Radiomegahertz

Dr. Tim Mäcken

Parasternale Position - TTE Ausbildung (S3E3)

Warum ist PLAX wichtig, was sind die Gütekriterien?

15.12.2025 46 min Staffel 3 Episode 3

Zusammenfassung & Show Notes

🎙️ Staffel 3, Folge 3 - TTE-Ausbildung in der Anästhesie
In dieser Episode spreche ich gemeinsam mit Martin Rembecki über die parasternale Position in der transthorakalen Echokardiografie. Sie ist die erste Position unseres Ausbildungsposters, dessen Konzept in der vorausgehenden Episode besprochen wurde. Wir erläutern, warum die parasternal lange Achse in unserem Ausbildungskonzept die erste und zentrale Einstellung ist und wie sich daraus die Längsachse des linken Ventrikels ableiten lässt. Schritt für Schritt gehen wir durch die wesentlichen anatomischen Strukturen, die in dieser Schnittebene sichtbar werden, und erklären die wichtigsten Gütekriterien für eine standardisierte Darstellung. 

In dieser Episode spreche ich gemeinsam mit Martin Rembecki über die parasternale Position in der transthorakalen Echokardiografie. Sie ist die erste Position unseres Ausbildungsposters, dessen Konzept in der vorausgehenden Episode besprochen wurde. Wir erläutern, warum die parasternal lange Achse in unserem Ausbildungskonzept die erste und zentrale Einstellung ist und wie sich daraus die Längsachse des linken Ventrikels ableiten lässt. Schritt für Schritt gehen wir durch die wesentlichen anatomischen Strukturen, die in dieser Schnittebene sichtbar werden, und erklären die wichtigsten Gütekriterien für eine standardisierte Darstellung.
 
Darüber hinaus zeigen wir, wie gezielte Sondenmanöver eingesetzt werden, um typische Fehlerbilder zu korrigieren, und weshalb langsame, isolierte Bewegungen für den Lerneffekt entscheidend sind. Anschließend wechseln wir durch eine Rotation um 90 Grad in die parasternale kurze Achse und besprechen, welche Strukturen dort beurteilt werden können und welche Qualitätsmerkmale erfüllt sein müssen.
Wichtige Fragen, die die Episode beantwortet
  • Warum ist die parasternal lange Achse der entscheidende Ausgangspunkt zur Bestimmung der Längsachse des linken Ventrikels?
  • Welche Gütekriterien müssen erfüllt sein, damit die parasternal lange Achse korrekt und standardisiert dargestellt ist?
  • Wie helfen einzelne Sondenmanöver wie Wippen, Kippen oder Rotieren dabei, Bildfehler gezielt zu korrigieren?
  • Wodurch zeichnet sich eine korrekt eingestellte parasternale kurze Achse aus, und was ermöglicht ihre Beurteilung?
Die Episode endet mit einer kompakten Zusammenfassung der wichtigsten Punkte aus beiden Schnittebenen und wird durch Bildmaterial auf der Webseite ergänzt:

https://www.radiomegahertz.de/parasternale-anlotung-und-sondenmanoever/?
https://www.radiomegahertz.de/tte-lagerung-sondenmanoever-und-technisches/

Vorgeschichte:

Drei Regionen, sieben Schnitte, ein Poster und ein System.
Wir erklären dir, warum wir bei der TTE-Ausbildung auf einen festen Untersuchungsgang setzen: von parasternal über apikal bis subxiphoidal. Du lernst, wie du Schnitte standardisiert entwickelst und warum das entscheidend ist, um Inter- und Intraobserver-Fehler in der Echokardiografie zu reduzieren.
Lehrposter + Blogpost + Podcast + Praxis = Ausbildung mit System
Das Poster ist nur der Anfang: Ergänzt wird es durch praktische Schulungen am Patienten, TTE-Trainings am Simulator und weitere Podcast-Folgen. Unser Ziel ist eine einheitliche, hochwertige TTE-Lehre für Lernende und Lehrende.
Ein Poster zum Hören? Klar – und zum Anschauen sowieso!
Das Poster findest du auf unserer Website: 👉 www.radiomegahertz.de

Dein Input ist gefragt!
Wie bildest du aus? Welche Schnitte lehrst du zuerst? Wo hakt es bei dir oder in deinem Team? Schreib mir bitte: echo@radiomegahertz.de
Bleib dran – in den nächsten Folgen nehmen wir die einzelnen Anlaufregionen unter die Lupe. Mit System, mit Bildern, mit Herz.
💡 Tipp: Diese Folge eignet sich perfekt für alle, die ihre TTE-Ausbildung in der Anästhesie verbessern möchten – egal, ob sie Studierende, PJ-ler*innen, Assistenzärzt*innen oder Oberärzt*innen sind.

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Transkript

Moin! Warum ist die parasternale Position in der transthorakalen Echokardiografie von so hoher Bedeutung? Wie erziele ich gute sonografische Ergebnisse und anhand welcher Kriterien beurteile ich überhaupt, dass der Schnitt korrekt ist? Wenn dich das interessiert, dann bist du richtig! Du hörst Radiomegahertz, der Podcast mit Blogbeiträgen über Ultraschall in der Anästhesie. Mit der transthorakalen Echokardiografie in der anästhesiologischen Weiterbildung kann aus meiner Sicht nicht früh genug begonnen werden. Obwohl der Schwerpunkt dieser Episoden für Anästhesist:Innen im OP-Bereich liegt, können die Inhalte selbstredend auf die Intensiv- oder Notfallmedizin übertragen, adaptiert oder erweitert werden. Mehr zum Ausbildungskonzept gibt es in der vorhergehenden Episode. Heute starten wir mit dem klinischen Teil der parasternalen Position. Mein Name ist Tim Mäcken, zu Gast ist erneut Martin Rembecki und wir beide freuen uns natürlich, dass du, liebe Hörerin, lieber Hörer, dabei bist. Martin, kommen wir zu dir. Schönen guten Morgen. Ja, hallo Tim. Bist du gut hier hingekommen?
Martin
00:01:29
Ja, bin noch beim Bäcker vorbeigefahren. Ich war ein bisschen geschockt, als ich den Bagger hier vor deinem Haus gesehen habe. Ich habe gedacht, hoffentlich hört man das dann nicht auf den Aufnahmen, aber ich glaube, es geht.
Tim
00:01:39
Martin, ich habe alle Hochpassfilter eingeschaltet. Wir müssen hier irgendwie tricksen, falls die Bohrungen durchkommen, weil die Straße aufgerissen wird. Das ist ja direkt fünf Meter hier neben dem Keller, den wir liebevoll Studio-Megahertz nennen. Das schauen wir mal.
Martin
00:01:55
Manchmal vibriert der Stuhl so ein bisschen, aber es geht schon.
Tim
00:01:58
Ich meine, jetzt haben wir es gerade geschafft, dass wir beide einmal einen Tag frei haben, uns morgens treffen können und dann kommt das Bochumer Hoch- und Tiefbauamt und kloppt die Straße auf. Aber ist so, Martin, können wir nichts machen und wir machen das Beste raus und wir sagen, wir starten mal direkt, oder? Also Thema parasternale Position in unserem Ausbildungskonzept, das Poster, was wir letzte Folge vorgestellt haben. Was bislang publiziert worden ist, ist noch ein weiterer Blogbeitrag mit den kleineren Details zur Sondenführung und die Sondenmanöver und auch technische Hinweise zum sogenannten Sector Array oder dem Phased Array der typischen Schallsonde, die wir haben. Und es lohnt sich auf jeden Fall einmal kurz auf diesen Blogbeitrag zu gehen und anzugucken. Martin, wir wollen ja über die klinische Position parational sprechen. Es geht so ein bisschen um die Nomenklatur und die Sonde. Da hatten wir noch einen anderen Blogbeitrag vorausgeschoben. Welche Begriffe sind uns wichtig, wenn du jetzt ein, zwei rausnehmen würdest?
Martin
00:03:10
Ja, die können wir einfach nochmal kurz wiederholen. Also die Sondenmanöver. Also gleiten, das ist klar. Verschieben des Anlotungspunktes. Kippen, ein Kippmanöver über die lange Achse des Schallkopfes. Wippen, ein Kippmanöver über die kurze Achse des Schallkopfes. Dann die Rotation. Also eine Drehung um die Mittelachse des Transducers.
Tim
00:03:39
Genau, das sind auch die wichtigsten Positionen. Guck dir nochmal die Tabelle an auf der Webseite Radiomegahertz. Da sind auch noch andere Namen aufgeführt, wie die Sondmanöver betitelt werden. Aber so wie Martin das gerade gesagt hat, so würden wir die auch benutzen. Und dann kurz bevor wir starten, Lagerung des Patienten, der Patientinnen. Typisch anästhesiologische Position ist ja die Rückenlage, oder?
Martin
00:04:10
Ja, und auch wenn die Seiten, also die Linksseitenlage, häufig bessere Schallbedingungen liefert, haben wir häufig einfach auch nicht die Möglichkeit, den Patienten Linksseitenlage zu verbringen. Und dann müssen wir mit der Rückenlage eben auch klarkommen. Und das geht häufig auch.
Tim
00:04:27
Genau. Die Rückenlage ist ja für die subxiphoidale Position so und so Pflicht. Richtig. Kommt aber später.
Martin
00:04:34
Ja.
Tim
00:04:35
Die EKG-Triggerung sprechen wir nicht an, dazu habe ich mich auch im Blogbeitrag geäußert. Parasternale Anlotung, lange Achse und kurze Achse. Wir fangen an mit der parasternalen langen Achse. Warum ist das in unserem Poster die Nummer 1, womit wir beginnen? Warum halten wir diese Position für so wichtig? Martin, magst du dich dazu äußern?
Martin
00:05:02
Ja, also zum einen ist das natürlich eine Position, in der man viele kardiale Strukturen sieht und beurteilen kann, ist ein wertvoller Schnitt, um an Informationen zu kommen. So, das gilt aber für viele andere Schnittebenen auch noch. Das Entscheidende, warum die parasternale lange Achse, und zwar die standardisierte parasternale lange Achse, so eine Bedeutung hat, liegt darin, dass es die Ausgangsposition ist für die Entwicklung der weiteren Schnitt-Ebenen. Und hier ist jetzt ein Punkt fürs Verständnis ganz wichtig. Da möchte ich nochmal explizit darauf hinweisen. Was erreichen wir denn eigentlich, wenn wir die parasternale lange Achse einstellen? Außer, dass wir das Herz in der langen Achse schön sehen und beurteilen können. Was ist der zentrale Punkt? Das wissen viele vielleicht, aber vielen ist das vielleicht nicht so klar. Und wenn man das mal ausspricht, glaube ich, ist man einen ganz großen Schritt weiter. Also wir erreichen damit die Ermittlung der Längsachse des linken Ventrikels. Und damit haben wir überhaupt erstmal eine Vorstellung, wie das Herz wirklich liegt und was wir tun müssen, um die weiteren Schnitt-Ebenen zu erreichen. Also das ist ein ganz wichtiger Punkt, den man verstanden haben muss. Und deswegen ist die standardisierte parastanale lange Achse so wichtig und der Ausgangspunkt für alles weitere und hat eben diese Position 1 in unserem Ausbildungskonzept.
Tim
00:06:33
Martin, super herausgearbeitet. Obwohl es nur ein Schnitt ist, können ja viele klinische Fragen dort beantwortet werden. Typisch wäre zum Beispiel Größe und Wanddicke des linken Ventrikels, so wie du gerade betont hast. Du weißt genau, wie der linke Ventrikel liegt bzw. Wie das Herz liegt und dort werden diese für Anästhesisten wichtigen Parameter abgeleitet. Was zum Beispiel noch?
Martin
00:07:01
Ja, zum Beispiel auch die Größe und die Kontaktilität des rechten Ventrikels. Also das, was wir sehen vom rechten Ventrikel. Das ist der rechtsventrikuläre Ausflusstrakt. Kann man da auch sehr gut beurteilen. Oder die Morphologie und Funktion von Aortenklappe und Mitralklappe.
Tim
00:07:17
Oder die Größe des linken Vorhofs.
Martin
00:07:20
Auch das. Oder Pathologien der Aorta Ascendens könnte man sehen. Beispielsweise eine Dissektionsmembran bei einer Typ A Dissektion. Könnte man vielleicht sehen, vielleicht auch nicht. TTE ist nicht unbedingt geeignet, um eine Typ A Dissektion auszuschließen. Aber manchmal kann man sehen. Oder man könnte einen Perikarderguss sehen.
Tim
00:07:44
Richtig. Und die Frage zum Volumenstatus kann man hier auch schon ganz gut beantworten. Stichwort Kissing Walls.
Martin
00:07:53
Genau, Füllungszustand des linken Ventrikels, auch des rechten Ventrikels, ganz wichtiger Punkt.
Tim
00:07:59
Das sind jetzt ja schon ziemlich viele Schlagwörter, die wir hier gefüllt haben. Und jetzt brenne ich darauf, auf diese Position zu kommen, Martin. Parasternal, lange Achse, wo loten wir an? Wie wird die Sonde ausgerichtet, markiert? Wie gelange ich zum guten Punkt?
Martin
00:08:16
Ja, also wir tasten uns im Prinzip schrittweise ran. Wir wissen erstmal im Prinzip grob, wo wir den Schallkopf aufsetzen müssen. Also der Anlesungspunkt ist links parasternal, im dritten oder vierten ICR. Manchmal bei beatmeten Patienten vielleicht sogar weiter Kaudal, vielleicht sogar der fünfte ICR. und dann wird die Schallkopf-Markierung zur rechten Schulter des Patienten ausgerichtet Vielleicht kann man an der Stelle nochmal sagen, dass es mit der Schallkopfmarkierung ja hier ein bisschen anders ist als bei Linearschallköpfen oder bei der Konvexsonde, wer gewohnt ist damit umzugehen. Die Schallkopfmarkierung beim Sektorschallkopf zeigt uns ja die Strukturen an, die dann rechts im Bild zu sehen sind. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber das ist eine Konvention, auf die man sich irgendwann mal geeinigt hat. Es gibt auch gallische Dörfer, die das andersrum machen, aber das würde ich erstmal nicht empfehlen. Ich würde sagen, wir betreiben das so, wie es international am weitesten verbreitet ist.
Tim
00:09:17
Dann würde ich als Anästhesist jetzt auch nicht versuchen, die kardiologischen Konventionen anzugehen. Ich würde es gerne umdrehen.
Martin
00:09:25
Ja, es gibt sogar welche, die stellen das Bild auf den Kopf, weil sie sich dann besser vorstellen können, wie sie auf das Herz gucken. Die Mayo-Klinik zum Beispiel in den USA, aber das lassen wir mal. Also wir machen es jetzt einfach mal so.
Tim
00:09:42
Okay, also ist der Marker auf dem Ultraschallbild rechts die Markierung und das, was du fühlst, zeige ich dann in diesem Fall zur rechten Schulter, wenn du parational einstellen möchtest.
Martin
00:09:56
Genau, also der mit dem Daumen fühlbare Marker auf dem Schallkopf zeigt grob zur rechten Schulter. So und dann geht es darum,
Tim
00:10:05
Erstmal… Noch ganz kurz, Martin, um das noch verwirrender zu machen, man kann das Bild auch elektronisch die Seiten tauschen.
Martin
00:10:14
Ja, genau.
Tim
00:10:14
Jetzt wird es richtig schräg. Insofern würde ich das Preset starten und das ist halt festgelegt, dass Marker, also der mechanische, haptische Marker und der Marker auf dem Bildschirm übereinstimmen.
Martin
00:10:27
Genau. Und dann muss man halt sehen, dass man wirklich ein Schallfenster bekommt. Also nur dadurch, dass man gesagt hat, okay, wir sind jetzt im Interkostalraum, habe ich aufgesetzt, dann bekomme ich noch lange kein Bild vom Herzen. Was uns ja häufig daran hindert, ist, dass die Lunge oder dann letztendlich doch die Rippen quasi eine Barriere bilden und die Schallwellen gar nicht zum Herzen kommen. Und dann muss man so ein bisschen ausprobieren, so ein bisschen rumruckeln, bis man den Punkt gefunden hat, wo die Schallenergie das Herz wirklich erreicht und die Reflexionen auch zurückkommen. Es ist erstmal gar nicht so wichtig, welche Strukturen ich dann genau sehe. Hauptsache ich bekomme erstmal ein gut ausgeleuchtetes Herz zu sehen. Und manchmal ist das ganz spontan. Ich setze den Schallkopf auf und da ist es schon. Und manchmal muss ich ein bisschen suchen.
Tim
00:11:20
Das mit den Reflexionen ist immens wichtig, weil dann weißt du, dass die Schallwellen schon günstig auf deine kardialen Strukturen treffen. Das ist ein guter Punkt zum Starten, so wenn die Echogenität primär gut ist, dann im zweiten Schritt die Feineinstellung zu machen.
Martin
00:11:39
Genau. Also das ist dann der nächste Schritt, dass man dann, wenn man das Herz überhaupt gefunden hat, dann anhand bestimmter Kriterien das Bild systematisch entwickelt.
Tim
00:11:53
Klinische Fragen haben wir gerade genannt oder Fragestellungen, die wir mit diesem Schnitt beantworten können. Wir können das noch ein bisschen herleiten, warum diese Fragen damit beantwortet können, indem wir jetzt besprechen, was man denn an anatomischen kardialen Strukturen in der parasternalen Langeachse überhaupt sieht.
Martin
00:12:15
Also wenn wir uns mal vom Schallkopf aus sozusagen den Weg der Schallwellen vornehmen, dann ist das Erste, was am Schallkopfnächsten ist, am ventralsten, die Wand des rechtsventrikulären Ausflusstraktes. Dann kommt das Carvum des rechten Ventrikels, beziehungsweise genauer gesagt des rechtsventrikulären Ausflusstraktes. Dann kommt das interventrikuläre Septum mit der Anteroseptalwand des linken Ventrikels. In der gleichen Tiefe ist die ventrale Begrenzung der Aorta ascendens zu sehen.
Tim
00:12:50
Mhm.
Martin
00:12:51
Dann haben wir das Carvum des linken Ventrikels. Die Spitze des linken Ventrikels liegt zwar in der Schallebene, aber außerhalb des Sektors. Das heißt, die ist nicht zu sehen. Also wenn ich meine, die Spitze des linken Ventrikels in dieser Anlotung zu sehen, dann stimmt irgendwas nicht. Mhm. Dann sehen wir die Inferolateralwand des linken Ventrikels. Wir sehen die Aortenwurzel, die Aortenklappe, den Rest der Aorta ascendens, auch die Hinterwand. Wir sehen die Mitralklappe mit dem vorderen und dem hinteren Segel. Und wir sehen dann eben auch die Aorta descendens.
Tim
00:13:35
Also das ist auch eine Tiefe, die man einstellen sollte, damit die noch abgebildet wird. Da muss man die Tiefe am Ultraschallgerät, am Bildschirm verstellen.
Martin
00:13:43
Genau, dann kann man nämlich sicher sein, dass man Ergussformationen nicht übersieht, also Perikaterguss zum Beispiel, oder auch, dass man einen Pleurerguss, einen linkseitigen Pleurerguss nicht übersieht, den man dann hinter der Aorta descendens nämlich noch sehen könnte.
Tim
00:14:01
Die anatomischen Strukturen, die wir gerade aufgeklärt haben, werden in einer ausgiebigen echokardiografischen Untersuchung auch alle beurteilt. Die gehen ja in einen Befund mit rein. Jetzt müssen wir aber nochmal bitte über die Gütekriterien sprechen, damit wir die genannten Strukturen darstellen können, um die eingangs erwähnten klinische Fragestellungen beantworten zu können.
Martin
00:14:29
Genau.
Tim
00:14:30
Ein Teil hast du schon gesagt, wenn du den Apex vom linken Ventrikel siehst, dann stimmt vermutlich was nicht oder du hast einen Schallkopf, der spreizt so weit auf. Das kenne ich aber nicht, dass das alles abgebildet wird. Eine Ausnahme mag vielleicht beim kindlichen Herz sein.
Martin
00:14:48
Ja, das ist möglich.
Tim
00:14:50
Aber beim Erwachsenen nicht. Welche, an welchen geometrischen Form richten wir uns aus, Martin, wenn wir jetzt von einem goldenen Schnitt sprechen, Parasternal, lange Achse?
Martin
00:15:02
Ja, das ist im Prinzip eine Liste, also wie so eine Einkaufsliste, wenn man durch den Supermarkt geht und die einzelnen Zutaten für ein Gericht zusammensucht und die nacheinander abhakt. Und das Problem ist, es wird immer schwieriger. Je mehr Punkte dazukommen, umso schwieriger ist das alles unter einen Hut zu bringen. Es ist so ein bisschen so, ich habe eine Bettdecke, die ist gerade so groß, dass sie meine Füße bedeckt und meine Ohren. Aber das passt eben nur, wenn sie perfekt positioniert ist. Und wenn sie nur ein bisschen verrutscht, dann kriege ich entweder kalte Füße oder kalte Ohren. Und das Ganze noch räumlich gedacht, ist das Problem mit dem, was wir hier zu tun haben. Und diese Liste, die gehen wir jetzt einfach mal durch.
Tim
00:15:46
Ja, ich möchte eine Aortenklappe kaufen.
Martin
00:15:48
Ja, okay. Also wichtig ist erstmal, dass das Herz horizontal im Bild liegt. Also das heißt, wenn wir uns mal eine Verbindungslinie denken von der Anteroseptalwand rüber zur ventralen Begrenzung der Aorta ascendens, dann sollte diese Linie horizontal liegen und nicht irgendwie schräg, diagonal oder wie auch immer.
Tim
00:16:16
Also wie bei einer Hängematte. Die waagerecht auf dem Boden steht, solche Linie meinst du, wie eine Hängematte. Und die eine Seite von der Hängematte, Fußwärts zum Beispiel, das wäre dann die Anteroseptalwand. Und dort, wo der Kopf liegt, das wäre dann der ventrale Anteil der Aorta ascendens.
Martin
00:16:34
Genau. Also der Fußteil und der Kopfteil sind auf einer Höhe.
Tim
00:16:39
Okay, dann gehen wir weiter von Ventral nach Dorsal. Also Füße und Kopf von der Hängematte sind jetzt gleich hoch. Und jetzt gehen wir weiter zur Mitralklappe, Martin.
Martin
00:16:52
Die Klappenebene, die sollte erst mal in der Mitte des Bildes sich befinden.
Tim
00:16:57
Also das Lot, ne?
Martin
00:16:59
Ja.
Tim
00:17:00
Das Lot vom Sektor.
Martin
00:17:02
Genau. Das kann man nach Bedarf noch verändern. Man kann sich immer noch Strukturen genauer angucken und von dieser standardisierten Einstellung abweichen. Aber erstmal geht es darum, die Klappenebene mit Mitral- und Aortenklappe quasi in die Mitte zu bringen. Das nächste ist, dass wir darauf achten, dass die Wände des linken Ventrikels parallel zueinander stehen. Also nicht irgendwie schräg aufeinander zulaufen oder man vielleicht sogar das Gefühl hat, dass man links im Bild die Herzspitze sieht.
Tim
00:17:41
Ich weiß, was du meinst. Das klingt aber für einen Neuerlernen seltsam, weil der linke Ventrikel, der geht ja irgendwann zu. Wie sollen die Wände, die Schallkopfnahe und Fernewand parallel sein?
Martin
00:17:54
Ja, die laufen einander zu im Bereich der Herzspitze. Da treffen sie sich dann ja auch irgendwann.
Tim
00:17:59
Aber die sehen wir ja nicht.
Martin
00:18:00
Die sehen wir ja nicht. Was wir ja sehen, ist ja der sogenannte basale Teil des linken Ventrikels und der mittige auf Höhe der Papillarmuskuln. Und hier liegen sich die Ventrikelwände, also in diesem Fall anteroseptal und infolateral, parallel verlaufen gegenüber. Und das sollte im Bild auch so zum Ausdruck kommen.
Tim
00:18:23
Jetzt hast du die ventrikuläre Seite. Das gilt aber auch für die Aorta ascendens.
Martin
00:18:29
Ja, zum Ventrikel noch eine Sache kurz vorher. Es ist darauf zu achten, dass das Carvum des linken Ventrikels maximal weit eingestellt wird. Weil nur dann befinde ich mich wirklich in der Längsachse des linken Ventrikels. Okay, und jetzt zur Aortaascendens. Die Aorta ascendens soll wirklich als Rohr zu sehen sein mit ebenfalls parallel ausgerichteten Wänden.
Tim
00:18:56
Und dann sieht man auch den mittigen Aortenklappenschluss.
Martin
00:18:59
Genau. Also die Öffnungs- und Schlussbewegung der Aortenklappe soll symmetrisch sein, bei normal konfigurierter Aortenklappe wohlgemerkt. Und bei geschlossener Aortenklappe soll die sogenannte Koaptationslinie, also da wo die Segelränder aneinander liegen, soll mittig stehen.
Tim
00:19:19
Vorausgesetzt bei diesem Menschen ist das so.
Martin
00:19:22
Ja, also wenn er eine bikuspide Klappe hat, dann wird das so nicht gelingen.
Tim
00:19:27
Ja, okay. Von der Aortenklappe zur Mitralklappe, da sind ja die Papillarmuskeln und die Chordae-Fäden. Martin, magst du dazu was sagen? Sieht man die Papillarmuskeln in diesem Schnitt?
Martin
00:19:39
Meistens nicht.
Tim
00:19:40
Genau, meistens nicht. Kann aber sein.
Martin
00:19:42
Kann aber sein. Also zu sagen, dass man die Papillarmuskeln in der parasternalen Langachse nicht sehen darf, wäre falsch. denn die Anordnung der Papillarmuskul unterliegt einer gewissen anatomischen Variabilität. Und es kann sein, dass vor allen Dingen der posteromediale Papillarmuskul schon eher Richtung Längsachse des linken Ventrikels verlagert ist und dann wäre er auch in der parasternalen langen Achse zu sehen. Das kriegt man aber nur raus,
Tim
00:20:12
Wenn man in die kurze Achse geht.
Martin
00:20:14
Richtig.
Tim
00:20:15
Kommt aber gleich her. Kommt gleich her. Genau. Okay, Martin, nochmal ganz kurz, weil es so wichtig ist. Wir haben ein Lot, senkrecht im Sektor, es geht nach unten, trifft die Mitralklappe, dann orientieren wir uns am linken Ventrikel und der Aorta ascendens. Die Aorta ascendens hat parallele Wände wie ein Rohr und die Wände des linken Ventrikels, anteroseptal und inferior lateral, sind ebenfalls parallel zueinander. Gut, gut. Jetzt gehen wir mal davon aus, unser Patient bietet prinzipiell so einen Schnitt, aber wir sind nicht gut genug, den zu erzielen. Welche Probleme gibt es da und wie orientiert man sich? Das ist ja die große Krux. Wie bewege ich meine Sonde, wenn ich diesem Gütekriterium nicht entspreche?
Martin
00:21:10
Genau. Also welche Bewegung muss ich ausführen, um die Bettdecke genau an die richtige Position zu ziehen?
Tim
00:21:17
Damit auch dein Ohr bedeckt ist. Genau.
Martin
00:21:21
Und das sind jetzt mehrere und die können wir jetzt hier nicht alle einzeln durchgehen. Da würde ich jetzt auch auf den Blogbeitrag verweisen. Aber als Beispiel könnte man mal nennen, nehmen wir mal an, die Klappenebene ist jetzt nicht mittig eingestellt, sondern sie ist an den rechten Bildrand verlagert. Sie soll aber in die Mitte. Was muss ich machen? Ich muss ein Wipp-Manöver ausführen, also ein Kippen über die kurze Kante.
Tim
00:21:50
Wippen. Wippen, genau.
Martin
00:21:55
Richtung, im Prinzip in Richtung rechte Schulter, kann man sagen. Und dann wird sich die Aortenklappe oder die Klappenebene in die Mitte verlagern.
Tim
00:22:08
Machen wir noch ein anderes wichtiges Korrekturmanöver. Angenommen, die Wände des linken Ventrikels laufen im Bild zueinander zu. Dann liegt aller Voraussicht nach ein Rotationsfehler vor.
Martin
00:22:29
Genau. Dann ist man aus der Achse des linken Ventrikels heraus rotiert, entweder im Uhrzeigersinn oder gegen den Uhrzeigersinn. Und das muss man dann ausprobieren und eine Gegenrotation durchführen.
Tim
00:22:40
Also Ziel ist wirklich, den Ventrikel längs und in der Mitte längs zu treffen. Das ist die Kunst.
Martin
00:22:49
Genau. Und die komplette Liste, wie gesagt, im Blog, das kann man sich in Ruhe mal zu Gemüte führen.
Tim
00:22:57
Ja, Ruhe ist so eine Sache. Ich glaube, da kann man sein Smartphone nehmen. Die Tabelle ist im Responsive Design, kannst du abarbeiten. Und wenn wir unserem Ausbildungskonzept folgen, dann büte sich das an, am Simulator die einmal abzuarbeiten. Und ich glaube, das ist ein Riesen- Trainingseffekt. Man muss nur nach so einem OP-Tag noch fit genug sein. Aber das ist ein anderes Thema.
Martin
00:23:22
Also es hilft einfach auch am Patienten, sich einfach mal darauf zu konzentrieren, welches Manöver was mit meinem Bild bewirkt. Richtig. Und dabei ist dann wiederum wichtig, dass man immer nur ein Manöver ausführt. Wenn man mehrere gleichzeitig ausführt, dann weiß man ja gar nicht mehr, wohin man gekommen ist. Und dann kann man daraus auch nichts lernen. Deswegen einzelne Manöver ausführen, kontrollierte Schallkopfmanöver, langsame Bewegungen. Das ist wichtig, dass man sieht, wie sich das Bild in den Händen sozusagen entwickelt. Auch dann kann ich besser korrigierend eingreifen, als wenn ich schwupps einfach mal irgendwie drehe oder irgendwas mache und dann gar nicht so richtig weiß, wie weit habe ich es jetzt vielleicht übertrieben mit meiner Bewegung. Und? Neben langsamen Bewegungen sind auch kleine Bewegungen wichtig. Warum? Unsere Zielstrukturen sind ja in einer gewissen Tiefe. Und wenn ich den Schallkopf bewege, dann wirkt sich das in der Tiefe natürlich durch diesen Winkeleffekt wie ein Hebel aus.
Tim
00:24:38
Das ist ein riesengroßer Hebel.
Martin
00:24:40
Genau. Wenn wir chinesisch essen gehen, dann machen wir das ja auch mit kleinen handlichen Stäbchen und nicht mit einem Baseballschläger. Und das ist im Prinzip genau das Gleiche.
Tim
00:24:49
Den Vergleich, den merke ich mir, aber das ist schon, ja, es stimmt. Also die langsame Bewegung und dann wirklich aus meiner Sicht sehr wichtig, das gesamte Bild beobachten, was kommt ins Bild, was verschwindet und diesen Strukturen den Namen zu geben. Und dann kommt das Verständnis, welche Rotation, welches Kippmanöver, welches Wippmanöver zum Ziel führt.
Martin
00:25:16
Genau.
Tim
00:25:18
Martin, jetzt bist du im Operationsbereich und eine jüngere Kollegin oder junger Kollege hat sich damit schon viel beschäftigt. Und du kommst rein und du siehst, mein Gott, das ist ja, also diesen Patienten kann man super sonografieren und das Bild, was der- oder diejenige eingestellt hat, entspricht exakt den Kriterien, die wir gerade aufgezählt haben. Dann sagt er, Dr. Rembecki, was könnte ich denn jetzt messen? Den Schnitt kriege ich hin. Was mache ich jetzt damit? Wie würdest du antworten, Martin?
Martin
00:25:52
Ich würde sagen, mein Sohn, du bist bereit.
Tim
00:26:00
Du meinst ...
Martin
00:26:02
Oder meine Tochter.
Tim
00:26:03
Ja, also die sonographischen Kinder. Okay, gut, alles klar. So, Martin, was kann man in der parasternal langen Achse messen? Was sind dort typisch durchgeführte Messungen?
Martin
00:26:15
Ja, also nochmal eben, also so wie du es gerade gesagt hast, das ist halt wirklich die richtige Reihenfolge. Also es muss einfach erstmal die Einstellung stimmen. Dann ist das Erste, dass wir ein Eyeballing machen. Also wir beurteilen erstmal alles visuell. Wir gucken uns die Kontraktilität an, die Größenverhältnisse und so weiter. Aber der nächste Schritt wäre, dass man tatsächlich auch mal was misst. So und da kann man in dieser Einstellung schon viele wichtige Parameter messen. Also zum Beispiel kann man die Wand des linken Ventrikels, des Septums oder auch der Hinterwand ausmessen, also die Wanddicke. Also wichtig bei der Entscheidung hat der Patient eine Hypertrophie, eine Linksventrikelhypertrophie. Ich kann die Carvumweite ausmessen
Tim
00:27:04
Vom rechtsventrikulären Austausstrakt und vom linken Ventrikel.
Martin
00:27:08
Um zu entscheiden, wie ist der Füllungszustand bzw. liegt eine Dilatation vielleicht vor.
Tim
00:27:18
Und machst du das im M-Mode oder machst du es im B-Mode, also am B-Bild?
Martin
00:27:21
Beides ist möglich. Genau. Also man kann es im B-Mode messen.
Tim
00:27:28
Also Freeze-Taste, Messung drücken, dann die Abstände der Reflexion nehmen. Deswegen ist es ja so wichtig, eine gute Reflexion zu haben, damit du genauer messen kannst. Und da muss man aber darauf achten, dass die Messpunkte senkrecht auf die Wände treffen, damit du den korrekten Durchmesser misst.
Martin
00:27:48
Genau, also wenn ich jetzt zum Beispiel die Wanddicke des Vorhofseptums messen möchte, dann muss ich den Caliper, also das Messtool, senkrecht zum Verlauf der Wand ausrichten. Und alternativ kann ich das natürlich auch im M-Mode machen. Der M-Mode hat ja viele Vorteile. Er hat eine sehr hohe zeitliche Auflösung und auch eine gute räumliche Auflösung, die ja der axiaren Auflösung entspricht. Aber ich muss nur darauf achten, dass mein M-Mode-Strahl die Wand in diesem Beispiel tatsächlich auch senkrecht trifft. Wenn er das nicht tut, würde ich ja einen Schräganschnitt produzieren, der dann falsch hohe Werte liefern würde.
Tim
00:28:35
Im vorherigen Blogbeitrag ist eine Erklärung zum M-Mode, wie der funktioniert. Es gibt nämlich auch noch einen anatomischen M-Mode, der aber auf dem B-Mode basiert. Führen wir hier jetzt nicht weiter aus, das ist ein Blogbeitrag. Und auf der Webseite ist auch eine Tabelle aus dem Buch von Professor Hagendorf mit typischen Werten, die wir dort haben. Also wie groß die Wanddicke ist und was die Cavumbreite typischerweise vom RVOT ist zum Beispiel. Aber die Zahlen brauchen wir hier im Podcast nicht aufführen.
Martin
00:29:10
Nein, nein, das kann man alles nachlesen.
Tim
00:29:12
Dann springen wir jetzt zum nächsten Kapitel. Liebe Hörerin, lieber Hörer, auch dieser Podcast ist mit Kapitelmarken versehen, weil wir halten es schon für komplex. Du kannst dort hin und her springen im Podcatcher deiner Wahl. Und auf der Webseite sind darüber hinaus noch die Erklärungen zu einzelnen Abschnitten, die nicht in das Audioformat gehören. Martin, wir haben uns die ganze Zeit in der langen Achse bewegt und jetzt wird Zeit für die kurze Achse, parastanal kurze Achse. Wie komme ich dahin?
Martin
00:29:50
Ja, eigentlich logisch, wenn wir wissen, dass die parasternale kurze Achse senkrecht zur Längsachse des linken Ventrikels steht. Die wir durch Einstellung der parasternalen langen Achse ermittelt haben. Also muss ich eine einzige Bewegung ausführen und die muss ich korrekt ausführen. Und das ist die Rotation um 90 Grad im Uhrzeigersinn.
Tim
00:30:17
Du hast es richtig gesagt, eine einzige Bewegung. Das klingt einfach, das klingt logisch und bereitet dennoch vielen Probleme, weil die Sonne, der Phased Array, während der Rotation um 90 Grad im Uhrzeigersinn versehentlich, unbewusst etwas verkippt wird. Und so kommt man nie auf die korrespondierende, rechtwinklige Schnittebene hin.
Martin
00:30:47
Genau. Und um das hinzukriegen, ist natürlich auch eine gewisse Schallkopfhaltung hilfreich.
Tim
00:30:53
Oh, lass uns darüber sprechen. Die Schalkhoffaltung, in manchen Lehrbüchern steht, halten wie ein Stift, oder?
Martin
00:30:58
Ja, das machen auch viele. Das kann man auch machen. Also mal ganz nebenbei. Also wir wollen ja hier keine Dogmen verbreiten. Nein. Also wenn je einer eine Technik hat, mit der er gut zurechtkommt, dann soll er das auch gerne machen. Und wenn er das nicht so macht, wie wir das jetzt hier vorstellen, dann kommt ja auch nicht die Ultraschallpolizei und er wird verhaftet.
Tim
00:31:20
Sieht aus wie Sau, aber Bild ist top. Genau, genau.
Martin
00:31:23
Aber erfahrungsgemäß hat sich halt gezeigt, dass es bestimmte Techniken und Haltungen gibt, das ist wie beim Spielen eines Musikinstruments, die einfach es erleichtern, gute Ergebnisse zu erzielen. Und so ist das mit der Schallkopfhaltung eben auch. Und wenn man den Schallkopf wie einen Stift hält… dann kann das bestimmte Bewegungen eher behindern.
Tim
00:31:48
Also zum Beispiel… Stift meinst du Daumen, Zeigefinger, Ringfinger.
Martin
00:31:51
Ja, genau. Das kann man jetzt nicht so einfach erklären, aber auch dazu haben wir, glaube ich, dann Bildmaterial.
Tim
00:31:58
Das muss ich noch erstellen, das mache ich gleich nach der Aufnahme.
Martin
00:32:01
Ja, okay. Also wenn man den Schallkopf wie einen Stift hält, dann kann es sein, dass man sich bei bestimmten Manövern, zum Beispiel Gleitmanövern, eher selber behindert, Weil dann der vierte und der fünfte Finger im Weg sind. Wenn man den Schallkopf aber zwischen, das ist jetzt schwer zu beschreiben, also der Schallkopf ruht eigentlich eher auf dem vierten und fünften und dem zweiten Finger und wird locker durch den Daumen fixiert. Und das Entscheidende ist jetzt... Dass der Daumen leicht geknickt ist und nicht ausgestreckt ist. Und wenn ich aus dieser Position, dieser Schalkopfhaltung, den Daumen dann ausstrecke, ergibt sich automatisch eine Rotation des Schalkopfes um 90 Grad. Ohne dass ich hingucken muss, ohne dass ich die zweite Hand zur Hilfe nehmen muss. Das würde ja unweigerlich dann schon wieder zu unkontrollierten Bewegungen führen.
Tim
00:32:57
Eine zweite Hand wäre trotzdem nicht falsch, wenn auch ungewohnt aus meiner Sicht, so wie ich das bei einer Gefäßpunktion von der Quer- in die Längsdarstellung mache, auch mit sterilen Händen, einmal die Sonde drehe um 90 Grad. Also falsch wäre es nicht. Aber Ziel wäre ja, dass eine Hand an der Maschine ist und die andere macht, in Anführungsstrichen, nur die Sondenmanöver.
Martin
00:33:21
Genau.
Tim
00:33:21
Stellen wir ein Beispiel auf die Webseite. Was wäre eine gelungene Rotation? Was sehen wir jetzt im parasternalen Kurzachsenschnitt?
Martin
00:33:32
Ja, wir sehen das, was sich in der Ausgangsposition in der parasternalen langen Achse vor der Rotation in der Mitte des Bildes befunden hat. Und wenn das die Mitralklappe ist, dann sehen wir die Mitralklappe in der kurzen Achse. Wenn das die Aortenklappe war, dann sehen wir die Aortenklappe in der kurzen Achse, also den berühmten Mercedes-Stern. Hatten wir vorher den linken Ventrikel mittig eingestellt, dann erscheint der linke Ventrikel in der kurzen Achse. Das Prinzip ist ja dann eigentlich, dass man den linken Ventrikel entlang seiner Längsachse durch eine Kippbewegung durchscannen kann auf den verschiedenen Ebenen.
Tim
00:34:14
Das ist vollkommen richtig, Martin. Bevor wir dazu im Detail gehen, noch einmal kurz sagen, die Gütekriterien für die Parasternal kurze Achse, Rechter Ventrikel, Lenker Ventrikel, wie werden die im Sektor angeordnet?
Martin
00:34:31
Also es geht um die Darstellung des linken Ventrikels auf Papillarmuskelebene in der kurzen Achse. Dazu muss man aber erklären, dass das ja nicht der einzige Kurzachsenschnitt ist.
Tim
00:34:40
Ich weiß, du hast recht.
Martin
00:34:41
Und das ist der, für den wir uns entschieden haben, dass er in unserem Poster auftauchen soll. Und warum haben wir uns dafür entschieden? Also wir haben ja gesagt, wir wollen nicht alle Schnitte da zeigen, sondern wir wollen uns begrenzen auf die wichtigsten, die die höchste Aussagekraft haben im perioperativen Setting. Und da spielt die kurze Achse auf Höhe der Papillarmuskeln eine ganz wesentliche Rolle, weil der linke Ventrikel in diesem Bereich den Großteil seiner Auswurfleistung generiert. Also bis zu 80 Prozent der Auswurfleistungen passieren auf Höhe der Papillarmuskeln. Das heißt, wenn ich Kontraktilität beurteilen will oder einen Patienten, der hämodynamisch instabil ist, macht es natürlich Sinn, genau da hinzugucken. Außerdem sehen wir das Versorgungsgebiet aller Koronararterien auf einen Blick. Das ist auch ein Vorteil. Und wir können den Füllungszustand auch sehr gut beurteilen.
Tim
00:35:36
Und wir versuchen den linken Ventrikel in die Mitte des Sektors der Field of View zu stellen.
Martin
00:35:41
Genau.
Tim
00:35:41
Also darauf wollte ich gerade hinaus.
Martin
00:35:42
Genau, das ist dann eines der Gütekriterien. Der linke Ventrikel steht in der Mitte und vor allen Dingen, er ist rund konfiguriert.
Tim
00:35:56
Nicht oval.
Martin
00:35:57
Nicht oval, weder seitlich oval noch vertikal oval, sondern er ist rund konfiguriert.
Tim
00:36:04
Was würde denn eine ovale Darstellung bedeuten? Was liegt dann wahrscheinlich vor?
Martin
00:36:10
Also wenn der Ventrikel eher seitlich oval ist, also sagen wir mal wie ein liegendes Osterei, dann haben wir es mit einem Rotationsfehler zu tun. Dann haben wir zu wenig oder zu viel rotiert und nicht genau um 90 Grad und dann muss man das eben korrigieren. Wenn es ein stehendes Ei ist, dann stimmt der Anlotungspunkt nicht. Dann ist der Anlotungspunkt schon wahrscheinlich zu weit Richtung Herzspitze, also nach lateral kaudal verlagert. Und dann müssen wir das korrigieren durch ein Gleitmanöver. Oder wir fangen nochmal an in der parasternalen langen Achse.
Tim
00:36:49
Und machen die Rotation nochmal.
Martin
00:36:52
Ja, genau. Also die Rotation, beziehungsweise im zweiten Beispiel, das ich genannt habe, war ja der Grundfehler, dass der Anlotungspunkt schon für die parasternale lange Achse zu weit vom Sternum entfernt war. Also so haben wir Korrekturmöglichkeiten analog zu dem, was wir für die lange Achse schon vorgestellt haben, auch in der Tabelle zusammengefasst und das kann man dann auch auf dem Blogbeitrag sehen.
Tim
00:37:23
Das ist im gleichen Blogbeitrag, der zu dieser Episode korrespondiert. Noch einmal zurück zum Kurzachsenschnitt, dieses Durchfächern. Von Apikal bis Aortenklappe oder noch weiter. Wir haben jetzt gesagt, die Höhe auf der Papillarmuskelebene ist für uns das Entscheidende und auch der Fokus in der Ausbildung der Echokardiographie. Vielleicht könnten wir noch verschiedene Beispiele auch in den Blogpost stellen, wie das aussieht. Also Höhe Apex, Höhe Chordefäden, Höhe Ortenklappe. Wenn man noch weiter schwenkt, könnte man auch Pulmonalklappe noch beurteilen, aber vielleicht sprengt das hier den Rahmen jetzt.
Martin
00:38:09
Ja.
Tim
00:38:10
So Martin, du bist wieder bei deinen sonografischen Zöglingen, ist das falsche Wort, Auszubildenden und parasternal lang und parasternal kurz. Und jetzt kommt wieder die Frage, Herr Rembecki, was kann ich denn bitte messen? Ich möchte weiterkommen.
Martin
00:38:28
Also, auch hier kann man jede Menge messen. Zum Beispiel kann man auch hier die Wanddicken messen und auch die Weite des linksventrikulären Carvums beispielsweise. Und das würde man jetzt nicht auf Höhe der Papillarmuskeln machen, sondern eher auf der Höhe der Mitralklappe. Also korrespondieren zum Messpunkt in der parasternalen langen Achse. Da sind wir vorhin nicht drauf eingegangen. Das will ich jetzt eigentlich auch gar nicht weiter ausführen. Aber man kann das nutzen, um die Messung in der langen Achse auch zu kontrollieren. Habe ich eigentlich richtig gemessen? War mein Messstrahl wirklich richtig ausgerichtet?
Tim
00:39:10
Prima.
Martin
00:39:11
Denn in der kurzen Achse kann ich sehen, ob mein Messstrahl wirklich dann den Mittelpunkt des linken Ventrikels trifft oder ob ein Sekandenschnitt mehr im Randbereich vorliegt. Ich kann dann auch sehen, was mit den Papillarmuskeln eigentlich wirklich los ist. Also dürfte ein Papillarmuskel in der langen Achse sichtbar sein oder nicht?
Tim
00:39:32
Also wieder eine Kontrolle, war dein Parastanal lange Achse gut eingestellt oder nicht? Dann kommst du natürlich auf die Segmente, die sechs Semente, die du hier gut beurteilen kannst.
Martin
00:39:44
Genau, Kontraktilität der einzelnen Wandabschnitte, das würde man per Eyeballing machen, aber es gibt auch Messmethoden, um das zu quantifizieren.
Tim
00:39:54
Du hast gerade nochmal auf deinen Spickzettel geguckt, zwei, drei Punkte haben wir nicht explizit angesprochen, haben wir vergessen, würden wir nachliefern. Ich glaube, die sind im Moment nicht relevant, was wir da noch machen, also welcher Farbdoppler zum Beispiel genommen wird.
Martin
00:40:12
Ja, welche Rolle spielt die Atmung des Patienten beim Untersuchungsgang ja
Tim
00:40:19
Schreiben wir als Text auf, ja?
Martin
00:40:21
Okay, gut.
Tim
00:40:22
Okay, Martin, bevor die Bauarbeiten wieder starten, lass uns zur Zusammenfassung kommen, damit wir auch einen Kaffee trinken können. Vorab, es hat Spaß gemacht, Martin. Aber jetzt kommt erst noch mal Zusammenfassung. Nummer eins. Wir haben jetzt die parasternale Position vorgestellt. Das ist die zweite Episode unserer Staffel über die Ausbildung der transthorakalen Echokartografie die mit dem Schwerpunkt operativer Bereich, Zielgruppe junger Anästhesistinnen und Anästhesisten. Die Parasternal-Lange-Achse ist einer der wichtigsten Startpunkte, weil sie eben so standardisiert ist.
Martin
00:41:03
Und weil wir damit die Längsachse des linken Ventrikels bestimmen und nur dadurch dann auch eine Orientierung haben, wie wir uns weiterhin ausrichten müssen, um die weiteren Einstellungen dann zu bekommen.
Tim
00:41:17
Diese Gütekriterien, was man sehen muss und wie man da hinkommt, die listen wir einfach nochmal abwechselnd nacheinander auf. Was meinst du, wollen wir das so machen?
Martin
00:41:27
Machen wir.
Tim
00:41:28
Optimale Eindringtiefe, die Aorta descendens wird mit abgebildet.
Martin
00:41:33
Horizontale Lage des Herzens im Sektor. Eine gedachte Verbindung der Antriseptalwand des linken Ventrikels und der ventralen Wand der Aorta ascendens bilden eine horizontale Linie.
Tim
00:41:44
Die Spitze des linken Ventrikels liegt zwar in der Schallebene, befindet sich aber außerhalb des Sektors.
Martin
00:41:53
Die Wände des linken Ventrikels stehen nahezu parallel zueinander.
Tim
00:41:57
Das Karvum des linken Ventrikels wird mit maximalem Durchmesser abgebildet.
Martin
00:42:03
Papillarmuskelanteile werden in der Regel nicht angeschnitten.
Tim
00:42:07
Die Mitralklappe und der RVOT befinden sich in der Mitte des Sektors.
Martin
00:42:12
Die Aortenklappe zeigt eine symmetrische Öffnungsbewegung sowie einen mittigen Klappenschluss.
Tim
00:42:18
Das war parasternal lange Achse.
Martin
00:42:22
Und nun kommen wir durch eine Rotation im Uhrzeigersinn um 90 Grad in die parasternale kurze Achse.
Tim
00:42:30
Die Gütekriterien sind, der linke Ventrikel ist rund und befindet sich in der Mitte des Sektors.
Martin
00:42:38
Und Sulkus interventricularis anterior et posterior werden mit abgebildet. Das ist ein Punkt, den haben wir vorhin, glaube ich, gar nicht erwähnt, aber der ist natürlich auch wichtig.
Tim
00:42:48
Didaktisch nicht klug in der Zusammenfassung was zu sagen, was man vorher nicht gesagt hat.
Martin
00:42:53
Dann schneiden wir es raus.
Tim
00:42:54
Ja, siehst uns nach, liebe Hörerin, liebe Hörerin. Wir erstellen ein Bild und packen es auf die Webseite. Gut, aber Martin, passiert. Korrekturmanöver sind notwendig, um die standardisierte Einstellung erhalten zu können. Dafür haben wir die Korrekturtabellen erstellt.
Martin
00:43:17
Und lerntechnisch ist vorteilhaft, wenn immer nur ein Manöver gezielt durchgeführt wird. Nur so kann man kontrollieren, was mit dem Bild passiert und nur so stellt sich auch ein Lerneffekt ein.
Tim
00:43:27
Und damit man genau weiß, was man tut, braucht man die Nomenklatur, Wippen, Kippen, Rotieren und weitere Beispiele haben wir ebenfalls auf die Webseite gepackt, welche Sondenmanöver es gibt. Martin, ein schöner Vormittag geht zu Ende Ich freue mich ganz doll dass du hier warst Vielen Dank, hat viel Spaß gemacht, und ich freue mich wie immer auf mehr, hab noch einen schönen Tag Martin Ja.
Martin
00:44:00
Danke für die Einladung, ich fand's auch nett Bis zum nächsten Mal
Tim
00:44:10
Noch etwas. Das war für 2025 der letzte Podcast zum Thema transthorakale Echokardiografie. Mit der apikalen Position geht es erst Anfang 2026 weiter. Aber ein Projekt steht für 2025 noch an und vielleicht schaffe ich es sogar noch, diesen Podcast zu produzieren und zu veröffentlichen. Hat aber nichts mit der Echokardiografie zu tun. Zur Vorgeschichte. Diese Episode wurde mit einer anderen Software aufgenommen und geschnitten. Die Open Source Software, die speziell auf die Podcast-Produktion ausgelegt ist, wird von Personen programmiert, die selbst podcasten. Diese Software heißt, und jetzt halte dich fest, Ultraschall. Ist das nicht sensationell? Und warum erzähle ich das? Weil Radiomegahertz die Softwareentwickler von Ultraschall und andere Podcast-Hosts auf dem Chaos Communication Kongress des Chaos Computer Clubs treffen wird. Am 27.12.2025 ist eine Live-Podcast-Produktion im Kongresszentrum Hamburg geplant, dort wo Radiomegahertz mit einem Ultraschallsystem auf das Ultraschallsystem von Ultraschall.fm treffen wird. Eine ausgeschlachtete Maschine, in der ein Rechner zur Podcast-Produktion steht. Und wenn das nicht cool ist. Eines vorweg, ich bin ziemlich, ziemlich aufgeregt und ich freue mich wie Bolle auf dieses Event. Details dazu gibt es in Kürze über unsere Newsletter, also noch vor Silvester. So, jetzt aber Schluss. Habe schöne Feiertage über Weihnachten. Wünsche dir eine neue Ultraschallsonde oder löse deine Überstunden ein. Hauptsache, du erfreust dich am Tun, Machen, Sein und Lachst mit deinen Lieben. Mach's gut. Ciao.