Die Geschichtsgreißlerei

Andreas Filipovic, Walter Szevera
Since 08/2023 66 Episoden

Keine Insel der Seligen

Die Globalisierung und Österreich

20.01.2026 48 min Andreas Filipovic, Walter Szevera

Zusammenfassung & Show Notes

Globalisierung als Ausdruck für intensive Handelsverbindungen über weitere geografische Räume gibt es schon sehr lange. Ein erster Höhepunkt weltweiten Handels findet knapp vor dem Ersten Weltkrieg statt, danach folgt eine Phase der nationalen Wirtschaftspolitik. Mit Ende der 1960er und Anfang der 1970er entstehen neue globalisierte Wirtschaftsgeflechte, deren Höhepunkt möglicherweise mit Beginn der Covid-Pandemie überschritten wurde.

Der Inhalt

Globale Wirtschaftsgeflechte entstehen parallel zu Errichtung geografisch ausgedehnten Imperien. Erst im Zuge der Entstehung des modernen Kapitalismus mit den Möglichkeiten Waren, Kapital und Menschen über große Distanzen günstig zu transferieren, spricht man von einem weltweit vernetzten Wirtschaftssystem. Den ersten Höhepunkt erreichte die Globalisierung zu Beginn des Ersten Weltkriegs und der Existenz großer imperialer Mächte auf der nördlichen Halbkugel. Die Krisen und Systemauseinandersetzungen der folgenden 60 Jahren segmentierten die Welt wieder in politische Hemisphären. Einleitend mit dem Tod von Mao-Zedong und der damit verbundenen Öffnung Chinas und dem Zerfall der Sowjetunion ließen alle Grenzen für den Waren und Kapitalverkehr fallen. Nun stehen weltweite Wirtschaftsketten vor neuen Herausforderungen, insbesonders durch die Renaissance der Nationalstaaten, ökologischen Problemen und Fragen der ökonomischen Gerechtigkeit. Globalisierung ist aber keine alternativlose Einbahnstraße, sondern kann durch konkrete Kämpfe und politische Maßnahmen auch zu einer sozialeren und gerechten Gesellschaft verändert werden. 


Der Ort:

Bis Juli 2024 betrieb Opel (bzw. der spätere Mutterkonzern Stellantis) ein Werk in Aspern. Es war ab 1982 in Betreib und beschäftigte über 2.000 Mitarbeiter*innen. Die Errichtung geht auf eine Initiative Bruno Kreiskys zurück. 


Der Gast: 

Nikolaus Kowall ist Wirtschaftswissenschaftler und politischer Aktivist. Seit 2019 ist Nikolaus Kowall Inhaber einer Stiftungsprofessur für Internationale Wirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft, Management und Finance des BFI in Wien. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Auswirkungen von Freihandel, Standortwettbewerb und Globalisierung auf die politische Polarisierung in westlichen Industriestaaten sowie die sozioökonomische Handlungsfähigkeit der Europäischen Union in diesem Kontext. Zuletzt erschienen ist bei Kremayr&Scheriau: „Raus aus der Globalisierungsfalle“. 


Tipps und Tricks: 

Zum Lesen: 

Nikolaus Kowall: Raus aus der Globalisierungsfalle. Wie wir die sozial-ökologische Transformation schaffen. Wien 2024

Quinn Slobodian: Globalisten. Das Ende der Imperien und die Geburt des Neoliberalismus. Frankfurt a.M. 2024

Laurenz Fürst: Der Austro-Porsche: Bruno Kreisky und die österreichische Automobilindustrie. Wien 2018

Arbeiterkammer Wien: Opel Werk in Wien. Wie der Betriebsrat das Schlimmste verhindert hat. https://www.arbeit-wirtschaft.at/opel-werk-in-aspern-geschlossen-betriebsrat/

2026 - Andreas Filipovic, Walter Szevera