Warum die Verkehrswende auf dem Land nicht funktioniert
SHift - der Norden macht Zukunft
25.05.2026 24 min
Zusammenfassung & Show Notes
Alle sprechen davon auf die Öffis umzusteigen und auf ein E-Auto umzurüsten. Aber wie soll das gehen, wenn auf dem Land die Ladeinfrastruktur fehlt und im besten Fall drei Mal am Tag ein Bus fährt? In dieser Folge haben wir uns nochmal den Mobilitätsexperten und Zukunftsforscher Dr. Stefan Carsten an den Kaffeetisch geholt. In der letzten Folge haben wir mit ihm über die Zukunft der Mobilität in unseren Städten gesprochen. In dieser Folge schauen wir auf die ländlichen Regionen Deutschlands. Warum funktioniert die Verkehrswende hier nicht so gut wie in der Stadt? Und welche Maßnahmen bräuchten wir um mehr Zufriedenheit und unsere Klimaziele zu erreichen? Das und mehr erfährst du in dieser Folge!
Niklas klärt mit Stefan u.a. diese Fragen:
Niklas klärt mit Stefan u.a. diese Fragen:
- Ist die Mobilitätswende in der Stadt leichter umzusetzen als auf dem Land?
- Wie bringen wir mehr Mobilität aufs Land und in die Dörfer?
- Wie wirkt sich die Not, sich auf das Auto zu fokussieren, auf unsere Klimaziele aus?
- Wird das autonome Fahren auch auf dem Land ankommen?
Viel Spaß bei unserem Klönschnack mit Tiefgang!
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Über unseren Gast:
Dr. Stefan Carsten ist Stadtgeograph, Zukunftsforscher und Mobilitätsexperte. Er war Projektleiter in der Zukunftsforschung bei Daimler und entwickelt seither Mobilitätsstrategien für Politik, Städte und Unternehmen. Heute ist er selbstständig beratend und forschend tätig und sitzt zudem in verschiedenen Beiräten, z.B. vom Bundesverkehrsministerium und der Deutschen Bahn. Seit 2019 veröffentlicht Dr. Stefan Carsten regelmäßig den Mobility Report.
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Dr. Stefan Carsten ist Stadtgeograph, Zukunftsforscher und Mobilitätsexperte. Er war Projektleiter in der Zukunftsforschung bei Daimler und entwickelt seither Mobilitätsstrategien für Politik, Städte und Unternehmen. Heute ist er selbstständig beratend und forschend tätig und sitzt zudem in verschiedenen Beiräten, z.B. vom Bundesverkehrsministerium und der Deutschen Bahn. Seit 2019 veröffentlicht Dr. Stefan Carsten regelmäßig den Mobility Report.
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Transkript
Elterntaxis sind ein
großes Problem für Kinder.
Es hat kognitive Einflüsse.
Die Bewegungsfähigkeit wird
weiter massiv eingeschränkt.
Kinder bewegen sich heute
so wenig wie noch nie zuvor.
Aber wir brauchen autofreie Schulareale,
Räume, um Kindern wieder Mobilität und
Bewegungsmöglichkeiten zu befähigen.
Und das bedeutet Aufklärungsarbeit an
die Eltern adressiert, weniger die Kinder
mit dem Elterntaxi kommen zu lassen.
Klönschnack mit Tiefgang.
Das ist Shift.
Der Norden macht Zukunft.
Der Energiewende-Podcast der EKSH.
Welche Angewohnheit in deinem
Mobilitätsverhalten fällt dir
selbst am schwersten zu verändern?
Ähm, ich nutze tatsächlich für
jede erdenkliche Fahrt Google Maps.
Und ich habe natürlich darüber
festgestellt, dass ich immer weniger
Raumkenntnisse besitze und habe.
Das heißt, ich will mich immer
absichern: Ähm, fährt die S-Bahn?
Gibt es nicht doch 'n Stau?
Ist doch irgendwo kurzfristig eine
Baustelle installiert worden und verliere
darüber aber meinen Bezug zum Raum.
Und das find ich keine gute Entwicklung.
Also die Ortskenntnisse, die
man früher hatte- Richtig.
Braucht man nicht mehr drauf.
Richtig.
Schön, dass du da bist, Stefan.
Du warst schon mal hier.
Folge verlinken wir, damit ihr da
unbedingt noch mal reinhören könnt.
Auf jeden Fall ein weiteres
Mal herzlich willkommen.
Vielen Dank.
Dr. Stefan Karsten, Stadtgeograf,
Zukunftsforscher und Mobilitätsexperte.
Wir haben beim letzten Mal mit dir über
die Mobilität in der Stadt gesprochen
und für uns hier in Schleswig-Holstein
als sehr ländlich geprägtes Land macht
es natürlich auch Sinn, auch den Landmann
in den Blick zu nehmen und da mal gucken,
wie sich die Zukunft unserer Mobilität
im ländlichen Raum verändern wird.
Ich glaube, man kann sagen, dass
die Mobilitätswende in der Stadt
einfacher ist als auf dem Land.
Siehst du das auch so?
Das ist, ähm, vollkommen richtig.
Wir haben in der Stadt heute Mobilität.
Im ländlichen Raum haben
wir keine Mobilität.
Was meine ich damit?
Ähm, wir haben ein vielfältiges,
breites, diverses Angebot an
Mobilitäts-, ähm, diensten in der
Stadt, die genutzt werden können.
Je mehr Mobilität zur Verfügung
steht, desto mehr, ähm, werden diese
Angebote auch tatsächlich genutzt.
Im ländlichen Raum haben
wir keine Mobilität.
Was meine ich damit?
Ich verstehe Mobilität als etwas,
was mir Optionen gibt, Alternativen.
Ähm, das heißt, ich kann wählen,
bei welcher Wetterlage, bei welcher
Tageszeit, bei welchem Anlass ich
welches Mobilitätsangebot nutze.
Das habe ich im ländlichen Raum nicht.
Der ÖPNV, der einmal morgens,
mittags und abends fährt, ist kein
Angebot, ist keine Alternative.
Ähm, und dann ist das einzige
Verkehrsmittel nun mal das Auto.
Deswegen haben wir eine extrem
hohe Autoabhängigkeit im
ländlichen Raum und sonst nichts.
Und ich denke, das wird sich bald
sehr, sehr grundlegend verändern.
Aber du meinst wahrscheinlich nicht
damit, dass wir komplett auch auf dem
Land auf das Auto verzichten können.
Nee, das, das glaube ich nicht,
ähm, mit Sicherheit nicht, aber
wir werden, wir fangen jetzt an,
über Angebote im öffentlichen Raum
nachzudenken und installieren die
tatsächlich auch langsam, ähm, die
echte Mobilität den Menschen bietet.
Und wir werden nicht das Auto komplett
ersetzen, aber wir werden einen
deutlich geringeren Autoanteil auch im
ländlichen Raum zu verzeichnen haben.
Menschen werden ihr Drittauto,
ähm, mit Sicherheit, ähm, abstoßen,
werden ihr Zweitauto mit hoher
Wahrscheinlichkeit abstoßen und viele
werden tatsächlich auch ihr, ihr
einziges Auto, ähm, dann nicht mehr
nutzen, wenn dieses Mobilitätsangebot,
worüber wir gleich sprechen werden
In Gänze zur Verfügung steht.
Und das dauert leider, das ist
die schlechte Nachricht, das
dauert leider noch 'n paar Jahre.
Was glaubst du denn, hat denn aktuell
noch die sehr starke Konzentration auf
das Auto im ländlichen Raum auch für
Auswirkungen auf unsere Lebensqualität,
auf unsere Teilhabe, auf auch Klimaziele?
Das, äh, hat die Auswirkung, dass
Klimaziele kontinuierlich verfehlt werden.
Im Gegenteil, dass der Mobilitätssektor
der einzige Sektor ist, der steigende
Emissionsraten aufweist, weil Autos
immer größer, ähm, und im, Emissionen
immer stärker zutage treten.
Es bedeutet einen massiven
Verlust an Lebensqualität.
Unsere alten europäischen Kleinstädte,
Dörfer, ähm, veröden, weil wir immer
mehr Einzelhandelsstrukturen auf
der grünen Wiese installieren und
alteingesessene Einzelhandelsstrukturen
in den Kleinstädten, Dörfern,
ähm, obsolet geworden sind.
Ähm, die Quali, Lebensqualität leidet
massiv, weil Menschen ausgeschlossen
sind, ähm, Freunde zu treffen,
weil sie nur unter großer Belastung
einen Arzt aufsuchen können.
Ähm, das sind ja die großen Erkenntnisse
des neuen Euro-Tickets gewesen.
Die soziale Gesundheit in
diesem Land schoss in die Höhe.
Menschen waren zufriedener, weil sie
durch geringste Kosten plötzlich wieder
an der Mobilität teilnehmen konnten.
Natürlich nur in Regionen, wo es
überhaupt ein ÖPNV Angebot gab.
Und jetzt muss man auch dazu, ähm, wissen,
es gibt Untersuchungen, die zeigen,
Regionen, wo sich der ÖPNV nach und nach
zurückzieht, wo das Angebot nach und
nach reduziert wird, ähm, haben einen
hohen Anteil rechter Wählerschaften.
Es gibt einen re, sehr eindeutigen
Zusammenhang zwischen Anteil AfD bei
Wahlen und einem Rückzug des ÖPNVs.
Das heißt, ähm, wir brauchen den ÖPNV
als, als demokratisches Vehikel in diesem
Land, um eine soziale Gesundheit, um
Lebensqualität und um Nachhaltigkeit,
ähm, überhaupt erst zu ermöglichen.
Und das haben wir heute nicht.
Und haben wir auch noch, ähm,
in Deutschland die Entwicklung
des demografischen Wandels.
Hat das Auswirkungen gerade auf,
genau, auf die Generationen, die
älter werden, wenn wir trotzdem
diese starke Autokonzentration haben?
Na ja, das ist zunächst mal eine
theoretische Frage, weil wir keine
Alternative im Moment im Markt haben.
Was wir heute haben oder in einzelnen
Regionen haben, sind On-Demand-Angebote.
Das heißt, ein sehr flexibles Angebot,
was ich mir buchen kann, was ich anrufen
kann, was mir dann zehn, fünfzehn Minuten
später zur Verfügung gestellt wird.
Allerdings in einer gewissen,
ähm, Betriebszeit von morgens
in der Regel sechs, sieben Uhr
bis abends zweiundzwanzig Uhr
kann ich diese Angebote nutzen.
Die sind aber in der
Fläche noch zu unbekannt.
Wir wissen aus den Regionen, wo diese
Angebote schon seit vielen Jahren, ähm,
ähm, genutzt werden, dass vor allem
Frauen massiv davon profitieren und
dass vor allem Ältere davon profitieren.
Das heißt tatsächlich, Seniorenbeiräte
in diesen Gemeinden, ähm, äh, sorgen
dafür, dass diese Angebote weiter
Teil des ÖPNVs sind, weil ihnen
dadurch Mobilität ermöglicht wird.
So, und wenn wir dieses Angebot jetzt mal
weiterdenken und eben nicht durch einen
menschlichen Fahrer oder eine Fahrerin,
ähm, durchführen lassen, sondern autonom,
dann haben wir keine Betriebszeit mehr.
Wir haben keine Tarife mehr, wir
haben keine Personalkosten mehr.
Das heißt, das Angebot
wird immer günstiger.
Steht mir vierundzwanzig
Stunden, sieben Tage die Woche
vollumfänglich zur Verfügung.
Äh, wir haben Hochrechnungen gemacht
bei der Deutschen Bahn, wo ich
im Beirat mit dabei sein durfte.
Diese Hochrechnungen, ähm, zeigen für das
Jahr 2045 – keine Sorge, es geht schneller
– aber wir haben mal das Jahr 2045 als
eingeschwungenen Zustand definiert, dass
wir dann in der Lage sind, innerhalb
von dreizehn Minuten in einem dünn
besiedelten, peripheren ländlichen Raum
jedem Menschen ein Angebot, ein Fahrzeug
zur Verfügung zu stellen, was er nutzen
kann, um von der Betriebsfeier nach Hause
zu kommen, um vom Freundes-Kegeltreff,
Skatabend nach Hause zu kommen, um,
ähm, in die Stadt zu pendeln, ähm,
und zum nächsten Bahnhof zu kommen.
Jeglicher Nutzungskontext.
Das heißt, wir sprechen hier über ein
Mobilitätsangebot im ländlichen Raum, was
es so heute faktisch nirgends gibt auf
der Welt, woran wir jetzt aber anfangen,
massiv zu arbeiten und das umzusetzen.
Glaubst du denn, dass solche
On-Demand-Angebote im ländlichen
Raum, ist so was rentabel oder muss
so was immer von der öffentlichen
Hand subventioniert werden?
Also es wird rentabel sein, ähm,
weil ich einfach andere Kostenblöcke
und Kostensituationen haben werde.
Äh, es wird aber dauern.
Es, es geht nicht von
einem Tag auf den anderen.
Ähm, die Nutzer werden diese
Angebote nutzen, aber leider
auch nicht vom ersten Tag an.
Die Menschen müssen Vertrauen
in diese Angebote schaffen.
Sie müssen wi-wissen, wie's funktioniert
und das dauert in der Regel paar Jahre.
Wir wissen aus Angeboten im ÖPNV, es
ist egal, ob das 'n Linienbusangebot
ist oder 'n On-Demand-Angebot, es dauert
rund fünf bis sechs Jahre, bis so was
in einem eingeschwungenen, ähm, mit 'ner
schwarzen Null versehenen Zustand ist.
Und bis dahin muss es auf jeden
Fall durch die öffentliche
Hand auch gewährleistet werden.
Das sind gute wie schlechte Nachrichten.
Ähm, aber da darf ich auch nicht aus
politischer Perspektive sagen: "Das
stellen wir jetzt ein, weil's nach drei
Jahren nicht funktioniert." Diese Angebote
funktionieren alle, das wissen wir.
Die Beweisführung ist erbracht.
Es braucht aber seine Zeit.
Okay.
Wir machen wie beim letzten
Mal 'n kleinen Stiftquiz.
Fakt oder Fake?
Verkehrsmythen vom Dorf nennt es sich.
Ich les was vor und du sagst
dann einfach, ob Fakt oder Fake.
In vielen ländlichen Regionen
Schleswig-Holsteins ist der
Anteil der Haushalte mit zwei
Autos höher als in Städten.
Ja, das ist so.
Das bin ich mir ziemlich
sicher, dass das genauso ist.
Aus einer alten automobilen
Sozial-Sozialisationslogik heraus,
wenn ich einen Führerschein
habe, brauche ich ein Auto.
Es ist quasi ein Biografiemarker
im Lebens, im, im Status und im
Lebenszyklus, ähm, was so in Zukunft
auch nicht mehr der Fall sein wird oder
deutlich weniger relevant sein wird.
Ähm, da ist es mir auch egal, ob
jeder aus seinem familiären Umkreis,
ähm, mir andere Geschichten erzählt.
Ja, aber wir sind in dieser
Transformationsphase, wo das Auto
als Status und als Zugangs-, ähm,
-vehikel immer weniger relevant wird.
Das heißt, es wird sich
ändern, aber es ist heute mit
Sicherheit ist das noch so, ja.
Mhm.
Autonome Rufbusse werden auf dem Land
früher Alltag sein als in der Stadt.
Äh, ich fürchte, das ist tatsächlich nicht
der Fall, ähm, oder es wird nicht so sein.
Wir haben ja schon das erste Rufbussystem
in, in Hamburg installiert mit Moya,
ähm, was autonom, ähm, operiert.
Jetzt noch nicht in der Masse,
aber es wird jetzt immer weiter
skaliert und, und ausgerollt.
Ähm, die Städte sind in der Regel hier
immer der Innovationsführer, ähm, weil
gerade auch die, die Landkreise, die
Landräte, ähm, noch 'ne Überzeugungskraft
brauchen, ähm, um zu verstehen, was hier
eigentlich passiert, um zu verstehen,
äh, auch welche wirtschaftliche
Bedeutung das für ihren Landkreis hat.
Ähm, deswegen wird es in der
Regel zunächst über die Städte
ausgerollt und kommt dann ins Land.
Es ist leider so.
Man könnte ja eigentlich denken, dass es
eigentlich auf dem Land wichtiger ist, ne?
Es ist.
Genau.
Weil in der Stadt gibt an sich ja
genug andere Mobilitätsmöglichkeiten.
Hundertprozentig.
Ähm, wir brauchen's in der
Stadt so faktisch nicht.
Es wird natürlich kommen und
auch die Robotaxis, also die, die
neuen Art von Taxisystemen, werden
natürlich in der Stadt kommen,
weil's dort ökonomisch attraktiv ist.
Und die werden auch die
Straßen sicherer machen.
Ähm, das, das sind die guten Nachrichten.
Aber wir brauchen's in aller Regel,
äh, vor allem auch im ländlichen Raum.
Ladesäulen sind auf dem Land
häufiger überlastet als in Städten.
Das glaube ich nicht.
Äh, das ist, glaube ich, ein Mythos.
Ich glaube ja auch, dass wir im
ländlichen Raum dann auch keine
Ladesäulen mehr brauchen, weil wir
alle Photovoltaikanlagen dann auf
den Eigenheimen installiert haben.
Wir haben natürlich dann
auch keine Tankstellen mehr.
Das wissen auch die Mineralölkonzerne
wissen das natürlich schon
und bereiten sich darauf vor.
Ähm, die Elektromobilität hat ja
da in, in jeder Hinsicht gewonnen.
Wir sprechen, kein Mensch spricht mehr
über fossile Antriebe außer der Politik.
Auch die Automobilkonzerne sprechen
nicht mehr über Fossilität.
Keine Sorge an dieser Stelle.
Aber im ländlichen Raum werden wir ein
sehr intelligentes Energiemanagement
zur Verfügung haben, was, ähm, die
Module bidirektionales Laden, ähm, sehr,
sehr stark in den Mittelpunkt rückt.
Man muss sich das so vorstellen, dass
dann ein, ein Gewerbebetrieb zum Beispiel
einen vielleicht elektrischen Van hat und
dann ist dieser Van mit einem Speicher
von, von hundert, äh, Kilowattstunden,
hundertzwanzig Kilowattstunden ist
halt der, das Energiemanagement
des gesamten Gewerbebetriebes.
Und dann gibt's 'ne Photovoltaikanlage,
wo das eingespeist wird und dann ist
die Batterie des Fahrzeuges, ist der
Puffer, ähm, des Hauses und des, des
Betriebes und, ähm, der regionale
Energieversorger greift auf diese Energie
zu, wenn ich in Spitzenlastzeiten dann
genau einen, einen Ausgleich brauche.
Und das ist hochintelligent und
incentiviert tatsächlich sogar den, den
Gewerbebetrieb, weil immer dann, wenn
der Energieversorger auf die Energie
zugreift, ähm, verdien ich damit Geld.
Ähm, da ist jetzt, also in den
USA und in China funktioniert
das schon und da sind tatsächlich
riesige Erlöse mit zu erzielen.
Es gibt jetzt die ersten
Angebote in Deutschland.
Da muss ich sagen, das ist dann eher, ich
glaub, das ist ein vorsichtiges Vortasten
in dieses, in dieses neue Geschäftsfeld.
Da werden wir noch ganz, ganz
andere Dimensionen sehen und
erleben, aber es wird spannend.
In ländlichen Regionen
steigt der Anteil der E-Autos
schneller als in vielen Städten.
Das ist 'ne richtig gute Frage,
die ich tatsächlich nicht glaube.
Ähm, ich weiß es aber nicht.
Ähm, ich würde sagen, in den Städten
haben wir tatsächlich mehr Elektroautos
als im ländlichen Raum, weil die Sorge
ob der Reichweite, die ja, es ist 'ne
Sorge der Menschen, wir müssen sie
ernst nehmen, aber ihr könnt euch sicher
sein, ähm, diese Sorge ist unbegründet,
dazu führt, dass man eher am, am
tradierten Antrieb erst mal festhält.
Weißt du's besser?
Ähm, ich mein, auf der anderen
Seite haben im ländlichen Raum die
Leute häufig 'n Einfamilienhaus- Ja.
-einen eigenen Stellplatz- Ja.
-PV aufm Dach- Ja.
-und 'ne Ladesäule, was du halt
in den Städten ja eher- Richtig.
-nicht hast.
Ist richtig.
Wo die Herausforderung des
Ladens häufig komplizierter ist.
So ist es.
Hast du vollkommen recht.
Also es, vielleicht, äh, nimmt es,
gibt es sich so, so auf 'ner Waage, ne.
Es ist vielleicht so 'n bisschen
das Für und Wider balanciert
sich so 'n bisschen aus.
Ja, es gibt Argumente für
das eine wie das andere.
Mhm.
Okay.
Also diese Frage hat die KI erstellt
und die sagt, es ist Fakt, dass
in ländlichen Regionen der Anteil
der Autos schneller wächst als
Aber ich will auch nicht
immer der KI glauben.
Die KI weiß nicht alles, aber sie,
sie ist ein guter Impulsgeber.
Ja.
Ähm, genau, wir gucken jetzt mal mehr in
Richtung Zukunft der ländlichen Mobilität.
Und weil wir auch grad schon über KI
gesprochen haben: Glaubst du denn,
dass künstliche Intelligenz, die ja
grade überall 'n großes Thema ist, auch
dafür sorgen wird, dass die ländliche
Mobilität attraktiver wird, vielleicht
nicht mehr so stark aufs eigene Auto?
Ja, das ist, das ist mit
Sicherheit genau der Fall.
Ähm, diese Systeme sind
alle miteinander integriert.
Mein persönlicher Kalender, äh,
die Information, welche Mobilität
ich wo wie zur Verfügung habe,
das balanciert die KI aus.
Sie stellt mir das zur Verfügung,
ähm, wohin ich ihn trainiert habe.
Ich möchte eher nachhaltiger unterwegs
sein oder ich möchte eher zeitoptimiert
unterwegs sein oder ich möchte,
äh, die schönste Route, ähm, haben.
Genau dafür wird mir die richtige
Reiseoption zur Verfügung gestellt.
Ich kann heute schon, ähm, Reels,
die ich auf Instagram poste, kann
ich schon an die KI schicken.
Ich bekomm innerhalb von Sekunden einen
Reiseplan, einen Reisevorschlag, äh,
Hotelvorschläge, Buchungsvorschläge,
äh, die genau diesen Stimmungen,
Atmosphären des, des Reels entsprechen.
Ähm, ich kann das wiederum antrainieren,
was meine Vorstellungen und Präferenzen
sind, bekomm dann wieder meine
mir, ähm, zugewiesenen Präferenzen.
All das wird durch die KI möglich sein
und sie wird die Mobilität verändern in
dieser Hinsicht, das ist vollkommen klar.
Und du hast jetzt auch schon das Thema
autonomes Fahren angesprochen und auch in
der vergangenen Folge, als wir über die
Mobilität in der Stadt gesprochen haben,
hast du auch gesagt, dass eigentlich
der Trend dahin gehen wird, dass wir
immer weniger ein eigenes Auto haben.
Ähm, meinst du, das wird
auf dem Land auch so sein?
Das wird dort auch im ländlichen
Raum signifikant weniger werden.
Ähm, dieses, die neuen
autonomen On-Demand-Angebote
und auch Robotaxi-Angebote
stellen mir eine Mobilität zur
Verfügung, die einzigartig ist.
Ich werde gefahren, ist sowieso
ein, ein, ein einmaliger Luxus.
Ähm, wir sehen, wir sehen, wir, Menschen,
wir, Menschen können uns sehr schlecht
Entwicklungen vorstellen und jeder sagt
natürlich automatisch: „Nein, ich möchte
immer mit meinem Auto selbst steuernd,
ähm, das durch die, durch die Räume
bewegen und ich möchte immer mit meinem
Diesel- oder Benzinauto fahren." Und
heute wissen wir ja, die Leute fahren
Elektromobilität zum allerersten Mal und
achtzig Prozent sagen danach: „Um Gottes
willen, ich will nie wieder diese alte
Krücke Diesel und Benzin fahren", weil
das ist ja ein ganz anderes Autoerlebnis.
Und genauso wird es auch
mit autonomen Fahrern sein.
Ähm, irgendwann wird der Gesetzgeber
sagen: „Ihr, ihr dürft gar nicht mehr
selber Autos fahren, weil ihr viel zu,
weil es zu unsicher ist und die autonomen
Konzepte werden alles übernehmen."
Das ist etwas, was in Deutschland
tatsächlich noch gar nicht gedacht
wird, aber es wird genauso kommen.
Und das wird den Autobesitz,
den eigenen Autobesitz natürlich
massiv schmälern und reduzieren.
Und das ist, das muss man sich über
den Zeitverlauf, ähm, werden wir das
beobachten müssen und wir werden das
auch über den Zeitverlauf natürlich
auch diese, diese Prognosen, ähm,
steuern und differenzieren müssen.
Das wird langsam beginnen und irgendwann
wird es explosionsartig voranschreiten.
Was machen wir denn dann mit den
drei Stellplätzen, die vor dem
Einfamilienhaus sind, wenn wir
gar nicht mehr eigene Autos haben?
Wir werden uns, ähm, dort den Garten
erweitern und Bäume pflanzen, weil
wir brauchen diesen Schattenplatz, um
bei vierzig Grad Außentemperatur, ähm,
auch noch angenehm im Freien zu sitzen.
Und wir brauchen entsiegelte Fläche,
ähm, um einfach die Starkregenereignisse
auch abfedern zu können.
Also unsere Immobilien
werden anders aussehen.
Ich halte Vorträge bei vielen
Immobilienkongressen, wo tal-,
über Milliardeninvestitionen von
Shoppingcentern zum Beispiel gesprochen
wird, mit riesigen Parkplätzen.
Und solche Investitionen werden Stand
heute infrage gestellt, weil man
versteht, dass durch autonome Mobilität
und durch ein neues Mobilitätsverhalten
dieser Parkraum gar nicht mehr
gebraucht und genutzt werden wird.
Und das ist natürlich, ähm, sowohl für den
Klimaschutz, äh, für CO₂-Emissionen, als
auch für die, für die Investitionssummen
ein, ein Riesenstellhebel,
über den wir da sprechen.
Also wenn wir mehr Fläche für
Blumenbeete und, äh, Sandkästen und
so weiter haben, ist auch schön.
Die, ähm, Gärtnereien
werden davon profitieren.
Glaubst du denn auch, dass das
dafür sorgen wird, dass wir weniger
diese Elterntaxi-Problematik
vor Schulen haben werden?
Was ist generell dein
Standpunkt zu Elterntaxi?
Elterntaxis sind ein
großes Problem für Kinder.
Ähm, Elterntaxis haben überhand genommen,
äh, sind auch explodiert tatsächlich über
die letzten Jahre aus einem merkwürdigen
Sicherheitsbewusstsein heraus, aus einem
merkwürdigen Komfortbewusstsein heraus.
Ähm, man muss wissen, dass die
Elterntaxisituation für Kinder tatsächlich
die gefährlichste Situation des Tages ist.
Also gerade die Situation vor Schulen,
wenn hektische Väter und hektische Mütter
ihre Kinder auf die Straße entlassen.
Überall wird rangiert,
überall wird blockiert.
Alle müssen schnell dann zur,
zur Arbeit oder zum Einkaufen
oder sonst irgendwie etwas.
Und das ist für Kinder
hochgradig gefährlich.
Ähm, es hat kognitive Einflüsse auf
die Entwicklungsfähigkeit der Kindern,
im Taxi, im Elterntaxi zu sitzen.
Ähm, es ist massiv negativ belastet.
Die Bewegungsfähigkeit von Kindern
wird weiter massiv eingeschränkt.
Kinder bewegen sich heute
so wenig wie noch nie zuvor.
Ähm, auch ein, ein großes
substanzielles Problem.
Äh, das heißt, Schulen fangen jetzt oder
Städte fangen jetzt an, die Autoräume um
Schulen freizuräumen, autofrei zu machen.
Ähm, Deutschland ist hier
tatsächlich sehr, sehr langsam
immer noch in der Umsetzung.
Andere Länder, andere Städte
sind da viel, viel weiter.
Aber wir brauchen autofreie Schulareale,
Räume, um Kindern wieder Mobilität
und Bewegungsmöglichkeiten zu
entwickeln und, äh, zu, zu befähigen.
Und da, das bedeutet Aufklärungsarbeit,
ähm, von Schulen durch Schulen an die
Eltern adressiert, weniger die Kinder mit
dem Taxi, Elterntaxi kommen zu lassen.
Ich hab dich in 'ner Folge, wo wir
über die sta-städtische Mobilität, ähm,
gesprochen haben, als Abschlussfrage
hab ich dir gestellt: Wenn du 'n
Joker frei hättest, welche Maßnahme
würdest du wählen, damit Mobilität
in der Stadt schnell vorankommt?
Da hast du geantwortet:
Parkplätze wegnehmen.
Wenn wir jetzt übers Land sprechen,
welchen Joker würdest du da wählen?
Äh, ich würd vielleicht 'n eher
generalistischen Joker nehmen.
Ich würde die Pendlerpauschale
einkassieren, ich würde
die Dieselsubventionierung
einkassieren und ich würde das
Dienstwagenprivileg einkassieren.
Dann hätte ich plötzlich zwanzig
Milliarden Euro zur Verfügung und die
könnte ich in einen ÖPNV investieren.
Wir wissen, der Betrieb des
ÖPNVs in Deutschland kostet
so zwanzig, zweiundzwanzig,
vierundzwanzig Milliarden Euro.
Nicht die Investition,
sondern nur der Betrieb.
Ähm, und das könnte ich natürlich
mit diesen zwanzig Milliarden, die
ich über diesen Steuer, ähm, Bonus
erzielen könnte, extremst gut in die
Fläche, in den ländlichen Raum bringen.
Ich bin gespannt, ob der oder
die ein oder andere Politiker,
Politikerin zugehört hat und das
auch so sieht und so umsetzen wird.
Wir werden das verfolgen, Stefan.
Auf jeden Fall schön, dass
du ein weiteres Mal da warst.
Das war wieder sehr interessant, auch
die, die ländliche Brille mal aufzusetzen.
Grade hier in Schleswig-Holstein ist
das ja 'n großes Thema: Wie bekommen
wir auch die ländlichen Regionen
in Richtung Zukunftsmobilität hin?
Stefan, vielen Dank, dass du
ein weiteres Mal da warst.
Wir sagen Tschüss, bis zum nächsten Mal.
Tschüss, vielen Dank.
Das war Shift.
Der Norden macht Zukunft.
Der Energiewende Podcast der EKSH