Zürich HB – unterwegs im Untergrund
13.05.2026 25 min
Zusammenfassung & Show Notes
Was sich tagsüber über unseren Köpfen an einem Bahnhof abspielt, ist sichtbar. Was hinter den Kulissen und im Falle des Zürich HB unter unseren Füssen passiert, bleibt meist verborgen. In dieser Folge steigen SBB Immobilienbewirtschafterin Patrizia Rubi und Moderatorin Mara Zenhäusern Stockwerk für Stockwerk in den Untergrund des Zürich HB hinab und zeigen, wie viele kleine Rädchen zusammenspielen, damit der grösste Bahnhof der Schweiz täglich funktioniert.
Was sich tagsüber über unseren Köpfen an einem Bahnhof abspielt, ist sichtbar. Was hinter den Kulissen und im Falle des Zürich HB unter unseren Füssen passiert, bleibt meist verborgen. In dieser Folge steigen SBB Immobilienbewirtschafterin Patrizia Rubi und Moderatorin Mara Zenhäusern Stockwerk für Stockwerk in den Untergrund des Zürich HB hinab und zeigen, wie viele kleine Rädchen zusammenspielen, damit der grösste Bahnhof der Schweiz täglich funktioniert.
Transkript
Der Zürich HB steht
auf einer Art Landzunge.
Links und rechts
fliessen Limmat und Sihl.
Beim Bahnhof Löwenstrasse
unterquert man die Limmat
und fährt dann hoch auf Gleis 3 bis 18,
von wo man wieder auf die Sihl schaut.
Die SBB begrüsst Sie in ihrem Podcast
und wünscht Ihnen eine angenehme Reise.
400 000 Reisende brauchen ihn täglich:
den Zürich HB.
Die meisten von ihnen bemerken nicht,
was sich unter ihren Füssen abspielt.
Aber im Hinter- und Untergrund
eines Bahnhofs passiert sehr viel.
Wie bei einer grossen Uhr
läuft im Innern ein Uhrwerk,
wovon es jedes Teil,
jedes Zahnrädchen braucht,
damit alles funktioniert, damit Gipfeli
und Gepäck am richtigen Ort ankommen.
Heute wühlen wir uns wie Wühlmäuse
durch die geheimen Gänge,
Stockwerk für Stockwerk tiefer,
und stossen in dieser Tiefe
auch auf versunkene Schätze.
Mein Name ist Mara Zenhäusern.
Herzlich willkommen
zu einer neuen Folge des SBB Podcasts.
Bei mir im Studio sitzt Patrizia Rubi,
Immobilienbewirtschafterin am Zürich HB
und kennt den Bahnhof
wie ihre Hosentasche. Hallo Patricia.
Hallo Mara.
Du nimmst uns heute mit
hinter die Kulissen dieses Bahnhofs,
der auch Stadtraum,
Kunst, Leben und Identität ist,
und einer Stadt,
einem Dorf ein Gesicht gibt.
Deshalb sind Bahnhöfe
vielerorts denkmalgeschützt.
Das ist auch beim HB der Fall.
Was bedeutet das für den Alltag?
Das stimmt. Vielleicht erkläre
ich das am Beispiel der Haupthalle,
die die meisten Leute kennen.
Wir nutzen sie
für diverse Veranstaltungen.
Damit sie nicht täglich besetzt ist,
sondern zwischendurch in ihrer
vollen Pracht zur Geltung kommt,
dürfen wir sie nur an 225 Tagen nutzen.
Also an 225 Tagen findet etwas statt
und an den restlichen Tagen nicht,
damit man alles sieht,
was sich dort verbirgt.
Da gibt es auch Schätze, über die man
vielleicht schon gegangen ist
und sich noch gar nie geachtet hat.
Man braucht aber keinen Froschkönig,
um sie zu finden, oder?
Nein, man muss nur
in die Mitte der Haupthalle gehen.
Dort im Boden eingelassen,
geschützt unter Panzerglas,
ist die goldene Kugel von Dieter Meier,
ein Kunstwerk,
das für 100 Jahre dort verbleibt.
Darum heisst sie auch Jahrhundertkugel.
Ich glaube,
2108 wird sie wieder herausgenommen.
Das heisst, man braucht
keinen Froschkönig, aber Geduld,
wenn man sie das nächste Mal
ausserhalb des Panzerglases sehen will.
Ja, genau.
Auch sehr prägend für die Haupthalle
ist natürlich der Engel,
der über den Köpfen
der Reisenden thront.
Was hat es mit diesem Engel auf sich?
Der ist von Niki de Saint Phalle.
Das ist unser Schutzengel.
Er hängt seit schon fast
30 Jahren in der Haupthalle
zum Schutz der Reisenden
und Pendler:innen.
Beim Engel starten wir heute
unsere Reise in den Untergrund.
Wir gehen einen Stock tiefer
ins erste Untergeschoss.
Dort, hinter den Kulissen
und für die Reisenden verborgen
ist beispielsweise
der Umschlagplatz von Elvetino.
Wie sieht es dort aus?
Man muss sich das so vorstellen:
Die Räumlichkeiten sind nicht sehr hoch.
Es gibt viele verwinkelte Gänge,
viele Lager, Flächen.
Die Gänge verlaufen teilweise
von unter dem Engel
bis vorne zur Querhalle.
Man kann also unter der
ganzen Querhalle hindurchgehen,
sodass man auch mit den Gepäckliften
zu den Gleisanlagen kommt.
Also, wer dachte,
der HB sei oben schon ein Labyrinth:
Unten sind die Dimensionen
nochmals ganz anders.
Ja, genau.
Auch für uns manchmal.
Da muss man sich wirklich zurechtfinden.
Einer, der sich dort gut auskennt,
ist Martin Berner.
Er ist Leiter
Supply Chain Management von Elvetino.
Ich habe ihn dort unten getroffen.
Was er macht,
erklärt er uns gleich selbst.
Wir sorgen dafür, dass im Speisewagen
die Gipfeli krumm und das Bier kalt ist.
Wir sind für die ganze Versorgung
unserer Speisewagen zuständig,
damit die Reise zum Erlebnis wird.
Wir sind jetzt in der Zentrale, wo alle
Waren lagern, bis sie in den Zug kommen.
Wie kommen sie vom Lager in den Zug?
Wir kennen jederzeit
den Warenbestand im Zug.
Wir wissen, wie viel Bier, Mineralwasser,
Gehacktes mit Hörnli es im Zug hat.
Je nachdem, wie viel das ist,
bereiten wir die Ware entsprechend vor
und liefern sie minutengenau zum Zug,
wo sie das Gastropersonal entgegennimmt.
Das heisst, das Personal von Elvetino
kann auf dem Tablet erfassen, was fehlt,
und dann kommt das direkt hierher?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten.
Grundsätzlich automatisiert:
Im Moment, in dem ein Mineralwasser
verkauft wird, reduziert das den Bestand.
Wenn aber ein Bier
herunterfällt und kaputtgeht,
gibt es die Möglichkeit, das zu erfassen
und den Bestand entsprechend anzupassen.
Das wiederum ist dann
für uns die Grundlage dafür,
die richtige Ware
zum richtigen Zeitpunkt zu liefern.
Jetzt sind wir hier
im Untergeschoss des Bahnhofs.
Wie kommt die Ware dann
bis zum Gleis hoch?
Wir haben verschiedene Versorgungswege.
Im Zürich HB liefern wir
in die Durchmesserlinie Gleis 31 bis 34
oder auch mit Liftanlagen
in den Kopfbahnhofteil Gleis 3 bis 18.
Das passiert mit kleinen Karren
oder wie genau?
Mit kleinen Karren, mit Schleppern,
mit denen wir im Schritttempo
auch im Personenfluss unterwegs sind.
Wie viele Personen sorgen dafür,
dass die Waren in den Zug kommen?
In der Logistik in Zürich
haben wir rund 25,
schweizweit verteilt
über die anderen drei Standorte
sind es etwa 42 Mitarbeitende.
Wir haben Logistikstandorte
in Bellinzona, Basel und Genf
und sind so in der Lage,
die Speisewagen alle 36 Stunden
mit frischer Ware zu versorgen.
Backwaren werden frisch und täglich
von 14 regionalen Bäckereien geliefert.
Man kann sich denken,
dass da auch Kühlware dabei ist,
vielleicht sogar Tiefkühlware.
Worauf muss man alles achten,
damit die Ware sicher in den Zug kommt?
Tiefgefrorene Produkte haben wir keine.
Im Zug kühlen wir auf zwei bis acht Grad
oder Raumtemperatur.
Entsprechend haben wir
an den Logistikstandorten Kühlzellen.
Von der Kühlzelle wird
in Kühlboxen zum Zug geliefert,
damit die Ware
durchgehend gekühlt ist.
Die Personen hier haben Listen,
was sie alles einpacken müssen?
Es ist vergleichbar mit dem Coop,
einfach mit dem Unterschied,
dass bei uns schon auf dem Gerät steht,
was alles noch ins Körbchen muss,
und nicht wie im Coop, wo man noch
alles einscannt, was im Körbchen ist.
Was muss man am häufigsten nachfüllen?
Das Bier?
Ich behaupte jetzt mal Mineralwasser.
Das ist wahrscheinlich schon
das meistumgeschlagene Lagergut.
Und was ist dein persönliches
Lieblingsprodukt aus dem Speisewagen?
Gehacktes mit Hörnli
ist schon der Schweizer Favorit.
Das ist schon sehr gut.
Oder das Apéroplättchen.
Im Zug muss man nicht
mit leerem Magen reisen.
Dafür sorgen
Martin Berner und sein Team.
Man kann aber auch am Bahnhof essen.
Auch dafür wird die Ware am HB
unterirdisch bereitgemacht, oder?
Genau, unter anderem:
Ein wenig weiter weg von dieser Fläche,
fast unter der Haupthalle
kann man sich das vorstellen,
befindet sich eine grosse
Produktionsküche der Firma Candrian,
die verschiedene Gastrobetriebe führt.
Dort gibt es zum Beispiel
eine Bäckerei oder eine Metzgerei,
wo beispielsweise Würste hergestellt
und in der Querhalle verkauft werden.
Warum wird das dort so zentralisiert?
Warum machen das nicht
die einzelnen Restaurants bei sich?
Das ist immer
eine Frage von Platz und Logistik.
Gerade wenn man
verschiedene Betriebe hat,
ist das nur logisch,
dass man das bündelt.
So hat man verschiedene Vorteile
bezüglich Logistik, Mitarbeitende usw.
Also wir können mit vollem Magen reisen.
Dafür ist gesorgt,
sowohl in der Küche als auch im Zug.
Wir wollen aber vor allem
mit leeren Händen reisen.
Dafür ist hinter den Kulissen auch
der Gepäckumschlagplatz.
Wie sieht der aus?
Er befindet sich gleich
neben dem Umschlagplatz von Elvetino,
wo auch
im Schichtbetrieb gearbeitet wird.
Das heisst, die ganze Ware kommt an.
Aktuell natürlich viele Skier,
im Sommer mehr Velos, Reisegepäck usw.
Das sind etwa 700 Gepäckstücke pro Tag.
Dazu kommen Fundgegenstände
oder unsere interne Post,
die sie auch verteilen.
Diese wird empfangen,
sortiert und weitergeleitet,
wie es Martin Berner
schon gesagt hat, über die Gleislifte.
Wie kommt es von unten
mit den Liften auf das Perron?
Und warum macht man
den Umweg durch den Untergrund?
Kann man das nicht oben am Perron
schnell zwischen den Zügen wechseln?
Das wäre im Hauptbahnhof nicht möglich.
Wir haben schlicht keinen Platz.
Das würde alle Passant:innen behindern
und wir müssen von dort weg,
hin zu einem Ort,
wo die Logistik das alles händeln kann.
Wo man es zusammenfassen
und von allen Orten bündeln kann
und dann in alle Richtungen verschicken,
sodass die Reisenden
möglichst freie Hände haben.
Denn man kann ja das Gepäck
auch von Tür zu Tür schicken.
Das wird dort möglich gemacht.
Am Bahnhof braucht es Dinge für das
leibliche Wohl und den Gepäckumschlag.
Aber es braucht auch Orte,
wo die Menschen verweilen,
wo sie ankommen können
und wo auch ihr seelisches Wohl
berücksichtigt wird.
Das ist am Zürich HB auch möglich, oder?
Genau und ich finde es so schön,
dass das symbolisch unter dem Engel,
auch im Zwischengeschoss ist.
Einerseits haben wir da
die Bahnhofhilfe, die bekannter ist,
weil sie auch
an anderen Bahnhöfen vertreten ist
aber auch die Bahnhofkirche,
die spezifisch bei uns ist,
die jeden Tag offen ist und für alle
offene Arme hat, wie man so schön sagt.
Das ist die einzige Kirche
an einem Bahnhof?
Das gibt es sonst nirgends
in der Schweiz?
Das ist immer relativ.
Was heisst «am Bahnhof»?
Wenn das bedeutet «gleich nebenan»,
dann gibt es sicher noch andere.
Bei uns ist sie im Bahnhof selbst.
Dort arbeiten fünf Seelsorgende
der katholischen und reformierten Kirchen
und 25 Freiwillige.
Sie bieten Verschiedenes.
Die Idee entstand in den Siebzigern,
aber die Kirche kam erst später.
Wann wurde sie eröffnet?
Genau, es gibt sie aber schon länger:
Seit 2001 ist sie schon bei uns.
Der Seelsorger Jürgen Rotner
hat mir gesagt,
dass es einige Gespräche
mit der SBB brauchte,
weil man anfangs befürchtete,
es ginge in Richtung Missionieren.
Das stimmt,
hat sich aber nicht bewahrheitet.
Darum geht es auch nicht.
Sie haben für alle ein offenes Ohr
und sind religionsunabhängig.
Was sie genau anbieten, erklärt uns
Seelsorger Jürgen Rotner gleich selbst.
Ein wichtiger Teil
ist der Raum der Stille,
in dem jede:r
beten oder meditieren kann.
Da beten beispielsweise
auch viele Muslim:innen.
Wir Seelsorgenden sind
in Seelsorgegespräche involviert,
die wir führen, egal mit welchem
Anliegen, welcher Not man zu uns kommt.
Sind das alles Reisende,
die plötzlich in eine Situation kommen,
in der sie das Gespräch brauchen?
Auch das kann sein.
Ganz zu Beginn,
als ich im November 2019 hier anfing,
kam an einem Wochenende ein junger Mann
mit blutverschmiertem Gesicht.
Er kam nach Zürich, wollte seinen
18. Geburtstag feiern, wurde ausgeraubt.
Im Spital stellte man fest,
dass er keine gröberen Verletzungen
oder Brüche hatte.
Aber er hatte alles verloren:
Karten, Ausweise, Geld;
er hatte nichts mehr.
Ich konnte diese Situation
mit ihm anschauen
und ihm ein Ticket zurück
nach Frankfurt zahlen,
wo ihn die Eltern wieder in Empfang
genommen und sich bedankt haben.
Ist es das,
was der Job für euch hier ausmacht,
dass man den Leuten helfen kann,
dass euch Dankbarkeit entgegenkommt?
Für mich ist der Reiz an dem Beruf,
dass man nie weiss, was einem begegnet.
Und dass es Menschen gibt,
die mit einem Anliegen kommen,
und wir miteinander versuchen,
Wege zu finden,
wie sie wieder Licht am Horizont sehen
oder den nächsten Schritt machen können.
Wir nehmen ihnen den Schritt nicht ab,
aber wir helfen ihnen, Wege zu sehen.
Wie viele Leute kommen da
pro Tag, Woche oder Monat?
Das ist ganz unterschiedlich.
Es gibt Zeiten, da ist mehr los,
meist im Herbst:
Oktober/November, auch Dezember,
aber es variiert immer.
Der Bahnhof als Ort der Menschen,
ein Ort, wo man wider Erwarten
auch einmal still sein kann.
Das erwartet man
an einem solchen Bahnhof nicht.
Was wohl die meisten eher erwarten,
ist zum Beispiel,
dass man 365 Tage
im Jahr shoppen kann, oder?
Das stimmt. Wir haben rund
190 Geschäfte im Zürich Hauptbahnhof.
Wir verwenden manchmal zwei Namen,
entweder Zürich Hauptbahnhof
oder auch Shoppi Zürich Hauptbahnhof,
wenn es ums Einkaufen geht.
Damit alle diese Läden
beliefert werden können,
gibt es im ersten
und zweiten Untergeschoss
auch eine ganze
unterirdische Welt der Anlieferung.
Wie sieht das aus?
Wir nennen das
die zentrale Anlieferung.
Da kann der Strassenverkehr
vom Bahnhofquai hereinfahren.
Er verteilt sich dann auf vier Höfe
und zur leichteren Orientierung
haben wir diese in Farben unterteilt:
Hof Blau, Rot, Grün und Gelb.
Was bedeuten diese Farben genau?
Sie geben den Standort an.
Man weiss dann zum Beispiel,
dass der Hof Blau
eher zur Stadt hin liegt.
Der Hof Grün ist der grösste.
Das dient vor allem der Orientierung,
denn Farben sind sprachneutral.
Also wenn man sagt:
Dein Platz ist im Hof Grün, Nummer drei,
findet man ihn viel schneller, als wenn
man nur nach der Drei suchen muss.
Das hat auch mit der Grösse
der Fahrzeuge zu tun, oder?
Je tiefer man hinuntergeht,
desto grösser werden die Lieferfahrzeuge,
Ja, genau. Nicht jeder Platz
hat die gleiche Kapazität
von der Breite
oder von der Höhe her.
Der Hof Grün im zweiten Untergeschoss
ist der grösste,
wo auch Lastwagen an die Rampen fahren
und so die Ware umschlagen können.
Hof Gelb ist nur für PWs.
Beispielsweise wenn ein Servicemonteur
kommen muss, weil der Lift kaputt ist.
Wie kommen da alle aneinander vorbei?
Das Verkehrsaufkommen ist wohl sehr hoch?
Das ist so.
Wir haben leider immer zu wenig Platz,
darum braucht es eine sehr gute Planung,
wofür wir extra Leute haben,
die auch vor Ort sind,
damit alles
reibungslos aneinander vorbeigeht.
Wir mussten die Regel einführen,
dass bis 12 Uhr nur Lebensmittel
angeliefert werden können
und erst später auch weitere Waren.
Also am Nachmittag dann
Kleider oder Schuhe?
Ja, genau. Oder ab 13 Uhr
können Baustellen beliefert werden.
Und wenn es am Nachmittag um 15 Uhr
keine Bratwürste mehr gibt,
hat man einfach Pech gehabt?
Ich glaube, die Planung
ist so gut, dass das nicht passiert.
Im ersten und zweiten Untergeschoss
ist auch der Ort,
wo alles recycelt wird,
wo der Abfall hinkommt.
In meiner Vorstellung gäbe es da
verschiedene Röhren,
die von den verschiedenen
Geschäften ankommen,
wie daheim beim Wäscheabwurf,
wo man die Wäsche hineinwirft.
So ist es leider nicht.
Die Leute müssen ihren Abfall
aus den Geschäften selber bringen
und dort wird er zentral gesammelt.
Für die Entsorgung
und auch für die Reinigung des Bahnhofs
sind verschiedene Leute zuständig.
Michal Cisar ist einer von ihnen.
Er ist Schichtleiter
beim Facility Management
und ich habe ihn gefragt, wie das ist,
den ganzen Tag ohne Tageslicht
im zweiten Untergeschoss zu arbeiten.
Einerseits ist es gut wettertechnisch:
Wenn es draussen kalt
oder 30 Grad heiss ist
dann sind es dort
immer gemütliche 23 Grad.
Man kann nur in der Jacke arbeiten,
was einerseits gut ist.
Andererseits können wir uns ablösen,
wenn jemand Kaffeetrinken geht
oder in der einstündigen Pause
etwas Sonne tanken will.
Es geht schon, wir sind es uns gewohnt.
Ist das etwas,
was du an deinem Job magst,
dass du nicht draussen und unabhängig
von den Witterungsbedingungen arbeitest?
Mir gefällt,
dass wir den Bahnhof sauber halten.
Denn wenn ich die Leute sehe,
wie zufrieden sie sind,
sich ab und zu
auch für unsere Arbeit bedanken,
und sagen, dass der Bahnhof
ohne uns nicht so sauber wäre,
das macht mir auch Spass.
Ihr putzt auch
unterschiedliche Sachen?
Was gehört alles zu euren Aufgaben?
Der ganze Bahnhof, also
Abfahrtsanzeigen, Recyclingstationen,
Sitzgelegenheiten, Glaswände,
Böden, alles, was es am Bahnhof gibt.
Dann gibt es die Spezialreinigungen,
zum Beispiel der grosse Engel.
Gibt es weitere grosse Sachen, die man
ein- oder zweimal im Jahr reinigen muss?
Den Generalanzeiger in der Querhalle
machen wir, glaube ich, zweimal im Jahr.
Die Decke wird abgestaubt.
Es gibt schon viele spezielle Sachen,
die wir reinigen.
Gibt es eine Arbeit,
die du am liebsten machst?
Wir haben von Abfallentsorgung
und Reinigung gesprochen.
Was machst du am liebsten?
Am liebsten mache ich etwas Spezielles,
wie zum Beispiel den Generalanzeiger,
oder Sachen, bei denen man
über längere Zeit sieht,
dass sie gereinigt sind
und sauber bleiben.
Das mache ich gerne.
Damit die Arbeit
der Reinigungs- und Entsorgungskräfte
reibungslos funktioniert,
schliesst man den Bahnhof am Abend ab.
Das ist eine Besonderheit des HB.
Ja, das überrascht die Leute manchmal.
Wir haben nur von Freitag auf Samstag
und von Samstag auf Sonntag
durchgehend geöffnet
wegen dem Nachtverkehr.
Sonst wird der Bahnhof
nach dem letzten Zug geschlossen
und vor dem ersten Zug wieder geöffnet,
denn wir brauchen diese Zeit
nicht nur für die Reinigung, aber auch
für Unterhalts- und Bauarbeiten,
die auch manchmal
nachts stattfinden müssen.
Hat es auch einen Sicherheitsaspekt,
dass man ihn abschliesst?
Unbedingt. Ich glaube,
das kann sich jede:r vorstellen.
Und wie ist die Sicherheit?
Das ist ja auch wichtig am Bahnhof,
das Thema Sicherheit.
Wie ist das am Zürich HB geregelt?
Wir haben das Glück,
den Objektschutz bei uns zu haben,
der 24 Stunden da ist.
Der wird durch die Firma
Transsicura sichergestellt.
Wir haben aber auch
einen Stützpunkt der Transportpolizei
und auch die Kantonspolizei
ist bei uns vertreten.
Damit alles
sicher und reibungslos läuft.
Und damit die Ware auch ankommt
im ersten und zweiten Untergeschoss.
Dann geht es aber
noch einen Stock weiter hinunter.
Man kann sich gar nicht vorstellen,
wie tief dieser HB ist.
Im dritten Untergeschoss
sind die Lager der Läden.
Ja, denn die Shops selber
haben nicht viele Lagermöglichkeiten,
sondern ihre Lager sind hauptsächlich
im dritten Untergeschoss.
Wenn man da durchgeht,
riecht man, wenn das Brot ankommt,
oder andere Sachen
und es ist ein riesiges Wirrwarr,
aber es ist so schön dort unten.
Das ist für mich
einer der interessantesten Orte.
Und es geht noch weiter hinunter
ins vierte Untergeschoss.
Dort ist die Technik.
Was ist dort alles?
Was muss man sich da vorstellen?
Welche Technik braucht es,
um einen Bahnhof zu betreiben?
Etwas sehr Wichtiges,
last but not least, würde ich sagen.
Es ist recht gross,
eine von mehreren Technikzentralen.
Dort unten hat es
unzählige Kabeltrassen,
Anlagen für Warm-, Abwasser,
Lüftung, Heizung und so weiter.
Also eine ganze Welt unter dem Bahnhof,
das kann man sich gar nicht vorstellen.
Und noch unsichtbarer, noch weiter
unten gibt es versunkene Schätze.
Dort gab es einmal etwas.
Es war zwar ein Missgeschick,
aber dennoch
ein verschwundener Schatz, oder?
Ein teurer, denke ich.
Beim Bau der Durchmesserlinie
blieb 2009
eine Tunnelbohrmaschine stecken.
Sie zu bergen war zu riskant.
Darum ist sie heute noch dort.
Man sieht sie nicht mehr?
Sie ist unter dem Boden?
Sie ist zehn Meter
unter dem Boden einbetoniert.
Das sind kuriose Sachen,
die es am Zürich HB gibt.
Da fliessen auch zwei Flüsse untendurch.
Das weiss man auch nicht unbedingt.
Ja, der Zürich HB liegt
auf einer Art Landzunge.
Links und rechts
fliessen die Limmat und die Sihl.
Es ist etwas schwierig zu erklären,
aber wenn man sich vorstellt,
man steigt zum Beispiel
am Flughafen in den Zug ein
und fährt unten im Bahnhof Löwenstrasse
unter der Limmat hindurch,
steigt aus,
geht in Richtung Passage Sihlquai,
schaut hoch, dann ist oberhalb die Sihl.
Und geht man dann nach ganz oben
auf Gleis 3 bis 18,
könnte man wieder
auf die Sihl hinunterschauen.
Also eine sehr verworrene Bauweise
mit Wasser unter- und oberhalb.
Es ist nicht ohne.
Es gibt 26 verschiedene Gleise am HB,
aber kein Gleis 1 und 2.
Warum nicht?
Die gibt es nicht mehr.
Früher gab es die Gleise 1 und 2 oben.
Als die S-Bahn Zürich gebaut wurde,
und 1990
die zwei Tiefbahnhöfe Museumstrasse
und der Bahnhof von der Sihltal-
zur Üetlibergbahn eröffnet wurde,
bekam der Bahnhof SZU
die Gleise 1 und 2,
weil die südlicher gelegen sind
und man von Süd nach Nord nummeriert.
Das wurde dann aber wieder geändert,
weil 2014 der Bahnhof Löwenstrasse
eröffnet wurde und da dachte man,
das wäre
zu kompliziert für die Orientierung.
Die Gleise oben
heissen immer noch Gleis 3 bis 18
und die Gleise unten hat man
mit 20-, 30- und 40er-Nummern benannt.
Ja, die Gleisnummerierung ist schwierig
und an jedem Bahnhof anders.
An anderen Bahnhöfen
fehlen andere Gleise oder Perrons,
weil es zum Beispiel keine Perrons,
sondern nur Gleise gibt.
Das ist ein sehr interessanter Fakt.
Wir kommen langsam
aus der Tiefe wieder hinauf.
Was ist
dein persönlicher Lieblingsplatz am HB?
Ganz klar der Treffpunkt
oben bei der grossen Uhr.
Du siehst in die Haupthalle,
auf der anderen Seite
kommen die Züge an oder fahren ab.
Und ich finde es schön,
zu sehen, wenn sich die Leute treffen
und sich freuen, einander zu sehen.
Ein freudiger Platz
und auch immer ein Mitraten:
Wer steuert da auf wen zu?
Bekommt man da
mit der Zeit ein Auge dafür?
Das würde ich jetzt nicht behaupten.
Wenn man jetzt
auf den Geschmack gekommen ist,
sich am HB selber ein Bild zu machen,
gibt es da Möglichkeiten?
Ja, uns einfach mal besuchen kommen.
Wir bieten Bahnhofführungen an.
Aber um keine
falschen Versprechen zu machen:
Wir können nicht alles zeigen,
was wir heute behandelt haben.
Aber es ist sicher sehr eindrücklich.
Einen grossen Teil.
Merci vielmals, Patrizia Rubi,
für das spannende Gespräch zum Zürich HB.
Danke dir.
Der Kosmos Bahnhof, der wie Zahnräder
funktioniert, die ineinandergreifen,
von denen es jedes noch so kleine
Teil braucht, damit alles funktioniert.
Das war es mit der Folge zum Zürich HB.
Sagt uns doch in den Kommentaren,
welches euer Lieblingsplatz ist
oder wenn ihr sonst eine Bemerkung
zum Podcast habt.
Liket und teilt uns gerne.
Merci vielmals fürs Zuhören.
Adieu zusammen.
Dieser Podcast endet hier.
Wir bitten Sie, auszusteigen
und verabschieden uns von Ihnen.