Schmerzenssache – weil Rückenschmerzen kein Tabuthema sind

Jürgen Krauß

Wie blickst du auf den Tod? [S4E21]

08.06.2026 25 min

Zusammenfassung & Show Notes

Jürgen fragt sich (unter anderem): Wie blickst du auf den Tod?

Ich brauche mal kurz deine Aufmerksamkeit: Ich bin Jürgen und ich mache die Schmerzenssache seit mehr als 7 Jahren. Sie war und ist ein absolutes Leidenschaftsprojekt. Da ich aber – wie du als Chronie vermutlich schon weißt – 2025 aus gesundheitlichen Gründen meinen Job aufgeben musste und mich nun als Selbstständiger durchschlage, muss ich Projekte wie dieses oft gegen bezahlte Kundenaufträge abwägen. Ich will die Schmerzenssache weiterhin und auch weiterhin kostenfrei anbieten; dazu aber muss sie zukünftig einen Teil zum Lebensunterhalt von mir und meiner Familie beitragen. Dafür brauche ich deinen Support – ob direkt finanziell via Steady, als Podcast- oder Newsletter-Abonnent, als Rezensent in den üblichen Podcastverzeichnissen ... 

Vielen Dank für dein Verständnis! You're awesome! 👍⭐🎆 

Und jetzt weiter zur Episode:

Wie blickst du auf den Tod? [S4E21]

Hi, ich bin Jürgen und ich bin seit mehr als 20 Jahren chronischer Schmerzpatient. Die Schmerzenssache ist mein Podcast über mein Leben. Keine Ratschläge, keine Weisheiten – 100 % echt aus dem Alltag eines Schmerzpatienten. In jeder neuen Episode (in Staffel 4) widme ich mich drei Fragen – für S4E21 sind das:

  1. Wie blickst du auf den Tod?
  2. Welche Stärken hast du aufgrund deiner Erkrankung entwickelt?
  3. Welche Lebensbereiche sind dir aktuell wichtig – und wie geht es dir darin?

Alle Fragen findest du auch auf der Webseite – hier kannst du auch deine Antworten hinterlassen, mit Anderen diskutieren oder neue Fragen vorschlagen.


Was ich mir aus dieser Episode mitnehme?

Schwierige Themen verlieren ihren Schrecken, wenn man sich über die Zeit immer wieder mit ihnen beschäftigt.

Und hier das Video zur Folge: Youtube.


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🎬 Check auch die Videos zu den Episoden von Staffel 4 auf dem Schmerzenssache-Instagram-Feed und in Jürgens Youtube-Channel.

🎸 Hier entlang zu Jürgens Schmerz-Playlist bei Spotify: https://open.spotify.com/playlist/2RzJxJ8hVT9rzoYPrNCuGz?si=b9c5e227ace249ca 

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⭐⭐⭐⭐⭐ – Bewertungen helfen mir und diesem Projekt, die Sichtbarkeit zu erhöhen und mehr Menschen in ähnlich herausfordernden Situationen zu erreichen. Nicht, weil ich glaube, dass ich ihnen helfen kann – aber zumindest möchte ich ihnen auf diesem Weg ein ganz, ganz herzliches „Ihr seid nicht allein“ über den Zaun werfen. 

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📜 Das Schmerzmanifest, das in diesem Podcast gelten soll:
  1. Schmerzen sind kein Tabuthema.
  2. Jede und jeder hat das Recht auf den eigenen Schmerz. Vergleichen ist verboten. Wir alle gehen mit Schmerz subjektiv um, das muss respektiert werden.
  3. Ich präsentiere keine Lösungen, nur Erfahrungen und Impulse.
  4. Schmerz definiert mich nicht als Persönlichkeit.

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🛜 Abonnier die Schmerzenssache gerne bei Apple Podcasts oder Spotify. Du findest den Podcast auch bei Fyyd und allen gängigen Podcast-Plattformen. Ich freue mich außerdem über Feedback und euere Schmerzgeschichten per E-Mail an juergen@schmerz.fm – außerdem über die Webseite schmerz.fm.

Du kannst mir auch auf meinem Anrufbeantworter Feedback hinterlassen, deine Geschichte erzählen oder ein Thema vorschlagen – hier ist die Nummer: +49 9824 3010005 (Bitte bedenke aber: Ruf nur an, wenn du mit einer Veröffentlichung im Podcast einverstanden bist.)

Transkript

Hallo zusammen, willkommen zurück. Ich bin der Jürgen, das ist meine Schmerzensache und ich freue mich auf die 20, 30, 40 Minuten, die wir jetzt gleich miteinander verbringen. Ne, 40 wird es wahrscheinlich nicht. Es ist gerade Wochenende, es ist schön draußen, wir haben Kirchweih bei uns im Ort, also ich habe heute noch Termine und muss mich deshalb kurz fassen. Und kleiner Blick hinter die Kulissen. Ich fange jetzt hier schon zum, ich weiß nicht, achten, neunten Mal an, weil die Technik mir heute wirklich das Leben schwer gemacht hat und gestern schon, eigentlich wollte ich gestern schon aufnehmen. Und man sollte meinen, dass nach 500, 600 Episoden, Irgendwann mal alles einfach läuft. Aber naja, ich probiere halt gerne auch neue Dinge aus. Ich versuche gerne mit der Technik irgendwie zu spielen, mit den Mikrofonen mal was Neues. Also damit auch irgendwie langfristig die Motivation und die Laune erhalten bleibt. Das geht bei mir ganz stark über den Spieltrieb. Also immer wenn ich was Neues ausprobieren darf, bin ich irgendwie motivierter, habe ich irgendwie mehr Lust, bin ich irgendwie engagiert. Und das hilft mir auch so ein bisschen langfristig dabei zu bleiben. Was mir auch hilft, dabei zu bleiben, ist euer Feedback. Also ja, und ich meine es gar nicht im Sinne von Feedback, Feedback. Also gerne dürft ihr mir schreiben, was ihr hier in dem Podcast hören und sehen wollt, was ihr für Themen gerne habt. Ihr dürft mir sagen, wenn ich was unsauber erklärt habe, wenn ich was sage, wo ihr anderer Meinung seid, super gerne. Ihr dürft mir die Fragen beantworten. Aber Feedback heißt für mich eben auch, ich sehe, dass dieser Podcast heruntergeladen wird. Ich sehe, wenn der Podcast weiterempfohlen wird. Ich sehe, wenn es Sterne für den Podcast gibt. Und ich sehe natürlich auf Steady, wenn sich Leute A für den absolut kostenlosen Newsletter mit eintragen, was ich euch unbedingt empfehlen würde. Und B, sehe ich auch, wenn Leute sich entschließen, weil sie es sich leisten können und wollen, diesen Podcast hier finanziell zu unterstützen. Und das ist das größte Feedback, das man mir geben kann oder das beste Feedback, das man mir geben kann. Da fühle ich mich super geschmeichelt, da fühle ich mich super dann motiviert und engagiert, euch dafür auch was zu bieten. Und das hilft mir natürlich in meiner Selbstständigkeit, solche Projekte so weiter zu betreiben. Ich komme immer wieder jetzt in die Situation, wo ich Selbstständigkeit, Projekte, die Geld bringen versus Projekte, die jetzt nicht unmittelbar Geld bringen oder weniger Geld bringen, abwägen muss. Und je leichter mir diese Abwägung fällt, desto kontinuierlicher und desto länger kann ich das hier aufrechterhalten. Also alles super freiwillig. Es wird weiterhin das Kernangebot ein kostenfreier Podcast bleiben. Daran wird sich nichts ändern. Das habe ich nicht vorgestellt. Es wird wahrscheinlich auch auf absehbare Zeit keine Werbung geben, wobei ich da sicherlich auch, wenn der richtige Werbepartner um die Ecke käme, wo ich das Gefühl habe, das passt und ich muss mich nicht verkaufen, muss euch nicht verkaufen, dann würde ich mir das auf jeden Fall offen halten. Aber for now, alles gratis, alles freiwillig, keine Verpflichtung. Und wenn ihr mögt und könnt, dann empfehlt den Podcast weiter oder unterstützt mich in der einen oder anderen Form. Gut, so, wenn das jetzt geklärt ist, können wir direkt reinspringen. Ich habe wieder drei Fragen für euch dabei, wie jedes Mal. Und wir fangen mal direkt an mit einer super schwierigen, super harten, nee, hat nur zwei von drei Sterne, aber ich finde sie trotzdem relativ hart. Es ist eine philosophische Frage, und zwar, wie blickst du auf den Tod? Wie blickst du auf den Tod? Das ist natürlich eine super vielschichtige Frage, weil ich denke sofort an so ganz viel Organisatorisches. Also was passiert alles oder was muss alles passieren, wenn jemand stirbt? Da muss man ja plötzlich wahnsinnig viel organisieren, wahnsinnig viel verwalten, wahnsinnig viel tun und machen. Und andererseits aber natürlich auch irgendwie so ein gefühlsmäßiges Thema. Wie entspannt blickst du auf den Tod? Wie nah fühlt sich der Tod für dich an? Und ich versuche es mal auf all diesen Ebenen zu beantworten. Also. Ich versuche, mich gut mit dem Tod zu beschäftigen und möglichst gut darauf vorzubereiten, damit der Tod seinen Schrecken verliert. Und das hat gar nichts, glaube ich, mit meiner Schmerzkrankheit zu tun. Das hat was mit so einer leichten, mobilen Faszination für das Thema zu tun. Das hat aber auch damit zu tun, dass ich immer wieder sehe und gesehen habe, dass Menschen völlig unvorbereitet sind, wenn jemand stirbt. Und selbst wenn das absehbar ist, dass die Person stirbt, ist man einfach nicht bereit in dem Moment für all das, was man dann organisieren muss. Da muss über eine Beerdigung verhandelt werden, da muss organisiert werden, wer wird zu so einer Beerdigung eingeladen, wer wird informiert, muss eine Anzeige in die Zeitung, müssen Blumen bestellt werden, braucht man eine Blaskapelle, muss jemand reden halten, was muss der Pfarrer wissen, damit er irgendwie eine Trauerrede halten kann und so weiter. Das sind so ganz viele Fragen und Themen, mit denen man sich einfach zu Lebzeiten nicht befassen will, weil es ein super ekliges, unangenehmes, trauriges Thema ist und das muss aber eigentlich nicht sein. Ich finde, man kann sich mit dem Tod befassen. Podcasts sind ein super Medium dazu. Ich habe sicherlich hier schon oft den Podcast von Bestattung in Bürger empfohlen. Da geht es um Leben und Tod, so heißt der Podcast. Und da erzählen zwei Bestatter, die ich auch so ein bisschen zu meinem erweiterten Freundeskreis zählen würde, Johannes und sein Sohn, die erzählen da, ja, was passiert hinter den Kulissen beim Bestatter und auch vor den Kulissen. Also das hilft einfach, sich mit dem Thema zu befassen und so ein bisschen die ganzen Entscheidungen, die dann irgendwann anstehen, schon mal vielleicht vorher sich ins Bewusstsein zu rufen und darüber Gedanken zu machen. Und ja, so. Geht bis zu Dingen wie Patientenverfügung und Testament, aber auch so ganz banale Dinge. So wie will ich eigentlich mal beigesetzt werden? Verbrennen, verbuddeln und so weiter. Ich habe zum Beispiel, also ich mache mir gar nichts aus so diesen klassischen Trauerfeiern. Ich würde mir wünschen, dass wenn ich mal sterbe, dass ich nicht auf einem Friedhof lande, sondern vielleicht irgendwo im Wald. Gerne verbrannt oder verbuddelt, das ist mir eigentlich fast egal. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen, die da kommen und vielleicht von mir Abschied nehmen wollen, also natürlich würde ich mir wünschen, dass jemand kommt, aber ich würde mir wünschen, dass die nicht übertrieben traurig sein müssen, dass die nicht in Schwarz dastehen und rotz und Wasser rollen, sondern ich würde mir wünschen, dass die bunt innen und außen sind und sich einfach freuen über die Zeit und über die Begegnungen, die wir hatten zu Lebzeiten. So würde ich mir eine Beerdigung wünschen. Dass da gelacht wird, dass da fröhliche Musik gespielt wird, dass da, meinetwegen kann da ein Poetry Slam veranstaltet werden oder ein Comedian auftreten. Wir haben neulich auch gescherzt darüber, dass man für so Trauerreden eigentlich jemanden bräuchte, der das so mitzeichnet. Ihr kennt das vielleicht so, Graphic Recording. Das gibt es auf Veranstaltungen, auf Konferenzen immer mal wieder. Da habe ich neulich jemanden kennengelernt, die Marie, die das in Nürnberg irgendwie macht und anbietet. und ich habe mich mit dir unterhalten und habe gesagt, hast du das schon mal auf einer Beerdigung gemacht? Das wäre doch eigentlich eine großartige Gelegenheit, Graphic Recording mal in einem völlig anderen Kontext zu machen, lebensbejahend ein Leben zusammenzufassen, zu feiern, so ein kleines Denkmal zu setzen. Damit fände ich großartig. Hätte ich großen Spaß dran. Dann dürft ihr gerne machen, wenn ich mal nicht mehr bin. Ansonsten... Könnt ihr meinen Körper auch der Wissenschaft zur Verfügung stellen. Noch besser, wenn irgendwas Sinnvolles damit passiert. Oder als Biomasse verheizen. Wobei mir dann doch ein bisschen Blech übrig bleibt. Ich weiß nicht, das geht wahrscheinlich gar nicht. Also das ist so das eine, das Organisatorische. Da empfehle ich euch, hört euch Podcasts an, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Ich habe noch eine Empfehlung. The Leftovers, ein Podcast, bei dem es geht um zwei Paare, jeweils mit Kindern, die befreundet sind. Und beim einen Paar ist der männliche Part gestorben, beim anderen Paar der weibliche Part. Innerhalb kurzer Zeit, also relativ nah beieinander. Und ich glaube an Krebs oder was waren es andere Krankheiten? Ich glaube an Krebs, ich bin mir aber nicht mehr ganz sicher. Und da sind einfach dann die, Leftovers, also die Hinterbliebenen, die anderen beiden Teile der Partnerschaft jeweils haben sich zusammengefunden, um zusammen diesen Podcast aufzunehmen und über die Zeit zu sprechen, als es zu Ende ging, davor, danach, bei der Beisitzung, bei der Trauer, dann Jahre später, also finde ich ein ganz spannendes Thema und der Tod kann seinen Schrecken verlieren, aber nur, wenn man sich damit befasst und das finde ich gar nicht schlimm, dass man das tut. So, jetzt mal nochmal auf mich und meine Körperlichkeit, auf mein körperliches Befinden, auf mein Unbefinden bezogen. Also ich bin weit weg von diesem Wunsch nach Erlösung. Ja, ich glaube, ich habe den schon gespürt mal so ganz im Ansatz, ja, in dunkleren Phasen. Natürlich denkt man da mal drüber nach, so hey, kann das ewig so weitergehen oder wie sieht eigentlich die Exit-Strategie aus? Wie sieht der Plan B aus? Ich bin da aber sehr weit weg von. Ich feiere das Leben viel zu sehr und auch wenn es schlechte Tage gibt, ja. Bin ich sehr weit weg von dem Gedanken, mir in irgendeiner Form ein Ende oder eine so drastische Veränderung herbeizuwünschen, dass man irgendwie, ja, nein, also da bin ich weit weg von. Ich finde es auch, ich habe neulich ein schönes Bild irgendwo dazu gelesen oder gesehen, ich weiß nicht mehr ganz genau, oder gehört, weil ich es gerade davon hatte, von guten und schlechten Tagen. Und wenn man so auf den Rest seines Lebens blickt, also ich gehe davon aus, dass die schlechten Tage immer mehr werden, je älter ich werde. Und vielleicht ändert sich dann auch mal, vielleicht gibt es irgendwo einen Kipppunkt, wo ich sage, also jetzt sind so viele schlechte Tage, das wiegt einfach die wenigen guten nicht mehr auf. Glaube ich nicht. Ich glaube, ich hänge zu sehr an dem Allen und ich habe noch viel zu viel Unfinished Business in meinem Leben. Und das wird, glaube ich, auch immer so bleiben. Zumindest heute meine Vermutung. Aber das Schöne ist, wenn man in diesen Tagen drinsteckt, ja, dann ist es unangenehm. Wenn man aber zurückblickt, dann fällt es sehr leicht, die schlechten Dinge so ein bisschen auszublenden und die positiven zu unterstreichen. Das ist wie mit einem Fotoalbum. Ich habe ganz viele, also ich mache immer am Jahresende so ein Familienfotoalbum schon seit einigen Jahren und wenn man die durchblättert, sieht man da jetzt nicht so viel von meiner Krankheit und nicht so viel von meinem, natürlich ist mal hier ein Vortrag oder da mal eine Podcastaufnahme, wo ich auch ein Bild reinpacke, weil das irgendwie eine wichtige Begegnung in meinem Leben dann ja oft auch ist. Aber im Großen und Ganzen sind es positive Erinnerungen. Und es sind so viele positive Erinnerungen, dass ich mich jedes Jahr schwer tue, dieses Buch nicht komplett ausufern zu lassen. Und das ist es, was unterm Strich zählt für mich. Also wenn am Ende der Bilanz dann immer noch so viel Positives stehen bleibt, dass das das ganze Negative fast verschwinden lässt in solchen Momenten. Also wenn ich ein Fotoalbum durchblicke, da gibt es nicht viele negative Erinnerungen, die da drin sind, sondern da fällt es sehr, sehr leicht, sich auf die Positiven zu selektieren. Und so sehe ich eigentlich auch, zumindest heute, so sehe ich, dass der Rest meines Lebens dann vielleicht auch trotz Krankheit und auch trotz schlimmer werdender Krankheit immer noch positiv bleiben kann. Ich weiß nicht, ob das jetzt nur für euch random gefaselt ist, ob das irgendwie, keine Ahnung. Sagt mir gerne, wie ihr das seht. Würde mich sehr interessieren, wie andere Menschen auf den Tod blicken. Vielleicht, wenn sie 10, wenn sie 20 Jahre älter sind als ich. Ich kann mir schon vorstellen, dass sich das nochmal verändert. Das versuche ich auch immer gerade meinen jugendlichen Kindern irgendwie mitzugeben. Die ja oft, also so Kinder, die in die Pubertät kommen, sind ja oft so in Extremen. Also die können sich was vorstellen. Und dann muss das aber immer genauso sein. Und es wird auf ewig so bleiben oder sie können sich was nicht vorstellen, dann wird das niemals so sein. Niemals können sie sich vorstellen, Meeresfrüchte zu essen, keine Ahnung, irgendwas. Und das sind ganz oft die Extreme. Und ich glaube, je älter man wird, oder zumindest habe ich das in meiner Entwicklung beobachtet, je älter ich wurde, ich war als Kind natürlich genauso, aber je älter ich wurde, desto weniger wollte ich in diesen Extremen sein und desto mehr wollte ich in diesem Raum der Möglichkeiten dazwischen einfach Sachen ausprobieren. Und deswegen bin ich heute eher dabei zu sagen, hey, das wird vielleicht immer so sein, aber ich weiß, dass eine große Chance besteht, dass meine Sicht auf die Dinge sich nochmal verändern wird. Es geht nicht mehr ganz so schnell wie als Jugendlicher in der Pubertät zum Glück, aber wer weiß, was in 10, 15, 20 Jahren ist, kann sein, dass ich da nochmal ganz anders auf Dinge blicke als jetzt. Ich hoffe, ich habe die Frage damit ausreichend beantwortet. Ich blicke auf den Tod und ich versuche nicht mit Angst, auf den Tod zu blicken. Frage Nummer zwei. Welche Stärken hast du aufgrund deiner Erkrankung entwickelt? Psychisches. Ich habe einen Hang zum Perfektionismus erlebt. Ich weiß nicht, ob ich den entwickelt habe oder ob der vorher schon da war, aber in dem suhle ich mich natürlich sehr gerne. Und da habe ich auch eine Beobachtung gemacht, da muss ich sehr aufpassen, damit ich nicht den Perfektionismus als Ausrede nehme, um zu prokrastinieren und zu sagen, hey, ich kann jetzt das nicht abschließen, ich kann jetzt das nicht fertig machen, es ist noch nicht perfekt, es kann noch nicht in die Öffentlichkeit. Und manchmal führt es dazu, dass man da so lang aufschiebt und verbessert und so lange noch an irgendwas rum experimentiert, dass es irgendwann versandet einfach. Und das ist dann aber so ein gefährlicher Grad, wo man den Absprung schaffen muss. Also wo es so ein Point of, es ist kein Point of No Return, aber wo man so den Absprungpunkt finden muss und sagen, so, das Projekt ist jetzt bei 90 Prozent und das ist gut genug. Also da tendiere ich dazu zu sagen, ne, 90 Prozent ist mir nicht genug. Und ich sehe das aber trotzdem als Stärke, weil ich gelernt habe, dass 90 Prozent genug sein müssen oft und dass ich auch Dinge mit 90 Prozent abgeben kann, auch wenn dann das Feedback vielleicht nicht so überschwänglich ist, wie ich es mir dann wünschen würde. Aber ich kann mittlerweile Projekte bei 90 und manchmal sogar bei 80 Prozent abgeben, wenn es die Umstände erfordern. Und die Stärke, die aus meiner Krankheit ist aber, dass ich einen sehr, sehr hohen Anspruch an meine Arbeit und an mich richte. An meine Arbeit hauptsächlich, weil das so das ist, was bleibt. Also ich kann keine großen körperlichen Ansprüche an mich haben, aber ich kann noch, vielleicht nicht normal arbeiten, aber ich kann noch sehr, sehr annähernd normal irgendwie arbeiten. Ich kann den Anschein erwecken, normal zu arbeiten. Und da will ich meine Ergebnisse völlig ohne Zweifel, ohne Makel, ohne einen Hauch von, oh, der ist schmerzkrank, natürlich liefert er schlechtere Arbeit ab. Also das will ich nicht, da will ich ganz weit weg von sein und deswegen habe ich so einen Anspruch. Und das hat mir meine Schmerzkrankheit beigebracht. Und... Ich habe auch gelernt, etwas besser zu planen und etwas besser zu haushalten mit den Ressourcen, die ich habe. Also bei manchen, auch da wieder ein Beispiel, ein Projekt. Es gibt Projekte, da kann ich einfach mehr Arbeit drauf werfen, mehr Arbeitskraft drauf werfen und dann werden die schneller fertig oder werden die besser. Also man kann oft skalieren, indem man einfach mehr reingibt. Und ich musste lernen, damit zu aushalten und zu sagen, ich kann eben da nicht beliebig viel Arbeit reinstecken. Ich habe nicht beliebig viel Energie zur Verfügung. Ich habe vielleicht nicht acht Stunden an einem Arbeitstag zur Verfügung, sondern nur sechs oder manchmal nur vier. Und die muss ich so einsetzen, dass sie einen Unterschied machen. Und das ist in manchen Phasen, in schlechten Phasen super schwierig, aber ich habe zumindest gelernt, damit besser umzugehen, als wenn ich gesund wäre. Da bin ich mir relativ sicher. Da würde ich wahrscheinlich viel über Dickkopf und über Ausbeutung dann trotzdem irgendwie schultern und stemmen. Und so kann ich aber schon ab und zu mal auf meine Bedürfnisse hören und trotzdem Ergebnisse produzieren. Das habe ich gelernt. Und natürlich habe ich gelernt, irgendwie mit meinem Inneren in Kontakt zu kommen. Vielleicht nicht besonders gut, vielleicht auch nicht so gut wie andere, aber für jemanden, der mit den Voraussetzungen geboren wurde wie ich, würde ich sagen, habe ich mich da schon ganz schön weiterentwickelt. Also ich kann mich hinstellen und kann über mein Innerstes reden. Ich kann mich hinstellen, kann alleine in die Kamera sprechen. Ich kann mich hinstellen und kann auch, wenn mir Tränen kommen, schwierige Themen anschneiden. Das konnte ich früher alles nicht so ohne weiteres. Gerade gegenüber anderen Menschen, da bin ich immer noch im Lernen. Aber auch da bin ich besser geworden. Vielleicht bringt das auch das Alter mit sich. Aber ich glaube, das ist auch eine Stärke, die aus meiner Krankheit kommt. Jetzt überlege ich, habe ich noch irgendwas? Also ich weiß nicht, ob es eine Stärke ist, aber es ist natürlich ein Vorteil. Ich will jetzt nicht sagen Krankheitsgewinn, aber meine Erkrankung und ja, der Podcast, was ja irgendwie der Umgang, mein Umgang mit dieser Erkrankung ist, der hat mich mit so vielen Themen und so vielen Menschen in Kontakt gebracht. Das ist einfach abartig gut. Also keine Ahnung, wie ich das sonst gemacht hätte. Wahrscheinlich wäre ich komplett vereinsamt irgendwann. Aber was mir dieser Podcast an Türen geöffnet hat, das führe ich natürlich ganz stark auch auf meine Krankheit zurück. Das ist phänomenal und das ist auch etwas, was ich unbedingt ganz, ganz hoch halten will. Auch die Frage habe ich, glaube ich, jetzt ordentlich beantwortet. Ich lege sie mal weg. Und bevor wir zur dritten Frage gehen, schiebe ich einen kurzen Werbeblock ein. Das habe ich vorher nämlich vergessen. Ich habe hier eine wunderschöne Kaffeetasse. Ich weiß nicht, die, die jetzt das nur hören, die können sich da jetzt nicht viel darunter vorstellen. Aber die hat ein sehr schönes Buchstabenmuster, das nicht aussieht wie ein Buchstabenmuster. Und wenn man die richtig hält und ganz genau hinguckt, dann hat die so eine versteckte Botschaft. Und diese Tasse sieht einfach aus wie eine schöne Mustertasse, aber sie sagt, I choose not to suffer. Und das ruft mir immer wieder, wenn ich da Kaffee draus trinke, in Erinnerung, dass es meine eigene Entscheidung ist, ob ich leide unter meiner Krankheit, unter meinem Schicksal oder nicht. Und deswegen ist das eine sehr, sehr schöne Tasse, die ich sehr gerne mag, ein sehr schönes Motiv. Und die könnt ihr auf podmerge.de, wenn ihr da in die Kategorie Schmerzensache klickt, könnt ihr diese Tasse käuflich erwerben. Ich habe jetzt den Preis gar nicht im Kopf. Ich glaube 15 Euro. Auch da ist es eine Unterstützung. Das Geld kommt mir zugute. Der Shop ist der Shop von mir und meiner Frau. Und die Marge bleibt natürlich dann bei mir hängen. Und das ist auch eine schöne Form, ist ein gutes Geschenk, eine schöne Form der Unterstützung. Also wenn ihr da Bock drauf habt, gibt auch schöne T-Shirts, gibt auch ein beschissen, danke der Nachfrage T-Shirt von der Schmerzenssache, das ich auch sehr, sehr gerne trage. Da könnt ihr mal, also den Link findet ihr in den Show Notes, da könnt ihr gerne mal in den Shop schnuppern. Und auch wenn ihr da was, das ist die Idee von dem Shop, dass wir da viele Podcasts drin haben, die alle Merch anbieten. Also auch wenn ihr da einen anderen Podcast findet, der euch zusagt, dann ist das was, wo am Ende irgendwie ich auch ein bisschen davon profitiere. Also auch so könnt ihr diesen Podcast und mich gut unterstützen. Okay, weiter geht's. Frage Nummer drei. Welche Lebensbereiche sind dir aktuell wichtig und wie geht es dir darin? Das geht schon auch ein bisschen in die Richtung der Frage von gerade. Also ein Lebensbereich, der natürlich, also neben Familie und Gesundheit, das sind Dauerbrenner-Themen, aber ein Lebensbereich, der bei mir immer eine Rolle spielt, ist Arbeit. Also ich definiere mich sehr stark über Arbeit. Also ich klammere mich da schon fast dran. Und unter Arbeit fasse ich jetzt auch sowas wie diesen Podcast. Auch wenn der jetzt nicht den würde ich jetzt nicht klassisch als als erwerbsarbeit betiteln aber irgendwie gehört er auch zu meiner arbeit und ich definiere mich sehr stark sehr stark über arbeit weil naja ich habe es gerade vorhin schon sagt das ist was das mir das mir bleibt und daran klammer ich mich wie so ein wie so ein ertrinkender und ich. Um ehrlich zu sein, mir geht es in dem Bereich momentan nicht 100 Prozent gut, wobei das jetzt dramatisch klingt, so dramatisch ist es nicht. Aber ich habe mir diese Selbstständigkeit tatsächlich ein bisschen einfacher vorgestellt. Ich war ja vor acht Jahren schon mal selbstständig und da war das relativ schnell ein Selbstläufer. Also da war ich innerhalb von einigen Monaten, hatte ich so viele Aufträge, dass ich durcharbeiten konnte und dass mein Einkommen sehr, sehr gut bemessen war am Ende des Jahres und ich dachte, ich kann da einfach anschließen jetzt, wenn ich mich 2026 wieder selbstständig mache und die wirtschaftliche Lage da draußen ist aber ein Wahnsinn gerade. Also die weltpolitische Lage ist super instabil, die Weltwirtschaft ist sehr, sehr wackelig, KI spielt irgendwie noch mit rein. Und von daher ist Arbeit was, was mir mehr Sorgen macht, als ich mir manchmal eingestehen will. Trotzdem aber habe ich das Gefühl, das war der richtige Schritt sonst könnte ich wahrscheinlich jetzt heute gar nicht arbeiten mehr und wenn du einen wichtigen Lebensbereich hast in dem du dann überhaupt nicht mehr wirksam sein kannst dann ja, also das ist eine Alternative die ich mir nicht vorstellen kann also von daher bin ich mit meiner Selbstständigkeit insofern glücklich, als dass ich so am Arbeitsleben weiterhin teilnehmen kann. In einem Angestelltenverhältnis kann ich mir das momentan nicht vorstellen. Aber es ist eine Challenge. Es ist eine Challenge. Also selbstständig sein mit der Diagnose chronisches Schmerzsyndrom. Glaube ich, steht auf meiner Diagnose. Das ist schon eine Herausforderung, die mir auch zu knabbern gibt. Und mal gucken, wo das hinführt. Ich habe ein neues Projekt in Aussicht. Ich hoffe, dass ich beim nächsten Mal da genauer darüber reden kann. Das ist jetzt nichts, wovon ihr noch nie gehört habt. Aber ich möchte jetzt nichts beschreien, das noch nicht in trockenen Tüchern ist. Also gerne, wenn ihr die Newsletter abonniert, werdet ihr das wahrscheinlich als erstes erfahren. Aber gerne auch einfach hier dranbleiben. Da werdet ihr es auf jeden Fall auch erfahren. Es hat auch mit Arbeit zu tun. Sport ist ein Lebensbereich, der mir wichtig ist. Und auch da, also mein Kletterpartner war jetzt verletzt, deswegen hatte ich weniger Sport in den letzten Wochen als normal und ich merke, dass das in mir einen tiefen Unmut auslöst, was ich ein sehr gutes Zeichen finde. Also wenn es mir egal wäre und wenn ich einfach faul werden wollen würde, das wäre bedenklich. Aber die Tatsache, dass mich das stört und dass mir der Sport fehlt, das ist ein gutes Zeichen. Und das ist auch ein wichtiger Lebensbereich für mich. Und ja gut, wie gesagt, Familie, Gesundheit, da brauchen wir gar nicht drüber reden. Hier kommt gerade mein Hund an, der vor der Bürotür steht und durch die Scheibe guckt. Der ist mir natürlich auch sehr wichtig und mit dem werde ich mich jetzt gleich beschäftigen, wenn diese Aufnahme hier zu Ende ist. Und ich glaube, ich muss dem auch gar nicht weiter, wir müssen das nicht in die Länge ziehen. Ich muss dem nichts weiter hinzufügen. Ich kümmere mich jetzt um meine anderen wichtigen Lebensbereiche. Heute ist Sonntag. Ich kümmere mich jetzt um meinen Hund, dann kümmere ich mich um meine Familie, dann kümmere ich mich um rausgehen, vielleicht nicht um Sport, aber zumindest um Beine vertreten, ein bisschen bewegen. Und dann genieße ich noch ein bisschen das Wochenende. Und ich hoffe, ihr tut es auch. Wir hören und sehen und lesen uns hoffentlich dann wieder nächste Woche im Newsletter oder in zwei Wochen in diesem Podcast. Und von daher wünsche ich euch alles Gute, schicke euch schmerzliche Grüße. Bis dahin. Ciao.