50 Jahre Arena Besetzung
Wien wird anders
09.06.2026 34 min Andreas Filipovic, Walter Szevera
Zusammenfassung & Show Notes
Die Arena-Besetzung im Sommer 1976 war die erste große Hausbesetzung in Österreich und gilt als der historische Wendepunkt der österreichischen Zivilgesellschaft und Alternativkultur.
Der Inhalt:
Seit 1970 organisierten die Wiener Festwochen unter dem Namen „Arena“ unorthodoxe Theater- und Konzertprogramme für Jugendliche. 1975 und 1976 zog diese Schiene auf das riesige, vom Abbruch bedrohte Areal des Auslandsschlachthofes St. Marx. Die Stadt Wien plante, die Hallen zu planieren, um Platz für ein Textilhandelszentrum zu schaffen.
Nach der offiziellen Schlussveranstaltung am 27. Juni 1976 – einem Auftritt der alternativen Musikband Misthaufen – weigerten sich die Besucher*innen zu gehen. Spontan riefen hunderte Menschen die Besetzung des 70.000 Quadratmeter großen Geländes aus.
Über mehrere Monate hinweg besetzten junge Menschen, Künstler*innen und Intellektuelle das Gelände des ehemaligen Auslandsschlachthofes in Wien-St. Marx, um den drohenden Abriss zu verhindern und ein selbstverwaltetes Kulturzentrum zu erkämpfen.
Was als spontaner Protest begann, entwickelte sich im heißen Sommer 1976 zu einer utopischen „Stadt in der Stadt“.
Die Verhandlungen zwischen den Aktivist*innen und der Gemeinde Wien führten zu keinem dauerhaften Kompromiss für das bestehende Areal. Am 27. September 1976 beschloss der Wiener Gemeinderat endgültig den Verkauf des Geländes.
Als es Herbst wurde, schwand der Rückhalt: Die Stadt Wien erließ den Abbruchbescheid, stellte schließlich den Strom ab und das Gelände wurde zunehmend unwirtlich. Um eine gewaltsame Räumung durch die Polizei zu verhindern, beschloss das Plenum die friedliche Räumung. Am 11. Oktober 1976 verließen die letzten Menschen freiwillig das Gelände, am darauffolgenden Tag rückten die Abrissbirnen an.
Obwohl die historischen Hallen des Auslandsschlachthofes abgerissen wurden, war der Protest ein bleibender Erfolg. Aus den Reihen der Besetzer*innen entstanden zahlreichen zivilgesellschaftliche Initiativen. Auch gab die Stadt Wien dem Druck nach und stellte den Aktivist*innen das direkt benachbarte, kleinere Areal des Inlandsschlachthofes zur Verfügung. Daraus entwickelte sich das autonome Kulturzentrum Arena Wien, das bis heute basisdemokratisch verwaltet wird und zu den wichtigsten und geschichtsträchtigsten Konzert- und Festivallocations Österreichs gehört.
Tipps und Tricks:
Zum Lesen:
Robert Foltin: Und wir bewegen uns doch. Soziale Bewegungen in Österreich. edition grundrisse, Wien 2004
Werner Michael Schwarz / Martina Nußbaumer (Hg.): Besetzt! Kampf um Freiräume seit den 70ern. Czernin Verlag, Wien 2012
Martin W. Drexler / Markus Eiblmayr / Franziska Maderthaner (Hg.): Idealzone Wien. Die schnellen Jahre (1978-1985), Falter Verlag, Wien 2016
Constanze C. Czutta: Von der Kuhweide zum Kulturverein. Zur Geschichte der Arena Wien. - https://magazin.wienmuseum.at/zur-geschichte-der-arena-wien
Zum Hören und Schauen:
Die Schmetterlinge: Proletenpassion - https://www.youtube.com/watch?v=4OJQtwJQLvo&list=PLMu9FtmltVQ0MGibyg_eeE8rtBf2VN5JO
Alois Ebner: ArenaTheater - https://www.youtube.com/watch?v=YbZ-hJVpK0U
Arena Wien 1976 - https://www.youtube.com/watch?v=1sLVKSo6ZtU
Ö1 Betrifft Geschichte: Arena Besetzung 1976 - https://oe1.orf.at/artikel/729380/Die-Arena-Besetzung-1976
Sigi Maron: Ballade von ana hoatn Wochn - https://www.youtube.com/watch?v=stc-elyuU3s