Von Hürden zu Chancen: Legasthenie, digitale Hilfsmittel & Teilhabe
Ein Gespräch mit Martina Rubbel
21.07.2026 44 min
Zusammenfassung & Show Notes
Von Hürden zu Chancen: Legasthenie, digitale Hilfsmittel & Teilhabe
In dieser Folge sprechen wir mit Martina Rubbel über das Leben mit Legasthenie und die Chancen, die digitale Hilfsmittel und Künstliche Intelligenz für mehr Selbstständigkeit und Teilhabe eröffnen können. Sie erzählt von ihren Erfahrungen in Schule, Beruf und Alltag, von Herausforderungen und Vorurteilen, aber auch von Strategien, die ihr den Umgang mit Legasthenie erleichtern. Außerdem zeigt Martina Rubbel, wie digitale Hilfsmittel und KI dabei helfen können, Herausforderungen im Alltag zu bewältigen, und warum verständliche Angebote der Schlüssel zu mehr Teilhabe sind.
In der Podcast-Folge ging es um diese Fragen:
· Was bedeutet es, mit Legasthenie zu leben und welche Herausforderungen bringt das im Alltag mit sich?
· Wie hat Martina Rubbel ihren eigenen Weg durch Schule, Beruf und Alltag gefunden?
· Welche digitalen Hilfsmittel haben ihr geholfen, Hürden zu überwinden und neue Möglichkeiten zu entdecken?
· Wie können digitale Hilfsmittel Menschen mit Legasthenie beim Lesen und Schreiben unterstützen?
· Was braucht es, damit Menschen sich an digitale Technologien herantrauen und sie selbstbewusst nutzen?
· Welche Rolle spielen verständliche Sprache und niedrigschwellige Unterstützung für digitale Teilhabe?
· Wie können Multiplikatorinnen und Multiplikatoren Menschen mit Legasthenie wirksam begleiten?
· Und was bedeutet digitale Teilhabe für Martina Rubbel ganz persönlich?
Links:
Transkript
Das ist für mich ein Game Changer, das ist für mich Glück und,
mehr Selbstbewusstsein, Unabhängigkeit, auch, dass ich jetzt so autark sein
kann, dass ich Briefe und E-Mails allein verfassen kann.
Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich ja ein echtes Briefgeheimnis,
weil das muss ja keiner mehr kontrollieren. Ich kann die einfach so abschicken
und das ist einfach ein total, es ist so ein Mehrwert, so eine Lebensqualität,
die ich dadurch jetzt habe.
Willkommen zum Digital Kompass Podcast. Digital einfach erklärt.
Gemeinsam gestalten wir digitale Teilhabe, verständlich und praktisch.
Euer Moderator, Inklusator Sascha Lang.
Herzlich willkommen im Digital Kompass Podcast Staffel 2, Folge Nummer 3.
Digital, einfach erklärt, ist unser Thema in dieser Staffel.
Und heute sprechen wir über ein Thema, das nennt sich Legasthenie.
Und warum Legasthenie und digitales Leben heutzutage sehr spannend zusammengehören,
Das erfahren wir von Martina Rubbel. Herzlich willkommen, Frau Rubbel.
Erstmal ein munteres Moin Moin aus Schleswig-Holstein. Ich freue mich, dass ich hier sein darf.
Kleine Anekdote. Wir sind alle beide derzeit in Schleswig-Holstein,
weil ich bin in Bad Segeberg zu Gast zu Hause.
Deshalb sind wir an sich digital nicht ganz weit auseinander.
Ach, da können wir uns ja direkt besuchen. Genau.
Das ist aber nicht heute unser Thema, sondern Legasthenie ist unser Thema.
Frau Rubbel, lassen wir uns mal ein bisschen mit Ihrer Geschichte beschäftigen.
Wie hat Ihre eigene Geschichte mit der Legasthenie begonnen?
Und ja, dann natürlich ganz klar die Frage, was ist denn eigentlich Legasthenie?
Erstmal begonnen hat die Legasthenie
in der Schule. Ich habe mich eigentlich auf die Schule gefreut.
In der dritten Klasse wurden immer mehr Diktate geschrieben und die waren alle rot.
Also 50, 60 Fehler, das war überhaupt keine Seltenheit. Zu Hause hat man dann
versucht, das mit Druck und viel Üben zu regeln.
Es war auch übergriffig bei mir in der Familie, nicht sehr schön.
Das hat natürlich für sehr viel Angst gesorgt, sodass ich ein Jahr lang mein
Diktathäft überhaupt nicht gezeigt habe. Das ist weder in der Schule noch zu Hause aufgefallen.
Und irgendwann gab es dann den großen Knall und Donnerwetter.
Und dann ist man auf die Idee gekommen, mich zu einer Psychologin zu schicken.
Und das war mein Glück. Da bin ich dann als Legasthenikerin diagnostiziert worden.
Mir wurde halt gesagt, dass ich gar nichts dafür kann und dass ich intelligent
wäre, weil ich zum Beispiel Logikaufgaben lösen konnte für ältere Kinder eigentlich.
Und das hat mir sehr viel Mut gemacht. Das war auch der Strohhalm,
der mich so durchs Leben getragen hat, weil aus der Umwelt kam nicht so viel, was mir Mut gemacht hat.
Das waren so Glaubenssätze, die sich festgesetzt haben, zum Beispiel,
du strengst dich nicht genug an oder du bist faul.
Und besser wären so Sätze, wenn ein Kind sagt, ich kann das nicht,
dass dann die Umwelt reagiert, du kannst es noch nicht und nicht die ganze Intelligenz an,
einer Kompetenz festmacht.
Wenn du mit der Rechtschreibung nicht klarkommst, dann wird aus dir nichts.
Was ist dann eigentlich Legasthenie?
Was kann ich mir darunter vorstellen, für die, die das jetzt noch nicht so kennen?
Also ich möchte da gleich noch was aufklären, was immer für Verwirrung sorgt.
Das gibt geringfügig literisierte Menschen. Das heißt, sie sind in der Schule abgehängt worden.
Also da gibt es Brüche in der Biografie. Also wenn man Schicksalsschlag in der
Familie ist oder die Eltern haben nicht die Kinder zu unterstützen.
Also quasi zu wenig Übung, abgehängt in der Schule und Legasthenie ist eine
neurobiologische Veränderung im Gehirn.
Also genetisch bedingt und wirkt sich sehr auf das Lesen und Schreiben aus, kann auch beides sein.
Es gibt jetzt nicht nur den einen Legastheniker, sondern es gibt den Legastheniker
und den Legastheniker zum Beispiel kann bei einem Legastheniker nur das Lesen eingeschränkt sein,
bei dem nächsten nur die Rechtschreibung und bei ganz schwerer,
Ausprägung eben beide, also Lesen und Schreiben.
Und ja, das ist ganz schön hinderlich. Und mit der Intelligenz hat das nichts
zu tun. Das war auch ganz wichtig bei der Psychologin, dass sie mir das erklärt hat.
Ist Legasthenie denn sowas ähnliches wie Lese-Rechtschreib-Schwäche oder ist
das noch was anderes? Kann man das nicht miteinander vergleichen oder geht das
eine mit dem anderen einher? Das ist jetzt mal so eine Frage,
die ich noch dazwischen werfe.
Ja, also das habe ich eben versucht zu erklären. Also der Bundesverband für
Alphabetisierung benutzt den Begriff LRS.
Der Bundesverband für Legasthenie und Dyskalkulie benutzt auch den Begriff LRS.
Und das führt zu Verwirrung, weil der Bundesverband für Legasthenie und Dyskalkulie
meint ja die Legasthenie, also die vererbbare Variante, die neurobiologische
und der Bundesverband für Alphabetisierung meint halt die geringe Literalisierung.
Früher hatte man das so als Analphabeten bezeichnet, aber das empfinden die
zu diskriminierend und deshalb gibt es jetzt den neuen Begriff geringfügig literisierte Menschen.
Das sind quasi Menschen, die in der Schule abgehängt worden sind und dadurch
eine Leserechtschreibschwäche haben.
Wenn die jetzt Nachhilfe bekommen, dann kann das gut wirken,
also die normale Nachhilfe und Üben.
Bei der Legasthenie hilft mehr Üben überhaupt nicht. Das ist so der große Unterschied.
Die brauchen dann besondere Lerntherapie von Menschen, die dafür auch wirklich ausgebildet sind.
Und was mich da auch sehr schockiert hat, ich habe immer gedacht,
die Lehrkräfte wären dafür ausgebildet und das war ein Trugschluss.
Da kommen wir dann zum Thema, wie haben Sie denn Schule, Ausbildung und Beruf
mit dieser Herausforderung erlebt?
Die Schule haben sie ja schon angedeutet, dass es lange gedauert hat,
bis es erkannt wurde und dann eher der Druck auch von zu Hause kam.
Aber wie war dann der Werdegang, als dann bis klar war, wohin der Weg geht oder,
was das Problem oder die Herausforderung war?
Ja, ich muss noch mal einmal zurück.
Also ich habe ja an der ZDF-Dokumentation buchstäblich Leben teilgenommen.
Da haben ja acht Protagonisten teilgenommen, die alle Schwierigkeiten hatten
mit Lesen und Schreiben.
Und da waren eben geringfügig Literisierte und Menschen mit Legasthenie dabei
und wir haben alle eine Lerntherapie durchlaufen. Das heißt,
ich habe mit 63 Jahren zum ersten Mal die Erfahrung gemacht,
was ist eine Lerntherapie.
Und was in dieser Lerntherapie aufgelöst wurde, waren eben meine Blockaden und
die Glaubenssätze, du bist dumm, die saßen ganz fest im Unterbewusstsein und
das setzt sich dann bis ins Erwachsenenalter fort.
Das löst zum Beispiel Panik und Bluthochdruck und Migräneanfälle aus,
bei mir zumindest, und macht ganz viel Angst.
Und die wurden dann da ganz sanft aufgelöst und das hat mir ganz viel Selbstbewusstsein gegeben.
Mit der Rechtschreibung habe ich mich nicht verbessert.
Also was aber wichtig ist, Menschen in dieser Lerntherapie erstmal aufzubauen,
und dass man diese Ängste erstmal losführt.
Also die Legasthenie ist nicht das Schlimmste, sondern die Reaktionen aus der
Umwelt auf uns, die sind schlimm.
Jetzt können wir weiter machen. Was haben Sie denn für Herausforderungen in der Schule?
Ging das dann einfacher? Wurde das dann akzeptiert, auch in der Ausbildung oder
auch im Beruf? Wie war danach der Werdegang und der Umgang damit vor allem?
Also in der Schule war das immer schlecht. Also selbst mein Lehrer hat zu mir
gesagt, aus dir wird sowieso nichts. Obwohl ich eigentlich gerne zur Schule
gegangen bin. Also nach der Grundschule bin ich leider auf die Hauptschule gekommen.
Bei uns in Elm Zorn machte da gerade die Gesamtschule auf. Ich als Kind hatte
die Idee, dass es mir dort besser gehen würde, aber meine Eltern haben sich
halt nicht drum gekümmert.
Und so meine Lieblingsfächer waren Biologie, Kunst, mündliche Leistungen,
da war ich auch immer super gut.
Und Aufsätze schreiben, ich hatte sehr viel Fantasie, da war ich auch sehr gut.
Aber die wurden auch durch die Rechtschreibfehler dann schlechter benotet.
Und Diktate, das war ja schriftlich, also meine Rechtschreibung blieb immer
schlecht, die wurde dann nicht
mehr bewertet, nachdem ich eben als Legasthenikerin diagnostiziert wurde.
Und der berufliche Weg, wie ging man damit um? Ich denke mal nicht,
dass Sie einen Beruf gewählt haben, wo man viel schreiben musste, oder?
Also das war ziemlich lustig. Ich bin dann zum Arbeitsamt gegangen und habe
dort erzählt, dass ich gerne Kindergärtnerin werden möchte.
Da hat man mir erklärt, dass mein Schulabschluss dafür nicht ausreichen würde.
Aber Kinder und Bund, das hat man wohl irgendwie miteinander verbunden und hat
mir dann zum Maler und Lackierer geraten.
Das war meine Berufsberatung. Aber das war auch mein Glück, weil ich habe dann
tatsächlich einen Malermeister kennengelernt,
der auch mal Menschen mit einem schlechteren Zeugnis eine Chance gegeben hat,
und der hat mir quasi die Herausforderung gestellt über Elmshorn ein Werbeplakat,
zu entwerfen und das ist gar nicht so einfach, weil ich finde Elmshorn gar nicht mal so hübsch.
Aber trotzdem mit viel Kreativität habe ich diesen Wettbewerb gewonnen und das
war mein Ticket in ein unabhängiges Leben.
Also ich habe die Ausbildung dann auch bestanden, weil der hat halt nicht den
Fisch danach bewertet, wie gut er klettern kann, sondern,
nach meiner Kreativität und
wie gut ich zeichnen konnte, was dann halt für den Beruf gebraucht wird.
Und das möchte ich auch nochmal betonen, viele Menschen haben ja verschiedene
Kompetenzen und wenn nur eins nicht funktioniert, dann sollte man den Kopf nicht
in den Sand stecken und die Umwelt sollte mehr Mut machen.
Sie haben schon vorhin angedeutet, es ist an sich nicht die Legasthenie das
Problem, sondern das Umfeld, die Umwelt. Welche Hürden sind Ihnen denn sonst
im Alltag noch häufiger begegnet?
Also Schreiben von Fremdwörtern, Angst vor Fehlern und Beschämung und,
ja, also zum Beispiel mag ich es überhaupt nicht, wenn mir jemand beim Schreiben
auf die Hände schaut und zum Beispiel in der Bank geht das manchmal nicht so diskret,
wenn ich was eintippen will und so.
Wenn mir dann einer zu nahe kommt, dann wird mir ganz heiß, weil ich mag einfach
nicht, wenn Menschen in meiner Nähe sind, wenn ich schreibe.
Also bei der Handschrift ist noch schlimmer als beim Tippen,
aber ich kann mich dann gar nicht mehr so konzentrieren.
Es sei denn, es sind Menschen, zu denen ich Vertrauen habe, dann funktioniert das besser.
Ja, Sie sind jetzt ja sehr offen mit dem Thema hier bei uns auch im Podcast.
Da muss man ja zusammen zu dem Thema stehen, zu seiner Herausforderung.
Wann haben Sie den Beschluss gefasst zu sagen, ich gehe jetzt offen mit meiner
Legasthenie um und ich zeige mich draußen und ich, wie sagen wir das,
ich sorge für Sensibilisierung. Wann war der Moment? Ja.
Eigentlich, also ich bin immer offen umgegangen, wenn ich mich irgendwo beworben
habe, weil ich habe sonst gedacht, das fühlt sich so wie Betrug an oder was
Verheimlichen und das fliegt ja sowieso auf, sobald ich dokumentieren muss.
Im privaten Bereich scanne ich die Menschen erstmal richtig ab.
Sind die nett? Kann man denen das sagen? Wie gehen die damit um oder schade ich mir damit?
Und ja, also bei Bewerbungen habe ich es immer gesagt, wurde aber nie richtig verstanden.
Also zum Beispiel habe ich dann gesagt, ich bin Legastheniker im Vorstellungsgespräch
und examinierte Pflegekräfte werden ja gebraucht.
Dann hat man mir gesagt, das macht
nichts. Und dann kam irgendwann durch Unverständnis doch dieser Druck.
Zum Beispiel hat man mal zu mir gesagt, dass ich in der Dienstbesprechung Protokoll führen. sollte.
Und ich habe gesagt, ich kann das nicht. Und dann hat man mir quasi gesagt,
dass ich die Legasthenie als Ausrede nehmen würde. Das hat mich sehr getroffen und traurig gemacht.
Zummal nach dieser Dienstbesprechung dann Pflegeassistenten,
die ich ja eigentlich auch delegieren soll, die mich dann auch ernst nehmen sollen in dem Moment.
Die haben mich dann gefragt, ob ich meinen Examen beim Otto-Versand bestellt
hätte und haben quasi alles, was ich dann erreicht habe, mir abgesprochen in
dem Moment. Das hat mich sehr verletzt.
Wann haben Sie denn zum ersten Mal erlebt, dass die digitalen Hilfsmittel Ihnen
den Alltag erleichtern könnten?
Gab es da einen Schlüsselmoment? Ja, das war etwa vor zwei Jahren.
Da habe ich zum ersten Mal JetGPT ausprobiert, habe ja dann festgestellt, dass es da eine ähm.
Eine Diktierfunktion gibt und eine Vorlesefunktion gibt.
Und ich habe dann auch entdeckt, dass mein Laptop, also wenn ich auf Windows
und das große H drücke, dass ich dann auch eine Diktierfunktion in jedem Fenster,
in das ich reinklicke, öffnen kann.
Und ich habe dann zum ersten Mal eine E-Mail beantwortet, ganz alleine mit Diktierfunktion
und Jet, GPT und dann saß ich vor meinem PC.
Mit dem ich auch noch nicht so gut umgehen konnte und mir kamen die Tränen,
weil ich wusste direkt, was das bedeutet.
Jetzt bin ich schriftlich unabhängig. Das war so cool und ja,
das hat mich richtig glücklich gemacht, dass ich so meine Lösung für mich gefunden habe.
Das ist ganz wichtig, wenn man dann irgendwie unabhängig ist und nicht mehr
auf andere angeht. Also das Protokoll, was Sie vorhin angesprochen hatten,
wäre in dem Möglichkeit gewesen. Sie hatten es geschrieben und dann mit JGPT,
Korrektur lesen lassen, dann wäre es gut gewesen.
Wie haben Sie denn gelernt, mit diesen Hilfsmitteln umzugehen,
respektive sie für sich zu nutzen? Weil das eine ist ja das Hilfsmittel haben,
das andere ist zu lernen, damit umzugehen. Sie haben gesagt,
Sie waren noch nicht so fix im Computer.
Wie haben Sie sich das beigebracht oder wer hat Ihnen das beigebracht oder wo
haben Sie sich da die Hilfe geholt?
Also ich so für kleine Schritte zum Beispiel unterstütze mein Mann mich sehr gut, weil der sehr,
technikaffin ist und der hat mir dann erstmal beigebracht, wie ich kopiere,
wie ich einfüge, weil das ist ja wichtig, wenn man das nicht kann.
Und er musste mir das ziemlich oft zeigen, bis ich mir das dann aufgeschrieben habe.
Mittlerweile mache ich das im Schlaf. Und das sind aber so die kleinen Schritte.
An die ich mich erinnere, die ich erstmal lernen musste, damit das Ganze überhaupt funktioniert.
Ich musste ja erst mal lernen, meinen Laptop irgendwie zu bedienen und dann
eben auch barrierefrei und dann habe ich eben angefangen, Diktierfunktionen auszuprobieren.
Dann habe ich einen KI-Kurs für Anfänger besucht, das hat mir mein Mann geschenkt
und war dann ziemlich enttäuscht.
Ich bin dann in die VHS gegangen, da standen dann die PCs wie an einer Perlenreihe,
aufgezogen und ich habe dann einen Platz eingenommen, rechts und links von mir
tippten alle und ich konnte eigentlich gar nicht richtig teilnehmen,
und war dann gezwungen, mich in diesem Kurs zu outen und habe dann den anderen
Teilnehmern gezeigt, wie ich die Diktierfunktion benutze.
Das fanden die sogar ganz gut
und auch interessant es geht ja auch viel schneller als zu tippen und ja,
diesen Kurs habe ich dann besucht der nicht so ganz barrierefrei für mich war, dann habe ich.
Durch buchstäblich leben ja auch ziemlich viele Kontakte, bin auch in einer
Selbsthilfegruppe in Hamburg und dort hat man mich auf, das ist das Alpha Team
Hamburg, und dort hat man mich auf die Idee gebracht, dass die,
Uni Wiebeck Weingarten Online-Kurse gibt für KI.
Und dann habe ich dort angefragt, ob ich da mitmachen kann.
Man hat mir dann gesagt, das ist eigentlich für Kursleitende der VHS,
ob ich mich dann da wohlfühlen würde.
Und dann habe ich quasi an diesen Kursen, die eigentlich für Kursleitende in
der Grundbildung, Erwachsenengrundbildung an der VHS tätig sind,
an diesen Kursen habe ich dann teilgenommen, online immer.
Und das mache ich heute noch. Ich habe schon ganz viele Nachweise,
dass ich eben an solchen Online-Workshops, KI-Werkstatt hieß das,
dann immer teilgenommen habe.
Was können Sie heute leichter als früher bewältigen und was hat das mit Ihrem
Selbstvertrauen gemacht?
Also mein Selbstvertrauen ist jetzt normal, würde ich sagen,
und hat sich auf jeden Fall stark verbessert. Und das ist einfach so,
auch dir zu erzählen, dass ich Legastheniker bin, fällt mir nicht mehr schwer,
weil ich jetzt die Lösung dafür habe.
Und da bin ich auch ein bisschen stolz drauf, dass ich mir das so selbst angeeignet
habe, weil es gibt keine Kurse,
die wirklich barrierefrei sind, Wo zum Beispiel eine Akustikkabine mit im Raum
steht oder ein abgetrennter Platz ist, wo ich diktieren könnte oder so.
Also, dass auch die anderen, die in dem Kurs sind, sensibilisiert sind,
dass das mal einer nicht kann und dann vielleicht auch mal eine andere Unterstützung
braucht, wie diktieren oder sich was vorlesen lassen.
Sehr spannend. Ich habe auch schon was in diesem Kurs gelernt.
Ich wusste nicht, dass dieser, also in diesem Podcast, ich wusste nicht,
dass dieser Befehl Windows H für das Diktieren zuständig wäre.
Ich habe immer noch geschrieben.
Sehr spannend. Also ich habe auch was gelernt und die Leute haben ja dann auch
was in ihrem Kurs gelernt.
Sie haben denen auch was mit auf den Weg gegeben.
Welche digitalen Hilfsmittel nutzen Sie denn so häufig? Welche sind Ihre besten
Freunde, nenne ich mal so?
Also JetGPT das nutze ich, wenn ich,
Irgendwie einen Artikel schreibe für LinkedIn oder so. Das ist überhaupt der
Knaller, dass ich auf Social Media jetzt ja auch teilhaben kann.
Also früher war schon eine WhatsApp für mich Stress.
Und jetzt bin ich auf Facebook, auf Instagram, auf LinkedIn.
Und da bin ich eigentlich auch, um zu zeigen, dass es funktioniert.
Da sind jetzt nicht so riesige, tolle Artikel von mir, aber ich bin da.
Und ich frage mich manchmal, ob die Menschen, die meine Artikel lesen,
sich auch Gedanken darüber machen, dass ich überhaupt da bin, dass es funktioniert.
Und das läuft zum Beispiel alles dann mithilfe von KI.
Also JetGPT benutze ich ganz gut, Gemini nutze ich auch so KI to go,
wenn ich unterwegs bin und mal schnell Hilfe brauche.
Und bei Gemini finde ich zum Beispiel gut, da ich ja kein Englisch spreche und
da auch diese ganze Techniksprache ja sehr englisch ist.
Lasse ich mir oft Worte von Gemini vorsprechen, um dann die auch richtig aussprechen zu können.
Und ich lasse sie mir auch erklären, was sie überhaupt bedeuten.
Oder ich mache zum Beispiel mal ein Foto von meiner Tastatur,
wenn ich mal irgendeine Tastenkombination,
nicht kenne, zum Beispiel, wie mache ich einen Screenshot, dann kriege ich eine
Schritt-für-Schritt-Anleitung von Gemini und dann erklärt mir die KI quasi mein
Laptop und die Technik und die KI erklärt sich letztendlich auch selbst.
Das muss man erst mal so begreifen für sich, dass man ja auch zur KI Fragen stellen kann.
Dann experimentiere ich mit Cloud. Diktier- und Vorlesefunktionen stehen immer im Mittelpunkt.
Also da probiere ich sämtliche Tools aus, die es gibt, wie zum Beispiel die
Taste Windows drücken und das große H.
Und dann geht immer ein Mikro auf. Dann mein Favorit ist aber Viswa Flow.
Und da hat man nur ein bestimmtes Kontingent, die kostet dann nachher Geld,
aber wäre ich noch im Berufsleben, das wäre es mir absolut wert.
Dann gibt es noch eine, die heißt Handy, die funktioniert nur auf dem Laptop,
die ist Open Source, sagt man glaube ich.
Und Wispaflo und Handy haben den Vorteil, die haben KI integriert.
Und wenn ich jetzt zum Beispiel falsch spreche, also mein Beispiel ist immer,
weil mir das aufgefallen ist, ich sage immer hab,
aber geschrieben heißt das dann HB und die KI schreibt dann HB, obwohl ich nur hab sag.
Und das, also auch zum Beispiel Dialekt rechnet sie raus oder wenn ich mal ein
Fremdwort falsch spreche, das wird alles rausgerechnet und ist dann korrekt dort,
geschrieben mit Punkt und Komma und Groß- und Kleinschreibung,
die ich auch nicht beherrsche immer.
Also Interpunktion. Und das ist für mich natürlich ein Gamechanger.
Das ist der absolute, ja, toll.
Ich glaube, dass man Ihre Unterstützung, die Sie gerade genannt haben,
schon auf, denke ich, viele Menschen mit Legasthenie umswitchen kann,
also die ganz konkret durch die KI unterstützt werden beim Lesen und Rechtschreiben, der Korrektur.
Sie haben gesagt, beim Diktieren, das sind ja alles Möglichkeiten,
die uns heute gegeben sind.
Und gab es zunächst auch bei Ihnen aber gewisse Berührungsängste mit den digitalen Technologien?
Und ja, wie sind Sie damit zuerst mal umgegangen? Weil es gibt ja auch Menschen,
die haben Angst vor dieser KI, der bösen KI, wenn sie die Urteile nicht sehen.
Es gibt ja immer Gutes und Böses, das ist ja so im Jem und Jang.
Aber wie war das für Sie? Sie haben, glaube ich, ziemlich schnell die positive Seiten erkannt.
Ich muss noch einmal kurz zurückgehen. Also ich nutze auch Vorlesefunktionen,
zum Beispiel bei Word kann man dann auf Überprüfen gehen,
also man zieht sich den Text drauf, dann geht man auf Überprüfen,
drückt dort auf das große A, da ist so ein Lautsprecher hinter und dann kann
man sich Texte vorlesen lassen.
Das mache ich ganz oft, ich kann lesen, aber ich kann Informationen besser aufnehmen,
wenn sie mir vorgelesen werden.
Also ich kann nicht so schnell lesen. Ich habe zum Beispiel auch mit Laufbändern
auf dem Bahnhof tierisch Stress oder wenn irgendwo Laufbänder sind oder Untertitel.
Ich kann nicht so schnell lesen und dann kriege ich vieles nicht mit.
Und wenn ich mir vorlesen lassen kann, dann lese ich oft auch mit den Augen
mit, aber es ist wesentlich stressfreier und ich kann so viel besser den Inhalt aufnehmen.
So visuelle Hilfen, das ist auch gut für mich.
Und ich nutze auch zum Beispiel dann, um mich zu entlasten, also ein Buch zu
lesen ist für mich keine Erholung, nutze ich zum Beispiel auch...
Notebook.lm und erstelle mir über gewisse Inhalte einen Podcast und kann mir das dann anhören.
Das kann man mit diesem Tool machen, also zum Beispiel eine Infografik oder eine Mindmap,
und das ist dann auch visuell gestaltet und dann kann ich durch Hören und Sehen
kann ich vieles viel besser und intensiver aufnehmen.
Aber jetzt nochmal zurück zur Berührungsangst. War die da?
Hatten Sie Zweifel, dass die KI oder die digitalen Technologien,
dass das ein Problem werden könnte?
Wie war der Umgang für Sie damit? Sie haben gesagt, vor zwei Jahren haben Sie
JGPD entdeckt. Die digitale Welt ist ja schon länger da. Wie war das für Sie?
Also der Nutzen war für mich größer wie die Angst. Deshalb habe ich gedacht,
ich muss da irgendwie mal mich schulen lassen, damit mir auch nichts passiert.
Ich hatte zum Beispiel Angst, mir Apps runterzuladen, dass ich da nachher in
irgendeiner Kostenfalle lande, weil die kann man manchmal nicht so gut unterscheiden.
Die sehen ähnlich aus und da braucht es auch Begleitung.
Und ich hatte dann zum Beispiel erste Hilfe, ich bin ja Senior Trainer im Landesnetzwerk
Schleswig-Holstein und,
in Plün in der Akademie habe ich die ersten KI-Kurse dann besucht für Senioren,
die waren auch in quasi ziemlich,
niedrigschwellig und da habe ich erst mal Sicherheit gekriegt,
weil dort auch Menschen waren, die ich fragen konnte.
Und ja, ich habe mich eigentlich immer informiert und der Datenschutz war für
mich natürlich auch eine kritische Sache.
Da habe ich mich dann auch erstmal informiert, was darf ich da eingeben, was besser nicht.
Und das sollte man auf jeden Fall wissen, dass man da seine Kontonummer nicht
eingibt oder Arztbriefe scannt mit allen Daten drauf, persönlichen Daten drauf.
Das machen ja auch viele, dass sie sich dann mal ihren Arztbrief übersetzen
lassen, aber dann sollte man die eigenen persönlichen Daten schon abdecken.
Also davor kann ich nur warnen ja, also das waren so meine Ängste dann Fake News,
also dass man dass dadurch auch viel Unruhe,
in der Welt passieren kann oder die Demokratie gefährdet ist,
so eine Gedanken mache ich mir schon,
und ich finde es aber mega wichtig sich damit auseinanderzusetzen und das auch Menschen
beizubringen und dann auch auf so einem Niveau runterzubrechen dass wir alle
mitnehmen, weil die Welt verändert sich im Moment so schnell und so rasant,
dass man, glaube ich, viele Menschen abhängen könnte.
Wo sehen Sie Grenzen oder aber auch Herausforderungen beim Einsatz der KI?
Wo sagen Sie, ja, bis hierhin geht es, aber im Moment geht es noch nicht weiter?
Ich sehe Grenzen.
Beim Menschen. Ich sehe da zum Beispiel Grenzen, dass keine vernünftigen Materialien
erstellt werden, um viele mitzunehmen.
Also was ich so viel festgestellt habe, dass Menschen, die zum Beispiel Lehrende
sind, das gerne für sich selber nutzen, um Materialien herzustellen.
Aber es gibt kaum Kurse, wo man sagt, ich nehme alle mit, ich breche das so
runter und erkläre den Menschen Schritt für Schritt, wie sie mit KI umgehen
können und zwar die Technik.
Man braucht ja auch erstmal Ressourcen dafür, ein Handy oder ein Laptop,
damit muss man ja auch erstmal umgehen können. Das fängt schon beim Kauf an,
und dass man dann Menschen da mitnimmt, da sehe ich eine Grenze.
Also, dass ganz viele nicht mitgenommen werden.
Wenn wir da anknüpfen, bei dem, was Sie gesagt haben, dass Menschen mitgenommen
werden aus Ihrer Erfahrung, was brauchen denn Menschen, um sich an digitalen
Angeboten und neuen Technologien heranzutrauen? Was ist da wichtig?
Was haben Sie gebraucht oder was glauben Sie, was andere auch bräuchten?
Also viel Aufklärung, dass man zum Beispiel so eine Phishing-Mail erkennt,
dass man Fake-News erkennt, dass man jetzt diese Worte, die ich jetzt eben schon
gesagt habe, denen übersetzt.
Was ist denn das überhaupt? Was ist Bias? Was ist das?
Das ist halt ein Vorurteil. Und was ist ein Jetpot?
Das sind alles neue Worte und damit können viele Menschen gar nichts anfangen.
Und das braucht dann einfach eine Übersetzung auch und Menschen,
die denen das übersetzen und runterbrechen.
Und dann auch erklären, was für eine Funktion dahinter steht.
Also Fake News, dass das halt falsche Meldungen sind. Das ist ja immer alles Englisch.
Und das können halt viele auch nicht.
Ja, das ist halt eine gesellschaftliche Herausforderung, niemanden zurückzulassen dabei.
Und welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht die verschändliche Sprache und auch,
niedrigschwellige Erklärungen?
Also, die einfache Sprache, die nutze ich ja sogar selbst, dass ich mir,
wenn ich was nicht verstehe, was ich eben zum Beispiel auch gesagt habe,
ich wusste auch nicht, was Bias ist oder Jetpot oder,
GPT oder da gibt es jetzt so viele neue Worte, die ich mir erst mal aneignen muss.
Und da habe ich mir dann einfach von der KI, mache mir mal eine Liste über die
ganzen Technikbegriffe, die ich hier tagtäglich sehe und übersetze mir die in einfache Sprache.
Und das ist essentiell. Also das ist ganz wichtig, weil ich sonst gar nicht
das entschlüsseln könnte, was das für eine Bedeutung hat.
Also die einfache Sprache ist für mich ganz, ganz wichtig. Zum Beispiel der
Begriff prompt. Ja, was heißt denn das? Befehl. Aha, das verstehe ich.
Talken, das ist quasi wie so eine Silbe. Es wird ja alles zerlegt.
Und ja, diese vielen englischen Begriffe, das ist eine Hürde. Ja.
Und da spielt die einfache Sprache eine ganz große Rolle. Absolut, ja. Absolut.
Mehr als noch die leichte Sprache. Würden Sie die leichte Sprache schon wieder
zu weitführend in diesem Fall sehen?
Also was hilft? Je nachdem, was hilft. Ich kenne den Unterschied jetzt nicht so.
Aber ich würde sagen, wenn es hilft, egal. Hauptsache man kommt mit.
Ob es jetzt die einfache Sprache oder welches Werkzeug hilft am besten,
das sollte man einsetzen.
Und das ist auch ganz wichtig, wenn ich jetzt einen Menschen habe,
der ja zu mir kommt, würde und sagen würde, Martina, erklär mir mal KI,
dann würde ich sagen, was möchtest du denn damit machen?
Was ist dein Ziel und wo stehst du? Wo muss ich dich abholen?
Und dann eben auf Augenhöhe mit diesen Menschen umzugehen.
Oder manchmal ist es auch so, dass Menschen beruflich total viel drauf haben
und dass man da nicht so niederschwellig ansetzt, sondern der Mensch muss dann
im Mittelpunkt stehen. Wer bist du? Was brauchst du?
Und ich versuche dir so zu helfen oder ich selber hole mir auch die Hilfe, wie ich sie brauche.
Die Haltung ist sehr wichtig in der Gesellschaft, auch Menschen gegenüber,
die Legastheniker sind.
Welche Haltung ist da wichtig, sowohl im privaten wie im beruflichen?
Was würden Sie den Menschen mit auf den Weg geben?
Weil das ist ja auch eine Beeinträchtigung, wenn wir sie mal so nennen,
die so direkt nicht sichtbar ist.
Und wenn sie sichtbar ist, ist es vielleicht schon beschämend für die betroffene
Person, wenn sie nicht offen damit umgehen kann. Also was wäre die Haltung,
die Sie sich wünschen gegenüber Menschen mit Legasthenik?
Ja, also, dass ich meine Behinderung, ich sage auch extra Behinderung,
das mögen manche, der eine oder andere Legastheniker oder der eine oder andere
Verband mag das nicht so gerne.
Ich sage aber wirklich, die Legasthenie ist eine Behinderung und die ist ja
auch im November 2023 als Behinderung anerkannt worden vom Bundesverfassungsgericht.
Und ich sage auch wirklich, meine Legasthenie ist für mich meine Behinderung,
weil sie hat mich schließlich ein Leben lang behindert und tut sie immer noch.
Und ich habe jetzt ein Mittel und kann mir helfen, aber.
Die Grundhaltung ist erstmal, wenn jemand sagt, er ist Legastheniker,
dass dann wirklich nur eine Kompetenz betroffen ist und dass man nicht an der
Rechtschreibung den ganzen Menschen abwertet.
Das kann man sehr schön auf Social Media beobachten, ein Rechtschreibfehler
und dann stürzen sich die Hater da drauf und,
manche Influencer nutzen schon Rechtschreibfehler, um möglichst viele Klicks zu kriegen.
Das kann ja dann ruhig ein böser Kommentar sein, aber Hauptsache sie haben Klick,
kann ich sehr empfehlen.
Es war jetzt ein Scherz. Und da traut man sich natürlich kaum mal,
wenn man zum Beispiel ein eigenes Geschäft hat, selbst mal,
eine E-Mail zu beantworten oder so, weil dann nicht der Inhalt gewertet wird
von dem, was ich schreibe, sondern,
ich hatte ja mal einen Hundesalon und dann kommt zurück, dass da ein Rechtschreibfehler
ist in dem Angebot, was ich zum Beispiel gemacht habe.
Und dann meidet man solchen Austausch, weil da gar nicht der Inhalt gewertet
wird, sondern immer, ja, schön, dass Sie mir eine Nachricht geschrieben haben,
aber ich muss Sie da mal korrigieren, da haben Sie was falsch geschrieben.
Welche Tipps würden Sie gerne Multiplikatorinnen und Multiplikatoren geben,
die mit Menschen die Legasthenie haben, die diese unterstützen wollen?
Welche Tipps würden Sie denen mit auf den Weg geben?
Also erstmal, wenn ich über Legastheniker spreche, ich bewege mich ja sehr in
der Erwachsenenbildung auch und recherchiere da viel und lese da viel.
Es geht mir ausdrücklich um Erwachsene.
Also manche sind ja auch im Studium, haben Fachwissen und Berufserfahrung und
dass man jetzt mit dem Legastheniker, dass man, wenn ich jetzt zum Beispiel auch sage,
ich nutze KI, dann stürzen sich oftmals ganz viele Menschen auf mich,
sollen die Kinder jetzt gar nicht mehr lesen und schreiben lernen.
Darum geht es mir nicht. Also diesen Unterschied möchte ich erstmal schon mal
machen zwischen Erwachsenen und Kindern.
Also mir geht es um Erwachsene, die sich ja schon ein Leben lang abgemüht haben
und dann durch KI dann auch eine Erleichterung finden.
Und dass die Legasthenie nichts mit eingeschränkter Intelligenz zu tun hat, sondern dass.
Eben nur das Lesen und Schreiben betroffen wird, aber dass Menschen sehr wohl
verstehen, was in ihrer Umwelt gesprochen wird und das auch verarbeiten können
und eben viele studieren auch oder haben,
ganz tolle Karrieren hinter sich und diese Menschen sollte man da nicht unterschätzen, nur weil sie,
Diese eine Kompetenz nicht beherrschen und die Intelligenz an der Rechtschreibung festmachen.
Geduld, echtes Zuhören und wenn ich jetzt mit einem Legasiniger zum ersten Mal
in Kontakt komme, weiß ich nie,
wie weit er kompensiert, also das versteckt und warum, wie sehr er noch mit
seinem Outing zu kämpfen hat oder mit seinen Schamgefühlen zu kämpfen hat.
Wir sind ja immer stark beschämt worden und deshalb ist erst mal wichtig,
sich gar nicht so sehr auf das Lesen und Schreiben zu stürzen, dass man da,
helfen will, sondern erst mal eine Beziehung herstellen und fragen, was machst du so?
Und wenn der Mensch dann erzählen kann, was er eigentlich so im Leben schon
beherrscht, dann erstmal sich dafür interessieren und dann langsam,
vielleicht nachher mal ans Lesen und Schreiben an das Thema anzuknüpfen,
dass der Mensch erstmal sieht, ach, ich werde immer,
mit meinen ganzen Fähigkeiten gesehen und nicht nur jetzt.
Mit meinem Defizit, also nicht so ein defizitärer Blick auf Menschen mit Legasthenie haben.
Ein Tipp, der, glaube ich, für alle Behinderungen gilt, nicht immer nur auf
die Beeinträchtigungen schauen oder die Schwächen, sondern ich glaube,
das gilt sogar für jeden einzelnen Menschen, weil ich glaube,
es gibt ja keinen Perfekten außer den Roboter und der ist auch manchmal gar nicht perfekt.
Deshalb vielleicht für die Allgemeinheit mal aufhören, auf die schwachen Seiten
zu gucken vom Menschen, sondern mal die positiven. Wenn eine Beeinträchtigung
da ist, heißt das nicht, dass der ganze Mensch nicht fähig ist.
Das glaube ich mal auf den Weg gehen. Sie sind sehr motiviert und engagiert
in Ihrem Tun. Sie haben sich engagiert, auch Sie haben gesagt,
Sie sind in Social Media mittlerweile aktiv.
Was motiviert Sie für dieses Engagement? Was ist Ihnen wichtig dabei?
Also dass sich die Haltung gegenüber Menschen mit Legasthenie verändert,
dass man die mehr wertschätzt und ihnen vor allen Dingen auch mehr zutraut.
Das beobachte ich auch oft, dass Menschen dann, wenn sie mit der Rechtschreibung
oder mit dem Lesen Probleme haben, dass denen dann überhaupt nichts mehr zugetraut wird.
Und das sind erwachsene Menschen, die die Verantwortung für sich selbst übernehmen,
und denen sollte man dann auch Dinge zutrauen, zum Beispiel auch mit KI umzugehen.
Rechtschreibfehler dürfen kein Anlass sein Witze oder Rückschlüsse auf Intelligenz
zu sein, also was ich auch sehr beobachte,
dass quasi im Fernsehen, auf Social Media, in der Zeitung also auch in namenhaften,
Printausgaben Witze über Rechtschreibfehler gemacht werden.
Und zum Beispiel, dass auch im Radio ganz oft gesagt wird, die Menschen denken da nicht drüber nach.
Ach, ich bin Tanzlegastheniker, ich bin handwerklicher Legastheniker und dass
immer Legasthenie mit Tollpatschig verbunden wird und das ist ja für uns auch nicht so schön.
Wir sind natürlich in diesem Podcast auch bemüht zu sensibilisieren,
zu sensibilisieren die Menschen, die jetzt nicht betroffen sind.
Allerdings ist es für mich auch immer wichtig, auf die Menschen zu gucken, die betroffen sind.
Was würden Sie denn den Menschen mit Legasthenie mit auf den Weg geben?
Wie Sie sich vielleicht für sich selber mehr Selbstvertrauen,
besseren Umgang damit, was geben Sie den Menschen mit auf den Weg?
Was können Sie aus Ihrer Erfahrung mit auf den Weg geben?
Also wenn Sie im Bildungssystem oder so zum Beispiel zu viel kritisiert werden
oder da nicht die passenden Angebote für sich finden, dass Sie außerhalb des
Bildungssystems mal schauen, was Ihnen helfen könnte.
Und nach passenden Angeboten suchen.
Und mit dem Arbeitgeber immer offen sprechen über die Legasthenie.
Und den Arbeitgebern würde ich gerne sagen, dass sie da auch offen sein sollten.
Und für Menschen mit Legasthenie gibt es tolle Hilfen.
Zum Beispiel in meinem Beruf ist es total schön im Moment. Am liebsten würde
ich nochmal arbeiten gehen, aber leider bin ich jetzt in Ränze.
Und ja, in meinem Beruf zieht jetzt die Voice-Funktion ein.
Das heißt, ich hätte gar kein Problem mehr, ich würde nicht mal mehr auffallen
im Pflegebereich, weil dort jetzt quasi das Handy, man bekommt ein Handy und
dann spricht man dort alles rein und dann steht es in der Akte.
Also ich könnte jetzt mündlich meine ganzen Kompetenzen auch schriftlich zeigen. Großartig.
Letzte Frage, Frau Martina Rubbel.
Wie definieren Sie für sich oder was bedeutet für Sie persönlich die digitale Teilhabe?
Das ist für mich ein Game Changer, das ist für mich Glück und.
Mehr Selbstbewusstsein, Unabhängigkeit, auch dass ich jetzt so autark sein kann,
dass ich Briefe und E-Mails allein verfassen kann.
Und zum ersten Mal in meinem Leben habe ich ja ein echtes Briefgeheimnis,
weil das muss ja keiner mehr kontrollieren.
Ich kann die einfach so abschicken und das ist einfach total,
es ist so ein Mehrwert, so eine Lebensqualität, die ich dadurch jetzt habe.
Und ich kann jetzt auch zum Beispiel letztens musste ich mich mal gegen die
Krankenkasse wehren und musste so ein Gedächtnisprotokoll erstellen.
Und mein Mann ist Beamter, der ist ziemlich penibel, was so Rechtschreibung
angeht und so ist das totale Gegenteil von mir, aber passt ja auch gut zusammen.
Und der hat gesagt, als ich ihm das dann vorgelegt habe, mein Schreiben,
er hätte es nicht besser machen können.
Also das bedeutet ja, dass ich jetzt alles Schriftliche alleine erledigen kann,
und dass ich völlig unabhängig bin.
Und das ist ja auch wichtig. Ich war ja oft in meinem Leben ganz allein auf
mich gestellt und die Situation kann ja immer mal wieder eintreten,
dass ich dann wirklich mir selbst helfen kann.
Herzlichen Dank für dieses Gespräch. Wir werden in den Shownotes alle wichtigsten
Links vernetzen, die gebraucht werden. Auch sicherlich nochmal ein paar Programme
hier aufschreiben, die in diesem Podcast genannt wurden.
Ihnen viel Erfolg und danke für Ihr Engagement.
Ja, herzlichen Dank, dass ich da sein durfte.
Digital Kompass Podcast – digital einfach erklärt,
Ein Projekt von Deutschland sicher im Netz und der Bundesarbeitsgemeinschaft
der Seniorenorganisationen Gefördert vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz,
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