Güterverkehr – wenn die Post den Zug nimmt

15.04.2026 28 min

Zusammenfassung & Show Notes

Wer an die SBB denkt, hat meistens Personenzüge vor Augen. An die tausenden von Güterwagen, die ebenfalls täglich auf den Schienen unterwegs sind, denkt kaum jemand. Zum Beispiel legt jede zweite Paket- oder Briefsendung einen Teil der Reise mit dem Zug zurück. Warum auf die Eisenbahn Verlass ist, was der SBB Güterverkehr ausser Post sonst noch auf den Schienen transportiert und ob du deine Möbel bei einem Umzug auch im Güterwagen verladen könntest, das verraten Firat Günes von SBB Cargo Schweiz und Titus Bütler von der Schweizerischen Post in dieser Podcastfolge. 

Transkript

Was mich am Schienengüterverkehr gepackt hat – das nimmt man ja gar nicht so wahr – ist, dass im Hintergrund über Nacht so viele Waren transportiert werden und dass man das gar nicht mitbekommt, das fasziniert mich heute noch, wie gut das in der Schweiz funktioniert. <i>Die SBB begrüsst Sie in ihrem Podcast</i> <i>und wünscht Ihnen eine angenehme Reise.</i> Zwei Klicks: Batterien, Windeln oder das Katzenfutter in den Warenkorb. Lieferadresse eingeben, zahlen. Zack: Zwei bis drei Tage später ist das Päckchen bei dir im Briefkasten. Hast du dich dabei schon einmal gefragt, wie deine Bestellung aus dem Onlineshop zu dir kommt und dass das Päckchen mit grosser Wahrscheinlichkeit einen Teil seiner Reise im Zug zurückgelegt hat? Dem gehen wir in der heutigen Folge des SBB Podcasts nach. Wir schauen dabei hinter die Kulissen des Güterverkehrs. Übrigens starten wir heute schon in die zweite Staffel des SBB Podcasts. Falls ihr bilingue oder sogar trilingue seid oder eure Kenntnisse in den anderen Landessprachen verbessern möchtet: Wir sind im Podcast dreisprachig unterwegs. Wir produzieren pro Staffel jeweils drei Folgen auf Schweizerdeutsch, zwei auf Französisch und eine auf Italienisch. Heute mit mir als Host. Mein Name ist Lisa Forster. Jetzt freue ich mich auf die heutigen beiden Gäste. Ich möchte sie euch gerne vorstellen. Es sind zwei Fachmänner, wenn man über Güterverkehr redet. Und zwar haben wir heute Besuch von der Post. Das ist Titus Bütler. <i>Er arbeitet bei der Post als Leiter Transport.</i> <i>-Hoi, Titus.</i> -Hoi, Lisa. <i>Und neben Titus sitzt Firat Günes.</i> <i>Er ist Leiter Vertrieb bei SBB Cargo Schweiz.</i> <i>-Hoi, Firat.</i> -Hoi, Lisa. Herzlich willkommen ihr zwei! Schön, seid ihr heute bei uns im Podcast. Ihr habt euch heute nicht zum ersten Mal getroffen. Ihr kennt euch schon relativ gut. Ihr sitzt hier auch so ein bisschen wie zwei alte Bekannte. Warum kennt ihr euch? Die Post transportiert seit 175 Jahren Güter mit der Bahn und Firat ist mein Ansprechpartner seitens SBB Cargo. Gemeinsam verbessern, planen, optimieren wir den Verkehr. Darauf, wie das funktioniert, kommen wir gleich zu sprechen, aber damit wir noch ein bisschen besser verstehen, wer ihr seid und wie eure Rollen aussehen: Was macht ein Leiter Transport bei der Post? Oder nicht ein Leiter, es gibt nur einen. Was machst du? Was sind deine Aufgaben? Ich verantworte alle Transporte auf Schienen und Strasse der Post. Also wenn wir die Kunden abholen: Geschäftskunden 8000 Mal am Tag, in einem ganz kurzen Zeitfenster, alle Standorte miteinander verbinden. Pro Tag fahren wir 31 000 Punkte in einem ganz engen Zeitfenster an, auf Schiene und Strasse. Das organisiere ich zusammen mit einem Team und schaue, dass das für unsere Kunden funktioniert. Dass das läuft und dafür braucht es eben auch die Schiene, du hast es gesagt. Firat, da kommst du ins Spiel: Was sind deine Aufgaben als Leiter Vertrieb? Meine Aufgaben sind vielfältig. Bei uns ist der Vertrieb recht breit gefasst: von der Geschäftsentwicklung über den klassischen Verkauf, After Sales, Zolldienstleistungen, operatives Tagesgeschäft. Das ist wirklich eine Rundumbetreuung der Kunden, darum kenne ich auch Titus sehr gut, sei es, wenn es um Verhandlungen geht, sei es, um neuen Verkehr aufzunehmen, oder wenn es einmal nicht läuft, ruft Titus mich an und sagt: «Eure Züge sind zu spät.» Titus nickt. Für jemanden, die sich in ihrem bisherigen Leben noch nie eingehend mit dem Güterverkehr auseinandergesetzt hat, wie ich zum Beispiel: Firat, kannst du in einfachen Worten erklären, wie der Güterverkehr in der Schweiz funktioniert? Das ist sehr vielfältig und im privaten Umfeld werde ich das auch immer wieder gefragt, denn man stellt sich ja eigentlich einen Bahnwagen vor, der von A nach B fährt, und Reise beendet. So trivial ist es leider nicht. Wir haben vier Produktionsarten, die wir unterscheiden. Wir haben einerseits den klassischen, bekannten, der auch oft in den Medien ist, den Einzelwagenladungsverkehr, bei dem wir bei den Kunden, die Anschlussgleise haben, einzelne Wagen abholen, befördern und dem Empfänger zustellen. Das sind Einzelladungen, die nicht die grosse Masse ausmachen, aber in Summe natürlich sehr viel sind. Das ist eigentlich mit Abstand das grösste Produkt, das wir haben. Das sind dann kleine Kunden, die eben nur ein, zwei Wagen … Beides. Wir haben sowohl kleine Kunden, wir haben etwa 400 bis 500 Kunden europaweit, und da gibt es sehr viele kleine, die einen Wagen pro Tag schicken. Es gibt aber auch sehr viele grosse, die mehrmals am Tag Wagen abschicken, je nachdem, wie sie produziert haben. Das heisst, das wird eigentlich von allen genutzt. Das zweite grössere Thema, bei dem man eher an Bahn denkt, ist der so genannte Ganzzug. Das ist, wenn ein langer Zug von Punkt zu Punkt fährt. Die Post fährt beispielsweise so, dass man einen Päckchenzug von Härkingen beispielsweise nach Cadenazzo fährt. Das ist so ein klassischer Ganzzug. Das Dritte ist der kombinierte Verkehr für alle Kunden, die keine Gleisinfrastruktur haben, die zum Beispiel zuerst auf der Strasse mit einem LKW an ein Terminal fahren, dort auf die Schiene wechseln, dann idealerweise einen Grossteil der Strecke auf der Schiene bewältigen und dann wieder auf die Strasse wechseln müssen, weil der Empfänger kein Anschlussgleis hat, und so trotzdem einen Grossteil auf der Schiene bewältigen können. Das Vierte, das wir haben, ist unser Transitverkehr, den wir durch die Schweiz fahren mit unserer Schwestergesellschaft SBB Cargo International. Dort verbinden wir vor allem Nordhäfen in Deutschland mit Südhäfen in Italien, fahren durch die Schweiz, um den alpenquerenden Verkehr möglichst auf die Schiene zu bringen. Schauen wir einmal den ganzen Zugverkehr genauer an, Titus. Die Post hat eigene Wagen, oder? Das sind die gelben, die man durch die Landschaft fahren sieht, man kann sie nicht übersehen. Wie funktioniert das konkret? Ja, wir haben etwa 300 «eigene» Wagen, die sind gemietet, das sind verschiedene Typen, die wir einsetzen. Diese Wagen fahren primär zwischen den Sortierstandorten, das heisst zwischen den grossen Poststandorten hin und her. Wie viele gibt es davon? Grosse Standorte mit Gleisanschluss sind es 18, die wir verbinden. Die ganz grossen sind natürlich die grossen Paket- und Briefzentren, von West nach Ost: Daillens-Eclépens, Päckchen und Briefe; dann Härkingen, Briefe und Pakete, beides zusammen; Zürich Mülligen, primär Briefe; und Frauenfeld für Päckchen. Wenn die Post ihre Züge fahren lässt, wie funktioniert das? Gibt es da einen fixen Fahrplan? Du rufst ja nicht jede Woche Firat an und sagst: «Wir hätten nächste Woche x Züge, die wir vorwärtsbringen möchten.» Das ist wirklich ein Fahrplanverkehr, bei dem die Züge minutengenau fahren, von unseren Standorten her. Für die Pakete haben wir eigene Terminals für den kombinierten Verkehr, wo wir die Container auf die Wagen laden. Wir machen den Zug bereit. Wir haben sogar einen eigenen Rangierdienst, der den Zug fertig macht. Dann kommt die Lok der SBB mit dem Lokpersonal, kuppelt an, die Bremsprobe machen wir zusammen, und dann geht er minutengenau auf die Reise. Also ihr habt die Züge und SBB Cargo die Loks und entsprechend auch die Lokführer:innen. Genau, wie Titus es gesagt hat. Man kann sich das schon so vorstellen, dass generell der Bahnverkehr nach Fahrplan funktioniert, man nennt das «Trassen» und kann sich das so vorstellen wie am Flughafen mit den Slots, in denen man landet oder startet. Die bestellt man und sagt, wann man welche Züge durchs Netz fahren will, weil wir in der Schweiz mit der integrierten Bahn ein gemischtes Netzwerk haben. «Integrierte Bahn» heisst? Güterverkehr, Regionalverkehr, Fernverkehr, alle fahren auf dem gleichen Netzwerk. Es gibt Länder, wo zum Beispiel der Güterverkehr ein eigenes Netz hat. Das ist natürlich anders zu planen als bei uns, wo es gemischt ist. Das macht es für die SBB oder generell für die Bahn sehr herausfordernd. Der Fernverkehr, der natürlich nicht zu spät sein darf, dazwischen die Postzüge, die auch nicht zu spät sein dürfen, und dann der Regionalverkehr, der auch nach Fahrplan fährt. Von daher, wie Titus gesagt hat, wird das für die Folgejahre geplant und minutengenau gefahren, im Fall der Post mit Zügen, die nach Fahrplan fahren. Es gibt aber auch Züge, die nicht nach Fahrplan fahren, wo wirklich Kunden anrufen und sagen: «Nächste Woche hätten wir einen Zug.» Das fahren wir auch. Und wie ist das – ich denke an Weihnachten explizit, wenn die Päckchenflut explodiert – das wisst ihr wahrscheinlich schon im Vorhinein? Bestellt ihr da mehr Züge oder wurdet ihr auch schon überrumpelt? Weihnachten ist jedes Jahr ein bisschen anders. Es ist sicher immer viel mehr, man hat viel mehr Leute im Einsatz und das Zusammenspiel zwischen Transport und Sortierung ist sehr eng. Wir wissen, wann ein Zug kommt, dementsprechend sind Kranführer:innen und Spezialfahrzeugfahrer:innen da sowie die Leute, die ausladen. Das ist alles sehr eng aufeinander abgestimmt. Darum sind wir darauf angewiesen, dass man wirklich minutengenau fährt. Vor Weihnachten sind einfach die Züge viel länger und es gibt zusätzliche Züge, die primär am Wochenende gefahren werden, da fahren wir sonst weniger. Jetzt würde ich gerne noch auf die Päckchenthematik zu sprechen kommen, die ich eingangs erwähnt habe. Ich nehme ein konkretes Beispiel von mir. Ich habe kürzlich für meinen Sohn ein Playmobil-Piratenschiff online bestellt. Kurz darauf hat die Pöstlerin es mir übergeben und jetzt habe ich gesehen – also ich habe natürlich eine Meldung bekommen, das Paket sei versandbereit, dann hat mir die Post ein E-Mail geschickt und dort konnte ich sehen, dass das Päckchen im Paketzentrum in Härkingen eingetroffen ist. Dann ging es weiter nach Frauenfeld, habe ich gesehen, und dann nach Oerlikon. Ich wohne in der Stadt Zürich, muss ich dazu sagen. Ich sehe aber nicht, welchen Weg das Päckchen auf der Schiene und auf der Strasse zurückgelegt hat. Titus, aber du weisst es wahrscheinlich? Ja, bei den meisten Versandhändlern holen wir die Pakete mit Lastwagen direkt bei ihnen. In deinem Beispiel wird das auch mit dem Lastwagen vom Versandzentrum nach Härkingen transportiert. Dort wird erst einmal sortiert, also die Adresse gelesen, und dann sieht man, dass du im Einzugsgebiet des Zentrums Frauenfeld wohnst. Dann wird es in einen gelben Container verladen. Der gelbe Container wird auf einen Wagen der Bahn verladen. Ist der Zug zusammengestellt respektive die Zeit gekommen, kommt die Lok der SBB, Bremsprobe, er fährt nach Frauenfeld. Dort wird wieder abgeladen, ausgeladen, es geht wieder auf die Sortiermaschine und dann wird es direkt auf die Paketbot:innen sortiert. Zusammen mit vielen anderen Päckchen geht es mit dem Lastwagen nach Oerlikon und dort nehmen die Paketbot:innen ihre Päckchen, beladen ihre Fahrzeuge und stellen es dir zu. Der Weg auf der Schiene, den es macht, ist von Härkingen nach Frauenfeld. Jetzt habe ich mich natürlich gefragt: Das Päckchen fährt an Zürich vorbei nach Frauenfeld und dann wieder zurück. Ist das sinnvoll oder warum ist das so? Ja, das ist sinnvoll. Wenn man jedes Päckchen einzeln verteilen würde von A nach B, das macht überhaupt keinen Sinn, das erzeugt viel zu viel Verkehr. Da versucht man immer zu bündeln, also mehrere Päckchen zusammensetzen, damit es einen Verkehrsstrom gibt, damit sich dann eben auch der Zug lohnt. Und darum macht es Sinn, dass man das so macht. In diesem Transport von Frauenfeld nach Oerlikon sind natürlich auch Päckchen, die aus der Ostschweiz kommen oder aus dem Ausland und auch auf dem Transport sind. So hat man einen schönen Bündelungseffekt und kann Transportkilometer eliminieren. Du hast es schon angetönt, man kann auch Synergien nutzen. Was ist denn wirklich der Grund, warum die Post so stark auf die Schiene setzt? Ich glaube, der Entscheid, ob man auf die Schiene setzt, ist ein strategischer Entscheid. Will man mit der Bahn transportieren oder nicht? Wir haben ganz bewusst darauf gesetzt, bei den Paket- und den Briefzentren entsprechende Gleisanlagen gebaut, die Infrastrukturen gemacht, und bündeln diese Mengen zwischen den grossen Standorten auf dem Zug. Das ist eine Chance, die man mit dem Zug hat, die Verlässlichkeit, die der Zug bietet. Das ist ein Vorteil und den möchten wir nutzen, nebst den ökologischen Vorteilen, die wir auch haben. Was sind die Nachteile oder auch die Grenzen? Ist es wirklich so viel verlässlicher auf der Schiene? Es ist verlässlicher, es ist aber nicht unbedingt schneller. Das ist ein bisschen unsere Sorge, sage ich jetzt einmal, dass die vorhandenen Trassen eigentlich meistens zu langsam sind. Der Lastwagen ist vielfach schneller. Da sind wir auch in Diskussionen. Das ist nicht nur das Thema der SBB, das ist auch ein politisches Thema von den Priorisierungen her und so weiter. Da würden wir uns mehr Geschwindigkeit für die Güterzüge wünschen. -Das können wir heute nicht lösen. <i>-Ja, genau.</i> Das ist klar. Wollen wir auch nicht. Weiss man das: Wie viel Prozent des Postverkehrs wird über die Schiene abgewickelt? Man kann es so sagen: Jede zweite Sendung, Brief oder Päckchen, macht irgendeine Strecke auf der Schiene. Also ein Brief von Zürich nach Zürich macht nichts auf der Schiene, das macht auch keinen Sinn, aber zwischen den grossen Standorten setzen wir wirklich auf die Schiene. Weisst du das – vielleicht wurde dir diese Frage schon gestellt –, wie viele Lastwagenfahrten können vermieden werden durch den Einsatz von Schienenverkehr? Ein Beispiel: Wir haben vor vier Jahren das Projekt «Bahnoffensive» gestartet, mit dem wir wieder mehr auf die Schiene bringen wollen. Das war ein grösseres Thema. Also, wie kommen wir zu besseren Trassen? Was müssen wir bei uns anpassen, damit wir schneller werden? Für die ganzen Umkranungen und so weiter. Mit dieser Bahnoffensive konnten wir die transportierte Wagenanzahl in den letzten vier Jahren um 23 Prozent steigern. Also konnten wir wirklich etwas bewegen. Das kann man umrechnen in Anzahl Lastwagenkilometer. Das sind etwa 2,3 Millionen eliminierte Lastwagenkilometer. -Pro Jahr? -Pro Jahr. Okay, das ist eine Wahnsinnszahl. Das ist schwierig sich vorzustellen. Pro Tag gerechnet ... Nein, da stellt es bei mir schon ab mit der Mathe, aber das ist wahnsinnig viel. -Das ist viel. -Extrem viel. Ich habe es vorhin angesprochen: Die gelben Züge, auf denen draufsteht: – ich habe es mir extra notiert – «Alles schnell nach überall» steht auf den Wagen. Die sind klar, da weiss ich, was in diesen Wagen drin ist. Firat, SBB Cargo transportiert ja aber noch ganz viele andere Sachen. Das sind meistens so Container, die durchfahren und ich denke dann: «Was ist da wohl drin?» Was transportiert ihr sonst noch? Weisst du jeweils, was in den Wagen geladen ist? Teils, teils. Wenn man die Verbindungen kennt und ich am Bahnhof stehe, kann es schon sein, dass ich weiss: Das ist der Zug von XY, da ist sicher das drin, aber sonst sieht man von aussen ja nicht, wenn es ein Bahnwagen oder Container ist, was geladen worden ist, ausser wenn die Brand drauf ist, wie bei der Post. Was wir am meisten transportieren, ist Stück- und Sammelgut, das heisst Palettenware, sei es bei der Post mit Päckchen und Briefen, sei es von Detailhändlern oder Nahrungsmittelherstellern, die Paletten hin- und herschicken. Das ist mit Abstand der grösste Anteil. Das nimmt auch zu, weil in der Schweiz die Industrie leider immer kleiner wird und der Dienstleistungssektor zunimmt, dadurch gibt es mehr Päckchen, mehr Paletten. Das ist mit Abstand der grösste. Dann transportieren wir sehr viel Zement, Baustoffe, Stahl ist ein grosser Faktor oder Element, das wir transportieren, Nahrungsmittel generell: Getränke oder auch sonstige Food-Artikel und auch Getreide, die wir transportieren, Ölsaaten, Kaffee, Kakao, alles Mögliche. Also eigentlich so ziemlich alles, was ich mir so vorstellen könnte. Wenn ich jetzt privat einen Wagen buchen wollte, Einzelwagenladungsverkehr, wenn ich jetzt von, sagen wir, St. Gallen nach Genf ziehe, könnte ich mein Zügelgut auch über die Schiene nach Genf bringen? Direkt wird es schwierig. Wenn du einen Gleisanschluss hättest in der Wohnung, könnten wir darüber diskutieren. Den müsste man wohl noch bauen, aber das ist vielleicht etwas unverhältnismässig. Aber wir haben auch Umzugsfirmen, die bei uns ihre Transporte aufgeben, sodass du indirekt doch deine Möbel mit uns transportieren würdest, wenn du einen Spediteur oder so hast, der auf die Schiene setzt. Wir haben auch viele grosse Möbellieferanten, die ihre Möbel auf der Schiene transportieren, vor allem wenn sie aus dem Ausland kommen, das heisst, auf eine Art hast du immer Schienen daheim. Okay. Bekommt ihr sonst noch spezielle Anfragen von Privatpersonen? Das ist ja eigentlich nicht die Idee, ihr habt nur Firmenkunden. Ja, wir bekommen sehr viele Anfragen von Privatpersonen, die ihr Velo transportieren wollen oder eben Möbel. Es gibt immer wieder Leute, die fragen: «Könnt ihr das organisieren?» Dann verweisen wir sie an bekannte Firmen, wenn wir jemanden wissen, der ihnen weiterhelfen kann und versuchen so, das nett weiterzuleiten, wenn möglich. Nett vor allem: «Vielen Dank für die Anfrage, aber wir müssen euch weiterverweisen.» Ich würde gerne auf ein paar Community-Fragen eingehen. Wir haben im Vorfeld des Podcasts auf Instagram unsere Community gefragt: «Was interessiert euch zum Thema?» Es sind viele Fragen hereingekommen. Ich habe drei davon herausgepickt. Erste Frage: In welche Länder fährt die SBB aus der Schweiz mit dem Güterverkehr? Das sind europaweit alle Anrainerstaaten, das heisst, sicher mal Deutschland, Italien, Frankreich und neuerdings auch Österreich starten wir in den nächsten Monaten. Dann haben wir noch Belgien, Holland und Luxemburg. Von daher sind wir im nahen Europa in allen Ländern unterwegs. Wenn ich meiner Grosstante in Spanien ein Päckchen schicken möchte … Grosstante in Spanien, da sind wir wohl nicht der richtige Partner. Da verweist ihr mich nett. Spanien hat eine andere Spurweite, da könnten unsere Züge gar nicht fahren. Ich verstehe, tricky. Liefert die Post auch via Schiene ins Ausland? Wir liefern weltweit ins Ausland, aber nicht via Schiene, das geht mit dem Flugzeug oder Lastwagen. Nächste Frage: Was sind die meistfrequentierten Strecken im Güterverkehr, wenn man – das ist explizit so gefragt worden –, die NEAT-Tunnel, sprich Gotthard, Lötschberg, Ceneri, auslässt? Wo sind am meisten Züge unterwegs? Auf der Ost-West-Achse, denn wenn man die Schienen anschaut, machen Nord-Süd und Ost-West den Hauptteil der Verkehre aus. Ich würde sagen, die Strecke mit den meisten Gütern nach Nord-Süd ist sicher zwischen Zürich und Genf. Ist das analog zur Post? Post ist auch primär West-Ost, also die Zentren in der Westschweiz mit der Ostschweiz bis Frauenfeld, respektive die Verlängerung von Genf bis St. Gallen, wo wir auf der Schiene sind. Wir fahren auch ins Tessin, nach Basel und nach Brig mit dem Zug. Überall im Prinzip. Wir hatten es vorhin davon: am liebsten alle Züge pünktlich. Wir haben den integrierten Verkehr, Güter- <i>und</i> Personenverkehr. In diesem Kontext die Frage: Wie werden die Güterzüge im gesamten Schienenverkehr priorisiert oder eben nicht? Gerade im Vergleich zu Personenzügen. Wie läuft das? Wie ich schon gesagt habe, bestellt man jeweils im April die Trassen für das nächste Jahr, sprich die Slots, damit man durchfahren darf. Und wenn man die hat, hat man sie. Das ist vom Bundesrat und vom Parlament auch bestätigt, wie viele Güterverkehrstrassen man pro Stunde auf einer Strecke hat und wie viele für den Personenverkehr. Im Voraus ist eine gewisse Kapazität für den Güterverkehr reserviert, damit wir auch noch Platz haben. Und wenn man dort gebucht hat, hat man zumindest eine sichere Fahrlage, darf fahren, und es wird auch im Alltag vom Infrastrukturbetreiber eingefordert, dass man sich auch an die Zeiten hält. «Infrastrukturbetreiber», das heisst? In unserem Fall ist das SBB Infrastruktur, aber BLS hat ja auch eine eigene Infrastrukturabteilung. Das heisst, die schauen dann, dass alle, die das bestellt haben, auch pünktlich losfahren, damit sie die anderen nicht stören. Wenn man das vorher bestellt hat, hat man auch gute Verbindungen. Und was Titus erwähnt hat, ist das Thema, worüber auch politisch immer wieder diskutiert wird: Wie viel Platz gibt man dem Güterverkehr? Aber den Platz, den man dann hat, kann man gut nutzen. Im Normalfall, wenn eine Störung auftritt, muss man anfangen, Züge zu streichen. Wer muss da zuerst über die Klippe springen? Es kommt immer darauf an. Ich glaube, das kann man nicht per se sagen. Was sicher Priorität geniesst sind, sind die Fernverkehrszüge im Personenverkehr, aber auch bei uns zum Beispiel die Postzüge. Das weiss auch jede Leitzentrale: Immer, wenn ein Postzug steht, sind da Päckchen und Briefe dahinter, die dann nicht mehr ausgeliefert werden können. Das sagst du jetzt nicht nur, weil Titus da ist? Nein, das ist wirklich so. Das kennen auch alle, das hat auch eine politische Dimension, wenn so ein Zug zu spät kommt, werden die Briefe einen Tag später verteilt. Von daher gibt es auch im Güterverkehr gewisse Züge, die Priorität geniessen. Das ist, was das normale Tagesgeschäft betrifft. Bei wirklich ausserordentlichen Ereignissen haben wir auch eine Prioritätenliste, die wir mit dem Bund abgestimmt haben, sprich im Kriegsfall, Pandemie, zuletzt während der Corona-Pandemie, wo dann als Prio 1 die Landesversorgung gilt, und darunter fallen auch Armee und Post, in so einem Fall sogar vor dem Personenverkehr. Sogar! Gibt es auch A- und B-Postzüge? In den Zügen trennen wir das per se nicht so. In der Verarbeitung schon: Man hat separate Container, teilweise auch separat gelegen, aber zum Beispiel die Züge, die am Morgen fahren, am Vormittag, enthalten primär B-Post, am Abend primär A-Post. Vielleicht noch etwas zur Pünktlichkeit. Man darf es schon sagen: In der Schweiz haben wir eine äusserst hohe Pünktlichkeit im Güterverkehr. Ich hatte die Chance, mit jemandem von einer anderen Postgesellschaft zu diskutieren. Also eine ausländische? Eine ausländische Postgesellschaft und wir haben ihm ein Qualitätscockpit, das wir zusammen betreiben, vorgestellt. Da ist er ruhig geworden und hat gesagt, er diskutiere nicht um Minuten, er diskutiere um Stunden oder Tage der Verspätung mit seinen Bahnen. Und das ist einfach ein totaler Unterschied. Also das ist ein Kompliment: Es funktioniert wirklich sehr gut. Was man noch nicht erreicht hat, ist die gleiche Pünktlichkeit wie beim Fernverkehr, das wäre eigentlich das Ziel, denn ein Päckchen kann im Störungsfall nicht umsteigen. Eine Person kann ja noch umsteigen. Ja, das stimmt und wir sind uns einfach ein Level gewohnt in der Schweiz, wenn die Post nicht zwei Tage später da ist, werden wir schon etwas nervös. Das ist wie, wenn der Zug am Perron drei Minuten Verspätung hat. [unverständlich] -Pardon? -Fahr nur fort. Da darf man sich fast nicht vergleichen mit dem Ausland, sonst können wir uns am Ende auch nicht verbessern. Ja, genau. Da muss man immer dranbleiben. Ergänzend dazu, was Titus sagt, damit man die Grössenordnung kennt, über die wir diskutieren: Wir haben eine aktuelle Pünktlichkeit beim Postverkehr von 98 Prozent, aber die zwei Prozent tun natürlich weh. Das sind genau die, über die wir diskutieren, aber das Niveau, das wir in der Schweiz im Vergleich zum Ausland haben, da kann man schon stolz auf uns sein. Das funktioniert doch sehr gut mit den Kunden zusammen, auch im Personenverkehr, das sind ja Werte, davon träumen sie in Deutschland, wo sie im Moment bei 50 Prozent liegt, einfach als Vergleich. Ja. Du hast von Stolz geredet, Firat, und ich sehe so ein kleines Leuchten in euren Augen. Was fasziniert euch an dieser Branche, am Güterverkehr? Das ist schwierig zu sagen. Mich fasziniert alles, was eine Maschine ist und sich bewegt und je grösser, desto besser. Da ist ein Lastwagen spannend, ist ein Zug spannend. Es ist für mich nicht speziell nur der Schienengüterverkehr, sondern generell der Transport, der mir Freude macht. Und die Logistik dahinter wahrscheinlich auch. <i>Genau, ja.</i> Bei dir, Firat, du bist, glaube ich, neben den Gleisen aufgewachsen? Hat dich damals das Fieber infiziert? Nein, als ich aufgewachsen bin, hat es mich eher genervt, denn da war ich wirklich neben den Gleisen und damals waren die Güterwagen noch nicht umgebaut. Sie hatten keine leisen Bremsen und quietschten die ganze Nacht. Ich habe mich daran gewöhnt, irgendwann hört man das nicht mehr. Meine Kollegen konnten nicht bei mir übernachten. Für sie war es zu laut. Wirklich? Bis die Fenster gegen isolierte ausgetauscht wurden, dann war es besser, aber ich bin wirklich neben den Bahngleisen aufgewachsen. Was mich fasziniert an der Bahn, ist das Verzahnte, wie das funktioniert, wenn man das einmal live erlebt, ist das faszinierend, wie das ineinandergreift. Was mich am Schienengüterverkehr gepackt hat – das nimmt man ja gar nicht so wahr und auch meine Kollegen sagen das. Wenn man über die SBB redet, denkt man ja erst an den Personenverkehr und die erste Frage ist immer: «Wieso ist das GA so teuer?» -Ja. -Das kennt man ja als SBB Mitarbeiter:in. Aber dass im Hintergrund über Nacht so viele Waren transportiert werden, damit wir am Morgen unsere Päckchen haben, volle Filialen mit Getränken und Nahrungsmitteln, und dass man das eigentlich gar nicht so mitbekommt, das fasziniert mich heute immer noch, wie gut das in der Schweiz funktioniert. Das ist extrem faszinierend. Ich möchte mich an der Stelle vielmals bei euch beiden bedanken, dass ihr euch die Zeit genommen habt, um uns heute hinter die Kulissen, vielleicht auch hinter die Container oder in die Container blicken zu lassen. Spannende Zahlen. Wir denken sicher daran, wie du es gerade gesagt hast, Firat, wenn die Gestelle am nächsten Tag gefüllt sind oder eben die Post pünktlich bei uns im Briefkasten ankommt. Danke vielmals, Titus und Firat, merci. <i>-Schön, dass ihr da wart.</i> -Gern geschehen. -Danke. -Merci. Natürlich auch euch, liebe Hörer:innen, danke vielmals für das Interesse. Wenn euch die Folge gefallen hat, abonniert doch den Podcast oder empfehlt ihn euren Freund:innen und Familien gern weiter. Über Feedback freuen wir uns selbstverständlich jederzeit. In der nächsten Folge übernimmt mein Tessiner Kollege Patrick Walser. Er spricht mit seinem Gast über die Intervention. Das ist quasi die hauseigene Feuerwehr der SBB und die kommt dann zum Einsatz, wenn zum Beispiel dein Zug irgendwo abgeschleppt werden muss. Machts gut und bis bald! <i>Dieser Podcast endet hier.</i> <i>Wir bitten Sie auszusteigen</i> <i>und verabschieden uns von Ihnen.</i>