Körper und Gesellschaft

Ira Schumann

Tess Holliday, Cat Pausé und ein Fett Camp: Interview mit Luise Gonca Demirden und Lydia Rose Kray (Teil 2)

28.02.2026 32 min

Zusammenfassung & Show Notes

Im 2. Teil des Interviews mit Luise Gonca Demirden und Lydia Rose Kray geht um den Weg der beiden zu ihrer eigenen fetten Befreiung. 
Sie erzählen von ihren sehr unterschiedlichen Wegen dahin:  Von Aha-Momenten und ersten Irritationen. 

Im 2. Teil des Interviews mit Luise Gonca Demirden und Lydia Rose Kray geht um den Weg der beiden zu ihrer eigenen fetten Befreiung.
Sie erzählen von ihren sehr unterschiedlichen Wegen dahin: Von Aha-Momenten und ersten Irritationen.

Der Buchungskalender für das Gespräch:
https://tidycal.com/1vwgwv3/gespraech

YouTube Kanal für Video des Interviews:
https://youtube.com/@koerperundgesellschaft?si=qXiI5TmuqEOEXBQH

Kofi Seite für das Mega-zine
(Das Zine ist unter „Shop“ kaufbar):
https://ko-fi.com/stepsoffatliberation

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Instagram Account Luise Gonca Demirden
https://www.instagram.com/fatsoftandfree/

Instagram Account Lydia Rose Kray
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Meine Website:
https://www.ira-schumann.de/

Transkript

Willkommen beim Podcast Körper und Gesellschaft, dem Podcast für das Thema Körperakzeptanz. Mein Name ist Ira Schumann. In dieser Folge hörst du den zweiten zweiten Teil des Interviews mit Luise und Lydia. Zur Erinnerung, im ersten Teil haben wir vor allem über das Magazin gesprochen, was die beiden herausgebracht haben, und im zweiten Teil des Interviews wird es jetzt noch persönlicher. Also ich finde, im ersten Teil war auch schon sehr viel sehr Persönliches drin, jetzt wird es noch ein Stück persönlicher. Es wird um den Weg der beiden zur Körperakzeptanz gehen, beziehungsweise zu ihrer eigenen fetten Befreiung. Ich vermute, dass es eher Das sind eher die Begriffe, die die beiden verwenden würden. Die beiden erzählen von ihren sehr unterschiedlichen Wegen, von Aha-Momenten und von ersten Irritationen. Das ist noch mal total spannend. Das ganze Gespräch war total schön und auch dieser Teil, finde ich, ist noch mal einfach toll zu hören. Bevor es losgeht, noch zwei Orga-Sachen. Die erste ist so ein bisschen länger. Genau, ich freue mich, wenn ihr nicht skippt, sondern vielleicht noch mal reinhört. Die zweite ist noch mal ganz kurz und dann geht's aber auch wirklich los. Orgasache Nummer 1: Ich hatte vor ein paar Folgen schon mal erzählt, dass ich Podcast-Hörer:innen ins Gespräch einlade. Also meine ganz ursprüngliche Motivation im Januar war, als ich das geplant habe: Bevor ich neue Angebote entwickle, möchte ich gerne hören, was Menschen sich wünschen. Und ich habe inzwischen ein paar Gespräche geführt. Und festgestellt, dass die auch sehr hilfreich sind für die weitere Gestaltung dieses Podcasts, weil ich eben direkte Rückmeldungen bekomme, was Menschen hier hören wollen. Ich möchte daher weiterhin mit dir darüber sprechen, was dich gerade beschäftigt und herausfordert in Bezug auf das Thema Körper, was du brauchst für mehr Körperakzeptanz, was du dir inhaltlich von meinen Produkten, Angeboten, aber eben auch von diesen Podcastfolgen hier wünschst. Und was du schon ausprobiert hast, um deinen Körper anzunehmen oder etwas mehr anzunehmen. Ich lade dich deswegen hiermit noch mal ganz offiziell zu einem Gespräch ein, in dem wir über dich und deine Wünsche sprechen. Und ja, das gilt auch, wenn wir uns schon kennen und zusammengearbeitet haben. Und das habe ich letztes Mal nicht gesagt, weil ich gar nicht daran gedacht habe, aber es kam als Frage: Ja, das gilt auch, also diese Einladung gilt auch, wenn du den Podcast ganz neu entdeckt hast und ihn magst, also wenn du mit den Inhalten hier was anfangen kannst, wenn du mit meiner Art was anfangen kannst, auch dann bist du herzlich ins Gespräch eingeladen. Also du musst jetzt nicht schon mehrere Monate diesen Podcast hören, oder du musst auch noch nicht mit mir zusammengearbeitet haben, sondern auch wenn du ganz neu bist, ich freue mich, wenn du dir einen Termin buchst. Und du bekommst auch was dafür. Also um mich für deine Zeit zu bedanken, schenke ich dir einen Gutscheincode. Den du beim Kauf eines meiner Produkte anwenden kannst, wenn du das magst. Natürlich ist das Gespräch also überhaupt keine Verpflichtung, irgendwas in Zukunft von mir zu kaufen. Den Link für den Buchungskalender, über den du eben den Termin buchen kannst, findest du in den Shownotes. Und dort kannst du das, was ich gerade hier erzählt habe, auch noch mal in Ruhe nachlesen. Und ich schreibe dort auch ein paar mehr Infos dazu, wie das Gespräch läuft. Oder laufen würde. Dann ganz kurz zur zweiten Orgasache: Ich habe letzte Woche erwähnt, dass es jetzt einen YouTube-Kanal gibt für diesen Podcast. Dort findest du jetzt wirklich alle Podcastfolgen, also auch, also alle vergangenen, aber auch alle zukünftigen, und eben natürlich auch weiterhin das Video dieser Folge. Den Link zum YouTube-Kanal findest du auch in den Shownotes. Danke für die Geduld. Danke fürs Zuhören. Jetzt ganz viel Spaß beim Hören. Ich habe mir bei den Interviews vorgenommen, dass ich alle Gäste, Gäst*innen dann wirklich auch mal so ein bisschen frage, wie der eigene Weg war. Also einfach auch deswegen, weil ich weiß, dass auch Menschen diesen Podcast hören, die da ja auch mitten noch auf dem Weg sind. Ich meine, gut, wir sind alle immer auf dem Weg. Wir sind da alle nie fertig, aber die vielleicht da auch noch ein paar Schritte weiter vorne sind und vielleicht gerne wissen wollen, okay, wie kann man an einen Punkt kommen, wo man sich zum Beispiel nicht jeden Tag im Spiegel anschaut und abwertet oder ständig damit beschäftigt ist, über den eigenen Körper nachzudenken oder über Essen nachzudenken oder was auch immer. Also diese ganzen Dinge, die so Energie ziehen einfach und die so das Gegenteil von Freiheit sind, finde ich. Deswegen die Frage an euch beide: Also wie seid ihr jeweils dazu gekommen, so auf das Thema Körper oder auch Körper und Gewicht zu zuschauen, wie ihr es heute tut. Was waren da vielleicht auch wichtige Punkte im Prozess? Gab es vielleicht so Meilensteine? Was war vielleicht so ein Auslöser auch? Also ich war ja schon, ich war schon immer dick und dann im Erwachsenenalter fett halt. Das heißt, das Thema hat mich immer begleitet, war immer konstant. Hatte ich einen riesigen, riesigen ersten Punkt auf der To-do-Liste und das war Abnehmen. Der halt irgendwie nie abgehakt werden konnte. Ganz schrecklich. Und das hat mich begleitet. Also ich bin, ich habe das erste oder das wirklich den Einstieg in so eine politische Betrachtung von Gewicht und Körpern 2018, glaube ich, ungefähr muss es gewesen sein, gemacht. Und zwar habe ich da zu zufällig in einer Arztpraxis, ein bisschen absurd, in der Arztpraxis, in dem Modemagazin, ja genau, da hat es angefangen. Ob man es glaubt oder nicht, es sind eigentlich die beiden absurdesten Orte, wo es anfangen könnte. Ein Interview gesehen von Tess Holliday. Tess Holliday ist ein fettes, super fettes Model. Und ich habe das, ich habe damit gar nicht gerechnet, ich habe die einfach aufgeschlagen und war so völlig wirklich so beschämt und irgendwie auch total schockiert. Und ich wusste nicht, finde ich das gut, finde ich das schlecht? Ich war völlig überfordert damit auf jeden Fall. Dann habe ich das irgendwie so in mich reingefressen. Also ich habe das wirklich so runtergelesen, als wäre es jeden Moment wieder weg. Und dann habe ich so gedacht, es hat mich den ganzen Tag beschäftigt. Und dann war ich irgendwie so, okay, ich muss da jetzt mal gucken, wer diese Frau ist. Und habe dann halt Holliday gegoogelt, bin auf ihren Instagram-Account gekommen, bin ihr gefolgt und dann ging es irgendwie so Schlag auf Schlag, dass ich auf einmal in dieser Bubble war, also dass ich auf einmal so, ah okay, dann hat die irgendwen repostet, dann bin ich da drauf gegangen und dann in der gleichen Woche, also ich bin da wirklich so abgetaucht, dass diese Hyperfokus, der andere, online hier randeln kann, die es nicht gibt. Dann bin ich da abgetaucht und habe halt wirklich noch in der gleichen Woche irgendwie 4 Bücher von Aktivist*innen bestellt und ich habe die in mich reingefressen und ich habe nur geheult. Ich habe so viel geheult, wirklich, weil ich einfach so das erste Mal gelesen habe. Ich bin halt voll in diesem Ding aufgewachsen von: Ich werde sterben an meinem Fett und ich bin selbst dran schuld. Ja, das war mit eine von den Sachen, die mich am krassesten daran geprägt hat, war wirklich diese Todeserzählung. Es hat wirklich viel mit mir gemacht. Todes- und Krankheitserzählungen. Also auch so, wenn ich depressiv bin, dann denke ich immer sofort, ich habe Krebs oder ich werde herzkrank oder so. Das ist so in Anxiety eingeschrieben in meinen Körper. Und das war das Erste, irgendwie so diese Erleichterung, diese krasse Erleichterung und die krasse Trauer, die aber dann direkt auf dem Fuß folgt. Und dann war das gleichzeitig aber auch wirklich wie so ein Gewicht, was von mir abgefallen ist, ohne dass ich einen Gramm abnehmen musste. Und ab da ist das sofort so krass in den Mittelpunkt gerückt, weil das eben an die Stelle von Abnehmen gerückt ist. Und Abnehmen war ein Riesending wirklich in meinem Alltag und in meinem Leben bis dahin. Und ich habe dann irgendwie so angefangen, so ein bisschen auf Insta dazu zu schreiben. Es war ja, dann folgte ja bald die Pandemie, also die erste heiße Phase der Pandemie, wo wir eben alle noch viel zu Hause waren. Und da gab es ja wieder so ganz viel irgendwie so Diätkram und irgendwie, oh, ich habe so zugenommen und irgendwie dachte ich da so, nee, ich mache das jetzt nicht mehr mit irgendwie und ich sage jetzt was dazu. Und dann habe ich so einen kleinen Kleinen Post mit mir mit Maske geschrieben, wo ich so war: Hey, übrigens ist voll okay, in der Pandemie mal ein paar Kilo zuzunehmen und irgendwie ist auch nicht cool, da so ein Riesending draus zu machen. Für viele verschiedene Leute aus verschiedenen Gründen. Und das wurde so ein bisschen geteilt und dann bin ich noch mehr vernetzt gewesen online. Und bei mir hat alles, dadurch dass das so in diese Zeitspanne fiel, viel online stattgefunden. Ich war vorher viel so in feministischen und queeren Räumen unterwegs. Und ich war dann erst mal sehr online vernetzt irgendwie und habe da irgendwie so ein paar Sachen dazu geschrieben und es ist so ein bisschen mein Profil ist so ein bisschen gewachsen und so. Und dann habe ich aber auch irgendwann gemerkt, hey, ich will aber auch irgendwie in Real Life, also was heißt online ist auch Real Life, aber ich meine irgendwie im Nicht-Online-Leben mich verbinden und mich weiter damit befassen und bin dann, habe mich dann mal umgeguckt für Workshops und so und habe dann da Vorträge, ein paar Workshops besucht und war dann irgendwann bei Lila bunt auf einem Workshop von Mäks Roßmöller: Fettgewebe begegnen. Falls ihr den nicht kennt, guckt den gerne nach. Ist ein toller Workshop, der mir viel auch noch mal beigebracht hat auf eine andere Art und Weise. Und dort waren wir eben eine Gruppe von Fettis, die diesen Workshop besucht haben, und eine von den Lila buntis, dort, ist eben selbst auch fett und hat gesagt: Hey, wir wollen schon so ewig mal ein Fettcamp machen bei Lila Bund und hat dann so uns angesprochen, ob wir Lust hätten, mit in die Orga-Gruppe zu kommen. Und das haben dann manche von uns auch getan. Und dann habe ich eben dieses Fettcamp mitorganisiert. Das erste, soweit wir wissen, emanzipatorische in Deutschland Fettcamp. Und das ist, wo Lydia und ich uns zuallererst kennengelernt haben. Und das war aber auch, wo einfach dann mal 40 Fettis wirklich an einem Ort waren und Alle unterschiedlich politisiert auch. Also alle irgendwie, manche schon sehr tief im Thema, manche gerade erst drin, manche hatten gar keine Ahnung, aber fanden es irgendwie so ansprechend, wollten dann kommen und irgendwie mal erfahren. Aber was ich direkt gemerkt habe, war, wie viel Last und irgendwie Alltagsstress von mir abgefallen ist in diesem Raum. Also zu merken, wenn ich mit anderen fetten Leuten dabei bin, zusammen bin, mache ich ganz viel nicht mehr, was ich mache, wenn ich mit dünnen Leuten zusammen bin. Und auf einmal irgendwie denke ich überhaupt nicht darüber nach, ob ich jetzt irgendwie hier bauchfrei rumlaufen kann oder nicht. Und Leute haben halt ihre knappesten Outfits mitgebracht, weil sie wussten, hier ist der Raum, wo ich das tragen kann. Und so, und es war einfach, es war einfach ein Fest und es war irgendwie wie Urlaub und toll. Und danach, spätestens Spätestens danach war ich so: Das nie wieder! Will ich das nicht mehr erleben haben! Zwischendurch ist dann noch passiert, dass die Gesellschaft gegen Diskriminierung das erste Mal Gelder bekommen hat, um wirklich Fortbildungen zu dem Thema zu machen. Ich meine, das ist ja alles, was wir an Wissen haben zu dem Thema in Deutschland. Bisher ist aktivistisches Wissen gewesen, unbezahlt in den meisten Fällen. Irgendwie gab es dafür nie die Gelder und es war eben das erste Mal. Und ich habe mich dann da auf eine Stelle beworben und die bekommen. Und seitdem ist Fat Activism mein Life. Ja, aber seitdem ist es halt ein sehr großer Teil von meinem Leben, weil es eben auch meine Erwerbsarbeit ist. Und ja, es waren tolle, anstrengende, aber auch tolle und sehr, sehr lehrreiche und befreiende Jahre, also 7 Jahre oder was. Die, na ja, es gibt irgendwie nicht so, wenn du, du hast ja gefragt eigentlich, jetzt bin ich ins Labern gekommen, aber du hast eigentlich gefragt, was waren so die Punkte, was kann ich Leuten irgendwie sagen, die sich auf den Weg machen oder die das gerade entdeckt haben? Und ich weiß nicht, für mich gibt es da nicht so eine Antwort. Bei mir war es irgendwie Internet, da mich mit Leuten austauschen, irgendwie auf Social Media sein, mir Sachen erlauben zu tun und so. Aber ich glaube, das, was am allermeisten mir wirklich geholfen hat, irgendwie weiterzukommen in meinem Denken und in Selbstakzeptanz, war einerseits von fetten Leuten zu lesen, die wütend sind und die nicht irgendwie sich entschuldigen oder erklären oder versuchen, besonders verdaulich zu sein, sondern irgendwie die sagen: Ey, es reicht jetzt mal. Und das ist übrigens meine Meinung. Und das andere war, mit fetten Leuten zusammen zu sein. Also wirklich Leute zu treffen und zu merken, wie viel Freiheit in unseren Begegnungen liegen kann. Vielen Dank. Lydia, magst du von dir noch was teilen? Also auch völlig okay, wenn nicht. Es ist halt auch eine sehr persönliche Frage. Gab es bei dir auch so ein Erweckungserlebnis? Hatte fast schon was von Erweckungserlebnis. Diese Modezeitschrift in der Arztpraxis, wie du schon gesagt hast. Gab es bei dir auch so einen ähnlichen Punkt? Ja und nein. Also lustigerweise würde ich sagen, es ist irgendwie so paradox, weil eigentlich mein Anfang von Auseinandersetzung damit ein sehr großer Widerstand von meiner Seite war, weil ich in einem Uni-Seminar war, das hieß Fett in Film und Fernsehen, und das hat eine dünne Professorin von mir, die ich aber sehr schätze als Medienwissenschaftlerin, gegeben, und wir haben da halt sehr viele Texte gelesen von Friedrich Schorp und von Eva Kreisky, die sozusagen eher akademische Texte über Fatness geschrieben haben. Keine Happy Meals für die Unterschicht. Da geht es ganz viel oder ging es ganz viel einerseits darum, wie werden fette Leute medial dargestellt und andererseits, was ist die Kritik daran? Und das war aber nicht so, also es war schon ein kritisches Seminar, Aber es war halt sehr akademisch und nicht als aktivistisches Ding gemeint. Und ich habe mir lange überlegt, was ich da für das Seminar für eine Hausarbeit schreiben will. Und dann habe ich einen Text von Cat Pausé gelesen, der Coming Out as Fat heißt. Und ich hatte eine krasse Aversionsreaktion zu dem Text. Ich war so: No fucking way! Irgendwie habe ich was gegen diesen Text, aber ich weiß nicht, was es ist. Und ich habe in der Auseinandersetzung damit eine Woche lang zu Hause gesessen und geheult. Aber ich habe das halt so sehr auch mit, also sozusagen die Medienwissenschaftlerin in mir war so: Ich muss das jetzt verstehen und durchdenken und begreifen, theoretisch. Und ich schreibe jetzt eine Arbeit darüber, was mein Widerstand dagegen ist. Und das habe ich dann gemacht. Diese Arbeit ist eine sehr kritische, würde ich sagen, eine solidarisch-kritische Auseinandersetzung damit. Eigentlich war mein Punkt darin zu sagen: Ich glaube nicht, dass sozusagen ein Coming-out Sinn macht in dem Fatness-Kontext. Wann war das? 2016 habe ich das geschrieben. Weil ich glaube, dass Fatness noch so stigmatisiert ist, dass es überhaupt keinen Sinn macht. Stigma durch ein Coming-out aufbrechen zu können. Und die Arbeit endet damit, wo sie eigentlich anfangen müsste, nämlich zu sagen: Coming-out macht nur in Community Sinn. Es macht nur Sinn, das zu machen, wenn es Community gibt. Und wenn ich jetzt darauf zurückblicke, was ich da geschrieben habe, denke ich halt, ich habe das deswegen so geschrieben, weil ich keine Community hatte. Meine krasse Kritik daran und mein Unwohlsein damit hat sich daraus begründet, dass es eine krasse Vereinzelung in meinem eigenen Leben gab. Dass ich mich die ganze Zeit mit dünnen Leuten umgeben habe. Dass ich versucht habe, dünnen Leuten sozusagen zu gefallen da drin. Und jetzt gucke ich darauf zurück und denke halt so: Ja, da wo der Text endet, nämlich halt mit diesem Ausblick, beginnt er jetzt für mich. Hat es auch viel mit Sexualität und mit Queerness zu tun. Und damit irgendwie, also sozusagen, dann, es gibt diese Theorieebene für mich, oder gab es, und dann gibt es halt die sehr, sehr persönliche Ebene von: Was hat meine Fettneis in Beziehungen bedeutet? Und was hat das sozusagen für meine Queerness bedeutet? Weil für mich ein großer Befreiungsmoment meine erste queere Beziehung war. Also wo ich zum ersten Mal irgendwie aufgetaucht bin mit meinem ganzen Körper überhaupt als Person und als fette Person aufgetaucht bin und das irgendwie einen Rahmen gefunden hat. Und dann habe ich gedacht: Ah ja, das ist Queerness! Und dann habe ich aber feststellen müssen: Nee, nee, nee, nee, nee, das war schon eine sehr besondere Person, über die ich da gestolpert bin. Und ich denke zwar heute, dass Queerness und Fatness total eng miteinander verknüpft sind und dass Fatness sehr, sehr queer ist, aber ich musste auch eine bittere Lektion darin lernen, dass halt nicht alle queeren Leute das so sehen und so mit fetten Körpern umgehen. Und dann bin ich 2010er-Jahre-Ende mit ner fetten Femme zusammengekommen. Und ich habe diese Entscheidung, muss ich sagen, sehr bewusst getroffen. Also meine erste queere Beziehung war mit ner nicht fetten Person. Und ich habe dann so die Entscheidung getroffen: Ich will auch für mich selber mal aufhören, dünne Leute zu daten, weil ich auch meine eigenen Sehgewohnheiten sozusagen verändern will. Und ich hatte so ein bisschen die Hoffnung, glaube ich, darüber, mit einer anderen fetten Frau zusammen zu sein, meinen eigenen Körper auch noch mal anders zu verstehen. Hatte es aber mit einer Person zu tun, die selber überhaupt nicht politisiert war in Bezug auf Fatness und krass viel Scham mit sich rumgetragen hat. Und mit dieser Person war ich 7 Jahre lang zusammen. Zusammen, und das hat mich ziemlich zurückgeworfen, würde ich behaupten. Also, ne, ich verstehe auch deren Struggles und so weiter und so fort, ist nicht mein Punkt, aber so, es hat gebraucht, dass ich— für mich war das ein ziemlicher Sprung ins kalte Wasser, zum Fatcamp zu fahren, weil ich große, große Angst davor hatte, was das für mich bedeuten würde, mit so vielen fetten Leuten an einem Ort zu sein. Ich habe so viele Anxieties gehabt, auch an diesem Wochenende. Ich habe das nicht als nur schön empfunden, sondern ich war so: Okay, bin ich jetzt überhaupt noch special? Normalerweise bin ich immer die auffälligste Person im Raum. Ich bin es hier überhaupt nicht mehr. Was passiert mit mir? Was ist hier los? Ich habe so viele Sachen gar nicht irgendwie verstanden und auch zum Beispiel nicht. Also es war für mich auch ganz schwer, dass ich mit der Erwartung an mich selbst da reingekommen bin. A) Ich will irgendwie gesehen werden. A) Ich will alle Leute toll finden, die da sind. Ich fand überhaupt nicht alle Leute toll, die da waren. Auch deswegen, weil ich natürlich auch selber mit einer Menge Ängste da reingelatscht bin und viel mit mir selbst beschäftigt war auch. Aber trotzdem war das Fatcamp und vor allem, was dann kam, nämlich halt irgendwie bei Mäks Workshops zu machen und dann noch mal intimer so in eine Auseinandersetzung mit Fett und Körperlichkeit und somatischer Arbeit zu gehen. Das war für mich, was dann Also so Community finden, aber nicht halt einfach so, nicht sozusagen Community als anonymes Ding, wo ich alle mögen muss, sondern dass ich mir dann auch die Leute sozusagen ausgesucht habe, mit denen ich mich umgeben will davon. Also nicht zu sagen, jetzt, das sind jetzt, ist jetzt alles meine Community, nur weil die alle fett sind, sondern zu sagen, okay, Diese 8 Leute sind Leute, mit denen ich mich umgeben will. Und auch das war noch mal ein ziemlicher Kampf, muss ich ehrlich sagen, dahin zu kommen, wenn das so neu für einen ist. Also für mich war es total neu. Und dann ja halt wirklich in Beziehung sein und diese ganzen intimen kleinen Alltagssachen mit Leuten erleben, die so krass wichtig sind und zum Beispiel mit Luise und auch mit anderen Leuten, aber vor allem mit Luise die ganze Zeit in Auseinandersetzung über— es gibt in dem Szene-Text zu Sauberkeit— über so kleine Sachen zu sein wie: Was bedeutet das für mich als fette Person irgendwie an Scham, wenn mir irgendwie, wenn ich messy bin oder so. Das ist ja alles so sehr Teil von unserem Alltag und so viele Kleinigkeiten, die halt überhaupt nur dann, wenn man darüber irgendwie konstant in Verbindung ist, überhaupt reflektierbar sind und irgendwie besprechbar werden. Ich finde es beides total schöne Geschichten, also auch so spannend, wie sich das irgendwann überkreuzt. Aber dass es eben auch so ganz eigene Geschichten sind. Und auch ich fand es total interessant, diese Abwehr gegenüber diesem ersten Text von Cat Pausé. Das stellt ja auch so viel in Frage, wenn man auf einmal sagt, Also es ist ja wirklich ein Angebot, die Welt ganz anders zu sehen, wenn man dann auf einmal auf so Perspektiven trifft. Und das ist ja so schädlich, finde ich, diese fettfeindlichen Perspektiven sind. Und trotzdem, wir kennen halt ja nichts anderes von klein auf und die bieten ja auch einen gewissen Halt, weil zumindest kennen wir es halt. Total spannend. Ich habe gerade gedacht, ich hätte eigentlich total Lust, mit euch noch viel, viel länger zu reden. Also ich finde das so schön gerade, dieses Gespräch mit euch und ich merke, ich komme gerade an meine eigenen Grenzen, so körperlich. Ich kann gerade nicht ich merke gleich, mich nicht mehr so gut sitzen und ich merke, meine Konzentrationsfähigkeit lässt gerade nach. Ich habe gleichzeitig, also genau, deswegen würde ich glaube ich sagen, ich würde zum Ende kommen und gleichzeitig habe ich das Thema im Kopf, also aus unserem Vorgespräch hatten wir kurz drüber gesprochen und ihr habt das ja auch noch mal als ein Kapitel erwähnt für die nächste Ausgabe vom SIEHN, dieses Thema, wie habt ihr es genannt? Tod und? Fett sein. Fett und Tod. Also das, ich finde, das ist ein total spannendes Thema. Ich habe gerade gedacht, wenn ihr Lust habt, könnten wir auch nächstes Jahr noch mal einfach zusammen eine extra Folge dazu machen, weil dieses Thema ja wirklich auch so an so ganz viele Sachen anschließt. Und eben auch das, was du gesagt hast, Luisa, mal direkt dieses, ja, das ist halt die große Erzählung, ne? Du bist dick, fett und du kippst eigentlich quasi so, bist fast schon tot oder wirst nicht alt werden. Also das ist ja wirklich diese Erzählung. Und was passiert dann aber? Tatsächlich eben auch, ne, auch in uns, wenn wir dann wirklich eben z.B. krank sind, oder wenn wir dann, oder eben auch wenn Menschen sterben, ne, die vielleicht auch dick waren, oder also diese ganzen Sachen, die dann auch so losgehen. Also ich habe manchmal das Gefühl, fange ich selber jetzt an, aber ich habe manchmal das Gefühl, muss immer so ein lebendes Beispiel sein von, das gibt's ja auch viel auch so in diesen, diesen Kreisen, von wegen super gesund sein, wenn man schon dick ist, muss man aber super gesund sein und natürlich auch super fit sein und dann auch mindestens 90 werden, weil sonst haben ja die anderen recht, Und ich finde, das ist so ein großes Thema. Deswegen, wenn ihr Lust habt, würde ich euch total gerne nächstes Jahr dazu noch mal einladen. Dann können wir uns auch mal in Ruhe darüber noch mal unterhalten. Dann würde ich jetzt zum Abschluss euch einfach noch nach eurem Glitzer fragen. Also gibt es was, wo ihr jeweils sagt, das gefällt mir gerade, das mag ich, oder da hänge ich gerade immer wieder dran? Wie gesagt, kann also gerne positiv, aber es muss überhaupt auch nicht positiv sein. Also mir fällt direkt was ein, deswegen sag ich einfach mal, was bei mir gerade jetzt, wo wir noch mal so Revue passieren lassen haben mit dir. Viel Glitzer auslöst, ist genau solche Momente hier. Also zu sehen, was so alles passiert gerade in Deutschland innerhalb von der dick-fetten Community. Also mein Kolleg*in bei der GGG, Oriel Klatt, macht ja auch ganz viele Sachen so in Fettaktivismus und hat jetzt so eine Fat & queer Gruppe initiiert in Berlin. Und es gibt irgendwie unsere Veranstaltung regelmäßig von der GGG online und FUPA Magic hat irgendwie eine fette Party in Wien organisiert und eben dieses Panel und Workshops. Und dann gibt es so viele irgendwie fette Leute. Gerade habe ich das Gefühl, die irgendwie trotz der sehr widrigen Umstände, in denen wir ja auch gerade uns alle befinden, Räume schaffen und da sind und halt auch diese Verbindungen, die wir bauen zusammen alle, mitnehmen in ihre Leben, in ihre Location, wo immer sie gerade sind, und dort versuchen, neue Sachen aufzubauen oder irgendwie Sachen zu verändern in den Strukturen, in denen sie schon sind. Und das ist was, was mein Herz zum Glitzern bringt gerade. Es ist halt immer wieder, denke ich daran, dass ja zum Beispiel im Dezember das nächste Mal Fat & queer Treffen ist und dass es das jetzt gibt und man da einfach hingehen kann. Ist einfach amazing. Und genau, dass es so schnell gehen kann. Ja, für alle, die jetzt da draußen denken, ich will auch fette Friends. Es kann so schnell gehen und dann hast du die und auf einmal hast du viele tolle fette Leute, die geile Sachen machen, auch die nicht nur was mit Fettnis zu tun haben. Wenn ich jetzt zum Beispiel an Kumi More denke, weißt du, mit dem ganzen irgendwie kinky Gedicht Nähten und Häkelstricksachen und so, da geht mir auch das Herz auf. Und ich bin also, ich bin total in Begeisterung für uns alle, was wir so als fette Community auf die Beine stellen. Und das finde ich ganz toll, dabei sein zu dürfen quasi und das zu sehen. In Dresden gemacht. Und das ist irgendwie auch super special, dass Rosa irgendwie Dann sozusagen, nachdem wir das Zine halt gemacht haben, so war: Okay, ich will aber Leute in Dresden haben. Da gibt es jetzt Veranstaltungen und Sachen und das sind halt alles irgendwie Dinge, die auch das in fette Community halt so— uns ist allen klar, dass es die Spaces nicht gibt, wenn wir sie nicht machen. Ich kann in eine queere Bar gehen, aber kann ich in eine fette Bar gehen? Ich glaube kaum. Also es gibt irgendwie ein großes so, okay, auch ein— ich weiß gar nicht, wie ich das nennen soll, aber so ein: Es passiert nicht, wenn wir es nicht selber machen. Und das führt dazu, dass man irgendwie auch mehr wertschätzt, wenn Leute das machen, weil es halt nicht so eine Selbstverständlichkeit irgendwie und so ein kapitalistisches Konsumding ist von: Ich konsumiere einfach, dass andere Leute irgendwie fettes Business gemacht haben, sondern ich weiß, was für ein Aufwand das ist und wie besonders das ist, wenn Leute das machen. Also ich finde, das ist halt so was, ich hoffe, das bleibt noch eine Weile so. Ja, oder wird vielleicht mehr sogar. Ich habe gerade gedacht, um das noch zu ergänzen, und bitte sagt, wenn ich das nicht hier öffentlich sagen soll und rausschneiden soll, aber es gibt ja, also wenn jemand sagt, ich hätte gern mehr dickfette Menschen in meinem Leben oder überhaupt erst mal Kontakte. Es gibt ja diese Telegram-Gruppe. Also ich kann sagen, für alle, die irgendwie in Leipzig oder nahe Leipzig wohnen, wo ich ja wohne, da gibt es eine eigene Gruppe für die fette Vernetzung. Aber es gibt eben auch eine überregionale. Ich weiß gerade gar nicht, wie die heißt. Es gibt noch eine fatbulöser Zusammenhalt. Ich weiß auch gar nicht, wer die Admin-Person ist. Aber jedenfalls, es gibt auch selbst auf der Ebene gibt es Vernetzungsmöglichkeiten. Möglichkeiten, also vielleicht für Menschen, die gerade so aufhorchen beim Hören und sagen: Oh, spannend, wo könnte ich anfangen? Gerade vielleicht auch für Menschen, die nicht in Großstädten leben, dann sind das vielleicht auch Möglichkeiten. Ich sage jetzt einfach mal, die Personen, die interessiert sind, sollen mich anschreiben. Aber Lydia, hast du noch einen eigenen Glitzer, bevor ich quasi zum Ende komme? Ja, ich meine, man sieht es ja hinter uns, aber auch da, also in diesem Zimmer hier, wo wir gerade sitzen, in Luises Wohnzimmer, hängt sehr viel Kunst von mir. Und ich mache das noch gar nicht, also ich mache noch gar nicht so lange jetzt irgendwie so Kunst. Ich habe sehr, sehr viel geschrieben. Ich bin gerade aber so ein bisschen weg davon. Also ich schreibe gerne, aber eher so pragmatischer, glaube ich, als ich das früher getan habe. Und ich habe zum Beispiel über Fettiness auch noch mal sehr meine anderen Sinne halt entdeckt, also über die Auseinandersetzung, und merke irgendwie, dass ich mega Bock habe, irgendwie mehr zu fetter Ikonographie und zu fetter Kunst uns beizutragen. Und irgendwie, ich habe da gerade einfach wirklich große Freude dran. Für mich war, man hat es vorhin sicherlich auch in meinem Reden über meine Uni-Zeit so ein bisschen gehört, aber für mich war und ist Schreiben auch immer eine tiefe und schwierige Auseinandersetzung und oft sehr heftig. Und visuelle Sachen machen Und einfach sehr viel, also ich habe schon immer sehr viel und gerne mit meinen Händen gearbeitet, aber so wie ich das jetzt gerade mache, so intensiv, irgendwie noch nie. Und das macht mir gerade ganz, ganz große Freude, weil ich eigentlich überhaupt nicht zeichnen kann. Und wirklich, also überhaupt nicht. Ich meine es schon wirklich so. Ich habe keine Ahnung, wie man irgendwie 3D-Modelle lernt. Doch, ist schon so. Also wenn du mir jetzt sagen würdest, zeichne mal einen Menschen, kann ich gut. Kunst machen. Aber für die, die es gerade nur hören, Luise schüttelt gerade den Kopf, während Lydia erzählt. Aber für mich ist es so, mein Bruder war Künstler und der konnte wahnsinnig gut malen und zeichnen. Und daran habe ich mich immer orientiert. Und für mich war sozusagen diesen Schritt zu machen ein großes Wagnis, irgendwie anzufangen, halt einfach zu machen, worauf ich Bock habe. Und einfach zu malen oder halt das zu versuchen. Und das ist einfach auch generell mein Zugang zu Kreativität, ist sehr so: Lass uns einfach mal gucken, was passiert. Wenn wir mal anfangen, wird schon irgendwas passieren. Ich glaube sehr tief daran, dass der menschliche Wille ein Brennglas ist und das, wohin wir unsere Aufmerksamkeit richten, einen krassen Effekt hat. Und wenn man sich vornimmt, ich will das irgendwie ausdrücken und ich will da irgendwie jetzt was zu machen, dann— man sieht es auch an dem Szenenwochenende— dann passiert schon irgendwas. Und auch wenn man eigentlich nur vorhat zu chillen und zwischendurch ein paar Bilder zu malen, dann irgendwas wird schon dabei rauskommen. Und das macht mich sehr glücklich, dass das so ist. Total schön. Ich finde, ihr seid total gut in diesem— bei den Schlussworten. Von daher würde ich es jetzt auch genauso stehen lassen. Es war mir ein riesiges Vergnügen, viel vielen Dank für eure Zeit, für eure Energie und für das Sehen sowieso oder für das Mega-Sehen. Das ist wirklich großartig. Und hier noch mal die Empfehlung, sich das zu bestellen, wer es noch nicht gemacht hat. Und danke für eure Arbeit. Wir freuen uns auch über dich, Ira. Ja, genau. Wir freuen uns auch über dich und deinen Podcast hier. Das freut mich sehr. In diesem Sinne erst mal tschüss. Das war's für die heutige Folge. Die nächste Folge des Podcasts kommt am 14. März, voraussichtlich mit dem nächsten Interview. Wer das ist, werde ich dann erst verraten. Und ich wünsche dir bis dahin eine gute Zeit, schöne erste Frühlingstage, wenn das Wetter so bleibt, wie es jetzt ist. Bis bald und tschüss!