Chianti: Traditionalisten und Revoluzzer vom Feinsten
03.03.2026 40 min
Zusammenfassung & Show Notes
Chianti ist mehr als Korbflasche und rot karierte Tischdecke. Tobias und Michael sprechen über die Herzkammer der Toskana zwischen Florenz und Siena und ordnen DOCG, Classico, Riserva und Gran Selezione ein. Es geht um Sangiovese als Pflichtrebsorte, um Galestro und Alberese, um Rebellion und Super-Toskaner, um Gallo Nero und Qualitätsreform seit 1984. Eine Folge über Herkunft, Historie und warum Chianti heute wieder zur Spitze zählt.
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Produktion und Schnitt: Andreas Hagelüken
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Transkript
Bei Anruf Wein. Der Weinfreunde-Podcast.
Ich grüße euch, liebe Weinfreunde. Mein Name ist Tobias.
Willkommen Bei Anruf Wein. Chianti - Das klingt nach Toskana,
nach Zypressenalleen und vielleicht auch nach einer bauchigen Bastflasche auf
einer rot karierten Tischdecke. Aber zwischen diesem Klischee und der Realität
liegen Welten.
Denn Chianti ist heute eines der vielschichtigsten und zugleich spannendsten
Weinbaugebiete Italiens.
Was macht die Rebsorte Sangiovese hier so besonders?
Warum kräht auf manchen Flaschen ein schwarzer Hahn?
Und wie wurde aus einer traditionsreichen Region plötzlich die Heimat
rebellischer Supertoskaner?
Michael und ich sprechen über Stolz und Stilfragen,
über Herkunft und Hierarchie und darüber,
warum Chianti weit mehr ist als nur ein Klassiker im Weinregal.
Ein Klassiker im Podcastregal ist seit nunmehr fast 5 Jahren auch Bei Anruf
Wein.
Damit das so bleibt, abonniert und bewertet uns bitte.
Danke! Also bleibt mal dran. Ich ruf den mal an!
Ciao, Tobias. Wie schön, dich wieder in der Leitung zu haben.
Ja, ebenfalls.
Ich freue mich jedes Mal, wenn wir uns hier zum Weinplauschen treffen.
Und wenn ich an die Downloadzahlen des Podcasts denke,
dann freuen sich noch viele andere auch jeweils auf eine neue Folge von Bei
Anruf Wein.
Ja, das hoffe ich doch.
Das beflügelt mich regelrecht, muss ich sagen.
Also, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, herzlich willkommen zum 129.
Mal Wein-Podcast mit Tobias und...
...Michael. Ja, ja. Oh Gott. Ich dachte,
den Showmaster, den hättest du jetzt mal langsam in die Rente geschickt.
Aber egal, auf jeden Fall auch von mir ein Ciao Zuhörerinnen und Zuhörer oder
auch Ragazzi und Benvenuto zu einer
Podcastfolge, die sich einem Klassiker der Weinwelt widmet,
dem Chianti.
In all seinen Facetten von Classico und Riserva bis Superiore und Gran
Selezione,
von DOC bis DOCG. Denn in die oberste Schublade der italienischen
Weinklassifikation müssen wir schon greifen,
wenn wir über das Chianti - also die Region,
das Chianti - und den Chianti - sprich den Wein -
sprechen. Das war doch jetzt mal ein Auftakt. Und mir liegt ja auch diese
italienische Sprache, glaube ich, obwohl ich sie überhaupt nicht spreche. Aber
egal, ja.
Mir auch nicht. Aber du greifst mir dann unter die Arme.
Lass mich doch jetzt einfach mal mit „das Chianti",
also der Region beginnen.
Wir befinden uns in der Toskana, also zu der es übrigens eine eigene Bei Anruf
Wein-Folge gibt,
wollte ich noch mal anmerken, ne? Also genauer gesagt blicken wir auf diese
wirklich wunderschöne Hügellandschaft zwischen den mindestens genauso schön
Städten Florenz, Arezzo und Siena. Also ich sag nur,
wer noch nicht vor Ort war:
Wein ist jetzt nur ein Grund, warum man einfach mal in die Toskana oder das
Chianti auch reisen sollte.
Aber Wein, das ist auch sicherlich nicht der schlechteste Grund,
das zu tun.
Also bleiben wir mal bei der Hügellandschaft. Von der wissen wir ja -
zum Beispiel aus unserer schönen Folge über das Piemont -
Hügel, das steht immer für große Vielfalt von Böden und die kombinieren sich
dann mit Ausrichtung und Höhe.
Und ich sag mal: Willkommen im Chianti.
Sehr schön gesagt, Benvenuto, sag ich doch.
Können wir ja beim Italienischen bleiben. Und gerade die von dir angesprochene
Höhe,
das ist ja dann auch das, was einen großen Unterschied markiert zwischen der
DOCG Chianti und der DOCG Chianti Classico.
Das ist ja ein Unterschied. Und Letztere liegt eben etwas höher.
Und das bedeutet, die Trauben können etwas langsamer in diesem etwas moderateren
Klima ausreifen und sich dafür eben mehr Zeit lassen.
Und ja, das erhält Säure in den Weinen,
weil bei der Reife geht ja die Säure eher nach unten,
der Zucker steigt und wenn es so ein bisschen frisch bleibt,
dann bleibt eben die Frische auch in den Weinen.
Ja, was kann man noch sagen? Na ja gut,
der Eindruck des Bodens, der ist, sage ich mal,
durch die längere Reifephase auch prägnanter zu schmecken.
Da geht es dann um so etwas kräutrige Einschläge.
Ja, und wenn wir schon beim Thema Boden sind,
dann sollten wir auch noch zwei Begriffe nennen,
nämlich Galestro und Alberese. Galestro,
das ist dieser so bröselige, schieferige,
Mergel-Lehm-Mix sage ich jetzt mal, der speichert...
Mergel-Lehm-Mix - was für ein schönes Wort.
Ja, ja, der speichert Wasser gut, das ist ja immer irgendwie eine gute
Eigenschaft,
gerade wenn es mal ein bisschen trockener wird.
Aber trotzdem sorgt er für eine gute Drainage.
Also Wasser ablaufen ist auch nicht schlecht,
weil Stauwasser und Fäulung, das ist nicht so gut.
Na ja und Alberese, das ist so ein kalkreicher,
harter Mergel.
Die unterscheiden sich also auch wirklich schon optisch.
Und ja, was beide gemeinsam haben, ist,
sie zwingen eigentlich die Reben sehr tief zu wurzeln und das sorgt dann für
Struktur, für Komplexität und oft auch so ein bisschen für diese leicht salzige
Mineralität,
die viele mit großem Chiantiwein verbinden.
Na ja, und ja gut, wenn wir sagen, da ist es ein bisschen höher,
das ist natürlich relativ in dieser Region.
Wir sind jetzt nicht in Südtirol. Also als Beispiel,
so bei Greve in Chianti, so heißt das ja,
da gibt es die allerhöchste Erhebung, und zwar mit 893 Metern.
Das kann man dann schon tatsächlich auch,
ich sag mal, Berg nennen, oder?
Und jetzt pass auf: Der heißt San Michele!
Also, das heißt, man kann sich merken: Im Chianti,
da bist du so richtig groß, Michael!
Ausnahmsweise. Ja, ich sag's dir. Aber okay.
Wenn wir jetzt wieder über den Weinbau in der DOCG Chianti Classico reden,
dann beläuft sich das ja mit einer Höhe so auf 400,
maximal 500 Metern auf eher sozusagen überschaubarem Niveau.
Aber Stichwort - mein Lieblings Stichwort sozusagen -
Klimawandel.
Mal schauen, ob der noch mal so ein bisschen an den Schrauben dreht und die
Rebflächen auf kurz oder lang dann doch auch noch höher wandern,
sozusagen.
Ja, allerdings. Also das ist ja auch, ich sag mal,
ein strategischer Faktor mittlerweile im Weinbau.
Und man sieht ja heute schon, dass neue Pflanzungen dann eher in die höheren,
kühleren Lagen kommen und teilweise sogar ja die ideale
Ausrichtung verlassen wird und man jetzt in Nordost-
oder sogar Nordexpositionen einfach Reben pflanzt.
Ja, Wahnsinn.
Einfach, ja damit die kühler stehen, mehr Schatten haben.
Und letztendlich, um das Problem mit dem vielen Zucker und dem Alkohol im Griff
zu behalten.
Und ja, ganz wichtig für dich, für mich,
ich glaube für alle, die Wein mögen, um eben Säurestruktur im Wein zu erhalten,
festzuhalten. Und da kann man jetzt aber sagen,
das Chianti selbst, das reagiert schon länger auf diese veränderten
Klimabedingungen. Die haben das natürlich auch mitbekommen,
okay.
Aber bevor du jetzt noch weiter da in die Höhe gehst,
will ich noch einmal zurück in die Breite,
also in die Fläche. Das Chianti Classico,
wir müssen noch ein paar Zahlen nennen,
das weißt du doch.
Ja, das stimmt.
Das Chianti Classico ist nämlich nur 7.000 Hektar groß,
also wirklich überschaubar.
Das gesamte Chianti dann 24.000 Hektar. Und 24.000 Hektar Rebfläche,
das entspricht dann ungefähr einmal der Pfalz,
um bei unseren beliebten Vergleichen mit deutschen Anbaugebieten zu bleiben.
Ja, ja, ich erinnere mich auch noch. Also dieses Zahlenspiel,
ich glaube, wir lieben es so ein bisschen.
Denn das Piemont wiederum ist 2-mal die Pfalz.
Also ein bisschen größer. Und pass auf,
dass Bordeaux - nur mal, um es in so ein Verhältnis zu setzen -
ist einmal ganz Deutschland. und demnach kann man jetzt auch,
um die Verwirrung komplett zu machen,
sagen, das Chianti Classico ist fast 1/3 Pfalz.
Also irgendwie sowas zwischen Mosel und Franken.
Du weißt schon, was ich meine.
Ja, ja, gut aufgepasst hast du da. Ich wusste,
dass dir solche Merksätze gefallen als WSET Wine Educator,
um das jetzt perfekt zu machen. Also wir können aber auch sagen,
das Chianti ist ein halbes Piemont.
Also die Reihe ließe sich ja jetzt aus...
Aber egal.
Na ja, gut.
Lassen wir das jetzt einfach mal mit unseren schönen Merksätzen.
Weiter im Programm. Es gibt ja jetzt nicht nur Chianti und Chianti Classico,
muss man auch mal dazu sagen.
Daneben gibt es ja auch noch einige Unterregionen mit eigener DOC oder DOCG,
also der höchsten Klassifikation unter Regionen.
Weiß gar nicht, wie man das nennen will,
Subregion? Auf jeden Fall, diese Namen,
die finden sich jetzt eben auch als so eine verschärfte Herkunftsbezeichnung auf
dem Etikett des Weins.
Und - Achtung - wenn du dir jetzt diese Namen mal anhören willst,
dann müsste ich jetzt fast singen,
denn jetzt kommt eigentlich der, doch, der Chor der Hügel nenne ich das ja.
Also Hügel, ja, das bedeutet im Italienischen Colli oder Collini,
die noch kleineren Hügel sozusagen.
Ich dachte das ist ein Hund, aber okay.
Ja, ja, so ungefähr. Ja, aus dem Fernsehen,
den kenne ich auch.
Nee, aber jetzt hör mal, wie jetzt diese ganzen Weinbereiche einfach heißen.
Die heißen: Chianti Colli, Chianti Colli Fiorentini,
Chianti Colline Pisane, Chianti Colli
Senesi, Chianti Montalbano usw., da kommen noch welche.
Aber pass auf, jetzt geht es noch weiter. Seit einiger Zeit darf man innerhalb
der Appellation sogar bestimmte Einzellagen ausweisen.
Also das Chianti geht jetzt noch mehr ins Detail.
Und ja, kennen wir das Prinzip. Es geht einfach darum,
Qualität mit ganz präziser Herkunft zu verknüpfen.
Ja, das finde ich gut. Bei all diesem komplexen Regelwerk,
das Benennen oder auch,
sage ich mal, das offizielle Deklarieren von Einzellagen,
das wurde ja fast schon höchste Zeit.
Das kennt man ja aus anderen Weinbaugebieten schon lange.
Aber ich glaube, es reicht jetzt auch mit dem Thema Weingeographie.
Ich will jetzt endlich mal ran an die Trauben,
sozusagen.
Eben an die Rebsorten, die das Chianti ausmachen.
Und ja, dieser Plural, der hört sich irgendwie schon fast komisch an,
weil es gibt halt vor allem so eine Rebsorte,
die man sofort nennen muss, die so dominant ist,
nämlich Sangiovese.
Denn diese dunkle Rebsorte ist zumindest zu 70 % in allen Chianti-Weinen
vorgeschrieben.
Und in einen der DOCG-Appellationen oder auch bei den ganz großen
Qualitätsstufen kann der Sangiovese-Pflichtanteil sogar noch auf 80 und,
ich glaube, hier in der benachbarten Maremma sogar auf 85 % steigen.
Und ich sag mal, wie war das mit den Merksätzen?
Hier noch einer: Das Chianti ist die Sangiovese-Hochburg schlechthin.
Ein Wein, der den vorgeschriebenen Mindestanteil nicht aufbringt,
muss auf die geschützte Herkunftsbezeichnung,
also DOCG Chianti, schlichtweg verzichten.
Und der wird dann sozusagen automatisch zum IGP-Wein deklassifiziert,
also Landwein.
Und basta!
Oh ja, endlich wieder ein „Basta!" von dir,
Tobias!
Schön, aber bei dem ganzen Sangiovese-Lobgesang und mit den Prozentzahlen,
das stimmt ja alles,
wissen wir ja, muss ich jetzt mal trotzdem so ein bisschen die Gegenrede führen.
Und ich frage jetzt einfach mal ketzerisch:
Welche Rebsorten stellen denn dann immer die verbleibenden 30,
20 oder meinetwegen auch nur 15 % in den Weinen?
Du sprachst ja von dem Mindestanteil. Und da wird es für mich dann auch noch mal
spannend,
denn wir müssen dann über so ganz urtoskanische,
einheimische Rebsorten sprechen oder autochthone Reben sprechen,
also so etwas wie Canaiolo oder Colorino,
um nur mal zwei Beispiele aus der roten Welt zu nennen.
Die kennt jetzt kaum einer hier, aber im Chianti haben sie einfach ihren
traditionellen Stellenwert,
ihren historischen Stellenwert sozusagen und auch ihren aktuellen noch,
um jetzt,
wie gesagt, nur mal bei den roten Rebsorten zu bleiben.
Oder ich frage jetzt mal andersrum, Herr WSET Educator,
es passt jetzt ganz gut hier.
Weißt du eigentlich, wer das erste, ich sage mal offizielle Chiantirezept
überhaupt formuliert hat,
diese Mischung der Rebsorten?
Ja, ja, das sagt mir tatsächlich was. Ich glaube mich zu erinnern,
dass es irgendeiner aus dieser Ricasoli-Dynastie war.
Ich komme jetzt allerdings nicht auf den Vornamen. Ich weiß nur,
das muss irgendwie -
ja, ja, ja - es muss irgendwie im 19. Jahrhundert gewesen sein.
Und der hat damals auf jeden Fall festgelegt,
Sangiovese ist die Basis.
Das ist klar. Aber der hat dann eben auch gesagt,
gerade eben schon von dir erwähnt,
Canaiolo soll für die Abrundung eingesetzt werden neben Sangiovese,
und tatsächlich sogar noch weiße Rebsorten wie Malvasia,
insbesondere für noch mal so einen, ich sag mal,
Aromatik-Kick, ne?
Und Frische bestimmt.
Also da muss man sich vorstellen, das war ja kein Zufall,
sondern das war schon sein kluger Versuch,
den Stil dieser Region ein Stück weit zu standardisieren.
Also so eine Art früher Qualitätskodex.
Yeah! Und lieber Tobias, auch wenn du es jetzt nicht wusstest,
dass der gute Mann Bettino hieß,
aber du, du wirst jetzt auch zum Geschichtsexperten.
Nee, lass mal, lass mal.
Das freut mich jetzt, mach doch mal weiter. Nee,
aber das ist wirklich spannend,
was du da erzählt hast. Denn dieser Move,
sage ich jetzt mal, hat eben dazu geführt,
dass Chianti schon im 19. Jahrhundert so eine Art bewusst konzipierter
Markenwein war in der Kommunikation.
Also der war immer sehr ähnlich. Ja, und das hat dann funktioniert.
Aber lass uns die Tradition jetzt mal kurz vergessen,
denn auch Bordeauxreben wie Cabernet Sauvignon und Merlot sind ja im Chianti ein
Thema, muss man auch dazusagen.
Überraschend, ja.
Und dazu vielleicht vorausgeschickt: Selbst wenn jetzt Sangiovese klar die erste
Geige spielt,
die Cuvée, da haben wir jetzt die ganze Zeit drüber gesprochen,
ist letztendlich Teil der Weinbau-DNA auch im Chianti.
Das muss man dazusagen. Bei allem Hohelied für den Sangiovese,
also traditionell,
wir haben es ja so gesagt eben schon, kam ein kleiner Anteil Weißwein sogar
dazu.
Also eben dieser Malvasia oder Trebbiano Toscano,
um sie halt frischer und sanfter zu machen.
Und ich sag mal, ja, man kann es ja auch so formulieren,
der Sangiovese macht sich einfach gut zusammen mit anderen Rebsorten.
Das ist auch ein Talent. Weißt du, der ist sehr socializing.
Ja, ja, ja, das schon. Aber auf der anderen Seite,
wenn da 80 % Sangiovese vorgeschrieben sind,
die erste Geige, die nimmt man ihm natürlich nicht weg.
Aber ist ja auch gut so.
Ja. Du hast ja gerade schon über die internationalen Rebsorten gesprochen.
Klar, Maestro!
Die heißen ja in der Region und auf Italienisch „Uva Francesca",
also nicht internationale Rebsorten,
sondern französische, was sie ja auch ursprünglich sind. Und da sprechen wir
eben von Merlot,
Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc, obgleich es ja sogar auch so was wie
Syrah gibt.
Ich weiß jetzt gar nicht. Mir kommt das gerade im Kopf,
weil uns das, glaube ich, mal begegnet ist, als wir in der Gegend unterwegs
waren. Sogar reinsortig, ne? Oder war das...
War das Chianti oder war das die Maremma?
Ich weiß es nicht mehr so ganz genau.
Ich weiß auf jeden Fall, dass es bei Ampeleia,
die wir besucht haben, in der Maremma ist,
dass dann allerdings, da gab es so was wie Grenache und Mourvèdre und da ist ja
eigentlich der Syrah nicht so richtig weit.
Aber es ist so lange her. Ich Ich weiß es nicht,
ich weiß es nicht.
Ja, ja, ist ja jetzt auch nicht so wichtig,
denn natürlich sind die Bordeauxreben viel wichtiger.
Auf die wollte ich eigentlich hinaus und das passt jetzt auch ganz gut zu deinem
Hinweis auf die traditionellen Cuvée-Chromosomen in der Wein-DNA,
nenne ich es jetzt mal. Denn in den 1970er-Jahren kamen einige Weingüter auf die
Idee,
dem heimischen Sangiovese mit Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc,
sage ich mal,
starke Partner zur Seite zu stellen und ihn eben damit zu vermählen.
Also durchaus Bordeaux-inspiriert sozusagen,
ne?
Das merkt man sofort. Und ja, da gab es natürlich erst mal Ärger mit den
Weinbehörden,
die durch die Bank weg alle Weine mit nichterfülltem Sangiovese-Mindestanteil
aus der DOC-
bzw. DOCG-Klassifikation rausgeschmissen haben.
Einfach, das war einfach nicht typisch genug für die Region.
Und das wird ja bewertet.
Das ist ein „Basta".
Ja, ich sag's dir! Ja, da darf man dann mal in dem Zusammenhang vielleicht so
sagen.
Aber letztlich hat diese Weinstilistik dann eben doch eine ganz eigene Karriere
gemacht.
Denn genau dieses Rebsorten-Dissen in der Cuvée unterscheidet dann eben einen
klassischen Wein aus der Toskana und dem Chianti -
also alles mit DOC, DOCG davor - vom berühmten sogenannten Supertoskana,
also den „Super Tuscan",
wie ihn letztlich dann der US amerikanische Weinhandel getauft hat.
Aber auch zu diesem Thema, hört noch mal in unsere Toskana-Folge rein,
da haben wir das ein bisschen ausführlicher gemacht.
Auf jeden Fall reinhören in die Folge, kann ich nur sagen. Ich möchte mich an
der Stelle jetzt noch mal kurz so ein bisschen denkerisch geben. Ja, also ich
finde es nämlich richtig symbolisch, dass eben beides zu Toskana und Chianti
zählt.
Also einerseits das sehr Traditionelle,
so mit jeder Menge Qualitätsbegriffen für die ausgiebige und sorgfältige
Etikettenlektüre. Ja, aber eben auch diese Weinrebellen,
die auf diese ganzen Vorschriften pfeifen und dann eben tatsächlich nur IGT auf
dem Etikett steht. Denn, wenn es, so kann man das jetzt mal so sagen,
Narrativ heißt das ja heutzutage,
wenn es um dieses Narrativ dieser Weinregion geht,
gehören eben beide Geschichten dazu.
Also es gibt anders ausgedrückt gleich zwei Gründe,
warum das Chianti zu den Topadressen der Weinwelt zählt.
Also vor etwa 60 Jahren war das noch ganz,
ganz, ganz anders.
Also Chianti, das stand in den 60er-, 70er-Jahren für absolut billigen Wein in
so rustikal daherkommenden Korbflaschen.
Ja, das kennt man noch.
Das ist jetzt wirklich nicht ohne Ironie,
aber dieses besondere Gebinde mit dem Bast drum herum,
das heißt tatsächlich im italienischen „Fiasco".
Ja, und eigentlich, ich glaube, der ganze Wein war eben auch ein Fiasco.
Und man muss dazu sagen, also zwischen dem Chianti von damals,
Fiasco, und heute,
da liegen ja nicht Welten, da liegen Universen.
Das ist eine ganz, ganz andere Nummer.
Ja, ich glaube, du warst noch nie in meiner Kellerbar,
lieber Michael.
Weil da habe ich so eine alte Fiasco-Flasche mit einer weißen Kerze oben drin.
Ja, sehr, sehr dekorativ. Die ist aber schon lange ausgetrunken und auch nicht
von mir.
Aber gut, dieses Zusammengehören, was du da beschreibst,
das kann man ja sogar an konkreten Namen festmachen,
also die Berührungspunkte von Tradition und Rebellion,
wenn du so willst.
Denn die Weingüter, die den rebellischen Supertoskaner in die Welt gesetzt
haben,
zählen gleichzeitig zu den ältesten Weindynastien überhaupt,
und zwar weltweit.
Ja, also hier wäre jetzt wirklich ein „Basta!" angebracht.
Denn wir reden dann über so klangvolle Namen wie Ricasoli hatten wir ja eben
schon,
aber auch Antinori und Frescobaldi. Und deren Weinwurzeln,
die sind teilweise bis ins 12.
Jahrhundert zu verfolgen. Das ist noch,
ich sag mal Mittelalter, Alter.
Ja, uiuiui, das ist eigentlich sonst mein Part.
Aber okay, eins noch mal. Der eigentliche Wendepunkt mit Fiasco und es geht
aufwärts,
der kam strukturell gesehen erst 1984. Das hat also gedauert.
Und damals erhielt dann das Chianti den DOCG-Status,
den besten Status innerhalb der Klassifikation.
Und das war jetzt mehr als nur ein neues Siegel oder eine Auszeichnung.
Das war ja verknüpft mit Qualitätsanforderungen,
also strengere Ertragsbegrenzungen,
höhere Mindestalkoholwerte, längere Reifezeiten.
Also da wurde endlich mal festgeschrieben,
was eigentlich diese Qualität ausmacht.
Und das hat der Region ungeheuer gutgetan.
Ja, genau. Und höhere Mindestalkoholwerte,
das hört sich heute jetzt wirklich strange an,
aber damals war es halt eben noch nicht so einfach,
in allen Lagen Trauben reif zu bekommen.
Und deswegen war das damals eben ähnlich wie unsere Oechslegrade in Deutschland
ja ein Qualitätsfaktor.
Genau, und das finde ich jetzt wirklich wichtig zu verstehen.
Zwischen dem Fiasco-Chianti der 70er, nenne ich es jetzt mal,
und einem heutigen Classico liegen eben nicht nur Jahrzehnte,
sondern komplett andere Rahmenbedingungen,
die hier festgelegt wurden.
Das heißt, so dieses Negativbild, was vielleicht viele noch in den Köpfen haben,
wenn sie Chianti hören, das ist wirklich schon mindestens eben seit 1984
überholt.
Ja, das wäre doch mal DOCG Chianti Fiasco Classico.
Noch mal so eine Qualität. Ne, lassen wir das jetzt mal weg. Aber das Gute oder
das Schöne an dieser ganzen Geschichte ist ja eigentlich,
dass die traditionsreichen Adressen, du hast sie eben genannt,
die großen Familien, die bis ins Mittelalter zurückreichen,
aber eben immer auch Teil oder sogar Antreiber von Modernisierung waren und da
ging es dann schon immer,
klar, um Wein verkaufen. Aber das war verbunden mit einer Weinqualität,
die nachweisbar war,
die man spüren konnte. Und ja, wenn man darüber redet,
fällt mir jetzt ein ganz anderer Name ein.
Und ich sage mal, ich weiß auch nicht, warum der mir einfällt,
doch ich weiß es:
Gott will es so. Ja, Gott!
Um Gottes Willen! Was?
Ja, im Ernst. Nee, es geht um das Weingut Dievole.
Und dessen Name leitet sich ab von „Dio",
der Gott, Dios - ich als Spanier muss Dios sagen -
Dio vole. Das heißt, „Gott will es". Ja,
Deshalb wollte ich ja auch, dass mir jetzt dieser Name einfällt.
Und bei denen es auch, ich sage mal, Tradition kein Mangel.
Ja, das Weingut wird erstmals 1090, 11. Jahrhundert erwähnt.
Das ist ja schon ein Stückchen her. Ja,
aber die waren eigentlich auch immer dabei und deshalb gibt es die
wahrscheinlich auch so lange. Und die haben sich dann eben stilistisch und von
der Qualität her so neuen Entwicklungen nie verschlossen,
sondern haben irgendwann gesagt, nee, wir wollen da auch Treiber sein.
Und neu in dem Sinne ist auch, darf ich jetzt mal kurz sagen,
dass wir im Shop von weinfreunde.de so ein paar Neuzugänge von Dievole
haben. Und da kann man sich, ich sage das jetzt mal so ganz salopp,
durch die komplette Range der Chianti-Region probieren.
Aber nicht nur, da gibt es auch noch andere Weine.
Das ist mir natürlich auch schon aufgefallen,
Michael.
In Vorbereitung auf unser Gespräch. Und tatsächlich,
da hast du Chianti Classico in allen Facetten,
sprich einen normalen DOCG Chianti Classico,
aber dann auch noch ein Riserva und sogar eine Gran Selezione.
Und ich glaube, sogar gleich zwei aus Einzellagen.
Also das, was es noch gar nicht so lange gibt.
Also das, wenn man sich da mal so ein Probepaket holt,
das ist schon so eine richtige Chianti Master Class.
Ich finde das ja super, um wirklich so in einer Probe vielleicht zusammen mit
Freunden eine ganze Region schon zu entdecken.
Ja, ja, und die haben auch einen Weißwein.
Also wir haben jetzt über Weißweine gesprochen,
aber wir haben auch einen Weißwein von dem Weingut,
aus der vorhin schon mal erwähnten Sorte Trebbiano Toscano.
Tauchte schon mal auf bei uns. Aber zugegeben,
in so einer Master Class, da reiht er sich jetzt nicht so richtig ein.
Eher nachher, um so ein bisschen zu entlasten.
Ja, das stimmt. Aber vielleicht noch mal gerade zurück zu dem von mir erwähnten
Gran Selezione.
Da bin ich mir immer noch nicht so sicher,
ob diese noch relativ neue Qualitätsstufe wirklich sein musste oder ob sie nicht
vielleicht doch nur so ein bisschen cleveres Marketing des Konsortiums war.
Denn eigentlich mit auch dieser Reservestufe usw.,
ich dachte irgendwie immer, mein Gott,
da ist doch eigentlich alles abgedeckt.
Ja, es ist eine berechtigte Frage, denke ich.
Man will angeblich ja mehr Transparenz in Sachen Qualität,
aber mittlerweile, gerade wenn wir jetzt über Chianti Classico reden und diesen
ganzen Dingen mit DOCG und Einzellage und diesem und Superiore und Riserva und
so,
da wird es dann auch schon fast wieder unübersichtlich.
Also ich glaube, da beißt sich dann der Hund in den Schwanz.
Oder die Katze? Du weißt schon, was ich meine.
Ja, ja, ja.
Das ist an der Stelle irgendwie schwierig.
Und ja, es gibt da schon noch mal wichtige Aussagen,
die den dann unterscheiden,
zum Beispiel zum Riserva. Und die sind auch tatsächlich relevant.
Also zum einen müssen die Trauben aus eigenen Weinbergen stammen.
Du kannst also jetzt nicht einfach mehr zukaufen.
Das ist verboten. Und die Reifezeit muss auch länger sein.
Also da sind schon Parameter, die man nachweisen kann.
Aber die Frage ist halt wirklich, reicht das?
Ja, also ich glaube, man muss es eben so verstehen:
Gran Selezione ist so ein bisschen der Versuch,
dann innerhalb der DOCG noch mal eine Premiumspitze obendrauf zu setzen.
Und na ja, ob das jetzt irgendwie wirklich sein muss,
um hochqualitative Weine besser zu markieren oder ob es vielleicht auch
einfach den Weingütern die Möglichkeit gibt,
höhere Preise zu erzielen - na ja,
das lassen wir jetzt mal so ein bisschen beiseite.
Oder, ich frag jetzt mal ganz provokant:
Kräht da wirklich ein Hahn nach, Michael?
Ja, ja, natürlich. Also wenn es gerade geht,
ist es entweder große Qualität, also da muss man sich schon Gedanken machen.
Das hat immer Relevanz...
Ja, ja, ja, schon klar. Du hast mich nicht verstanden.
Aber kräht ein Hahn nach, ne? Jetzt endlich kapiert?
Ein Hahn! Hahn! Steilvorlage!
Ja, ja, ja. Der Tobias will mich jetzt hier zum Gockel machen.
Okay, ne, ne, jetzt weiß ich, worauf du hinaus willst.
Es geht um den Gallo Nero, um den schwarzen Hahn.
Ja, genau, den gibt es nämlich eben nur im Chianti Classico und er findet sich
dann ja nicht selten,
oder? Ich glaube, bei allen Chianti Classico-klassifizierten Weinen quasi als
Signet am Flaschenhals.
Und der...
Noch mal eins.
Genau. Und der Gallo Nero ist quasi noch so eine Art Extrafilter der Appellation
des Anbaugebiets,
so eine Art lautes Kikeriki in Sachen Herkunft.
Oh Gott, oh Gott. Aber na ja, also ursprünglich glaube ich,
geht es um einen schwarzen Hahn,
der vor einer Schlacht seine Soldaten eher weckte als sein gefiedertes
Gegenstück die Truppen des feindlichen Lagers,
sodass man dann durch diesen Vorteil, durch dieses Frühaufstehen dann die
Schlacht tatsächlich gewann.
Man konnte den Gegner überraschen. Und so steht jetzt der Gallo Nero
sinnbildlich für die erfolgreich verteidigten Grenzen des Chianti.
Also ich finde das eine tolle Geschichte,
wenn sie denn so stimmt. Aber ja, in anderen Gegenden der Toskana wird diese
Deutung stark angefochten. Das lassen wir aber mal weg.
Die sind bestimmt nur neidisch. Aber da mischen wir uns mal lieber nicht ein,
würde ich sagen.
Nee, nee, nee. Nicht einmischen ist besser so,
denn nun noch mal eine andere kleine Anekdote am Rande,
wegen dieser Wortbildmarke Gallo Nero gab es auch Ärger mit dem
US-amerikanischen Weingiganten Gallo,
der eben so heißt. Und der fand dieses Beanspruchen von Exklusivität und allein
dess Namens wegens nicht gut.
Aber alles vergessen. In Sachen Promotion,
Promotion, wie soll man mal sagen, wieder in die Weinwelt einführen und
loben. Ja, also Rehabilitation kann man in dem Sinne sagen,
hat dieses Konsortium einfach eine Menge getan.
Also der schwarze Hahn hat was geleistet für das Anbaugebiet.
Und deshalb sage ich, ja, doch, in diesem Fall kräht zumindest der schwarze Hahn
schon danach.
Das kann man so sagen. Und noch mal zurück.
Ich weiß ja jetzt nicht, wie das heute ist,
ich war schon längere Zeit nicht mehr da, aber als wir damals bei der
Weinlakai-Dienstreise in der Toskana unterwegs waren,
da war dieses Signet doch überall präsent,
auch wenn du in den Ort reingefahren bist,
bei den Weingütern und so.
Da haben wir doch bestimmt noch ein Bild von.
Können wir das mal ausgraben und auf Social Media zeigen?
Uiuiui. Ja, bestimmt. Kramen, genau. Das muss ich dann mal.
Und ich krame erst und dann muss ich Theresa darum bitten,
das dann entsprechend auch zu veröffentlichen.
Aber ich sag mal so, ich gebe mal vielleicht die Aufgabe so in Richtung unserer
Zuhörerinnen und Zuhörer.
Vielleicht hat da ja der eine oder die eine Fotos vom schwarzen Hahn aus dem
Urlaubsalbum oder so.
Also wenn das so ist, zeigt sie uns, schickt sie uns gerne an
podcast@weinfreunde.de oder veröffentlicht sie selber und markiert
weinfreunde.de auf Social Media. Geht ja alles.
Ja, gute Sache. Das gefällt mir. Aber jetzt -
pass auf, wir haben jetzt so viel über Klassifikation und Qualitätsstufen
gesprochen und extra Signets mit schwarzen Hähnen und rebellischen
Supertoskaner.
Ich finde, jetzt haben wir die Weine selbst so ein bisschen aus dem Auge
verloren.
Auch auf den Sangiovese, da waren wir ja eben schon mal,
der so charakteristisch,
so typisch ist eigentlich für das Chianti.
Tobias, lass uns doch mal an deinen Chianti-
und an deinen Sangiovese-Assoziationen teilhaben -
sensorisch.
Ja, ich versuch's zumindest mal! Also ich versuche mal so ein bisschen in so
einen italienischen Lifestyle,
in so ein Dolce Vita irgendwie zu schlüpfen.
Weil da muss man ja ganz klar sagen: Italiener,
ja, die genießen eigentlich gerade hochwertigen Wein immer zusammen mit Essen.
Das ist ja jetzt irgendwie in Deutschland gar nicht so selbstverständlich. Und
da an,
diesem Beispiel, da kann man eigentlich ganz gut differenzieren.
Also wenn du dir jetzt vorstellt, so ein klassischer Chianti Classico ohne viel
Holz,
der wirkt logischerweise oft ein bisschen schlanker,
ein bisschen säurebetonter,
schön aromatisch. Und das ist dann für mich ein idealer Wein zu Pasta al Ragù.
Also das, was man hier jetzt so landläufig als Spaghetti Bolognese bezeichnet.
Ja, genau. Und dann so ein Riserva oder der gerade angesprochene Gran Selezione,
der bringt ja dann mehr Tiefe, mehr Fassreife,
mehr Struktur.
Also Stichwort auch Tannine. Das passt dann super zu Wildgerichten,
also auch geschmorten Wildgerichten.
Oder ich sag mal natürlich ganz, ganz klassisch Bistecca alla Fiorentina,
aber dann so wirklich so mit Dry Aged-Fleisch.
So Riesen, ja, so Dinosauriersteaks. Aber nee,
da bekomme ich tatsächlich Appetit.
Ja, einfach diese Kombination, diese etwas überreife Frucht,
die sich dann mit so frischen Anklängen vermischt.
Und die schöne Struktur, das satte Mundgefühl,
diese Röstaromen, die dann begleitet werden durch ein bisschen Frucht.
Ja, also das ist tatsächlich, finde ich,
perfekt als Speisebegleiter.
Ja, und ich sage jetzt mal ohne Essen, also solo gedacht,
da bin ich dann mehr so in Richtung Supertoskaner unterwegs.
Das kann dann auch mal so ein Meditationswein sein.
Aber wie sieht das bei dir aus?
Ja, ich kann deine Position erstmal gut nachvollziehen.
Da sind wir uns Weinehe-technisch sehr einig dann.
Ja. Außer bei dem Dinosauriersteak, ja.
Ja, genau. Aber was du jetzt sagst, das ist auch so ein bisschen meine
praktische,
trinkpraktische Erfahrung, sage ich mal,
mit Chianti.
Aber ich will noch mal was ganz anderes zum Sangiovese sagen.
Entschuldigung, fällt mir jetzt gerade so ein,
als du das so beschrieben hast mit der Frucht. Also für mich zählt eigentlich
der Sangiovese so zu den kirschigen Rebsorten.
Also der gehört für mich so in eine Gruppe mit Grenache und Tempranillo und
natürlich auch Pinot Noir.
Also die haben alle so schöne Kirscharomen,
unterschiedliche.
Der Sangiovese hat so seinen eigenen und tatsächlich erkenne ich den auch wieder
so in allen Weinen,
die daherkommen und den zu mindestens 70 % enthalten.
Der ist da vorhanden, auf die eine oder andere Art und Weise.
Okay, ich weiß jetzt, da zieht jetzt vielleicht nicht jeder Weinfreund,
jede Weinfreundin mit bei meiner Kirsch-These an der Stelle,
aber ich bleibe dabei. Also diese Fruchtaromen des Sangiovese sind schon gut
auszumachen,
gut zu erkennen. Und ja, man findet sie immer leicht.
Oder was denkst du darüber?
Ja, ich muss dir da leider so ein klares Jein geben.
Also ich weiß...
Wie immer!
Ja, tut mir ja leid. Ich weiß natürlich,
was du mit diesen Kirscharomen meinst.
Ja, aber nein, das ist ja noch lang dann auch nicht alles bei einem klassischen
Chianti mit Sangiovese-Prägung.
Ein bisschen vielschichtiger ist es dann schon.
Vor allem, wenn ich an diese Kräuternoten denke,
von denen ich vorhin ja schon mal gesprochen habe.
Und ja, ich finde halt, es kommen noch auch so Sachen wie rote Johannisbeere
ganz häufig mal dazu,
oder sogar Himbeeren. Also zumindest, wenn es jüngere Weine sind oder halt eben
Weine sind,
die mehr auf Frucht getrimmt sind. Und ja,
logischerweise so ein Riserva oder Gran Selezione,
der bringt natürlich dann auch Sekundäraromen vom Holz mit.
Dann verändert sich das sowieso aromatisch auch noch mal deutlich.
Aber jetzt sage ich mal, über diese reinen Geruchs und Aromastoffe hinaus noch
mal zur Erinnerung:
Sangiovese hat eine richtig gute Säure und auch ordentlich Tannine.
Zumindest, wenn er dann auch so gemacht wurde.
Das steht für eine super Lagerungsfähigkeit.
Aber das muss sich natürlich auch erst mal ein bisschen finden.
Also die können in jungen Jahren dann auch schon ein bisschen ungestüm
daherkommen,
egal ob jetzt neben dem Sangiovese noch autochthone,
also heimische Rebsorten mit im Spiel sind oder halt eben Bordeauxreben.
Ja, bin ich bei dir und kann an der Stelle nur noch mal wiederholen:
Umso besser ist es ja,
sich jetzt schon zum Beispiel die Weine von Dievole anzuschauen oder in den Shop
zu gehen und einfach mal diesen Filter „Toskana" zu verwenden.
Ja, und dann? Dann holt euch einfach den einen oder anderen Chianti ins Glas,
habt Spaß damit und holt euch den anderen Chianti,
um ihn noch ein bisschen liegen zu lassen und vielleicht auch damit so ein
bisschen zu spielen. Das finde ich immer ganz spannend. Also mindestens zwei
Flaschen dann immer von dem Wein kaufen.
Ja, und wie soll ich das mal sagen? Ich finde,
der Chianti zählt irgendwie zur Allgemeinbildung bekennender Weinfreundinnen und
Weinfreunden. Ja, das muss man einfach mal probiert haben.
Ich weiß nicht, ob du das anders siehst. Und bedenke bitte:
Das sage ich jetzt mal als zumindest gefühlter Halbspanier.
Ja, das stimmt. Nee, ich gebe dir natürlich total recht.
Chianti gehört unbedingt zur Weingemeinbildung.
Aber das ist ja jetzt schon wieder fast so ein bisschen spießig gedacht,
weil es geht ja jetzt doch um Spaß und Genuss mit Wein und nicht um irgendwelche
Pflichtweine, um den Notendurchschnitt zu erfüllen.
Und ich bin im Übrigen auch sehr froh, dass du den Zuhörerinnen und Zuhörern
nicht geraten hast,
dass sie sich direkt von jeder Flasche 12 Flaschen kaufen sollen.
Geht auch, geht auch.
Ja, nee. Sehr, sehr gut. Nein, aber ja,
dass ich dich jetzt irgendwie daran erinnern muss,
dass es hier nicht um Notendurchschnitt und Pflichtweine geht,
das ist doch eigentlich immer dein Part mir gegenüber.
Ja, ja, ja, genau. Und dein Part ist ja immer der vom WSET Wine Educator.
Und den kann man ja an der Stelle, ich sag das jetzt einfach mal so schon
fragen.
Lieber Tobias, in welchem Level von diesen Prüfungen tauchten jetzt eigentlich
der Sangiovese auf?
Also spielt der so eine Rolle bei Level 1?
Ich glaube eher nicht. Level 3 auf jeden Fall.
Wie sieht es mit Level 2 aus? Gib mir Level 2!
Ja, genau. Das nennt sich ja „Level 1 Award in Wines".
Und da sprechen wir tatsächlich über die 8 wichtigsten Rebsorten der Welt.
Und da gehört nach WSET-Logik Sangiovese nicht dazu.
Sind ja dann auch nur 4 rote Rebsorten. Da gibt es eben tatsächlich noch,
ja, ich sage mal,
auch mehr angebaute Rebsorten auf der Welt.
Aber genau richtig, im Level 2, da weitet sich dann der Blick deutlich.
Und hier gibt es natürlich einen Part über Sangiovese,
auch inklusive natürlich Verkostungen und wir schauen uns die Eigenschaften an,
wo er überall verbreitet ist. Da spielt natürlich auch ein Chianti und Chianti
Classico eine Rolle.
Aber genau, das lassen wir jetzt, das haben wir ja hier schon an der Stelle
alles erörtert.
Ich glaube, wir kommen jetzt mal zu den sozusagen versöhnenden Merkpunkten
unserer Podcastfolge über das und den Chianti.
Ich sage mal: Andiamo Michele!
Ja, okay. Also das Chianti bildet die Herzkammer der Toskana und seine Weine
zählen zur Allgemeinbildung in Sachen Wein.
Der Chianti hört vor allem auf den Namen Sangiovese.
Die Rebsorte ist vorschriftsmäßige Nummer 1 in dem Anbaugebiet.
Das Chianti übertrifft sich selbst an Qualitätsbezeichnung.
Neben DOCG, Riserva und Gran Selezione werden seit Jüngstem auch Einzellagen der
Appellation ausgewiesen.
Eher unbekannt: Bei aller Sangiovese-Dominanz spielen andere Rebsorten eine
wichtige Rolle.
Cuvée zählt zur DNA des Chianti.
Besonders allerdings: Das können sowohl autochthone Rebsorten wie Canaiolo und
Colorino sein als auch klassische Bordeauxreben wie Cabernet Sauvignon und
Merlot.
Trifft Sangiovese heimische Rebsorten, geht es um DOCG und Co.
Treffen Bordeauxreben auf Sangiovese, heißt das Kind IGT bzw.
Supertoskaner.
Ja sehr gut. Also wir alle nehmen jetzt mal das „Super" im Kopf mit,
wie beim Rechnen,
und fügen es dann wieder dazu aus voller Überzeugung,
sobald es das nächste Mal wieder heißt.
Bei Anruf.
Wein.
Tobias
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Tobias
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Michael
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Michael
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Tobias
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Michael
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Tobias
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Michael
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Tobias
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Michael
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Tobias
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Tobias
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