In Folge 125 nehmen Tobias und Michael das italienische Piemont unter die Lupe – eine Region, die für Prestige, Geduld und große Weine steht. Es geht an den Fuß der Alpen, zu Barolo und Barbaresco, zu Nebbiolo und der Frage, warum Zeit hier so wichtig ist. Zudem zeigen die beiden, warum das Piemont weit mehr ist als eine Ein-Rebsorten-Region. Thema sind Herkunft, Stilunterschiede, Reife und typische Aromen. Dazu werfen die beiden einen Blick auf Weiß- und Schaumweine aus Cortese und Moscato und mit Dezzani gibt es eine konkrete Produzentenempfehlung.
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Produktion und Schnitt: Andreas Hagelüken
Transkript
Michael
00:00:02
Bei Anruf Wein. Der Weinfreunde-Podcast.
Tobias
00:00:09
Ich grüße euch, liebe Weinfreunde. Mein Name ist Tobias.Willkommen Bei Anruf Wein. Heute geht es in eine italienische Weinregion,
die ohne Frage zur europäischen Königsklasse gehört.Michael und ich nehmen euch mit ins Piemont -
genauer gesagt an den Fuß der Alpen.Dorthin, wo die Rebsorte Nebbiolo seine größte Ausdruckskraft findet,
wo Barolo und Barbaresco zu Referenzen für Langlebigkeit und Prestige gewordensind. Wir sprechen über Geografie und Geschichte,
über die überraschende Rebsortenvielfalt,über große Namen und über die Frage, warum das Piemont immer wieder mit dem
Burgund verglichen wird,obwohl dort ganz andere Regeln gelten. Gar keine anderen Regeln gelten beim
Bewerten und Folgen des Bei Anruf Wein-Podcasts.Einfach machen! Auf Spotify, Apple Podcasts und co.Michael und ich sagen Danke! Also bleibt mal dran.Ich ruf den mal an!
Michael
00:01:05
Hallo, mein lieber Tobias. Nachträglich wünsche ich dir ein frohes neues Jahr.
Tobias
00:01:10
Ja, danke.
Michael
00:01:11
Und selbstverständlich nicht nur dir, auch wenn du mir natürlich absolut wichtig
bist,sondern auch all unseren lieben Zuhörerinnen und Zuhörern,
die mir ja genauso wichtig sind.Also euch allen ein glückliches und erfolgreiches neues Jahr,
was immer dann auch „erfolgreich" für den Einzelnen,die Einzelne heißen mag. Also willkommen in 2026 und willkommen bei unserer 125.Podcastfolge.
Tobias
00:01:36
Ja, danke für diesen Auftakt, Michael. Gesundheit dürfen wir natürlich auch
nicht vergessen.Die wünschen wir natürlich auch allen in dem neuen Jahr.Ja, also bleibt alle gesund und munter und bleibt natürlich auch bitte Bei Anruf
Wein treu.Denn auch im Jahr 2026 wollen wir natürlich wieder viel über Wein und
Weinmacher,über Rebsorten, Regionen und dem ganzen Drumherum sozusagen berichten.Und wir fangen heute eigentlich auch mit einer ganz besonderen Region in Bella
Italia an.Ne, Michael? Wir sprechen heute über das Piemont.Oder über den Piemont? Weiß ich jetzt auch nicht genau.
Michael
00:02:16
Ich denke, es heißt „das Piemont". Klingt für mich zumindest richtig.Aber schaue ich einfach noch mal nach, tragen wir nach. Doch -
das Piemont, das klingt gut.
Tobias
00:02:24
Ja, ne? Sonst hört sich irgendwie komisch an.
Michael
00:02:25
Also auf jeden Fall der Name Piemont. Der leitet sich ab vom Lateinischen „ad
pedem montium"...
Tobias
00:02:31
War ja wieder klar, dass du das weißt.
Michael
00:02:34
...was so viel bedeutet wie „am Fuße der Berge". Doch,
macht Sinn.Also gemeint mit diesen Bergen sind die Alpen,
die das Piemont im Norden und im Westen abschirmen,umringen geradezu. Und nimmt man auch noch die sogenannten Seealpen oder
Meeralpen dazu,die jetzt Richtung Mittelmeerküste dann laufen,
dann gibt es da sogar ein Stück im Süden des Piemont,wo Berge die Grenze darstellen. Und diese vielen Berge,
ja, die steigen quasi hinab in die flache Po-Ebene.Und irgendwann auf dem Weg sind wir dann halt eben am Fuße der Berge im Piemont
angekommen.Und gleichzeitig haben wir damit aber auch irgendwie schon was Grundlegendes
über die geografischen Bedingungen für den Weinbau im Piemont erklärt.
Tobias
00:03:19
Wow, das war jetzt wirklich sehr gut hergeleitet.Nur grundlegende geographische Bedingungen.Ja, grob, sage ich mal, denn es geht natürlich um die Geologie der Region und
die ist nämlich ausgesprochen vielfältig.Ja, die verschiedenen Bodentypen, die wir da finden,
die verteilen sich eigentlich ziemlich kleinteilig über diese Hügellandschaftdes Piemonts, die man vielleicht vor Augen hat,
wenn man schon mal da war.Um diese Hügellandschaft geht es im Endeffekt nämlich dann auch.Und zwar insbesondere dann, wenn wir über diese berühmten Weine der Region
sprechen.Aber vielleicht noch mal so eine Zahl zur Einordnung,
was die Größe betrifft.Wir sprechen über rund 44.000 Hektar Rebfläche.Das ist jetzt nicht wirklich klein. Wir vergleichen das ja immer ganz gerne.Das sind immerhin über 40 % aller deutschen Anbaugebiete zusammen.Oder man könnte auch sagen, es ist so zweimal die Pfalz,
also zweimal Pfalz gleich Piemont.Und die Pfalz ist ja das zweitgrößte Anbaugebiet in Deutschland.Ja, so ungefähr haut das auf jeden Fall hin.Nur, dass man mal eine Vorstellung bekommt.
Michael
00:04:28
Ja, ja, verstehe. So, "Pi"emont mal Daumen.Ich darf ja keine Kalauer machen. Egal. Also diese große Unterschiedlichkeit der
Lagen,die du da angesprochen hast, ist übrigens auch ein Grund,
warum einige das Piemont mit dem französischen Burgund vergleichen,wo das ja auch eine riesige Rolle spielt.Denn diese Kombinatorik im Piemont aus den unterschiedlichen Höhen,
natürlich sind die nicht oben in den Bergen,aber es wird auch mal höher, da geht es bis zu 600 Metern.
Tobias
00:05:00
Ja, immerhin.
Michael
00:05:00
Die Ausrichtung der Sonne zählt dann auch mit und so Faktoren wie Flusstäler
oder nahe Gebirgszüge.Und aus dieser Kombinatorik ergeben sich nun mal,
ich sage, unzählig viele Variationen und Möglichkeiten an Boden,an Geologie. Aber sorry, jetzt, bevor wir da zu tief an der Stelle einsteigen,
wir müssen doch vorab noch mal etwas mehr über die geografische Lage des Piemonterzählen, damit sich jetzt jeder auch mal ohne Atlas bildlich sozusagen
zurechtfindet.
Tobias
00:05:29
Ja, genau. Also ich mache das jetzt so ein bisschen im Kleinen. Du hast ja
schon, sage ich mal, so das große Bild vermittelt mit Bergen und Mittelmeer undAusrichtung und haste nicht gesehen. Aber wir müssen erst mal sagen,
wir sind im Nordosten Italiens.Also wir sind nicht in der Toskana, sondern deutlich nördlicher.Und ja, die Hauptstadt des Piemont ist eigentlich Turin.Ja, und wir sind dann halt eben südlich von dieser großen Industriestadt.Und da treffen wir dann auch auf die bekanntesten Adressen der Region.Also das ist dann so, um bei deinem Burgund-Vergleich zu bleiben,
so die Côte d'Or des Piemont.Und die beiden Namen haben bestimmt schon ganz viele gehört.Wir sprechen nämlich über Barolo und Barbaresco.Da sprechen wir natürlich gleich noch etwas ausführlicher drüber.Aber um das Geografische noch mal zu Ende zu bringen:
Das Piemont grenzt im Westen und Norden an Frankreich und die Schweiz.Und die italienischen Nachbarregionen sind dann wiederum Ligurien und die
Lombardei.So, jetzt hoffe ich, ist allen klar, wo wir uns hier ungefähr befinden.Du kannst aber natürlich auch noch mal so dein Autobahnding,
also die Anreise auch noch mal etwas ausführlicher erklären,wenn dir das wichtig ist.
Michael
00:06:42
Ne, ne, keine Sorge, lasse ich weg. Wobei,
wenn du das so sagst - Turin, Fiat, mit dem Auto,das würde schon passen. Nein, ich will auf etwas,
auf etwas anderes hinaus.Und zwar auf das AA und das BB, mit dem man sich einfach schon eine ganze Menge
über das Piemont als Weinregion natürlichmerken kann. Also BB steht da nicht für Brigitte Bardot,
Gott habe sie selig, sondern BB steht natürlich für die von dir schon genanntenWeinorte, also Barolo und Barbaresco. Das sind Weinanbaugebiete und Weinorte ja
in einem zugleich.Und ja, aus diesen Weindörfern, sage ich jetzt mal,
kommen bestimmt die bekanntesten,wahrscheinlich aber auch die besten Rotweine des Piemont.Würde ich jetzt mal so sagen. Ja, und mit meinem AA meine ich Alba und Asti.Also Alba wie Trüffel, ja. Und Asti wie Asti Spumante oder Moscato d'Asti.Rund um diese beiden Städte liegen nämlich die wichtigsten DOC und DOCG,
also dort befindet sich alles an Appellation,was Rang und Namen hat, darunter eben auch Barolo und Barbaresco.Und das ist noch mal ein Hinweis, hatte ich ja eben gesagt,
Weindörfer.Orts- und Gemeindenamen sind eine Möglichkeit,
im Piemont ein kontrolliertes, geschütztes Anbaugebiet zu benennen oder zubeschreiben. Also diese berühmte Denominazione di Origine Controllata e
Garantita,also so was wie DOCG Barolo und DOCG Barbaresco,
die höchsten Kategorien.Ja, und die andere Option, die andere Möglichkeit ist,
den Ortsnamen in Kombination mit einer Rebsorte zu nennen,um diese Appellation zu benennen. Also so was wie DOC Barbera d'Alba,
also Barbera aus Alba,oder DOC Nebbiolo d'Alba.
Tobias
00:08:40
Ja, das ist schön beschrieben und es gibt ja glaube ich dann auch so was wie
Barbera D'Asti,ne? Weil du Asti ja auch genannt hast. Das,
finde ich, kann man sich gut merken.Und das mit den Orten und Gemeinden, ja,
das könnte man ja jetzt auch schon wieder so ein bisschen burgundisch verstehen,so im Sinne von Cru-Appellation. Aber vor allem,
als du eben Alba und Trüffel gesagt hast,da musste ich natürlich an die herausragende Küche im Piemont denken.Das ist ja in Italien sowieso schon gut,
aber da noch mal wirklich ganz besonders.Ich denke da an Wurst, ich denke an Käse,
aber auch, ja, Fleisch generell für den Grill sozusagen.Und natürlich nicht zu vergessen die original Piemontkirsche.Nee, Quatsch, die lassen wir jetzt mal weg. Aber zum Beispiel,
ich weiß nicht, ob du das wusstest,Vitello Tonnato. Das ist eine Erfindung aus dem Piemont.Und ja, keine schlechte. Ja, und ich sag mal,
insgesamt kann einem ja die enge Verbindung von Wein und Kulinarik auch wiederburgundisch vorkommen. Ich will es aber jetzt mal nicht übertreiben. Es ist ja
letztlich nur wieder ein Beispiel dafür, da, wo guter Wein ist,ja, da wird halt eben auch gut gegessen,
da steht Genuss im Mittelpunkt und das findet man ja wirklich an ganz,ganz vielen Orten, wo Wein gemacht wird.
Michael
00:09:59
Ja, aber, also erstens, Tobias, tu dir keinen Zwang an mit solchen Vergleichen.Also das finde ich eigentlich eher gut. Und zweitens,
darauf hinweisen, noch mal in die Burgund-Folge reinhören wäre auch nichtschlecht. Lasse ich jetzt auch mal weg. Nee,
im Ernst.Also ich glaube die Zuhörerinnen und Zuhörer können das schon einordnen,
wenn wir solche Vergleiche jetzt immer wieder ziehen.Und ich weiß zum Beispiel schon, wie deine Analogie zum Pinot Noir heißt,
also die meisten wahrscheinlich dann auch,aber egal. Noch einmal, also ich finde im Prinzip so einen Dauervergleich
eigentlich eher geschickt,also zumindest lehrreich. Also da kann man sich nämlich gleich für 2 der
bekanntesten Weinregionen in Europa was merken.Das ist doch ein Vorteil.
Tobias
00:10:47
Ja, das stimmt.
Michael
00:10:47
Und noch was in diese Richtung. Also zu dieser Analogie zwischen den beiden.Also auf Prestige, ja, ich weiß gar nicht,
wie das auf Italienisch heißt.Aber egal. Alle verstehen es auf Prestige.Ja, da achtet man sowohl in Burgund als auch im Piemont sehr.Also wusstest du zum Beispiel, dass es im Piemont zwar über 60 dieser DOC-
und DOCG-Appellation gibt,aber der einfachere IGT- oder nach neuerer Art IGP-Wein schlichtweg nicht
existiert?Also die simple, geschützte geografische Herkunftsbezeichnung gibt es dort nicht
für Wein,oder die wird nicht gelebt.
Tobias
00:11:32
Ja, ja, das wusste ich schon. Das ist ja letztlich auch -
ja, sorry, das ist ja letztlich dann auch wieder ein Ausdruck davon,dass die da halt ja eben keine halben Sachen machen wollen.Und ja, die sind da so ein bisschen speziell unterwegs.Aber ich glaube, dir wird jetzt gar nicht so gefallen,
was ich zu deiner schon heraufbeschworenen Pinot Noir-Analogie zu sagen habe.Du wolltest ja...
Michael
00:11:57
Ach, du musst mich wieder ärgern.
Tobias
00:11:57
Ja, du wolltest ja sicherlich darauf hinaus,
dass wir jetzt über Nebbiolo sprechen,der ja zu 100 % in den DOCG-Weinen aus Barolo und Barbaresco steckt.Und der Vergleich scheint auf den ersten Blick auch zu stimmen.Allerdings ist das Piemont eben nicht nur Nebbiolo.Das denken ja viele. Aber es gibt noch viel mehr rote Rebsorten,
die man sich auch unbedingt merken sollte.Also wir haben ja gerade schon bei Alba und Asti über den Barbera gesprochen,
der gehört da natürlich unbedingt dazu.Aber denk auch mal an so eine Rebsorte wie Dolcetto.Ja, also ich finde, daraus entstehen ganz,
ganz tolle Rotweine.Klar, natürlich nicht so diese monumentalen Rotweine mit dem wahnsinnigen
Alterungspotential.
Michael
00:12:43
Ne, aber wir reden über Vielfalt.
Tobias
00:12:45
Ja, genau. Und so monumentale Rotweine will man ja auch nicht jeden Tag trinken.Und jetzt halte ich echt fest, ich habe das mal recherchiert:
Im Piemont sind über 100 Rebsorten zugelassen,also sowohl natürlich Weißweine als auch Rotweine.Aber ich finde, das würde niemand irgendwie vermuten,
weil alle halt eben an Nebbiolo denken.Und spätestens an der Stelle hinkt dann der Vergleich mit dem Burgund
ordentlich.Ja, so viele sind da nicht zugelassen. Nebbiolo ist zwar klar die Nummer 1,
logisch,unter den roten Rebsorten, aber eben nicht annähernd so alleinherrschend wie der
Pinot Noir im Burgund.
Michael
00:13:24
Ja, aber diese Vielfalt an Rebsorten, die hat auch tatsächlich was mit der
Vielfältigkeit der Lagen zu tun.Ja, also das ist zum Beispiel ein Unterschied zum Burgund,
wo eine Rebsorte auf viele,viele gute Lagen eine Antwort ist. Das ist im Piemont eben so ein bisschen
anders.Also so eine Rebsorte wie jetzt der genannte Nebbiolo,
der braucht viel, viel Zeit zum Reifen,der braucht eben die sonnigen Lagen. Die dürfen dann eben auch nicht zu hoch
gelegen sein,wegen der Kühle und wegen der Lichtverhältnisse.Dagegen reift ein Dolcetto viel schneller aus,
weshalb er mit den weniger sonnenreichen Lagen auskommt und auch in den höherenLagen genügend Zeit hat, um komplett durchzureifen.Bis in die Kerne hinein. Ja, der Barbera dagegen,
über den haben wir noch zu wenig gesprochen,der braucht zwar auch die sonnenreichen Lagen,
ist aber nicht so ein Sensibelchen,wenn es um die Böden und solche Nebenbedingungen geht.Das ist ein Unterschied zum Nebbiolo. Also im Prinzip gilt immer,
die beste Rebsorte für diese eine Lage zu finden,um richtig guten Wein zu machen. Das ist die Herausforderung im Piemont.Und ja, diese Umstände, die begründen halt,
warum es auch eine größere Anzahl an Rebsorten gibt,die in der 1. Reihe stehen.
Tobias
00:14:46
Ja, das ist gut zusammengefasst. Klar, ich könnte jetzt wieder mein
Klimawandel-Thema auspacken und erzählen,dass ja selbst jetzt auch Nebbiolo-Winzer schon nach höhergelegenen Lagen
schauen,weil es da jetzt teils gar nicht mehr so kühl ist und eher in den niedrigeren
Lagen schon wieder zu warm wird.Aber nein, du hast das jetzt erst mal richtig verortet.Und dass da natürlich auch so ein gewisser Wandel vonstatten geht,
ist ja sowieso klar.Und ich muss noch mal auf dein „Sensibelchen" zurückkommen.Das gefällt mir gut, weil das...Ne, ich habe mich gar nicht angesprochen gefühlt,
aber das passt ja gleich doppelt sozusagen. Also zum einen erinnert es ja nun
Michael
00:15:24
War ja nicht persönlich gemeint.
Tobias
00:15:30
wirklich auch an Pinot Noir, der ja auch als so ein bisschen eine Diva im
Weinberg gilt.Aber zum anderen ist der Nebbiolo ja auch so sensibel,
dass er eigentlich nirgendwo anders in der weiten Weinwelt richtig gutzurechtkommt. Also du hast es ja gesagt,
man muss dann genau schauen, wo der überhaupt hinpasst.Im Piemont passt er halt eben sehr gut. Aber wenn du in die Rebsortenspiegel
anderer Weinländer schaust,dann wirst du Nebbiolo praktisch nirgendwo finden.Der eignet sich sozusagen nicht wirklich für eine Karriere im Ausland und bleibt
seiner Heimat treu.Und das finde ich eigentlich auch schön,
oder?
Michael
00:16:07
Ja, stimmt schon so, was die Statistik betrifft.Ich habe das nicht so genau im Kopf, aber klingt sehr plausibel.Ich möchte dich allerdings an unseren Besuch bei Emil Bauer in der Pfalz im
vergangenen Herbst erinnern.
Tobias
00:16:20
Ja, das stimmt.
Michael
00:16:21
Das Weingut hat nämlich sowohl einen reinsortigen Nebbiolo als auch einen
Barbera im Sortiment.Ja, also aus der Pfalz.
Tobias
00:16:30
Ja, wen wundert's, ne?
Michael
00:16:31
Da kann man dann direkt mal ausprobieren,
was den Unterschied macht zwischen dem deutschen Nebbiolo oder dem deutschenBarbera und dem Original aus dem Piemont.Also das wäre auch noch eine schöne Weinaufgabe für einen gemütlichen Abend.Na ja, und überhaupt, in diese Folge mit den beiden Bauer-Brüdern,
da müsst ihr unbedingt mal reinhören.Die erzählen nämlich auch, warum es durchaus triftige Gründe gibt,
auf solche Rebsorten in der Pfalz zu setzen.
Tobias
00:17:00
Ja, absolut. Und die sind da ja wirklich in Sachen Rebsortenvielfalt extrem
kreativ unterwegs.
Michael
00:17:08
Das ist ja schon wie Piemont, Rebsortenvielfalt. Also die interpretieren das
anders. Aber irgendwie Piemont, ja, ja.
Tobias
00:17:12
Ja, das ist richtig. Ich weiß nicht, 100 sind es vielleicht noch nicht,
aber fast,glaube ich. Und na ja, eines muss man ja unbedingt jetzt noch mal zum Nebbiolo
erwähnen:Die Weine gelten als ausgesprochen langlebig und lagerfähig.Das ist absolut so, wenn man über das Piemont nachdenkt.Und andersrum kann man eigentlich auch formulieren:
Junge Nebbiolos, aus Barolo vor allem,die sind noch nicht wirklich ein Vergnügen.Die kommen meistens noch relativ ruppig und tanninbetont daher.Man sagt ja dann auch, die sind noch einfach viel zu jung und sperrig oder was
man da alles dazu noch sagen kann.Da hilft dann selbst langes Belüften wenig.Also viele denken ja, ja gut, dann karaffiere ich den jetzt noch richtig lang.Ja, und das ist vielleicht dann für den einen oder anderen noch mal extra
überraschend,weil so ein Barolo, der muss sowieso laut der DOCG-Regel schon mindestens 36
Monate Reife vorweisen,bevor er überhaupt in den Handel kommt. Und 18 davon muss sogar im Holzfass
verbracht werden.Aber diese 3 Jahre, die reichen halt einfach nicht.Da sollte man dann eher irgendwie so auf den 10.Geburtstag warten, bis man die Flasche öffnet.Und das geht auch noch viel länger. Also zumindest,
wenn ich einen wirklich hochwertigen Barolo denke.Teilweise verirrt sich ja auch mal so eine Flasche in Discounter. Das würde ich
jetzt eher,ja, nicht wirklich in Anspruch nehmen. Also mit anderen Worten,
wenn du jetzt...
Michael
00:18:43
Oder eher trinken.
Tobias
00:18:46
Ja, genau. Also wenn du dir jetzt so einen 2023er-Jahrgang zulegst,
das müsste jetzt so der aktuelle sein,dann musst du einfach eine Menge Geduld aufbringen,
um den Wein dann sozusagen auf seinem Höhepunkt zu erleben.Ja, man kann sagen: so gut Barolo will Weile haben.Aber na ja, das mit den Sprüchen, das überlasse ich lieber dir.
Michael
00:19:09
Ja, schön gesagt. Schön gesagt. Aber jetzt mal ganz persönlich gesprochen,
auch an alle,die vielleicht so ein bisschen weniger Geduld haben,
dazu zähle ich mich dann tatsächlich auch,leider auch beim Wein. Also wer jetzt Nebbiolo in Topform sucht und nicht bis
zum 10.Geburtstag warten will, für den gibt es ja Gott sei Dank noch den Barbaresco.Ja? Also die beiden Dörfer liegen zwar,
Luftlinie sind das gerade mal, glaube ich,20 Kilometer, lass mich nicht lügen, auseinander,
also überschaubar.Aber die Weine sind trotzdem sehr unterschiedlich -
oder sagen wir unterschiedlich.„Sehr" streichen wir bitte hier jetzt. Und Barbaresco wird manchmal ja als der
„kleine Bruder" des Barolo bezeichnet.Das ist zwar eine gute Eselsbrücke, also mein BB,
wird aber den Weinen in ihrer Eigenständigkeit einfach nicht gerecht,finde ich. So, und ja, die haben halt oft weniger Alkohol,
nur mal so generell gesprochen,auf jeden Fall das dezentere Tanningerüst,
ja, auch einen Ticken mehr Frucht.Ja, und deshalb können die auch eigentlich schon früher ins Glas kommen.Also spiegelt sich sogar in den offiziellen Regularien der DOCG wider.Die schreiben nämlich vor: 26 Monate Reife,
also „nur" 26 Monate Reife, davon mindestens 9 im Holzfass.Das übrigens nicht unbedingt immer ein Barrique sein muss,
muss man auch mal dazu sagen.Na ja, und da merkt man halt, das ist schon deutlich weniger Zeit als bei den
Weinen aus der DOCG Barolo.Aber es gilt eigentlich auch so ein bisschen wieder dasselbe.So ein ganz junger Barbaresco, hm. Bitte besser noch warten,
ja?Meine Empfehlung, bevor der jetzt ins Glas kommt.Aber wiederum ein Vorteil dann: nicht so lange wie beim Barolo,
Mann.
Tobias
00:21:12
Ja, genau. Genau. Und wir sprechen jetzt immer von wirklich guten Exemplaren,
wenn wir das so verallgemeinern.Das ist logisch. Und ja, für mich ist vor allem auch der stilistische
Unterschied so das Ausschlaggebende,was so die Präferenzbildung angeht. Für mich,
so habe ich das so abgespeichert,ist Barolo eben sehr maskulin und Barbaresco eher feminin.Wenn man das heute noch so sagen darf. Aber du weißt,
was ich meine, Michael.
Michael
00:21:41
Ja, ich fühle mich gerade sehr feminin,
also nur mal so.
Tobias
00:21:43
Ja, ich bin irgendwie bei Piemont auch eher der feminine Typ,
muss ich ganz ehrlich zugeben.Ich mag Barbaresco sehr, sehr gerne. Aber eines vielleicht noch.Da kann ich jetzt mal mit so ein bisschen Wortherkunft usw.auftrumpfen. Weißt du, woher der Name Nebbiolo eigentlich kommt?Denn der Ursprung ist das italienische Wort für Nebel,
das heißt nämlich „Nebbia".Also ganz einfach eigentlich. Es geht aber nicht etwa um den Nebel,
der im Herbst so aus den Tälern des Tanaro aufsteigt,sondern gemeint ist so ein feiner, weißlicher Film auf den Beeren,
der dann so ein bisschen schimmert.Und da gilt die einfache Regel: Je länger die Trauben reifen,
desto mehr Nebel zeigt sich auf den Trauben.Na, da staunt sie jetzt schon ein bisschen,
dass ich hier mit so Fakten um die Ecke komme,ne?
Michael
00:22:39
Ich muss dich heute auch mal enttäuschen. Also das mit der Wortherkunft wusste
ich.Aber dieses...
Tobias
00:22:43
Na toll.
Michael
00:22:43
...je reifer, desto mehr Nebel. Das kannte ich noch nicht.Danke, lieber Tobias, lieber Weinlakai und lieber WSET Educator.
Tobias
00:22:55
Gerne, gerne.
Michael
00:22:56
Und in diesem Zusammenhang: Wir haben noch gar nichts darüber gesagt,
wie ein Nebbiolo eigentlich schmeckt,also was die Rebsorte jetzt so sensorisch auszeichnet.Ich fange mal an, also ich denke bei Nebbiolo weniger an Fruchtaromen,
sondern an so ganz viel Kräuteriges und Erdiges.Und wenn da Frucht ist, dann eher Kirsche.Wahrscheinlich nicht die Piemontkirsche.Nein, na ihr wisst schon, was ich meine. Also Kirscharomen,
aber durchaus auch dunkler.Und ja, vielleicht noch so was wie reife Himbeere.Ja. Und du?
Tobias
00:23:33
Ja, finde ich gut zusammengefasst. Und du hattest ja vorhin auch schon erwähnt,
Barbaresco steht halt ein bisschen mehr für Frucht als Barolo.Also da passt das dann mit Kirsche und Himbeere wirklich gut.Und wir haben ja jetzt auch schon viel über Reife gesprochen und darüber,
dass Barolo,insbesondere Barolo, idealerweise erst nach ein paar Jahren geöffnet wird.Und da komme ich dann gerne so mit einem Fachbegriff aus meinen Seminaren um die
Ecke.Da sprechen wir nämlich dann irgendwann über sogenannte Tertiäraromen.Und das sind halt eben Aromen, die erst entstehen,
wenn Reife im Spiel ist.Und ja, das ist einfach total klassisch für einen Nebbiolo,
für einen Barolo, aber natürlich auch für den Barbaresco,dass der dann irgendwann auch spezielle aromatische Eigenschaften hat,
wenn er schon ein bisschen Reife zeigt.Da entdeckt man dann so Noten von Tabak und Leder und Zedernholz,
vielleicht auch so was wie Muskatnuss.Aber auch, jetzt halte dich fest, so was wie feuchter Waldboden mit Pilzen.Hört sich jetzt...
Michael
00:24:39
Ja, mag ich gerne, die Beschreibung, übrigens.
Tobias
00:24:40
Ja, genau. Das hört sich so abgehoben immer an,
aber das kann eigentlich fast jeder assoziieren,der mal irgendwie so nach einem Regenguss durch den Wald gelaufen ist.Und ja, das steuert einfach extrem zu dieser Vielschichtigkeit bei,
die die Weine dann eben irgendwann haben können.Wenn man da rein riecht und rein schmeckt und eben dieses ganze Potpourri von
unterschiedlichen Aromen hat,das macht es einfach zu etwas ganz Besonderem.Und ich bin auch relativ sicher, dass das auch mit dazu beigetragen hat,
dass Weine aus dem Piemont so im internationalen Ranking ganz,ganz weit oben stehen.
Michael
00:25:19
Oh ja, gut, das nenne ich mal ein Statement.Würde ich jetzt auch unterschreiben. Was mir jetzt nur so ein bisschen leid tut,jetzt haben wir wieder die ganze Zeit über Nebbiolo gesprochen und Rebsorten wie
Dolcetto oder Barbera,könnte man daraus BBB zu einem BBD machen.Die haben wir jetzt irgendwie wieder so ein bisschen an den Rand geschoben.Davon, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, solltet ihr euch allerdings nicht
abschrecken lassen.Also noch einmal in aller Deutlichkeit:
Das Piemont hält noch mehr Kostbarkeiten als nur Nebbiolo bereit.Und da müsst ihr unbedingt die Nase und den Gaumen reinstecken.Aber ich kann das jetzt auch mal ganz pragmatisch runterbrechen und hier mein
Recht auf ein Werbefenster einfordern.Da musst du jetzt durch, Tobias. Schaut doch bitte einfach mal in den
Weinfreunde-Shop und gebt einfach ins Suchfenster „Dezzani" ein,Also mit zwei Z, Dezzani. Ja, dieses Weingut aus dem Piemont hat nämlich viele
dieser typischen Weine der Region einfach imSortiment. Ja, da bist du bei einem schon glücklich.So kommt ihr eben auch in das Vergnügen von Barbera oder Dolcetto.Oder am besten beides. Und noch besser,
also noch umfassender oder einfacher, gebt doch einfach in unsere Suchmaske„Herkunftsregion: Piemont" ein und dann habt ihr eigentlich das ganze Back-up zu
dieser Podcastfolge in Flaschenformverfügbar.
Tobias
00:26:52
Ja, das sind gute Hinweise in deinem Werbefenster,
muss ich jetzt mal zugeben.Und ich hatte es ja schon erwähnt: Ich liebe einfach guten Dolcetto,
und das hat man eigentlich viel zu selten im Glas.Aber lass uns doch noch mal kurz über das Thema Weißwein und Schaumwein aus dem
Piemont sprechen.Das Stichwort Asti Spumante ist ja schon gefallen.Nicht unbedingt ein Schaumwein mit dem besten Ruf in Deutschland,
sage ich jetzt mal.Aber wer sich so was Prickelndes aus dieser Subregion gönnen will,
der kann trotzdem auf diesen Namen vertrauen.Aber vielleicht ein bisschen beim Einkauf darauf achten,
dass es dann ein Asti Spumante Metodo Classico ist,weil das ist dann einer, wie der Name schon sagt,
der in klassischer Flaschengärung hergestellt wird,also wie Champagner. Und ja, das ist natürlich dann deutlich mehr auch nach
meinem Geschmack als die,die man vielleicht im Kopf hat mit Restsüße.Aber da merkt man dann, glaube ich, auch schon am Preis,
dass das ein Unterschied ist.Und da ist im Übrigen die dazu passende Rebsorte sozusagen,
ist der Moscato.
Michael
00:28:00
Okay, du sagst jetzt Moscato, ich sag Cortese.
Tobias
00:28:03
Na ja.
Michael
00:28:04
Reden wir jetzt mal über die weißen Stillweine.Ganz kurz auch nur, da geht es eben meistens um Cortese.Also ja, ich erinnere mich zum Beispiel daran,
dass vor langer, langer Zeit mal Weißweine aus dem Anbaugebiet Gavi totalangesagt waren.
Tobias
00:28:22
Ja, das stimmt.
Michael
00:28:23
Und Gavi, das ist eben Cortese aus dem Piemont mit schöner Säure,
richtig frisch,eher schlank als üppig, schöne Frucht. Also der hat ganz,
ganz, ganz viel, was ihn liebreizend macht.Und wenn dann damals noch „Gavi di Gavi" auf der Flasche stand,
also es ging dann um Wein,der direkt aus der Gemeinde kam, Rebsorte plus,
ja, im Prinzip Ort.Ja dann war Jubel angesagt. Das kann ich nicht anders sagen.Das ist ein Wein, den kannst du wunderbar schön trinken.Und ja, irgendwie glaube ich, sind diese Gavi-Weine in Vergessenheit geraten.Oder vielleicht habe ich sie auch nicht mehr so auf dem Schirm,
kann auch sein.Egal, was man noch dazu sagen muss: Es gibt übrigens auch ganz exzellenten
Chardonnay aus dem Piemont -um jetzt endlich mal eine internationale Rebsorte zu nennen.
Tobias
00:29:20
Ja, genau, da sind wir wieder bei den 100 Stück.Genau, mit dem Gavi Di Gavi, ich kann mich da auch noch gut dran erinnern. Aber
es sind jetzt natürlich auch Zeiten gekommen,wo wir in Deutschland, insbesondere bei den Weißweinen,
viel aufgeschlossener sind,auch ins eigene Land zu schauen. Und da werden,
glaube ich, dann Weißweine aus dem Ausland sozusagen so ein bisschen abgedrängt.Aber genau, kaufen kann man Gavi, glaube ich,
immer noch.Und das finde ich, ist jetzt auch für mich ein guter Reminder,
das mal wieder zu tun.Aber du hattest ja zuletzt von Chardonnay gesprochen.Thema international. Da müssen wir auf jeden Fall auch noch einen ganz konkreten
Namen nennen,der international, glaube ich, auch bekannt ist.Insbesondere wenn man an Barbaresco denken,
nämlich Angelo Gaja.Der hat eigentlich, muss man sagen, den Höhenflug dieser Appellation ganz
entscheidend geprägt.Er ist der Enkel des Gründers des Weinguts Gaja.Und der studierte zunächst mal in Frankreich Weinbau,
hat sich dann mit dem Bordeaux und,schon wieder, mit dem Burgund dann auch beschäftigt,
bevor er dann immerhin aber schon 1961 mit nur 21 Jahren die Leitung desWeinguts übernimmt und die bisherige Arbeit im Weinberg und Keller erstmal
komplett infrage stellt.So wie das mit der jungen Generation oft der Fall ist.Also nur mal so ein paar Stichpunkte dazu. Anderer Rebschnitt,
grüne Lese, geringere Stockdichte bei Neupflanzungen,temperaturregulierte Gärung im Edelstahltank,
das war ja damals auch noch nicht so gang und gäbe,und eben auch die Reife in Barriques, also in den kleinen Fässern.Das war vorher im Piemont eigentlich gar nicht genutzt worden.Und das hat er natürlich aus Frankreich mitgebracht.Also mit anderen Worten kann man eigentlich sagen,
Angelo Gaja hat fast alles umgekrempelt,was es da zum Umkrempeln gab und hat damit dann wirklich den Barbaresco erst so
auf die internationalen Weinkarten gebracht.Er ist also Pionier, aber gleichzeitig dann auch so ein bisschen Revoluzzer,
denn er holt auch französische Reben wie Cabernet Sauvignon,den eben genannten Chardonnay, aber auch Sauvignon Blanc ins Piemont.Also so ein bisschen wie die Supertoskaner.Und genauso wie in der Toskana hat auch er in seiner Heimat Piemont ordentlich
Schelte dafür bekommen.Aber wenn man den langen Atem hat und einfach qualitätsorientiert arbeitet,
dann zahlt sich das irgendwann aus.Und deswegen ist einfach Angelo Gaja ein Name,
den man an der Stelle unbedingt nennen muss.
Michael
00:32:01
Ja, und man muss sagen, die Töchter sind inzwischen am Ruder. Also ja,
du hast schon recht,mit Angelo Gaja bin ich ganz bei dir. Aber ich will jetzt an der Stelle noch mal
den Klugscheißer geben.Ja, habe ich lange nicht mehr gemacht. Weil du jetzt noch mal über diesen
französischen Einfluss gesprochen hast,der jetzt über Angelo Gaja ins Piemont kommt.Aber es gibt da auch noch so einen französischen Önologen,
und der heißt Louis Oudart,wenn man sich halbwegs einig ist. Also das ist auch so eine
Verwechslungsgeschichte,da könntest du einen Roman darüber schreiben. Ich lasse das jetzt mal weg. Ich
nenne ihn auch einfach Louis Oudart. Und der hat im Prinzip einen genauso großenAnteil wie eben Gaja an diesen hochwertigen Nebbiolo aus Barolo.Mehr noch als aus dem Barbaresco auch. Aber,
und jetzt kommt der entscheidende Fakt,das passiert sogar 100 Jahre davor. Also 100 Jahre vor dem Kollegen Angelo Gaja.Denn das ist eine schöne Geschichte, ich mache es ganz kurz.Also 1850, da gibt es eine Marchesa von Barolo,
Adelstitel, die hieß Giulietta Faletti.Und die ruft halt diesen Louis Oudart zu sich,
um im Weingut so ein bisschen an der Qualitätsschraube zu drehen.So würde man das vielleicht heute irgendwie formulieren.Und ihm ist es sozusagen vorbehalten, mit richtig trockenen Barolos zu arbeiten.Das heißt sozusagen, auf lange Reife und auf Trockenheit zu gehen.Vorher war Barolo eher süß und musste dann relativ schnell getrunken werden.Also man kann sagen, dieses Kriterium, was heute so als typisch Barolo geht,
diese Langlebigkeit,die haben wir eigentlich diesem französischen Kollegen zu verdanken.
Tobias
00:34:00
Ja, das finde ich sehr interessant. Damit weckst du noch mal so den WSET
Educator in mir.Denn in dieser Zeit war es wirklich eine Herausforderung,
Wein immer komplett durchzugären.Und wir wissen ja, aus dem Zucker in den Trauben entsteht Alkohol.Und wenn die Gärung halt irgendwann stoppt,
weil irgendwie die ganze Hefe schon aufgebraucht ist,dann bleibt halt einfach noch Zucker im Wein zurück.Und der Kollege aus Frankreich, der wusste dann anscheinend,
wie es geht, dass die Gärung nicht stoppt und dann wirklich auch ein trockenerWein entsteht. Ich glaube, die Einflüsse aus Frankreich und Burgund und Bordeaux
usw.,das reicht jetzt mal. Wir sprechen ja immerhin über eine italienische
Weinregion, und ich glaube, wir haben...
Michael
00:34:44
Aber die sind ja lebendig. Also, das finde ich ja auch eher gut.Also ich finde, man stellt die Region jetzt nicht schlechter dar,
wenn man sagt,als italienisches Piemont habe ich Einflüsse aus dem Bordeaux,
ganz ehrlich.Oder aus dem Burgund noch mehr.
Tobias
00:34:56
Ne, das stimmt. Ja, das ist natürlich richtig.Aber ich glaube, wir haben jetzt sowieso einfach schon das Wichtigste zum
Piemont,zu dieser tollen Gegend zusammengetragen.Da kann man natürlich auch unbedingt als Reisetipp noch mal empfehlen.Da haben wir ja auch eine Folge drüber gemacht.Ja, und vielleicht machen wir ja irgendwann noch mal eine eigene Folge,
um noch etwas mehr in die Nebbiolo-,Barbera- und Dolcetto-Tiefen vorzudringen.Ja, vielleicht wird das aber auch zu nerdig.Sagt ihr uns das doch einfach mal, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Schreibt es
in die Kommentare auf Facebook und Instagram oder direkt auf eurer bevorzugtenPodcastplattform. Schreibt uns eine E-Mail an podcast@weinfreunde.de.Ja, und bei den Podcastplattformen natürlich immer eine Bewertung hinterlassen.Bitte nicht vergessen. Ja, Michael, ich glaube,
jetzt ist schon wieder Zeit für unseren Schnelldurchlauf am Ende der Folge,oder?
Michael
00:35:55
Ja, wenn du erlaubst, lieber Tobias, dann sage ich noch mal ganz kurz was zur
Geschichte des Weinbaus im Piemont.
Tobias
00:36:02
Oh, „kurz über die Geschichte des Weinbaus",
ja, ja, okay.
Michael
00:36:02
Ja, doch, doch, muss man ergänzen. Ja, es ist langweilig,
irgendwie wie in fast allen italienischen Anbaugebieten.Schon mehr als 2000 Jahre alt. Heißt also zur Einordnung deutlich vor den
Römern,weil es gab so keltische Stämme, die Tauriner -
von denen kommt übrigens das Wort „Turin" für die Hauptstadt -und die Ligurer, ja, die machten hier schon deutlich vor den Römern Wein.Und für dich als, ich kürze das jetzt ganz schnell ab,
da gibt es ganz viele Geschichten,noch Verbindung mit Savoyen und französisches Königshaus.Aber für dich jetzt Burgunder-Freak sozusagen,
auch interessant ist: Im Mittelalter sind es vor allem die Klöster,die sich um den Weinbau kümmern. Ich fasse das jetzt mal so zusammen:
Ein tadelloser Lebenslauf als Weinregionen hier im Quartettund vor allen Dingen mit einem Profil einfach versehen,
was man heute mag, in dieser ganzen Vielfalt.Darf ich das überhaupt so sagen? Mir kommt schon wieder dieses Wein-Tinder in
den Kopf.Mag ich, mag ich nicht, will ich treffen,
wann und wo?Egal. Also ja, okay. Also wer auf unverwechselbare Rotweine steht,
so richtig mit Pracht,mit Charakter und eben ganz viel Zwischentönen,
das ist wichtig noch zu ergänzen,ja, der wird einfach im Piemont glücklich.Und wenn er dazu dann noch etwas ist, was aus dem Piemont kommt,
wird er sogar noch glücklicher.
Tobias
00:37:37
Ja, das hört sich jetzt schon fast wie unsere Schnellzusammenfassung in einem
Satz irgendwie an.Aber komm, jetzt noch mal ganz offiziell unsere Merkpunkte zur Folge über das
Piemont.
Michael
00:37:48
Das Piemont liegt im Nordosten Italiens und grenzt an Frankreich und die
Schweiz,an Ligurien und an die Lombardei.
Tobias
00:37:57
Bekannt ist das Piemont für seine Rotweine.Die bekanntesten Weine der Region stammen aus den Weinbergen rund um die
Gemeinden Barolo und Barbaresco.
Michael
00:38:05
Rebsorte Nummer 1 ist der Nebbiolo. Aber auch Barbera und Dolcetto stehen für
das Piemont.Überhaupt gibt es über 100 Rebsorten, die in den DOC und DOCG zugelassen sind.
Tobias
00:38:19
Nicht zu vergessen: Das Piemont kann auch mit Schaumweinen und Weißweinen
aufwarten.Unbedingt probieren: Gavi aus der Rebsorte Cortese.
Michael
00:38:27
Auch interessant: Es gibt verblüffend viele Ähnlichkeiten zwischen dem Piemont
und dem Burgund,obgleich es um völlig andere Rebsorten geht und eine ganz unterschiedliche
Topografie.
Tobias
00:38:39
Fun Fact: Im Piemont gibt es nur als DOC und DOCG klassifizierte Weine.IGT- bzw. IGP-Weine existieren nicht.
Michael
00:38:49
Fertig, ne? Aber irgendwie komisch, ich merke bei diesen Zusammenfassungen
immer,dass wir längst nicht alles über diese Region erklärt haben.Aber ich tröste mich auch immer damit, dass wir zumindest das Wichtigste
bringen,und das auf den Punkt, um so ein bisschen was davon zu verstehen.Und allein das macht ja Spaß, sage ich jetzt mal.Und hoffentlich nicht nur mir und dir, Tobias,
sondern auch den vielen Zuhörerinnen und Zuhörern da draußen.Ich sage einfach mal Danke dafür.
Tobias
00:39:23
Ach Mensch, Michael, das neue Jahr hat gerade erst angefangen und du schlägst
schon so einen melancholischen Ton an,ja. Dabei ist doch gerade das die Stelle,
wo wir uns immer ungeheuer darauf freuen,dass es schon bald wieder heißt.