SHift - der Norden macht Zukunft

EKSH - Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein GmbH

Warum die Verkehrswende auf dem Land nicht funktioniert

SHift - der Norden macht Zukunft

25.05.2026 24 min

Zusammenfassung & Show Notes

Alle sprechen davon auf die Öffis umzusteigen und auf ein E-Auto umzurüsten. Aber wie soll das gehen, wenn auf dem Land die Ladeinfrastruktur fehlt und im besten Fall drei Mal am Tag ein Bus fährt? In dieser Folge haben wir uns nochmal den Mobilitätsexperten und Zukunftsforscher Dr. Stefan Carsten an den Kaffeetisch geholt. In der letzten Folge haben wir mit ihm über die Zukunft der Mobilität in unseren Städten gesprochen. In dieser Folge schauen wir auf die ländlichen Regionen Deutschlands. Warum funktioniert die Verkehrswende hier nicht so gut wie in der Stadt? Und welche Maßnahmen bräuchten wir um mehr Zufriedenheit und unsere Klimaziele zu erreichen? Das und mehr erfährst du in dieser Folge!

Niklas klärt mit Stefan u.a. diese Fragen:
  • Ist die Mobilitätswende in der Stadt leichter umzusetzen als auf dem Land?
  • Wie bringen wir mehr Mobilität aufs Land und in die Dörfer?
  • Wie wirkt sich die Not, sich auf das Auto zu fokussieren, auf unsere Klimaziele aus?
  • Wird das autonome Fahren auch auf dem Land ankommen?
Viel Spaß bei unserem Klönschnack mit Tiefgang!

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Über unseren Gast:
Dr. Stefan Carsten ist Stadtgeograph, Zukunftsforscher und Mobilitätsexperte. Er war Projektleiter in der Zukunftsforschung bei Daimler und entwickelt seither Mobilitätsstrategien für Politik, Städte und Unternehmen. Heute ist er selbstständig beratend und forschend tätig und sitzt zudem in verschiedenen Beiräten, z.B. vom Bundesverkehrsministerium und der Deutschen Bahn. Seit 2019 veröffentlicht Dr. Stefan Carsten regelmäßig den Mobility Report.

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Transkript

Elterntaxis sind ein großes Problem für Kinder. Es hat kognitive Einflüsse. Die Bewegungsfähigkeit wird weiter massiv eingeschränkt. Kinder bewegen sich heute so wenig wie noch nie zuvor. Aber wir brauchen autofreie Schulareale, Räume, um Kindern wieder Mobilität und Bewegungsmöglichkeiten zu befähigen. Und das bedeutet Aufklärungsarbeit an die Eltern adressiert, weniger die Kinder mit dem Elterntaxi kommen zu lassen. Klönschnack mit Tiefgang. Das ist Shift. Der Norden macht Zukunft. Der Energiewende-Podcast der EKSH. Welche Angewohnheit in deinem Mobilitätsverhalten fällt dir selbst am schwersten zu verändern? Ähm, ich nutze tatsächlich für jede erdenkliche Fahrt Google Maps. Und ich habe natürlich darüber festgestellt, dass ich immer weniger Raumkenntnisse besitze und habe. Das heißt, ich will mich immer absichern: Ähm, fährt die S-Bahn? Gibt es nicht doch 'n Stau? Ist doch irgendwo kurzfristig eine Baustelle installiert worden und verliere darüber aber meinen Bezug zum Raum. Und das find ich keine gute Entwicklung. Also die Ortskenntnisse, die man früher hatte- Richtig. Braucht man nicht mehr drauf. Richtig. Schön, dass du da bist, Stefan. Du warst schon mal hier. Folge verlinken wir, damit ihr da unbedingt noch mal reinhören könnt. Auf jeden Fall ein weiteres Mal herzlich willkommen. Vielen Dank. Dr. Stefan Karsten, Stadtgeograf, Zukunftsforscher und Mobilitätsexperte. Wir haben beim letzten Mal mit dir über die Mobilität in der Stadt gesprochen und für uns hier in Schleswig-Holstein als sehr ländlich geprägtes Land macht es natürlich auch Sinn, auch den Landmann in den Blick zu nehmen und da mal gucken, wie sich die Zukunft unserer Mobilität im ländlichen Raum verändern wird. Ich glaube, man kann sagen, dass die Mobilitätswende in der Stadt einfacher ist als auf dem Land. Siehst du das auch so? Das ist, ähm, vollkommen richtig. Wir haben in der Stadt heute Mobilität. Im ländlichen Raum haben wir keine Mobilität. Was meine ich damit? Ähm, wir haben ein vielfältiges, breites, diverses Angebot an Mobilitäts-, ähm, diensten in der Stadt, die genutzt werden können. Je mehr Mobilität zur Verfügung steht, desto mehr, ähm, werden diese Angebote auch tatsächlich genutzt. Im ländlichen Raum haben wir keine Mobilität. Was meine ich damit? Ich verstehe Mobilität als etwas, was mir Optionen gibt, Alternativen. Ähm, das heißt, ich kann wählen, bei welcher Wetterlage, bei welcher Tageszeit, bei welchem Anlass ich welches Mobilitätsangebot nutze. Das habe ich im ländlichen Raum nicht. Der ÖPNV, der einmal morgens, mittags und abends fährt, ist kein Angebot, ist keine Alternative. Ähm, und dann ist das einzige Verkehrsmittel nun mal das Auto. Deswegen haben wir eine extrem hohe Autoabhängigkeit im ländlichen Raum und sonst nichts. Und ich denke, das wird sich bald sehr, sehr grundlegend verändern. Aber du meinst wahrscheinlich nicht damit, dass wir komplett auch auf dem Land auf das Auto verzichten können. Nee, das, das glaube ich nicht, ähm, mit Sicherheit nicht, aber wir werden, wir fangen jetzt an, über Angebote im öffentlichen Raum nachzudenken und installieren die tatsächlich auch langsam, ähm, die echte Mobilität den Menschen bietet. Und wir werden nicht das Auto komplett ersetzen, aber wir werden einen deutlich geringeren Autoanteil auch im ländlichen Raum zu verzeichnen haben. Menschen werden ihr Drittauto, ähm, mit Sicherheit, ähm, abstoßen, werden ihr Zweitauto mit hoher Wahrscheinlichkeit abstoßen und viele werden tatsächlich auch ihr, ihr einziges Auto, ähm, dann nicht mehr nutzen, wenn dieses Mobilitätsangebot, worüber wir gleich sprechen werden In Gänze zur Verfügung steht. Und das dauert leider, das ist die schlechte Nachricht, das dauert leider noch 'n paar Jahre. Was glaubst du denn, hat denn aktuell noch die sehr starke Konzentration auf das Auto im ländlichen Raum auch für Auswirkungen auf unsere Lebensqualität, auf unsere Teilhabe, auf auch Klimaziele? Das, äh, hat die Auswirkung, dass Klimaziele kontinuierlich verfehlt werden. Im Gegenteil, dass der Mobilitätssektor der einzige Sektor ist, der steigende Emissionsraten aufweist, weil Autos immer größer, ähm, und im, Emissionen immer stärker zutage treten. Es bedeutet einen massiven Verlust an Lebensqualität. Unsere alten europäischen Kleinstädte, Dörfer, ähm, veröden, weil wir immer mehr Einzelhandelsstrukturen auf der grünen Wiese installieren und alteingesessene Einzelhandelsstrukturen in den Kleinstädten, Dörfern, ähm, obsolet geworden sind. Ähm, die Quali, Lebensqualität leidet massiv, weil Menschen ausgeschlossen sind, ähm, Freunde zu treffen, weil sie nur unter großer Belastung einen Arzt aufsuchen können. Ähm, das sind ja die großen Erkenntnisse des neuen Euro-Tickets gewesen. Die soziale Gesundheit in diesem Land schoss in die Höhe. Menschen waren zufriedener, weil sie durch geringste Kosten plötzlich wieder an der Mobilität teilnehmen konnten. Natürlich nur in Regionen, wo es überhaupt ein ÖPNV Angebot gab. Und jetzt muss man auch dazu, ähm, wissen, es gibt Untersuchungen, die zeigen, Regionen, wo sich der ÖPNV nach und nach zurückzieht, wo das Angebot nach und nach reduziert wird, ähm, haben einen hohen Anteil rechter Wählerschaften. Es gibt einen re, sehr eindeutigen Zusammenhang zwischen Anteil AfD bei Wahlen und einem Rückzug des ÖPNVs. Das heißt, ähm, wir brauchen den ÖPNV als, als demokratisches Vehikel in diesem Land, um eine soziale Gesundheit, um Lebensqualität und um Nachhaltigkeit, ähm, überhaupt erst zu ermöglichen. Und das haben wir heute nicht. Und haben wir auch noch, ähm, in Deutschland die Entwicklung des demografischen Wandels. Hat das Auswirkungen gerade auf, genau, auf die Generationen, die älter werden, wenn wir trotzdem diese starke Autokonzentration haben? Na ja, das ist zunächst mal eine theoretische Frage, weil wir keine Alternative im Moment im Markt haben. Was wir heute haben oder in einzelnen Regionen haben, sind On-Demand-Angebote. Das heißt, ein sehr flexibles Angebot, was ich mir buchen kann, was ich anrufen kann, was mir dann zehn, fünfzehn Minuten später zur Verfügung gestellt wird. Allerdings in einer gewissen, ähm, Betriebszeit von morgens in der Regel sechs, sieben Uhr bis abends zweiundzwanzig Uhr kann ich diese Angebote nutzen. Die sind aber in der Fläche noch zu unbekannt. Wir wissen aus den Regionen, wo diese Angebote schon seit vielen Jahren, ähm, ähm, genutzt werden, dass vor allem Frauen massiv davon profitieren und dass vor allem Ältere davon profitieren. Das heißt tatsächlich, Seniorenbeiräte in diesen Gemeinden, ähm, äh, sorgen dafür, dass diese Angebote weiter Teil des ÖPNVs sind, weil ihnen dadurch Mobilität ermöglicht wird. So, und wenn wir dieses Angebot jetzt mal weiterdenken und eben nicht durch einen menschlichen Fahrer oder eine Fahrerin, ähm, durchführen lassen, sondern autonom, dann haben wir keine Betriebszeit mehr. Wir haben keine Tarife mehr, wir haben keine Personalkosten mehr. Das heißt, das Angebot wird immer günstiger. Steht mir vierundzwanzig Stunden, sieben Tage die Woche vollumfänglich zur Verfügung. Äh, wir haben Hochrechnungen gemacht bei der Deutschen Bahn, wo ich im Beirat mit dabei sein durfte. Diese Hochrechnungen, ähm, zeigen für das Jahr 2045 – keine Sorge, es geht schneller – aber wir haben mal das Jahr 2045 als eingeschwungenen Zustand definiert, dass wir dann in der Lage sind, innerhalb von dreizehn Minuten in einem dünn besiedelten, peripheren ländlichen Raum jedem Menschen ein Angebot, ein Fahrzeug zur Verfügung zu stellen, was er nutzen kann, um von der Betriebsfeier nach Hause zu kommen, um vom Freundes-Kegeltreff, Skatabend nach Hause zu kommen, um, ähm, in die Stadt zu pendeln, ähm, und zum nächsten Bahnhof zu kommen. Jeglicher Nutzungskontext. Das heißt, wir sprechen hier über ein Mobilitätsangebot im ländlichen Raum, was es so heute faktisch nirgends gibt auf der Welt, woran wir jetzt aber anfangen, massiv zu arbeiten und das umzusetzen. Glaubst du denn, dass solche On-Demand-Angebote im ländlichen Raum, ist so was rentabel oder muss so was immer von der öffentlichen Hand subventioniert werden? Also es wird rentabel sein, ähm, weil ich einfach andere Kostenblöcke und Kostensituationen haben werde. Äh, es wird aber dauern. Es, es geht nicht von einem Tag auf den anderen. Ähm, die Nutzer werden diese Angebote nutzen, aber leider auch nicht vom ersten Tag an. Die Menschen müssen Vertrauen in diese Angebote schaffen. Sie müssen wi-wissen, wie's funktioniert und das dauert in der Regel paar Jahre. Wir wissen aus Angeboten im ÖPNV, es ist egal, ob das 'n Linienbusangebot ist oder 'n On-Demand-Angebot, es dauert rund fünf bis sechs Jahre, bis so was in einem eingeschwungenen, ähm, mit 'ner schwarzen Null versehenen Zustand ist. Und bis dahin muss es auf jeden Fall durch die öffentliche Hand auch gewährleistet werden. Das sind gute wie schlechte Nachrichten. Ähm, aber da darf ich auch nicht aus politischer Perspektive sagen: "Das stellen wir jetzt ein, weil's nach drei Jahren nicht funktioniert." Diese Angebote funktionieren alle, das wissen wir. Die Beweisführung ist erbracht. Es braucht aber seine Zeit. Okay. Wir machen wie beim letzten Mal 'n kleinen Stiftquiz. Fakt oder Fake? Verkehrsmythen vom Dorf nennt es sich. Ich les was vor und du sagst dann einfach, ob Fakt oder Fake. In vielen ländlichen Regionen Schleswig-Holsteins ist der Anteil der Haushalte mit zwei Autos höher als in Städten. Ja, das ist so. Das bin ich mir ziemlich sicher, dass das genauso ist. Aus einer alten automobilen Sozial-Sozialisationslogik heraus, wenn ich einen Führerschein habe, brauche ich ein Auto. Es ist quasi ein Biografiemarker im Lebens, im, im Status und im Lebenszyklus, ähm, was so in Zukunft auch nicht mehr der Fall sein wird oder deutlich weniger relevant sein wird. Ähm, da ist es mir auch egal, ob jeder aus seinem familiären Umkreis, ähm, mir andere Geschichten erzählt. Ja, aber wir sind in dieser Transformationsphase, wo das Auto als Status und als Zugangs-, ähm, -vehikel immer weniger relevant wird. Das heißt, es wird sich ändern, aber es ist heute mit Sicherheit ist das noch so, ja. Mhm. Autonome Rufbusse werden auf dem Land früher Alltag sein als in der Stadt. Äh, ich fürchte, das ist tatsächlich nicht der Fall, ähm, oder es wird nicht so sein. Wir haben ja schon das erste Rufbussystem in, in Hamburg installiert mit Moya, ähm, was autonom, ähm, operiert. Jetzt noch nicht in der Masse, aber es wird jetzt immer weiter skaliert und, und ausgerollt. Ähm, die Städte sind in der Regel hier immer der Innovationsführer, ähm, weil gerade auch die, die Landkreise, die Landräte, ähm, noch 'ne Überzeugungskraft brauchen, ähm, um zu verstehen, was hier eigentlich passiert, um zu verstehen, äh, auch welche wirtschaftliche Bedeutung das für ihren Landkreis hat. Ähm, deswegen wird es in der Regel zunächst über die Städte ausgerollt und kommt dann ins Land. Es ist leider so. Man könnte ja eigentlich denken, dass es eigentlich auf dem Land wichtiger ist, ne? Es ist. Genau. Weil in der Stadt gibt an sich ja genug andere Mobilitätsmöglichkeiten. Hundertprozentig. Ähm, wir brauchen's in der Stadt so faktisch nicht. Es wird natürlich kommen und auch die Robotaxis, also die, die neuen Art von Taxisystemen, werden natürlich in der Stadt kommen, weil's dort ökonomisch attraktiv ist. Und die werden auch die Straßen sicherer machen. Ähm, das, das sind die guten Nachrichten. Aber wir brauchen's in aller Regel, äh, vor allem auch im ländlichen Raum. Ladesäulen sind auf dem Land häufiger überlastet als in Städten. Das glaube ich nicht. Äh, das ist, glaube ich, ein Mythos. Ich glaube ja auch, dass wir im ländlichen Raum dann auch keine Ladesäulen mehr brauchen, weil wir alle Photovoltaikanlagen dann auf den Eigenheimen installiert haben. Wir haben natürlich dann auch keine Tankstellen mehr. Das wissen auch die Mineralölkonzerne wissen das natürlich schon und bereiten sich darauf vor. Ähm, die Elektromobilität hat ja da in, in jeder Hinsicht gewonnen. Wir sprechen, kein Mensch spricht mehr über fossile Antriebe außer der Politik. Auch die Automobilkonzerne sprechen nicht mehr über Fossilität. Keine Sorge an dieser Stelle. Aber im ländlichen Raum werden wir ein sehr intelligentes Energiemanagement zur Verfügung haben, was, ähm, die Module bidirektionales Laden, ähm, sehr, sehr stark in den Mittelpunkt rückt. Man muss sich das so vorstellen, dass dann ein, ein Gewerbebetrieb zum Beispiel einen vielleicht elektrischen Van hat und dann ist dieser Van mit einem Speicher von, von hundert, äh, Kilowattstunden, hundertzwanzig Kilowattstunden ist halt der, das Energiemanagement des gesamten Gewerbebetriebes. Und dann gibt's 'ne Photovoltaikanlage, wo das eingespeist wird und dann ist die Batterie des Fahrzeuges, ist der Puffer, ähm, des Hauses und des, des Betriebes und, ähm, der regionale Energieversorger greift auf diese Energie zu, wenn ich in Spitzenlastzeiten dann genau einen, einen Ausgleich brauche. Und das ist hochintelligent und incentiviert tatsächlich sogar den, den Gewerbebetrieb, weil immer dann, wenn der Energieversorger auf die Energie zugreift, ähm, verdien ich damit Geld. Ähm, da ist jetzt, also in den USA und in China funktioniert das schon und da sind tatsächlich riesige Erlöse mit zu erzielen. Es gibt jetzt die ersten Angebote in Deutschland. Da muss ich sagen, das ist dann eher, ich glaub, das ist ein vorsichtiges Vortasten in dieses, in dieses neue Geschäftsfeld. Da werden wir noch ganz, ganz andere Dimensionen sehen und erleben, aber es wird spannend. In ländlichen Regionen steigt der Anteil der E-Autos schneller als in vielen Städten. Das ist 'ne richtig gute Frage, die ich tatsächlich nicht glaube. Ähm, ich weiß es aber nicht. Ähm, ich würde sagen, in den Städten haben wir tatsächlich mehr Elektroautos als im ländlichen Raum, weil die Sorge ob der Reichweite, die ja, es ist 'ne Sorge der Menschen, wir müssen sie ernst nehmen, aber ihr könnt euch sicher sein, ähm, diese Sorge ist unbegründet, dazu führt, dass man eher am, am tradierten Antrieb erst mal festhält. Weißt du's besser? Ähm, ich mein, auf der anderen Seite haben im ländlichen Raum die Leute häufig 'n Einfamilienhaus- Ja. -einen eigenen Stellplatz- Ja. -PV aufm Dach- Ja. -und 'ne Ladesäule, was du halt in den Städten ja eher- Richtig. -nicht hast. Ist richtig. Wo die Herausforderung des Ladens häufig komplizierter ist. So ist es. Hast du vollkommen recht. Also es, vielleicht, äh, nimmt es, gibt es sich so, so auf 'ner Waage, ne. Es ist vielleicht so 'n bisschen das Für und Wider balanciert sich so 'n bisschen aus. Ja, es gibt Argumente für das eine wie das andere. Mhm. Okay. Also diese Frage hat die KI erstellt und die sagt, es ist Fakt, dass in ländlichen Regionen der Anteil der Autos schneller wächst als Aber ich will auch nicht immer der KI glauben. Die KI weiß nicht alles, aber sie, sie ist ein guter Impulsgeber. Ja. Ähm, genau, wir gucken jetzt mal mehr in Richtung Zukunft der ländlichen Mobilität. Und weil wir auch grad schon über KI gesprochen haben: Glaubst du denn, dass künstliche Intelligenz, die ja grade überall 'n großes Thema ist, auch dafür sorgen wird, dass die ländliche Mobilität attraktiver wird, vielleicht nicht mehr so stark aufs eigene Auto? Ja, das ist, das ist mit Sicherheit genau der Fall. Ähm, diese Systeme sind alle miteinander integriert. Mein persönlicher Kalender, äh, die Information, welche Mobilität ich wo wie zur Verfügung habe, das balanciert die KI aus. Sie stellt mir das zur Verfügung, ähm, wohin ich ihn trainiert habe. Ich möchte eher nachhaltiger unterwegs sein oder ich möchte eher zeitoptimiert unterwegs sein oder ich möchte, äh, die schönste Route, ähm, haben. Genau dafür wird mir die richtige Reiseoption zur Verfügung gestellt. Ich kann heute schon, ähm, Reels, die ich auf Instagram poste, kann ich schon an die KI schicken. Ich bekomm innerhalb von Sekunden einen Reiseplan, einen Reisevorschlag, äh, Hotelvorschläge, Buchungsvorschläge, äh, die genau diesen Stimmungen, Atmosphären des, des Reels entsprechen. Ähm, ich kann das wiederum antrainieren, was meine Vorstellungen und Präferenzen sind, bekomm dann wieder meine mir, ähm, zugewiesenen Präferenzen. All das wird durch die KI möglich sein und sie wird die Mobilität verändern in dieser Hinsicht, das ist vollkommen klar. Und du hast jetzt auch schon das Thema autonomes Fahren angesprochen und auch in der vergangenen Folge, als wir über die Mobilität in der Stadt gesprochen haben, hast du auch gesagt, dass eigentlich der Trend dahin gehen wird, dass wir immer weniger ein eigenes Auto haben. Ähm, meinst du, das wird auf dem Land auch so sein? Das wird dort auch im ländlichen Raum signifikant weniger werden. Ähm, dieses, die neuen autonomen On-Demand-Angebote und auch Robotaxi-Angebote stellen mir eine Mobilität zur Verfügung, die einzigartig ist. Ich werde gefahren, ist sowieso ein, ein, ein einmaliger Luxus. Ähm, wir sehen, wir sehen, wir, Menschen, wir, Menschen können uns sehr schlecht Entwicklungen vorstellen und jeder sagt natürlich automatisch: „Nein, ich möchte immer mit meinem Auto selbst steuernd, ähm, das durch die, durch die Räume bewegen und ich möchte immer mit meinem Diesel- oder Benzinauto fahren." Und heute wissen wir ja, die Leute fahren Elektromobilität zum allerersten Mal und achtzig Prozent sagen danach: „Um Gottes willen, ich will nie wieder diese alte Krücke Diesel und Benzin fahren", weil das ist ja ein ganz anderes Autoerlebnis. Und genauso wird es auch mit autonomen Fahrern sein. Ähm, irgendwann wird der Gesetzgeber sagen: „Ihr, ihr dürft gar nicht mehr selber Autos fahren, weil ihr viel zu, weil es zu unsicher ist und die autonomen Konzepte werden alles übernehmen." Das ist etwas, was in Deutschland tatsächlich noch gar nicht gedacht wird, aber es wird genauso kommen. Und das wird den Autobesitz, den eigenen Autobesitz natürlich massiv schmälern und reduzieren. Und das ist, das muss man sich über den Zeitverlauf, ähm, werden wir das beobachten müssen und wir werden das auch über den Zeitverlauf natürlich auch diese, diese Prognosen, ähm, steuern und differenzieren müssen. Das wird langsam beginnen und irgendwann wird es explosionsartig voranschreiten. Was machen wir denn dann mit den drei Stellplätzen, die vor dem Einfamilienhaus sind, wenn wir gar nicht mehr eigene Autos haben? Wir werden uns, ähm, dort den Garten erweitern und Bäume pflanzen, weil wir brauchen diesen Schattenplatz, um bei vierzig Grad Außentemperatur, ähm, auch noch angenehm im Freien zu sitzen. Und wir brauchen entsiegelte Fläche, ähm, um einfach die Starkregenereignisse auch abfedern zu können. Also unsere Immobilien werden anders aussehen. Ich halte Vorträge bei vielen Immobilienkongressen, wo tal-, über Milliardeninvestitionen von Shoppingcentern zum Beispiel gesprochen wird, mit riesigen Parkplätzen. Und solche Investitionen werden Stand heute infrage gestellt, weil man versteht, dass durch autonome Mobilität und durch ein neues Mobilitätsverhalten dieser Parkraum gar nicht mehr gebraucht und genutzt werden wird. Und das ist natürlich, ähm, sowohl für den Klimaschutz, äh, für CO₂-Emissionen, als auch für die, für die Investitionssummen ein, ein Riesenstellhebel, über den wir da sprechen. Also wenn wir mehr Fläche für Blumenbeete und, äh, Sandkästen und so weiter haben, ist auch schön. Die, ähm, Gärtnereien werden davon profitieren. Glaubst du denn auch, dass das dafür sorgen wird, dass wir weniger diese Elterntaxi-Problematik vor Schulen haben werden? Was ist generell dein Standpunkt zu Elterntaxi? Elterntaxis sind ein großes Problem für Kinder. Ähm, Elterntaxis haben überhand genommen, äh, sind auch explodiert tatsächlich über die letzten Jahre aus einem merkwürdigen Sicherheitsbewusstsein heraus, aus einem merkwürdigen Komfortbewusstsein heraus. Ähm, man muss wissen, dass die Elterntaxisituation für Kinder tatsächlich die gefährlichste Situation des Tages ist. Also gerade die Situation vor Schulen, wenn hektische Väter und hektische Mütter ihre Kinder auf die Straße entlassen. Überall wird rangiert, überall wird blockiert. Alle müssen schnell dann zur, zur Arbeit oder zum Einkaufen oder sonst irgendwie etwas. Und das ist für Kinder hochgradig gefährlich. Ähm, es hat kognitive Einflüsse auf die Entwicklungsfähigkeit der Kindern, im Taxi, im Elterntaxi zu sitzen. Ähm, es ist massiv negativ belastet. Die Bewegungsfähigkeit von Kindern wird weiter massiv eingeschränkt. Kinder bewegen sich heute so wenig wie noch nie zuvor. Ähm, auch ein, ein großes substanzielles Problem. Äh, das heißt, Schulen fangen jetzt oder Städte fangen jetzt an, die Autoräume um Schulen freizuräumen, autofrei zu machen. Ähm, Deutschland ist hier tatsächlich sehr, sehr langsam immer noch in der Umsetzung. Andere Länder, andere Städte sind da viel, viel weiter. Aber wir brauchen autofreie Schulareale, Räume, um Kindern wieder Mobilität und Bewegungsmöglichkeiten zu entwickeln und, äh, zu, zu befähigen. Und da, das bedeutet Aufklärungsarbeit, ähm, von Schulen durch Schulen an die Eltern adressiert, weniger die Kinder mit dem Taxi, Elterntaxi kommen zu lassen. Ich hab dich in 'ner Folge, wo wir über die sta-städtische Mobilität, ähm, gesprochen haben, als Abschlussfrage hab ich dir gestellt: Wenn du 'n Joker frei hättest, welche Maßnahme würdest du wählen, damit Mobilität in der Stadt schnell vorankommt? Da hast du geantwortet: Parkplätze wegnehmen. Wenn wir jetzt übers Land sprechen, welchen Joker würdest du da wählen? Äh, ich würd vielleicht 'n eher generalistischen Joker nehmen. Ich würde die Pendlerpauschale einkassieren, ich würde die Dieselsubventionierung einkassieren und ich würde das Dienstwagenprivileg einkassieren. Dann hätte ich plötzlich zwanzig Milliarden Euro zur Verfügung und die könnte ich in einen ÖPNV investieren. Wir wissen, der Betrieb des ÖPNVs in Deutschland kostet so zwanzig, zweiundzwanzig, vierundzwanzig Milliarden Euro. Nicht die Investition, sondern nur der Betrieb. Ähm, und das könnte ich natürlich mit diesen zwanzig Milliarden, die ich über diesen Steuer, ähm, Bonus erzielen könnte, extremst gut in die Fläche, in den ländlichen Raum bringen. Ich bin gespannt, ob der oder die ein oder andere Politiker, Politikerin zugehört hat und das auch so sieht und so umsetzen wird. Wir werden das verfolgen, Stefan. Auf jeden Fall schön, dass du ein weiteres Mal da warst. Das war wieder sehr interessant, auch die, die ländliche Brille mal aufzusetzen. Grade hier in Schleswig-Holstein ist das ja 'n großes Thema: Wie bekommen wir auch die ländlichen Regionen in Richtung Zukunftsmobilität hin? Stefan, vielen Dank, dass du ein weiteres Mal da warst. Wir sagen Tschüss, bis zum nächsten Mal. Tschüss, vielen Dank. Das war Shift. Der Norden macht Zukunft. Der Energiewende Podcast der EKSH

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