Energiedosis

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Prosumer im Fokus: Wie HEMS neue Geschäftsmodelle ermöglichen – Thomas Stoltmann und Philipp Grigutsch, Stadtwerke Iserlohn

26.03.2026 51 min

Zusammenfassung & Show Notes

Vom Consumer zum Prosumer: Kunden erzeugen Strom, steuern ihren Energieverbrauch und speichern Energie im eigenen Keller. Für Stadtwerke eröffnet sich daraus ein neues Geschäftsfeld. Gefragt sind Angebote, die über den klassischen Tarif hinausgehen und echten Mehrwert im Alltag der Kunden schaffen. Genau hier ergeben sich Potenziale für neue Geschäftsmodelle rund um Home Energy Management System (HEMS) und digitale Anwendungen.

Thomas Stoltmann, Bereichsleiter Vertrieb & Beschaffung, und Philipp Grigutsch, Projektverantwortlicher, geben einen Einblick in die Entwicklung der EnergyConnectApp der Stadtwerke Iserlohn. Sie zeigen, wie sie dynamische Tarife und HEMS intelligent in einer Anwendung zusammengeführt haben und welche Rolle Schnittstellen, Abrechnung und Datenintegration dabei spielen.

Die Folge verbindet strategische Perspektiven mit operativer Umsetzung. Es geht um Plattformentscheidungen, technische Komplexität, Vertriebspotenziale und die Frage, wie neue Geschäftsmodelle entstehen. Was hat funktioniert, was lief anders als geplant, und was können andere daraus lernen? Ein ehrlicher Praxisbericht zwischen Strategiepapier und Umsetzung.

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Transkript

Music.
Intro Friedrich Stratmann
00:00:10
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Energiedosis, dem Praxisoodcast für Energieversorger. Mein Name ist Friedrich Stratmann und ich freue mich, heute gemeinsam mit meinen Gästen zu beleuchten, wie der Einstieg ins Prosumer Geschäft für Energieversorger konkret gelingen kann. PV-Anlagen, Speicher, Wärmepumpen, Home Energy Managementsysteme und neue Wettbewerber bringen veränderte Kunden, Erwartungen mit sich und erfordern neue Geschäftsmodelle von Stadtwerken jenseits des Commodity-Geschäfts. Viele Stadtwerke beschäftigen sich bereits mit dynamischen Tarifen oder HEMS Lösungen aber zwischen Strategiepapier und echter Umsetzung liegt oft ein weiter Weg. Die Stadtwerke Iserlohn sind diesen Weg schon gegangen. Dort ist im vergangenen Jahr die Energy Connect App gestartet. Eine Lösung, die dynamische Tarife mit intelligentem Energiemanagement beim Kunden in einer Anwendung zusammenführt. Wie so ein Projekt entsteht, was beim go-live gut lief, was vielleicht auch nicht sofort und was andere Stadtwerke daraus lernen können, darüber sprechen wir heute, spreche ich heute mit Thomas Stoltmann und Philipp Grigutsch. Die beiden bringen heute durch Thomas sowohl die strategische Perspektive der Vertriebsleitung als auch durch Philipp die operative Brille mit, also die Sicht des Produktmanagers und Projektleiters Energy Connect App. Herzlich willkommen an euch beide, Thomas und Philipp. Schön, dass ihr heute im Podcast dabei seid.
Thomas Stoltmann
00:01:52
Ja, hallo Friedrich, vielen Dank für die Einladung. Wir freuen uns sehr, dass wir heute ein bisschen auch aus dem Nähkästchen plaudern dürfen, wie bei uns der Start und auch die Implementierung unserer App, unserer Prosumer App tatsächlich funktioniert hat. Vielen Dank dafür.
Philipp Grigutsch
00:02:06
Von mir auch ein herzliches Danke für die Einladung und ich freue mich, ein Teil des Podcasts zu sein.
Friedrich Stratmann
00:02:06
Ja, Thomas, ich würde gern persönlich einsteigen, bevor wir ins Fachliche gehen. Wenn du auf das letzte Jahr zurückblickst, war die Prosumer App für dich eher ein klassisches Vertriebsprojekt oder tatsächlich ein größerer Kulturwandel in eurem Haus?
Thomas Stoltmann
00:02:30
Also wenn ich auf letztes Jahr gucke, sind es an die zwei Punkte, die mir da ins Auge fallen. Zum einen ist es der klassische Commodity Vertrieb. Die Energiekrise ist hinter uns, der Wettbewerb zieht wieder an. Das merken wir natürlich sehr, sehr deutlich. Zum anderen auch die Energie- und Wärmewende. Da hat mich besonders bewegt, dass die Geschwindigkeit, die unsere Branche doch verändert, extrem hoch ist. Neue Technologien, neue Kundenbedürfnisse und auch neue Wettbewerber stellen uns immer wieder vor neue Herausforderungen. Besonders hat mich aber motiviert dabei, dass wir im gesamten Vertriebsteam damit auch neue Lösungen für unsere Kunden schaffen können und vor allen Dingen Lösungen, die auch einen echten Mehrwert bieten. Gleichzeitig war mir dabei auch immer wichtig und ist mir immer noch wichtig, dass wir die Regionalität, also die Nähe zum Kunden, dabei nicht verlieren. Wir sagen von uns selber, wir machen Energiewende einfach. Und da haben wir angeknüpft und gesagt, wir müssen die Energiewende auch für die Menschen hier in Iserlohn einfach machen. Wir machen eine neue App. Diese App verbindet dann den klassischen Commodity Vertrieb mit diesen angesprochenen EDL-Produkten, also PV-Wärmepumpe, Elektromobilität und Co.
Friedrich Stratmann
00:03:46
Ein spannendes Projekt, das ihr initiiert habt und wenn wir ein bisschen auf die Projektperspektive schauen, Philipp, die gleiche Frage an dich: Als klar war, dass du die Verantwortung für das Projekt übernimmst, war das bei dir eher Vorfreude auf Innovation oder doch erstmal Respekt vor der technischen Komplexität, die so ein Thema mitbringt?
Philipp Grigutsch
00:04:12
Es war auf jeden Fall eine Mischung aus beidem. Bei uns im Produktmanagement beschäftigen wir uns häufig mit Produktentwicklung und mit Projekten und auch mit Systemen und mit Schnittstellen. Ich habe selber sehr viel Spaß an Gamification und an solchen Themen. Deswegen habe ich mich da natürlich extremst drauf gefreut. Aber auch das war uns schnell klar, es ist ein sehr innovatives Thema, wo es noch nicht so viele Lösungen im Markt gibt und erst recht nicht bei Energieversorgern. Von daher war mir schon klar, dass es rund um die Schnittstellen, die wir auch aufbauen wollen, wahrscheinlich ordentliche Komplexitätsstufen auch drin geben wird.
Friedrich Stratmann
00:04:49
Da wollen wir heute auch etwas tiefer reinschauen, was da so die Komplexitätsstufen waren, die du jetzt schon mal angedeutet hast. Vielleicht steigen wir zunächst ein bei der strategischen Idee hinter dem Projekt. Viele Stadtwerke diskutieren aktuell über Prosumer Geschäftsmodelle, HEMS Lösungen und dynamische Tarife. Bei euch ist daraus relativ früh ein konkretes Projekt entstanden. Thomas, zuerst an dich, warum ist der Aufbau eines Prosumer Geschäftsmodells und konkret einer HEMS Lösung aus deiner Sicht für Stadtwerke heute sinnvoll und vielleicht sogar notwendig?
Thomas Stoltmann
00:05:30
Ja, du hast es eben gesagt, Friedrich. Prosumer. Das Wort Prosumer war, ich hätte gesagt, vor drei, vier Jahren noch unbekannt. Das setzt sich ja zusammen aus Produzent und Konsument. Der Markt ändert sich. Damit ändert sich auch die Kundenbedürfnisse. Die Kunden haben die Bedürfnisse, die Energie selber zu produzieren und die Energie möglichst effizient einzusetzen. Das geht natürlich nicht nur ausschließlich mit Commodity Lösungen, das heißt mit Strom, Gas, Wasser, sondern es bedarf auch weitere Produkte. Und um dieses Kundenproblem an dieser Stelle zu lösen, haben wir gesagt, da möchten wir ansetzen. Da sich wie gesagt der Markt auch ändert, die Bedürfnisse der Kunden ändern, das Kostenbewusstsein der Kunden sich auch geschärft hat, gerade mit Blick auf die Energiewende. Die Preise werden volatiler. Man möchte möglicherweise ein Stück weit unabhängiger werden von der Preisentwicklung an dem Markt, haben die Kunden großes Interesse, sich da weiterzuentwickeln. Gleichzeitig sehen wir auch, dass sich die Zielgruppen, also unsere eigenen Zielgruppen und die Kundengruppen vermischen. Bis jetzt haben wir gesagt, es gibt Massenkunden, Privat- und Geschäftskunden, die beliefern wir mit Strom und Gas, Wasser und Wärme möglicherweise. Dann hatten wir die EDL-Kunden, die haben mal hier eine Wallbox gekauft, da mal eine PV-Anlage gekauft oder ähnliche Produkte. Durch dieses HEMS Geschäft, durch diese Prosumer Lösung vermischen sich genau diese beiden Zielgruppen zu einer neuen Zielgruppe. Und wir haben uns vorgenommen, diese Zielgruppe, die möglicherweise noch relativ klein heute ist, mit diesem Produkt zu bedienen. Wir haben auch schon 2023, da wird Philipp nochmal gleich ein bisschen mehr zu erzählen, uns dazu Gedanken gemacht und sind in dieses Geschäft eingestiegen, weil wir auch gemerkt haben, A, das smartmeter-roll-out läuft immer weiter, B die bekannten, aber auch neue Wettbewerber, wie zum Beispiel das große schwedische Möbelhaus, das jetzt auch im Strommarkt tätig ist, sind auf dem Markt unterwegs. Da haben wir gesagt, da müssen wir mitspielen. Da müssen wir möglicherweise auch first-mover sein und unseren Kundinnen und Kunden zeigen, das können wir mindestens genauso gut oder noch besser.
Friedrich Stratmann
00:07:44
Ja, du hast schon ein bisschen angedeutet, was für euch so Treiber waren. Magst du das nochmal konkret herausstellen und schärfen, was eure Hauptmotivation war, daraus jetzt ein konkretes Projekt für Iserlohn zu machen?
Thomas Stoltmann
00:08:02
Natürlich, gerne. Zum einen Regulatorik. Wir alle sind verpflichtet, als Energieversorger den sogenannten dynamischen Tarif anzubieten seit dem 01.01.2025. Also waren wir da schon mal in der Pflicht. Zum anderen wollten wir aber nicht sagen, wir schmeißen einfach einen dynamischen Tarif auf den Markt und gucken, was passiert, sondern wir wollen eine gute Lösung schaffen, die eine gute und eine hohe Usability für den Kunden auch hat. Die transparent ist, mit der der Kunde auch arbeiten kann. Zum Zweiten, wie schon eben gesagt, sehen wir auch den Wettbewerb. Bekannte Wettbewerber sind auf dem Markt, die uns diese Kunden natürlich auch klauen möchten und neue Wettbewerber kommen auf den Markt, die uns diese Kunden ebenfalls streitig machen. Sodass wir gesagt haben, wir brauchen selber ein Produkt, womit wir die Kunden bedienen können und auch schon perspektivisch darauf achten können, dass wir das Produkt weiterentwickeln können. Also heute ist es eine relativ kleine Zielgruppe. Wir haben für uns gesagt, Ein- und Zweifamilienhäuser. Warum? Weil die die Möglichkeit haben, die E-Autos, die sie zu Hause laden oder die PV-Anlage, die auf dem Dach ist, smart steuern zu lassen. Und wir sehen auch den Wettbewerb. Bekannte Wettbewerber und neue Wettbewerber auf dem Markt machen uns die Kunden streitig, sodass wir eine eigene App entwickeln wollten, ein eigenes Produkt entwickeln wollten. Heißt auch Marktverteidigung, Wettbewerber aus unserem Markt herauslassen und natürlich auch die Strommengen der Zukunft bei uns zu belassen. Irgendwann, Stand heute ist es noch 2045, soll kein Gas mehr durch unsere Netze fließen. Das heißt, die KWH werden dann, ganz salopp gesprochen, von Erdgas und Strom umgewandelt. Und diese KWH würden wir auch sehr gerne verkaufen. Denn uns ist allen bewusst, die Marge, die wir heute im Erdgasgeschäft machen, die wird uns nach und nach wegfallen. Im Endeffekt heißt es auch für uns im Vertrieb, das müssen wir irgendwo kompensieren, nein, sogar im besten Falle überkompensieren. Sodass wir gesagt haben, das Prosumer Geschäft, diese Zielgruppe ist heute noch recht klein. Wenn wir aber First Mover sind und uns auf dem Markt platzieren können, haben wir sehr gute Chancen, ein ganz, ganz großes Stück dieses Kuchens mitzunehmen.
Friedrich Stratmann
00:10:16
Das Problembewusstsein ist da. Das Potenzial auch, dass ihr seht, wie du es eben beschrieben hast. Usability auch ein wichtiger Faktor, um angesichts des Wettbewerbs konkurrenzfähig zu sein. Strategie ist das eine, das andere ist, dass dann auch in die Hand zu nehmen und umzusetzen. An dich die Frage, Philipp, wann wurde aus diesem strategischen Zielbild dann wirklich ein konkretes Projekt mit Ressourcen, Budget und klarer Verantwortung bei dir? Gab es da einen bestimmten Auslöser oder war das eher so ein schrittweiser Prozess? Ja, Thomas, ihr habt euch bewusst gegen eine Insel-Lösung entschieden, stattdessen setzt ihr auf eine Plattform-Lösung im Verbund mit anderen Stadtwerken aus dem M3 Netzwerk. Warum war euch dieser kooperative Ansatz wichtig?
Philipp Grigutsch
00:11:54
So richtig los ging es im Sommer 2024. Das Vorprojekt, wo wir auch gleich wahrscheinlich nochmal ein bisschen drauf eingehen werden, wurde bei uns im Haus durch das Innovationsmanagement begleitet, wo unter anderem dann auch die Fragestellung kam, make or buy, Anbietersondierung etc. Und je konkreter es wurde, so wurde es dann auch entsprechend vertrieblicher. Und da kamen wir dann entsprechend vom Produktmanagement ins Spiel. Das war, wie gesagt, im Sommer 2024. Und die Zeit bis zum Herbst 2024, das waren dann im Endeffekt drei, vier Monate. Die haben wir entsprechend genutzt, um eine ordentliche Übergabe zwischen Innovationsmanagement und Produktmanagement herzustellen. Und genau diese Themen mit Budget und Zeitplanung dann auf den Prüfstand zu stellen, und ab Herbst 2024 ging es dann wirklich in die konkrete Umsetzungsphase mit unserem Anbieter.
Thomas Stoltmann
00:12:06
Als wir uns entschieden haben, dass wir in dieses Geschäft einsteigen möchten, haben wir uns natürlich die Frage gestellt: Make or buy? Die erste Frage war, haben wir die Kompetenz dazu? Können wir beispielsweise eine eigene App entwickeln, eine eigene sehr gute App entwickeln? Haben wir dafür die Kompetenz? Haben wir dafür möglicherweise auch die Ressourcen verfügbar? Haben wir die Zeit und die Kapazitäten verfügbar? Da kamen wir schnell zu dem Entschluss, das kriegen wir nicht so gut hin, wie möglicherweise andere. Dann haben wir uns auf dem Markt umgeschaut und haben auch die Einladung von M3 erhalten, bei der Prosumer Plattform mitzumachen. Das war eine gute Lösung für uns und eine sehr gute Entscheidung, da mitzumachen. Denn durch die Vielzahl der Stadtwerke und gleichzeitig auch Vielzahl der Zählpunkte, die dahinter stecken, haben wir natürlich entsprechende Synergieeffekte gehoben. Das geht los bei der Kostenminimierung, bei der Entwicklung einer App. Geht aber auch weiter bei der Marktsondierung. Welche Anbieter bieten eigentlich solche White Label Produkte beispielsweise an? Welche Kundenbedürfnisse gibt es wirklich? Wie muss so eine App aufgebaut sein, damit der Kunde das auch versteht und bedienen kann? Und wie sehen auch die Zukunftspläne der Anbieter aus? Gleichzeitig habe ich eben gesagt, je mehr Stadtwerke und je mehr Zählpunkte, desto besser. Am Ende haben wir auch eine höhere Marktmacht. Wir können ein Stück weit mehr Einfluss darauf nehmen, was so ein App-Entwickler, so ein Programmierer, auch entwickeln kann und sollte, um unseren Kunden die Bedürfnisse zu decken.
Friedrich Stratmann
00:13:42
Philipp, wenn man von außen auf so eine App schaut, sieht man meistens nur die Oberfläche. Wie viel organisatorische Arbeit steckt realistisch hinter so einem Projekt und wo lag für dich persönlich der größte Aufwand, den man von außen vielleicht gar nicht so sieht?
Philipp Grigutsch
00:14:01
Ja. Das war, in transparenten und offenen Zahlen zu sprechen, das Thema hat mich exakt ein Jahr beschäftigt, die Umsetzungsphase mit 30 Prozent der Arbeitsleistung. Das ist natürlich jetzt rückblickend schon relativ viel Zeit, die da ins Land geflossen ist. Größte Punkte waren definitiv das Thema Schnittstellen. Wir sind direkt das große Paket gefahren, das heißt, wir haben unsere App, die in unseren Farben ist, die in unserer Farbwelt ist, aber wir haben da auch direkt unsere ganzen Systeme angeschlossen. Das heißt, der Kunde wählt sich mit seinen Daten aus dem Kundenportal ein. Das Kundenportal ist miteinander verknüpft und das Abrechnungssystem ist auch daran geknüpft, weil wir auch die Preise aus dem dynamischen Tarif in der App anzeigen. Und das hat natürlich die Komplexität deutlich erhöht, als einfach nur eine HEMS App einzuführen, ohne Anbindung an Drittsysteme. Das war einerseits vom Aufwand deutlich umfangreicher, aber auch, was wir tatsächlich unterschätzt haben, ist das Thema Store-Zugänge, also sich mit Apple zu beschäftigen und mit Google zu beschäftigen. Zeigt mir immer wieder und auch in den Gesprächen, die ich mit anderen Stadtwerken führe, haben die überhaupt kein Thema aktuell noch mit. Sollte man aber definitiv auch mit berücksichtigen in der Zeitplanung, dass dann auch die Schnittstellen mit der IT dort entsprechend klar definiert werden und auch die Ressourcen dann dafür aufgebracht werden, wer dann die Store-Zugänge auch pflegt letztendlich.
Friedrich Stratmann
00:15:29
Ja, da hast du schon ein paar spannende Themen angesprochen, wo der Teufel im Detail steckt. Bleiben wir vielleicht kurz bei der technischen Seite. Was waren so die größten Hürden für euch, die du erlebt hast im praktischen Doing? Beispiel Schnittstellen hast du gesagt, Hardware-Integration auch ganz pragmatisch solche App-Store-Prozesse.
Philipp Grigutsch
00:15:56
Die Abrechnungsprozesse waren mit Abstand die größten. Einfach, weil die Schnittstellen dafür erstmal komplett aufgebaut werden mussten. Es war kein Wissen bei den Dienstleistern von uns vorhanden, weil die das bis dato auch absolut noch nicht kannten. Was sofort gut funktioniert hat, war tatsächlich die Single-sign-on Anbindung, also der Login mit dem Kundenportal-Account. Das hat von vornherein gut funktioniert. Aber die Preisinformationen, die dann nachher rübergespielt werden mussten, auch wenn der Kunde am Ende immer nur einen Endpreis sieht, stecken dahinter viele verschiedene Preisbestandteile, die in irgendwelchen Tabellen zusammengerechnet werden müssen und die dann auch regelmäßig in die App rübergespielt werden müssen. Das sind so Themen, die dann einfach unterhalb der Oberfläche definitiv erst auftauchen. Und es ist auch ein Monopolwissen, was manchmal dann in den jeweiligen Häusern anliegt. Da sind dann nicht viele Spezialisten, die sich damit entsprechend auch auskennen. Und das war auch eine Hürde in den Sommermonaten, da in den Themen vorwärts zu kommen, wenn gerade die Urlaubszeit auch anspringt.
Friedrich Stratmann
00:17:04
Bist du denn da auf dich allein gestellt bei dem Thema, oder wie viele Kolleginnen und Kollegen sind dann bei dir im Boot gewesen oder aktuell, um da die Hürden auch zu nehmen?
Philipp Grigutsch
00:17:18
Im Idealfall versucht man natürlich immer selber erstmal mit Blick auf seinen eigenen Urlaub die Themen soweit dann als Projektleiter bei den Dienstleistern einzukippen, die To-dos und die Zeitpläne zu überarbeiten und bei den anderen Themen natürlich auch Vertretungsregelungen innerhalb des eigenen Teams auch hergestellt, dass die auf jeden Fall zumindestens wissen, was liegt gerade an, wer ist gerade wo am Liefern oder muss entsprechend liefern. Das hat natürlich schon mal extremst weitergeholfen. Und auch die Kontaktdaten von den einzelnen Ansprechpartnern immer griffbereit haben und im Idealfall da auch schnell wieder eine Rückmeldung zu bekommen, wie die einzelnen Projektschritte gerade verlaufen.
Friedich Stratmann
00:17:59
Die Organisation, die Prozesse dahinter, ist natürlich auch ein Faktor. Wie habt ihr das denn intern gesteuert, damit Vertrieb, IT hast du schon angesprochen, Produktmanagement und Kommunikation beispielsweise an einem Strang ziehen?
Philipp Grigutsch
00:18:15
Wir haben klassischerweise erstmal einen Kick-off-Termin gemacht und wussten, wir brauchen verschiedene Beteiligte. Einmal unser Partner Clever PV, der uns die White Label App gestellt hat, unsere IT, unser Kundenportalbetreiber, unser Abrechnungsdienstleister, die hatten wir alle mal in einem Termin zusammengetrommelt, um die einzelnen Teilaufgaben einmal durchzugehen. Danach sind wir dann eher in Einzeltermine übergegangen, dass ich als Projektleiter dann geschaut habe, welche Themen liegen jetzt gerade an. Da macht es dann nicht Sinn, immer alle dann dabei zu haben. Wir haben viel über Projektboards gearbeitet, weil das einfach für alle sehr übersichtlich ist, welche Themen noch zu erledigen sind und welche Themen nachgelagert irgendwo andocken und erst dann bearbeitet werden können. Und das klassische Tool, was wir auch noch genutzt haben, war Teams zum kommunizieren. Insbesondere Chats, um niederschwellig einfache Themen schnell miteinander bearbeiten zu können. Mit Outlook haben wir so gut wie möglich nicht gearbeitet, weil einfach die Wege ein bisschen umständlich sind aus meiner Sicht und auch mittlerweile andere Möglichkeiten schnellere Ergebnisse und Erfolg bringen. Und wenn es auch die Zeit zuließ, einfach instant mal jemand über Teams anruft und sagen, ich bin hier gerade am Thema X dran, kannst du mir gerade mal weiterhelfen? Passt es gerade bei dir? Das hat sich dann in der Praxis ganz gut gezeigt, dass man da immer auch gutes Verständnis bei den Kollegen bekommen hat, die auch an einem Strang mitgezogen haben.
Friedrich Stratmann
00:19:48
Und innerhalb des Kooperations-Netzwerks oder der Kooperationsplattform gab es auch regelmäßig Austausch, wo man sich dann über gemeinsame Hürden oder auch Fortschritte austauschen konnte.
Philipp Grigutsch
00:20:04
Genau, also das ist ja noch mal losgelöst von diesem operativen Umsetzungsprojekt. Da treffen wir uns dann einmal im Monat digital und einmal im Quartal treffen wir uns in Präsenz. Das ist in den meisten Fällen jetzt der Standort Frankfurt gewesen, in Teilen aber auch manchmal Köln. Da gab es dann auch die Möglichkeit, so grundsätzlich über das Thema HEMS einfach zu sprechen, wie gerade da die Entwicklung in den jeweiligen Häusern ist.
Friedrich Stratmann
00:20:29
Jetzt ist eure HEMS Lösung ja live, kein Go-live läuft perfekt, wie wir wissen. Was waren bei euch die ersten Kinderkrankheiten, die ihr heute auch offen benennen würdet?
Philipp Grigutsch
00:20:43
Erst mal muss man sagen, dass die App selber stabil läuft. Das darf man halt auch nicht unterschätzen. Da hatten wir aber von vornherein wirklich supergutes Gefühl gehabt, dass die Integration von Hardware bei dem Hersteller reibungslos funktioniert. Wo es einfach technisch große Probleme gab, das waren die Schnittstellen, die ich jetzt grade schon mal angesprochen hatte. Gerade die Preisinformation, da hatten wir doch größere Probleme mit gehabt, bis da wirklich am Ende dann auch der Endpreis drin stand, den ich da auch erwartet hätte. Und gerade dieses Thema Monopolwissen in den Häusern und den Sommermonaten, das hat uns dann leider doch nochmal die eine oder andere Woche nach hinten geworfen, weil da einfach noch extremst viel Justieren war oder nachzujustieren war. Und das hatten wir dann zumindestens in den Herbstmonaten finalisieren können. Da bin ich dann auch ganz happy drüber gewesen, dass das nicht noch irgendwo in in die Preisanpassungsphase noch mit reinrutscht.
Friedrich Stratmann
00:21:47
Hast du noch was zu ergänzen, Thomas, aus deiner Perspektive, was dir noch irgendwie hängengeblieben ist?
Thomas Stoltmann
00:21:54
Also ich kann Philipp an der Stelle nur danken. Der hat wirklich Blut und Wasser geschwitzt, dass dieses Produkt letztes Jahr oder Ende letzten Jahres dann auch live gehen konnte. Er und sein Team haben tolle Arbeit geleistet, sodass wir jetzt auch stolz sagen können, wir sind einer der ersten Energieversorger, die eine so gute und ausgereifte App für die Kunden auch präsentieren können.
Friedrich Stratmann
00:22:14
Dann lass uns gerne mal konkret da reinschauen in die EnergyConnect App. Thomas, das ist ein erklärungsbedürftiges Produkt. Dynamischer Tarif und HEMS, beides Themen, die in der Branche viel diskutiert werden, die sich aber bisher noch nicht wirklich in der Breite durchgesetzt haben. Ist die App aus deiner Sicht ein Produkt für eine breite Zielgruppe? Hast ja schon ein bisschen angedeutet am Anfang, auf wen ihr da abzielt, oder aktuell eher für technisch-affine und risikobewusste Kundinnen und Kunden?
Thomas Stoltmann
00:22:49
Ich glaube, nein, ich finde, das sind zwei Fragen in einer Farge versteckt. Einmal das Thema Zielgruppe. Ich habe ja eben schon gesagt, wir fokussieren uns jetzt aktuell auf die Ein- und Zweifamilienhäuser. Warum? Weil die eben diese verschiebbaren Lasten haben, eine Wärmepumpe, ein E-Auto und auch eine PV-Anlage mit Speicher. Da haben wir uns auch das Ziel gesetzt, wir wollen bis 2035 15 Prozent dieser Zielgruppe in dem neuen Produkt drin haben, das heißt aktive App-User, aber auch aktive Kunden unseres Sauerlandstromflex, also dem dynamischen Tarif. Natürlich ist dieser Erfolg auch abhängig vom Smartmeter-rollout, je nachdem wie schnell der auch vonstatten geht. Wir haben beispielsweise auch gesagt, um die Hürde für den Kunden gering zu halten, den freiwilligen Einbau, den sponsoren wir. Der kostet normalerweise 100 Euro für den Endkunden. Da haben wir gesagt, das übernehmen wir für einen Kunden, damit er die Eintrittshürde so gering wie möglich hat. Wenn wir dann mal nach Schweden gucken, zum Beispiel. In Schweden hat nahezu jeder Haushalt mittlerweile einen IMSES verbaut, also ein intelligentes Messssystem verbaut und über 70 Prozent der Schweden nutzen einen dynamischen Tarif. Das ist bei uns in Deutschland noch weit weg, hätte ich gesagt, weil die Kunden natürlich es gewohnt sind, einen festen Preis zu haben. Die sind entweder in der Grundversorgung oder aber haben ein Laufzeitprodukt abgeschlossen bei einem Versorger und die wissen, mein Preis gilt für ein oder zwei Jahre. Der ist fix. Die Umstellung im Kopf, dass dieser Preis nicht mehr fix ist und ich auch mal ein bisschen mehr bezahlen kann oder aber auch ein bisschen weniger bezahlen kann, das ist ein Prozess, den wir den Kunden noch beibringen können, aber auch wollen. Denn für den Endkunden ist es in der Regel dann doch günstiger. Wir haben es mal durchgerechnet Philipp, ne? Der Kunde hat ein Einsparpotential, natürlich je nachdem wie er die verschiebbaren Lasten auch verschieben kann, von 200 bis 300 Euro pro Jahr. Die zweite Frage oder die Aussage in deiner Frage war, das Produkt ist erklärungsbedürftig. Ja. Das haben wir auch festgestellt, als wir uns über das Kommunikationskonzept Gedanken gemacht haben, wie wir dieses Produkt draußen bewerben wollen. Sei es ein Social Media Post oder ein Plakat in der Stadt. Das ist mit einem Satz oder mit einem Schlagwort wirklich nicht zu erklären. Deswegen nehmen wir auch folgenden Weg auf: Wir sagen, wir füttern den Kunden draußen an, mit ein, zwei Stichworten und versuchen, den Kunden zu uns ins Kundencenter zu locken, damit wir ihn persönlich beraten können. Denn wir sehen natürlich diese App auch als Cross- und Upselling-Potential. Mit dieser App verbinden wir, das habe ich eben schon mal gesagt, die Commodity Welt mit der Non-Commodity-Welt. Da wir auch PV-Produkte anbieten, E-Mobilitätsprodukte und Wärmepumpenprodukte anbieten sagen wir natürlich, alles, was der Kunde in dieser App koppeln kann an Hardware, verkaufen wir dem Kunden im besten Falle gleich mit. Und so haben wir natürlich immer einen tollen Anker und ein tolles Gespräch mit dem Kunden, um ihn möglicherweise fit zu machen für die Energiewende.
Friedrich Stratmann
00:26:02
Danke für die Einblicke da in eure Herangehensweise. Ich würde gerne nochmal da eine Nachfrage stellen zu dem Punkt, der Kunde muss das erstmal lernen. Die andere Art der Preisbetrachtung, von einem stabilen Preis oder einem fixen Preis, den er kennt, zu dem flexiblen Modell. Hast du, oder habt ihr da Ansatzpunkte, wie man da Nachhilfe beim Denken oder beim Verinnerlichen dieser anderen Haltung leisten kann, oder wie geht ihr da ran?
Thomas Stoltmann
00:26:36
Im Prinzip mit der App. Weil die App übernimmt das Überlegen und das Steuern der Hardware. In dem Moment, wo der Preis an der Börse günstig ist, würde die App das erkennen und beispielsweise das E-Auto aufladen. Philipp erzählt euch ein bisschen mehr zu der App noch, wie das dann auch funktioniert, aber diese Hürde, diesen dynamischen Tarif tatsächlich mal auszuprobieren, bieten wir den Kunden auch an. Unsere Verträge haben eine Laufzeit von, also Erstlaufzeit, von drei Monaten und anschließende Kündigungsfrist von einem Monat, sodass der Kunde innerhalb des Stadtwerke-Iserlohn-Kosmos immer hin und her switchen könnte. Wenn er merkt, nach drei Monaten, ist doch nicht so mein Fall mit dem dynamischen Tarif, dann bieten wir ihmerne auch wieder ein Festpreismodell an. Und, wie gesagt, die App ist smart und die steuert alle Verbraucher und Erzeuger so, dass der Kunde das Beste, das Maximum an Einsparpotentialen herausholen kann. Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass es ein bisschen dauern wird, bis die Kunden das auch akzeptieren. Ich denke, es geht mit dem Erfolg. Wenn der Kunde nach einem Jahr oder nach einem halben Jahr erkennt, das ist wirklich gut, ich kann damit wirklich Geld einsparen, dann wird es sich auch herumsprechen und auch verbreiten. Siehe Schweden, also wenn 70 Prozent der Menschen in Schweden einen solchen Tarif nutzen, kann es tatsächlich nicht so schlecht sein.
Friedrich Stratmann
00:28:06
Ja, spannend. Also die App dann quasi als Lerninstrument, es selbst zu erfahren dadurch, wie das alles vernetzt ineinandergreift und welche Steuerungsmöglichkeiten es gibt für dich selbst, da auch gewisse Hebel zu haben. Wenn wir mal auf das konkrete Setup schauen bei euch Philipp, beim Thema HEMS gibt es im Markt grundsätzlich zwei Ansätze, entweder Hardware-basierte Systeme, also eine Steuerbox beim Kunden zu Hause, oder Cloud-basierte Lösungen. Ihr habt euch für einen Cloud-basierten Ansatz entschieden. Warum und wo siehst du darin die Vorteile auch für andere Stadtwerke, die gerade vor einer ähnlichen Entscheidung stehen?
Philipp Grigutsch
00:28:52
Die Entscheidung ist ja auch schon bei uns in dem Vorprojekt gefallen, was ja auch durch das Innovationsmanagement begleitet wurde. Die Ausrichtung ist eher tendenziell, dass es Richtung Cloud-basiert geht. Cloud-basiert bietet Vorteile für uns, für den Kunden. Insbesondere für den Kunden auch dahingehend, dass er keine zusätzlichen Anschaffungskosten hat für Hardware, die eingekauft werden muss, um Geräte entsprechend zu steuern. Der andere Effekt ist auch, dass diese cloudbasierten Lösungen im Business Case auf lange Sicht grundsätzlich günstiger sind. Das ist dann für uns relevant. Und was wir jetzt insbesondere in den letzten Monaten auch gesehen haben, ist, dass immer mehr Hersteller ihre API-Schnittstelle freigeben. Das heißt, dieses Thema cloudbasierte Verfahren scheint auch bei den Herstellern angekommen zu sein. Vor einigen Jahren war es noch undenkbar, dass ein Wärmepumpenhersteller seine API-Schnittstelle freigibt. Jetzt stehen wir Anfang März 2026 da und haben die wichtigsten Wärmepumpenplayer schon integriert, weil die ihre Schnittstelle eben entsprechend freigeben und selber erkennen, das sind eigene Geschäftsfelder, die man daraus vielleicht noch bedienen kann.
Friedrich Stratmann
00:30:02
Das ist natürlich auch ein Argument dafür, welche Hersteller sind vertreten und welche Schnittstellen gibt es bereits, was ich denke auch ein gutes Verkaufsargument ist. Die EnergyConnect App gibt es aktuell in zwei Varianten, eine kostenfreie Version und eine kostenpflichtige. Kannst du einmal kurz erläutern, was kann die App konkret und welche Funktionen und Vorteile sind aus Kundensicht aktuell am wichtigsten?
Philipp Grigutsch
00:30:32
Genau, wir haben die kostenlose Variante, die kann jeder Kunde von uns herunterladen, er muss nur entsprechend ein Kundenportal-Konto bei uns haben. In der kostenlosen Variante hat der Kunde die Möglichkeiten, sich A in das Kundenportal einzuwählen. Er kann sich die Preise von unserem dynamischen Tarif anschauen. Das ist für uns entsprechend der Punkt, der besonders wichtig ist, um Kunden überhaupt auf das Thema dynamischen Tarif zu sensibilisieren. Er hat da die Möglichkeit, den kompletten All-in-Preis zu sehen, mit Umlagen, mit der Beschaffung, mit den Zertifikaten für Grünstrom dahinter. Weil in der Praxis ist es doch noch so, dass viele Energieversorger den Kunden sagen, geh auf die EPEX-Seite. Aber das ist ja nur die halbe Wahrheit. Um den Kunden mal wirklich transparent zu zeigen, wie ist jetzt eigentlich dann der komplette dynamisch Tarifpreis, bei uns heißt der Tarifstore und Strom-Flex mit allen Umlagen, ist die Antwort, lad dir die App runter und dann schau dir einfach die Börsenpreise an. Jetzt um 13 Uhr gab es das Preis-Update für morgen und du kannst dir supereinfach einen Überblick darüber verschaffen, wie sich die Preise viertelstündlich verändern. Und der Kunde kann auch in der kostenlosen Variante schon unendlich Geräte koppeln. Also, wenn er zum Beispiel sein Haus voll mit irgendwelchen Shellys hat, das sind Geräte, die dann auch nochmal den Stromverbrauch von einzelnen Endgeräten messen, oder der Kunde schon ein Elektroauto hat oder eine Wärmepumpe hat oder einen Wechselrichter von einer PV-Anlage, kann er die grundsätzlich auch in der kostenlosen Variante schon hinterlegen. In der Premiumvariante gibt es zwei wichtige Features, die aus dem Ganzen so ein richtiges Premiumpaket dann schnüren. Die Premiumvariante kostet bei uns 2,99 Euro pro Monat oder die andere Variante erschließt es dann fürs ganze Jahr ab, kostet dann 24,99 Euro, also nochmal einen kleinen Anreiz, insgesamt aber sehr günstig ausgestaltet. Und in der Premiumvariante kann der Kunde die Geräte smart steuern, also konkret ausgedrückt, ich will morgen früh um 8 Uhr losfahren, ich habe einen dynamischen Tarif und der Wagen ist angeschlossen. Dann wird der Wagen zu den besten Zeiten getankt, beziehungsweise zu den besten Preisen. Das heißt, ich muss jetzt nicht irgendwie zum Auto stürmen und das Kabel rausziehen, weil es gerade teuer ist, sondern die App regelt das schon. Das ist unter anderem eine Funktion, dass ich das festlegen kann zu den besten Zeiten. Ich kann aber auf der anderen Seite auch ein Preiscap machen. Dass zum Beispiel das Auto definitiv nicht geladen wird, wenn der Preis größer 50 Cent beispielsweise ist. Da gibt es sehr sehr viele Funktionen, die man entsprechend nutzen kann. Primär geht es aber insbesondere darum, dass der PV-Überschuss im Haus möglichst optimal genutzt wird und der Kunde wenig in das Netz einspeist. Das sind auf jeden Fall die wichtigsten Funktionen. Was wir auch besonders wichtig finden ist, wenn der Kunde den dynamischen Tarif hat, bekommt er von uns die Rechnung ausschließlich in das Kundenportal. Das hat für uns den Riesenvorteil, wir können uns sehr, sehr viele Seiten Papier sparen. Und in der App haben wir einen Absprung in das Kundenportal, das heißt, der Kunde kann innerhalb der App verweilen, in das Kundenportal abspringen und sich seine monatliche Rechnung anschauen. Und daraus wird wirklich dann ein kompletter Schuh.
Friedrich Stratmann
00:33:45
Ja, das ist interessant, wie sich dann die Kundenschnittstelle neu definiert und da eine Vernetzung entsteht zwischen Kundenportal, App und den unterschiedlichen Hardwaresystemen, alles gebündelt in einer App. Thomas, ein Punkt, der perspektivisch spannend wird, aktuell gibt es noch keine direkte In-App-Kommunikation mit dem Kunden. Ist das für euch mit Blick auf die Zukunft ein wichtiger Hebel, um beispielsweise Cross- und Upselling im EDL-Bereich voranzutreiben?
Thomas Stoltmann
00:34:22
Ja, absolut. Denn in der Regel, so wissen die meisten Zuhörenden, haben wir als Stadtwerk mit unseren Kunden zwei bis dreimal im Jahr Kontakt. Das ist die Abrechnung und das ist die Preisanpassung. Mit der App, die der Kunde heute schon auf seinem Smartphone hat, haben wir einen weiteren Kontakt. Das ist ja schon mal schön. Er sieht unser Logo jeden Tag. Er sieht unser App-Icon jeden Tag. Und zukünftig haben wir sogar noch die Möglichkeit, Content über die App auszuspielen. Das heißt, wir können unsere Hardwareprodukte anbieten, wir können unsere Community-Produkte anbieten, das heißt Stromtarife anbieten. Und das ist für uns natürlich ein Riesenhebel, diese App auch zum Verkaufen zu nutzen. Denn, wie gesagt, wir nutzen oder wir sehen diese App auch als Verbindung zwischen EDL-Produkten und Commodity-Produkten. Von daher auf jeden Fall und wir freuen uns sehr, einen weiteren Kommunikationskanal Richtung Kunden damit aufmachen zu können.
Friedrich Stratmann
00:35:16
An dich Philipp vielleicht noch die Nachfrage, wie weit ist diese Vision noch weg oder ist das eine Sache, die dann komplexer ist auch umzusetzen oder lässt sich das mit einem entsprechenden CMS-System dann auch leicht integrieren?
Philipp Grigutsch
00:35:37
Genau, das CMS-System ist soweit vorkonfiguriert. Wir sind gerade dabei, uns selber auch damit einzufinden. Was meine ich damit konkret? Auch das wollen wir intern erstmal bei uns besprechen. Welchen Content wollen wir eigentlich bespielen? In welcher Tonalität wollen wir das tun? In welcher Optik wollen wir das auch entsprechend platzieren? Dazu werden wir uns jetzt in den nächsten Tagen hausintern noch Gedanken machen und dann werden wir perspektivisch schätzungsweise Ende März, Anfang April auch mit dem Content Management starten und haben dann die Möglichkeit, über verschiedene Wege in der App gewisse Dinge zu platzieren. Produkte, Informationen an verschiedenen Stellen, die uns dann auch noch Flexibilität erlauben, wo wir glauben, es ist da am geschicktesten, die Information zu platzieren.
Friedrich Stratmann
00:36:25
Die App ist seit Oktober letzten Jahres live. Thomas, wie reagieren eure Kundinnen und Kunden bisher darauf? Gibt es schon erste Feedbacks aus der Praxis?
Thomas Stoltmann
00:36:36
Ja. Das erste Feedback ist, wir haben aktuell weit über 200 User registriert in der App, auch viele von denen oder die Mehrzahl von denen aktive User. Das heißt, sie nutzen die App auch regelmäßig. Das ist genau der Hebel, den ich eben angesprochen habe. Wir haben mit dem Kunden plötzlich jeden Tag Kontakt, den wir vorher nur zweimal, vielleicht dreimal im Jahr im Kontakt gehabt haben. Das ist ein tolles Ergebnis. Das hat unsere Ziele bis dato sogar übertroffen. Natürlich haben wir uns auch langfristige Ziele gesetzt, auch mit Abschlüssen dahinter zum dynamischen Tarif, aber bis hierhin sind wir mit der Markteinführung sehr zufrieden. Wir werden nach Ostern ein Kunden-Event veranstalten und die aktiven User, die tatsächlich die App regelmäßig nutzen, zu uns einladen und direktes Kundenfeedback von denen erhalten. Da wollen wir insbesondere wissen, wie ist die Usability? Also wie ist die Handhabung der App, welche Schnittstellen funktionieren gut, welche sind noch nachholbedürftig? Welche Anwendungsfälle sind für den Kunden besonders interessant? Dass wir auch dahingehend unsere App weiterentwickeln können, damit wir uns immer mehr auf die Kundenbedürfnisse einstellen können und so den Markt immer besser und immer zielgerichteter auch bedienen können.
Friedrich Stratmann
00:37:50
Ja spannend. Dann wird das nach Ostern bestimmt auch ein erkenntnisreiches Treffen mit den Nutzerinnen und Nutzern, die mit Sicherheit auch nochmal neue Impulse geben für euch. Wenn ihr beiden jetzt mal so die ersten Monate nach dem Go-Live Revue passieren lasst. Was hat euch da am meisten überrascht, positiv oder vielleicht auch negativ? Gab es Aha-Momente oder Stolpersteine, aus denen ihr besonders viel gelernt habt?
Philipp Grigutsch
00:38:22
Der größte Aha-Moment, in dem Moment, wo wir dann auch live gegangen sind und über das Back-End-System dann auch uns die Kunden ein wenig detaillierter anschauen konnten, ergibt sich ein differenziertes Bild. Es gibt Kunden, die haben schon sehr viele Komponenten hinterlegt. Vermutlich schon welche, die sehr viel mit dem Thema Home Energy grundsätzlich schon vertraut sind, aber auch zum anderen User, die noch nichts hinterlegt haben, die vermutlich im Kundenkontakt in der Gesprächsberatung auf das Thema dynamischer Tarif aufmerksam gemacht wurden und die App einfach runtergeladen haben, um zu schauen, wie eigentlich der Preis ist. Und was mit Sicherheit auch der Fall ist, das ist nun mal die erste App, die wir im Namen der Stadtwerke Iserlohn öffnen, einfach aus Neugier. Die Stadtwerke Iserlohn haben eine App, ich lade mir die einfach mal runter, egal was es ist, aber ich schaue mir erstmal an, was gibt es eigentlich in dieser App? Das schafft auch nochmal die Möglichkeit, die Kunden auf Themen zu sensibilisieren, wo die Kunden bislang sagen, ja Strom kommt irgendwie aus der Steckdose raus und alles Weitere ist für mich gar nicht greifbar. Zu wissen, ah okay, ich kann irgendwie meine Solaranlage mit meinem Auto verknüpfen, damit der Strom möglichst im Haus bleibt, es gibt einen dynamischen Tarif, die Stadtwerke bieten demnächst über dieses Content-Management-System dann auch noch andere Produkte an, wo wir nicht direkt mit in Verbindung gesetzt werden. Da freue ich mich auch sehr noch drauf.
Friedrich Stratmann
00:39:47
Gibt es von deiner Seite, Thomas, noch etwas, was du ergänzen magst?
Thomas Stoltmann
00:39:54
Wie schon eben gesagt, Kommunikation ist ein Thema. Erklärungsbedürftigkeit des Produktes ist ein Thema. Nicht ganz so einfach wie wir uns das vorgestellt haben. Wir haben viele, viele Runden gedreht hier intern, um die richtigen Worte zu finden, wie wir mit dem Kunden kommunizieren wollen, haben hoffentlich, so glauben wir, auch den richtigen Weg gefunden und die richtigen Worte gefunden. Die Zahlen sprechen auch im Prinzip für sich. Aber, wie Philipp schon sagte, natürlich haben wir auch technische Hürden im Fachjargon MK8 ist eine Hürde bei uns. MK8 haben viele IMSES-Kunden verbaut, das Messkonzept 8, aber die können wir heute noch nicht anschließen. Aber das kommt nach und nach und wir sind sehr, sehr guter Hoffnung. Nein, wir wissen es sogar, dass wir auch die Kunden zukünftig bedienen können.
Friedrich Stratmann
00:40:41
Das klingt doch nach guten Voraussetzungen. Wenn ihr mit dem Wissen von heute noch mal an den Anfang gehen würdet, würdet ihr strukturell etwas anders angehen?
Thomas Stoltmann
00:40:50
Im Großen und Ganzen nicht. Wir würden uns sehr wahrscheinlich wieder für eine Plattform entscheiden, so wie die von M3. Wir haben uns da sehr gut aufgehoben gefühlt. Wir haben auch anfangs sehr schnell gemerkt, dass diese Synergien, die wir da gehoben haben, auch wirklich auf fruchtbaren Boden getroffen sind. Wir kamen relativ schnell voran. Wir waren auch der Pilot, also das heißt, wir sind immer noch der First Mover auch auf der Prosumer Plattform. Auch das würden wir wieder machen, weil wir gesehen haben, es bringt auf dem Markt etwas. Wie gesagt, wir haben jetzt über 200 aktive User in der App. Wir sehen auch, dass die Kündigerzahl in diesem Bereich rückläufig sind. Von daher hat uns das sehr bestätigt, diesen Weg richtig gegangen zu sein. Darüber hinaus hatte Philipp ja auch schon gesagt, der Aufwand hat sich auch bei ihm nicht in Grenzen gehalten. Ganz im Gegenteil, 30 Prozent Arbeitszeit über ein Jahr gestreckt, nur für die Begleitung des Projektes oder für die interne Projektleitung. Hätten wir das jetzt komplett alleine durchgezogen, glaube ich, hätte Philipp deutlich mehr Kapazitäten aufbringen müssen und die haben wir einfach nicht zur Verfügung und die können wir und wollen wir uns auch an der Stelle nicht freihalten.
Friedrich Stratmann
00:42:04
Und Philipp, hast du da, wenn du durch deine Erfahrungen heute draufschaust irgendwo Stellschrauben erkannt, wo du sagst, wenn ich das jetzt nochmal machen müsste, würde, da gibt es noch Effizienzpotenziale oder andere Wege, die ich anders einschlagen würde?
Philipp Grigutsch
00:42:24
Ja, hinterher ist man natürlich immer schlauer. Es ist nun mal so im Projektgeschäft. Der Klassiker ist natürlich, wir hatten uns damals als allererstes das sehr optimistische Ziel gesetzt, dass wir nach drei Monaten fertig sind. Das haben wir dann kurz vor Weihnachten erkannt, dass das komplett unrealistisch ist. Dann war das nächste Ziel vorm eigenen Sommerurlaub im Juni, das bis Ende Mai stehen haben, da wirklich auf Biegen und Brechen alles in die Waagschale geworfen, was halt nur irgendwie ging. Aber es war wirklich das Thema Schnittstellen einfach zu zeitintensiv, zu komplex. Aber definitiv will ich mich immer wieder für diesen Anbieter entscheiden, weil diese Zusammenarbeit wirklich sehr viel Spaß macht, die sehr viel Innovation mit sich bringen und einen sehr tollen Spirit einfach im sich dann auch im Team haben. Die würde ich auf jeden Fall immer wieder präferieren. Nur, ich würde selber für das Projekt einfach mehr Zeit einplanen. Weil auch parallel der dynamische Tarif ja bei uns dann auch noch ausgeprägt wurde, wo sich mein Kollege drum gekümmert hat und dadurch, dass das eine Thema das andere Thema auch bedingt, waren wir dann auch auf gewisse Zuarbeiten auch mehr angewiesen. Von daher, um jemand anderem das vielleicht mitzugeben, der dynamische Tarif sollte im Idealfall erstmal komplett stehen. Das macht vieles einfacher und dann kann man sich mit dem Thema HEMS und IT-Themen besser auseinandersetzen, wenn einfach schon klar ist, wo liegen die Datenfelder, wie heißen die Bezeichnungen, wie ist die Tarifierung, wie ist der Geräteaufbau. Das macht alles dann schon viel, viel einfacher in der Umsetzung.
Friedrich Stratmann
00:44:01
Danke fürs Teilen eurer Learnings in der Rückschau. Philipp, wenn wir gegen Ende des Gesprächs nach vorne schauen, welche nächsten Schritte plant ihr für die EnergyConnect App in diesem Jahr? Welche neuen Funktionen oder Erweiterungen stehen da bei euch auf der Roadmap?
Philipp Grigutsch
00:44:24
Wir haben gerade erst angefangen, um das schon mal groß aufzuziehen. Uns ist es halt immer wichtig, dass das, was wir jetzt sozusagen veröffentlicht haben oder rausgebracht haben, dass wir das jetzt auch fortführen wollen. Natürlich spielt da auch unser Hersteller mit rein, die die Integration der Hersteller, insbesondere im Bereich E-Mobilität jetzt vor Kurzem mit einem großen Update groß vorangetrieben haben. Aber was jetzt noch bei uns in den nächsten Monaten ansteht ist natürlich das Content Management System. Dass wir das nutzen wollen, um die Kunden auf Produkte und Informationen hinzuweisen. Die intelligenten Messsysteme, die Verbräuche, die werden auch Ende März, Anfang April in die App mit reinfließen, was auch noch mal ein gutes Feature ist, bedingt aber auch dementsprechend die Schnittstelle, die wir ja aufgebaut haben. Dann werden wir auf jeden Fall uns noch mit dem Thema Kundenportal etwas weiter auseinandersetzen. Das haben wir grundsätzlich stehen und das funktioniert auch, dass ich in der App da reingehen kann. Wir brauchen da aber noch so eine Art Refresh token, dass man, wenn man sich innerhalb der App bewegt, dass man auch ohne erneute Anmeldungen da drin landet. Das klingt jetzt erstmal ein bisschen wild, aber im Endeffekt, wenn man auf dem Handy schon sich einwählt, schlägt er einem immer von vornherein schon E-Mail-Adresse und Passwort dann automatisch vor. Das wollen wir aber entsprechend noch mit unserem Kundenportalbetreiber finalisieren, dass man sich wirklich komplett reibungslos in der App dann bewegen kann. Und das nächste große Thema wird auf jeden Fall immer wieder sein, auch die Kolleginnen und Kollegen im Verkauf immer wieder schulen, weil das Thema HEMS und dynamischer Tarif, das muss erst noch anlaufen. Und gerade wenn jetzt größere App-Updates kommen, wenn neue Funktionen reinkommen, wo finde ich die? Wie funktioniert eigentlich die Integration? Da wollen wir jetzt vom Produktmanagement auch die Kollegen regelmäßig schulen und zur Seite stehen, damit die Kollegen, die direkt beim Kunden im Kontakt sind, auch das Produkt gut verkaufen können vor Ort oder hier bei uns im Kundencenter.
Friedrich Stratmann
00:46:28
Ja, dir wird nicht langweilig, glaube ich. Da wünsche ich dir und euch weiterhin viel Erfolg auf der Reise in die Prosumer Welt und das Geschäftsmodell und die Lösung, die ihr jetzt als Vorreiter vorantreibt und auf den Markt gebracht habt. Zum Abschluss eine Frage an euch beide. Wenn Stadtwerke und EVU aktuell überlegen, selbst mit HEMS Lösungen oder Prosumerangeboten zu starten, was ist euer wichtigster Praxistipp, den ihr anderen Häusern mitgeben würdet?
Thomas Stoltmann
00:47:06
Also aus meiner Sicht ist es erst einmal die strategische Ausrichtung des Unternehmens, aber auch des Vertriebes zu analysieren. Möchten wir in diesen Markt hineingehen, sind wir dazu bereit, passt es zu unserer strategischen Ausrichtung? Wenn das klar geregelt ist und klar definiert ist, wie bei uns beispielsweise, würden wir zunächst empfehlen, auch zu sagen, wir gucken uns mal die Zielgruppe an. Welche Zielgruppe ist das eigentlich? Wie groß ist die Zielgruppe? Und dann die Entscheidung zu treffen, make or buy. Wollen wir, was ich eben auch gesagt habe, selber so eine App programmieren, selber so eine Lösung ins Leben rufen und auf den Markt bringen oder schließen wir uns, beispielsweise, zu einer Prosumer Plattform an, wie M3 sie anbietet. Die drei Schritte würde ich zuerst machen, bevor man dann tatsächlich ins operative Doing reingeht.
Friedrich Stratmann
00:47:59
Und das Schlusswort gehört dir Philipp.
Philipp Grigutsch
00:48:02
Bei mir sind es zwei Dinge, die ich mitgeben würde. Einerseits natürlich aus Sicht des Projektleiters, plant für das Thema Zeit und Ressourcen ein, die Zuständigkeiten definieren, die IT rechtzeitig abholen und auch für das Thema empfänglich erst mal zu machen. Weil man hat sich vertrieblich damit jetzt schon vielleicht einige Monate beschäftigt, aber wenn man mit den Namen HEMS dann woanders im Haus um die Ecke kommt, muss man denen das erstmal vielleicht auch erklären, was eigentlich dahinter steckt. Das wäre wichtig. Was ich aber auch in der Praxis immer wieder sehe ist, dass Energieversorger oder Stadtwerke sich sehr mit dem Thema Business Case beschäftigen, was auch vollkommen richtig ist. Ich würde mich aber davon lösen und sagen, das alleine muss sich irgendwie rechnen, sondern man muss das als Verbundthema sehen. Nämlich, ich kann mein Commodity Geschäft mit dem Non-Commodity Geschäft miteinander verbinden. Der entscheidende Punkt ist aber, den ich als besonders wichtig sehe, man sollte auch berücksichtigen, was passiert, wenn einer dieser Kunden dieses Produkt bei uns im Hause nicht finden und woanders sich holen. Wir reden jetzt ja hier über Ein- und Zweifamilienhausbesitzer. Die haben in der Regel dann schon, wenn sie EDL-Produkte haben, 6.000, 7.000, 8.000 Kilowattstunden und das schmerzt richtig, wenn die weggehen. Von daher würde ich mal in den Ring werfen und sagen, man sollte auch berücksichtigen, welche Deckungsbeiträge einem dadurch verloren gehen, wenn man nicht ein solches Produkt im Sortiment hat. Und dann stellt man fest, das geht sehr schnell.
Friedrich Stratmann
00:49:33
Ja, Thomas und Philipp, ich danke euch ganz herzlich für die offenen Einblicke heute in euer Innovationsprojekt und auch in die Learnings aus den ersten Monaten nach dem Go-live. Ich glaube, man hat heute sehr gut gesehen, dass Prosumer Geschäft kein Buzzword mehr ist, sondern ein ganz konkretes Entwicklungsfeld für Stadtwerke. Also vielen Dank euch beide heute fürs Teilen eurer Erfahrungen.
Thomas Stoltmann und Philipp Grigutsch
00:50:02
Wir danken dir, vielen Dank. Danke für die Einladung.
Friedrich Stratmann
00:50:05
Wenn euch interessiert, wie ihr in eurem Stadtwerk oder EVU solche Prosumer-Modelle wie in Iserlohn konkret umsetzen könnt, genau darum geht es auch in unserer Prosumer-Initiative der Netzwerkpartner in Kooperation mit M3, die Mitte April startet. Dort arbeiten wir mit Mitglieds-Stadtwerken gemeinsam daran, genau solche Geschäftsmodelle strukturiert aufzubauen, von der Strategie zur konkreten Umsetzung. Wenn ihr Mitglieder der Netzwerkpartner seid und euch noch nicht für die Initiative angemeldet habt, dann meldet euch bis zum 7. April bei meinem Kollegen Tonio Profanter, den Kontakt findet ihr in den Shownotes. Das war's für heute, vielen Dank fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal und bleibt energiegeladen.