Körper und Gesellschaft

Ira Schumann

„Befreiung geht nicht ohne Community“ - Interview mit Luise Gonca Demirden und Lydia Rose Kray (Teil 1)

21.02.2026 61 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Folge sind die Herausgeber*innen des Zines „Tracing back the steps of our fat liberation“ zu Gast: Luise Gonca Demirden und Lydia Rose Kray.

In diesem ersten ersten Teil des Interviews reden wir über:

Den Entstehungsprozess des Mega-zines und wer daran noch mitgearbeitet hat.

Was hinter Begriffen wie „fette Ikonographie“ und der „fat gaze“ steckt.

Die großartigen Fotos im Zine und was es gebraucht hat, um Bilder vom eigenen nackten Körper zu veröffentlichen.


Alle Links 🔗

YouTube Kanal für Video des Interviews:
https://youtube.com/@koerperundgesellschaft?si=qXiI5TmuqEOEXBQH

Kofi Seite für das Mega-zine
(Das Zine ist unter „Shop“ kaufbar):
https://ko-fi.com/stepsoffatliberation

Instagram Account Mega-zine steps of fat liberation
https://www.instagram.com/stepsof_fatliberation/

Instagram Account Luise Gonca Demirden
https://www.instagram.com/fatsoftandfree/

Instagram Account Lydia Rose Kray
https://www.instagram.com/lydiakrax/

Meine Website:
https://www.ira-schumann.de/

Transkript

Willkommen beim Podcast Körper und Gesellschaft, dem Podcast für das Thema Körperakzeptanz. Mein Name ist Ira Schumann. Heute gibt es hier das zweite Interview im Podcast, nämlich mit den beiden Herausgeber:innen des Zines Tracing Back the Steps of Our Fat Liberation, und die beiden heißen Luise Gonca Demirden und Lydia Rose Kray. Wenn du jetzt denkst, was ist denn ein Zine, dann kurze Erklärung an dieser Stelle: Ein Zine ist sowas wie eine Zeitschrift, so eine kleine Zeitschrift, oder wie sowas wie so ein Büchlein. Meistens haben Zines nur wenige Seiten, es sind Zeichnungen drin, und es werden auch meistens nur wenige Exemplare hergestellt. Hergestellt. Im Fall des Zines, über das wir in dieser Folge sprechen, ist es aber eher ein schick gemachtes Buch geworden, weswegen es eben auch nicht Zine, sondern Mega-Zine heißt, also Mega und Zine zusammengefügt. In dem ersten Teil des Interviews reden wir darüber, wie der Entstehungsprozess dieses Mega-Zines eigentlich lief und wer daran noch mitgearbeitet hat, was hinter Begriffen wie fette Ikonographie oder eben dem Fat Gaze steckt. Also zum Letzteren gibt es auch ein Kapitel im Zine. Und wir sprechen auch darüber, über diese großartigen Fotos, die es im Zine gibt, im Mega-Zine, und was es auch gebraucht hat, um Bilder vom eigenen nackten Körper veröffentlichen zu können. Es gibt einen zweiten Teil des Interviews, da werden wir so ein bisschen persönlicher noch, wobei auch der erste Teil schon ziemlich persönlich ist. Und dieser zweite Teil kommt in einer Woche raus, also am 28. Februar. Bevor es losgeht, noch eine Orga-Sache: Zu diesem Interview gibt es auch ein Video. Das erwähnen wir auch immer mal wieder im Gespräch. Wenn alles klappt, dann kannst du das auf dem brandneuen YouTube-Kanal finden, den es jetzt zu diesem Podcast gibt. Den Link dazu packe ich in die Shownotes. Für diejenigen von euch, die gerne YouTube nutzen, um Podcast zu hören, Der Plan ist, dass es demnächst alle Folgen auf YouTube gibt, also die alten Folgen und auch dann die aktuellen Folgen. Ich sag hier Bescheid, wenn es dann soweit ist. Jetzt aber, ich wünsche viel Spaß beim Hören. Hallo, heute sind zwei Menschen hier im Podcast zu Gast, nämlich Luise Gonca Demirden und Lydia Rose Kray. Schön, dass ihr da seid. Herzlich willkommen. Hallo. Hallo. Wir werden gleich darüber sprechen, dass ihr zusammen mit anderen ein sogenanntes Mega-zine rausgebracht habt. Wir werden auch gleich eben schauen, was ist das, was ist da drin, was können Menschen da drin finden. Aber erstmal die Frage an euch für Menschen, die euch nicht kennen, die noch nicht von euch gehört haben: Was könnten die über euch wissen? Ja, hi, ich bin Luise Gonca Demirden, denn, man kennt mich— vielleicht kennt man mich von Instagram, Social Media, da bin ich jetzt Fat, soft and free unterwegs und mach so ein bisschen, naja, Bildungsarbeit zum Thema Fettfeindlichkeit und, Communityarbeit im weitesten Sinne. Genau, ansonsten arbeite ich auch in dem Bereich, erwerbsberuflich oder wie man das sagt, bei der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung bin ich Bildungsreferentin zu dem Thema und ich Schreib manchmal für die missy, zweimal bisher, aber ich tu mal so, ich sag jetzt mal manchmal, weil es sich besser anhört. Es ist nicht, nicht falsch. Von daher, ja. Genau. Und bin auch sonst schon in paar Podcasts gewesen und so ein paar Formaten und habe dazu gesprochen. Und ich bin Lydia Kray. Ich bin auch Mitherausgeberin und Initiatorin, würde ich sagen, von dem Magazin. Ich bin ansonsten Medienwissenschaftlerin und Künstlerin. Und mach erwerbstätigerweise was ganz anderes, denn ich— ja, so im Gesundheitswesen. Ich habe auch schon einige Artikel und Sachen zu so Fettfeindlichkeit und Queerness und Fatness, veröffentlicht in der Ranka, im Realitätenband, Queer-Realitätenband von ETC Büchern. Und, das ist mein zweites Buch jetzt gewesen. Ich habe vorher schon mal einen kollaborativen Band rausgebracht mit anderen queeren Künstler:innen. Ja, spannend. Also ein paar Sachen kannte ich von euch, aber einiges merke ich gerade, kenne ich auch noch nicht. Ich habe gerade überlegt, wir können ja nachher noch mal zusammen überlegen, was in die Shownotes soll. Also natürlich auf jeden Fall ein Link zum, zum Sehen, und dann könnten wir gucken, ob ihr noch Links drin haben wollt zu Sachen, die ihr sonst auch gemacht habt. Können wir noch mal drüber reden, vielleicht auch die zwei Missy-Artikel, aber können wir noch mal zusammen draufschauen. Genau, und Transparenz, gerade ist noch jemand anderes dabei, nämlich Hugo. Hugo war aber gerade jetzt, also ist gerade nicht zu sehen. Hugo war aber auch— Hugo hat sich gerade ein Spielzeug geschnappt und es verbrannt. Aber auch Hugo ist ja sogar als Autor, Abby, wirklich mega viel. Ja, ja, vorne drin, wenn du noch mal nachgucken willst. Es handelt sich um einen Hund. Stimmt, genau, es ist ein Hund. Wenn ihr ihn jetzt gerade nicht sehen könnt, liebe Zuhörer:innen. Ich halte mal tatsächlich, also vielleicht kommt, taucht Hugo ja noch mal auf während der Aufnahme, aber ich halte mal das in die Kamera, wo Hugo hier im Zine zu sehen ist. Genau, das ist sein ganzer Name: Hugo Pamuk Nacar Raffaelo Demirden. Und er war Unser Inhouse-Sweet-Angel. Sehr gut. Hugo, ganz schön viele Namen. Sehr gut. Genau, wer es gerade nur hört, ich habe das gerade in die Kamera gehalten. Also jetzt von dem, von dem Podcast gibt es also auch eine Videoaufnahme, die dann hoffentlich irgendwie auf YouTube landet. Ich muss mal gucken, wie ich das hinkriege. Aber das heißt, wer sich das angucken möchte, kann da gerne reingucken. Und wenn Hugo noch mal auftaucht, kann man ihn da sicherlich auch sehen. Okay, dann lass uns doch mal über das Zine reden. Das finde ich ein total spannendes Projekt. Und ihr habt das ja auch dokumentiert über mehrere Monate auf Social Media. Ich würde sagen, den Account packen wir auf jeden Fall in die Shownotes rein. Da kann man sich auch noch mal diese, diese Posts anschauen. Genau, das, das Scene heißt, beziehungsweise nennt es Mega-Scene, heißt, Tracing Back the Steps of Our Fat Liberation. Ich habe überlegt, wie ich es übersetzen würde. Ich sag mal meinen Versuch, und dann könnt ihr ja mal sagen, wie ihr es übersetzen würdet. Ich würde es übersetzen mit: Auf den Spuren unserer Befreiung als dick_fette Menschen oder als fette Menschen. Trifft's das oder sagt ihr es anders? Ich find's sehr schön. Ich hätte gesagt, auf den Spuren unserer fetten Befreiung vielleicht. Das ist absolut— Auf den Spuren finde ich sehr schön. Ich habe noch keine so schöne Übersetzung mir selbst überlegt oder gehört. Du? Is gut. Okay, dann nehmen wir das so ungefähr. Also ist einfach nur, dass nicht alle Hörer*innen sprechen gut Englisch oder haben sofort irgendwie zu diesen Begriffen eine Beziehung. Und jetzt würde mich natürlich interessieren, ihr habt so ein bisschen, schreibt ihr auch in dem Scene wie es dazu kam. Also ihr habt irgendwie— da haben sich mehrere Menschen scheinbar bei einem, bei einem Workshop getroffen. Könnt ihr so ein bisschen erzählen, wo kam die Idee her, wie haben sich die Menschen gefunden und wie lief auch dieser Prozess dann vielleicht ab? Nur weil du das gerade auch gesagt hast mit dem— nicht alle sprechen Englisch, also dass das Zine auf Englisch ist, oder das Mega-zine hat was damit zu tun, dass die Gruppe eine internationale Gruppe war. Und das, Felipe, der auch, Felipe Roman Osorio, der auch der Herausgeber von zwei anderen Projekten von mir war, und Freund von mir ist, der ist halt Verleger und, Designer und lebt und arbeitet in Barcelona. Und Felipe hatte mich gefragt, ob ich Lust hätte, weil er so ein Stipendium im Goethe-Institut beantragt hat irgendwie und so 1000 Batsh— Euro bekommen hat, ob ich Lust hätte, irgendwie ein Projekt mit ihm zu machen. Und da wir halt uns schon lange kennen und auch schon lange zusammenarbeiten, Felipe zwar selber dünn ist, aber schon in Chile, wo Felipe herkommt, viel so mit Fat-Aktivistinnen und fetten Anarchistinnen zusammengearbeitet hatte und auch viel so Queer Fat Art, sag ich, immer mal wieder in seine Projekte reingeholt hat. Und dann war ich so, okay, vielleicht hast du Lust, irgendwie was zu dem Thema mit mir zu machen. Und ich hatte da gerade auf dem Fat Camp, das Luise organisiert— mitorganisiert 2023 halt ein paar Leute kennengelernt und in diesem Kontext halt schon mal gesagt, dass ich gerne nen, ne Publikation machen würde. Und dann habe ich gedacht, na gut, jetzt haben wir eine Plattform und nen Space dafür und irgendwie ein bisschen Kohle und Felipe ist die perfekte Person dafür. Warum nicht das machen? Und habe dann einfach vor allem Leute inklusive Luise, aber das war eh klar, weil wir da schon ein paar waren, halt gefragt, Habt ihr Bock, euch für ein Wochenende zu treffen und einfach kreativ miteinander zu arbeiten? Und ich habe vor allem Leute angefragt, die ich— mit denen ich mir vorstellen konnte, einfach und schön zu arbeiten. Also denen ich vertraut habe, die ich irgendwie mochte und von denen ich wusste, dass sie kreativ arbeiten und, also, und die fett sind. Und dann habe ich halt ein paar Leute zusammen mit Felipe angefragt. Ja, spannend. Wir haben uns einen Ort gesucht und so, und das alles sehr low budget versucht zu organisieren, und uns war klar, okay, wir brauchen einen Ort, und wir müssen gewährleisten, dass da irgendwie Leute recht barrierefrei anreisen können und dass irgendwie alle einen Schlafplatz haben, der schön ist, und es irgendwie einen Space gibt, also einen Raum gibt, wo wir uns austoben können, und ich— wohne in Potsdam und ich kannte halt das Projekthaus in Griebnitzsee, weil ich da öfter mal töpfere. Und dann habe ich die halt gefragt, und die haben große Räumlichkeiten und auch Werkstätten. Und dann haben die Jungs gesagt, ja, könnt ihr machen. Und die haben da halt auch Übernachtungsplätze. Ja, und das hat sich dann so ergeben und das ist tatsächlich sehr nah zu wo ich wohne. Und dann, Genau, haben wir das so organisiert und dafür nicht so viel Kohle ausgegeben und dann Wochenende miteinander verbracht. Und wie ging es nach dem Wochenende weiter? Oder vielleicht einfach, vielleicht könnt ihr als Überblick mal sagen, wie, wie lang muss ich mir diesen ganzen Prozess vorstellen? Von dieses erste Wochenende bis das Sien kommt dann wirklich auch raus? Wisst ihr das noch? vom ersten Wochenende bis Sien kommt raus war ungefähr dreiviertel Jahr, glaube ich. Ja, ungefähr dreiviertel Jahr, also es war schon sehr, sehr schnell alles. An dem Wochenende ist halt viel schon entstanden auch wirklich, also viel mehr, als wir, glaube ich, alle gedacht haben, dass entstehen könnte an so einem Wochenende. Und gleichzeitig war— wurde vieles aber auch erst nur angestoßen. Also wir haben nach dem Wochenende quasi— hatten wir eine Gruppe, eine Signalgruppe, oder haben wir auch immer noch eine Signalgruppe und sind da in Kontakt geblieben. Und dann haben Leute noch ihre Texte fertig geschrieben, ihre Bilder fertig gemacht, ihre Zeichnungen fertig gemalt und so. Und, wir haben dann so eine Google-Drive-Konto gehabt und da haben dann alle ihren Kram hochgeladen. Und, Lydia und ich haben dann schon ziemlich im Anschluss, noch im gleichen Sommer, eigentlich angefangen zu sortieren und zu überlegen, wie der Aufbau sein könnte von dem Zinegen. Und es haben sich dann halt so verschiedene Thematiken einfach rausgestellt durch was für Texte wir hatten, was für Zeichnungen und andere irgendwie Beiträge wir hatten, kam dann irgendwie schon— hat sich schnell rauskristallisiert, irgendwie was für Themen bespielt werden. Und zwar auch eine der irgendwie fast magischen Sachen, die passiert sind, dass wir irgendwie alle nur die Ansage hatten, wir wollen nicht mit diesem Sie nicht dünnen Leuten was erklären, was wir sonst immer machen, ne. Sonst immer erklären wir irgendwie, was ist Fettfeindlichkeit und wie schlimm ist das alles und warum solltet ihr euch dafür interessieren und so. Und dieses Mal wollten wir was für fette Leute machen. Also was für uns über uns quasi, und das war die einzige Vorgabe, und es war super krass zu sehen, wie viel ähnliche Themen wir aufgegriffen haben alle und wie krass das irgendwie zusammengepasst hat am Ende. Und dann gab es natürlich noch so Leerstellen, die noch auch geschrieben werden müssten, also Lydia hat dann die Einleitung zum Beispiel geschrieben zu allen 3 Kapiteln noch, wir beide haben noch Texte geschrieben bis zum letzten Tag eigentlich wirklich. Also wir haben noch in Barcelona, wir haben dann irgendwann— Wann waren wir nochmal in Barcelona? Also im Frühjahr waren wir dann in Barcelona und wollten, wollten mit Felipe zusammen das setzen. Also so der letzte Punkt, bevor es dann wirklich zum Print geht, also zum Druck geht. Und noch dort haben wir, während Felipe andere Sachen gesetzt hat, haben wir noch Texte geschrieben und übersetzt und so weiter. Also es war schon sehr so ein Hauruckaktion irgendwie, aber es war sehr schön. Also ich hatte super viel Spaß, wir haben super viel uns irgendwie krass beschäftigt, noch mal anders mit irgendwie den Thematiken, und es hat richtig Spaß gemacht, das zu gestalten, auch zusammen dann. Wir haben halt aber auch viel— also es war schon von Anfang an klar, oder Felipe und ich hatten so besprochen, es soll irgendwie 3 Teile geben und vielleicht soll es auch 3 Scenes geben. Es hat lange gebraucht, bis wir sozusagen da gelandet sind, zu sagen, wir machen das alles in einer Struktur. Und deswegen heißt das Ding jetzt auch Mega-Zine, weil es ja eigentlich Buch geworden ist, das irgendwie über 150 Seiten hat. Und diese Dreiteiligkeit war halt sozusagen schon klar, und es gab halt die Überlegung, dass wir sozusagen so Ästhetiken von Scenes und so Selfmade-Sachen gerne mit reinnehmen, auf jeden Fall mit reinnehmen wollen, obwohl das ja über das Format hinausgeht. Aber wir wollten dieses Do-it-yourself und auch den Anarchismus im Grunde gerne mit drin haben in der Ästhetik. Aber das ein bisschen mehr vergolden im Prinzip. Und diese Dreiteiligkeit, die halt in dem Zineen, also in dem Magazin mittlerweile halt ist: Art, Sex and Shame. Dann also Kunst, Sex und Scham, dann Wasser und Fett und dann Fett und Community. Das sind die drei Kapitel. Und das hat sich, wie gesagt, aus— wie Luise gerade erklärt hat— aus den Inhalten ergeben, weil das einfach die Sachen waren, die immer wieder aufgetaucht sind, weil das, was— also das, was sozusagen, finde ich, das— dieses Projekt so sehr auszeichnet, ist, dass es nicht nur um Trauma und Diskriminierung oder um Scham geht und auch nicht nur um Befreiung, sondern es geht halt um: Wie komme ich von da nach da? Es geht um die Thematisierung von Scham, weil Scham so ein wichtiges Element von Fettfeindlichkeit ist und ja von vielen Diskriminierungsformen, aber spezifisch haben wir das halt in Bezug auf Fettfeindlichkeit ausgelotet und die Frage halt für uns alle, glaube ich, war, wie sind wir überhaupt hier hingekommen? Also wie sind wir als fette Leute, als 5 fette Leute, die jetzt hier sitzen, die Leute geworden, die jetzt zusammen hier sitzen? Weil das etwas nicht ganz— also es ist ja nichts Normales, dass man Gruppen von fetten Leuten zusammensieht. Gar nicht, genau. Hört man nicht, weil fette Leute so oft vermeiden, zusammengesehen zu werden oder sich überhaupt zu assoziieren mit anderen fetten Leuten. Ja, oder wenn sie zusammenkommen, dann ist es oft, finde ich, schwer, so was wie Community herzustellen, weil das ja oft die Perspektiven auf, auf, auf dick sein, fett sein, auf was man, wie man vielleicht auch sich verhalten sollte, wie man sein sollte als dicker Mensch, weil die ja auch oft sehr unterschiedlich sind in solchen Gruppen. Also ich finde es immer wieder herzzerreißend, wenn ich auf andere dicke Menschen treffe und merke, also total nachvollziehbar— nachvollziehbarerweise, aber die sind auch so voll drin in diesem „Ich muss abnehmen und ich bin nicht gut." Und dann denke ich immer so, Ich kann das total verstehen, aber es ist so schwer, da dann eine Verbindung dann herzukriegen, weil ich das Gefühl habe, so, oh, ich weiß gar nicht, selbst irgendwann, wir reden unterschiedliche Sprachen dann fast schon, ne, so, und es ist so schwer, das dann auch zu erklären, dass man ganz anders darüber denken kann, und, und genau deswegen, und deswegen finde ich, also 5, 5 fette Menschen, die, die da ähnlich denken oder ähnliche Wege vielleicht auch hinter sich haben, ist tatsächlich, finde ich, sehr speziell, und also ich erlebe solche Räume eigentlich kaum. Und ich muss sagen, es ist halt auch sowas total Also es war auch für uns, glaube ich, alle was total Besonderes, weil es einfach— es gibt einfach wenig Räume für uns, also, und wenig Räume, die dann halt auch politisiert sind zu dem Thema, wo sich fette Leute, dicke fette Leute treffen und begegnen können. Und gleichzeitig ist Vereinzelung so ein Riesenthema in, in den Leben von dicken fetten Leuten. Wie du auch selbst gesagt hast, es ist halt auch, wenn man mit anderen dicken fetten Leuten zusammenkommt irgendwo, ist es nicht selbstverständlich, Dass wir das Gleiche wollen, dass wir den gleichen Blick haben auf Fatness, dass wir das als politisch betrachten und so weiter und so weiter. Dass überhaupt die Diskriminierung als solches erkannt oder benannt wird, ist nicht selbstverständlich. Und das lässt dicke fette Leute oft mit dieser Diskriminierungserfahrung und aber auch mit ihrem Wissensschatzding, die ja auch alle in sich tragen, ne, total allein. Und das macht es halt sehr schwierig, sich zu befreien von bestimmten Sachen. Befreiung Geht nicht ohne Community, davon bin ich überzeugt, und dafür braucht es eben Verbindung. Und das ist ja auch ein Teil von dem Zine, ist ja auch ein Versuch, diese Verbindung quasi zu vervielfältigen für andere Leute, dicke fette Leute, die das lesen und sich vielleicht wiedererkennen und merken, hey, da sind noch andere Leute auch, die so denken wie ich und die das auch so wahrnehmen und die sich auch Gedanken dazu machen. Also ich habe das auch— ihr habt das ja vorhin auch gesagt, ne, ihr habt das nicht für dünne Menschen geschrieben, um irgendwie Dinge zu erklären, sondern eben auch damit dickfette Menschen sich da durchaus auch wiederfinden können. Also mir hat es genau diesen Effekt auch gemacht. Ich halte es vielleicht mal in die Kamera, auch mit dem Cover, dass man Menschen, die— also für die, die es gerade nur hören, ich halte gerade das Cover rein. Kann man den ganzen Titel sehen? Ja, man kann den Titel sehen. Und es ist wirklich Buch. Also ich war wirklich erstaunt, als es hier ankam, weil es wirklich— ich habe so ein kleines Heftchen erwartet, also ein Zine halt, und es ist tatsächlich Buchgröße oder Buch— wie sagt man— Dicke? Breite? Ihr wisst, was ich meine. Seitenzahl von Buch. Genau. Buchbett, ne, genau, also es hat die Dicke, die Fette eines Buches, genau, und es hat aber eben gleichzeitig, hat es halt dieses Lockere. Vielleicht, ich versuche mal so ein paar Seiten durchzublättern, ohne jetzt vielleicht, also genau, was ihr auch gesagt habt, mein räumliches Denken haut mich gerade so raus, Moment. Ja, genau, hier sind eben auch so, also erstmal die Seiten sind nicht alle eine Farbe, dann gibt's eben auch so Zeichnungen drin, das finde ich total charmant. Ich finde das ganze Projekt total charmant, ich habe mich sehr, sehr gesehen gefühlt, also die Texte, aber auch, und dann ist zwischendrin dieser, dieser Bildteil, der einfach, also fantastische Bilder Und das ist, ich finde, das ist sehr verspielt und es hat was sehr Freies einfach, ne? Und gleichzeitig ist es unglaublich persönlich und sehr verletzlich an vielen Stellen. Aber es ist auch, also es ist aber eben auch nicht nur schwer, also so, sondern es ist wirklich alles. Und ich finde das fantastisch. Lydia, du wolltest gerade was sagen und ich habe dich gerade— Ach nix, sorry. Ich habe nur gesagt, auch viel Handschriftliches. Wir haben ja auch viele kleine Notizen mit reingenommen und irgendwie Sachen, die so einfach spontan on the way, also entstanden sind, kleine Gedanken und Snippets, die einfach so im Prozess waren, die sehr bewusst halt auch eine— finde ich zumindest, habe ich das mir so gewünscht— eine Offenheit irgendwie schaffen und irgendwie zeigen, okay, so, wir sind Menschen, die das gemacht haben. Das sind jetzt nicht irgendwie, ne, die Leute, vor denen man Angst hat, die ein Buch geschrieben haben, TM, sondern das sind Leute, die schreiben mal kurz krakelig eine Notiz irgendwohin Und ich finde, das ist auch was sehr Spezifisches an— zumindest erlebe ich das so— am Fet*er Community, dass ich sie als relativ nahbar erlebe und als sehr— also so, wenn ich das, ne, ich bin— alle Leute, die an dem Wochenende da waren, sind auch queer und das macht, hat glaube ich einen großen Unterschied gemacht, weil das auch noch ein verbindendes Element war und ich glaube, Ich kenne das aus zumindest Berlin queere Community sehr, dass da ne, dass es sehr hochschwellig ist oft und das ist für mich in Fat Community nicht so stark so und ich finde, das merkt man auch diesem Buch an, dass es halt ganz viel frisch von der Leber weg ist. Also so einfach erzählt, was geht hier gerade ab. Und ich finde, das macht es aber eben auch so, also das macht es auch so zugänglich halt, ne, und ich glaube, ich, ich habe eine Idee, glaube ich, was du mit hochschwellig meinen könntest. Gibt's ja auch gerne, ist ja generell ein Phänomen in linken Kreisen auch immer wieder, auch so, ne. Wenn Menschen jetzt an dem Punkt neugierig sind und sagen, oh, ich würde das gerne mal, mal suchen, ich würde es mir gerne kaufen, wo finden, wo finden Menschen das Sieben? Einerseits bei Black Mosquito, online kann man es bestellen in dem Shop, sonst aber auch, wir haben so einen Ko-fi-Shop, das ist K-O-F-I, am besten geht ihr da in die Shownotes, da findet ihr unseren Instagram-Kanal und auf unserem Instagram-Kanal findet ihr einen Link zu Ko-fi, aber vielleicht Vielleicht stellen wir auch den Kofi-Link einfach in die Shownotes schon rein, dann könnt ihr da auch direkt klicken und dann, mit Versand kostet's dann 20 €. Am Ende ist noch mal so ein Text, ne, also what is support, was ist Unterstützung, wo ich den Eindruck hatte, ihr wart in vielen Räumen, die, die sehr anstrengend waren, die sehr viel Kraft gekostet haben, mit vielen Menschen, die auch vielleicht gar nicht verstanden haben, also vielen dünnen Menschen, die nicht verstanden haben, worum es, worum es ging. Wie lange lief dieser Prozess, lief das alles parallel? Ja, und also das lief alles parallel. Wir haben halt parallel irgendwie Texte übersetzt. Wir hatten ja auch irgendwie nicht ne— irgendwie ein Budget für jemanden, der übersetzt. Das heißt, wir haben übersetzt auf Englisch. Lydia hat sehr viel übersetzt. Ich habe dann später auch noch einiges übersetzt, aber halt genau, es war— Gott sei Dank gibt es Übersetzungsmaschinen mittlerweile online. Es hat sehr geholfen. Dann kann man wenigstens grob schon mal das machen. Aber parallel ging es halt darum, Gelder zu finden und irgendwie Veranstaltungen Veranstaltung zu machen, um Gelder zu akquirieren. Also ein Großteil des Printgeldes, also des Druckgeldes, was wir brauchten, den allergrößten Teil haben Lydia und ich über, also über Honorare erwirtschaftet. Wir haben also Workshops gegeben und Lesungen und so weiter und haben die Honorare, die wir bekommen haben, genommen und halt in das Ding gesteckt, weil wir irgendwann einfach, naja, wir haben uns mit einer tollen Druckerei getroffen hier in Berlin, die irgendwie Lydia gefunden hatte und die so eine ebenso so realistische Druckerei hier ist und wir direkt das Gefühl hatten, hier ist es gut aufgehoben, auch das Material, weil ich meine, da sind eben auch Nacktfotos drin und so weiter und wir wollten irgendwie auch wissen, dass damit vernünftig umgegangen wird, irgendwie mit dem Material und gleichzeitig wollten wir natürlich auch gerne eine Druckerei unterstützen, die auch eben links— sich linksorientiert und auch irgendwie jetzt nicht ein große— ja, da irgendwie eine große Firma dranhängt oder so. Aber das hieß natürlich auch, dass der Druck teurer ist und wir wollten auch auf bestimmte Sachen einfach nicht verzichten, weil Naja, fette Leute so oft verzichten müssen, ne. Also wir müssen so oft irgendwie uns mit den Brotkrumen gut tun, ob das jetzt irgendwie unsere Themen sind oder irgendwie unsere Sichtbarkeit oder was auch immer. Es ist irgendwie immer so die— das letzte bisschen, wenn überhaupt was abfällt. Und wir wollten halt, dass diese tolle Arbeiten, die uns da ja auch anvertraut wurden irgendwie von den, von den tollen fetten Leuten, die daran mitgearbeitet haben, ja, in Gold gegossen werden können. Und das hieß aber auch, dass wir mal eben 5.000 € brauchten, und das ist halt einfach eine ganze Stange Geld, die man dann irgendwie zusammenknusern muss. Und ja, das war hin und wieder frustrierend. Lydia kann da auf jeden Fall auch bestimmt noch was zu sagen. Naja, einfach— ich glaube, ich— also ja, ich finde es aber wichtig, irgendwie zu sagen, es ist halt krass, dass wir sozusagen Anträge im Zinene von, wir stellen einen Antrag für eine Förderung, das hat alles nicht funktioniert. Sobald sozusagen das Thema klar war. Ich glaube, es war halt eine krasse Erfahrung, sozusagen das alles mit unserer eigenen Arbeit erwirtschaften zu müssen und dann immer noch gesagt zu— also sozusagen oft den Eindruck zu bekommen, wir schenken euch dieses Geld jetzt, obwohl wir halt krass viel Bildungsarbeit dafür gemacht haben. Aber ich will gar nicht so sehr in den Frust darüber reingehen, weil das— ja, Luis guckt so. Aber ja, weil es auch halt viel Spaß gemacht hat, finde ich. Dann lass uns doch tatsächlich mal vom Frust weggehen auf so ein paar inhaltliche Sachen. Ich finde alles inhaltlich toll, was ich, was ich bis jetzt gelesen habe und eben auch gesehen habe. Also es ist ja auch nicht nur zum Lesen, es ist auch zum Angucken. Und ich habe gerade gedacht, ich habe Fragen zu so zwei Artikeln von euch, aber ihr habt vorhin auch was Spannendes gesagt und da würde ich gerne noch mal hinschauen. Ihr habt gesagt, also diese fünf fetten Menschen, die da eben dann da zusammengekommen sind, da gab es auch so Überschneidungen, Ähnlichkeiten auch in diesen Wegen, in diesen Prozessen. Und ich frage euch nachher noch nach eurem speziellen Weg. Aber mich würde interessieren an der Stelle, was sind denn so aus dem, aus dem, aus eurer Erinnerung raus so Gemeinsamkeiten von diesen Wegen? Was gab es so? Was waren vielleicht so Momente, Meilensteine, die es bei vielen Menschen gab? Ich denke, dass es, dass das eine Einstellungssache ist, in der Art und Weise. Es gibt objektive Ähnlichkeiten und Dinge, die wir gemeinsam hatten. Wir sind alle queer. Und wir sind alle dickfett, so, also wir waren jetzt— da waren auch sozusagen nicht, Luise, du hast das irgendwann mal am Anfang zu mir gesagt, dass du dich freust, dass ich halt nur fette Leute eingeladen habe. Also so im Zinene von, ich habe schon bewusst auch Leute eingeladen, die jetzt nicht small fat sind. Aber es ist auch ein Ding von dieses ganze, ich weiß nicht, also So, es ist ein bisschen schwierig, weil so, es wie gesagt kommt auch darauf an, wie man sieht, ne. Wir sind uns irgendwie super ähnlich in manchen Sachen, aber dadurch, dass irgendwie Fred zum Beispiel läuft mit Gehstock und ist, eine behinderte Person und hat halt— und sozusagen für mich war es voll das wichtige Ding, nicht, oh, ich habe eine behinderte Person eingeladen zu machen, sondern Fred konkret zu fragen: Was sind denn deine— also ich will dich super gerne dabei haben, was sind denn deine Bedürfnisse? Was brauchst du, um irgendwie gut da sein zu können? Oder, Fupa Magic als einzige schwarze Person in der Gruppe irgendwie konkret zu fragen: Bist du damit fein? Was sind für dich irgendwie Sachen, die du brauchst? Und das aber halt nicht in so einem Zinene von: Ich mache eine möglichst diverse Gruppe, sondern ich habe irgendwie Mir war das total wichtig, einfach die Leute einzuladen, die ich einladen wollte, und halt nicht so nen, eben, Ding zu machen von: Und jetzt haben alle ihre Spezialbedürfnisse, die ganz besonders sind, und alle müssen ihre Extrawurst kriegen oder was auch immer. Sondern wenn halt irgendwie was aufgekommen ist, Unzufriedenheiten, Dinge, die irgendwie blöd gelaufen sind, oder die— weil es auch, ne, auch Frust gab an dem Wochenende. Wir haben auch voll viel gemacht. Und wir haben die ganze Zeit auch gekocht miteinander und irgendwie Essen für alle gemacht. Und ich glaube, sozusagen eine Sache, die ich auch oder die wir beide oder alle irgendwie gesehen haben, ist auch Konflikt darf sein und es darf sein, dass wir das sozusagen eben nicht wir alle das Gleiche wollen und das Gleiche brauchen. So, und das ist in Ordnung. Und erst da drüber, dass das da sein darf, kann es überhaupt irgendwie Harmonie geben in dieser Gruppe. Darf ich da kurz einhaken? Ja. Und, und das bringt uns teilweise sogar auch näher. Also quasi, was Lydia vorher gemacht hat, was super wertvoll war, glaube ich, für— als wir dann da waren alle, war, dass Lydia krass viel Beziehungsarbeit gemacht hat mit jeder einzelnen Person von uns, indem Lydia halt quasi Leute eingeladen hat, aber dann auch halt viele irgendwie Telefonate noch geführt hat mit Leuten, mit Leuten gesprochen hat darüber, was brauchst du, aber auch Was sind die Erwartungen, ne? Wenn man jetzt irgendwie eingeladen wird für sowas, dann ist natürlich auch irgendwie— ich soll jetzt an dem Wochenende irgendwas kreieren und irgendwie hängen da so hohe Erwartungen dran, ja, was Leute, inklusive mir, by the way, irgendwie denken, was jetzt von ihnen gefordert ist. Und das auch wieder irgendwie runterzuregeln und damit Leuten irgendwie in Beziehungsarbeit zu gehen und zu sagen, hey, es gibt basically keine Erwartungen. Wir kommen zusammen, wir gucken, was bei rumkommt, wir müssen am Ende maximal irgendwas für dieses Goethe- Institut abgeben, das können wir auch irgendwie zusammenschustern und dann schicken wir da irgendwie 10 Seiten hin, dann ist es auch fein. aber wir wollen vor allem irgendwie zusammen in Prozess gehen, zu gucken, was sind denn die Geschichten, die wir erzählen wollen. Aber das wirklich so vorzubereiten, dass Leute das glauben und dann dementsprechend auch entspannt da sein können, ist überhaupt nicht einfach. Und das ist super viel Beziehungs— und einfach Community-Arbeit, die vorher schon von Lydia da eingeflossen ist und die super wertvoll war, weil das war, worauf wir alle dann stehen konnten. Also das Gefühl, wir sind alle hier gewollt, es ist egal, was wir leisten, wir müssen hier nichts leisten, wir sind vor allem da, um irgendwie und gegenseitig in Kontakt zu gehen, aus der Vereinzelung raus eben in irgendwie ein Kontakt miteinander. Das hat das ganze Wochenende halt geprägt und wie das gelaufen ist, das geprägt. Und in— wenn man so eine Vertrauensbasis schon geschaffen hat, wie Lydia das eben geschafft hat, wir haben uns ja alle nicht unbedingt untereinander gekannt, Manche von uns haben uns gekannt, manche gar nicht, manche nur lose, aber dadurch, dass wir alle so ein Vertrauensverhältnis schon zu Lydia hatten, war es eben möglich, auch dass Konflikt eben eine Möglichkeit ist, sich näher zu kommen, weil man eben versteht: Hey, hier ist irgendwie eine Grenze für dich. Warum ist die da? Wie können wir jetzt damit weiter umgehen? Das macht ja auch Nähe. Man lernt Leute noch mal anders kennen in solchen Situationen und ich, also, ich glaube, das war ganz ganz wertvoll, dass diese, diese Communityarbeit da vorher reingeflossen ist. Und ich glaube, das ist was, was viel zu wenig, wo viel zu wenig drüber geredet wird und viel zu wenig irgendwie Anerkennung erfährt. Und wofür ich, also was für mich ein krasser Aha-Moment war, mit Lydia zusammenzuarbeiten, wie wichtig diese quasi Gespräche sind und dieses wirklich Beziehungsaufbau-Miteinander-Machen. Ja, ich habe gerade gedacht, das ist ja auch so— ich habe gerade— das ist sehr assoziativ gerade, aber es gibt ja so einen Ansatz, Art of Hosting heißt das, glaube ich. Also überhaupt diese Idee von so Gastgeber, Gastgeber*innen sein und dass irgendjemand sich auch diesen Hut aufsetzt. Und ich meine, wir reden immer viel von sicheren Räumen, aber ich finde auch, dass das oft zu kurz kommt, was es eigentlich dafür dann eben braucht. Dann auch, ne, und dass das wirklich was Besonderes ist, wenn, wenn sowas dann auch entsteht. Über zwei Texte würde ich euch gerne fragen, also Texte, die jeweils eine von euch geschrieben hat. Das eine ist Luisa, ich fange mal mit dir an. Ja, also ich finde generell das ganze Scene toll und die Bilderstrecke ist auch extrem beeindruckend. Also ich finde, die hat so was ganz, ganz Freies, Leichtes. Ich kriege auch so Sehnsucht nach Sommer. Das ist einfach— also ich kann ja spoilern, da seid ihr irgendwie alle im See. Also ihr seid irgendwie baden, man sieht eure Körper, ihr seid da in unterschiedlichsten Zusammensetzungen von Menschen auf diesen Bildern und die Bilder sind super schön. Und du hast dann— also das ist diese, diese Bilderstrecke ist gerahmt von zwei Texten, also einerseits von diesem Text Fat Gays, dazu würde ich gleich noch Lydia was fragen, Das andere ist aber der Text, dieses Showing myself. Ja, und ich, ich habe gar keine, gar nicht so eine richtig knackige Frage dazu, aber ich erzähle dir mal so, was bei mir im Kopf passiert ist, als ich das gelesen habe. Also ich habe mich bei vielen Sachen wiedergefunden und auch da noch mal, du beschreibst in dem Text einfach auch so diesen, diesen Kontrast zwischen der Situation des Fotografiertwerdens. Also da hast du dich, wenn ich mich richtig erinnere, sehr frei gefühlt. Es hat sich gut angefühlt. Und dann beschreibst du aber auch, wie du dann auf diese Fotos schaust und was du dann so wahrnimmst. Nimmst. Und das ist dann eher so, ne, wieder dieses, ja, so wie viele von uns, glaube ich, gewohnt sind, auf Fotos zu schauen und dann sofort so auch auf unsere Körper so wie so reinzuzoomen halt, ne, und dann sofort so Dinge zu sehen, zu bewerten, uns abzuwerten, unseren Körper abzuwerten. Und ich habe gedacht, ich kenne das auch total gut. Also ich bin, bin oft bei Fotos hinterher überrascht, weil die gar nicht, also das, wo ich da so reinzoome, gar nicht zu dem passt, wie ich mich gefühlt habe in der Situation, wo das Foto gemacht wurde. Und das irritiert mich immer wieder sehr, weil ich so dachte, so hä, aber ich habe mich da ganz anders wahrgenommen. Oder generell, ich sehe mich auch anders, auch im Spiegel zum Beispiel auch oft, als ich auf Fotos aussehe. Und diesen Kontrast fand ich total spannend, wie du den beschrieben hast, und würde einfach gerne noch mal so von dir wissen, auch, ja, wie, wie bist du damit umgegangen, auch dass du dann am Ende wirklich da gelandet bist zu sagen, hey, ich gucke jetzt hier erstmal zwar drauf und fall vielleicht auch in so klassische Bewertung rein, aber am Ende erscheinen diese Fotos und werden veröffentlicht, ne. Also, weil hätte ja auch eine klassische Reaktion sein können zu sagen, ich will nicht, dass die rauskommen. Wie war der Prozess, dass du dann— dass die am Ende da wirklich auch drin sind? Ich finde, die sind super schön, die Fotos, aber dass sie da auch wirklich drin sind am Ende. Ja, also es war, ja, es war ein Prozess. Ich, es gab glaube ich so eine Zweiteilung für mich. Also die Fotos im See selbst, also die mit den Seerosen und so weiter, die sind mir ehrlich gesagt gar nicht schwer gefallen. Die, fand ich von Anfang an sehr, sehr schön, sehr sinnlich irgendwie, sehr leicht, genau, und irgendwie auch mich selbst auch quasi so, wo man ja so meine, meine Bauchröllchen alle sieht und so. Ich finde, die sehen so schön aus, wie die da liegen, dass ich damit gar nicht so ein Problem hatte. Die anderen Fotos sind ja die, die nennen wir Nymphenfotos, weil die sind ja die, die sind eher, die sind noch mal nicht an dem Wochenende entstanden, sondern als Lydia und ich zusammen spazieren waren in einem Wald bei, in der Nähe von, wo Lydia halt aufgewachsen ist. Und das war so eine Spontanaktion, ja. Ich habe diesen Felsen gesehen und gedacht, da könnte man super gut irgendwie Nymphe drauf sein und da hätte man noch gute Fotos machen können. Habe ich so Lydia gesagt und dann war Lydia so, ja, mach doch. Und dann habe ich das— hab mich halt ausgezogen und hab das gemacht dort. Und ich habe mich super toll gefühlt, aber dann, als ich die Fotos gesehen habe, haben sie mir gar nicht gefallen. Und ich habe sowieso so eine Regel für mich selbst, dass ich die meisten Fotos, Fotos, die von mir gemacht werden, gucke ich mir nicht sofort an, weil ich das Gefühl habe, ich will da— ich will bei dem Gefühl noch bleiben. Ich habe diesen Effekt, den du da erzählst, auch so oft gehabt und ich— manchmal schwebt man ja so eigentlich danach. Man hat sich schön gefühlt, man hat sich gesehen gefühlt und gut gefühlt und man ist eigentlich total happy damit. Und dann kommt das Foto und macht es direkt komplett kaputt. Und ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ich ein bisschen warte, mit mir die Fotos angucken, bin ich— ist der Kontrast nicht mehr so hart. Zwischen dem, was ich gefühlt habe, und dem, was ich dann sehe. Sondern ich kann dann, wenn ich ein bisschen mehr aus dem Gefühl wieder raus bin, das auch ein bisschen— ist die Landung nicht so heftig, und dann kann ich die Fotos oft besser annehmen. Und die habe ich mir auch nicht sofort angeguckt, und trotzdem sind mir, sind mir schwergefallen nachher, als ich sie gesehen habe. Alle Leute sagen, dass sie die total toll finden. Ist auch sowas, was sehr oft immer passiert, ne? Und ich finde sie ganz— der Klassiker, ja. Auch schwierig, da irgendwie was schön zu finden. Also ich— aber dass ich sie veröffentlichen will, war eigentlich für mich sofort klar, weil genau deshalb eigentlich, weil ich das Gefühl habe, was Lydia da geschrieben hat, fett gays, du wirst ja gleich noch— werd ja gleich noch drüber reden, ist ja ein ganz toller, ganz toller, wirklich für mich auch irgendwie Basistext, ja, wenn wir über so fette Ikonographie sprechen. Wenn wir darüber sprechen, dann— oder darüber gesprochen haben, habe ich auch darüber nachgedacht, was ist denn fette Ikonographie? Darüber haben wir viel gesprochen auch. Gibt es fette Ikonographie? Fette Ikonographie ist halt super negativ besetzt. Wie kann ne positive fette Ikonographie aussehen, an der wir uns orientieren können? Wir machen die gerade irgendwie als fett Community. Und mein Problem damit ist, dass die, zumindest die so so weitgehend bekannt ist, auch sehr, wieder sehr eng ist. Also es ist wieder sehr an einem dünnen Ideal eigentlich orientiert. Es tauchen vor allem small fat people auf, es tauchen vor allem— Entschuldigung, ich wollte sagen, sehr heterosexuell irgendwie auch, ne. Also es ist alles auf viele Arten sehr eng, alles sind gefühlt fast alle weiß auch, ja. Genau, und es sind aber auch sehr viele irgendwie bestimmte Posen, bestimmte irgendwie Blicke, bestimmte Themen und so weiter, die bespielt werden, und bestimmte Winkel auch, die bespielt werden. Und, das sind eben in diesen Fotos sind das eben nicht die Winkel, die ich normalerweise für mich wählen würde, geworden. Und ich glaube, es ist voll wichtig, dass wir mehr fette Ikonographie haben, die fette Körper wirklich zeigt, und sie zeigt in einem— in der Anerkennung, dass sie fett sind und dass das Dinge bedeutet, dass das bedeutet, dass halt mein Bauch hängt und dass das bedeutet, dass meine Brüste irgendwie anders liegen als bei dünnen Leuten, wenn ich liege, und, das bedeutet irgendwie, dass ich dicke Arme habe und dass da irgendwie der Speck an der Seite rauskommt und dass wir Doppelkinn haben und Und all das eben bedeutet es, fett zu sein, und das gehört alles zu fetten Körpern dazu, und ich will nicht das verstecken. Ich will nicht Teil von der Ikonographie sein, die dann wieder innerhalb unserer Community so viel Druck aufbaut. Und gleichzeitig will ich auch, dass Leute das angucken müssen. Also, hört sich ein bisschen hart an, aber ich will, dass Leute— Ich will mich selbst nicht mehr da verstecken, ich will mich selbst nicht mehr nur irgendwie im besten Licht, in der besten— im besten Winkel und so weiter darstellen. Und ich will auch nicht mehr selbst dafür verantwortlich sein, das zu verstecken und es mein Körper verdaulich zu machen für andere. Und das schreibe ich ja auch ein bisschen im Text. Ich will, dass wir alle zusammen meinen Körper tragen in dieser Hässlichkeit, die er eben auch hat, ja. Und damit meine— wirklich jetzt gar nicht wertend Hässlichkeit, sondern das, was Gesellschaft, mit Hässlichkeit meint und damit eben alle nicht normschön Körper im Grunde genommen. Und ich glaube, wir kommen da nicht raus, ja, aus der Nummer, ohne dass wir das gemeinsam angucken und das gemeinsam liebgewinnen und das gemeinsam irgendwie tragen und gemeinsam wertschätzen und gemeinsam sagen, was Hässlichkeit eigentlich ist, nämlich ein Zeichen für Unterdrückung. Ja, das, die Wendung fand ich in dem Text auch total schön, oder Wendung, oder diesen, diesen Bogen, den nicht mal Bogenschlangen. Also genau wie du es gesagt hast, du sagst das eben auch, ich veröffentliche die auch gerade, ne, weil damit wir es dann eben auch zusammentragen. Und das fand ich so schön, diese Idee von, also eben gar nicht so dieses, diesen Weg zu gehen von, oh, ich kann die nicht so gut angucken, oder wenn ich angucke, passieren bestimmte Sachen, also veröffentliche ich sie nicht, sondern ich veröffentliche sie gerade, ne, damit wir das irgendwie zusammen auch auch trage. Und ich lege das irgendwie auch auf mehr Schultern, hatte ich so ein Bild beim Lesen und habe gedacht, ach, wie cool. Also auch was für eine coole Gegenstrategie eben zu dem, was, was wir sonst oft machen mit Bildern, die erstmal jetzt nicht nur so, so Wohlbefinden auslösen, oder— Ich habe gerade noch gedacht, als du erzählt hast, ich hatte die ganze Zeit diesen, diesen Begriff unvorteilhaft im Kopf, oder eben, also das ist, ne, und ich habe gestern, hatte ich auch ein Interview für den Podcast geführt, und da hatten wir kurz über diesen über dieses Wort kaschieren gesprochen, obwohl das ein schreckliches Wort ist. Und ich finde, es gibt halt genauso wie es bei Kleidung, ne, gibt es diese Idee von— also da gibt es ja auch sehr enge Vorstellungen, was dickfette Menschen tragen können. Und da gibt es eben diese Idee von kaschieren, die, wo es manchmal auch nicht möglich ist, zum Beispiel mit Verkäufer:innen über diese Idee hinauszukommen oder sich dazu verständigen, eben das, das gerade, wenn einem das gar nicht wichtig ist, und man vielleicht sogar im Gegenteil, wenn man Dinge vielleicht sogar betonen will, die man so— ihr wisst, was ich meine. Und ich habe gerade gedacht, bei Fotos ist es gibt es echt diese Parallele, auch dass wir so alle darauf trainiert sind, immer möglichst vorteilhaft aussehen zu wollen. Und das ist das— und ich finde eure Fotos, also ich finde die wunderschön, aber das stimmt, es sind nicht die klassischen Posen, wo man dann eben auch, was weiß ich, von oben und wo man bestimmte Dinge vielleicht dann auch wieder kaschiert oder eben nicht, nicht zeigt oder weniger zeigt. Und dass das so schwer ist, aus diesen Sachen über diese Dinge drüber hinauszudenken, das ist echt faszinierend halt, ne, dass es kaum möglich ist. Aber Finde ich noch mal gut so als Rahmung auch oder als Brille für, fürs Anschauen dieser, dieser Fotos. Und dass es ja wirklich darum geht, auch Sehgewohnheiten zu ändern. Und damit komme ich zu dir, Lydia, zu den Sehgewohnheiten ändern. Ich fand, ich fand den Begriff Fat Gaze total schön. Also der ist einfach ja so, so schön knackig. Würdest du einfach— also ich glaube, die meisten Menschen kennen den Begriff Male Gaze zum Beispiel. Kannst du vielleicht einfach noch mal so kurz beschreiben? Es kam gerade bei Luise schon so ein bisschen raus, was, was der Fettgaze ist. Also ich würde vielleicht damit anfangen, was ich jetzt die ganze Zeit noch gedacht habe, während Luise geredet hat, ist— es gab einfach auch eine Absprache zwischen uns als Gruppe, dass wir das gemeinsam tragen. Also ich hasse mich auf Fotos meistens und ich mag keins der Fotos von mir. aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass auch von den anderen da Fotos drin sind, die sie schwer zu tragen finden. Und dass es ein solidarischer Akt ist zu sagen, wir machen das trotzdem. Und zwar, indem wir uns gegenseitig sozusagen sagen, dass wir uns wertschätzen und schön finden in den Bildern, was auch immer. Oder sagen, dass wir unsere Hässlichkeiten akzeptieren können. Ich glaube, ich bin— also ich habe auch gar nicht so ein Yay-Verhältnis zu: Wir müssen uns alle die ganze Zeit schön finden. Luise hat mir das irgendwann vor ein paar Monaten mal offiziell erlaubt, sozusagen fette Leute auch mal nicht schön zu finden. Also das sich zu erlauben und auch sie manchmal nicht schön zu finden, so. Also, so, weil es diese Momente gibt in unseren Sehgewohnheiten, in der Struktur, wie wir fette Leute sehen, die einfach so stark geprägt sind von krass diskriminierenden Darstellungen von fetten Leuten, dass niemand, glaube ich, von sich selbst erwarten kann, das einfach mit einem Schlag alles rauszuschmeißen. Die ganzen negativ— Implikationen, die irgendwie— das hat, wie fette Leute laufen, wie fette Leute— also alles Mögliche, ganz viele Bewegungsabläufe, die irgendwie sozusagen als Makel interpretiert werden in, in einem Mainstream von Segelgrundhalten. So, dass es das gibt, das erstmal zu akzeptieren, finde ich, ist schon mal ein super wichtiger Punkt. Und was Luise gerade gesagt hat, halt Hässlichkeit, als ein Zeichen von Unterdrückung zu verstehen. Das ist was, das sich für mich erst in unseren Gesprächen darüber so entwickelt hat, das zu begreifen, auch emotional zu begreifen. Dann steht dahinter natürlich auch zum Beispiel, dass seit wir angefangen haben, ne, zu daten, irgendwie noch mal so dieses— die Frage, wie sozusagen sitze ich als fette Person, wenn ich mit jemandem zusammen bin, also mit irgendjemand anders zusammen bin, aber auch wenn ich auf dem Date bin, sozusagen, wie versuche ich mich vorteilhaft zu zeigen und so weiter. Also sind alles so Gedanken, die da im Hintergrund waren. Und der Fat Gays-Begriff kam eigentlich daher, dass wir— Pupa Magic hatte uns eingeladen, nach Wien zu kommen zu einem Panel, das— oder ein ganzes Wochenende, das Menschda organisiert hatte mit ganz vielen sehr coolen Leuten. Der Punkt war jedenfalls, wir saßen dann im Endeffekt irgendwie in dem Friseursalon von, Ina Holup rum und haben irgendwie miteinander über Fettnis und Pornografie gequatscht. Verschiedene Gruppen, die sich jetzt so zu verschiedenen Sachen ausgetauscht haben, und wir haben halt über das Thema geredet, und, Puppenmagic ist dann irgendwann halt mit dieser Idee des Fat Gays— hat einfach nur diesen Begriff einmal gedroppt, und ich war so— wir hatten da dann keine Zeit für, aber ich war so, wir müssen an diesem Konzept mal noch irgendwie arbeiten, weil ich das super spannend finde und ja auch Medienwissenschaften studiert habe. Insofern war ich sofort sofort sehr so, hmm, interessant, lass uns ein Essay dazu schreiben. Aber weil ich nicht mehr an der Uni arbeite und irgendwie— ich wollte dann eher einen aktivistischen Text eigentlich darüber schreiben, und das ist dieser Text auch geworden, aber halt informiert von auch einer medienwissenschaftlichen Denke, weil es halt, finde ich, darum geht, nicht eben gegen— das hat Luise vorhin auch schon gesagt— nicht gegen fette Körper zu schauen, also sozusagen, sondern das zu sehen, was wirklich fette Körper sind und nicht die ganze Zeit darüber nachzudenken, wie würde, würde dieser Körper in dünn aussehen, wie würde der Körper aussehen, wenn er, wenn jetzt nicht irgendwie der Bauch über die Beine fallen würde, so, sondern erstmal das zuzulassen, dass ein fetter Körper eben nicht ein dünner Körper ist, und dass ich auch nicht versuchen will, den dünnen Körper da drin zu sehen. Und ich glaube, das ist so der Kern eigentlich dieser Idee, ist, dass das ein Prozess ist, nen fetten Blick zu entwickeln, und dass dieser Prozess einer ist, der mit ganz vielen anderen Praxen und Community verknüpft ist, ist und aber auch der— und das finde, fand ich, oder finde ich immer noch eine ganz wichtige Erkenntnis— ein sehr synästhetischer Blick ist, also der mit allen anderen Zinenen verknüpft ist. Also dass der Sehsinn gerade, was fette Körper betrifft, eigentlich paradoxerweise, möchte ich fast sagen, sich hinten anstellen muss. Also weil wenn wir einen fetten Körper sehen oder wenn ich einen fetten Körper sehe, sofort irgendwie da auch eine Haptik und ne, und ne hoch und ganz viele andere Zinenlichkeiten mit verknüpft sind. Und ich finde, das ist auch was, das man— das zumindest ich lernen kann, daran fette Körper zu beobachten, meine sozusagen Zineneswahrnehmung mehr miteinander zu verbinden. Das ist jetzt irgendwie ein großes Ding, das zu sagen, und ich könnte da jetzt theoretisch und praktisch ganz, ganz lange drüber reden, aber ich finde erstmal sozusagen ist diese Idee total spannend für mich, dass oft Leute zum Beispiel zu mir gesagt haben, du fühlst dich ganz anders an, als du aussiehst. Und ich finde, das ist interessant, weil so Leute dann irgendwie positiv überrascht sind davon, wie sich mein Körper anfühlt, zum Beispiel. Und so, und halt damit mir eigentlich auch sagen, es gibt eine Inkongruenz zwischen der wahrgenommenen Hässlichkeit, zum Beispiel deiner Fettnuss, und dazwischen, wie, wie mir das aufstößt. Aber dann fasse ich dich an und ist alles ganz weich und so soft und ach, irgendwie ist das so angenehm und blablabla. So, und ich finde das interessant deswegen, weil das uns auf zwei Kernsachen von, von Fettfeindlichkeit eigentlich hinweist, ja auch, die halt sind, ne, man unterstellt erstmal Hässlichkeit und dann ist da aber auch so ein, oh, aber es ist so weich und es ist irgendwie auch so feminin und so und lauter solchen Sachen. Aber egal, Ja, das— mir ging es erst mal darum zu sagen, es gäbe, es gibt einen möglichen Prozess, wie wir fette Körper anders sehen lernen können, der diese Ideen aufweicht. Ja, ich habe gerade so zwei Dinge gedacht. Das eine ist, ich glaube, ich würde, ich würde es für mich sogar ergänzen. Also es gibt und da gibt nicht nur diese Unterstellung von Hässlichkeit. Ich finde, es gibt auch eine Unterstellung von, von eklig sein. Ja, also ich finde das, und ich glaube, das ist auch Teil dieses, dieses Erstaunens von, oh, dein Körper fühlt sich ganz anders an, als ich jetzt vielleicht gedacht hätte, ne? Weil glaube ich, Menschen zum Teil erwarten, dass sie sich ekeln würden oder dass es sich irgendwie ekelhaft anfühlt. Also ich finde, das Thema Ekel ist— wird irgendwie immer wieder in Verbindung mit, mit fett sein, dick sein gedacht. Also das wäre für mich dann noch mit drin. Und das andere habe ich gerade gedacht, ich finde, das ist so, das klingt so einfach, ja, dieses, dieses, Also dickfette Körper als, als erst mal so, so zu sehen, wie sie sind, als dicke, fette Körper. Und gleichzeitig habe ich gedacht, ja, es ist überhaupt nicht einfach. Also ich finde, da ist wirklich was ganz Radikales drin und ich finde das total schön, diese Idee vom, vom Fat Gaze, weil unsere Körper ja immer so als Übergangskörper oder als so, ja, also genau so gesehen werden im Zinene von, stimmt eigentlich, ist immer klar, wenn man so ein— oder für die Mehrheit der Menschen ist klar, wenn man so einen Körper hat, so einen dickfetten Körper, dann ist man immer auf dem Weg zurück eigentlich. Vermeintlich auf dem Weg zurück, ne. In so— es gibt so eine Fantasie von, da gibt's einen dünnen Körper, zu dem man so zurückkehrt, auch wenn es ja sogar viele dickfette Menschen gibt, für die es diesen dünnen Körper gar nie gab oder so, ne. Also mich gab es nie in dünn, zum Beispiel. Ich weiß nicht, wie ich aussehen würde, wenn ich, wenn ich dünn wäre. Aber das ist tatsächlich so diese Fantasie, dass wir da immer wieder hin zurückkehren und deswegen, ja, dass wir so als Übergang gesehen werden oder als irgendwie misslungenes Projekt oder so und gar nicht als— stimmt— als dickfetter Körper so an sich. Das finde ich total gut auf den Punkt gebracht. Und es ist so, so, der ist wirklich sehr radikal, ne, also weil das ja auch diese Fantasien dann sofort außen vor lässt von, man, dieser Körper, also natürlich verändern sich alle Körper auch einfach über Altern, über Krankheit, aber eben nicht unbedingt in Richtung dünn sein. Ich glaube auch, dass es halt, also das ist auch so eins von den Themen, was sich so ein bisschen durchs Zinen zieht, wenn man aufmerksam liest, merkt man, dass an einigen Stellen, schreiben Leute dort, ich, Lydia, aber auch die anderen, von irgendwie anderen sind, die wichtig waren und sind für sie. Also ob das jetzt irgendwie beim Sex ist, halt nicht irgendwie performen zu müssen, nicht den Sehsinn so zentral zu stellen, sondern mehr ins Fühlen zu gehen, oder das zu sich Zurückkommen im Körper, indem man halt fühlt, dass man in diesem Körper gerade ist und dass man in diesem Körper gerade sich gut fühlen will und so. Das sind ja immer Praxen, glaube ich, die viele fette Leute eigentlich haben, die sie irgendwie kritisch mit ihrer Fettnuss auseinandersetzen oder mit Fettfeindlichkeit auseinandersetzen, aber die selten irgendwie so besprochen werden, als dass Sehsinn halt wirklich ein, eine schwierige— wirklich so ein bisschen, ist ein bisschen der Endgegner für sich daraus zu befreien, weil das eben auch nicht geht allein. Es geht gesamtgesellschaftlich nur. Das sehen wir daran, wie sich so, wer ist dick und wer ist nicht dick, quasi verschiebt, immer mal über die Jahre, ne. das geht gesamtgesellschaftlich, aber das geht nicht allein. Aber was geht und was fette Leute, glaube ich, machen, ohne sich oft darüber bewusst zu sein, ist eben mit anderen Zinenen sich ihrem Fett zu nähern. Und nicht nur ihrem Fett, sondern auch Fett von anderen fetten Leuten. Also ich glaube, Das Beste, was ich jemals für mich gemacht habe, für meine Befreiung, war, mich mit anderen fetten Leuten zu verbinden. Also wirklich fette Freund*innenschaften zu haben, mit fetten Leuten in Beziehung zu sein, in Liebesbeziehungen, in Beziehungen, in denen wir Sex haben, weil es amazing, was andere fette Leute an einem schön finden. Also wirklich, das ist nicht— also wenn ich so daran denke, was, das noch mal irgendwie für mein für mein Selbstbild, Selbstbewusstsein, aber auch für meine Zinenlichkeit getan hat. Mit Lydia irgendwie zusammen zu sein und mit Lydia Sex haben zu dürfen, ja, ist extrem viel, weil es sind Teile von meinem Körper, Teil unseres Sexlebens, die ich nie gedacht hätte, die es wären. Und ich glaube, andersrum auch. Und wir haben darüber auch viel geredet, dass halt irgendwie sich dem hingeben zu dürfen, Und irgendwie dahingucken zu dürfen und wirklich beieinander sein zu dürfen mit den Körpern, die wir haben, ist überhaupt gar keine Selbstverständlichkeit, aber macht so viele Türen auf, seinem eigenen Körper auch anders zu begegnen, und das ist einfach fantastisch. Also das ist wirklich, glaube ich, auch eine der ganz großen roten Linien im Zinenes, dass Community alles ist. Wenn wir Befreiung wollen, dann geht es nicht ohne einander. Ich würde sagen, das, das nehme ich jetzt einfach als Schlusswort zum Zinegen. Das ist so perfekt gerade. Ich will nur einmal kurz das Bild gezeigt haben. Ja, genau. Da drunter sitzen. Hier, Lydia hat das ja noch mal gemalt als Gemälde. Ach, das ist wirklich, das ist kein Zufall, dass das noch mal so was— so, so— nee. Genau, und das hat sie mir quasi gemalt für über mein Sofa. Auch die Farben sind ja genau— ja. Und die ganze Zeit unter dem Zeugnis von all diesen Prozessen. Großartig. Also ich möchte noch mal sagen, für die, die den, den, den Podcast gerade nur hören, es lohnt sich wirklich, die Videoversion anzuschauen, weil das Bild ist wirklich auch noch mal fantastisch. Von daher das noch mal als Anreiz, dann auf YouTube zu gehen und sich das Video anzuschauen. Wir machen einen Cut unter dem Seen und sagen noch mal, die ganzen Links, wie man das kriegen kann, sind in den Shownotes. Und es ist tatsächlich fantastisch. Also es lohnt sich auf jeden Fall. Und in dem Scene kann man auch noch mal sehen, wer die anderen Beteiligten waren. Wir haben jetzt gar nicht groß— ihr habt ein paar Namen genannt, wir haben auch— Hovo wurde auch schon genannt, aber es sind ja noch ein paar Menschen, glaube ich, mehr, die gerade noch nicht auftauchen. Das heißt, auch das lässt sich im Scene noch mal finden, auch mit so kleinen Zeichnungen. Genau. Ja, aber wenn ich noch einen, einen einzelnen Satz dazu sagen darf. Als wir das Inhaltsverzeichnis, als es dann fertig war, angeguckt haben, saßen wir beide da und waren so, was hätten wir darum gegeben, wenn wir das selber vor 3 Jahren in der Hand gehabt hätten. Also so, es war glaube ich uns selber noch mal so ein inneres Blumenpflücken irgendwie zu merken, okay, wir haben da was geschaffen, was für uns selber unglaublich wertvoll gewesen wäre, wenn wir unsere eigenen sozusagen jüngeren Selbste gewesen wären. Und wir würden es gerne noch mal machen und das ist auch schon in Planung, dass wir es noch mal machen. Stimmt, das wollte ich auch noch fragen. Ja, genau, genau, dass wir es noch mal machen machen. Das ist auch schon in Planung. Wir wissen nicht— wir haben nächstes Jahr angedacht dafür, aber es hängt noch so ein paar Sachen, ob das klappt oder ob es danach das Jahr wird. Aber wir werden es noch mal machen, auf jeden Fall, und es wird nächstes Mal auch deutschsprachig werden. Das ist vielleicht cool zu wissen für alle, die nicht mit Englischsprachigen nicht so klarkommen. Wir— es war, wie gesagt, eben einfach eine internationale Gruppe, und eben das Goethe-Institut wollte es dann englischsprachig haben und Und da, so ist es dann da gelandet. Aber uns ist klar, dass es so wenig deutschsprachige Sachen gibt für dicke, fette Leute und deswegen wird das nächste auf jeden Fall deutschsprachig werden. Ich hatte mich beim Lesen auch gefragt, also angenommen, es tauchen Menschen auf, die sagen, och, ich hätte Lust, das zu übersetzen. Also wärt ihr dafür offen, theoretisch? Ja, also wir haben manche Sachen, haben wir auch ja schon auf Deutsch quasi vorliegen und mussten die übersetzen. Manche Sachen sind direkt auf Englisch englisch quasi geschrieben worden. ich denke, wir wären dafür offen. Das Problem ist halt der Druck. Genau, es muss dann ja noch gedruckt werden und dafür braucht man Geld. Aber theoretisch, wenn Leute Ideen haben, wie sie das hinkriegen, bitte meldet euch sehr gerne. Ich hätte jetzt sofort so ein Bild von, ob es vielleicht, genau, also hiermit der Aufruf, wer, wer Lust und Zeit hat und Energie hat, soll sich gerne melden, weil ich finde, das ist wirklich, die Texte sind so wertvoll und das wäre natürlich total cool, die auf Deutsch zu haben. Und ich habe gerade gedacht, Vielleicht kann man es ja auch so denken, dass es die deutsche Variante dann erstmal als ein PDF halt gibt, ne, was dann begleitend quasi— Ach, keine schlechte Idee. Sehr gute Idee. Können wir nochmal drüber reden. Genau. Ja, also tatsächlich das Thema Zugänglichkeit und die Texte sind fantastisch halt. Aber genau, jedenfalls hiermit der Aufruf, Menschen mögen sich melden und ihr seid ja auch erreichbar über, ne, über Instagram-Account beziehungsweise die E-Mail-Adresse steht ja auch nochmal im Seen drin. Und die steht auch noch unter, glaube ich, in eurem Instagram-Account steht sie auch drin. Ja, genau, man kann uns gerne schreiben, wir freuen uns. Genau. Und zweite Frage wäre, wenn ihr gerade sagt, noch, noch weitere Bände dazu oder weitere Scenes, was ist denn, wenn Menschen das hören und sagen, ich hätte eigentlich total Lust auf diesen Prozess oder auch mitzumachen und mitzuschreiben? Können Menschen sich melden? Ist die Gruppe schon relativ fix, die das wieder machen soll, will? Wie ist das? Also genau, ich glaube, wir haben noch nicht so abschließend darüber geredet, wie wir es machen, ob wir Wochenende machen, wie wir es machen. Aber so oder so werden wir das nächste Mal— also ich glaube, das Wochenende, wir, wir haben einfach nicht die Kohle oder die Kapazitäten, wir sind halt zu zweit, irgendwie, das besonders groß zu machen. Also wir können jetzt nicht irgendwie die doppelte Anzahl von Menschen holen, aber wir haben auch schon darüber geredet, dass wir auch voll gerne irgendwie Sachen, die uns Leute zuschicken und gerne im Scene haben wollen, durchgucken und dann gucken, also ein bisschen kuratieren. Wir können nicht versprechen, dass alles drin landet, landet, aber wir sind voll offen dafür, dass Leute was einschicken und wir dann gucken, wie wir das unterbringen, was wir unterbringen, wo und so weiter. Das haben wir, haben wir auch schon drüber gesprochen, weil uns oftmals Leute fragen, hey, könnte ich da auch was einreichen? Es wird halt wieder 3 Kapitel geben. Das erste Kapitel wird bleiben, Asex and Shame, das zweite wird auch wieder eine Fotostrecke werden und dazu wird es auf jeden Fall einen Aufruf geben, weil diesmal werden es nicht wird es nicht irgendwie Seefotos sein, sondern ganz anders. Wir wollen gerne fette Leute bei sich zu Hause mit ihren Begleiter:innen, also zum Beispiel Haustieren oder Kuscheltieren oder was auch immer eure quasi so Alltagsbegleiter:innen sind, fotografieren. Und das dritte wird ein heftiges Thema dieses Mal, aber ein sehr wichtiges, wie wir finden, und das wird fett sein und tot. Also die Kapitel stehen schon fest und es ist also wirklich schon— die Planung hat schon begonnen, aber es ist ist noch nicht ganz klar, was werden wir an Geld haben und so weiter, und davon hängt es ein bisschen ab, was wir dann möglich machen können. Also eher so, okay, wenn du irgendwie einen krassen Gedanken zu einem Text zu Fett und Tod hast, oder wenn du Bock hast, dass irgendwie Fotos von dir und deinem Haustier im Scene sein sollen, oder wenn du irgendwie zu— wenn du krass inspiriert bist von dem Art Sex und also Kunst Sex und Scham Kapitel und irgendwie dazu voll den nicen Gedanken hast, dann also so, ne, zu sagen, das muss ich irgendwie in die Struktur einfügen, aber— Oder wenn du Bock hast, Sticker zu illustrieren oder sonst irgendwas zu illustrieren als extra für Scene oder was im Scene auftaucht, ja, also wenn du was malst, irgendwie geile Collagen machst oder Bock hast zu illustrieren und fette Körper zu zeigen, dann bitte, bitte melde dich. Wir haben letztes Mal echt eine Illustr— ganz tolle Illustratorin, mit Rosa Brockelt haben wir gearbeitet, Aber wir hatten am Ende wirklich— die Sticker sind am Ende AI gewesen, weil wir sie nicht— weil wir nicht— sorry an alle Illustrator:innen da draußen und Künstler:innen, weil wir einfach niemanden mehr finden konnten, der so schnell für uns noch was machen kann. Deswegen, wir sind voll happy, wenn wir mehr Leute haben, die geile Sachen auch ja schon teilweise schon zu Hause ready in der Schublade liegen haben und nur jemand brauchen, der Bock hat, das auch zu veröffentlichen. Wir haben Bock, das zu veröffentlichen. Mädchen, schreib uns. Das war der erste Teil des Interviews. Wie gesagt, der zweite Teil kommt dann am nächsten Samstag raus, und darin wird es um Luises und Lydias eigenen Weg zur Körperakzeptanz gehen. Bis dahin wünsche ich dir eine gute Zeit. Bis bald und tschüss! [MUSIC]