Energiedosis

Die Netzwerkpartner

89: Gemeinsam innovativ: Wie die Kooperation mit der Wissenschaft die Energiewende voranbringt | Live von der E-world – Dennis Schenk, Stadtwerke Steinfurt

16.02.2026 40 min

Zusammenfassung & Show Notes

Wie gewinnen Stadtwerke Fachkräfte und entwickeln zugleich konkrete Lösungen für die Energiewende? Darüber haben wir mit Dennis Schenk von den Stadtwerken Steinfurt gesprochen – live auf der E-world energy & water 2026.

Direkt vom Messestand nehmen wir die Stimmung der Branche auf: volle Hallen, intensive Gespräche, spürbarer Innovationsdruck. Themen wie Fachkräftemangel, Digitalisierung, Kooperationen und praxisnahe Forschung ziehen sich durch viele Diskussionen. Vor diesem Hintergrund zeigt das Beispiel der Stadtwerken Steinfurt und FH Münster, wie eng kommunale Praxis und Wissenschaft zusammenarbeiten können.

Gemeinsam mit der FH Münster und dem Technologie Campus ist ein Modell entstanden, das Studierende früh einbindet, reale Herausforderungen aufgreift und konkrete Projekte vorantreibt. Dennis Schenk berichtet, welche ersten Vorhaben bereits umgesetzt wurden, welche belastbaren Ergebnisse und verwertbaren Konzepte daraus hervorgegangen sind und warum Kooperationen mit Hochschulen für ihn ein strategischer Hebel für Innovation, Nachwuchsgewinnung und die gezielte Weiterentwicklung von Stadtwerken sind.

Viel Spaß beim Hören!

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Transkript

Music.
Hannah Simon
00:00:16
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Energiedosis, dem Praxispodcast der Netzwerkpartner. Ich bin Hannah Simon und bevor wir gleich ins Thema reinstarten, der kurze Hinweis: Wenn euch die heutige Folge gefällt, dann lasst uns sehr gerne ein Abo da. Das hilft uns dabei, so spannende Gäste wie den heutigen zu gewinnen. Vielen Dank dafür schon mal vorab. Wir sind heute live auf der E-world. Also ein ganz besonderes Setting hier in der Podcast-Lounge. Wir sind mitten im Messegeschehen und mitten in den Fragen, die die Energiewirtschaft momentan umtreiben. Innovation, Energiewende, Fachkräfte, all diese Themen sind hier total allgegenwärtig. Viele Antworten, die wir hier auf der Messe finden, sind technologisch geprägt. Es geht um total viele Produkte, um Lösungen, um Systeme und gleichzeitig zeigt sich ja auch immer deutlicher, dass die großen Herausforderungen aber nicht allein technisch zu lösen sind, sondern es auch neue Formen der Zusammenarbeit braucht. Und genau darüber sprechen wir heute. Über die Frage, wie Stadtwerke und Wissenschaft zusammenfinden können und da Synergien heben und die Themen voranbringen können, die uns in der Branche umtreiben. Und einer, der das als Ansatz erkannt hat, ist Dennis Schenk. Er ist Geschäftsführer der Stadtwerke Steinfurt und ist mein heutiger Gast. Und wir sprechen darüber, wie ihr den Weg mit der Wissenschaft zusammen geht, wie das Ganze auch entstanden ist in der Praxis und was ihr bisher aus der Zusammenarbeit mitnehmen könnt. Herzlich willkommen Dennis, ich freue mich sehr.
Dennis Schenk
00:01:44
Ja, ich freue mich auch sehr. Schön, heute hier sein zu dürfen. Finde ich auch einen ganz besonderen Platz, eben der E-world mit einem ganz großen Treiben. Und ich freue mich heute auf den Aus-tausch mit dir und dass wir hoffentlich tolle Impulse, tolle Erfahrungen teilen können mit denen, die uns heute zuhören und vielleicht auch im Nachhinein uns hören wollen. Also freue ich mich sehr drauf. Danke.
Hannah Simon
00:02:08
Sehr gerne. Du hast es gerade gesagt. Wir sind hier so mitten auf der Messe. Heute ist Messetag drei. Du warst selber ja auch schon unterwegs an den vergangenen Tagen. Wie empfindest du denn dieses Jahr die Stimmung auf der Messe?   6 00:02:18.000 --> 00:03:07.000 <v Dennis Schenk> Ich hatte jetzt das Glück, dass ich ja schon mal vorgestern am Dienstag hier war und heute kurz hier sein durfte. Also es war am Dienstag wesentlich voller. Es war ein stärkeres Treiben und es war wirklich an allen Ständen auch sehr, sehr gut besucht. Heute ist es ein bisschen entspannter. Und man stellt immer wieder fest: Es gibt immer wieder was Neues. Also es ist wirklich so, die E-world hat viel Bekanntes und ich glaube, das macht uns auch als Branche aus. Wir haben sehr viel, was sehr beständig ist, wofür wir auch, glaube ich , sehr geschätzt werden, auch bei unseren Kunden. Wir haben aber auch zunehmend neue Themen, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen und gleichsam auch dürfen. Und so habe ich es als sehr lebendig wahrgenommen, muss ich ehrlich gestehen, in den Gesprächen mit denen, die auf den Messeständen ihre Themen anbieten und auch darüber sprechen. Aber man trifft hier ja auch immer viele Branchenkollegen, also das heißt Stadtwerkekollegen. Und da finde ich, merkt man auch, es wird immer lebendiger in der Kommunikation. Im Austausch zu Themen, Erfahrungen, die man gemacht hat. Und auch dann am Ende des Tages, na ja, was gibt man davon Teil? Und es wird immer mehr und es wird immer hilfreicher, glaube ich. Das ist, finde ich, ein total toller Impact. Und wir brauchen solche Plätze auch, um uns austauschen zu können. Also das hilft uns ungemein, einfach mal zu hören, was hat denn der von Stadtwerk XY gemacht und wie hat er das gemacht, um selber dafür seine Kenntnisse rauszuziehen. Ich glaube, man braucht Lernkurven und da kommen wir wahrscheinlich gleich auch noch drauf zu sprechen. Nicht jedes Mal von Neuem durchlaufen, sondern man kann natürlich auch ein Stück weit von dem partizipieren, was andere dort schon erfahren und erlernt haben. Also von daher, ja, viel Spannendes, viel Neues, aber auch viel Gutes, Etabliertes, worauf man dann weiter aufsetzen kann. < v Hannah Simon> Der perfekte Mix. Und gibt es besondere Themen, die du hier sehr oft gesehen hast oder die dir so eindrücklich in Erinnerung geblieben sind? Gab es Themenschwerpunkte, wenn du so über die E-world gelaufen bist an Lösungen oder Ähnlichem, wo du merkst, da ist irgendwie so ein Fokus dieses Jahr auch drauf?
Dennis Schenk
00:04:22
Es ist immer eine Frage, womit läuft man los? Also jeder hat ja auch ein Stück weit etwas im Fokus und sagt, okay, das sind Themen, die ich hier ganz gerne mal in Erfahrung bringen möchte oder zu denen ich dann etwas mehr Inhalt bekommen möchte. Was ich so wahrgenommen habe und was mich, und vielleicht viele andere auch, umtreibt, ist natürlich das ganze Thema der Einzug der KI in unsere Geschäftsprozesse. Gerade bei unseren ERP-Dienstleistern ist das glaube ich ein ganz großes Thema. Da stellt man zumindest in den Gesprächen fest, dass die meisten sich auf den Weg gemacht haben mit teils auch unterschiedlichen Lösungs-angeboten. Und ich glaube, man ist da in einem sehr frühen Stadium dessen, dass man sagt, man hat jetzt Pilotprojekte, die laufen. Diese Systeme sind oftmals ja so angelegt, dass sie noch lernen müssen, bis sie dann wirklich perfekt funktionieren. Und ich glaube, da sind wir, also zumindest wir als kleineres, mittleres Stadtwerk eher zu angehalten, zu sagen, okay, wir wollen nicht der First Mover sein, sondern wir wollen etwas haben, was dann schon etabliert ist und was wir dann wirklich auf unsere Kunden loslassen können. Aber da stellen wir fest, in den Gesprächen und da habe ich zumindest festgestellt, dass es da doch immer mehr Pilotstadtwerke gibt, die genau in diese Anwendung reingehen. Mit KI, mit fallabschließender KI. Und ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten ein, zwei Jahren, vielleicht früher auch schon, da wirklich Anwendungen am Markt sehen, die wir auch dann nutzen können. Die wir auch brauchen, denn unsere Branche wird ja zunehmend komplexer, vielfältiger. Das, was du gerade sagtest: Ja, was wird denn sonst noch so angeboten? Ja natürlich, Ladebordsteine. Das ist mir auch noch im Kopf geblieben. Fand ich total cool. Der Ladebordstein. Also bisher kennen wir immer nur diese Ladesäulen. Manche sind schön, andere sind es vielleicht nicht so. Und jetzt gibt es eine Variante, da gibt es diesen Ladebordstein mit einer entsprechenden Klappe. Da kannst du dann dein Ladekabel einstecken. Und das ist total smart. Das wird nicht überall gehen. Aber ich glaube, genau das macht es wieder aus. Wir finden jetzt auch zunehmend für die Fälle, wo wir vorher gesagt haben, ja, das ist der Standard, der muss sein, finden wir auch Lösungen. Für die Situationen, die vorher nicht der Standard waren, die nicht üblich waren. Und ich glaube, so wird es auch in Richtung unserer Kunden gehen. Bisher haben wir unsere Kunden sehr standardisiert betrachtet, haben das Gießkannenprinzip oftmals angewandt und jetzt fangen wir an, viel Zielkundengruppen-orientierter zu arbeiten. Auch was die Produkte anbelangt. Mehr am Kunden und für den Kunden zu entwickeln, als zu sagen, das ist es, das hatten wir die letzten 50 Jahre und das wird es die nächsten 50 sein. Das ist nicht mehr der Fall, sondern wir schauen wirklich genau hin und spielen uns auf den Kunden und natürlich auch auf die Welt, die uns umgibt, ein, denn diese verändert sich ja zunehmend. Sie wird vielfältiger, sie wird, glaube ich, sehr stark digital in vielen Bereichen. Aber, und das finde ich auch gut und das hört man auch in den Gesprächen, sie wird in Teilen auch persönlicher. Also wir schaffen vielleicht auch mit diesen Ansätzen viel mehr Zeit dafür, ins Persönliche überzugehen, da wo es auch wirklich notwendig ist und wo wir, glaube ich, auch dann wieder näher in die Kundenbeziehung kommen, was wir vielleicht manchmal so in den letzten Jahren auch ein Stück weit durch all diese Veränderungen und Umstände, Energiepreiskrise als Stichwort oder Corona, so ein Stück weit auf der Strecke geblieben ist. Ich glaube, da kommen wir jetzt wieder zunehmend hin und das sehe ich als absoluten Zugewinn, für uns wie auch für unsere Kunden.
Hannah Simon
00:07:41
Ja, unbedingt. Danke für dein Recap zur E-world. Sehr spannend, zu hören. Das Thema, was uns ja heute zusammenbringt, ist die Kooperation, die ihr eingegangen seid mit der FH in Münster. Vielleicht zu Beginn jetzt noch mal so ganz grob zur Einordnung. Was kann man sich darunter vorstellen? Wie würdest du es jemandem erklären, der heute das erste Mal davon liest? Stadtwerke Steinfurt und die FH Münster kooperieren.   14 00:08:03.000 --> 00:09:02.000 <v Dennis Schenk> Ja, im Grunde ist das ganz einfach. Also der, der mal studiert hat oder diejenigen, die mal studiert haben, werden das vielleicht nachvollziehen können. Es gibt ja immer mal die Möglichkeit im Rahmen seines Studiums ein Praktikum zu machen bei einem Unternehmen und was wir immer schon gemacht haben, wir haben eigentlich immer schon mit der FH Münster, die einen großen Ableger bei uns in Steinfurt hat, nämlich die FH Steinfurt, kooperiert. Im Rahmen von Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Praktika, ganz oft aber auch Werkstudententätigkeiten. Und im Endeffekt machen wir dann nichts anderes, dass wir uns offen dafür zeigen, wenn die FH, beziehungsweise die Studenten auch direkt bei uns anfragen, sagen, wir haben da ein Thema, könnte bei euch reinpassen als Stadtwerk, gerade auch mit den Netzen, Strom, Wasser, Wärme. Und wir prüfen dann, macht das für uns Sinn, können wir das unterbringen? Und dann lassen wir die Studenten wirklich bei uns zu diesen Themen recherchieren, arbeiten und auch ihre Arbeit anfertigen. Wir haben das Glück, dass wir Mitarbeiter haben, die da selber Lust drauf haben. Das muss man einfach dazu sagen. Ich glaube, das gehört auch ein Stück weit dazu und dadurch war das immer etwas, was auch schon über die letzten Jahrzehnte bei uns gemacht wurde. Wir stellen jetzt aber auch fest, dass es auch da wie-der in der Vielfalt zunimmt. Wie auch in unserem Geschäft selber, nimmt die Vielfalt im Bereich der Arbeiten zu. Die Studenten machen sich viel mehr Gedanken. Was kann man denn da eigentlich noch Tolles machen und was wurde vielleicht noch gar nicht so im Detail betrachtet? Und da kommen wir dann meist drüber zusammen und auf unterschiedlichste Art und Weise. Und wir haben uns einfach sehr offen dafür in der Vergangenheit gezeigt und tun dies auch noch heute. Und ich glaube, das ist so ein Stück weit der wesentliche Zugang dazu von beiden Seiten. Dass beide Seiten sagen, ja wir sind da offen für, wir sind offen für den Dialog und gucken dann, wie man solche Themen gemeinsam so schneiden kann, dass man sie von der FH machen kann und in den Stadtwerken unterbringen kann. Ich glaube, das ist so ein ganz, ganz wichtiger Punkt, der dafür Sorge trägt, dass sowas funktioniert und im Grunde, wie gesagt, jeder Studierende hat die Möglichkeit, dort dann mit dem entsprechenden Thema auch bei uns seine Arbeit zu schreiben oder seine Werkstudententätigkeit aufzunehmen oder sein Praktika zu machen. Also all die Möglichkeiten bestehen, wenn die Themen bei uns reinpassen und bisher war das oft der Fall, das kann ich dazu sagen. Obwohl wir ein eher kleineres Stadtwerk sind, hatten wir oft die Möglichkeit, dort den Studenten die Möglichkeit zu geben, bei uns interessante Themen in der Praxis zu verfolgen, zu begleiten oder sogar auch teilweise aufzusetzen. Das war toll.
Hannah Simon
00:10:37
Und jetzt habt ihr das in so eine feste Partnerschaft gegossen und auch mit einem bestimmten Fachbereich, der auch thematisch noch mal ganz zugeschnitten ist oder wo es die größten Parallelen oder Schnittstellen gibt.
Dennis Schenk
00:10:49
Genau, das haben wir getan. Hintergrund war der, dass dort ein Professor des Lehrstuhls EGU, also Energie, Gebäudemanagement und Umwelt, bei uns im Aufsichtsrat war und da bestand so oder so schon immer eine Verbindung. Und da kam die Idee auf, dass wir doch dort das Ganze noch in einen festeren Rahmen geben, um diese Hürde, und eigentlich ging es auch nur darum, diese Schwelle noch niedriger anzulegen, in die Zusammenarbeit zu kommen. Weil das ist genau der Punkt. Das hat in der Vergangenheit gut funktioniert, aber es war ja nie so ein festes Konstrukt, sondern immer eine lose Abfrage-Anfrage. Und jetzt haben wir das eben fest institutionalisiert und merken auch schon, es geht einfacher, es geht schneller. Und es ist präsenter auf beiden Seiten, weil wir das dann auch entsprechend kundgetan haben, und das weiß man sowohl auf der Seite der der Hochschule als auch auf Seite der Stadtwerke. Ich glaube, das war nochmal, um es zu verstetigen, ein ganz sinnvoller Schritt.
Hannah Simon
00:11:46
Das heißt, gar kein konkretes Thema, was der richtige Auslöser war, sondern es war eigentlich immer so eine lose Zusammenarbeit, die schon existiert hat und dann menschlich getrieben durch den Professor auch, der dann mit euch in den Austausch dann gegangen ist. Was kann diese Kooperation denn leisten, wo du sagst, das können wir eigentlich aus dem Stadtwerke-Alltag heraus gar nicht so richtig abbilden und da hilft uns das jetzt total? Weil ihr seid ja natürlich auch in allen relevanten Themen sowieso schon unterwegs und was ist da so der Zugewinn durch diese Kooperation?
Dennis Schenk
00:12:16
Der erschließt sich gar nicht auf den ersten Blick. Das ist ganz interessant. Also ich war auch in anderen Stadtwerken schon tätig und das Thema Zusammenarbeit mit Hochschulen wurde manchmal sehr kritisch auch von den Mitarbeitern beäugt, war dann eher so demnach dargestellt, es würde hier Arbeit machen. Was wir aber hier, und das habe ich dann auch in anderen Häusern zu Teilen gehabt, daran festmachen können, dass das gar nicht so ist, ist, dass wir in Bereiche reingehen können, die wir selber gar nicht so wissenschaftlich analysieren können. Wissenschaftlich heißt oftmals mit Daten umgehen zu können, also Daten auf-zunehmen. Das ist, glaube ich, genau der Punkt und das haben wir jetzt vielfach in Systemen, in der Wasserwirtschaft. Wir bauen zum Beispiel, ich mache das mal am Beispiel fest, das ist vielleicht ganz gut. Wir haben neben unserem Standard-Wasserfilter im Wasserwerk einen Laborfilter aufgebaut. War eine ziemlich coole Sache, weil unter Praxisbedingungen konnte das die FH Münster, beziehungsweise Steinfurt, nicht machen. Da könnten sie das höchstens über ihren Wasseranschluss machen. Das war jetzt semi so, dass man da vernünftige Erkenntnisse bekommt, wo man auch dann nachher wirklich reputativ vernünftige Aussagen drüber ableiten kann. Und wir hatten nie die Möglichkeit, neben unserem Standardfilter, den wir natürlich brauchen, um das Wasser zu filtern und auch abzugeben, weil das machen wir 24/7 und das muss auch weiterhin laufen, dann eben nochmal eine Strecke aufzubauen, wo ein Laborfilter aufgebaut wird, wo man verschiedenste Filtermaterialien testet und dann nach dem Filter. Was filtern denn diese Materialien anders als der Standardfilter? Also wir haben da eine Messstrecke aufbauen können, mit der wir dann vergleichen konnten. Wenn ich von wir spreche, war das genau das. Das konnten nämlich nicht wir, sondern das haben dort die Studenten gemacht. Die haben diese Daten, also haben sich erstmal Gedanken gemacht, wie müsste das gestaltet sein, haben diese Daten dann aufgenommen, ausgewertet und dann auch Erkenntnisse daraus gezogen, beziehungsweise auch Maßnahmenvorschläge mit uns gemeinsam ableiten können. Und das war richtig toll. Das ist richtig gut und hat auch zu wirklich signifikanten Einsparungen geführt. Wir haben recht viel Eisen im Wasser und das geht, glaube ich, einigen Stadtwerken so, die Wasser fördern, dass sie Eisen im Wasser haben und dieses wird auch rausgefiltert und dann hat man nachher diesen Eisen-schlamm. Der Eisenschlamm ist sozusagen ein Sondermüll und muss wirklich sehr teuer entsorgt werden. Und diese Analyse des Eisenschlamms und dann der Erkundung, welche Möglichkeiten hat man diesen Eisen-schlamm in nachgelagerten Industrieprozessen unterzubringen, hat dazu geführt, dass die Entsorgungskosten dort signifikant gesunken sind, weil dieser Eisenschlamm dann im Endeffekt ein zweites Leben bekommen hat in der Industrie und wir dadurch einen Großteil an Kosten für die Entsorgung einsparen konnten. Also ein Win-Win, sowohl was die Nachhaltigkeit anbelangt als auch was unsere Kosten anbelangt, die wir so oder so gehabt hätten, die wir aber dadurch stark reduzieren konnten. Und das ist nur eines von einigen Beispielen, die wir in der letzten Zeit hatten, wo wir sagen können, ja, da war für uns definitiv auch ein Benefit dabei in der Zusammenarbeit zwischen der Hochschule und uns als Stadtwerk.
Hannah Simon
00:15:08
Also da möchte ich auf jeden Fall gleich nochmal anknüpfen, was ihr da vielleicht noch für Praxisbeispiele hattet, total spannend. Eine Kooperation basiert immer so ein bisschen auf dem Konzept geben und nehmen. Also das ist das, was die Wissenschaft euch, oder die Uni, euch jetzt so geben kann. Was könnt ihr denn im Gegenzug der Wissenschaft zur Verfügung stellen? Ich hatte jetzt schonmal ein bisschen rausgehört, die Daten, die ihr sowieso habt. Kannst du uns da noch ein bisschen was zu erzählen?
Dennis Schenk
00:15:31
Ja, ich glaube, dass ich das kann. Wir bekommen immer ein recht positives Feedback und ich glaube, daran kann ich jetzt auch ableiten, warum man noch immer mit uns zusammenarbeiten möchte und warum es auch einen großen Nutzen auf Seiten der Hochschule hat. Klar, sie sind natürlich in einer absolut praxisnahen Umgebung, was sie sonst nicht wären. Und sie bekommen wirklich auch diese praktischen Messwerte. Wir haben jetzt gerade über eine Laborbedingung gesprochen, die wir geschaffen haben, aber in der realen Situation. Und wir haben auch vielfach die Situation, dass wir wirklich die Daten, die wir aus dem Netz zum Bei-spiel, aus dem Stromnetz erhalten, wirklich dann den Studierenden zur Verfügung stellen, oder der FH, um daraus reale Erkenntnisse abzuleiten. Und das hilft denen ungemein. Auch nicht nur in der Lehre und in der Forschung, sondern auch, um dann das Bestreiten von guten, hochwertigen Arbeiten, ob das jetzt Bachelor-, Masterarbeiten sind, darzustellen. Und die Studierenden haben natürlich Spaß, weil sie den direkten Bezug zur Praxis sehen und nicht so theoretisch agieren und schreiben müssen. Also das ist das, was wir dort vorfinden konnten. Wir haben auch, das haben wir auch gemacht und das ist auch ganz toll, wir machen praxisbezogene Workshops mit denen. Die kennen das natürlich aus ihrer Hoch-schule. Dort haben sie auch Workshops, Seminare. Aber wenn wir das in der Praxis machen mit unseren Praktikern und das ist dann nicht auf Management-Ebene, sondern da sind all die dabei, die in diesen Prozessen mit bei uns tätig sind. Das gibt denen nochmal einfach ein ganz anderes Gefühl für die Dinge und deren Fragen natürlich auch wiederum unseren Leuten. Also von daher, das ist wirklich eine Win-Win-Situation und das funktioniert gut und ich sagte ja gerade eingangs, ein Stück weit können wir das daran festmachen, dass da einfach schon so ein gewisses Vertrauen und eine gewisse Offenheit entstanden ist. Dass man sich gar nicht mehr da irgendwo so ein Stück weit distanziert und sagt, na ja gut, ich bin dem sehr kritisch gegenüber, sondern man hat über die Jahre jetzt immer schon wieder feststellen können, das macht Spaß mit den jungen Leuten. Das ist gut. Das bringt uns was. Das ist nicht blöd, das ist gut. Und von daher glaube ich, dass wir da in nicht nur einem guten Austausch sind, sondern dass wir da auch auf Seiten der Wissenschaft, der Hochschule, der Studieneinrichtung einen wirklichen Mehrwert schaffen können, zu dem eigentlichen Hochschulgeschäft und zu den eigentlichen Hochschulstrukturen.
Hannah Simon
00:17:42
Das baut auf jeden Fall so eine Brücke dann auch zur Praxis. Also, wenn ich mich an meine Studienzeit erinnere, dann war man schon sehr in den Theorien auch unterwegs. Da mal so einen Real-Life-Bezug zu bekommen ist ja auch in der Uni total hilfreich und auch in Kontakt zu kommen mit der Arbeitswelt, stelle ich mir auf jeden Fall hilfreich vor. Jetzt hast du uns gerade schon von dem Wasserfilter und dem Eisen-schlamm erzählt. Ich würde sehr gerne mit dir auch weiter in die Praxis einsteigen. Was gibt es denn sonst noch für Projekte, die ihr im Rahmen der Kooperation oder in der Zusammenarbeit schon umgesetzt habt? Hast du da noch ein paar weitere Beispiele für uns?
Dennis Schenk
00:18:12
Ich kann das vielleicht ganz gut an den Dingen festmachen, die uns jetzt auch gerade in der Branche umtreiben. Das Thema der dynamischen Netzberechnung ist zum Beispiel ganz interessant, denn ab 2028 müssten wir das vorhalten. Und wir haben uns sehr früh, ich glaube, vor ungefähr anderthalb, zwei Jahren schon dort mit der Hochschule auf den Weg gemacht, gemeinsam solche dynamischen Netzberechnungen aufzusetzen. Und das fängt ja sehr früh an, denn bei so einer dynamischen Netzberechnung, und der Name sagt es schon, geht es um dynamisches. Das heißt um das, was sich fortwährend ändern kann. Und wir hatten die Herausforderung, ich behaupte mal, das dürften viele meiner Berufskollegen auch haben, dass wir die Viel-zahl, wir sind sehr ländlich, also Steinfurt ist sehr ländlich, ist im Münsterland, dass wir die Vielzahl, der fluktuierenden Einspeiser, allen voran natürlich Wind, PV, teilweise wirklich sehr, sehr schlecht prognostizieren konnten, also deren Einfluss auf unsere Netze kaum vorhersagen konnten. Warum? Weil wir ja auch unterschiedlichste Formen von Anlagen haben. Die Ausrichtung zum Beispiel der PV-Anlage. Wir haben ja nicht nur PV-Anlagen, so war es ja mal früher am Anfang des EEGs, die waren ja immer Richtung Süden ausgerichtet. Das ist ja längst nicht mehr so, weil sie heute auch ganz anders genutzt werden. Sie werden auch für den Eigenverbrauch genutzt. Sie sind auch in ihren Stückkosten sehr, sehr günstig geworden, was es attraktiv macht, ich sage jetzt mal in nicht optimaler Ausnutzung, möglicherweise solche Anlagen zu errichten. Und für uns ist dann natürlich im Rahmen einer dynamischen Netzberechnung wichtig zu schauen, welchen Einfluss haben sie denn, diese unterschiedlich ausgerichteten Anlagen auf unsere Netzinfrastruktur? Und das ging wiederum nur, zumindest bei uns, da fanden wir die eigenen Leute nicht, mit dem Know-how und auch mit der wissenschaftlichen Methodik der Fachhochschule, die uns dort dabei unterstützt hat und gemeinsam mit uns dann geschaut hat, was hat das denn für einen Einfluss? Also sie haben die Daten genommen, sie haben die Daten analysiert. Sie haben gewisse Methoden an-gewandt und kamen dann zu Erkenntnissen. Und das Interessante ist da wieder, für uns wäre dann sozusagen das Projekt abgeschlossen gewesen. Wir haben jetzt eine dynamische Netzberechnung und das ist, glaube ich, bei unserer Verteilnetzgröße überhaupt kein Standard, dass wir das schon haben. Das machen wir schon heute. Also wir können heute per Knopfdruck sagen, wie der Lastfluss aktuell aussieht, aber wir können dann auch sehr gut anhand der aktuellen Einwirkung sagen, wie er denn jetzt nach vorne raus aussieht. Das verändert sich auch und das sehen wir auch. Also das ist eine ganz tolle Sache und daraus ist wieder ein Projekt entstanden, wodurch wir dann prädestiniert waren, weil wir hier ja schon mal Grundlagenforschung betrieben haben. Und das ist jetzt ein europäisches Projekt, wo es darum geht, auch wieder Lastflüsse zu messen, aber dort mit einer neuen Form von Sensorik. Ich versuche das jetzt mal ein bisschen für die Hörerschaft aufzubereiten und das auch gar nicht in die Tiefe abzuleiten. Mit einer neuen Form von Sensorik, wo wir dann festhalten können, welche direkten Einflüsse ergeben sich in Mittelspannung, Niederspannungsnetze mit einer Sensorik, die sehr einfach ist. Wir haben vorher die Situation gehabt, wenn wir das in diesen Ortsnetzstationen gemacht haben, also diese Häuser, diese Wohneinheiten, Straßenzüge sind oftmals irgendwo in Ortsnetzstationen gebündelt, und dort entsprechende Messeinrichtungen einzubauen, um zu messen, wie verhalten sich denn diese hinter dieser Ortsnetzstation liegenden Einheiten, war sehr aufwendig, sehr teuer. Und jetzt gibt es eine Messform, die das Ganze um ein Vielfaches günstiger macht und dann auch damit, glaube ich, alltagstauglich und in die Fläche verbreiten lässt. Da gibt es ein europäisches Forschungsprojekt, an dem wir teilnehmen dürfen, weil wir Grundlagenforschung betrieben haben mit der dynamischen Netzberechnung zusammen mit der Fachhochschule, und da komplett mit drin sind. Das heißt, wir stellen unsere Netzdaten zur Verfügung. Man fährt bei uns mit in die Ortsnetzstation, schaut sich auch die örtlichen Gegebenheiten an. Und wir hoffen damit natürlich Erkenntnisse für uns zu erlangen. Aber, wir waren ja gerade auf der Seite, welche Nutzen haben wir davon, aber wir finden das natürlich auch toll, wenn wir hier ein Stück weit dafür sorgen können, dass man diese dann nachher auf etliche andere Netzbetreiber übertragen kann. Und, ich glaube das ist auch der wesentliche Impact, einen ganz großen Beitrag dazu leisten kann, dass unsere Netze effizienter werden. Weil das ist glaube ich das, was uns alle auch gerade stark beschäftigt. Die Energiewende hat ja zur Folge, dass wir unsere Netze aktuell weiter stark ausbauen müssen. Wir sind in einer absoluten Netztransformation. Und damit wir nicht nur Querschnitt und Kupfer verbauen müssen, sondern möglicherweise auch Effizienz dort heben können, wo wir direkte Informationen haben und diese Information dann extrapolieren können, einen großen Teil an Kosten einsparen können. Das ist eigentlich die Idee dahinter und das Ganze gestalten wir gerne mit. Das ist wie gesagt ein Nutzen, den wir dort perspektivisch sehen, aber den wir dann auch in der kompletten Branche zur Verfügung stellen können. Und das ist ein tolles Projekt.   33 00:22:59.000 --> 00:23:46.000 Das ist gerade angelaufen und da sind wir jetzt natürlich auch gespannt auf die nächsten Monate, auf die Erkenntnisse und was sich dann daraus wieder ergibt und das ist das Tolle. Manchmal weiß man am Anfang gar nicht, was wirklich am Ende noch alles herauskommen kann. Wenn man einmal mit Themen startet und, was ich gerade noch vorenthalten habe, ist, das Projekt zur dynamischen Netzberechnung, war eigentlich ursprünglich sogar mal ein Batteriespeicherprojekt. Da wollte die Hochschule einen Batteriespeicher, einen Zinkluftspeicher bei uns im Netz testen. Und irgendwie ging es dann weiter und dann war es nicht mehr nur der Speicher, der natürlich getestet wurde, sondern dann kam man zu der Erkenntnis, man müsste ja eigentlich auch das ganze Thema dynamische Netzberechnung mal mit betrachten. Wie dynamisch können Netze sein? Wie dynamisch kann man sie darstellen? Welche Erkenntnisse sind notwendig? Das haben wir dann gemacht und im Endeffekt aus eins mach drei. Und es entwickelt sich immer weiter und ich glaube, wir sind da super stolz drauf, supergut mit unterwegs und können uns natürlich in diesen Bereichen dann auch hervorragend weiterentwickeln. Und das ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt. Diese Weiterentwicklung ist einfach das, was auch uns antreibt und wir merken das auch kulturell. Das ist auch ganz toll, wenn wir nicht nur über Euros sprechen oder über welchen Nutzen sehen wir denn auf Seiten der Lehre, welchen Nutzen sehen wir auf Seiten der Stadtwerke. Dann muss man auch ganz klar dazu sagen, wir sehen auch einen Nebeneffekt und der ist vielleicht gar nicht mal so nebensächlich. Wir sehen dort einen direkten, wirklich tollen Einfluss auf unsere Kultur.
Hannah Simon
00:24:22
Bringt richtig frischen Wind und Motivation wahrscheinlich auch rein, wenn man merkt, auf was für einer Ebene man mitgestaltet als Mitarbeitender von den Stadtwerken Steinfurt. Oder wenn es bis nach Europa geht oder wenn man da seinen Beitrag zu leistet, um das Thema Energiewendenetztransformation auch mitzugestalten in dieser Form, oder? Stelle ich mir sehr motivierend vor für dein Team dann auch.
Dennis Schenk
00:24:42
Ich glaube, das ist der Punkt. Also ich hatte die Möglichkeit, in dem einen oder anderen Gesprächszirkel dabei zu sein und es ist wirklich toll, dann mitzuerleben, wie engagiert die Kollegen und Kolleginnen sind bei diesen Themen und wie du merkst, wie da auch so ein Strahlen in deren Gesichtern sich einstellt, wenn sie dann mal ihre Daten präsentieren können und auch merken, sie sind ein Teil von etwas manchmal auch einfach größerem als man selber in seinem Tagesgeschäft sein kann. Das ist ganz, ganz toll. Und wie gesagt, der Austausch auch mit den Studierenden und unseren Mitarbeitern hat wirklich ein Stück weit dazu bei-getragen, dass wir sehr offen sind, sehr agil sind. Vielleicht auch ein Stück innovativ. Wo wir sagen können, ja wir sind zwar jetzt, haben keine eigene Innovationsabteilung, keine F und E-Abteilung, definitiv nicht, aber wir sind in gewissem Maße wirklich dadurch innovativ und das spiegelt unsere Kultur schon jetzt wieder. Und das merkst du bei allen Themen. Das ist eigentlich das Tolle.   37 00:25:39.000 --> 00:26:14.000 <v> Das ist nämlich losgelöst von diesen einzelnen Forschungsthemen, sondern du merkst einfach, wenn es darum geht, wir stellen fest, wir könnten vielleicht noch was besser machen, dann machen sich die Kollegen auf den Weg. Und das ist toll und das ist so diese Eigendynamik, finde ich, die für mich auch unwahrscheinlich an-genehm und positiv ist. Das es nicht alles immer top-down kommen muss, sondern du merkst wirklich, es kommt bottom-up, es kommt aus der Belegschaft, es kommt von den Mitarbeitern, weil die selber Lust daran verspüren, was auf die Beine zu stellen und Probleme zu lösen oder auch zu sagen, da können wir was nach vorne entwickeln. Das gehen wir mal an.
Hannah Simon
00:26:14
Ja, man ist total im Modus, also im Driver's Seat, wenn man dieses Bild da auch zeichnen möchte. Weil wir uns ja sonst auch immer viel mit Herausforderungen und Problemen beschäftigen. Und es hört sich richtig so an, als wenn ihr in vielen Themen dann auch einfach im Gestalten seid. Das ist ja am Ende das, was einen dann auch trägt. Weil jeden Tag neue Herausforderungen, Regulatorik, neue Dinge, die umgesetzt werden müssen. Dieses große Thema Energiewendetransformation, das wie ein Damoklesschwert über einem schwebt. Dann aber auch ins Tun zu kommen und aktiv an den Lösungen mitarbeiten zu können. Das ist sicherlich ein guter Treiber auch für das ganze Team.
Dennis Schenk
00:26:45
Super cooles Stichwort, was du geliefert hast: Gestalter. Genau. Also wir fühlen uns in Teilen, das geht nicht in allen Bereichen und das ist, glaube ich, auch klar, das liegt auch auf der Hand durch die Themen, die wir da abbilden müssen, aber ja, wir fühlen uns wirklich in Teilen als Gestalter. Und das ist einfach das, was so entscheidend ist. Nicht mehr aus der Rolle zu kommen, wir müssen irgendetwas verwalten oder wir müssen in strengen, geraden Bahnen fahren, sondern wir können doch in vielerlei Hinsicht auch gestalten und Einfluss auf die Dinge nehmen. Und das ist durchweg total toll und positiv und spürst du wirklich gefühlt in jeder Unternehmensritze, auf Deutsch gesagt. Das merkst du einfach, das zieht sich durch und das ist einfach das, was auch echt Spaß macht.
Hannah Simon
00:27:31
Schön. Wo ich gerne noch mit dir draufschauen wollen würde, wäre das Thema Fachkräfte. Also ihr habt da jetzt natürlich auch einen direkten Zugang zu Menschen, die demnächst in den Arbeitsmarkt eintreten. Man hört das von allen Seiten, dass das Thema Fachkräftegewinnung bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger eine Rolle spielt. Gerade auch in der demografischen Entwicklung im eigenen Unternehmen gibt es ja viele Energieversorger, die damit konfrontiert sind, dass auch in den nächsten Jahren große Teile der Belegschaft in den Ruhestand gehen. Da habt ihr jetzt ja einen direkten Zugang zu motivierten Menschen, die vielleicht perspektivisch auch bei euch arbeiten könnten. Kannst du uns da auch nochmal ein bisschen was dazu erzählen, wie sich das für euch jetzt so entwickelt hat? Und was ihr da vielleicht für Vorteile auch aus der Kooperation ziehen könnt. Die sind wahrscheinlich offensichtlich, aber die Praxis würde mich interessieren.   41 00:28:20.000 --> 00:29:27.000 <v Dennis Schenk> Ja, du hast recht, Hannah, die sind auch offensichtlich, aber das ist ja auch wieder genau das. Das legt man vielleicht von vornherein gar nicht so fest und das kann man auch gar nicht. Ich möchte jetzt X neue Mitarbeiter über diese Kooperation gewinnen. Ich glaube, das funktioniert auch mit solchen Zielen nicht. Also mit solch harten Zielen nicht, aber es passiert dann doch. Und es passiert dann durch die Zusammenarbeit, durch Praktika. Also wir hatten das in der Vergangenheit beim Thema der Wärmeplanung. Da haben wir jemanden gewonnen, der bei uns dann auch angefangen hat. Ich sage mal vom Praktikant zum Ingenieur, im wahrsten Sinne. Und dann auch wirklich mit Verantwortung. Und das Schöne natürlich, auf beiden Seiten, ich glaube, er hat genau gewusst, worauf er sich einlässt. Wir wussten es auch. Ganz großer Benefit. Also wirklich, wirklich toll. Und das sehen wir da an ganz vielen Stellen. Und dass wir zunehmen. Wir brauchen mehr und mehr und wir hatten ja am Eingang auch unseres Gesprächs darüber gesprochen, Vielfalt, Komplexität, all das nimmt zu und das erfordert natürlich auch, nicht an allen, aber an vielen Stellen die entsprechend ausgebildeten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Und, ja, wir haben das Glück, mit der Hochschule vor Ort, dass wir dort Leute finden, die genau oftmals in diesen Bereichen ausgebildet wurden und mit der Kooperation, mit der Zusammenarbeit dann sehr schnell den Weg zu uns finden. Weil sie entweder schon vorher Praktika, Bachelorarbeit, Masterarbeit geschrieben haben oder aber, und jetzt kommt der nächste Zug, den wir dann dafür eingeleitet haben, durch die Rahmenkooperation auch einfach die Stellenaushänge bei sich sehen. Das heißt also, wenn wir dort diese Kräfte suchen, geben wir das einfach mit da rein und dann wird das ausgehangen und das muss dann nicht auch nochmal geprüft werden, weil es gibt ja genau diese kooperative Ebene, diesen kooperativen Rahmen, und in den gießen wir das. Und bisher - toi, toi, toi - hatten wir, was das Thema Fachkräftegewinnung in diesem Bereich anbelangt, keine Probleme. Wir haben wirklich immer die Leute gefunden, die wir an den Stellen auch benötigt haben. Und wir glauben, das wird auch in Zukunft mit Sicherheit etwas sein, wovon wir positiv partizipieren können. Das ist schon etwas, was gut ist. Und wie gesagt, auch auf beiden Seiten. Denn wir haben ja auch oftmals die Studenten, die sagen, wir finden das toll, wir finden das interessant, was wir da gesehen haben. Wir möchten gerne weitermachen. Und die, jetzt ein bisschen wieder der Rückschluss, ich glaube, die finden das ganz toll, dass sie immer noch an Projekten mit ihrer Hochschule auch in Zukunft arbeiten können. Also, dass diese Aussicht einfach besteht. Es gibt da mal wieder ein tolles Projekt, woran ich teilnehmen kann. Das heißt also dieses sich weiter Gedanken um zukünftige Themen zu machen, etwas wissenschaftlich arbeiten zu können ist bei uns damit ja gegeben und nicht ausgeschlossen. Das wissen sie ja sonst nicht, wenn sie in andere Unter-nehmen gehen, die solche Zusammenarbeit nicht machen, wird es vielleicht eher schwieriger. Und bei uns wissen sie, dass da definitiv diese Möglichkeiten dieser Option auch in der Zukunft bestehen können. Und ich glaube, das macht was aus.
Hannah Simon
00:31:14
A match made in heaven, würde ich mal sagen. Uns läuft die Zeit langsam davon. Deswegen frage ich dich nochmal schnell: Wenn jetzt andere Stadtwerke, Energieversorger darüber nachdenken, auch so eine Kooperation einzugeben mit einer regionalen Hochschule oder Universität, gibt es so ein paar Parameter oder Dinge, wo du sagst, das sind Erfolgsfaktoren, darauf sollte man achten, damit das am Ende so ein erfolgreiches Modell der Zusammenarbeit werden kann, wie das jetzt erfreulicherweise bei euch sich entwickelt hat?
Dennis Schenk
00:31:41
Ich glaube, das hängt ja immer an den handelnden Personen. Und ich glaube, klar, sowas wird auch vorgelebt werden müssen. Also ich glaube, dass es schon wichtig ist, dass man dann auch im Management, in der Geschäftsführung, das ein Stück weit positiv begrüßt, mindestens. Wenn die Anfrage wirklich von der Mitarbeiterschaft kommt, so was zu tun. Das ist das eine. Auf der anderen Seite ist es auch immer die Kommunikation und der Wille, wirklich etwas umsetzen zu wollen. Also ich habe das schon ganz oft in meinen Jahren, in denen ich jetzt schon in der Branche bin, gehört, ja wir haben da auch so eine Kooperation, aber im Grunde passiert da gar nicht viel. Ich glaube, das wird sich nicht immer vermeiden lassen können. Aber ich glaube, was hilft, ist definitiv auch offen zu kommunizieren und vielleicht auch über Erwartungen zu sprechen. Also wir haben das schon gemacht und gesagt, ja, wir würden aber auch ganz gerne gewisse Erkenntnisse dar-aus gewinnen. Wir als Stadtwerk. Und dann kann man solche, ich nenne das jetzt mal vorsichtig Forschungs-vorhaben oder solche Arbeiten, auch dahingehend ein Stück weit ausgestalten. Deswegen ist da, glaube ich, der klare und offene Dialog ganz wichtig. Und natürlich dann zu schauen, welche Hochschule, welcher Fachbereich kommt denn da für mich in Frage? Wo habe ich hohe Schnittmengen? Wo kann ich mir das vorstellen? Wir haben festgestellt, und ich, weil es ja auch nicht das erste Stadtwerk ist, wo ich solche Kooperationen eingegangen bin, dass grundsätzlich die Fachhochschulen da schon demgegenüber offen sind, weil sie ja davon auch partizipieren können. Auch froh sind, wenn sie ihren Studenten die Möglichkeit geben können, in der Praxis Erfahrung sammeln zu können. Von daher einfach machen, einfach versuchen und es ist auch nicht schlimm, wenn möglicherweise schon ein anderes Stadtwerk dort mit dieser Hochschule zusammenarbeitet. In der Regel gibt es genügend Themen und Themenfelder, in denen auch ein drittes, viertes, fünftes Stadtwerk aktiv werden kann. Also ich glaube, es gibt wahrscheinlich mehr Arbeiten und mehr zukünftige, tolle Themen, als es Stadtwerke gibt, die sie unterbringen können. Von daher, ruhig ganz offen reingehen und den Kontakt suchen, dann kann man mit Sicherheit eine ganze Menge gemeinsam erreichen und auch davon partizipieren. Ich glaube, am Ende des Tages geht es natürlich auch ein Stück weit genau darum.
Hannah Simon
00:33:39
Also man kann eigentlich gar nicht so viel falsch machen. Man muss machen, höre ich da raus. Wenn wir jetzt nochmal nach vorne schauen für dieses Jahr, was habt ihr euch denn noch so vorgenommen? Gibt es bestimmte Themen, über die du schon sprechen kannst, die bei euch auf der Agenda stehen?
Dennis Schenk
00:33:52
Ja. Zum einen ist es natürlich das gerade benannte Projekt dieses Quantum IRES-Projekt. So nennt sich das, kann keiner was mit anfangen. Kann man vielleicht nachschlagen, vielleicht findet man auch schon was dazu. Was wir auch machen, und das ist auch ganz interessant, wir binden die FH in ein neuartiges Vertriebsprodukt, was wir aufsetzen, ein. Das wird ein Vertriebsprodukt sein, was sehr nah an PPA sein wird. Es wird aber kein PPA direkt sein. Und da wollen wir die FH ganz gern mit einbinden. Mehr kann ich natürlich noch nicht dazu sagen, weil das wäre wahrscheinlich kontraproduktiv für uns, vielleicht.
Hannah Simon
00:34:29
Wir fragen nochmal nach, dann, zu späterem Zeitpunkt.
Dennis Schenk
00:34:31
Genau, das machen wir total gerne. Und wir untersuchen, und das kommt auch von der Hochschule, das finde ich auch ganz interessant, da ist die Hochschule auf uns zugekommen. Wir werden gemeinsam uns an einem Projekt beteiligen, an einer Untersuchung, wo es darum geht, Post-EEG-Modelle zu entwickeln. Und ich weiß, es gibt ja schon diese Post-EEG-Modelle und hier geht es auch wirklich dann darum, als kleineres, ländliches Unternehmen die kleinsten Anlagen in einem sehr, ich nenne das jetzt mal wirtschaftlich sinnvollen Kontext, mit aufnehmen zu können. Weil das ist, glaube ich, immer noch die Krux, dass diese Kleinanlagen, wenn dort die Förderung ausläuft, im Endeffekt gar nicht vernünftig untergebracht werden. Die Energie wird aufgenommen. Es gibt einen Referenzpreis, ja, aber ich glaube, das ist oftmals nicht das, womit sich dann wirklich der einzelne Besitzer dieser Anlage, des Häuschens, zufriedengeben möchte. Er möchte, glaube ich, da schon etwas mehr. Etwas, was auch ihm vielleicht einen erweiterten Sinn gibt. Und ich glaube, auf der Schiene werden wir dort dieses Projekt gemeinsam mitgestalten. Und dann mal schauen, zu welchen Erkenntnissen man kommt. Inwiefern auch diese dann nachher über-tragbar sind. Welche Modelle dann möglicherweise für eine Vielzahl von Einspeisern und dann vielleicht von Stadtwerken nachher Sinn machen, so dass man sie dort auch unterbringen kann. Denn eines steht fest: Dieser Trend, der zunehmend auslaufenden Kleinsterzeugungsanlagen wird sich natürlich auch verstetigen. Denn irgendwo vor 20 Jahren hat man mal angefangen und irgendwann laufen dann immer diese Fördermechanismen aus und dann stellt sich die Frage, was mache ich mit dieser Anlage, die immer noch vielleicht sechzig, siebzig, vielleicht sogar achtzig Prozent produziert? Und da finde ich es toll, wenn wir da Antworten drauf finden und das gemeinsam wieder mit der Wissenschaft, was wir selber auch gar nicht leisten können, weil wir weder die Ressource Zeit haben als auch entsprechend diese wissenschaftlichen Methoden, um so etwas dann genauer mal zu analysieren und dann auszuwerten. Also von daher freuen wir uns auch da, wenn wir an diesem Projekt gemeinschaftlich in Zukunft arbeiten können.
Hannah Simon
00:36:29
Ja, so schließt sich auch ein bisschen der Kreis zu dem, was du ganz am Anfang gesagt hattest, nämlich das mit der zunehmenden Kundenzentrierung und den Kunden auch wieder mehr im Blick zu haben. Da die guten und passenden Lösungen auch finden zu können. Das geht ja dann auf jeden Fall dort genau in die Richtung und wird auch ein erlebbares Produkt oder eine erlebbare Lösung für den Kunden dann wiederum sein.   53 00:36:46.000 --> 00:36:47.000 <v Dennis Schenk> Das hoffen wir. Zum Abschluss möchte ich dich fragen: Welche drei Learnings oder Botschaften willst du unseren Zuhörerinnen und Zuhörern, unseren Zuschauerinnen und Zuschauern heute noch mit auf den Weg geben? Mit welchen Gedanken sollen sie heute hier rausgehen?
Dennis Schenk
00:36:59
Vielleicht überschneidet sich das so ein bisschen mit dem, was ich gerade schon gesagt habe, aber ich glaube, das Wesentliche Learning für uns war, dass einfach mehr von dem entstanden ist, was wir eigentlich ursprünglich geplant oder gesehen haben. Und ich glaube, das ist echt toll und das ist wirklich manchmal zu sagen, ja, ich gehe da jetzt mit rein und ich werde vielleicht noch gar nicht das, was ich wirklich brauche, bekommen, zu diesem Zeitpunkt. Aber sich dann einfach drauf einlassen und wie wir sehen, es entsteht meistens mehr daraus, als man ursprünglich gesehen oder geplant hat. Und diese Haltung, wenn man mit dieser Haltung da reingeht, glaube ich, kann da eine ganze Menge draus entstehen. Und das ist toll. Und ein weiteres Learning, ich hatte es gerade als Nebeneffekt bezeichnet. Ich weiß zwar gar nicht, ob ich nicht eigentlich hingehen und sagen müsste, das ist der wesentliche Effekt. Dieser Einfluss auf unsere Kultur. Und wir wissen alle, die Stadtwerke wurden, das verändert sich ja auch mit der Zeit, aber eher als immer ein bisschen betagt, ein bisschen starr, also das Gegenteil von dynamisch bezeichnet. Das kann ich bei uns echt überhaupt nicht feststellen. Wir sind wirklich, und das ist über alle Bereiche hinweg, eher agil, dynamisch, offen. Und ich schreibe das in einem Großteil auch dieser Zusammenarbeit zu. Also auch da nicht unterschätzen, wenn man da offen mit umgeht, was das wirklich für einen Einfluss auf die Mitarbeiterschaft haben kann, auf die Unternehmenskultur. Das ist einfach gigantisch. Muss ich ganz ehrlich sagen, das ist wirklich toll. Es macht wirklich Spaß und das entbindet uns auch von einem Silo-Denken, was oft angepriesen wird. Wir denken schon lange nicht mehr in Silos, weil so ein Student, der hat ja gar keinen Stress damit, mal zu dem einen oder zu dem anderen, in die eine oder andere Abteilung zu gehen. Für den macht das gar keinen Unterschied. Und dadurch werden indirekt und eigentlich auch direkt wirklich Brücken gebaut, wo vorher vielleicht die Brücken gar nicht so groß, so breit waren. Also das funktioniert wirklich toll. Und sich einfach mal drauf einlassen. Alles kann, nichts muss. Ich glaube, am Ende des Tages einfach ausprobieren und sich mal ein Stück weit treiben lassen. Und nicht diese großen Erwartungen hegen, was nachher KPI-gestützt dabei rauskommen muss, sondern einfach mal sagen, wir gehen das mal an, gucken mal und im Zweifelsfall haben wir einfach auch eine Erfahrung gesammelt. Ich glaube, wenn man da so rangeht, dann wird das schon ganz gut funktionieren können.
Hannah Simon
00:39:12
Sehr gut. Mit diesen motivierenden und kraftgebenden Worten würde ich sagen, gehen wir aus diesem Gespräch heraus. Ich danke dir ganz herzlich für die Einblicke. Ich fand das total spannend und man merkt auch die Begeisterung und auch das, was praktisch am Ende dabei rauskommt, dass euch das total weiterbringt. Es war sehr interessant, dir zuzuhören. Ich danke dir dafür, wünsche euch weiterhin viel Erfolg und wir bleiben da auf jeden Fall im Gespräch, was bei euch aus der Kooperation noch so weiter in der Zukunft her-aus entsteht. Vielen Dank, Dennis.
Dennis Schenk
00:39:36
Ja, ich danke dir und ich danke jedem, der Lust hat, sich das anzuhören und ich biete gerne an, wenn dort Interesse besteht, auch an einem Austausch, darf man uns jederzeit gerne kontaktieren. Wir stehen da auch gerne für den Dialog zur Verfügung.
Hannah Simon
00:39:50
Ein perfekter Abschluss für den Netzwerkpartner-Podcast. Danke dir nochmal. Ich hoffe es hat Spaß gemacht heute hier zuzuhören. In zwei Wochen kommt auch schon die nächste Folge Energiedosis und bis dahin würde ich sagen, bleibt uns gewogen. Vielen Dank fürs Zuhören. Bis dahin.