13 000 Franken und ein Verlobungsring

21.01.2026 25 min

Zusammenfassung & Show Notes

Ein Hochzeitskleid, eine Urne und ein Aktenkoffer voller Geld im Zug vergessen? Das sind nur 3 von über 130 000 Gegenständen, die jährlich im Zug liegen bleiben. Vanessa de Jesus und Getuar Preniqi erzählen von den verrücktesten Gegenständen in der Fundzentrale der SBB und wie ihr detektivischer Spürsinn ihnen bei der Arbeit hilft.

Fragen und Antworten zum SBB Fundbüro | SBB Hilfe & Kontakt

Transkript

Ich freue mich jedes Mal, wenn ich die Gegenstände den Besitzer:innen zurückgeben kann. Das leert nicht nur unser Lager, sondern ist auch jedes Mal ein Erfolgserlebnis. Die SBB begrüsst Sie in ihrem Podcast und wünscht Ihnen eine angenehme Reise. Handy im Zug vergessen. Der Horror beim Pendeln. Stell dir vor, du steigst aus dem Zug, hast vielleicht einen wichtigen Termin oder willst nach einem langen Arbeitstag nur noch nach Hause. Genau in diesen Situationen passiert es. Man steigt aus und das Handy fährt mit dem Zug weiter. Oder stell dir vor: Du sitzt im Zug und findest einen Aktenkoffer mit 13 000 Franken in bar. Wahre Geschichte! Und damit sind wir mitten in der Welt der Fundgegenstände. Willkommen Getuar Preniqi und Vanessa de Jesus vom Fundbüro. -Hallo. -Hallo. Heute geht es um euch, die Menschen hinter den Kulissen, die wie kleine Heinzelmännchen die verlorenen Gegenstände wieder zurückbringen. Was da alles zusammenkommt, was man macht, wenn man etwas verloren oder gefunden hat, klären wir heute in der ersten Folge des SBB Podcasts. Ein Podcast rund um die Menschen und Geschichten der SBB und ein Blick hinter die Kulissen der Bahnwelt. Mein Name ist Mara Zenhäusern. Herzlich willkommen. Vanessa, du bist schon seit zwölf Jahren beim Fundbüro und Getuar, du seit fünf Jahren. Ihr seid praktisch schon alte Hasen, Detektive der SBB und nicht selten auch Alltagshelden, oder? Wenn man zum Beispiel 13 000 Franken in bar findet. Getuar, wie lief das ab? Die Gegenstände kommen ja zu uns. An dem Tag kam ein Mitarbeiter zu mir. Ich bin operativer Leiter und somit zuständig für das Tagesgeschäft. Er brachte mir den Koffer vorbei und sagte: «Da ist ganz viel Geld drin.» Wir schauten zusammen rein und zählten 13 000 Franken. Im ersten Moment ist man etwas nervös und ähm … Da muss man mehrmals zählen, damit man sich ... Ja, da zählt man definitiv mehrmals. Zuerst prüften wir natürlich, ob eine Verlustmeldung eines Kunden besteht. In diesem Fall haben wir eine gefunden. Bei 13 000 Franken oder ähnlichen Beträgen rufen wir die Kund:innen ausnahmsweise an und informieren sie. Auch um die Freude zu spüren, die wir in diesem Moment fühlen. Ich habe das Telefonat übernommen, den Kunden angerufen und ihm gesagt, dass wir den Koffer mit 13 000 Franken gefunden haben. Die Freude war sicher riesengross, oder? Stellt man sich jedenfalls so vor bei 13 000 Franken. Mittelmässig muss ich sagen, ich war etwas überrascht. Der Kunde sagte: «Stimmt, ich habe mal eine Verlustmeldung gemacht. Wo kann ich ihn abholen?» Das war nicht die Freude, die ich erwartet hatte. Dann ging es darum, wo wir den Gegenstand hinschicken sollen. Weil 13 000 Franken drin waren, vereinbarten wir mit dem Kunden, dass er direkt bei uns vorbeikommt und ihn abholt. Sonst hätten wir das Geld verbuchen müssen und er hätte das Geld am Bahnhof beziehen können. Um diesen Prozess einzusparen, haben wir den Kunden aufgefordert, zu uns zu kommen. Also kam er zu euch ins Fundbüro, statt dass ihr das Geld an den Bahnhof schicken musstet. Denn um 7 Uhr morgens hätten sie dort vielleicht nicht gerade 13 000 Franken in der Kasse gehabt. Ja, genau. Und du, Vanessa, warst schon als Hochzeitsretterin im Einsatz. Du hast diverse Hochzeitskleider gefunden und hoffentlich auch die richtige Braut dazu, oder? Ja, genau. Zum Glück meistens erst nach der Hochzeit, als das Ganze schon über die Bühne gegangen war. Wir waren froh darüber, sonst hätte es eine Sofortmassnahme gebraucht. Wir hatten aber auch schon einen Bräutigam, der seine Tasche einen Tag vor der Hochzeit im Zug liegen gelassen hatte. Das reichte uns als Fundzentrale nicht mehr, die Tasche am Tag seiner Hochzeit bis ins Tessin hinunterzubringen. Da nahmen wir auch Kontakt mit dem Kunden auf und sagten ihm, dass es schneller ist, wenn er sich etwas Neues kauft. Seine Gegenstände erhielt er natürlich trotzdem zurück, aber von der Zeit her reichte es einfach nicht mehr bis ins Tessin. War er denn auch nervös? Hoffentlich hatte er wenigstens die Ringe dabei. Hoffentlich! Wobei Verlobungsringe auch schon bei euch aufgetaucht sind, oder? Wir hatten einmal einen Verlobungsring, der sehr wertvoll war. Es bestand eine Verlustmeldung des Kunden. Er erwähnte, dass der Ring circa 22 000 Franken Wert hatte. Auch dort riefen wir den Kunden direkt an. Wir wollen die Kund:innen im ersten Moment auch etwas beruhigen und sagen, dass man es gefunden hat und sie sich keine Sorgen machen müssen. Wir wollen auch die Freude der Kund:innen miterleben. Aber auch in diesem Fall war die Freude über den gefundenen Ring eher gedämpft. Ich hoffe natürlich, dass er den Antrag trotzdem gemacht hat. Er musste dann halt heiraten. Leider, könnte man sagen. Dann ist es auch diese Freude, die euch beim Job antreibt? Die Freude, die Kund:innen haben, wenn sie einen geliebten Gegenstand wieder zurückerhalten? -Definitiv, ja. -Ja, doch. Und auch ich freue mich jedes Mal, wenn ich die Gegenstände den Besitzer:innen zurückgeben kann. Das leert nicht nur unser Lager, sondern ist auch jedes Mal ein Erfolgserlebnis. Ein solches Erfolgserlebnis hatte auch der Frontmann von Hecht, Stefan Buck. Er liess seinen Laptop im Zug liegen mit noch unveröffentlichter Musik, die er auch nicht in der Cloud gespeichert hatte. Er machte einen Post auf LinkedIn, den ich euch kurz vorlesen möchte. Vielleicht können wir seine Freude teilen. «Zwei Tage lang war mein Herz im Zug – zusammen mit meinem Laptop. Zum Glück gab's ein Happy End. Diese Woche ist mir etwas passiert, das mir noch nie passiert ist: Ich habe in der S12 (Zürich–Baden) meinen Laptop liegen lassen. Und es viel zu spät gemerkt. Mein Laptop – meine ganze Schaltzentrale. Alles, womit ich arbeite, schreibe, Musik mache. Weg. Mir wurde richtig schlecht. Ich rief sofort bei der SBB an, aber dort hiess es, dass für S-Bahnen kein Suchauftrag möglich ist – die Züge sind einfach zu kurz unterwegs.» Da ein kurzer Reality Check: Ist es korrekt, dass man bei S-Bahnen keinen Suchauftrag machen kann? Ja, man kann nur in den normalen SBB Zügen einen Suchauftrag machen. Der Zug muss noch mindestens 30 Minuten fahren und Kundenbegleiter:innen müssen im Zug sein, damit überhaupt jemand den Gegenstand suchen kann. Wir kommen noch darauf zu sprechen, was die Kund:innen machen müssen. Zurück zu Stefan Buck: «Also blieb nur hoffen. Und das Schlimmste: Ich merkte, dass viele meiner Musikprojekte nicht in der iCloud gesichert waren. Ich hätte wirklich viel verloren. Aber nach rund 36 Stunden kam eine SMS: ‹Ihr Laptop wurde gefunden und kann am HB abgeholt werden.› Ich konnte es kaum glauben. Mit Schutzfolie verpackt übergab mir die freundliche Frau beim Fundbüro mein MacBook – und ich war einfach nur dankbar.» Was machen solche Geschichten mit euch? -Schön. -Ja, das motiviert. Das ist eigentlich genau der Grund, wieso wir das machen und wieso wir teilweise auch diese Extrameile gehen. Das gibt einem eine Art Glücksgefühl. Es ist quasi ein Match zwischen Finder und gefundenem Gegenstand. -Fast wie bei Tinder. -Genau. Bei diesen Gegenständen trifft man auf die ganze Palette des Lebens, vom Leben bis zum Tod, über Hochzeit und Verlobungsring zu anderen skurrilen Sachen. Was habt ihr sonst noch Skurriles gefunden? Wir hatten eine grosse, bunte Gorilla-Maske. Wahrscheinlich ging jemand an die Fasnacht. Sehr wahrscheinlich. Meistens sind sie in Koffern oder Taschen verpackt. Da erschrecken wir kurz, wenn wir sie öffnen. Ja, das war etwas davon. Fernseher haben wir immer wieder. 65- oder sogar 75-Zoll-Fernseher, die wahrscheinlich am Bahnhof liegen bleiben und dann zu uns kommen. Eine Urne hatten wir auch schon, wenn wir gerade bei Todesfällen sind. Die Urne konnten wir dem Besitzer Gott sei Dank wieder zurückgeben. Ein Familienangehöriger hatte sie gesucht. Also wirklich das volle Leben. Braucht es nicht auch einen starken Magen, wenn man bei euch arbeitet? Genau, ja. Es kommt immer wieder vor, dass Gegenstände mit Lebensmitteln kommen, mit exotischen Früchten oder … Verderbliches Fleisch, das schon abgelaufen ist. Das vielleicht schon ein paar Tage dort drin ist. -Genau. -Definitiv, ja. Da braucht es den starken Magen. Was braucht es sonst noch, um den Job gut machen zu können? Sicher auch gute Sprachkenntnisse. Wir haben Kund:innen aus der ganzen Schweiz, die auch Italienisch oder Französisch sprechen. Wir haben auch viele Tourist:innen, vor allem im Sommer und Winter, die ihre Verlustmeldung auf Englisch machen. Dann ist es für uns wirklich von Vorteil, wenn wir diese verstehen, lesen und einfach zuordnen können. Da kommen ja ganz viele Gegenstände zusammen. 130 000 Gegenstände werden erfasst. Wie viele davon finden zurück zu den Besitzer:innen? Sicher 61% davon können wir den Besitzer:innen wieder zurückgeben. -Ist das eine gute Quote? -Ja, das ist eine sehr gute Quote. Was ist das Häufigste? Was wird am meisten vergessen? Man stellt sich vor, dass etwas oben auf der Ablage oder unter dem Sitz schnell vergessen wird. Was sind die häufigsten Gegenstände? Im Frühling und Herbst viele Jacken. In den Übergangsmonaten bleiben viele Jacken im Zug liegen. Weil man sie am Morgen, wenn es kalt ist, noch braucht, und wenn man Feierabend macht, lässt man sie dann liegen. Von den pendelnden Schüler:innen gibt es auch viele Turnsäckchen. Wir haben sehr viele Kopfhörer und Handys. Das legt man kurz auf dem Tischchen ab und geht dann einfach aus dem Zug. Das Leben im Zug vergessen. -Definitiv, ja. -Genau. Manchmal ist es schwierig, die Sachen wieder zurückzubringen. Welche Frist habt ihr da? Wie schnell sollen die Leute ihre Gegenstände wieder zurückhaben? Am liebsten so schnell wie möglich. Wenn die Kund:innen eine Verlustmeldung gemacht haben, wollen wir den Gegenstand, sobald er in der Fundzentrale ist und wir ihn erfasst haben, natürlich gleich wieder zurückgeben. Genau. Und ähm ... Sonst haben wir auch noch ein Lager, in dem wir es aufbewahren würden. So haben die Kund:innen dann noch Zeit, ihre Verlustmeldung zu machen. Wie lange bewahrt ihr es auf? Wir haben eine Aufbewahrungsfrist von einem Monat für Gegenstände, die ein bisschen weniger wertvoll sind, z.B. Turnsäckchen oder Jacken, die nicht so wertvoll sind. Andere Gegenstände bewahren wir drei Monate auf, z.B. Handys, Schlüssel, teurere Gegenstände, Koffer. -Velos? -Velos auch. Gibt es Phasen, in denen es bei euch im Fundbüro besonders streng ist? Ja, wir haben immer wieder Peaks, manchmal saisonal bedingt. Letztes Jahr, im Sommer 2025, kamen wir ziemlich in den Rückstand. Wir hatten Krankheitsausfälle im Team, langfristige Kranke, aber auch spontane Ausfälle. Dadurch hatten wir natürlich weniger Personen bei uns im Büro, welche die Fundgegenstände erfassen konnten. Aus einem Tag Rückstand wurden schnell mal zwei Tage und aus zwei Tagen Rückstand vier Tage. So baute es sich dann immer mehr auf. Da waren wir auf die Hilfe aus anderen Abteilungen angewiesen, die uns unterstützen konnten, es wieder in den Griff zu bekommen. -Damit ihr sozusagen wieder à jour wart. -Genau. Leider gibt es auch Sachen, die nicht zurückkommen. Da haben wir in unserer Community nachgefragt. Es kam folgende Rückmeldung: «Ich habe immer nur lost, nie found.» Was sagt ihr diesen Personen? Es gibt leider Fälle, die gar nicht erst zu uns kommen, die vielleicht entweder entwendet werden oder sonst irgendwo verloren gehen und entsorgt werden. Aber es auch viele Fälle, wo die Kund:innen die Verlustmeldung nicht so gut ausfüllen. Dann ist es für uns natürlich schwierig, einen passenden Match zu machen. Wir haben schon ein paar Mal gehört, was die Kund:innen allenfalls besser machen könnten. Sprechen wir doch kurz darüber. Wie erfasst man eine Verlustmeldung korrekt, damit der Gegenstand sicher wieder zurückkommt? Die Kund:innen haben verschiedene Möglichkeiten, eine Verlustmeldung zu machen. Online bei sich zuhause im Internet, dann ist es kostenlos. Sie können aber auch an einen Bahnschalter gehen und sie dort machen lassen. Wir sagen natürlich immer, je besser und detaillierter beschrieben, umso einfacher haben wir es, den Fundgegenstand wiederzuerkennen. Die schlimmsten Verlustmeldungen finde ich immer «schwarzer Koffer, Kleidung», denn davon haben wir wirklich viele. Wie wäre es denn korrekt? Würde man bei diesem Koffer sagen «Koffer Marke XY, Kleidungsstück Rock mit Punkten» oder irgendwie so etwas? Genau, wirklich detailliert. Vielleicht noch das Buch mit dem Titel erwähnen, weil sicher nicht alle Kund:innen das gleiche Buch dabeihaben. Oder das Necessaire, das vielleicht irgendeine leuchtende Farbe hat. Und am besten ist natürlich anschreiben. Alles? Also z.B. auch das Handy? Nein, aber dort hat auch schon geholfen, wenn wir z.B. in der Handyhülle den SwissPass gefunden haben. Dann kann man es gleich zuordnen. Kontaktdaten im Handy, im Notfallpass, sind für uns auch sehr hilfreich. Was passiert mit den Sachen, die nicht abgeholt werden, Getuar? Wie Vanessa schon erwähnt hat, bleiben Sachen, die nicht abgeholt werden, zuerst einmal bei uns. Nach den Fristen kontrollieren wir nochmal, ob eine Verlustmeldung besteht. Wenn dann immer noch kein Match gemacht werden kann, schicken wir die Gegenstände zum Fundsachenverkauf in Zürich, der sie dort verkauft. Okay. Vorhin sprachen wir über das Handy. Man steigt aus und das Handy fährt weiter. Von Bern fährt es vielleicht nach Genf. Welchen Weg legt das Handy zurück, bis es wieder bei mir ist, nachdem ich es vergessen habe? Wenn es schlecht läuft, geht es bis nach Genf. In Genf wird es wahrscheinlich aus dem Zug genommen. Dann wird es noch am gleichen Abend in die Fundzentrale geschickt, wenn es von den Zügen her reicht, sonst am Folgetag. Am Folgetag kommt der Gegenstand zu uns. Er wird von den Logistiker:innen ausgepackt und in eine Box gelegt. Die Boxen kommen zu uns ins Büro rein. Unsere Erfasser:innen schnappen sich jeweils eine Box. Meistens befinden sich darin um die 20 Gegenstände, mit Handys, AirPods und allem Drum und Dran. Dann wird das Handy erfasst. Wenn du deine Verlustmeldung schnell genug erfasst hast, gibt es da wahrscheinlich schon einen Match. Dann startet noch am gleichen Tag der Versand an den gewünschten Bahnhof, den du in deiner Verlustmeldung ausgewählt hast. Anders wenn du keine Verlustmeldung am gleichen Tag erfasst hast. Denn das machen ja nicht alle, die einen Gegenstand verloren haben, oder es gibt sicher noch Leute, die den Fundservice gar nicht kennen und nicht wissen, dass man eine Verlustmeldung machen kann. Dann startet der Prozess, wo der Gegenstand zuerst ins Lager geht. Ungefähr zwei Wochen später prüfen wir nochmals, ob wir eine Verlustmeldung finden. Beim Auslagern, bevor er zum Fundsachenverkauf geht, prüfen wir nochmals, ob eine Verlustmeldung besteht. Wenn es dann noch keine hat, gehen die Gegenstände zum Fundsachenverkauf. ... und finden dort vielleicht neue Besitzer:innen. Was vielleicht viele nicht wissen: Man bekommt eventuell nicht nur etwas, das man bei der SBB verloren hat, zurück, sondern auch etwas, das man bei einem anderen Transportunternehmen, z.B. bei PostAuto, verloren hat. Genau, PostAuto ist eine unserer Partnerinnen. Dann natürlich BLS, BVB in Basel, Südostbahn, eigentlich schweizweit. TPF ... Es sind ganz viele, die mit uns zusammenarbeiten. Auch wenn man aus dem Ausland in der Schweiz herumreist und den Koffer aus Versehen liegen lässt, heisst das nicht, dass er verloren ist. Nein, definitiv nicht. Wenn wir Gegenstände matchen können, entweder mit einer Verlustmeldung oder wenn wir die Kontaktdaten haben, informieren wir die Kund:innen, entweder per Mail, wenn wir eine E-Mail-Adresse haben, oder sonst per Brief mit der Möglichkeit, dass wir den Gegenstand via FedEx ins Ausland schicken. Da können wir gleich eine Offerte mit dem Preis machen. Wenn die Kund:innen einverstanden sind, zahlen sie das. Wenn nicht, haben sie immer noch die Möglichkeit, den Gegenstand an einem Bahnhof in der Schweiz abzuholen oder ihn von einer Drittperson abholen zu lassen. Mit dem Einverständnis ist das so möglich. -Genau. -Man muss nicht selbst gehen. Wir haben viel über verlorene Sachen gesprochen, aber was ist, wenn man etwas findet, Vanessa? Vorhin haben wir über die S-Bahn gesprochen. Dort kann man ja keine Verlustmeldung machen, weil der Zug zu kurz unterwegs ist. -Keinen Suchauftrag. -Keinen Suchauftrag, genau. -Eine Verlustmeldung trotzdem. -Ja, natürlich. Wirklich bei allem eine Verlustmeldung machen, das ist immer das Beste. Wenn du einen Gegenstand findest und in abgeben möchtest, machst du dies am besten in einem Reisezentrum. An einem SBB Bahnhof oder z.B. auch an einem TPF-Bahnhof. Das spielt gar keine Rolle. Hauptsache abgeben. An einem Gepäckschalter, wenn es sonst keine Möglichkeit gibt. Wir haben ja nicht an allen Bahnhöfen ein Reisezentrum. Oder man kann es z.B. auf dem Perron an SBB Mitarbeitende übergeben, dem Zugpersonal oder Sicherheitsleuten. Und dann kommt es zu euch nach Bern. Wie kann man sich das vorstellen? Ist das einfach eine riesige Halle mit Kisten oder wie sieht es dort aus? Eine riesige Halle würde ich nicht sagen. Überall gibt es Platzprobleme. Wir haben insgesamt vier Lager mit Rollregalen. Ein Lager für grössere Gegenstände, z.B. Skier oder Koffer. Dann ein Lager für Gegenstände, die wir einen Monat aufbewahren, und ein separates Lager für jene, die wir drei Monate aufbewahren. Und dann haben wir sogar noch ein Lager, in dem wir die Gegenstände aufbewahren, die nicht abgeholt wurden. Mittlerweile haben wir drei Büros, wo wir die Gegenstände erfassen. Ja, ähm ... Die Rollregale sind so, wie man sie aus den Bibliotheken kennt, mit diesen Kurbeln zum Hin- und Herrollen und endlosen Gängen mit Kisten, die mit Handys und was auch immer überquellen. Ja genau so sieht es aus. Bei euch stehen auch viele Velos, oder? Jawohl, Velos haben wir auch ganz viele. -Kinderwägen, Trottinette. -Ja. -Und Koffer? -Ja, Koffer auch. Genau. Eure Motivation habt ihr schon angesprochen, also die Freude der Kund:innen und der Einsatz eures detektivischen Gespürs. Doch was treibt euch jeden Tag an? Was ist eure Motivation für diesen Job oder warum macht ihr ihn gern? Wirklich die Erfolgserlebnisse, die man hat, wenn die Gegenstände wieder bei den Besitzer:innen sind. Wir hatten auch schon Kuscheltiere von kleinen Kindern, für welche die Eltern eine Verlustmeldung gemacht hatten. Dort spürt man schon heraus, dass es ein wichtiges Kuscheltier ist. Da gibt es auch mal eine schlaflose Nacht oder eine schwierige Einschlafbegleitung. Wenn man das Kuscheltier zurückgeben kann, hat man das Gefühl, dass alles wieder gut ist. Man konnte diesen Kund:innen eine Freude machen. Solche Geschichten haben wir auch aus unserer Community erhalten. Auf Instagram hat uns jemand geschrieben, dass sie ihren Laptop im Zug liegen gelassen und pünktlich zu Weihnachten wieder zurückerhalten hatte. Oder der Kunde, der das Geburtstagsgeschenk seines Göttibuben liegen liess und wieder zurückbekommen hat. Diese Sachen sind sicher besonders schön, oder? -Ja. Genau, ja. Zum Schluss eine Frage an euch persönlich: Habt ihr auch schon einmal etwas im Zug liegen gelassen? Nein, ich habe noch nie etwas vergessen. Ich pendle mittlerweile seit fünf Jahren von Olten nach Bern und habe auch noch nie etwas gefunden. Vanessa, hast du etwas liegen gelassen? Ja, tatsächlich. In meinem ersten halben Jahr in der Fundzentrale ging ich an einem Abend nach Luzern. Ich hatte mindestens zwei Taschen dabei und vorher noch auf dem Handy herumgedrückt. Dann legte ich das Handy auf den Sitz, nahm meine Taschen und ging raus. Ich vergass einfach den Blick zurück. Dann kam ich dort an und wollte meinen Mann anrufen und dachte: «Mist, ich habe gar keine Möglichkeit, jemanden anzurufen.» Da wusste ich, dass ich es im Zug liegen gelassen hatte. Am Tag darauf machte ich natürlich sofort eine Verlustmeldung. Ich hatte das Glück, dass ich am Tag darauf arbeitete und konnte es tatsächlich selbst aus der Fundbox herausfischen. So hatte ich mein Handy ziemlich schnell wieder. Es ist praktisch, wenn man selbst dort arbeitet und an der Quelle ist. Hast du schon einmal etwas verloren oder gefunden? Ja, ich muss zugeben, dass ich leider ein bisschen Stammkundin bin bei euch. Meine Familie hat schon ganz viele Sachen verloren. Von ganz klassischen Gegenständen wie Jacke oder Rucksack zu skurrilen Gegenständen wie E-Bike-Akku und Trottinett. Wir sind Stammkunden. Merci Vanessa und Getuar, dass ihr uns mitgenommen habt auf diese Reise der Fundgegenstände. Egal ob Jacke, Geburtstagsgeschenk des Göttibuben oder Verlobungsring. Es gibt zu jedem Gegenstand eine Geschichte und, wie wir gehört haben, auch ganz viele mit einem Happy End. Und auch den Hörer:innen merci vielmals fürs Zuhören. Weitere Informationen rund um das Thema Fundbüro findet ihr in unseren Show Notes. Wenn euch die Folge gefallen hat, dann teilt sie gern und lasst uns eine Bewertung oder einen Kommentar da. Wir freuen uns über Feedback per Mail an podcast@sbb.ch. Merci vielmals fürs Zuhören, bis zum nächsten Mal. Gute Reise und nicht vergessen: Handy und Jacke mitnehmen. Dieser Podcast endet hier. Wir bitten Sie, auszusteigen, und verabschieden uns von Ihnen.