MoinSeHn

Sascha Lang, Jürgen Trinkus
Since 09/2022 47 Episoden

MoinSeHn - Ausgabe September 2026

Das Audiomagazin des BSVSH

15.09.2026 28 min Sascha Lang, Jürgen Trinkus und Maura Rafelt

Zusammenfassung & Show Notes

MoinSeHn – Ausgabe September 2026
 
Was geschieht, wenn das Gehirn Bilder erzeugt, die gar nicht da sind? In der neuen Ausgabe von „MoinSeHn“, dem Audiomagazin des Blinden- und Sehbehindertenvereins Schleswig-Holstein, berichtet Klaus Bernd offen über das Charles-Bonnet-Syndrom – und darüber, warum Betroffene keine Angst haben sollten, über ihre Wahrnehmungen zu sprechen.
Dr. Jürgen Trinkus widmet sich in seinem Editorial der Kunst des Zuhörens und zeigt in einem weiteren Beitrag gemeinsam mit der Reha-Lehrerin Christine Loßmann, wie richtiges begleitetes Gehen funktioniert und warum der Stock auch in Begleitung zusätzliche Sicherheit bietet.
Maura Raffelt informiert über aktuelle Veranstaltungen des BSVSH, das Beratungsmobil Blickpunkt Auge, das erixx-Herzensprojekt und die Neugestaltung der Kieler Begegnungsstätte. Abgerundet wird die Ausgabe durch einen Hörbuchtipp von Silke von Bremen.
Durch die Ausgabe begleitet Moderator Sascha Lang.
Mehr Infos und wichtige Links gibt es auf


MoinSeHn – Ausgabe September 2026
 
 
Was geschieht, wenn das Gehirn Bilder erzeugt, die gar nicht da sind? In der neuen Ausgabe von „MoinSeHn“, dem Audiomagazin des Blinden- und Sehbehindertenvereins Schleswig-Holstein, berichtet Klaus Bernd offen über das Charles-Bonnet-Syndrom – und darüber, warum Betroffene keine Angst haben sollten, über ihre Wahrnehmungen zu sprechen.
Dr. Jürgen Trinkus widmet sich in seinem Editorial der Kunst des Zuhörens und zeigt in einem weiteren Beitrag gemeinsam mit der Reha-Lehrerin Christine Loßmann, wie richtiges begleitetes Gehen funktioniert und warum der Stock auch in Begleitung zusätzliche Sicherheit bietet.
Maura Raffelt informiert über aktuelle Veranstaltungen des BSVSH, das Beratungsmobil Blickpunkt Auge, das erixx-Herzensprojekt und die Neugestaltung der Kieler Begegnungsstätte. Abgerundet wird die Ausgabe durch einen Hörbuchtipp von Silke von Bremen.
Durch die Ausgabe begleitet Moderator Sascha Lang.
Mehr Infos und wichtige Links gibt es auf
 
#MoinSeHn #BSVSH #CharlesBonnetSyndrom #Blindheit #Sehbehinderung #Selbsthilfe #Barrierefreiheit #Inklusion #Teilhabe #Langstock #BegleitetesGehen #OrientierungUndMobilität #BlickpunktAuge #SchleswigHolstein #Audiomagazin
 

Transkript

Moinsen, das Audiomagazin des Blinden- und Sehbehindertenvereins Schleswig-Holstein, BSVSH. Moinsen, das Audiomagazin vom Blinden und Siebelinverein Schleswig-Holstein begrüßt euch herzlich zu dieser Ausgabe. Für den Podcast ist es die September-Ausgabe und für das Buch 21 die Oktober-Ausgabe. Ich sage herzlich willkommen, Sascha Lang ist mein Name, ich bin euer Moderator und ich freue mich, auch diesmal wieder auf tatkräftige Unterstützung. Ladies first, Maura Rafelt erzählt uns ein paar Sachen über Termine und über eine Lieferdiensteinstellung von Citi. Sind wir nicht so ganz froh drüber. Aber auch über das ERIX-Herzens-Projekt. Ganz spannend. Da könnt ihr noch mitvoten. Und wir sind Stand heute, Zeichnung findet statt am 10. September, sind wir in der Förderrunde. Also bitte mitvoten, mehr Informationen gleich. Das Editorial von Dr. Jürgen Trinkus gibt es natürlich auch und heute im Editorial hören wir, dass er sich nicht den Herbstblues, sondern die Herbsterkältung eingefangen hat. Aber seine Stimme klingt immer noch fantastisch. Dann hat Jürgen Trinkus uns noch einen Beitrag geliefert und zwar mit der Metabrille hat er sich getroffen, um einen Weg zu gehen und zwar nicht mit dem weißen Stock, sondern in Begleitung. Also begleitetes Gehen, begleitetes Führen, aufgezeichnet mit der Metabrille. Ganz spannend, gute Qualität und wir sind gespannt, was er uns da zu erzählen hat. Und natürlich haben wir auch ein Hörbuch-Tipp von Silke von Bremen, die unter anderem auch verantwortlich zeichnete für das Westerland-Tastmodell, Stadtmodell. Und wir sprechen mit Klaus Berndt, einem Mitglied aus Lübeck, über das Charles-Bonnet-Syndrom. Ja, also ich glaube, diese Ausgabe ist wieder pickebacke voll. Deshalb geht's ab nun an Dr. Jürgen Trinkus mit dem Editorial. Willkommen im Herbst. Willkommen zu Ihrem Hörmagazin aus und für Schleswig-Holstein. Ihre Ohren sind auf Empfang und wir wollen Sie nicht enttäuschen. Sie werden uns zuhören, weil wir was zu sagen haben, was Ihr Interesse findet, so die Hoffnung. Ich bin am Mikrofon und begrüße Sie als Ihr Jürgen Trinkus und Sie sind an den Lautsprechern die Große Unbekannte. Wären wir zusammen, wäre es gar nicht gut, dass nur einer spricht und viele nicht zu Wort kommen. Ich habe bei Veranstaltungen, die ich moderiert habe, schon vielen das Wort abgeschnitten, weil wir noch vieles auf der Tagesordnung hatten und das nicht zu schaffen wäre, wenn wir zu sehr, ins ausufernde Reden kommen. In der Kunst der Gesprächsführung bin ich noch kein Meister. Ich bin ja ein großer Freund des Zuhörens. Bin ja bekannt als Freund der Vorstellungsrunden. Auch dort, wo sich so ziemlich immer die gleichen Leute wieder treffen. Ich habe es schon bei vielen Gruppentreffen gesagt. Man erfährt in einer Vorstellungsrunde immer was Neues vom Mitmenschen. Auch wenn er sich vor vier Wochen auch schon mal vorgestellt hatte. Und für die ist es vielleicht wichtig, auch mal sagen zu können, wie es ihnen geht, was sie fühlen, was sie umtreibt. Nicht nur im Zweiergespräch, sondern auch meiner Gruppe. Das gehört zum Mehrwert, den eine Zusammenkunft mit interessierten Menschen bringt. Ich finde Wertschätzung. Ich fühle mich nicht einsam. Einsamkeit heißt ja, allein zu sein, sich verloren zu fühlen, jemand zu sein, nach dem kein Hahn kräht. Natürlich gibt es auch diejenigen, die es zu sehr auskosten, dass man ihnen zuhört und andere, die meinen, was sie zu sagen hätten, will eh keiner hören. Gerade die sollten mehr zu Wort kommen. Ich finde es jedenfalls immer spannend, was unsere Mitglieder für einen Reichtum an Vorleben mitbringen. Alter und Erblindung scheinen das oft zu entwerten. Muss das sein? Wir werden in diesem Hörmagazin noch etwas hören vom Charles-Bonit-Syndrom. Von Bildern vorm inneren Auge, die nicht von draußen kommen, sondern im eigenen Kopf produziert werden. Darüber trauen sich viele Betroffene nicht zu sprechen aus Angst vor Stigmatisierung. Wenn dann doch einer den Mut aufbringt, darüber zu reden, melden sich bei ihm unerwartet viele, denen es genauso geht. Dass es in unserer Selbsthilfeorganisation so etwas gibt, dass Menschen fürchten, auf Unverständnis oder gar Zurückweisung zu treffen, finde ich bedenklich. Alle Berater lernen, dass sie ihre Klienten nicht mit Ratschlägen überfluten sollen, sondern dass sie erstmal gut zuhören sollen, um die Menschen dort abholen zu können, wo sie mit ihren Problemen stehen. Ich erlebe es immer wieder, dass man sich daran dann doch nicht hält. Ja, das Zuhören gehört zur Wertschätzung und die Wertschätzung ist die Währung, mit der wir in der Selbsthilfe zahlen. Wir müssen als Gruppenleiter ja nicht die Leute bespaßen und unterhalten. In den offenen Treffs geht es um die Menschen, die kommen. Wenn ich sage, dass wir da viel besser werden müssen, dass wir bessere Zuhörer werden sollten, dann richtet sich das an meine eigene Adresse natürlich auch. Und damit habe ich auch erstmal genug geredet. Mit Ihnen bin ich gespannt, was Sascha heute alles aus der Kiste zaubern wird. Ihr und euer Jürgen Trinkus. Für diejenigen, die die Ausgabe noch vor dem 19. September hören, wisst ihr ja, dass am 19. September unsere Mitgliederversammlung stattfindet. Welche Termine es noch gibt, die ihr euch merken sollt, das hat nun Maura Raffelt für euch zusammengestellt. Die Termine in dieser Ausgabe stehen ganz im Zeichen der Hilfsmittelmessen, denn davon stehen einige an. Los geht's mit Donnerstag, dem 24. September von 10 bis 16 Uhr mit dem Infotag rund ums Auge gemeinsam mit der Firma Helptech in der Pumpe in Kiel. Außerdem steht am Dienstag, dem 29.09. Um 16 Uhr ein Vortrag in der Begegnungsstätte des BSBAUS H in Kiel an. Gemeinsam mit der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein zum Thema elektronische Patientenakte. Am Samstag, den 3. Oktober um 11 Uhr, ist eine Wanderung um den Küchensee in Ratzeburg geplant. Gemeinsame Anreise ist möglich ab dem Lübecker Hauptbahnhof. Es wird um Anmeldung gebeten bis zum 24.09. an Karl Küppers. Auch dieses Jahr steht wieder die Woche des Sehens an. Dieses Mal in der 25. Ausgabe. Auch wir beim BSVSH haben einige Termine in dieser Woche. Zum Beispiel am Freitag, den 9. Oktober 2026 von 11 bis 14 Uhr die Hilfsmittelmesse Gemeinsam weitersehen im Herder Center in Hübeck, organisiert vom BSVSH und dem Digital Learning Campus der Uniklinik Hübeck. Am 10.10. sind wir dabei bei der Messe für Senioren und Seniorinnen und Menschen mit Behinderung in Timmendorfer Strand. Und zum Tag des Weißen Stocks am 15.10. Haben wir ein großes Nachbarschaftsfest in der Begegnungsstätte in Kiel geplant, zur feuerlichen Eröffnung unserer neu gestalteten Fassade. Am 20. Oktober um 15 Uhr steht der Lesekreis in der Begegnungsstätte an. Das ist der Treff für Literaturliebhabende. Am Donnerstag, den 29.10. Haben wir noch eine Hilfsmittelmesse, dieses Mal in Kropp. Und am 30.10. steht der Aktionstag der Klinik für Augenheilkunde im Citypark Lübeck an, bei dem der BSVSH auch dabei ist. Und zum Abschluss, das ist bereits Tradition geworden, gibt es am 1. November um 14 Uhr zum Abschluss der großen Sandskulpturenausstellung in Travemünde, wieder unsere exklusive Tastführung. Um Anmeldung wird gebeten bis zum 25.10. an Karl Küppers. Dr. Jürgen Trinkus probiert gerne Techniken aus und war mit der Metabrille unterwegs. Darum geht es aber jetzt nur zum beiläufigen Bericht. Er will nur uns zeigen, was für eine gute Qualität dieses Gerät auch tonmäßig nutzen kann. Aber wichtig ist, in dem zweiten Teil von seinem Bericht geht es um die Mobilität und zwar um das begleitete Führen, um das begleitete Gehen. Lasst euch mal überraschen. Ich habe noch was mitgebracht. Eines, was mir bei der folgenden Aufnahme wichtig ist, ich habe dafür das Teufelsding benutzt, die Meta-Brille. Sie ist mit dem iPhone in meiner Tasche verbunden und ich habe ein Video aufgenommen. Mit Einverständnis meiner Gesprächspartnerin und letztlich auch nicht wegen des Kamerabildes, mir kam es auf den Ton an. Auch da sind die Brillenspitze, wie man sicher gleich hören wird. Natürlich habe ich später den Ton vom Bild getrennt. Da muss man dann natürlich schon ein bisschen technisch unterwegs sein. Aber Aufnahmen zu machen, das kann jeder. Und ich möchte alle, die ein wenig mit Technik unterwegs sind, ermuntern, schicken Sie uns doch bitte mehr Momentaufnahmen mit akustischen Schnappschüssen, die wir für das Hörmagazin verarbeiten können. Unsere Adresse ist noch immer redaktion.bsvsh.org Nun aber zum Inhalt dessen, was gleich zu hören sein wird. Begleitendes Gehen nennen das die Mobilitätsfachleute. Mit einer Mobilitätsfachfrau werde ich gleich sprechen. Wer sich begleiten lässt, meint oft auch, keinen Stock zu brauchen. Orientierung gibt ja die Begleitperson. Vielleicht ist es besser, das eine zu nehmen, ohne das andere zu lassen. Man kann es nicht sehen, weil wir ein Hörmagazin sind. Ich bin bei meiner Gesprächspartnerin mit meiner linken Hand eingehenkelt an ihrem Ellbogen. In der rechten Hand halte ich einen Teleskopstock. Der ist nicht arretiert, der schleift mit der Kugel auf dem Boden, obwohl mein Arm locker herunterhängt. Die Spitze lasse ich im Halbkreis vor mir und im Gegenschritt von einer Seite zur anderen laufen. Ich bin jetzt hier mit Christine Lossmann. Wir waren schon öfter unterwegs. Sie ist Reha-Lehrerin in Schleswig-Holstein, in Wübeck. Noch, es hat sich schon rumgesprochen, Christine, du verlässt uns. Zieh nach Göttingen, da werde ich aber auch noch weiter ein bisschen arbeiten als Realehrerin. Vor allem hast du Menschen beigebracht, wie sie allein mit einem richtigen guten Langstock unterwegs sein können. Heute wollen wir uns aber mal, vielleicht unser letztes dienstliches Interview in und für Schleswig-Holstein, mit dem begleitenden Gehen befassen. Da kann man ja auch ganz vieles falsch machen. Das beginnt ja schon damit, wie begleite ich einen blinden Menschen? Was wird da so gern falsch gemacht? Okay, also ich sage dann immer, jetzt nimmst du mal bitte meinen Arm und dann, ich gehe immer vorweg und der Blinde geht hinter mir. Genau, ich habe natürlich auch einen ordentlichen Langstock, aber der ist mir dann oft auch im Wege, wenn ich sowieso in Begleitung gehe. Und deswegen habe ich mir angewöhnt, ich habe jetzt hier einen Teleskopstock, der hängt jetzt locker. Die Spitze zeigt mir aber genau, wo ich bin. Das ist natürlich wichtig, dass ich die Information der Spitze habe. Ich kann meinen Arm jetzt hier locker hängen lassen. Und jetzt die Situation, die du eben genannt hast. Wir kommen auf eine Stufe oder eine Kante zu. Ich weiß zwar, dass es eine ist, aber das ist auch alles. Ich weiß nicht, komme ich mit dem linken Fuß zuerst oder mit dem rechten und wie hoch ist sie? Und das alles können wir ja mal probieren. Genau, wir gehen mal drauf zu. Jetzt habe ich hier eine Kante tatsächlich. Du bist auch stehen geblieben und ich kann sehen, die ist ziemlich hoch und wir stehen einigermaßen gerade davor. Ich kann jetzt also wirklich sagen, wenn wir jetzt losgehen, mit welchem Fuß ich dann gehe. Wunderbar. So, jetzt gehen wir auf eine Kante zu und du weißt, du sagst, es kommt einer, aber du kannst mir nicht genau sagen, welchen Fuß ich zuerst rankomme. Wir sind jetzt schräg hier, wir kommen, sodass also der linke Fuß ist dichter dran an der Kante. Ich kann auch fühlen mit dem Stock, wie hoch das jetzt hier ist, sodass ich eigentlich ganz genau sagen kann, was ich mit meinem Fuß machen muss. Wenn ich das jetzt nicht wüsste, würde ich mit den Füßen an dem Gegenstand herumtasten oder ich würde stolpern. Also insofern, ein Stock ist unentbehrlich, und es muss nicht immer der Langstock sein, den man ausfährt. Den kann man auch im Rucksack lassen, wenn man einen so hat, den man dann so zusammenfalten kann. Vielen Dank, Christine. Moin sind das Audio Magazin vom Blinden- und Sehbindenverein Schleswig-Holstein. Jetzt sprechen wir über das Charles-Bonnet-Syndrom. Bei mir zu Gast im Interview war Klaus Bernd aus Lübeck. Manche Menschen mit einer starken Sehbeeinträchtigung erleben und sehen Bilder, die in ihrer Umgebung gar nicht vorhanden sind. Sie sehen Muster, Gegenstände, Pflanzen und sogar Menschen. Dabei wissen sie häufig sehr genau, dass diese Bilder nicht da sind. Dieses Phänomen trägt den Namen Charles-Bonnet-Syndrom. Trotzdem ist es vielen Betroffenen und selbst manchen Fachleuten kaum ein Begriff. Klaus Bernd, 77, langjähriges Mitglied aus Lübeck, lebt seit einigen Jahren mit diesem Charles-Burnett-Syndrom und möchte mit seiner Geschichte den Menschen Angst nehmen. Klaus Bernd. Gut, also ich habe eine Doppelbelichtung in meiner Visuellenwahrnehmung. Ich habe einmal das schwache Bild, weil es meine Augen hier noch vermitteln. Also es ist alles ein bisschen unscharf und ein bisschen undurchdringlich und nicht besonders gut. Und dann kriege ich vom Gehirn ein Extraprogramm, was ich nicht anfordere, was ich in der Menge und in der Zeit nicht steuern kann. Ich kann es auch nicht abstellen. Das Gehirn versucht, meine Schwachsichtigkeit auszugleichen, wie etwas Gutes zu tun und schickt mir Bilder, die ich gar nicht haben will. Klaus beschreibt es als eine Art Doppelbelichtung. Seine Augen liefern ihm aufgrund einer trockenen. Alkasabhängigen Makuladegeneration nur noch ein unscharfes und lückenhaftes Bild. Gleichzeitig erscheinen zusätzlich oft besonders scharfe und farbintensive Bilder. Das Gehirn ergänzt offenbar das, was über die Augen nicht mehr vollständig ankommt. Für Klaus ist das keine harmlose Begleiterscheinung. In bestimmten Situationen nimmt ihm diese zweite Bildebene die Orientierung und kann damit auch seine Sicherheit gefährden. An der Milienturbrücke überfiel mich das Schalber-Netz-Syndrom in der Form, dass ich vor einer Wand vor blauen Kreisen, die habe ich vor mir gesehen, die war so im Abstand von zwei Metern. Und diese blauen Kreise waren wunderbar konturenscharf und sie waren in einem wunderschönen blau-blaues, meine Lieblingsschabe. Aber ich wollte sie natürlich nicht haben und sie haben mir den Blick auf das versperrt, was ich sehen wollte. Ich habe keine Führerstraße gesehen, ich habe keine Menschen gesehen, die mir entgegenkamen. Ich habe keine Roller gesehen, ich habe keine Fahrräder gesehen. Ich habe ab und zu vielleicht mal keine Lichtscheine von Autos gesehen. Die helle Seite, also Rückenliste konnte ich auch nicht sehen. Und ich musste trotzdem, weil ich kein Geld bei mir hatte und kein Handy bei mir hatte, musste ich von der Innenstadt nach Hause laufen. Das hat mich völlig orientierungslos gefühlt. Nach diesem Erlebnis entschied sich Klaus für ein Orientierungs- und Mobilitätstraining. Seitdem hat er den Langstock dabei, wenn er alleine unterwegs ist. Mit diesem Langstock kann er ertasten, wo der Gehweg endet, wo die Straße beginnt und wann ein Bordstein kommt. Der Stock gibt ihm Sicherheit, wenn die zusätzlichen Bilder plötzlich wieder auftauchen. Denn es ist wahnsinnig schwierig zu erklären, wann sie auftauchen. Die Erscheinungen begleiten Klaus seit ungefähr zehn Jahren. Sie sind nicht rund um die Uhr vorhanden, aber es vergeht nach seinen Worten kaum einen Tag ohne solche Bilder. Einmal sieht er Pflanzen, die gar nicht da sind. Ein anderes Mal erscheinen geometrische Formen, Gegenstände oder ein regelrechter Konfetti-Regen. Auch beim Fernsehengucken können sich blaue Kreise über das Bild legen oder die wahrgenommene Begrenzung des Gerätes verschwindet einfach oder verschiebt sich. Klaus kann sich deshalb nicht immer darauf verlassen, dass das, was er sieht, tatsächlich vorhanden ist. Belastend war für ihn auch die Tatsache, dass dieses Syndrom noch immer nicht in Deutschland wirklich anerkannt wurde oder erkannt wurde. Als er seinem damaligen Augenarzt davon berichtete, Dinge zu sehen, die nicht da seien, erhielt er lediglich zuerst mal eine stärkere Brille. Weil sich sein nutzbares Sehvermögen dadurch verbessert hat vorübergehend, verschwanden auch die zusätzlichen Bilder für eine kurze Zeit. Später kamen sie wieder zurück. Klaus ärgert diese Tatsache, dass in Deutschland niemand darüber genau was weiß. In England ist es schon eine Tradition, dass die Augenärzte darauf hinweisen müssen, dass bei Sehverlust auch das Charles-Bonnet-Syndrom aufkreuzen könnte. In der Schweiz ist es auch schon bekannt, aber in Deutschland gibt es da ganz wenige Ärzte, die sich damit auseinandersetzen. Und da sich wenige Ärzte damit auseinandersetzen, ist das Thema auch noch teilweise ein Tabu. Da stellte Klaus Bernd fest, als er in der Regionalgruppe Lübeck über das Charles-Burnett-Syndrom berichtete und danach zwei Frauen auf ihn zukamen und ihm über ihre Erfahrungen berichteten. Da sind zwei Frauen auf mich zugekommen und haben gesagt, Klaus, das habe ich auch. Ich habe es meinem Ehemann nicht erzählt, ich habe es meinem Augenarzt nicht erzählt, ich habe es meinen Kindern nicht erzählt, weil ich Angst hatte, ich bin verrückt, ich bin dement oder ich habe Alzheimer. Und ich hatte diesen beiden Frauen wirklich die Ängste nehmen können, indem ich sagte, das ist eine völlig normale Reaktion des Gehirns auf den Sehverlust. Angst nehmen, das will Klaus Berndt, indem er den Menschen über das Charles-Bonnet-Syndrom erzählt. Entscheidend ist, die Menschen erkennen in der Regel, dass die Bilder, die sie sehen, nicht zur Wirklichkeit gehören. Trotzdem sollte man neu auftretende Wahrnehmung ärztlich abklären. Denn hinter ähnlichen Symptomen können auch andere Ursachen stehen. Klaus wünscht sich, dass Augenärztinnen und Augenärzte Menschen mit fortschreitendem Sehverlust frühzeitig über das Charles-Bonnet-Syndrom informieren. Wissen kann in diesem Fall ganz konkret entlasten. Wer einen Namen für das Erlebte hat, muss nicht länger befürchten, verrückt oder dement zu werden. Gleichzeitig können Betroffene gemeinsam mit Fachleuten überlegen, welche Hilfen im Alltag mehr Sicherheit schaffen können. Es soll auf jeden Fall aufhören, an Demenz und sowas zu denken. Das muss natürlich untersucht werden. Es gibt natürlich auch Menschen, die Demenzen und Augenkrankheiten haben. Bei mir ist es wirklich so, ich bin sonst im Takt. Aber... Mein Gehirn ist eben ein bisschen gestört. In unserem Interview empfiehlt uns Klaus Bernd auch noch ein Buch von Oliver Sachs, nämlich Drachen, Doppelgänger und Dämonen. Dieses Buch gibt es auch als Hörbuch bei der Norddeutschen Blindenhörbücherei. Also wer sich dieses Buch mal anhören möchte, da wird auch ein bisschen über dieses Charles-Bonnet-Syndrom erklärt. Klaus hat es gelernt, mit seiner Situation klarzukommen und seinen Weg zu finden. Es ist ihm aber wichtig, dass darüber gesprochen wird und dass Menschen nicht allein gelassen werden mit dem Charles-Bonnet-Syndrom oder mit diesen Wahrnehmungen. Und deshalb ruft Klaus Bernd auf, sich auszutauschen. Wer also gerne darüber sprechen will oder ähnliche Erfahrungen gemacht hat, kann sich gerne bei Klaus Bernd melden. Wir stellen in der Geschäftsstelle den Kontakt ganz gerne her. Also nicht zögern, keine Angst haben, sondern darüber reden. Denn wichtig ist, dass darüber gesprochen wird. Wir bedanken uns bei Klaus Berndt für seine ausführlichen Erklärungen. Jetzt kriegen wir unseren Infoblog von Maurer Raffel geliefert. Unter anderem geht es da um Graffiti in der Mählerstraße. Es geht um die Einstellung des Lieferdienstes von Citi. Und es geht um Eriks Herzensprojekt. Da sind wir mit im Rennen. Da können wir eine Förderung kriegen für Blick.Auge. Und laut den letzten Informationen sind wir da ganz vorne mit dabei. Also in den Top Ten und da könnten wir Geld kriegen. Also mit Voten über unsere Internetseite gibt es da mehr Informationen. Hier kommt der kleine Blog von Maurer Raffelt. Gute Neuigkeiten aus dem Fundraising. Das Blickpunkt Auge Beratungsmobil wurde aus über 100 Bewerbungen als Eriks Herzensprojekt ausgewählt. Jetzt gibt es ein Online-Voting, in dem wir gegen 20 andere Projekte antreten. Das Voting läuft noch bis zum 25. September. aber stimmen Sie gern für uns ab. Es winken eine Förderung und Werbung für den BSVSH in allen EREX-Zügen. Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme hatten wir schon 267 Stimmen. Danke an alle, die für uns abgestimmt haben. Abstimmen geht ganz einfach über www.erix-holstein.de, oben auf das Banner klicken oder über unsere Website. Auf der Startseite finden Sie alle Informationen. Unsere Begegnungsstätte soll schöner werden. Die Fassade der Begegnungsstätte vom BSVSH in der Melanchthonstraße 31 in Kiel ist stark beschmiert. Deswegen soll dort ein großflächiges Graffiti-Kunstwerk entstehen. Am 3. September fand der erste von zwei Workshops zur Entwicklung von Motiven für die Fassade statt. Zwölf Teilnehmer, darunter Mitglieder und NachbarInnen, fanden sich zusammen, um gemeinsam mit dem Graffiti-Kollektiv Vanitism Ideen zu brainstormen. Es kamen sehr viele verschiedene Stichworte und Ideen zusammen. Es wurden einige Motive skizziert, die nun von den beiden Künstlern zu einem Gesamtkunstwerk entwickelt werden. Wir freuen uns auf die neue Fassade und sie am 15.10. mit einem Nachbarschaftsfest feierlich zu eröffnen. Unser Hörbuch-Tipp kommt von Silke von Bremen. Und dass diese Frau einen Bezug zu Schleswig-Holstein hat, ist so klar wie Klosbrühe. Sie lebt nämlich auf Sylt. Und sie war auch die treibende Kraft für ein Stadtmodell, ein tastbares Stadtmodell von Westerland. Jetzt kommt Ihr Hörbuch-Tipp hier bei uns im Moinsen-Magazin. Als Sönnig Petersen stirbt, ist niemand im Dorf am Watt traurig, am wenigsten seine Tochter Helma. Er war kein liebevoller Vater. Der Krieg hatte ihn hart gemacht. Sein Tod fällt in eine Zeit, in der der aufkommende Tourismus neue Menschen und Gebräuche mit sich bringt. Immer mehr Inselbewohner wollen am Wohlstand teilhaben, auch Helma vermietet bald an Badegäste. Doch da ist noch etwas, was sie beschäftigt. Über ihre früh verstorbene Mutter wurde immer eisern geschwiegen. Auch um die Mutter ihres Kindheitsfreundes Rudi gibt es ein Geheimnis. Sie wurde während des Krieges abgeholt und kam nie zurück. Wie konnten die Frauen einfach so verschwinden? Warum fragte niemand nach ihnen?«, Gelesen von Klaas Christoffersen, 565 Minuten, Buchnummer 72430. Das war es für diese Ausgabe Moinsen, September 2026 oder Oktober 26, Buch 21. In der nächsten Ausgabe gibt es ganz viel über die Mitgliederversammlung, über vielleicht neue oder alte Mitglieder im Vorstand. Und wir versuchen auch in den nächsten Ausgaben ein Gespräch mit unserer Einrichtungsleitung vom Hatt zu kriegen. Das war diesmal aus redaktionellen Gründen noch nicht möglich, aber die Zukunft wird es uns noch liefern. Mein Name ist Sasch Lang. Ich bedanke mich fürs Zuhören. Bedanke mich bei der guten Zusammenarbeit bei Dr. Jürgen Trigus und Maura Rafelt. Ciao, bye bye. Moin sehen. Moin sehen. Moin sehen. Moin sehen. Moin sehen. Impressum und Kontakt. Moinsen, das Audio-Informationsmagazin, ist eine Publikation des Blinden- und Sehbehindertenvereins Schleswig-Holstein e.V. Landesgeschäftsstelle Memelstraße 4 in 23 554 Lübeck. Telefon 0451 408 508 0. Telefax 0451 408 508 55. E-Mail info at bsvsh.org, Homepage www.bsvsh.org. Die redaktionelle Verantwortung hat Dr. Jürgen Trinkus, der Landesvorsitzende des BSVSH, redaktionelle Mitarbeit Regine Planer-Regis für das Lektorat und Sascha Lang als Audio-Redakteur. Für Anregungen und Themenvorschläge freuen wir uns auf Ihre Zuschriften per E-Mail an folgender Adresse redaktion.bsvsh.org.