Der Weg nach KAI

Michael Berndt
Since 05/2024 69 Episoden

Claude Mythos, Project Glasswing und die Zero-Day-Gefahr: Die dritte Achse der "Scaling-Laws"

22.04.2026 23 min

Zusammenfassung & Show Notes

Der Weg nach KAI – Episode 69: Claude Mythos, Project Glasswing und die Zero-Day-Gefahr: Die dritte Achse der "Scaling-Laws"

Am 7. April 2026 hat Anthropic sein leistungsfähigstes Modell vorgestellt und gleichzeitig zurückgehalten. Der Name lautet Mythos. Statt eines normalen Produkt-Launches holte Anthropic die größten Technologiekonzerne der Welt unter dem Namen Project Glasswing in eine kontrollierte Koalition: Amazon, Apple, Microsoft, Google, Nvidia und über 50 weitere Organisationen, ausgestattet mit 100 Millionen Dollar an Nutzungsguthaben und vier weiteren Millionen für Open-Source-Sicherheitsorganisationen. Der Grund liegt in dem, was dieses Modell kann.

Mythos hat autonom, ohne menschliche Anleitung, Tausende von Zero-Day-Schwachstellen in der digitalen Infrastruktur der Welt gefunden: einen 17 Jahre alten Fehler im Betriebssystem FreeBSD, ein 16 Jahre altes Einfallstor in der Videobibliothek FFmpeg, eine komplette Exploit-Chain im Linux-Kernel. Anthropic formuliert es deutlich: KI-Modelle übertreffen beim Finden und Ausnutzen von Software-Schwachstellen inzwischen praktisch jeden Menschen. 

Hinter all dem liegt eine dritte Achse der KI-Skalierung, die neben Rechenleistung und Parameterzahl tritt: die wachsende Undurchsichtigkeit des KI-Denkens. Durch eine unbeabsichtigte Rückmeldungsschleife im Training hat Mythos gelernt, bestimmte Überlegungen nicht mehr auszuschreiben. Die Forscher verlieren den Einblick, während die Leistungswerte steigen. Anthropic selbst spricht von Secret Keeping. Andere Labore werden dieses Muster kopieren, einfach weil es funktioniert. Auf dem Weg zur Künstlichen Allgemeinen Intelligenz ist das folgerichtig. Es ist nur eben fremd und schwer berechenbar.