Neurodivergenz trifft Körperakzeptanz: Interview mit Andrea Dannhauser (Teil 1)
11.05.2026 55 min
Zusammenfassung & Show Notes
In dieser Folge erfährst du, wie Neurodivergenz Körperakzeptanz beeinflussen kann. Gemeinsam mit Andrea Dannhauser spreche ich über gesellschaftliche Erwartungen, Scham, Etiketten in Kleidung, Sonnencreme und vieles mehr.
In dieser Folge erfährst du, wie Neurodivergenz Körperakzeptanz beeinflussen kann. Gemeinsam mit Andrea Dannhauser spreche ich über gesellschaftliche Erwartungen, Scham, Etiketten in Kleidung, Sonnencreme und vieles mehr.
Links:
Andreas Instagram Account
www.instagram.com/andrea_dannhauser
Andreas Website
https://ad-beduerfnisorientierte-beratung.de/
Andreas Podcast „Zeit zu wachsen“
https://zeit-zu-wachsen.letscast.fm/
Gemeinsame Folge in Andreas Podcast: „Wie vermitteln wir Kindern ein positives Körperbild?“
https://zeit-zu-wachsen.letscast.fm/episode/episode-85-wie-vermitteln-wir-kindern-ein-positives-koerperbild
Empfehlung von Ira zum Thema Neurodivergenz (spannende Perspektive und gute kostenfreie Materialien)
https://www.livedexperienceeducator.com/resources
Meine Angebote:
✨Kostenfreies Kennenlerngespräch:
https://tidycal.com/1vwgwv3/erstgespraech
🌟 Coaching:
https://www.ira-schumann.de/coaching
💛 6 Wochen-Selbstlernkurs:
https://www.ira-schumann.de/programm-koerper
🤩 Für 0€:
https://www.ira-schumann.de/check-in-koerper
Links:
Andreas Instagram Account
www.instagram.com/andrea_dannhauser
Andreas Website
https://ad-beduerfnisorientierte-beratung.de/
Andreas Podcast „Zeit zu wachsen“
https://zeit-zu-wachsen.letscast.fm/
Gemeinsame Folge in Andreas Podcast: „Wie vermitteln wir Kindern ein positives Körperbild?“
https://zeit-zu-wachsen.letscast.fm/episode/episode-85-wie-vermitteln-wir-kindern-ein-positives-koerperbild
Empfehlung von Ira zum Thema Neurodivergenz (spannende Perspektive und gute kostenfreie Materialien)
https://www.livedexperienceeducator.com/resources
Meine Angebote:
✨Kostenfreies Kennenlerngespräch:
https://tidycal.com/1vwgwv3/erstgespraech
🌟 Coaching:
https://www.ira-schumann.de/coaching
💛 6 Wochen-Selbstlernkurs:
https://www.ira-schumann.de/programm-koerper
🤩 Für 0€:
https://www.ira-schumann.de/check-in-koerper
Transkript
Willkommen beim Podcast Körper und Gesellschaft, dem Podcast für das Thema
Körperakzeptanz. Mein Name ist Ira Schumann.
Das Thema dieser Folge wirkt vermutlich auf den ersten Blick
ungewöhnlich. Es geht nämlich um Neurodivergenz und darum, was das
mit Körperakzeptanz zu tun zu tun haben kann. Bevor
ich dazu mehr erzähle, kommt hier noch der Hinweis auf ein Angebot
von mir. Wenn du die letzten Folgen gehört hast, dann weißt du schon,
dass ich öfter von meinem neuen Coaching Angebot erzählt habe. Hier noch mal
die Erinnerung, dass es bis Ende Mai eine Einführungsaktion gibt.
Zu jeder Buchung gibt es meinen 6 Wochen Kurs, mich mit meinem Körper anfreunden
als Bonus gratis dazu. Und ich hatte in der letzten Folge
dazu eingeladen, dir ein minütiges kostenfreies Gespräch mit
mir zu buchen für deine Fragen rund um
Coaching. Hinterher habe ich aber gedacht, dass
das, was ich da erzählt habe, vielleicht eher davon abhält, sich
dieses Erstgespräch oder Kennenlerngespräch zu buchen. Also
weil vielleicht das Bild entstanden ist, dass du ganz viele Fragen oder überhaupt
Fragen mitbringen musst, aber das musst du gar nicht,
denn ich habe so eine Art Leitfaden für das Gespräch. Also ich habe Fragen, die
ich immer stelle und und Infos, die ich typischerweise in so einem Gespräch
gebe. Das heißt, wenn du denkst,
das würde mich schon interessieren, aber ich habe jetzt nicht sofort ganz viele Fragen, dann
ist es nicht so, dass wir schweigend voreinander sitzen würden,
wenn du dieses Gespräch buchst, sondern es gibt eben diesen Ablauf und meistens
entstehen dann im Reden auch Fragen. Um deutlicher zu
machen, was genau in so einem Kennenlerngespräch, in einem Erstgespräch
passieren kann oder was so typischerweise der Ablauf ist,
habe ich das einfach mal auf der Buchungsseite für dieses
Erstgespräch ausführlicher beschrieben. Den Link zum
Buchungskalender, wo du dann eben auch diese Beschreibung findest, findest du in den
Shownotes und dort findest du auch die Links zum Coaching Angebot und
zu diesem 6 Wochen Kurs, den ich als Bonus dazu gebe bis Ende Mai.
Jetzt aber zur aktuellen Folge. Gleich hörst du den ersten Teil
des Interviews mit Andrea Dannhauser und wie schon angekündigt, wir haben
über Neurodivergenz gesprochen, also was das eigentlich ist, wie man da
draufschauen kann und wie sich das auf Körperakzeptanz auswirken
könnte. Das Gespräch ist ziemlich persönlich geworden, was einfach daran liegt,
dass Andrea und ich beide Neurodivergent sind und einfach viel von
unseren eigenen Erfahrungen erzählen. Ich wünsche
dir sehr viel Spaß beim Hören und am Ende der Folge gibt es dann noch
etwas Glitzer obendrauf. Bis dahin. Andrea, willkommen im Podcast.
Andrea Dannhauser. Wir beide kennen uns aus
einem, ich sag immer so Business Programm, also aus einem Programm,
wo es um Aufbau und Ausbau der Selbstständigkeit ging. Also das
ist der Zusammenhang, wo wir uns ursprünglich herkennen. Wir kennen uns seit zwei, drei
Jahren. Für diejenigen, die dich aber nicht kennen, kannst du bitte
einmal kurz sagen, wer bist du, was machst du?
Hi, also ich bin die Andrea Dannhauser. Ich komme aus der Nähe von München,
bin ursprünglich Erzieherin und habe während Corona, wie so
viele andere Menschen auch, viele Weiterbildungen gemacht. Bin selber
Neurodivergent und deswegen hat sich das für mich schnell als Thema herausgearbeitet
und arbeite jetzt als Fach und Familienberaterin zum Thema
Neurodivergenz und anderen Erziehungsthemen
und auch als Referentin und Trainerin für pädagogische Fachkräfte.
Und ich überlege gerade, vielleicht sage ich einmal, dass ich bei dir schon mal zu
Gast war und packe das auch in die Show Notes rein. Das ist nämlich schon
unser zweites Podcast Gespräch. Jetzt einmal umgedreht, fällt
mir gerade ein. Genau, kommt in die Show Notes rein und wir haben abgesprochen.
Ich erzähle einmal so ein bisschen den
Hintergrund, warum ich dich überhaupt eingeladen habe, was dieses Thema für mich mit
Körperakzeptanz zu tun hat. Und dann legen wir los, weil wir so gern quatschen. Jetzt
komm, weil wir so gern quatschen, hast du mich eingeladen und wir sind auch wirklich
schlecht darin, so zwischendurch das irgendwie hinzukriegen, uns einfach mal so zu sprechen. Ich
habe immer noch eine Sprachnachricht von dir von vor, glaube ich, 6 Wochen, die ich
noch nicht mal abgehört habe, wo ich immer denke, stimmt, da war noch was, wo
ich dich irgendwas. Die war bestimmt zeitkritisch. Ich schwöre, die war zeitkritisch.
Das ist jetzt echt schwierig. Oh mein Gott,
den restlichen Podcast, Podcast Aufnahme schlecht. Nein, aber jedenfalls wollte nur sagen,
Andrea, ich höre deine Sprachnachricht auch noch demnächst ab.
Ihr hört diesen Podcast jetzt aber schon fertig, der bleibt jetzt nicht irgendwo liegen.
Und ihr sagt in sechs Wochen, ihr habt den Podcast noch nicht angehört mit der.
Das geht nämlich nicht. Jetzt muss ich erst mal kurz wieder
sammeln Also die Idee ist, ich leite einmal quasi hin, erkläre so ein
bisschen, warum ich dich eingeladen habe und dann würdest du so ein bisschen was zu
den Grundbegriffen sagen und dann gehen wir auch zusammen eher so in eine Art von
Gespräch, weniger Interview, auch eher Gespräch, OK. Vielleicht für
die Hörer innen zur Erklärung, warum dieses
Thema jetzt hier heute, weil Neurodivergenz wirkt vielleicht auf den ersten
Blick seltsam in einem Podcast, wo es ums Thema Körper geht. Auf den ersten Blick
hat es vermeintlich ja vielleicht miteinander gar nicht so viel zu tun. Und ich hatte
halt schon seit ein, zwei Jahren, also eigentlich seitdem es den Podcast gibt,
die Idee, dass dieses Thema hier mal Raum finden soll und hatte da eben auch
sofort an dich, Andrea, gedacht, weil ich habe vor ein, zwei Jahren einen Instagram
Post gesehen, wo jemand, ich glaube da war eine dicke Frau in einem Badeanzug
drauf, ich weiß nicht, wer das war, ich würde diesen Post auch nie wiederfinden. Und
da ging es in diesem Text zu dem Post, ging es irgendwie darum,
dass das Unwohlsein im eigenen Körper vielleicht gar nicht so viel mit dem Badeanzug zu
tun haben könnte, sondern vielleicht auch damit, dass zum Beispiel nasse Badekleidung sich einfach auf
der Haut nicht gut anfühlen könnte. Also es ging um diese Ebene von
so, oh, es könnte auch an anderen Themen liegen, dass du dich gerade nicht wohlfühlst
und vielleicht liegt es nicht an deinem Gewicht. Und ich habe so, bin da so
dran hängen geblieben innerlich an diesem Instagram Post,
weil ich das auch genau, also ich bin selber auch Neurodivergent, das habe ich glaube
ich hier im Podcast auch schon ein paar Mal gesagt und ich kannte mit dieser
Idee total was anfangen, weil mir das eben auch immer mal wieder so geht, dass
ich in Momenten, wo ich das Gefühl habe, so irgendwie passt was nicht, ich fühle
mich nicht so richtig wohl, dass ich dann halt auch immer wieder da
lande, dass ich denke, ah ja, es hat irgendwie was mit so sensorischen Sachen zu
tun, also irgendwie die Kleidung, es hat was mit Kleidung oder ich hatte gestern gerade
Sonnencreme auf der Haut, das gerade jetzt in der Jahreszeit für mich ein Riesenthema ist,
sonst das Gefühl möchte irgendwas in Brand setzen, weil ich mich so
unwohl fühle irgendwann nach ein paar Stunden. Also solche Sachen. Deswegen hat
dieser Instagram Post bei mir glaube ich total, bin ich da so
dran hängen geblieben und hab gedacht, okay, spannend. Wahrscheinlich
geht es nicht nur mir so, sondern wahrscheinlich geht es auch anderen Leuten so. Und
es wäre wahrscheinlich cool, mal drauf zu gucken im Podcast, wie
Neurodivergenz vielleicht mit dem Thema Körperakzeptanz zusammenhängen könnte, wo es das
vielleicht manchmal auch ein bisschen schwerer macht. Vielleicht macht es auch einfacher, keine Ahnung,
also Fragezeichen. Aber dass wir einfach mal darüber reden. Vielleicht ist es ja auch
spannend für ein paar Zuhörer. Also das ist einfach der Hintergrund, warum ich dich
eingeladen habe, neben dem, dass ich dich natürlich sowieso schätze mit deiner Arbeit.
Ich habe gerade den Begriff Neurodivergenz schon mehrmals gesagt,
der ist im Podcast ab und zu mal gefallen, aber ich habe ihn noch nie
erklärt. Deswegen wäre meine erste Bitte an Kannst du einfach
kurz erklären, wie verwendest du den Begriff Neurodivergenz?
Den Begriff Neurodivergenz verwende ich in der Form, dass
in meiner Bubble, die mittlerweile immer weiter wächst, also wo sich Leute für
ADHS, Autismus, LRS
etc. Interessieren, sprechen wir von Neurodivergenz, weil
es einfach bedeutet, das ist quasi, das sind
Gehirnentwicklungen, Gehirnstrukturen, die nicht,
ich sage jetzt nicht der Norm entsprechen, sondern
der Großteil der Menschen hat eine andersartige
Gehirnstruktur, eine andere Art der Wahrnehmung
als wir Neurodivergenten. Und das heißt, wir haben eine
Divergenz, also wir weichen ab von diesem Großteil. Es ist eine
Andersartigkeit. Und ich mag den Begriff so gerne,
weil also gerade meine Themen, die ADHS und
das Autismus Spektrum, die haben beide in der Klassifizierung
hintendran das hässliche Wort Störung, was mich extrem
stört. Die Störung stört mich, weil ich mich nicht als gestört empfinde,
weil ich Menschen, die ADHS haben oder auf dem Autismus Spektrum sind, nicht als gestört
empfinden, im Gegenteil. Und Neurodivergenz betont einfach,
das ist ein Anders und nicht ein Schlechter. Und das finde ich ganz, ganz
wichtig. Also eigentlich beschreibt es nur eine Andersartigkeit der
neurobiologischen Entwicklung letztlich.
Genau, ja. Und ich hatte, bevor wir angefangen haben,
bevor wir angefangen haben aufzunehmen, habe ich mit dir abgesprochen, dass ich
so ein bisschen ergänze, was gerade meine Perspektive sind oder
Begriffe, Konzepte, die ich gerade hilfreich finde im Nachdenken über
Neurodivergenz. Gerne. Vielleicht sollte ich noch mal sagen. Genau, du hast schon gesagt, du bist
Neurodivergent. Ich habe es im Podcast schon immer wieder gesagt. Ich habe es noch
mal im Vorgespräch gesagt, dass ich, ich würde mich am besten
wiederfinden an dieser Schnittstelle zwischen ADHS, Autismus, aber ich
bin nicht diagnostiziert und habe auch noch nicht probiert, mich diagnostizieren zu lassen und
bin da auch aus vielen Gründen kritisch bis unsicher. Und manchmal denke
ich, vielleicht werden Medikamente aber doch gut. Genau, Klammer zu. Also das ist einfach so
meine Positionierung in dem Ganzen. Und was ich gerade, ich bin
halt selber auch noch sehr im Nachdenken
und auch immer noch neue Ideen entwickeln. Also für mich selbst, Ich
bin jetzt 46 und ich glaube, ich habe mit 40 überhaupt erst
angefangen, darüber nachzudenken, ob Neurodivergenz Thema sein könnte, obwohl es rückblickend
so viel Anzeichen gab und so, Aber das geht ja ganz vielen so. Also
es ist ja auch der Klassiker, spätdiagnostizierte Frauen. Genau,
und für mich kam das dann erst so langsam und Ich glaube, seit 2022 benutze
ich den Begriff dann so für mich und bin immer noch so am Nachdenken.
Und da kommen eben dann auch manchmal so Sachen ins Spiel, dass ich denke, ah,
ich entdecke was und denke, oh, okay, spannend, damit kann ich was anfangen. Und was
ich jetzt gerade letztens vor zwei, drei Monaten bin ich über jemanden gestolpert. Ich habe
Andrea schon gesagt, ich weiß nicht, wie der Handle, der Instagram Handle der Person ist,
aber ich kann auch gerne was von der Person dann auch noch in
die Show Notes packen. Ich glaube, die Person heißt, glaube ich, Sonny Jane Wise
und die Person nutzt Begriffe, die ich hilfreich finde. Ein Begriff ist
Neuronormativität. Und worum es in der Arbeit
geht, ist eben genau wegzukommen auch von diesen, ah,
die Biologie ist irgendwie anders. Also vielleicht auch wegzukommen von
so einer bisschen so medizinischen Denke, die ja auch bei diesem Thema
sehr dominiert und die für mich auch tatsächlich Teil des Ganzen ist, warum das immer
alles als Störung beschrieben wird. Ja, genau. Also das ist, wir hatten in
der letzten Folge ging es um Behinderung und da gibt es ja auch diese
medizinische Perspektive, wo immer alles sofort eine Störung ist oder
krankhaft ist und immer alles so defizitär. Absolut, genau. Und ich finde, ich
finde so, also ich finde generell bei Thema Neurodivergenz ist man schnell beim Thema
Behinderung oder auch beim Thema Ebel ist, was das Thema der letzten Folge war. Und
eine ähnliche Perspektive gibt es eben auch bei diesen ganzen Neurodivergenzgeschichten.
Und ich finde diese Person, ich glaube Sonny Jane Wise, wie gesagt, heißt die
Person, dass es da halt diese Idee gibt von Lass uns davon
mal wegkommen und lass uns das eher als neurodivergent, als eine
soziopolitische Identität begreifen im Sinne von alle
Menschen, die irgendwie von bestimmten Normalitätsvorstellungen
abweichen, sind neurodivergent. Und
die Person nutzt eben auch diesen Begriff der Neuronormativität. Also diese Idee
von es gibt einfach ein System
von Ideen, was darauf hinausläuft, dass es eine
Erwartung gibt, dass Menschen so und so funktionieren in unserer Gesellschaft.
Also und da sind halt, das sind eben, ist eine kapitalistische Ideologie,
die dahinter liegt, kolonialistisch. Also es gibt eine bestimmte Idee, ist ja auch noch nicht
so lange. Also wenn man jetzt die Menschheitsgeschichte mal sieht, dann ist das so ein
Blip eigentlich in der Zeit. Total. Wo das erwartet wird sich so zu.
Absolut. Und diese Erwartungen haben ja. Und das ist vielleicht auch noch mal ein
Rückbezug auf die letzte, auf das letzte Interview mit Rebecca
Maskos. Da ging es viel darum, dass Behinderung viel mit Arbeitsfähigkeit zu tun
hat oder wer wird als arbeitsfähig gesehen? Was kannst du leisten? Genau. Und ich
finde beim Thema Neurodivergenz ist das ja genau auch drin, diese Erwartungen
an das Funktionieren. Da geht es oft um Arbeitsfähigkeit und wer kann in
unserer Gesellschaft gut funktionieren? Und ich finde
diesen Begriff Neuronormativität und dahinter steckt ja die Idee zu Hey, lass uns
lieber weniger auf Gehirnstrukturen schauen, sondern lass uns lieber auf diese
Normalitätsvorstellungen schauen. Damit kann ich total
viel anfangen. Ich finde in diesen Diskussionen um
Neurodivergenz geht es eben noch sehr oft um Diagnosen und ich finde, es hat auch
seine Berechtigung. Und gerade das Thema Medikamente. Wir leben einfach in einer Gesellschaft,
wo du diese Medikamente nicht ohne Diagnose bekommst. Ja. Und auch dann
fühlst du dich wie der Junkie, der am Bahnhof irgendwo oder vielleicht höchstens noch sein
Methadon irgendwo abholen darf in der Apotheke, ehrlich gesagt. Aber ich finde es
jedenfalls hilfreich gerade und wollte es einfach als Ideen, vielleicht Menschen, die für Hörer
innen, die selber über Neurodivergenz gerade nachdenken, wollt ihr es gerne mal
reinbringen, dass es da einfach auch verschiedenste Sichtweisen gibt und
man ja auch so ein bisschen auswählen kann, welche Begriffe
funktionieren für mich. Ich habe vorhin schon gesagt, sensorische Themen. Ich habe das,
also dass ich so sensorische Themen habe und ich bin mir gar nicht sicher, ob
das ein Begriff ist, der überhaupt gängig ist. Deswegen würde ich dich bitten, also das
ist quasi meine Übersetzung, die für mich funktioniert von
diesem englischsprachigen Begriff. Achtung, Konzentration, Sensory
issues. Danke, dass du sagst. Genau, ich hätte mich jetzt sehr konzentrieren müssen. Genau, die
sensory issue, also das ist quasi das, so verwende ich. Ich sage
sensorische Themen, wenn man es googelt, ist man sofort in sowas Defizitärem
drin. Auffälligkeiten und so, das passt für mich überhaupt nicht,
weil für mich sind es erstmal Themen, aber ich frage mich, ist das überhaupt gängig?
Wie würdest du das sprachlich beschreiben und vor allem, was verbirgt sich dahinter?
Also ich versuche es immer großräumig zu umschreiben mit dem
Begriff Wahrnehmungsthematiken tatsächlich, was ja im
Endeffekt ist gehüpft wie gesprungen, glaube ich, einfach
um halt zu sagen. Und auch da betone ich immer wieder, gerade wenn ich Schulungen
mache oder so, dass es Besonderheiten sind im Sinne von, das
erleben wir vielleicht seltener als bei dem Gros der Kinder, die wir jetzt in
der Gruppe haben, aber es ist immer ein Teil der Kinder, die da Besonderheiten haben
bei der Wahrnehmung, die Dinge anders empfinden, die
über oder unter sensibel sind, was Sensorik
angeht. Also bei verschiedenen Themen, die zum Beispiel nur ganz scharfes
Essen oder ganz stark salziges Essen essen würden oder andere, da darf
nicht mal ein Hauch von Salz dran sein, sonst empfinden die das als zu dolle.
Also dass das halt einfach meist eine andere Wahrnehmung ist als
bei Otto Normalverbraucher in quasi Ottilie
Normalverbraucher. Aber ich beschreibe das auch oder umschreibe das eigentlich auch mit
Wahrnehmungsthematiken, weil ich eben versuche, wenn es irgendwo
geht, den Begriff Problematik zum Beispiel auszulassen, dann
würde ich sagen, lass uns doch einfach zu dem Teil kommen, der eher gesprächiger ist,
eher so Richtung Austausch. Und die Idee war eben wirklich
mal zu schauen, welchen Zusammenhang könnte es eben geben zwischen
Neurodivergenz, zwischen Körperakzeptanz. Kann
es sein irgendwie, dass Neurodivergenz manchmal vielleicht auch
Körperakzeptanz schwieriger macht? Vielleicht macht es, ich
habe, vielleicht macht es manchmal auch leichter. Ich weiß es nicht. Also ich habe manchmal
auch die Vermutungen, dass es Sachen gibt, die auch hilfreich sein könnten.
Aber ja, was ist der Zusammenhang überhaupt zwischen diesen zwei Themen?
Und wir haben eben besprochen, dass wir einfach von
unseren Erfahrungen ausgehend das mal erzählen oder uns dazu austauschen,
dass wir es gar nicht so abstrakt machen im Sinne von das könnte sein das,
sondern wir von unseren Sachen erzählen. Dann wäre die Ich kann anfangen
oder du könntest anfangen,
wie du willst, Ich kann auch gerne anfangen. Schau doch mal, was für dich so,
welche Zusammenhänge du so siehst. Also was ich auf jeden Fall sehe,
ist also klar die sensorische Thematik, die sensorischen Themen, also die
Wahrnehmung, das macht was aus, wenn jeder Knubbel
in einer Hose dich wahnsinnig macht. Also ich habe eine Jeans, die ich eigentlich liebe,
aber da war ganz lange ein total komisches Etikett an einer Stelle, wo das nicht
hingehört hat, irgendwo am Oberschenkel. Bei
blöden Bewegungen kam das dann immer so durch und das hat mich wahnsinnig gemacht.
Mehr sagen, ich versuche, das ist auch so ableistisches Vokabular, was
mir immer wieder rausrutscht. Sorry, hat sich nichts.
Oder das Etikett der Jeans. Genau, das hat sich nicht gut angefühlt und es hat
mich wirklich extrem überreizt und ich habe es aber auch immer abends
dann vergessen wieder rauszuschneiden und mir ist es erst dann wieder eingefallen, wenn ich irgendwo
unterwegs war und halt natürlich keine Schere zur Hand war oder so. Also ich glaube,
das macht was aus, dieses Kleidung nicht fühlen. Oder du
hattest vorher so ein Beispiel gebracht mit dem nassen Badeanzug von dem Post. Das kann
ich mir auch absolut vorstellen. Was bei mir
persönlich aber glaube ich, das Größte ist, ist einfach dieses
Gefühl von anzuecken, von nicht in
ein Bild zu passen, nicht zu sein wie die
anderen quasi, also ich war ein dickes Kind, zwischenzeitlich war ich dann
mal recht schlank, habe mich aber nie schlank gefühlt, das auch gleich
reingeschoben. Ich glaube, in meinen dünnsten Zeiten, wo es echt schon fast
wenig war an Gewicht, muss ich sagen, fand ich mich immer noch extrem moppelig. Jetzt
sehe ich auf Fotos, nein, machst du absolut nicht, war kein Gramm an dir dran.
Aber das merke ich schon, dass ich also A, nicht gern
im Mittelpunkt stehe, was das angeht, was Äußerlichkeiten angeht, da fühle ich
mich extrem unsicher. Und dass ich natürlich auch merke, in
unserer Gesellschaft ist ja null Akzeptanz für Menschen mit mehr
Körperfülle. Und das geht ganz wie einher mit
Vorurteilen, mit, ja, weiß ich nicht. Also wobei ich schon
der Meinung bin, dass es bestimmt ganz viele Menschen gibt, die dicke Menschen wunderschön
finden, sehr, sehr viele sogar, oder für die das überhaupt nicht ein
Thema ist. Aber es ist halt auch viel in meinem Kopf noch dieses, das ist
nicht so, wie das sein soll, das ist zu viel, das ist nicht
richtig, jetzt bin ich auch noch älter, jetzt bin ich auch noch faltig, die Haare
werden dünner, keine Ahnung. Also dieses ganze optische Ding gar nicht, nur die Körperform
entspricht quasi nicht der Erwartung, den Anforderungen der Welt.
Und mein Bogen zur Neurodivergenz spannt sich halt dahin, dass
du, wenn du Neurodivergent bist, diesen vermeintlichen Erwartungen, die die
Gesellschaft hat, halt auch meistens nicht entsprichst oder wenn, dann nur
unter ganz hohen Kosten für dich selber. Es gibt Leute, die haben Top
Noten, die kommen überall super an, aber zu einem Preis,
zu einem ganz hohen Preis. Und ich glaube, so
meine kleine Andrea, so innen drin, die wird sich einfach mal wünschen, eines
von diesen hübschen Mädchen mit den tollen Kleidern oder den tollen Klamotten
gewesen zu sein, mit den Schleifchen, bei der die Haare nie verrutschelt waren und
strubbelig waren und die nicht immer irgendwo einen Fleck hatte und die halt auch nicht
immer einen Ticken zu dick war für die Meinung anderer. Ich
würde da quasi immer noch gern dazugehören anscheinend, weil
ich immer das Gefühl habe, sobald ich Angriffsfläche biete. Und wenn du dick bist,
dann bietest du für so viele Menschen Angriffsfläche, die irgendwelche
Charaktereigenschaften auf dich projizieren, die überhaupt nicht zutreffen. Ich würde gern
so wenig Angriffsfläche wie möglich bieten, weil ich schon so oft angegriffen worden bin.
Und ich glaube, dass das ganz vielen neurodivergenten Menschen so geht, dass die sehr lange
in ihrem Leben drum kämpfen, Anerkennung zu kriegen, ja nicht
negativ gesehen zu werden, einfach weil sie schon so oft diese
Erfahrung gemacht haben, ausgegrenzt zu werden oder halt mit negativen
Eigenschaften betitelt zu werden aufgrund ihrer
Neurodivergenz und vielleicht auch ihres Aussehens. Also
das kam bei mir einfach mit hinzu. Das kann ich bei mir jetzt auch gar
nicht trennen, weil es halt sehr persönlich ist. Ich kenne aber viele,
denen es ähnlich geht tatsächlich. Also über diese Idee von Angriffsfläche bieten habe ich
noch gar nicht nachgedacht. Wo sich für mich auf jeden Fall trifft
in den Zuschreibungen ist diese Zuschreibung von Faulsein.
Also ich habe eben auch Undisziplin. Absolut. Also für mich war, ich
habe wirklich eine meiner Schlüsselsituationen in meinem Leben rund ums Thema
Neurodivergenz ist, dass ich bin 22 und in einer
Prüfung im Studium und die Prüfung war nicht schlecht, aber sie war auch nicht
so super gut. Und der Dozent sagt hinter mir, also bei diesem Auswertungsding, wo man
dann die Note erklärt kriegt, sagt der eine zu Frau Schumann, sie sind
begabt, aber faul. Und das traf jetzt
auf mich. Also das Und da kreuzt es sich. Als dicker Mensch gilt du ja
eh schon immer als faul und undiszipliniert. Genau. Und dann
bin ich auch schon, also auch schon seit Schulzeit mit diesem Bild
rumgelaufen von irgendwie Arbeit kriege ich auch nicht hin oder so
Schulaufgaben, also immer alles, immer alles auf den letzten Drücker. Und
also diese Zuschreibung von faul sein, die kannte ich schon und hatte das,
glaube ich, schon auch verinnerlicht. Das war festigt. Und das hat sich natürlich total gut
getroffen. Wenn du von allen Seiten aufgrund deines Körpers und aufgrund deiner
Art, wie dein Gehirn funktioniert, immer zugeschrieben bekommst, dann muss das wohl so sein. Dann
bist du wohlwollend faul. Und ich kann ja mal sagen, mein Aha Erlebnis und warum
ich überhaupt angefangen habe, über das Thema Neurodivergenz nachzudenken, war,
dass 2020 mein Partner und ich super viel hier
zusammengearbeitet haben. Mein Partner irgendwann mir zurückmeldete, du arbeitest ganz
schön viel. Und er kannte mich eben auch mit so, ich bin immer auf halben
Stellen oder auf 30 Stunden Stellen, wobei das auch alles schon viel Arbeit ist. Und
ich glaube, er war überrascht, wie intensiv meine
Arbeitstage so sind. Und ich habe erst darüber
angefangen, über diese, es hat diese Rückmeldung von außen gebraucht,
dass ich überhaupt mal angefangen habe nachzudenken, stimmt diese Zuschreibung, ich bin
faul überhaupt. Und von da dann hat so ein längerer Prozess angefangen, wo ich dann
eben irgendwann gelandet bin von, oh ja, ich bin offensichtlich neurodivergent. Und ich finde es
so krass, dass, also ich finde, das ist eine krasse Überkreuzung, dieses
Faulsein oder das irgendwie die Person könnte ja,
wenn sie wollte. Also es gilt sowohl für, wenn ich mich anstrenge, wenn du
sagst, das trifft mich immer noch voll. Also dieses, das resoniert bei mir total,
weil ich weiß, das ist das, was ich irgendwo hier im Kopf hab. Ja, und
das ist auch, also und ich glaube, deine zweite Parallele sind auch starke Schamgefühle. Also
ich habe das gar nicht so stark rund um den Körper, aber,
also oder lange lange schon nicht mehr, aber ich habe das ganz
lange schon auch immer noch sehr stark rund um das Thema Arbeit.
Ich bei allem, bei beiden total. Und ich weiß, ich arbeite furchtbar viel. Ich
arbeite oft, also Thema Selbstständigkeit, wir sind Transparenz, wir sitzen hier gerade am
1. Mai um 10 Uhr 38 an einem Feiertag und nehmen
diesen Podcast ab. Das heißt, ich glaube aber auch Transparenz, es fühlt sich
nicht an wie Arbeit, absolut nicht. Aber ich glaube, wir arbeiten, ich habe das
Gefühl, so Leute, die so selbstständig sind und ihre eigenen Arbeitsstrukturen basteln, arbeiten oft viel,
viel, weil es ist auch so schwer, das so gut einzugrenzen. Und dieses Work
Life Balance ist ein Riesenthema noch mal stärker für mich, noch mal stärker in der
Selbstständigkeit, weil ich halt nie weggehe aus einem Büro und dann fertig bin.
Und das heißt, ich weiß eigentlich, ich arbeite viel, ich tracke meine
Stunden, ich weiß auch, was ich gemacht habe, ich dokumentiere
Sachen auch, ich feiere Sachen. Und trotzdem, ich habe immer das Gefühl, nicht genug zu
machen und ich habe immer das Gefühl von, ich funktioniere nicht so und es kommt
ganz schnell auch zum Beispiel bei diesem Podcast, was ich für Schamgefühle
habe, wenn ich es nicht schaffe, eine Folge rauszubringen, obwohl ich eine rausbringen wollte.
Und das ist für mich, das ist für mich auch mein größtes Thema mit
ich versuche ja so zu leben, dass ich freundlich zu mir selbst bin. Und
das betrifft ganz viel das Thema Körperakzeptanz. Für mich betrifft es ganz viel das Thema
Neurodivergenz, immer wieder mir zu sagen, hey, wenn du heute gerade
nicht so viel leisten kannst, das ist völlig in Ordnung und mir das immer wieder
so zuzugestehen. Und beim Thema Körper kann ich wirklich sehr einfach
inzwischen oft freundlich sein, wobei die Sachen sind ja auch überkreuz. Also
vielleicht ist es auch gar nicht so einfach. Also dieses, wenn ich zum Beispiel zu
müde bin, um gut arbeiten zu können oder um das machen zu können, was ich
mir vorgenommen hatte, dann ist das oft wirklich ein Prozess. Das dauert eine
Weile, bis ich dann auch sagen kann, vielleicht ist es heute einfach nicht. Vielleicht geht
Arbeit heute gar nicht oder es gehen nur bestimmte Sachen. Aber das ist unheimlich
schambesetzt. Und das ist für mich. Und ich weiß, dass, also wie gesagt, ich
habe das mit dem Thema Körper nicht mehr ganz, mit dem Thema Aussehen und Gewichten
ich schon lange nicht mehr so stark, aber ich glaube auch beide
Themen sind mit dem Thema Scham belegt. Sehr
voll. Also das ist überhaupt ein großes Thema, sich
schämen dafür quasi nicht so zu sein, wie das vielleicht
andere erwarten, ohne dass die das ja sagen. Also meistens ist unser direktes
Umfeld ja hoffentlich völlig okay damit, wie wir sind,
sollten sie jedenfalls sein, sonst, sorry, müsst
ihr da euch vielleicht auch mal an die eigene Nase packen. Aber dieses wirklich
immer das Gefühl, also ich kenne das bei mir auch, dass wenn ich zu
Hause oft auf der Couch sitze und überlege, dann ist es
auch Arbeiten, wenn ich gerade an einem Post arbeite, dann mache ich das oft im
Kopf oder ich kriege oft Ideen beim Ferngucken oder
beim Spazierengehen, beim Fahrrad fahren, beim Duschen krieg ich total gute Ideen, keine Ahnung. Und
wenn mein Mann aber dann quasi, der dann schon seit drei Stunden im
Homeoffice im Keller sitzt und er kommt da mal kurz rauf und holt sich einen
Keller, einen Keller, einen Kaffee und guckt dann irgendwie ins Wohnzimmer, wo ich auf der
Couch sitze, vermeintlich nichts tue, oder vielleicht sogar
ferngucke, aber eigentlich nebenbei durchaus was mache oder halt
vielleicht vorher ganz intensiv was gemacht habe und mich jetzt einfach runterfahren muss, dann
habe ich jedes Mal so einen kurzen Stich. Jetzt denkt er wieder, du arbeitest
nichts und der arbeitet so viel und jetzt denkt er bestimmt, boah
krass, oder die Wäsche steht daneben und ich liege auf der Couch und guck fern,
weil ich einfach den ganzen Vormittag gearbeitet habe und gerade nicht mehr kann. Und der
sagt überhaupt nichts. Aber mein Gedanke ist, der denkt jetzt garantiert, wie
faul du bist, weil du müsstest eigentlich Wäsche zusammenlegen, die steht direkt neben dir.
Stattdessen legst du auf der Couch, trinkst Kaffee und guckst irgendwie Big Bangs. Ey,
macht ja auch Sinn, dass beides, also sowohl dieses körperliche als auch das Thema
Neurodivergenz sich ähnlich schambesetzt anfühlt, weil bei beiden ist es ja wirklich dieses
Kurs von so schön gesagt, dieses Anecken, also dieses Wissen, ich
entspreche den Anforderungen nicht. Das ist beim Thema dick sein so. Ich weiß ganz genau,
die Norm ist eine andere und ich genüge der nicht und ich schaffe es auch
nicht abzunehmen vielleicht, Obwohl ich schon 50 mal probiert habe.
Und dann beim Thema Arbeiten, alle anderen kriegen es ja vermeintlich auch hin, von
9 bis 17 im Büro zu sitzen, warum kriege ich das nicht hin? Und
ja, also da kann ich jetzt mittlerweile besser, dass ich einfach, also ich
habe für mich total verstanden, ich könnte auch gar nicht mehr angestellt
arbeiten, also da müsste ich in eine extreme finanzielle Notlage kommen, dass ich das noch
mal machen würde. Und ich weiß, dass es mir dann extrem schlecht gehen würde, auch
gesundheitlich, weil ich es nicht kann. Also weil das komplette Raubbau wäre, so
wie ich jetzt arbeite, das ist für mich das höchste der Gefühle und das liebe
ich auch. Ich arbeite unheimlich gerne, aber eben nicht in einem
Angestelltenverhältnis, wo ich selber nicht kontrollieren kann, weil ich ganz bestimmte
Rahmenbedingungen brauche. Julia Absolut. Und eben was für mich, also ich habe schon
lange schon gewusst, bevor ich angefangen habe, über Neurodivergenz nachzudenken, wusste ich schon, ich kann
nicht 40 Stunden die Woche arbeiten, ich kann nicht Vollzeit arbeiten. Und ich
glaube, was der Witz ist, dass ich glaube ich meine Arbeitsmenge gar nicht viel weniger
ist. Aber ich glaube, was ich damit verbunden habe, ich wollte gerade sagen, glaube ich
auch, aber es ist was anderes, wenn du 30 Stunden abliefern musst und da ist
jemand eine Kontrollinstanz und jemand, der sagen Also entschuldigen Sie bitte, aber Ihr Vertrag
läuft über 35 Stunden. Sie haben nur 34,5 gemacht. Genau, das
ist das. Also dieses Zeit zu bestimmten Erwartungen zu entsprechen von Das
ist deine Arbeitszeit, die musst du auch wirklich leisten pro Woche. Und ich glaube, was
für mich absoluter Horror war, war also in Büros zu arbeiten und
das ist auch was, was ich gerne in meinem Leben nie wieder machen möchte. Vier
oder fünf Mal die Woche in ein Büro gehen, wo ich dann wirklich Also ich
hatte wirklich Großraumbüro, wo gleichzeitig alle telefonieren. Ich kriege ich kriege
Schweiß aus meinem beim Zuhören. Also ich habe eine Zeit lang in einer
Werbeagentur gearbeitet, war raus aus dem pädagogischen Bereich
und da hatte ich aber ein Einzelbüro und später musste ich dann wechseln in eins,
wo wir zu viert saßen. Und es war gelinde gesagt schwierig. JULIA ROTHERBL Aber mir
ging es auch in Einzelbüros nicht gut. Also ich hatte wirklich einen Job, das war
wirklich mit Zeiterfassung, wo man so ein und auschecken musste, wo klar war, man muss
die Arbeitszeit im Büro verbringen. Und ich hätte 80 Prozent meiner Tätigkeit natürlich von
woanders Haus machen können, wenn es die Möglichkeit gegeben hätte, Aber das ging nicht.
Ich hatte ein Einzelbüro und für mich ist zum Beispiel Ich habe genau das wie
du dieses Ich habe sehr intensive Arbeitsphase und danach
brauche ich aber auch irgendwie zwei, drei Stunden auf der Couch oder keine Ahnung, irgendwas,
was nicht also nicht klassisch Arbeitssituation ist von Schreibtisch oder
so oder im Gespräch sein, sondern ich muss dann wieder so runterfahren,
bevor ich dann wieder hochfahren kann. Und es hat einfach einen sehr eigenen Rhythmus. Und
ich kann das eben in Büro Sachen funktioniert das nicht in Bürokontexten,
weil dann gibt es halt einen Zeitblock, wo ich irgendwie rumhänge. Ich
weiß, ich kann gerade gar nicht produktiv sein, aber irgendwie, was
mache ich denn dann zwei, drei Stunden? Das sind so Kontexte, die für mich gar
nicht funktionieren. Und da hatte ich immer viel so das Gefühl von alle anderen
können da funktionieren, aber ich nicht. Und inzwischen mir hilft es total dafür,
eine Sprache zu haben, Begriffe zu haben und zu Ah, okay, es liegt nicht an
mir, ich mache nichts falsch und das wird langsam besser mit der Scham. Aber es
ist tatsächlich immer noch ein Thema. Also was mir total hilft, ist so
ein Gespräch wie das jetzt gerade, dass ich auch merke, das bin nicht nur ich
mit meinem ADHS und Autismus Brain quasi, sondern das
sind eigentlich die meisten neurodivergenten Menschen. Und die, die ich kenne, die in
so Angestelltenverhältnissen sind und Vollzeit arbeiten, denen geht es
ehrlich gesagt überhaupt nicht gut. Und die brechen halt danach dann völlig
zusammen und können halt dann überhaupt nichts mehr für sich eigentlich tun. Die sind dann
fertig danach. Also das ist schön zu wissen, dass man nicht
alleine ist damit, sondern dass das ganz normal ist
für unsere Art von Gehirn. Fertig. JULIA ROTHERBL Absolut. Ich glaube auch da ist eine
Parallele beim Thema Neurodivergenz. Ich finde es extrem entlastend, immer wieder
von anderen zu hören, dass die Dinge ähnlich erleben. Das hat für
mich die letzten Jahre so viel bedeutet. Und beim Thema Körper, also beim
Thema Körper und Gewicht, bei mir jetzt in meinem Fall, ist das auch total bedeutsam
gewesen. Ich bin diesen Weg schon gegangen von oh, ich will nicht mehr versuchen
abzunehmen. Aber ein paar Jahre später kamen dann halt so Blogs, wo
Leute sehr selbstbewusst dick waren und dann halt
gesagt haben und übrigens, das ist ja ein politisches Thema und Diskriminierung und sowas
reingebracht haben. Und das war für mich total wichtig,
überhaupt von anderen dicken Menschen zu lesen oder inzwischen eben auch auf Instagram
zu sehen und dann eben immer wieder dieses Gefühl zu haben, ich bin nicht alleine.
Und die beschreiben ganz ähnliche Themen. Also es liegt nicht an mir und es auch
Da bist nicht du als Person oder du mit deiner
Körperform als einziger Mensch, sondern es geht ganz, ganz vielen Menschen
so. Und eigentlich hat es ja auch nie was. Also ich glaube, es
hat auch in dem Fall per se auch überhaupt nichts mit dick sein zu
tun. Es hat immer mit anders sein zu tun in irgendeiner
Form, in anders als das Gros der Leute. Und das ist
halt, glaube ich, das, wo man echt aufpassen muss und dann hellhörig werden
muss und sagen Moment, das ist einfach Diskriminierung schlechthin. Und es
hat immer damit zu tun, ich bin nicht so wie du, also
bin ich anscheinend nicht gut genug für dich. Also dass man ausgegrenzt wird
aufgrund irgendeiner Andersartigkeit, sei es die Körperform, sei es
die Art, wie man wahrnimmt oder eine Form von Behinderung
eben. Ja, und dahinter stecken halt oft sehr ähnliche Logiken.
Es werden die ausgegrenzt, die eben in so ein
kapitalistisches System zum Beispiel nicht reinpassen oder eben auch den Begriff
Kolonialismus nochmal reinzubringen, die da auch bestimmten Vorstellungen nicht entsprechen
von wie so ein weißer, gesunder Körper aussieht. Ich
habe gerade gedacht, ich würde ein bisschen die Ebene wechseln. Da haben wir schon verschiedene
Zusammenhänge festgestellt. Ich habe noch mal, ich glaube, ich würde gerne mal auf diese Ebene
gehen von ja, sich wirklich im Körper nicht wohlfühlen,
was das mit Neurodivergenz zu tun haben kann. Das andere ist ja so dieses, wie
ich vielleicht so ein bisschen drauf gucke, wie ich mich, wie ich mich fühle damit.
Also ich weiß gar nicht, ob das so trennbar ist, aber ich habe gerade gedacht,
du hast vorhin auch schon Sachen angefangen mit der Jeans und so gedacht, vielleicht
ergänze ich das einfach mal. Vielleicht sind ja auch Hörerinnen da, die dann sagen, ah,
das kenne ich auch und das, guck mal, liegt gar nicht an meinem Gewicht, sondern
liegt an anderen Themen. Ja, ich habe das auch, das ist ja so ein Klassiker,
dass so Label in Kleidung, in Etiketten. Ich habe das
manchmal, aber nicht immer. Und aber was
ich schon auch habe, ist genau, dass so Stoff, also nasse Badekleidung ist für mich
auch ein Horror. Ich habe lange lange nicht verstanden, dass bestimmte Sachen
bei mir mit dem Thema Neurodivergenz zusammenhängen könnten, weil ich habe Neurodermitis, das heißt, ich
habe eh schon Haut ist immer schwierig gewesen und das
heißt, für mich haben sich immer schon ganz viele Sachen auf der Haut unangenehm angefühlt.
Aber ich habe es immer darauf zurückgeführt, dass meine Haut war eben auch gerade in
meiner Kindheit, also ständig, ich hatte ständig Schmerzen, die war ständig entzündet
und dann ist ja eh Kleidung, Kleidung dann drauf tragen auf
Haut, die so die weh tut, ist eh nicht so toll. Und ich hatte immer
schon gewusst, dass bestimmte Sachen, dass ich die nicht mag vom
Hautgefühl her, aber ich habe es immer auf die Neurodermitis geschoben. Das kann natürlich auch
sein, dass sich da überkreuzt. Aber inzwischen würde ich sagen, aber eine Menge Sachen haben
auch mit Neurodivergenz was zu tun, ebenso mit diesen sensorischen Geschichten.
Und zwar so was wie zum Beispiel, ich finde Gartenarbeit ganz schrecklich
und eine Sache ist, ich finde das wegen der Erde oder wegen dem Schwitzen oder
beides zusammen. Beides. Danke, dass du es direkt so sagst. Genau, ich habe überlegt, wie
erkläre ich das, weil ich komme manchmal Freak vor, weil ich immer denke, alle Menschen
mit Gartenarbeit so super genau schwitzen, Schweiß auf der Haut, auch hier wieder
Überschneidung. Ich weiß, Schweiß auf der Haut ist auch für Neurodermitis nicht so super,
entzündet sich die Haut gerne mal, aber ich weiß auch, dass ich es sowieso nicht
schön finde. Ich mag das nicht. Und dann
so Erde, Erde auf der Haut. Für mich hat es, und ich habe das Gefühl
beim Gärtnern, da krabbelt immer ein Tier über mich drüber und ich hasse
das total. Das ist auch, das fühlt sich ähnlich an wie die Sonnencreme. Da möchte
ich mir auch einmal die Haut so von oben bis unten so ab. Es gab
mal vor Jahren so ein Musikvideo von Robbie Williams, wo er so als
Muskel, also Skelett mit Muskeln quasi ohne Haut war. Da habe ich so gedacht, ich
kenne total dieses Gefühl von wäre schön, wenn die erste Schicht jetzt weg wäre. Klingt
vielleicht ein bisschen komisch, wenn man das jetzt hört. Aber genau, jedenfalls, ich habe so,
ne, aber jetzt, ich weiß auch, ich habe das Video gerade genau vor Augen und
ich finde das sehr passend. Da will man sich tatsächlich das ausziehen, die
Haut am liebsten. Genau. Und Gärtnern war so mein erstes Thema, wo ich immer vor,
hätte ich auch vor 15 Jahren schon sagen können, so, oh, das ist, ist ganz
unangenehm, aber wie gesagt, ich dachte immer, es wäre Neurothermitis. Und inzwischen ist ja auch
spannend, wenn man einmal so Begriffe dafür hat und vielleicht so
bestimmte Ideen hat von, ah, das könnte auch eine Erklärung sein, wie viel man dann
auf einmal anfängt auch zu sehen oder wie viel auf einmal Sinn ergibt. Und bei
mir ist es zum Beispiel so, dass eben genau, also ich merke, ich
kann ganz viel Stoffe nicht mehr tragen, seitdem ich da auch angefangen habe, noch mal
stärker drauf zu achten. Also das ist ein grundsätzliches Problem. Kleidung ist
Thema, da geht es also um mangelnde Zugang, mangelnde Teilhabe für
dicke Menschen, dick fette Menschen. Und was es an Kleidung gibt, ist oft
aus ganz schrecklichen Materialien, oft so Polyestergeschichten. Ich wollte gerade sagen, so
Polyestergedöns dann. Und sowas ist zum Beispiel, ich merke inzwischen, ich
kann sowas immer schlechter tragen. Also ich habe dann, ich fühle mich dann die ganze
Zeit unwohl in meiner Haut und ich habe wirklich so Erinnerungen, wie ich
irgendwo. Und gerade wenn es darum geht, so ein bisschen schicker angezogen zu sein
irgendwo für berufliche Sachen, dann sind es eben oft
Kleidungsstücke, die so Polyester, Polyester Sachen sind. Und ich
habe so viele Erinnerungen von, ich bin in irgendwelchen Terminen, ich bin irgendwo und
fühle mich den ganzen Tag unwohl in irgendeinem komischen Hemd oder Bluse oder auch in
einem Kleid und meine Haut fühlt sich den ganzen Tag nicht gut an. Und inzwischen
würde ich sagen, ja, das hatte einfach was damit zu sensorischen, wie sagst du gesagt,
Wahrnehmungsthematiken zu tun. Und inzwischen weiß ich es. Und
auch hier mein Privileg ist, ich arbeite halt wirklich seit sechs
Jahren nicht mehr in Büros, also das heißt, ich habe Aufträge in Präsenz,
aber ich habe den Alltag, kann ich am Schreibtisch zu Hause verbringen,
das heißt, ich kann mich auch mehr so anziehen, wie ich möchte.
Und das ist total hilfreich, weil ich einfach merke, mir geht
es einfach tausendmal besser in meinem Körper, wenn ich, wenn die Kleidung so ist, dass
sie eben da nicht an bestimmte Themen dran stößt. Also ich kann
Baumwolle geht gut, ich kann selbst manchmal Leine nicht tragen, weil das
kratzig ist manchmal. Also da muss ich tatsächlich immer sehr gucken.
Also von da habe ich Kleidung auch als Thema. Genau, nasse Badekleidung, definitiv
ein Thema. Ich kriege dann auch hier wieder Überschneidung, ich kriege dann direkt Ausschlag, aber
es fühlt sich auch unangenehm an. Und was ich schon gesagt habe, sowas
wie so Sonnencreme, ich kann auch Make up oft, also
da gibt es auch so ein Gefühl von, also ich trage super seit Make up,
aber so ein Gefühl von, die Haut ist zu, die spannt dann
irgendwie und da kriege ich auch wieder das Gefühl von so, ich würde das so
runterziehen Also ich glaube bei Make up ist es auch tatsächlich so,
dass du es wahrscheinlich irgendwann in so einer Schicht runter, wie so eine Peel off
am Abend runterziehen kannst. Vielleicht gar nicht so weit hergekommen. Vielleicht könnte jemand
Sonnencreme empfinden, die ich auch so runterziehen könnte am Ende des Tages. Das wäre auch,
also wenn ich einen Wunsch anlege,
wobei ich schwöre, also wenn dem so ist und du kannst die abziehen, dann ist
das nicht besonders gesunde Sonnencreme wahrscheinlich. Also wenn du das Zeug auf deine Haut
schmierst. Aber ja, weiß ich voll. Also gerade Sonnencreme,
Sonnencreme in Kombination mit Sand, dieses
Paniertgefühl. Also wenn du. Und ich muss mich, also ich muss mich wirklich
auch für 10 Minuten draußen eincremen. Ich habe extrem sonnenempfindliche Haut.
Also ich bin immer mit Lichtschutzfaktor 50 oder so unterwegs. Aber das
ist wirklich, also wenn wir in Italien oder so sind und dann cremst du dich
ein und dann gehst du ans Meer und das ist noch nicht ganz getrocknet oder
du schwitzt einfach und es klebt überall. Oh Gott, da
könnte ich komplett durch die Gegend rennen. Also da habe ich
auch das Gefühl, ich muss mich jetzt abduschen, ich muss das wegkriegen Und da gibt
es für mich nichts. Also irgendwann ist dann auch, dass ich Ich muss jetzt nach
Hause, können wir jetzt bitte nach Hause? Können wir, können wir, können wir, können wir,
können wir. Weil ich unbedingt in die Dusche muss und dann kommst du aus dieser
Kackdusche raus und dann ist halt, wie es in Italien im Ferienurlaub halt so ist,
im Urlaub, in den Ferienhäusern, dann hast du halt Sand im Bett. Das ist dann
für mich auch, also ja, permanent Überreizung, obwohl ich es eigentlich
liebe da zu sein und Meer total schön finde
und ich Wasser sehr, sehr gerne mag. Aber ich merke,
dass mich das unheimlich überreizt und dass ich halt nicht so lang kann. Also ich
könnte mich jetzt nicht 10 Stunden am Tag an den Strand legen wie andere Leute.
Ich würde komplett. Ne, könnte ich nicht. Nee, kann ich das nicht.
Auch mir nicht gut gehen kann ich auch nicht. Ich finde es auch furchtbar langweilig,
aber ich kann es auch nicht. Also ich glaube auch die Kombi, Doch, ich kann
10 Stunden lang lesen, das ist kein Problem. Also ich konnte früher schon auch, Ich
kann überall 10 Stunden sitzen und lesen, solange ich Kopfhörer dabei habe, dass es mir
nicht zu laut ist rundherum, Das kriege ich hin. Aber dann bräuchte ich ein Sofa
am Strand mit so Schirmchen. Also da geht die normale Strandliege,
aber das ist vielleicht auch wieder ein Gewichtzimmer. Ich finde diese Strandmöbel sind oft für
mich zum Beispiel super unbequem und ich habe Angst, dass die zusammenbrechen oder so, ganz
ehrlich. Oder dass ich mich einklemme. Da bin ich auch so eine Kandidatin, die das
gerne macht. Oh ja, ich gehe noch mal so zurück zu diesen sensorischen Sachen.
Also genau, ich kenne Kleidung, ich kenne so Sachen auf der Haut. Das ist für
mich, das hat viel damit zu tun, ob ich mich gerade wohl in meinem Körper
fühle oder nicht. Und das hat eben überhaupt nichts mit Gewicht zu tun.
Was ich auch, was ich dir vorhin schon erzählt habe, bevor wir die Aufnahme gestartet
haben, ist so das Thema Essen. Also ich habe wenig Themen. Ich habe zum Glück,
ich hatte das große große Glück, keine Essstörung zu entwickeln über Diäten
machen, weil das ja einfach was ist, was immer wieder so was schnell
passiert und was ja auch inzwischen das Wissen auch da ist, dass Diäten auch
oft in Essstörungen enden. Ich hatte das große übrigens sehr häufig bei
Neurodivergenten. Absolut. Also da gibt es schon auch Zusammenhänge. Genau, ich hatte das
Glück, dass das nicht zu entwickeln und habe beim Thema Essen, also ich glaube,
ich weiß nicht, ob es möglich ist, ein super unkompliziertes Verhältnis zu Essen zu haben,
aber ich glaube, ich habe dafür, dass ich dick bin, habe ich schon ein relativ
unkompliziertes Verhältnis dazu und habe auch ein super gutes Körpergefühl an
der Stelle im Sinne von, dass ich ganz gut weiß, was ich da brauche, spüre
mich da auch ganz gut. Das heißt, an sich ist es an vielen Stellen unproblematisch,
aber ich merke, was die letzten Jahre immer mehr Thema wird, wird dieses auch diese
sensorischen Sachen rund um Essen und das Thema Eier zum Beispiel, das finde ich jetzt
gar nicht an sich so schlimm, weil in der idealen Welt würde ich mich eh
vegan ernähren. Deswegen denke ich immer, ach, das passt ganz gut und vielleicht hängt
das irgendwie auch zusammen. Aber ich merke so Rührei ist so ein Thema,
was das geht oft inzwischen nicht mehr. Das muss eine sehr
spezielle Konsistenz haben, dass ich noch essen kann. Also ich ekel mich auch öfter vor
Essen inzwischen. Das passiert mir immer mehr und es hat schon auch die Folge. Also
ich weiß, ich habe eine Erinnerung von letztes Jahr. Ich war in
Island und Hot Dogs ist was, was ich in Deutschland total
eklig finde. Aber in Island oder in Dänemark esse ich auch, mochte ich früher ganz
gerne. Aber jetzt also allein der Geruch von diesen von diesen warmen Wienern, da wird
mir ganz übel. Genau und ich kann das auch wirklich nur in bestimmten Kontext essen,
dann esse ich da auch total gerne. Dann hatte ich am Abschluss zum Schluss hatte
ich noch mal einen bestimmten Hotdog in Island
und ich fand den ich habe mich, ich mochte den einfach nicht. Ich wusste nach
dem ersten Biss, dass ich dir nicht schmeckt und ich irgendwie trotzdem nicht aufgehört. Und
dann habe ich mich den ganzen Tag geekelt und habe mich dadurch auch so unwohl
gefühlt. Ich finde es ja auch so dieses du hast was in dir und du
findest es eigentlich. Und dann habe ich gemerkt, dass das
die diese Überschneidung von ich fühle mich gerade nicht wohl in meinem Körper mit
oder war irgendwie ein Essen so das von der Textur her nicht okay oder
das wirkt ja genau, das hat Ekel
ausgelöst. Das merke ich auch immer mehr. Das wird auch stärker oder wir haben uns
auch vorhin darüber unterhalten, wird es wirklich stärker oder achte ich mehr drauf oder
weiß kann es anders einordnen. Inzwischen unter Büro kann ich es anders beobachten
auch. Aber jedenfalls das fällt mir auch so auf. Und ich frage mich dann immer,
wie ist das für Leute, die ein komplizierteres Verhältnis zum Thema Essen
haben und die vielleicht eh schon viel diese Idee haben,
das darf ich essen, das nicht. Und wenn dann noch so Sachen dazukommen, wie sich
das dann halt auswirkt, frage ich mich halt oft. Ich habe die Vermutung, das macht
es eher noch mal schwieriger. Also auf jeden Fall. Und es gibt halt auch, also
Ästhematiken gibt es, wie gesagt, in der neurodivergenten Welt ganz viel und
gerade bei Menschen auf dem Autismus Spektrum zum Teil extrem.
Also so, dass ganz, ganz wenige Lebensmittel überhaupt gehen und nur
in einem bestimmten Setting und nur von bestimmten Tellern, nur
bestimmten Besteck und auch nur an bestimmten Orten eben. Also da ist
Essen echt schwierig und ich weiß einfach aus meiner Erfahrung
raus für viele auch so eine richtige Tortur. Also da ist Essen
tatsächlich kein, wie viele sagen, so ein Genuss und was Schönes, sondern
so eine Belastung, ach ja, das muss ich machen, weil ohne
Nahrung sterbe ich, also muss ich was zu mir nehmen, Aber es fällt mir ganz,
ganz schwer. Das ist auch wieder so eine Wahrnehmungsgeschichte
tatsächlich, dass da so viel auf diesen, diesen
sensiblen, auf dieses sensible Gehirn einströmt, dass das echt
schwierig werden kann. Also nicht, weil Essstörungen sind sehr, sehr häufig, also
in beide Richtungen, sei es jetzt irgendwie sowas wie Bulimie oder Anorexie,
Binge Eating, ganz großes Ding bei ADHS tatsächlich.
Und ich habe, also ich merke es bei mir auch, dass ich da ganz arg
Probleme habe und auch also Glück hatte, dass ich nicht in eine Magersucht
reingerutscht bin in meinen Teenagerzeiten und jetzt aber auch so
oft so unkontrolliert esse, keine Ahnung, wo ich einfach
sage, also das kann jetzt nicht sein, weil ich gerade Lust hatte, weil mein Körper
gesagt hat, er braucht das, das war einfach viel zu viel und hinterher ist dir
total übel und du möchtest das eigentlich gar nicht. Für mich gibt es also
beim Thema ADHS und Essen auch noch mal den Zusammenhang
zwischen Dopamin und Essen. Also ich
hab, wie gesagt, im Alltag habe ich das nicht
so in meinem Arbeitsalltag, aber spannend für mich sind oft Sonntage.
Sonntage sind meine unstrukturierten Tage, wenn du nichts zu tun hast
und mein Gehirn ist, und das ist wahrscheinlich bei deinem ähnlich, also mein Gehirn, da
ist immer viel los und ich brauche auch relativ viel Input. Also dieses einfach auf
die Couch legen und in die Luft schauen ist für mich absoluter Horror und gleichzeitig,
ich muss toll auf den Fernseher gucken, also nur in die Luft geht. Genau, also
dieses einfach mal nichts machen ist echt, das ist echt schwierig, weil dann geht es
in meinem Gehirn, dann wird das Tempo zehnmal schneller und dann wird es auch, es
wird immer lauter. Genau. Und dann passiert da noch mehr und das ist überhaupt nicht
entspannend. Und das wäre vielleicht auch noch mal eine andere Folge so
entspannend für Menschen, für neurodivergente Menschen, weil da passen viele
Entspannungstipps auch nicht. Und jedenfalls Sonntag ist für mich also oft so
unstrukturierte Zeit und da ist auch, passt wieder mit der
Schnittstelle von ADHS und Autismus, dieses, ich habe einerseits,
ich brauche ganz viel Freiraum, aber ich liebe auch meine Arbeitsstruktur im Alltag
total, die ich habe, also so an so Schreibtischsteigen und wenn
die dann wegfällt, dann merke ich oft so,
mein Gehirn kriegt eigentlich dann zu wenig Reize, habe ich oft das Gefühl. Und dann
ist Essen halt auf der Suche nach und dann gibt es so bestimmte Snacks, also
so Sachen, die knusprig sind, sind dann immer super. Also
merke ich auch wirklich, ich habe so ein Langeweile Essen und ich
denke immer für mich, ich versuche dann auch da das Thema Scham. Also ich denke
dann immer so, ich weiß inzwischen, woher das kommt,
mein Gehirn holt sich da was, das ist völlig in Ordnung. Und das ist halt
absolut genau, ja, das finde ich, finde ich ganz
hilfreich, das irgendwie einzuordnen. Und dann wollte ich sagen, was ich auch noch kenne, das
ist aber nicht bei mir, sondern ich kenne das von anderen Menschen aus meinem neueren
Umfeld, dieses Thema, so den ganzen Tag vergessen zu
essen und dann aber mit einem Mal abends dann
halt fast schon so, also nicht klassisch, vielleicht nicht ganz krasses
Binge Eating, aber was schon so die Richtung geht von wirklich im Endeffekt schon, weil
du dann so das Gefühl auch hast, ich bin so ausgehungert, ich muss das jetzt
nachholen oder so irgendwie und dann eben auch hinterher diese
Übelkeit, sich schlecht fühlen und oft dann auch, ja und
dann am nächsten Tag geht er wieder von vorne los. Das ist also wirklich ein
Thema, sich dieses gar nicht spüren zwischendurch am Tag, dass da vielleicht ein Bedarf ist
nach Nahrung oder so. Ja genau. Also ich
habe da eh ein ganz komisches Verhältnis und ich habe auch gefühlt immer Hunger.
Also aber bei mir gibt es halt so quasi zwei Aggregatzustände, so
hungrig und jetzt ist mir schlecht und dazwischen ist halt leider,
also es gibt kein so, oh, ich glaube, jetzt bist du satt, jetzt solltest du
aufhören. Also das wünsche ich mir, aber ich komme halt auch aus so
einer Aufessen müssen Generation, zumindest in der Betreuung damals. Also das
merke ich schon, dass ich, dass mir abtrainiert wurde, auf Sattgefühl
zu hören, sondern zu bestimmten Zeiten zu essen, bestimmte Mengen zu essen, weil es halt
noch auf dem Teller war und so. Also das macht ganz, ganz viel aus auf
jeden Fall. Und ich kenne auch viele, die dann vergessen zu essen, passiert mir auch
manchmal und ich check's dann wirklich erst, wenn ich, wenn mein Magen richtig knurrt und
ich mir hä, ich habe doch vorher gefragt, ach so, ne, ich hab vergessen zu
frühstücken, verdammt, es war so stressig heute Morgen. Und das mache ich sonst eigentlich immer.
Also ich bin niemand, der ohne Frühstück aus dem Haus geht oder so,
aber oft verpeile ich es einfach. Ja, und hier merkst du dann erst eine Stunde
hinterher. Thema Hyperfokus eben auch dann. Ich habe
witzigerweise, und ich habe vorhin so ein bisschen gelacht, als ich in der Küche stand,
so 20 Minuten vor dem Interview, dass ich dachte, oh, ich habe noch gar nicht
gefrühstückt, weil ich habe diesmal was gemacht, weil gerade so
arbeitsmäßig so viel. Dann habe ich also die Vorbereitung in den Morgen reingeschoben und ich
kann dann eben auch zehnmal besser mich konzentrieren, wenn ich weiß, oh, das Interview ist
gleich auf. Und dann habe ich also schon am Rechner gesessen direkt,
also gar nicht gefrühstückt, direkt am Rechner gesessen. Und dann habe ich, wenn ich so
konzentriert bin, merke ich das eben auch nicht. Also wenn ich so richtig richtig drin
bin, dann spüre ich mein Hunger auch nicht, dann kriege ich das nicht mit. Und
dann habe ich so gedacht, aber irgendwann wäre vielleicht doch gut, noch irgendwas kurz zu
essen, bevor ich jetzt irgendwie anderthalb Stunden in einem Gespräch bin. Weil
also bei mir macht Hunger auch ganz viel mit meinem Körpergefühl, wenn ich es dann
doch irgendwann spüre. Also mir sind neben diesen
Neurodivergenz Themen, und das hängt natürlich auch irgendwie Schlafen
und Essen hängt ja irgendwie auch mit diesen Themen zusammen, aber ich merke neben diesen
sensorischen Themen sind es bei mir eben auch ganz viel, wenn ich mich unwohl im
Körper fühle, ist es ganz viel. Ich habe zu wenig geschlafen. Das ist, glaube ich,
mein Hauptthema. Also wenn ich müde bin, dann fühle ich mich auch,
das interessiert mich. Jetzt kannst du genug schlafen? Weil,
also ich habe festgestellt, dass es völlig piepegal ist, ob ich,
also wenn ich acht Stunden schlafe, dann bin ich genauso müde, als wenn ich
sieben oder sechseinhalb schlaf. Es darf nicht unter sechs Stunden kommen. Also da merke ich,
da bin ich wie ein Zombie, laufe ich durch meinen Alltag. Aber also wenn
ich jetzt acht oder neun Stunden schlafe. Ich bin immer müde. Also ich
sage immer müde ist mein zweiter Vorname, weil ich grundsätzlich immer müde bin. Und es
gibt halt so Abstufungen von lähmende Müdigkeit zu
geht schon, da funktioniere ich noch. Also an sich, ja, an sich
tatsächlich gibt es mich in unterschiedlichen Wachzuständen. Also im Sinne von, ich
merke das sehr, sehr schnell, wenn ich nicht genug geschlafen habe. Ich habe aber auch,
also wenn Leute mich fragen, wie es mir geht, dann sage ich oft müde. Also
es zieht sich schon als Grundzustand schon sehr durch. Das stimmt. Und
trotzdem merke ich in meinem Alltagsleben einen sehr starken Unterschied. Also sechs
Stunden ist für mich schon oft zu wenig. Mal geht das, wenn es zum
Beispiel zwei Nächte, drei Nächte hintereinander mit sechs Stunden, dann geht es mir schon nicht
gut. Also ich merke auch wirklich dann, ideal sind bei mir sieben, genau,
sieben, siebeneinhalb, siebeneinhalbig ist meine so sieben, halb acht.
Also da merke ich schon einen Unterschied, was dann natürlich dann kommen noch so
Faktoren dazu. Bin ich kurz, also wo bin ich im Zyklus? Spielt eine große
Rolle bei mir. Ja. Und Perimenopause hat bei mir echt leider meinen
Schlaf total gestört oder stört weiterhin meinen Schlaf total. Also das ist ein
Riesenthema, weswegen diese Müdigkeitsgeschichten auch stärker geworden sind. Also ich
hatte Phasen, wo ich wirklich einfach in dieser
letzten Woche vor der Menstruation einfach gar nicht mehr, also wirklich nicht mehr funktioniert
habe, weil ich ständig, also ich wache einfach mitten in der Nacht auf und bin
dann länger wach. Das kannte ich von früher kaum. Du bist wie
angeknipst, das habe ich jetzt gerade nicht mehr, wer weiß,
woran es liegt, Aber ich war so 3 Uhr morgens, zack,
genau, wirklich wie als hätte einer auf eine Glocke geschlagen, Du bist wach und
denkst und jetzt? Und dann kannst du gerade nicht mehr einschlafen für eine Stunde,
zwei, drei. Ja genau. Das ist auch wirklich dann nicht 10 Minuten, 20 Minuten wach
sein, sondern dann bin ich anderthalb, zwei Stunden wach und dann irgendwann kommt die Müdigkeit
wieder. Das heißt aber auch, ich muss timen, wann ich gut ins Bett gehe, damit
ich diese Phase mit einplanen kann, weil so, also und ich habe jetzt, ich
kann ja auch mal so um 6 Uhr abends wäre dann wahrscheinlich ganz gut. Ja,
zumindest Nicht später. Als 22 Uhr oder sowas wirklich. Also ich kann
ja mal sagen, ich habe für den Podcast schon auch das Thema Perimenopause,
Menopause auf dem Schirm und wird dazu irgendwann gerne mal mehr machen. Aber ich kann
ja mal jetzt schon mal sagen für die Hörerinnen, ja mach das bitte unbedingt. Darf
ich da auch kommen? Ja, bitte gerne. Genau, lass uns noch mal eine extra Folge
gerne dazu machen, weil ich habe ich habe zum Beispiel, ich nehme jetzt seit Jahresanfang
Progesteron in der zweiten Zyklusphase. Es ist nicht, es
ist nicht total besser geworden, aber das ist es macht es ist, es
pegelt Sachen ein und es ist nicht mehr so krass halt. Und seitdem merke ich
wirklich auch, ich kann auch ja auch in der in dieser Zyklus, diesen
Zyklus Teil auch wieder funktionieren. Also ich bin da auch grundsätzlich müder und so, aber
ich kann überhaupt auch ich kann arbeiten. Ich hatte sonst wirklich eine Woche im Monat,
wo ich oft nicht gut, also wo ich fast gar nicht arbeiten konnte oder und
mich dann die ganze Woche schlecht gefühlt habe so oder ich habe mich nicht die
ganze Woche schlecht gefühlt, aber ich habe immer eine ganze Weile gebraucht, um dahin zu
kommen zu sagen, das ist okay, dass es gerade so ist. Es war immer ein
Teil dieser Woche, bis ich das akzeptieren konnte und sagen konnte, das ist jetzt so.
Also auch da wieder das Thema, du kannst auch nichts dafür, du musst dich jetzt
ja genau, du musst dich jetzt um deinen Körper kümmern. Aber auch das ist halt
so dieses stell dich nicht so an.
Da müssen wir auch mal ganz klar sagen, also wenn Männer
das so hätten, wie wir das haben, dann wäre es auch glaube ich so, dass
du eine Woche Monat frei hättest tatsächlich. Wahrscheinlich wärst du die komplette Perimenopause
dann auch freigestellt. Jahrelang bezahlt. Jahrelang sabbatical.
Ja genau. Aber es ist halt nicht so. Aber dann wäre es wahrscheinlich schon so,
weil bei uns wird halt gesagt, jetzt komm hier reiß dich zusammen, nur
weil du deine Tage hast oder nur weil du jetzt irgendwie in Wechseljahren bist,
kannst du jetzt hier nicht so durchhängen. Muss trotzdem liefern. Ja und das und das
Gesellschaftliche und das Persönliche, die hängen ja immer so krass zusammen. Also das eine ist
ja wirklich diese gesellschaftlichen Anforderungen, also auch dieses was mache ich in so einer Woche?
Sag ich alle Termine ab, was was verschiebe ich, verschiebe ich Sachen? Wie mache ich
das? Das ist ja schon das eine. Das andere ist aber, also das ist glaube
ich was, wo mein verinnerlichter Egoismus extrem stark zum Tragen kommt.
Dieses ich habe einfach eine sehr klare Erwartung an mich, dass ich
also eigentlich wirklich jeden Tag im Monat gleich arbeiten kann. Und gerade
mit Neurodivergenz ist das ja überhaupt, Also ich habe sehr starke Schwankungen und das
ist auch, und inzwischen weiß ich zum Beispiel auch, hey, wenn ich über eine bestimmte
Grenze an Arbeitsintensität rüberkomme, dann wird der nächste Tag halt so, dass ich da, das
ist halt dann so eher so ein Couchtag. Also inzwischen weiß ich auch
bisschen, wie ich diese Schwankung besser ausgleichen kann oder ich weiß überhaupt, wie ich damit
umgehen kann. Aber das heißt, es ist ja eh schon außerhalb
von, ich weiß gar nicht, ob es ein außerhalb von Zyklus gibt, aber ich glaube,
das ist auch tatsächlich neurodivergente Menschen betrifft, die
nicht menstruieren, die keine Gebärmutter haben, aber jeweils dieses eh schon sehr
schwanken. So das ist eh schon da. Und dann ist es durch diese
perimenopause Geschichte bei mir noch mal, also generell durchs Thema
Hormone noch mal krasser geworden. Was mir da ganz viel Stress macht, ist mein innerer
Anspruch, diese hohen Erwartungen an mich selbst, auch meine Erwartungen an, wie
ich funktionieren können sollte, wie ich arbeiten können sollte. Und natürlich ist das verbunden
mit gesellschaftlichen Sachen und dann gibt es auch noch familiäre Prägung, aber die ja dann
diese gesellschaftlichen Sachen an einen vermittelt. Aber das ist natürlich, es ist ja nicht im
luftleeren Raum, dass ich mich schlecht fühle. Das stimmt. Nee, wie sind wir drauf gekommen?
Ach, wir sind drauf gekommen. Also das Schlafen ist für mich der Hauptfaktor für
wie fühle ich mich in meinem Körper? Essen, Hunger, Hunger. Essen ist auch noch, wenn
du müde bist und so, dann fühle ich mich oft nicht. Wenn ich müde bin,
fühle ich mich oft einfach in meinem Körper nicht wohl. Und ich finde es halt
deswegen auch immer, wenn ich mich in meinem Körper nicht wohlfühle, ist es für mich
total hilfreiches Werkzeug, wirklich so ein
bisschen zu gucken, in mich reinzuheuchen, woran liegt es gerade? Ist es einfach die
Müdigkeit? Und dann weiß ich einfach, ich kann das, ich kann das wahrnehmen, aber ich
brauche heute jetzt, ich muss nicht weiter drüber nachdenken. Und dann ist das Rezept hart
zu gucken, dass ich nächste Nacht mehr Schlaf bekomme oder habe ich gerade
Hunger? Also ich kriege manchmal ganz selten, aber es ist manchmal, wenn ich Hunger habe,
so eine Weltuntergangsstimmung, dann fühle ich mich auch nicht gut in meinem Körper und dann
ist das ein Zeichen von sollte vielleicht mal was essen. Meistens regelt sich dann
darüber. Oder eben, was inzwischen mein drittes großes ist, ist dieses
oh, fühle ich mich irgendwie nicht wohl, weil irgendwelche Reize irgendwo sind.
Ja, also habe ich heute Morgen erst gemerkt, da war ich irgendwie
um halb acht schon total überreizt. Ich weiß nicht, bin um halb sechs aufgestanden,
das ist meine normale Zeit, so viertel nach fünf, halb sechs und es war noch
überhaupt nichts Weltbewegendes, aber ich weiß, es war mir alles zu laut. Die Kinder waren
mir wesentlich zu laut und ich habe dann echt mit Noise Cancelling, Kopfhörern und Tablet
gefrühstückt und dann ist mir eingefallen, ich bin heute saumäßig
allergisch. Also ich reagiere total krass auf irgendwelche Pollen, die heute fliegen.
Meine Nase lief, meine Augen haben gejuckt kunstlich. Irgendwo habe ich mich
überhaupt unwohl gefühlt und habe mir wahrscheinlich hat es auch damit zu
tun, aber das hatte ich, also manchmal fühle ich das gar nicht oder bringe das
nicht zusammen, weil ich es auch, also ich muss sagen, ich bin immer noch damit
beschäftigt, glaube ich, wieder zu lernen, mehr auf mich zu
hören und es klappt immer oder mich mehr zu spüren, das klappt auch immer
besser. Aber ich habe in meiner Kindheit unheimlich gut funktioniert. Also mich hätte
niemand als übermäßig sensibel oder so beschrieben. Ich habe mich aber
einfach, glaube ich, nur massiv zusammengerissen, ganz, ganz doll. Ich hab
halt funktioniert. Ich habe Dinge gegessen, die ich nicht lecker oder irgendwie sogar eklig
fand, ohne zu mosern. Und ich hab Sachen angezogen, die man mir
gegeben hat, weil das war einfach so. Und ich habe gewusst, das ist
einfach so, das ist in allen Familien so, da wird nicht gemosert, du machst es
jetzt. Und da kriegt man halt schon ganz dolle Aberzogen.
Also jetzt gar nicht von meinen Eltern unbedingt tatsächlich, muss echt sagen, mehr so aus
dem Umfeld, also so Betreuung, Schule, andere Leute so im
Umfeld, also das hat ganz viel mit mir gemacht und ich muss jetzt immer noch
lernen, ich bin fast 40, ich werde nächstes Jahr 50, also besser in mich zu
spüren und dann einfach auch zuzulassen, ja, das ist mir zu
viel und das darf mir auch zu viel sein und niemand hat zu entscheiden,
ob das jetzt zu viel oder zu wenig oder genau richtig für mich ist, weil
niemand in meinem Körper steckt, außer mir. Aber ich muss diesen Körper erst wieder ausfüllen
von innen so richtig und das spüren dürfen. Das ist ein schönes Bild mit dem
Ausfüllen von innen gerade gedacht. Mit dem Bild würde ich, glaube ich, den Teil auch
erstmal beenden. Danke erst mal für den Austausch.
Das war der erste Teil des Interviews mit Andrea. Alle erwähnten Links findest du
in den Shownotes. Und der zweite Teil des Gesprächs kommt dann
voraussichtlich am nächsten Samstag raus, Das ist der 16.
Mai. Und wie vorhin schon angekündigt, kommt hier noch mein
Glitzer, also was, was ich gerade gerne mag, was mir
Freude bringt. Und ich mache das ganz kurz, Frühling
kombiniert mit Ostsee, denn ich war letzte Woche an der Ostsee, was an sich schon
großartig war und dann war auch noch extra großartig, dass dort alles
blühte und das war einfach fantastisch. Also 10
von 10 Sternen, gerne wieder große Empfehlung für Ostsee Anfang
Mai. Und damit verabschiede ich mich für diese Folge
Bis in ein paar Tagen und tschüss.