Von Kurztrip bis Fernreise: Wie nachhaltig reisen wir in Deutschland wirklich?
SHIFT - der Norden macht Zukunft
08.06.2026 40 min
Zusammenfassung & Show Notes
Klar - mit Flugreisen prahlt heutzutage niemand mehr. Aber wie viele Gedanken machst du dir darüber hinaus über das Thema Nachhaltigkeit im Urlaub? Nutzt du dort häufiger das Fahrrad? Oder steigst du ganz im Gegenteil auf das Wohnmobil um und fährst deutlich mehr Kilometer als im Alltag? In dieser Folge sprechen Sandra und Niklas mit Bente Grimm über das Reiseverhalten der Deutschen. Bente bringt Studien mit und erzählt aus ihrer Erfahrung als Mobilitäts- und Tourismusforscherin.
Niklas und Sandra klären mit Bente u.a. diese Fragen:
Niklas und Sandra klären mit Bente u.a. diese Fragen:
- Wohin fahren wir Deutschen am liebsten in den Urlaub?
- Welche Verkehrsmittel nutzen wir auf unsere Reisen?
- Warum sind Flieger und Auto immer noch so beliebt?
- Haben wir im Urlaub ein anderes Verkehrsverhalten?
- Was müsste passieren, damit wir noch nachhaltiger reisen?
- Und wer trägt die Verantwortung dafür?
Viel Spaß bei unserem Klönschnack mit Tiefgang!
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Über unseren Gast:
Bente Grimm ist Mobilitäts- und Tourismusforscherin. Seit 2018 leitet sie die Touristische Mobilitätsforschung im Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) mit Sitz in Kiel. Außerdem ist sie Lehrbeauftragte für touristische Marktforschung am geografischen Institut an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU).
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Über unseren Gast:
Bente Grimm ist Mobilitäts- und Tourismusforscherin. Seit 2018 leitet sie die Touristische Mobilitätsforschung im Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) mit Sitz in Kiel. Außerdem ist sie Lehrbeauftragte für touristische Marktforschung am geografischen Institut an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU).
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Transkript
Fliegen ist einfach zu günstig.
Es ist unfair, dass es nicht
besteuert wird und dass andere, äh,
Treibstoffe, also für PKW-Fahrten,
eben stark besteuert werden.
Der Staat nimmt damit Geld ein und
gleichzeitig sind die Umwelt- und
Klimaauswirkungen aber wirklich
immens und meiner Meinung nach
müssten diejenigen, äh, die fliegen,
einen Teil dafür bezahlen, um
genau das eben zu kompensieren.
Wo beziehungsweise bei wem glaubst
du, denn liegen halt die größten
Stellschrauben, die man anzapfen müsste,
damit wir das Ganze nachhaltiger machen?
Klönschnack mit Tiefgang.
Das ist Shift.
Der Norden macht Zukunft.
Der Energiewende-Podcast der
EKSH Bente, wie würdest du auf
keinen Fall in den Urlaub reisen?
Ich würde auf gar keinen Fall eine
Kreuzfahrt machen und, ähm, auf
gar keinen Fall, ähm, ja, mit, mit,
äh, absolut, äh, ja fürchterlichen
Menschen und auf gar keinen Fall an
Reiseziele, ähm, bei denen wirklich
so riesige Hotelburgen und so stehen.
Das finde ich ganz, ganz schrecklich.
Okay, warum nicht mit
dem Kreuzfahrtschiff?
Ähm, das Gefühl- Wenn du in Kiel, Kiel
arbeitest und die Ost vor der Nase hast.
Hat unterschiedliche Gründe.
Ähm, zum einen das Gefühl, mit mehreren
tausend Menschen über mehrere Tage
hinweg dort eingeschlossen zu sein, nur
dann an Land zu können, wenn das Boot
dort anhält, äh, gefällt mir nicht.
Umweltauswirkungen, Klimaauswirkungen
ganz klar auch noch 'n Grund.
Und wenn ich unterwegs bin, möchte
ich die Natur gerne direkt erleben
und nicht nur vom Schiff aus.
Eine ganz kleine Ausnahme würde
ich machen bei der Hurtigruten.
Und zwar deshalb, weil ich
halbe Norwegerin bin und die
norwegische Küstenlandschaft und
das kleinere Schiff mich dann doch
irgendwie 'n bisschen faszinieren.
Okay.
Auf jeden Fall schön, dass du da bist.
Ähm, herzlich willkommen
auch an alle da draußen.
Schön auch, dass du da bist, Sandra.
Danke.
Ich hab jetzt grade die schöne
Aufgabe, dich vorzustellen und ich
kann direkt mit etwas anfangen.
Du bist halbe Norwegerin.
Ja.
Herzlich willkommen, Bente
Grimm, in unserem Podcast.
Das wussten wir nicht, das haben
wir nicht, äh, ergoogeln können.
Schön, dass du da bist.
Ähm, wir haben dich eingeladen,
weil du seit 2003 schon am Institut
für Tourismus-Bäderforschung in
Nordeuropa, kurz dem NIT, bist und
seit 2018 dort sogar Leiterin für
die touristische Mobilitätsforschung.
Äh, gleichzeitig hast du
auch 'ne, äh, bist du auch
Lehrbeauftragte für touristische
Marktforschung am Geographischen
Institut hier in Kiel an der CAU.
Und, ähm, ich hab, äh, auch grad
erst frisch noch gelernt, du
bist auch Projektleiterin beim
Verein Forschungsgemeinschaft
Urlaub und Reisen, kurz FUR.
Äh, das musst du uns einmal erklären.
Du hast zwei Jobs.
Äh, nee, tatsächlich
hab ich nur einen Job.
Ich bin, äh, ja beschäftigt im NIT hier
in Kiel und wir machen Tourismusforschung,
Tourismusberatung und dort kümmere ich
mich im Wesentlichen um touristische
Mobilitätsforschung und ich mache
aber noch ein paar andere Sachen.
Und dazu gehört die Arbeit
an der Reiseanalyse.
Und die Reiseanalyse ist das größte
Projekt, das wir im NIT haben.
Und die Reiseanalyse ist ein Projekt der
Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen,
ein Zusammenschluss von verschiedenen
Interessenvertretern aus dem Tourismus,
Tourismusregionen, Tourismusverbänden.
Und, ähm, die haben einen Verein
gegründet, um Tourismusforschung
durchführen zu können.
Und dieser Verein hat eine
Geschäftsstelle und die ist bei uns im
Haus und, ähm, wird von uns betrieben.
Wir haben dafür 'n Auftrag als NIT
und zusätzlich führen wir jedes Jahr,
also wir übernehmen die Organisation
und die Auswertung der Reiseanalyse.
Das ist die größte Untersuchung
zum Reiseverhalten der
Menschen hier in Deutschland.
Und da leite ich die Module.
Das sind die thematischen
Sonderauswertungen.
Sehr gut.
Das heißt, beim Thema Zahlen und
Fakten macht dir keiner was vor.
Das ist perfekt.
Äh, das werden wir heute auf jeden
Fall noch prüfen und erfragen,
was du da alles so weißt.
Ähm, deine Ähm Ausrichtung in Richtung
Mobilität fing ja auch schon früh an.
Ich hab gelesen, dass du in deiner äh
Magisterarbeit das Thema zukunftsfähige
Mobilität schon ausgewählt hattest.
Also äh es zieht sich quasi durch
deine berufliche Laufbahn und
deswegen bist du hier auch genau
die Richtige, die bei uns sitzt.
Oder fragen wir uns, auch du wirst ja
ab und zu Urlaub machen, nehmen wir an.
Und kannst du da überhaupt voll
entspannen oder bist du immer auch ein
bisschen Mobilit, äh Entschuldigung,
äh Tourismusforscherin vor allem und
äh hast nie ganz Urlaub im Urlaub?
Ich kann auf jeden Fall entspannen,
aber trotzdem stimmt das schon.
Und der Versp-Versprecher war
eigentlich grade ganz richtig,
weil ich bin eigentlich beides.
Ich bin Mobilitäts- und
Tourismusforscherin und fühle
mich da so ein bisschen auch
genau an der Schnittstelle.
Und äh ja, wenn man meine Familie
fragen würde, ähm dann würden die
sagen: "Na ja, Mama macht unterwegs
komische Fotos von Bushaltestellen äh
und äh liest sich Infotafeln irgendwie
anders durch als andere Menschen."
Also von daher, so hundert Prozent
abschalten kann man da nicht.
Das find ich jetzt aber nicht schlimm.
Ich mach trotzdem sehr, sehr gerne Urlaub
und natürlich spielt das Thema Mobilität
dabei irgendwie auch 'ne Rolle, auch
schon in der familieninternen Diskussion.
Ja, ich glaub, da bist du auch nicht
die einzige Men, äh der einzige
Mensch in Deutschland, der seinen
äh Beruf manchmal ein bisschen
ins Privatleben mit rein nimmt.
Und äh wenn einem der Beruf Spaß
macht, ist es doch auch was Schönes.
Äh Ich hab noch 'n Spoiler
für alle, die uns zuhören.
Und zwar ähm läuft diese Folge ja
erst seit wenigen Minuten und trotzdem
verrate ich jetzt schon, dass wir noch
'ne zweite Folge mit Bente machen.
Und wenn ihr Bente jetzt schon
genauso sympathisch findet wie wir
und definitiv die zweite Folge hören
wollt, dann abonniert uns auf jeden
Fall, dann verpasst ihr sie nicht.
Das würd ich ganz klar empfehlen.
Bente, wir wollen mit dir über
Tourismus und über Mobilität sprechen.
Und zwar spezieller darüber,
wie wir Schleswig-Holsteiner,
Schleswig-Holsteinerinnen, also ich bin
zwar nicht in Schleswig-Holstein geboren,
fühl mich aber als Schleswig-Holsteiner,
sondern du bist auch waschechte- Ich
bin so was von Schleswig-Holsteinerin.
Das sieht man dir auch an.
Ja.
Ähm darüber wollen wir sprechen,
wie wir Schleswig-Holsteiner reisen.
Kann man da bestimmte Ausrichtungen sehen?
Also sind wir eher als
Schleswig-Holsteiner, als Nordlichter,
welche, die eher in den Zug springen
oder sind wir doch eher die, die mit
dem Autoschlüssel aus der Tür gehen?
Oder vielleicht doch eher
in den Flieger steigen?
Ja, also erst mal vorab, ich bin selbst
keine waschechte Schleswig-Holsteinerin.
Ich wurde in Hessen geboren und bin
seit über zweiundzwanzig Jahren jetzt
inzwischen hier in Schleswig-Holstein.
Ja, wir haben ja auch gehört, du
bist ja auch halbe Norwegerin.
Ja.
Von Hessen nach Norwegen.
Ich glaub, da liegt ja
Schleswig-Holstein genau in der Mitte.
Also hast du dich ja richtig entschieden.
Genau.
Und ähm mit dem Urlaubsreiseverhalten
der Menschen hier in Deutschland
und auch mit dem von denen hier in
Schleswig-Holstein beschäftige ich
mich wirklich schon sehr, sehr lange.
Nicht nur im Rahmen der Reiseanalyse,
sondern auch im Rahmen der
Gästebefragung Schleswig-Holstein.
Ist auch ein großes Projekt von uns.
Das eine, die Reiseanalyse, ist eine
ähm Quell-Quellgebietsbefragung.
Das heißt, dort fragen wir Menschen in
ganz Deutschland zu ihren Urlaubsreisen
und ich kann mir von diesen vielen,
vielen Daten, die wir jährlich
erheben, die anschauen von denen,
die in Schleswig-Holstein leben.
Das andere, die Gästebefragung
Schleswig-Holstein, ist eine
Zielgebietsuntersuchung.
Da befragen wir diejenigen- Die hier vor
Ort eine Übernachtungsreise unternehmen.
Und, ähm, in beiden, äh, Fällen, ähm,
sieht man, äh, dabei, wie die Menschen
reisen, was sie bewegt und mit welchen
Verkehrsmitteln sie reisen, zum Beispiel.
Wenn wir uns anschauen, äh, Menschen,
die hier in Schleswig-Holstein leben,
ähm, die machen jede Menge Urlaubsreisen.
Damit sind sie nicht allein, das
machen andere in Deutschland auch.
Um mal so ein paar Zahlen zu
nennen, ich habe welche mitgebracht.
Ähm, es, äh, im letzten Jahr, also
2025, ähm, wurden, ähm, 2,1 Millionen
Urlaubsreisen gemacht mit fünf und
mehr Tagen Dauer von Menschen, die
hier in Schleswig-Holstein leben.
Und dazu kommen noch Kurzurlaubsreisen
mit zwei bis vier Tagen Dauer.
Das ist so die typische Abgrenzung
bei uns in der Tourismusforschung.
Das waren 2,6 Millionen
Urlaubsreisen von Personen, die
mindestens 14 Jahre alt sind.
Und eine Besonderheit hier bei den
Schleswig-Holsteinern ist zum Beispiel,
dass sie einen besonders hohen
Anteil an Kurzurlaubsreisenden haben.
Also hier ist der Anteil
derjenigen, die mindestens eine
Kurzurlaubsreise im Jahr machen,
höher als in anderen Bundesländern.
Und, äh, man sieht bei den
Urlaubsreisezielen, dass, äh, unser
Nachbarland, äh, Dänemark tatsächlich
einen besonders hohen Stellenwert hat.
Um das einmal einzuordnen: Ich
glaube, in Schleswig-Holstein leben
knapp drei Millionen, irgendwie
2,9 Millionen Menschen oder so.
Also das heißt ja, du hast gerade von
2,6 Kurzreisen, 2,6 Millionen Kurzreisen.
Das heißt, jeder, jede
Schleswig-Holsteinerin und wenn
wir dann noch die unter 14-Jährigen
abziehen, sogar mehr als jeder
und jede Schleswig-Holsteiner:in,
ähm, machen mindestens eine
Kurzreise im Jahr, Kurzurlaub.
Na ja gut, es gibt immer Menschen,
die überhaupt nicht verreisen.
Ähm, auch das ist jetzt nicht typisch
für Schleswig-Holstein, sondern es
gibt immer Menschen, die entweder
nicht das Geld haben oder keine Zeit
haben, weil sie beispielsweise gerade
ein Haus bauen, ein Kind bekommen
haben, beruflich so eingespannt sind.
Ähm, es ist aber etwa so, dass, dass
etwa 80% der Bevölkerung jedes Jahr eine
Urlaubsreise oder mehrere Urlaubsreisen
unternehmen und, ähm, so auch hier.
Also das Topziel ist dann Dänemark
für uns Schleswig-Holsteiner?
Nee, da muss ich ganz kurz einhaken.
Das ist tatsächlich nicht.
Ich hab nur gesagt, Dänemark
hat einen herausragenden, äh,
Stellenwert im Vergleich zu
anderen Herkunftsbundesländern.
Also Menschen in Schleswig-Holstein
reisen häufiger nach Dänemark
und das ist 'ne Besonderheit.
Aber erst einmal ist es so, dass die
allermeisten Schleswig-Holsteiner,
ähm, innerhalb Deutschlands verreisen.
Also das Topziel ist Deutschland.
Wenn man sich jetzt genauer die
Bundesländer anschaut, ist, äh,
tatsächlich Niedersachsen ganz vorne
bei den längeren Urlaubsreisen, ähm,
gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern.
Und, ähm, dann, äh, ja, bei
den Kurzurlaubsreisen ist, ist
Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam
mit, äh, Berlin, äh, weit an der
Spitze nach dem eigenen Bundesland.
Kurzurlaubsreisen werden tatsächlich auch
besonders gerne hier im eigenen Land,
vor allen Dingen an der Ostseeküste,
aber auch an der Nordseeküste gemacht.
Also Topreiseziel Deutschland
innerhalb Deutschlands, äh,
ja, ne, die eigene Küste.
Und dann kommen verschiedene andere
Länder und da liegt Spanien ganz vorne.
Und, ähm, wenn wir uns das mal im
Vergleich zu anderen Bundesländern
angucken, klar, dass viele
Schleswig-Holsteiner nach Dänemark
fahren, liegt nahe aufgrund der
Grenze, aber unterscheidet sich das
stark von anderen Bundesländern?
Wenn jetzt zum Beispiel Niedersachsen
fahren die viel nach, ähm, in
die Niederlande, äh, in die
Niederlande oder, ähm, machen die
vielleicht ganz anders Urlaub?
Setzen die sich in den Flieger?
Ja, die Entfernung spielt
da eine ganz große Rolle.
Also die Nachbarländer sind
jeweils immer ein Stück beliebter.
Ähm, von daher, ja, von Niedersachsen
aus oder auch Nordrhein-Westfalen
aus, ähm, geht's einfach häufiger
Richtung Niederlande, Richtung
Belgien, Richtung Frankreich.
Wer im Süden wohnt, fährt eben
eher mal in die Schweiz, nach
Österreich oder auch nach Italien.
Wer ganz im Osten wohnt, eher nach Polen.
Das spielt auf jeden Fall
'ne ganz große Rolle.
Ähm, ich denk aber schon, dass
die Geschichte mit Dänemark
wirklich was Besonderes ist.
Ich hab jetzt eben grad in der
Zwischenzeit noch mal genau nachgeschaut.
Tatsächlich hattest du vorhin recht und,
äh, Dänemark ist sogar noch vor Spanien.
Also wirklich, äh, es ist schon
wirklich herausragend und, ähm, es,
es ist so 'n bisschen der Klassiker.
Also es, äh, so viele fahren auch
wirklich jedes Jahr nach Dänemark, ähm,
machen das, äh, entweder traditionell
immer in den Osterferien, immer in
den Herbstferien, in den Sommerferien,
äh, oder, ne, als zweite Urlaubsreise,
als Kurzurlaubsreise zusätzlich,
viele auch gemeinsam mit Freunden.
Ja, also da, da spielt einfach
die, die räumliche Nähe und
irgendwo aber auch die kulturelle
Nähe, glaub ich, 'ne große Rolle.
Okay.
Und, ähm, hast du auch Zahlen dazu?
Also kannst du's aufschlüsseln, welche
Verkehrsmittel wir hauptsächlich
nehmen, um in den Urlaub zu kommen?
Also wie sieht's mit Zug, Flugzeug- Ja,
ähm, ganz, ganz vorne steht das Auto.
Die allermeisten Urlaubsreisen,
ähm, und auch die Kurzurlaubsreisen
finden mit dem privaten PKW statt,
äh, insbesondere nach Dänemark.
Ähm, das hat 'ne ganz, äh, enge
Verbindung zur Unterkunftsform.
In Dänemark sind das ja vor allen
Dingen Ferienhausurlaube, bei denen
man sich selbst versorgt, äh, und,
äh, die nicht ganz so gut, äh, mit
anderen Verkehrsmitteln erreichbar sind.
Die ganz, ganz klassische Variante
ist da, ähm, mit dem Auto anzureisen.
Ähm, wenn ihr genauere Zahlen haben wollt,
jetzt für die Reisen, äh, der Deutschen,
ähm, da ist es so, dass insgesamt, ja,
je nachdem, ob das jetzt längere oder
Url, oder kürzere Urlaubsreisen sind,
ähm, kann man davon ausgehen, dass etwa
40 %, ähm, mit dem PKW gemacht werden.
Wenn man sich aber dann die
Dänemark, äh, Reisen anschaut,
dann geht das, äh, deutlich über 90
Ähm, und der Anteil, der dann nicht mit
dem Auto gemacht wird, geht dann oft nach
Kopenhagen und da ist dann tatsächlich
die Bahn auch interessant und relevant.
Ansonsten ganz klar das Auto.
Ganz vorne.
Und ist dann auf Platz drei Flugzeug?
Insgesamt, also wenn man jetzt alle
Reisen der Schleswig-Holsteiner
anschaut, ist tatsächlich sogar das
Flugzeug, äh, noch weiter vorne.
Äh, Flugzeug ist so etwa auf der Höhe mit
dem PKW, wenn man alle Reisen anschaut,
weil ja ein großer Teil der Reisen
beispielsweise ans Mittelmeer geht.
Ähm, ne, Spanien, Italien, Türkei,
Griechenland, da wird überall hingeflogen.
Wenn man aber nur die Reisen nach
Dänemark anschaut oder jetzt, äh,
Reisen in die Nachbarländer, da ist dann
wirklich das Flugzeug weniger relevant.
Hängt auch ein bisschen
von der Reisedauer ab.
Bei den Kurzurlaubsreisen, ähm, hat
die Bahn einen höheren Stellenwert.
Da kommt man durchaus auf Marktanteile
von bis zu zwanzig Prozent, ähm,
was an verschiedenen Dingen liegt.
Zum einen daran, dass vermehrt
Städte angefahren werden.
Im Kurzurlaub fährt man eben gerne
dann nach Amsterdam, nach Paris, nach
Prag oder Budapest in Städte, die
leicht erreichbar sind mit der Bahn.
Man hat weniger Gepäck dabei und, ähm,
man hat dann vor Ort einfach auch andere
Bedürfnisse, die sich vielleicht dann auch
einfacher mit der Bahn erfüllen lassen.
Ähm, es ist Zeit für
ein kleines Shift-Quiz.
Ist immer eine gute Zeit, sich
ein Stück Kuchen aufzuladen.
Lade ich dich jetzt erst mal zu
ein, dass du dir gerne was nimmst
von unserer kleinen Kuchenauswahl.
Ich glaube, Niklas, was hast du besorgt?
Brownies und Bananenkuchen, oder?
Genau.
Lecker, lecker.
Wollte mal ein bisschen,
ein bisschen extravagant.
Genau, und wir wollen, ähm, Fakt oder
Fake spielen, ähm, zur Tourismusmobilität.
Das heißt, ich werde dir 'ne
Aussage vorlesen und du musst mir
sagen, äh, ob's richtig, äh, also
Fakt oder falsch, also Fake ist.
Ähm, gerne darfst du auch noch, äh,
einen erklärenden Satz dazu sagen.
Wenn du's nicht machst, frage
ich wahrscheinlich nach.
Also die erste Aussage ist: Ähm, der
größte Teil der CO₂-Emissionen einer
Urlaubsreise entsteht nicht vor Ort,
sondern bei der An- und Abreise.
Äh, Fakt.
Auf jeden Fall.
Ähm, ja, das liegt daran, dass
eben vor allen Dingen mit dem PKW
beziehungsweise mit dem Flugzeug
verreist wird und, äh, die CO₂-Emissionen
sind da einfach ziemlich hoch.
Äh, wir haben das tatsächlich auch mal
untersucht in 'nem Projekt gemeinsam
mit dem WWF damals und, äh, wenn ich
mich richtig erinnere, war auch die
Verbraucherzentrale sogar noch mit dabei
und wir haben dann verschiedene Reisen
miteinander verglichen und haben dann
eben dargestellt jeweils, wie groß der
Anteil, ähm, der Verkehrsmittelnutzung
war, wie groß der von der Unterkunft
war, von den Aktivitäten vor
Ort, Verpflegung und so weiter.
Und das sieht man ganz, ganz deutlich.
Und da sind Fernreisen mit dem Flugzeug
sind die, die alles toppen und,
äh, ja, die sind so mit Abstand am
schlimmsten, was die Emissionen angeht.
Okay, ergibt Sinn.
Die zweite Aussage: Gäste
entscheiden sich hauptsächlich aus
Klimagründen für Bahn statt Auto.
Nein.
Ähm, fake.
Stimmt nicht.
Ähm, das ist tatsächlich 'ne
nachgeordnete Entscheidung.
Ähm, wir haben Daten dazu, ähm, warum,
äh, warum bestimmte Verkehrsmittel
bei den Urlaubsreisen genutzt wurden.
Und, äh, da sieht man, dass, äh, für
die Entscheidung, äh, zum einen, ähm,
die, ähm, das, das Reiseziel – das
hatte ich ja vorhin schon gesagt,
mit den Städtereisen ist dabei sehr,
sehr wichtig – äh, die persönlichen
Gewohnheiten, die Einstellungen.
Habe ich 'ne Einstellung
hin zu mehr Nachhaltigkeit?
Bin ich's gewohnt, im Alltag
mit der Bahn zu fahren?
Die PKW-Verfügbarkeit: Habe
ich überhaupt einen PKW?
Ähm, die Mitreisenden, ne.
Was sagen die anderen?
Beispielsweise, wenn ich beispielsweise
allein verreise, würde ich auf jeden
Fall immer, immer, immer mit der Bahn
fahren, soweit das irgendwie geht.
Äh, sind aber mein Mann und meine
Kinder dabei, sieht die Sache
vielleicht schon ganz anders aus.
Und, äh, zusätzlich dann
auch noch, äh, das Gepäck.
Das habe ich jetzt, glaube
ich, noch nicht erwähnt, ne.
Also es sind ganz, ganz viele Sachen,
die dabei 'ne Rolle spielen, aber
Einstellung zum Klimaschutz ist
dabei bei einigen durchaus, aber
bei der Mehrheit nicht ganz vorne.
Dann ist die nächste Aussage:
Kostenloser ÖPNV allein reicht, um
das Auto im Urlaub stehen zu lassen.
Hm.
Nein, also fake.
Äh, reicht nicht, ist aber ein ganz,
ganz wichtiger Baustein aus meiner Sicht.
Äh, zeigt sich auch wieder, ähm, bei
den Daten, die wir erhoben haben,
ähm, weil wir danach gefragt haben:
Was ist denn wichtig für Sie bei der
Mobilität, äh, vor Ort beziehungsweise
was, äh, beeinflusst Ihre Entscheidung
für das Anreiseverkehrsmittel?
Und wenn man weiß, dass man sich vor
Ort, äh, kostenlos vorwärtsbewegen kann,
indem man die Mobilität in der Gästekarte
mit drin hat, äh, dann beeinflusst
das natürlich die Entscheidung.
Dann erleichtert es mir die Entscheidung,
vielleicht auch mit der Bahn anzureisen.
Hm, das alleine ist … Ach so, außerdem
ist natürlich wichtig das Angebot.
Ähm, hilft ja nichts, wenn
alles kostenlos ist und da fährt
aber kein Bus und keine Bahn.
Von daher ist wichtig, aber
allein nicht entscheidend.
Ja, ja, das ergibt Sinn.
Ähm, die nächste Aussage ist:
Im Urlaub sind Menschen eher
bereit, neue Verkehrsmittel
auszuprobieren als im Alltag.
Ja, also das stimmt auf jeden Fall.
Ich hab im Urlaub ja zum
einen weniger Zeitdruck.
Ich, ähm, hab 'ne neue Region,
in der ich mich nicht auskenne.
Ich hab 'ne stärkere Erlebnisorientierung.
Ich muss nicht wie auf dem Weg zur
Arbeit oder zur Schule, ähm, zu 'nem
bestimmten Uhrzeit irgendwo sein.
Ich nehm mir vielleicht auch die
Zeit, um oder ja, um mich auf andere
Gedanken bringen zu lassen, bin
vielleicht offen für neue Anregungen.
Ja.
Mhm.
Nächste Aussage: Wenn Urlauber vor
Ort kein Auto brauchen, steigt die
Zufriedenheit mit dem Urlaubserlebnis.
Wenn Sie kein Auto brauchen.
Puh, äh, kann ich nicht ganz
klar mit Ja oder Nein antworten.
Bei einigen Menschen ja, bei
mir persönlich wäre das so.
Mein, meine Zufriedenheit
steigt dadurch immens.
Äh, ich würde aber sagen,
das ist nicht bei jedem so.
Gibt ja auch Leute, die so extrem
begeisterte Autofahrer sind, äh, bei
denen, äh, das Autofahren ganz klar mit
dazugehört und denen es fehlen würde.
Äh, da würde ich so die Gesellschaft
in drei Gruppen einteilen oder die
Reisenden, die bei denen das, äh, das
Urlaubserlebnis steigert und positiv
beeinflusst, bei anderen eher negativ
und für die große Masse ist es ein
Stück weit auch egal, weil da ist
viel wichtiger, dass sie hinkommen.
Also ich persönlich ersch, äh,
unterscheide immer zwischen Verkehr
und Mobilität und ich finde, das ist
wichtig, Mobilität zu gewährleisten
mit möglichst wenig Verkehr.
Also sprich, wenn die Leute trotzdem,
äh, Angebote wahrnehmen können
und dort hinkommen möchten, dann
ist das eben auch ohne Auto gut.
Und wenn, äh, ja, das aber dann dazu
führt, dass, äh, sie, ja, dass sie
nicht hinkommen, äh, der Verkehr
reduziert wird, aber sie die, äh,
Attraktionen nicht besuchen können,
dann sind sie natürlich genervt.
Ja.
Ich habe noch eine letzte Aussage für
dich: Nachhaltige Mobilität im Tourismus
bedeutet für Gäste automatisch Verzicht.
Nein, auf gar keinen Fall.
Abso, absolut nicht.
Was ich vorhin und am Anfang der
Einleitung noch gar nicht gesagt
habe, weil das ein ganz starker
Fokus in meiner Arbeit, äh, das Thema
Nachhaltigkeit ist und das geht oft darum,
Mobilität nachhaltiger zu gestalten.
Und wenn man damit erfolgreich sein
möchte, dann ist es wirklich extrem
wichtig zu zeigen, ähm, dass ohne Auto,
ähm, ja, vieles auch, auch besser wird.
Und dazu gehört dann eben auch, ähm, dass
die, dass die Lärmbelästigung geringer
ist, nicht nur für den Reisenden, sondern
auch für die Einheimischen, äh, dass man
vielleicht die Umwelt besser wahrnimmt,
dass die, ähm, die Luft ist besser.
Ähm, es ge-gibt ja nicht immer nur
den Unterschied zwischen mit dem Auto
unterwegs sein oder mit der Bahn.
Äh, ohne Auto kann ja auch heißen, ich
bin mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs.
Ist also auch gesünder, ich
bewege mich, ähm, tu was für
meinen Körper und, ähm, von daher.
Denn wir wollen noch mal mit dir
über die einzelnen Verkehrsmittel
sprechen und die Wahl dorthin,
ähm, von uns Schleswig-Holsteinern
und Schleswig-Holsteinerinnen.
Ähm, wir gehen mal als Erstes auf
das Thema Flugreisen noch mal ein.
Ähm, wir haben von dir gelesen,
dass du das Fliegen immer noch
für überraschend populär hältst.
Trotz der hohen Umweltbelastungen, die
ja bekanntlich damit verbunden sind.
Heißt das dann auch, dass, äh, diese
sogenannte Flugscham, von der man,
man ja immer wieder gehört hat,
ähm, nicht existiert oder nicht
mehr existiert oder vielleicht
auch nie wirklich vorhanden war?
Mhm.
Na, sie war schon vorhanden und
sie ist auch noch vorhanden, aber
es gibt 'ne sehr große Diskrepanz
zwischen Einstellung und Verhalten.
Man Weiß, dass es nicht gut ist zu
fliegen, aber der Wunsch nach, äh,
ja, nach, nach neuen Eindrücken, nach
dem Besuch, ähm, von Reisezielen,
die anders nur schwer erreichbar
sind oder teilweise eigentlich
fast gar nicht anders erreichbar
sind, ist einfach noch viel größer.
Und diese beiden Sachen stehen
so 'n bisschen gegeneinander.
Und es gibt Menschen, die das dann,
ähm, ähm, dieses Bewusstsein dafür,
dass es eigentlich schlecht ist,
einfach nicht berücksichtigen.
Andere diskutieren das mit
sich aus, machen's trotzdem.
Und es gibt 'nen kleinen Teil, äh, der
dann einfach keine Flugreise macht.
Aber man sieht und das sieht man auch
an den Daten der Reiseanalyse, dass
der Anteil der Flugreisen tatsächlich
gestiegen ist in den letzten Jahren.
Und, ähm, vor Corona war es noch so, dass
die, dass der Anteil der Urlaubsreisen
mit dem PKW am höchsten war und dass das
Flugzeug dann danach kam, wenn man jetzt
auf alle Reisen der Deutschen schaut.
Und inzwischen dreht sich das so 'n
bisschen und es gibt noch mehr Flugreisen.
Wobei wir da wieder, weil wir schauen
jetzt ja heute hier in diesem Podcast
vor allem nach Schleswig-Holstein noch
sagen können, Schleswig-Holsteiner
sind dabei noch verhältnismäßig gut,
würde ich jetzt mal sagen, haben
noch einen etwas geringeren Anteil
an Flugreisen, was auch daran liegen
mag, dass so viele nach Dänemark
reisen und das eben im Auto machen.
Liegt meiner Meinung nach aber auch daran,
ähm, dass der Flughafen weit weg ist.
Man muss in der Regel ja immer
erst mal bis nach Hamburg,
vielleicht auch nach Rostock oder
nach Kopenhagen, ja, umzufliegen.
Äh, in anderen Bundesländern ist man
einfach näher dran am Flughafen und
der Aufwand, da erst mal hinzukommen,
ist für viele dann tatsächlich
auch eher ein Grund dagegen.
Was wäre denn aus deiner Sicht,
ähm, was wären Maßnahmen, die dazu
führen könnten, dass, äh, weniger das
Flugzeug als Reisemittel gewählt wird?
Mhm.
Ich denk, dass zuallererst, ähm,
die, die faire Besteuerung von
Kerosin genannt werden müsste.
Also Fliegen ist einfach zu günstig.
Und, ähm, zudem sollte aus meiner Sicht
einfach, äh, verstärkt für erdgebundene
Reiseziele, ähm, geworben werden.
Also ich finde, dass das stärker
im, im Fokus stehen müsste.
Dabei muss man aber ganz doll aufpassen,
dass man, also jetzt grade bei der, bei
der Besteuerung, äh, und auch insgesamt,
wenn es um monetäre Maßnahmen geht, also
darum, klimaschädliche Dinge teurer zu
machen, muss man einfach die soziale Seite
einfach ganz, ganz stark berücksichtigen,
weil für viele die Urlaubsreise so ein
wichtiges Gut ist und gerade denjenigen,
die sich nur eine Urlaubsreise im Jahr
leisten können, die einfach, ähm, ja,
wenn, wenn die sich, äh, diese Reise
nicht mehr leisten können, ähm, dann
ist davon auszugehen, dass es einfach
gesellschaftliche Spannungen gibt.
Äh, und das kann demjenigen, der dann
versucht, äh, ja, die Reisen teurer
zu machen, also der Politik, äh,
dann ziemlich um die Ohren fliegen.
Und ich glaube, dass man da einfach
ganz stark aufpassen muss und nur
eine einzelne Maßnahme wird so
was nicht verä-verändern können.
Äh, wir haben uns in 'nem Projekt
für das Umweltbundesamt, fürs
Bundesumweltministerium, äh, damit
beschäftigt, Instrumente zu entwickeln
für nachhaltigere Urlaubsreisen.
Da ging's nicht nur,
aber auch um Klimaschutz.
Und wir haben so 'n ganzes
Maßnahmenpaket dabei entwickelt.
Der Bericht dazu, der wird jetzt in den
kommenden Wochen veröffentlicht und da
haben wir ziemlich, äh, heiß diskutiert,
sowohl mit verschiedenen Experten
als auch, ähm, mit normalen Menschen.
Also wir haben Leute eingeladen in
sogenannte Fokusgruppen und haben mit
ihnen über diese Maßnahmen diskutiert.
Und da zeigte sich eben ziemlich schnell,
wie, wie sehr man daran festhält,
diese Flugreise machen zu dürfen.
Was ist unfair an der
Kerosinbesteuerung derzeit?
Du hast gesagt, die ist nicht
fair, aber was ist unfair daran?
Na ja, es ist unfair, dass es nicht
besteuert wird und dass andere, äh,
Treibstoffe, also für PKW-Fahrten
eben stark besteuert werden.
Der Staat nimmt damit Geld ein und,
ähm, Fliegen ist einfach zu günstig
und gleichzeitig sind die Umwelt-
und Klimaauswirkungen aber wirklich
immens und meiner Meinung nach müssten
diejenigen, äh, die fliegen, äh,
sozusagen einen Teil dafür bezahlen, um
genau das eben zu, ähm, zu kompensieren.
Und, äh, genau, nächster Punkt:
Äh, Kompensationsangebote, ähm,
gibt's ja verschiedene Anbieter.
Die mit Goldstandard sind die besten,
weil die auch wirklich vor Ort etwas
umsetzen und das ist meiner Meinung
nach auch noch eine der Maßnahmen,
die umgesetzt werden sollte.
Ich finde, das sollte als sogenannte
Opt-out-Lösung, äh, angeboten werden.
Also wenn man 'n Flug bucht, dass
automatisch die Kompensation dabei
ist und man das wegklicken muss,
wenn man's nicht haben möchte.
Weil bisher ist es ja eher andersrum.
Wer kompensieren möchte, das ist nur ein
ganz, ganz kleiner Teil der Bevölkerung,
die das wirklich für ihre Urlaubsreisen
machen, ähm, der muss es aktiv dazu
irgendwie anwählen oder nachträglich tun.
Denn ich finde, es müsste andersrum sein.
Gleichzeitig, ähm, würde ich dafür
sorgen, dass, äh, Flugreisen über kürzere
Resistanzen radikal verboten werden.
Da bin ich vielleicht 'n bisschen, äh,
sehr radikal im Vergleich zu anderen, aber
ich denke, das ist nicht nötig, äh, hier
innerhalb Deutschlands, äh, zu fliegen.
Also kurz wäre dann alles unter
zwei Stunden Flugzeit, oder
was ist kurz in dem Moment?
Ähm, ich würde kurz das nicht
auf die Flugzeit beziehen,
sondern auf die Kilometer.
Äh, gleichzeitig hab ich anfangs
nicht gesagt, ich bin Soziologin
und jetzt nicht Ingenieurin oder so.
Von daher nagelt mich jetzt nicht
fest auf, auf der genaue Aussagen,
aber im Zweifel, ähm, denke ich,
sozusagen, die, ähm, wenn man sagt,
über 800 Kilometer, 1.000 Kilometer.
So, ähm, aber mir ist natürlich
auch klar, dass es dann gerade
bei, ähm, Zubringerflügen dann
auch schwierig werden kann.
Ähm, aber ich finde zumindest die
Diskussion darüber, die müsste erlaubt
sein und man muss sich, oder erlaubt ist
sie sowieso schon, aber müsste stärker,
ähm, in den Fokus genommen werden.
Und wenn es diese Flüge dann gibt, dann
müssen sie auf jeden Fall teurer werden.
Und mit dem Geld, das find ich auch
noch wichtig daran, muss was angefangen
werden, was dem Klimaschutz dient.
Also nicht einfach nur teurer machen,
um's teurer zu machen, sondern dann in
Klimaschutzmaßnahmen zu investieren.
Mhm.
Okay, schließen wir mal dieses
Fliegen ab, ähm, und kommen zum Auto.
Das Auto ist praktisch, Türen auf, Gepäck
und Reisende rein, Türen zu und los.
Aber auch das Auto gilt ja
nicht gerade als Klimawunder.
Jetzt sagt mir mein Bauchgefühl aber,
so 'n vollgepacktes Auto, sagen wir
mal vier Leute, auf nach Dänemark, ähm,
hat doch pro Kopf eigentlich gar nicht
so 'n schlechten CO₂-Ausstoß, oder?
Da kommt ja immer drauf
an, im Vergleich zu was.
Ähm, im Vergleich zum Flieger ist es
auf jeden Fall super und wenn man zu
viert drin sitzt, ist auch klasse.
Äh, gibt aber auch viele,
die nur zu zweit drin sitzen.
Das ist wirklich das Wichtige:
Mit was, äh, vergleicht man's
und wie weit ist die Fahrt?
Sind das jetzt 'ne 100 oder 200
Kilometer oder ist das deutlich weiter?
Vielleicht auch mal so zu wissen,
also die Schleswig-Holsteiner legen
im Schnitt, äh, 500 Kilometer zurück
auf dem Weg zu ihrem Urlaubsreiseziel.
Da sind eben sowohl diejenigen dabei,
die wirklich nur an die andere Küste
fahren, als auch diejenigen, die
wirklich, äh, Fernreisen machen oder so.
Wenn wir über PKW sprechen, dann, ähm,
müssen wir auch über die ganzen Bullis,
Vans, Camper, äh, nennen wir sie wie wir
wollen, aber grade in Kiel, wo wir ja
auch grade aufnehmen, haben wir eine sehr
hohe Quote an, äh, Wassersportlern und
die Wassersportler, die brauchen für ihr
großes Gerät oftmals auch gerne, äh, 'n
großen Bus, mit dem sie dann auch gerne
über Nacht dann halt ans Meer fahren.
Ähm, wie stehst du dazu?
Also grade auch, ich sag jetzt mal, ist ja
in dem Fall dann ja ein sehr großer PKW,
wo, wie du schon sagtest, vermutlich dann
auch eher nur zwei Menschen drin fahren.
Ja, sch-schwierige Sache.
Ähm, auch da wieder im Vergleich zu 'ner
Flugreise nach Hawaii oder wohin auch
immer, es ist natürlich deutlich besser.
Ähm, wenn man sich jetzt die
CO₂-Bilanz, äh, der Unterkunft
anschaut, weil der Bulli wird dann
ja gleichzeitig auch als Unterkunft
benutzt, ist im Vergleich zu vielen
Hotelanlagen auch viel, viel besser.
Man nimmt ja ganz wenig Platz weg, äh,
solange die sich dann, äh, am jeweiligen,
äh, Standort dann auch noch, äh,
vernünftig verhalten, sprich, äh, ihren
Müll dort nicht hinterlassen, äh, die
Natur Natur sein lassen und nicht alles
kaputt trampeln und sich einen Stellplatz
aussuchen, der in Ordnung ist, dann find
ich, das ist eigentlich super und das
ist auch aus Klimasicht, äh, fantastisch.
Ähm, aber auch da kommt's halt
immer, ja, kommt immer drauf an,
ähm, wer wo mit wem, wie viel, wohin.
Ähm, aber insgesamt denk ich, also
es gibt deutlich größere Klimasünder
als die, die mit ihrem Bulli hier
in Schleswig-Holstein Urlaub machen.
Also ist auch immer 'ne Gesamtbetrachtung,
dass man da nicht nur die Anreise,
sondern auch dann die Unterkunft
dann auch mit einbeziehen muss.
Ja, und es gibt hier viele in Kiel
und Umgebung, aber insgesamt hat das
Campingsegment, äh, dann wirklich,
äh, nur 'nen kleineren Anteil im
Vergleich zu den anderen Urlaubsreisen.
Ja, und, und beim Klimaschutz steht
Camping eigentlich ganz weit vorne.
Es ist eigentlich die
vorbildliche - Aber ist doch so.
Ich hätte jetzt zum Beispiel gedacht, dass
in den letzten Jahren, insbesondere seit
Corona, Camping relativ groß geworden ist.
Ja, es ist, es ist gewachsen während
Corona, da war ja vieles andere nicht
möglich und viele Menschen haben sich
in der Zeit dann eben auch so 'n Camper
zugelegt und wenn man den erst mal hat,
möchte man ihn natürlich auch nutzen.
Aber trotzdem ist es so, dass
die große Masse der Bevölkerung,
ähm, reist ja anders.
Also die allermeisten reisen
ja mit dem normalen PKW,
ähm, oder nehmen 'n Flugzeug.
Dann gibt's auch noch die, die wir bisher
gar nicht erwähnt wer… haben, die mit
dem Reisebus fahren oder mit dem Fernbus.
Und dann gibt's eben noch die Camper.
Also ich denk, das ist ein doch dann
verhältnismäßig kleines Segment, das aber
manchmal in den Medien als etwas größer
rüberkommt, als es tatsächlich ist.
Beim Thema Klimaschutz find
ich das aber weniger relevant.
Dann kommen wir noch zu einem
letzten Verkehrsmittel, äh, die Bahn.
Das Image der Bahn ist ja
seit Jahren eher im Keller.
Die Zuverlässigkeit reizt jetzt die
meisten Menschen wahrscheinlich nicht
unbedingt damit, in den Urlaub zu
fahren, weil da hat man das Gefühl,
dass der erste Urlaubstag schon direkt
in, in Stress und Hoffnung, äh, dass
man vielleicht doch einigermaßen
pünktlich ankommt, ähm, fällt.
Ähm, ist es dennoch so, dass das
Deutschlandticket uns geholfen hat,
dass die Bahn, ähm, häufiger genutzt
wird und dafür vielleicht die Flugreise
oder das Auto stehen gelassen wird?
Mhm.
Denk, das, das Deutschlandticket,
ähm, ist definitiv kein Ersatz für 'ne
Flugreise, ähm, für eine längere Bahnreise
im Fernverkehr eigentlich auch nicht.
Es ist durchaus an der einen oder anderen
Stelle ein Anreiz, um, wenn man es sowieso
schon hat, dann vielleicht dann mal einen
Ausflug oder auch 'ne Kurzurlaubsreise
mit dem Deutschlandticket zu machen.
Äh, es führt dazu, dass vor Ort, äh,
der ÖPNV etwas häufiger genutzt wird.
Dafür haben wir auch Zahlen, nicht
nur in Schleswig-Holstein, sondern
auch in anderen Bundesländern.
Und wenn man's schon mal hat,
dann, ähm, dann ist es natürlich
einfach, es vor Ort zu nutzen, dann
motiviert es auch dazu, es zu nutzen.
Ist jetzt aber nicht so, dass dadurch
plötzlich haufenweise, ähm, Urlaubsreisen
mit der Bahn durchgeführt werden, aber
es hat definitiv einen positiven Effekt.
Aber auch da vielleicht das noch
kurz ergänzend, es spielt natürlich
das Angebot wieder 'ne Rolle.
Äh, wenn ich jetzt gerne, äh, in Grömitz
Urlaub machen möchte, da ist aber kein
Bahnhof, dann ist das Deutschlandticket
nur bedingt, äh, eine Freude.
Ich kann's auch mit dem Bus fahren,
aber mit der Bahn anreisen aus dem
restlichen Deutschland dann eben nicht.
Mhm.
Dann lass uns noch einmal darüber
sprechen, was es braucht, damit
mehr Menschen die Bahn nutzen.
Höheres Angebot auf jeden Fall in
manchen Regionen, hör ich raus.
Äh, Verlässlichkeit auf jeden Fall und,
äh, viel, viel bessere Informationen,
äh, auf allen Ebenen, äh, vor der Reise,
während der Reise, viel inspirierendere
Darstellung dessen, was da eigentlich ist.
Und, ähm, aus meiner Sicht braucht man
positive Beispiele, also Menschen, die
gerne Bahn fahren, prominente Menschen
gerne auch, die gerne Bahn fahren
und die, äh, nicht nur erste Klasse
fahren, sondern auch, äh, wie der
Normalmensch eben in der zweiten Klasse
fährt und die das positiv rüberbringen.
Und, ähm, also die Bahn ist mit
Sicherheit, äh, nicht immer nur toll
und nicht immer nur gut, aber an
vielen Stellen besser als ihr Ruf.
Und ich glaube, dass, ähm, so dieses
Thema auf unterwegs sein, auf der Reise
sein, äh, eine Bahnreise unternehmen
durchaus schon viele positive Aspekte
hat, die dann, wenn man sich drauf
einlässt und schon von vornherein weiß,
ähm, man wird dort mehrere Stunden
unterwegs sein, auch, äh, gut, auch
positiv kommuniziert werden können.
Ähm, aber das, was im Fokus steht, ist
immer das Negative und die Verspätung, ne,
und, äh, und die mangelhafte Kommunikation
und die Information, die nicht klappt.
Aber es gibt ja schon viele, viele Dinge.
Alleine schon, äh, dass man
während der Fahrt aufstehen kann
und hin- und herlaufen kann.
In welchem anderen Verkehrsmittel
kann ich das denn machen?
Ähm, ich lerne andere Leute
kennen, ich kann die Augen
zumachen, ich kann schlafen.
Ähm, und da, da geht schon
viel, viel mehr, ähm, als, als
viele denken und auch die Preise
sind, äh, nicht immer nur teuer.
Also sind sie teilweise, wenn man
flexibel sein will, ähm, und in den
Ferien, äh, verreist, dann ist es teuer.
Aber wenn man, ähm, selbst, äh, ja Äh,
Flex, wenn, wenn man sich festlegen
kann auf eine bestimmte Uhrzeit
außerhalb der Ferien und nicht unbedingt
freitagsnachmittags und sonntags
fährt, kann man teilweise schon für
sehr wenig Geld irgendwo hinfahren.
Oder mit Deutschland-Ticket gibt's auch
tolle, äh, Regionalexpress-Verbindungen,
bei denen man ganz schön weit kommt.
Also ich glaube, da geht viel, viel
mehr, als viele Menschen denken.
Also noch mal deine Chance, um
Bahn-Influencerin zu werden.
Ja, kann ich nächstes Wochenende machen.
Da geht's nach Holland.
Ja.
Mit der Bahn.
Und falls es alles gut läuft, gerne
auch davon erzählen und nicht immer
nur über die-- Also ich habe mir selbst
angewöhnt, ähm, nicht, ich fahr sehr viel
Bahn, sowohl beruflich als auch privat.
Und ich habe mir angewöhnt, äh, nicht
immer nur, äh, zu jammern und zu meckern,
wenn irgendwas schlecht läuft, sondern
auch begeistert zu erzählen, dass es
gut geklappt hat, ähm, und auch von
den, von den schönen Dingen zu erzählen,
die man auf einer Bahnreise erlebt.
Und wenn das noch ein paar mehr Menschen
machen, dann würde es vielleicht helfen.
Mhm.
Wo beziehungsweise bei wem glaubst
du denn, liegen halt die größten
Hebel, um unsere touristische
Mobilität nachhaltiger zu machen?
Ist es eher bei der Politik?
Ist es bei der Tourismuswirtschaft?
Ist es bei den Verkehrsunternehmen?
Wo sind vor allem die, die Stellschrauben,
die man anzapfen müsste, damit
wir das Ganze nachhaltiger machen?
Gibt nicht einen Hebel,
sondern tatsächlich alle.
Und zwar alle gemeinsam und, äh, mit nicht
nur Blick aufeinander und Zeigefinger
aufeinander, sondern eher Hand in
Hand und in Absprache und koordiniert.
Weil wenn jeder alleine
losrennt, dann wird das nichts.
Aber die Politik setzt natürlich
die Rahmenbedingungen, sorgt dafür,
dass, äh, Steuern erhoben werden oder
nicht, äh, ist für Gebote und Verbote
zuständig und, äh, kann Akteure
in die richtige Richtung schubsen.
Und die Touristiker können dafür sorgen,
dass das Marketing entsprechend, äh,
verändert und angepasst wird, ähm,
klimafreundliche Angebote stärker
in den Vordergrund gerückt werden.
Die, äh, Verkehrsunternehmen können
dafür sorgen, dass die touristische
Mobilität einfacher ist, äh,
stärker in den Fokus genommen wird.
Die Anbieter, also die Einzelnen,
die Attraktionen, die Unterkünfte,
die können ja zum Beispiel auch dafür
sorgen, dass die, ähm, Anreiseinfos,
ähm, besser kommuniziert werden.
Wenn man, man schaut auf den Webseiten,
ist in der Regel immer nur, ähm, 'nen
Link, ähm, zu Google Maps zu finden.
Und, äh, es wäre doch viel, viel
sinnvoller und sehr viel toller,
weil der Autofahrer weiß selbst,
äh, wie er sein Navi anmacht.
Wäre doch viel besser zu beschreiben,
welches der nächstgelegene Bahnhof, die
nächstgelegene Bushaltestelle ist, wie die
heißt, welche Linie dort abfährt, wie weit
es von dort ist, äh, bis zur eigenen, äh,
Attraktion oder bis zur Unterkunft, ähm,
wie die Telefonnummer des Taxiunternehmens
lautet, äh, und solche, solche Infos.
Äh, also da können Anbieter ein bisschen
was tun und die Anbieter können aber
natürlich auch dafür sorgen, dass sie
gemeinsam mit den Tourismusorganisationen
auf die Verkehrsunternehmen zugehen
und gemeinsam neue Angebote entwickeln.
Okay.
Eine letzte Frage noch: Wie wird
unsere Mobilität in Bezug auf
Urlaub in 20 Jahren aussehen?
Die Mobilität der
Schleswig-Holsteiner in 20 Jahren?
Oh.
Äh, mein Wunsch oder meine Versuchen?
Mach uns ein schönes Bild.
Ein schönes Bild, okay.
Ähm, ja, in 20 Jahren werden die
Schleswig-Holsteinerinnen und
Schleswig-Holsteiner sich, äh, klima,
vor allen Dingen klimafreundlich, äh,
zu ihren Reisezielen auf den Weg machen.
Äh, der Anteil der Flugreisen, ähm,
wird dann geringer sein und die
Flugreisen, die noch stattfinden, die
sind dann mit umweltfreundlicheren,
klimafreundlicheren, äh, Treibstoffen.
Alle Reisen werden
standardmäßig, äh, kompensiert.
Ähm, und von den Geldern, die dort
eingenommen werden, werden tolle
Klimaschutzprojekte gefördert.
Es wird, äh, deutlich einfacher sein, ähm,
ja, umweltfreundlich, klimafreundlich, äh,
zu Zielen innerhalb Schleswig-Holsteins,
aber auch zu Zielen außerhalb
von Schleswig-Holstein zu kommen.
Es gibt 'n Bewusstsein dafür, ähm,
dass klimafreundliche Mobilität, äh,
nicht nur notwendig ist, sondern dass
sie einfach auch Spaß machen kann.
Es gibt viele tolle
Mobilitätsangebote, über die man
bisher noch gar nicht nachdenkt.
Es wird, äh, reaktivierte
Bahnstrecken geben, was ich
bisher noch gar nicht erwähnt hab.
Ich engagiere mich selbst
für die Reaktivierung der
Bahnstrecke Malente-Lüttenburg.
Die wird bis dahin
natürlich reaktiviert sein.
Bisher kann man dort Draisine fahren, bald
auch Schienenbus und dann irgendwann wird
man auch mit dem ÖPNV bis nach Lüttenburg
kommen und dort Urlaub machen können.
Wir sind gespannt.
Ich auch.
Dann treffen wir uns in 20 Jahren
wieder und fahren auf jeden Fall nach
Lüttenburg in Urlaub, würd ich sagen.
Ähm, liebe Bente, wir bedanken uns recht
herzlich, dass du dabei gewesen bist,
ähm, und unsere Fragen beantwortet hast.
Wir wissen jetzt auf jeden Fall, äh,
wie der Schleswig-Holsteiner und die
Schleswig-Holsteinerin unterwegs sind,
wo wir gerne hinreisen, ähm, und wie
wir dorthin kommen vor allem auch.
Habt vielen Dank.
Habt auch vielen Dank an
alle, die uns zugehört haben.
Ähm, noch mal der Reminder: Es kommt
noch eine zweite Folge mit Bente, also
folgt uns, dann verpasst ihr's nicht.
Wir sagen Tschüss.
Tschau.
Das war Shift.
Der Norden macht Zukunft.
Der Energiewende Podcast der EKSH