Bei Anruf Wein – der Weinpodcast

Weinfreunde.de

Verhängnisvoller Champagner mit Tom Hillenbrand

25.11.2025 71 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Folge tauchen Tobias und Michael mit Bestsellerautor Tom Hillenbrand in die Welt seines neuen Xavier-Kieffer-Krimis „Verhängnisvoller Champagner“ ein. Es ist eine Geschichte zwischen prickelndem Luxus und den Schattenseiten der Champagne. Sie sprechen darüber, ob sich ein Koch besonders gut als Ermittler eignet, wie viel Realität in Toms Recherchen steckt und weshalb fiktive Champagnerhäuser manchmal näher an der Wahrheit sind, als man denkt. Es geht um Genuss, Industrie, Identität und die Frage, was hinter der schillernden Fassade eines der berühmtesten Weinbaugebiete der Welt passiert. Ganz passend öffnen die Drei auch eine Flasche Champagner – doch nicht nur, weil es zum Buch passt…

+++ INFOS ZUM GAST +++
>> AUTORENPROFIL VON TOM HILLENBRAND

+++ WEINFREUNDE.DE +++
>> CHAMPAGNER-AUSWAHL IM SHOP
>> ÜBER WEINFREUNDE+

+++ WEINFREUNDE MAGAZIN +++
>> CHAMPAGNER: WILLKOMMEN IN EINER EIGENEN WELT
>> BERÜHMTE CHAMPAGNER-HÄUSER
>> ROSÉ-CHAMPAGNER: FARBE BEKENNEN
>> UNTERSCHIED? CHAMPAGNER UND WINZERSEKT

+++ WEINLAKAI AKADEMIE +++
>> WEINSEMINARE ENTDECKEN

+++ UMFRAGE +++
Bitte nehmt hier an unserer kurzen Umfrage zum Bei Anruf Wein Podcast teil:
https://de.surveymonkey.com/r/M7PK2ZL

+++ Bitte abonniert den Podcast und gebt eine Bewertung ab. Danke! +++



Produktion und Schnitt: Andreas Hagelüken

Transkript

Bei Anruf Wein. Der Weinfreunde-Podcast.
Tobias
00:00:09
Ich grüße euch, liebe Weinfreunde. Mein Name ist Tobias. Willkommen Bei Anruf Wein. Für die heutige Folge haben sich Michael und ich mit Tom Hillenbrand getroffen. Er ist Autor der kulinarischen Krimis rund um Xavier Kieffer, und sein neuer Band „Verhängnisvoller Champagner" führt mitten hinein in die Welt der großen Champagnerhäuser. Ein Thema wie gemacht für uns. Wir sprechen mit Tom darüber, warum ausgerechnet ein Koch ein so guter Ermittler ist, wie viel Kulinarik in seinen Figuren steckt und was ihn an der Champagne als Schauplatz besonders fasziniert. Und noch bevor wir das Interview starteten, haben wir schon eine Flasche Schampus aufgemacht - aus einem Anlass, der nicht nur literarisch ist. Wenn ihr demnächst mal wieder eine Flasche öffnen möchtet, dann denkt doch bitte auch an das Bonusprogramm WEINFREUNDE+. Hier sammelt ihr nicht nur Punkte, sondern bekommt in unserem Mini-Podcast „Hörgenuss" auch konkrete Weinempfehlungen von Michael und mir. Also bleibt mal dran. Wir fangen direkt an! Hallo Tom. Willkommen Bei Anruf Wein. Schön, dass du hier bist.
Tom
00:01:15
Hallo.
Tobias
00:01:15
Und erstmal muss ich mich bedanken. Weil dadurch, dass dein neues Buch ja „Verhängnisvoller Champagner" heißt, ist das für mich eine ausgezeichnete Gelegenheit, mal das zu machen, was wir eigentlich nicht machen: nämlich was zu trinken direkt mit in die Podcastfolge reinzunehmen. Ich habe passenderweise natürlich eine Flasche Champagner dabei. Und um jetzt ganz ehrlich zu sein: Es ist nicht der einzige Grund, warum ich die jetzt gerne mit dir zusammen öffne, sondern ich öffne die auch gerne zusammen mit dem Michael. Der hat nämlich heute Geburtstag!
Tom
00:01:46
Ooooh!
Tobias
00:01:48
Genau.
Michael
00:01:49
Jetzt, ja, jetzt zwing mich aber nicht zu sagen, wie alt ich geworden bin, ne?
Tobias
00:01:53
Nee, das bleibt...
Michael
00:01:53
Man will ja nicht die Depression im Lande noch weiter vertiefen.
Tobias
00:01:56
Genau. So, jetzt haben wir Theresa auch überrascht. Theresa, guck mal, da sind 4 Gläser, ne? Wir wussten ja, wir sind zu viert. Deswegen habe ich gedacht, müssen wir darauf auf jeden Fall mal anstoßen. Ich mache das hier auch ganz professionell. Immer die Flasche drehen - aber ich meine, wem erzähle ich das - immer die Flasche drehen, nicht den Korken! Die Agraffe habe ich schon abgemacht. Und da habe ich durch dich auch gelernt, heißt auch Musette, ne? Dieser Draht.
Tom
00:02:23
Muselet, ja genau.
Tobias
00:02:23
Muselet! Genau, richtig, nicht Musette! Muselet - das Drahtkörbchen oben auf der Flasche. Jetzt habe ich dich damit so überrascht. Möchtest du überhaupt ein Gläschen? Es ist ja noch - Ui! - relativ früh am Tag. Nein, die Flasche ist nicht runtergefallen.
Tom
00:02:37
Es ist sehr Früh, aber wenn er aufgemacht wird, muss ich ihn auch probieren.
Tobias
00:02:41
Ja, der ist natürlich, so viel darf ich verraten, aus dem Weinfreunde-Sortiment, ist ja klar. Ach so, Michael. Weißt du, welcher es ist?
Michael
00:02:48
Du hast es mir verraten. Deshalb.
Tobias
00:02:50
Ah, verdammt!
Michael
00:02:51
Kann ich ja nicht so tun, als wenn nicht.
Tobias
00:02:53
Aber ich habe dir nicht verraten, dass wir auf deinen Geburtstag anstoßen.
Michael
00:02:55
Ne!
Tobias
00:02:57
Das war jetzt richtig schlecht eingeschenkt, mit zu viel Schaum.
Michael
00:03:02
Du kriegst noch einen Nachschlag.
Tobias
00:03:05
Genau.
Michael
00:03:06
Danke.
Tobias
00:03:07
Ja, aber Tom, während wir hier schon Champagner eingießen. Vielleicht starten wir auch das Interview jetzt offiziell. Vor, ich glaube, knapp 3 Wochen ist das neue Buch erschienen - „Verhängnisvoller Champagner". Genau. Erst mal...
Tom
00:03:22
Zum Wohle.
Tobias
00:03:23
...zum Wohl. Ich komm dir mal schnell.
Tom
00:03:26
Auf den...
Tobias
00:03:27
...Michael. Auf dich. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.
Tom
00:03:29
...Geburtstagsmenschen. Prost.
Michael
00:03:30
Danke. Danke.
Tobias
00:03:31
Zum Wohl!
Tom
00:03:31
Santé!
Tobias
00:03:34
Ja, genau. Und das ist im Grunde genommen eine Fortsetzung deiner kulinarischen Krimis rund um den Protagonisten Xavier Kieffer. Jetzt habe ich es doch Französisch oder Luxemburgisch ausgesprochen. Aber es ist „Kiefer", ne?.
Tom
00:03:47
Es ist tatsächlich „Kiefer", genau. Die Vornamen von den Luxemburgern sind in der Regel immer französisch.
Tobias
00:03:54
Ja.
Tom
00:03:55
Und die Nachnamen sind sehr häufig deutsch.
Tobias
00:03:58
Okay, alles klar. Für jetzt unsere Zuhörerinnen und Zuhörer und vor allem für alle die, die dich jetzt noch nicht kennen. Stell uns doch jetzt vielleicht am Anfang einfach mal den Autor Tom Hillenbrand vor, bevor wir jetzt zu deinen Büchern kommen.
Tom
00:04:13
Ja, hallo, ich bin der Tom und ich war in einem früheren Leben mal Journalist. Also ich habe irgendwann mal Europapolitik und Wirtschaft studiert und war dann länger bei Spiegel Online und bei der Deutschen Financial Times. Habe also über Wirtschaft und Technologie und alle möglichen solche Sachen geschrieben. Und irgendwann bin ich dann gewechselt, so vor 15 Jahren ins Genre des Krimiautors und auch des Science-Fiction-Autors und des Autors historischer Romane. Also ich springe zwischen vielen verschiedenen Genres hin und her. Und eine der Sachen, die ich mache, um die es ja auch heute geht, ist eine Krimiserie, die in Luxemburg spielt und wo der der Protagonist, der Ermittler, vielleicht ungewöhnlicherweise ein Koch ist. Und ja, das macht mir sehr viel Freude, aber das mache ich jetzt seit 15 Jahren. Ich glaube, jetzt bin ich auch gar nicht mehr woanders einsetzbar. Ich habe mich zu lange alleine mir Sachen ausgedacht und da bin ich wahrscheinlich nicht mehr vermittelbar. Und ich muss auch sagen, das hat mich, so sehr mir der Journalismus auch Spaß gemacht hat, das hat mich immer ein bisschen gefuchst. Da durfte man seiner Fantasie eben gerade nicht freien Lauf lassen. Und sehr häufig bin ich aber auch schon damals vor allem im Wirtschaftsbereich auf Geschichten oder auf Fakten gestoßen. Auch häufig welche, die mit Lebensmitteln zu tun haben. Wo ich mir gedacht habe: wow! Es gehört jetzt eigentlich nicht viel dazu, sich vorzustellen, dass jemand mit diesem Lebensmittel folgende Sauerei anstellt. Und häufig, wenn man dann 3, 4 Jahre wartet, dann kommt es irgendwo raus. Dann gibt es Untersuchungen, dann ist es auch so ähnlich. Und im Prinzip habe ich mein Interesse an Essen und an Kulinarik und auch an, jetzt auch ein bisschen an Wein, und mein Interesse an Wirtschaft, die habe ich quasi versucht zu verschmelzen, um daraus diese kulinarischen Krimis zu bauen. Weil ich glaube eigentlich, bei Wirtschaft läuft immer schon die Hälfte der Leser normalerweise weg, weil es trocken ist usw. Aber es ist schon interessant, was passiert mit so einem Lebensmittel, wenn alle das geil finden. Wenn alle Olivenöl wollen, wenn alle Arabica-Bohnen wollen, wenn alle Acai-Beeren wollen, weil die schlank machen oder irgendwas. Und dann setzen so Mechanismen ein, Wirtschaftsmechanismen, die häufig dann dazu führen, dass was gar nicht so Leckeres passiert.
Michael
00:07:00
Okay, jetzt reden wir mal über deinen Protagonisten. Du hast es gesagt, der ist Koch und Gastwirt, besitzt ein Restaurant in Luxemburg. Deiner Meinung nach ist ein Koch besonders dafür geeignet, detektivische Arbeit zu leisten?
Tom
00:07:15
Nein, er ist völlig ungeeignet. Also es gibt ja immer, es gibt ja normalerweise so 2 Arten von Ermittlern in Kriminalliteratur. Das eine sind also die Bullen, sag ich jetzt mal, oder die Privatdetektive. Das sind die Pros. Und dann gibt es die Laien, Miss Marple, Pater Brown, ja, die sollen nicht ermitteln, aber die wollen unbedingt. Und in der Regel ist dann der einzige sozusagen richtige Ermittler, der noch da ist, ist irgendwie so ein tumber Dorfpolizist, der sagt: „Was? Hier ist ein Mord passiert? Ich habe das gar nicht mitbekommen!" So, und das sind so diese beiden Archetypen. Und dieser hier ist erstens ein Laie und zweitens aber auch unwillig. Und das ist, glaube ich, das Ungewöhnliche. Der hat jetzt nicht, der will jetzt per se keine Mordfälle aufklären oder irgendwas, sondern der gerät in diese Fälle immer mehr so irgendwie rein. Weil er eben in dieser Branche sehr viele Leute kennt. In der Gastronomieszene, aber auch in der Foodbranche. Und da immer wieder in Sachen reingeredet, wo vielleicht ein Freund von ihm verwickelt ist oder ein Bekannter. Und so gerät er in die Fälle und ich würde fast sagen, taumelt da auch manchmal so ein bisschen durch. Weil er eben letztlich jetzt gar nicht unbedingt ein Tölpel ist, aber er ist eben kein Pro. Und er hat auch nicht die Fähigkeiten, das zu machen. Und dadurch wird es dann hoffentlich unterhaltsam und kurios, was halt seine Stärke ist bei diesen Fällen, die sich fast immer um Lebensmittel drehen. Es gibt einen über Oliven, einen über Schokolade usw., oder jetzt einen über Champagner, dass das natürlich seine Kernkompetenz ist und dass ihm dann Sachen da auffallen, die vielleicht dem normalen Polizeiermittler nicht aufgefallen wären.
Michael
00:09:01
Ja, man muss ja auch dazu sagen vielleicht, es nimmt ja auch beträchtlich Raum ein. Die Arbeit des Kochs, das ist jetzt nicht nur so eine Staffage am Rande für all diejenigen, die da noch nicht reingeschaut haben. Aber es ist genau das für dich das Faszinierende an dieser, ich sage mal, Koch-Krimi-Kombi?
Tom
00:09:19
Ja, also das ist ja dann ganz stark auch so ein Spannungsfeld. Also auf der einen Seite sind da ja auch Essensbeschreibungen drin und da wird immer - good guess, wie der Luxemburger sagen würde - und wahrscheinlich zu viel Alkohol konsumiert. Und rauchen tun die auch noch alle. Ja, also sehr...
Michael
00:09:38
Ich habe es befriedigt festgestellt.
Tom
00:09:39
...sehr, sehr genussmäßig noch unterwegs. Und gleichzeitig ist dann aber neben dem guten Essen auch immer das schlechte Essen. Das kommt irgendwie beides in dem Buch vor. Und auf der einen Seite wirkt es vielleicht ein bisschen Appetit, mal wieder so eine schöne französische Brasserie-Küche zu essen. Auf der anderen Seite lässt es einen vielleicht auch manchmal, hoffentlich, ein bisschen nachdenklich zurück. Was schlotze ich mir da eigentlich alles rein? Und wo kommt es her? Ja, das ist jetzt nicht unbedingt die erzieherische Intention, aber das bleibt wahrscheinlich nicht ganz aus.
Tobias
00:10:15
Das ist ein ganz guter Übergang, weil ich habe eben den Michel gefragt: „Weißt du, was es für ein Champagner ist?", er hat gesagt: „Ja", ich habe gesagt: „Den gibt es bei Weinfreunde". Wir haben aber immer noch nicht erklärt, was es für einer ist. Wie gefällt er dir? Du hast jetzt gerade schon einen Schluck probiert.
Tom
00:10:27
Ja, also gut. Ich finde ja, dass doch viele von den Standardmarken-Champagner haben mir fast einen Hauch zu viel Zucker. Und dieser, finde ich, ist angenehm. Er geht fast in Richtung von so einem Extra-Brut, finde ich. Also...
Tobias
00:10:43
Finde ich, finde ich nämlich auch.
Tom
00:10:44
Das ist was? La Clé de La France? Der Schlüssel Frankreichs.
Tobias
00:10:50
Ne, ne, Femme. Die Frau. Ja, ja.
Tom
00:10:53
Oh!
Michael
00:10:53
Noch besser, ne?
Tom
00:10:54
Der Schlüssel zu den Frauen, oder? Ihr wisst ja jetzt...
Tobias
00:10:57
Ja, so haben wir es es fast frei übersetzt. Ja, genau.
Michael
00:11:00
Also ich würde es als Genitiv sehen. De La Femme.
Tom
00:11:03
Der Schlüssel der Frau. Okay, ja.
Tobias
00:11:05
Genau. Und wie du schon sagst, es ist zwar ein Brut, was ja relativ viel Zucker, relativ viel Dosage zulässt, aber ich finde ihn auch wirklich sehr gut gelungen. Ja, genau. Also dafür noch mal ein Dankeschön, dass wir dieses Thema jetzt hier auch in die Praxis umsetzen durften.
Michael
00:11:23
Glücklich ist er.
Tobias
00:11:25
Jetzt mal so gefragt, wie viel von den kulinarischen Freuden und Fertigkeiten steckt denn in dir selbst? Also man müsste jetzt eigentlich automatisch irgendwie denken, du kochst auch gerne und, ja, oder ist das ein Trugschluss und du bevorzugst eher nur den Sitzplatz im Restaurant?
Tom
00:11:45
Nee, ich koche auch ganz gerne. Ich finde, es entspannt mich auch sehr. Oder zumindest hätte ich das gesagt, bevor ich Familie mit Kindern hatte. Dann ist es manchmal das ist ja auch so eigentlich so ein, finde ich, so interessantes Phänomen der postmodernen Wohlstandsgesellschaft, dass Kochen keine Notwendigkeit mehr ist, sondern ein Hobby für viele Leute. Ja, aber wenn es ums Geld geht, muss man dann doch mal nicht immer was bei Lieferando bestellen, sondern mal was selber kochen. Also manchmal ist es auch gar nicht so spannend. Aber grundsätzlich es macht mir Spaß, entspannt mich auch und ich komme auch aus einer Familie, wo es immer sehr viel ums Kochen und um Wein ging. Weil ich komme aus Hamburg, das ist jetzt, hallo, liebe Hamburger, kulinarisch seid ihr nicht berühmt. Aber mein Vater war Badener und meine Mutter war Saarländerin. Also das heißt, da ist der Wein natürlich irgendwie selbstverständlich mit drin. Und auch, da wurde immer selber gekocht und ich glaube, das überträgt sich auch ganz stark auf Kinder, wenn du eben nicht immer nur das Iglo Bordelaise-Filet reingeschoben kriegst. Und obwohl ich ja in den 80ern aufgewachsen bin, was irgendwie auch schön war man konnte, diese ganzen Fertigsachen ja essen, auch so Bistro-Baguettes und diesen ganzen Scheiß. Ja, völlig ohne Dünkel und ohne Reue. Das war total okay, das zu essen. Es war auch so, es war modern.
Tobias
00:13:21
Ich wollte gerade sagen, es war sogar eher ein Highlight.
Tom
00:13:22
Es war, genau. Es war, ja, jetzt gibt's wieder Fischfilet à la Bordelaise und es war modern, aber trotzdem wurde bei uns zu Hause, vor allem am Wochenende, wurde immer, immer selbst gekocht und es wurde auch immer schon morgens beim Kochen die erste Flasche Kochwein aufgemacht.
Michael
00:13:38
Sehr gut.
Tom
00:13:39
Das, also das prägt natürlich so ein bisschen.
Tobias
00:13:43
Okay. Und mit Xavier Kieffer oder „Kiefer". Ich kriege es nicht aus dem System, das „Kiefer" zu nennen.
Michael
00:13:50
Mach einfach.
Tobias
00:13:50
Aber gut, genau. Da ist ja ganz klar der Luxemburg-Bezug da. Gibt es da denn irgendwie für dich so einen speziellen kulinarischen Bezug, warum du das überhaupt so gewählt hast?
Tom
00:14:04
Also ich habe es, glaube ich, nicht aus einem kulinarischen Bezug gewählt, sondern es ist so ein bisschen ein autobiografischer Bezug. Also ich habe bei dem, als ich den ersten Band geschrieben habe, „Teufelsfrucht" hieß der, da wird ein Kritiker eines völlig fiktiven Gastroführers, der „Guide Gabin", der wird also in Kieffers Restaurant ermordet. Und ich wusste bei dieser Story, also ich brauche auch für den - das spoilere ich jetzt nicht, aber das, worum es geht und mit dieser namensgebenden Teufelsfrucht, ich brauche einen Ermittler, der sich wirklich gut mit Essen auskennt und der auch frankofon und frankophil ist. Und dann habe ich so ein bisschen überlegt. Und Franzosen als Figur, als Hauptfigur. Traust du dir das zu? Ist deine Kenntnis der französischen Kultur gut genug? Wahrscheinlich nicht. Und ich habe aber irgendwann mal ein Praktikum in Luxemburg beim Europäischen Parlament gemacht und kannte daher diese Stelle und habe mir gedacht, na, das ist ja doch irgendwie interessant, weil es so, es hat einen Deutschlandbezuges hat einen Frankreichbezug, es ist eine sehr kleine Stadt. Luxemburg Stadt hat so 100.000 Einwohner, wo aber trotzdem relativ viel rum geht, weil da diese EU-Institutionen sind, die Banken usw., da kann viel passieren. Da hab ich gedacht, vielleicht ist das interessant, vielleicht hat es auch für den deutschen Leser so einen leichten Exotikfaktor. Und dann habe ich mich für Luxemburg entschieden. Dann habe ich mir auch erstmal angeguckt, was ist denn da die Küche? Also mein erster Ausgangspunkt war eher, jetzt ist, wie gesagt, Luxemburg sehr klein, also ich glaube, insgesamt gut 500.000 Einwohner. Aber die Sternedichte, die Michelin-Sterne-Dichte ist sehr hoch. Also die ist die ist, glaube ich, die höchste in Europa. Und entsprechend...
Tobias
00:16:03
Das Pro-Kopf-Einkommen ist auch nicht schlecht.
Tom
00:16:05
Das Pro-Kopf-Einkommen ist auch gut.
Tobias
00:16:06
Das passt ganz gut.
Tom
00:16:07
Genau. Also pro Kopf. Je kleiner das Land, umso häufiger werden Pro-Kopf-Statistiken. die Isländer machen das auch immer. Die sagen, wir haben die meisten Goldmedaillengewinner - pro Kopf! Und da habe ich mir gedacht, ja, vielleicht passt es auch deshalb. Und dann habe ich mir erst eigentlich in einem 2. oder 3. Schritt diese lokale Küche angeguckt, und die ist schon ganz, ganz interessant.
Tobias
00:16:32
Ja, da würde ich jetzt gerne vielleicht mal ein Beispiel von dir haben wollen. Und zwar, auch dort gibt es ja Moselriesling in Luxemburg. Was serviert man denn irgendwie in Luxemburg ganz typischerweise zu so einem typischen Wein? Fällt dir da was ein?
Tom
00:16:48
Also es gibt, zum einen gibt es Gerichte, wo der Wein auch drin natürlich verwendet wird, also zum Beispiel Frell am Riesling, also ne Moselforelle in einer Riesling-Sauce. Rieslingspaschteit, Rieslingspastete, also eine Fleischpastete mit außen Teig rum und einem Rieslinggelee, das da drin ist. Das ist also auch sehr gut. Und ansonsten? Ansonsten wird der Wein, also Weißwein natürlich größtenteils, Riesling Auxerrois gibt es auch reinrassig dort, ist auch ungewöhnlich. Oder eben der Crémant. Ich glaube, den gibt es zu fast allem. Also auch dieses Crémant-Trinken, das Gläschen heißt seltsamerweise „Kippchen". Also wenn ein Luxemburger sagt: „Kippchen?", dann will er nicht mit dir rauchen gehen, sondern dann möchte er einen Crémant mit dir trinken.
Tobias
00:17:47
Ist gut zu wissen.
Tom
00:17:47
Und das kann zu jeder Tages- und Nachtzeit passieren. Und also andere bekannte Gerichte sind, oder das Nationalgericht quasi ist Judd mat Gaardebounen. Das ist ein gepökelter Schweinenacken, so ein bisschen Kassler-artig, und dazu gibt es so Saubohnen. Die sind aber in einer Soße, wo, da ist Mehlschwitze drin, da ist auch ein bisschen Wein drin und, ich glaube, noch ein paar Kräuter. Also häufig hat es so was, ich erkenne hier das deutsche Gericht, das Rheinland-Pfälzische, Saarländische erkenne ich wieder. Aber ich erkenne gleichzeitig auch schon die französischen Einflüsse, dass das mit ein bisschen mehr Raffinesse gemacht wird.
Tobias
00:18:42
Es erinnert mich jetzt spontan sehr auch ans Elsass, also auch durchaus rustikal, aber dann halt eben doch so mit dem französischen Twist irgendwie.
Tom
00:18:51
Genau, Elsass und Lothringen, das ist ja, das ist diese sogenannte Großregion, die es da gibt, die besteht eben aus Luxemburg und Saarland und Lothringen und auch noch, glaube ich, Teilen von Belgien. Das ist so ein Verbund, die dann auch so Kooperationen in Wirtschaft und Infrastruktur usw. haben. Und die begreifen sich auch so ein bisschen als eine kulturelle Einheit. Es gibt ja auch noch ein belgisches Kanton, das auch Luxemburg heißt.
Michael
00:19:23
Wo die Mutter lebt, ne?
Tom
00:19:24
Ja, genau. Arlon und so. Also das ist, das geht alles so ineinander über und man kann da überall Einflüsse wiederfinden. Also bei den Luxemburgern ist es natürlich auch so, dass die also über Jahrhunderte immer fremdbestimmt waren. Also die Letzten, die unrühmlich da waren, waren natürlich die Deutschen.
Michael
00:19:46
Wo nicht?
Tom
00:19:47
Die waren von Nazis besetzt, aber vorher auch lange von Frankreich und lange aber auch zum Beispiel von den spanischen Habsburgern. Das heißt also, man kann zum Beispiel auch sogar Einflüsse aus der kastilischen oder spanischen Küche, kann man da noch finden bei ein, zwei Gerichten.
Michael
00:20:04
Und bis heute sind die auch sprachlich nicht so ganz so weit entfernt. Also so ein Moselfränkisch gibt es ja in verschiedenen Varianten in der ganzen Gegend.
Tom
00:20:13
Ja, ja, genau das. Also das kann ein Saarländer oder so kann das leichter verstehen als jetzt jemand, der Hochdeutsch spricht. Und es ist, das ist dann auch, da hängt auch Sprache und so Essen usw. zusammen. Es ist heute so, dass dieses Lëtzebuergesch, das ist die Nationalsprache und das ist auch sozusagen ein verbindendes Element. Und das müsste man auch, wenn man Staatsbürger werden will, müsste man auch Sprachkenntnisse nachweisen usw. Aber früher war das eher so, das war die Sprache des einfachen Volkes und das hat man zu Hause gesprochen. Und im öffentlichen Raum und im Geschäftsleben hat man Französisch gesprochen. Und die Oberschicht hat, wie in vielen Teilen Europas, Französisch gesprochen. Und im gleichen Sinne haben wir auch gesagt, dass diese luxemburgische Küche, das ist deftig, das ist kein feines Essen. Wenn wir in ein Restaurant gehen in der Stadt am Samstag, ja, dann essen wir Französisch. Weil, also dieses Französische, das hatte dann so eine herausgehobene Stellung. Ist jetzt vielleicht tendenziell immer noch so, wird jetzt irgendwie anders, aber daher kommt auch das da, also man kann da auch einfach sehr gut klassisch französisch essen gehen.
Tobias
00:21:35
Ja, ja, also ich merke immer mehr, wir sitzen zwar hier wunderschön bei Kiepenheuer & Witsch direkt am Kölner Dom, aber beim nächsten Mal treffen wir uns, glaube ich, in Luxemburg, oder?
Tom
00:21:45
Treffen wir uns in Luxemburg.
Tobias
00:21:45
Ja.
Michael
00:21:46
Ja.
Tom
00:21:46
Portugiesisch kann man lustigerweise auch sehr gut essen, weil der, das ist jetzt etwas flapsig, aber was dem Deutschen der Türke als Immigrant, ist dem Luxemburger der Portugiese.
Tobias
00:21:59
Ach, was? Das wusste ich noch nicht.
Tom
00:22:00
Deshalb kann man überall einen Galão trinken und man kann Bacalhau essen...
Michael
00:22:07
Wunderbar.
Tom
00:22:07
Pasteis de Nata usw. Das gibt es alles, ja.
Michael
00:22:10
Ja, ich weiß. In meinem Lieblingsfußballverein spielt ein Luxemburger, dessen Name aber ganz klar Portugiesisch ist. Ja, so, vielleicht verlassen wir doch mal das schöne Luxemburg. Nicht, weil wir da abschätzig drüber hinweggehen wollen, sondern - nein, es gibt nämlich noch was Spannendes. Deine Romanhandlung führt uns ziemlich in die Champagne. Nicht ganz so weit weg. Ist bequem erreichbar von Luxemburg aus mit dem Auto. Und sag uns doch bitte mal, was führt unseren Ermittler, Xavier Kieffer, denn in die Champagne?
Tom
00:22:45
Also im Prinzip seine eigene Biographie der. Bevor der dieses, sagen wir, regionale Spezialitätenrestaurant in Luxemburg hatte, war der mal in der Sterneküche tätig. Wollte eigentlich auch Sternekoch werden, mit eigenem Restaurant und hat gelernt, so in den späten 80ern, in einem Restaurant in Châlons, in der Champagne. Und er trifft einen alten Bekannten wieder, Luc Reiser heißt der Mann. Den kennt er aus der damaligen Zeit, und der hat inzwischen ein Champagnerhaus.
Michael
00:23:33
Haben die quasi die Ausbildung zusammen gemacht?
Tom
00:23:34
Sie haben genau der. Der hat so eine Sommelierausbildung gemacht in dem Restaurant. Und jetzt hat aber dieser Luc Reiser quasi qua Geburt, war sein Geburtsrecht. Seine Familie hat seit Langem ein Champagnerhaus und das hat er übernommen. Und dann sagt er, hey, Mensch, dann kommst du doch mal bei mir vorbei, wenn du Lust hast. Ja, treffen sich zufällig in Paris wieder. Und dann sagt er, ja, Mensch, dann, das ist doch nicht weit von hier. Kommst du mal? Guckst du mal, was wir da so machen, wenn du Lust hast. Und deshalb fährt er überhaupt dahin, um seinen Freund, sagen wir, Bekannten, ja, mit dem er auch irgendwie eine Geschichte hat, den zu besuchen. Er muss dann auch feststellen, dass seine Exfreundin inzwischen mit dem Typ verheiratet ist. Das ist auch erstmal vielleicht so, muss man mal drüber nachdenken, ne? Ob einem das völlig egal ist oder ob das irgendwie irgendwas bei einem auslöst. Also das merkt er schon so, das ist ganz interessant. Und dadurch gerät er in eine Geschichte hinein. Und es ist dann natürlich auch so, und das habe ich mir jetzt sozusagen nicht für dieses Buch ausgedacht, sondern seltsamerweise steht im ersten Teil schon drin, dass er in Châlons diese Lehre gemacht hat. Und das ist mir dann, man vergisst ja, was man so schreibt. Ich kann mich kaum noch an die ersten Bücher erinnern, aber als ich dann nochmal reingeguckt habe, habe ich gesehen, ja, Mensch, das ist doch ein interessanter Aufhänger. Weil das heißt ja nicht nur, dass der vielleicht ein bisschen was über Champagner weiß, der weiß auch was über die Gegend, auch wenn sie jetzt seine Ortskenntnis 30 Jahre alt ist. Und er kennt auch ein paar Leute. Und vor allem, und das fand ich auch interessant, hat er natürlich irgendwie eine persönliche Erfahrung oder eine persönliche Meinung zu dieser Gegend, die möglicherweise im Kontrast auch steht zu der Hochglanzversion, die viele andere Leute kennen. Weil es natürlich ein großer Unterschied ist, ob du mit Geld in der Tasche zu einem schönen Relais & Châteaux fährst, dich da 4 Tage einmietest und dann 3 Champagner-Hausbesichtigungen machst, oder ob du 19 bist und als quasi Schütze A im letzten Glied in der Küche im 1. Lehrjahr vor dich hin schuftest.
Tobias
00:25:53
Ja, allerdings.
Tom
00:25:53
Das ne? Sozusagen du bist hinter den Kulissen auf der Serviceseite und da sieht die Champagne, wie wahrscheinlich jeder andere Ort, gar nicht so pretty aus.
Tobias
00:26:07
Ja. Ja, danke sehr, Theresa. Ihr könnt das jetzt nicht sehen, aber es wird hier sogar nachgeschenkt. Es ist wirklich fantastisch. Was ich auch fantastisch fand, in deinem neuen Buch waren die Namen der, man muss ja dazusagen, fiktiven Champagnerhäuser. Ich nenne mal ein paar Beispiele: „Ledoux & Duvalle" oder „Brillat-Chabrol", „Veuve Aulnoit", französische Aussprache ist wahrscheinlich nicht perfekt, oder auch, das fand ich ganz toll, Philippe Fleiderer. Wie viel Spaß hat man da beim Erfinden von solchen Namen?
Tom
00:26:45
Das macht natürlich großen Spaß. Und es ist natürlich, es muss natürlich, also man darf nichts direkt wiedererkennen, aber man muss das Gefühl haben, von dem Sound so, ja, so könnte ein Champagnerhaus ja heißen. Und ich habe eine, habe eine lange Liste gehabt von, ich glaube, also insgesamt so 30 Namen oder so. Und zum Schluss habe ich gedacht, na gut, die alte journalistische Sorgfaltspflicht, also man weiß aus Erfahrung, wie schnell man einstweilige Verfügungen von sehr großen Anwaltskanzleien geschickt kriegt. Ich google jetzt noch mal alle Namen nach, dass es wirklich keinen von denen gibt. Und das Schockierende war, dass ich 25 % der Namen gefunden habe.
Tobias
00:27:30
Oh nein!
Tom
00:27:30
Und dann musste ich die also noch mal ändern. Auch ein paar, die eine wichtige Rolle gespielt haben, aber, also das zeigt, hat mir nur noch mal gezeigt, dass es eigentlich erstaunlich viele Champagnermarken gibt. Also die meisten Leute kennen wahrscheinlich Moët, Veuve, Taittinger, Bollinger. Bollinger ist schon fast schon special auf dem deutschen Markt. Die Engländer kennen das alle. Und dann noch Mercier wahrscheinlich noch, weil es ein Massenhersteller ist, und noch 3, 4 andere. Aber es gibt so verdammt viele. Und wenn man in der Champagne in so einer Bar sitzt und die Karte durchblättert, in anderen Gegenden sind da dann viel zu viele Gins drinnen. Da sind viel zu viele Champagner drin. Irgendwelche kleinen Winzerchampagner und sowas, von denen man noch nie gehört hat. aber das macht natürlich Spaß. Ja, und das Spielchen spiele ich aber sowieso auch immer mit Restaurants. Auch die Restaurants haben alle fiktive Namen. Ich habe auch mal irgendwo eine Liste gemacht. Es waren bestimmt über diese ganze Serie mit 8 Bänden, weiß ich nicht, 200 Restaurants.
Tobias
00:28:42
Ui, Wahnsinn.
Tom
00:28:42
Und wenn man aber sozusagen sich ein bisschen auskennt, dann kann man Vermutungen anstellen, wer das sein könnte.
Tobias
00:28:51
Ja, ja.
Tom
00:28:52
Bei den Luxemburger Restaurants vor allem, weil...
Tobias
00:28:55
Das denke ich mir.
Tom
00:28:55
...das sind nicht so viele.
Tobias
00:28:56
Ne, ich wollte grad sagen. Das ist übersichltich.
Tom
00:28:56
Es gibt nur einen Sterne-Japaner in der Luxemburger Unterstadt.
Michael
00:29:02
Zum Thema Recherchieren noch mal. Jetzt steht ja der Champagner im Mittelpunkt und auch so ein bisschen die Champagnerhäuser. Du schreibst aber in dem Buch auch viel darüber, wie wird Champagner überhaupt erzeugt? An welche Regularien muss man sich halten, damit das überhaupt ein Champagner ist? Hat diese Art von Recherche auch Spaß gemacht? Und vor allen Dingen, hatte die auch pragmatische, praktische Züge?
Tom
00:29:28
Ja, das ist sozusagen ja der Teil, der auch von dem, was ich vorher gemacht habe als Wirtschaftsjournalist, also da hilft mir ein bisschen, was ich da gelernt habe. Also Quellen, große Mengen von Material völlig ohne ChatGPT zu durchsuchen und zu lesen und das alles rauszusuchen. Und da sagen dann nachher Leute auch immer wieder: „Ja, und wie haben Sie denn das rausgefunden? Und das weiß doch niemand!" Und da muss ich immer an das denken, was mal einer unser Journalistenschullehrer für Investigativrecherche gesagt hat. Investigativrecherche ist zunächst einmal, dass man das auch durchliest. Und die meisten Sachen, auch die meisten Kontroversen oder schrecklichen Sachen, es gibt irgendwo einen Report, ja, vom European Union Committee for Human Rights oder so, ja, wo alles über Schwarzarbeit in der Obstbranche oder alles über Kinderarbeit in der Schokoladenbranche drinsteht. Den gibt es auf Englisch und Französisch. Und er hat 600 Seiten und niemand hat ihn je gelesen. Und also insofern ist es sehr viel Material, was man durchgucken muss. Aber ich fand es bei dem Champagner durchaus faszinierend, auch weil da wirklich der Kontrast so groß ist zwischen dem projizierten Image und der Realität. Also wenn ich jetzt, wenn ich jetzt billige Tomaten bei Aldi kaufe, vielleicht weiß ich, dass die aus Südspanien kommen. Und vielleicht kann ich zumindest ahnen, dass, wenn es da sozusagen um den Pfennig geht, dass da möglicherweise nicht alle Arbeitsschutzbestimmungen eingehalten werden oder dass da vielleicht Schwarzarbeiter sind. Ja, aber hier haben wir es ja mit Produkten zu tun, vor allem bei den Top of the Line-Produkten von den großen Häusern, wo das Marketing wirklich perfekt ist. Die gehören ja häufig auch zu diesen, also Moët & Chandon zum Beispiel gehört ja zu LVMH - Louis Vuitton, Moët, Hennessy - und die wissen natürlich genau, wie man eine Marke positiv auflädt, wie man das macht und auch, wie man kontrolliert, was der Kunde selbst, der interessierte Kunde sehen kann und was nicht.
Michael
00:32:05
Und es ist immer direkt viel Geld damit verbunden.
Tom
00:32:08
Sehr viel Geld! Also, wir reden ja, ich glaube, der Gesamtmarkt sind ungefähr $ 6,5 Milliarden im Jahr. Über 300 Millionen Flaschen. Und das heißt zum einen, dass es ein großes Interesse daran gibt, dieses positive Image zu projizieren. Das heißt aber zum anderen natürlich auch immer, dass es, und das sind nicht unbedingt die großen, aber dass es immer ein paar Vögel im Markt geben wird, die sagen, ey, da ist so viel Geld drinnen, wir wollen auch was davon abhaben, aber wir wollen uns eigentlich nicht dafür anstrengen. Und wie kriegen wir das hin? Und das ist, glaube ich, auch in diesem Markt auf jeden Fall so.
Michael
00:32:43
Also wir kennen zum Beispiel dann Geschichten, wo dann plötzlich Trauben richtig geklaut werden und anderen...
Tom
00:32:50
Fantastische Geschichte!
Michael
00:32:51
...zugeführt werden. Und solche Geschichten. Wir kennen die Probleme mit Pflanzenschutz, teilweise mit den problematischen Bodengeschichten. Also ich glaube, das meintest du, ne? Champagner glänzt nicht nur und perlt und prickelt nicht nur, da gibt es auch so ein paar Schattenseiten.
Tom
00:33:08
Da gibt es, also das mit den Schwarzarbeitern ist jetzt, was den ethischen Teil angeht, wahrscheinlich die frappierendste. Dass es natürlich auch bei den Trauben so ist wie bei dem Gemüse und beim Spargel. Niemand will das Zeug mehr ernten, keiner hat mehr Bock, diese Arbeit zu machen. Und da gibt es Schwarzarbeiter, die dann auf Tagelöhnerbasis in den Weinbergen arbeiten und die werden morgens irgendwo abgeholt. Und dann sagen wir jedem, hier, heute 12 Stunden Arbeit, 50 €. Und die wohnen irgendwo in Zelten im Wald. Und das wissen auch alle. Man weiß nicht genau, wie groß das Problem ist, aber es hat mir zum Beispiel bei einer Lesung eine Dame erzählt, sie hätten auch so eine Führung gemacht und hätten sie auch gefragt, wie das denn mit der Ernte wäre. Und dann hat er denen erzählt, ja, und das sei gar kein Problem, weil die Leute finden also Champagner so geil, dass selbst also quasi gut betuchte Leute, also Ärzte oder so, die nehmen sich eine Woche frei, um an der Champagnerernte teilzunehmen und da zu arbeiten. Und dann gehen sie abends schön essen usw. Ja, Maybe.
Michael
00:34:17
Ja, 3.
Tom
00:34:19
Oder eine Stunde lang.
Tobias
00:34:20
Ich wollte grad sagen die bleiben, die bleiben dann nur ne Stunde.
Tom
00:34:22
Die bleiben eine Stunde, ja, und dann geht es, dann geht es ins Restaurant. So, ja, und das ist das eine. Das andere, das fand ich auch interessant, dass das ja schon ein Geschäft ist, das, ich glaube, das gilt wahrscheinlich für Wein generell, aber für Champagner auch sehr stark, das finanziell recht risikoreich ist. Weil, also ich habe hier bei dem, den wir haben, auch schon auf die Flasche natürlich hinten drauf geguckt, da steht irgendwo ein kleiner Code drauf. Und es gibt diese Winzerchampagner, die wenigen, sage ich jetzt mal, wo RM draufsteht, Récoltant Manipulant - ich nehme meine Trauben, ich ernte sie, ich mache Champagner draus. Aber die meisten anderen machen das ja nicht, sondern sie sagen: Liebe Winzer, hier, ich sage mal despektierlich, hier, gib mal die ganze Suppe her. Ja, wir kaufen von euch die Suppe und dann machen wir daraus so eine Art Cuvée. Wir mischen das alles, dass wir das Geschmacksprofil haben, das wir haben wollen. Dann wird noch gezuckert, einmal, zweimal. Und das ist dann der Champagner. Das heißt aber natürlich auch, dass ich diese Leute, die mir die Trauben liefern, die muss ich erst mal bezahlen.
Tobias
00:35:41
Klar.
Tom
00:35:42
Und dann dauert es sehr lange, bis ich diesen Champagner verkaufen kann. Also mindestens 15 Monate, glaube ich, so glaube ich, 12 Monate auf der Hefe und dann noch mal 3 Monate, glaube ich, nachdem die Hefe raus ist. Aber das ist ja das absolute Minimum. Also wenn man jetzt wirklich gute Sachen machen will, dann muss der ja in dieser Flasche unter Umständen bis zu 5 Jahre glaube ich, ne? Liegt er ja.
Tobias
00:36:07
Teilweise noch, teilweise noch länger, ja.
Tom
00:36:09
Und das ist ja erstmal alles totes Kapital.
Tobias
00:36:12
Ja.
Tom
00:36:13
Und natürlich wird es da den einen oder anderen geben, der sagt, hey, 12 Monate. 10 Monate? Merkt das, irgendjemand? Merkt das, wenn ich das an so einen Supermarkt in Russland verkaufe? Russland geht jetzt nicht mehr, oder meinetwegen Supermarkt in Nevada. Merkt das irgendjemand? Ja? Und das Gleiche gilt auch, das ist sozusagen, das sind so Sachen, da sind wir jetzt hier in der Fiktion, das ist einfach auch sehr, sehr schwer nachzuweisen. Oder wir sind in der Spekulation und ich arbeite damit dann in der Fiktion, dass diese Champagne ja, das merkt man ja auch, wenn man da durchfährt. Die haben schon sozusagen alle Ecken, wo man Wein hinstellen kann, haben Sie den auch hingestellt. Und die Regularien sind, weil die natürlich ihre Marke und ihre Qualität erhalten wollen, auch so, dass ich jetzt nicht sagen kann, ich hätte hier hinten aber noch einen großen Parkplatz, ich könnte den doch, jetzt, ich mache da ein Feld draus und dann kann ich da doch Chardonnay anbauen? Ist doch geil! Ja, plötzlich mein Quadratmeterpreis verdreißigfacht sich. Ja, das geht aber natürlich nicht, sondern das müsste erst ausgewiesen werden. Also im Prinzip sind die Flächen ausgemaxt. Das heißt, die Menge ist ausgemaxt. Wir sind aber schon bei 6,5 Milliarden und jeder würde gern 7 Milliarden verdienen und dann würde er 7,5 Milliarden verdienen usw.
Tobias
00:37:42
Also muss er es irgendwie anders machen.
Tom
00:37:43
Also muss man das irgendwie anders machen. Und natürlich ist auch hier, kann man sich die Frage stellen, ja, das ist jetzt kein ganz kruder Betrug. Den gibt es natürlich auch, dass Leute einfach Wein nehmen und da CO2 reinpumpen. Das ist auch schon vorgekommen. Aber der sozusagen weniger krude Betrug ist natürlich zu sagen, na gut, jetzt habe ich hier 50 Weine, die habe ich in meinen Champagner gemischt. Und jetzt habe ich hier aber noch ein bisschen Chardonnay übrig. Und der ist nicht aus der Champagne, sondern der kommt von 2 Kilometer weiter. Der unterscheidet sich eigentlich fast gar nicht. Merkt doch keiner. Den kippen wir da auch noch rein. Ja, können wir noch, haben wir noch mal, komm, nehmen wir noch mal und dann haben wir noch den. Und dann haben wir noch hier den aus, den haben wir auch noch. So. Es merkt keiner und schon können wir 50.000 Flaschen mehr verkaufen. Und ist doch eigentlich niemand geschädigt worden. Das verdünnt sich ja auch so! Also das sind bestimmt die Ausreden, die es dann auch vor sich selbst gibt und das kann ich nicht nachweisen, dass das passiert. Aber ich bin mir relativ sicher.
Michael
00:38:39
Also man bemüht sich ja, das zu kontrollieren.
Tom
00:38:42
Man bemüht sich, das zu kontrollieren, genau.
Michael
00:38:43
Vor, so viel Ertrag pro Hektar ist jetzt zulässig.
Tom
00:38:46
Genau.
Michael
00:38:46
Und daraus dürften dann eigentlich theoretisch nur so und so viele Hektoliter entstehen. Wenn es nachher mehr Flaschen gibt, ja, da muss man gucken, wo der herkam.
Tobias
00:38:55
Der Kontrolleur, der steht ja nun jetzt tatsächlich nicht 24/7 irgendwie mit im Weinberg, oder vor allem auch nicht mit im Keller. Aber ich meine, andererseits für dich als Autor von, ja, dann auch so einem Krimi-Stoff, den du dann auch in die Champagne jetzt halt eben auch gepflanzt hast sozusagen, ist das ja eher ein Vorteil, oder? Also wenn es diese, auch wenn du sagst, na ja, das ist nicht zu beweisen, es gibt aber sozusagen Verdachtsmomente und so, also das kann ja für den Stoff, den du darüber schreibst, eigentlich nur hilfreich sein, oder?
Tom
00:39:27
Das kann nur hilfreich sein. Also weil letztlich ist ja, also Krimiautoren versuchen also immer wieder neue Sachen, um dieses ja jetzt doch schon sehr betagte Konstrukt des Kriminalromans noch mal origineller und interessanter zu machen. Aber letztlich kommen wir ja immer darauf zurück, dass das Mordmotiv, und das wird ja auch durch die, quasi durch die Kriminalstatistik gedeckt, ist immer entweder Eifersucht oder Habgier, Gier. Und dann gibt es auch noch einen Anteil natürlich von Missbrauch, Gewalt, wo man sagt, und jetzt, aber jetzt bring ich ihn um. Ja, aber im Wesentlichen ist es Eifersucht und Habgier. Und in diesen ganzen Essensfällen kann man natürlich, mit dieser Gier kann man sehr gut arbeiten. Und unser Wirtschaftssystem, ich bin ja eigentlich überzeugter Kapitalist, aber unser Wirtschaftssystem funktioniert natürlich immer auch so, dass quasi die, also Habgier oder Gier, das klingt jetzt so, es klingt ja immer so biblisch, ja, aber es ist ja einfach nur wirklich das, dass ich mir angucke, die Leute wollen alle jetzt neuerdings Pesto auf ihre Spaghetti. Da sind lauter teure Sachen drin. Teures Olivenöl, teure Pinienkerne, teures Basilikum, teurer Pecorino. Wie könnte ich denn diese Zutaten zumindest teilweise substituieren, damit es genauso schmeckt, aber meine Marge ein bisschen hoch geht? Und wenn man das eine Zeit lang macht, vergisst man natürlich auch, wie weit man das jetzt, und zum Schluss ist von den Inhaltsstoffen gar keine mehr drin. Überhaupt keine mehr. Ja, also „kann Spuren von Olivenöl enthalten". Und wenn 2 % drin sind, dann darf man draufschreiben: „mit echtem, nativem Olivenöl".
Tobias
00:41:30
Ja, ja, ein bisschen Käsepulver, oder?
Tom
00:41:31
Ja, genau. Und das ist bei allen Lebensmitteln so und das ist natürlich auch bei dem Champagner ein bisschen, glaube ich, so. Also, dass es da Vögel gibt.
Tobias
00:41:46
Ja, wobei, also ich muss ja dann so ein bisschen eine Lanze für die Champagne brechen, weil klar, ich bin grundsätzlich bei dir. Auf der anderen Seite finde ich es schon sehr beeindruckend, wie so Häuser wie Moët & Chandon, auch beispielsweise mit dem Dom Perignon, was ja wirklich ein erstklassiger Champagner ist, wie die dann doch in der Lage sind, so eine gute Qualität Jahr für Jahr auf die Flasche zu bringen und das ja, sage ich mal, in Stückzahlen, wenn man das dann mal hört, die sind ja total irre. Also man denkt ja bei so hochwertigen Champagner, ja gut, das sind dann auch nicht so viele Flaschen. Nein, es sind Millionen Flaschen. Und das hat die Champagne, das haben die schon einfach perfektioniert. Das muss man schon sagen.
Tom
00:42:28
Und das ist, ich finde es fast noch erstaunlicher, dass sie das geschafft haben. Weil, also wenn du dir sozusagen die Geschichte der Champagner anguckst, also Dom Perignon ist ein gutes Stichwort, weil Dom Perignon ist natürlich auch eigentlich so ein Marketing-Bullshit. Also nicht das Produkt Dom Perignon, sondern die Geschichte des Mönchs Dom Perignon, der den Champagner erfunden hat und dann gesagt hat, kommt schnell, ich habe die Sterne gekostet. Also ist komplett ausgedacht. Ist so eine Origin-Story, sagt man ja immer. Aber das ist genau wie auch die von diesen komischen Notizbüchern, die angeblich schon Leonardo da Vinci benutzt hat. Es ist alles komplett ausgedacht. So, und weil die Ausgangslage war ja eigentlich die, es ist die nördlichste Weinanbauregion in Frankreich. Und früher haben alle gesagt, ihr habt nur Wein, der ist uns zu sauer und der ist uns zu mineralisch. Und dann sind da auch noch komische Blasen drin. Weil nämlich, wenn ihr es in die Flasche gefüllt habt, die Fassgärung noch nicht komplett beendet war, weil es da so kalt ist. Und ihr habt ein sehr, sehr minderwertiges Produkt und es ist quasi nur zum Saufüttern. Und dann haben die es aber irgendwie geschafft, aus diesem Produkt dieses fantastische Champagnerprodukt zu machen und dafür eben eine Methode zu entwickeln und die auch immer weiter zu verfeinern. Ja, von der Agraffe mit dem Korken von, wie die Flaschengärung ist usw. Also so, dass jemand auch über quasi über Jahrhunderte immer sagt, ja, jetzt ist es schon ganz gut, aber wir sind da immer noch nicht zufrieden mit. Und ich glaube, das ist das Mindset, das die bis heute haben und dass die immer noch sagen: Wie kann ich das noch besser machen? Und das ja nicht nur vor dem Hintergrund, dass diese Ausgangslage eigentlich so war, dass man früher gesagt hat, na ja, ihr seid jetzt von der Sonne nicht begütert und von allem anderen auch nicht und euer Boden ist zu kalkig. Also was jetzt der Vorteil ist. Wir machen aus unserem Nachteil einen Vorteil. Und dann war das noch das Gebiet, was im Ersten Weltkrieg und im Zweiten Weltkrieg und auch noch, glaube ich, in ein, zwei Kriegen davor jedes Mal entsetzlich verheert worden ist. Die Bevölkerung hat fürchterlich geblutet. Die Weinberge sind zerstört worden. Und jedes Mal sind sie wieder aufgestanden und gesagt: Ja, aber wir wissen noch, wie es geht. Wir haben immer noch unsere Methode im Kopf und wir wissen, wenn wir jetzt wieder anfangen, kommen wir wieder genau auf die gleiche Qualität. Das ist total beeindruckend.
Tobias
00:45:05
Absolut. Dem auch immer treu zu bleiben. Trotzdem zu verfeinern, aber den eigentlichen Weg nicht zu verlassen. Wenn wir da jetzt ein bisschen praktischer drüber nachdenken, jetzt für die Recherche deines Buches, wie war denn da so der, ich sage mal, der Verkostungsteil? Also ich sage mal, das eine ist ja, die ganzen Begriffe sich reinzuziehen mit Tirage und Dosage und Remuage usw., aber hast du denn auch viel einfach verkostet und probiert?
Tom
00:45:31
Ich habe verschiedene Sachen probiert, ja. Ich trinke ja normalerweise, ich ich trinke ja normalerweise gar keinen Alkohol. Das ist ja, ich trinke ganz selten mal abends einen Schluck Wein.
Tobias
00:45:42
Oder vormittags mal einen Schluck Champagner beim Podcast.
Tom
00:45:45
Ja, genau. Also genau. Also außerdem, außer meinem Glas Champagner am Morgen trinke ich überhaupt nichts, genau. Und insofern war das für mich auch eine gewisse Herausforderung, weil ich dann auch, nach 3 Gläsern bin ich auch schon ziemlich zu. Und habe aber dann irgendwie in der Champagne Sachen probiert, also das ist ja das Tolle, man kriegt ja, selbst wenn man irgendwie in München relativ weit weg davon ist, man kriegt viele verschiedene Sachen. Aber wobei ich ehrlich sagen muss, also das genaue Geschmacksprofil von diesem oder jenem, das hat mich gar nicht so interessiert. Also mich hat mir die Methode und der Prozess und der, auch der wirtschaftliche Teil dahinter interessiert. Und der ist ja jetzt nicht bei allen gleich. Also das funktioniert bei so einem großen Haus natürlich besser oder anders als bei den kleineren, die ja deswegen auch teilweise so im mittleren Segment ganz große Probleme haben, weil wenn du so einen Keller voller Wein hast wie Moët & Chandon und das eine Jahr ist mal nicht so gut, dann kannst du das ausgleichen, indem du aus deinen Depots sozusagen was rausnimmst. Ja, und das kann der Kleinere nicht. Und diese Sachen haben mich sehr interessiert. Also was mich am meisten, glaube ich, geschmacklich verwundert hat, ich habe einen so einen Jahrgangschampagner getrunken, der schon sehr, sehr lang gelegen war. Ich glaube, der war von Mercier und da ist dann, da sind die Blasen dann fast raus.
Tobias
00:47:23
Richtig.
Tom
00:47:25
Und der hat so eine Tokajer-artige Farbe und einen ganz interessanten Geschmack. Aber fand ich auch, war auch ein, na ja, nicht wie ein Likörwein. Ein bisschen vielleicht. Aber er war auf jeden Fall ein interessantes...
Tobias
00:47:38
Verändert sich dann schon sehr.
Tom
00:47:39
...total Ungewöhnliches Produkt. Und ich weiß nicht genau, wozu man den trinkt. Vielleicht kann man den gut zum Dessert trinken oder so, aber das fand ich interessant, dass es auch auch sowas gibt. Und wahrscheinlich gibt es irgendwelche Nerds, die auf irgendwelchen Internetseiten suchen, ob sie noch Flaschen kriegen, die in diesem und jenem Stadium sind.
Tobias
00:48:00
Ja, es gibt schon ausgewiesene Altchampagnerfreaks. Und da ist es dann auch normal, sage ich mal, ein Champagner aus den 70ern oder sogar noch davor, dass der gar keine Kohlensäure mehr hat. Also das ist dann auch einfach so, das ist dann kein Fehler oder so was.
Tom
00:48:16
Es gab, glaube ich, sogar mal von einem großen Champagnerhersteller, die hatten so ein Experiment, wo sie Flaschen im Meer versenkt haben.
Tobias
00:48:26
Ja, das wird ganz gerne gemacht.
Tom
00:48:28
Um dann auch zu gucken, was denn da über die fünf Jahre passiert, wenn da ein Gegendruck auch ist und so, ne?
Tobias
00:48:34
Ja, Druck spielt ja ne Rolle bei Champagner.
Tom
00:48:35
Ja, genau.
Michael
00:48:38
Jetzt haben wir die ganzen letzten Minuten eigentlich eher über das Verhängnisvolle an der Champagne und an der Champagnerherstellung gesprochen. Wie geht es denn da deinem Protagonisten? Der stolpert ja auch in diese Thematik mehr und mehr rein. Was ist sein größtes Erschrecken und wovor sollten wir uns als Leser des Buches nicht fürchten? Was kommt da auf uns zu?
Tom
00:49:03
Ach so, ja, es ist, also kann man vorher zur Entwarnung sagen, es ist so ein bisschen, es ist relativ cozy. Ja, also das ist, es ist nicht der skandinavische Krimi, wo Menschen alle vier Seiten schrecklich zu Tode gequält werden, und das Blut - also, es fließt mehr Wein als Blut, glaube ich, in dem Buch. Aber ich glaube, diese, zum Beispiel diese Problematik menschlichen Elends, auch mit diesen, mit Schwarzarbeitern usw., das kommt, das wird schon auf jeden Fall deutlich thematisiert. Und natürlich gibt es eine Leiche. Also mindestens eine. Es muss mindestens eine Leiche geben, sonst wäre es ja nicht, sonst wäre es ja kein Krimi. Vielleicht sind es auch mehrere, aber das, das ist aber ansonsten, glaube ich, häufig. Häufig leidet der auch selber, weil der eben, wie gesagt, sehr, sehr tölpelhaft ist oder sehr unprofessionell. Und der kriegt häufig selber einfach mordsmäßig aufs Maul, weil also jedes Mal, wenn er dann versucht, den, vielleicht nicht den James Bond, aber den Jean-Paul Belmondo oder irgendwas zu spielen, geht es halt bei diesem 50-jährigen, etwas übergewichtigen Kettenraucher jedes Mal kolossal schief. Verfolgungsjagden sind auch immer ein Desaster. Nach spätestens 300 Metern ist er fertig.
Tobias
00:50:38
Und Autorität hat er ja nun mal auch nicht, weil er ist ja, er ist ja kein Kommissar. Du hattest es ja anfangs schon ein bisschen beschrieben. Ist denn genau das irgendwie so das Reizvolle, dass er halt eben kein Kommissar ist, sondern einfach nur Koch? Dass du ihn ja da auch so ein bisschen anders inszenieren kannst und ihm das dann auch so passiert und er da auch so schwach dann eigentlich ist?
Tom
00:50:58
Genau. Er ist natürlich auf der anderen Seite auch dann jemand, mit dem man vielleicht sogar eher redet. Also die 2 Leute, mit denen niemand reden will, ist die Polizei und die Presse. Ja, mit beiden möchte man eigentlich möglichst nicht reden. Und er hat, zumindest glaubhafterweise, also er wird nichts veröffentlichen und er verpfeift keinen. Und das hilft ihm zum Beispiel jetzt in diesem Fall, mit diesen Schwarzarbeitern zu sprechen. Also wo er noch so ein bisschen, er hat natürlich so ein bisschen Schützenhilfe auch. Der hat ein paar Freunde, die ihm helfen. Er hat einen Kumpel, der sehr computerversiert ist, der bei so einem, in Luxemburg gibt es ja viele Start-ups, da gibt es auch so ein kleines Silicon Valley, und da kennt er jemand, der ihm also bei solchen technischen Sachen hilft. Er hat außerdem eine Freundin, eine Pariserin, die bei dem völlig fiktiven Guide Gabin arbeitet, die sogar quasi die namensgebende Person ist, Valérie Gabin. Und die hat natürlich total viel Kontakte auch in die Gastro und in die Food-Szene und ist außerdem Journalistin. Also die kann sogar recherchieren. Und immer, wenn er da nicht weiterkommt, können die ihm so ein bisschen helfen. Ich glaube, sonst würde er es, also wenn ihn die anderen Leute nicht teilweise so ein bisschen tragen, dann würde er komplett gegen die Wand laufen.
Tobias
00:52:40
Ja, ja.
Michael
00:52:41
Das fand ich aber...
Tom
00:52:42
Technisch völlig unbedarft und so.
Michael
00:52:43
...total sympathisch an dieser Geschichte. Da gibt es ja auch keinen großen Wissenschaftsapparat, der irgendwelche, weiß ich nicht, verqueren Fingerabdrücke oder DNA-Analysen, das gibt es ja alles gar nicht in dem Sinne. Das fand ich sehr spannend.
Tom
00:52:56
Ist das Anti-CSI, ja? Ja, also das ist ja das, was also in der Krimiautoren-Fachsprache, sind so diese Dinge, das ist ein sogenanntes Procedural, also wo du genau siehst so die verschiedenen Stufen, das Prozedere des kriminologischen Vorgangs. Und der weiß ja nicht mehr, wo vorne und hinten ist. So, ne? Das heißt, er läuft da so durch und dann findet er Sachen, viele Sachen, auch zufällig und irgendwann puzzelt er sie vielleicht zusammen.
Tobias
00:53:32
Ja, Ja. Aber wenn wir jetzt den Verhängnisvollen Champagner mal verlassen und auch Xavier Kieffer, dann muss man ja bei dir feststellen, und das hatten wir ja eingangs, oder du hast es selber eingangs ein bisschen erzählt. Man muss ja feststellen, du schreibst auch Science Fiction, du schreibst mit so einem Buch wie Kaffeedieb auch einen historischen Roman. Wie kommt es letztlich zu dieser Bandbreite an Genres? Es ist dir zu langweilig, dich auf eine Sache festzulegen?
Tom
00:54:01
Also es ist mir auf jeden Fall zu langweilig, mich auf eine Sache festzulegen. Und das, also man ist damit natürlich so ein bisschen, zumindest am Anfang, der Albtraum eines jeden Verlags. Weil für einen Verlag ist natürlich einfacher zu erklären, das ist der Guy mit den Luxemburgkrimis, das ist der Guy mit den Nordseekrimis. Ja, das ist das Girl mit den Venedigkrimis. Wir wissen alle, von wem wir reden. Und ja, also wenn man wie Donna Leon einfach 36 Bände Brunetti, ist der Traum aus...
Tobias
00:54:37
Vor allem, wenn die dann auch noch ordentlich, ja.
Tom
00:54:39
...Verlagsmarketingsicht, ne? Und jemand, der immer was anderes schreibt, ist irgendwie seltsam. Also erstens ist es ja nicht mein Job, irgendwen jetzt glücklich zu machen, dass er seinen Marketingplan besonders gut machen kann. Das ist das eine. Und zum anderen hat sich das dann nach einer Zeit umgedreht. Also jetzt ist es inzwischen, glaube ich, so, dass die Leute sich sagen, mit was kommt er jetzt um die Ecke? Ja, und das ist so ein bisschen, also beides ist, glaube ich, völlig okay. Also die Keith-Richards-Variante ist, dass man im Wesentlichen immer 2 Akkorde spielt. A und E ist es, glaube ich. Und das macht man 40 Jahre lang immer in der gleichen Blues-Rock-Dings. Aber es ist schon geil, weil man natürlich irgendwie so eine Finesse kriegt. Und die andere ist eher so diese David-Bowie-Variante, so zu sagen, so, jetzt hatte ich ein Jazzalbum von dem, wieso krieg ich jetzt eins mit Jungle-Break-Beats? Ja, da muss ich jetzt erstmal, stehe ich gar nicht drauf, die Musik, muss ich erst mal reinhören und so. Aber das ist jetzt, glaube ich...
Tobias
00:55:51
Aber er ist ja David Bowie, ja.
Tom
00:55:52
Ja, genau. Also das ist jetzt, glaube ich, meine Buchmarke ist, wenn du denkst, dass du jetzt noch mal historischen Roman kriegst, dann hast du dich vielleicht geirrt, ja? Dass immer was Neues kommt. Aber ich brauche das auch, sonst wird mir das, sonst wird mir das sehr langweilig irgendwann.
Tobias
00:56:07
Vor allem, der Verlag muss ja auch erst mal lernen, dass du das tatsächlich auch alles kannst. Also das ist ja das Zweite. Also langweilig hin oder her, aber man muss sich ja auch, sage ich mal, in diese unterschiedlichen Genres auch entsprechend reinfuchsen und auch, sage ich mal, das Zutrauen an sich selbst haben, das kriege ich glaube ich hin.
Michael
00:56:24
Und man muss ja dazu sagen, das sind plötzlich ganz andere Töne, die da angeschlagen werden in diesem Science Fiction. Also das ist natürlich nicht direkt vergleichbar. Ist jetzt nicht sozusagen derselbe spürbare Autor, der sich einem anderen Thema widmet, sondern meiner Meinung nach ist das plötzlich ein ganz anderer Aufschlag und das macht es so spannend und so faszinierend. Und ich habe mal ein bisschen recherchiert zu dir und da gab es einen Podcast, wo du auch zu Gast warst, und da hieß es, du müsstest am Tag 10.000 Zeichen schreiben, sonst wärst du nicht glücklich. Stimmt das? Egal was, egal welches Genre, egal welches Thema.
Tom
00:57:03
Also ich weiß nicht. Ich weiß nicht, ob es mit, also mit Glück hat das ja gar nichts zu tun. Das ist ja Arbeit. Und, also bei meiner Arbeit ist es ja einfach so, also vielleicht gibt es irgendwann einen Vertrag mit einem Abgabedatum. Aber grundsätzlich, es gibt ja niemanden, der mir überhaupt sagt, dass ich morgens aufstehen muss. Geschweige denn all diese, dass ich irgendwas schreiben muss usw. Und es geht nur, es geht nur so. Und es gibt so diese romantische und völlig falsche Vorstellung von Schreiben oder von Schriftstellerei dass so, der Schriftsteller, der der sitzt so idealerweise in einem Pariser Café natürlich. Er sitzt in einem Café und raucht so die ganze Zeit und denkt so nach und so. Und irgendwann trifft ihn so ein Blitz und dann rennt er, damals noch zur Schreibmaschine oder zu seinem Laptop, und dann hackt er es rein. Und so funktioniert es nicht. Also würde ich sagen, das gilt für Schreiben, aber das gilt zum Beispiel auch für, nicht, dass ich da Ahnung von hätte, aber es gilt auch für Malen und für Musik. Also die Inspiration kommt immer beim Tun. Also wenn jemand rumsitzt und darüber nachdenkt, was ein guter Song sein könnte, er muss die Gitarre in die Hand nehmen und muss kniddeln und muss malen. Und dann passiert was. Oder vielleicht passiert auch nichts. Aber die einzige Möglichkeit ist, sich da reinzubegeben. Und man kann es ja alles wegschmeißen. Ich schmeiße auch, ich schmeiße auch Zeug weg.
Tobias
00:58:46
Ja, ja, ich hätte jetzt ja auch erwartet, dass du hier so im Cord-Jackett eigentlich irgendwie sitzt.
Tom
00:58:53
Mit Schal.
Tobias
00:58:54
Ja, ja, natürlich mit Schal. Aber ich meine, es ist ja schon auch so, ich habe jetzt erst gelesen, Verhängnisvoller Champagner hat es jetzt schon wieder in die Spiegel Bestsellerliste geschafft. Ist das nicht, sage ich mal, auch irgendwie so eine Art Damoklesschwert, dass man irgendwie immer auch denkt, hoffentlich wird das nächste Buch, die nächste Publikation auch wieder einigermaßen erfolgreich?
Tom
00:59:17
Der, ja, also das ist schwierig. Es klingt auch zu cool, weil natürlich denkt man immer drüber nach, ob man seine Miete noch bezahlen kann oder irgendwas. Aber also von 2 Dingen muss man sich freimachen. Und das gilt auch nicht nur für Schriftstellerei, sondern es gilt, glaube ich, für alle Kunst. Die Erste ist: Wird sich das denn verkaufen? Und die Zweite ist: Was würden die Leute denn mögen? Never play to the gallery. Das ist der Tod. Da kommt nur mediokrer Mist raus. Und über beides darf man möglichst gar nicht nachdenken. Das ist nicht immer, das ist manchmal schwierig. Aber sonst kommt nichts Originelles raus. Und ich habe auch schon Sachen gehabt, wo ich, es ist ja immer schön, wenn man zu seinem Verlag gehen kann und sagen kann, ich schreibe ein Buch über die Historie des Kaffees und habe da eine interessante historische Begebenheit gefunden. Dann sagen die: super! Dann machen wir jetzt einen Vertrag und dann kriegst du auch schon einen Vorschuss, dass du arbeiten kannst. Aber es gibt auch Sachen, wo ich sagen muss, ich könnte euch die Geschichte gar nicht beschreiben. Ich weiß noch gar nicht. Und ich glaube, wenn ich darüber rede, mache ich es auch kaputt. Viele gute Ideen lassen sich ja zerreden. Und ich muss jetzt einfach erstmal prockeln. Und es ist mir auch schon passiert, dass ich gedacht habe, das ist jetzt echt super. Dann habe ich da 3 Monate dran geprockelt und gesagt, das ist aber nur Scheiß. Habe ich es weggeschmissen. So, aber wenn du nicht zumindest ab und zu so ein Risiko eingehst, dann, ich glaube, dann kommt nichts Gescheites bei raus. Und ich habe ja vor einiger Zeit ein Buch geschrieben über, gerade wieder sehr aktuell, über den Raub der Mona Lisa aus dem Louvre. Ja, gerade wieder aktuell. Und da ist eine wichtige Figur, weil der damals auch verdächtigt war, ist Pablo Picasso. Da habe ich mich auch so ein bisschen mit Pablo Picasso beschäftigt. Und man kann sich mit diesen Leuten, ob das jetzt Picasso ist oder Bowie oder so, nicht vergleichen. Aber man kann natürlich schon was von ihnen lernen. Und da muss man einfach sagen, Picasso war ja bitter-, bitterarm. Und dann hat er irgendwann ein Ding erfunden, was gut gelaufen ist. Und zwar hat er so Harlequine, so Commedia dell'arte-Figuren in schönen Pastelltönen gemalt. Also nicht sehr offensive, nicht sehr crazy. Ja, und die sind gut gegangen. Und das hat ihm das erste Mal, dass er sich eine schöne Wohnung genommen hat, am Boulevard de Clichy, und konnte seiner Freundin ein Parfüm kaufen und so. Und hat so fast so, hat ein Hausmädchen gehabt, so einen bürgerlichen Lebensstil. Und dann hat er eines Tages gesagt: Jetzt mache ich Kubismus! Und dann hat sein Galerist gesagt, weiß nicht, ob er es genau so gesagt hat, aber so: Alter, bist du eigentlich scheiße? Wer will denn diese Hackfressen? Du malst diese schönen Clowns, und die reißen mir die aus den Händen. Und jetzt kommst du mir mit diesem Schrott? Also, wenn er auf sein Portemonnaie gehört hätte und wenn er darauf gehört hätte auf die Frage, was fänden die anderen denn gut? Dann wäre er nicht, wäre sozusagen nirgendwo anders mehr hingekommen. Ja, aber es ist ist natürlich ein ständiger, ständiger Kampf, ja.
Michael
01:03:02
Also warten wir jetzt bei dir auf den nächsten kubistischen Schub, oder Haben wir Hoffnung darauf, dass es noch eine weitere Geschichte gibt mit deinem Xavier Kieffer?
Tom
01:03:15
Ja, das glaube ich schon. Also, weil das macht mir auch immer noch Spaß. Und manchmal muss ich da eine Pause machen und was anderes schreiben, aber auch das ist das Seltsame mit dem nächsten kubistischen Schub. Man weiß ja auch selber nicht so genau, wann der, man kann jetzt nicht sagen: und jetzt? Jetzt revolutioniere ich den Kriminalroman, indem ich mir etwas völlig Neues ausdenken! Sondern man kann nur hoffen, dass einem irgendwann vielleicht noch mal was besonders Schräges einfällt. Aber dann muss man dem eben auch sozusagen nachgeben und sagen, ja, ich weiß, ihr wollt gerne noch einen weiteren Cozy Crime-Roman, aber der muss jetzt leider mal 2 Jahre warten, weil ich muss jetzt hier dieses verrückte Dinge ausprobieren.
Michael
01:03:59
Das meint dann eher formal oder inhaltlich? Also wenn du sagst, noch mal was Verrücktes, was anderes. Weil ich weiß ja nicht, Kriminalromane sind schon ziemlich ausgereizt, so was die Mittel betrifft. Oder hast du da noch eine, wie gesagt, kubistische Idee?
Tom
01:04:14
Ja, also viele, viele Genres gibt es natürlich noch, andere Genres, und es gibt einfach noch wahnsinnig viele Epochen. Also ich muss schon sagen, dass ich diese ausgehende Belle Époque so kurz vorm Ersten Weltkrieg. Das fand ich schon interessant. Also da wäre noch sozusagen, da könnte man auch noch mehr machen. Aber ja, jetzt bin ich erstmal in der Findungsphase.
Tobias
01:04:50
Erst mal langsam, genau.
Michael
01:04:51
Jetzt trinken wir erstmal Champagner.
Tobias
01:04:52
Und für Xavier Kieffer gäbe es ja, also ich sage mal, noch sehr, sehr vielen vinophilen Stoff, oder? Also Champagner ist doch jetzt vielleicht auch nur ein Anfang, oder?
Tom
01:05:00
Champagner ist natürlich nur ein Element. Es ist bei den reinen klassischen Weinsachen, ich war da bisher immer so ein bisschen, es gibt natürlich noch ganz viele andere Lebensmittel, die auch noch interessant sind. Bei dem reinen, reinrassigen Weinkrimi war ich bisher immer zögerlich, weil ich erstens zu wenig von Wein verstehe, muss man einfach sagen, und zweitens glaube, dass einfach schon sehr, sehr viele Krimis über Wein geschrieben worden sind, auch teilweise von Kollegen, wie zum Beispiel Carsten Sebastian Henn oder von Martin Walker, die, glaube ich, alle eigene Weingüter haben. Ja, das ist natürlich ein Level von Expertise, da muss ich vielleicht erst mit dem Steuerberater sprechen, ob ich vielleicht aus Recherchegründen ein kleines Weingut...
Tobias
01:05:57
Das erste Weingut.
Tom
01:05:58
Aber ich kann es mir, glaube ich, gar nicht leisten. Aber, also das spricht so ein bisschen gegen den reinen Wein, aber wobei der natürlich immer wieder vorkommt, weil der in Luxemburg so wichtig ist und sogar in der Nationalhymne auftaucht und so.
Tobias
01:06:16
Aber es ist ja spannend. Also jetzt, wo du das so sagst, macht es ja umso mehr Sinn, dass du dich sozusagen dem Champagner verschrieben hast, weil das halt eben noch nicht so ganz klassisch einfach Wein ist, wo halt schon so viel gemacht wurde.
Tom
01:06:30
Und es hat halt auch diese, fand ich, es hat auch eine ganz, ganz interessante Komponente, eben mit dem Luxemburg, weil die Luxemburger stellen ja auch Crémant her. Und ehrlich gesagt, ist es häufig auch so, dass man mit einem Crémant genauso gut bedient ist wie mit vielen Champagnern. Und da gibt es, der Luxemburger ist sehr gut, von der Loire gibt es fantastische Sachen. Es gibt viele, viele andere Sachen. Und was ich auch interessant fand, das habe ich auch nicht gewusst, aber das habe ich da auch gelernt, dass es halt auch bei den Luxemburgern, sowohl bei den Weinen als auch bei dem Crémant, so ist, dass die aus einer sehr, sehr schlechten Position kamen und sich neu erfunden haben, weil die nämlich eigentlich, also im 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert, haben die den Großteil ihres Weines nach Deutschland geschickt als Vorprodukt für unseren Sekt. Und als dann durch die Kriege dieser Markt verschwunden ist, haben sie erst mal dagesessen und waren quasi, also war ihr Geschäftsmodell war zerstört.
Tobias
01:07:43
Was machen wir denn jetzt?
Tom
01:07:44
Genau. Und dann waren sie gezwungen, das selber zu machen. Und das Ergebnis ist aber gut geworden. Ja, also hat natürlich auch gedauert. Crémant gibt es jetzt erst seit, ich glaube, jetzt gibt es seit 35 Jahren in Luxemburg. Und es gab sogar mal eine Champagnerproduktion in Luxemburg, gab es auch mal. Von Mercier, vor Ewigkeiten. Also die haben sich auch quasi mit ihrem Wein, wo alle gesagt haben, oh na ja, der Wein von da, das ist nicht viel und komm, den, packen wir quasi in große Fässer und dann liefern wir den irgendwie zu den Sektproduzenten. So, und jetzt ist es ein eigenständiges Ding, auf das die auch sehr stolz sind. Und den Riesling, Rivaner, Auxerrois usw. Und das habe ich auch durch diese Recherche gelernt und mir war auch nicht so bewusst, dass das so eine alte Weinanbauregion ist, weil das ja quasi bis auf die Römer zurückgeht. Und deshalb ist es für die Luxemburger was, wahrscheinlich der Wein und die Sprache, so. Das sind so die wichtigsten identitätsstiftenden Sachen.
Michael
01:09:02
Gut, wir haben jetzt immer noch zum Schluss eine Frage, da weiß ich gar nicht, ob wir jetzt richtig bei dir landen. Du hast gesagt, du trinkst eigentlich wenig oder gar keinen Alkohol.
Tom
01:09:11
Wenig.
Michael
01:09:11
Ab und zu ein bisschen Wein. Dann mag dir jetzt diese Frage auch gar nicht so spannend erscheinen. Die heißt bei uns die Inselfrage.
Tom
01:09:19
Die Inselfrage? Okay.
Michael
01:09:20
Du bist alleine auf einer einsamen Insel und darfst dir irgendeinen Wein aussuchen. Aber nur einen.
Tom
01:09:26
Nur einen?
Michael
01:09:27
Ja.
Tobias
01:09:27
Ganz viele Flaschen aber davon.
Michael
01:09:28
Den kannst du in jeder Menge haben. Die sind auch super gelagert. Ganz toll trinkfähig, immer. Aber welcher Wein ist es?
Tom
01:09:38
Schöner Pouilly-Fumé? Das, ja. Die Frage ist: Hat die Insel Kühlung? Weil ansonsten...
Tobias
01:09:44
Ja, natürlich. Unterkellert. Natürlich, natürlich.
Tom
01:09:44
Also wir haben nichts zu fressen, aber klar ist ein Pouilly. Ja dann, dann würde es gehen, ja.
Michael
01:09:51
Sogar mit CO2-Zertifikat und allem. Alles prima.
Tobias
01:09:54
Finde ich eine gute Wahl. Vor allem, wenn man auf einer Insel ist, gibt es ja wahrscheinlich Fisch. Und dann, ja,
Tom
01:09:59
Ja, genau, genau. Und das ist so was, ich mag das, wenn das so was Knackiges hat und so was. Ich glaube, die Engländer nennen das immer, weiß nicht, wie man das auf Deutsch, die nennen solche Weine Flinty.
Tobias
01:10:12
Ja, ja, genau.
Tom
01:10:14
So ein Feuerstein.
Tobias
01:10:15
Feuerstein.
Tom
01:10:16
Und das, das finde ich toll. Ja, ja.
Tobias
01:10:20
Ja, Klasse. Ja, Tom, vielen Dank für dieses Gespräch. Ich hoffe, wir haben die Zuhörerinnen und Zuhörer ein bisschen gespannt gemacht auf den Verhängnisvollen Champagner. Den, den wir jetzt gerade im Glas hatten, der war, fand ich, gar nicht verhängnisvoll.
Michael
01:10:32
Ne, das war gut.
Tom
01:10:33
Sehr ordentlich.
Tobias
01:10:34
Genau. Und ja, vielen Dank. Und hoffentlich bis bald.
Tom
01:10:38
Danke.
Michael
01:10:38
Ja, ich sage auch Danke für das Gespräch. Für mich war das sehr anregend und ich hätte da eigentlich noch ganz viele Fragen. Aber all das steht natürlich nicht dem im Wege, dass ich mich ungeheuer darauf freue, wenn es das nächste Mal wieder heißt.
Tom
01:10:52
Bei Anruf.
Michael
01:10:53
Wein.