Energiedosis

Die Netzwerkpartner

93: Zukunft Wasser: Resilienz, Effizienz und Versorgungssicherheit – Martin Paraknewitz, RWW

09.04.2026 34 min

Zusammenfassung & Show Notes

Klimawandel, Regulierung und steigender Bedarf setzen die Wasserwirtschaft unter Druck. Martin Paraknewitz von der RWW zeigt, was hinter der EU-Wasserresilienzstrategie steckt und wie sich die Rolle von Versorgern verändert.

Die Wasserwirtschaft rückt politisch in den Fokus. Mit der EU-Wasserresilienzstrategie und dem Prinzip „Wassereffizienz zuerst“ verändert sich die Rolle von Wasserversorgern spürbar. Es bedeutet mehr Verantwortung, mehr Komplexität und neue Erwartungen an Transparenz und Versorgungssicherheit.

Martin Paraknewitz, Leiter Geschäftsentwicklung bei RWW, zeigt, was diese neuen Leitplanken konkret bedeuten. Er ordnet ein, wie regulatorische Anforderungen, Klimadruck und veränderte Nutzung zusammenwirken und welche strategischen Entscheidungen jetzt gefragt sind. Es geht um Prioritäten bei Investitionen, den Umgang mit Nutzungskonflikten, den Spagat zwischen Transparenz und Sicherheit sowie die Frage, wie Versorgungssicherheit unter neuen Bedingungen langfristig gelingt.

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Transkript

Intro Hannah Simon
00:00:10
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Energiedosis, dem Praxis-Podcast der Netzwerkpartner. Für Wasserversorger verdichten sich ja gerade mehrere Entwicklungen gleichzeitig. Klimawandel, Wasserknappheit, Nutzungskonkurrenzen, Investitionsdruck und Resilienzfragen landen immer direkt im operativen Alltag von Wasserversorgern und mit der EU-Wasserresilienzstrategie und dem Wassereffizienz-zuerst-Prinzip sind seit dem letzten Jahr 2025 außerdem neue politische Leitplanken gesetzt, die Fragen von Wassereffizienz, Wiederverwendung und Versorgungssicherheit deutlich stärker nach vorne rücken. Es bedeutet also viele neue Aufgaben für Wasserversorger, denen sie sich widmen müssen und über die möchte ich mit meinem heutigen Gast sprechen, Martin Paraknewitz. Er ist Leiter Geschäftsentwicklung bei der RWW in Mühlheim an der Ruhr. Er ist vom Fach. Er ist nämlich studierter Diplom-Bauingenieur, war ganz lange in der Abfallbranche unterwegs, dann international und jetzt seit auch mittlerweile schon weit über zehn Jahren bei der RWW. Ist also der perfekte Gesprächspartner für unser heutiges komplexes Thema und deswegen freue ich mich sehr, dass du heute mit dabei bist, Martin, herzlich willkommen.
Martin Paraknewitz
00:01:22
Ja, hallo Hannah, vielen Dank für die Einladung.
Hannah Simon
00:01:23
Wie immer starten wir mit einer kleinen Einordnung, nochmal zu dir. Ein bisschen was habe ich ja schon im Schnelldurchlauf verraten, aber wie würdest du denn deine Arbeit bei der RWW in einem Satz beschreiben?
Martin Paraknewitz
00:01:33
Da gibt es so zwei Dinge. Erstmal ganz viel Alltagsgeschäft. Aktuell haben wir einen starken Fokus auf unsere Kunden und auf verschiedene IT-Projekte zu SAP und zur IT-Infrastruktur. Gleichzeitig gilt's für mich natürlich aus der Rolle der Geschäftsentwicklung immer zu schauen, das wir Veränderungen im Umfeld und in den Rahmenbedingungen frühzeitig mitbekommen. Dass wir mit dem Team die Chancen nutzen, auch die Veränderungen zu gestalten. Idealerweise natürlich im Sinne der RWW und auch der ganzen Branche.
Hannah Simon
00:02:03
Und wenn du mal gerade nicht am Arbeiten bist, wo kannst du da am besten Kraft tanken?
Martin Paraknewitz
00:02:06
Ich lebe mit meiner Frau auf einem kleinen Cotton am linken Niederhein mit etwas Land, ein paar Tieren und diversen Geräten. Und wenn ich dann auf der Heimfahrt vielleicht noch dienstlich telefoniere, spätestens wenn ich dann die Auffahrt hochkomme, ist mein Kopf schon direkt in einer anderen Welt und dann ist die Entspannung da.
Hannah Simon
00:02:23
Sehr gut, das hört sich sehr idyllisch an. Ja, wir haben uns große Themen für das Gespräch heute vorgenommen. Ich würde ganz gerne zu Beginn einmal so ganz übergeordnet mit dir über die Treiber sprechen, die die Wasserversorgerbranche momentan umtreibt. Kannst du uns da einmal so mit reinnehmen? Wie würdest du das einschätzen oder einordnen, unter welchen großen Überschriften können wir reinstarten?
Martin Paraknewitz
00:02:49
Ich glaube mal, die Wasserwirtschaft hat eigentlich sehr lange eine ruhige Zeit hinter sich gehabt, aber jetzt geht es deutlich intensiver in die Veränderung. Ich sage mal, die klassischen Treiber kennen die meisten von den Zuhörenden, also Assets und Demografie, Alter unserer Netze. Ich glaube, da hat RWW keine Alleinstellungsmerkmal, Personal und Demografie, Wissen, Nachwuchs, Experten zu bekommen. Das sind Themen, die auch in anderen Runden diskutiert werden. Aber auch die Kunden, deren Erwartungshaltung an Sicherheit, Versorgungssicherheit, an Service, an Transparenz verändert sich glaube ich permanent. Für ein technisches Unternehmen wie RWW auch das Thema Technologie, Digitalisierung. Auch da gibt's ganz, ganz viel, was im Moment sich immer schneller verändert. Sensorik, Datenmanagement, digitale Zwillinge. Das sind so die Themen, die wir diskutieren. Aber auch KI und was können wir weiter automatisieren? Auch ganz in den Basistechnologien der Verfahren, auch da gibt es jede Menge Veränderungen auch in Möglichkeiten der klassischen Aufbereitung, weil sich natürlich auch unser Rohwasser in seiner Qualität verändert hat. Ein weiterer Punkt ist das Thema Energie immer optimieren. Das Thema regenerative Energie, auch Abwärme aus Trinkwasser und verschiedene Punkte. Das sind Themen, die die Wasserwirtschaft bewegt. Klassiker ist der Umweltschutz, Gewässerschutz, Grundwasserschutz und Spurenstoffe. PFAS hört man glaube ich ganz intensiv jetzt in der Presse. Zwei Treiber noch, Klimawandel würde ich aufführen, mit Extremwettern, Starkregen und Hochwasser, aber auch im Gegenteil, das Thema Trockenwasser und die Wirkung auf Rohwasserdargebote. Und ganz großer Punkt ist auch das Thema regulativer Rahmen, Klimaneutralität, Nachhaltigkeit. Das Thema Notfallversorgung ist sicher ein Thema, was kommt. KRITIS Dachgesetz und NIS 2. Und ganz wichtig, die dahinter liegenden Managementsysteme sind natürlich das, was für die Trinkwasserversorger im Moment eine ganz große Herausforderung sind.
Hannah Simon
00:04:43
Ich glaube, da sind ganz viele Begrifflichkeiten schon dabei, die viele kennen. Wir werden's heute versuchen, mal so praxisnah wie möglich auch zu machen. Um die ein oder andere Erfahrung auch zu teilen oder aufzuschnappen heute bei dir, mit dir im Gespräch. Was würdest du denn sagen von so übergeordneten Initiativen, politischen Vorhaben der Wasserversorgungsbranche, was sollten Versorger jetzt gerade unbedingt auf dem Radar haben, was vielleicht auf den ersten Blick gar nicht so offensichtlich ist?
Martin Paraknewitz
00:05:10
Zwei Beispiele. National, denke ich immer, wird uns sehr stark berühren der Aufbau der Erneuerbaren und Wasserwirtschaft. Und international so vieles, was aus Europa kommt aus den unterschiedlichen Motiven heraus, was uns dann direkt oder indirekt betrifft. Auch ganz unterschiedlichen Sektoren, wie zum Beispiel Chemie oder Landwirtschaft da zu nennen.
Hannah Simon
00:05:31
Dann brechen wir es mal noch direkt weiter runter auf den Alltag. Gibt es zwei, drei Entwicklungen, die du nennen kannst, die jetzt eigentlich gerade jeden Fall Wasserversorger umtreiben?
Martin Paraknewitz
00:05:41
Ja, ein kommendes Alltagsthema für mich wird sein, regenerative in Wasserschutzzonen. Wir reden da über PV, wir reden über Wind, wir reden über Geothermie oder CCS, Carbon Capture Storage. Also wenn's am Ende mal so weit ist, dass wir CO2 dann auffangen, wo geht das dann hin und welche Wirkung hat das auf unsere Schutzzonen? Thema Geothermie auch, muss man klar sagen. Wenn dort Anlagen abgetäuft werden, die dann verschiedene Staustufen durchstechen, hat das natürlich auch was mit uns zu tun. Ein aktuelles strategisches und grundsätzliches Thema ist auch die Stärkung der Resilienz. Auch hier so zwei Beispiele. Erkennbar sind Veränderungen im Dargebot und in Qualitäten, Wettbewerb um das Dargebot. Wenn man schaut, es wird wärmer, steigende Bedarfe der Landwirtschaft und zum Teil auch der Industrie. Aber auch Anforderungen des Umweltschutzes haben Einfluss auf uns. Für uns ist wichtig natürlich die langfristige Sicherung der Vorrangsstellung der Trinkwasserversorgung. Wenn wir das dann wahrnehmen wollen, braucht's vielleicht auch bauliche Anpassungsmaßnahmen zur Verbesserung der Resilienz oder vielleicht auch mal neues Denken. Aktuell wird die Trinkwasserversorgung primär lokal, also örtlich, gedacht. Da kommt vielleicht zukünftig auch mal überregionale Gedanken ins Spiel. Als zweiten Auslöser sehe ich natürlich dann auch Sicherheits- und Schutzbedarfe und daraus resultierende veränderte Anforderungen, die wirklich wirken. Zum Beispiel auf die Organisation oder auch die technische Anlagensicherheit und alles das verursacht natürlich Kosten und wird am Ende Preiswirkung haben. Perspektivisch, hat uns glaube ich noch nicht so alle direkt erreicht, ist das Thema EU-Wasserresilienzstrategie und deren Umsetzung in nationales Recht. Welche konkreten Auswirkungen das jetzt für die Wasserwirtschaft haben wird, muss man nochmal abwarten. Aber die Entwicklung dort sollte, meine ich, jedes Wasserversorgungsunternehmen kurzfristig ins Monitoring aufnehmen. Denn auch wenn die Wirkung erst mittelfristig erkennbar sein wird, gilt auch hier, Infrastruktur baut man nicht mal so eben um. Das hat eine gewisse Dauer und kostet auch viel Geld. Aber auch veränderte Nachfrage, was kommen kann, hat natürlich auch wirklich Effekte auf unser Geschäftsmodell.
Hannah Simon
00:07:50
Ja, verstehe. Du hast grad gesagt, die Übersetzung in deutsches Recht, das ist ja noch ein Weg, der da zu gehen ist. Der ein oder andere hat sich vielleicht schon mit der EU-Wasserresillienzstrategie auseinandergesetzt. Für die, die das noch nicht getan haben oder für die, die's getan haben und gerne einen Abgleich für den Moment machen würden, wie würdest du denn den Kern beschreiben? Also kannst du das noch mal zusammenfassen, was da eigentlich festgehalten wurde?
Martin Paraknewitz
00:08:13
Ja, die Wasserresilienzstrategie. Es ist erstmal positiv, dass sich die Europäische Kommission damit auseinandersetzt und die Strategie zielt auf ganz viel für die Wasserwirtschaft eigentlich Positives ab. Den besseren Schutz der Wasserressourcen, eine verbesserte Wasserbewirtschaftung, auch Investitionen zur Wasserresilienz, die Stärkung wettbewerbsfähiger Technologien, die wir in Deutschland haben, die auch ein Produkt sein kann, aber auch eine flächendeckende hohe bezahlbare Versorgung. Das sind sicher Punkte, auf die die Kommission und die Resilienzstrategie dann abgezielt hat. Die Europäische Kommission versteht außerdem die Strategie als Beitrag zum Schutz, zur Wiederherstellung des Wasserkreislaufes, sowie zum Aufbau einer resilienten oder wettbewerbsfähigen Wasserwirtschaft in Europa. Sie sieht die Wasserresilienz jetzt, auch wenn man auf andere Kontinente guckt, wirklich als Booster für Wissensaufbau, für neue Technologien, für innovative Produkte und sogar als Wachstumsmotor für Europa. Sieht da ganz viel Chancen, die durch die Regulatorik dann irgendwie auch in Europa entstehen. Also im Rahmen des Verfahrens, kann ich aus meiner Gremienarbeit sagen, hat sich die deutsche Wasserwirtschaft mit ihren Interessen in den Strategieprozess eingebracht. Ja, man muss immer gucken, so eine europäische Strategie hat natürlich auch Einflüsse aus südlichen europäischen Ländern, die schon ganz andere Probleme haben. Das ist auch auf unsere Region dann am Ende vielleicht erst perspektivisch zu übertragen. Aber gut, wenn man sich damit auseinandersetzt. Man merkt, die Wasserwirtschaft ist ein europäisches Thema geworden. Manche haben bereits Herausforderungen, die wir noch gar nicht kennen. Hier sollten wir wirklich veränderungsbereit sein und auch schnell lernen.
Hannah Simon
00:09:52
Also noch mal ein viel größerer Rahmen, vielleicht auch als das, wie deutsche Wasserversorger das Thema bisher gehandhabt haben. Es wird jetzt deutlich internationaler oder ist nochmal ein größerer Rahmen, in dem man sich jetzt bewegt. Ich hab's eben auch kurz angekündigt, das Wassereffizienz-zuerst-Prinzip ist auch eins, was in Zukunft greifen wird. Auch da würde ich auf jeden Fall gerne mit dir einmal einsteigen. Kannst du das Prinzip und die Reihenfolge, die dahinter steckt einmal zusammenfassen für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer?
Martin Paraknewitz
00:10:22
Das Wassereffizienzprinzip gibt eine klare Reihenfolge vor. Zuerst den Verbrauch senken. Eigentlich gut, aber hat schon Wirkung auf unser Geschäftsmodell. Das Zweite ist dann Effizienz steigern, was total positiv ist, wenn das Wasser dann weg ist. Also Landwirtschaft ist da sicher ein Punkt. Große Wasserkanonen, die viel Wasser verbrauchen, gegen eine Tröpfchenbewässerung und solche Technologien. Nächster Punkt ist, Kreislaufansatz stärken. Das heißt, nicht das Wasser in die Vorflut ableiten, sondern irgendwo der Grundwasserneubildung Anreicherung wieder zur Verfügung stellen. Ist die Frage, was passiert dann mit unseren Kläranlagen, Abwässern, gehen die wirklich in Flüsse und Vorflut oder werden die wieder versickert? Was das dann heißt, muss man mal abwarten. Und erst danach, als dann vierte Eskalationsstufe, also wenn man die Verbrauche nicht mehr senken kann, wenn man die Effizienz des Verbrauchens nicht mehr steigern kann, wenn man das Wasser nicht mehr im Kreislauf führen kann. Erst dann sieht die Wasserresilienzstrategie vor, dass wir zusätzliche Dargebote dann erschließen. Laut dem Aktionstracker der EU-Kommission sind dafür jetzt erstmal Pilotprojekte zur Wassereffizienz vorgesehen. Positiv, finde ich total super. Wichtig ist auch die Entwicklung von Wassermangelindikatoren. Das wird natürlich richtig spannend. Wann haben wir eine Mangellage? Was haben wir dann als Wasserversorger zu tun? Ich denke immer so ein bisschen an die Gasdiskussion, Lastabwurf ist mal so ein Stichwort. Erhält uns sowas vielleicht auch dann noch mal? Die Überprüfung der Wasser-Wiederverwendungsverordnung, auch das ist nochmal spannend. Wie wird Wasser dann versickert? Wie wird's dem Grundwasserkörper wieder zugeführt, wie wird die Einleitung in die Vorflut dann möglicherweise auch vermieden oder wie wird das dann umgesetzt? Aber auch sieht die Kommission vor, Effizienz-Ziele vorzugeben. Die Kommission nennt ein Ziel von mindestens zehn Prozent höherer Wassereffizienz bis 2030. Das Ziel ist noch nicht rechtlich bindend und auch das Messverfahren muss noch abgestimmt werden, wie läuft das. Aber wenn es dann so umgesetzt wird, ja, 10 Prozent weniger Umsatz, das wird schon in unserem Geschäftsmodell dann auch zu spüren sein.
Hannah Simon
00:12:30
Über die Brücke würde ich auf jeden Fall gerne mit dir gehen, nämlich was das für euch auch als RWW, als Wasserversorger im generellen bedeutet. Du hast es gerade schon gesagt, weniger Verbrauch bedeutet natürlich dann auch weniger Einnahmen. Wie schätzt du die anderen Punkte oder auch diesen noch mal ein, was das Wassereffizienz-zuerst-Prinzip für euch in der Praxis dann auch wirklich bedeutet und was habt ihr daraus für euch abgeleitet?
Martin Paraknewitz
00:12:57
Ja, erst mal ist es noch kein nationales Recht. Wir müssen die Umsetzung in nationales Recht über unsere Mitarbeit in den Verbänden und ihren Gremien gut begleiten. Das muss uns als Team gelingen, das kann nicht einer alleine dann machen, dafür wird es auf viel zu vielen Ebenen diskutiert. Wir müssen rechtzeitig absehbare Veränderungen erkennen, zum Beispiel mit Wirkung auf das Dargebot oder die Nachfrage und dann daraus die Handlungsnotwendigkeiten ableiten. Längerfristig denken, unsere Maßnahmen, unsere Annahmen, die wir getroffen haben, immer wieder überprüfen, Maßnahmen adjustieren, denn ich hatte es vorhin schon mal gesagt, Infrastruktur und Modelle baut man auch in der Wasserversorgung nicht mal so eben um.
Hannah Simon
00:13:34
Ja, das kennen die Kollegen aus den anderen Commodities auf jeden Fall auch, das Thema Infrastruktur und dessen zukunftsfähiger Umbau. Da fühlt der ein oder andere sich vielleicht gerade gehört. Das trifft die Wasserbranche jetzt genauso. Gut, dann haben wir jetzt das Thema EU Wasserresilienzstrategie schon mal so ein bisschen abgesteckt und was es für Wasserversorger und auch für euch als RWW bedeutet. Ich denke, das gilt es auf jeden Fall weiter zu beobachten, wie sich das dann in der Praxis tatsächlich zeigt. Du hast als weiteres übergeordnetes Thema ja auch die Themen Resilienz und kritische Infrastruktur angesprochen. Ist, glaube ich, grundsätzlich auch gerade in diesem Jahr ein Thema, was die Branche auch, übergeordnet die ganze Energiebranche, sehr umtreibt. Wie würdest du das denn für dich im Bereich Wasser definieren? Also was ist für dich Resilienz in der Wasserversorgung?
Martin Paraknewitz
00:14:29
Ja, Versorgungssicherheit herstellen. Wir haben da ein hohes Leistungsversprechen. 24/7 in zugesagter Menge, in zugesagter Qualität. Das ist sicher das, was über allem steht. Der zweite Punkt, der ist natürlich Transparenz schaffen. Schneller Zustandsveränderungen erkennen und bestenfalls vorausschauend agieren. Mehr Sensorik aufbauen über alle Stufen der Anlagen und Netzsteuerung, Digitalisierung. Die neue Rolle der KI nutzen. Also das sind sicher die Dinge, die für uns im Rahmen der Resilienz wichtig sind. Vielleicht an der Stelle nochmal ein kurzer Exkurs in eins meiner Herzensthemen, eine resiliente Wasserwirtschaft braucht dringend, wenn wir bei Daten sind, mehr Transparenz über allem, abgegebenen Wasserrechte und die tatsächlichen Namen auch der Landwirtschaft, das ist so ein Thema wo ich mich immer sehr stark engagiere in meiner Gremienarbeit. Den dritten Punkt, den ich anführen würde ist, auch die Sicherheit erhöhen, auf ganz vielen Feldern. Also Cybersecurity, physische Sicherheit der Anlagen, Schulung des Personals. Natürlich auch Redundanzen implementieren, Verständnis über Kunden mit besonderen Anforderungen wie Krankenhäuser oder so kommen, wo muss die Versorgungssicherheit auf jeden Fall hergestellt werden? Kommunikation üben und auch Wiederanlaufstrategien hinterlegen. Also wenn denn mal was passiert ist, wie kriegen wir das dann wieder ans Laufen? Für mich so ein erkennbarer Trend. Wir müssen das natürlich auch in unseren Versorgungskonzepten noch überregional betrachten, müssen sicher auch zunehmend überprüfen, wie wir uns gegenseitig besichern oder auch um Fremdbezug ergänzen. Resilienz wird man wahrscheinlich nicht in der Wasserwirtschaft nur auf einer Insel erreichen können. Ich hatte's vorhin schon mal. Resilienz macht ganz vieles besser, hilft uns immer mehr unser Leistungsversprechen und unsere Kundenerwartung zu erfüllen. Wird natürlich aber auch am Ende etwas kosten. Darauf muss man immer hinweisen oder weise ich gerne hin.
Hannah Simon
00:16:20
Ich würde gern einmal kurz zurückspringen, weil du dein Herzensprojekt erwähnt hast. Wie kann man das denn momentan verstehen, wenn du sagst, es braucht mehr Transparenz für Wasserrechte und Entnahmen? Ist es momentan so, dass es einfach keinen zentralisierten Ort gibt, wo man diese Daten erhält, oder wie kann ich mir das vorstellen? Oder ist da der Teilungswille von Informationen nicht so da, woran hapert das momentan noch?
Martin Paraknewitz
00:16:44
Du bringst es auf den Punkt. Also Wasserrechte existieren auch bei uns teilweise so aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts. Das sind ewig lange her und nicht nur die Wasserwirtschafter Wasserrechte, auch die Landwirtschaft und Industrie. Auch da ist ein Strukturwandel gegeben, die Unterlagen sind alle irre alt. Ich glaube, es gibt kein sauberes Kataster. Das lernt man auch bei der Erarbeitung der Wasserversorgungskonzepte auch den Behörden sind nicht alle Wasserrechte bekannt und auch die Landwirtschaft erfasst nicht alle Mengen. Da braucht es viel mehr Transparenz und viel mehr Daten, um auch zu schauen, wie verändert sich unser Dargebot? Um auch ein bisschen, ich will nicht sagen, agil, das ist der falsche Begriff an dieser Stelle, aber auch so ein bisschen situativ und dargebotsorientierter noch mit den Rechten zukünftig umgehen zu können. Man will ja keinem etwas verweigern, was denn da wäre. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch immer schauen, dass wir die mindestens für die Trinkwasserversorgung immer genug Dargebot da sein wird, verfügbar sein wird.
Hannah Simon
00:17:43
Also in diesem Feld mehr Transparenz. Wo das Stichwort Transparenz ein bisschen kritischer gesehen wird, ist vielleicht in dem Spannungsfeld Transparenz versus sensible Information. Auch da glaube ich gibt's momentan ein besonderes Augenmerk in der Branche im Allgemeinen. Also wie viele Informationen sollten eigentlich in irgendeiner Form öffentlich einsehbar sein oder intern beziehungsweise extern einsehbar sein. Weil das auch vielleicht zu einer gewissen Verwundbarkeit oder Angriffsfläche führen kann, wenn Dritte, die nichts Gutes im Sinn haben, sich diese Informationen dann auch zu Nutze machen können. Wie handhabt ihr das bei der RWW? Wie schaust du da drauf?
Martin Paraknewitz
00:18:20
Man muss leider sagen, wir leben nicht mehr in derselben Welt wie vor wenigen Jahren. Die Bedrohungssituation ist sicher eine andere und auch die Welt ist nicht mehr so friedlich, wie sie in Europa vor einiger Zeit noch war. Wir als RWW und die Wasserversorger arbeiten natürlich mit jeder Menge anderen Netzbetreibern in einem Straßenraum. Und wenn wir in einem Straßenraum arbeiten, müssen wir auch Daten miteinander austauschen. Zweiter Punkt ist, Planungs- und Antragsprozesse müssen auch beschleunigt und vereinfacht werden, auch das verursacht bei uns signifikante Prozesskosten. Also das Stichwort Bürokratieabbau im erweiterten Sinne ist da ein Thema. Also wie kriegt man da die Balance rein? Anfragenden dann Informationen bereitzustellen, aber sie dann wirklich nur an Menschen rauszugeben, die ein ordentliches Interesse haben, ein nachgewiesenes Interesse haben. Aber auch genau diese Informationen können sicherheitsrelevant sein. Also wichtig dabei, wir werden Transparenzpflichten und Notwendigkeiten aber auch Sicherheitsinteressen und Datenschutz sauber zueinander abgrenzen. Das ist sicher die Herausforderung, die wir haben. Es braucht noch mal einen genaueren Blick da drauf, welche Informationen müssen wirklich öffentlich sein, welche müssen behördlich oder auch intern verarbeitet werden.
Hannah Simon
00:19:23
Da gilt's auf jeden Fall nochmal das Augenmerk drauf zu richten und wenn wir so einen Haltepunkt machen wollen bei dem Thema Resilienz. Also da könnte man wahrscheinlich auch eine komplette Podcast-Aufnahme nur zu diesem Thema machen. Wenn wir jetzt auch noch mal auf das Dachgesetz oder NIS 2 oder ähnliches schauen, das ist ja momentan auch Überschriften oder politische Leitplanken, die momentan sehr viele ja auch umtreiben. Wie würdest du das denn so nochmal zusammenfassen, was es eigentlich für so einen belastbaren Resilienzansatz braucht aus deiner Sicht eines Wasserversorgers?
Martin Paraknewitz
00:20:11
Ich würde das Thema belastbare Resilienz oder BCM-Ansatz nochmal anders anfliegen. Man darf Resilienz nicht nur strategisch, sondern muss es auch ganz operativ und ereignisorientiert durchdenken und sicherstellen. Also BCM, Business Continity Management ist ein Grundgedanke, der hier eine gesamte Klammer bildet über verschiedene Bereiche der, A, allgemeinen Sicherheit, zum Beispiel Cybersecurity, physische Sicherheit, Arbeitssicherheit, Reisesicherheit und was es da alles noch gibt. Es gilt die Versorgungssicherheit über alle Eskalationsstufen zu organisieren vorbereitet zu sein, vom Kleinsicherheitsverfall über größere Betriebsstörungen bis hin in eine Krise. Dafür muss man sich immer ganz klar Gedanken machen und darüber im Klaren sein, welche Risiken und Bedrohungen haben wir eigentlich? Wo müssen wir genauer hinschauen? Wo haben wir kritische Anlagen, wo haben wir kritische, betriebliche Prozesse? Ich sagte das vorhin schon mal, wo haben wir Kunden mit besonderen Anforderungen, die unbedingt versorgt werden müssen, wenn da mal irgendwas passiert ist? Sind wir gut vorbereitet, dass wir die Anlagen auch möglichst schnell wieder hochgefahren kriegen? Wie kriegen wir die Kommunikation hin, wenn wir irgendwie mal einen Schwarzfall haben oder wenn die Kommunikation mal nicht so funktioniert, wie es üblicherweise ist, also wie kriegen wir eine ausfallsichere Melde- und Krisenkommunikation hin? Wie arbeiten wir aber auch mit den Behörden und anderen Versorgern zusammen und das muss man alles auch ein Stückchen weit üben. Ich glaube, da unterschiedlichste Grundlagen sind in Normen und Regelwerken gelegt. Im EON-Konzern, wurde das nochmal übersetzt und einheitlich operationalisiert in so Function Policies. Da sind wir bei RWW mit viel Aufwand dran, das soweit zu organisieren, dass wir unseren Leistungsversprechen auch in schwierigen Situationen auch nachkommen können.
Hannah Simon
00:22:00
Würdest du sagen, dass ihr da in den letzten Jahren euch auch einfach nochmal mehr mit beschäftigt habt? Also wir kennen das aus dem Kreise der Netzwerkpartner, dass das Thema jetzt doch zunehmend in den Fokus gerückt ist, weil klar, jeder hat irgendwie ein Krisenhandbuch in der Schublade liegen und hat auch so grob irgendwie mal die Abläufe definiert. Jetzt kommen die Einschläge grundsätzlich immer etwas näher. Also es gibt immer mehr Versorger, die betroffen sind von Cyber-Angriffen oder auch teilweise natürlich auch physischen Angriffen, wo das Thema dann einmal ganz real geworden ist und natürlich nur der Realfall ja dann auch zeigt, wie krisensicher man wirklich aufgestellt ist und ob die Abläufe funktionieren, ob die Verantwortlichkeiten klar sind. Habt ihr dann in den vergangenen Jahren dann auch nochmal mehr einen Fokus drauf gesetzt, was das Thema Übung, Verprobung, Anpassung und Ähnliches angeht?
Martin Paraknewitz
00:22:47
Ja, ein Riesenfokus drauf. Wir haben eine ganze Abteilung dafür gegründet, die sich mit dem Thema auseinandersetzt. Wir versorgen ja irgendwie 1,2 Millionen Menschen mit Trinkwasser, sage ich immer. Und da müssen wir wissen, was wir tun. Da müssen wir das sauber dokumentiert haben, müssen aber auch genau wissen, was tun wir, wenn mal was Unerwartetes uns ereilt, was immer passieren kann. Also da sind wir im BCM, in der Cyber-Security, in der physischen Sicherheit, und das Ganze auch geklammert in eine IMS, also einem integrierten Managementsystem geklammert, da sind wir wirklich mit viel Aufwand und viel Kompetenz unterwegs, um auch das irgendwie überhaupt handeln zu können. Denn ich sage mal, diese Managementsysteme haben ja ein Merkmal, also viele Unterlagen sind ja immer gleich. Diese Normen sind ja sehr ähnlich aufgebaut. Man braucht immer eine Organisation, man braucht immer einen Ablauf, man braucht auch immer verschiedenes definitorisches, um da auch konsistent zu bleiben, muss man da sicher sehr strukturiert rangehen und das auch wirklich sauber ineinander greifen, also clustern und ineinander greifen lassen. Also haben wir richtig viel Aufwand und auch viel Geld reingesteckt, dort besser zu werden. Und da ist man nie fertig. Das ist auch immer klar.
Hannah Simon
00:24:00
Das stimmt und das ist auch etwas, glaube ich, was ja auch kontinuierlich auch verprobt werden muss, einfach, dass man so ein bisschen auch im Tritt bleibt in den Themen, weil die natürlich auch immer so lange abstrakt sind, bis eine Krisensituation eintritt. Im besten Falle tut sie das ja gar nicht, aber ansonsten bleibt's natürlich auch ein Stück weit ein abstraktes Thema so im Arbeitsalltag eines jeden Mitarbeiters.
Martin Paraknewitz
00:24:17
Vielleicht noch mal dazu, auch da haben wir einen externen Berater engagiert, der mit uns Krisenübungen macht, der unsere Organisation überprüft. Da sind wir wirklich mit viel Aufwand hart am Ball, dass wir da Versorgungssicherheit auch, soweit es irgendwie geht, bestmöglich garantieren können. Bei uns ein Topthema. 1,2 Millionen Menschen sage ich immer. Das darf keine Glückssache sein. Da verlässt man sich drauf.
Hannah Simon
00:24:45
Das stimmt. Also in jedem Falle eine große Verantwortung. Dann lass uns doch noch mal einen Schwenk rüber machen zu einem vielleicht bisschen, ich will nicht sagen seichterem Thema, weil es auch ein verantwortungsvolles Thema ist, aber vielleicht eins, wo es auch noch mal um ein Zukunftsthema, nicht nur um ein Absicherungsthema, sondern auch um ein Zukunftsthema geht, nämlich das ganze Thema regenerative Energien. Du hast es auch eingangs als ein Thema benannt. Das in Verbindung mit dem Thema Wasserschutzzone, da kann es dann wieder so ein bisschen knifflig werden. Da möchte man ja gerne beides unter einen Hut bringen, nämlich den Wasserschutz, aber auch das Thema Erneuerbare und den Ausbau auch nicht behindern, sondern im Gegenteil auch unterstützen und da auch Wegbereiter und Begleiter sein. Wo kann es da haken? Nimm uns da mal mit rein. Wie sieht es in der Praxis aus, wo wird's da schwierig?
Martin Paraknewitz
00:25:33
Man muss einfach sagen, Deutschland ist ein eng besiedeltes Land. Geeignete Flächen für Vorhaben der Energiewende in Deutschland werden einfach knapper. Es kursieren so ein bisschen unterschiedliche Zahlen, aber wir können mal davon ausgehen, dass rund 20 Prozent der Fläche der Bundesrepublik Deutschland in einer oder anderen Art Wasserschutzzonen sind, wo wir als Wasserwirtschaft ganz essentielle Interessen haben. Und da sind wir natürlich auch zum Beispiel im BDW in der Diskussion über Möglichkeiten und Standards. Was müssen wir jetzt im Rahmen der Energiewende machen können, aber auf der anderen Seite was müssen wir aus wasserwirtschaftlicher Sicht dann auch schützen? Also da gibt es ganz klar Nutzungskonkurrenzen zwischen Energiewende und Gewässerschutz, ich sage mal, so zwei Punkte. PV in der Schutzzone eins sollte ausgeschlossen sein. Auch Talsperren sind Schutzzone eins. Mal eine Frage an die Zuhörer. Wie denkt ihr über PV nach und zum Beispiel an und auf Stau-Mauern? Oder über Floating-PV? Hier haben wir eine Diskussion noch innerhalb der Wasserwirtschaft. Das ist natürlich richtig spannend. Wie ist die Bedrohungslage? Was sollte man tun und was sollte man nicht tun? Was sollte in einem Regelwerk definiert sein oder was sollte man noch offen lassen? Das zweite Beispiel, was ich vorhin schon mal angesprochen hatte, war Geothermie. Wo müssen wir sagen, das Abtäufen von Geothermieanlagen in Schutzzonen stellt doch ein Risiko dar, A der Verunreinigung, aber auch B, hydrologisch, wir durchstoßen Deckschichten und am Ende auch Trennschichten, wo einzelne Grundwasserstockwerke dann miteinander verbunden werden können. Das wird in der Regel ordentlich gemacht, aber wenn mal der erste Grundwasserstockwerk ein schweizer Käse wird, dann haben wir da am Ende wirklich ein Problem. Das Wasser, der Schwerkraft folgend, dann doch nicht mehr so Oberflächen nah ist, mit Wirkung auch auf die Umwelt und auf die Trinkwasserversorgung, weil da noch Einträge plötzlich sich ganz andere Wege suchen. Also schon ein Thema, wo man ganzheitlich drauf gucken muss.
Hannah Simon
00:27:39
Der BDW hat da im vergangenen Jahr ja auch noch mal einen Leitfaden zu veröffentlicht, den hast du wahrscheinlich gelesen und kannst ihn auswendig vortragen. Gab's da noch mal so einzelne Punkte, die euch auch in der Praxis unterstützen oder, ihr habt möglicherweise da auch ein Stück weit mitgearbeitet oder seid dort auch im Austausch. Gab's da irgendwie noch mal Dinge, die in der Praxis Orientierung schaffen können auch?
Martin Paraknewitz
00:28:03
Ja, das war ganz wichtig. Ich habe da auch an dem Leitfaden selber mitgearbeitet. Ist natürlich auch wichtig für die Behörden, die es dann am Ende genehmigen müssen. Welches sind eigentlich die wichtigsten Standards? Was muss man eigentlich einhalten, damit es möglich wird? Es geht ja immer, die Wasserwirtschaft, die will ja nicht die Energiewende verhindern, sondern wollen's ja möglich machen, aber müssen die Interessen vernünftig balancieren. Da geht's um hydrologische Baubegleitung, da gibt es so Materialien oder Gefahrstoffe bei tiefen Gründungen, da geht's um die Minimierung von Bodenbeeinträchtigungen und besondere Anforderungen an Bauteile, Betriebsstoffe, sagen wir mal, PFAS-freie Beschichtung, Brandschutzkonzepte, Alarmpläne, Verzicht auf Pestizide oder Düngemittel im Anlagenbetrieb. Vieles ist schon in den Schutzgebietsverordnungen geregelt, aber das alles zu synchronisieren und konkret hier sachgerecht und auch passend auszuprägen. Also da ist man schon sehr stark an der Praxis, aber wichtig ist, dass man da irgendwie einen Leitfaden hat, der möglichst national gelten kann und auch, dass sich am Ende auch so ein bester technischer Standard etabliert, der alle Interessen entsprechend auch planbar machen lässt. Denn nix ist so schwierig, als wenn man keine Planungssicherheit hat.
Hannah Simon
00:29:21
Ja, nachvollziehbar. Wie würdest du das Thema PV-und Wasserschutz nochmal so ganz allgemein zusammenfassen? Also wie kann es gelingen, dass diese zwei Themen nebeneinander friedlich koexistieren können?
Martin Paraknewitz
00:29:36
Man muss miteinander reden. Als Wasserwirtschaft hätte ich mir natürlich gewünscht, eine rechtliche Privilegierung der Wasserwirtschaft für Vorhaben der Energiewende in Wasserschutzzonen. Ist leider nicht durchsetzbar. Also wir müssen uns am Ende damit auseinandersetzen, dass auch Dritte Anlagen in Wasserschutzzonen bauen und betreiben. Von daher gilt es, passende Standards zu etablieren, wie ich sie gerade auch beschrieben habe, um die Energiewende auch zu ermöglichen. Wichtig ist natürlich auch, wir haben einen Dialog gestartet, auch im BDW, zwischen Energie und der Wasserwirtschaft. Wir arbeiten da gerade an den technischen Standards. Wir haben nicht nur für PV, sondern auch für Wind und Geothermie, da erarbeiten wir gerade Standards. Spannend ist grade noch das Thema CCS. Wenn wir dann CO2 irgendwie verpressen, können wir dafür alte Gaslagerstätten nutzen. Sucht man grad noch ein gemeinsames Verständnis, um es mal so zu formulieren. Aber vereinbarte Leitfäden helfen, den fachlich akzeptierten Standard der Technik zu etablieren und auch für alle Seiten Planungssicherheit zu schaffen. Das ist, worum es am Ende auch wirklich geht, für alle Seiten.
Hannah Simon
00:30:46
Also miteinander sprechen und Standards entwickeln kann so ein Weg nach vorne auf jeden Fall sein. Wir haben jetzt so die ganz großen Themen einmal versucht, ein bisschen abzustecken. mir hat es auf jeden Fall gezeigt, wie vielschichtig momentan die Themen sind, auch für die Sparte Wasser, also wir reden ja oft hier auch im Podcast über die anderen Commodities für das Thema Wasser sind die Herausforderungen und auch die Lösungen aber nicht weniger vielschichtig. So zum Abschluss hin welche drei Learnings, Erkenntnisse, Botschaften möchtest du unserer Zuhörerschaft dann gerne nochmal mit auf den Weg geben?
Martin Paraknewitz
00:31:25
Ich glaube, der Klimawandel und der Wettbewerb um ein immer knapper werdendes Dargebot, Dargebot Wasser hat Deutschland längst erreicht. Da gilt es jetzt wirklich, das Asset-Management weiterzuentwickeln und zu schauen, wie gehen wir mit dem veränderten Dargebot in allen Beschaffungen um? Also Asset Management aufbauen ist für mich ein ganz wichtiger Punkt. Zweitens das Thema Sicherheit muss in ganz vielen Dimensionen neu gedacht und neu organisiert werden. Da ist, glaube ich, überall noch ganz viel zu tun. Und was mir wirklich wichtig ist, wir müssen viel mehr und wir müssen viel zielgerichteter kommunizieren, um unseren Kunden und Steakholdern die Herausforderung und unsere Leistung besser zu erklären. Denn am Ende hat jede Leistung immer einen Preis, aber hier gilt für mich immer nicht den Preis, sondern insbesondere den Wert des Wassers, der Qualität und der Versorgungssicherheit zu vermitteln. Also ich glaube in der Kommunikation ist noch ein ganz großer, ganz wichtiger Hebel, da kann ich immer überall nur für werben. Arbeitet an einer guten Kommunikation als Wasserversorger.
Hannah Simon
00:32:31
Dankeschön, Martin. Da können wir auch noch direkt den kleinen Werbehinweis mit einmal zu deinem Kollegen Siegfried Gendries, mit dem ich auch nicht ganz so langer Zeit ein Gespräch geführt hatte, wo wir uns auch genau mit diesem Thema Kommunikation des Werts von Wasser unter anderem beschäftigt haben. Also da sehr gerne noch mal reinhören. Ich danke dir für die Einblicke heute, dass du mit mir die großen Themen so ein bisschen runtergeklopft hast auf das, was es eigentlich in der Praxis von Wasserversorgungsunternehmen bedeutet und auch was das für euch als RWW bedeutet. Vielen Dank für die Einblicke. Ich habe eine Menge mitgenommen und ich glaube, unsere Zuhörerinnen und Zuhörer da draußen auch. Vielen Dank, Martin für das Gespräch.
Martin Paraknewitz
00:33:11
Ja gut, danke Hannah, auch an dich. War spannend, hat Spaß gemacht. ja wenn jemanden das irgendwie so ein Thema vertiefend interessiert über die Netzwerkpartner oder auch direkt kann man mich sicher erreichen und sich zu der ein oder anderen Fragestellung gerne nochmal austauschen.
Hannah Simon
00:33:23
Unbedingt! Genau! Vernetzungsmöglichkeiten findet ihr bei uns auf der Website, über LinkedIn oder auch über die Kommentarspalte in der App eurer Wahl, über die ihr den Podcast vielleicht heute gehört habt. Wir sagen vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal. Wir hören uns in zwei Wochen. Macht's gut.