Herzgespinste

Sandra Andrés, Mia M. Hope und Christiane Spooren
Since 05/2022 84 Episoden

Warum fällt uns Neinsagen so schwer?

16.01.2026 43 min

Zusammenfassung & Show Notes

Nein sagen – klingt simpel, fühlt sich aber oft verdammt schwer an. In dieser neuen Folge sprechen wir darüber, warum Grenzensetzen so viele von uns Überwindung kostet – und weshalb wir viel zu oft Ja sagen, obwohl wir Nein fühlen.
Der Berliner Bürgermeister, der während des größten Stromausfalls des Jahrzehnts Tennis spielte, um „den Kopf freizubekommen“, hat sehr deutlich Nein gesagt – ein perfekter Anlass, um über Verantwortung, Selbstfürsorge und Schuldgefühle zu sprechen.
Wir gehen der Frage nach, warum besonders viele von uns zu People Pleasern werden, weshalb wir glauben, für die Reaktionen anderer verantwortlich zu sein – und was passiert, wenn wir anfangen, unsere eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Persönlich, ehrlich und mit vielen Impulsen für gesunde Beziehungen.
Liebe ist, wie sie ist – aber sie beginnt dort, wo wir lernen, Ja zu uns selbst zu sagen.

Nein sagen – klingt simpel, fühlt sich aber oft verdammt schwer an. In dieser neuen Folge sprechen wir darüber, warum Grenzensetzen so viele von uns Überwindung kostet – und weshalb wir viel zu oft Ja sagen, obwohl wir Nein fühlen.

Der Berliner Bürgermeister hingegen, der während des größten Stromausfalls des Jahrzehnts Tennis spielte, um „den Kopf freizubekommen“, hat sehr deutlich Nein gesagt – ein perfekter Anlass, um über Verantwortung, Selbstfürsorge und Schuldgefühle zu sprechen.

Wir gehen der Frage nach, warum besonders viele von uns zu People Pleasern werden, weshalb wir glauben, für die Reaktionen anderer verantwortlich zu sein – und was passiert, wenn wir anfangen, unsere eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Persönlich, ehrlich und mit vielen Impulsen für gesunde Beziehungen.

Liebe ist, wie sie ist – aber sie beginnt dort, wo wir lernen, Ja zu uns selbst zu sagen.

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Transkription

Michaela Metzner 00:00:02  Hallo und herzlich willkommen bei Herzgespinste, dem Podcast über Liebe wie sie ist. Wir sind drei Autorinnen, die nicht nur über Liebe und Beziehungen schreiben, sondern auch darüber quatschen. Ich bin Michaela Metzner alias Mia M. Hope.

Sandra Andres 00:00:19  Ich bin Sandra Andres.

Christiane Spooren 00:00:20  Und ich Christiane Spooren. Ja, heute sprechen wir über ein ganz spannendes Thema, nämlich über das Grenzen setzen. Und jemand hat jüngst richtig gut seine Grenzen gesetzt. Und zwar der Berliner Bürgermeister Kai Menger. Der hat nämlich, während dort Stromausfall war, in der ganzen Stadt entschieden, dass er mal den Kopf frei kriegen muss und sich mit seiner Lebensgefährtin zum Tennis getroffen und haben eine Stunde vor sich hin gespielt, während die ganze Stadt unter ihm im Dunkeln war. Und ich musste da so lachen, als ich das gelesen habe, Weil einerseits fand ich das total krass, dass er da halt gesagt hat, nämlich ich brauche jetzt mal eine Auszeit. Ich habe seine Bedürfnisse gehört hat und diese Grenze gezogen hat und andererseits dachte ich Oh fuck, Dein einziger Job ist es, in dieser Situation zu handeln und du gehst Tennis spielen.

Michaela Metzner 00:01:19  Toll. Also ja, das habe ich. Ziemlich krass. Aber ja, gut. Auch in der vergangenen Weihnachtszeit ging es natürlich immer wieder um das Grenzen setzen. Ob das jetzt mit der Familie am Weihnachtstisch war, dass man sagen musste ja, so, ich brauche jetzt mal, muss mich zurückziehen oder das geht mir jetzt zu weit oder was du sagst, verletzt mich oder whatever. Es ist ja auch eine Zeit, wo man immer wieder so an diesen Punkt kommt, an seine eigene Grenze und dann immer wieder drüber hinweg geht, weil man denkt, dass das gehört sich so oder das muss so sein. Oder was sagt ihr dazu?

Sandra Andres 00:01:52  Ja, natürlich ist bei der dritten, fünften, siebten Familienfeier auch noch anwesend sein und bleiben. Und du musst auch bitte das Dessert von allen Tanten gekostet haben.

Michaela Metzner 00:02:07  Und den dritten den dritten.

Sandra Andres 00:02:10  Ist das auch noch? Ja, natürlich. Ja, also ich glaube nicht nur. Nicht nur Weihnachten, Das ist halt ganz, ganz oft so, dass wir ein bisschen Angst davor haben, dass wir Leute vor den Kopf stoßen, wenn wir einfach mal sagen Nein, das geht jetzt nicht, ich mache das nicht mehr, ich möchte das nicht, sondern ja oder ich habe keine Zeit oder das kann ich gerade nicht unterbringen, habe gerade keine Kapazitäten für.

Sandra Andres 00:02:37  Ich glaube, es ist auch nicht nur im Privatleben, sondern auch im Job egal. In allen Punkten im Leben, glaube ich, stoßen wir immer wieder an Momente, wo wir es schwierig finden, dass wir einfach mal sagen Nein, das kann ich jetzt nicht machen oder Ich will das, so es nicht.

Christiane Spuren 00:02:51  Also ich bin tatsächlich ein richtiger, richtiger People Pleaser, der versucht, es allen recht zu machen und seine Bedürfnisse dann einfach hintenan stellt. Und es ist mir relativ egal, ob das die Familie ist oder der Job oder Privatleben. Whatever. Es kann auch der Nachbar sein, der irgendwas von mir will. Ich tue mir generell einfach schwer, nein zu sagen. Und ich denke, das ist auch bei mir so ein ganz altes Muster, einfach tief verwurzelt auch in meiner Familie. Die Frauen haben das schon immer so gemacht. Ob meine Mutti oder meine Omi, wir haben da einfach eine gewisse Angst vor. Angst vor was? Angst vor Ablehnung. Angst, zur Last zu fallen. Angst, nicht mehr so geliebt zu werden.

Christiane Spuren 00:03:40  Nicht mehr akzeptiert zu werden. Ich weiß es gar nicht. Ich kann es gar nicht beurteilen, woher das kommt.

Sandra Andres 00:03:46  Stiefkind der Familie zu sein. Also die, die ohnehin unsympathische ist.

Christiane Spuren 00:03:55  Nein. Nein. Nein. Falsches Attribut. Ja. Das, was du zuvor genannt hast, passt ganz genau. Die Liebenswerte, Die Verlässliche, die immer da ist, die alles tut. Das. Das sind die Dinge, die erstrebenswert sind. Egoistisch? Passt da einfach nicht ins Bild. Ja.

Michaela Metzner 00:04:15  Ja.

Sandra Andres 00:04:16  Ja.

Christiane Spuren 00:04:17  Also, ich gehe wirklich so weit zu sagen, es geht bei mir oder bei vielen einfach auch gar nicht mal ums Grenzen setzen und nein sagen, sondern einfach diese Tendenz, diese Gewohnheit und dieses Bedürfnis, sich aufzuopfern. Diese Opferrolle, in die wir irgendwie hineingeboren sind. Ja, das sind irgendwie so alte Muster von von unseren Müttern, von den Omas. Das ewig Weibliche.

Michaela Metzner 00:04:45  Ich würde sagen, ich glaube, das hat auch viel mit uns Frauen zu tun. Wir Frauen wurden ja schon als Mädchen dazu erzogen, nicht aufzubegehren.

Michaela Metzner 00:04:56  Artig zu sein. Sauber zu sein. Im Hintergrund zu sein. Nicht. Nicht aufmucken. Nicht zu widersprechen. Wenn jemand was will. Und das brav zu machen, was jemand anderes verlangt. Hm.

Sandra Andres 00:05:13  Ich weiß nicht. Ich kenne genug männliche Beispiele. Angefangen von meinem Onkel, der ja zum Beispiel Installateur ist und auch nie sagen kann Nee, sorry, ich habe gerade irgendwie eine 60 Stunden Woche und ich kann jetzt nicht auch noch dein Klo reparieren, weil dann könnte ja irgendjemand sagen Ja, nee, aber bei der hat er Zeit, aber bei uns findet er keine Zeit. Also da könnte er ja schlimme Nachrede bekommen. Also es geht gar nicht. Mein Mann ist auch so einer, der in der Arbeit zum Beispiel überhaupt nicht schafft mal zu sagen Ja, du also da, das ist es nicht. Mein Job ist nicht meine Aufgabe, sondern ach, der Männer, der kann doch das auch. Der hat doch noch. Na, du kannst das doch. Ja und Ja. Ja, sicher kann ich das.

Sandra Andres 00:05:53  Also ich kenne schon viele Männer auch, die da Schwierigkeiten haben zu sagen Das ist jetzt nicht mein Ding oder ich kann das einfach nicht. Ich glaube schon, dass diese Ängste universell sind, dass wir jemanden enttäuschen oder vielleicht auch ja, dass wir unsere Pflicht nicht ordentlich erfüllen.

Christiane Spuren 00:06:12  Da sind wir jetzt beim richtigen Thema Pflicht ordentlich erfüllen, Das ist ja echt so eine Definitionssache. Weil, wenn ich jetzt auf diesen Bürgermeister eingehe, ich verstehe komplett, dass er mal den Kopf frei kriegen muss, aber in dem Moment ist es eine Krisensituation, finde ich. Hätte er seine Pflicht erfüllen müssen und da sein müssen, bin ich ganz ehrlich. Sehe ich das falsch?

Sandra Andres 00:06:36  Jetzt verstehe ich auch, was Christian gesagt hat. Gerade in so einer Situation, wo du als Bürgermeister ja wirklich wahrscheinlich komplett die Decke auf den Kopf fällt und wahrscheinlich irgendwie 40 Anrufe in der Minute hast und eh nicht weißt, wo du anfangen kannst. Ich kann schon auch irgendwo nachvollziehen, dass du sagst So, ich brauche jetzt mal eine Stunde für mich, weil dann kann ich vielleicht danach irgendwie genauso was Kopf frei kriegen.

Sandra Andres 00:06:56  Hilft ja oft irgendwie was zu sortieren und so nachher, dass du dir darüber was klar wirst und danach viel besser und und klarer Entscheidungen treffen kannst.

Christiane Spuren 00:07:06  Für mich ist es eher so, wie wenn er den Kopf in den Sand steckt.

Sandra Andres 00:07:09  So kann natürlich auch sein, Ich kenne ihn nicht.

Christiane Spuren 00:07:13  Ich kenne ihn auch nicht. Ich bin da auch fies beim Beurteilen. Ich weiß, aber das widerstrebt mir. Komm.

Michaela Metzner 00:07:19  Das ist so witzig. Da sieht man schon so unterschiedlich. Mein erster Impuls war geil, dass ich die Welt über sowas jetzt aufregen muss, weil der Mann eine Stunde, eine Stunde Tennis spielt. Also ich bitte dich. Ich meine, er war ja auch nicht außer Landes, Er war erreichbar. Er hat irgendwie, ja sogar in der Tennishalle da sich verbinden lassen, für den Fall, dass jemand was will. Und die Leute regen sich auf, weil der Mann sagt Ich gehe jetzt eine Stunde Tennis spielen. Jetzt im Moment kann ich eh nichts tun.

Sandra Andres 00:07:50  Ja, das ist National News. Es ist National News.

Sandra Andres 00:07:53  Es war wirklich.

Michaela Metzner 00:07:54  So, da denke ich mir so. Mein Gott, was soll in dieser Stunde passieren? Soll Berlin untergehen oder was? Und was kann der Mann denn daran hindern? Also das. Ich habe mir einfach nur gedacht Jetzt lass den Jungen doch Tennis spielen gehen.

Sandra Andres 00:08:11  Aber es ist genau, wie du sagst. Man sieht das so ein bisschen. Die Typen raus. Also, Michaela, du hast vorhin schon gesagt. Also. Ja, du bist der People Pleaser. Und ich glaube, das ist ja dann auch so, dass man das dann auch umgekehrt solche Sachen halt übel nimmt.

Christiane Spuren 00:08:24  Und ich stülpe das anderen über. Übernimm doch, übernimm doch, um Gottes willen! Ja, das ist dein Job. Deswegen verdienst du fünfmal so viel wie alle anderen. Dann sei doch auch da. Das ist doch genau der Punkt, warum wir über unsere Politiker herziehen und schimpfen. Weil sie viel zu wenig tun in unseren Augen. Für das Geld, was sie tun.

Sandra Andres 00:08:45  Sie ja immer. Ich glaube, das kann nie genug sein.

Michaela Metzner 00:08:48  Ja, das Interessante wäre ja, Die interessante Frage ist ja, was ist in dieser Stunde passiert, Was er verpasst hat oder wo er nicht präsent war. Darüber redet natürlich keiner, weil einfach nichts passiert ist in dieser Zeit.

Christiane Spuren 00:09:02  Weil nichts passiert ist. Genau. Aber er hätte in der Stunde da rausgehen können, sich solidarisieren, hätte frierenden Menschen Decken vorbeibringen können. Das wäre das Richtige gewesen.

Michaela Metzner 00:09:15  Ja. Oder die Tennishalle einladen können. In der.

Christiane Spuren 00:09:21  Suppe, in der jeder.

Michaela Metzner 00:09:22  Der mal Tennis spielen möchte, darf das jetzt auf meine Kosten.

Christiane Spuren 00:09:28  Ja.

Sandra Andres 00:09:30  Also ich bin ja, ich bin ja schon auch Ihr Team. Grenzen setzen. Ich bin dann eher das schwarze Schaf und das ist auch okay. Ja, gutes Beispiel. Ich bin ja die einzige Spanischsprechende in der Familie. Und wenn dann irgendein Nachwuchs in der Familie Irgendwo in unserer doch sehr großen Familie. In der Schule dann Spanisch hat und damit nicht zurechtkommt. Da ist natürlich gleich Ja, die Sandra kann doch Nachhilfe geben, das ist doch eh klar. Sandra Ja, und ich bin da aber auch ich bin da auch die Bitch und das ist auch okay.

Sandra Andres 00:10:05  Ich bin dann auch die, die sagt Nein, sorry, das kann ich nicht. Ich habe ein 40 Stunden Job oder manchmal auch mehr. Ich versuche irgendwo dazwischen meine Bücher zu schreiben. Ich habe Familie und hin und wieder habe ich sogar noch ein bisschen Freizeit und kann mal eine halbe Stunde lesen oder so. Und nein, ich habe nicht die Kapazitäten, dass ich jetzt sage, ich übernehme da Spanisch Nachhilfe, das schaffe ich einfach nicht. Und es ist aber auch etwas, was ich, was ich jetzt nicht so persönlich sehe ich das nicht so, dass ich bin die Böse, die nicht helfen will. Sondern ich sehe das komplett anders, weil es bringt auch niemandem etwas, dass ich mich zu irgendwas hinreißen oder lasse oder verpflichte, was ich dann nicht durchziehen kann, wo ich dann weiß, wenn ich dann am Sonntag irgendwie um 5:00 nachmittags Ja, es schieben wir da irgendwie eine Spanischstunde rein oder Montag um 9:00 abends. Ich bin durch und fertig. Ich kann nichts vorbereiten. Ich bin nicht wirklich da. Ich bin im Zombiemodus.

Sandra Andres 00:10:56  Es ist nichts, was ich irgendwie hilfreich beitragen kann. Schaffe ich vielleicht zwei, drei Mal. Bringt meiner Cousine überhaupt nichts, weil da hat sie genauso viel gelernt, wie wenn sie sich irgendwie eine Stunde mit Chat hinsetzt. Und ja, regelmäßig über sechs Monate kann ich das aber nicht leisten. Und das sage ich auch ganz ehrlich Und ich denke, da hat niemand was davon, dass ich da irgendwelche Sachen anfangen, die ich dann eh nicht durchziehen kann. Das ist auch absolut sinnlos und ich kommuniziere das dann auch ganz klar. Und wenn ich dann halt die Böse bin, die nicht helfen will, dann darf man das so sehen. Wenn du das so sehen willst, dann bist du frei, so zu denken. Das ist okay für mich.

Michaela Metzner 00:11:34  Ja, ich.

Christiane Spuren 00:11:35  Ich hatte tatsächlich eine ähnliche Anfrage neulich von meinem Spanisch lernen. Mein Französisch, die die Michaela war doch mal Sprachen Korrespondentin und hat Französisch und Englisch gelernt. Die könnte doch mal dem Gymnasiasten Niels mit zwölf Jahren Nachhilfe in Englisch und Französisch geben. What the fuck? Wann habe ich zum letzten Mal Französisch gesprochen? Ich wusste nicht, dass du es sprichst.

Christiane Spuren 00:12:03  Kann ich auch nicht mehr. Aber das habe ich dann wirklich geschafft, so klar zu kommunizieren. Ich muss mir tatsächlich. Um Nein zu sagen und Grenzen zu setzen. Brauche ich im Kopf vorher eine gute Ausrede? Dann schaffe ich es auch. Ja, aber es ist besser, ich bin vorbereitet. Speziell in dem Fall wusste ich natürlich sofort, da kann ich sagen ich habe seit weiß ich nicht 30 Jahren kein Wort Französisch mehr gesprochen. Ich weiß nichts mehr. Kann ich ihm nicht helfen? Ja, aber du kannst es zumindest versuchen. Es ist bestimmt noch im Blut. Nein, es ist nicht mehr im Blut. Ich könnte ihm jetzt vielleicht noch Schwedisch Unterricht geben. Da hätte er aber nicht viel davon.

Michaela Metzner 00:12:38  Ja, das ist dann noch extra mies. Wenn die das Gegenüber dann versucht, einen zu überreden, obwohl es ja eh schon so schwer ist, die Grenze zu ziehen und zu sagen Nein, don't do it. Aber was mir auch sehr geholfen hat. Also noch mal kurz zurück Bei mir ist es so, dass ich in den letzten Jahren extrem an diesem ganzen Thema gearbeitet habe, weil das seit ich Mama bin einfach kontinuierliches Thema ist.

Michaela Metzner 00:13:04  Grenze, Grenzegrenze, Grenze, Grenze, Grenzen. Weil ansonsten kriege ich Burnout. Das ist einfach so, man denkt ja, wenn man Mama wird. Man muss jetzt alles geben für dieses kleine kleine Wesen, für das kleine Geschöpf und möchte das ja auch. Und irgendwann, nach Monaten oder vielleicht auch nach einem Jahr, anderthalb Jahren merkst du Boah, ich kann nicht mehr. Ich gehe hier so am Stock. Und das nur, weil ich mich aufopfere über das schöne Wort wieder haben für dieses Kind. Und irgendwann tust das nicht nur für das Kind. Dann tust du es für die ganze Familie, für den Haushalt, für deinen Mann, für alle und merkst das gar nicht, wenn du nicht aktiv gegen steuerst. Deswegen war ich halt sehr schnell schon daran, daran zu arbeiten, Grenzen zu setzen und zu lernen. Nein, ohne dass es bedeutet Du bist eine schlechte Mutter. Du willst dich nicht um dein Kind kümmern. Du willst überhaupt diese Rolle gar nicht und überhaupt alles findest du ganz schrecklich. Also diese Gedanken musste ich aktiv ablegen, damit ich das überhaupt konnte.

Michaela Metzner 00:14:06  Und das ist ja auch der Grund, warum ich überhaupt das Buch No Drama Mama geschrieben habe. Weil ich andere Mütter aktiv dazu bewegen wollte, sich wenigstens zehn Minuten am Tag Pause zu nehmen. Solange, wie so eine Kurzgeschichte ungefähr ist, um sie daran zu führen, wie sich das anfühlt, sich das Recht rauszunehmen, eine Grenze zu ziehen und zu sagen Ich brauche jetzt diese Pause und diese Auszeit. Und was mir beim Grenzen setzen immer extrem geholfen hat, war die Erkenntnis, dass wir nicht verantwortlich dafür sind, wie andere Leute darauf reagieren, wenn wir Nein sagen. Weil das ist ganz oft in unseren Köpfen, dass wir uns denken Ja, aber was denken denn die anderen, wenn ich jetzt Nein sage? Bestimmt hassen die mich bestimmt nämlich ganz schlecht. Bestimmt denken die Ich bin das und das und das und das. Aber das ist gar nicht unsere Verantwortung, wie die anderen reagieren. Die anderen sind geprägt aus ihrer eigenen Vergangenheit, wie sie aufgezogen sind oder auch, was für Glaubenssätze sie mit sich herumtragen. Daran können wir nichts rütteln, egal, wie wir reagieren.

Michaela Metzner 00:15:09  Aber wir können daran rütteln, wie wir sein wollen und was uns wichtig ist. Und wenn du das mal verinnerlicht hast, das ist, dass du das nicht steuern kannst, wie der andere über dich denkt, dann fällt das auch viel leichter. Es ist nicht unsere Verantwortung zu bestimmen, wie das Gegenüber reagiert.

Sandra Andres 00:15:28  Das ist genau das, was ich vorher meinte, als ich sagte Du bist frei und es steht dir frei zu denken, was du willst. Auch über meine Reaktion, über meine Ansage oder meine Entscheidung, Das kann ich eben, Das kann ich nicht nicht beeinflussen. Und ich denke auch, dass sowieso immer diese Möglichkeit ist, egal was du tust und egal was passiert. Es gibt immer diese Möglichkeit, dass jemand, der schlecht über dich denken will, der wird das tun, der wird was finden. Also auch wenn ich es sage, ja, ich gebe der Cousine Spanisch Nachhilfe, dann weiß ich nicht, Hatte ich vielleicht zu wenig Zeit oder mich zu wenig bemüht? Wenn jemand das sagen will oder dann hat die schreibt trotzdem irgendwie eine vier oder fünf auf die nächste Schularbeit.

Sandra Andres 00:16:10  Das war halt mit der Sandra dann doch. Also wer irgendwie was Schlechtes finden will, der wird schlecht über dich denken. Und deshalb kann ich auch gleich die Wahrheit sagen und ehrlich kommunizieren.

Michaela Metzner 00:16:21  Ja, und auch das aushalten, das muss man auch erstmal lernen. Das aushalten, was der andere sagt oder sagen könnte oder wie der reagiert. Das ist auch etwas, das das Nervensystem erstmal lernen muss. Darf. Michaela guckt jetzt. Michaela kratzt sich am Kinn und guckt nachdenklich in die Kamera und denkt sich.

Sandra Andres 00:16:47  Ja, ich glaube. Ich wollte nämlich gerade sagen Also wahrscheinlich. Wie ganz viele Hörer und Hörerinnen da draußen werden sich jetzt wahrscheinlich auch fragen Ja, wie macht man das denn?

Christiane Spuren 00:16:58  Hast du einen Tipp dafür? Wie kann ich das besser aushalten?

Michaela Metzner 00:17:03  Es geht wirklich darum, es zu üben. Einfach immer wieder versuchen, die Grenze zu ziehen. Mit kleinen Grenzen anfangen, die dir nicht so schmerzhaft wehtun. Zu gucken, wie fühlt sich das an? Wie reagiert der andere darauf? Und dann wird es über die Wiederholung wird dein Nervensystem lernen.

Michaela Metzner 00:17:20  Es ist okay, das zu tun. Es passiert nichts Schlimmes. Es wird mich keiner ablegen. Es werden natürlich Situationen kommen, wo du vielleicht Ablehnung erfährst. Die würde ich jetzt nicht als allererstes nehmen, um das zu testen, sondern eher später, wenn es okay ist. Ich finde auch immer gut, darüber zu reden. Also ich habe Leute, mit denen ich reden kann, wenn ich weiß, es gibt eine Entscheidung, die ich treffen muss. Und eigentlich möchte ich so reagieren, dass der andere glücklich ist. Aber mein Inneres möchte so reagieren, dass ich glücklich bin und mir fällt das schwer. Darüber zu sprechen und sich vom anderen abzuholen. Es ist okay. Du kannst das tun. Es wird sich komisch anfühlen, aber es ist trotzdem okay. Du stehst für dich ein. Das hilft auch. Also das nicht alles mit sich selber auszumachen, sondern sich zu öffnen und das zu teilen mit Menschen, die ähnlich denken. Und Entschuldigung, da ist was Witziges durch die Kamera gelaufen. So, und auch jetzt habe ich den Faden verloren.

Sandra Andres 00:18:29  Also ich glaube, das ist auch tatsächlich. Also ich finde, es hilft auch tatsächlich, einfach zu sehen dann den positiven Effekt, der mich persönlich hat, wenn ich meine Grenzen definiere und dann eben Sonntag um fünf, statt irgendwie beim 47. Kaffeekränzchen zu sein, wo ich unbedingt dabei sein muss, halt einfach eine Stunde habe, um zu schreiben oder zu malen oder zu singen oder mit meinem Mann auf der Couch zu chillen. Und dass diese Zeit für mich, die habe ich eben weil ich gesagt habe Nein, ich muss das jetzt nicht machen, ich muss da jetzt nicht dabei sein. Weil tatsächlich ist es halt wirklich so, wenn du zu allem Ja sagst und immer alles machen kannst und überall dabei bist, dass die, die auf der Strecke bleiben, bist immer du.

Michaela Metzner 00:19:10  Ist das auch. Ja, man darf sich auch erlauben, mal vor einer Entscheidung, vor dem Ja sagen kurz innezuhalten und sich zu fragen Möchte ich das jetzt wirklich? Oder auch die Entscheidung zu vertagen? Das habe ich auch sehr oft gemacht am Anfang.

Michaela Metzner 00:19:23  Ich habe dann gesagt Du, ich. Ich denke kurz drüber nach. Ich melde mich noch mal, damit ich mir da klar werden konnte, was ich möchte und das nicht sofort mich in die Ecke drücken lasse. Das funktioniert in den meisten Fällen auch. Man sagt so ich melde mich noch mal oder wenn es nur über eine WhatsApp Nachricht kommt, die Frage dann einfach nicht antworten erstmal, bis man weiß was man antworten möchte. Das kann man auch mal probieren. Und auch meine Arbeit ist jetzt ein großes Fass. Ich tue das nur da, Warum du dich so fühlst, dass du deine Grenze nicht ziehen willst, ist ja, weil irgendwas in dir verankert ist, das sagt Nein, darf ich nicht. Es ist ein Glaubenssatz oder irgendwas, das dich geprägt hat. Das kann man natürlich durch Mindset Arbeit wieder umkehren. Man kann Glaubenssätze verändern. Das ist auch eine Übungsfrage. Aber man kann das machen. Und Schritt für Schritt werden aus diesen alten Glaubenssätzen neue positive Glaubenssätze oder Affirmationen oder wie auch immer man das nennen will, die dir dann irgendwann sagen Doch, du darfst das doch, du darfst das doch.

Michaela Metzner 00:20:27  Du bist es dir wert. Und das muss man auch trainieren. Aber das hilft dann irgendwann nicht mehr so sehr diese Stimme zu hören aus früheren Zeiten.

Sandra Andres 00:20:41  Ja, ja, eben. Hinterfragen denke ich immer. Woher kommt das? Ist es wirklich etwas, was ich will oder was aus mir? Dass ich wirklich möchte, dass die Leute immer zufrieden sind mit allem, was ich tue? Oder eben Ist es irgendwie aus meiner Erziehung oder ist es in mir verankert? Habe ich das einfach so gelernt? Und deshalb habe ich das Gefühl, ich habe da konstant Verantwortung und muss immer liefern? Ja, ganz arg schwierig wird es dann natürlich, wenn das ganze Beziehungen betrifft. Also wenn man halt wirklich sieht, eine Beziehung, egal jetzt, ob Familie, Freundschaft, Liebesbeziehung tut einem nicht gut und ist auch wirklich. Ja, hat auch wirklich ganz, ganz arg toxische Einflüsse. Hattet ihr das schon mal? Habt ihr da auch schon mal Grenzen gesetzt oder vielleicht auch was beendet, wo ihr gesehen habt. Das tut mir jetzt einfach gar nicht mehr gut.

Michaela Metzner 00:21:43  Also ich nicht. Ich hatte keine Beziehung, die ich beendet habe, weil sie mir nicht mehr gut tat. Obwohl ich das Thema Grenzen setzen in der Beziehung schon auch kenne. Also gerade mit der Historie, die ich gerade erzählt habe, kam natürlich der Moment, dass ich irgendwann bei meinem eigenen Mann Grenzen ziehen musste und sagen musste So, ich opfere mich hier gerade auf. Das geht für mich so nicht mehr weiter. Wir müssen was tun. Und selbst jetzt noch, wo ich ja schon recht weit gekommen bin. Ich überlege gerade, ob es übertrieben zu sagen ist, aber ich glaube nicht. Es ist bei meinem Mann immer noch am schwersten, die Grenze zu ziehen. Und jetzt denkt sich wahrscheinlich jeder Was für eine instabile Beziehung ist das denn? Wenn man das nicht mehr bei seinem Mann kann. Aber so ist es nicht. Genau andersherum ist der Fall. Es ist genau anders.

Sandra Andres 00:22:33  Es ist ganz klar. Aber die Menschen, die du am meisten liebst, sind dir am wichtigsten. Und es ist am schwierigsten, dass du sagst.

Michaela Metzner 00:22:38  Du willst sie am wenigsten enttäuschen. Du willst am wenigsten von den Menschen, die du liebst, dass sie dir böse sind, hinterher oder was auch immer in deinem Kopf ist. Deswegen ist das immer noch für mich das Schwierigste, bei ihm eine Grenze zu ziehen und zu sagen Nein, so geht es nicht. Wir müssen einen anderen Weg finden, zusammen. Und das, glaube ich, ist in jeder Liebesbeziehung genauso. Genauso egal worum es geht, ob es jetzt um das Toxische geht, das Schlimmste sozusagen oder auch ganz alltägliche Grenzen, die wir ziehen wollen.

Sandra Andres 00:23:12  Hm, ja, bei mir war es tatsächlich eine Freundschaft und auch wirklich eine Freundschaft, die in meine Jugend zurückgeht. Also die wirklich über 20, 25 Jahre hinweg gegangen ist, wo aber die Person dann wirklich ja in ihrem Leben komplett verloren war. Und ich war auch. Ich bin da auch ganz ganz lang in dieses Rettersyndrom oder Opferrolle oder in der Opferrolle nicht, will ich nicht sagen. Eher das Rettersyndrom ist reingerutscht und auch so in dieses muss. Sie ist einer meiner engsten engsten Freundinnen.

Sandra Andres 00:23:47  Ich muss für sie da sein, komme was wolle. Egal was passiert, ich muss da durch. Ich muss mir alles anhören, was sie mir sagt. Ich muss stundenlang für sie da sein und zuhören. Ich muss ihr jeden Monat wieder Geld borgen, weil, ganz klar. Sonst kann sie ihre Wohnung nicht mehr bezahlen. Obwohl ich ja jedes Mal schon, wenn ich in WhatsApp reinging, wenn ich nicht sah, sie kam, da kam die Nachricht schon immer Bauchweh hatte und wusste, da kommt jetzt wieder eine halbe Stunde. Mein Leben ist scheiße, Die Welt hasst mich. Ich wusste schon, da kommt wieder so eine Negativität auf mich zu. Das ist richtig. Wo man sich schon wappnen muss dafür. Und trotzdem hatte ich was. Sehr, sehr lange. So dieses Jahr. Aber das gehört dazu. Freundschaft in guten und in schlechten Zeiten, Da muss man durch. Ich kann meine Freundin nicht hängen lassen und das hat wirklich sehr, sehr lange. Also ich möchte sagen wirklich Jahre gedauert, bis ich es dann einfach auch irgendwann gesagt habe.

Sandra Andres 00:24:43  Das kann ich nicht mehr. Das tut mir nicht gut. Und da geht es nicht darum, dass ich die Person hängen lasse oder was weiß ich oder sage, ist mir alles wurscht, was aus dir wird. Sondern da geht es darum, dass ich auf mich selbst schauen muss. Und wenn irgendwann irgendeine Beziehung oder Freundschaft, was auch immer nur noch Negativität in mein Leben bringt, nur noch toxische Sachen in mein Leben bringt. Nur noch etwas, was ja mir selbst einfach absolut nicht gut tut. Es macht ja auch was mit einem wenn so viel, wenn das immer wieder da ist. Und das macht ja auch was mit mir, dass ich das dann tatsächlich irgendwann beendet habe, egal wie lange das dann auch ging und wo ich dann eines Tages sagte ja, das geht einfach nicht mehr und ich, ich bin hier raus, weil. Ja, könnte man es auch sagen. Na ja, war halt der einfache Weg und. Aber ja, ich finde schon. Man muss dann auch sagen Du das ich ich kann das so nicht mehr machen, weil ich bin nicht ein emotionaler Mülleimer und das kann ich einfach nicht sein.

Sandra Andres 00:25:40  Und ich sind halt auch gewisse Entscheidungen, die man einfach im Leben treffen muss, dass man gewisse Sachen in den Griff kriegt und die ich auch nicht für dich lösen kann. Egal wie lange du mich jetzt am Telefon voll weinst.

Christiane Spuren 00:25:53  Stimmt. Und ich denke, dadurch, dass du ja so lange versucht hast zu helfen, hast du das Notwendigste getan. Und irgendwann muss diese Person ja eine Entscheidung treffen, wie du sagst, um ihr Leben zu verbessern. Das kann nicht angehen, dass sie dir ein Leben lang die Ohren voll heult und nichts an ihrer Situation ändern kann. Man kann sich immer nur selber helfen. Es ist halt so, das muss man dann halt lernen in dieser Situation, so schwer es auch ist. Also ich habe jetzt vorhin sehr, sehr lange gezögert, weil ihr wisst ja, dass ich in einer toxischen Beziehung war in jugendlichen Jahren und wie schwer es auch war, diese Beziehung hinter mir zu lassen. Zu der Zeit habe ich noch nicht erkannt, dass ich da in so einer Opferrolle steckte und es hat sehr lange gebraucht zu erkennen, auch mit mit therapeutische Hilfe, dass das toxisch war, dieses manipulative wie mein Freund mich behandelt hat und dass er mich da oft mit Absicht quasi ausgenutzt hat, die Grenzen ausgereizt hat, bis es nicht mehr länger ging, bis ich weinend quasi zusammengeklappt bin.

Christiane Spuren 00:27:12  Ja, wie gesagt, ich kürze das hier ab. Es hat zehn Jahre gedauert, bis ich mich aus dieser Toxizität befreit habe. Und der Grund war eigentlich nicht die Erkenntnis Du warst ja voll das Opfer. Du musst hier raus! Sondern eigentlich die Erkenntnis Ich will so nicht weiterleben. Das war so der Einstieg in die Schritte, die ich dann unternahm, um die Beziehung zu beenden. Und dadurch, dass es halt auch jahrelang gedauert hat, das aufzuarbeiten, habe ich vieles von diesem Package mitgenommen in die nächste Beziehung. In meiner Ehe dann auch. Und dieses alte Muster Ich darf mich nicht beschweren, ich darf keine Grenzen setzen. Ich muss versuchen, mich aufzuopfern, um diese Beziehung am Laufen zu halten, um meinen Partner zu. Ja zu befriedigen, um seine Wünsche zu befriedigen, um um Liebe von ihm zu bekommen. Das hat sich echt in diese nächste Ehe mitgeschleppt. Es war dann auch nicht einfach, weil dadurch, dass ich vieles verheimlicht habe, also nicht gesagt habe, was mich stört. Ich konnte natürlich meinen Partner dann auch.

Sandra Andres 00:28:28  Nicht.

Christiane Spuren 00:28:29  Einschätzen. Ja, wie weit darf ich gehen und wo klappt es hier zusammen? Und so ist es tatsächlich auch dann zweimal passiert, dass ich eben kurz vor einem Burnout war und er überhaupt nicht verstanden hat, wieso. Weil ich halt nie darüber geredet habe, dass ich nicht mehr kann. Dass ich viel zu viel Verantwortung in dieser Ehe übernehme. Diese ganze Mental load, von der Christiane vorhin sprach und die sie auch in ihrem Buch thematisiert hat, dass diese mich überschwemmt wie so ein Tsunami und ich gar nicht mich wehren kann, weil ich gar keine Mechanismen habe, die das, was wir gerade über Mindset gesprochen haben, diese Tipps, das wusste ich nicht, kannte ich nicht, habe ich noch nie davon gehört. Hätte ich gerne zu der Zeit gewusst und auch angewendet um Ja wahrscheinlich Um dann die Kurve zu kriegen, dass diese Partnerschaft wieder hinzubiegen, weil er. Er hat sich schon zu einem gewissen Grad bemüht. Nur irgendwann war halt bei ihm dann auch der Punkt erreicht, wo er nicht mehr happy war mit der Beziehung.

Christiane Spuren 00:29:39  Und dann kam das ganze Fremdgehen, das ich ihm ja auch lange vorgeworfen habe. Also es war. Es war quasi nur eine Situation. Aber das hat mich unfassbar verletzt, weil ich nicht verstehen konnte, wieso er das tut, wo ich doch alles gebe für diese Beziehung. Also das ist schon ein sehr, sehr spannendes Thema. Wie verknüpft oder wie? Ja, wie soll ich sagen, dieses ähm, wie weit das Geben und das Nehmen reicht und welche Auswirkungen das hat, wenn man nicht Grenzen setzt.

Sandra Andres 00:30:16  Ja, und gleichzeitig ist es ein sehr grausames, aber trotzdem exzellentes Beispiel dafür, dass selbst wenn du alles gibst und alles tust und dir eigentlich deine Ansicht alle Erwartungen erfüllst und alles tust, was deinen Partner glücklich macht, kannst du trotzdem abhaken.

Christiane Spuren 00:30:29  Ganz genau. Ganz genau.

Sandra Andres 00:30:31  Kann genau so.

Christiane Spuren 00:30:32  Passieren. Ganz genau.

Sandra Andres 00:30:36  Es gibt keine Garantie für nichts. Auch wenn man theoretisch alles richtig macht. Und deshalb allein schon darfst du das auch mal infrage stellen und auf dich schauen.

Christiane Spuren 00:30:46  Ja, wohl wahr.

Sandra Andres 00:30:49  Es ist jetzt natürlich bei uns Autoren und Autorinnen auch gar nicht so anders.

Sandra Andres 00:30:53  So, zum Abschluss noch ganz kurz. Da gibt es ja auch ganz viele Erwartungshaltungen, vor allem in unserem Genre Liebe und Beziehungen. Da gibt es ja auch ganz viele Sachen, die man theoretisch machen muss. Ganz viele Klischees und trope Und vielleicht sogar Schreibstil oder Settings. Und ja, das ist ja jetzt schon etwas, wo wir uns ja auch ein bisschen schwer tun oder wo auch gerne mal Grenzen setzen und sagen Nein, wir müssen es nicht. Den 47. Roman in New York schreiben oder die Liebesgeschichte, wo irgendjemand nach Sylt flüchtet. Oder nach Schottland, oder. Ich weiß auch nicht. Aufwachen, Kaffee aufmachen. Genau das. Das ist ja nicht so unser Ding. Das setzen wir ja dann ganz gern Grenzen.

Michaela Metzner 00:31:38  Ja, vor allen Dingen so dieses Genre spielen. Also bist du nur ein Liebesroman? Wenn ja, dann musst du das und das und das alles erfüllen. Wenn du das nicht erfüllst, dann bist du eigentlich kein Liebesroman, sondern irgendwas anderes, was aber keiner weiß, was das dann ist und wo man das einsortieren muss.

Michaela Metzner 00:31:56  Also immer diese Einordnung, Die finde ich persönlich am allerschwierigsten, weil ich mir denke ja, naja, also Liebesroman ist es nicht, weil ich habe jetzt nicht XY da drin, aber bräuchte ich vielleicht oder weiß ich auch nicht. Ich kann mich noch erinnern, bei meinem ersten Roman, als ich den ein paar Agenturen vorgestellt habe, kam dann öfter mal das Feedback. Willst du es nicht an einem schönen Ort spielen lassen und der Ort ist total irrelevant für die Handlung? Ja, aber Provence vielleicht Oder Italien nicht. Das Buch spielt nicht in Italien, auch nicht in der Provence. Aber das kann nicht reinpassen, weil die Figur gar nichts von der Umgebung sehen würde. Ja, aber wäre schon schön. Ist ja okay. Erwartungshaltung, weil es sich dann besser einordnen lässt. Das lässt sich dann besser einordnen und die Leser wissen eher, was sie dann womit sie rechnen.

Sandra Andres 00:32:53  Ja, und vor allem vor allem. Christiane, stell dir doch das Cover vor mit dem blühenden Lavendel.

Michaela Metzner 00:32:59  Wunderschön. Also über Cover haben wir sowieso ja schon oft diskutiert.

Michaela Metzner 00:33:02  Zu dritt, wie das Cover oft überhaupt nicht zu der Handlung passt, aber ja natürlich anziehend ist und das Auge isst mit auch egal, was dann da drin steht. Ja, es ist schwer und trotzdem will man natürlich auch als Autor Autorin verkaufen. So blöd wie das klingt, man möchte ja, dass die Bücher die Leser erreichen. Und wenn man nun total gegen den Strom schwimmt, kann das bedeuten Ja, dann hast du halt ein Buch, so wie du es willst. Aber es liest keiner, weil es halt nicht die Erwartungen erfüllt.

Christiane Spuren 00:33:40  Beziehungsweise, dass es gar nicht erst zu den Lesern kommt, die es lesen wollen, weil sie es nicht sehen, nicht wahrnehmen. Das Das Problem kenne ich sehr gut und es hat mir auch sehr weh getan, weil eben meine Debütroman Romane Die Märchen, Trümmer und Trümmermärchen Die Logik so ein unfassbar wichtiges Thema behandelt. Eben diese Toxizität in einer Beziehung, die sich einschleicht und eben tatsächlich diese Lösungsansätze, wie man rauskommt. Das ist etwas, was so viele Frauen unbedingt lesen sollten.

Christiane Spuren 00:34:19  Aber dadurch, dass es einfach so schwierig für Verlage war, das Buch einzusortieren, kam es einfach nie zu einem Verlagsvertrag. Und ja, ich habe es im Selfpublishing mutig rausgebracht. Und ich bin auch sehr, sehr happy mit dem Ergebnis. Aber es könnte einfach nur um so viel besser sein, wenn es mehr Sichtbarkeit hätte. Und da sind wir jetzt genau da. Also da an dieser Stellschraube Wie weit biege ich mich, um eine Botschaft zu vermitteln? Und bei Märchen, Trümmer, Trümmer, Märchen wollte ich mich einfach nicht verbiegen. Und ich glaube, so sind wir uns auch einig, dass wir da unsere Schiene weiterfahren, weil wir unsere Botschaften dennoch so ungeschönt präsentieren wollen, wie sie nun mal sind.

Sandra Andres 00:35:03  Wie möglich.

Christiane Spuren 00:35:05  So real wie möglich. Ganz genau. Weil mit Sommercamp habe ich dann aber gedacht Nun, was will ich vermitteln? Ich will Schweden vermitteln. Ich will meine Erfahrungen an das Auswandern wanderns vermitteln. Und ich will aber auch eine schöne Liebesbeziehung jetzt schreiben. Und deswegen glaube ich, alles was das anbelangte, hat einfach gut mit dem Verlag gematcht, den ich gefunden habe, weil die genau das eben so als Nische präsentieren.

Christiane Spuren 00:35:33  Soll heißen, man muss nicht immer sich komplett verstellen, sondern man kann natürlich auch gewisse gewisse Nischen miteinander kombinieren.

Sandra Andres 00:35:42  Ja, das passt halt einfach auch gerade in. Es muss ja auch gar nicht unbedingt im Verlag sein, sondern es kann ja auch im Selfpublishing ein Buch komplett durch die Decke gehen, weil das halt etwas ist, was gerade total. Also ich sage zum Beispiel Sally Park mit ihren Cape Romance Geschichten geht völlig ab. Wer hätte das gedacht vor drei, vier Jahren? Ehrlich gesagt, ich nicht. Aber das ist halt eine Nische. Die da, Das gibt es unglaublich viele Leute, die jetzt Pop wahnsinnig geil finden. Und da hat sie halt wirklich einen totalen Nerv getroffen, Da braucht sie keinen Verlag und da braucht sie keinen jemanden. Du kannst dich einfach hinstellen und sagen Hallo, ich habe dieses Buch geschrieben und die Leute finden das toll und ich freue mich mega und ich feiere sie extrem. Aber genau das sind halt natürlich, wenn man so eine wie man so eine Nische auch trifft oder ein Thema, das gerade natürlich irgendwo ja die Leute geil finden, dann hat das natürlich total viel Potenzial.

Sandra Andres 00:36:35  Gut, jetzt sind wir ein bisschen abgekommen, aber ja, es ist ja, wir sind ja trotzdem immer noch Autorinnen, die gern schreiben und sich mit solchen Dingen auch immer wieder auseinandersetzen. Ja, wie schaut's aus mit eurem Herzen? Hattet ihr weihnachtliche Neujahrsvorsätze oder einfach so vielleicht auch ein paar grenzwertige? Ja.

Christiane Spuren 00:37:04  Grenzwertig. Ja, ja, Grenzwertig. Ich hatte tatsächlich jeden Tag von der Familie Besuch von unterschiedlichen Teilen der Familie gesplittet, weil es irgendwie nicht anders ging. Und ich habe mir das tatsächlich, ja wie sage ich, überstülpen lassen. Ja, du bist doch die mit dem größten Wohnzimmer, da passen wir ja alle rein. Und dann koche ich mal einen Braten für 13 Leute, weil sie unbedingt deutsches Essen haben wollten. Ich hätte auch gerne irgendwas anderes, was Einfacheres gekocht, aber nein. Also ich habe mich an Weihnachten und die Tage danach sehr, sehr, sehr verbogen. Ich war Gastgeberin für. Für alle möglichen Events und am Ende war ich echt mit Nerven am Boden, musste ich ganz ehrlich sagen.

Christiane Spuren 00:37:56  Urlaub war das keiner. Aber es gibt einen Teil von Michaela. Also Michaela ist wirklich ungern Gastgeberin, weil ich mich nicht in dieser Rolle Wohlfühle. Ich habe ständig Angst. Den Leuten schmeckt es nicht und dann bin ich nur am Rennen. Und Stress ist einfach. Stress bei Stress, Da hyperventiliere ich und würde mich dann weinend in die Ecke setzen. Am liebsten. Also ich bin nicht stressresistent, wenn ich das so sagen darf. Diese Michaela hatte wirklich Stress. Und dann gibt es einen Teil von Michaela, die hat unfassbar genossen, dass sich die Leute so wohl gefühlt haben, dass wirklich wir so viel Spaß hatten. Wir haben ganz tolle Gespräche geführt in der Zeit, was ich gar nicht angenommen hatte. Ich habe mir das so vorgestellt. Siehst du die Leute so oft? Jeden zweiten, dritten Tag, immer die gleichen Leute aus der Familie? Da gehen doch die Gesprächsthemen aus. Nein, es war wirklich so, dass ich sagen muss, Jeder Tag war etwas Besonderes und schön. Und deswegen hat sich dann der Stress, der dennoch da war, auch nicht ganz so schlimm angefühlt.

Christiane Spuren 00:39:05  Insofern es war eine grenzwertige Erfahrung. Ich möchte sie nächstes Jahr nicht mehr wieder machen. Ich nehme mir definitiv vor, 26 wird anders. Das plane ich anders.

Michaela Metzner 00:39:16  Sehr schön. Ja, ich hatte auch ein schönes, fast schon spirituelles Erlebnis. Ihr wisst es. Ich war ja dieses Jahr bei den Raunächten mitgemacht. Euch beiden habe ich das erzählt. Und für alle, die es nicht so kennen. Unter anderem schreibt man da In dieser Zeit zwischen den Jahren schreibt man Wünsche auf, die man hat für das neue Jahr und verbrennt dann jeden Tag einen Wunsch und am Ende bleibt ein Wunsch übrig. Und diesem einen Wunsch darf man sich dann widmen im nächsten Jahr. Und die anderen Wünsche übergibt man quasi dem Universum. Entschuldigung. Und jetzt der Wunsch, den ich jetzt übrig behalten habe. Der geht halt inhaltlich sehr stark in die Richtung. Du kannst dir alles ermöglichen, was du dir wünschst. Und das habe ich jetzt als Zeichen gesehen. Mein Wunsch ein neues Buch zu schreiben, mehr in den Vordergrund zu rücken. Weil das ist etwas, was ich mir schon seit zwei, drei Jahren sehr aktiv wünsche.

Michaela Metzner 00:40:25  Und genau da habe ich direkt gestern mit angefangen. Also ja, direkt habe ich hingesetzt und mich diesem Wunsch gewidmet und angefangen an einem Plotentwurf für meinen neuen Roman, der mir schon sehr lange im Kopf herumschwirrt, zu entwerfen. Und das war für mich definitiv ein Herzgespinst. Ich hatte sogar eine Herzkerze an und habe einen Tee getrunken. Auf dem Zettelchen mein Herz drauf. So geht es wohl nicht. Oh yeah, ich weiß.

Christiane Spuren 00:40:57  Chapeau! Chapeau! Ich Ich freue mich voll für dich. Also, das ist ja wirklich das Gespinst. Moment. Es entsteht ein neues Buch. Genau dies ist durch.

Sandra Andres 00:41:15  Ja, mein Herzgespinst. Dieser Moment ist ganz kurz und knackig. Ich habe letzte Woche Bescheid bekommen, dass mein Lawrence Vina Buch ausgewählt wurde für den ersten Band der Bücher in Wien.

Michaela Metzner 00:41:29  Oh.

Sandra Andres 00:41:31  Naja, das ist schon das, was man sich darunter vorstellen. Also ein klassischer Ball in einem Palais in Wien und da werden halt auch auf diesem Ball werden dann auch Bücher ausgestellt. Und da habe ich mich beworben und da bin ich jetzt auch dabei.

Christiane Spuren 00:41:47  Cool ist das, denn das habe ich ja noch nie gehört, weil der Bücher, Nein.

Sandra Andres 00:41:51  Das gibt es auch nicht. Aber ich meine, Wien ist halt eine Ballstadt. Es gibt ja auch den Opernball und auch ganz viele andere. Es ist halt super traditionell und klassisch. Und das ist ganz, ganz tief verankert in der Wiener Kultur, ähnlich wie Kaffeehäuser. Und ja, ich bin sehr gespannt darauf. Ich werde auch versuchen, dass ich hinfahre, dass ich dabei bin. Das ist auch mit inkludiert. Da. Genau. Also ja, ich hoffe, dass ich. Dass ich es schaffe, dass ich dann auch persönlich dort bin. Und ich bin sehr gespannt. Ich glaube schon, dass das sehr, sehr schön wird. So ein bisschen Kombi aus Tanzen, keine Ahnung, Quatschen und natürlich dann zwischendurch, so stelle ich es mir vor. Ich meine, Bücher ist ja der erste Ball der Bücher. Ich kann noch nicht sagen, wie es ist. Es gibt noch keine Bilder oder sonst was oder Erfahrungen.

Sandra Andres 00:42:32  Aber ja, ich habe mich schon gefreut, dass da so dann genau im Herzen Wiens sein wird und ja auch ein bisschen Diversität reinkommt in einen doch sehr traditionelle Veranstaltung oder in eine sehr klassische Tradition.

Christiane Spuren 00:42:47  Das war mein erster Gedanke. So ein bisschen Regenbogenfarben über dem vielleicht doch sehr traditionellen, weil sehr ehrlich.

Sandra Andres 00:42:57  Ich hatte mir nicht arg viele Chancen ausgerechnet, weil ich dachte, er ist vielleicht ein bisschen zu viel für beide Bücher. Klingt schon sehr klassisch und ist vielleicht ein bisschen too much, aber ich freue mich. Ich freue mich sehr.

Michaela Metzner 00:43:10  Manchmal ist es genau das. Der Kontrast.

Christiane Spuren 00:43:13  Ja.

Sandra Andres 00:43:14  Genau das glaube ich tatsächlich auch. Ja, gut, ihr Lieben, das war's wieder mal für heute mit unserer Liebe. Wie sie ist. Gern mal hingebungsvoll und empathisch, aber bitte nicht zu aufopfernd. Ja, wir hören uns wieder in zwei Wochen, wenn und wenn euch unser Podcast gefällt und ihr sagt Ja, toll, die drei Mädels, die haben immer was interessantes, Witziges zu berichten, dann abonniert unbedingt unseren Podcast.

Sandra Andres 00:43:47  Wer das noch nicht getan habt. Wenn ihr schon getan habt, dann schreibe uns gerne ein paar schöne Bewertungen auf der Plattform deiner Wahl oder empfehle unseren Podcast an deine beste Freundin, an deine Lieblingscousine, an alle Menschen, denen du etwas Gutes tun möchtest. Wenn du eine Idee hast, worüber wir noch so quatschen könnten oder sollten, dann schreib uns gern an Herzgespinste@Gmail.com oder mach mit auf unseren bei unseren Umfragen oder schau einfach mal vorbei und schreib uns an auf Instagram. Ich bin @Sandra_Andres_Autorin

Michaela Metzner 00:44:24  Ich bin @Michaela.Metzner_Autorin

Christiane Spooren 00:44:26  und @Spooren.schreibt

Sandra Andres 00:44:31  Wir freuen uns auf Dich, auf deine Kommentare, auf deine Vorschläge und natürlich, dass du uns auch 2026 wieder durch ein neues Herzgespinste-Jahr begleitet. Mit Liebe, wie sie ist. Bis zum nächsten Mal.

Michaela Metzner 00:44:45  Macht's gut. Tschüss.