„Hey, es gibt eine andere Möglichkeit, über dich nachzudenken“ - Interview mit Oriel Klatt (Teil 1)
16.03.2026 56 min
Zusammenfassung & Show Notes
In dieser Folge ist Oriel Klatt zu Gast.
Wir reden über:
- Dating und Datingerfahrungen als dick_fetter Mensch
- Oriels Arbeit rund um die Gruppe Fat & queer
- Vereinzelung und Community
In dieser Folge ist Oriel Klatt zu Gast. Wir reden über:
- Dating und Datingerfahrungen als dick_fetter Mensch
- Oriels Arbeit rund um die Gruppe Fat & queer
- Vereinzelung und Community
Alle Links:
Oriels Instagram Account
https://www.instagram.com/korperwissen/
Instagram Account Fat & Queer
https://www.instagram.com/fat_queer_spinnboden/
Meine Website:
https://www.ira-schumann.de/
YouTube Kanal Podcast:
https://youtube.com/@koerperundgesellschaft?si=qXiI5TmuqEOEXBQH
Glitzer:
Podcastfolge von „Vibe Check“ zur Oscarverleihung
https://www.iheart.com/podcast/1304-vibe-check-100352771/
Oriels Instagram Account
https://www.instagram.com/korperwissen/
Instagram Account Fat & Queer
https://www.instagram.com/fat_queer_spinnboden/
Meine Website:
https://www.ira-schumann.de/
YouTube Kanal Podcast:
https://youtube.com/@koerperundgesellschaft?si=qXiI5TmuqEOEXBQH
Glitzer:
Podcastfolge von „Vibe Check“ zur Oscarverleihung
https://www.iheart.com/podcast/1304-vibe-check-100352771/
Transkript
Willkommen beim Podcast Körper und Gesellschaft, dem Podcast für das Thema
Körperakzeptanz. Mein Name ist Ira Schumann.
Für die neuen Hörer:innen. Willkommen
zum Podcast und hier ein paar Infos zum Erscheinen des
Podcasts, um keine Verwirrung oder nicht noch mehr Verwirrung
auszulösen. Dieser Podcast erscheint eigentlich alle 2
Wochen samstags, aber es gibt verschiedene Ausnahmen.
Eine Ausnahme sind Interviews. Ich versuche,
die einzelnen Folgen nicht so arg lang werden zu lassen,
und deswegen gibt es bis jetzt zu jedem Interview 2 Teile. Das
Behalte ich jetzt auch mit diesem Interview, was nachher kommt, auch bei. Und
damit diese zwei Teile nicht so weit auseinanderliegen, kommt der Podcast
in dem Fall dann wöchentlich. Und die zweite
Ausnahme zum normalen Modus ist einfach mein
Leben. Manchmal erscheinen Folgen später, also
zum Beispiel jetzt hier heute Montag statt Samstag, weil ich
eben zum Beispiel jetzt in diesem Fall unterwegs war. Immer wieder
unterschätze, wie viel aufwendiger es ist, den Podcast rauszubringen, wenn
ich mit, ich sag mal, mittelguter Technik und mittelgutem Internet
woanders als in meiner Wohnung bin. Und manchmal passiert
es auch, dass Folgen erst viel später kommen. Also manchmal war ich auch eine
Woche später, weil mir zum Beispiel das Thema Ausruhen wichtiger war
als Podcast machen. Das hatten wir dieses
Jahr noch nicht, aber das kommt bestimmt noch, je näher
je näher ich an meinen Urlaub rankomme, also an den großen
Jahresurlaub. Von daher, genau, also diese Sachen können passieren.
Aber wie gesagt, letztendlich oder eigentlich kommt dieser
Podcast alle 2 Wochen am Samstag raus.
Damit komme ich zur heutigen Folge, und ich habe ja schon gesagt, es ist wieder
ein Interview, und dieses Mal ist Oriel Klatt zu
Besuch, oder zu Besuch Zu Besuch klingt komisch, zu Gast, zu Gast
im Podcast. Und in dem ersten Teil des Interviews reden wir über
verschiedene Themen. Es geht um Dating bzw.
Dating-Erfahrungen als dickfette Menschen.
Es geht um Oriels Arbeit, also generell,
aber eben auch noch mal speziell rund um die Gruppe Fat & Queer.
Und es geht auch noch mal um die Themen Vereinzelung und Community. Ich
sage noch mal, weil das ja auch in dem letzten Interview schon so ein ganz
großes Thema war. Aber es ist halt auch ein Kernthema von
Körperakzeptanz bzw. Fat Liberation.
Und auch hier reden wir noch mal darüber. Ich
habe beim Schneiden des Interviews, also habe ich mich mehrmals gefreut, also
über dieses Gespräch gefreut, generell weil es schön ist, aber
eben auch unter anderem deswegen, weil es eben über
weite Teile, würde ich sagen, wirklich ein Gespräch ist. Also mir
ist eben wichtig, die Interviews hier im Podcast, dass die nicht nur
aus Fragen und Antworten bestehen, sondern ich versuche, mit
den Personen, die zu Gast sind, wirklich im Dialog zu sein, soweit das geht. Und
natürlich irgendwie gleichzeitig versuche ich,
dafür zu sorgen, dass natürlich die Person vor allem den Raum hat, also dass
ich nicht der Person Raum wegnehme. Und das ist ein
Balanceakt. Aber mir ist eben wichtig, dass
es nicht nur so ein klassisches Frage-Antwort-Ding ist, Und beim Schneiden des
Interviews hatte ich eben das Gefühl von: Ja, das funktioniert. Also wir sind
über bestimmte Passagen des Interviews im Gespräch
oder im Dialog und gleichzeitig hat
Oriel selbstverständlich auch viel Raum, um über
die eigene Arbeit oder eigene Gedanken zu erzählen. Und es ist eine spannende Arbeit,
spannende Gedanken und ich habe mich nochmal sehr über das Gespräch gefreut und hoffe,
dass ihr euch auch gleich darüber freuen freut. Noch eine
Sache, bevor es losgeht: Ich hatte schon mehrmals
überlegt, zumindest am Ende des ersten Teils von Interviews,
also noch mal was Kurzes am Ende zum Thema Glitzer zu machen.
Also für die, die neu sind, Glitzer ist was, was ich gerade mag, was mich
beschäftigt und so weiter. Und das mache ich am
Ende von Solo-Folgen, gibt's immer so Glitzer von mir. Und ich frage ja
auch im zweiten Teil der Interviews auch die
Gastpersonen quasi nach Glitzer.
Und ich habe jetzt gedacht, so, ja, das Interview ist relativ
abrupt, oder der erste Teil ist relativ abrupt zu Ende, und die Folge wäre auch
so abrupt zu Ende. Und ich habe gedacht, ich probiere mal, ich experimentiere mal damit
rum, wie es ist, wenn ich dann noch Glitzer reinbaue.
Deswegen, wenn ihr also am Ende dran bleibt, dann gibt es noch Glitzer.
Und ich kann schon mal verraten, es geht Ja, ich streife
das Thema Oscarverleihung jetzt ab. Aber ich
wünsche dir ganz viel Spaß beim Hören. Bis nachher.
Willkommen, Oriel Klatt. Viele der Hörer:innen haben wahrscheinlich
schon mal Inhalte von dir auf Instagram gesehen oder einen Vortrag von dir
gehört. Aber für diejenigen, die dich so noch gar nicht kennen,
was könnten, sollten Menschen über dich und deine Arbeit
wissen? Ja, hallo erst mal. Danke für die Einladung. Ich freue mich sehr,
heute hier in dem Podcast sprechen zu dürfen. Ja, was gibt es zu wissen?
Ich würde sagen, ich bin seit so 20
Jahren mittlerweile vielleicht, naja, vielleicht ein bisschen übertrieben, vielleicht seit 16 Jahren
mittlerweile in so fettaktivistisch unterwegs. Mittlerweile
werde ich dafür sogar auch bezahlt in den letzten Jahren. Genau, ich
lohnarbeite sonst in der queeren Bildung
und eben auch bin jetzt Fachreferent*in bei der Gesellschaft
gegen Gewichtsdiskriminierung, Aktivist*in, ich
bin Lipödemfighter*in, Aquafitness-Trainer*in,
Musikproduzent*in, Herausgeber*in und so weiter. Also
eine recht outputorientierte Person. Und jetzt so
seit einem Jahr oder so mache ich eben auch manchmal Inhalte auf
Instagram. Magst du jetzt gerade schon einmal deinen Account sagen? Also wir werden den sicherlich
nachher noch mal nennen und auch in die Shownotes packen, aber magst du schon mal
sagen, wie er heißt? Ja, momentan bin ich bei @körperwissen, Körper
mit OE geschrieben. Und ich arbeite an
einer Website auch schon länger. Das heißt,
hoffentlich könnt ihr mich auch einfach irgendwann unter meinem vollen Namen Oriel Klatt
googeln und dann meine Website finden mit tollen Angeboten.
Dann lass uns doch direkt ins erste
große Thema so einsteigen.
Wenn dieses Interview rauskommt, dann ist auch schon vorher ein anderes Interview
erschienen, nämlich mit Luise und Lydia. Louise ist deine Kollegin bei der
Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung und die beiden haben ein
Zine rausgebracht. Deswegen habe ich die beiden interviewt und in dem
Gespräch ging es unter anderem um die Bedeutung von Community,
von Vernetzung, von andere dicke Menschen kennen, mit denen in Community sein.
Und in dem Zusammenhang wurde eben auch die Gruppe Fat &
Queer erwähnt. Und da fiel auch dein Name, weil du die Gruppe gegründet
hast. Bevor wir aber genau dazu kommen, also über diese
Gruppe zu sprechen, würde ich gerne noch so ein anderes Thema dazwischenbauen,
nämlich so das Thema Aktivismus. Also weil du für mich auch so eine der Personen
bist, die, wenn ich in Deutsch darüber nachdenke, in Deutschland Menschen,
die zum Thema Dickfettsein,
Gewichtsdiskriminierung aktivistisch unterwegs sind, dann bist du so einer der
Namen, der mir so einfällt. Und ich habe in der
Vorbereitung auf das Interview ein anderes Interview von dir gelesen
und dort hast du gesagt, dass der Aufbau von einer Community oder von Communities,
also Community Building, dass das für dich besonders wichtig ist
oder so einer der Schwerpunkte ist in deinem Aktivismus. Und ich habe mich
einfach gefragt, wie ist das entstanden? Also Aktivismus kann ja Verschiedenes bedeuten.
Also verschiedene Menschen machen Verschiedenes unter der Überschrift. Wie ist
es gekommen, dass es das einer der Schwerpunkte ist in deiner
aktivistischen Arbeit? Ja, gute Frage. Danke fürs Kompliment. Freut mich
natürlich, wenn Leute auch an mich denken. Ja, ich weiß
gar nicht, also ich muss selber mal kurz drüber nachdenken, weil ich bin
gestartet mit eigentlich immer Bildungsangeboten. Also ich
habe schon mit 16 meinen ersten Workshop gemacht, damals für die
lokale Antifa zum Thema Sexismus, später dann irgendwie mit
19 zu Lukismus, und das hat sich dann
quasi immer zugespitzt auf: Was will ich eigentlich machen? Ah, ich will zu Fat Liberation
arbeiten. Und wir hatten dann auch 2000...
2015, glaube ich, die Gruppe gegründet, Fat up, das fettpositive
Krawallkollektiv. Damals vielleicht auch noch
andere Namen, die man jetzt so kennt: Mäks Roßmöller, Magda
Albrecht zum Beispiel, Lorenz Weinberg. Und
genau, wir waren damals, ja, eine, glaube ich, vielleicht die
erste, zumindest Gruppe, die ich kenne, die aktivistisch
in Deutschland zu dem Thema aktiv war. Und
die Gruppe hatte 2 Jahre, war sie aktiv. Und
ich spüre halt immer wieder, dass wir sind als
fette Leute, als dicke, fette Leute sehr aktiv, würde ich sagen, aber
oft sehr vereinzelt. Und ich glaube, an dem Punkt, an dem wir sind,
braucht es eben Räume, wo wir zusammenkommen können, wo wir über Sachen
sprechen können, wo wir uns austauschen können, wo wir gemeinsame Perspektiven entwickeln
können. Ich glaube, das ist ganz wichtig, wo wir quasi so dieses ganze
aus der Isolation in eben die Community reinkommen können.
Und ja, und es geht natürlich auch um Ressourcen. Also zum Beispiel,
die Arbeit ist halt bis jetzt hauptsächlich ehrenamtlich getragen. Und zum
Beispiel mit der Gründung der Fat & Queer Gruppe gibt es ja berlinweit
das einzigste Angebot, was quasi
für die Community ist und was irgendwie auch
bezahlt wird. Also es ist ganz klein, ich kriege ein ganz kleines Honorar
nur für die Bezahlung, aber es gibt eins. Und das stabilisiert
ja auch überhaupt so Community-Strukturen, weil
viele von uns leben prekär, sind müde, sind überlebenbeschäftigt.
Und genau deswegen war ich
sehr froh darüber, dass es so eine Institutionalisierung gibt irgendwie für
diesen Community-Space. Und wir sind jetzt im zweiten Jahr und ich glaube,
es läuft gut. Würde ich sagen. Das freut mich total zu hören, weil
ich das, also ich teile so zwei, also ich teile ganz viel von dem, was
du gesagt hast, aber ich habe so zwei Dinge gerade gedacht. Das eine ist das
Thema Vereinzelung. Also ich habe auch den Eindruck, dass es bei dem Thema
so Fettfeindlichkeit, Gewichtsdiskriminierung, Fat Liberation, dass es
da oft besonders schwer ist oder dass es eben oft besonders einsam macht, wenn
man sich entscheidet, dazu irgendwie anders unterwegs zu sein oder überhaupt zu
diesen Themen unterwegs zu sein. Ich habe dazu auch eine Folge im Podcast, wo es
eben auch genau um diese Einsamkeit geht. Ich
sage jetzt nichts zu meiner Erklärung, kann man in einer anderen Podcast-Folge nachhören.
Ich frage dich gleich nach deiner Erklärung, weil ich finde, das ist ein
absolutes Phänomen. Also da bin ich gerade dran hängen
geblieben. Und das Zweite ist, ich finde generell, aktivistische Arbeit
bezahlt zu bekommen, ist unheimlich schwierig. Aber ich finde, zu dem Thema ist es noch
viel, viel schwieriger. Ich habe den Eindruck, es gibt in ganz Deutschland vielleicht 5 bis
10 Menschen, die damit irgendwie überhaupt ein bisschen Geld verdienen.
Vielleicht auf Stellen setzen oder überhaupt irgendwie immer wieder auch für Workshops gebucht werden.
Und es ist so schwer. Und das heißt eben dann, was du gerade sagst, man
macht das dann ehrenamtlich und brennt einfach gerne auch mal aus dabei oder ist
einfach irgendwann sehr erschöpft dann. Ich springe noch mal zurück zu dem, was ich
zuerst gesagt habe. Diese Vereinzelung, oder ich würde eben auch sagen
Einsamkeit auch an manchen Punkten. Ich habe eine Hypothese
dazu und ich kann die ja gleich reinbringen. Mich würde interessieren,
Was ist deine Erklärung dafür, warum es eben auch vielleicht gerade noch mal bei dem
Thema eine besonders starke Vereinzelung gibt? Ich glaube, das hat einfach mit dem
Stellenwert zu tun, welches, wie das Thema
gesellschaftlich verhandelt wird momentan. Also es ist halt so normalisiert,
dicke Menschen abzuwerten und der Grad an
Internalisierung ist wahnsinnig hoch. Und wir hatten
erst gestern eine Veranstaltung von der Gesellschaft für Gewichtsdiskriminierung zusammen mit
Luise, wo es um Diskriminierung in der Familie ging. Und da stellen
wir immer heraus, dass es bei Gewichtsdiskriminierung zum Beispiel oder bei Fettfeindlichkeit
so ist, dass wenn zum Beispiel man in einer dicken Familie aufwächst,
dass das gar nicht bedeutet, dass man dadurch zum Beispiel einen
Zugang hat zu mehr Wissen über diese
Diskriminierungsform oder mehr Resilienz oder Solidarität,
sondern dass das gar nicht schützend ist eigentlich. Und das ist anders wie zu
anderen Diskriminierungsformen. Also bei Queerness sagen wir immer, wenn du einen queeren
Onkel hast, hilft wahrscheinlich auf irgendeine Art und Weise. Einfach
weil Kämpfe vielleicht in der Familie schon gekämpft wurden, weil Wege schon gegangen wurden,
weil die Person vielleicht eine Ansprechperson sein kann oder so. Ich bin
in einer dicken Familie aufgewachsen und bei mir war das gar nicht so, dass
wir uns gegenseitig gestärkt haben. Ganz im Gegenteil, sondern das ist dann immer,
es kann sehr schnell auch in so Konkurrenz, zum Beispiel wer
ist jetzt hier Wer hat es geschafft, wer ist dick geblieben
und so weiter abdriften. Und ja, ich glaube, deswegen ist so,
also wir müssen einfach sehen, wo wir mit dem Thema sind. Und wir sind bei
dem Thema ehrlich gesagt, finde ich, noch sehr in so
Einzelarbeit, Leuten Türen öffnen.
Also ich führe ja sehr viele von diesen Gesprächen, wo ich eigentlich Leuten zum
ersten Mal sage, hey, es ist möglich, anders auf
deinen Körper und auf dein Gewicht und auf deine Realität zu gucken.
All das, was dir passiert, ist vielleicht nicht gerecht und hast du vielleicht nicht
verdient, sondern du kannst auch mal den Blick drehen und sagen, was
passiert da eigentlich so? Und du darfst deinem Gefühl vertrauen, dass
es sich falsch anfühlt. Und ja, ich glaube, an dem Punkt sind wir
gerade, dass es diese Momente einfach immer und immer und immer
wieder braucht. Ja, sehe ich ganz genauso. Und was ist deine Hypothese?
Ja, meine Hypothese ist, dass Also das hängt auch, glaube ich, mit dem Rest so
zusammen. Meine Hypothese ist, dass man sich, wenn man
sich entscheidet, anders auf dieses Thema zu schauen oder auf diese Themen, also so
Gewicht, Gewichtsdiskriminierung, dass man dann sich aus einer
gemeinsamen Realität ein Stück weit verabschiedet. Also weil eben, weil das eben
so unwidersprochen ist. Also ich würde immer den Begriff verwenden, es gibt so eine
sehr dominante Erzählung zu Körper und Gewicht. Also das, oder was
du auch gesagt hast, du hast es gesagt gerade als Es gibt diesen Grad an
Internalisierung, der ist einfach sehr hoch auch. Also dieses, das ist
einfach diese Idee von, man könnte sehr anders darauf schauen, die ist immer
noch sehr, die findet nur in bestimmten Nischen statt. Das ist so
unwidersprochen eben. Und ich habe das Gefühl, wenn man dann sich entscheidet, anders
drauf zu schauen, ist man damit eben auch im eigenen Umfeld meistens alleine. Also manchmal
haben Menschen Glück und haben direkt noch ein paar andere Menschen im Umfeld. Aber
ich glaube, den meisten geht es eher so, dass sie da über Social Media oder
eben Bei mir waren es früher Blogs, über solche Ideen stolpern
und dann, ja, aber einmal fehlt so eine gewisse Grundlage auch mit
anderen Menschen, finde ich dann. Also ich habe das in einem anderen Interview erzählt.
Ich finde auch, das kennst du vermutlich auch. Ich
finde, das merke ich zum Beispiel in Momenten, wo dann andere dicke Menschen oder
Menschen, die gar nicht dick sind, aber irgendwie sehr mit dem Thema Gewicht beschäftigt sind,
wenn die dann so auf mich zukommen und versuchen, so Verbindungsgespräche oder sich zu
verbinden mit mir über die Themen, abnehmen und
diese üblichen Themen halt. Und ich dann merke, oh,
ich bin, wir sind gar nicht in einer, wir teilen nicht mehr dieselbe Realität.
Oder ich merke, dass das, was dir wichtig ist, für mich nicht wichtig mehr ist
und ich kann mich damit ja gar nicht drüber verbinden. Also das ist ja auch,
man landet so ein bisschen in so einer eigenen Realität und das finde ich total
schwer, die auch zu erklären, weil das halt so für die meisten Menschen
so klar und normal ist, dass dick sein schlecht ist und dass man noch
natürlich dünn sein muss etc. Ja, ich glaube, ich will noch so eine, also ich
fühle es voll und es gibt diese Momente und gleichzeitig will ich noch so eine
andere Lesart von diesen Momenten auch irgendwie anbieten. Und zwar
finde ich, hat das was ganz Magisches, mit einer anderen dicken
Person oder fetten Person zu sprechen und
diese Person sein zu dürfen, diese Tür aufzumachen.
Weil ich muss sagen, wirklich, was mir noch nie passiert ist, ist, dass
ich versucht habe, quasi einer Person so die Tür zu zeigen und zu sagen: Hey,
es gibt eine andere Möglichkeit, über dich nachzudenken, über die
Welt nachzudenken. Und dass die Person gesagt hat so: Das resoniert gar nicht mit
mir, sondern ich habe das Gefühl, da gibt es irgendwie so ein Innehalten und so
eine Stille und irgendwie so ein wirklich, darf ich das? Und da ist was ganz
Fragiles und was richtig Schönes. Und das ist, finde ich,
was sehr Wertvolles. Und das ist natürlich nicht immer möglich und manchmal gibt es die
Zeit und den Raum nicht. Aber wenn es den gibt, dann ist das ganz schön
precious, muss ich sagen. Diese Momente. Ja, ja,
das ist schön, dass du das noch mal so ergänzt und auch total hilfreich. Ich
habe gerade überlegt, was sind das für mich für Momente, wo ich merke, das ist
für mich gar nicht möglich, so mit Menschen ins Gespräch Gespräch zu gehen, sind oft
berufliche Momente. Also wenn ich zum Thema XY irgendwo bin und dann
kennst du diese Gespräche, die es gibt, wenn Kekse auf dem Tisch stehen, dann
gibt es oft Gespräche über Gewicht und das geht dann in so
Diätkulturgeschichten rein. Und da merke ich halt, wenn ich in 10 Minuten aber
dann weitermache und ich bin da die Referentin zum Beispiel, dann habe ich da gar
keinen Kopf dafür. Oder generell in bestimmten beruflichen Settings, da kann ich
das nicht. Aber das stimmt in privaten Situationen oder halb privaten Situationen.
Da kenne ich so was auch. Aber es natürlich auch immer, heißt natürlich auch am
Ende auch immer so ein bisschen Privatbildungsarbeit weiterzumachen.
Also was immer super ist. Also das ist genau, also das,
ich glaube, wenn man sagt, ich will hier was verändern, kommt man, glaube ich, oft
nicht drumherum. Aber es ist für mich erfordert, dass ich immer gut
hingucke, was habe ich gerade an Energie so und was habe ich
vielleicht auch gerade nicht an Energie? Auf jeden Fall. Also ich glaube, ich bin
einfach so ein Bildungsbärchen, muss man einfach sagen. Und deswegen,
ich mache das viel und gerne. Ich rede auch sehr gerne. Aber jetzt
zum Beispiel eine Situation, die du beschrieben hast, es kommt immer auf den Kontext drauf
an. Also wenn da irgendwie dünne Leute sind und sich über den Keks
aufregen, dann wäre vielleicht für mich auch nicht der Punkt, wo ich
dann— also da bin ich auch keine Inspirationsquelle, weil ich will
für dünne Leute gar keine Inspirationsquelle sein. Da will ich
meine Energie nicht hinschicken, sondern dann würde ich da, glaube ich, vielleicht eher eine
Grenze setzen und Sachen vielleicht eher benennen oder und
da auch nicht diese Arbeit machen, sondern einfach vielleicht weggehen. Also einfach gucken, was
fühlt sich für mich stimmig an? Also ich meine, wenn Leute sehr genussfeindlich sind, das
tut mir ja auch immer leid. Also ich habe ja auch natürlich die Erfahrung, dass
dann Leute so sind: Oh nein, nimm die Kekse und leg sie ganz
weit weg von mir. Ja, das ist der Standard. Ganz weit weg. Und ich bin
so: Ja, oder du isst einfach noch einen Keks und gönnst
es dir und genießt ihn. Genau so was würde ich dann in dem Moment sagen
und Wenn es dann halt nicht drin ist, dann tut es ja, dann ist eher
mit, also dann bin ich halt im Mitleid. Ja,
ja, ja. Ich schwanke da auch oft zwischen, also manchmal genervt sein und dann aber
eben auch Mitgefühl, weil ich denke, oh, das ist ganz schön anstrengend, wenn man so
durchs Leben geht. Total. Wirklich. Das heißt ja, die Leute
haben ja 20, 30 Mal am Tag so Situationen, wo sie wahrscheinlich vor Essen stehen
und denken, darf ich, will ich, also sollte ich und so. Und dann
denke ich, oh, wie viel Energie nimmt das weg und wie viel Energie bleibt dann
halt für andere Dinge halt nicht. Also ja, ich
komme noch mal zum Thema Aktivismus. Wir sind die ganze Zeit irgendwie im Thema Aktivismus,
aber ich komme noch mal auf einen anderen Aspekt zurück. Thema
Vereinzelung. Was würdest du denn Menschen
empfehlen, die zum Thema, ich sage jetzt mal Fat Liberation, eher
noch so vereinzelt unterwegs sind, die da vielleicht auch erst vor ein paar Jahren bestimmte
Sachen für sich entdeckt haben und merken, ich habe aber irgendwie
im Umfeld, da gibt es kaum Menschen, mit denen ich darüber sprechen kann, oder die
sich einfach mehr Community wünschen. Was würdest du denen
empfehlen? Wo können die sich mit anderen vernetzen? Wie kann das
aussehen? Was sind vielleicht auch so niedrigschwellige Angebote, wo man auch gleich nicht
in Berlin oder anderen Großstädten leben muss? Ja,
ich meine, das ist oft die Frage und es ist einfach schwer zu beantworten, weil
es einfach nicht so viel gibt, muss man einfach sagen. Und ich glaube, das muss
es einfach eine Situationsbeschreibung. Gerade das Thema ist total
unterrepräsentiert. Und das wird dem überhaupt nicht gerecht, dem Bedarf.
Das kann man nicht schönreden. Ich meine, es gibt jetzt zum Beispiel die
fett&queer-Gruppe, das ist eben nur für Leute, die sich als queer
positionieren und dick/fett. Wir machen jetzt jedes zweite Treffen online.
Genau aus diesem Grund, dass es halt irgendwie dadurch auch zugänglicher ist
für Menschen. Genauso wie die Sachen von der Gesellschaft gegen
Gewichtsdiskriminierung machen wir ja auch online. Und wir machen bei den
Impulsvorträgen am Ende immer ein Check-in für
Betroffene, wo wir noch mal nur unter
Fatties uns irgendwie austauschen können. Genau, dann halt Instagram ist
natürlich eine tolle Ressource. Es gibt auch 3, glaube
ich, Telegram-Gruppen, so bundesweite Vernetzungsgruppen
für dicke, fette Menschen. Und
ich glaube, sonst würde ich halt sagen, ich glaube, ich würde auch sagen,
befreundet euch mit dicken, fetten Leuten und
führt die Gespräche und bildet euch eine kleine,
fette Zelle irgendwie. Weil ich
muss sagen, ohne dicke, fette Freund*innen
kann ich es mir gar nicht vorstellen, so richtig. Also, und ich glaube,
das kommt dann, wenn man es einlädt ins Leben auch, weil es gibt so viele
dicke, fette Leute. Ja, dafür, dass es oft so als Randphänomen
beschrieben wird, finde ich auch immer wieder erstaunt, wie viele dicke
Menschen es gibt. Wo ich so denke: Wie kann das sein, dass das gar
nicht auftaucht oft so in der öffentlichen Wahrnehmung? Genau. Und ich
hatte eigentlich immer dicke Freund*innen auch. Und wir
waren uns dessen halt nicht so bewusst, dass das so ein wichtiger Faktor ist. Aber
ich glaube, wenn man anfängt, dann in diesen Freund*innenschaften Gespräche zu führen,
und dann können das ganz stärkende,
tolle Verbindungen sein. Zu dem Thema. Ja, auf jeden Fall.
Und ich habe auch gerade so gedacht, also ich hatte direkt so die
Assoziation, der Einstieg in so ein Verbünden muss ja auch gar nicht
sofort hochpolitisch sein. Also man muss nicht direkt,
man muss nicht direkt in irgendwelche Gesprächskreise reingehen oder muss gar nicht super kompliziert
anfangen. Ich habe zum Beispiel gerade dran gedacht, ich habe letztes Jahr hier in
Leipzig, wo ich wohne, einen Plus-Size-Flohmarkt
mit organisiert. Genau. Und das war, das war ganz spannend, weil ich
tatsächlich, also ich bin hier in Leipzig in Präsenz wenig vernetzt. Was aber auch
an mir liegt. Ich habe so Einsiedlertendenzen hier auch.
Und ich habe noch nie so viele dick_fette Menschen auf einmal gesehen,
wie bei diesem Flohmarkt. Das war total schön. Also da bleibt
sonst— also es gibt auch da eine Telegram-Gruppe. Ich glaube, in der bist du,
glaube ich, auch. Müssen wir gleich noch mal gucken. Aber jedenfalls, es
war total schön, einfach mal so viele dickfette Menschen auf einen Haufen zu sehen und
zu denken, cool, auch daraus kann ja— das hat sich sehr verbindend angefühlt.
Gefühlt und es hat sich wie ein guter Raum angefühlt. Und wir hatten offensichtlich,
also man führt ja dann so Gespräche, auch sehr, sehr
unterschiedliche Punkte, an denen wir so standen, vielleicht sogar in Bezug auf unsere
Auseinandersetzung mit bestimmten Themen. Und trotzdem ist es ja überhaupt, sich
gegenseitig so zu sehen und zu sehen, ich bin nicht die Einzige und ich bin
nicht die Einzige, die bestimmte Themen hat. Und ich finde, Kleidung wirkt oft wie ein
oberflächliches Thema, aber ich finde, es ist halt am Ende gar nicht so oberflächlich, ob
man dazu Zugang hat. Genau. Und von daher, das fand
ich eben auch schön zu merken, man kann auch Man könnte auch auf so einem
Weg zum Beispiel anfangen. So kleine, so kleinere Sachen organisieren, gucken,
wer auftaucht und dann schauen eben, okay, können wir vielleicht noch weiter in
Kontakt bleiben? Haben wir Lust auf andere Themen noch? Ja, es gibt ja glaube ich
viele Themen, die uns verbinden. Also ich meine, Schwimmen ist ja,
oder im Wasser sein ist ja ein ganz großes Thema unter dicken, fetten Leuten, weil
es sich einfach so fabelhaft anfühlt, irgendwie mit einem dicken Körper
im Wasser zu sein. Weil an alle, die es nicht wissen,
Fett schwimmt. Das heißt, unsere Körper floaten im
Wasser und das ist eine einzigartige Körpererfahrung, die
dünne Leute gar nicht so nachvollziehen können. Das zum Beispiel, oder halt
genau wie du sagst, Kleidung oder generell einfach, ich
finde, Genuss, einfach Genuss zu zentrieren, Räume
aufzumachen. Und ja, ich finde auch, Räume aufmachen, organisieren ist natürlich
hochschwellig. Das ist nicht für alle Leute. Absolut. Aber
da bin ich auch so wirklich so mit Friends, weiß ich nicht, zusammen feiern
gehen, auf die Tanzfläche bisschen zurückerobern, sich auszutoben, Kleidung zu
tauschen, irgendwie auch überhaupt mal Kleidung zu tauschen.
Ich konnte das ja nie. Also wenn ich in einer dünnen WG gewohnt habe, dann
haben die da immer Kleidung getauscht und ich war immer so: Ja, schön für euch.
Aber einfach so, also ich glaube, es gibt so viel Potenzial, wenn man
sich mit anderen, ja, anderen dicken, fetten Menschen verbindet. Und
es ist auch nicht, also es ist ein großer Schritt, wollte ich auch dazu sagen.
Also weil, ja, also dafür Raum zu schaffen, das
macht schon, das ist schon, das ist schon sehr, sich selber ins Zentrum zu setzen.
Und die eigenen Erfahrungen, wenn man sagt so, hey, das ist total wertvoll für
mich, Zeit mitzunehmen, Ressourcen und
alles für irgendwie andere dicke fette
Menschen. So, ja, also, und ich habe manchmal den Eindruck,
das ist aber tatsächlich, also ich kenne dazu keinerlei Studien oder so, das ist eher
so, so ein bisschen so Alltagsbeobachtung und vielleicht auch so meine eigenen
Erfahrungen, dass ich den Eindruck, gerade dieses Thema sich Raum nehmen
zu sagen, ich nehme hier Raum, ich finde hier was wichtig und ich möchte, dass
dazu irgendwie was stattfindet, dass das gerade oft für dicke Menschen
oft besonders schwer ist. Also mein Eindruck ist so, ich habe mein Leben lang die
Botschaft bekommen, nimm weniger Raum ein. Also das hat auch was mit Geschlecht zu
tun, das hat nicht nur was mit Körper und Gewicht zu tun, aber eben
die Kombi. Also ich würde mich als dicke Frau
identifizieren und wenn dann dieses ganze Leben lang die Botschaft bekommt,
Sei mal weniger, mach,
dass dein Körper weniger Raum einnimmt, dann finde ich, ist es oft besonders schwer zu
sagen: Hier bin ich und ich mache jetzt hier was. So, und
räume diesem Thema auch Raum ein.
Ja, kann es auf jeden Fall. Es kann auf jeden Fall schwer sein. Ich hatte
das Gefühl, dass es mir, also ja, vielleicht habe ich heute gerade auch einen
sehr positiven Moment, um auf alles zu blicken, aber ich habe das Gefühl,
dieses Im Widerstand zu sein mit
der Welt, dass da ja auch eine wahnsinnige Power und
Resilienz kommen kann. Aber ich bin auch Löwe, also vielleicht
spielt das auch mit rein. Also ich war schon immer recht expressiv und
habe irgendwie eher mir viel Raum genommen und auch
viel Raum anderen Leuten gegeben, glaube ich. Hatte da immer so
ein Lustgefühl auch mit dabei. Also
es war immer so, hat mir immer viel Energie gegeben, auch zurückgegeben.
Ich lache gerade darüber, also innerlich lache ich gerade darüber, die Sternzeichen-Geschichte, aber ich finde
das ja, ich finde es genau, auch natürlich, da sind dicke Menschen sind ja nicht
ein einheitlicher Block und natürlich gibt es da eben auch sehr unterschiedliche,
genau, und ich glaube Temperamente tatsächlich, Typen halt.
Ja, genau, ich glaube auch und ich muss immer eher gucken auf Leute,
die vielleicht auch schüchterner sind, also so, ne, und das war ich nie.
Einfach, sondern ich habe natürlich meine Struggles, aber ich war immer
sehr klar darin, dass Sachen
auch unrecht sind und habe sehr
stark wahrgenommen, dass sie in mir nachhallen. Aber bin sehr, sehr
große Mission für mich selber, zu einem, das in
mir selber abzutragen und wirklich zu einem befreiten
Leben auch zu kommen. Jetzt muss ich gerade gucken, dass ich nicht noch mal in
den— Ich habe gerade, ich schreibe mir mal, also genau, ich schreibe mir ab und
zu mal Sachen auf. Ich schreibe mir mal befreites Leben auf. Und frag dich nachher
noch dazu. Das würde mich natürlich auch total interessieren. Also weil ich auch gerne für
mich den Begriff der Freiheit benutze und immer spannend finde, was andere Menschen darunter verstehen
und wie weit das auch in bestimmten Verhältnissen, in denen wir leben, überhaupt möglich ist,
frei zu sein. Aber da komme ich nachher noch mal dann drauf. Ja,
ich würde gerne, bevor wir zu fett, zur Gruppe Fett und Queer
kommen, noch fragen. Du hast die Telegram-Kanäle erwähnt. Ja, ich
habe die, ich glaube, in dem Interview mit Louise und
Lydia auch schon mal kurz erwähnt. Und ich finde, das ist eine tolle Ressource.
Ich bin, glaube ich, ich glaube, ich bin in 2 Telegram-Kanälen, die du, glaube ich,
ins Leben gerufen hast. Ich weiß es immer gar nicht so richtig. Also am Ende,
das sind verschiedene Menschen drin. Verschiedene Menschen holen verschiedene andere Menschen rein.
Angenommen, von den Hörer:innen merkt jetzt jemand auf und
sagt, oh, Telegram-Kanal, würde ich gerne irgendwie Teil von
sein. Was ist der Weg dahin? Wie können Menschen da reinkommen?
Gute Frage. Also ich glaube, dass es wahrscheinlich
am besten ist, wenn die Person mir, also jetzt in dem Fall, es könnte
natürlich auch jede andere Person sein, die in der Gruppe ist, aber weil ich gerade
spreche, mir auf Instagram schreibt. Also entweder an
@körperwissen schreiben oder
an @fat_queer_spinnboden, das ist
die fett*queer-Gruppe, dahin schreiben und dann quasi sagen: Hier ist
meine Nummer. Bitte füge mich zu diesen
Telegram-Gruppen hinzu. Da gibt es ja auch nochmal Untergruppen,
also es gibt die Fat- und Queer-Gruppe, die ich gegründet habe, es gibt die Fat-Tin-Gruppe,
also für fette trans-, inter- und nicht-binäre Leute, die ich auch gegründet
habe, und dann gibt es Fat Beloser Zusammenhalt, da
bin ich nicht, da ist jemand anderes Admin und ich bin
aber mit drin. Genau, das ist, glaube ich, eine Bundesvernetzung und
Auch glaube ich nicht queer fokussiert oder queer only. Ich glaube, das sind so
die drei, die ich kenne. Okay, das heißt, wir merken uns, wer
daran Interesse hat, schreibt dich am besten auf Instagram an und kann dann
in die Gruppe kommen. Ja, why not? Okay, dann lass uns doch mal zur Gruppe
Fat & Queer kommen. Du hast jetzt schon mehrmals erwähnt. Mich würde
einfach interessieren, wie bist du dazu gekommen, die Gruppe
zu gründen? Also auf welchen Bedarf reagiert diese Gruppe?
Ja, also genau, wir hatten immer wieder, muss man auch
sagen, das ist jetzt nicht das erste Mal, dass wir diese Idee hatten. Wir hatten
länger auch schon immer in Berlin eben einen anderen Treffpunkt,
den damals Max organisiert hatte, und
dann war irgendwie jetzt ein paar Jahre wieder nix. Und dann,
der Bedarf ist schon lange da, genau, also ich glaube, dass es eben innerhalb
der queeren Community sehr
viele auch dünne Normierungen gibt und
wenig Verständnis ist von fetten queeren Perspektiven auch.
Und da ist, glaube ich, der Bedarf einfach da. Und dann gleichzeitig aber auch
in, ja, weiß ich gar nicht, ob es das überhaupt
in der Form gibt, aber irgendwie in der Body Positivity, sage ich mal, oder
Plus Size Era irgendwie alles immer sehr
cis-hetero ist. Und genau, ich glaube, da entsteht dann halt
irgendwie so ein Vakuum für fette queere Leute. Und
da ich mich selber auch als queer und fett positioniere, liegt da
mein Herz. Und dann dachte ich mir, das finde ich besonders
wichtig. Und meine Erfahrung ist schon auch so, dass queere Vereine
eigentlich so mit am offensten sind für dieses Thema und dieses Thema
eigentlich auch am meisten irgendwie auf dem Schirm haben und
Raum geben, obwohl es viele Probleme gibt in der queeren Community mit
Fettfeindlichkeit, aber trotzdem gibt es irgendwie eine
Anerkennung für das Thema auf eine Art und
auch so eine persönliche Verbundenheit. Also wir sind
ja in der queeren Community einfach miteinander verbunden
und viele dicke fette Leute werden sehr lieb gehabt, habe ich
das Gefühl, und sind irgendwie eigentlich so kleine Sternchen in der
Community, die ganz viel irgendwie auf Bühnen sind und Sachen
organisieren. Und das ist auch schön, dass es zumindest so ein bisschen
Anerkennung dann gibt zurück. Und ja, und jetzt haben wir einen Raum, wo
wir jedes Mal halt ein anderes Thema einfach besprechen können.
Das ist ziemlich cool, muss ich sagen. Für Menschen, die diesen Raum noch
nicht erlebt haben, die den nicht kennen, aber vielleicht denken,
vielleicht sich genau an dieser Schnittstelle wiederfinden. Im Coaching stelle ich
manchmal die Frage: Angenommen, ich wäre so als Fliege an der Wand, was würde ich
beobachten? Also angenommen, ich wäre jetzt bei einem
Präsenztreffen von euch selbst als Fliege an der Wand. Was
könnte da passieren? Was ist da zu
sehen? Also ich komme kurz
vor knapp reingerauscht,
weil ich immer busy bee bin und genau
pünktlich, aber knapp komme. Und dann kommen
so, ich würde sagen, so 6 bis 12
Leute in den Raum. Alle bereiten den Raum gemeinsam vor, es wird
Tee gemacht. Wir gucken, dass alle richtig gut und gemütlich
sitzen können und sich irgendwie
wirklich ablegen dürfen und safe sein dürfen irgendwie in dem
Raum. Dann handeln wir aus, welche Sprache gesprochen wird. Also wir machen Deutsch oder
Englisch und gucken halt, was gerade im Raum am besten funktioniert
und vielleicht auch mit Übersetzung oder eben wir einigen uns auf
eine Sprache. Und dann mache ich meistens in der
ersten Stunde Ich mache manchmal so kleine Spiele
mit, weil ich es irgendwie— ich weiß nicht, viele haben ja vielleicht so
mal so eine Jugendfreizeit gemacht oder irgendwie sowas, wo man mit solchen Spielen,
so Energizers und so konfrontiert war. Und das war für
mich als fette Person die Hölle damals immer.
Also körperbezogene Spiele in so einer Gruppe mit
irgendwie so Anleiter*innen, die null aware
sind, Und ich nehme manchmal kleine Spiele und
mache sie quasi in diesem Setting, um einfach, damit wir auch
wirklich so mit unserem Körper präsent sind. Und ich finde es irgendwie
einfach, also letztens habe ich so ein Spiel gemacht, das heißt DJ, wo man dann
irgendwie zusammen ein bisschen tanzt und dann eine Person muss erraten, wer
hat die Figur angefasst, also irgendwie sowas. Und sich einfach dann
eben mit dicken, fetten Leuten so auch körperlich so ein bisschen
zu begegnen. Finde ich irgendwie total schön und auch heilsam, noch
mal diese Spiele zu machen, eben in einem ganz anderen Raum.
Großartig. Ja, also vielleicht für— genau, es gibt von dem Interview hier
keine Videoaufnahme, aber vielleicht einfach nur so zur Transparenz: Ich nicke die ganze Zeit, weil
ich tatsächlich auch gerade an diverse Situationen mich erinnere, wo ich sehr
unbehaglich bin in genau diesen Kontexten, wo Menschen so eine
Icebreaker oder Energizer anleiten und kein Gefühl dafür
haben, dass das aber vielleicht auch zum Beispiel für dicke Menschen
ganz komische Effekte haben kann oder ganz wenig Sensibilität da im Raum ist.
Also ich meine, da sind ja so Übungen gewesen mit:
Wir nehmen immer die äußere Person nach oben und
die Person wird über den Kopf getragen. Also das war ja, ich weiß nicht,
ob das auch so eine Zeit war, wo das so richtig eskaliert ist, wo dieses
Spiel. Aber ich war auf jeden Fall in dieser. Ja, ganz
viel mit Anfassen, auch viel mit so Tragen. Und dann wird den einen, wird irgendwie
was verbunden, und dann muss man gemeinsam so einen Parcours
schaffen. Und es waren
schlimme Stunden meiner Jugend auf jeden
Fall. Genau, also so was mache ich, irgendwas Verkörpertes und
einfach so ein Kennenlernen noch mal, irgendwas einfach was Lockeres. Und dann
haben wir meistens einen thematischen Schwerpunkt, den ich
quasi dann moderiere. Wir haben zum Beispiel
zu Behinderung und
Schnittstelle zu Fatness gesprochen. Ich möchte jetzt,
wir haben über Dating geredet und ich möchte jetzt gerne auch
im April was zu Eat and Grief anbieten,
also Trauern. Und genau, ich glaube nämlich, dass Trauern ein ganz
großer Punkt ist, in einem Prozess mit dem eigenen
Fatness umzugehen und da einen Raum zu machen. Genau,
wir arbeiten jetzt seit Neuestem auch mit Gasthostings. Also
tatsächlich hat Luise das letzte Treffen
vorbereitet und moderiert und durchgeführt und da ging es um fetten
Sex. Und im Endeffekt ist es auch bisschen wirklich so Perspektivenarbeit,
weil bei fettem Sex ging es jetzt darum, auch wirklich
so zu überlegen, was, also
wie kann man auch dieses, dieser Begriff fetter Sex auch theoretisieren, so ein
bisschen. Also was ist das Konzept hinter fettem Sex? Sex. Und da kamen wir halt
auf Sachen wie eben, dass man wirklich mal, dass man gemütlich liegt
und dass man hier keine Gymnastik machen muss und so Sachen. Also so, wie
können wir gut für uns sorgen? Wie können wir uns von Normvorstellungen auch
verabschieden und wirklich zu sagen, was tut uns und unseren Körpern eigentlich gut?
Wo ist unser Begehren? Und das, und Leute können Themen
vorschlagen und dann gucken wir einfach, was dran ist. Danke dir fürs Beschreiben des Raums.
Das klingt nach einem sehr schönen Raum. Und da auch einfach noch mal, du hast
vorhin schon gesagt, es gibt einen Instagram-Account dazu. Das heißt, wer sich dafür interessiert,
könnte— wir packen das alles in die Shownotes rein, kann auch einfach dann draufklicken und
dann wahrscheinlich ein bisschen mehr noch erfahren. Ja, ich glaube, ich würde gerne eine
Assoziation direkt teilen, bevor ich noch die nächste Frage stelle. Ich habe bei Eat and
Grief total so aufgeheult, weil ich glaube auch, ich habe so einen halbfertigen Blogartikel
bei mir in der Schublade zum Thema Trauern rund um das Thema
Körperakzeptanz, Fat Liberation, weil ich auch glaube, also ich glaube generell das Thema
Trauer Es gibt ein sehr
verkürztes Verständnis von Trauern in unserer Gesellschaft, finde ich. Da ist oft die Idee von,
eine Person stirbt und dann gibt es Trauer. Und natürlich gibt es dann Trauer. Also
oft, nicht natürlich, aber oft gibt es dann Trauer. Aber ich finde, Trauer gibt es
ja noch rund um ganz viele andere Sachen. Und Trauern ist auch so ein extrem
komplexes Gefühl, was so, finde ich, unterbelichtet ist auch.
Und ich habe gedacht, ja, das finde ich total spannend, weil ich das glaube,
ich, kann auch sehr verwirrend sein, so im eigenen Prozess. Wenn
da einerseits was Empowerndes passiert und da ist so Befreiung
und gleichzeitig kommt dann eben auch oft Trauer. Also das gibt es ja auch rund
um andere Prozesse, also so zum Beispiel neurodivergente Menschen haben auch oft
eine Phase, gerade wenn dann eine Diagnose da ist, zum Beispiel auf einmal
ganz viel Trauer kommt. Kann es auch, also gibt es auch ohne Diagnose, aber wo
dann neben dem Befreienden auch noch mal so ein Traueranteil ist, um das, was
eben auch vielleicht hätte sein können oder was, was
schwierig war oder so. Und ich finde es ein tolles Thema, wo ich auch immer
wieder überlege, wie ich das im Podcast unterbringen kann, weil ich glaube
auch, dass das Raum braucht. Definitiv. Du hast ein
Thema genannt: Dating. Dazu würde ich gerne noch eine Frage stellen.
Und mich würde einfach interessieren, über welche Aspekte zu
dem Thema denkst du besonders viel nach oder wofür versuchst du da vielleicht auch in
deiner Arbeit zu sensibilisieren?
Ja, ich denke da sehr viel, sehr über sehr viele Sachen nach. Also
ich fange mal an mit den— also es ist spannend, weil
ich gerade an einem Punkt bin, wo ich tatsächlich mich bisschen inspiriert
fühle von einer anderen
Aktivistin, Kumi More, eine
tolle Aktivistin, findet ihr auch auf Instagram. Und ich
sitze im Mai mit der Person auf dem Podium.
Wir hatten ein Vorgespräch und da meinte die Person zu mir so, die Person
zentriert Freude im eigenen Arbeiten.
Und es inspiriert mich, weil ich sehr anders, glaube ich, an Themen
rangehe. Das heißt, wenn ich jetzt über Dating rede, könnte ich
viel sagen. Ich könnte viel sagen über, also, und ich
sage es jetzt auch kurz, über, wenn es über Grenzen geht
und Bedürfnisse, also wie stark dicke, fette Menschen
gesellschaftlich entwertet werden, entsexualisiert werden.
Als ekelhaft und widerlich dargestellt werden und so weiter und so weiter.
Und das quasi einen Ort schafft, aus dem es sehr schwer ist,
meiner Meinung nach, sehr schwer sein kann, eine
selbstbewusste, selbstbestimmte Sexualität zu leben und auch
eigene Bedürfnisse und Grenzen klar zu haben und so zu
daten. So, und das ja auch im Dating,
wenn es jetzt um dünne Leute geht, einfach super viel
Sensibilisierung fehlt und wirklich ganz viele, sage ich mal,
Dating-Fails passieren, ja, und Barrieren, die nicht
abgebaut werden in der Wohnung. Also ich habe wirklich eine
Fülle an Erfahrungen, die schlecht gelaufen sind mit dünnen Leuten,
und ich glaube, ich möchte aber jetzt eben inspiriert von
Kumi eben auch einen positiven Blick auf
Dating als dicke, fette Person werfen, weil die anderen
Narrative sind irgendwie auch bekannt, oder? Also wir wissen, dass
das Dating schlimm ist als dicke, fette Person. Ich meine, man muss nur irgendeinen Film
gucken und also die Die Bilder sind alle da. Ich glaube, wir haben sie alle
im Kopf, wie schlimm es ist. Ja, und das Spannende ist ja, selbst wenn
ich diese Erfahrung gar nicht so stark mache, dann habe ich trotzdem dieses Wissen von,
es ist oft schlimm. Genau wie du, weil du sagst, es gibt diese, ich glaube,
die meisten dicken Menschen lernen Dating genau über diese
Repräsentation kennen, die es halt in Filmen gibt, wo es immer schlimm
ist und wo es also wirklich, also auch nicht nur schlimm, sondern wirklich auch oft
traumatisch für die dicken Menschen in den Filmen. Genau, also es ist
komplett grausam. Ja, ja, genau. Also ich würde sagen, in meinem Leben
ist es nicht anders gelaufen. Also da sind ganz viele grausame Sachen
passiert, auf jeden Fall. Ich bin jetzt in einer
10-jährigen fabelhaften Beziehung
mit einer dicken Person und habe so einen Reichtum
an tollen und wunderschönen Erfahrungen natürlich. Also mit
Zitat Liebe meines Lebens werde ich ja oft genannt,
zu Recht. Und wir sind aber offen, das heißt, da kommen trotzdem andere Dating-Erfahrungen
immer mal wieder dazu. Und ja, und ich glaube so, ich glaube, ich
bin gerade an einem State mit Dating, wo ich mir noch mal denke, Pause.
Also ich habe diese tolle Beziehung und damit habe ich ja irgendwie
auch das Privileg, ganz gut versorgt zu sein auf bestimmten Ebenen
und mir noch mal zu überlegen, wie kann ich in die Welt treten und mit
Leuten mich verbinden, dass es sich, dass ich das Gefühl habe,
ich werde auch irgendwie gehalten in den Verbindungen. Also und da habe ich gemerkt,
da ist großer Fokus für mich, also so Wie darf ich als
ganze Person auftreten, die powerful
ist und stark geworden ist, aber
gleichzeitig auch voll verletzlich? Und genau, und ich glaube, das
ist das, was meiner Erfahrung nach
nicht oft passiert ist, dass dünne Leute das halten können, sage ich mal. Aber es
gibt ja nicht nur dünne Leute und ich glaube, da verschiebt sich einfach Fokus
und dann bin ich so: Okay, Candyland, Vielleicht ist
die Ära mit dünnen Leuten einfach auch vorbei und
vielleicht auch nicht. Also so, ich kann machen, was ich will,
aber so genau, also was gibt es für Momente mit
Menschen, die sich irgendwie authentisch und schön anfühlen und
wo man nicht irgendwie sich einfach anpasst, um irgendwie irgendwas zu
erfüllen, was die von einem wollen, sondern was will man eigentlich selber? Und ich glaube,
ich bin gerade eher an so einem Noch mal
durchatmen und noch mal von neu starten, glaube ich. Und das ist eigentlich auch ein
schöner Moment. Ja, und zumeist, ich bin
jetzt Mitte 40 und meine Erfahrung ist, dass sich auch
das wirklich im Leben noch mal sehr verändert, wen man so,
wen man selber auch begehrt, wer überhaupt genau in den eigenen Fokus so
rutscht, und dass das auch wirklich phasenweise sehr unterschiedlich aussehen
kann. Und ich will gar nicht mal sagen, dass sich vielleicht unbedingt schärft, im
Sinne von man weiß irgendwann immer besser, sondern dass es sich wirklich auch richtig verschieben
kann und das immer wieder auch passiert.
Ja, es gibt verschiedene Phasen und ich glaube, sich einfach selber besser
zu verstehen und zu merken auch, vielleicht eine Sache kann ich mitgeben,
da können Leute vielleicht noch mal drüber nachdenken, aber ich habe gemerkt, dass
Anerkennung halt ein Riesenthema ist einfach bei dicken,
fetten Leuten. Also dass Quasi, wir wurden, wir werden, also
wir wurden und werden so massiv abgewertet als Dating- und
Sexualpartner:in, dass finde ich es einfach manchmal schwer
ist, nicht, also nicht auf Anerkennung aus zu
sein, weil es total menschlich ist. Wir bekommen die halt gesellschaftlich nicht.
Ja, es ist ein Grundbedürfnis und ich merke einfach, dass in
meinem Dating-Leben das eine Rolle spielt und dass es
sehr schamvoll ist auch. Wenn das eine Rolle spielt,
weil man muss es dann auch immer verstecken, weil man will natürlich auch die
empowerte dicke fette Person sein.
So wird man auch gedatet. Wenn man die
unsichere oder
überkompensierende oder was auch immer, was man dann macht, damit dicke fette Person
ist, das ist dann auch unattraktiv. Und ich glaube, da zumindest liebevoll
mit sich zu sein, zu sagen, es ist ein Riesenthema Anerkennung, wir kriegen es nicht,
Dating macht was mit uns, es ist messy und es darf auch bisschen
messy sein. Absolut. Und wir sind da alle ständig
in dem Prozess. Und ich finde es da auch, also genau, meine Lösung wäre da
auch immer, für mich freundlich zu mir selbst zu sein, liebevoll, und sich auch
klarzumachen, finde ich, dass auch, auch dünne Menschen
mit dem Thema Anerkennung in diesem Bereich, also generell auch mit in dem Bereich,
ne, viel beschäftigt sind und da auch nicht die
coolen, chilligen Leute sind, die auf so was gar nicht angewiesen sind. Also
das ist halt, ich glaube auch, dass sich da noch mal was verstärkt
bei dickfetten Menschen, weil ja, wenn dir dein ganzes Leben lang
erzählt wird, dass es gar nicht möglich ist, dass dich
irgendjemand jemals begehren könnte. Und ich habe diese Erzählung zum Beispiel wirklich
meine ersten 25 Lebensjahre komplett geglaubt, obwohl ich schon
ganz andere Erfahrungen gemacht hatte, die das Gegenteil gezeigt haben. Aber ich habe das dann
für Ausnahmen gehalten. Und dann ist das
natürlich noch mal besonders wichtig, eine bestimmte Anerkennung zu bekommen. Das teile ich. Aber ich
finde auch, also für mich ist eher was Befreiendes drin, mir klarzumachen, hey, das,
dieses große Bedürfnis betrifft eben auch nicht nur, nicht nur dicke Menschen, nicht nur
dickfette Menschen. Man darf sich das
erlauben quasi auch, ne? Das ist okay, das so zu sein und das auch zu
haben. Ja, da glaube ich, bin ich so halb bei dir. Also
ich habe da, genau, ich habe damit Ich habe da mit einem dünnen Freund immer
wieder Gespräche darüber, weil ich das dann
erzähle und dann er zum Beispiel auch meint: „Naja, aber
er hätte das zum Beispiel auch in der Art." Und ich bin immer so:
„It's not the same." Aber ich glaube, da ist ja die Frage, wo Leute
ihre Kraft rausziehen, und ich glaube, bei mir ist es eher gerade, das ist wahrscheinlich
auch phasenbedingt, die Phase von: Hey, ich möchte wirklich
es anerkannt haben. Dass als dicke, fette Person
es ist, anders zu daten als— und auch als
Behinderte, nicht nur als dicke, fette, auch als behinderte Person zum Beispiel, also
aus einer marginalisierten Position heraus zu daten, ist
eine andere Sache, weil ich komme einfach nicht vor so
in dieser Welt von Begehren und Begehrtwerden.
Und das müssen wir auch nicht schönreden. Also daraus ziehe ich keine Kraft,
sondern ich möchte, wie wir von diesem Punkt starten
und dann gucken, Wer hat auch welche Verantwortung und wie kann man sich halten? Wie
kann das gehalten werden innerhalb einer Beziehung? Aber da dürfen Leute auch anders
unterschiedlich mit umgehen. Aber ja, ja, ja, ich, ich, also
ich teile das, was du sagst. Ich glaube, für mich selber resultiert das
oft in so einem Balanceakt, wenn ich selber darüber, über diese Themen spreche, dass ich
so denke, ich möchte nicht diese gesellschaftliche
Erzählung bestätigen von dicke Menschen werden nie
jemanden finden, der sie begehrt und liebt. Also das nicht zu bestätigen.
Und ich finde das, also und gleichzeitig anzuerkennen, dass es aber eben
als dicker Mensch eben, dass man auf bestimmte
Barrieren stößt, dass natürlich auch im Datingbereich super viel
Fettfeindlichkeit ist und dass das eben bestimmte Folgen hat.
Also ich würde gerne, ich finde es immer für mich wichtig, dass das beides sein
kann und dass es aber eben auch diese Erzählung geben kann von
klar, es ist möglich, als dicker Mensch begehrt zu werden und Liebe zu finden,
aber eben es heißt nicht, dass es nicht, dass man nicht ständig irgendwie Fettfeindlichkeit auch
begegnet irgendwie. Genau. Ich glaube, das verstehe ich von: Gut, dass du es noch mal
sagst, weil das ist gar nicht das, was ich sagen will. Das habe ich auch
nicht so verstanden. Genau, weil ich hatte mein ganzes Leben lang, also auch nicht meine
Erfahrung, ich war gefühlt immer 2 Minuten Single irgendwie
zwischendrin. Also so, ich war immer
busy. Also das war nicht das Problem.
Aber es ist eher so, dass ich das Gefühl habe, wirklich an einen Ort zu
kommen, wo ich das, wo ich, na ja, wo das mitgedacht wird in
Beziehungen. Das ist eher das Schwierige. Und ich meine, das ist auch,
ja, wir haben ja auch, ich habe ja auch, also genau, wir hatten auch eine
Beratungsreihe dazu von der Gesellschaft gegen Gewissenskriminierung. Und was
uns Leute erzählt haben, von, dass sie gedatet werden, aber
verheimlicht werden, oder das, also wie schlecht
Leute behandelt werden innerhalb von Beziehungen, wie Leute ausgenutzt werden. Ich
glaube, das ist das, was ich meine an Fettfeindlichkeit.
Genau, und das ist selbst, also Nur als Ergänzung.
Also ich habe vorhin, als du von deiner Beziehungserfahrung erzählt hast, habe ich so gedacht,
ja, also das, also Transparenz. Mein, ich bin auch in einer sehr langjährigen
Beziehung und mein Partner, also ich habe immer, ich habe
sehr positive Beziehungserfahrungen als dicker Mensch. Mein
Partner ist aber dünn. Das ist jemand, der inzwischen auch sehr, sehr viel mehr
weiß über viele Themen als am Anfang der Beziehung. Aber für mich hieß das eben
durchaus auch, und ich glaube, das heißt es auch für andere dicke Menschen, die mit
dünnen Menschen in Beziehungen sind. Stückweit Privatbildungsarbeit machen.
Also dass es selbst in so harmlosen Fällen
oder in gut laufenden Fällen selbst da noch bedeutet oder
bedeuten kann, es kann sein, dass ich hier was leisten muss, was andere Menschen
in romantischen Beziehungen nicht leisten müssen. Selbst bei den harmlosen Sachen ist
es trotzdem was, was Energie kostet. Auch wenn es auf
einen Partner stößt, der da offen dafür ist und sich dann auch
selber mit Sachen beschäftigt. Selbst dann ist Das ist halt noch was. Also neben
diesen ganzen krassen Beispielen, auch das ist was, was leider zur Lebensrealität von
dicken Menschen gehört. Und dann gibt es die ganzen krassen Beispiele eben auch
noch. Absolut. Genau. Und das mit der Bildungsarbeit, das ist
natürlich krass, wenn das nur in die eine Seite geht. Ich kenne das
halt auch eher so, dass es dann in beide Richtungen geht. Also ich bin
eigentlich immer mit Menschen gewesen, die auch Betroffenheit
mitbringen, wo ich privilegiert bin und wo es dann quasi auch
wo ich auch viel lernen durfte von
meinen Partner:innen. Ja, beidseitige Bildungsarbeit. Ich
finde, mit dem Thema Bildungsarbeit würde ich sagen, der Kreis schließt sich. Wir haben vorhin
mit Bildungsarbeit auch zum Teil angefangen. Das war der erste Teil
des Interviews mit Oriel. Alle erwähnten Links findest du
in den Shownotes und der zweite Teil kommt am nächsten
Samstag raus. Also die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass es wirklich der Samstag
wird. Der 21. März, da kommt der zweite Teil.
Und wie vorhin schon angekündigt, kommt hier noch mein Glitzer,
also etwas, was ich gerade mag, was mich beschäftigt. Genau, wahrscheinlich
hast du es mitbekommen, letzte Nacht war die Oscarverleihung, also in der Nacht von Sonntag
auf Montag, also unsere Nacht Sonntag auf Montag. Und ich hatte
gehofft, dass Sinners den Oscar für den besten Film
gewinnt. Das ist nicht passiert, und ich bin leider überhaupt nicht überrascht
und trotzdem so ein bisschen genervt, und habe gedacht, vor dem Hintergrund
empfehle ich mal zwei Dinge. Meine erste
Empfehlung ist eine Folge des Podcasts Vibe Check.
Die Folge ist letzte Woche am 11. März rausgekommen. Ich packe einen
Link irgendwie in die— ich guck mal, irgendwie wird irgendein Link für den schon
sein. Und es geht in der Folge vor allem um zwei
Filme, nämlich einerseits Sinners und andererseits der
Film, der dann gestern nachdem er den Oscar gewonnen hat für den
besten Film, nämlich One Battle After Another. Und
ich mag den Podcast Vibe Check generell sehr gerne. Also
ich schätze die beiden Hosts sehr, auch und besonders Saeed Jones.
Das ist einer von den beiden. Und ich schätze den Podcast sehr,
weil ja, weil er mir oft hilft, über politische und
popkulturelle Themen nachzudenken, also besser nachzudenken, noch mal anders darüber
nachzudenken. Und eben diese Folge zu den
Oscars, die letzte Woche erschienen ist, die fand ich eben unter
anderem deswegen hilfreich, um nochmal, also weil es mir geholfen
hat, über den Film Sinners nochmal anders nachzudenken oder den auch nochmal besser zu
verstehen. Und ich empfehle die Folge also, wenn
man einfach nochmal, also wenn man sich für Filme interessiert
und auch verstehen will, warum der eine Film gewonnen hat und der andere nicht, dann
ist Das finde ich eine gute Folge und auch generell der Podcast
ist sehr unterhaltsam. Und ich komme damit zu meiner
zweiten Empfehlung, das ist nämlich der Film Sinners. Also der Film an sich, den empfehle
ich auch. Ich weiß nicht, der ist schon jetzt auch echt lange draußen, also seit
Anfang letzten Jahres, ich glaube im Frühjahr letzten Jahres oder so erschienen.
Und wahrscheinlich bin ich irgendwie die letzte Person, die ihn noch nicht gesehen
hatte, aber falls du auch zu den Personen gehörst, die ihn noch nicht gesehen hatten,
hat dann hiermit eine große Empfehlung. Ich hatte den im Februar, also vor
3, 4 Wochen, endlich geschaut und war sehr begeistert.
Ich fand, also der ist
auf sehr verschiedene, auf sehr verschiedene Weisen finde ich sehr beeindruckend, der Film. Und ich
fand ihn sehr beeindruckend auf sehr verschiedene Weisen. Ich fand es erst beeindruckend, überhaupt
erstmal zu sehen, wie der Film mittendrin auf einmal zu so einem
lupenreinen Horrorfilm wird und auch mit diesen typischen
Horrorfilmregeln spielt. Und gleichzeitig ist der
Film aber eben auch viel, viel mehr als ein Horrorfilm und hat so ganz viele
verschiedene Lagen und Schichten. Und mir passiert es echt
selten, also mir passiert es überhaupt selten, dass ich Filme schaue, die 2 Stunden lang
sind, weil ich oft die Aufmerksamkeit nicht habe. Und mir passiert es noch seltener, dass
ich dann über einen Film ja sehr lange nachdenke, dass mir so ein
Film über Wochen nachhängt. Und bei Sinners war und ist das aber
so. Und ich fand eben so vieles faszinierend und ich fand unter anderem faszinierend
und gleichzeitig irgendwie auch sehr naheliegend, dass
Horrorfilme ja so ein perfektes Vehikel sind, um
eben Geschichten über Rassismus und über Weißsein zu erzählen.
Das war ja auch vor einigen Jahren schon so bei dem Film Get
Out, und Sinners macht das auch wirklich extrem
gut, obwohl es ein sehr anderer Film als Get Out ist. Aber die Zeit,
in der er spielt, ist auch eine sehr andere Zeit, also wo auch
Rassismus Weiß gar nicht, ob er mehr da war, aber er
war nochmal offener da als in der Zeit, in der er Get Out
spielt. Also beides tolle Filme und Sinners ist wirklich sehr, sehr großartig
und deswegen hier eine große Empfehlung für den Film Sinners.
Und dann noch ein letzter Gedanke zur Oscarnacht. Das ist jetzt ein bisschen spontan, aber
ich denke seit Stunden über ein Outfit nach
und gar nicht auf so eine gute Art. Jetzt auch nicht über eine negative Art.
Das, was ich jetzt hier nicht mache, ist Körper bewerten, bewerten oder Outfits bewerten, wie
die aussehen. Aber ich habe heute früh, also eine der ersten Sachen, die
ich gesehen habe, waren Fotos und
Videos des Schauspielers Connor Storrie.
Und ich muss seitdem über das Oberteil, was er getragen hat, nachdenken. Und zwar,
der war nicht bei der Oscarverleihung selbst, glaube ich, sondern er war bei einer dieser
Afterpartys und ist da eben dann auch da über den roten Teppich gegangen.
Und er hat so ein Rollkragenoberteil getragen.
Rollkragen finde ich also eh schon schwierig, ich für
mich, vor allem beim Tragen, aber ich kann es auch oft nicht gut bei anderen
sehen, fühle mich dann auch oft direkt unwohl. Ich habe aber auch sensorische Themen, also
Stichwort Neurodivergenz, und dann war dieses Oberteil auch noch
aus so einem ganz dünnen, durchsichtigen Stoff, und ich denke
seit Stunden darüber nach, dass sich das wahrscheinlich sehr kratzig auf der Haut
angefühlt hat und fühle mich dann direkt noch unwohler als,
ja, als jetzt eh schon bei dem Rollkragen. Also von daher,
das beschäftigt mich gerade und läuft gerade so in meinem Hinterkopf ab. Und ich kann
ja schon mal spoilern, und das wird jetzt auch wahrscheinlich niemanden überraschen, der diesen Podcast
schon länger hört: Voraussichtlich im Mai oder Juni gibt's hier eine Folge oder auch ein
Interview zum Thema Körperakzeptanz und so sensorische Empfindlichkeit.
Und vielleicht rede ich dann auch noch mal über kratzige Oberteile und was
das mit Körperakzeptanz zu tun hat oder vielleicht auch nichts zu tun hat. Soweit zu
mir. Ich wünsche dir eine schöne Woche mit möglichst
weicher und komfortabler und unkratziger Kleidung, und
wir hören uns bald wieder mit dem zweiten Teil des Interviews. Bis dann, tschüss!