Die Krisen überwinden

Christoph Ecken

029 - Sparen: heilsam oder zerstörerisch?

09.10.2026 33 min Staffel 1 Episode 30 Christoph Ecken / Akademie Solidarische Ökonomie

Zusammenfassung & Show Notes

Unser Tauschmittel Geld, die feste Bezugsgröße mit der wir den Wert aller produzierten und gehandelten Dinge bewerten wollen, wird nun selbst auf einem Markt gehandelt. Geld wird selbst zur Ware, wie Kartoffeln oder Kaffeebohnen. Auf die Dauer kann das nicht wirklich gut gehen. Ein gesetzlich anerkanntes Tauschmittel muss einen verlässlichen und kalkulierbaren Wert haben. Es darf nicht gleichzeitig auf einem eigenen Markt gehandelt werden und dort ein Eigenleben führen. 

Dieser Handel mit Geld auf den Finanzmärkten folgt natürlich ganz eigenen Regeln, die kaum noch einen Zusammenhang zu dem Handel der realen Gütern haben. Es entsteht eine eigene Welt. Wir sehen das immer wieder, wenn wir die Entwicklung des DAX beobachten. Trotz lahmender Wirtschaft erklimmt der DAX einen Rekordwert nach dem anderen. 

In der Tat entwickeln sich die Preise auf den Finanzmärkten nach eigenen Spielregeln unabhängig von der Realwirtschaft. Dummerweise gilt dies aber nicht umgekehrt. Kriselt es auf den Finanzmärkten, sinken also die Vermögenswerte der Wertpapiere, hat das erhebliche Auswirkungen auf das Vermögen und die Bilanzen der Unternehmen und damit auch der gesamten Volkswirtschaft. Das Geschehen auf den Finanzmärkten hat also eine große Bedeutung, wenn es um das Wohl und Wehe in der Realwirtschaft geht. In der Folge traut sich die Politik nicht, den Akteuren auf den Finanzmärkten auch mal in die Speichen zu greifen. 

Das hat absurde Folgen mit großem Spaltungspotential für die gesamte Gesellschaft. Durch Glück und durch geschickte Anlagepolitik gelingt es einigen Anlegern sich unvorstellbar hohe Vermögen auf den Finanzmärkten zu schaffen. Im Ergebnis davon haben heute 1% der Menschen zusammen ein größeres Vermögen als 50% der armen Weltbevölkerung. 

Deutschland gehört seit vielen Jahren zu den Ländern mit einer vergleichsweise hohen Sparquote. Die privaten Haushalte legen seit gut 10 Jahren rund 10 bis 11 % ihres verfügbaren Einkommens zurück. Dies ist im internationalen Vergleich eine der höchsten Quoten Diese Sparquote entspricht statistisch durchschnittlich etwa 280 Euro pro Person bzw. 550 Euro pro Haushalt und Monat. 

Durchschnittlich heißt nicht, dass jeder Haushalt diese Sparsumme aufbringen kann. Ein Viertel aller Haushalte kann gar keinen Cent sparen, da sie ihr gesamtes Einkommen benötigen, um im Monat über die Runden zu kommen. Andere Haushalte hingegen können es sich leisten, wesentlich mehr als 280,00€ pro Monat zurücklegen. 

Über die Jahre kommt bei einer so hohen Sparquote einiges an Geld zusammen. Derzeit geht man von einer Sparsumme von knapp 10 Billionen € der Privathaushalte in Deutschland aus. Dieses Geld fließt in der Regel nicht direkt in die Wirtschaft zurück. Ein großer Teil zirkuliert auf den Finanzmärkten ohne Bezug zur Realwirtschaft.

Wenn die Menschen viel von ihrem Einkommen sparen, werden sie logischerweise weniger konsumieren. Es werden also weniger in der Realwirtschaft produzierte Güter oder Dienstleistungen gekauft. Verzichten die privaten Haushalte – aus welchen Gründen auch immer – darauf mit ihrem Einkommen Güter zu kaufen und sparen es lieber, kann damit eine ganze Lawine ins Rollen gebracht werden. 

Sparen bedeutet dann weniger Nachfrage nach Konsumgütern und weniger Umsatz für die Unternehmen. Die Kapazitäten werden nicht mehr ausgelastet und die Gewinne sinken. Die Unternehmen müssen nun ihrerseits über Kostensenkungen nachdenken, was häufig heißt, Arbeitszeiten oder Gehälter zu kürzen oder gar Arbeitskräfte zu entlassen. 

Damit steht noch mal weniger Einkommen für den Konsum zur Verfügung und die bremsende Wirkung des Sparens wird verstärkt. Die gesamte Volkswirtschaft kann dadurch in eine Krise geraten. In einer solchen Krisenzeit ist der Staat dann gehalten durch gezielte Maßnahmen die Wirtschaft am Laufen zu halten. 

Zusammengefasst können wir also sagen: Sparen vermindert das verfügbare Einkommen und kann dadurch die Wirtschaft ausbremsen, sparen kann aber auch die Wirtschaft beleben, wenn das Geld an der richtigen Stelle angelegt wird. Die heilvolle oder weniger heilvolle Wirkung des Sparens liegt also durchaus in der Hand desjenigen, der spart und seine Ersparnisse verteilt. 


Akademie Solidarische Ökonomie - www.akademie-solidarische-oekonomie.de
Buchreihe "Impulse für eine solidarische Gesellschaft", Büchner-Verlag, www.buechner-verlag.de
"Kapitalkrise", Klaus Simon, Band 1 der Buchreihe "Impulse für eine solidarische Gesellschaft, Büchner-Verlag, 2023, www.buechner-verlag.de
"Sozial-Ökologischer Umbau", Norbert Bernholt, Band 2 der Buchreihe "Impulse für eine solidarische Gesellschaft, Büchner-Verlag, 2023, www.buechner-verlag.de
"Resonante Demokratie - Gestaltungsmöglichkeiten für eine selbstwirksame Gesellschaft", aus der Buchreihe "Impulse für eine solidarische Gesellschaft", Büchner-Verlag, www.buechner-verlag.de
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