Schmerzenssache – weil Rückenschmerzen kein Tabuthema sind

Jürgen Krauß

Arbeitsleben, Tipps, Wohlfühlen [S4E13]

23.01.2026 26 min

Zusammenfassung & Show Notes

Jürgen fragt sich (unter anderem): Wie gehst du im Berufsleben mit deiner Schmerzerkrankung um?

Wie gehst du im Berufsleben mit deiner Schmerzerkrankung um? [S4E13]

Die Fragen in dieser Episode:

  1. Wie gehst du im Berufsleben mit deiner Schmerzerkrankung um?
  2. Du schreibst einen Ratgeber für chronisch Schmerzkranke – welcher Tipp muss unbedingt mit rein?
  3. Fühlst du dich wohl in deinem Körper? Wenigstens manchmal?

Alle Fragen findest du auch auf der Webseite – hier kannst du auch deine Antworten hinterlassen, mit Anderen diskutieren oder neue Fragen vorschlagen.


Was ich mir aus dieser Episode mitnehme?

Die Entscheidung, offen über meine Schmerzerkrankung zu sprechen, hat meine berufliche Laufbahn nachhaltig positiv beeinflusst.

Und hier das Video zur Folge auf Youtube. Und der versprochene Link zu Steady.

Wir hören uns in zwei Wochen!
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🎬 Check auch die Videos zu den Episoden von Staffel 4 auf dem Schmerzenssache-Instagram-Feed und in Jürgens Youtube-Channel.

🎸 Hier entlang zu Jürgens Schmerz-Playlist bei Spotify: https://open.spotify.com/playlist/2RzJxJ8hVT9rzoYPrNCuGz?si=b9c5e227ace249ca 

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⭐⭐⭐⭐⭐ – Bewertungen helfen mir und diesem Projekt, die Sichtbarkeit zu erhöhen und mehr Menschen in ähnlich herausfordernden Situationen zu erreichen. Nicht, weil ich glaube, dass ich ihnen helfen kann – aber zumindest möchte ich ihnen auf diesem Weg ein ganz, ganz herzliches „Ihr seid nicht allein“ über den Zaun werfen. 

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📜 Das Schmerzmanifest, das in diesem Podcast gelten soll:
  1. Schmerzen sind kein Tabuthema.
  2. Jede und jeder hat das Recht auf den eigenen Schmerz. Vergleichen ist verboten. Wir alle gehen mit Schmerz subjektiv um, das muss respektiert werden.
  3. Ich präsentiere keine Lösungen, nur Erfahrungen und Impulse.
  4. Schmerz definiert mich nicht als Persönlichkeit.

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🛜 Abonnier die Schmerzenssache gerne bei Apple Podcasts oder Spotify. Du findest den Podcast auch bei Fyyd und allen gängigen Podcast-Plattformen. Ich freue mich außerdem über Feedback und euere Schmerzgeschichten per E-Mail an juergen@schmerz.fm – außerdem über die Webseite schmerz.fm.

Du kannst mir auch auf meinem Anrufbeantworter Feedback hinterlassen, deine Geschichte erzählen oder ein Thema vorschlagen – hier ist die Nummer: +49 9824 3010005 (Bitte bedenke aber: Ruf nur an, wenn du mit einer Veröffentlichung im Podcast einverstanden bist.)

Transkript

Hey meine lieben Chronis, ich bin's wieder der Jürgen und willkommen bei der Schmerzensache. Und natürlich heiße ich nicht nur alle chronischen Schmerzpatienten willkommen, sondern alle, die hier einfach so irgendwie gelandet sind, weil sie neugierig sind, weil sie mich kennen, weil sie Angehörige von Schmerzpatienten sind, weil sie im Gesundheitswesen arbeiten und sich mit dem Thema Schmerzen auseinandersetzen wollen, weil sie Therapeuten, Therapeutinnen sind, irgendwie mit dem Thema zu tun haben. Ist egal, alle sind hier herzlich willkommen. Ich glaube, dass sich ganz, ganz viele Menschen hier etwas mitnehmen können. Und ja, ich hoffe, ihr seid gut ins neue Jahr gestartet. Erste Folge 2026. Die Schmerzenssache tatsächlich im Januar 2026 feiert ihren siebten Geburtstag. Das ist schon ziemlich crazy. Sieben Jahre Schmerzenssache am Anfang. Die, die schon länger dabei sind, werden sich erinnern. Am Anfang waren wir hier zu zweit in dem Format. Lisa und ich haben das gestartet. Mittlerweile bin ich es alleine und während sich bei Lisa die Sachen zum Positiven entwickelt haben, ich glaube, ich habe jetzt schon eine Weile nicht mehr mit ihr geredet, aber das letzte Mal, als ich mit ihr gesprochen habe, da war sie mehr oder weniger schmerzfrei. Also sie hat für sich einen Weg gefunden über Yoga, über sehr viel Selbstfindung, über eine große Umstrukturierung ihres ganzen Lebens und da freue ich mich sehr für sie. Bei mir hat das Ganze, also auch ich habe mein Leben umstrukturiert, vielleicht nicht ganz so dramatisch, aber naja, vielleicht auch ein Stück weit dramatisch, wenn ich es mir so recht überlege. Aber bei mir hat das Ganze eine... Nicht ganz so positive Wendungen insgesamt genommen, wobei es war keine Wendung, es war eigentlich ein kontinuierliches Schlechterwerden. Und das hat mich dazu geführt, wer die letzten Folgen vielleicht jetzt nicht mehr ganz so parat hat, dass ich meinen Job letztes Jahr hingeworfen habe und weil ich der festen Überzeugung bin, dass ich in meinem gesundheitlichen Zustand und vielleicht auch ein bisschen in meinem mentalen Zustand, in dem ich letztes Jahr war, nicht mehr in einer festen Anstellung in einem Büro zu geregelten Arbeitszeiten, auch wenn es Hybrid-Office ist, auch wenn es viel Zuhause-Arbeiten ist. Ich hatte das Gefühl, ich kann nicht mehr funktionieren in so einem Setting. Und ja, ich habe mir ein bisschen Auszeit gegönnt. November, Dezember war es ruhig bei mir, aber nur auf der Oberfläche. Im Hintergrund habe ich nämlich meine Selbstständigkeit vorbereitet. Ich bin jetzt seit 1. Januar wieder selbstständig als vorrangig Werbetexter, aber auch als Podcaster, als Berater im Bereich Podcast, hoffentlich bald als Autor. Ich würde mir wünschen, dass ich dazu bald mehr Konkretes erzählen kann, aber auch als Content Creator. Und das ist irgendwie für mich ein bisschen weird, das auszusprechen. Ich glaube, das ist jetzt das erste Mal, dass ich es ausspreche. Bisher habe ich mich nicht als Content-Creator verstanden. Das waren immer die auf YouTube, die irgendwie Geld mit ihren Formaten verdienen und nicht solche Menschen wie ich, die auf den Podcast-Plattformen einfach ein bisschen ins Mikro quatschen über Monate und Jahre ihres Lebens hinweg. Und... Naja, für mich kommt es mit einer großen Änderung. Also für mich heißt das, ich muss irgendwie dieses Format auch finanzieren. Also ich habe das jetzt sieben Jahre lang getan aus Leidenschaft in meiner Freizeit, weil ich in einer Festanstellung war. Teilweise war ich auch selbstständig, aber ich habe ausreichend verdient und ich hatte genug Zeit, um nebenher dieses Format zu machen. Und um ganz ehrlich zu sein, Stand Anfang Januar 2026 ist der Einkommensstrom bei mir sehr, sehr gering. Natürlich, sich über den Jahreswechsel selbstständig zu machen, ist auch eine gewisse eigene Challenge. Alles schläft noch. Ich habe auch schon einige Projekte, die sich jetzt abzeichnen. Also es wird auf jeden Fall sich positiv entwickeln. Da bin ich ganz fest von überzeugt. Aber die Schmerzenssache muss einen Teil zu meinem Einkommen beitragen, sonst werde ich die wahrscheinlich nicht langfristig mehr stemmen können. Das hat mit meiner gesundheitlichen Situation zu tun, das hat mit einigen klaren Prioritäten, die ich mir im Leben gesetzt habe, zu tun. Ich muss auf mich achten, ich muss auf meine Pausenzeiten achten und ich muss genau solche Projekte hinterfragen. und wenn sie, nee, ich will jetzt nicht sagen, wenn sie mir nichts bringen, das stimmt nicht. Mir bringt die Schmerzenssache immer was, auch wenn sie kein Geld einbringt. Eure Rückmeldungen, die Reflexion, alleine das, dass ich hier stehe und mit euch rede, das bringt mich weiter. Und ja. Das kann ich mir gerade gar nicht vorstellen, das aus meinem Leben zu streichen. Aber natürlich ist die Rechnung eine einfache, wenn ich die Schmerzensache, ein Leidenschaftsprojekt neben ein Auftragsprojekt, einen Kundenauftrag halten muss und das eine bringt mir Geld und das andere bringt mir kein Geld. Dann muss ich mir gut überlegen, ob ich die Kraft habe, beides zu machen. Und wenn ich mich entscheiden muss, muss ich mir gut überlegen, wo fällt die Entscheidung hin? Was ist für mich und meine Familie das Nachhaltigere? Also, um es kurz zu machen, die Schmerzensache muss Geld verdienen. Das heißt aber nicht, dass ich hier jetzt groß was ändern soll. Ich habe die Vorbereitungen ja letztes Jahr schon getroffen. Wir gehen jetzt auch auf YouTube raus. Also, wenn ihr das hört, ihr könnt mich auch sehen. Den Link findet ihr in den Shownotes und daraus entstehen dann natürlich irgendwie größere Reichweiten, mehr Potenzial, mehr Plattformen. Da kann man dann schöne Videoschnipfel machen für Social Media und so weiter. Also da tue ich einiges. Ich baue auch gerade an der neuen Webseite, die könnt ihr jetzt hier im Hintergrund gerade nicht sehen, aber den Videoleuten blende ich kurz einen klitzekleinen Sneak-Pick ein. Die sollte im Laufe der kommenden Woche online gehen. Da freue ich mich schon lang drauf. Da habe ich jetzt so lange dran gearbeitet. Da wird ganz viel um die Fragen gehen. Da werden die Videos eingebunden. Da wird ein Link zu Unterstützungsmöglichkeiten sein. Da wird ganz viel passieren, auch in den nächsten Monaten noch. Ich habe noch einige Sachen, die ich nach und nach nachziehen will. Schaut euch da mal um. Da würde ich mir auf jeden Fall wünschen, dass wir rund um meine Schmerzfragen hier in den Austausch kommen. Das ist nämlich so die wichtigste neue Funktion. Da gibt es dann endlich Kommentare, die man auf Episoden und auch auf einzelne Fragen hinterlassen kann. Und das würde ich mir sehr wünschen, dass wir uns da ein bisschen näher kommen, dass wir da in den Austausch kommen. Ich habe auch jetzt schon meine Steady-Seite öffentlich geschaltet. Also ihr könnt auch dem Link in den Show Notes folgen zu Steady. Da könnt ihr mich unterstützen. Da könnt ihr A, einen Newsletter abonnieren, was vollkommen kostenlos ist. Also der Plan ist, mal gucken, wie es sich einspielt. Aber der Plan ist, dass es jeden Monat zwei Schmerzensache-Episoden und zwei Schmerzensache-Newsletter-Ausgaben geben wird. Die Idee ist, jeden Freitag entweder eine Episode oder einen Newsletter zu veröffentlichen. Wie gesagt, mal gucken, wie sich das einspielt. Das kann ich jetzt noch nicht garantieren, dass das so kommt, aber das wäre jetzt meine Idee. Natürlich werden sich Sachen da überlagern, überlappen. Ich werde aber auch versuchen, dass in dem Newsletter was drin ist, was in dem Podcast nicht drin ist und andersrum, einfach damit ihr was davon habt, das beides zu konsumieren. Und vor allem ist der Newsletter so die Einstiegsdroge in das Steady-Universum. Die Hoffnung wäre, dass Leute darüber dann auf meiner Steady-Seite landen, wo man aktuell zwei Pakete klicken kann, um mich zu unterstützen. Das eine ist ein monatliches Paket, das einfach nur mit einem großen Dankeschön verbunden ist. Also es sind beides monatliche Pakete, die man aber auch jährlich buchen kann. Beides ist mit großem Dank verbunden. Ich werde mir überlegen, auch irgendwie eine Art Shoutout-Sektion entweder auf der Webseite oder in den Podcast vielleicht einzubauen, um diesem Dank auch wirklich nachhaltig Ausdruck zu verleihen. Es wird aber auch im teureren Level gibt es dann kleine Überraschungen. Da kann ich euch mal auch einen kleinen Sneak geben. Ich habe mittlerweile ein paar Aufkleber gestaltet. Man kann es jetzt doch, jetzt stellt die Kamera scharf. Es gibt hier zwei Schmerzens, ja, es hat eigentlich mit der Schmerzensache nur am Rande zu tun, aber es gibt zwei Aufkleber zum Thema chronische Schmerzen, die ich mal gestaltet habe, von denen ich hier so kleinere Stapel liegen habe. Sowas könnte ich mir vorstellen zu verschicken ich habe noch andere Ideen, es wird nicht nur bei Aufklebern bleiben dazu dann aber auch später mehr, und es wird auf jeden Fall in Zukunft dann noch ein drittes Tier geben, ein drittes Level, das dann schon relativ teuer ist, nur für die es sich leisten können und da werde ich mir natürlich auch noch besondere Goodies, überlegen als Belohnung, als Entlohnung und was mir aber dabei ganz wichtig ist, das ist völlig frei und optional und freiwillig und mir ist durchaus klar, dass ihr vielleicht als chronisch Kranke in einer Situation seid, wo ihr selber extrem aufs Gate schauen müsst. Mir ist super wichtig, dass wir trotzdem weiterhin diesen Podcast kostenfrei halten können. Ich weiß nicht, ob ich ihn dauerhaft werbefrei halten kann, aber er soll auf jeden Fall für euch kostenfrei bleiben und die Unterstützung ist super optional. Das würde mich mega freuen, wenn ihr da die Möglichkeit habt, mich insofern zu unterstützen, dass ich mir ein bisschen Zeit erkaufen kann, um dieses Format weiterzuentwickeln, weiter zu treiben. Ich glaube, ich bin schon ein bisschen in Vorleistung gegangen und jetzt muss ich leider darum bitten, vielleicht auch ein bisschen was zurückzugeben, aber wirklich nur bei denen, die das können und wollen. Keine Frage. Soviel mal zum aktuellen Stand. Ich könnte noch so viel erzählen. Ich bin gerade in einer tiefen psychologischen Therapie. Ich experimentiere gerade weiter mit Cannabis. Also es gibt viel zu erzählen. Ich hoffe, dass das irgendwie in den Fragen unterkommt, dass ich jetzt hier dieses Vorgeplänkel nicht zu lange ziehe. Okay, let's go. Frage 1. Was gesellschaftlich ist, wie gehst du im Berufsleben mit einer Schmerzerkrankung um? Ja, hervorragende Vorlage. Ich habe es ja gerade schon erzählt. Das war wirklich Zufall. Ich habe die Fragen mir nicht vorher angeguckt. Ich habe die zufällig gezogen, nicht angeguckt, mitgebracht. Könnte ich jetzt eigentlich das Intro nochmal erzählen. Aber vielleicht hole ich mal kurz aus, um das einfach schön abgekapselt und passend zu dieser Frage nochmal zu bündeln. Angefangen hat das alles natürlich bei mir mit ganz einfachen Dingen, wie ich habe mal meinem Arbeitgeber davon erzählt, dass ich chronisch schmerzkrank bin. Das war schon mal ein schwieriger Schritt. Ich habe das damals zum ersten Mal getan, als es nicht mehr anders ging. Ich meine, klar, man geht damit jetzt nicht, wenn das jetzt gerade sich anbahnt und ich war selber noch nicht ganz sicher, was das jetzt wird. Ist das was Dauerhaftes? Ist das nur mal kurz zu rücken? Und da geht man natürlich nicht sofort zum Arbeitgeber und sagt, hey, ich bin wahrscheinlich chronisch krank, sondern man versucht erst mal rauszufinden, was ist da eigentlich los. Bei mir hat es damals, war es schon sehr, ist es schon sehr eskaliert. Ich bin aus dem Urlaub zurückgekommen mit einem, es war wie ein Hexenschuss. Also ich konnte nicht mehr aufrecht stehen. Ich hatte Schmerzen in der Lendenwürse im Gegend. Ich konnte im Mietwagen nur noch in Liegeposition meinen Urlaub verbringen. Und es war klar, da muss man ganz dringend was machen. Das Blöde damals war, es war gerade ein neuer Job. Ich war noch in der Probezeit, es waren gerade so zwei Monate um. Und das hat es natürlich nicht so ganz einfach gemacht. Ich habe aber damals, das war eine Werbeagentur, ich habe super positive Erfahrungen gemacht, damit da offen und ehrlich reinzugehen. Ich war vier Monate krank in dieser Probezeit. Ich wurde trotzdem übernommen, was ich bis heute schon fast nicht mehr glauben kann. Da hatte ich unfassbares Glück. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass ich da ehrlich kommuniziert habe, offen und ehrlich war. Und da hat eigentlich dann so diese Rückensleidensgeschichte so richtig heftig dann begonnen von da ab. Da waren die ersten Rückenoperationen, das erste Mal Reha, später dann die erste Bandscheibenprothese, das war allerdings zwei Jahre später. Aber es hat damals begonnen und es war keine einfache Zeit. Und das hat natürlich dazu geführt, also A, ich bin sehr offen und ehrlich mit meinem Arbeitgeber umgegangen, das hatte Auswirkungen auf mein Berufsleben, ich habe meine Bedürfnisse kommuniziert, also ich habe meinem Arbeitgeber gesagt, hey, ohne einen Stehschreibtisch werde ich wahrscheinlich nicht arbeiten können, und es hat dann auch sogar noch für ein damals noch undenkbar, 2013 muss das gewesen sein, einen Homeoffice-Tag am Ende des Tages gereicht. Also wir konnten uns darauf einigen, dass ich an einem höllenverstellbaren Tisch arbeiten kann und dass ich an einem Tag in der Woche nicht ins Büro kommen muss, was damals schon sehr, sehr ungewöhnlich noch war und was heute viel normaler ist, was damals aber wirklich nur ging, weil ich mir klar darüber war, was ich brauche und weil ich ehrlich und offen darüber geredet habe. Das war für mich die wichtigste Lektion. Und als ich den Arbeitgeber dann später verlassen habe, so drei Jahre später, und zu meinem nächsten Arbeitgeber gezogen bin, mit dieser ganzen Schmerzgeschichte, mit den schlechten Erfahrungen, mit den guten Erfahrungen, bin ich da ins Bewährungsgespräch rein und habe, ich glaube, im ersten Termin, vielleicht nicht direkt als erstes, aber sehr, sehr am Anfang, offen und ehrlich über meine Situation geredet. Und hat natürlich geholfen, dass das ein Arbeitgeber war, der so persönliche Schutzausrüstung herstellt, also Schutzbrillen und Helme und Kleidung und Schuhe und so. Und da war irgendwie so das Wohl des Menschen schon Teil des Produktversprechens und vielleicht hat das auch damit zu tun, dass sie das letztendlich ganz gut fanden, dass ich da offen und ehrlich war und mir auch mich eingestellt haben, mir einen Stehschreibtisch besorgt haben. Und da habe ich keinen Homeoffice-Tag. Das war dann nochmal eine längere Sache, eine längere Geschichte. Aber es gab Gleitzeit, es gab Kernarbeitszeiten mit Möglichkeiten eben auch mal einen Tag später ins Büro zu kommen, mal einen Tag früher nach Hause zu gehen. Das waren Dinge, die mir auch damals das ermöglicht haben. Und ja, aber auch da drei Jahre später hat sich die Lage zugespitzt und ich bin zu dem Schluss gekommen, ich muss raus aus diesem Zwang, aus diesem festen Konstrukt und ich bin dann zum ersten Mal in die Selbstständigkeit. Das war auch natürlich was, was mein Arbeitsleben ordentlich auf den Kopf gestellt hat. Und das war dann ungefähr die Zeit, wo die Schmerzensache auch begonnen hat. Ich glaube, ich habe kurz vorher schon damit angefangen. Aber wer in den Anfang der Schmerzensache nachhört, der wird mitbekommen, wie ich damals recht radikal mein Arbeitsleben umbaue. Wie ich es dann nochmal umbaue, weil einfach ein sehr interessantes Jobangebot vorbeikam. Wie ich dann wieder überlege, wie kann ich arbeiten, wie will ich arbeiten. Dann kam Corona. Also es gab noch ganz viele Kapitel zu dieser Story, die ich jetzt aber nicht unnötig in die Länge ziehen will. Ich möchte, glaube ich, mitgeben, was für mich die wichtigsten. Aspekte dabei waren und es war mir darüber klar zu werden, was ich brauche in meiner Situation und es offen und ehrlich zu kommunizieren, das hat mein Arbeitsleben zum Positiven verändert und das führt auch heute dazu, dass ich, ja, dass ich heute hier so stehe als Selbstständiger und mir darüber klar bin, was ich kann, was ich nicht kann, was ich brauche, was ich will, was ich nicht will und, in dieses waghalsige Abenteuer, zu dem ganz viele gesagt haben, hey, du spinnst doch mit deiner Krankengeschichte, sei froh, dass du einen unbefristeten Arbeitsvertrag hast. Ich kam zu einem anderen Schluss und das hat natürlich damit zu tun, dass ich sehr viel positive Erfahrungen in der Vergangenheit damit gemacht habe, wie ich mit dem Thema bisher umgegangen bin. Okay, das soll es, glaube ich, mal gewesen sein. Folgt gerne dem Link in den Shownotes zu dieser Frage auf der Webseite, die hoffentlich dann, bis ihr das hört, schon online ist. Vielleicht müsst ihr noch ein paar Tage warten. Da könnt ihr dann eure Antwort gerne noch drunter schreiben. Das würde mich mega freuen, wenn wir da so ein bisschen Antworten sammeln können unter diesen Fragen. Das fände ich großartig. Frage 2, Therapeutisches. Du schreibst einen Ratgeber für chronisch Schmerzkranke. Ja, habe ich tatsächlich vor. Welcher Tipp muss unbedingt mit rein? Das ist natürlich schwierig, weil ich da schon so eine lange Liste habe und mir dann immer wieder sage, hey Mensch, Jürgen, in deinem Podcast-Manifest steht, du gibst keine Ratschläge. Wie kann es sein, dass du jetzt trotzdem einen Ratgeber schreiben willst oder dass du trotzdem hier dich hinstellst und Leuten sagst, was sie tun können und sollen? Es ist tatsächlich ein Punkt, an dem ich immer wieder ein bisschen hänge und ein bisschen struggle. Mein Ansatz ist, den ich vielleicht nicht ganz immer 100 Prozent so hart durchziehen kann, aber der auf jeden Fall meinen Spirit gut beschreibt und ich hoffe, dass man das auch merkt. Mein Ansatz ist, ich habe die Weisheit hier weiß Gott nicht mit Löffeln gefressen. Ich bin weit weg davon. Ich bin ein chronischer Schmerzpatient. Ich habe keine Ahnung, wie mein Leben weiter verlaufen wird. Ich habe nicht die Lösung parat. Es ist ein konstanter Struggle. Es ist ein ewig währendes Auf und Ab. Das Einzige, was ich wirklich habe, ist vielleicht gegenüber anderen und das trifft auch nur auf einen kleinen Teil von euch zu. Ich habe ein paar Jahre Vorsprung und ich habe mich sehr, sehr intensiv schon mit, was bedeutet das, was macht das mit mir, was kann ich dagegen tun, wie muss ich mich verhalten. Also ich habe mich schon sehr, sehr intensiv damit auseinandergesetzt. Das ist das Einzige. Ich habe versucht, Experte für meinen Schmerz zu werden. Und immer, wenn ich etwas gebe, das man als Ratschlag interpretieren kann, ist es eine persönliche Erfahrung, die mich weitergebracht hat, die ich aber so formuliert wissen möchte, dass die nicht für euch als Ratschlag gedacht ist, sondern ich möchte euch ehrlich von meinen Erfahrungen erzählen, im Guten wie im Schlechten. Und ich möchte, dass ihr die Möglichkeit habt, dann zu entscheiden, hey, das ist was, das ich in meinem Leben übernehmen kann und will oder nicht. So, das ist alles. Mehr will ich nicht. Ich will mich nicht hinstellen und euch eine Lösung verkaufen. Ich will mich nicht hinstellen und sagen, hey, du musst aber. Also das unterscheidet mich von all den anderen Schmerzexperten da draußen auf jeden Fall. Ich bin Betroffener, genau wie die meisten, die hier zuschauen und zuhören. Ich leide an Tagen, wobei das ist tatsächlich der eine Tipp, um zum Punkt zu kommen. Das ist tatsächlich der eine Tipp, den ich geben will. Ihr könnt vielleicht nichts gegen eure Schmerzen tun. So, das vielleicht schon, vielleicht nicht. Oft, aber ist die Ursache außerhalb dessen, was ihr beeinflussen könnt. Das Einzige, wo ihr wirklich einen Hebel habt, ich formuliere nochmal um, das Einzige, wo ich wirklich meinen Hebel habe und sehe, ist in meinem Kopf. Ich kann entscheiden, ob ich unter meiner Situation leide oder nicht. Das funktioniert nicht immer. Das funktioniert oft auch gar nicht, muss ich ganz ehrlich sagen. Aber allein, dass ich hier stehen Podcast mache, dass ich versuche, diese ganze Scheiße in was Proaktives, in was Positives zu drehen. Die Tatsache, dass ich mich hinsetze und so Karten bastel, eine Webseite mache, dass ich Leute ins Gespräch bringen will. Das ist alles was wahnsinnig Motivierendes und was mich enabelt, sagt man so schön neudeutsch. Ich versuche in den Fahrersitz zu kommen, in einer Situation, wo ich eigentlich verdammt bin, Beifahrer zu sein. Und das ist tatsächlich der einzige Hebel, den ich sehe für mich. Also ich kann nichts daran ändern, wie ich meine Schmerzen empfinde. Ich kann nichts an der Ursache ändern. Meine Bandscheiben sind kaputt. Ich habe Prothesen. Da sind Vernarbungen. Da ist alles Mögliche. Das kann ich alles nicht ändern. Ich habe es weiß Gott versucht und ich werde es weiter versuchen. Vielleicht kann ich es doch irgendwann ändern, aber Stand heute kann ich es nicht ändern. Das Einzige, was ich tun kann, ist, mich zu entscheiden, nicht mehr darunter zu leiden. Und das habe ich irgendwann getan. Wie gesagt, das klappt nicht immer. Aber der Schmerz ist unausweichlich, das Leiden ist optional. Ich gebe euch gerne den Autoren dieses Zitats in die Show Notes. Ich vergesse seinen Namen immer. Es ist ein Japaner. Das ist tatsächlich das eine Zitat. Vielleicht muss ich mir das mal tätowieren. Ich habe es normal nicht so mit Zitaten, aber das ist eins. Das halte ich sehr, sehr nah an meinem Herzen. Das ist mir sehr, sehr wichtig. Das ist das Einzige, was ich tun kann. Ich kann versuchen, nicht drunter zu leiden. So, und das ist mein Tipp, der essentiell für diesen Ratgeber ist, der noch fiktiv ist, aber vielleicht wird da ja was draus. Es wäre dann allerdings kein Ratgeber, sondern es wäre ein Unratgeber, aber das nur mal so als kleiner Spoiler. Frage Nummer 3. Körperliches. Fühlst du dich wohl in deinem Körper, wenigstens manchmal? Uh, ha, mh, pfff. Ja, doch, doch. Also mein Körper und ich haben eine ganz, ganz schwierige Beziehung und meistens bin ich auch irgendwie so ein bisschen sauer auf meinen Körper und ich höre ihm auch nicht immer gut zu und ich mache Dinge, wo ich weiß, das mag mein Körper jetzt nicht, aber mein Kopf will sich dann durchsetzen in dem Moment. Und also ich habe tatsächlich, das hatte ich mit Lisa auch immer das Thema, die ist irgendwann im Einklang mit ihrem Körper übergegangen. Das hat für mich nie funktioniert. Ich bin immer im Zwiespalt, im Streit mit meinem Körper. Es ist immer so ein Gegeneinander und ich glaube, da kommt auch ganz viel von meiner Anspannung her. Und natürlich ist das was, was wahrscheinlich mehr Schmerzen dann am Ende wieder bedeutet. Aber natürlich gibt es trotzdem Momente, in denen ich mich wohlfühle. Und die sind tatsächlich, würde ich behaupten, in meinem Leben sogar noch viel wichtiger als im Leben von anderen Menschen. Also ich versuche mir Wohlfühlinseln zu schaffen und das kann ganz unterschiedlich sein. Das sind einfach Videospiele mit Freunden. Ich habe so eine Rocket League Spielrunde am Dienstagabend, die ist mir super wichtig. Das ist für mich ein Wohlfühlort, in dem ich mich in dem Moment zurückziehe. Wir haben uns vor einigen Jahren eine Sauna unten in den Garten gebaut. Natürlich gibt es da Momente, in denen ich mich wohlfühle. Im Schoß meiner Familie, mich geborgen zu fühlen und zu sehen, wenn es meinen Kindern gut geht, wenn es meiner Frau gut geht, wenn es meinem Hund gut geht, da fühle ich mich wohl. Ich habe die täglichen Hunde runden durch den Wald. Je nach Wetter gebe ich gerne zu. Ich bin ein bisschen schön wettergassiger. Aber das sind auch Momente, wo ich einfach stehen bleibe, tief einatme und mir denke, hey, ja, es ist viel Scheiß in deinem Leben, aber es hat schon auch Es hat schon auch schöne Seiten. Und ihr könnt es glauben oder nicht, ich würde wahrscheinlich nicht tauschen, wenn ich die Gelegenheit hätte. Ich würde zumindest nicht zu jedem Preis. Ich bin trotzdem zufrieden mit meinem Leben. Ich bin trotzdem auch glücklich in vielen Momenten meines Lebens. Und es gibt auch wohl viele Momente. Das sind vielleicht nicht solche wohl viele Momente, wo ich da liege oder stehe und mir denke, ach geil, hoffentlich hört dieses Körpergefühl niemals auf. Die sind selten. Aber Momente, in denen ich da stehe, mich ganz bewusst auf den Moment konzentriere und mir denke, hey, solange es solche Momente in meinem Leben gibt, ist es doch lebenswert. Also gibt es doch keinen Grund, es irgendwie scheiße zu finden. Ja, nee, Punkt. Also vielmehr gibt es dazu eigentlich auch nicht zu sagen. Ja, es gibt Wohlfühlmomente Und ich glaube, dass die super wichtig sind. Und wenn es die nicht mehr gibt in meinem Leben, dann wäre das, glaube ich, ein sehr, sehr alarmierendes Signal, wo ich dringend was tun müsste. So, Frage 3, glaube ich, beantwortet. Wenn ihr jetzt mir was Gutes tun wollt. Dann nehmt euer Handy in die Hand, macht die Podcast-Plattform auf, auf der ihr das gerade hört und schaut, ob ihr dort eine Bewertung hinterlassen könnt. Einfach Sterne, noch lieber Sterne mit einem kurzen Text. Das hilft mir, dieses Projekt sichtbarer zu machen. Das geht auch auf YouTube, da sind es dann halt keine Sterne, da ist es ein Kommentar und ein Daumen hoch. Da könnt ihr auch gerne den Kanal abonnieren. Alle zukünftigen Episoden wird es bis auf Weiteres auf jeden Fall als Video und als Audio geben. Ihr könnt aber auch gerne auf der Webseite vorbeischauen, dort die Fragen beantworten. Das ist auch was, was der Sichtbarkeit von diesem Projekt jetzt vielleicht nicht groß weiterhilft, was mir aber ganz viel Motivation gibt, wenn ich sehe, hey, da entsteht ein Dialog. Das ist nicht nur ein Monolog, sondern wir sind tatsächlich, wir kommen in den Austausch. Und ja, wenn ihr wollt und wenn ihr es euch erlauben könnt, dann schaut gerne mal auf Steady vorbei und abonniert dort entweder den kostenlosen Newsletter oder abonniert den kostenlosen Newsletter und schließt eins der unterstützenden Pakete ab. Aber habt im Hinterkopf, dass da in Zukunft noch was kommen wird. Also die werden sich wahrscheinlich noch ein bisschen verändern. Die werde ich noch ausbauen. Steady ist für mich noch relativ neu. Da werde ich jetzt mal erst rausfinden müssen, was da alles geht, was da nicht geht. Und das wird eine spannende Reise und ihr werdet das auf jeden Fall erfahren, wenn ihr diesem Format treu bleibt. Von daher, ihr wisst schon, Glocke aktivieren, abonnieren, subscriben, like drücken. Also ihr kennt das. Ihr wisst, was zu tun ist. Ich schicke euch schmerzliche Grüße. Ich hoffe, dass wir uns dann in einer Woche lesen, spätestens, oder in zwei Wochen wieder sehen und hören. Und bis dahin, macht's gut und haltet den Kopf oben.