«Wann sind wir endlich da?» Unterwegs mit Kids: Lust statt Frust

14.10.2026 30 min

Zusammenfassung & Show Notes

Mit Baby, Babybadewanne und dem halben Haushalt Zug fahren? Die Wanne hat Markus Tschannen genau einmal mitgenommen. Seither ist er um viele Reiseerfahrungen und zwei weitere Kinder reicher. So sind Zugreisen mit Kindern für den freien Autor und Mediensprecher von Schweiz Tourismus heute viel entspannter. Was Kinder selbst über das Zugfahren sagen, und welche selbsterprobten Tipps Markus auf Lager hat, damit Zugfahren für alle zum Vergnügen wird, gibt's in dieser Folge zu hören.

Transkript

Es gibt für mich nichts Schöneres als andere Kinder, die sich nicht benehmen und laut sind und schreien. Das finde ich das entspannteste Geräusch, seit ich selber Kinder habe, weil da denke ich: Jetzt ist es mal nicht mein Problem. Die SBB begrüsst Sie in ihrem Podcast und wünscht Ihnen eine angenehme Reise. Das eine hat Hunger, das andere muss genau noch vor dem Aussteigen aufs WC und das Dritte will endlich wissen: Wie lange geht es noch? Ihr kennt es. Entweder aus eigener Erfahrung oder vom Beobachten aus dem Nachbarsabteil. Reisen mit Kindern ist in der Realität nicht immer so idyllisch, wie es im Prospekt aussieht. Wer davon ein Lied singen kann, aber auch einige Tipps und Tricks kennt, damit das Zugfahren, notabene für alle Beteiligten, Lust und nicht Frust ist, das ist mein heutiger Gast, Markus Tschannen. Mein Name ist Lisa Forster und ich habe nur ein Kind. Markus ist Vater von dreien, schreibt Kolumnen, unter anderem für das Online-Elternmagazin «mal ehrlich». Und das Reisen beschäftigt ihn nicht nur privat, sondern auch beruflich: Er ist Mediensprecher bei Schweiz Tourismus. Hoi Markus, willkommen im SBB Podcast. Hallo, merci vielmals für die Einladung. Sehr gern. Markus, du bist ein Fachmann, in der Disziplin «Reisen mit Kindern», namentlich im Zug, im ÖV. Du hast dir die Skills hart erarbeitet in den letzten Jahren. Magst du dich noch erinnern an deine allererste Fahrt als frischgebackener Papi mit deinem ersten Baby damals? Ja, allerdings. Das war vielleicht ein Monat nach der Geburt. Meine Frau und ich wohnten damals teilweise in Deutschland, teilweise in der Schweiz. Wir hatten zwei Wohnsitze mit sieben Stunden Zugstrecke dazwischen. Wir fuhren dann jeden Monat hin und her und hatten nicht alles doppelt. Wir kamen auf die wunderbare Idee, dass wir einfach die Hälfte unseres Haushalts mitzügeln und kurz vor der Abreise kam uns in den Sinn, dass wir keine Babybadewanne in der anderen Wohnung hatten und fuhren tatsächlich nicht nur mit einem Baby, sondern mit einer Babybadewanne sieben Stunden Zug. Und wie war das? So, dass du gesagt hast: «Hey, yes, super. Das machen wir jetzt jede Woche?» So, dass ich relativ schnell herausfand, dass wir mehr improvisieren und pragmatischer denken müssen. Also die Babybadewanne fuhr genau einmal mit. Okay, das ist rund zwölf Jahre her. Was hat sich seither verändert? Wie seid ihr heute unterwegs, abgesehen davon, dass ihr die Babybadewanne zuhause lässt? Ja, generell natürlich entspannter und pragmatischer, vor allem, wenn wir mit einem Kind unterwegs sind. Wir hatten inzwischen die grandiose Idee, noch zwei weitere Kinder zu machen und wer zwei oder drei Kinder hat, weiss es relativ schnell: Das trägt nicht zwingend zum entspannten Reisen bei. Wir sind häufig beim Reisen immer noch ein wenig gestresst, aber aus anderen Gründen, nicht mehr wegen der Babybadewanne. Wir kommen später auf jeden Fall noch darauf zurück. Bevor wir aber weiter über Kinder und das Unterwegssein mit den Kindern reden, finde ich es wichtig zu erfahren, was Kinder selber dazu meinen. Wir haben sie gefragt, was ihnen am Zugfahren gefällt. Hören wir rein. <i>Ich finde beim Zugfahren das Malen am coolsten.</i> <i>Dass ich einen Spielwagen zum Spielen habe.</i> <i>Ich finde es jeweils mega cool,</i> <i>die Aussicht zu geniessen und Spiele zu spielen.</i> <i>Dass man rausschauen kann</i> <i>und damit es nicht langweilig wird, kann man etwas spielen.</i> <i>Dass man herausschauen und mega viele Tiere sehen kann.</i> <i>Dass wir schneller dort sind.</i> <i>Den Schnellzug, weil er einen Spielwagen hat.</i> <i>Mit einem Spielwagen.</i> <i>Wenn man herumrennen kann.</i> Was würden deine Kinder sagen? Also meine Kinder würden auf jeden Fall fragen, wo diese Zugstrecke ist, auf der man die vielen Tieren sieht. Das Erste, was sie immer fragen, ist: Hat es einen Spielwagen im Zug, den wir nehmen? Also für sie ist definitiv auch das Spielen, im Zug irgendwas machen können, ein grosses Plus. Du bringst uns zu meinem nächsten Thema, das ich ansprechen möchte: Die Beschäftigung der Kinder. Eben: Malen, hat das eine Mädchen gesagt, spielen, spielen, spielen. Der Spielwagen, den es aber leider nicht in jedem Zug hat. Welche Tipps hast du? Damit man auch eine längere Zugfahrt, die vielleicht eine, zwei Stunde dauert, irgendwie hinter sich bringt. Stichwort Langeweile. Was macht ihr? Ich habe das Glück und ich weiss, es geht nicht allen Eltern gleich, dass meine grösseren Kinder sehr gerne lesen. Also die haben zwei Hobbies: Lesen und Streiten. Und je nachdem in welcher Laune sie sich gerade befinden, habe ich eine entspannte Zugfahrt, da sie einfach lesen. Das andere passiert auch ab und zu, das ist dann nicht so schön. Grundsätzlich gibt es natürlich viel, was man machen kann. Ich habe einen Tipp vor allem für Babies. Wir haben jetzt auch gerade eins, das ist noch ziemlich jung, ein 11-monatiges, mit dem wir unterwegs sind. Der Fehler, den man gerne mal macht, ist, dass man vielleicht ein Spielzeug mitnimmt, mit dem das Baby die letzten Monate wahnsinnig gerne gespielt hat, und dann wird es im Zug plötzlich nicht mehr interessant. Darum packe ich immer ein paar Haushaltsgegenstände ein, mit denen es noch nie gespielt hat, zum Beispiel eine alte Sonnenbrille, und damit beschäftigt es sich dann relativ schnell eine Stunde lang, weil es das noch nicht kennt. Und mit den Grösseren, ja, gibt es natürlich … Ein Grossteil unserer Beschäftigung besteht darin, dass wir ihnen sagen: Bitte hört auf zu streiten. Und in einem guten Moment spielen wir gerne zusammen ein Spiel. Wir spielen sehr gerne das «gelbe Auto»-Spiel. Ich weiss nicht, ob … Für die, die es nicht kennen: Ich kenne es nicht. Wie geht das? Man schaut zum Fenster raus und wer ein gelbes Auto sieht, sagt: «Gelbes Auto». Das gibt einen Punkt. Man kann das auch mit Schlagen machen, dass man sich gegenseitig auf den Arm schlägt, anstelle eines Punktes. Wir machen es ohne Schlagen, weil wir unterschiedlich stark sind. Das wäre gemein. Dieses Spiel können wir stundenlang spielen, auch so nebenher. Während wir eine Diskussion haben. Wir haben dazu ein intensives Regelwerk ausgearbeitet, und uns schon überlegt, darüber ein Buch zu schreiben. Sogar? Es ist ein lustiges Spiel. Ein simples, aber sehr lustiges Spiel, weil alle sehr fanatisch dabeisind. Cool. Und du brauchst kein Equipment dafür, oder? Genau. <i>Das hat man im Kopf und man kann es überall machen.</i> Auf der Autobahn hat man das Nummernschildspiel gespielt oder so. Das kann man zum Glück im Zug auch sehr gut spielen. Ein gelbes Auto sieht man schnell mal noch irgendwo in der Ferne. Postautos zählen auch? Postautos zählen nicht, aber die kleinen Autos von der Post zählen. -Ah, okay. <i>-Genau.</i> Wie habt ihr es mit Screens? Ist das gar nicht nötig? Kein Thema, Handy, Tablet? Wenn zwei von deinen Kindern, die, die können, eben so intensiv lesen? Ja, wir haben die Regel, dass wir das Tablet nicht mitnehmen, dass, wenn wir unterwegs sind, wir nicht auf den Bildschirm schauen. Das grössere Kind hat jetzt neu ein Handy. Das darf ab und zu mal etwas am Handy machen, aber die Idee ist schon, wenn wir als Familie unterwegs sind, dass nicht alle an ihren individuellen Bildschirmen hängen, wobei, ich sagen muss, der Schlimmste bin wahrscheinlich ich. Ich denke jeweils, wenn man im Zug rumschaut sind irgendwie 80 Prozent der Leute, der Erwachsenen, auch am Handy. Das ist so. Gar nicht so einfach, den Kindern zu sagen: «Nein, aber ihr nicht.» Genau, das ist richtig. Thema Essen ... Wichtig? Ja, ich bin immer ein bisschen hin- und hergerissen. Der Zug ist eigentlich ein guter Moment zum Essen. Man sitzt da sowieso, man hat ein Tischchen, alles wunderbar. Es ist relativ einfach, sich Essen zu beschaffen. Meine Kinder sind einfach Krümler vor dem Herrn. Die können einen Essplatz nicht so zurücklassen, ohne dass man ihn danach sanieren müsste. Darum bin ich sehr zurückhaltend und sage, wir essen lieber in der Natur, wo nachher auch noch die Entlein etwas davon haben. Oder ich achte darauf, dass wir irgendwas essen, das nicht den ganzen Zug versaut. Wahrscheinlich auch im Sinne der SBB. Ja, definitiv. Ich glaube, wir kennen es alle, die mit Kindern unterwegs sind, wenn es ein, zwei Brosamen gibt, sollten wir sie gleich zusammennehmen, oder, wie du sagst, in der Natur essen. <i>Das ist schön,</i> wenn es nur eine Brosame ist. Bei uns ist es meistens dann das Brot, das einfach zerfallen am Boden liegt. Stichwort Planung, Vorbereitung. Du hast gesagt, damals habt ihr viel zu viel Zeugs mitgenommen. Gibt es sonst so Sachen, auf die du inzwischen beharrst, und sagst: «Hey, schaut, wir nehmen einen Rucksack mit.» Was sind so A- und O-Sachen, bei denen du sagst, so machen wir es, so händeln wir es, bevor wir aus dem Haus gehen? Vielleicht auch Faktor Zeit. Wie seid ihr unterwegs? Ich selber bin, wenn ich mit dem Zug unterwegs bin, sehr gerne mit möglichst wenig Gepäck unterwegs. Was nicht heisst, dass meine Kinder nicht schwer schleppen könnten. Wir haben die Regel, dass jede:r sein Rucksäcklein hat. Das hat eine gewisse Grösse, die sind nicht sehr gross, und sie können sich selber einpacken, was sie mitnehmen wollen. Ich versuche, ihnen das rechtzeitig sagen: «Hey, morgen sind wir dann vielleicht unterwegs. Packt schon mal euer Rucksäcklein, damit wir das nicht kurz vorher müssen». Erinnere sie daran: «Vielleicht wollt ihr auch irgendwas zum Spiel mitnehmen, etwas zum Malen, denkt an ein Buch.», damit sie nicht die ganze Denkleistung selber machen müssen, sondern ein bisschen Hilfestellung bekommen und nicht plötzlich im Zug merken, «Ich habe etwas Wichtiges vergessen.» Aber grundsätzlich können sie so viel packen, wie sie wollen. Das überlasse ich ihnen. Der Faktor Zeit ist, dass wir alles, was man rechtzeitig machen kann, rechtzeitig machen. Also wenn wir wissen, wir müssen in zwei Stunden auf den Zug, kann man sich schon jetzt anziehen, die Zähne putzen, alles bereit machen. Einfach aufs WC gehen erst so kurz vorher wie möglich, wegen der Blasenkapazität, natürlich. So ungefähr bereiten wir uns auf eine Zugfahrt vor. Aber wenn jetzt Leute, die wenig oder gar nie mit den Kindern im ÖV fahren, denken, es sei ein Ultrastress, wenn du weisst, der Zug fährt um 9.15 Uhr. Wir müssen dann dort stehen, weil der wartet nicht. Mit dem Auto hat man ein wenig spazig. Was sagst du denen? Ja, was sage ich denen? Gute Frage. Also das ist natürlich schon ... Ja, den Puffer einbauen. Also wenn man mit angezogenen Schuhen fünf Minuten, bevor der Bus oder der Zug fährt, schon bereit ist: Luxusproblem. Da kann man vielleicht noch einmal eine Runde «Gelbes Autos»-Spiel machen. Aber grundsätzlich kennt man seine Kinder irgendwann und weiss auch, welches wie lange braucht und die Kinder, die unterschiedlich lang brauchen ... Ich habe eins, bei dem muss man halt den Worst Case einberechnen. Der Trick ist, glaube ich, einfach so viel wie möglich zu erledigen, was man nicht am Schluss machen muss. Die Schuhe zieht man am Schluss an, das ist klar. Aufs WC geht man auch noch einmal schnell. Alles andere kann man lange im Voraus machen. Das ist so ein bisschen unser Trick. Habt ihr schon einmal den Zug verpasst? Oder einen Bus? -Nein, ich glaube wirklich nicht. -Oh, wow. Also ich glaube, wirklich nicht. Nein. Oder wenn wir auf jemand anderes hatten warten müssen, wenn wir abgemacht hatten und die haben es nicht geschafft. Okay, das zählt nicht. Genau, aber ich muss sagen: Wir haben vieles auch nicht im Griff, aber pünktlich auf den Zug, das können wir. Weil, wenn die SBB schon pünktlich ist, darf sie das auch von uns erwarten. Sehr schön. Hey, Hand aufs Herz. Gibt es so einen Moment, so schön jetzt alles ist, man ist gut vorbereitet usw. Gab es einen Moment, wo du gedacht hast: «Um Himmels Willen, ich steige nie mehr in einen Zug ein. Ich lasse das sein, ÖV mit Kindern, das ist nichts». Hast du so ein Erlebnis, das einfach grausam war? Es gibt es schon mal, dass meine Kinder irgendwie so in einer Laune sind. Die beiden älteren streiten gerne. Da gibt es Momente, wo ich denke: «Das brauche ich nicht mehr». Aber das ist nicht zugspezifisch. Das haben wir auch im Restaurant oder zuhause. Also können wir auch daheim bleiben. Das ist dann auch nicht besser. Es ist manchmal unterwegs schwieriger mit Leuten, die zuhören. Aber was ich noch eine Herausforderung finde, ist die WC-Situation. Im Zug will man eher ein kleines, knappes WC … Mit Kindern ist es immer ein wenig schwierig. Die haben ihre Kleider irgendwo und ich bin dann so auf Nadeln und denke: «Streif bitte nicht die Hose unter der WC-Schüssel ab oder so». <i>Das kenne ich.</i> Ich hoffen einfach immer, dass meine Kinder nicht im Zug aufs WC müssen. Was hingegen sehr schön ist, sind die WCs in den Bahnhöfen, wo man halt etwas zahlt, dafür hat man ein picobello WC. Da bin ich sehr froh, gibt es die. Und das andere ist das Wickeln: Der gut ausgestattete Wickeltisch, der nicht bei jeder Weiche wackelt, findet sich schwierig im Zug. Darum ist, wenn man einen Windelnotfall hat, der Zug nicht unbedingt mein Lieblingsort. Aber dass ich sagen würde, ich steige nie wieder in einen Zug, das ist mir noch nie passiert. Gott sei Dank. Wickeln, übrigens: Ich habe extra im Vorfeld noch kurz nachgelesen, was die SBB offiziell zu diesem Thema sagt. Es ist so: Es hat nicht in allen Zügen Wickeltische. Sie empfehlen offiziell, im Kinderwagen zu wickeln, wenn der in der Nähe ist. Oder aber auf dem Sitz, das ist voll okay. Da darf sich niemand beschweren, falls Eltern auf dem Sitz, natürlich mit Wickelunterlagen, ihre Kinder wickeln, wenn es halt nicht anders geht. Das ist sehr gut zu wissen, denn ich habe mich das immer gefragt, wir haben auch schon auf dem Sitz gewickelt, weil es tatsächlich die einfachste und pragmatischste Lösung ist. Aber ich habe mich da schon gefragt: Was ist die offizielle Haltung der SBB? Jetzt weiss ich das, danke vielmals. Die offizielle Haltung der anderen Leuten ist die andere Frage. Also ich hätte nie Angst, dass ich den Sitz dreckig mache. Da bin ich inzwischen zu sehr Profi, aber den Geruch kann man halt meistens nicht steuern. Da muss man schauen, dass man nicht den vollsten Wagen erwischt. Das ist so, respektive ein Nachtrag dazu. Es heisst auch noch, der Vollständigkeit halber: Man soll die Windeln bitte in ein Säckchen tun und dann ausserhalb vom Zug entsorgen. Sinnvoll, verstehe ich. Macht Sinn, absolut. Lasst uns reinhören, was Kinder sagen, wenn man sie fragt, was ihnen ein bisschen Mühe macht, was sie beim Zugfahren nicht so mögen. <i>Wenn ich aufs WC gehe und es wackelt.</i> <i>Wenn es viele Leute hat.</i> <i>Wenn kleine Kinder weinen oder einfach herumschreien.</i> <i>Dass es eng ist.</i> <i>Dass es keinen Platz hat.</i> <i>Dass man immer auf den Zug rennen muss.</i> <i>Wenn es viele Leute hat.</i> <i>Wenn es viele Leute hat</i> <i>und man lange warten muss, bis man einen Platz findet</i> <i>und wenn alles schon besetzt ist, muss man schauen, wo man einen findet.</i> <i>Dass es einem schlecht wird. Oder dass es viel Kurven hat.</i> Ich glaube, diesem Kind wurde während dem Erzählen übel. Also auch da frage ich mich, welche Strecke es fährt, wo es so wahnsinnig viel Kurven hat. Das ist wahrscheinlich der Neigezug. Vielleicht, ja. Das Interessante ist: Ein Mädchen hat gesagt, es stört sie, also das ist schon ein älteres Mädchen, wenn kleine Kinder herumschreien. Du hast auch schon gesagt, deine Kinder streiten, ja, alle Geschwister, streiten einmal. Wie gehst du damit um, wenn du merkst, dass die Leute nebenan den Kopf schütteln, laut schnaufen? Böse Blicke ... Solange sie das für sich machen, stört mich das nicht wahnsinnig. Nein, ich bin mir dessen natürlich bewusst, dass … Ich bin ein Mensch, der anderen gerne gefällt und keine Konflikte sucht. Da bin ich mir dessen schon bewusst, dass man im Zug im öffentlichen Raum ist und dort der gegenseitige Respekt wichtig ist. Ich bin auch schnell der, da ärgere ich mich selber darüber, der seine Kinder häufig ermahnt und sagt: «Ein wenig ruhiger, bitte, nicht mehr so fest bewegen.» Erfahrungsgemäss ist es nicht unbedingt das, was wahnsinnig viel nützt. Da muss man viel kreativer sein und wenn man dann so langsam selber ein wenig genervt ist, ist nicht unbedingt der Zeitpunkt, zu dem man kreativ ist. Dann gibt es natürlich Sachen, wie das «gelbe Auto»-Spiel, die per se relativ laut sind oder schnell relativ laut werden. Dann muss man sich selber an der Nase nehmen und sagen: «Jetzt machen wir besser etwas anderes.» Aber es ist schwierig, die Erwartungen aller unter einen Hut zu bringen, mit dem Freiheitsdrang der eigenen Kinder. Ich bin der Meinung, dass man die Kinder nicht immer auf den Sitz zwängen kann. Da muss man den Mittelweg finden. Geht ihr darum, wenn es das hat, lieber in den Familienwagen, die Familienzone? Oder ist dir das egal? Ist dir das selber zu laut? <i>Das denke ich, ehrlich gesagt, jeweils.</i> Es ist nicht mein persönlicher Lieblingswagen aber die Kinder gehen natürlich gerne, darum gehen wir meistens dort hin. Ich gehe dann meistens auch mit. Es ist schon so, dort ist es natürlich weniger … Wenn die Kinder wirklich aufgedreht und voller Bewegungsdrang sind, das merken wir ja. Ich muss nicht mit lesenden Kindern in den Familienwagen, aber wenn sie Bewegungsdrang haben, ist das natürlich schon der beste Ort, weil da kann man sich nicht darüber beschweren, dass sich ein Kind bewegt. Was ich allerdings sehr schön finde, aus Sicht der anderen, ist: Es gibt für mich nichts Schöneres als andere Kinder, die sich nicht benehmen und laut sind und schreien und so. Das finde ich das entspannteste Geräusch, seit ich selber Kinder habe, weil da denke ich: «Jetzt ist es mal nicht mein Problem». Das habe ich mich gerade gefragt: Was hast du damals gedacht, als du selber noch keine Kinder hattest, über schreiende, rennende, laute Kinder, die dich vielleicht mit klebrigen Fingern anfassen? Ja, die klebrigen Finger hätten mich wohl nicht begeistert, aber sonst hatte ich nie ein Problem mit lauten Kindern. Ich hatte immer einen Kinderwunsch und gewusst, irgendwann kommt das auch auf mich zu. Was ich in der Zwischenzeit noch gelernt habe, ist, nicht zu urteilen über Eltern, denn häufig nimmt man so eine Situation im Zug sehr isoliert wahr. Man denkt vielleicht: «Ich würde das und das machen.» «Warum machen die Eltern nicht das?» Wir kennen alle die Vorgeschichte nicht, wir kennen das Kind nicht, wir wissen nicht, wer warum in welcher Laune ist. Darum finde ich es immer sehr schwierig, über die Erziehung oder Massnahmen von anderen Eltern in dieser Situation zu urteilen. Hast du das Gefühl, kinderlose Leute unterschätzen es zum Teil auch, wie das ist in herausfordernden Situationen, wenn man davor vielleicht auch noch irgendeinen Konflikt gehabt hat? Ich glaube schon, man hat mit Kindern immer … Es ist ein Fehler, den Leute machen, die schon Kinder haben. Vielleicht, weil etwas bei den eigenen Kindern funktioniert, denken wir, man hat einfache Lösungsmuster, die bei anderen Kindern auch funktionieren würden. Leute ohne Kinder machen den Fehler noch viel mehr. Meistens ist es nicht so einfach. Meistens ist die Dynamik mit einem Kind halt schon eher schwierig und komplex. Man kann vieles falsch machen und das Kind ist dann noch lauter. Und darum finde ich: Ja, genau. Gewisse Toleranz? Eine gewisse Toleranz braucht es wahrscheinlich von beiden Seiten. Markus, ich habe es am Anfang gesagt: Du arbeitest bei Schweiz Tourismus. Aus der Expertenperspektive: Was sind denn ideale Destinationen oder besonders spannende Zugstrecken? Solche, wo man viele Tiere sieht, zum Beispiel. <i>Genau.</i> Was empfiehlst du Leuten, die nicht so oft oder noch nicht so oft unterwegs sind mit Kindern? Was ich immer schwierig finde, ist herauszufinden, was Kinder an der Zugstrecke gut finden, weil wir Erwachsenen finden ja meistens ein schönes Bergpanorama und einen See davor irrsinnig schön. Bei Kindern habe ich das Gefühl, das Bergpanorama ist für sie ein wenig: «Naja». Eine Zugstrecke mit Tieren ist natürlich gut, oder eine, die zu Tieren führt. Und was bei Kindern immer gut funktioniert, sind kleine Details am Streckenrand. Darum ist eigentlich fast jede Zugstrecke geeignet, weil man überall rausschauen und sagen kann: «Hast du das gesehen?» «Hast du das gelbe Auto gesehen?» Was Destinationen betrifft, muss ich sagen, da sind wir in der Schweiz, ich bin natürlich ein wenig gefärbt, aber da haben wir in der Schweiz eigentlich einen grossen Vergnügungspark für das Reisen mit Kindern. Also da gibt es ... Wie lange hast du Zeit, willst du konkrete Tipps? Vielleicht einen ... Gib mir zwei konkrete Tipps. -<i>Ja, es hat ...</i> -In der Deutschschweiz. -Genau. -<i>Schränken wir es ein.</i> Es gibt viele Erlebnisberge für Kinder. Es sind häufig Destinationen, bei denen wir bemerkt haben, im Winter wird es manchmal schwierig mit dem Schnee, darum stark auf den Sommer oder Herbst oder Frühling setzen. Und dann Kindererlebnisländer aufbauen. Ich komme von deiner Instruktion ab. Ein gutes Beispiel ist Charmey in den Freiburger Alpen, aber es gibt auch Sörenberg oder Madrisa-Land im Prättigau, wo du als Familie hin kannst, mit dem ÖV gut erreichbar. Da gehst du den Berg hoch und findest oben riesige Spielplätze, Themenwege, und kannst dich dort den ganzen Tag wirklich gut verweilen. Wo reist du persönlich am liebsten hin? Ich persönlich … Wenn du mich nach meiner schönsten Zugstrecke fragst ... Markus, welche ist deine liebste Zugstrecke? Meine liebste Zugstrecke, ich sage das immer wieder, finde ich, ganz profan, den InterCity 1 nach Genf. Dort reist du schön durch die hügelige Freiburger Landschaft. Sehr schön, irgendwann kommst du in den kleinen Tunnel und dann kommst du raus, über dem Lavaux, siehst den See und die Berge im Hintergrund. Das finde ich jedes Mal wieder etwas irrsinnig Schönes. Beruflich pendelst du leider nicht von Bern nach Genf, sondern von Bern nach Zürich. Was geniesst du am meisten, wenn du alleine unterwegs bist? Also ich nehme am Morgen sehr früh den Zug nach Romanshorn, und manchmal ist der Zug vertauscht und der Zug nach Genf steht da und ich merke es nicht. Ich bin also auch schon in Richtung Genf gefahren, und stieg dann in Freiburg aus, weil ich einfach den falschen Zug nahm. Darum variiert die Richtung manchmal ein bisschen. Jetzt habe ich die Frage vergessen ... Was ich geniesse? Genau, wenn du mal ohne Kinder unterwegs bist. Hey, ich bin nicht jemand, der viel Zeit weg von den Kindern braucht oder weg von der Arbeit. Ein wenig Action darf durchaus sein, aber ich muss doch sagen, die zwei Stunden, die ich zwischen Bern und Zürich verbringe, pro Tag, an den Tagen, an denen ich ins Büro gehe, die sind schon … Das ist eine ganz neue Qualität von Me-Time, weil ich dann wirklich komplette Entscheidungsfreiheit habe, was ich jetzt mache, also soweit man die im Zug hat. Ich habe früher kaum gestreamt, also hatte kein Netflix-Konto oder so und jetzt neu gönne ich es mir, ab und zu eine Serie zu schauen, eine Sprache zu lernen oder nichts zu tun und aus dem Fenster zu schauen. Das habe ich auch erst mit dem Pendeln bemerkt, das ist etwas, was mir vorher gefehlt hat, einmal am Tag eine Zeit zu haben, die nur für mich ist. Zum Schluss haben wir unsere Kinder auch noch gefragt, was sie sich wünschen würden, wenn sie sich ihren Zug zusammenstellen könnten, was es da haben müsste. Was denkst du, haben sie gesagt? Ja, wahrscheinlich noch mehr Spielmöglichkeiten, integrierte Farbstifte in den Sitzen, Fernseher, Bildschirme? Ich weiss nicht, -<i>bin gespannt.</i> -Hören wir rein. <i>Dass die Zugbegleiter:innen den Kindern Traubenzucker verteilen.</i> <i>Dass es einen Gummibärchenladen gibt</i> <i>und dass es hinter den Sitzen so aufklappbare Tische gibt.</i> <i>Eine Turnhalle.</i> <i>Einen Glacestand.</i> <i>Dass es vorne beim Sitz ein Laptop hat zum Fernsehen.</i> <i>Dass es in jedem Zug eine Klimaanlage hat.</i> <i>Ganz viele Plätze und überall Spielsachen.</i> <i>Ich fände es cool, wenn es einen Glacestand</i> <i>und gleich nebendran einen Süssigkeitenladen hätte.</i> <i>Wenn es eine Rutschbahn hätte, die direkt, wenn man aussteigen muss,</i> <i>durch die Tür geht und dann landet.</i> <i>Und die auch durch den ganzen Zug geht und es ist eine Achterbahn.</i> Farbstifte haben sie nicht gesagt, haben sie sonst noch was vergessen? Finde ich eigentlich alles recht gute Vorschläge. Die Rutschbahn, die würde ich auch brauchen, auch beim Pendeln, alleine, ohne Kinder. Und ich ärgere mich gerade ein bisschen, dass ich nicht an die Süssigkeiten gedacht habe. Das wäre sicher auch etwas, was meine Kinder gesagt hätten. Haben sie etwas vergessen? Ich weiss nicht. Als Eltern hat man wahrscheinlich andere Wünsche als ein Kind. Welchen Wunsch hättest du denn? Was ich tatsächlich langsam ein bisschen ein Problem finde ... Ich merken das manchmal auch bei Hotels, aber im Zug ist das auch so ein Thema: In der Schweiz ist ja «der Gott der Bestuhlung» das Viererabteil. Wir merken es langsam: Als fünfköpfige Familie ist es ein kleines Problem. Aber drei Kinder bringt man ja noch gut auf zwei Sitze, oder? Drei Kinder, die gerne streiten, bringt man lieber nicht auf zwei Sitze. Aber gutes Denken. Was ich immer gut fand an den älteren InterCitys, ich weiss nicht, ob es das noch gibt bei den neueren. Bei der Deutschen Bahn, sorry, wenn ich jetzt da ... Voll okay. Es ist ja nicht die Konkurrenz, sondern eine Partnerbahn. Die Sechserabteile, die man zumachen kann. Ich denke, das wäre manchmal die schönste Lösung, wenn man mit Kindern unterwegs ist. -Abgeschlossene Familienabteile. <i>-Abgeschlossen.</i> <i>Wie so ein Hotelzimmer.</i> Am besten kann man es wirklich abschliessen. Nein, wahrscheinlich nicht. Ich glaube, träumen darf man, und wir geben das mal den Produktenverantwortlichen mit. Aber bitte auch die Rutschbahn zum Aussteigen. Unbedingt, unbedingt. Würde ich auch nehmen. Ja, es würde dann auch schneller gehen, oder? Auf einer Seite steigt man ein, auf der anderen mit der Rutschbahn raus. Stimmt, man könnte einsteigen, während die anderen rausrutschen. Da müsste ich meinen Kinder nicht immer sagen: «Lasst zuerst die anderen Leute aussteigen.» Wie gesagt, ich glaube, wir dürfen da noch ein wenig träumen. Und wir sind uns einig: Zugfahren mit Kindern kann extrem lässig und praktisch sein. Gleichzeitig ist es mit gewissen Challenges verbunden. Wobei, trifft das nicht auf den ganzen Alltag mit Kindern zu? -Durchaus. -<i>Durchaus, genau.</i> Ich glaube, mit den nötigen Vorbereitungen, du hast es gesagt, eben: Alles, was man schon vorbereiten kann, machen, ausser aufs WC und Winterjacke und Schuhe noch nicht anziehen. Mit so Tipps und Tricks kommt es gut. Ich merke mir auf jeden Fall das «gelbe Auto»-Spiel. Das werde ich auf der nächsten Fahrt testen. Dein ultimativer Tipp, wenn es einen gibt, welcher ist es? Ich weiss nicht, ob ich einen ultimativen Tipp habe, aber was ich mir immer vornehme und viel zu selten mache, ist, dort, wo es ein Bordrestaurant gibt, auch wirklich mal mit den Kindern dort zu essen. Ich finde, das ist etwas, das man schnell vergisst, dass man das auch als Familie kann, schön schnell etwas essen und das ist jetzt nicht ein wahnsinniger Geheimtipp, aber das ist etwas, was ich mir zumindest immer mehr wieder vornehme. Sehr schön. Ja, Markus, danke vielmals für deinen Besuch bei uns. Schön, hast du uns an deinem Reise-Familienalltag teilhaben lassen. Ich wünsche euch weiterhin viele unvergessliche, schöne Zugreisen in der Schweiz. Danke vielmals. Danke fürs Dabeisein. Merci. Danke auch euch, liebes Publikum, mit oder ohne Kinder, dass ihr eingeschaltet habt. Mehr Informationen von der SBB rund das Thema Reisen mit Kindern im Zug haben wir euch in der Bio verlinkt.