BauertothePeople (B2P)

Wilhelm Geiger

Interview - Dreizehnlinden - Die brasilianischen Tiroler

oder die Tiroler Brasilianer - im Gespräch mit dem Bildhauer und Schnitzer Werner Thaler

15.02.2026 90 min

Video zur Episode

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Zusammenfassung & Show Notes

Grias eich!

In dieser Ausgabe des BauertothePeople Podcast melde ich mich aus Brasilien, genauer gesagt aus dem Bundesstaat Santa Catarina. Dort liegt Dreizehnlinden, auf Portugiesisch Treze Tílias. Ein Ort, der auf den ersten Blick wirkt wie ein Stück Tirol unter Palmen, dessen Geschichte aber weit über das Klischee einer touristischen Enklave hinausgeht.

Mein Gesprächspartner ist Werner Thaler. Er ist Bildhauer. Schnitzer und der Enkel von Andreas Thaler, jenem ehemaligen österreichischen Landwirtschaftsminister, der diese Siedlung 1933 gründete.

Werner nimmt uns mit zurück in die 1930er Jahre. Eine Zeit der großen Wirtschaftskrise und Armut in Österreich, in der viele Bauernfamilien keine Existenzgrundlage mehr sahen. Sein Großvater suchte damals in Südamerika nach Land für auswanderungswillige Familien und wurde schließlich in dieser hügeligen, bewaldeten Gegend Brasiliens fündig.

Wir sprechen über die extrem harten Anfangsjahre. Die ersten Siedler mussten Urwald roden und Straßen ohne Maschinen bauen. Werner erzählt von den politischen Verwerfungen, die auch im fernen Brasilien zu spüren waren: Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 stoppte die Zuwanderung, und als Brasilien in den Krieg eintrat, wurde die deutsche Sprache verboten.

Doch Dreizehnlinden ist mehr als Vergangenheit. Wir beleuchten, wie sich die Gemeinde von der reinen Landwirtschaft über die Schweinezucht hin zu einem Milchwirtschafts- und Industriezentrum entwickelt hat. Werner erklärt, wie man heute mit dem schmalen Grat zwischen authentischer Tradition und touristischem „Disneyland“ umgeht und wie sich die Tiroler Identität in einer wachsenden brasilianischen Stadt behauptet und verändert.

Es ist die Geschichte einer Gemeinschaft, die sich ihren Tiroler Akzent bewahrt hat, aber längst fest in der brasilianischen Realität verwurzelt ist.

Viel Freude beim Reinhören!

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„Power to the People“ – Junior Kelly
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… und ein bisserl selbst gesungen 😊
thx to me, my voice und eure Schmerzschwelle 

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Viel Spaß beim Reinhören und Entdecken!

Transkript

Meine Reise durch die Welt auf der Suche nach den lokalen Perspektiven auf unser Lebensmittelsystem, die hat mich auch nach Brasilien gebracht und genauer gesagt nach 13 Linden. Und weil dort nicht nur das Lebensmittelsystem spannend ist, sondern auch der Umstand, dass hier plötzlich Menschen mit Tiroler Akzent unterwegs sind und beim Frühstück Alphörner geblasen werden, habe ich mir gedacht, das schaue ich mir genauer an. Daher heute eine lokale Perspektive, die nur am Rand was mit unserem Lebensmittelsystem zu tun hat, dafür aber viel mit Geschichte und Veränderung. Das ist ein bisschen so wie die Folge rund um die Geschichte der Donausschwaben, nur halt auf tirolerisch. Same, same, but different. Soweit zum Kontext, damit ihr euch nicht wundert, wo die Lebensmittel blieben sind. Viel Freude beim Reinhören und auf YouTube auch beim Reinschauen. Grüß euch. Ich bin heute in Brasilien, aber in einem ganz besonderen Ort hier in Brasilien, nämlich in 13 Linden. Und der Grund, auch ein Grund, warum ich dieses Gespräch heute in Deutsch führen kann, ist, erstens einmal ist 13 Linden eine Tiroler Gemeinde mit einer langen Geschichte, mit einer besonderen Geschichte. Und eine dieser Besonderheiten ist, dass sich viele Bewohner, aber auch nicht alle inzwischen, das Deutsche oder in dem Fall das Tirolerische bewahrt haben als einen Teil. Und ja, ich sitze heute beim Werner Thaler. Du bist vom Beruf Bildhauer, Schnitzer. Über das sprechen wir dann in einer weiteren Podcast-Folge, was das eigentlich ist. Auf das freie ich mich auch schon. Heute geht es aber, weil du ja der Enkel bist vom Andreas Thaler, Mit dem hat die Geschichte von 13 Linden auch begonnen. Bist du auch ein sehr, sehr guter Gast, um diese Geschichte von 13 Linden einfach einmal zu erzählen, damit wir uns auch ein bisschen was darunter vorstellen können. Vielleicht einfach ganz am Anfang kurz zu dir. Wer bist du? Was machst du? Ich habe sie schon ein bisschen vorweggenommen. Und dann starten wir einfach rein in die Geschichte von 13 Linden, würde ich sagen.
Werner
00:02:29
Okay, Hili. Erstens willkommen in 13 Linden. Danke. Und ja, ich bin in Dreizylinder geboren, dritte Generation schon. Mein Vater und Mutter sind von den ersten, die da geboren sind, nach der Einwanderung. Und vom Beruf bin ich Bildhauer, bete ich schon seit kleiner Buhren und mein Großvater war auch Bildhauer. Er war ja anfangs auch hier allein, aber er hat sich immer für das interessiert. Mein Onkel hat sich auch weiter an der Kunst, der Gottfried, stark entwickelt und mit dem Opa und mit dem Onkel bin ich einfach zum Beruf gekommen. Dann bin ich eine Zeit lang in Elbigenalp, an der Schnittschule Elbigenalp, wir sind in Lechtal und nachdem bist.
Willy
00:03:25
Du ins Ausland gegangen lernen?
Werner
00:03:27
Ja, ja.
Willy
00:03:28
Nach Hause ins Ausland?
Werner
00:03:29
Ja, eine Zeit lang in Elbigenalp und eine Zeit lang an der Schnittschule, dieser Landesschnittschule und nachher eine Zeit lang beim Bildhauer, bei Rudolf Geisler-Moroder, der war 33 Jahre Schuldirektor und bei dem haben wir nachher noch viel lernen dürfen.
Willy
00:03:48
Also wir werden erstens mal den Link zum Podcast mit dir zu deiner Bildhauerei verlinken und dann natürlich ein paar Werke. Es ist, wenn man da in 13 Linden zu überfährt zu dir, es ist schon, wenn man reingeht, ist es schon beeindruckend. Also was da steht an Skulpturen und an Kunstwerken oder an Auftragsarbeiten, ist schon so spannend. Aber dem widmen wir uns quasi in der anderen Folge dann. Schauen wir ein bisschen zurück, Was war eigentlich der Grund, warum finde ich, Irgendwo in Brasilien, im Süden von Brasilien, eine Tiroler Gemeinde. Inzwischen nicht mehr nur Tiroler, aber mit einem Haufen Tiroler.
Werner
00:04:24
Ja, in Süden Brasilien leben eigentlich im größten Teil Abstammende von italienischen Einwanderungen, deutschen Einwanderungen. Auf dem ganzen 19. Jahrhundert sind da x-tausende Leute gekommen, an die schwierigen Zeiten. Und da ist immer ein Land gewesen, was ein bisschen entsprechend war, ein bisschen was auch nicht so heiß. Bei uns ist es schon, wir haben schon ab und zu einen starken Winter. Und das war schon üblich.
Willy
00:05:03
Jetzt ist gerade Winter, um das zu sagen. Es hat Minus gerade gehabt die letzten Tage, wo ich gerade herkomme. Ja.
Werner
00:05:09
Und mit dieser Einwanderung ist es eigentlich jünger. Das ist 1933 dann entstanden. Aber es ist ein bisschen, wenn man sagt, was von den 20er-Jahren, von der 20er- bis 30er-Jahre-Krise ist. Das war eben die erste Republik in Österreich nach dem Ersten Weltkrieg, der unentschiedene Erste Weltkrieg, wenn man sagt, was nachher der Zweite wieder gekommen ist. Das war einfach eine schwierige Zeit. Und damals ist Österreich zerschnitten worden vom großen Kaiser, von der ganzen Österreich-Ungarn.
Willy
00:05:57
Von der Großmacht eigentlich.
Werner
00:05:58
Von der Großmacht zum kleinen Land mit verschlossenen Grenzen, weil sie zu Italien und zum Osten, das war einfach unter Druck eigentlich noch von Deutschland damals zum Österreich zum Anschluss. Und eben das war die Situation von dieser Zeit. Es hat viel Armut gegeben, viel Arbeitslosigkeit. und die grassen Bauernfamilien, die kein Land mehr haben gehabt haben. Und da haben viele Leute Möglichkeiten gesucht. Und eine Möglichkeit, was da entstanden ist, ist eben irgendwo Land finden für Bauern, die kein Land mehr haben. Das war eben der wichtigste Punkt in dieser Auswanderung.
Willy
00:06:48
Wie kannst du aus Geschichten von deinen Großeltern, ich habe sogar noch einen Bewohner, der damals noch mit ausgewandert ist, ist heute 100 Jahre alt. Und was war das damals für eine Zeit in dieser Zwischenkriegszeit? Also dieser Identitätsverlust von Österreich und Ungarn. Man war auf einmal ein ganz kleines Land und nicht mehr die Großmacht. Hast du da irgendwas gehört oder was erzählen die Leute von damals?
Werner
00:07:15
Ja, ich bin direkt von der Geschichte, ich bin dazu schon zu jung. Aber ich bin stark mit meinem Großvater und Großmutter aufgewachsen und viel von der ersten Generation, mit vielen von denen, viel gehört. Und es ist einfach so gewesen, die Zeit war, die große Inflation, das war was Neues. Und da haben die Bauern so, die Bauernfamilien, nicht nur die Bauernfamilien, das war ja eine schlimme Zeit für ganz Österreich, eine harte Zeit, sich anpassen von der ganzen Habsburger Zeit auf eine neue Republik in einer schlechten Zeit. Das war eine harte Zeit und das war, was die Leute gesucht haben, was anderes. Und von Urgroßvater ist damals auch der Bundesregierung gewesen. Als Landwirtschaftsminister. Und das ist nicht eine übliche Initiative. Aber er hat gemerkt, dass es keine Chance gewesen wäre, für die neue Generation der Bauern und andere Familien. Aber dass irgendwo die Möglichkeit zu suchen, wo solche Familien was finden können. Und eben dann hat er sich da in Brasilien, Argentinien, Chile und Paraguay kennengelernt. Verschiedene Plätze angeschaut und die Verhältnisse dazu, sagen wir, ein bisschen eine Standardanalyse gemacht. Ja, er ist ein paar Mal da gewesen in Südamerika und einmal hat er sich private Ferien dazu genommen, dazu, damit er in Chile waren damals die, nach seinem Tagesbuch in Chile, waren eigentlich die besten Voraussetzungen gewesen, aber das war schon teures Land. Und in Paraguay war das Land umsonst gewesen und da hätte die Regierung das Land geschenkt, aber war schwierig zum, Meer damals. Wenn man alles mit dem Schiff denkt, dann war es zu schwierig zu übersiedeln. Ja, zu übersiedeln und nachher sind die Produkte weiterführend. Argentinien hat es auch viel Land gegeben, aber das war Tierfland und eher heiße Gegend. Und das ist nachher auch für Tiroler Bergbauern schwierig. Ja, der hat ja passen müssen. Ja, und viel hat er gesucht und zuletzt, ganz im letzten Abschnitt, ist der in unserer Gegend ausgesucht worden, weil irgendwie das Land da billiger war und da hat es einen Währungsunterschied gegeben, was das machbar war.
Willy
00:10:45
Also die Währung ist gut gestanden?
Werner
00:10:47
Ja, eben, dass ich da das.
Willy
00:10:49
Geld was wert ist, wenn man kommt. Und wie hoch sind wir da?
Werner
00:10:53
So 800 Meter.
Willy
00:10:55
800 Meter, also fast schon in den Bergen. Es ist sehr hügelig da, im ganzen Winter. Also der Tiroler musste nicht ganz in ein fremdes Land, sondern es hat gewisse klimatische Ähnlichkeiten.
Werner
00:11:08
Eben er, was man eben von den Eltern und da was geschrieben wird, er hat sich persönlich immer gefürchtet von den Tropenkrankheiten. Das war die, von der Haßen gegen die Trockenkrankheiten. Da hat er sich halber Sorgen gemacht.
Willy
00:11:27
Jetzt hören wir ein bisschen zum Kontext. Was war der Großvater Andreas Thaler? Was war das für ein Mensch? Wie ist der Landwirtschaftsminister geworden in dieser Zeit? Er war ja eines von vielen Kindern.
Werner
00:11:41
Ja. Die Zeit habe ich nicht erlebt, aber er war der zweite oder dritte Sohn. daheim. Er hat nicht das Recht gehabt auf dem Meerhof.
Willy
00:11:57
Er hat das schon gewusst, bei der Geburt, es wird er denken, dass er nicht Erbe wird, oder?
Werner
00:12:01
Ja, schon. Und er hat immer Interesse gehabt für Landwirtschaft, hat eine Zeit lang, ein Gymnasium gemacht, aber er hat sich dann mit seinem Vater, mit der Hilfe vom Vater, einen kleinen Hof angefangen. Und mit dem, dass er einen kleinen Hof gehabt hat, da ist er dann Bürgermeister, als Junge immer schon an der Landwirtschaftsschule und auch ein bisschen in dieser Art Verbindung gehabt, irgendwie ein Talent zur Politik oder so.
Willy
00:12:42
Wo war denn das in Tirol? Wo ist denn der Großhorn?
Werner
00:12:44
Aus der Wildschönau.
Willy
00:12:46
Aus der Wildschönau. Aus der Badner Gemeinde heute, oder? Ja.
Werner
00:12:49
Genau. Und in, Da gibt es in der Nähe die Landwirtschaftsschule in Rottholz. Und die hat er besucht und nachher der Opa auch. Und ja, dann ist er Bürgermeister gewesen. Und dann vom Bürgermeister ein bisschen zum Land. Und so sind die Sachen entstanden. Und eben in dieser Ersten Republik haben sie jemanden gesucht, einen Landwirtschaftsminister, der irgendwie ein Bauer war. das war...
Willy
00:13:22
Sein müssen, oder?
Werner
00:13:23
Ja, sein müssen nicht, aber sie haben es sicher so entschieden. Und er hat eigentlich seine Landwirtschaft nie aufgegeben. Die Familie ist damals in der Wildschnau geblieben und hat die Landwirtschaft daheim geführt.
Willy
00:13:41
Gibt es die Heide noch?
Werner
00:13:43
Ja, die Familie direkt von der Allerfatter, von der Familie, der Besitz ist verkauft worden, wenn er ausgewandert ist.
Willy
00:13:55
Ach so, okay.
Werner
00:13:56
Aber die Familie von seinem Bruder, die ist schon.
Willy
00:14:02
Die sind noch in der Wildschirn auf. Ja, schon. Was hat er denn so, du wärst sicher, wenn ich mit dem Gretchen, was hat er denn so an der Landwirtschaft fasziniert? Er war ja ein ganz stolzer Landwirt. Für ihn war die Landwirtschaft ganz, ganz wichtig. Warum? Was war das so?
Werner
00:14:18
Ja, das war eigentlich ein bisschen, wenn jemand das schon im Dorf, schon Jahre, Generationen lang Landwirtschaften hat, die Familie, ist eure Familie für Kleinbauern gewesen, aber immer im Land. Es ist einfach ein bisschen, was man sagt, von Tiroler, eigentlich von Tiroler Identität. Und nicht nur die Identität. Wenn man sagt, früher im Gebirge hat es zwei Möglichkeiten gegeben. Entweder Landwirtschaft oder im Gebirge, im Bergerbau. Ja, Bergbau. Und das war ein harter Job.
Willy
00:15:09
Man hat sich aussuchen können, ein harter Job oder ein härterer Job.
Werner
00:15:12
Ja, ja, es sind solche Sachen gewesen. Die Industrialisierung ist eigentlich sehr spart, kann man in der ganzen Gegend.
Willy
00:15:22
Was hat er denn für Fähigkeiten gehabt? Weil es wird ja nicht jeder gleich mal Bürgermeister, in späterer Folge dann Landwirtschaftsminister. Was hat er denn von seinen Fähigkeiten ausgezeichnet, von der Persönlichkeit?
Werner
00:15:34
Ja, das ist ein bisschen entfernt vom Umsatz. Aber was man von der Familie hört, er war immer Idealist in dem Punkt. Und das hat der Familie ein bisschen weitergebracht, an der Gemeinde, an der Gemeinschaft zu denken. Das hat er stark gehabt. und was von uns die Familie erzählt hat, über eine starke Identität zur Gemeinschaft und zur Gemeinde. Das hat mich vielleicht ein bisschen in diesen Sinn geführt.
Willy
00:16:16
Also eine Verantwortung.
Werner
00:16:18
Ja, so eine Verantwortung. Das ist einfach ein bisschen, was an einem ein bisschen stärker liegt, an einem nicht so. Und natürlich die Sache, wenn jemand einmal in der Arbeit, in der Politik kommt, das geht dann auch weiter, wie es heute normal passiert, wenn jemand einmal anfängt in der Gemeinde und dann im Land und so ist es heute.
Willy
00:16:50
Was war dann der ausschlaggebende Punkt? Er ist ja faszinierend. In den 30er Jahren, es ist heute noch ein weiter Weg hierher zu euch. Da fliegt man bis Rio de Janeiro oder bis Sao Paulo, dann noch einmal weiter, dann mit dem Auto ewig. Ich stelle mir das vor, in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts war das, und er hat ganz Südamerika fast bereist. Stellen wir das als eine Mammutaufgabe vor.
Werner
00:17:16
Ja, einerseits schon, aber andererseits ist das die ganze Geschichte mit Nordamerika, das war schon früher. Und nachher da in Südamerika, Sao Paulo, Rio de Janeiro, das waren schon entwickelte Städte. Und Curitiba hat auch schon eine ziemlich starke Entwicklung gehabt. Und wenn man so schaut, Argentinien zum Beispiel, von Argentinien, von Buenos Aires, nach Paraguay, nach, wer heißt jetzt die Hauptstadt?
Willy
00:17:50
Ja, Hüfen, frag mich nicht.
Werner
00:17:51
Da hat es schon einen Zug gegeben. Er ist mit dem Zug. Von Buenos Aires nach Chile, über die Enden schon gefahren damals, das ist erstaunlich. Es ist nicht so schwach gewesen, die Entwicklung hat es schon gegeben eigentlich.
Willy
00:18:11
Aber er war ewig unterwegs wahrscheinlich, das war ein langes Jahr.
Werner
00:18:13
Ja, aber damals ist schon mit Dampf, die Dampfschiffe, die haben eigentlich schon ziemlich eine gute Geschwindigkeit gehabt. Es ist nicht mehr die Segelzeit gewesen, aber sicher viel länger als heute. Und schwieriger war die Geschichte hier im Inland. Wir sind nicht so weit entfernt vom Strand, aber doch sind es so ungefähr heutzutage der Straßen 400 Kilometer. Mit der Bahn war das ein bisschen mehr. Die sind einen Fluss entlang gegangen und da sind viele Kurven gewesen. Und das ist vielleicht schwieriger gewesen, die Entfernung mit dem Zug damals als wir im Schiff, glaube ich.
Willy
00:19:06
Also der Großvater hat damals erkannt, es irgendwie auf die Höfe gibt es einfach nicht genug Platz, es gibt nicht genug zum Essen, es gibt nicht genug Platz für alle eigentlich. Das heißt, man hat schauen müssen, wohin mit den Leuten, oder? Das war so das, was er erkannt hat damals.
Werner
00:19:21
Ja, ja.
Willy
00:19:22
Und wie hat er es dann geschafft, was war denn der ursprüngliche Plan für die Auswanderung? Was war da die erste Idee? Weil 13 Linden war ja nicht der erste Standort, du hast ja gesagt, da hat er gesucht. Und ursprünglich hätten ja viel mehr auswandern sollen, oder?
Werner
00:19:35
Ja, die Idee war sicher viel mehr Leute, weil bei uns in der ersten Gruppe 82 Leute kommen, hauptsächlich Männer, die am ersten Sommergrund, ein Grundloger gebaut haben, damit mehr Leute kommen könnten. Aber da ist nachher inzwischen von 1933 bis 1938, da sind einige Transporte gekommen, so 800 Leute. Und wenn da jetzt dann dieser Grundgemeinde da war, dann ist der Anschluss gekommen in Österreich 1938. Und dann ist sobald verboten worden, die Auswanderung zum Soboa.
Willy
00:20:30
Da waren noch mehr gekommen.
Werner
00:20:31
Da waren noch mehr gekommen, das war die Idee gewesen. Da haben Leute schon die Tickets gehabt und ein paar Familien, wo es schon ein paar da waren und wo es nachher die Familie nachkommen sollte, denen ist es total schlecht gegangen. Aber mit dem Anschluss hat sich das alles zerbrochen. Und das waren die ersten Jahre, ich sage, mein Großvater ist 1939 gestorben, in einem Unglück, in einem Hochwasser. Aber ich sage, die ersten Jahre, die ersten waren das Aufbauen, die ganze Grundarbeit. Und die Zeit nach Zwischenkrieg und Nachkrieg, das waren schwierige Zeiten, da in Dreizierlinchen. Weil mit denen, dass dann der Anschluss gekommen ist, dann ist sofort von der Deutsche Botschaft eine Verwaltung gekommen.
Willy
00:21:42
Da haben sich einer geguckt.
Werner
00:21:44
Ja, es gab eine österreichische Siedlungsgesellschaft, die da gegründet worden ist. Und die hat dann eine deutsche Verwaltung übernommen. Das war natürlich ein Schock für die Dreizylinder damals. Das ist so passiert. Und dann ist Brasilien zum Krieg gekommen und dann waren die, war Deutschland zu Brasilien, sag mal, Feinde, waren die Feinde. Und dann ist wieder eine brasilianische Intervention gekommen und hat die brasilianische Regierung einen Verwalter, wieder einen neuen Verwalter aus der brasilianischen Regierung, da in Dreizylinden eingesetzt.
Willy
00:22:42
Die haben den deutschen ausgekaut und installiert.
Werner
00:22:45
Ja, und so ist es heute so. Und sogar das Land, das ist damals, das hat in Brasilien eine... Ein Agrarinstitut gegeben. Dann ist das Land an ein Agrarinstitut überschrieben worden. Das ist dann erst Mitte des 50er-Jahren geregelt worden.
Willy
00:23:16
Das Land, das die Einwanderer gehabt haben hier in 13 Linden, ist quasi der öffentlichen Hand übertragen worden, quasi enteignet worden. Es war weiter bewirtschaftet, es war nicht mehr Eigentum.
Werner
00:23:26
Ja, es ist einfach so aufgehoben worden, dass das, wie sagt man, fast ein Limbo, und viele Familien haben sich da Sorgen gemacht, soll ich noch weiter investieren oder nicht, werde ich mal diesen Zitztitel kriegen oder nicht, das ist dann sicher ein hartes Jahr, bis das entschieden war.
Willy
00:23:52
Jetzt müssen wir noch mal einen Schritt zurückhupfen, nämlich mit welchen Mitteln, die Leute haben nichts gehabt, die Bauern waren arm, die Leute, die es dann ausgebildet haben, waren noch ärmer. Mit welchen Mitteln schaffe ich es dann, dass ich eine neue Existenz aufbaue? Und wie kann ich mir das vorstellen?
Werner
00:24:13
Ja, da hat es ganz verschiedene, die Familiensommer. es hat Familien gegeben die, irgendwie die Möglichkeit gehabt haben in jeder Auswanderung gibt es einer der total auswandern muss weil er keine Möglichkeit hat der andere wandert aus weil er eine bessere Existenz sieht das ist so und dann ein paar Familien haben da die sagen wir die, das Geld gehabt, das Land kaufen und ein Ticket zahlen. Aber neben dem haben sie diese österreichische Siedlungsgesellschaft, die gegründet worden ist, hat auch vom österreichischen Bund Unterstützung gekriegt. Und dann fragen sich viele, wieso Unterstützung zum Auswandern in so einem Moment ist. Das ist natürlich eine Frage. Aber in Österreich, die Regierung hat auch gewusst, dass jeder, der damals so schlecht gegangen ist, jeder, der etwas auswandert, der ist da nicht mehr so, der hungert da nicht. Es ist einfach die Situation extrem gewesen. Sind andere, wenn man sich heutzutage vielleicht gar nicht, ein Bild macht, dass jeder, wenn Hunger ist, wenn einer weg ist, dann hat der andere doppelt sowas zu essen.
Willy
00:25:56
Die Geschichte der Donausschwaben ist ja im Prinzip auch ähnlich, die haben ja keinen Platz gehabt, die haben ja weiter müssen, damit es da nicht, weil es da nichts gegeben hat. Das war ja auch in der Zeit
Werner
00:26:10
Ja, das sind Spader. Die sind nach dem Weltkrieg im Osten enteignet worden. Die haben von Osten, wo sie sessig waren, haben sie pflichten müssen.
Willy
00:26:24
Gibt es übrigens auch eine Podcast-Folge dazu, die ist natürlich auch verlinkt in den Show Notes.
Werner
00:26:30
Interessiert mich auch schon.
Willy
00:26:31
Super, schickt ihr den Link. Aber das heißt, finanziert ist von öffentlich auf der einen Seite, wenn man geschaut hat, dass man leider weiterbringt damit, weil sie da nichts zum Essen gehabt haben. Und privat heißt, ein paar haben Geld gehabt und haben das Geld vorgeschossen, damit sie es leisten können, oder?
Werner
00:26:48
Interessant, dass das jetzt auch gemacht wird. Ja, und viele haben dann... Das Geld ist dann zum Aufbau gewesen von einer Grundstruktur, weil zum Beispiel die Straßen – wir sind jetzt da 13 Kilometer von der Bahn entfernt – und die Straßen, da hat es nur einen, wie sagt man, einen Steig oder so einen kleinen Weg gegeben, was man mit dem Pferd durchreiten konnte und die ganze Straße ist von den eigenen Familien gebaut worden.
Willy
00:27:22
13 Kilometer Straßen.
Werner
00:27:24
13 Kilometer.
Willy
00:27:25
In einer hügeligen Gegend. In einer hügeligen Gegend,
Werner
00:27:27
Ohne Maschine. Wenn man jetzt noch in Bicaray fährt, die Straßen, die es heimgibt, die liegen fast in der gleichen, Plot. Das sind eine Riesenmenge von Tagesschichten. Die meisten haben dann, was die das Geld nicht gehabt haben, die haben da mitgekauft und die haben das in Arbeit abgezahlt. Für die Gemeinde, damit das aufgebaut worden ist. Nicht nur Straßen, aber Wasserbesorgung und Strom und alles, was dazu gehört. Das ist alles vom eigenen, von der eigenen Arbeit und von der eigenen Hand gemacht werden.
Willy
00:28:23
Das heißt, die Menschen haben so ihre Kredite, also das heißt, ihr habt euch unter Familien gegenseitig Kredite gegeben.
Werner
00:28:30
Ja, die, Siedlungsverwaltung hat da sogar, da hat es einen Gutschein gegeben, einen halben Tag Arbeit, eine Tagsschicht, eine Woche oder so was. Gutscheine, die sich eigentlich auswechseln könnten auch noch. Nicht direkt ein Geld, aber Gutscheine.
Willy
00:28:53
Auch dann da in der Siedlung hast du so Gutscheine gegeben? Ja. Und das hat man dann nach und nach einfach abzahlen können?
Werner
00:29:02
Ja, das weiß ich jetzt auch nicht. Wie lange oder sowas, aber zum Beispiel von meiner Mutter, der Vater, Familie Gomic aus Mostirol, der hat sein Land so abzahlt. Ja, ja.
Willy
00:29:20
So, was wolltest du dir jetzt sagen? Wie kann ich mir denn das, Brasilien, das war das, was war denn ein Teil von Brasilien? Hat euch Brasilien dieses Land gegeben? Es ist da quasi der Großvater hingefahren aus Landwirtschaftsminister und hat gesagt, ich hätte jetzt gern dort ein Land und Brasilien hat gesagt, ja, machen wir. Oder was war der Grund von Brasilien, dass es die Einwanderer aufgenommen hat?
Werner
00:29:45
In Brasilien hat es da kein Land umsonst gegeben. Und in unserer Gegend, das ist eine ganz eigenartige Geschichte, da wo wir sind, da ist die Bahn gebaut worden im Umfang vom 20. Jahrhundert, ich glaube 1910 oder so, da ist die Bahn eingebaut worden. Und die Bahn, Die ist privat gebaut worden von einer amerikanischen Firma und diese Firma, die hat das Land, 15 Kilometer Land, neben der Bahn als Bezahlung bekommen.
Willy
00:30:27
15 Kilometer links und rechts von der Bahn, also 30 Kilometer.
Werner
00:30:31
Ja, ich weiß selber nicht, ob es das jetzt 15, das war nicht genau.
Willy
00:30:35
Aber das Land hat nicht in der Bahn gekriegt.
Werner
00:30:37
Wald. Und die haben dann da in der Gegend, die ist unter der ganzen Strecke entlang, sagen wir 1000 Kilometer entlang, nicht nur ein paar Kilometer. Und die haben da riesige Sägewerke gebaut. Und da haben sie Holz exportiert. Und nach der Einweihung von dieser Bahn, da hat es kregen. Und so in so in die, Da hat es eine Gruppe gegeben, ein bisschen Fanatismus rund um das Religiöse, aber von den armen Leuten, Einheimischen oder Zugewanderte aus Brasilien, die gekommen sind zum Bau der Bahn und die haben nach der Bahn nicht mehr Arbeit gehabt. Und viele Familien haben da gewohnt in der Gegend und haben keinen Sitztitel gehabt. und da sind nachher viele ungerecht enteignet worden.
Willy
00:31:44
Also von den Leuten, die schon da gewohnt haben?
Werner
00:31:45
Ja, die, die einen Besitztitel gehabt haben, die haben ihr Land nicht verloren, aber die meisten, die ganze Gegend war eigentlich noch nicht offiziell bewohnt, aber es sind halt viele, die so zugewandert sind und ihr Haus gebaut oder die haben schon eine Generation da geworden, andere sind eben zum Bau kommen, von der Bahn. Und das hat dann an der Zeit von dem Ersten Weltkrieg hat es in dieser Gegend so einen Krieg gegeben. Und da ist es nachher, da hat es noch von Santa Catarina und Paraná auch noch einen Kampf gegeben um Grenzen, wo ein Land war und wo das andere war. Und da hat es nachher so eine, Sieben, acht Jahre lang war das total unstabil. Und so, ich glaube, nach 1915 oder so, oder 16, dann hat das brasilianische Militär den Krieg da natürlich gewonnen, wenn das Militär gegen die Gruppen, die sich da gebildet haben. Und dann haben sie dieses Land von der Firma, von der amerikanischen Firma, Die Firma hat das dann an Siedlungsgesellschaften übergeben, um das Land billig zu verkaufen, weil sie das heute schon gehabt haben.
Willy
00:33:14
Also sie wollten das Land wieder loswerden dann?
Werner
00:33:16
Ja, und sie haben sich Sorgen gemacht, dass da wieder etwas von dieser Situation kommt. Und das war vielleicht einer von diesen Gründen, dass das Land hier ziemlich billig war im Vergleich zu anderen Gegenden. Von diesen Einheimischen oder von diesen Zugwanderten waren es nicht mehr da. Das Land war einfach in anderen Situationen und so ist es entstanden. Da in 13 Linden hat es zwei Firmen gegeben, Schneider und Selbach, das sind deutsche Namen, aber eine brasilianische Firma mit deutschen Namen, die haben da Land verkauft, vermessen und verkauft.
Willy
00:34:08
Und diese Länder, ein Teil dieses Landes hat dann der Großvater rausgekauft?
Werner
00:34:12
Ja, ja, die Siedlung, nicht er, aber die Siedlung.
Willy
00:34:17
Der Standard war ja jetzt, du hast es selber gesagt, nicht unbedingt jetzt der alleridealste. Wie war der Anfang dieser Siedlung? Wie muss ich mir das vorstellen, wenn da auf einmal nach und nach, du hast gesagt, als erstes sind zwei Rathausfamilien, eins sind zwei Rathausfamilien, was waren das für Familien? Waren das dann schon Landwirte oder waren das noch vorweg Handwerker etc., die quasi da den Voraufbau gemacht haben?
Werner
00:34:41
Ja, es sind eigentlich in alle Bereichen Handwerker und ein bisschen ausgesucht waren Leute, die das machen könnten. Und ich sehe, da haben sie gleich die ersten Jahre ein Kommunehaus gebaut, mit, Einquartierung für die neuen Familien, mit allem drum und drum, Bäckerei und Koch und Küche und das. Und das ist leider abgebrannt mit Alles drinnen in 1900. Ich weiß nicht mehr genau was, aber im Buch, in Dreizylinden, es gibt ein Buch, was genau drinnen steht, aber es war ein Riesengebäude für damals zweistöckig und das ist alles abgebrannt.
Willy
00:35:37
Es ist natürlich bitter, endlich hast du was.
Werner
00:35:39
Was?
Willy
00:35:40
Endlich hat man was und dann bringt alles auf einmal ab,
Werner
00:35:43
Oder? Ja, da haben sie viel verloren.
Willy
00:35:45
Wie ist es dann weitergegangen? Also dann waren wir da, man hat Österreich hinter sich gelassen, du hast ja vorher dann gesagt, es hätten ja noch viel mehr kommen sollen. Du hast dann gesagt, dann ist 1938 der Krieg gegangen, dann hat das gestoppt. Was war denn das damals für eine Zeit? Man muss natürlich auch über das ein bisschen reden. Viel Ersatz ausgewandert, war es Tiroler alles, oder?
Werner
00:36:10
Nein, nicht nur Tiroler. Eigentlich war fast alle Bundesländer. Wir haben zum Beispiel Familie Natta, den du morgen besuchst. Die sind aus Vorarlberg, Natta, Felder. Vorarlberg aus Salzburg haben auch Familien. Fast alle Bundesländer, ob Österreich und Österreich. Aber viele von den Familien sind heute nicht mehr da in Dreizylinden. Obwohl sie gleich die ersten Jahre in der größeren Ortschaft übersiedelt haben. Wegen Industrie, das war nicht einfach. Sie hätten Interesse gehabt, gleich mal eine kleine Industrie aufzubauen. Aber die 13 Kilometer zur Bahn, obwohl sie dann die Straßen gehabt haben, aber zum Abliefern war es vielleicht möglich gewesen, aber die Kunden sind dort auch nicht gekommen, wenn sie nicht kommen, wenn da die Ernstraßen ist, die Firmen haben da keine Chance gehabt, die ersten Jahre, und dann haben sich viele in Joasaba, das ist bei uns 30 Kilometer entfernte Stadt, damals noch am Anfang, aber war schon ein bisschen größer, angesiedelt und haben dort eine Firma angefangen. Und andere sind dann wieder, wenn es in Brasilien, dann in Paraná und in Mato Grosso auch wieder billiges Land gegeben hat und sind auch wieder weitergesiedelt. Ein paar sind wieder zurück, wo es die Familie Neunten gehabt hat. Es gibt halt viele Familien, die im Buch getrennt sind, für die Geschichte mitgemacht haben, aber die nicht mehr da sind.
Willy
00:38:03
Letztendlich ist es ja bekannt als Tiroler Gemeinde. Ich habe gesagt, es war ein bunter Haufen, jetzt sind sie eh wieder ein bisschen verteilt. Aber im Endeffekt ist es ja eine Tiroler Gemeinde geworden und geblieben, oder?
Werner
00:38:13
Ja, okay, die am meisten Nummer waren es Tiroler und von der Gründung her. Aber immer ist schon gewesen, dass wir nicht nur Österreicher da waren in Dreizehlin. Es hat da schon in der Umgebung viele italienische Familien, die schon vielleicht so 70, 80 Jahre schon in Brasilien waren.
Willy
00:38:39
Du bist ja immer mit einer Italienerin verheiratet, nicht?
Werner
00:38:41
Ja, ja. Meine Frau ist aus italienischer Abstammung. Und auch deutsche Familien sind viele in der Umgebung. Und mit dem, dass damals die Familien nicht nachgekommen sind, die noch kommen sollten, dann ist das Land wieder an andere Familien verkauft worden. Es ist nachher so, so haben wir die Siedlungsgesellschaften und dann andere Kunden gesucht. Unsere anderen Gemeinden in der Umgebung sind alle Einwanderer, aber die schon im 18. Jahrhundert gekommen sind. Die meisten nach Rio Grande do Sul, das ist ganz im Sieden des Bundeslandes. Die waren eine Generation dort und sind dann nach Santa der Katharina gekommen.
Willy
00:39:36
Also es war ein bunter Haufen. Jetzt müssen wir ein Thema natürlich jetzt auch nehmen, weil du gesagt hast, es sind 800 Familien kommen, dann war der Anschluss. Ihr habt einen deutschen Aufseher gekriegt, haben es euch dann gleich geschickt, der ist dann wieder vertrieben worden. Wie war denn damals diese Zeit, Zwischenkriegszeit, Anfangskriegszeit, da ist natürlich immer die Frage Antisemitismus, Nationalsozialismus etc. Habt ihr diese Vergangenheit irgendwann einmal aufgearbeitet oder wie war denn das? Wie war denn das Verhältnis von 13 Linden damals zu Deutschland, Österreich etc.?
Werner
00:40:11
Ja, die Zeit vom, was soll ich sagen, direkt vom Krieg, das ist die Zeit gewesen, wo Dreizylinder ziemlich abgeschlossen gewesen ist, wenn man sich denkt, wie gesagt, und der Gründer, der Andreas Thal ist schon gestorben.
Willy
00:40:30
Der Minister, sagt man.
Werner
00:40:31
Ja, ja, sagen Sie viel, der Minister ist einfach so gewesen. Von uns in der Familie, sagen wir, der Vater. Ja, hoffentlich. Ja, aber es ist so. Aber ja, es sind schon es ist ziemlich abgeschlossen gewesen mit den es war, in der Öffentlichkeit Deutsch zu sprechen. Im zweiten Moment, wenn Brasilien sich entschieden hat mit England und mit Alliierten gegen Deutschland, dann ist da in jeder Gemeinde da im Geschäft, zum Beispiel in Treizeilinden, hat im Geschäft jemanden sitzen müssen, Ein Brasilianer, der geschaut hat. Wo es da gesprochen worden ist und so Sachen sind nicht Zeiten, sind auch so gewesen, aber was man eben von den Familien, von den Eltern hört, es sind Sachen wie zum Beispiel Radios und so Sachen sind abgenommen worden. Und dann war ein bisschen eine abgeschlossene Zeit, aber, Einerseits haben alle meine Eltern gesagt, meine Großeltern, wir haben schwere Zeiten gehabt, aber wir haben nur gehungert und es hat uns näher geschossen oder Bomben im Kopf geschmissen. Das war eine schwierige Zeit für die ganze Welt. Ich sage, ein Anfang, wie man sagt, die Zeit vor der Weltkrieg, das war eine Spannung in allen Seiten. Und diese erste Regierung in Österreich hat sich eigentlich nicht so stark durchgesetzt. Das ist einfach ein schwaches Land.
Willy
00:42:51
Wo der Opa dann auch Minister wurde.
Werner
00:42:53
Ja, ja.
Willy
00:42:53
Das war ja Dolfus in der Regierung.
Werner
00:42:56
Ja, die Dolfus-Zeit. Und eben, da ist eine große Spannung gewesen, Bankkredit und Insolvenz und Bauern, die das Land verloren haben. Und es waren einfach die... Die schierchen Zeiten vom Krieg, vom Ersten Weltkrieg, vom Zweiten Weltkrieg.
Willy
00:43:19
Da war viel Hass da, viel Gegend. Das war ja dieser Austrofaschismus oder was man damals gesagt hat. Ja, ja. Der Medizmus war ja damals quasi überall.
Werner
00:43:26
Ja, ja, sicher. Wenn wir an dieses Thema kommen. Natürlich, das war eine Spannung. Aber das war eine andere Spannung als diesen grausigen Holocaust. Das ist wieder eine andere Geschichte. Das ist dann, natürlich ist alles ein bisschen verbunden, aber man darf nicht diesen Horror vom Holocaust mit den 20er Jahren verwechseln, das ist wichtig.
Willy
00:44:00
Das ist wichtig. Und ihr seid ja im Prinzip da rüben so ein bisschen in einem Vakuum gewesen. Ihr habt quasi die Dätskrise der Zwischenkriegszeit mitgenommen, auf einmal sind wir kein Großreich mehr, ein bisschen den Stolz aufs Tirolsein oder aufs Daheimsein mitgenommen, so ein Patriotismus, und dann seid ihr auf einmal da gewesen und dann war er zu. Was hat sich dann daraus entwickelt?
Werner
00:44:25
Und wie es so gewesen ist, auch der Nachkriegszeit, am Ende der Kriegszeit, da ist da schon ein bisschen, ich sage nicht, dass die Leute da zum Wohlstand gekommen sind. In unserer Gegend, wir leben nicht in einer Gegend, wo so zum Beispiel große Bauern, die Gründe sind nicht so groß.
Willy
00:44:53
Also hier hast du die kleinstrukturierte Landwirtschaft mitgenommen, oder?
Werner
00:44:56
Aber meine Eltern, die damals weil es Kinder waren und die Großeltern, die haben damals Lebensmittel gesammelt, zum Hinüberschicken. Also umschicken, von da aus? Ja, zum Beispiel Schweinefett. Das war damals so etwas wertvolles. Und in Europa war Hunger, totaler Hunger am Ende vom Weltkrieg. Und da hat es die Möglichkeit gegeben, mein Vater erzählt nur, dass sie da Fetten, dann haben sie es zu, wie sagt man, die Kandel.
Willy
00:45:32
So ein Fass oder was?
Werner
00:45:33
Ja, ein Fass, und der hat dann zugeschwarzt werden müssen, zum Liefern, damit sie im Schiff aufgenommen worden ist und das hat, das war für die Leute sehr wichtig, dass sie, mithelfen können, wenn nicht nur die Familien, wenn es die Bekannten oder die Urgemeinden so schlecht geht, das ist damals noch im Weltkrieg. Und von der Auswanderung, warum nachher nicht mehr Leute gekommen sind, Da hat es ja nicht mehr, in Europa hat man ja nach dem Weltkrieg wieder starke Arme gebraucht und zum Aufbauen, da war wieder das Auswandern kein mehr Sinn.
Willy
00:46:21
Da war es kein Thema mehr. Ja, aber wie habt ihr euch denn da entwickelt? Also diese 800 Familien, dann war es enteignet, mehr oder weniger, ihr habt es dann in die 50er, hast du gesagt, das kann dann irgendwann wieder zurückkommen. Habt ihr euch darum kämpfen müssen oder habt ihr dann irgendwann einmal gesagt, jetzt Jetzt vertrauen wir euch wieder, weil da war ja ein Misstrauen da. Ihr wart quasi Österreicher, Deutscher quasi, da hat man euch misstraut in der Zeit und dann mit 50 Jahren ist das Vertrauen wieder zurückgekommen.
Werner
00:46:47
Ja, das ist eigentlich eher eine bürokratische Sache gewesen. Die Bürokratie. Ja, okay, aber...
Willy
00:46:54
Brasilien und die Bürokratie.
Werner
00:46:55
Ja, aber bis sich sowas entscheidet, wenn man sich denkt, es ist nicht einfach. Es geht von einer Siedlung auf der anderen und dann geht es zum Bund. Und das waren auch nicht die besten Jahre, die pleite Nachkriegszeiten. Aber... Die Gegend, wo wir da wohnen, in Dreizehn-Linden, ist Heizetog eigentlich ein bisschen besser als die Tiefen, die Gemeinden, die näher am Fluss sind, näher an der Bahn. Bist du das? Das Heizetog ist dort das schlechtere Land für die Landwirtschaft, weil es eher steiler ist. Bei uns ist es ein bisschen durch die drei Zylinden, die 13 Kilometer entfernt. Es liegt ein bisschen höher. Aber das Land ist ein bisschen besser mit einer Maschine zu arbeiten. Aber das Land ist nicht so fruchtbar wie in der Nähe des Flusses. Dann sind die ersten Jahre, bis zu den 70er Jahren, bis zum Kalk, bis zu Kunstdingern und sowas gekommen ist, ist das Land dann sehr schwach gewesen. Die ersten Jahre waren nicht die einfachen Jahre für die Landwirtschaft. Die Technologie hat auch nicht so hingepasst noch. Ganz am Anfang war Wald geschlagen und drauf pflanzen, das ist fruchtbar, aber Die kommenden Jahre, von den 40er, 50er bis 70er Jahren, waren schwierige Jahre für die Landwirtschaft.
Willy
00:48:43
Also die ersten Jahre waren gut, weil es einen Wald gehabt hat?
Werner
00:48:46
Ja, gut sagen wir nicht. Aber das Land ist irgendwie noch fruchtbarer gewesen. Zum österreichischen Verhältnis war das Land da. Irma. Und es ist eigentlich heutzutage nicht, dass das Land so arm ist, aber es ist, pH-Wert ist da, da braucht man viel Kalk, muss man Kalk im Land bringen. Sobald das dann funktioniert hat, dann ist die Landwirtschaft besser geworden. Okay.
Willy
00:49:32
Also hat das Projekt zwischendrin irgendwann einmal gedroht zu scheitern? Also dass das sagt, okay, funktioniert nicht, wir müssen aufhören, wir müssen wieder absiedeln oder war das?
Werner
00:49:43
Ja, eben im 60er-Jahr, da sind Familien weiterzogen, weil sie irgendwie die Existenz da nicht mehr gesehen haben, dass sie eine Zukunft haben. Ein paar Familien oder einige Familien haben wieder ein anderes Land gesucht, in Paraná und so Sachen. Passiert. Am Anfang des 70er-Jahres kam die Molkerei. Das ist wieder nach einer neuen Perspektive gewesen, für Kleinbauern, für einen Monatsgehalt. Bis dann haben sie viel mit Schweinezucht gearbeitet. Und Schweinezucht ist einfach ein paar Monate bis es ist nicht, dass, jedes Monat etwas kommt, dass wir wieder die Schweine abgeben und dann ist wieder nichts und mit der Milchwirtschaft ist das dann...
Willy
00:50:46
Du hast ein konstantes Einkommen.
Werner
00:50:48
Und natürlich, die Molkerei ist dann schnell gewachsen und das hat dann, Arbeitsplätze gegeben und so Sachen und Lastwagen hat es gebraucht und es hat nachher eine neue Dynamik eingebracht in 13 Linden.
Willy
00:51:04
Wie wichtig worden, ihr habt es ja heute noch, wenn man so schaut, es gibt Schuhplattler, es gibt die Musikerböe, es gibt wir haben einen Herrgott Zwinke da, Hucken da in der Stuben mitten in Brasilien, sprichst du Tiroler, hast du in Tiroler gesehen, wie ist es euch gelungen oder wie wichtig worden diese Tiroler Identität, die ihr mitgetommen habt für das Funktionieren von 13 Linden, von der Gemeinde?
Werner
00:51:31
Ja, die Gruppen, zum Beispiel eine Musikkapelle, Tanzgruppen, die hat das Chor, das hat es durchaus gegeben, die haben nie aufgehört. Die Musikkapelle ist eigentlich, da spiele ich auch dabei, da bin ich dabei, Musikkapelle ist noch im ersten Schiff, einen Monat vor sie angekommen sind, ist die Kapelle gegründet worden. Was? Im Schiff noch.
Willy
00:52:00
Im Schiff noch?
Werner
00:52:01
Im Schiff, ja.
Willy
00:52:02
Das Wichtigste, was wir brauchen, ist gleich mal, wenn wir da sind, wir haben noch keine Straßen, wir haben noch kein Haus, aber die Kappeln haben wir.
Werner
00:52:07
Ja, aber das ist absichtlich so gemacht worden. Da haben sie einen beauftragt, die Gemeinden fragen oder die Musikkapellen oder die, die da mitgekommen sind, von den Familien, die da gekommen sind, sind viele, die meisten waren ja Männer, in der ersten Gruppe, die Familien sind nachher gekommen. Und das ist schon die Instrumente mitnehmen oder Noten, damit sie eine Unterhaltung, ein gemeinschaftliches Leben haben. Das ist es eben gewesen. Und da haben sie zuerst, die haben schon in Rio de Janeiro, das war damals Hauptstadt, haben sie schon einen ersten Auftritt gehabt, für den österreichischen Konsul oder sowas. Der hat sie im Schiff gesucht und sie haben da den ersten Auftritt gehabt.
Willy
00:53:09
Also das war Musikkapelle, was noch alles dabei war. Das war wichtig für die Zusammenhalt.
Werner
00:53:17
Ich glaube, das sind die Sachen gewesen. Was die Leute in guter Stimmung halten, ist etwas Wichtiges für die gute und schlechte Zeit. Heute spielt die Kapelle in Österreich ein Begräbnis, nicht nur am Fest, sondern für das Gemeinschaftliche. Ja, und so ist es gewesen. Mitten in den 70er Jahren ist dann die Idee gekommen, die Brasilianer interessieren sich auch. Für etwas Besonderes von der Kultur.
Willy
00:54:00
Jetzt kommt der Tourismus.
Werner
00:54:01
Ja, Tourismus. Der Tirol hat der Tourismus. Ja, natürlich, aber in Tirol ist es auch nicht so alt. In Tirol ist es ein Klischee. Aber damals in der Nachkriegszeit hat es auch Zeit gedauert in Österreich, bis wieder etwas entstanden ist von Tourismus. Aber bei uns ist es sehr langsam gegangen. Die Heiser, die ersten Heiser, die gebaut worden sind, die sind absolut Tiroler, Schirne-Tiroler Bauernhefe gebaut worden mit, Querbalkon.
Willy
00:54:44
In der Wütschenau.
Werner
00:54:45
Ja, so, wie sie es heute kennen haben. Aber mit dem, dass bei uns das Wetter und das ist, bei uns regnet es viel stärker, wenn es regnet. Holzwirme haben da die bessere Bedingungen. Der Winter ist nicht so lang, dann haben die Häuser nicht so lange gedauert. Das Holz, was ich da ausgesucht habe, die Pinien, ist eine Kiefmarkt. Die Araucaries, die Pineros, ist eine Pineros. Ein wunderbares Holz zu bauen.
Willy
00:55:21
Das ist dein Metier. Bist du dein Metiers mit Holz?
Werner
00:55:25
Ja, mit Holz. Obwohl die Raugare nicht zum Schnitzen sind. Aber da haben sie in dem Holz gebaut. Und das Holz hat eine kurze Zeit gehabt. Die Häuser sind dann wieder abgerissen worden. Und die zweite Generation von den Häuser, die da gebaut waren, sagen wir mal, seit den 50er, 60er Jahren, die sind dann der übliche Bauart von der Umgebung gebaut worden.
Willy
00:55:51
Also man hat sich adaptiert. Ja, das war billiger.
Werner
00:55:54
Ab und zu die Arbeitskräfte oder ein Zimmermann oder ein Maurer, der von einer anderen Gemeinde kommt, der macht es schon ein bisschen anders. Dann hat sich dort der Tiroler Stil vom Bau verloren.
Willy
00:56:14
Langsam angepasst.
Werner
00:56:15
Und dann Ende des 70er-Jahres, Anfang des 80er-Jahres, ist wieder die Zeit gekommen, die neuen Heisen, die damals gebaut waren, die möchten wir jetzt in der originellen Art bauen. Und das ist natürlich interessant in Brasilien, dass du die Möglichkeit hast, ohne irgendwo im Ausland zu rassen und etwas zu sehen, wie heute die Leute in Tirol oder in Österreich leben. Aber es ist eine langsame Geschichte gewesen. Wir hatten keinen Asphalt bis 1985, war das nur Ehrenstraßen. Und fremden Verkehr mit Ehrenstraßen ist einfach fast nicht praktikabel. Das ist dann, ab die 90er Jahre hat sich das ein bisschen intensiviert und fährt so ein Aber immerhin ist nicht der erste Einkommen in Dreizylinden der fremden Verkehr.
Willy
00:57:24
Das war die Landwirtschaft, oder?
Werner
00:57:26
Heutzutage ist die Industrie… Die Industrie.
Willy
00:57:31
Die Verarbeitung?
Werner
00:57:32
Ja, die Molkerei, aber andere Industrien auch. Die Batteria Spioneros, eine große Batterienfabrik, die ist da entstanden. Und da ist nachher eine Melchmaschinenfabrik und eine Kraftfutterfabrik.
Willy
00:57:50
Also ich habe es ja industrialisiert, also gekommen seid ihr quasi mit Landwirtschaft, erst die Schweinezucht hast du gesagt, also erst einmal Wald, dann die Schweinezucht, dann hat sich aber die Milchwirtschaft mehr etabliert, dann die Molkerei, also es war so ein bisschen dann parallel dazu ein bisschen der Tourismus, das hat sich so quasi die Attraktion für die Brasilianer ein bisschen geworden. wird. Und dann hat sich alles, ist das alles jetzt noch in, sage ich mal, in Tiroler, Anführungszeichen, in Tiroler Hand, also sind da die Familien bei der Batteriefabrik, bei der Milchfabrik, sind da die Familien noch involviert oder seid ihr da schon, wie schaut das heute aus?
Werner
00:58:31
Ja, das ist ganz unterschiedlich. Wie gesagt, Drei Zylinden waren ja eine, sagen wir, eine nur Tiroler Gemeinschaft. Das waren immer schon italienische Familien da und im Gebiet der Gemeinde wohnen viele Einwohner, die nicht aus österreichischen Abstammungen sind. Und da hat es immer schon ein bisschen natürlich Leute, die mit anderen verheiratet waren und in den letzten Jahren sind von ganz Brasilien viele Leute zugesiedelt. Wenn das Industrie ist, dann kommt das natürlich auch so dazu, die Leute suchen Arbeit und zum Beispiel die Molkerei Tirol hat angefangen, direkt wer Genossenschaft das soll, aber in dieser Art. Und dann haben es zwei Familien übernommen. Die haben dann die, kleinere Teile, verkauft und die führen es noch bis heute. Die Familie Rofen und Familie Dresch, und die sind inzwischen vielleicht die größte Molkerei in Süden Brasilien.
Willy
00:59:52
Also Riese kennt man, Tirol heißt das?
Werner
00:59:55
Ja. Molkerei Tirol. Sie sind halt nicht nur in Dreizylinden, sie haben in anderen Städten auch Firmen, aber die Verwaltung und der Hauptsitz ist schon noch da.
Willy
01:00:09
Erlaube mir den Einwurf, dass eine eigene Podcast-Folge dann auch zur Molkerei geben wird.
Werner
01:00:13
Ja, schon.
Willy
01:00:14
Link in den Schoen.
Werner
01:00:15
Von sich interessant. Aber die Familie, die Batterie Spionero, die ist von der Familie Barbieri aus Ligna Pinal. Linha Pinal ist eine kleine italienische Siedlung, da in Dreizylinder. Das ist ein Teil, was wirklich eine kleine italienische Gemeinde war, schon seit dem Anfang. Und die stammen aus Italiener, Familie Barbieri. Dann ist wieder eine andere Sache.
Willy
01:00:43
Das ist lustig. Es ist damals in Tirol schon die Partnerschaft zu Italien, die Nähe, sagt nur Südtirol. Und jetzt sitzt du irgendwo in Brasilien und was ist nebenbei, wieder die Italiener.
Werner
01:00:51
Ja, und komischerweise ist das Verhältnis anders, weil das Verhältnis von Tirol zu Italien ist ein bisschen spannend.
Willy
01:01:07
So ist Tirol größer als Italien?
Werner
01:01:08
Ja, man kennt die ganze Geschichte. Meine Großmutter stammt aus der City-Tirol und dann weiß man, wie das alles läuft. Aber da in Brasilien war die ganze Geschichte anders. und, Die Tiroler Familien waren da und die waren eine kleine Gemeinde, die einen Anschluss zu anderen Leuten gebraucht haben. Kontakt und die Nebengemeinden waren Italiener. Ein paar Deutsche waren auch Italiener Familien. Die Familien waren schon fast 100 Jahre in Brasilien. Und dann ist das die Sache von Südtirol und die Leute haben das da fast nicht gekannt, dass da nach dem Ersten Weltkrieg Südtirol nach Italien gekommen ist. Und heutzutage sind ein paar Gemeinden in Santa Catarina, die aus Weltstiroler stammen. Und die Teil davon wissen gar nicht, dass sie Österreicher waren.
Willy
01:02:20
Ist schon so lange her.
Werner
01:02:21
Ja, ist schon so lange her, dass sie sagen, ja, wir sind aus dem Trentino in Italien, aber Trentino war ja...
Willy
01:02:29
Da hast du wieder alte Wunder. Wenn man das jetzt sagt, du hast es gerade in den letzten Jahren sehr viel Zuzug gewesen aus dem Rest von Brasilien. Was macht das mit dieser Tiroler Gemeinde, die quasi wenn du das von außen betrachtet hast, wirklich Identität ist Tirol, das ist viel Marketing natürlich jetzt auch, viel für den Tourismus, du hast ja selber gesagt, viele Italiener, es war nie eine rein Tiroler Gemeinde. Wie wichtig ist heute der Stempel, die Identität Tirol hier in 13 Linden?
Werner
01:03:07
Ja, wir haben große Herausforderungen dazu. In Brasilien haben wir, die Gesetze in Brasilien sind sogar anders als in Österreich. In Österreich muss man sich irgendwo melden, wo man wohnt. Oder wenn man eine kurze Zeit lang wohnen möchte, einen Monat oder zwei, dann soll man sich einer Gemeinde melden. Das ist in Brasilien nicht der Fall. In Brasilien gibt es ein Gesetz, das heißt Direto de Irre-Iver. Gehen und kommen. ist ein Recht. Einerseits kann es ein Recht sein, andererseits eine komplizierte Sache.
Willy
01:03:54
Das hast du schon gesagt. Zitat.
Werner
01:03:55
Ja, schon. Weil, ehrliche Leute, die Leute, die es gut meinen, die haben ja kein Problem, sich zu melden. Aber man hat schon mit denen ab und zu Schwierigkeiten, dass sich zum Beispiel jemand, der irgendwo Probleme hat, der kann wieder an einem anderen Platz untertauchen. Ja, ohne sich zu melden. Das ist eine Sache. Aber ich sage, die Möglichkeit ist frei, irgendwo zu wohnen. Wenn Arbeit da ist und wenn die, finanziellen Möglichkeiten da sind. Und unsere Herausforderung ist vielleicht die größte. Wie sollen wir die Leute integrieren? Weil man sagt, unsere Tiroler Identität, wenn wir jetzt stark kämpfen und sagen, wir sind die Tiroler und die anderen sind die anderen, dann sterben wir aus in unserer kleinen Gruppe und die anderen nehmen es natürlich. Ich, weil wenn man sagt, die Politik zum Beispiel, jeder hat gleich Wahlrecht. Ob jemand jetzt da ist, zwei Wochen oder einen Monat, oder...
Willy
01:05:24
Das kann jeder wählen. Was? Das kann jeder wählen, ja.
Werner
01:05:27
Ja, sobald er ansässig ist, macht er einen Wahltitel, sagt man...
Willy
01:05:35
Ja, wählen.
Werner
01:05:36
Ich glaube, es ist in Österreich auch so, wenn man jetzt in einem anderen Bundesland.
Willy
01:05:41
Aber du hast mir ja gemeldet. Du hast ja gesagt, man muss sich nicht melden.
Werner
01:05:43
Ja, in dem Punkt schon. Wenn jemand schon länger da ist, dann meldet er sich.
Willy
01:05:47
Und dann kann er wählen. Dann kann er wählen schon.
Werner
01:05:50
Aber ich sage auch, zum Übersiedeln, zum irgendwo wohnen, ist es absolut frei. Das braucht er nicht. Aber zum Wählen schon. Und dann sind die, sagen wir mal, die Mehrheit von der Bevölkerung ist nicht von Tiroler abstammende Heizetag. Einfach viele dazugekommen sein. Dann sind wir so zwischen den Sachen. Dann sagen wir, schauen wir, dass wir Deutsch lernen und die Kinder das behalten. Dann sagen wir, das sind die Faschisten, die nur Nationalisten sind. Und wenn man sagt, das ist alles scheiße, wir sind in Brasilien, dann wird halt gesagt, die haben sich, die haben eine Identität verloren und das so ist, wenn wir heute, zum Beispiel eine Tanzgruppe haben und wir haben Leute dabei die aus anderen Ethnien stammen und die machen mit wir müssen uns freuen, wenn man die Leute wir haben zwei Möglichkeiten entweder man integriert die Leute oder die Leute reagieren, negativ und sagen, ich kehre nicht zu dieser Gemeinde und dann möchte mein Ort, die Gemeinde zu gestalten, durchsetzen. Die Herausforderung ist das.
Willy
01:07:28
Wie gelingt euch das?
Werner
01:07:30
Das müsste man vielleicht ein bisschen weiter in ein paar Jahren neuer Podicast machen. Nein, aber ich sage, das Verhältnis, das Zusammenleben ist sehr positiv an dem Punkt. Aber die Sprache der nächsten Generation, meine Generation und vielleicht, ich bin viel mit meinen Großeltern gewesen.
Willy
01:07:59
Du bist da geboren, gell? Du bist nie in Tirol gewesen, aber du hast in Tirol auch erzählt.
Werner
01:08:04
Nein, ich bin eine Zeit lang.
Willy
01:08:05
Ja, du warst ja dort.
Werner
01:08:08
Aber wir haben daheim Deutsch geredet und mit meinen Eltern reden ich eigentlich noch gerne Deutsch, obwohl sie auch ein paar gewissen kennen. Aber meine Geschwister, sie reden alle Deutsch, aber nicht so üblich. Nicht, die haben sich irgendwie nicht so für die Sache interessiert.
Willy
01:08:30
Nicht so gut wie du.
Werner
01:08:32
Ich sage, ob ich gut rede oder nicht, aber ich will vielleicht den Dialekt noch stärker behalten. Aber sie kennen es alle. Aber die Generation jetzt von unseren Kindern, die müssen alle Englisch lernen. Wie es heute ist. Portugiesisch und Englisch müssen sie wissen, heute ist es eine Situation. Und Deutsch ist heute die dritte Sprache in diesem Punkt. Das ist nicht einfach, dass drei Sprachen gut behalten oder gut gelernt werden. Aber man muss halt schauen. Heute gibt es die Möglichkeiten, die man nicht gehabt hat. Zum Beispiel, ich höre normalerweise E1 Morgensjournal.
Willy
01:09:24
Das mache ich einfach. Das machen wir dann gemeinsam.
Werner
01:09:27
Ja, okay, aber die Möglichkeit hat man nicht gehabt. Und wenn ich heute nicht immer die Möglichkeit habe, zum Deutsch reden, wenn ich mich ein bisschen fit halte und mich die Sachen interessiere, oder einen Podcast zum Beispiel zu hören, das hat man vor einem Podium nicht machen können.
Willy
01:09:48
Jetzt kannst du einen Podcast abonnieren und Power to the People oder die konstruktive Ahnungslosigkeit, die kannst du dann in Zukunft regelmäßig hören. Glaubst du, jetzt ist ja kritisch formuliert, Bleibt das hier auch Tirolerisch oder verkommt es irgendwann einmal, verkommt es unter Anführungszeichen einfach zu einer touristischen Attraktion? Weil jetzt sitzen wir bei dir da in der Stube. Ist es dann irgendwann einmal so ein Freilichtmuseum und du bist so ein bisschen im Schaufenster oder ist es dann auch noch dein Tiroler zu Hause?
Werner
01:10:21
Ich glaube, man muss das sogar ein bisschen anders denken. Ja, bitte. Ja, die, sagen wir, was ich sage, die kulturelle, die Folklore und ich habe schon die Sache, ja, Disney, Tiroler Disney oder so. Disneyland, ja. Ja, Tiroler Disneyland. Man kann das auch so betrachten. Wenn man sagt, nein, die haben einen Tiroler Disney-Aufbau. Aber die Gruppen, die bestehen seit dem Anfang. Die sind nicht dazu gemacht worden. Dann sagt man ja die haben eine Musikkapelle und das ist der Disney und die Musikkapelle spielt nein, Das wäre der Fall, wenn wir jetzt eine Kapelle dazu gegründet hätten, um eine Show zu machen für Fremdenverkehr. Im Moment, wo wir nur für Fremde aufführen oder dass wir unsere Gemeinschaft nicht mehr haben, dann ist es eine andere Sache. Aber andererseits sind es Entwicklungen. Es wird eine Stadt, die 13 Linken wachsen ziemlich schnell. Wir haben ja in den letzten 10 Jahren 30% Zuwanderung.
Willy
01:11:43
Wie viele Leute wohnen heute da?
Werner
01:11:45
So fast 10.000. Und das ist natürlich sehr viel. Und man muss schon in Sicht haben, dass sich da was ändert. Und in dem Sinn ist, was man da behaltet es wird sicher in ein paar Jahren sein eine Stadt, wenn sie wächst, mit Israel, mit Tiroler, Wurzeln und mit Tiroler sagt man mit Tiroler Ja, es ist so, man kann da nicht denken Wir sind eigentlich nicht gekommen und haben gesagt, wir machen hier eine Kolonisation, ein Luxemburg oder ein Liechtenstein in Brasilien. Das ist nicht die Sache. Da kann man einerseits sagen, es ist schade, man hat es verloren. Es hat sich irgendwie anders entwickelt. Das sind so Sachen.
Willy
01:12:54
Aber wie geht es dir damit? Das ist ja das Schöne, dass du jetzt sagst, ich komme jetzt quasi mit meinem Klischee, stell dir die Frage, Disneyland, und du hörst das. Und dann sagst du, ich sehe das ja anders. Wie geht es denn dir, wenn du das hörst? So, Disneyland. Ist das ärgert dich das?
Werner
01:13:11
Nein, das stört mich total. Ja, schon. Aber andererseits, ich sage, es kann wieder ein bisschen, ein Anhalt sein, dass man sagt, das muss echt gemacht werden. Und immer wenn etwas kommt, wenn eine Kritik kommt, man muss sich nicht nur als Schande oder was nicht mehr als...
Willy
01:13:40
In die Defensive gehen.
Werner
01:13:41
Ja, in die Defensive gehen. Nein, wir müssen nicht mehr. Es ist unsere Herausforderung, dass man nicht nur ein Disney-Land macht. Aber andererseits, sagen wir jetzt zur Beziehung von Österreich, man macht schon für Österreich, wie sagt man, nicht Werbung. Österreich-Werbung. Nicht Österreich-Werbung. Nicht ein Klischee. Aber man macht schon ein bisschen die Brücke. Und es ist interessant, wenn Leute hier nach Dreizylinden kommen, wie sie sich da interessieren, nach Österreich zu fahren. Das möchte man schauen. Ob das authentisch ist, was sie da machen. Ich möchte das schauen und ich finde das ja, eine super Sache, wenn die Leute jetzt noch drei Zylindern kommen und so. Und dann sage ich, da in 13 Linken gibt es auch wieder ein Bild von einem Berg oder so. Und die Leute sagen in Brasilien, jetzt habe ich das in 13 Linken gesehen, aber ich möchte das mal erleben. Das ist ja meiner Sicht auch was Wichtiges.
Willy
01:15:03
Also es ist ein bisschen so ein Seiltanz, den ihr vollführen müsst zwischen die Traditionen bewahren. Nicht kippen in ein reines Tourismarketingprojekt.
Werner
01:15:13
Sicher, sicher. Ja, ja, ja, ja.
Willy
01:15:15
Was glaubst du, wenn ich jetzt frage, 13 Linden in 13 Jahren?
Werner
01:15:20
In 13?
Willy
01:15:21
Ja, in dem Fall muss ich 13 Jahre sagen. Aber wie schaut 13 Linden in 13 Jahren aus?
Werner
01:15:26
Ja, es wird stark gebaut, 13 Linden. So haben wir urbanistisch gesehen, wird sich viel ändern. Wir haben jetzt eine Tendenz, ein bisschen eher so heiße in fünf, sechs Städte zu bauen. Es ist im Stadtsplan, im Dorfplan nicht einfach. Zum Beispiel, man möchte nicht, dass man da erlaubt, irgendwie ein Hochheiser in irgendeinem brasilianischen Stil oder von der Großstadt zu bauen, damit irgendwie die Identität in diesem architektonischen Stil behalten wir auch etwas von der Identität. Aber es werden heute mehr solche heißen in diesem Größenstern. Mit Tiroler Influenz, mit Tiroler, was sie gesehen haben, soll man nicht absolut im Tiroler-Stil oder in österreichischen Stil... Im alpenländischen Stil. Aber es wird sich in dem Punkt einiges verändern. Aber man sieht andererseits eine positive wirtschaftliche Entwicklung. Und man darf heute auch nicht nur schimpfen, dass sich die Sachen verändern, wenn die Leute eine Arbeit haben und wenn die Jungen eine Existenz haben. Das ist auch eine Sache. Aber es ist eine große Veränderung, wenn wir es schon haben. Weil die, Zuwanderung von anderen Bundesländern sogar stark ist. Aber wir sind auch Einwanderer da.
Willy
01:17:33
Also ich sehe das jetzt, der erste Eindruck, also ich bin heute gerade angekommen, direkt zu dir. Unglaublich tolles Atelier. Aber es hat irgendwann nochmal den Titel gegeben, Tirol unter Palmen. Das ist es eigentlich nicht, was wir da haben, sondern es ist ja eigentlich Brasilien mit einem Tiroler Charakter, mit einem Tiroler Charme eigentlich. Das ist, was es ist.
Werner
01:17:54
Okay, ja.
Willy
01:17:55
So kannst du mit dem eher, mit dem eher. Es ist nicht Tirol da, sondern es ist Brasilien mit Tiroler Note und nicht Tirol mit brasilischer Note.
Werner
01:18:05
Wir leben in Brasilien, wir sind Brasilianer, wir sind da aufgewachsen und was man sagen muss, wir sind in Brasilien aufgenommen worden. Natürlich hat es die Zeit unter dem Weltkrieg gegeben. Zwischen und dann.
Willy
01:18:26
Hast du noch eine Diktatur da mitgemacht.
Werner
01:18:28
Ja, aber wir sind da aufgenommen worden. Wir haben da immer frei die Wirtschaft, das selber machen können. Wir dürfen da Deutsch reden, wir dürfen da in Brasilien österreichische Musik machen, Folklore und das ist ja was Schönes. Es ist eine Gemeinde in Brasilien und es gibt schon einen Stolz von der Abstammung und dass da eine Geschichte da ist. und das muss man eben weiter behalten. Aber es ist immerhin eine Gemeinde in 13 Linken in Brasilien mit Tiroler, mit Tiroler Akzent, mit Tiroler Identität.
Willy
01:19:14
Du hast eigentlich das beste Wort, was du gesagt hast, mit Tiroler Akzent. Sogar sprachlich, architektonisch und auch von der Wirtschaft her, es ist ein Tiroler Akzent, der da ist. Jetzt abschließend, eine letzte Frage, weil wir das Ganze von 13 Linden auf Wort Riesisch oder Brasilianisch, bitte sprichst du mal richtig aus.
Werner
01:19:32
Ah, Tres Echilias. Der Name, warum der Name?
Willy
01:19:37
Der Name, das muss ich mal noch haben.
Werner
01:19:39
Ja, das ist eine Geschichte, 13 Linden, ist ein Klassiker, ein Buch von Wilhelm Weber. Wilhelm, ja. Und viele haben das Buch schon gelesen, aber die vielen sind schon ein bisschen älter. Aber es ist ein sehr bekanntes Buch, ein Klassiker. Und das war die Inspiration zum Namen.
Willy
01:20:04
Das war das Lieblingsbuch oder eines der Lieblingsbücher von deinem Großbritann.
Werner
01:20:07
Ja, es ist zufällig passiert, was man halt ein bisschen von der Familie hat. Sie haben sich auch andere Namen ausgedenkt, während, der Fahrt im Schiff. Aber im Rio de Janeiro ist was passiert, das ist mein Opa, der ist damals 19 Jahre alt gewesen.
Willy
01:20:29
19?
Werner
01:20:30
Ja, der ist der Opa, nicht der Oma Großvater. Der ist der älteste Sohn, der ist mitgekommen, in der ersten Gruppe. Und der hat in Rio de Janeiro, in einem Flohmarkt, dieses Buch gefunden. Und der hat das gekauft, das war billig, und hat es dem Vater geschenkt. Der Vater hat das gerne gehabt, die Geschichte, und das war so ein bisschen inspirierend, wenn man jetzt da so ein Buch findet und das Buch ist in Versform. Ja, in Versform. Und es erzählt von der Zeit, von der karolingischen Zeit, von nach und zu Karl der Großen in Sachsen und Franken, die Geschichte von einem, Mostero, ein Fabriester, ein Missionar? Nein, ein Gebäude, ein Kirchen. Eine Kirche, eine Kirche, Wir haben uns alle mit.
Willy
01:21:44
Bitte.
Werner
01:21:44
Ja, nein, hilfst mir bitte. Okay, auf Deutsch. Wo ist ein Büro? Ein Priester, ein Kollege, ein Priester.
Willy
01:21:54
Ein Kloster?
Werner
01:21:55
Ein Kloster, ein Kloster. Jetzt haben wir es. Okay, Kloster, danke. Was, danke. Ein Bild von einem Kloster, daher bitte. und in der Zeit, wo Sachsen, der Anfang war von der christlichen Zeit in Sachsen und um diese Zeit, um Ehre geht es, um Ursprung und so Sachen.
Willy
01:22:20
Tradition.
Werner
01:22:22
Es geht eher um die, Herausforderung von der Kultur, von der alten Kultur, von der sachsischen Kultur, sich anpassen an eine neue Zeit.
Willy
01:22:39
Also hat es eine Geschichte ein bisschen Parallele zu tun. Und deswegen Tresetilias.
Werner
01:22:44
Ja, das heißt der Kloster von Tresetilias-Kloster, der Dreizylinden-Kloster. Dann haben sie es ursprünglich Dreizylinden geheißen. Dann ist diese Zeit gekommen, wo das Deutsch-Sprechen verboten waren, dann hat die brasilianische Regierung einen neuen Namen gefunden, das war Papuan. Papuan. Papuan, wenn ein Bach, was da durchfließt, das heißt Bach Papuan, dann war es eine Zeitlang Papuan. Und dann, wenn es Gemeinde geworden ist, dann ist der Name 13 Linden auf Tresitilias übersetzt worden.
Willy
01:23:32
Und so hat es dann den Ding. Gibt es das Buch, das, was wir damals in Rio de Janeiro am Flohmarkt kaufen, gibt es das Buch noch eigentlich?
Werner
01:23:41
Ja, bei uns im Museum. Ich weiß jetzt nicht, ob es direkt dieses Buch ist oder eine andere...
Willy
01:23:51
Ja, Ausgabe, aber...
Werner
01:23:52
Ja, weiß jetzt nicht, aber man muss es dann im Museum schauen.
Willy
01:23:56
Muss man dann schauen, wäre ich dann noch da fragen. Gibt es jetzt irgendwas, was ich noch nicht gefragt habe, was jetzt wichtig ist, wo du sagst, das möchte ich noch erzählen, damit das Bild von 13 Linden zumindest im Rahmen dieses Podcastgesprächs vollständig ist? Ja.
Werner
01:24:14
Ja, es ist, ich glaube, wir sind so in... Ich glaube, wir haben es schon. Es ist ja, was könnte ich noch dazu sagen? Ich glaube, wir haben es schon.
Willy
01:24:24
Du, es ist, passt, der Kaffee ist gar, mit dem Kaffee haben wir ausgetrunken. Der Sonne geht ja schon unter, dann sage ich bei dir jetzt vielen, vielen Dank. Sagen wir noch zum Schluss, das frage ich jetzt immer, wenn ich unterwegs bin, wenn du jetzt einen Menschen wie mir noch nie in Brasilien war, in wenigen Worten Brasilien und die Menschen in Brasilien beschreiben müsstest. Wie würdest du das machen?
Werner
01:24:48
Ja, Brasilien ist ein kontinentales Land. Brasilien ist ein Land mit großen Unterschieden. In Brasilien hat man größere Unterschiede zwischen Norden und Süden als in Europa zwischen Ländern. Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland sind kleiner.
Willy
01:25:10
Zwischen Norden und Südbayer.
Werner
01:25:11
Ja, weil es eben ein anderes Klima, eine andere Herkunft ist. Brasilien ist ein Land, wo man leicht aufgenommen wird. Es ist ein Land, wo es kompliziert zu verwalten ist. Bürokratie. Bürokratie, wir haben von der portugiesischen, königlichen Familie noch einiges zu bewältigen. Die Unterschiede sind groß. Es ist andererseits ein Land von vielen Möglichkeiten, wo viel Neues entsteht und wo neue Initiativen nicht leicht gestützt werden. Es ist ein Land mit Möglichkeiten. Aber so sind die Herausforderungen. Um ein Land zu sein, um ein Land zu sein, mit diesen Unterschieden. Und es gibt viele von uns da, von Süden, wo wir eher von europäischen Abstammungen sind, die nie nur in Nordosten waren, nie im Norden.
Willy
01:26:37
Und umgekehrt noch.
Werner
01:26:38
Ja, und umgekehrt noch viel mehr. Und dann denken die Leute da, nein, die da oben, die arbeiten ja nicht. Die da oben, das sind nur Faulenser, die machen nichts, aber kennen die Realität nicht. Und wenn sie dann oben sind, merken sie, die Leute arbeiten doch, die Leute arbeiten anders. Und die von Norden denken, in Syden gibt es nur, das sind europäische Abstammungen, das sind alles Rassisten. Das ist auch nicht die Geschichte, auf das die Brasilien als ein Land zu denken, das ist noch ein langer Weg. Es gibt viele Häuser in Österreich, die älter sind. Als Brasilien in dieser Konzeption, wenn man sich denkt nach der europäischen Kolonisierung, wenn man von den Einheimischen in der Sicht von dieser Invasion sagt, aber es ist halt noch eine große Herausforderung, bis wir das hinkriegen.
Willy
01:27:55
Also ein junges Land eigentlich noch von der Geschichte, die Menschen. Kann man das wahrscheinlich auch nicht einheitlich beschreiben, sondern muss man wahrscheinlich auch...
Werner
01:28:04
Ja, vielleicht ist eben die Pluralität die große Eigenschaft von Menschen in Brasilien. Es ist in Brasilien leichter, mit Ausländern zu sprechen oder mit anderen Kulturen oder Völker als in Österreich, weil wir irgendwie gemeinsam das Land bilden.
Willy
01:28:33
Man ist es ein bisschen gewohnt. Es spricht zwar fast keiner Englisch, aber ich habe mich bis jetzt noch mit jedem verstanden. Ich spreche halt leider auch kaputt.
Werner
01:28:41
Das ist in Brasilien, da bekommst du immer, wenn du da irgendwas fragst, jeder sucht dir etwas zu beantworten. Es kann vielleicht nicht die richtige Antwort sein, aber wir werden es versuchen.
Willy
01:28:58
Es war jetzt ein wunderschöner Abschluss für dieses Gespräch. Ich glaube, es waren sehr, sehr viele richtige oder schöne Antworten dabei. Eine völlig neue Perspektive. Ich glaube, wir verstehen jetzt vielleicht 13 Minuten ein bisschen besser. Und wir wären in 13 Jahren, haben wir gesagt, komm ich wieder und dann schauen wir mal, ob deine Prognosen eingetreten sind.
Werner
01:29:18
Und andererseits, was ich über 13 linde, wenn du jetzt mit mehr Leuten sprichst, das wäre dann sicher interessanter. Ich habe immer meinen Filter, meine Perspektive und das ist eben so, das wird interessanter werden, wenn du dann mit mehr Leuten sprichst. Dass ich nicht einfach der Besitzer von der Wahrheit hin.
Willy
01:29:43
Das ist schön. Sehr schöne Worte. Vielen Dank für deine Zeit, lieber Werner, und ja, ihr werdet es noch einmal hören und dann redet ihr über seine Profession, nämlich die Kunst, das Bildhauen und das Schnitzen.
Werner
01:29:55
Ja, wir müssen die Leute ein bisschen Geduld haben.
Willy
01:29:57
Wir müssen uns ein bisschen Geduld haben. Danke.

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