EU, Energiewende und Green Deal: Wie Schleswig-Holstein Europas Zukunft mitgestaltet
SHift - der Norden macht Zukunft
22.06.2026 35 min
Zusammenfassung & Show Notes
Die Energiewende kann nicht nur regional gedacht werden - sie ist eine globale Herausforderung. Deshalb schauen wir in dieser Folge auf ganz Europa. Dafür haben wir uns Delara Burkhardt an den SHIFT-Kaffeetisch geladen: Sie ist 2019 mit 26 Jahren als damals jüngste deutsche Abgeordnete ins Europäische Parlament in Brüssel gewählt worden und gestaltet die Politik Europas seitdem aktiv mit - vor allem im Umweltausschuss. Im Gespräch mit Sandra erzählt Delara aus ihrem politischen Alltag, gibt uns Einblicke in den European Green Deal und zeigt uns, welchen Einfluss Deutschland und speziell Schleswig-Holstein auf Europas Klimapolitik haben.
Sandra und Delara besprechen u.a. diese Fragen:
Sandra und Delara besprechen u.a. diese Fragen:
- Wie sieht die Arbeit im Europäischen Parlament aus?
- Wie groß ist der Einfluss der EU auf die Klimapolitik der Länder wirklich?
- Was ist der Green-Deal und was bedeutet er für uns?
- Strom, Wärme, Verkehr: Wie beeinflusst die EU unser Verhalten?
- Ist die USA unter Donald Trump kein starker Verbündeter mehr?
- Wie sieht Delara Deutschlands Aufgabe in der Energiewende?
Viel Spaß bei unserem Klönschnack mit Tiefgang!
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Über unseren Gast:
Delara Burkhardt studierte Sozialwissenschaften und Sozialökonomie in Kiel und Hamburg. Seit Mai 2019 gestaltet die Wahl-Schleswig-Holsteinerin Politik als Abgeordnete im Europäischen Parlament in Brüssel. Delara setzt sich für ein gerechtes und nachhaltiges Europa ein und kämpft dafür, Klimaschutz bezahlbar und leistbar für alle zu machen.
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Über unseren Gast:
Delara Burkhardt studierte Sozialwissenschaften und Sozialökonomie in Kiel und Hamburg. Seit Mai 2019 gestaltet die Wahl-Schleswig-Holsteinerin Politik als Abgeordnete im Europäischen Parlament in Brüssel. Delara setzt sich für ein gerechtes und nachhaltiges Europa ein und kämpft dafür, Klimaschutz bezahlbar und leistbar für alle zu machen.
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Transkript
Bitte keine Ablenkungsdebatten
zur Atomkraft, weil auch da
ganz klar nachweisbar ist,
Erneuerbare sind viel günstiger.
Ähm, also wenn wir kostengünstig und
unabhängig Energie haben wollen, dann
ist der Ausbau der Erneuerbare das
Zentrale, ähm, und darauf die Debatte
zu lenken, das finde ich wichtig.
Klönschnack mit Tiefgang.
Das ist Shift – Der Norden macht Zukunft.
Der Energiewende-Podcast der EKSH
Delara, welche Frage zur Energiewende
kannst du nicht mehr hören?
Können wir uns das leisten?
Können wir uns das leisten?
Mhm.
Okay, weil wir müssen
uns das leisten können.
Wir müssen's uns leisten können,
weil's halt einfach, ähm, wichtig
ist, dass wir uns unabhängig machen.
Und wenn einem das Klima nicht als
Begründung reicht, dann kann man sich
die sicherheitspolitische Lage anschauen.
Also es ist gut, unabhängig von
fossilen Energien zu werden,
und zwar so schnell wie möglich.
Das spart uns nicht nur viele
graue Haare, sondern vor allen
Dingen auch Kosten in der Zukunft.
Ja, das ist 'n guter Start.
Auf jeden Fall sitzen hier zwei
Verfechter der Energiewende,
das ist doch schon mal super.
Ich begrüß alle, die uns heute hören.
Schön, dass ihr eingeschaltet habt.
Ähm, leider muss ich euch sagen, dass
ihr heute auf Niklas verzichten müsst.
Äh, Niklas ist leider nicht dabei.
Liebe Grüße an dich, Niklas.
Und nächstes Mal wollen wir dich
natürlich wieder hier am Tisch haben.
Alle vermissen dich sehr.
Ich hab hier am Tisch, ähm, aber
Delara Burkhardt mir gegenüber sitzen.
Hallo Delara, schön, dass du da bist.
Ich freu mich auch, hier zu sein.
Ich darf dich ganz kurz vorstellen und
das ist, äh, immer 'n guter Zeitpunkt
für dich, weil ich jetzt mal 'n
bisschen Redeanteil hab, äh, dir 'n
Stück Kuchen zu schnappen, 'n Kaffee zu
trinken und dich zurückzulehnen, genau.
Ähm, du bist, äh, geboren in Hamburg,
aber aufgewachsen in Schleswig-Holstein.
Ähm, hast ein Studium der
Sozialwissenschaft an der CAU hier in
Kiel gemacht und dann noch ein Master in
der Sozialökonomie an der Uni in Hamburg.
Korrekt.
Du bist Mitglied in der SPD
und, ähm, noch sehr jung.
Ähm, 1992er Jahrgang hab
ich mir hier aufgeschrieben.
Und wenn ich dann richtig gerechnet
hab, da du seit 2019 Abgeordnete
im Europäischen Parlament bist,
bist du dort mit 27 eingezogen.
Genau, 26, da bin ich direkt 27 geworden.
Ja, sehr gut.
Das ist auf jeden Fall recht jung.
Ähm, als es nach Brüssel
ging, war's aufregend?
Ja, ich war ja statistisch die
jüngste deutsche Abgeordnete, ähm,
und dementsprechend gab's auch recht
viel Aufmerksamkeit zu der Zeit.
Es war natürlich sehr aufregend, ähm,
aber am Ende des Tages muss man sich
bei allen Nervsachen immer wieder
vergegenwärtigen, dass man genau
mit dem gleichen Mandat gewählt ist
wie eine, eine 70-jährige Person.
Ähm, genau und deswegen war's 'ne
spannende und wilde Zeit, vor allen
Dingen, weil wir ja mit dem Green
Deal starten konnten, ähm, über
den wir ja noch gleich sprechen.
Ja, gutes Stichwort.
Über den sprechen wir
auf jeden Fall gleich.
Ähm, eine Sache wollte ich dich
aber noch fragen, und zwar hab ich
auf deiner Webseite gesehen, dass
dort der Slogan steht: „Für ein
gerechtes und nachhaltiges Europa".
Ist das so was wie dein tägliches Mantra?
Ist so, weil, ähm, mir es darum
geht, dass die Energiewende, dass
der Klimaschutz in Europa bezahlbar
und leistbar für alle wird.
Das ist für mich so das, das, das Credo,
weil ich glaub, diejenigen, die halt
Zweifel sehen daran, dass das der richtige
Weg ist, die machen das nur, weil sie
Angst machen, den Leuten Angst machen,
dass sie dann nicht mehr teilhaben können,
dass sie nicht mehr mobil sein können,
ähm, dass sie nicht mehr, äh, bezahlen,
also Energiekosten bezahlen können,
wenn wir die Energiewende durchziehen.
Und das will ich nicht auf
uns sitzen lassen, weil's
einfach falsch ist faktisch.
Ähm, ja und dafür Lösungen zu
finden, die gerecht und nachhaltig
sind und alle Menschen mitnehmen,
das ist mein täglich Brot.
Ich ruf noch kurz dazu auf, dass ihr,
die uns zuhört, doch sehr gerne, ähm,
unseren Podcast abonniert, weil du
machst noch 'ne zweite Folge mit mir.
Da freu ich mich drüber.
Und wenn ihr die nicht verpassen wollt,
dann solltet ihr definitiv in eurer
Podcast-App, wo auch immer ihr uns gerade
hört, auf den Abonnieren-Button drücken.
Okay, starten wir los.
Du bist EU-Politikerin.
Sag uns doch erst mal, was du
überhaupt in Brüssel so machst.
Was ist da deine Rolle?
Also ich bin Abgeordnete im Europäischen
Parlament, ähm Das ist das Organ, was
gewählt ist, um Menschen in Europa zu
vertreten und dort darf ich vor allen
Dingen im Umweltausschuss arbeiten.
Das ist der Ausschuss, der ja maßgeblich
auch den Green Deal mitgestaltet hat.
Ähm, ich bin aber auch stellvertretendes
Mitglied im ITRE, das ist der Ausschuss,
der für Energie und, ähm, ja unter anderem
Energieverkü-- und Industrie zuständig
ist und noch stellvertretendes Mitglied
im IMCO, das ist der Binnenmarktausschuss.
Also alles irgendwie direkt und indirekt
eben auch mit der Frage Klima und wie
wird's eigentlich für Verbraucherinnen
und Verbraucher bezahlbar zu tun
und das mache ich dort jeden Tag.
Okay, alles richtig große Themen.
Mhm.
Bei der europäischen Energiepolitik
kann man sagen, dass Schleswig-Holstein
so was wie 'n Testlabor ist?
Ja, ich find, das klingt immer so, so
künstlich, weil, ähm, ich glaub eher,
dass Schleswig-Holstein auch krasse
Impulse setzen kann nach Europa.
Also grundsätzlich ist es ja so,
dass, äh, Klimapolitik nicht etwas
ist, was man in Brüssel beschließen
kann und dann ist es so, äh, sondern
Klimaschutz wird vor Ort gemacht.
Und dementsprechend in dem Sinne würd
ich eher sagen, dass Schleswig-Holstein
das Praxisbeispiel ist, weil wir zeigen,
dass, ähm, Erneuerbare und der konsequente
Ausbau von Erneuerbare auch wirklich ein
realer Standortvorteil werden kann, dass
wir kostengünstig Energie erzeugen kann.
Schleswig-Holstein ist
Energiewendeland Nummer eins.
Wir erzeugen hier schon mehr Strom, als
wir eigentlich selber brauchen und das ist
'ne riesige Chance für unser Bundesland.
Und das, was für Brüssel, ähm,
find ich, die Hausaufgabe eher aus
Schleswig-Holstein verordnet ist,
ist, dass wir die Rahmen setzen, dass
das eben auch, ähm, zum Vorteil wird.
Also dass Schleswig-Holstein davon,
äh, von den Rahmenbedingungen, die wir
in Brüssel setzen, sei es in Fragen
von, ähm, Genehmigungen in Netzen und
so weiter, ähm, Schleswig-Holstein da,
ähm, Vorreiterin im Energiewendeland
auch zu 'nem Industrie-, ähm,
Standortvorteil, äh, machen kann.
Das ist so 'n bisschen-- Ich seh's eher,
als dass wir Aufgaben an Brüssel geben.
Okay, aber es ist ja auch so, dass
die EU, ähm, hierzulande für uns sehr,
sehr wichtig ist für die Energiewende.
Absolut, ja.
Also wir könnten ja, mm, durch die
EU-Gesetzgebung nicht einfach sagen,
wir machen hier unser Ding, sondern wir
sind da ja auf jeden Fall auch gebunden.
Ja, also es ist so, dass Brüssel ja
jetzt nicht vorschreibt, wie wir in
Schleswig-Holstein Energie erzeugen,
wie wir heizen und so weiter.
Ähm, was die EU aber vorgeben
kann und was sie auch vorgibt,
ist ein Klimaneutralitätsziel.
Wir sagen, bis spätestens 2050 muss
die gesamte EU klimaneutral sein.
Ähm, und dafür wollen
wir Leitplanken setzen.
Das machen wir und das ist relevant für
Schleswig-Holstein, weil's natürlich
die Frage von Planungssicherheit,
Investitionssicherheit auch in den
Ausbau erneuerbaren Energien betrifft.
Ähm, die Rahmenbedingungen, also den
Emissionshandel für, für Industrie,
äh, den wir festgelegt haben, der
jetzt ausgeweitet werden soll auf,
ähm, weitere Bereiche, die wir
noch sicherlich besprechen werden.
Ähm, aber eben auch Leitplanken,
ähm, wie wir Emissionen reduzieren
müssen, um da eben auch Anreize
zu setzen für die Investitionen.
Also ganz viele Rahmenbedingungen,
die halt relevant sind, um den Ausbau
der Energiewende nicht nur, ähm Ja
zum Richtigen zu machen, sondern auch
zum Vorteil zu machen, die s-werden
in Brüssel gesetzt und die sind
wichtig für uns in Schleswig-Holstein.
Du hast den Green Deal jetzt
schon mehrmals erwähnt.
Ich will auch gleich dazu kommen,
aber, ähm, zur leichten Auflockerung
machen wir noch 'n kurzes Shift-Quiz.
Macht wir ja in jeder Folge.
Ähm, mit dir machen wir die
Fact oder Fake EU Edition.
Oh.
Ähm, das heißt, ich les dir
'ne kurze Behauptung vor.
Die können mal, ähm, ernsthafter
und mal weniger ernsthaft sein.
Ähm, und du sagst dann, wenn du das für
richtig hält, Fact, äh, und wenn du es
für falsch hältst, Fake und darfst auch
gerne noch 'n erklärenden Satz dazu
geben, sonst frage ich eventuell danach.
Also der erste Satz: Äh, in Brüssel
gibt es mehr Lobbyisten als Fahrräder.
Oh, Fahrräder würd ich nicht sagen.
Als Abgeordnete auf jeden Fall, aber
Fahrräder gibt's schon echt viele.
Ähm, in Schleswig-Holstein
entstehen mehr Jobs im Bereich der
erneuerbare Energien als in der
gesamten norddeutschen Schifffahrt.
Fakt.
Ja, ist echt 'n boomender Sektor, ne?
Ja, absolut.
Äh, Nummer drei: Die EU-Kommission
prüft ernsthaft, ob Küstenländer wie
Schleswig-Holstein Offshore-Windparks als
europäisches Kulturerbe anmelden können.
Das wär schön, aber das ist fake.
Das würde dir gefallen, ja?
Nein, also ich, äh, glaube, es geht
ja eher erst mal darum, ähm, es zu
machen, ähm, und, ähm, ob das jetzt
'n Kulturdenkmal ist, das können dann
die Generationen nach uns entscheiden.
Da hast du recht.
Hm, die EU regelt sogar, wie
krumm eine Gurke sein darf.
Fake, bitte.
Es ist immer wieder da.
Es kommt einfach wieder zurück.
Es war mal 'ne Diskussion, ist
aber lange schon nicht mehr so.
Ja, ich hab diese Reaktion
erhofft, dich ein bisschen ärgern
zu können mit dieser Aussage.
Das, das und Zeitumstellung.
Es kommt immer wie 'n Boomerang zurück.
Okay, dann hab ich noch einen für
dich: Es gibt EU-Förderprogramme, mit
denen Kommunen in Schleswig-Holstein
ihre Wärmenetze modernisieren können.
Fakt.
Ja.
Über die Förderprogramme hab
ich eben auch nicht gesprochen.
Also im Bereich Netzausbau, im
Bereich, ähm, Wärmewende gibt es
Möglichkeiten, über die sogenannten
Kohäsionsmittel da Unterstützung
auch aus Brüssel zu bekommen.
Prima.
Da haben wir doch noch 'n bisschen
was über die EU gelernt, auch
außerhalb der Energiewende, ähm, vor
allem wenn's um die Gurkennorm geht.
Ähm, und dann gehen wir jetzt
mal rüber zum Green Deal.
Ähm, das ist die Leitstrategie der
EU, wenn es um Nachhaltigkeit geht.
Ähm, magst du uns mal erklären,
was der Green Deal überhaupt ist
und was der für uns bedeutet?
Mhm.
Also es war 2019, ähm, man erinnert sich,
es gab riesige Proteste von Schülerinnen
und Schülern, äh, die Klimastreiks,
ähm, und das war also wirklich enorme
Zahlen und hat die Debatte und die
politische Debatte vor der Europawahl,
aber auch danach massiv geprägt.
Ähm, und sie haben ja nichts Radikales
gefordert, sondern die haben einfach
nur gesagt: "Europa, mach deine
Hausaufgaben." Und Europa hat gesagt:
"Jo, machen wir." Und das, die Antwort
darauf ist halt der Green Deal.
Der Green Deal ist aber, würd ich sagen,
mehr als 'n Klimaschutzprogramm, sondern
es ist eher so 'ne insgesamte Wachstums-
und ähm Wirtschaftsstrategie der
Europäischen Union gewesen mit dem Ziel
und das ist der Kern, äh, des Green Deals
mit dem Klimagesetz, die Klimaneutralität
rechtlich verbindlich festzuschreiben.
2050 und natürlich auch
die Schritte, ähm, dorthin.
Ähm, wir sagen auch immer
bis spätestens 2050.
Äh, genau, und das war der, ähm, der,
also im Kern steckt der, das Klimagesetz,
ähm, bis, bis dann 2030 minus 55,
äh, Prozent, äh, Emissionsreduktion
und dann Klimaneutralität bis 2050.
Und um das zu erreichen, wurden
ent-verschiedene In-Instrumente neu
entwickelt, aber auch weiterentwickelt,
ähm, um in den einzelnen Sektoren,
die dann ja die Emissionen
reduzieren müssen, Leitplanken zu
setzen, damit dort ein Anreiz, ähm,
ge-geschieht, der Emissionen reduziert.
Das sind zum, zum Teil eher
Anreize, zum anderen Teil
eher, ähm, auch Ordnungsrechte.
So eine bekannte Diskussion, die in
Deutschland, ähm, sehr intensiv geführt
wird und wurde leider, ähm, weil es auch
leider nicht alles so bleibt gerade, wie
wir es beschlossen haben im Green Deal.
CO₂-Standards für Autos, ähm,
das berühmte Verbrenner-Aus für
Neuwagen, ähm, was eben jetzt noch
mal ein bisschen modifiziert wird.
Wir haben den Om-Emissionshandel noch
mal, ähm, reformiert und ausgeweitet.
Bisher gilt, galt er nur für
Industrie und Flugverkehr.
Jetzt, ähm, soll er auch
ausgeweitet werden auf Wärme und
Verkehr, der sogenannte ETS zwei.
Ähm, genau, und so geht es durch die
Sektoren, dass wir dort Leitplanken
beschlossen haben, um zu überlegen, wie
wir Emissionen reduzieren können, um das
Ziel der Klimaneutralität zu erreichen.
Und das Ganze heißt Green Deal.
Du hast jetzt gerade schon, mmm, dadurch,
dass du ja die Geschichte ein bisschen
erzählt hast von damals bis heute,
hab ich schon so rausgehört, dass es,
als der Green Deal entstanden ist,
ähm, 'ne andere Stimmung im Land gab.
Du hast von, ähm, Fridays for Future
erzählt, ähm, und hast jetzt auch
schon gesagt, dass der, ich meine,
du hast das Wort leider benutzt,
ein bisschen modifiziert wird.
Mhm.
Ich wollte schon noch nicht
aus dem vollen Schöpfen.
Das klingt ja so, äh, und das zeigen
ja, würd ich sagen, auch die, ähm,
Wahlergebnisse von damals zur letzten
Wahl, dass das Thema in der Bevölkerung
nicht mehr ganz so relevant ist.
Wie relevant ist es denn
bei euch im Parlament?
Also ich würd erst mal immer die,
ähm, These zurückweisen, dass
es weniger relevant ist in, in
der, in der, in der Bevölkerung.
Also wenn man sich so Eurobarometer und so
weiter anschaut, dann ist das Bewusstsein
für die Klimakrise immer noch sehr hoch.
Aber es gibt so viele unterschiedliche
Krisen und Konflikte und
Schwierigkeiten, vor der wir als
Europäer stehen, dass, ähm, dass es
ein bisschen in den Hintergrund gerät.
Wir hatten schon so 'n ersten Testmoment
für den Green Deal, sage ich mal.
Das war zum Beginn, ähm, des russischen
Angriffskriegs in der Ukraine,
äh, wo eben auch viele versucht
haben, ich nenn das immer, äh,
Krisenkapitalismus, versucht haben, den
Green Deal als solches anzuzweifeln.
Ähm, aber da haben wir's geschafft
zu sagen: Moment mal, grade dieser
Angriffskrieg zeigt ja auch unsere,
unsere Verletzlichkeit, ähm,
gegenüber Autokraten, wenn wir
fossile Energien importieren müssen.
Und es hat da tatsächlich noch mal 'n
Push, äh, für den Green Deal gegeben.
Erneuerbaren Energien wurden dann auf
einmal zu Freiheitsenergien und wir haben
uns eben entschlossen, die Ausbauziele
für Erneuerbare in Europa noch mal
nachzuschärfen und auch noch mal den
Genehm-, die Genehmigung zu vereinfachen.
Es gibt jetzt sogenannte Go-to-Areas für
Wind und Solar, wo eben, ähm Der der Staat
vorher Umweltverträglichkeitsprüfungen
macht und diese Gebiete dann
direkt auch zur Bewirtschaftung von
Erneuerbaren genutzt werden können.
Also das waren so Schritte,
die wir dann gemacht haben.
Jetzt bei der aktuellen Krise gibt es
tatsächlich noch mal einen größeren
Rollback, was damit zusammenhängt,
dass zwischen 2019 und heute noch
'ne Europawahl war und wir dort 'nen
massiven Rechtsruck noch mal im, im
Europäischen Parlament hatten und
'ne politische Realität, die sich
auch noch mal verändert hat, weil,
äh, die Brandmauer, äh, wie wir's in
Deutschland immer diskutieren, zur, zu
Rechtsextremen von der konservativen
Seite im Europäischen Parlament leider
nicht mehr eingehalten wird und deswegen
grade das klimapolitische Feld ein, ein
Bereich ist, wo die Konservativen mit den
Rechten in Europa zusammenarbeiten, um
bestehende Umweltgesetze abzuschwächen.
Und das, ähm, halt ich für nicht nur einen
großen Fehler demokratietheoretisch, dass
man mit den Rechten Politik macht, sondern
auch für die, für die Zukunft Europas,
weil es wird immer unter dem Vorwand des
Bürokratieabbaus gemacht, aber was wir
dort sehen, ist 'ne, 'ne Entkernung von
Standards, die wir als Europäer definiert
haben und auf die sich Unternehmen
in Europa auch vorbereitet haben.
Also Planungssicherheit und
Investitionssicherheit in Europa und
ich find, das ist eine der wichtigsten
Sachen, die wir auch grade im Konflikt
mit oder in der Auseinandersetzung
mit China und USA haben.
Also wenn Europa was ausmacht, dann
ist das unsere wirtschaftliche Stärke,
aber auch die Rechtssicherheit,
die man hier eigentlich hat.
Und die steht grade aufm Spiel, weil der
Green Deal insgesamt aufm Prüfstand steht.
Mhm.
Okay.
Ja, das klingt ziemlich dramatisch.
Mhm.
Lass uns noch einmal schauen:
Die Energiewende ist ja
immer so 'n Riesenthema.
Man kann ja da immer über
alles und nichts sprechen.
Ja.
Ähm, und deswegen versuchen wir
ganz gerne, das so 'n bisschen
runterzubrechen und uns mal so
einzelne Sektoren anzugucken.
Mhm.
Und ich würd gerne mit dir darüber
sprechen, was schon umgesetzt wurde- Mhm.
-ähm, und was vielleicht
jetzt auch noch ansteht.
Ja.
Und zwar, äh, können wir das ja
vielleicht erst mal für den, äh,
für den Bereich Strom gucken.
Der Ausbau von erneuerbaren Energien,
den hast du jetzt schon grade 'n bisschen
angesprochen, dass ihr den jetzt auch
noch mal, ähm, erhö-- oder bei der
letzten, äh, Krise, ähm, ähm, rund die
Ukraine, dass der auch erhöht wurde.
Sind wir da auf dem richtigen Weg?
Gehen da alle, ähm, Länder mit?
Die EU ist ja nun doch auch
'n sehr großer Staatenverbund.
Also sind wir dort auf dem Weg, den,
den wir damals beschlossen haben?
Mhm.
Also wir sind auf 'nem guten Weg.
Also wir haben den Ausbau erneuerbarer
Energien massiv angezogen in
Europa, auch überall in Europa.
Es gibt Länder, die sind noch mal
'n bisschen fleißiger als andere.
Also Spanien ist zum Beispiel auch sehr
gut grade durch die Energiepreiskrisen
gekommen, weil sie so massiv auf den
Ausbau Erneuerbarer gesetzt haben.
Ähm, andere wiederum sind zögerlich,
ähm Weil sie vielleicht auch noch
mal andere, also Prioritäten setzen.
Was Europa halt nicht vorgibt,
ist der Energiemix selbst.
Es gibt eben Länder, Frankreich
gehört dazu, die er-ersetzen
auch ganz stark auf Atomstrom.
Ähm, und man hört jetzt grade so
'ne, 'ne Nostalgie, wo dann Leute
sagen: „Ja, das müssen wir alles
jetzt noch mal mit dem Atomstrom noch
mal überdenken und vielleicht ist
der noch mal unsere Alternative."
Spoiler: Äh, Uran muss auch
importiert werden und auch nicht
aus den lupenreinen Demokratien.
Äh, dementsprechend halte ich das
weiterhin für den falschen Weg.
Aber diese Irrwege und diese
Diskussionen, die sind grade da.
Also es wird viel darüber diskutiert, ob
wir europäische Initiativen zum Atomstrom
brauchen, aber wir sind weitergekommen
beim erneuerbaren, ähm, Ausbau.
Ähm, und wir haben auch 'ne massive
Priorität in, also die, es wird in
Brüssel immer homegrown energy genannt,
also die wir hier zu Hause anwachsen
lassen können, äh, im weitesten
Sinne, ähm- Das müsste doch eigentlich
voll im Sinne der Rechten sein, auf
heimische Energien zu setzen, oder?
Eigentlich schon, könnte man meinen,
aber am Ende des Tages merkt man
da auch schon, dass sie lieber für
autokratische fremde Mächte Politik
machen, ähm, weil's dann doch eben
grade bei denen viel, ähm, ja, also wir
haben jetzt grade ein Importverbot für
russisches Öl und Gas, ähm, beschlossen.
Es wird jetzt schrittweise, ähm,
kommen und die massivsten Gegner
davon waren die Rechtsextremen.
Ähm, und dann, ja, kann man ja mal
so stehen lassen, ähm, für wen sie
dann eigentlich Politik machen.
Genau, aber, ähm, was eben auch massiv
vorangegangen ist, eben auch aus
europäischen Fördermitteln und davon
profitieren wir in Schleswig-Holstein
auch ungemein, ähm, ist der Netzausbau,
der grenzüberschreitende Netzausbau.
Wir haben ja so Leuchtturmprojekte wie
die, äh, Bornholm Energy Island, ähm-
Genau, wo, ähm, wo eben auch geguckt wird,
wie man grenzüberschreitend Netze, ähm, ja
nutzbar machen kann, wie man Offshore auch
in die Energiesysteme einspeisen kann.
Also da geht es nur mit
europäischen Projekten und da hab
ich neulich 'ne spannende Zahl
gesehen, ähm, wegen Geld auch, ne.
Das war ja meine Frage: Wie können
wir uns das eigentlich leisten?
Und dort hat der Think Tank Brügel
rausgefunden, dass wenn wir den
Netzausbau europäischer denken würden,
wir siebenhundertfünfzig Milliarden
Euro sparen könnten beim Ausbau.
Europaweit.
Ja, europaweit.
Und das find ich schon 'ne Hausnummer,
äh, und da muss es vorangehen und
da gibt es eben unterschiedliche
europäischen Förderprogramme, ähm,
die eben das auch schon in der Nord-
und Ostsee, in der, ähm, unserem
Schleswig-Holstein und drumherum mit
unseren Nachbarn, ähm, umsetzt, dass
wir das grenzüberschreitend denken.
Du, ähm, bist natürlich als
Schleswig-Holsteinerin, ähm, hast du
natürlich 'n besonders guten Einblick,
ähm, zu unseren nördlichen Nachbarländern.
Aber wo du jetzt grade über die sprachst,
ähm, läuft es denn ähnlich gut, wenn wir
uns irgendwie unsere südlichen, westlichen
oder östlichen Nachbarn anschauen?
Wir sind ja auch einfach
'n sehr zentrales Land.
Also ohne uns geht ja auch 'n
europäisches Verbundstromnetz
eigentlich überhaupt nicht.
Man, wie will man da auf
Deutschland verzichten?
Ja, also es wird ohne Deutschland
nicht, ähm, auskommen.
Natürlich gibt es da sehr
unterschiedliche Perspektiven.
Also erst mal, also ich will das
Fass nicht aufmachen, aber erst
mal müssen wir uns in Europa, in
Deutschland auch einig werden.
Ähm, da ich war ja auch Teil der
Koalitionsverhandlungen, waren
wir ein sehr norddeutsch geprägtes
Verhandlungsteam von der SPD.
Ähm, aber was so diese ganze Frage
Stromgebotszone, Energiemarktdesign,
äh, Strommarktdesign und so weiter, äh,
angeht, da gibt es ja auch innerhalb
von Deutschland sehr unterschiedliche
Perspektiven und ich glaube, ne, ich bin
der Überzeugung, dass 'ne Regionalisierung
der Strukturen, ähm, und damit eben auch
'ne grenzüberschreitende Organisation,
ähm, nicht nur Kosten spart, sondern
eben auch, ähm, ja dazu führt, dass
das Erneuerbare wirklich zu 'nem, auch
wirklich zu 'nem Standortvorteil werden
und dort, wo vielleicht auch nicht, ähm,
genügend Ausbau passiert und das ist ja
auch in Teilen von, ähm, Deutschland so.
Es ist ja nicht überall so, dass
es so vorbildhaft läuft wie in
Schleswig-Holstein, ähm, dass dieser
Anreiz halt passieren muss so und,
ähm, den könnten wir halt setzen.
Und deswegen glaub ich, in Deutschland
muss der Turbo auch noch, äh,
in einigen Regionen, ähm, gehen.
Äh, und dann wird es eben auch, ähm,
ja Spillover-Effekte geben, weil
was in der größten Volkswirtschaft
in Europa funktioniert, das kann
ja auch in anderen funktionieren.
Und das ist, find ich, die Verantwortung,
die wir als Deutschland auch als
wirtschaftsstärkstes Land in Europa
haben, zu zeigen, es geht, erneuerbar
zu werden und trotzdem, ähm, ein
wirt-wirtschaftlich starkes Land zu sein.
Mhm.
Um erneuerbar zu werden und grade
auch die Wirtschaft weiterhin, ähm-
Mal mindestens gleich gut, am besten
sogar wachsend werden zu lassen.
Ähm, da kommen wir ja am
Wasserstoff nicht vorbei.
Ist ja auch insbesondere für
die Industrie besonders wichtig.
Hilft der Green Deal dabei, dass
wir, ähm, Wasserstoff wirklich
großflächig erzeugen und nutzen?
Ähm, also ist der, ist der Green
Deal eher sehr pro Wasserstoff oder
wie würdest du das einschätzen?
Mhm.
Würde ich schon auf jeden Fall sagen, weil
Wasserstoff schon auch als Kern, ähm, für
die Dekarbonisierung der Industrie gesehen
wird und wir da eben auch natürlich über
die Priorisierung, ähm, sprechen müssen.
Also wo ist da, ähm, der rare, das rare
Gut Wasserstoff, ähm, am besten zu nutzen?
Und das haben wir europäisch
auch diskutiert und haben
gesagt, die Dekarbonisierung
der Industrie ist zentral.
Aber natürlich geht's auch darum,
dort, wo keine, ähm, elektrifizierte,
ähm, ja Mobilität möglich ist, dort
auch Kraftstoffe zu entwickeln,
die wasserstoffbasiert sind.
Also da haben wir, äh, 'ne
Wasserstoffstrategie auch im Rahmen
des Green Deals entwickelt und auch
dort ist bereits, also wir müssen halt
nicht nur über das Ob reden, sondern
über das Wie, ähm, die Frage der
Infrastruktur zentral und auch dort,
ähm, gibt es europäische Förderprogramme,
die 'ne Wasserstoffinfrastruktur
in Schleswig-Holstein und
drumherum, ähm, möglich machen.
Ähm, und das ist eben das Ziel
auch, dass wir, ähm, unabhängig
von Energieimporten auch unsere
Ind-Industrie erneuerbar werden lassen.
Natürlich wird jetzt in der Zwischenzeit
und in der Umwützung auch, ähm,
ja Nicht grüner Wasserstoff eine
Rolle in Europa spielen, aber die
klar, die klare Zielsetzung ist, die
Infrastruktur aufzubauen, damit gerade
Regionen wie Schleswig-Holstein aus
dem Überschuss an Windenergie und
Solarenergie, die wir haben, ähm,
eben auch Wasserstoff machen können.
Und diese, ähm, Strategie und
diese Rahmenbedingungen haben
wir europäisch auch gesetzt.
Okay, kommen wir mal vom Stromsektor
weg und werden 'n bisschen persönlicher.
Wie beeinflusst denn die EU,
wie ich persönlich, ähm, mich
fortbewege oder meine Wohnung heize?
Haben wir da auch, ähm, ebenso
'n großen, ähm, Einfluss durch
die EU wie im Stromsektor?
Auch da wird, ähm, entscheidet
nicht die EU, was in deinem
Keller für 'ne Heizung ist so.
Das entscheiden die Mitgliedstaaten,
das entscheidet man individuell selber.
Aber natürlich ist es auch dort wichtig,
Rahmen zu setzen, um Klimaneutralität in
den Bereichen anzuregen, äh, sage ich mal.
Ähm, wir arbeiten auf europäischer
Ebene und ich möchte das auch
ausdrücklich kritisch sehen,
ähm, mit dem Emissionshandel.
Ähm, also wir haben ja bisher den ETS
eins, der ist für hauptsächlich Industrie.
Den gibt es auch schon seit zwanzig
Jahren und der hat, also da ist es
so, dass man halt einen Markt von
CO₂-Zertifikaten erzeugt, der, ähm,
nach und nach verknappt wird, also dann
eben angereizt wird, dass CO₂, ähm,
teurer wird und deswegen unattraktiv,
ähm, diese Zertifikate zu kaufen.
Und das hat in der Realität dazu
geführt, dass sich seit den 2005
die Emissionen in den Bereichen, wo
der ETS wirkt, halbiert haben, was
natürlich 'ne krasse Bilanz ist.
Äh, und dementsprechend war
das, finde ich, für den, für die
Industrie auch ein gutes Instrument.
Wir haben nun, ähm, beschlossen, dass wir
den ausweiten auf, äh, Wärme und Verkehr.
Das ist in Deutschland noch nichts
Neues, ähm- Ich halte das, ähm, auch,
also ist jetzt unser Instrument,
deswegen müssen wir damit arbeiten.
Aber es wird nur fu-funktionieren, wenn
man das eben auch, äh, sozial flankiert,
weil das, der Preis, das Preissignal,
ähm, das ja ein Emissionshandel setzt,
also Verbraucher, äh, du solltest
nicht CO₂ produzieren, das wird teurer.
Ähm, das ist ja oft nicht in der Hand
von, von Menschen zu entscheiden, ob
sie jetzt CO₂ mit CO₂ heizen oder nicht.
Also viele Menschen wohnen zur Miete, die
entscheiden nicht, äh, wie sie heizen.
Ähm, viele Menschen haben
keine Alternative oder können
sich noch kein E-Auto leisten.
Es gibt kein, nicht genügend Öffis.
Ähm, also dementsprechend haben nicht alle
Menschen die gleichen Möglichkeiten, sich
dann freizukaufen von der CO₂-Bepreisung.
Und das kann krasse soziale Ungleichheiten
in Europa vor allen Dingen erzeugen,
weil ein CO₂-Preis, der hier 'ne
Lenkungswirkung für den Markt, äh,
in Eu…, in Deutschland erzeugt,
der kann schon in Bulgarien oder
Rumänien Existenzen zerstört haben, so.
Deswegen, ähm, ist das 'n, äh, ist
das Instrument, was wir gewählt haben.
Aber ich glaub eben und bin der
Überzeugung, dass das sozial
flankiert passieren muss.
Wir haben einen kleinen Topf dafür
auf europäischer Ebene vorgesehen.
Ein Teil der Einnahmen, die durch
diesen Zertifikatehandel, äh, generiert
werden, geht in einen Klimasozialfonds,
der dann eben zu sozialen
Ausgleichsmaßnahmen genutzt werden kann.
Also das können kommunale Wärme-,
ähm, ausbauprogramme sein.
Das kann, ähm, ja auch Direktzahlung sein.
Klimagelddebatte, ähm, die ich aber
auch irgendwie 'n bisschen für tot
halte, muss ich sagen, äh, weil wir eben
die Infrastrukturseite regeln müssen.
Also wenn es ein Fernwärmenetz gibt,
an dem, an dem sich Häuser anschließen
können, wenn es, ähm, die Möglichkeit
gibt, Öffis zu nutzen, wenn es, ähm,
einen Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos
gibt, dann kann man wirklich auch
umsteigen und Alternativen nutzen.
Und das muss man sozial flankieren,
weil der Handel an sich, ähm, den halte
ich für den, für die, diese gerade sehr
sensiblen Bereichen, die einen persönlich
treffen, für nicht, ähm, ausreichend.
Über den ETS möchte ich auf jeden Fall
auch noch mal vertieft mit dir sprechen,
allerdings in unserer zweiten Folge.
Ähm, aber ist auf jeden
Fall sehr spannend.
Also jeder, der sich dafür
interessiert, sollte definitiv
in die nächste Folge hören.
Hm, Delara, ich möchte mit dir
noch mal 'n kleinen Abstecher
über den großen Teich machen.
Du hast es ja schon 'n
bisschen angesprochen.
Mhm.
Ähm, ich würd gern noch mal über
die USA unter dem Präsidenten Trump
sprechen, ähm, und auch über den, ähm,
Iran-Krieg, der aktuell noch läuft.
Niemand weiß, wie lange er noch läuft.
Vielleicht ist er schon morgen
nicht mehr aktuell, ähm, aber-
Ist ja sehr launisch immer.
Jetzt, wo wir aufnehmen, ist
er auf jeden Fall noch aktuell.
Und zwar bin ich auf eine
Schlagzeile gestoßen.
Die SHZ zitierte ich im Februar
diesen Jahres mit: „Die USA sind
kein verlässlicher Partner mehr."
Das ist ein relativ hartes Statement,
weil der, weil die USA eigentlich
immer 'n sehr Verbünde…, sehr
großer Verbündeter für uns war.
Oder du hast ja auch nicht gesagt, dass er
kein Verbündeter ist, aber auf jeden Fall
ein starker Partner eigentlich für uns.
Was bedeutet diese Aussage
von dir für Europa?
Hm, klimapolitisch oder insgesamt?
Gerne erst mal insgesamt.
Ja.
Also insgesamt ist es auf jeden Fall
so, ähm, dass wir uns sehr lange auf die
sehr gute Partnerschaft in sehr wichtigen
Bereichen gerade jetzt verlassen haben.
Das ist zum einen, ähm, 'ne, 'ne sehr
enge Verflechtung mit den USA und
unseren wirtschaftlichen Beziehungen.
Ähm, es ist auf der anderen Seite aber
eben vor allen Dingen und das ist,
glaube ich, gerade in diesen Zeiten das
Relevanteste, unsere große Abhängigkeit
im Bereich der Verteidigung, ähm,
über die NATO, das auch weiterhin ein
wichtiges Bündnis ist, aber wir eben
uns sehr darauf verlassen haben, dass,
ähm, die USA da immer an unserer Seite
steht und dass das, ähm, anders ist,
ähm, und dass auch, ähm, selber, ähm,
ja, ich sag mal, Offensiven gestartet
werden von einer US-Administration.
Das haben wir uns in dieser Zeit so nicht
ausmalen können, dass die Unterstützung
der Ukraine, ähm, nicht, ähm, ja,
bedingungslos ist in der, in den USA.
Das müssen wir auch grad
auf die harte Tour lernen.
Ähm, also grundsätzlich würde ich
sagen, ist die Lessons learned für
Europa, dass wir, also viele sprechen
davon, erwachsen werden müssen.
Also wir müssen uns selbstständiger
und souveräner aufstellen.
Das bedeutet, dass wir sowohl bei
Bereichen wie Verteidigung, aber
auch Ähm, Wirtschaften, ähm, einfach,
ähm, überlegen müssen, wie wir
als Europäer auch eigenständiger
und mit neuen Partnerschaften,
ähm, ja, uns stark machen können.
Mhm.
Und wenn wir uns jetzt die
Energiewende und auch den Klimaschutz
bei uns anschauen, leidet die
unter dem US-Präsidenten, äh, der
ja beides eher für Unsinn hält?
Um das mal nett auszudrücken.
Also erst mal würd ich sagen, dass
grundsätzlich der Druck schon da ist,
weil, ähm, Trump ja nicht isoliert
handelt, sondern Trump hat auch Fans
und Unterstützerinnen in Europa, ähm,
die mit den gleichen Bullet Points in
die Debatten in Europa gehen, die auch
sagen, ähm: „Make Europe great again.
Ähm, wir wollen jetzt, äh, irgendwie
mehr fossile Energien." Also da, das,
diese Speaking Notes von Trump, die
finden sich auch in der europäischen
Rechte ganz klar wieder und sie sind halt
auch extrem eng verknüpft ideologisch,
ähm, und arbeiten auch viel zusammen.
Dementsprechend hat das auf jeden
Fall, ähm, Folgen, äh, f-für uns,
ähm, und für die Klimapolitik.
Ähm, ganz konkret ist es so, dass wir,
ähm, vor allen Dingen Druck auf den
internationalen, für internationale
Klimapolitik haben, weil sich die
USA da ja auch aktiv zurückzieht und,
ähm, natürlich das auch generell dann
Zweifel gibt, ob man als Europäer
da weitermachen sollte und ob nicht
jetzt erst mal anders dran sind.
Es gibt Initiativen auch aus Europa,
ähm, die eben genau das Gegenteil
sagen, dass wir grade in diesen
unsicheren Zeiten 'ne globale Allianz
für, für Klimaschutz brauchen.
Es gab jetzt grad in Kolumbien, ähm,
ein, ein Treffen der Koalition der
Willigen, die auch über die Fossilfreiheit
unserer Eni-Energieversorgung global,
äh, gesprochen haben, angeregt
durch die Niederlande und Kolumbien.
Ähm, also dementsprechend,
äh, ist es so beides.
Es gibt natürlich die politischen
Kräfte, die's unterstützen, aber halt
auch die politischen Kräfte, die sagen:
„Okay, jetzt erst recht unabhängig
werden von den Importen und unsere
Wirtschaft stark aufstellen." Jetzt
erst recht könnte man ja auch meinen,
ähm, dass wir, dass dieses Gefühl
jetzt wieder aufkommt, ähm, mit dem,
äh, Iran-Krieg und der, ähm, Knappheit
an fossilen Energien, die, ähm, grade
eigentlich überall auf der Welt herrscht.
So hattest du's ja auch schon beschrieben,
war's im Grunde, als der, die erste
Energiekrise oder die erste ist ja
Quatsch, aber vielleicht aus unserem
Zeitalter die erste Energiekrise, ähm,
mit der, mit der Ukraine-Krise passiert
ist, dass ihr ja gesagt habt, da habt
ihr nachgeschärft, da habt ihr die,
ähm, Ausbauziele der Erneuerbaren,
ähm, noch mal nach oben geschraubt.
Ich hab nicht das Gefühl, dass
wir 'n echtes Déjà-vu erleben und
merken, ähm: „Ach ja, da war ja was."
Äh, Stichwort Freiheitsenergien,
Stichwort, äh, heimische Energien.
Ähm- Wieso ist das diesmal anders?
Wieso gibt's jetzt nicht wieder
diesen Aufschrei: „Energiewende
ist ja doch der richtige Weg"?
Also ich hab vielleicht nur so 'n paar
unfertige Gedanken zu, weil ich's halt
rational überhaupt nicht verstehen kann,
weil es genau die gleiche Situation ist.
Ähm, wir, wir erleben- Ich hab
sogar gelesen, sie ist sogar
eigentlich schlimmer vom Ausmaß her.
Vom Ausmaß her ist sie, ist sie
schlimmer, ähm, aber sie ist eben
strukturell die gleiche Frage: Macht
uns das nicht unabhängiger, wenn wir
nicht abhängig sind von diesen, äh,
Importen, wenn die, ähm, die Straße
von Ho-Hornum nicht, äh, blockiert ist?
Ähm, also d-d-das, es wird jetzt noch
mal im Brennlast- Deutlich, wie, ähm,
abhängig uns die, ähm, diese Abhängigkeit
oder wie handlungsunfähig uns diese
Ab, äh, diese Abhängigkeit macht.
Es gibt aber komplett andere Reflexe.
Das ist natürlich zum einen die,
zumindestens meine These, deswegen können
wir da auch gern drüber diskutieren,
die politisch veränderte Lage eben,
dass es einfach andere Mehrheiten gibt
politisch, ähm, als zum letzten Mal,
also wo man eben so 'ne Krise dann auch
nutzt, um Dinge, die einem nicht lieb
samym sind, ähm, zurück, äh, zu drehen.
Aber es ist, glaube ich, auch noch
mal 'ne, 'ne einfach gestiegenere
Verunsicherung in, in der Frage, ähm, die
wir politisch haben, weil auch, ähm, finde
ich, dass ein Makel des Green Deals ist
und auch der Diskuss, der klimapolitischen
Debatte sie offensichtlich, dass, ähm,
dass Teilhabe, die Teilhabeangst von
Menschen nicht genügend aufgegriffen hat.
Also dass Leute halt nicht das
Gefühl haben, dass durch diese
erneuerbaren Ausbau sie tatsächlich
die Profiteure sind davon, weil ja die
Energiepreisschocks immer noch kommen.
Also dass dieses, ähm, dieses rationale
Argument, was für die, für die
Ukraine-Situation galt, dass das jetzt
nicht zieht, weil's vielleicht 'n bisschen
weiter weg ist und weil die Krisen- Wobei
du ja vorhin gesagt hast, dass in Spanien,
äh, die ja in den Ausbau der Erneuerbaren
sehr weit sind, die Preisschocks, äh,
deutlich geringer ausgefallen sind.
Eigentlich müsste man doch jetzt
sagen, wir machen's alle wie Spanien.
Würde ich auch sagen, dass man
viel von Spanien lernen kann.
Ähm, genau, also würde ich auch sagen,
dass man das rational so, ähm, beurteilen
kann, aber ich glaub, da liegt noch
irgendwie 'ne emotionale Ebene drüber,
die, ähm, auch vielleicht grade in
Deutschland, ähm, da ist, die ich
auch rational nicht w-- nicht erklären
kann, aber die da ist und über die
wir uns Gedanken machen müssen, wie
die auch grade als klimabewegte, ähm,
Menschen und Politikerinnen, wie wir
die aufbrechen können, damit diese Angst
vor der Zukunft und vor Teilhabe, ähm,
nicht genutzt wird, um diesen, diese
wichtigen Schritte, die halt nachweislich
zu 'ner besseren wirtschaftlichen
Situation und Unabhängigkeit in
solchen Krisen führen, nicht, ähm,
genutzt werden, um das abzuwickeln.
Also das ist schon 'ne, 'ne Kernaufgabe,
vor der, ähm, ich persönlich, aber auch
meine Partei grade steht, wie wir, ähm,
ja, da uns rausmanövrieren, weil ich
weiterhin glaube, dass 'ne Unabhängigkeit
von diesen fossilen Importen uns als
Europäer stärker macht und finanziell
unabhängiger macht und auch eben bitte
keine Ablenkungsdebatten zur Atomkraft,
ähm, weil auch da ganz klar nachweisbar
ist, Erneuerbare sind viel günstiger.
Ähm, also wenn wir kostengünstig und
unabhängig Energie haben wollen, dann ist
der Ausbau der Erneuerbare das Zentrale.
Ähm, und darauf die Debatte zu
lenken, das finde ich wichtig.
Und deswegen auch bin ich auch hier.
Ja, gut, das war irgendwie
'n ganz nettes Schlusswort.
Ähm, schöner Appell noch mal
für die, für die Erneuerbaren.
Aber ich hab trotzdem noch eine
abschließende Frage für dich.
Ähm, ich kann mir die Antwort, glaube
ich, schon 'n bisschen denken, so
wie du hier redest und reagierst.
Aber, ähm, stell dir vor, du
dürftest der EU einen typisch
norddeutschen Rat mitgeben.
Wär's eher nur mit der Ruhe Dat
löppt oder nich lang schnacken?
Ich glaube, die Wahrheit
liegt irgendwo dazwischen.
Also einerseits nur mit der Ruhe
würde ja sich darauf beziehen,
lass uns einfach mal den Weg
weitergehen, den wir gemacht haben.
Lasst euch nicht ablenken.
Aber es ist ja auch so, dass es
noch nicht genug ist, dass wir
ein bisschen anziehen müssen.
Deswegen ist die Wahrheit dazwischen.
So, Kurs halten, ums mit dem
Ministerpräsidenten zu sagen,
aber eben auch, ähm, loslegen.
Ja, prima.
Ähm, ich bedanke mich bei
dir, Delara, dass du mir diese
ganzen Fragen beantwortet hast.
Äh, ich hab heute auf jeden Fall viel
mitgenommen und ich hoffe, ihr, die uns
zuhört, haben auch so viel mitgenommen.
Niklas, ich hoffe, du hast auch was
gelernt, obwohl du nicht dabei warst.
Äh, du wirst die Folge bestimmt anhören.
Genau, vielen, vielen Dank,
Delara, dass du hier warst.
Sehr gerne.
Das war Shift.
Der Norden macht Zukunft.
Der Energiewende Podcast der EKSH