Energiedosis

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107: (Schnell-)Laden mit System: Der Ladepark in Willich – Tafil Pufja, Stadtwerke Service Meerbusch Willich

22.10.2026 26 min

Zusammenfassung & Show Notes

25 Ladestationen mit bis zu 50 Ladepunkte und ein Konzept, das weit über das reine Laden hinausgeht: Mit dem neuen Ladepark im Gewerbegebiet Münchheide V haben die Stadtwerke Service Meerbusch Willich eines der größten Schnellladeangebote in Nordrhein-Westfalen geschaffen. Geschäftsführer Tafil Pufja erklärt, welche Überlegungen hinter dem Millionen-Euro-Projekt stecken, warum die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern entscheidend war und welche Herausforderungen den Bau begleitet haben. Ein Praxisbeispiel dafür, wie Stadtwerke Ladeinfrastruktur als Geschäftsfeld entwickeln und dabei die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden mitdenken.

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Transkript

Intro
00:00:00
Music.
Hannah Simon
00:00:09
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Energiedosis, dem Praxis-Podcast der Netzwerkpartner. Wir freuen uns, dass ihr heute wieder eingeschaltet habt. Und wenn euch der Podcast gefällt, dann folgt uns gerne auf Spotify, Apple Podcast oder einer der anderen Streaming-Plattformen, über die ihr uns am liebsten hört. Heute geht es um einen der größten Schnellladeparks in Nordrhein-Westfalen. Die Stadtwerke Willich haben nämlich auf rund 4.500 m² und weniger als einen Kilometer entfernt von der A44 einen sehr großen Ladepark gebaut. Im Endausbau stehen hier 25 Ladestationen mit insgesamt 50 Ladepunkten zur Verfügung mit bis zu 400 kW Ladeleistung, also eine ganze Menge und dazu kommen auch noch eine PV-Anlage, eine Lounge, Verpflegung, Packstation und sogar eine Art Mikrohotel. Das Ganze ist total spannend und deswegen habe ich auch meinen heutigen Gast eingeladen, um mal ein bisschen mehr darüber zu erfahren, nämlich Tafil Pufja. Er ist Geschäftsführer der Stadtwerke in Willich und, Tafil, ich freue mich sehr, dass du heute mit dabei bist und uns ein bisschen mit reinnimmst in die Elektromobilitätswelt bei euch vor Ort. Herzlich willkommen!
Tafil Pufja
00:01:15
Hallo Hannah! Herzlichen Dank und ich freue mich sehr, dabei zu sein.
Hannah Simon
00:01:19
Ja, zu Beginn möchte ich am liebsten direkt mal eine kleine Zeitreise mit dir fünf Jahre zurück machen. Üblicherweise, wenn man solche großen Projekte umsetzt, dann gibt's ja immer erstmal eine Idee, dann wird ein Business Case gerechnet, du gehst mit den Vorhaben in die Gremien und dann nimmt das Ganze seinen Lauf und bei euch ist das aber diesmal ein bisschen anders gelaufen, oder?
Tafil Pufja
00:01:40
Ja, absolut. Also eigentlich ging es im ersten Moment gar nicht um einen Ladepark, sondern um ein Gewerbegebiet und zwar das Gewerbegebiet Münchheide V, das entwickelt werden sollte und der frühere Kämmerer der Stadt Willich und auch Geschäftsführer der Grundstücksgesellschaft kam auf mich zu und sagte, wir brauchen was Innovatives für das Gewerbegebiet. Und dann war zu dem Zeitpunkt, das war 2020/2021, war natürlich in aller Munde dieses Thema Wasserstoff und diese Thematik eher und natürlich auch Photovoltaik, keine Frage auf Gewerbedächern, alles ein wichtiges Thema, aber diese Innovation war da. Und dann kam ich aber relativ schnell zur Einschätzung, das Thema Wasserstoff werden wir in diesem Gewerbegebiet nicht abbilden können. Und dann habe ich gesagt, das Einzige, was natürlich geht, das, was so Standard war, waren so H₂-Ready-Leitungen, also dass wir das Gebiet zwar Wasserstoff fähig machen, aber bestimmt nicht Gewerbe ansiedeln mit einer Wasserstoffthematik dahinter. Und auf der Basis habe ich dann gesagt, so ist es deutlich einfacher, da einen Ladepark zu bauen. Und dann sagte der Kämmerer der Stadt Willich, das ist eine gute Idee, machen wir das doch einfach. Also ist es am Ende aus, wie sagt man, aus einer Bierlaune entstanden. Und dann hatte ich dieses Projekt, wie soll ich sagen, vor mir liegen und musste es umsetzen. Dann habe ich gesagt, ach okay, ein Ladepark für Stadtwerke Willich, dann bauen wir vielleicht mal zwei, drei, vier Ladesäulen dahin, DC-Lader und gut ist. Aber die Vorstellung eines Ladeparks war beim Kämmerer doch eine andere. Und die Blaupause war so bisschen der Ladepark in Hilden, der ja wirklich einer der größten in Nordrhein-Westfalen ist. Ein tolles Projekt, das ein Stück weit, wie soll ich sagen, dann aufzunehmen. Jetzt ist das natürlich so, in unserer Größenordnung als Stadtwerk, einen so großen Ladepark zu bauen mit 40, 50, 60 Ladepunkten, ist natürlich ein sehr sehr großes Risiko und dann haben wir uns überlegt, wie wir das strukturieren können. Aber es war tatsächlich am Ende des Tages eine Bierlaune, aus der das entstanden ist.
Hannah Simon
00:03:38
Ja, so beginnen ja manchmal die besten Geschichten. Auf jeden Fall eine vielleicht auch ungewöhnliche, wie die Idee dann bei euch entstanden ist. Der Auftrag war dann formuliert, diesen Ladepark zu planen und umzusetzen. Wie seid ihr denn dann zu einem Business Case gekommen? Ich meine, das ist ja ein Millionenprojekt, was dort umgesetzt wird. Da geht es ja auch um richtig was. Wie habt ihr da die Zahlen für euch zusammenbekommen oder seid auf den richtigen Weg gekommen?
Tafil Pufja
00:04:05
Ja, das war tatsächlich eine Herausforderung, vor allem, wenn wir in so einer Dimension sind, Schnelllader bis zu 400 kW zu errichten. Und dann die entsprechende Entwicklung zu prognostizieren in die Zukunft, ne? Und zu dem Zeitpunkt war es sicherlich so, dass das Elektromobilitätsthema, wenn ich das so sagen darf, durchaus in den Kinderschuhen steckte. Also es gab zwar immer mehr Elektroautos, aber wir sind ja heute schon vier Jahre, fünf Jahre weiter. Heute würde man so ein Projekt gar nicht drüber nachdenken, ist es sinnvoll oder nicht? Und das wurde in den Gremien durchaus auch kritisch diskutiert und damit wir dort mit einem vernünftigen oder zumindest mit Ansätzen arbeiten können, haben wir uns dann eines Dienstleisters bedient und das war NEMO Solutions, um einfach mal auch unterschiedliche Business Cases zu rechnen, also auch unterschiedliche Prognosen zu nehmen, was die Entwicklung der Elektromobilität angeht, aber auch was die Standortqualität angeht. Also über Heatmaps herauszufinden, ist das ein guter Standort, um überhaupt einen Ladepark dieser Größe zu errichten? Und das hat uns, denke ich, in dem Business Case auch und in den Annahmen geholfen und jetzt werden wir mal schauen, ob sich diese Annahmen bewahrheiten und die Entwicklung dann auch so ist. Ich kann aber sagen, das, was uns sehr positiv gestimmt hat, also für uns war dann relativ schnell klar, dass wir das nicht alleine machen, also in der Dimension. Positiv hat uns gestimmt, als wir dann, wie soll ich sagen, die üblichen Verdächtigen im Schnelllade-Thema angesprochen haben, also ob das Tesla ist, IONITY oder auch andere, dass das Interesse für den Standort und für den Ladepark groß war und da war für uns klar, der Standort muss gut sein. Dann sind wir in die Planung und Realisierung der Themen gegangen.
Hannah Simon
00:06:00
Für alle die, die in der Region jetzt nicht selber verwurzelt oder mit der Region so betraut sind, kannst du das noch mal kurz so einordnen, also du hattest es eben schon gesagt, es ist autobahnnah, genau, aber vielleicht noch mal kurz was zu der Region selber auch sagen?
Tafil Pufja
00:06:12
Ja, sehr gerne. Also wir sind zwei Stadtwerke, also Stadtwerke Willich und Meerbusch, also betreiben das Geschäft für zwei Energieversorger. Die Kommunen haben zusammen eine Größenordnung von rund 110.000 Einwohnern und das ist, wie soll ich so sagen, das sind Städte, die quasi Richtung Düsseldorf vor allem orientiert sind. Wir sind umringt von Autobahnen, also extrem gute Infrastruktur tatsächlich, Nähe zum Flughafen, und deswegen war dieser Standort, denke ich, durchaus interessant. Große Gewerbegebiete, die ja zusammenhängend in den letzten Jahrzehnten entstanden sind. Von daher, glaube ich, durchaus eine sehr sehr gute Region für die Elektromobilitätsinfrastruktur. Und wir machen das ja sowohl im öffentlichen Raum, also in unseren Kommunen selber, aber dieser Ladepark ist natürlich für uns was ganz Besonderes.
Hannah Simon
00:07:06
Du hattest eben gesagt, ihr habt relativ schnell entschieden, dass ihr dort auch externe Partner mit reinnehmen möchtet und nicht alleiniger Betreiber/Bewirtschafter quasi dann auch sein möchtet. Wie genau habt ihr die Partnerstruktur jetzt dann eigentlich aufgebaut und damit vielleicht auch das Thema Risikostreuung, wenn du dazu auch noch mal ein bisschen was erzählen kannst, wie habt ihr das umgesetzt?
Tafil Pufja
00:07:27
Wir haben die verschiedenen potenziellen Partner angesprochen und am Ende ist es so, die Fläche gehört uns und wir haben die Flächen dann vermietet an die Partner. Und die ersten Partner, die dann mit uns, mit denen wir die besten Angebote realisieren können, waren vor allem Tesla und NIO. NIO war seinerzeit ein Ladepartner, der in den europäischen Markt eingestiegen ist, der gar nicht mit Schnellladeinfrastruktur arbeitet, sondern mit Stationen, wo man den Akku tauschen kann. Die haben quasi ein eigenes Ökosystem, ne? Und die wollten an dieser Stelle so eine entsprechende Station errichten, wo NIO-Fahrer quasi einen Akkutausch vornehmen. Und so, wir wollten auch nicht zu viele Partner haben, ne, sondern für uns war wichtig, dass wir sehr präsent sind am Ladepark. Und im laufenden Projekt, wie soll ich sagen, ist NIO ausgestiegen, weil sich das Projekt einfach, ne, durch Bauphase des Gewerbegebietes, ne, durch unsere Planungsphase, ne, einfach in Summe verzögert hat, auch durch Erschließungsthemen rund um das Gewerbegebiet. Und dann hat NIO gesehen, dass der deutsche Markteintritt sehr schwierig ist und ist aus diesem Projekt tatsächlich ausgestiegen. Also mussten wir im laufenden Projekt umplanen, sodass wir am Ende zu einer Partnerkonfiguration gekommen sind, die heute Tesla heißt, wir haben Electra mit an Bord und wir haben Allego mit an Bord. Also wir sind mit vier Partnern unterwegs. Das ist nicht ungewöhnlich und das war auch gut so, weil wir wollten von Anfang an durchaus eine hohe Anzahl an Schnellladern dort haben und an Präsenz haben und ich denke, das ist uns gelungen. Und das Schöne ist, dass die Partner unser Risiko halt ein Stück weit diversifizieren, weil sie am Ende die Fixkosten, die wir haben, und die Kosten mit abdecken. Weil sonst wäre das für uns als mittelständisches Stadtwerk, als mittelständischer Energieversorger, einfach ein zu großes Risiko gewesen aus meiner Sicht so einen Schnellladepark wirklich komplett alleine zu errichten.
Hannah Simon
00:09:29
Das heißt, es funktioniert in der Praxis dann so, dass diese Partner eine monatliche Pauschale zahlen?
Tafil Pufja
00:09:34
Genau, für ihre Fläche zahlen sie eine monatliche Pauschale. Und wir partizipieren natürlich mit unseren eigenen Ladesäulen zusätzlich, wie soll ich sagen, beim Thema Laden durch Kunden, ne, oder durch Dritte mit unseren eigenen Ladestationen.
Hannah Simon
00:09:51
Jetzt sind nicht nur Ladesäulen, finden sich in dem Ladepark, sondern, ja, wie so eine kleine, eigene Welt, in der man sich auch weiter aufhalten kann, sich selber auch verpflegen kann, welche Partner habt ihr denn damit an Bord geholt und welche Motivation oder Intention sind dort mit reingeflossen in die Planung?
Tafil Pufja
00:10:07
Ja, absolut richtig. Es ist so, also wenn man einen Ladepark dieser Größe hat, muss man gewisse sanitäre Einrichtungen anbieten, ne? Also kennt man ja, wenn man selber privat mal in Urlaub fährt und am Schnelllader ist. Das ist das eine und das andere ist, es ist ja durchaus so, dass man auch ein bisschen Verpflegung benötigt, ne? Also hier mal ein Getränk, da mal einen Snack und so weiter. Und das haben wir dann auch mit Tesla besprochen. Das war ja Bedingung auch mit den Partnern, dass sowas dort errichtet wird. Und wir haben dann die Firma bk World, die sehr stark mit Tesla arbeitet, dort mit einem Container angesiedelt, wo quasi die sanitäre Einrichtung drin ist und quasi Automaten, wo man sich verpflegen kann, sogar einen Pizzaautomaten tatsächlich und wir haben sogar noch eine DHL-Station. Man könnte auch sein Paket von der Hausnummer versenden. Also, da ist so einiges an diesem Ladepark und das läuft auch alles ohne Personal, also automatisiert, ne, sag ich mal, ne, also vor allem bei bk World. Da ist so eine kleine Lounge, die ist sogar erweiterbar. Also man könnte die, auch wenn der Ladepark dann am Ende im Endbauzustand mit 50 Ladepunkten ist, könnte man das noch erweitern. Und dann war es so, dass wir ja noch nicht alle Ladepunkte errichtet haben. Wir sind aktuell mit rund 36 Ladepunkten am Park aktiv. Der Rest kommt dann so mit der Zeit, wenn diese Hochlaufphase der Elektromobilität kommt, waren halt noch Flächen frei. So, und dann haben wir überlegt, was können wir denn machen, und sind auf noch eine weitere Firma gestoßen, die heißt Roatel, die bietet quasi Zimmer in Containern an, also Modulbauweise, kann man auch erweitern, wenn man möchte. Und da haben wir gesagt, oh, das könnte auch noch eine ganz nette Idee sein, wenn wir an dem Ladepark einfach noch so ein Roatel hinsetzen. Dann sind wir in den Kontakt getreten, die fanden die Idee super und dann hat das wirklich noch funktioniert, die Firma Roatel am Ladepark anzusiedeln. Und das war nicht von vornherein geplant. Das war so quasi in der Endphase der Errichtung. Und Gott sei Dank war dann die Baubehörde in Willich, wie soll ich sagen, sehr flexibel, ne? Und hat dann am Ende auch die Genehmigung für dieses Minihotel erteilt und das ist auch für Roatel ein guter Standort, weil das ist in der Nähe zu Düsseldorf, zum Flughafen, zur Messe. Dann haben wir hier ein Gewerbegebiet, wo viele Gewerbetreibende sind, also die suchen auch immer noch mal eine Zimmermöglichkeit, wenn die Partnerunternehmen aus Deutschland irgendwie herankommen oder wie auch immer, ne? Also, das ist schon dann sehr praktisch gewesen. Ist schon sehr interessant, wie sich das so alles entwickelt hat. Es war nicht alles von vornherein geplant.
Hannah Simon
00:12:51
Also, ich höre auf jeden Fall raus, grad bei so einem Projekt, was ja auch eigentlich nachvollziehbar ist, über so viele Jahre braucht es auch eine gewisse Flexibilität und natürlich Herausforderungen, die anderen zwischendurch begegnen jetzt. Stichwort NIO, dann eben die Partnerstruktur auch noch mal zu verändern und sicherlich ja auch in dem Thema Ladeleistung, oder? Also, wenn ich jetzt so fünf Jahre zurückdenke, da war auch das, was wir damals als Schnelllader definiert haben, von der kW Leistung ja auch noch ein bisschen niedriger angesiedelt als das, was jetzt heute mit 400 kW und Co. jetzt vorgehalten werden kann, auch in dem Ladepark.
Tafil Pufja
00:13:20
Absolut. Wir hatten zumindest den Vorteil, dass das Gewerbegebiet ja neu entstanden ist, dass wir für ausreichend Leistung im Gewerbegebiet sorgen konnten, also aus Netzbetreibersicht. Wir sind hier auch Netzbetreiber. Das ist das eine, ne, aber du hast eben ja richtigerweise gesagt, in dem gesamten Ladepark sind rund 3 Millionen Euro investiert worden, ne. Ich hätte mir weniger Flexibilität dann gewünscht am Ende des Tages, aber wenn sich nun mal die Struktur verändert, muss man schauen, wie kriegt man dann einen Ladepark hin, der durchaus bedeutsam in der Region ist und dann mussten wir halt auch flexibel tatsächlich sein. In so einem Projekt muss man immer mit unerwarteten Punkten rechnen und das haben wir, denke ich, bisher ganz gut gemeistert. Es steht ein ganz toller Ladepark, der auch eröffnet wurde. Und da sind wir, würde ich sagen, zu Recht auch stolz drauf.
Hannah Simon
00:14:13
Ja, ja, unbedingt. Einen Moment würde ich noch mal bei den Herausforderungen bleiben. Also, ihr konntet dem Projekt mit viel Flexibilität begegnen und es auch damit zum Erfolg führen. Jetzt gab es aber, glaube ich, von dem, was ich im Vorfeld erfahren habe, ja auch noch ein, zwei weitere spontane Probleme, um die ihr euch dann auch noch kümmern musstet, auch gar nicht so lang vor Eröffnung. Kannst du da noch mal uns einmal mit reinnehmen, was da sonst noch so schiefgelaufen ist und wie ihr das erfolgreich meistern konntet.
Tafil Pufja
00:14:43
Also, wir hatten durchaus zwei, drei Themen, die nicht so einfach zu stemmen waren oder überraschend waren. Wir haben zum einen natürlich eine Photovoltaikanlage, ne? Da denkt man immer, das ist total einfach anzuschließen, ne? Aber die dann am Ende auch mit dem Ladepark zu verbinden, war dann doch herausfordernder, als man gedacht hat, hat aber am Ende auch funktioniert und der große Clou, der kam dann, als wir die Eröffnung gemacht haben im Frühjahr, tolle Eröffnung mit allen Marktpartnern, die da waren, und drei Tage vorher, an dem Wochenende, sind uns die Kabel quasi abgeschnitten und geklaut worden. Und was soll ich sagen? Das ist etwas, was derzeit alle Ladesäulenbetreiber betrifft, also im Schnellladebereich abgeschnittene Kabel und das ist ja, das ist, am Ende der Warenwert ist nicht groß, aber wenn man dann in die Reparatur geht, werden die Zahlen schon sehr, sehr groß, also stehen in keinem Verhältnis zum Warenwert, ne. Und natürlich war auch später, also im Laufe des Projektes geplant, dass eine Videokamera kommt, aber das ist halt zeitlich nach der Eröffnung gelagert gewesen. Und heute ist der Ladepark aber wirklich maximal abgesichert, wie man das ja von IONITY kennt und anderen Ladeinfrastrukturbetreibern. Die Kabel, da gibt es Überzug über die Kabel, dass die nicht einfach so abgeschnitten werden. Wir haben eine Videokamera integriert, die quasi mit Alarmfunktion hinterlegt ist. Perspektivisch werden die Ladekabel mit GPS-Sendern noch ausgestattet und so weiter. Also, ich glaube, mittlerweile sind jetzt alle Sicherheitsmaßnahmen etabliert, aber das war natürlich, wie soll ich sagen, nicht so schön, ne, wenn man eine Eröffnung macht mit abgeschnittenen Ladekabeln, weil die Eröffnung wollten wir jetzt auch nicht verschieben. So ist es halt, ne? Weil alles war geplant, alles war gesetzt, alle waren eingeladen, ne? Ratsmitglieder, ne? Gremien, Kunden, Partnerunternehmen und so was sagt man dann nicht drei Tage vorher ab und das war, wie soll ich sagen, dann schon ärgerlich.
Hannah Simon
00:16:41
Und ja, du hast es jetzt eben auch noch mal erwähnt, die PV-Anlage. Also es gibt ja eine 55 m² große PV-Anlage mit 120 kWp und eine Windkraftanlage von den Stadtwerken wird ja auch in unmittelbarer Nähe im kommenden Jahr, also 2027, auch noch ans Netz gehen. Das heißt, das Ganze ist ja einmal komplett durchdacht in der Verknüpfung auch mit erneuerbaren Energien. Da steckt ja sicherlich auch ein Gedanke hinter, und kann sich das auch perspektivisch auf die Preisgestaltung von euren Tarifen, die ihr, da können wir vielleicht auch noch mal einen Blick drauf werfen, die ihr auch selber als Stadtwerke eben anbietet mit eurem Autostromtarif dort vor Ort, kann sich das positiv auswirken?
Tafil Pufja
00:17:24
Die Situation vor Ort ist total spannend, ne? Also Ladepark, dann Photovoltaikanlage auf der Überdachung des Ladeparks. Das heißt, der Strom wird günstig erzeugt und könnte quasi vor allem im Sommer zu einem sehr günstigen Tarif führen, also, ne, nicht irgendwie zu 60, 70 Cent für die Kilowattstunde am Ladepark, sondern deutlich günstiger, weil ja der Solarstrom quasi unmittelbar genutzt wird zum Laden und deutlich günstiger auch angeboten werden kann. Also da bin ich sehr sehr zuversichtlich, dass das so sich entwickeln wird. Dann haben wir unter anderem noch zwei Windanlagen tatsächlich in unmittelbarer Nähe, wenige 100 Meter entfernt zwei Windanlagen, die 13 mW Leistungen haben. Also die erzeugen einen signifikanten Anteil am Stromanteil in Willich. Und natürlich kann man die Fläche, also diese Energieerzeugung vor Ort, auch nutzen, sowohl für die Lade-, also für den Autostrom, aber genauso gut auch für die Abnahme vor Ort bei den Gewerbetreibern. Das ist so auch die Idee dahinter. Wir planen auch an dem Standort noch eine größere Photovoltaikanlage und am Ende wirklich über eine eigene Leitungszuführung zu Gewerbekunden auch den Absatz des Erzeugstroms direkt vor Ort. Also, absolut positives Projekt, das sehr sehr rund ist, ne, und das muss man schon sagen.
Hannah Simon
00:18:52
Ihr habt den Ladepark ja vor einigen Monaten eröffnet, gibt es schon Erfahrungen, vielleicht auch Überraschungen, im besten Falle auch Bestätigungen von Modellen, die ihr vorher gerechnet habt, was die Nutzung angeht, welche Erfahrung konntet ihr hier bisher sammeln, was sind so deine ersten Eindrücke jetzt aus den ersten Monaten Inbetriebnahme?
Tafil Pufja
00:19:10
Bei uns hat's ja bisschen gedauert, bis wir wirklich in Betrieb gehen konnten, weil wir die Ladekabel noch austauschen mussten. Von daher sind die Erfahrungen noch nicht so groß, ne? Aber man stellt fest, dass der Ladepark genutzt wird und das sehen wir, da sehen wir auch die Marktmacht unserer Partner, ne? Tesla ist da schon länger und die Tesla-Ladekabel sind nicht abgeschnitten worden, weil die sind wassergekühlt an dem Standort. Deswegen werden die oftmals nicht abgeschnitten. Und man sieht vor allem bei Tesla, dass der Ladepark von der ersten Minute an Inbetriebnahme funktioniert. Und da sieht man auch die Marktmacht von Tesla tatsächlich, ne, die in der Elektromobilität, ja, ja da ist. Aber die Erfahrungen sind positiv und letztens war ich ehrlicherweise total überrascht, weil dafür war der Ladepark so gar nicht ausgelegt, aber letztens war ich im Ladepark, weil ich mir was anschauen wollte und plötzlich stand auf unserer Ladesäule ein LKW, also ein Elektro-LKW, der geladen hat, und der passte so gerade noch unter das Dach, muss man dazu sagen, also selbst so was wird angenommen und das hat mich dann schon überrascht, aber auch sehr positiv gestimmt.
Hannah Simon
00:20:22
Was sind für euch jetzt noch so die nächsten Schritte und Vorhaben rund um das Projekt, also der Park ist jetzt eröffnet, die ersten E-Autos laden oder hoffentlich auch eine ganze Menge, wie soll es jetzt noch weitergehen? Was habt ihr vor und wie passt es auch vielleicht in euer Gesamtbild und auch Selbstbild von Elektromobilität in Verbindung mit den Stadtwerken?
Tafil Pufja
00:20:42
Also, das Gewerbegebiet in Summe ist noch nicht komplett fertig. Also, es wird links und rechts werden noch Gewerbebauten quasi errichtet. Die Straße ist noch nicht komplett fertiggestellt, also die Zuwegung, ne? Das ist alles noch so ein bisschen Baustraße, das wird aber jetzt so alles im Laufe des Jahres noch kommen, ne, also zumindest bis zur ersten Hälfte und die zweite Hälfte dieses Baugebietes wird dann später komplett erschlossen werden. Und wir wollen natürlich, dass den Ladepark und die komplette Infrastruktur viel stärker noch bewerben, also sowohl im gewerblichen Bereich bei unseren Kunden, wir wollen damit in den sozialen Medien noch präsenter sein, ne? Nebenan wird gerade, wenn ich das sagen darf, ein Porsche-Zentrum neu errichtet, das fand ich total interessant. Bei Instagram habe ich dann letztens gesehen, wie ein Porsche Cayenne, ein neuer Elektro-Porsche quasi, auf unserem Ladepark vorgestellt wurde. Und, wie soll ich sagen, so ein bisschen dann in den sozialen Medien geteilt wurde. Das fand ich wiederum extrem schön und das sind so die Ideen, die wir sukzessive entwickeln werden, wie wir das Thema Elektromobilität nochmal weiter nach vorne stellen können, wie wir für Traffic auf dem Ladepark sorgen können. Und ich glaube, die E-Mobilität und auch der Ladepark sind ein sehr positiv besetztes Thema.
Hannah Simon
00:22:04
Und könntet ihr euch vorstellen, wenn es weitere passende Punkte gibt, auch weitere Parks auch perspektivisch zu errichten oder war das jetzt einfach aus der Situation heraus geboren, dass es eben in diesem Gewerbegebiet ein Ladepark entstehen konnte, also wie ordnest du das nochmal so in die Gesamtstrategie, Elektromobilität der Stadtwerke ein?
Tafil Pufja
00:22:25
Also wir sind natürlich bei uns in Willich und Meerbusch, was das Thema öffentliche Ladeinfrastruktur angeht, der Platzhirsch würde ich sagen. Wir errichten auch noch weitere Ladestationen im städtischen Bereich, vor allem kleinere DC-Lader. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass wir jetzt so einen Ladepark noch mal woanders bauen. Vielleicht noch in unserer Region, also die Meerbuscher hatten Interesse angekündigt in der Politik, vielleicht so einen Ladepark in der Nähe einer Autobahn zu errichten, auch mit Partnern, das prüfen wir gerade, aber wir sind nun mal ein regionaler Energieversorger für die Kommunen Meerbusch und Willich und mit dem Thema E-Mobilität aus der Region rauszugehen, ich glaube, das passt nicht zu uns, ne? Was wir aber immer anbieten können, ich sage mal, Dinge gemeinsam partnerschaftlich mit anderen Stadtwerken zu entwickeln, so, auch von unseren Erfahrungen zu partizipieren, sage ich mal, und dann kann man sich ja immer noch mal vorstellen und überlegen, welche Möglichkeiten bestehen da.
Hannah Simon
00:23:33
Ja, da wird es sicherlich Anknüpfungspunkte geben dann auch in der Zukunft. Zum Abschluss unseres Gesprächs, welche drei Learnings, Appelle, Botschaften möchtest du denn unseren Zuhörerinnen und Zuhörern heute nochmal mitgeben von dem, ja, was ihr vielleicht aus den Projekten gelernt habt oder wie du generell auf das Thema Elektromobilität noch mal schaust?
Tafil Pufja
00:23:53
Also, die Learnings aus dem Projekt kann ich definitiv sagen, noch mal bei der Partnerauswahl und auch bei der Vertragsausgestaltung noch mal bisschen stringenter zu sein, also bisschen klarer, dass die nicht so leicht abspringen können, ne, weil das macht einfach so ein Projekt, das ist nicht gut, wenn so ein Projekt dann, wie soll ich sagen, in kritische Phasen geraten kann. Jetzt hatten wir ein bisschen Glück, dass wir dann wieder andere Partner gefunden haben, aber das ist so ein Punkt, wo ich sage, das ist so ein Learning tatsächlich und das zweite Learning ist einfach, dass man auch beim Thema Sicherheitsthemen, dass man die von Anfang an mitdenkt, ne, und nicht sowas wie ein Kabelklau am Ende noch verschmerzen muss, weil das einfach Aufwand ist, also ne, das ist einfach Aufwand in der gesamten Organisation, diesen Prozess durchzusteuern, ne? Und das sind, denke ich, die Learnings und vielleicht das andere Learning, nicht so mutig zu sein, wenn ein Kämmerer einen anspricht auf innovative Themen für ein Gewerbegebiet.
Hannah Simon
00:24:52
Ja bei euch ist es zu Erfolgsstory auf jeden Fall geworden. Ihr habt richtig was draus gemacht, du mit deinem Team, und wir sind ganz gespannt, wie der Ladepark jetzt weiter anläuft und ja hoffen, dass wir vielleicht in der Zukunft auch noch mal, ja, an euren Erfahrungen da partizipieren können, noch mal reinhören können, wie der wie der Park so genutzt wird, was ihr weiter gelernt habt, wie hier weiter ausgebaut wird und Ähnliches. Es ist ja auf jeden Fall eine Technologie und auch ein Projekt, was ja zukunftsfähig ist und was immer mehr in unseren Alltag einziehen wird.
Tafil Pufja
00:25:24
Wir werden weiter berichten.
Hannah Simon
00:25:26
Sehr gut. Ich danke dir für das Gespräch heute und die Einblicke in den Ladepark. Auf jeden Fall ein sehr interessantes Projekt und ich kann auch jedem nur empfehlen, vielleicht den Ladepack auch einfach mal zu googeln, um noch mal ein paar Einblicke auch zu bekommen, visuell. Vielleicht können wir das eine oder andere auch noch mal in den Shownotes verlinken an Bildmaterial, was ihr selber auch veröffentlicht habt, damit man jetzt auch nochmal ein Bild zu diesem Ladepark bekommt. Für heute vielen Dank an dich, Tafil, fürs Erzählen und an euch da draußen fürs Reinhören. Wir hoffen, ihr habt eine Menge mitnehmen können für euch, und freuen uns, wenn ihr in zwei Wochen wieder einschaltet und bis dahin, bleibt uns gewogen. Bis zum nächsten Mal.
Outro
00:26:03
Music.