Energiedosis. Der Praxispodcast für Energieversorger.

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#28: Krisenvorsorge Gas – Dr. Bernd Cohnen, Regionetz

04.11.2022 34 min

Zusammenfassung & Show Notes

Wie bereiten sich Netzbetreiber auf Störungsfälle im Gasnetz vor? Mit Dr. Bernd Cohnen sprechen wir über die Krisenvorsorge in der aktuellen Situation und welche Mechanismen wann greifen.
 
Die aktuelle Krisensituation rund um die Gasversorgung ist eine herausfordernde Situation, Energie- und Gassparen ist nicht nur bei Privathaushalten Top-Thema. Auch Gewerbe und Industrie bereiten sich auf eine mögliche Gasmangellage vor. Wann und wie kann die Produktion runtergefahren werden, wenn der Ernstfall eintritt? Koordiniert wird diese Aufgabe vom zuständigen Netzbetreiber. Dr. Bernd Cohnen zeigt uns, wie die Krisenvorsorge bei der Regionetz funktioniert und erklärt uns, warum eine wichtige Datengrundlage für den Krisenfall so wichtig ist, was die Schlüsselfaktoren in der Kommunikation mit Kunden sind und wie der Netzbetreiber sich organisiert.

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Transkript

Intro: Dr. Bernd Cohnen
00:00:00
Aber zurzeit, glaube ich, wenn ich die Situation bewerte, kriegen wir das hin. Im Zweifelsfall darüber, dass wir den einen oder anderen Kunden reduzieren müssen. Es gibt vielleicht die Möglichkeiten gewisse Produktionen einzuschränken, zu reduzieren, anders zu verteilen. Ich glaube, das Komplettabschalten von Kunden ist eigentlich ein No-Go und da dürfen wir nicht hinkommen. Da machen wir unsere Wirtschaft komplett mit kaputt. Music.
Claudio La Torre
00:00:52
Herzlich willkommen lieber Zuhörer zur Energiedosis, dem Praxispodcast für Energieversorger. Ich freue mich, dass du wieder dabei bist und zuhörst. Heute haben wir ein spannendes Thema: Krisenvorsorge Gas. Mein Name ist Claudio La Torre und zu dem Thema unterstützend habe ich eingeladen, Dr. Bernd Cohnen, Abteilungsleiter, Netznutzung bei der Regionetz, der ein bisschen aus der Brille des Netzbetreibers dazu erzählen wird, wie die Situation ist. Bernd. Hallo, schön, dass du dabei bist. 
Dr. Bernd Cohnen
00:01:19
Hallo Claudio, vielen Dank für die Einladung, auch herzlich willkommen an die Zuhörer. 
Claudio La Torre
00:01:23
Sehr schön. Genau, bevor wir ins Thema einsteigen werden, verlierst du vielleicht nochmal ein paar Worte zu dir und deiner Person. 
Dr. Bernd Cohnen
00:01:30
Ja, okay, mache ich gerne. Also ich bin mittlerweile 50 Jahre alt, bin von Haus aus Informatiker, aber als Ingenieur promoviert, paar Jahre im Beratungsunternehmen verbracht und bin dann seit 2006 bei der Regionetz, zwischendurch mal in Abständen zur ÖVV und im Vertrieb. Nachdem diverse Veränderungen bei der Regionetz stattgefunden haben, zur Regionetz zurückgekommen und leite da seit vielen, vielen Jahren, den Bereich Netznutzungsmanagement oder Netznutzung. 
Claudio La Torre
00:02:00
Daher kennen wir uns auch schon bisschen länger durch die Portale, die wir quasi zusammen entwickelt haben. 
Dr. Bernd Cohnen
00:02:06
Bei uns gehört zur Netznutzung, einmal der Bereich Anschlusswesen, wo wir ganz klar das Netzanschlussportal zusammen weiterentwickelt haben. Dann die Einsparung gehört mit dazu, wo wir auch in die Portalentwicklung eingestiegen sind und noch die energiewirtschaftlichen Themen rund um die Bilanzierung, Marktkommunikation. Da bin ich durchaus tätig. 
Claudio La Torre
00:02:27
Okay, gibt's noch so ein paar private Facts von dir, die vielleicht interessant sind. Ein spezielles Hobby? 
Dr. Bernd Cohnen
00:02:33
Ja, ich gehe sehr gerne mit meinem Sohn zusammen golfen. Der hatte da mal einen Kurs in der Schule. Dann hat er irgendwann gesagt, Papa, komm doch einfach mal mit und dann habe ich mal so einen Anfängerkurs gemacht und seitdem begleite ich ihn immer und wir gehen regelmäßig zusammen Golf spielen und haben ganz viel Spaß zusammen. 
Claudio La Torre
00:02:49
Sehr schön. Naja gut, steigen wir mal ins Thema ein und was mich natürlich brennend interessiert: Welche Herausforderungen ihr als Netzbetreiber bei der Regionetz seit dem Ausruf dieser Alarmstufe habt. 
Dr. Bernd Cohnen
00:03:00
Das Thema fängt für mich eigentlich schon viel früher an. Ich erinnere mich noch relativ gut, wo ein Kollege mal um die Ecke kam und meinte: " Du Bernd, ich glaube, das ist ein Thema für dich". Dann hatte ich mir das angeschaut und habe dann gesagt: " Ja okay, das passt wirklich.“ Auch wenn ich jetzt nicht Netzbetrieb bin, aber wir haben die Kontakte zu den Kunden. Wir haben den Kontakt zu den vorgelagerten Netzbetreibern bei mir. Und dann haben wir den Prozess so langsam aufgebaut, das heißt, dass wir eigentlich schon seit vielen Jahren immer in Kontakt waren mit unseren großen Kunden. Dass wir da Kontaktdaten abgerufen haben und am Anfang war das eine echte Herausforderung, denen zu erklären, warum sie das jetzt machen müssen und haben dann auch immer gesagt: " Oh Gas ist sicher und kann gar nix passieren.“ Aber trotzdem, wenn mal was kommt, brauchen wir Ihre Kontaktdaten. War ja damals auch ausgelegt eher, um einen Störfall abzufedern, wenn irgendwann mal was passiert, dass man einfach mit den Kunden in Kontakt treten kann und im Zweifelsfall natürlich auch sagen kann "wir müssen hier mal Leistung reduzieren“: Das ist eigentlich auch ein wichtiger Punkt für mich, dass wir immer gesagt haben, wir reduzieren Leistung und wir schalten nicht ab. Und ich glaube, das ist auch ganz wichtig in der Kommunikation mit dem Kunden, dass man da sagt, wir kommen nicht vorbei mit irgendwelcher Polizei Eskorte und reduzieren euren Gasverbrauch auf null, indem wir das Abschalten, sondern wir sprechen mit euch und dann finden wir zusammen eine Lösung. Wir hatten das auch mal in der Zwischenzeit, vom Netz her sind wir durchaus spannend, also wir haben drei vorgelagerten Netzbetreiber, hatten bis vor einiger Zeit noch den Mini-Müt drin. Das heißt, auch den verschiedenen Marktgebieten aktiv gewesen. Wir haben ein paar Inselnetze. Das war beispielsweise ein Inselnetz, wo wir dann vom vorgelegten Netzbetreiber her nicht mehr die Leistung zur Verfügung hatten. Dann erinnere ich mich eigentlich ganz gut, kurz vor Weihnachten, es war kalt, mit dem Kunden sprechen musste, also ein kleines Netz wo ein Kunde sehr dominierend ist, wo wir dann mit dem Taschenrechner gerechnet haben, wie ihr uns denn helfen kann, wie stark er seine Leistung reduzieren muss. Und das hat gut geklappt. Also wir haben halt in den Morgenstunden das Problem, wenn die normalen Kunden anfangen zu heizen, haben wir gesagt "okay, wenn sie uns morgens zwischen 8 und 12 die Leistung reduzieren, dann können sie nachmittags wieder ganz normal produzieren". Und das war für mich so ein Aha-Erlebnis. Also wenn man mit den Kunden gut kommuniziert, dann findet man gemeinsam eine Lösung, die beiden weiterhilft und mit der beide leben können und ich glaube, das ist auch eine Situation, die wir aktuell erleben. Also es ist ja irgendwann im Frühjahr die Frühwarnstufe ausgerufen worden und da haben wir auch, dadurch dass wir die Daten schon sehr lange gesammelt haben, sehr schnell die Kunden anschreiben können. Also im Prinzip am nächsten Tag und wir haben in der Vergangenheit immer Briefe rausgeschickt, es sind Fragebögen zurückgekommen, wir haben das schön in Excel gepflegt und dann haben wir halt so einen Serienbrief losgetreten und ich erinnere mich eigentlich noch ziemlich genau da dran, wo dann innerhalb der ersten Stunde 100 Antworten zurückkamen. Also wir haben in etwa 300 RM gemessene Lieferstellen und ich saß halt vor diesen knapp 100 Antworten, das waren teilweise unzustellbar. Das waren automatische Antworten. Das waren aber auch direkt, dass die Kunden bestätigt haben. Wir haben das gelesen und verstanden. Oder es kamen Fragen dazu und ich saß erstmal mit sehr traurigen Augen vor diesen Wust an Mails und musste mich erstmal selbst strukturieren und überlegen, wie gehst du denn jetzt damit um. Das war in meinen ganzen Szenarien eigentlich gar nicht vorgesehen, dass ich vor so einem Haufen vor Mails auf einmal sitzen würde. Ja war für mich eine sehr, sehr spannende Situation. Im Folgenden sind wir dann halt auch mit den Kunden ins Gespräch gegangen, also viele haben auch drum gebeten zu sagen "kommen sie doch mal vorbei, erklären sie uns, was wollen sie denn gerade eigentlich von uns" und das ist in meiner Wahrnehmung eine sehr wichtige Situation, dass man die mit den Kunden ins Gespräch geht.
Claudio La Torre
00:06:37
Das heißt, ich greife mal kurz ein, weil du sprichst jetzt von RLM Kunden, von der Definition her. Alle, die mehr als 100.000 Kilowattstunden im Jahr verbrauchen, heißt tatsächlich schon Großabnehmer. Das sind auch die, wenn ich das richtig im Hinterkopf habe, um die man sich eigentlich bei der Krisenvorsorge im größten Teil erstmal kümmert, weil du hast gesagt "Reduzierung das wären dann diejenigen, die man bittet, bitte fahrt die Produktion runter für einen gewissen Zeitraum. Damit man da erstmal schon mal Potential hat zur Einsparung. Damit man sagt, der normale Haushaltskunde muss jetzt nicht hingehen, darf jetzt für den Moment nicht duschen, sondern um damit eine gewisse Stabilität ins Netz reinzubringen". 
Dr. Bernd Cohnen
00:07:16
Ja genau, das sind die großen Kunden, die man steuern kann, wir haben die gesetzliche Situation, dass wir den Leitfaden nach KoV abbilden. Der spiegelt ja im Prinzip den Paragraphen 16 EMWG wider und die Kunden werden eingestuft nach Paragraph 53 des Gesetzes EMWG. Das heißt, wir haben unterscheiden zwischen geschützten und nicht geschützten Kunden. In der aktuellen Version ist es mittlerweile so, dass alle SLP-Kunden geschützt sind. Wir haben das ehrlich gesagt in der Vergangenheit auch schon so gehandhabt, auch wenn die Kunden damals noch nicht geschützt waren. Es ist nicht realistisch, dass man einen nicht leistungsgemessenen Kunden irgendwelche Vorgaben macht und die einhalten und überprüfen kann. Deswegen haben wir uns eigentlich darauf immer gestützt, weil auch von der Wirkung im Netz guckt man halt auf die großen Kunden, was für Einflüsse haben die. Ich hab's ja eben mit dem Inselnetz beschrieben, da ist ein Kunde, der dominiert das. Da hat das gereicht, mit dem zu sprechen und wir haben Fragebögen rausgeschickt, wo wir immer gewisse Informationen abgefragt haben, jetzt aktuell, beispielsweise, ob da soziale Dienste sind, ob die Wärmeversorgung dafür aufbauen. Das sind alles Informationen, die braucht man einfach, um den Kunden einzuschätzen. Was wir auch abgefragt haben, sind Informationen, ob der Kunde beispielsweise, wenn wir ihn jetzt von jetzt auf gleich die Energie kürzen würden. hat der Produktionsausfälle? kommen da Schäden zustande? Das ist eine ganz wichtige Information und da habe ich auch in den letzten Wochen sehr viele Gespräche geführt, dass die Kunden sich gemeldet haben oder wir sind auf die Kunden zugegangen. Dass man einfach mal in so eine Produktion reinschaut, wie funktioniert denn das, was hat der Kunde für Möglichkeiten, die zu reduzieren. Da gab's auch ganz viele Fragen, was kann man denn machen? Wie können wir diese Leistungen, die wir brauchen, ermitteln? Ich kam mir manchmal vor wie so ein kleiner Energieberater, der damit das Unternehmen läuft, irgendwo draufzeigt und sagt "hier an der und der Stelle könnte man ja mal drüber nachdenken, wenn wenn's in die Situation kommt, ob das wirklich erforderlich ist". Es war ganz spannend. Also ich habe die Industrie im Umkreis gut kennengelernt und ist eine sehr spannende Phase auf jeden Fall gewesen.
Claudio La Torre
00:09:08
Das ist auch mal was Schönes. Also ich weiß in einer Runde kam diese Thematik auch auf und es gibt ja diesen Begriff, der seit Corona so geprägt ist, dieses Thema systemrelevant. Dann sagte mir ein Kollege auch, der mit den RLM-Kunden zu tun hat. Dass viele auf einmal auf den Trichter kommen, ich bin ja systemrelevant, weil ich Flaschenerzeugnisse erzeuge für die, ich glaube, Nahrungsindustrie oder irgendwie sowas oder Pharmaindustrie. Dann war ja dieses große Thema, "Okay, was wären so Abschaltreihenfolgen, beziehungsweise Reihenfolgen, wer müsste als Erster einsparen?" Da kamen ganz Irre Sachen bei rum und jeder meinte, "ja, ich bin aber wichtiger als der andere". Wenn ich dich aber so raus höre, guckt er vor allen Dingen da drauf, den Kunden an die Hand zu nehmen, zu sagen "die Dinge kannst du für dich beachten. Aber auch zu gucken, was bedeutet das jetzt beispielsweise eine Glashütte runterzufahren, wie lange braucht die überhaupt dafür?" Weil tatsächlich, wenn ich davon heute auf morgen sperren würde, das Glas in den Öfen liegen bleiben würde, dann hätten die ja wahrscheinlich auch einen doch recht hohen Schaden, monetär gesehen, ne? 
Dr. Bernd Cohnen
00:10:23
Nicht nur bei den Glasfabriken, also bei vielen Produktionsanlagen hat man die Problematik, dass wenn man von jetzt auf gleich was macht, irgendwelche Werkstoffe einfrieren oder erstarren und dann im Prinzip die Produktionsanlage zerstört ist. Da würden wir auch probieren, den Kunden mehr Zeit im Vorlauf zu geben. Von der KoV ist das auch vorgesehen, wirtschaftlichen Schaden zu reduzieren und dementsprechend haben wir unser Bewertungssystem aufgebaut, dass wir da in der Lage sind zu sehen, okay, der Kunde hat halt Probleme. Wenn wir das von jetzt auf gleich machen, mit denen sind wir im Gespräch und dann hat man auch Vorlaufzeiten vereinbart und Leistungen, auf die man runtergehen kann, sodass wir da auch eine gewisse Spielmasse haben. Also es gibt halt Kunden, die kann man relativ schnell reduzieren und wir würden halt nicht nur auf den Moment gucken, sondern schon auch probieren über längere Zeiträume hinweg so einen Kunden in eine Mangellage zu steuern. Viele sagen dann ja, wenn sie auf eine gewisse Leistung runtergehen, dann können wir im Prinzip direkt abschalten. Wenn man dann mit denen vereinbart, okay dann würden wir sie relativ schnell abschalten, im Vorlauf von drei, vier Stunden und dann bleiben sie drei, vier Tage außer Betrieb und dafür können sie dann aber am Wochenende wieder hochgehen. Da können die mit leben. Dann sagen sie "Okay, dann sprechen wir nochmal mit dem Betriebsrat. Hauptsache wir können überhaupt produzieren und wenn ihnen das hilft das Netz zu stabilisieren und wir können quasi auch als Unternehmen überleben." Das ist ja auch eine ganz wichtige Herausforderung, die wir da haben. Also da waren auch viele Führungskräfte, Geschäftsführer, die richtig Angst haben. Das merkt man in den Gesprächen, dass wir herkommen und sagen, wir schalten euch jetzt das Gas ab und die können nicht mehr produzieren und sehen quasi die Insolvenz vor Augen und ich glaube mit diesen Ängsten muss man ernsthaft umgehen und deswegen suchen wir halt das Gespräch mit den Kunden, um Lösungen zu finden. Ob das in der Krise immer klappt, ist ein ganz anderes Thema. Aber zumindest vom Ansatz her, zu wissen, was passiert bei dem Kunden, wie kann man mit denen interagieren? Ich glaube, es ist auch gut zu wissen, wer ist denn das überhaupt? Wie tickt der vielleicht? Man hat sich mal kennengelernt. Ich glaube, das kann in so einer Krise extrem hilfreich sein, dass man einfach auf Augenhöhe miteinander kommuniziert und sagt "es ist jetzt so weit, wir müssen in die Reduzierung rein. Wie machen wir das jetzt zusammen?" Andere Kunden müssten dann wahrscheinlich schneller abgeschaltet werden, aber die haben dann auch vor Horizont: "Okay, wir können dann halt wieder reingehen". Ich glaube, da sind die Gespräche sehr wichtig an der Stelle.
Claudio La Torre
00:12:51
Ja, ich glaube, sprechen tut da immer gut. Vor allem im Vorfeld vorbereitet zu sein, einen gewissen Ablaufplan zu haben, auch auf der Gegenseite. Das kann dem Ganzen nur guttun und immer toi, toi, toi, dass sowas nicht kommt, so eine Mangellage, ne? Abschaltreihenfolge ist noch so eine Thematik, da hatte ich noch im Hinterkopf, dass die Bundesnetzagentur da so einen Leitfaden grob gehabt, wie sowas aufgebaut sein müsste. Ich habe gehört, dass da auch eine klare Abschaltreihenfolge von RLM-Kunden kommen soll, die quasi nach Vorgabe der BNEXA abgeschaltet werden soll. Weißt du was davon? 
Dr. Bernd Cohnen
00:13:26
Also ich glaube eine feste Abschaltreihenfolge sieht auch die Bundesnetzagentur nicht vor. Die hat natürlich alle großen Kunden größer als 10.000 KWH pro Stunde unter ihre Privatfittiche genommen, hatte ja auch das Portal extra dafür aufgebaut. Diese Kunden werden individuelle Verfügung bekommen, wenn es mal so weit sein sollte. Der Rest wird über allgemeine Verfügung bearbeitet werden. Und da hoffe ich eigentlich, dass die Bundesnetzagentur auch so eine gewisse Kommunikationsreihenfolge einhält. Der Leitfaden Krisenvorsorge ist eigentlich so aufgebaut, dass wir über die vorgelagerten Netzbetreiber Informationen bekommen, wie stark müssen wir reduzieren, um das Netz zu stützen. Idee war ja eigentlich immer, es gibt einen Katastrophenfall, irgendein technisches Problem. Die Mangellage hat, glaube ich, keiner vor Augen gehabt. Und das dann plötzlich eine Bundesnetzagentur mitspielen will. Ich kann wirklich nur hoffen, dass sie das über die Verteilnetzbetreiber macht und nicht irgendwelche Allgemeinverfügungen in die Welt stellt, die wir uns selbst noch raussuchen müssen und daraus ableiten müssen, was wir zu tun haben. Da hoffe ich, dass das etwas fundierter abläuft. Und diese großen Kunden werden wahrscheinlich ein Individualverfügung haben und machen ja auch einen Großteil dann des gesamten Gasverbrauchs in Deutschland mit aus. Wir würden halt probieren den Rest so zu steuern, dass wir unser Netz gut schützen können und ich glaube in so einer Aktion ist es auch wichtig gut zu dokumentieren "was machen wir? Warum machen wir das?" Und ich glaube, das sind ganz wichtige Schritte, die wir da einfach durchführen müssen.
Claudio La Torre
00:15:04
Ja, gerade wenn's dann nachher darum geht, wenn dann doch Unternehmen Regressansprüche stellen würden, oder man gewisse Entscheidungen getroffen hat. 
Dr. Bernd Cohnen
00:15:13
Ja genau. Ich sage immer "irgendwann sitzt ein Richter im Warmen und fragt sich, warum wir so entschieden haben in eine Stresssituation". Und da wollen wir halt eigentlich auch gut vorbereitet sein. Deswegen waren wir ja schon vor zwei, drei Jahren als Mangellage noch gar nicht im Gespräch war, beide ja schon unterwegs und haben überlegt, wie baut man so einen so einen Prozess sicherer auf? Kann man ein Portal machen? Ich hatte eingangs auch erwähnt, dass wir schon ein Anschlussportal im Portal et cetera zusammen gemacht haben. Und ich glaube, das ist für uns ein wichtiger Schritt gewesen. Ich hat's eingangs ja erwähnt, als da plötzlich diese 100 Mails kamen und ich nicht wusste was zu tun ist. Das kann man eigenhändig nicht mehr stemmen. Da brauchen wir einfach eine systemische Unterstützung an der Stelle. Wir haben jetzt mit euch zusammen ja angefangen ein Portal zu entwickeln für die Krisenvorsorge, und haben das jetzt ordentlich beschleunigt in meiner Wahrnehmung. Dass wir einfach in der Lage sind, einmal die Kunden gezielt abzufragen, dass wir das nicht über diese Papierfragebögen machen wie in der Vergangenheit, sondern dass wir ein Portal haben, wo wir den Kunden anschreiben, per Mail. Der Kunde kann die Daten direkt im System pflegen. Und wenn es dann zu Krisensituationen kommt, dass wir darüber auch, bei uns nennen wir das Kampagnen, dass wir die starten können, dass wir Filterkriterien haben. Welcher Kunde ist denn das jetzt? Hat er einen gewissen Schutzstatus nach 53? Oder braucht er einen längeren Vorlauf. Dass wir da einfach Gruppierungen durchführen können und die Kunden ganz gezielt anschreiben und aktuell ist es dann auch so, dass der Kunde auch direkt darauf antworten kann. Das läuft halt nicht mehr über Mail, sondern wird in dem Portal gefiltert, sodass man sehr schnell einen guten Überblick hat, was für eine Situation denn davorliegt. Und ich bin überzeugt davon, dass uns das in die Lage versetzt, so eine Mangellage oder einen Aufruf durch die Bundesnetzagentur auch gut zu steuern.
Claudio La Torre
00:16:56
Es ist so, dass dieser Krisenleitfaden oder diese Krisenkommunikation ja schon klar definiert ist, wie die zu erfolgen hat, also zumindest vom Ablauf her, durch die einzelnen Stufen. Zumindest habe ich noch dieses Bild vor Augen mit den verschiedenen Formularen, die dann rausgehen, wieder zurückkommen nach oben weitergegeben werden müssen. 
Dr. Bernd Cohnen
00:17:17
Du siehst mich jetzt hier grinsen. Ja, es gibt da einen Leitfaden nach der KoV. Aber der spiegelt sich halt sehr stark nur zwischen den Netzbetreibern ab. Das heißt, wir schicken die Formulare hin und her. Der sieht eigentlich überhaupt nicht vor, dass man mit den Endkunden kommuniziert. Als Netzbetreiber hat man die Aufgabe Leistung zu reduzieren. Und wie mache ich das denn? Ja, ich muss auf den Kunden zugehen, aber dafür muss ich den Kunden kennen. Und da hatten wir bisher auch keine richtige Lösung für. Also wir haben's halt mit Papier und Excel gemacht und Serienbriefen, aber das reicht einfach nicht. Deswegen halt auch diese Entwicklung des Portals. Dass man da in eine gute Kommunikation reinkommt, eine schnelle Kommunikation, in eine übersichtliche Kommunikation und ganz wichtig, du hast es eben an angesprochen, wenn denn der Richter im Warmen sitzt, dass man dem auch eine gute Dokumentation vorlegen kann. Was haben wir denn gemacht? In dem Portal schreiben wir halt im Prinzip jeden Arbeitsschritt mit, welche Kunden schreiben wir an? Wir haben ganz viele Möglichkeiten Kommentare einzufügen, warum treffen wir jetzt welche Entscheidung? haben wir einen Datensatz geändert? Das ist für mich ein extrem wichtiges Tool. Und wir sind gerade dabei, dass du in den letzten Zügen, dass wir unsere Daten, die wir schon haben, gerade ins Portal einpflegen. Dass wir dann in der Mangellage aktionsfähig sind.
Claudio La Torre
00:18:38
Das heißt, du gehst auch davon aus, einfach nur ein Appell an den RLM-Kunden zu schicken. "So du kannst jetzt mal schön reduzieren" wird nicht reichen, sondern du musst das schon im Vorfeld einmal die Arbeit reinstecken, wie du sagst, auch unterjährig wahrscheinlich immer wieder nachfassen. Hat sich was geändert bei dir? Die Rahmenbedingungen, Produktionszyklen et cetera. Und das versuchst du mit dem Portal irgendwie zu kombinieren, zu bündeln, dass du sagst, das liegt nicht irgendwo, sondern zentralisiert auf einem digitalen System, wo auch der Kunde einen Zugriff darauf bekommt und auch drin arbeiten kann. 
Dr. Bernd Cohnen
00:19:18
Ja genau. im Prinzip hast du es gut zusammengefasst. Also wir haben in der Vergangenheit immer schon die Daten von Hand manuell abgefragt, den Prozess würden wir jetzt digitalisieren und geben damit auch ein ganzes Stück Verantwortung an den Kunden abzusagen, sind die Daten aktuell. Wir würden auch in der Zukunft weiterhin eine Kampagne starten und sagen, bitte aktualisiere deine Daten einmal im Jahr. Aber jetzt in der Mangellage kann er dann halt auch relativ schnell seine Kontaktdaten ändern. Aber auch die Kampagnen laufen da drüber. Das heißt, wir würden den Kunden auffordern und sagen, in den Zeitraum von X bis Y, müsstest du bitte deine Leistung auf folgenden Wert reduzieren. Für mich ist das jetzt auch wichtig zu sagen, auf einen Wert. Wir werden wahrscheinlich die Vorgaben bekommen, dass wir als Netzbetreiber um einen Wert reduzieren müssen, also X Prozent der Leistung reduzieren, zumindest sieht so der Leitfaden vor. Damit kann der Kunde in der Regel nix anfangen. Der muss seine Ist-Situation kennen, ob er die wirklich kennt, weiß ich nicht. Und ihm dann klar zu sagen, wenn du auf X KW Leistung runtergehst, dann hilft uns das am Ende des Tages. Und er kann dann halt Feedback geben, auch in dem Portal und sagen, ja, ich schaffe das, ich schaffe das nicht sofort, ich schaffe nur einen anderen Wert. Das wird bei uns dann direkt angezeigt, was da für Feedback vom Kunden gekommen ist, sodass wir da auch in der Krisensituation den Überblick haben. Und für mich ist das ein sehr wichtiges Werkzeug einfach, um so eine Krise überhaupt zu stemmen oder die Mangellage. Dass man einfach in der Kommunikation mit den Kunden ist, dass man nicht jeden anruft. Dafür ist unser Netz einfach zu groß. Wir haben fast 300 Lieferstellen. Wir können nicht jeden Kunden anrufen und sagen, mach mal. Deswegen setzen wir da auf die digitale Kommunikation, weil auch Faxe etc. werden zu unzuverlässig. Wir haben aber auch vom Team oder von der vom Konstrukt her das dann so aufgebaut, wenn wir in die Lage reinkämen, würde ich auch zwei Leute davorsetzen, die das Portal bedienen und gucken, was sind dafür da Mails reingekommen. Ist das beispielsweise aus irgendwelchen Gründen dann doch eine unzustellbare Mail, dann würden wir halt in dem Portal gucken, was für Daten sind denn da hinterlegt? Kann man irgendwo anrufen und sagen, ihr müsst euch mal eure Sachen anschauen oder sind's Abwesenheitsnotizen? Dass man probiert einen anderen Ansprechpartner zu bekommen. Das Portal gibt uns auch die Möglichkeit, genau solche Schritte zu dokumentieren. Da kann man einmal interne Dokumentationen machen, wo man einfach mitschreibt, wir haben den Kunden angerufen, das und das wurde uns mitgeteilt. Wir können den Kunden nochmal eine weitere Mail schreiben, wo wir konkretere Anweisungen geben. Oder wenn er uns gesagt hat "Wir schaffen das nicht". Dann kann man ihm halt Feedback geben, das ist okay für uns. Oder nein, sie müssen trotzdem irgendwas machen. Das müssen wir halt situativ entscheiden. Also wir haben auch keine festen Abschaltlisten und das ist halt einfach ein Werkzeug und hinter diesen zwei Leuten, die das Portal bedienen, setze ich dann ein Team, dass mit den Kunden telefoniert. Das heißt, der am Portal sagt "Der Kunde muss angerufen werden. Schickt das ans andere Team." Und die gehen dann in die Kommunikation mit den Kunden rein. Also das das habe ich aus meinem Anschreiben, aus der Frühwarnstufe gelernt. Allein kriege ich das auf gar keinen Fall hin und auch die Prozesse müssen strukturiert sein. Ja so einfach mal gucken, was kommt da auf mich zu und ich rufe dann mal alle an und wenn ich die nicht erreiche, dann rufe ich halt später nochmal an. Kann klappen, muss aber nicht.
Claudio La Torre
00:22:24
Ich glaube bei 300 Lieferstellen ist das natürlich eine Herausforderung. Weil du sagtest, diese Vorankündigung, da waren die Rückmeldungszeiten jetzt von den Kunden, beziehungsweise die Rückmeldungen generell nicht so gut gelaufen. 
Dr. Bernd Cohnen
00:22:33
Ja, wir haben die gebeten zu sagen, dass sie's bekommen haben, ja. 
Claudio La Torre
00:22:36
Wie war da so der Rücklauf bei den Kunden? 
Dr. Bernd Cohnen
00:22:38
Nicht schlecht, aber teilweise sehr stark verzögert. Also wir haben einen Großteil der Kunden tatsächlich geantwortet. Viele auch innerhalb der ersten Stunden. Und teilweise, wenn dann halt eine Abwesenheitsnotiz war. Jetzt bei der Frühwarnstufe haben wir jetzt noch nicht so intensiv hinterher gehakt, weil wir auch einfach in diesem Mail-Wust hingen und erstmal gucken mussten, wer hat denn wie geantwortet? Teilweise kamen die dann nach dem Urlaub. Nach zwei Wochen oder so trudelte noch die ein oder andere Mail ein, wo der andere sagt, ja, ich habe gelesen und verstanden. In der Krisensituation wäre das zu spät. Wir haben jetzt beispielsweise auch die aktuellste Situation von uns, wo wir Kunden gehabt haben, die teilweise 7 Ansprechpartner gehabt haben. Also allein da einen Seelenbrief draus zu machen, ist eine gewisse Herausforderung, wo du viel manuell nacharbeiten musstest. Allein das hat über eine halbe Stunde gekostet, um das aufzubereiten. Da haben wir auch gesagt wir brauchen eine zentrale E-Mail-Adresse, das hilft euch auch in der Kommunikation, wo ihr dann beliebig viele Leute dranhängen könnt. Dann kommunizieren wir halt über diese E-Mail-Adresse und ihr müsst das intern verteilen, weil so viele können wir jetzt bei uns in Excel nicht hinterlegen. Im Portal haben wir jetzt die Möglichkeit, mehr Adressen zu hinterlegen. Das ist ein Vorteil. Ich glaube, das freut auch den einen oder anderen Kunden. Aber in Excel geht das halt einfach nicht. Also zumindest nicht bei 300 Lieferstellen. Wenn ich zwanzig habe oder so kriege ich das vielleicht noch irgendwie gehandhabt, aber dafür sind wir dann einfach doch eine Nummer zu groß.
Claudio La Torre
00:24:02
Ja, ich glaube im Krisenfall ist Excel dann auch vielleicht nicht immer das beste Werkzeug. Also ich höre aber da raus, du erhoffst zumindest mit dem Portal dir da so ein Stück weit Sicherheit, beziehungsweise mehr Struktur in der Abarbeitung, im Krisenfall, aber auch noch zur Vorbereitung. Weil das ist ein Prozess, der in die Gasmangellage jetzt, sage ich mal, wieder zurückgestuft werden sollte. Da bleibt das Thema nicht weg. 
Dr. Bernd Cohnen
00:24:32
Ja, also prinzipiell haben wir das Tool entwickelt für Störungen. Das war der Grundgedanke dabei, dass wir mit den Kunden kommunizieren können. Ja, es ist eine gewisse Sicherheit, die wir da sehen. Prozesssicherheit. Ich glaube, es ist extrem wichtig, wirklich jeden Schritt zu dokumentieren. Dass man irgendwann, wenn sich jemand beschwert, immer dokumentiert hat, warum habe ich das gemacht? Was habe ich gemacht? Das gibt mir Prozesssicherheit und damit schütze ich auch Unternehmen. Im Prinzip ist es ja einer meiner Hauptaufgaben, ein Organisationsverschulden zu vermeiden. Und wenn ich da keine strukturierten Prozesse habe, dann kriege ich das nicht hin. Dann entscheide ich irgendwie aus dem Bauch raus oder entscheide vielleicht doch diskriminierend, auch wenn ich das eigentlich gar nicht will. Das gibt mir Prozesssicherheit und schützt mich in meiner Wahrnehmung von Organisationsverschulden. Wenn ich vorm Gericht stehe, dann habe ich's zumindest dokumentiert, was ich gemacht habe. Und das sind für mich wichtige Dinge, um mein Unternehmen zu schützen. 
Claudio La Torre
00:25:33
Jetzt hattest du gesagt, ihr seid fast fertig mit dem Portal, zumindest mit dem, wie ihr es haben wollt. Wie geht's denn jetzt so konkret dann weiter mit dem Projekt an der Stelle, wenn's jetzt wirklich Go-Live ist, ihr startet damit. Was werden so die nächsten Schritte für euch? 
Dr. Bernd Cohnen
00:25:48
Also der erste Schritt ist, wenn wir die Stammdaten aus unseren Formularen und Excel-Tabellen übertragen haben, werden wir die Kunden anschreiben und sagen, wir stellen jetzt auf ein Portal um. Dann würden wir denen quasi eine Initialmail schreiben. Würden das denen auch mitteilen, an welche Mailadresse wir das schicken würden und dann bitten die Daten, die wir eingegeben haben, noch mal zu verifizieren. Das wäre jetzt der Schritt, der unmittelbar ansteht und ansonsten habe ich noch relativ viele Ideen, was in das Portal mit rein muss. Also was zurzeit noch fehlt, ist beispielsweise konkretes Feedback, ob die Kunden sich auch so verhalten, wie sie uns das versprochen haben, Kunden auffordern und sagen du musst auf folgenden Wert reduzieren, der sagt "Ja super mach ich." Dann habe ich zurzeit noch nicht die Möglichkeiten das 1:1 zu kontrollieren. Das würde ich gerne an das Portal mit ranpflanzschen, dass wir da regelmäßig leistungsgemessene Daten übertragen. Wo ich dann einfach sehen kann, wie verhält sich der Kunde. Das hilft mir auch in im Zweifelsfall in der Entscheidung, wenn ich eine Vorgabe mache, wie hat der sich in den letzten Tagen verhalten. Was habe ich da für Werte? Was hat der für einen Verbrauchsverhalten? Dann kann ich auch besser einschätzen, was weiß ich, "oh der hat gerade Sommerferien, den brauche ich quasi gar nicht aufzufordern". Deswegen möchte ich in dem nächsten Schritt die Daten mit dran ziehen. Ein weiterer Schritt, den wir noch ausbauen müssten, ist Kommunikation. Wenn der Kunde auf uns zukommt. Also zurzeit schreibt er uns dann halt weiterhin E-Mails. Da würden wir das Portal auch noch aufbohren wollen, dass dann der Kunde von dem Portal aus dem Schreiben kann oder zumindest, dass wir den Posteingang, den wir bekommen ins Portal mit ablegen. Also so ein so mini CRM ist glaube ich das, wo wir noch hinmüssen. Einfach das wäre alles, was damit zusammenhängt, zusammen haben. Aber aktuell ist halt im Fokus, das muss erstmal laufen, ich muss eine Kampagne starten können, ich muss Vorgaben machen. Das liegt einfach im Vordergrund aktuell. Der Rest ist dann Kür.
Claudio La Torre
00:27:37
Die letzten 20 Prozent sind ja immer die Kür. Ja sehr schön. Würdet ihr auch hingehen eine Krise mal verproben dann mit dem System? Habt ihr sowas in der Vergangenheit mal gemacht. Zu sagen, wir rufen einfach mal einen Krisenstatus aus und gucken mal, wie die Reaktion ist oder lässt man sowas eher sein? 
Dr. Bernd Cohnen
00:27:55
Ne, also in der Vergangenheit haben wir immer gesagt, Gas ist sicher und kann eigentlich gar nix passieren. Da war schon der Reaktionstest einmal im Jahr die Daten abzufragen. Dann haben wir schon gemerkt, okay die Adressen stimmen nicht mehr und da muss man nochmal alle abhaken, das war schon Kommunikationstest. Im Portal haben wir das natürlich vorgesehen, also wir können verschiedene Kampagnentypen auswählen und einer davon wäre dann halt auch zu sagen, dass es jetzt eine Testkampagne und ich kann mir das schon durchaus vorstellen. Dass wir das dann darüber auch mal machen und sagen, hier das ist jetzt mal ein Test. Bitte bestätigen Sie uns, dass Sie den Empfang haben. Das ist relativ leicht umsetzbar damit. Man kann schön Briefe formulieren und formatieren im Portal. Man kann Felder füllen aus der Datenbank, so dass man da viele Gestaltungsmöglichkeiten hat. Für den Notfall haben wir aber auch Standardtexte vorbereitet. So dass ich im Prinzip nur sagen muss "Okay wir haben jetzt folgende Situation, ich nehme den Brief raus und schicke ihn an die Kunden." Da sind wir ganz gut vorbereitet. Die hatten wir vorher auch schon als Serienbrief und jetzt haben wir sie halt im Portal. 
Claudio La Torre
00:28:57
Ich bin gespannt, wie das nachher dann aussieht, wenn's ganz fertig ist und wie's funktioniert. 
Dr. Bernd Cohnen
00:29:01
Ja, also der Testbetrieb ist gut. Der erste Blick, wo die Kollegen vom WIRO uns das dann erklärt haben, haben wir etwas traurig drauf geschaut und überlegt, oh Gott, wie sollen wir das bedienen? Und dann sind wir in die Tests eingestiegen und so nach zwei, drei Mal meinten die Kollegen "Bernd, du scheinst das schon durchschaut zu haben, du hast das richtig gut im Griff." Also mit wenigen Klicks konnte man dann eine Kampagne aufbauen und es ist schnell. Also man muss sich immer reindenken. Das macht man bei so einer Einführung eh, weil man sehr intensiv testet. Dann kann man das bedienen. Also die Lösung gefällt mir wirklich. 
Claudio La Torre
00:29:39
Ja du strahlst gerade auch über meine Ohren. Kann man beim Zuhören ja nicht sehen, aber ich würd's hiermit bestätigen. Ja, schön, wenn man für so ein Thema brennt, weiß ich auch bei den anderen Systemen. Hat mir persönlich sehr viel Spaß gemacht in der Entwicklung. Und ich glaube so den digitalen Weg kann man sowieso nicht mehr umgehen. Solche Dinge noch irgendwie mit Stiftpapier und den Excel zu machen, ist an der einen oder anderen Stelle auch fahrlässig dann langfristig. 
Dr. Bernd Cohnen
00:30:04
Oh, auf jeden Fall. 
Claudio La Torre
00:30:06
Wie sicher fühlst du dich denn generell als Netzbetreiber in der aktuellen Situation? Jetzt mal ein persönliches Statement. 
Dr. Bernd Cohnen
00:30:13
Wie definierst du sicher fühlen? 
Claudio La Torre
00:30:15
Denkst du das ist eine Utopie, dass so eine Gasmangellage eintreten wird in der Form. Reines Bauchgefühl. 
Dr. Bernd Cohnen
00:30:21
Dadurch, also wenn ich jetzt hier gerade rausschaue, glaube ich, wir haben fast 20 Grad. Ich habe eben meinen dicken Pulli gegen einen dünneren getauscht. Wenn es jetzt nicht bitterkalt wird, kommen wir glaube ich durch, ist zumindest meine Hoffnung. Ich glaube, die Speicher sind ganz gut gefüllt. Es ist halt die Frage, was passiert im nächsten Jahr? Wie stark entleeren wir Speicher, wie stark kann man die wieder auffüllen? Klappt das mit den Flüssigkeitsterminals? Schwierige Frage. 
Claudio La Torre
00:30:28
Und ich hab's so für mich auch so verstanden, weil dadurch, dass Speicher da sind und wir von einer Mangellage sprechen. Heißt, wir noch Mechanismen haben, wie mit den RLM-Kunden so zu sagen. Könnte man die Industrie runterfahren, wäre natürlich ein wirtschaftlich enormer Schaden. Und das ist glaube ich nicht runterzureden, aber dass man dann wirklich im kalten sitzt, so wie die Bildzeitung das so plakativ an der ein oder anderen Stelle versucht hat aufzuzeigen. 
Dr. Bernd Cohnen
00:30:45
Aktuell würde ich das nicht mehr sehen. Also wenn jetzt der Oktober schon sehr kalt geworden wäre und die Speicher sich schnell entleert hätten. Dann haben wir natürlich auch im Unternehmen darüber nachgedacht, was für Alternativszenarien gibt es. Wie kann ich das Netz stützen? Muss ich vielleicht auch auf geschützte Kunden zugehen? Der Irrsinn an der ganzen Sache ist ja im Krankenhaus, der ist geschützt. Viele Krankenhäuser haben Notstromanlagen, die haben einen zweiten Energieträger, mit dem sie Wärme aufbereiten könnten. Also die könnten uns in der Mangellage im Zeitversorger so richtig gut helfen. Im Gegensatz zu "Wir gehen jetzt auf Öl rüber." Theoretisch sind sie geschützt. Die darf ich im ersten Schritt gar nicht ansprechen. Das sind schon Überlegungen, die wir dann angestellt haben, was kann man denn dann im nächsten Schritt machen? Wie kann ich das Netz stützen? Weil ich glaube, wenn einmal das zusammengebrochen ist. Von Haus zu Haus gehen müssen, um jeden Kunden wieder ins Netz zu nehmen, das könnte länger dauern, um das ganz vorsichtig zu sagen. Also vor so einer Situation hätte ich schon Panik und Angst. Da würde ich mich nicht sicher fühlen, aber zurzeit glaube ich, wenn ich die Situation bewerte, kriegen wir das hin. Im Zweifelsfall darüber, dass wir den einen oder anderen Kunden reduzieren müssen. Es gibt vielleicht die Möglichkeiten gewisse Produktionen einzuschränken, zu reduzieren, anders zu verteilen. Ich glaube, so das Komplett-Abschalten von Kunden ist eigentlich ein No-Go. Da dürfen wir nicht hinkommen. Da machen wir unsere Wirtschaft komplett kaputt.
Claudio La Torre
00:32:23
Ich glaube, du kannst aber ruhig von sprechen, weil du ja mit den Kunden gesprochen hast. Wahrscheinlich die Anlagen jetzt kennst und weißt, wie sieht's da im Einzelfall aus? Wo kann man da regulieren? Das ist natürlich, wenn man von oben guckt, Gießkannenprinzip, sieht's ja immer sehr kritisch aus. Weil man denkt, einen harten Cut, null und eins, wie in der Programmierung, entweder abschalten oder zuschalten. Aber wirklich zu reduzieren, geht das überhaupt, geht das nicht? Das habe ich von anderen auch schon vernommen, dass das auch in der Industrie Möglichkeiten gibt, fährt man von drei Produktionsstätten auf zwei runter oder auf eine. Übergangsweise hat trotzdem wirtschaftlich noch Verluste klar. Aber man kann weiter produzieren. Man kriegt die Leute an der Arbeit. Also es bleibt spannende Zeiten. Ich bin wirklich gespannt, was uns noch so erwarten wird, auch nächstes Jahr noch erwarten wird. Und ich gucke ich auf die Uhr, wir kommen auch dem Ende entgegen. Tatsächlich haben wir die halbe Stunde gut gefüllt. So der kleine Abbinder ist immer welche Botschaft, möchtest du denn vielleicht anderen Netzbetreibern, Stadtwerken mitgeben oder welche drei Learnings hast du aus dem aktuellen Projekt mitgenommen, aus der Krise?
Dr. Bernd Cohnen
00:33:28
Also ich glaube, wichtig ist, die Sache ernst zu nehmen, sich drauf vorzubereiten, mit den Kunden ins Gespräch zu gehen und zu schauen, dass man eine gute und saubere Dokumentation hat. Das ist sind so die wichtigsten Themen, die man in der aktuellen Situation machen muss. 
Claudio La Torre
00:33:42
Heißt aber, wer Interesse an dem Portal hat, der darf sich gerne bei dir melden oder bei uns melden? ihr wollt das auch gerne anderen zur Verfügung stellen? 
Dr. Bernd Cohnen
00:33:52
Ja, klar. 
Claudio La Torre
00:33:53
Dann, Bernd, vielen Dank für das Gespräch, hat mir sehr Spaß gemacht, war sehr kurzweilig. 
Dr. Bernd Cohnen
00:33:55
Glaube ich. Auch von mir vielen, vielen Dank, hat mir auch Spaß gemacht gerne wieder. 
Claudio La Torre
00:33:58
Dann auch den Zuhörern, vielen Dank, dass du eingeschaltet hast zu unserem Energie-Podcast. ich hoffe, es hat dir gefallen. Wenn ja, lass uns gerne ein Like da, abonniere uns oder unseren Kanal. Falls du Interesse hast an dem Portal oder im Austausch dazu, melde dich gerne bei mir und wir hören uns beim nächsten Mal, vielen Dank. Music.