13 000 Franken und ein Verlobungsring
21.01.2026 25 min
Zusammenfassung & Show Notes
Ein Hochzeitskleid, eine Urne und ein Aktenkoffer voller Geld im Zug vergessen? Das sind nur 3 von über 130 000 Gegenständen, die jährlich im Zug liegen bleiben. Vanessa de Jesus und Getuar Preniqi erzählen von den verrücktesten Gegenständen in der Fundzentrale der SBB und wie ihr detektivischer Spürsinn ihnen bei der Arbeit hilft.
Fragen und Antworten zum SBB Fundbüro | SBB Hilfe & Kontakt
Fragen und Antworten zum SBB Fundbüro | SBB Hilfe & Kontakt
Transkript
Ich freue mich jedes Mal,
wenn ich die Gegenstände
den Besitzer:innen zurückgeben kann.
Das leert nicht nur unser Lager,
sondern ist auch jedes Mal
ein Erfolgserlebnis.
Die SBB begrüsst Sie in ihrem Podcast
und wünscht Ihnen eine angenehme Reise.
Handy im Zug vergessen.
Der Horror beim Pendeln.
Stell dir vor, du steigst aus dem Zug,
hast vielleicht einen wichtigen Termin
oder willst nach einem langen Arbeitstag
nur noch nach Hause.
Genau in diesen Situationen passiert es.
Man steigt aus
und das Handy fährt mit dem Zug weiter.
Oder stell dir vor:
Du sitzt im Zug
und findest einen Aktenkoffer
mit 13 000 Franken in bar.
Wahre Geschichte!
Und damit sind wir
mitten in der Welt der Fundgegenstände.
Willkommen Getuar Preniqi
und Vanessa de Jesus vom Fundbüro.
-Hallo.
-Hallo.
Heute geht es um euch,
die Menschen hinter den Kulissen,
die wie kleine Heinzelmännchen
die verlorenen Gegenstände
wieder zurückbringen.
Was da alles zusammenkommt,
was man macht, wenn man
etwas verloren oder gefunden hat,
klären wir heute
in der ersten Folge des SBB Podcasts.
Ein Podcast rund um die Menschen
und Geschichten der SBB
und ein Blick
hinter die Kulissen der Bahnwelt.
Mein Name ist Mara Zenhäusern.
Herzlich willkommen.
Vanessa, du bist schon
seit zwölf Jahren beim Fundbüro
und Getuar, du seit fünf Jahren.
Ihr seid praktisch schon alte Hasen,
Detektive der SBB
und nicht selten
auch Alltagshelden, oder?
Wenn man zum Beispiel 13 000 Franken
in bar findet. Getuar, wie lief das ab?
Die Gegenstände kommen ja zu uns.
An dem Tag kam ein Mitarbeiter zu mir.
Ich bin operativer Leiter und
somit zuständig für das Tagesgeschäft.
Er brachte mir
den Koffer vorbei und sagte:
«Da ist ganz viel Geld drin.»
Wir schauten zusammen rein
und zählten 13 000 Franken.
Im ersten Moment
ist man etwas nervös und ähm …
Da muss man mehrmals zählen,
damit man sich ...
Ja, da zählt man definitiv mehrmals.
Zuerst prüften wir natürlich, ob eine
Verlustmeldung eines Kunden besteht.
In diesem Fall haben wir eine gefunden.
Bei 13 000 Franken
oder ähnlichen Beträgen
rufen wir die Kund:innen
ausnahmsweise an und informieren sie.
Auch um die Freude zu spüren,
die wir in diesem Moment fühlen.
Ich habe das Telefonat übernommen,
den Kunden angerufen
und ihm gesagt, dass wir den Koffer
mit 13 000 Franken gefunden haben.
Die Freude war sicher riesengross, oder?
Stellt man sich jedenfalls so vor
bei 13 000 Franken.
Mittelmässig muss ich sagen,
ich war etwas überrascht.
Der Kunde sagte: «Stimmt, ich habe mal
eine Verlustmeldung gemacht.
Wo kann ich ihn abholen?»
Das war nicht die Freude,
die ich erwartet hatte.
Dann ging es darum, wo wir
den Gegenstand hinschicken sollen.
Weil 13 000 Franken drin waren,
vereinbarten wir mit dem Kunden,
dass er direkt bei uns
vorbeikommt und ihn abholt.
Sonst hätten wir
das Geld verbuchen müssen
und er hätte das Geld
am Bahnhof beziehen können.
Um diesen Prozess einzusparen,
haben wir den Kunden aufgefordert,
zu uns zu kommen.
Also kam er zu euch ins Fundbüro,
statt dass ihr das Geld
an den Bahnhof schicken musstet.
Denn um 7 Uhr morgens
hätten sie dort vielleicht nicht gerade
13 000 Franken in der Kasse gehabt.
Ja, genau.
Und du, Vanessa, warst schon
als Hochzeitsretterin im Einsatz.
Du hast
diverse Hochzeitskleider gefunden
und hoffentlich auch
die richtige Braut dazu, oder?
Ja, genau. Zum Glück
meistens erst nach der Hochzeit,
als das Ganze schon
über die Bühne gegangen war.
Wir waren froh darüber, sonst hätte es
eine Sofortmassnahme gebraucht.
Wir hatten aber
auch schon einen Bräutigam,
der seine Tasche einen Tag vor der
Hochzeit im Zug liegen gelassen hatte.
Das reichte uns
als Fundzentrale nicht mehr,
die Tasche am Tag seiner Hochzeit
bis ins Tessin hinunterzubringen.
Da nahmen wir auch Kontakt
mit dem Kunden auf und sagten ihm,
dass es schneller ist,
wenn er sich etwas Neues kauft.
Seine Gegenstände
erhielt er natürlich trotzdem zurück,
aber von der Zeit her reichte es
einfach nicht mehr bis ins Tessin.
War er denn auch nervös? Hoffentlich
hatte er wenigstens die Ringe dabei.
Hoffentlich!
Wobei Verlobungsringe auch schon
bei euch aufgetaucht sind, oder?
Wir hatten einmal einen Verlobungsring,
der sehr wertvoll war.
Es bestand
eine Verlustmeldung des Kunden.
Er erwähnte, dass der Ring
circa 22 000 Franken Wert hatte.
Auch dort riefen wir
den Kunden direkt an.
Wir wollen die Kund:innen im ersten
Moment auch etwas beruhigen
und sagen, dass man es gefunden hat
und sie sich keine Sorgen machen müssen.
Wir wollen auch
die Freude der Kund:innen miterleben.
Aber auch in diesem Fall war die Freude
über den gefundenen Ring eher gedämpft.
Ich hoffe natürlich,
dass er den Antrag trotzdem gemacht hat.
Er musste dann halt heiraten.
Leider, könnte man sagen.
Dann ist es auch diese Freude,
die euch beim Job antreibt?
Die Freude, die Kund:innen haben,
wenn sie einen geliebten Gegenstand
wieder zurückerhalten?
-Definitiv, ja.
-Ja, doch.
Und auch ich freue mich jedes Mal,
wenn ich die Gegenstände
den Besitzer:innen zurückgeben kann.
Das leert nicht nur unser Lager,
sondern ist auch jedes Mal
ein Erfolgserlebnis.
Ein solches Erfolgserlebnis hatte auch
der Frontmann von Hecht, Stefan Buck.
Er liess seinen Laptop im Zug liegen
mit noch unveröffentlichter Musik,
die er auch nicht
in der Cloud gespeichert hatte.
Er machte einen Post auf LinkedIn,
den ich euch kurz vorlesen möchte.
Vielleicht können wir
seine Freude teilen.
«Zwei Tage lang war mein Herz im Zug –
zusammen mit meinem Laptop.
Zum Glück gab's ein Happy End.
Diese Woche ist mir etwas passiert,
das mir noch nie passiert ist:
Ich habe in der S12 (Zürich–Baden)
meinen Laptop liegen lassen.
Und es viel zu spät gemerkt.
Mein Laptop –
meine ganze Schaltzentrale.
Alles, womit ich arbeite,
schreibe, Musik mache. Weg.
Mir wurde richtig schlecht.
Ich rief sofort bei der SBB an,
aber dort hiess es, dass für S-Bahnen
kein Suchauftrag möglich ist –
die Züge sind einfach
zu kurz unterwegs.»
Da ein kurzer Reality Check:
Ist es korrekt, dass man bei S-Bahnen
keinen Suchauftrag machen kann?
Ja, man kann nur in den normalen
SBB Zügen einen Suchauftrag machen.
Der Zug muss noch
mindestens 30 Minuten fahren
und Kundenbegleiter:innen
müssen im Zug sein,
damit überhaupt jemand
den Gegenstand suchen kann.
Wir kommen noch darauf zu sprechen,
was die Kund:innen machen müssen.
Zurück zu Stefan Buck:
«Also blieb nur hoffen.
Und das Schlimmste: Ich merkte,
dass viele meiner Musikprojekte
nicht in der iCloud gesichert waren.
Ich hätte wirklich viel verloren.
Aber nach rund 36 Stunden kam eine SMS:
‹Ihr Laptop wurde gefunden
und kann am HB abgeholt werden.›
Ich konnte es kaum glauben.
Mit Schutzfolie verpackt übergab mir
die freundliche Frau beim Fundbüro
mein MacBook –
und ich war einfach nur dankbar.»
Was machen
solche Geschichten mit euch?
-Schön.
-Ja, das motiviert.
Das ist eigentlich genau der Grund,
wieso wir das machen
und wieso wir teilweise auch
diese Extrameile gehen.
Das gibt einem eine Art Glücksgefühl.
Es ist quasi ein Match zwischen
Finder und gefundenem Gegenstand.
-Fast wie bei Tinder.
-Genau.
Bei diesen Gegenständen trifft man
auf die ganze Palette des Lebens,
vom Leben bis zum Tod,
über Hochzeit und Verlobungsring
zu anderen skurrilen Sachen.
Was habt ihr sonst noch
Skurriles gefunden?
Wir hatten eine grosse,
bunte Gorilla-Maske.
Wahrscheinlich
ging jemand an die Fasnacht.
Sehr wahrscheinlich. Meistens sind sie
in Koffern oder Taschen verpackt.
Da erschrecken wir kurz,
wenn wir sie öffnen.
Ja, das war etwas davon.
Fernseher haben wir immer wieder.
65- oder sogar 75-Zoll-Fernseher,
die wahrscheinlich am Bahnhof
liegen bleiben und dann zu uns kommen.
Eine Urne hatten wir auch schon,
wenn wir gerade bei Todesfällen sind.
Die Urne konnten wir dem Besitzer
Gott sei Dank wieder zurückgeben.
Ein Familienangehöriger
hatte sie gesucht.
Also wirklich das volle Leben.
Braucht es nicht auch einen starken
Magen, wenn man bei euch arbeitet?
Genau, ja.
Es kommt immer wieder vor,
dass Gegenstände
mit Lebensmitteln kommen,
mit exotischen Früchten oder …
Verderbliches Fleisch,
das schon abgelaufen ist.
Das vielleicht schon
ein paar Tage dort drin ist.
-Genau.
-Definitiv, ja.
Da braucht es den starken Magen.
Was braucht es sonst noch,
um den Job gut machen zu können?
Sicher auch gute Sprachkenntnisse.
Wir haben Kund:innen
aus der ganzen Schweiz,
die auch Italienisch
oder Französisch sprechen.
Wir haben auch viele Tourist:innen,
vor allem im Sommer und Winter,
die ihre Verlustmeldung
auf Englisch machen.
Dann ist es für uns
wirklich von Vorteil,
wenn wir diese verstehen,
lesen und einfach zuordnen können.
Da kommen ja
ganz viele Gegenstände zusammen.
130 000 Gegenstände werden erfasst.
Wie viele davon
finden zurück zu den Besitzer:innen?
Sicher 61% davon können wir
den Besitzer:innen wieder zurückgeben.
-Ist das eine gute Quote?
-Ja, das ist eine sehr gute Quote.
Was ist das Häufigste?
Was wird am meisten vergessen?
Man stellt sich vor,
dass etwas oben auf der Ablage
oder unter dem Sitz
schnell vergessen wird.
Was sind die häufigsten Gegenstände?
Im Frühling und Herbst viele Jacken.
In den Übergangsmonaten
bleiben viele Jacken im Zug liegen.
Weil man sie am Morgen,
wenn es kalt ist, noch braucht,
und wenn man Feierabend macht,
lässt man sie dann liegen.
Von den pendelnden Schüler:innen
gibt es auch viele Turnsäckchen.
Wir haben sehr viele
Kopfhörer und Handys.
Das legt man kurz auf dem Tischchen ab
und geht dann einfach aus dem Zug.
Das Leben im Zug vergessen.
-Definitiv, ja.
-Genau.
Manchmal ist es schwierig,
die Sachen wieder zurückzubringen.
Welche Frist habt ihr da?
Wie schnell sollen die Leute
ihre Gegenstände wieder zurückhaben?
Am liebsten so schnell wie möglich.
Wenn die Kund:innen
eine Verlustmeldung gemacht haben,
wollen wir den Gegenstand,
sobald er in der Fundzentrale ist
und wir ihn erfasst haben,
natürlich gleich wieder zurückgeben.
Genau. Und ähm ...
Sonst haben wir auch noch ein Lager,
in dem wir es aufbewahren würden.
So haben die Kund:innen dann noch Zeit,
ihre Verlustmeldung zu machen.
Wie lange bewahrt ihr es auf?
Wir haben eine Aufbewahrungsfrist
von einem Monat für Gegenstände,
die ein bisschen weniger wertvoll sind,
z.B. Turnsäckchen oder Jacken,
die nicht so wertvoll sind.
Andere Gegenstände
bewahren wir drei Monate auf,
z.B. Handys, Schlüssel,
teurere Gegenstände, Koffer.
-Velos?
-Velos auch.
Gibt es Phasen, in denen es bei euch
im Fundbüro besonders streng ist?
Ja, wir haben immer wieder Peaks,
manchmal saisonal bedingt.
Letztes Jahr, im Sommer 2025,
kamen wir ziemlich in den Rückstand.
Wir hatten Krankheitsausfälle im Team,
langfristige Kranke,
aber auch spontane Ausfälle.
Dadurch hatten wir natürlich
weniger Personen bei uns im Büro,
welche die Fundgegenstände
erfassen konnten.
Aus einem Tag Rückstand
wurden schnell mal zwei Tage
und aus zwei Tagen Rückstand vier Tage.
So baute es sich dann immer mehr auf.
Da waren wir auf die Hilfe
aus anderen Abteilungen angewiesen,
die uns unterstützen konnten,
es wieder in den Griff zu bekommen.
-Damit ihr sozusagen wieder à jour wart.
-Genau.
Leider gibt es auch Sachen,
die nicht zurückkommen.
Da haben wir
in unserer Community nachgefragt.
Es kam folgende Rückmeldung:
«Ich habe immer nur lost, nie found.»
Was sagt ihr diesen Personen?
Es gibt leider Fälle,
die gar nicht erst zu uns kommen,
die vielleicht entweder entwendet werden
oder sonst irgendwo verloren gehen
und entsorgt werden.
Aber es auch viele Fälle,
wo die Kund:innen die Verlustmeldung
nicht so gut ausfüllen.
Dann ist es für uns natürlich schwierig,
einen passenden Match zu machen.
Wir haben schon ein paar Mal gehört,
was die Kund:innen
allenfalls besser machen könnten.
Sprechen wir doch kurz darüber.
Wie erfasst man
eine Verlustmeldung korrekt,
damit der Gegenstand
sicher wieder zurückkommt?
Die Kund:innen haben
verschiedene Möglichkeiten,
eine Verlustmeldung zu machen.
Online bei sich zuhause im Internet,
dann ist es kostenlos.
Sie können aber auch
an einen Bahnschalter gehen
und sie dort machen lassen.
Wir sagen natürlich immer, je besser
und detaillierter beschrieben,
umso einfacher haben wir es,
den Fundgegenstand wiederzuerkennen.
Die schlimmsten Verlustmeldungen
finde ich immer
«schwarzer Koffer, Kleidung»,
denn davon haben wir wirklich viele.
Wie wäre es denn korrekt?
Würde man bei diesem Koffer sagen
«Koffer Marke XY, Kleidungsstück Rock
mit Punkten» oder irgendwie so etwas?
Genau, wirklich detailliert. Vielleicht
noch das Buch mit dem Titel erwähnen,
weil sicher nicht alle Kund:innen
das gleiche Buch dabeihaben.
Oder das Necessaire, das vielleicht
irgendeine leuchtende Farbe hat.
Und am besten ist natürlich anschreiben.
Alles? Also z.B. auch das Handy?
Nein, aber dort hat auch schon geholfen,
wenn wir z.B. in der Handyhülle
den SwissPass gefunden haben.
Dann kann man es gleich zuordnen.
Kontaktdaten im Handy, im Notfallpass,
sind für uns auch sehr hilfreich.
Was passiert mit den Sachen,
die nicht abgeholt werden, Getuar?
Wie Vanessa schon erwähnt hat,
bleiben Sachen, die nicht
abgeholt werden, zuerst einmal bei uns.
Nach den Fristen kontrollieren wir
nochmal, ob eine Verlustmeldung besteht.
Wenn dann immer noch
kein Match gemacht werden kann,
schicken wir die Gegenstände
zum Fundsachenverkauf in Zürich,
der sie dort verkauft.
Okay.
Vorhin sprachen wir über das Handy.
Man steigt aus
und das Handy fährt weiter.
Von Bern fährt es vielleicht nach Genf.
Welchen Weg legt das Handy zurück,
bis es wieder bei mir ist,
nachdem ich es vergessen habe?
Wenn es schlecht läuft,
geht es bis nach Genf.
In Genf wird es
wahrscheinlich aus dem Zug genommen.
Dann wird es noch am gleichen Abend
in die Fundzentrale geschickt,
wenn es von den Zügen her reicht,
sonst am Folgetag.
Am Folgetag kommt der Gegenstand zu uns.
Er wird von den Logistiker:innen
ausgepackt und in eine Box gelegt.
Die Boxen kommen zu uns ins Büro rein.
Unsere Erfasser:innen
schnappen sich jeweils eine Box.
Meistens befinden sich darin
um die 20 Gegenstände,
mit Handys, AirPods
und allem Drum und Dran.
Dann wird das Handy erfasst.
Wenn du deine Verlustmeldung
schnell genug erfasst hast,
gibt es da
wahrscheinlich schon einen Match.
Dann startet noch am gleichen Tag
der Versand an den gewünschten Bahnhof,
den du in deiner Verlustmeldung
ausgewählt hast.
Anders wenn du keine Verlustmeldung
am gleichen Tag erfasst hast.
Denn das machen ja nicht alle,
die einen Gegenstand verloren haben,
oder es gibt sicher noch Leute,
die den Fundservice gar nicht kennen
und nicht wissen, dass man
eine Verlustmeldung machen kann.
Dann startet der Prozess,
wo der Gegenstand zuerst ins Lager geht.
Ungefähr zwei Wochen später
prüfen wir nochmals,
ob wir eine Verlustmeldung finden.
Beim Auslagern,
bevor er zum Fundsachenverkauf geht,
prüfen wir nochmals,
ob eine Verlustmeldung besteht.
Wenn es dann noch keine hat, gehen
die Gegenstände zum Fundsachenverkauf.
... und finden dort
vielleicht neue Besitzer:innen.
Was vielleicht viele nicht wissen:
Man bekommt eventuell nicht nur etwas,
das man bei der SBB verloren hat,
zurück, sondern auch etwas, das man
bei einem anderen Transportunternehmen,
z.B. bei PostAuto, verloren hat.
Genau, PostAuto
ist eine unserer Partnerinnen.
Dann natürlich BLS, BVB in Basel,
Südostbahn, eigentlich schweizweit.
TPF ... Es sind ganz viele,
die mit uns zusammenarbeiten.
Auch wenn man aus dem Ausland
in der Schweiz herumreist
und den Koffer
aus Versehen liegen lässt,
heisst das nicht, dass er verloren ist.
Nein, definitiv nicht.
Wenn wir Gegenstände matchen können,
entweder mit einer Verlustmeldung
oder wenn wir die Kontaktdaten haben,
informieren wir die Kund:innen,
entweder per Mail,
wenn wir eine E-Mail-Adresse haben,
oder sonst per Brief
mit der Möglichkeit,
dass wir den Gegenstand
via FedEx ins Ausland schicken.
Da können wir gleich
eine Offerte mit dem Preis machen.
Wenn die Kund:innen einverstanden sind,
zahlen sie das.
Wenn nicht, haben sie
immer noch die Möglichkeit,
den Gegenstand an einem Bahnhof
in der Schweiz abzuholen
oder ihn von einer Drittperson
abholen zu lassen.
Mit dem Einverständnis
ist das so möglich.
-Genau.
-Man muss nicht selbst gehen.
Wir haben viel
über verlorene Sachen gesprochen,
aber was ist,
wenn man etwas findet, Vanessa?
Vorhin haben wir
über die S-Bahn gesprochen.
Dort kann man ja
keine Verlustmeldung machen,
weil der Zug zu kurz unterwegs ist.
-Keinen Suchauftrag.
-Keinen Suchauftrag, genau.
-Eine Verlustmeldung trotzdem.
-Ja, natürlich.
Wirklich bei allem eine Verlustmeldung
machen, das ist immer das Beste.
Wenn du einen Gegenstand findest
und in abgeben möchtest,
machst du dies am besten
in einem Reisezentrum.
An einem SBB Bahnhof
oder z.B. auch an einem TPF-Bahnhof.
Das spielt gar keine Rolle.
Hauptsache abgeben.
An einem Gepäckschalter,
wenn es sonst keine Möglichkeit gibt.
Wir haben ja nicht
an allen Bahnhöfen ein Reisezentrum.
Oder man kann es z.B. auf dem Perron
an SBB Mitarbeitende übergeben,
dem Zugpersonal oder Sicherheitsleuten.
Und dann kommt es zu euch nach Bern.
Wie kann man sich das vorstellen?
Ist das einfach eine riesige Halle
mit Kisten oder wie sieht es dort aus?
Eine riesige Halle
würde ich nicht sagen.
Überall gibt es Platzprobleme.
Wir haben insgesamt
vier Lager mit Rollregalen.
Ein Lager für grössere Gegenstände,
z.B. Skier oder Koffer.
Dann ein Lager für Gegenstände,
die wir einen Monat aufbewahren,
und ein separates Lager für jene,
die wir drei Monate aufbewahren.
Und dann haben wir
sogar noch ein Lager,
in dem wir die Gegenstände aufbewahren,
die nicht abgeholt wurden.
Mittlerweile haben wir drei Büros,
wo wir die Gegenstände erfassen.
Ja, ähm ...
Die Rollregale sind so,
wie man sie aus den Bibliotheken kennt,
mit diesen Kurbeln
zum Hin- und Herrollen
und endlosen Gängen mit Kisten,
die mit Handys
und was auch immer überquellen.
Ja genau so sieht es aus.
Bei euch stehen auch viele Velos, oder?
Jawohl, Velos haben wir auch ganz viele.
-Kinderwägen, Trottinette.
-Ja.
-Und Koffer?
-Ja, Koffer auch.
Genau.
Eure Motivation
habt ihr schon angesprochen,
also die Freude der Kund:innen
und der Einsatz
eures detektivischen Gespürs.
Doch was treibt euch jeden Tag an?
Was ist eure Motivation für diesen Job
oder warum macht ihr ihn gern?
Wirklich die Erfolgserlebnisse,
die man hat,
wenn die Gegenstände
wieder bei den Besitzer:innen sind.
Wir hatten auch schon Kuscheltiere
von kleinen Kindern,
für welche die Eltern
eine Verlustmeldung gemacht hatten.
Dort spürt man schon heraus,
dass es ein wichtiges Kuscheltier ist.
Da gibt es auch mal
eine schlaflose Nacht
oder eine schwierige
Einschlafbegleitung.
Wenn man das Kuscheltier
zurückgeben kann,
hat man das Gefühl,
dass alles wieder gut ist.
Man konnte diesen Kund:innen
eine Freude machen.
Solche Geschichten haben wir auch
aus unserer Community erhalten.
Auf Instagram
hat uns jemand geschrieben,
dass sie ihren Laptop
im Zug liegen gelassen
und pünktlich zu Weihnachten
wieder zurückerhalten hatte.
Oder der Kunde,
der das Geburtstagsgeschenk
seines Göttibuben liegen liess
und wieder zurückbekommen hat.
Diese Sachen sind sicher
besonders schön, oder?
-Ja.
Genau, ja.
Zum Schluss
eine Frage an euch persönlich:
Habt ihr auch schon einmal etwas
im Zug liegen gelassen?
Nein, ich habe noch nie etwas vergessen.
Ich pendle mittlerweile
seit fünf Jahren von Olten nach Bern
und habe auch noch nie etwas gefunden.
Vanessa, hast du etwas liegen gelassen?
Ja, tatsächlich. In meinem ersten
halben Jahr in der Fundzentrale
ging ich an einem Abend nach Luzern.
Ich hatte mindestens zwei Taschen dabei
und vorher noch
auf dem Handy herumgedrückt.
Dann legte ich das Handy auf den Sitz,
nahm meine Taschen und ging raus.
Ich vergass einfach den Blick zurück.
Dann kam ich dort an und
wollte meinen Mann anrufen und dachte:
«Mist, ich habe gar keine Möglichkeit,
jemanden anzurufen.»
Da wusste ich, dass ich es
im Zug liegen gelassen hatte.
Am Tag darauf machte ich
natürlich sofort eine Verlustmeldung.
Ich hatte das Glück,
dass ich am Tag darauf arbeitete
und konnte es tatsächlich selbst
aus der Fundbox herausfischen.
So hatte ich mein Handy
ziemlich schnell wieder.
Es ist praktisch, wenn man selbst
dort arbeitet und an der Quelle ist.
Hast du schon einmal
etwas verloren oder gefunden?
Ja, ich muss zugeben, dass ich leider
ein bisschen Stammkundin bin bei euch.
Meine Familie
hat schon ganz viele Sachen verloren.
Von ganz klassischen Gegenständen
wie Jacke oder Rucksack
zu skurrilen Gegenständen
wie E-Bike-Akku und Trottinett.
Wir sind Stammkunden.
Merci Vanessa und Getuar,
dass ihr uns mitgenommen habt
auf diese Reise der Fundgegenstände.
Egal ob Jacke, Geburtstagsgeschenk
des Göttibuben oder Verlobungsring.
Es gibt zu jedem Gegenstand
eine Geschichte
und, wie wir gehört haben,
auch ganz viele mit einem Happy End.
Und auch den Hörer:innen
merci vielmals fürs Zuhören.
Weitere Informationen
rund um das Thema Fundbüro
findet ihr in unseren Show Notes.
Wenn euch die Folge gefallen hat,
dann teilt sie gern und lasst uns
eine Bewertung oder einen Kommentar da.
Wir freuen uns über Feedback
per Mail an podcast@sbb.ch.
Merci vielmals fürs Zuhören,
bis zum nächsten Mal.
Gute Reise und nicht vergessen:
Handy und Jacke mitnehmen.
Dieser Podcast endet hier.
Wir bitten Sie, auszusteigen,
und verabschieden uns von Ihnen.