ja, weil deine Filme, am Anfang hast du noch ein bisschen Musik dahinter gehabt. Also Let's Make Money hast du noch, da waren noch einzelne Szenen, so ein bisschen mit so einem, ich würde schon sagen, eher düsteren Klangteppich ein bisschen hinterlegt.
Erwin
02:24:07
Also Musik habe ich eigentlich immer nur, außer bei But Beautiful, das ist eigentlich ein Musikfilm.
Willy
02:24:11
Ja, da war es klar. Das ist ein Musikfilm,
Erwin
02:24:14
Aber bei den anderen haben eigentlich, habe ich nur Musik verwendet, die ich gefunden habe, unterwegs, nämlich da singen dann Frauen in Afrika und so, die singen halt dort, dann habe ich das aufgenommen.
Willy
02:24:22
Das ist doch ein Lässling, Mann, das ist doch eine Musik, die habe ich das echt genommen auch.
Erwin
02:24:27
Das sind Klangteppiche, das ist Sounddesign, das ist, aber das ist nicht mit Instrumenten oder so. Echt nicht? Nein.
Willy
02:24:34
Hast du von Anfang an verzichtet eigentlich? Ja. Okay, weil deine Filme, ich frage mich immer… Es gibt auf Arte, ich würde gerne Doku schauen, wie auch immer, wie ich das jetzt so sagen soll, aber es gibt, da ist immer so viel Beethoven dahinter. Du kannst mit Musik und mit allem, also was nicht das Büdel selber ist und was erklärt wird, du kannst so viel auslösen. Es ist wie, wenn du in der Früh in die U-Bahn gehst und auf einmal hast du dieses ganze Geruchsmarketing. Überall riecht es nach Weckerl. Du kommst gar nicht in diese scheiß U-Bahn, ohne dass du dann Hunger kriegst. Du kommst nicht durch die Arte-Doku, ich sage jetzt mal pauschal, ohne dass du schlechtes Gewissen hast, weil irgendwo im Hintergrund Beethoven ist. Und hast du das bewusst weglassen, diese Dinge, weil du das Büdel wirken lassen willst? Oder warum ist bei dir wenig Musik? Oder auch beim Jazzfilm natürlich. Warum sind es so lange Szenen? Warum lastest du so viel Zeit? Also was sind deine Entscheidungen? Warum tust du das so?
Erwin
02:25:30
Naja, das was du da kritisierst, kritisierst du. Das ist eine Kritik? Natürlich ist das eine große Filmkritik. Das ist ja kein Film. Das ist ja dann kein Film. wo ich eigentlich die Musik brauche, die Musik in einem Film, das ist nicht a priori schlecht. Aber das macht nur Sinn, wenn die Musik einen Mehrwert gibt. Und die Musik da ist, ein dramaturgisches Mittel in dem Sinn zu sein, wo du sagst, ich will diesen Teppich haben und als Verkaufsargument, damit ich ein schlechtes Gefühl kriege von Beethoven oder irgendeine andere schwere Musik. Nur als Beispiel, verstehe ich schon. Es wird ja viel diskutiert an Filmschulen. Und da gibt es verschiedenste Schulen, die anderen sagen das, die anderen sagen das. Aber das hat mich interessiert, einen Film zu machen, der als Film wirkt. Und nicht, wo ich...
Willy
02:26:18
Eine Norm erfüllt, die was von der Schule gelernt wird, oder so?
Erwin
02:26:21
Nein. Auch nicht? Wo folgendes ist, der Film funktioniert nicht gescheit, und dann tun wir irgendeine Musik rein, der Ton riecht es dann. Das meine ich. Ich habe jetzt mit einem Tonmeister gearbeitet, den ich sehr schätze, der... Hat dann sich aufgeregt, dass ein bekannter Regisseur dann Oskar gewohnt hat, mit ihm gearbeitet hat und gesagt hat, der Film muss auch funktionieren ohne Ton. Und ich habe dann nicht weiter mit ihm, ich bin nicht weiter in das Kapitel vorgedrungen, weil das hat an dem Tag nicht gepasst.
Willy
02:26:54
Vielleicht ergibt es das ja noch einmal.
Erwin
02:26:56
Ja, ergibt es. Aber wenn du einen guten Film ausschaust, ein, Pseudo-Qualitätskriterium, Pseudo, das ist nicht wirklich, aber man kann viel damit auslösen. Du schaust einen Film an und dann traust du den Ton weg. Ganz weg.
Willy
02:27:12
Einfach ab. Die Dialoge auch weg. Alles weg.
Erwin
02:27:15
Und du kannst ihnen aber immer nur der Handlung folgen. Und du bist immer noch interessiert, was passiert da jetzt durch Bilder und so weiter, dann ist der schon sehr kraftvoll. Und dann kommt das andere nur dazu. Das heißt, wir haben im Kino, haben wir, das stärkste Mittel, was wir haben, ist das Bild. Und das, was uns die meiste Atmosphäre macht, und das ist übrigens eine meiner Lieblingsdefinitionen von Film, was uns die meiste Atmosphäre macht, ist der Ton. Oder anders ausgedrückt, und das ist meine Definition, was ist Film? Es gibt viele Antworten, aber eine ist Charakter und Atmosphäre. Und das gilt für Spiele und das gilt für Dokumentarfilme. Weil es sind überall Charaktere, es sind überall Charaktere, die auftreten. Der Götzsch ist ein Charakter. Genauso wie der Jack Nicholson in einem anderen Film. Und entweder er ist richtig besetzt und passt für den Film oder nicht. Und du kannst einem Dokumentarfilm eine völlige Fehlbesetzung machen.
Willy
02:28:09
Das geht das schon?
Erwin
02:28:09
Ja, natürlich. Indem du Leute auswählst, die für das gar nicht geeignet sind.
Willy
02:28:14
Okay. Wann ist man für ein Doku geeignet? Ist man zum Thema geeignet oder als Person, als Charakter?
Erwin
02:28:19
Das Publikum spürt sofort, er ist nicht authentisch. Da kannst du ja einen wen hinsetzen, der plaudert über irgendwas, was toll ist und was alternativ macht und Greenwash-Filming macht und ich weiß nicht was. In Wirklichkeit ist ein Saubaddel, dreht sich um und macht das Gegenteil davon. Und erzählt aber das Blaue vom Himmel. Und das kannst du vielleicht machen kurz, in vier Minuten, schaffst du das vielleicht. Das ist der Grund, warum Politiker, die lernen so Statements Statements sehr ein, die werden ja getorniert mit Spin-Doktoren.
Willy
02:28:51
Das war eines ins Authentische für uns.
Erwin
02:28:53
Richtig. Und das bei gewissen Politikern, zum Beispiel bei der Frau Rendi-Wagner, war es so, die war am Anfang sehr authentisch. Diese Gesundheitsministerin war als Ärztin, war die sehr authentisch. Da hat sie sich ausgehängt, da hat sie gewusst.
Willy
02:29:07
Wovon sie redet. Da kannst du authentisch sein.
Erwin
02:29:09
Und urplötzlich kriegt die, dann wird es Parteivorsitzende, diese Spin-Doktoren und dann denkst du, was redet die? Was ist das? Und verliert eigentlich alles. Dann verliert es auch die Stimmen. Und das meine ich mit der Sozialdemokratie, wenn ich sage, wenn sie das Wort sozial nicht mehr authentisch mittragen, und zwar wirklich authentisch, dass ich ihnen glaube, das heißt ja nicht, dass sie in Koalitionen jede Entscheidung durchbringen, das ist mir ja schon klar. Aber wenn das nicht authentisch zumindest vom Ansatz kommt, sondern nur geschwafelt ist, dann checken die Leute relativ schnell. Und dann sagen sie Adios, Amigos.
Willy
02:29:47
Wir waren bei deinem Film noch, bei deinem Stil. Ist der für die heutige Zeit einfach zu langsam?
Erwin
02:29:53
Nein.
Willy
02:29:54
Hast du schon mal erklärt, die Frage? Vorwurf würde ich jetzt nicht sagen, aber es ist szenisch, lange, eindrückend. Du siehst einfach mal wunderschöne Bilder eigentlich, die was das untermalen sollen. Oder sie faden lang. Nicht faden. Nach dem Gesagten bleibt man dann noch mit der Kamera stehen. Also man hat Zeit. Man kann sie reinlassen. Wie resoniert es mit der Schnelllebigkeit von Medien? Wenn du heute einen alten Film anschaust, ich weiß nicht, von den 80er, 90er Jahren, selbst wenn es ein Actionfilm ist, holt es ihn teilweise schon nicht mehr aus, weil der Hund nicht weitergeht. Weil es so lange dauert. Und ich bin halt auf der Standardmucht 15 Konsument. Und kein Konnoisseur. Und dann merke ich einfach, die waren langsam damals, die Filme. Damals waren es schnell. Und du bist heute noch, sage ich, bewusst langsam. Ist das nicht ein Risiko irgendwo?
Erwin
02:30:44
Risiko ist, Filmmachen ist das höchste Risiko, was du überhaupt machen kannst, weil...
Willy
02:30:51
Podcast kommt gleich noch.
Erwin
02:30:55
Das ist ein Risiko, aber ich kann ja nur die Filme machen, die mir angelegt sind. Zum Thema Resonanz kann ich ja nur mein Resonanz Gefühl irgendwie versuchen, einzubauen oder wie auch immer. Mein Film ist sehr was Musikalisches logischerweise. Und das ist... Das Timing des Rhythmus ist eine ganz wichtige Sache und es ist ja interessant, dass du diese Frage stellst und vorweg, aber bevor du die Frage stellst, sagst du, das ist so super zum Ausschauen.
Willy
02:31:34
Wenn du die Zeit nimmst und die Zeit machst.
Erwin
02:31:37
Man geht ja, darum sage ich, es ist ein Kinofilm, man geht ja ins Kino, ich glaube, die Fernsehleute, die werden natürlich eh unrund und spielen es dann irgendwann in der Nacht, wo keiner mehr schaut, aber wenn du ins Kino gehst, Jetzt kaufst du ja ein Ticket, weil du jetzt zwei Stunden da reingehst und da willst du ja was haben dafür und dann kriegst du das.
Willy
02:31:56
Ja, aber du hast gesagt, du bist ein ungeduldiger Mensch, oder?
Erwin
02:31:58
Ich bin ein ungeduldiger Mensch, das hat mit ganz was anderes zu tun. Das hat nicht damit… Wie kunst du dir deine eigene Führung? Meine Ungeduld konzentriert sich nicht oder fokussiert sich nicht auf den Schnittrhythmus. Sondern, dass man oft was zu langsam geht beim Arbeiten und ich schon längst beim nächsten Schritt sein will und so weiter und so fort. Und dann muss einer lang nachdenken und ich denke mir, warum sagt er das jetzt nicht und solche Sachen. Aber nicht im Sinn von. Ich frage auch immer wieder, bei Beautiful war die allererste Vorführung, die ich öffentlich hatte, mit einer Schulglas in Steyr. Und am Vormittag, weil die Abendvorstellung erst am Abend dann war, dann haben wir gedacht, wie werden die Kids das auf Kids, das waren so, Gymnasialschülerinnen 14, 15, 16 bis so ein Kino voll ist, waren das mehrere Klassen, ich habe dann eh gefragt, wie alt das sind also was siehst du da so, dann haben wir gedacht, bitte genau, die kommen da aus dem und wischen und ich weiß nicht was alles, und was können die damit anfangen, die waren so 2-3 Minuten, waren es unrund Und dann sind sie ganz ruhig geworden. Und dann hat sie die Geschwindigkeit, genau auf sie übertragen. Und das hat auch was mit ihnen gemacht, das haben sie dann auch gesagt. Dass sie richtig runtergekommen sind. Und ich habe jetzt da Gespräche gehabt mit einer Journalist, die alle meine Kinder sein könnten. Und die auch so, gestern eben, gestern eben, mit der Oberstürzchen Nachrichten. Das tut so gut, man kommt so rüber, man kommt so und dieses Schnelle ist ja genau um dir den Fokus und die Konzentration zu nehmen gedacht das ist nicht gedacht, um dir an Mehrwert zu vermitteln, Und gerade in der Filmerei, also natürlich kann es sein, dass das irgendein Altmodern ist oder was, aber so richtig gute Filme, die werden nicht alt. Was alt wird in denen ist, dass die Autos alt sind und die Mode vielleicht.
Willy
02:34:21
Der Regisseur selber wird ein bisschen alt.
Erwin
02:34:22
Der Regisseur lebt gar nicht mehr, wenn du dich an Binoel anschaust oder so, aber ein Film wie die diskrete Scham der Bursche sieht, der wird nicht alt. Und das ist das, was ich mit Wissen und Weisheit meine. Es gibt Grundbedürfnisse des Menschen, die sind ja ganz woanders. Weil es ein Handy jetzt gibt, das hat es ja vor 30 Jahren gar nicht gegeben, bist du jetzt ein glücklicherer Mensch. Und das heißt aber nicht, dass das schlecht ist. Die Nutzung ist schlecht. Aber wir können am Anfang immer mit der Nutzung nicht umgehen. Und dann ist eine Technologie drinnen, mit der kannst Hilfe rufen und ein Leben retten und du kannst auch mit derselben Technologie irgendeine Raketen starten, also das ist so alt wie ich weiß nicht du kannst mit einem Hammer einen Nogel einschlagen aber auch einen Schädel.
Willy
02:35:25
Das ist nicht die Technik, sondern die Nutzung das ist die Nutzung Ja, René Schröder hat auch gesagt im Podcast, es ist um Gentechnik gegangen und so weiter, Chris, Bakas etc., Technik ist nicht das Böse, also der Mensch, die Nutzung, wie man es nutzt, das ist das.
Erwin
02:35:40
Ja, und der Mensch ist auch nicht böse, der Mensch wird dann, wie man es nutzt, der Mensch wird dann böse und irrational vielleicht, böse ist irrational auf jeden Fall, wenn er die falsche Information kriegt.
Willy
02:35:55
Ich möchte jetzt Richtung Ende kommen. Ich hätte eigentlich noch viel mehr Fragen. Egal, aber machen wir vielleicht auch ein anderes Mal. Du drehst ja noch ein Film, was du gesagt hast, dann machen wir einfach noch mal einen Podcast. Letzte Fragen. We fit the world, let's make money. Hast du jemals geschaut, was aus der Leid geworden ist? Also speziell aus We fit the world und würdest du nicht denkst du an eine Fortsetzung? Oder an eine Fortsetzung klingt jetzt deppert natürlich. Ich lacht schon. Aber quasi so einer 20 Jahre später wieder hinschauen? Ist das was, wo du drüber nachdenkst oder was spannend wäre?
Erwin
02:36:32
Denke ich nicht, nein.
Willy
02:36:33
Denkst du nicht?
Erwin
02:36:34
Um das von hinten zu beantworten. Was ist aus die Leute geworden? Schandt Siegler ist gestorben. Was ich damals nicht wusste, man müsste viel Geschichten erzählen, wie so Dinge überhaupt ablaufen. Was ich damals nicht wusste, ist, dass der Schandt Siegler ein extremer Gegner von Nestle Prabeck war, der damals der Nestle-Chef war. Und was ist aus denen geworden? Prabeck lebt noch, er ist zehn Jahre jünger als der Zieger, genau.
Willy
02:37:03
Zwei und acht, glaube ich.
Erwin
02:37:05
Zwei und acht, der Zieger ist 92-jährig, jetzt heuer, glaube ich, verstorben. Die haben dann noch angehoffen zum 90. Geburtstag, hat er sich wahnsinnig gefreut. Aber was ist daraus geworden? Die haben sich dann getroffen im Schweizer Fernsehen auf einer Dog-Show, auf mehreren, glaube ich, sogar. Und haben sich angenähert. Und das ist zum Beispiel aus diesen Leuten geworden.
Willy
02:37:27
In Brabeck haben es ja, das war ja damals, Entschuldigung, dass ich es jetzt noch bringe, da ist es ja dann übergeblieben aus dem, was er gesagt hat. Das war ja ein längerer Absatz. Übergeblieben ist, Brabeck ist kein Recht, Wasser ist kein Menschenrecht oder sowas. Das war dann das Binde. Wie ist es dir dann damals gegangen, was aus dem Worten ist? Weil das war ja auch nicht quasi das, was du ausgestrahlt hast, aber im Endeffekt war das dann ein Riesenthema, bis heute glaube ich zum Teil noch, was dann in den Medien überblieben ist von der Aussage, die er gemacht hat. Hast du das dann drauf reagiert eigentlich oder wie hast du, es hat ja ordentlich was ausgelöst.
Erwin
02:38:05
Wie habe ich drauf reagiert? Es ist, weil du sagst, der Konsument und so, Und ich gehe dann gerade mit Wifit auf eine riesen Kino-Tour, die habe ich mir ja gar nicht vorgesehen, aber es ist immer mehr geworden und immer mehr. Und dann Deutschland und Schweiz sowieso und Frankreich noch. Frankreich war ein riesen Start.
Willy
02:38:27
Es ist heute die erfolgreichste Doku, österreichische Dokumentarfilm, glaube ich.
Erwin
02:38:34
Und merke aber dann, dass diese Leute und dann so viele Bauern haben gesagt, super, dass sie den Film gemacht haben, super das und das. und die haben aber den Film nur benutzt, um daraus ihr Geschäft in den Vordergrund zu rücken. Das heißt, diese Dinge werden natürlich auch missbraucht und das ist von einer Art Missbrauch. Medien ziehen sich was raus, Menschenrecht oder irgend so ein Satz und, der Prozess für mich ist der, der Film, ich spüre es jetzt, der hat nächste Wochen seine Wien-Premier, das wird so der Höhepunkt jetzt am Anfang sein, wo es am Montag losgeht mit Ried in Inkreis, warum weiß ich nicht Ried, also da startet es aus irgendeinem Grund, und dann geht es, ja, auch das, aber das kommt dann später, aber eben, wenn dieser Höhepunkt erreicht ist, das ist eben dann diese Wien-Premier, weil eben da das großes Kino ist, mit einem großen Publikum und so, und dann geht er von mir weg, Dann geht er von mir weg und führt dann ein eigenständiges, hoffentlich sehr starkes Leben. Und umso stärker ich ihn gemacht habe, umso stärker geht er da raus. Und da kann ich dann nicht mehr auf jede Interpretation von irgendjemandem eingehen.
Willy
02:39:58
Also bist du dann immer verantwortlich im Endeffekt für die Ableitungen daraus?
Erwin
02:40:01
Ja, wenn einer dann einen Satz rausgezieht und das irgendwie in einer Schleifen die ganze Zeit vor sich hinspielt, weil er glaubt, das ist besonders lustig.
Willy
02:40:09
Das kommt zu dir wieder, das wäre ein Bummering dann ein bisschen, oder? Du zumindest wirst gefragt dann, wieso hast du das so gemacht oder warum hat er das so gesagt?
Erwin
02:40:15
Das habe ich nicht. Wissen Sie?
Willy
02:40:19
Nein. Hast du für deine Leute, die du interviewst, eine gewisse Verantwortung, also dass sie, ich denke, man ist teilweise auch im Podcast, dass sie sich nicht um den Kopf und krank reden, weil teilweise schaue ich schon, wenn du merkst, ui, jetzt vergisst jemand speziell im Podcast, dass eine Kamera da ist, und fangt dann quasi privat zum Plaudern an. Aber du merkst, ui, jetzt reden wir nicht mehr über das Thema, sondern jetzt verrät das. Es war zwar interessant, wenn ich Reichweite will, dass ich genau jetzt nikke und Dinge, aber es ist wahrscheinlich dem Thema und der Person nicht zuträglich, wenn ich jetzt quatschen lasse. Gibt es sowas? Weißt du, was ich meine?
Erwin
02:41:00
Ich weiß, was du meinst, natürlich. Also eine moralische Verantwortung für die Leute vor der Kamera. Ja. Also erstens einmal, im Film ist es so, dass, Was gar nicht geht, ist, wenn du deine Figuren verrätst. Wenn wir jetzt gerade von Herrn Brabeck zum Beispiel sprechen.
Willy
02:41:19
Ich habe es mal bei Karl Ottrock gesagt, der über Bionier hat gesagt,
Erwin
02:41:22
Er will es nicht essen. Nein, der, wie fucked up der Westen, aber ich fucking wollte auch kalt schon her. Das war ein heftiger Sager. Gerade der Ottrock zum Beispiel, gut, dass du ihn erwähnst, der hatte einen richtigen Schaden gehabt durch den Film. Nestle auch.
Willy
02:41:38
Haut er eh? Ich habe es nicht recherchiert, aber ich habe mir es doch, ui, kunst.
Erwin
02:41:44
Aber der Ottok hat dann, der ist ein Held gewesen zu der Zeit, der ist auf dem Flughäfen, der ist immer gependelt zwischen Wien und Bukarest, und der ist auf dem Flughafen an dem Melang immer wieder angerufen. Am Anfang war Bayern ja richtig sauer. Und da hat er Geschäft verloren. Er hat ja gar nicht mehr Geld für Bayern, aber er hat seine Saatgutvermehrung, eine eigene Firma gehabt in Rumänien und die Bayern hat sofort einmal alle Verträge gecancelt. Und das ist eine Zeit lang, war das unangenehm, weil da hat er mich angerufen, das ist scheiße und so. Das hat sich dann aber gewandt in eine andere Richtung. Aber wenn du jetzt die Figuren hernimmst, und das will ich sagen, wo ist die Verantwortung? Ich habe zum Beispiel bei Nestle ganz am Anfang, in Brasilien ganz speziell, mit Angestellten von Nestle, Frauen, die da in Wasser, Nestle Waters, arbeiten und so, und habe schon gemerkt, wir sind da hingekommen, da hat für uns vorrecherchiert, da und da sind die, und dann sind wir hingefahren und wollten wir so irgendwie schauen einmal, kann man da was drehen überhaupt? Und dann habe ich schon gemerkt, wie ich die Angst habe. Schon beim Reingehen. Ich habe die Kamera gar nicht ausgepackt. Ich habe gar nichts gemacht.
Willy
02:43:06
Das ist angenehm.
Erwin
02:43:09
Das geht gar nicht. Wenn ich aber zu einem Konzernchef komme, der rhetorisch geschult ist, wo noch davor in einer langen Vorbereitungszeit die Fragen ganz genau definiert werden. Mit Brabeck waren vier Fragen definiert.
Willy
02:43:25
Muss man sich so...
Erwin
02:43:26
Der hat genau gewusst, was da kommt. Daneben saß der Pressesprecher auf einer Couch außerhalb des Bildes. Der sagt, und ich merke bei dem Gespräch mit dem Brabeck, merke ich, der beginnt jetzt Dinge zu sagen, die habe ich gar nicht erwartet so. Und der geht da aus sich raus. Und ich bin mir auf den Pressesprecher geschaut, da haben wir da, wo ich der Pressesprecher wäre, ich müsste jetzt aufspringen, vor die Kamera, sag, stopp, stopp, stopp, stopp, das geht alles nicht, das können wir so nicht sagen, ich fühle mich zu verfänglich und so. Und das kam aber nicht und der rätselt immer mehr in das eine und dann war, ich habe gar keine Taktik gehabt, sondern ich habe ihn einfach reden lassen.
Willy
02:44:06
Der muss nicht beschützt werden.
Erwin
02:44:07
Der muss einerseits nicht beschützt werden, aber das Ganze geht noch weiter. Dann ist das zu Ende, Zuerst hat es einmal geheißen, maximale 30 Minuten, dann waren es 90 Minuten. Dann habe ich immer noch gesagt, der Brabe, ich brauche jetzt noch ein paar Bilder. Dann sind wir aufgegangen, dann haben wir oben das gedreht, was auch aufhört dafür. Das ist dann oben passiert. Und das war alles sehr, sehr angenehmes Klima eigentlich. Aber dann ist er weg. Dann hat er etwas anderes zu tun gehabt. Und wir sind aber nicht gleich weggekommen. Und wir wollten aber eigentlich auch weg jetzt. Nicht schnell, aber wir wollten jetzt, Das ist ja eine Stresssituation. Ja, klar.
Willy
02:44:43
Ich verstehe dich voll.
Erwin
02:44:46
Dann hat es aber geheißen, stoppt, nein, noch nicht. Das war am Vormittag, am 9 in der Früh war das Termin und das hat dann bis 11 gedauert, habe ich 12, dann bis wir angebaut haben, war es 12. Nein, nein, wir müssen jetzt essen gehen. Im Sonntag Gastraum mit dem Pressesprecher. Und dann sind wir essen gegangen. Weil das halt, wir wollten eigentlich lieber lau essen. Gut. Und in dem Essen, während des Essens, »Was?« sagt er urplötzlich zu mir. Ich würde einer gerne das Material ankaufen. Und mir wird ganz anders in dem Moment. Und ich habe das eine richtig gesagt, was ich sagen kann. Ich habe gesagt, okay. Ich kann nur sagen, das kann nicht ich entscheiden, was auch richtig ist. Ich bin nicht der Produzent, ich bin der Regisseur. Ich drehe das jetzt da. Aber das Material, rein rechtlich, gehört der Produktionsfirma. Das ist auch so. Und ich kann aber gerne, wenn ich morgen in Wien bin, Fragen und das war der erste Runde. Und dann habe ich nachgefragt, warum wollen sie das denn haben? Und dann hat der vorigen Satz gesagt, weil er so gut war, der Chef. Das brauchen wir für eigene Schulungszwecke. Und dann hat es mich komplett geflasht. Dann hat es mich komplett geflasht. Und dann habe ich gesagt, okay. Und dann haben wir aufgeessen. Und dann sind wir irgendwann gegangen und sind heimgefahren und waren froh, dass wir daheim waren. Und haben das Material kopiert, damit es gesichert ist. Und ich habe es, glaube ich, nachdem es drinnen war, aus diesen 90 Minuten, ich habe das selber geschnitten, wie alle Filme eigentlich. Ich habe, ich glaube, in zwei Stunden das montiert gehabt, was dann im Film war.
Willy
02:46:35
Ich war einmal in Ruanda bei der Batwa, also dort die kleine Volksgruppe, waren eigentlich aus dem Urwald mehr oder minder vertrieben und ich habe die Kamera mitgehabt und deswegen so eine voll Anschlussfrage und ich habe dann die Möglichkeit gehabt, dass in so eine Hütten einige FOD und das war komplett Verträgte Hütten, komplett zerfressene Matratzen drinnen und die Frau drinnen. Und sie haben gesagt, na geh ruhig rein fotografieren und ich habe so ein schlechtes Gewissen gehabt beim Reingehen. Wenn ich die Kamera nicht drauf gehalten hätte, hätte ich das Foto nicht gehabt, hätte ich es nicht dokumentieren können. Aber wie ich es gemacht habe, habe ich ja unheimlich eigentlich ein schlechtes Gewissen, weil es die Privatsphäre von der Person war. Ich habe sie dann eher gefragt, weil sie haben eigentlich über sich entschieden und gesagt, geh einfach rein und tu so. Und ich habe echt ein schlechtes Gefühl dabei gehabt. Man geht doch ganz oft, wenn man sowas macht, in so private, intime Räume rein, wo man Menschen eigentlich ein bisschen in die Auslage stellt, weil man es halt zeigt. Durchs Sorgen stößt es ein bisschen in die Auslage und wie geht man mit diesen mit diesen schlechten Gefühl um oder mit dieser Privatsphäre? Muss man das einfach mitnehmen, damit man es zeigen kann? Ist das einfach so part of the game? Weißt du, was ich meine? Ich habe Wenn ich es nicht gemacht hätte, hätte ich es nicht sehen können und kein Mensch hätte jemals ein schönes Foto oder einen guten Film gesehen und gleichzeitig ist es so ein intimer Raum, in den du eindringst eigentlich. Das war so mein Gefühl. Kennst du das?
Erwin
02:48:08
Ich kenne das, aber das hängt ja vom Thema ab und welche Geschichte du erzählen willst. Von denen hängt das ganz stark ab. Diese Leute in die Auslage stellen und vorführen, gerade speziell mit, was du erzählst, mit so armen Leuten, sage ich jetzt einmal. Das ist, das mache ich nicht. Also ich habe zum Beispiel bei Wifid sind ja diese afrikanischen Erntearbeiter in Almaria und da habe ich angefangen, so Gespräche zu führen. Dann bin ich sehr schnell draufgekommen, dass denen das irrsinnig peinlich war. Und dann habe ich gefragt, warum. Und dann haben sie irgendwann gesagt, was, ein Interessantes wusste ich damals nicht. In der Zwischenzeit habe ich natürlich noch mehr Erfahrung. kommt der Film auch in Afrika. Das hat mich die Frage komplett überrascht. Verneinen kann ich es nicht. Wir reden jetzt von Zeiten, wo Internet kein Streaming möglich war. Wenn in Afrika kommt über Fernsehen oder einer bringt eine DVD runter oder sowas. Aber verneinen kann ich es nicht. Ich glaube nicht, dass ein afrikanischer Sender den Film kauft. Das glaube ich nicht. Aber auch das kann ich nicht verneinen. Und dann haben sie gesagt, weil wenn er nach Afrika kommt, dann wollen wir das nicht. Weil dann sehen unsere Leute, weil die haben ja die Geschichte, das ist ja eine andere, das in anderen Filmen auch oft wird das thematisiert. Die sind ja geflohen aus Afrika und die schreiben ja heim, uns geht es da so gut. Und wir leben in top Verhältnissen und in Wirklichkeit leben die in einem angerissenen, Glashaus, also was eigentlich kein Glas, sondern ein Plastikhaus ist. Und darum wollte und dann in dem Moment habe ich aufgehört. Ich habe sofort die Kamera angeschalten und habe die Bilder auch alle nicht verwendet. Ich habe Bilder gemacht, nur rundherum, wenn man sieht, wie sie reingehen und so. Und auch ziemlich anonymisiert, wo sie eigentlich nur von hinten zu sehen sind. Man sieht, da geht ein junger, schwarzer Mal rein, aber wer das ist, das kann man das Gesicht nicht. Ich habe sehr viel mit so Sachen gearbeitet. Sehr oft verwende ich nur die Schatten. Fotografiere nur die Schatten. Dass ich spüre, die sind da, aber eigentlich nur der Schatten. Und man kann den nicht identifizieren, wenn ich so eine Szene überhaupt brauche. In der Zwischenzeit mache ich die Szenen überhaupt nicht mehr, weil in solche Situationen ja jetzt mit diesen Filmen nicht kommen.
Willy
02:50:34
Genau, die hast du jetzt nicht.
Erwin
02:50:35
Die habe ich jetzt nicht. Und mit dem Geld habe ich zum Beispiel gefilmt in seiner Kuchel. Das habe ich aber nicht gebraucht, weil mir ist ja lieber im Urwald und wo ich arbeite. Überhaupt ist das so eine Sache, weil du sagst Interviews. Ich habe noch nie mein Leben ein Interview gemacht. Ich mache Gespräche, aber das sind reine Nurtongespräche, die dann verschneiden. Die dann verschneiden mit O-Tönen, die aber kommen im Idealfall während einer Arbeitssituation. Und bei einem Konzernchef, der arbeitet ja eigentlich nur am Schreibtisch und telefoniert vielleicht und ist in Sitzungen. In Sitzungen komme ich nicht rein, weil da reden sie irgendwas, was keine Kamera zulassen. Und da ist dann so ein Gespräch, aber der schaut dann auch direkt in die Kamera. Also nicht von der Seite leicht, so wie jetzt im Podcast.
Willy
02:51:25
Sondern Frontral, oder?
Erwin
02:51:27
Ja, weiß ich nicht. Aber beim Podcast ist es ja noch so, dass wir beide drinnen sind. Da sind ja wir beide drinnen und da ist ja noch was anderes wie bei so Fernsehgeschichten oft, was ich sehe, oder andere Filme, da schaut immer vorbei und wen schaut er an? Ja, dort steht halt irgendwer, meistens der Regisseur oder die Regisseurin und die führt da Gespräche. Solche Situationen mache ich nicht, sondern ich versuche, die Leute dann zu animieren. Ich habe da eine Methode, die davor in Gesprächen, wo nicht einmal aufgenommen wird, gar nichts ist, die Dinge anspreche und dann merke ich, Wo brennt, wo ist eigentlich das Interessante, weil dort werden die Leute redundant. Das erzählen sie dann einmal und beim nächsten Mal wieder und dann beim dritten Mal weiß ich, aha. Das Thema ist, ich weiß nicht was, Bauernsterben zum Beispiel, das brennt denn da unter den Nägeln. Und dann haben wir eine Situation, wo wir drehen, dann sitzt er auf seinem Traktor, irgendwas und dann kann es sein, dass ich kurz ein Stichwort sage, und, wie steht es zum Bauernsterben?
Willy
02:52:35
Aber er ist vorher schon beobachtet.
Erwin
02:52:36
Und dann weiß ich, das ist nur Schalter und dann rennt es los. Weil das ist in denen schon so angestaut oder irgendein anderes Thema. Und das ist sehr, das ist alles sehr mit dem Götzschitz, wo er sagt, wir haben keine Krise, wir haben keine Klimakrise, wir haben eine Krise, das Anbau, das habe ich mit ihm davor lang durchgespielt und dann an der Stelle wird das so hingebaut und er weiß natürlich nicht, wie ich genau arbeite, ich überrumpel ihn ein bisschen in dem Moment. Naja, weil das sind ja gewisse Methoden, das ist wie man es mit einem Schauspieler, muss der mal irgendwie überrumpeln. Du musst ja, ich brauche das Material und er sagt ja nicht was, das geht nicht in einem Dokumentarfilm.
Willy
02:53:23
Er soll nicht sagen, was er nicht uns sagen würde,
Erwin
02:53:25
Aber du schaffst eher die Situation.
Willy
02:53:26
Dass er das, was er sagen würde, in dem Moment.
Erwin
02:53:28
Dass ich das in einer Situation habe, wo es auch bildlich ist. Ob es okay ist oder nicht, ist mir eigentlich wurscht. Ich lasse die Filme auch von den Leuten anschauen. Es hat noch nie jemand gesagt, also an der ersten Szene war die Handelszene zum Beispiel, in der Steiermark, in diesem Schlachtbetrieb. Die haben mich drehen lassen und die haben...
Willy
02:53:54
Wo sie sich einhängen, also die Schlachtzinnen.
Erwin
02:53:55
Und die haben dann nachher, die waren nicht happy damit. Die haben mit dem telefoniert danach. Der war im Kino in Graz. Fällt mir jetzt gerade der Name nicht ein, aber die Firma gibt es immer noch. Und der hat gesagt, es ist nicht schön zum Ausschauen. Aber es ist alles richtig, was sie gemacht haben. Sie haben nichts manipuliert.
Willy
02:54:18
Und dann zeigt man es aber, wenn sie es lassen.
Erwin
02:54:21
Genau.
Willy
02:54:23
Danke für die Darstellung. Ich finde, es ist wirklich schwierig. Die Frau damals, wo sie fotografiert hat, sie war dann total stolz. Ich habe mich geschahen für sie. Sie war dann total stolz, dass sie ein Foto gibt und alles. Ich weiß jetzt auch nicht, ob es wirklich war oder nicht. Aber es ist halt wirklich schwierig, schwierig oft in dem Moment die richtige Entscheidung zum Treffen. Du bist Filmmacher, bist du Journalist? Nein. Bist du nicht? Nein. Du arbeitest nicht investigativ, sondern du beschreibst. Wenn es jetzt im Vergleich kontrastiert zum Journalisten.
Erwin
02:54:56
Journalisten kommen ja von den Schuhen, also vom Degelchen. Mit dem habe ich überhaupt nichts gemacht. Ich bin wirklich auf der Suche nach so Weisheiten. Ich bin auf der Suche nach, eher so allgemein gültigen Dingen drum. Ich habe jetzt voriges Jahr, ziemlich genauer Jahre, fast auf den Tag, hat der Gerald Hütter da in Deutschland eine Veranstaltung gemacht, wo man im Alphabet wieder gezeigt wurde, in einem Kino, wo ich mir gedacht habe, und am Samstag Nachmittag, Spätsommer, schönstes Wetter, um 4 Uhr. Und ich sage, Gerald, wer soll sich um 4 Uhr jetzt bei dem Tag in ein Kino setzen?
Willy
02:55:35
Gut.
Erwin
02:55:36
Wir gingen dann um ins Kino, Es steckt voll. Die Leute sitzen am Boden. Dann haben wir am Anfang ein paar Worte gesagt, dann sind wir essen gegangen. Dann habe ich gesagt, ich wusste genau, wie lange der Film ist. Ich sage, die letzten zehn Minuten möchte ich mir ausschauen, weil ich habe den Film jetzt zehn Jahre nicht gesehen. Es interessiert mich einfach, wie er gealtert ist. Und ich gehe ein und denke, es gibt es nicht. Es gibt es nicht. Er hat so einen Zug gehabt. Es hat der Rhythmus noch genau gestimmt und er hat die Leute noch genauso mitgenommen, obwohl er eben nicht 10, 12 Jahre alt ist. Also da war er genau 12 Jahre alt. Oder 13 Jahre alt, weiß ich nicht. Also das heißt, das altert anders. Wie wir gesagt haben, ein Film, wenn er gut ist, dann geht es ja nicht um den Film, der da abbrennt, sondern geht es um den Film, den der Film, der da abbrennt, im Kopf der Betrachterinnen und Betrachter auslöst. Und solange das passiert, dass dort ein Film angestoßen wird.
Willy
02:56:49
Also Resonanzhebene findet er quasi.
Erwin
02:56:51
Solange das passiert, entwickelt es er oft.
Willy
02:56:56
Hab ich jetzt noch irgendwas vergessen zum Fragen?
Erwin
02:56:58
Nein.
Willy
02:57:01
Danke, das ist ein Wort, aber so viel ausgesagt damit. In einer utopischen Welt, in der du alles wünschen könntest, was würdest du an unserem Lebensmittelsystem ändern?
Erwin
02:57:10
Am Lebensmittelsystem? Erstens einmal, dass wirklich Lebensmittel rauskommen und nicht Nahrungsmittel. Und dass dadurch die Welt lebendiger wird.
Willy
02:57:24
Sehr schön. Wenn du diese Welt in vielen, vielen Jahren für immer verlassen wirst, woran soll man sich an dich erinnern? Wofür soll man sich an dich erinnern?
Erwin
02:57:38
Muss man sich überhaupt erinnern? Muss man sich überhaupt erinnern?
Willy
02:57:40
Muss du sagen, das war eine Frage.
Erwin
02:57:43
Also ich mache diese Dinge nicht, um mir Denkmäler zu setzen, an die man sich erinnert, überhaupt nicht, sondern, das wird sich in der Familie erinnern, aber ob ich jetzt da der großartige Filmmacher von dort und dort bin, das ist mir eigentlich ziemlich wurscht.
Willy
02:58:04
Ja, hätte auch deine Lasagne sein können, weil das so legendär war, der Rezept oder sonst irgendwas? aus? Nein.
Erwin
02:58:12
Ich mache ein gutes Risotto, aber da gibt es ganz sicher andere, die ja nur ein Besseres machen.
Willy
02:58:18
Du hast die Welt bereist. Was ist dein Lieblingsgericht, was Risotto sagst?
Erwin
02:58:22
Was ist mein Lieblingsgericht?
Willy
02:58:23
Ja. Jetzt zum Schluss kommen wir noch mal die blotten Fragen aus.
Erwin
02:58:25
Achso, das weiß ich alles gar nicht, was du da für eine Taktik hast.
Willy
02:58:28
Überhaupt gar nicht. Das haben wir jetzt gerade ausgetaucht. Achso.
Erwin
02:58:31
Was mein Lieblingsgericht ist? Ja. Eben, italienische Teirisotto. Nein, nein, nicht unbedingt Ich denke, meins. Ich habe am onlangsten einen extrem tollen Fisch gegessen in einem sardischen Restaurant. Also, es gibt so viel gut zu essen.
Willy
02:58:50
Wenn man die ganze Welt gesehen hat, dann weiß man, wie gut es schmecken kann. Im Endeffekt möchte ich von dir jetzt ganz zum Schluss nur noch entweder einen Spruch, einen Witz oder irgendein Zitat, mit dem du uns jetzt heimschickst.
Erwin
02:59:05
Es gibt einen, Lustigen Witz unter Jazzmusikern, der in seiner Aussage auch für Filmleute zutrifft. Und der lautet, How to make a million dollar with jazz?
Willy
02:59:28
Jetzt kommt schon der Witz gewesen sein.
Erwin
02:59:30
Und die Antwort lautet, Start with two millions.
Willy
02:59:35
Sehr schön. Lieber Herr Wagenhofer, ich bedanke mich recht herzlich für das ausführliche Gespräch, für die Insights und viel Erfolg für den Start des Filmes.
Erwin
02:59:45
Danke. Danke mich auch. War sehr lustig. Ich habe kein Gespür, wie lange das war.
Willy
02:59:50
Hättest du siehst? Doch, da steht sie. Deswegen habe ich es dir nicht gesagt. Du wirst es nicht glauben.
Erwin
02:59:55
1916.
Willy
02:59:56
Was?
Erwin
02:59:57
1916. Bei Rek steht es. Ah, da. 2,57. Drei Stunden. Hättest du es gedacht?
Willy
03:00:02
Nein. Schneller vergangen, wie man glaubt,
Erwin
03:00:04
Oder? Ja. Aber gut, wir haben auch viel, man könnte auch angekürzen, aber du schneidest nix.
Willy
03:00:08
Ich schneid nix?
Erwin
03:00:10
Nein.
Willy
03:00:11
Das ist mein Stil,
Erwin
03:00:11
Weißt du. Ja, ja.
Willy
03:00:14
Du hast jetzt aber auch nichts gesagt, was irgendwie schlimm gewesen war von dem her.
Erwin
03:00:17
Das ist nix. Sondern, weiß ich aber nicht, ob das alles so interessant ist.
Willy
03:00:23
Das müssen dann die Leute entscheiden, die das brauchen.
Erwin
03:00:26
Gut.
Willy
03:00:27
Danke.
Erwin
03:00:28
Danke. Jetzt gehe ich heim.

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